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Eine Rose für die Welt Missio-Gebetsinitiative

Missio konkret HIV/Aids-Waisen in Thailand

Missionarische Gemeinde Für Priester aus 3 Kontinenten

DAS PRAXISHEFT FÜR SCHULE UND PFARRE . 2011 . Ausgabe 4 . Pauline Jaricot . www.missiothek.at

missiothek

Das Vermächtnis der Pauline Marie Jaricot


02_Editorial

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Inhalt

„Mit voller Hingabe“ So könnte das Motto lauten, unter dem Pauline Jaricots Leben stand. Am 9. Jänner 2012 jährt sich ihr Todestag zum 150. Mal. Das ist für Missio eine gute Gelegenheit um das Leben dieser „Sozialreformerin und Mutter der Mission“ näher zu beleuchten. Pauline ist in unseren Breiten kaum bekannt. Ihre Werke dafür umso mehr: Das Werk der Glaubensverbreitung, das sie gründete, darf sich seit vielen Jahrzehnten als eines der vier Päpstlichen Missionswerke (Missio) einer starken und ungebrochenen Unterstützung der Österreicherinnen und Österreicher erfreuen. Unser Land brachte und bringt nicht nur sehr viele Missionare hervor, wir unterstützen sie auch leidenschaftlich gerne, wie die Sammlung zum Weltmissions-Sonntag und die so genannte „Missio-Weihnachtsgabe“ immer wieder beweisen. Aber Pauline ist noch auf andere Weise präsent: Auch in Österreich gibt es nach wie vor viele Menschen, die täglich den „Lebendigen Rosenkranz“ mitbeten – eine weitere großartige Erfindung Paulines. Nicht zuletzt deshalb greifen wir sie im Jahr 2012 neu auf und bitten ganz Österreich um „Eine Rose für die Welt“. Wie diese Gebetsaktion genau funktioniert, erfahren Sie auf den folgenden Seiten. Ich lade Sie recht herzlich ein, dabei mitzumachen und selbst zu erleben ,wie Gebet die Welt verändern kann. Pauline glaubte fest daran. Schon zu ihren Lebzeiten beteiligten sich 15 Prozent der französischen Bevölkerung am Lebendigen Rosenkranz. Aus ihrem Werk der Glaubensverbreitung ging mit dem Weltmissions-Sonntag die größte Solidaritätsaktion der Welt hervor, an der sich auch 2011 mehr als eine Milliarde Menschen beteiligten. Gebet wirkt eben. Herzlichst, Msgr. Leo-M. Maasburg Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich

Cover Das Porträt Pauline Jaricots als junge Frau.

THEMA PAULINE JARICOT

03–09 03 09 10–11 12–13

Titelstory „Pauline Jaricot“ – über die „Mutter der Mission“ und ihr Werk der Glaubensverbreitung. „Menschen dienen, Gott geben.“ Ein fiktives Interview mit Pauline Jaricot. Über Pauline: Der Generalsekretär des Werkes der Glaubensverbreitung ist ein echter Jaricot Experte.

missiothek SERVICE online Mehr auf S. 28

03 Pauline Jaricot In Lyon (Bild) geboren, gründete Sie das zentrale Werk zur Förderung der Kirche auf allen Kontinenten.

16 Serie Weltreligionen Bis zu 60 Prozent beträgt der Anteil der „Sectas“ in einigen Regionen Lateinamerikas. Eine Herausforderung für die katholische Kirche.

20 Der Rosenkranz Geschichte und Tradition eines der zentralen Gebete der katholischen Kirche.

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14–15 18–19

News aus der Weltkirche: Weltklimagipfel in Durban, Mikrofinanz und „Rock to Bethlehem“. Buchrezensionen: Medien für Sie getestet. Bücher, CDs und Tipps für Studium und Unterricht.

WELT DER RELIGIONEN

16–17

Serie Weltreligionen: Teil 2 der Reihe befasst sich mit der „Theologie des Wohlstands“.

THEMA ROSENKRANZ

20–23

Der Rosenkranz für die Mission neu entdeckt.

MISSIONARISCHE GEMEINDE

24–25

Die Epiphanie-Kollekte zu Gunsten der Prieseterausbildung in den Ländern des Südens. Interview mit einem Neupriester aus Rwanda.

MISSIO KONKRET

26-31 Weihnachten mit AIDS-Waisen in Thailand, eine Studienreise von Missio-Steiermark nach Brasilien und die Missio-Geschenkpralinen.

ARBEITSBLÄTTER

27–30

So wird jede Unterrichtsstunde zum Erlebnis: zum Heraustrennen und Abheften. Viele Arbeitsblätter zusätzlich auch online: www.missiothek.at. Gleich anmelden und ausprobieren!


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Soziale Vorkämpferin und Mutter der Mission

Am 9. Jänner 2012 jährt sich zum 150. Mal der Todestag von Pauline Marie Jaricot. Sie gründete nicht nur das „Werk der Glaubensverbreitung“, das für die Finanzierung der Weltkirche von entscheidender Bedeutung werden sollte. Im „Lebendigen Rosenkranz“ organisierte sie eine alle Kontinente umspannende Gebetsliga. Ihr Millionenerbe widmete sie den Arbeitern.

Foto: Andreas Thonhauser

Text_MONIKA SCHWARZER

Gebet wirkt Eine junge Afrikanerin betet andächtig vor einer Lourdes-Grotte in Kamerun. Im westafrikanischen Land spielt das Gebet auch im Alltag eine große Rolle.

„Oh Herr, erlaube mir, dich zu finden und wenn ich dich einmal gefunden habe, nie mehr zu verlieren.“ Pauline Jaricot werkmappeMMMissiothek 1104


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Pauline Jaricot

Fotos: Walchhofer, Missio

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Irak Das christliche Ehepaar Joseph und Haiba (l. u.) musste aus Bagdad fliehen. Der anti-christliche Terror war für sie nicht mehr länger tragbar.

