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edition monacensia Herausgeber: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek Dr. Elisabeth Tworek


hingerissen in eurer Mitte Schamrock-Festival der Dichterinnen 2012

Herausgegeben von Augusta Laar Alma Larsen S. I. Struck


Weitere Informationen über den Verlag und sein Programm unter: www.allitera.de

November 2013 Allitera Verlag Ein Verlag der Buch&media GmbH, München © 2013 für diese Ausgabe: Landeshauptstadt München/Kulturreferat Münchner Stadtbibliothek Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek Leitung: Dr. Elisabeth Tworek und Buch&media GmbH, München Umschlaggestaltung: Schamrock e.V., München Umschlaggrafik: Valerie Kiock graphic design Printed in Germany · isbn 978-3-86906-539-7


Vorwort der Herausgeberinnen Die ersten Jahre des Schamrock-Salons, der seit 2008 in München existiert, fanden im Oktober 2012 mit einem dreitägigen Lyrikerinnen-Festival ihren Höhepunkt und die Bestätigung, dass dieses Netzwerk der Dichterinnen fortgesetzt und ausgebaut werden muss. 47 deutschsprachige Dichterinnen folgten der Einladung von Augusta Laar, der Gründerin des Schamrock-Salons und des Festivals, um mit Kolleginnen aus Österreich, Südtirol, Finnland, USA und der Schweiz drei Tage lang die Lyrik in all ihren Facetten in der Pasinger Fabrik in München vorzustellen und zu feiern. Das Spektrum reichte von klassischen und experimentellen Formen über themengebundenes Schreiben und lyrischer Prosa bis zu Cross-Art-Projekten und Performances. Für Augusta Laar und ihre Mitveranstalterinnen Alma Larsen und Sarah Ines Struck, selbst Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, war es ein Abenteuer, das in zweijähriger Arbeit mit viel Freude und Engagement verwirklicht wurde. Das große Echo und zahlreiche positive Rezensionen, aber auch die Begeisterung der jungen wie der bereits etablierten Lyrikerinnen gaben den Impuls zu dieser Anthologie. »hingerissen in eurer Mitte« – das Motto aus der »Gruszbotschaft« von Friederike Mayröcker zum 1. Schamrock-Festival der Dichterinnen haben wir uns als Titel gewünscht, für den wir ihr unseren herzlichen Dank sagen möchten; darunter sind nun alle Lyrikerinnen mit ihren aktuellen Gedichten versammelt. Gleichfalls bedanken wir uns bei den Besuchern und Förderern des Festivals. Unser besonderer Dank gilt der Monacensia, dem Literaturarchiv der Landeshauptstadt München und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München, sowie dem Allitera Verlag, die uns beim Zustandekommen der Anthologie ideell und materiell unterstützt haben. Das nächste Schamrock-Festival der Dichterinnen wird im Herbst 2014 in München und Wien stattfinden.

Schamrock e. V. Augusta Laar, Alma Larsen, S. I. Struck www.schamrock.org


Anna Breitenbach

Äpfel und Zepter es gibt Männer, die machen ihre Frauen zu Mägden, weil sie nicht König sind, zu Füßen einer Königin

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Heimkehr der Heldin wie sie gestern noch spät vom Supermarkt kommt, den Wagen beladen mit Nahrung zwischen Feldern die Straße von Ampeln gehalten, den Himmel sieht sie überm Land gebogen, schon halb zugezogen abendrötlich eingefärbt – da streift sie der Satz, ein leiser Schauer: über den Planeten fahr ich heim zu mir

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was soll ich denn machen mein schwarzes Unterhemd hat an der Seite ein Loch – man hat es mir mehrmals gesagt seit dem letzten Sommer ist es so ich nenne es: das Einschußloch – wie könnte ich es zunähen, wo es doch einen Namen hat und wächst

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Ulrike Budde

Aussicht Huch, da hängt das letzte Blatt. Es hängt seit einem Montag dort allein, als noch die Sonne schien. Schau! Schau! Es schaukelt leicht. Dann werd ich’s wohl nicht wiederseh’n. Ich bleibe fort, über kalte Zeiten sicher. Oder hat’s mich grad gegrüßt von seinem hohen Platz? Eine kleine Reise schwebt ihm ja noch vor. Wer weiß schon, wie weit dagegen ich noch komme? Der tiefe Boden ist uns beiden gewiß, eines Tages oder Nachts.

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Für den Fall Liebst du das Leben? So selbstverständlich ein Gedicht schreiben wie über die Straße gehen. Aber wohin ausweichen wenn Warum soll ein Scharfschütze Mitleid haben – mit den Tauben? den Kindern? dem Kanister? Lies die Worte langsam, damit du einen Vorrat hast, wenn du verstummst.

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road map Bau ein Haus für mich. Setz Krokodile aufs Dach, wo Engel versagen und Hähne heiser krächzen. Stopf die Löcher deiner Träume in eine Flaschenpost, träufel zweimal piri-piri ins motherboard der Küchenuhr. Jetzt schließ das Gartentor, sprich mit den Ameisen und geh einmal um die Welt. Wenn du dann wieder kommst, reiße ich die Fenster auf und lasse die Löwen los.

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Lydia Daher

Was wir brauchen Es reicht für den Anfang eine Balkonszene. Und Zeit, die sich dehnt. Ein paar Details, unwichtig welche. Vielleicht kommst du auch vor. Die Modernität deiner Melancholie in fälligem Licht. Wahrscheinlich lässt sich bald darüber schreiben. Es wäre verlogen und warm. Und nicht anders vorstellbar.

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978 3 86906 539 7 leseprobe issuu  
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