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I M S U P E R N AT U R M A R K T

VEGANE KOLUMNE

Eine Frage der Etikette Die mitunter zweifelhafte Verwendung von Vegan-Labels

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IE VEGANE ERNÄHRUNG IST EINDEUTIG IM MAINSTREAM ANGEKOMMEN. Es gibt mittler­

weile an fast jeder Ecke Optionen, sich tier­ frei zu verpflegen. Für die meisten Lebens­ mittel mit tierischen Bestandteilen gibt es pas­ sende Ersatzprodukte und man muss eigentlich nur ein paar Dinge beachten, um die Ernährung problemlos umstellen zu können. Ganz abgesehen davon, dass Obst, Gemüse, Nüsse und Saaten ohnehin vegane Lebensmittel sind. Trotz des gesteigerten Interesses am Veganismus ist das Thema aber noch immer für viele neu und fremd. Befasst man sich erstmals damit, ist ein wenig Unterstützung von außen sehr hilfreich. Also sucht man nach eindeutigen Zeichen auf den Ver­ packungen und Schildern, die rein pflanzliche Produkte als solche kennzeichnen. Hier gibt es offizielle Labels von ­Verbänden wie zum Beispiel die Vegan-Blume der britischen Vegan Society oder das V-Label der Europäischen VegetarierUnion, aber auch eigene Lösungen der Hersteller, die verdeut­ lichen, dass man guten Gewissens zugreifen kann. Aber kann man das wirklich? In meinen Augen steht ­Veganismus für mehr als das Weglassen tierischer Bestandteile in einem bestimmten Produkt. Veganismus hat verschiedene Wirkungsrichtungen: In erster Linie geht es um die Vermeidung von Tierleid, das stimmt. Aber es geht auch um Umweltschutz und den Schutz der Menschen, gesundheitlich wie sozial. Sinnvoll für Mensch und Erde, sozusagen! Daher geht Vega­ nismus für mich immer einher mit ökologischem Anbau der Zutaten und fairen Bedingungen. Auf der einen Seite ist es schön zu sehen, dass selbst die größten konventionellen Fleischverarbeiter Deutschlands nun auch vegane Produkte anbieten. Allerdings ist wichtig zu

wissen, dass diese Unternehmen durch die Erschließung des Boom-Markts ­»Vegan« und damit verbundene Gewinne nicht etwa die Anzahl der geschlachteten Tiere verringern, sondern sich lediglich ein weiteres Geschäftsfeld zunutze machen. Ich unterstelle, dass es hier kein Bewusstsein für die Verringerung von Tierleid gibt oder empfohlen wird, ­weniger Fleisch zu essen. Es geht nur um Profit, der auch die Massentierhaltung wieder unterstützt. Daher halte ich es für zweifelhaft, dass diese Hersteller nun Labels von renommierten und vertrauten Verbänden tragen, obwohl der vegane Gedanke damit ad absurdum ge­ führt wird. Dass jeder sein pflanzliches Produkt als vegan kennzeichnen darf, ist eine Sache. Dass die konventionelle Industrie aber ein offizielles, aus Verbrauchersicht wie ein Gütesiegel wirkendes Kennzeichen tragen darf, ist für mich der blanke Hohn. Und wozu wird es führen? Dass der unwissende Verbrau­ cher, dem es vielleicht doch nicht nur um die eigene Ernäh­ rung, sondern auch um ethische Aspekte geht, nun denkt, dass er beim Griff ins Regal richtig handelt. Ich werde nicht müde, es zu sagen: Vegan ist nur fair gehandelt und in BioQualität vegan. Alles andere ist das Ausnutzen von Wissens­ lücken und eine Verwässerung des ursprünglichen veganen Gedankens: Mitgefühl und Gewaltlosigkeit für die Tiere, die Umwelt und den Menschen.

Julian Stock, 34, ist Sortimentsmanager bei Alnatura. Er befasst sich mit den Entwicklungen und Trends bei den Ernährungsgewohnheiten und setzt sich für eine nachhaltige Lebensweise ein. Schreiben Sie ihm, wenn Sie möchten: julian.stock@alnatura.de Alnatura Magazin 11.2016

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Alnatura Magazin - November 2016  

Kostenloses, monatliches Kundenmagazin der Alnatura Super Natur Märkte.

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