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auline Marie Jaricot wird am 22. Juli 1799 in ein Zeitalter geboren, das von den Schrecken der französischen Revolution erschüttert ist. Durch die Kirche geht der Riss zwischen den Konstitutionspriestern des Staates, die sich mit dem Zeitgeist verbünden, und den Priestern in Treue zu Rom. Vor dem Hintergrund der blutigen Verfolgung rückt in der Kirche die Sorge um das Heil der Seelen und die Bekehrung der Welt zu Jesus Christus wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen. Die daraufhin von Frankreich ausgehende missionarische Aufbruchbewegung erfasst ganz Europa. Dies lässt sich auch an der Zahl der neu gegründeten katholischen Missionskongregationen und Missionsgesellschaften ablesen: Im Zeitraum von 1800 und 1914 entstehen allein in Europa, vor allem in Frankreich, 29 Kongregationen, sowie 250 Missionsvereine und Hilfswerke. Getragen wird der missionarische Frühling in erster Linie von der Masse der einfachen Bevölkerung, durch Zusammenschlüsse von Laien in Missionsvereinen oder Missionszirkeln. In ihrer Geburtsstadt Lyon, damals eines der größten Industriezentren Frankreichs, ist Pauline von Kindheit an mit den sozialen Problemen der Arbeiterschaft konfrontiert. „Glücklich, wer von seinen Eltern die ersten Saatkörner des Glaubens empfangen hat“, schreibt Pauline an ihre Freundin Julia Maurin. Als Pauline das Licht der Welt erblickt, besteht der Kreis der Familie bereits aus sechs Kindern. Ihre Eltern Antoine Jaricot und Jeanne, geborene Lattier, sind fromme Kaufleute, die sich durch den Seidenhandel ein millionenschweres Vermögen erworben haben. In der vornehmen Gesellschaft Lyons steht die Familie im Ruf „parvenue“ zu sein, bei den Armen und der Kirche jedoch gelten sie als sehr gottesfürchtig und großzügig. Als die Mutter stirbt, deutet noch nichts im Leben der siebzehnjähmissiothek 1104

rigen Pauline darauf hin, dass ihr Leben in eine ganz andere Richtung gehen wird als es für eine junge Frau aus bürgerlichem Haus üblich ist. Sie vergnügt sich auf Bällen. Ihrer Kleidung sieht man an, dass sie eine Seidenhändlerstochter ist. Stets sind es die schönsten Stoffe, die modernsten Schnitte, die Pauline zum Mittelpunkt der allgemeinen Bewunderung machen. Und sie gefällt sich darin. Auf keiner gesellschaftlichen Veranstaltung will sie fehlen.

Der Skandal

Pauline wird erstmals zum Stadtgespräch, als sie aufgrund der Predigt des Abbé Würtz über die Illusionen der Eitelkeit bei einer Abendandacht in der Kirche St. Nizier beschließt, ihr Leben radikal zu ändern. Das beginnt zunächst einmal beim Äußeren: sie kleidet sich in den Gewändern der Arbeiterinnen, verkauft ihren Schmuck, die Seidenstoffe ihrer Ballkleider werden zu Paramenten verarbeitet. Das geht sogar so weit, dass der Vater ihr schließlich verbietet, etwas von ihrem Eigentum ohne seine Erlaubnis herzuschenken. „Es ist mir so schrecklich“, schreibt sie später, „mit meinen Gewohnheiten von Luxus und Eleganz zu brechen, dass ich in den ersten Monaten meiner Bekehrung


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jedes Mal grausam leide, wenn ich mich in meiner lächerlichen Aufmachung in der Öffentlichkeit zeige.“ Der äußeren Veränderung entspricht eine radikale innere Umkehr: Anstatt an gesellschaftlichen Unterhaltungen teilzunehmen, besucht sie unheilbar Kranke in den Spitälern und pflegt sie. In der Kapelle von Fourvière legt sie in der Weihnachtsnacht 1816 ein Privatgelübde ab, Jungfrau zu bleiben. Zu diesem Zeitpunkt ist sie gerade 17 Jahre alt. Pauline ist nicht das einzige Mitglied der Familie, das eine solch leidenschaftliche Bekehrung erlebt. Ihr Lieblingsbruder Philéas tritt ins Priesterseminar ein. Mit ihm verbindet sie seit Kindertagen der Traum vom Missionieren. Einmal heckten sie als Kinder sogar den Plan aus, in die Chinamission zu gehen. Weil es der Bruder nicht für schicklich hielt, ein Mädchen nach China mitzunehmen, dachte Pauline daran, sich für das Abenteuer als Mann zu verkleiden. Philéas Jaricot studiert in Paris am Seminar St. Sulpice, wo künftige Missionare ausgebildet werden. Dort und in den „Missions Étrangères“ in der Rue du Bac langen Berichte von Missionaren aus aller Welt ein. Philéas schreibt darüber an seine Schwester. Als Pauline vom Mangel an finanziellen Mitteln hört, die zur Neuerrichtung und den Ausbau von Missionsstationen nötig sind, entflammt ihre Hilfsbereitschaft. Von da an überlegt sie, auf welche Weise sie einen möglichst großen Kreis an Unterstützern finden kann. Die zündende Idee kommt ihr beim Kartenspiel an einem Abend im Spätherbst 1818. Wenn jede ihrer Freundinnen jede Woche nur einen „Sou“ spendete, selbst aber wiederum 10 Spenderinnen fände, die ebenfalls einen Sou für die Glaubensverbreitung geben würden, und nach dem

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Schneeballsystem immer so fort, dann ergäbe das in kurzer Zeit eine gewaltige, bis ins Unendliche erweiterungsfähige Hilfseinrichtung für die Mission. Als Pauline diesen Plan ihrem geistlichen Begleiter Abbé Würtz vorträgt, stellt dieser nur fest: „Pauline, Sie sind zu dumm, um etwas derart Gutes erfunden zu haben. Offensichtlich kommt der Plan von Gott. Daher erlaube ich es nicht nur, sondern ersuche Sie dringend, ihn umzusetzen.“ So wird der Verein für die Glaubensverbreitung geboren. Mit den Spendengeldern werden zunächst die Missionen in Asien unterstützt. Sein durchschlagender Erfolg beruht auf dem Almosen unzähliger „kleiner Leute“, nicht auf hohen Spenden einiger Reicher. Dabei ist das Ziel des Spendensammelns für den Verein sekundär. Seine eigentliche Grundlage sind das Gebet, Informationsaustausch und Kontakte knüpfen: „Wir versammeln uns, um zu beten und die Berichte der Missionare zu lesen, Zeugnisse, die aus der ganzen Welt gekommen sind. In dieser Epoche der Spaltung sind die Versammlungen eine Gelegenheit, uns auszutauschen und Verbindungen herzustellen.“ Von Anbeginn ist das Ziel Paulines weit gesteckt: „Lasst uns ein universales, ein katholisches System der Unterstützung etablieren.“ Es geht ihr nicht nur um das Heil des einzelnen Menschen, einer Stadt oder eines Volkes, sondern um nicht weniger als das Heil der ganzen Welt. Also lautet Paulines Motto: „Wir helfen nicht dieser oder jener Mission, wir helfen allen ohne Unterschied. Wir unterstützen die universale Sendung der Kirche.“ Der Solidaritätsfonds war ins Leben gerufen, dessen wesentliche Aufgabe in der Verteilungsgerechtigkeit liegt. Die Länder, in denen sich die Kirche schon etabliert hat, spenden für die Diöze-

„Jesus ist auf die Welt gekommen, das lebendige Wort für die ganze Erde zu bringen, und was will er anderes, als dass es sich entzündet und brennt?“ Pauline Marie Jaricot

AUFGABEN HEUTE Eine der wichtigsten Aufgaben des Werkes der Glaubensverbreitung ist die missionarische Bewusstseinsbildung. Diese wird gefördert vor allem durch: • Animation des missionarischen Bewusstseins in den jeweiligen Ländern.

• Information über das Leben der „Kirche in den Ländern des Südens“ für die Unterstützer des Werkes. • Formation und Förderung der missionarischen Ausbildung des Klerus. • Gebet und Opfer für die die Weltkirche und die weltweite Mission.

MISSIOTHEK.AT ONLINE • Exklusiv online: Unter „Unsere Mission“ auf www.missio.at wird das Selbstverständnis Missios ausführlich erklärt.

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Pauline Jaricot

sen, in denen die Kirche erst aufgebaut wird. So werden die gesammelten Gelder und Almosen einem Zentralrat in Lyon übergeben, dessen Aufgabe es ist, diese an die bedürftigsten Missionen zu verteilen. Das leidenschaftliche Engagement Paulines trägt bald Früchte und unterstützt wesentlich den Aufschwung der Mission der Kirche. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts verdreifacht sich die Zahl der Missionare. Da Pauline weiß, dass man besser betet und eher bereit ist zu geben für etwas, das man kennt, sammelt sie die Informationen aus den Briefen ihres Bruders und von Missionaren aus aller Welt in den „Annalen“, einer Zeitschrift, die zu den am weitest verbreiteten des 19. Jahrhunderts gehört. Später wird die Zeitung unter dem Titel „Solidaires“ in acht Sprachen übersetzt und hat weltweit eine Auflage von 400.000 Exemplaren. So viel Erfolg ruft natürlich auch Neid hervor: Andere Laienvereinigungen beklagen sich über die störende Konkurrenz und unterstellen Pauline Wichtigtuerei. Selbst wohlmeinende Freunde meinen, man dürfe die weniger Edelmütigen nicht durch so außerordentliche Beispiele von Frömmigkeit und Mildtätigkeit vor den Kopf stoßen und verärgern. Am 3. Mai 1822 kommt es zur statutarischen Gründungsitzung des Vereins. Die Geburtsstunde des Werks der Glaubensverbreitung.

Lebendiger Rosenkranz zur Evangelisierung

Mission ist nicht nur Evangelisierung nach außen, irgendwo in weiter Ferne bei „Ungläubigen“, sondern führt ebenso zu einer Evangelisierung nach innen. So ist es Pauline ein Bedürfnis, die Menschen in ihrem Umfeld zu evangelisieren und zwar mittels Gebet. Pauline bedauert, dass der Rosenkranz zu ihrer Zeit fast nur von denen gebetet wird, die Ordensgelübde abgelegt haben. Insbesondere von jenen Ordensleuten, die entweder zu alt oder zu ungebildet für das lateinische Stundengebet sind. Pauline beschließt den Rosenkranz populär zu machen. Sie, die früher Trendsetterin in Modefragen war, bringt nun den Rosenkranz bei der breiten Masse der gewöhnlichen Leute in Mode. So erfindet sie den „Lebendigen Rosenkranz“, der nach dem gleichen Grundsatz funktioniert wie bereits das Werk der Glaubensverbreitung. Die MISSIOTHEK.AT • Exklusiv online: Welche Rolle der Begriff Arbeit in der Bibel spielt, erfahren Sie im PDF: Arbeit_2 .pdf

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einzelnen Gesätze des Rosenkranzes stehen für Mitglieder. Jedes dieser Mitglieder verpflichtet sich, jeden Tag ein Gesätz des Rosenkranzes zu beten und jeden Monat über ein Rosenkranzgeheimis zu meditieren, das ihm zugelost wird. Und wieder ist es das Ziel, dass jedes Mitglied weitere anwirbt, um die Zahl der betenden Mitglieder in kurzer Zeit exponentiell zu vervielfachen. Der Erfolg ist durchschlagend: 1834 zählt der Lebendige Rosenkranz allein in Frankreich eine Million Anhänger. Als Pauline 1862 stirbt, sind es bereits 2,5 Millionen registrierte Anhänger – 15 Prozent der Bevölkerung Frankreichs. Die schnell anwachsende Gebetsliga braucht auch eine Einsatzzentrale. So ersteht Pauline 1832 ein großes Haus auf dem Hügel Fourvière in Lyon, das sie „Lorette“ nennt und in dem sie mit ihren Gefährtinnen in einer Art Laiengemeinschaft, den „Töchtern Mariens“, lebt. Aus den Spenden der Teilnehmer am Lebendigen Rosenkranz finanziert sie ein monatliches Rundschreiben, die Verbreitung von katechetischen Büchern, Heiligenbildern, Gedenkmünzen und Rosenkränzen. Im April 1834 erkrankt Pauline so schwer an einem Herzleiden, dass ihr das Sakrament der Krankensalbung gespendet wird. Ihre letzte Hoffnung setzt sie auf eine Wallfahrt nach Mugano zu den Reliquien der Hl. Philomena. Und wirklich wird sie durch ein Wunder geheilt. Bei ihrer Rückreise empfängt sie Papst Gregor XVI. in einer Privataudienz im Vatikan. Sie hat die Gelegenheit, ihm den Lebendigen Rosenkranz vorzustellen und äußert die Bitte, dass die Verehrung der heiligen Philomena als Patronin des Lebendigen Rosenkranzes anerkannt werden solle. Pauline bleibt für ein Jahr in Rom. Das Wunder ihrer Heilung wird schließlich anerkannt und der 11. August als Festtag der heiligen Philomena festgelegt. Nach ihrer Rückkehr nach Lyon wird das Haus Lorette zu einem Ort der Begegnung von namhaften späteren Heiligen: Jean-Marie Vianney, der Pfarrer von Ars, zählt genau so dazu wie Pierre-Julien Eymard, Thérèse Couderc und Claudine Thévenet. Sie alle bekommen bei Pauline nicht nur geistlichen Rat und Unterstützung durch Gebet, sondern auch finanzielle Mittel. Bischöfe, Priester und Vertreter von karitativen Hilfsorganisationen gehen bei ihr ein und aus – nie aber mit leeren Händen weg.

DIE VIER PÄPSTLICHEN FÜR VERFOLGTE MISSIONSWERKE Neben dem Werk der Glaubensverbreitung gibt es seit 1922 weitere drei Päpstliche Missionswerke, die der Kongregation für die Evangelisierung der Völker unterstellt sind. Präsident der Päpstlichen Missionswerke ist immer der zweite Sekretär der Kongregation (dzt. Erzbischof Piergiuseppe Vacchelli ).

• Das Werk der Glaubensverbreitung • Das Werk des heiligen Apostels Petrus • Das Päpstliche Missionswerk der heiligen Kindheit (Kindermissionswerk) • Die Päpstliche Missionsvereinigung der Kleriker


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Die Kirche ist und muss missionarisch sein.

Dass dieses Bewusstsein bei den Gläubigen wach gehalten wird, ist eine zentrale Aufgabe der Päpstlichen Missionswerke. 1922 wird das Werk der Glaubensverbreitung von Papst Pius XI. per Dekret zum päpstlichen Werk erhoben. Es hat in seinem „genetischen Code“ eine katholische Ausrichtung, nämlich räumlich und zeitlich unbegrenzt.

MISSIOTHEK IN DER PRAXISUND IHRE ENTMat Materialien und Tipps auf missiothek.at

Texte und Multimedia • Mission und Religionsfreiheit.mp3 Ein Audio-Vortrag von Prof. Schmidt zum Gratis-Download oder Online-Anhören.

Pädagogische Materialien • Arbeit_1.pdf Arbeitsbedingungen einst und jetzt.

• Arbeit_2.pdf Welche Rolle der Begriff Arbeit in der Bibel spielt.

• Steckbrief_Missionare.pdf Eine Beschreibung der

Anforderungen an einen Missionar.

Gebet und Liturgie • Gebetsheft: Beten mit den Worten von Pauline Marie Jaricot. Zu bestellen bei: Missio, Seilerstätte 12, 1010 Wien. bestellung@missio.at, Tel. (01) 513 77 22.

Vorkämpferin für die Rechte der Arbeiter

Um 1830 hat Lyon etwa 165.000 Einwohner. Davon sind geschätzte 30.000 mit Seidenweberei beschäftigt. Der Erlös aus dem Verkauf der in Lyon produzierten Seidenstoffe macht etwa ein Drittel der französischen Exporteinnahmen aus. Davon profitieren allerdings nur die Industriellen und die Kaufleute. Die Arbeiter hingegen – die meist in Heimarbeit tätig sind – leben unter härtesten Bedingungen. Als sie für ihre Erzeugnisse immer weniger Geld bekommen, wird die Forderung nach einem Mindestlohn laut. Ein Streik schlägt bald in bewaffnete Kämpfe gegen die von der Gendarmerie herbeigerufene Armee um. Die Hungerrevolte der Seidenweber von Lyon im November 1831 war der erste große soziale Aufstand zu Beginn des Industriezeitalters in Frankreich. Er wird, wie zwei weitere in den Jahren 1834 und 1848, durch das Militär niedergeschlagen. Die Not der Arbeiter lässt Pauline nicht kalt. „Es scheint mir, dass man dem Arbeiter zuerst die Menschenwürde zurückerstatten muss, indem man ihn von der unwürdigen Sklaverei der schlechtbezahlten Tätigkeit befreit. * (c) Bernhard Rindt

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Pauline Jaricot Pilgerstätte Viele Touristen kommen nach Lyon, um sich dort das Haus Paulines anzusehen (u.l.) und in der Kirche an ihrem Grab zu beten.

Dann seine Vaterwürde im Kreise der Familie in einer guten und gesunden Wohnung. Schließlich die Christenwürde durch Trost und Hoffnung der Religion. Gott selbst verpflichtet uns zu sozialer Gerechtigkeit“, meint sie und tritt für gerechte Löhne und geregelte Arbeitszeiten ein. Auch sollen Betriebe dazu verpflichtet sein, ihren Arbeitern freundliche Werkswohnungen zur Verfügung zu stellen. Schließlich seien Motivation und Verantwortungsbewusstsein der Arbeiter durch eine Beteiligung am Gewinn des Unternehmens zu heben. Mit all dem nimmt Pauline die wesentlichen Forderungen der katholischen Soziallehre vorweg, wie sie 1891 von Papst Leo XIII. in der Enzyklika „Rerum Novarum“ formuliert werden sollten. Pauline, stets eine Frau der Tat, will diese sozialen Forderungen sogleich selbst umsetzen. Doch dazu braucht man viel Kapital – mehr als selbst sie besitzt. So erfindet sie die so genannte „Himmelsbank“: Wohlhabende Gläubige sollen 10.000 Francs in einen Fonds einzahlen, der das Geld in Immobilien und Fabriken anlegt. Aus den Zinsen des Kapitals soll sich das Sozialwerk für die Arbeiter finanzieren. Als ersten Schritt investiert Pauline selbst in eine Mine und in eine Schmiede in Rustrel. Dort möchte sie den Arbeitern einen gerechten Lohn zahlen und einen Wohnort einrichten, wo die Kinder im Glauben erzogen werden. In der Schmiede sollen Statuen und Kruzifixe aus Eisen für die Kirchen in den Missionen produziert werden. Doch Pauline sitzt zwei skrupellosen Betrügern auf. In endlosen Prozessen versucht sie zu retten, was noch zu retten ist, verliert dabei aber alles. Weil sie sich selbst in einem Notariatsakt zur Schadloshaltung der vielen keinen Aktionäre verpflichtet hat, die im Vertrauen auf den guten Namen Jaricot investiert haben, ist sie schließlich finanziell ruiniert. Als auch die erhoffte finanzielle Hilfe aus Rom ausbleibt, wird sogar das Maison Lorette zwangsversteigert und alle bis auf dre Gefährtinnen der Töchter Mariens verlassen sie. 1853 trägt sie der Pfarrer von St. Just in der Liste der Armen ein. Der Hl. Pfarrer von Ars, mit dem sie eine langjährige Freundschaft und die Förderung der Verehrung der Hl. Philomena verbindet, sagt von ihr in einer Predigt:

Fotos: Walchhofer

Die Himmelsbank

„Ich kenne eine Frau, die weiß, wie man ein Kreuz trägt. Und das ist Fräulein Jaricot aus Lyon.“ Er ist es auch, der sie in die Bedeutung der Kreuzesmystik heranführt. „Der gütige Gott gewährt häufig eines der größten Geschenke in der Schatzkammer des Himmels, das Verstehen des Kreuzwegs; die Liebe zu den Prüfungen und Leiden. Meine Schwester, wenn man versucht, vom Kreuz loszukommen, wird man von seinem Gewicht erdrückt, aber wenn man es in Liebe annimmt, leidet man nicht länger.“ Pauline stirbt mit 62 Jahren einsam, verarmt und krank, aber keineswegs verbittert. In der Pfarre von St. Nizier, wo sie getauft worden war und wo sie häufig betete, findet man Paulines Grab. Es ist ein einfacher Marmorstein mit ihrem Namen. Ihr Seligsprechungsverfahren wird am 18. Jänner 1930 eröffnet und am 25. Februar 1963 unterzeichnet Papst Johannes XXIII das Dekret, in dem die Kirche ihren heroischen Tugendgrad feststellt, so dass sie als „Venerabile“ – „verehrenswürdig“ gilt. <

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DIE WICHTIGSTEN STATIONEN IN PAULINES LEBEN

• Exklusiv online: Ein Audio-Vortrag von Prof. Schmidt zum Gratis-Download oder Online-Anhören: Mission und Religionsfreiheit.

• Pauline wird 1799 in Lyon geboren. • Ihre Mutter stirbt, als Pauline 17 Jahre alt ist. Im selben Jahr zu Weihnachten legt sie ein Gelübde ab, Jungfrau zu bleiben. • Ihr Bruder Phileas tritt ins Priesterseminar ein und engagiert sich für die Asienmission. • 1818 hat Pauline eine Idee: Wenn jede

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ihrer Freundinnen jede Woche nur einen „Sou“ spendete, selbst aber wiederum 10 Spenderinnen fände, ergäbe das in kurzer Zeit eine gewaltige Summe – das Werk der Glaubensverbreitung entsteht. • Schon bald darauf beginnt sie auch mit dem „Lebendigen Rosenkranz“. • Pauline möchte mit ihrem Vermögen eine Fabrik gründen, von der auch die Arbeiter profitieren. Sie wird betrogen und endet verarmt.


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„Menschen dienen, Gott geben“

150 Jahre nach dem Todestag Pauline Jaricots sind die Päpstlichen Missionswerke in mehr als 150 Ländern der Welt tätig. Ihr Auftrag: Für die Mission weltweit zu beten, missionarische Bewusstseinsbildung zu fördern und die 1.100 ärmsten Diözesen der Welt durch Spenden zu unterstützen.

Spenden und helfen für die Weltmission Die größte Solidaritätsaktion der Welt Die Kollekte am Weltmissions-Sonntag, die dem Werk der Glaubensverbreitung zukommt, ist die größte Solidaritätsaktion der Welt: Mehr als 1 Milliarde Menschen auf der ganzen Welt sammeln für die 1.100 ärmsten Diözesen. < DER GLOBALE SOLIDARITÄTSFONDS So funktioniert er: • Am Weltmissions-Sonntag wird in allen Diözesen der Welt für die Weltmission gesammelt. • Das Geld fließt in den so genannten Solidaritätsfonds, aus dem die

Im Jahr 2010 sammelte das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung weltweit mehr als 114 Millionen Euro und verteilte diese Spenden gerecht auf die Kontinente.

1.100 ärmsten Diözesen unterstützt werden. Er ist eine Ausgleichkasse.

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• Im Mai treffen sich alle Nationaldirektoren in Rom. Sie bestimmen, mit welchem Betrag welche Diözese unterstützt werden soll.

• Exklusiv online:

• Das Geld wird direkt von den Nationaldirektionen an die jeweiligen Länder überwiesen.

Beschreibung der Anforderungen an einen Missionar.

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Pauline Jaricot

„Wer auf Gott hofft, wird nicht enttäuscht“

Ein fiktives Interview mit der Gründerin des Werkes der Glaubensverbreitung zu ihrem 150. Todestag. Text_MONIKA SCHWARZER

Fotos: Missio

Pauline, Sie entschlossen sich schon sehr jung dazu, sich Gott völlig hinzugeben. Warum sind Sie nicht Ordensschwester geworden? Ich fühlte mich zum gottgeweihten Leben einer Ordensfrau nie hingezogen: Mein Glaube war zu schwach, um diese Vollkommenheit jemals erreichen zu können. Ich nahm oft an Feiern der Einkleidung teil. Ich verspürte sehr bald, dass meine Berufung mich nicht in das Kloster führen würde. Ich wusste, dass ich Jesus auf einem anderen Weg nachfolgen muss. Deshalb entschied ich mich, als geweihte Jungfrau zu leben.

KURZVITA INTERVIEWPARTNER • Pauline Jaricot wird 1799 als Jüngstes von sieben Kindern in eine Familie von Seidenfabrikanten in Lyon geboren. Sie weiht ihr Leben Gott und gründet sehr jung das künftige Werk der Glaubensverbreitung zur Unterstützung der Mission. Ihr Engagement für die Arbeiter treibt sie in den Ruin.

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Mit dem Ziel, die Mission zu unterstützen, organisierten Sie die Sammlung „Der wöchentliche Sou“, und zwar äußerst effektiv. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Eines Abends, als meine Eltern das bekannte Kartenspiel Whist spielten, saß ich in einer Ecke beim Feuer und suchte in den Flammen eine Lösung. Es wurde mir klar, dass es für eine Person mit meinem Umfeld ein Leichtes wäre, Gleichgesinnte zu finden, die einen Sou pro Woche zugunsten der Verbreitung des Glaubens spenden würden. Ich begann also die Fähigsten unter meinen Bekannten auszuwählen: Das waren Personen, die hohes Vertrauen und Ansehen genossen. Sie sollten Gruppen von je zehn Menschen vorstehen und jeweils die Kollekte verwalten. Der Anfang war natürlich ein wenig mühsam aber schon bald fingen wichtige Persönlichkeiten Feuer. Die Idee verbreitete sich rasant und immer mehr Spender stellten sich ein. Wir konnten viel Geld für die Mission sammeln Sie bemühten sich um ständigen Kontakt mit den Spendergruppen?

Drei Jahre lang förderte ich den Eifer meiner Freunde, indem ich sie über den Inhalt der Briefe meines Bruders informierte. Er war Missionspriester in Asien und hatte viel Spannendes zu berichten. Diese Briefe waren gleichzeitig auch die ersten „Annalen des Werkes der Glaubensverbreitung“, eine Art Newsletter über die Mission. Die Evangelisierung der Menschen in Ihrem Umfeld ist Ihnen ein Anliegen. Warum fördern Sie gerade den Rosenkranz so sehr? Ich halte es für sehr wichtig, unter den Gläubigen die Verbreitung des Rosenkranzes zu fördern. Als wir den Lebendigen Rosenkranz starteten, war er nicht sehr populär. Nur Ordensangehörige, die kein Latein konnten, beteten den Rosenkranz statt des Stundengebetes. Ich glaube, dass jeder Mensch dieses wunderbare, einfache Gebet kennen und für die Weltkirche beten sollte. Sie starteten den lebendigen Rosenkranz nach demselben Prinzip wie den wöchentlichen Sou? Anstelle von Gruppen mit zehn Teilnehmern bildeten wir nun Fünfzehnergruppen. Jedes dieser 15 Mitglieder verpflichtet sich, jeden Tag ein Gesätz des Rosenkranzes zu beten und über ein „Geheimnis“ zu meditieren, das ihm zugelost wird. So werden täglich der freudenreiche, der schmerzhafte und der glorreiche Rosenkranz von jeder Gruppe gemeinsam gebetet: ein ganzer Rosenkranzpsalter. In der Zwischenzeit ist ja auch noch der lichtreiche Rosenkranz hinzugekommen, jetzt müssten es also 20 Teilnehmer sein. Wie entwickelt sich der lebendige Rosenkranz? Die Gruppen breiteten sich mit


Interview

großer Geschwindigkeit in Italien, der Schweiz, Belgien, England und mehreren Ländern auf dem amerikanischen Kontinent aus. Er wird auf den indischen Inseln ebenso wie in Kanada gebetet. Wir setzten unsere Bemühungen fort, Mittel für Gründungen in Afrika zur Verfügung zu stellen. Man hat mir gesagt, dass in Kolumbien die Initiative so schnell wächst, dass es fast unmöglich ist, die Zahl der Mitglieder zu beziffern.

Frankreich leidet, ist die unglaublich schlimme Situation der unzähligen Arbeiter. Da möchte ich ansetzen. Ihnen möchte ich das Evangelium der Hoffnung und die brüderliche Gemeinschaft der Christen als Wundmittel anbieten. Wir müssen beginnen, unsere Lasten gemeinsam zu tragen und füreinander zu beten. Vom Ghetto in die Gemeinschaft der Christen und zu einem besseren Leben. Aber wie? Ich sah zum Beispiel die Möglichkeit, eine Einrichtung aufzubauen, in der Arbeiter einer geregelten Tätigkeit mit gerechter Entlohnung nachgehen können. In dieser Einrichtung, so war

Den lebendigen Rosenkranz wollen Sie als Heilmittel gegen das moralische Elend einsetzen. Sie bekämpften aber auch immer die soziale Not? Vor allem sind wir auf der Suche nach einem Heilmittel gegen die Entmutigung, die Unmoral und die Frustration, die in breiten Teilen der Bevölkerung im Frankreich des 19. Jahrhunderts um sich greifen. In erster Linie müssen wir den Arbeitern ihre Menschenwürde zurückgeben. Wir müssen sie von der Sklaverei eines Arbeitslebens ohne Ruhepausen befreien, und ihnen auch ihre Würde als Christen zurückgeben: Die Freuden des Familienlebens und der Trost und die Hoffnung der Religion muss ihnen zugänglich sein. Dafür braucht es auch Pausen und Urlaub.

ich überzeugt, würden Familienväter wieder Zeit für ihre Kinder finden und ihnen eine gute Ausbildung ermöglichen können. Sie würden stolz sein auf ihre Arbeit und das Werk ihrer Hände. Davon würden aber nicht nur sie, sondern auch ihre Frau und die Kinder entscheidend profitieren.

Für Sie geht die Evangelisierung also Hand in Hand mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiter? Die soziale Wunde, an welcher

Ihr Projekt begann mit der Fabrik in Rustrel im Département Vaucluse. Ihr Mangel an Erfahrung und Ihre vertrauensselige Natur trieben Sie aber in den wirtschaftlichen Ruin. Die Perso-

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nen, die Sie für Freunde hielten, haben Sie hintergangen. Es war der Wille Gottes, meinen guten Willen auf sehr schmerzhafte Weise auf die Probe zu stellen. Mein Weg war mit Fallen übersät, die auf meine Unerfahrenheit ausgerichtet waren. Ich bin auf so viele Hindernisse bei diesem Vorhaben gestoßen. Aber mitunter motivierten sie mich sogar, weil ich dachte, dass die Vielzahl an Hürden und dieser Ärger der Menschen über mein Projekt nicht das Ergebnis rein menschlichen Handelns sein können. Obwohl ich aufgrund einer Betrügerei das Ende meines Lebens im Armenhaus zubringen musste, bin ich doch dankbar für diese Erfahrungen.

„Die Hoffnung trug mich durch mein Leben.“ Pauline Marie Jaricot

Haben Sie ein Geheimnis, das Ihr Wirken inspirierte und Sie nicht verzweifeln ließ? Ich glaubte an die Stimme des Glaubens, die mir im tiefsten Inneren meines Herzens und durch die Münder vieler Menschen verhieß: Wer auf Gott hofft, wird nicht enttäuscht. Ich bin trotz eines gewaltigen Sturmes losgesegelt. Ich habe auf den Herrn vertraut. Und die Hoffnung ist wie der Korken, der nicht unter Wasser bleiben kann. Sie hat mich durch all die Widrigkeiten getragen. Und der Herr hat meine Werke gesegnet. <

DAS INTERVIEW IN KURZFORM DREI ZENTRALE AUSSAGEN

Idee zu einer Missions-Sammlung. In kürzester Zeit machen Tausende Menschen begeistert mit.

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• Weihe an Gott Pauline entscheidet sich jung gegen ein Leben im Kloster, weiht sich aber als Laiin Gott und möchte ehelos bleiben.

• Lebendiger Rosenkranz Nach dem gleichen Prinzip gründet sie eine Gebetsbewegung. Der Lebendige Rosenkranz wird ebenfalls in ganz Frankreich rasch populär.

• Exklusiv online:

• Die zündende Idee: Während eines Kartenspiels hat sie die

Dieses Interview zum Ausdrucken – in einer Gruppe lesen und darüber diskutieren.

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„Teilen ist Vermehren“

Es ist das Wesen der Liebe, sich mitzuteilen. Mission bedeutet, die Flamme der Liebe in den Herzen der Menschen zu entfachen und ihre Gemeinschaft in Gott zu vertiefen. Der Auftrag der Päpstlichen Missionswerke zur Verbreitung des Glaubens unter allen Völkern liegt im Herzen der Kirche. Hintergrund_TIMOTHY LEHANE

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er Kirche wohnt eine Berufungsdimension inne. Sie ist nämlich eine von Gott „einberufene Versammlung“. Das christliche Leben hat im Kern die gleiche Berufungsdimension, die auch die Kirche kennzeichnet. In der Seele jedes Christen erklingt Jesu Aufruf an die Jünger :„Folgt mir!“ Es ist ein Aufruf, der ihr Leben für immer verändert. “Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.” (Deus Caritas est. 1) Dieses Ereignis ist die Person Jesu Christi, der uns durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung erklärt, was das Wesen des Lebens und der Liebe im Allgemeinen ist. Das Wesen der Kirche im tiefsten Sinn wird folglich durch ihre dreifache Verantwortung zum Ausdruck gebracht: durch die Verkündigung des Gottesworts (kerygma-martyria), durch das Feiern der Sakramente (leitourgia) und durch die tätige Nächstenliebe (diakonia). Wie wir wissen, ist die Kirche ihrem Wesen nach missionarisch (Ad Gentes 2). Deswegen liegt die einzigartige Aufgabe der Päpstlichen Missionswerke im Herzen der Kirche. Von vier charismatischen Gründern gegründet und vom Heiligen Vater als sein eigenes missiothek 1104

Werk anerkannt (daher die Bezeichnung „päpstlich“) haben sie den Auftrag, die Ortskirchen zum Verständnis und zur aktiven Mitwirkung am universalen Liebestun der Kirche anzuregen und ihnen Hilfe zur Umsetzung anzubieten. Gemäß der Enzyklika „Deus Caritas est“ ist die Liebe der Dienst, den die Kirche entfaltet, und sein Ziel ist es, Christus seinem ganzen Volk zu verkünden. Papst Benedikt XVI spricht davon, dass Mission bedeute, die Flamme der Liebe zu entfachen, die im Herzen des Menschen brennt. Wenn dieses Herz der Wahrheit des Evangeliums gegenüber offen ist, wird es davon verwandelt und richtet sein Leben nach dessen Wertvorstellungen aus. Werk der Glaubensverbreitung Den vier Päpstlichen Missionswerken geht es um das Teilen und Vermehren des Glaubens. Dies ist der Kern der Glaubensverbreitung. Es geht darum, das Evangelium auf der ganzen Welt zu verbreiten, damit es Wurzeln schlagen und alle Widerstände, Verfolgung, Angriffe und Kritik überstehen kann. Auch die Mission ist eingefasst in die Dynamik des Ostermysteriums, in der die Kraft des göttlichen Lebens sogar den letzten Widerstand, den Tod, überwindet. Auch das Werk der Glaubensverbreitung sieht seinen Dienst in der Vermehrung der Liebe. Es wird am 3.

Mai 1822 auf Initiative von Pauline Jaricot und auf der Basis der von ihr vorgeschlagenen Strategie mit dem Ziel gegründet, die Arbeit und die Bedürfnisse von Missionaren durch Gebet und konkrete finanzielle Zuwendungen zu unterstützen. Es ist aber nicht bloß ein soziales Hilfswerk, denn es steht unter dem Anspruch, auch die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Christus zu fördern. Dem Werk der Glaubensverbreitung geht es vor allem um die Förderung der Solidarität unter den Ortskirchen im Bereich der Evangelisierung. Es unterstützt sie und gibt ihnen am Weltmissionssonntag die konkrete Möglichkeit, sich ihrer missionarischen, christlichen Berufung bewusst zu werden. Für Pauline Jaricot galt: “Anderen wirklich zu helfen, bedeutet, sie zu Gott zu bringen.” Dadurch bringt man sie zur Quelle der Liebe. Die Inspiration und alle Gaben, die aus dieser Quelle sprudeln, sollen selbst wieder geteilt und dadurch vermehrt werden. Die Verbindung zwischen Evangelisierung und Nächstenliebe Katholiken werden eingeladen, die Mission zu unterstützen. Evangelisierung ist ein komplexer Prozess der Solidarität mit den Notleidenden. Eine Evangelisierung ohne Rücksicht auf die dringenden Probleme Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung


Experte

wäre unvollständig und blind. Wer kein Interesse für die zeitlichen Probleme des Lebens zeigt, vergisst, was das Evangelium uns lehrt, und wäre „mit dem Leben Jesu nicht im Einklang“, das die Verkündigung der Frohen Botschaft mit der Heilung von Krankheit verbindet. Die Kirche bemüht sich, das richtige Verständnis des umfassenden Heils, das Christus uns anbietet, zu bewahren und zu vertiefen. Extreme und falsche Sichtweisen dieses Heils lassen es entweder zu einem „säkularisierten“, oder, am anderen Ende der Skala, zu einem rein „vergeistigten“ Konzept werden. Dasselbe gilt auch für das Verständnis des „Reiches Gottes“. Dieses Reich, so erinnert Johannes Paul II. in „Redemptoris missio“, ist die Person Jesu Christi selbst. Daher greift die Auffassung zu kurz, die im Reich Gottes nur eine irdische, sozio-ökonomische, politische und kulturelle Befreiung sieht. Die Verkündigung des Evangeliums ist eine Botschaft der Befreiung und Heilung des ganzen Menschen in all seinen Aspekten. Deshalb kann die Kirche nicht damit einverstanden sein, “dass ihre Sendung nur auf den Bereich des Religiösen beschränkt wird, indem sie sich für die zeitlichen Probleme des Menschen nicht interessiert” (Evangelii Nuntiandi 34). In all dem bleibt die Vorrangstellung der „spirituellen“ Berufung der Kirche erhalten und erlaubt es ihr nicht, die Verkündigung des Reiches Gottes durch die Verkündigung der menschlichen Befreiungen zu

DIE DREI ZENTRALEN PUNKTE DES BEITRAGS IN KURZFORM • Der Kern des missionarischen Dienstes, den die Kirche von Jesus Christus selbst übertragen bekam, ist die sich selbst verschenkende Liebe.

ersetzen, weil ihr Beitrag zur Befreiung unvollkommen wäre, wenn sie es vernachlässigte, das Heil in Jesus Christus zu verkünden. Kardinal Robert Sarah, Vorsitzender des Päpstlichen Rates Cor Unum, sieht eine große Herausforderung in der Erneuerung der Verbindung zwischen Evangelisierung und tätiger Nächstenliebe. Er will all jene, die im Bereich der tätigen Nächstenliebe arbeiten, daran erinnern, dass die Kirche im Namen Gottes zum Wohl der gesamten Person handle. Ziel der tätigen Nächstenliebe der Kirche sei nicht nur sozialer Fortschritt, sondern die Hinführung des Menschen zu Gott, der Quelle allen Heils. Das dringendste Bedürfnis jeder Frau und jedes Mannes noch vor Brot, Medikamenten oder Kleidung sei Gott. Ohne Gott bleibe der Mensch in der Dunkelheit, ohne jegliche Orientierung für sein Leben, ohne zu wissen, wo die Wahrheit liegt. Für die Kirche sei Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben. Papst Benedikt XVI. betont, dass die Gläubigen weiterhin vielen Herausforderungen im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung gegenüberstünden, aber auch erkennen müssten, dass diese Hindernisse für ein glückliches und erfülltes Leben nicht die einzigen Stolpersteine seien, die die Kirche überwinden müsse. Unsere Kultur ist auch mit subtileren Fragen konfrontiert, die mit dem Säkularismus, dem Materialismus und dem Konsumismus unserer Zeit zusammenhängen. Die Verkündigung der

• Mission erschöpft sich nicht in Sozialarbeit, sondern ist von ihrem Wesen her Weitergabe des Glaubens. • Mission wird lebendig, wenn diejenigen, die in der Mission tätig sind, vom Evangelium erfasst, begeistert und verwandelt sind.

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Bischöfe und Priester muss erreichen, dass “jeder Katholik die das Leben verwandelnde Tatsache, dass Gott existiert, dass er uns liebt und dass er in Christus die tiefsten Fragen unseres Lebens beantwortet, tief im Innern erfasst.“ Der Papst erinnert an die positiven Auswirkungen der Umsetzung von Pastoralplänen, die darauf ausgerichtet sind, die frohe Botschaft der Erlösung zu vermitteln. Gleichzeitig müsse erkannt werden, dass neue Initiativen zur Evangelisierung nur dann fruchtbar seien, wenn jene, die sie anbieten, durch Gottes Gnade Menschen sind, die selbst wirklich an die Botschaft des Evangeliums glauben und sie leben. Benedikt erwähnt auch die starke Ausstrahlung der christlichen Basisgemeinschaften, die, von Menschen gebildet und geleitet, deren Antriebskraft die Liebe zu Christus ist, sich als wertvolle Werkzeuge der Evangelisierung erweisen, wenn sie in Verbindung mit den örtlichen Pfarreien arbeiten. Die Entstehung einer Reihe von Laienorganisationen sei eine weitere positive Erscheinung. Denn die Laien sollen die Botschaft des Evangeliums in ihrer ganzen Fülle hören dürfen, um ihre Bedeutung für ihr persönliches Leben und für die Gesellschaft immer tiefer begreifen zu können, vor allem aber von ihr ergriffen zu werden und so ständig zum Herrn bekehrt zu werden. < Aus einem Vortrag anlässlich des Treffens der Europäischen Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke im April 2011.

WER IST TIMOTHY LEHANE? • Pater Timothy Lehane ist Steyler Missionar und Generalsekretär des Werkes der Glaubensverbreitung als eines der vier Päpstlichen Missionswerke mit internationalem Sitz in Rom. Der gebürtige Ire war mehr als 20 Jahre Missionar in Ecuador, bevor er in Rom sein gegenwärtiges Amt annahm.

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Weltkirche

+++Pakistan: Religiöse Minderheiten zunehmend unter Druck+++Irak: Zwei Christen in Mossul ermordet+++Philippinen: Missionar +++Paraguay: Kirche fordert Respekt für Indios+++Burkina Faso: Neue Diözese errichtet und erster Bischof ernannt +++Vietnam:

Südafrika

Zähe Verhandlungen prägten Anfang Dezember die im südafrikanischen Durban tagende UN-Klimakonferenz, die im Chaos unterzugehen drohte. Am Ende konnten sich die Vertreter von knapp 200 Staaten auf einen Kompromiss einigen: Bis 2015 soll ein neuer Weltklimavertrag erarbeitet werden. Das neue Klimaschutzabkommen sei verbindlich und werde als Nachfolgeregelung zum auslaufenden Kyoto-Protokoll 2020 in Kraft treten. Der Präsident von „Caritas Internationalis“, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, äußerte sich ent-

täuscht über den Ausgang des Klimagipfels. Die Konferenzteilnehmer hätten sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt, heißt es in einer Erklärung von „Caritas Internationalis“. „Die Gesetzgebungsverfahren zur Eindämmung des Klimawandels“ sollten „nicht weiter verzögert werden, sondern den Weg für eine gerechtere und nachhaltige Zukunft bereiten“, forderte Rodriguez in Durban. Die gesamte Welt leide unter dem Klimawandel. Am stärksten davon betroffen seien die armen Länder, etwa in Afrika. Es sei „Zeit, dass die Welt für Afrika aufsteht.“ <

Foto: picturedesk

Enttäuschende Resultate bei Klimagipfel in Durban Vertreter von knapp 200 Staaten debattierten Anfang Dezember in Durban über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll.

IMPULS Diskussion in der Klasse: • Ist das Weltklima auch ein Thema in der Kirche?

Heiliges Land

Rock to bethlehem Ein Rock-Festival für Frieden und Toleranz im Heiligen Land Bereits zum zweiten Mal findet in der Geburtsstadt Jesu rund um das Weihnachtsfest das Festival „Rock to Bethlehem“ statt. Den Veranstaltern des Festivals geht es darum, durch ihre Musik die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Ort Bethlehem zu richten und dadurch ein Zeichen zu

setzen für Frieden und Toleranz im Heiligen Land. Internationale und einheimische Künstler wollen durch ihre musikalische Gestaltung des Festivals vom 19. bis 21. Dezember „Brücken schlagen und gemeinsam für ein friedliches Miteinander eintreten“, hebt Emmanuel Fleckenstein, der Ini-

• Was kann schon ein einzelner Schüler für das Klima eines ganzen Planeten tun? Ist mein Konsum für die Erderwärmung verantwortlich?

tiator des Musik-Festivals, hervor. Der junge Gitarrist ist Mitglied der österreichischen Rock-Band „CardiacMove“ und stammt selbst aus Bethlehem, wo er mit seiner Familie die Unruhen der zweiten Intifada miterlebt hat. Er ist aktuell in der Pressestelle der Erzdiözese Wien tätig. Den Ehrenschutz für die Initiative übernimmt Kardinal Christoph Schönborn. Die Konzerte finden auf einer Bühne direkt vor der Geburtskirche in Bethlehem statt. Die Einwohner der Stadt leiden unter den Auswirkungen der israelischen Mauer, die Bethlehem umgrenzt und vom nahen Jerusalem trennt. <

Foto: Claudia Henzler

Infos: www.rocktobethlehem.com

SURFTIPPS • rocktobethlehem.com

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News

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Pater Tentorio möglicherweise durch Paramilitärs ermordet+++Vatikan wird Mitglied der Weltmigrantenorganisation+++ Mehr als 1.500 Seminaristen und 80.000 junge Katechisten+++Kuba: Freude über kommenden Besuch des Papstes+++

Vatikan

Wirtschaft verlangt nach Solidarität Anlässlich des 120-Jahr-Jubiläums der Sozialenzyklika „Rerum novarum“ würdigte Papst Benedikt XVI. das Prinzip der Mikrofinanzierung. Auch in Österreich ist das ein beliebtes Modell. se zu überwinden, dürfe es nicht zu einem Auseinanderdividieren von Wirtschafts- und Marktkonformität einerseits und Solidarität andererseits kommen. Anlass für die Begegnung mit mehr als 3.000 Vertretern italienischer Banken, die dem christlichen Genossenschaftsprinzip verpflichtet sind, war das 120-Jahr-Jubiläum der Sozialenzyklika „Rerum novarum“. Die von Papst Leo XIII. verfasste Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ gilt als „Magna Charta“, mit der die Katholische Soziallehre kirchenamtlich verankert wurde. Dabei geht es um eine ausgewogene Beziehung von Staat, gesellschaftlichen Größen und Individuum nach den Prinzipien der Solidarität und der Subsidiarität. Im Genossenschafts- und Kooperationswesen kämen die Ideen von Komplementarität und der Subsidiarität in besonderer Weise zum Ausdruck, beteuerte Papst Benedikt gegenüber den Vertretern der italienischen Genossenschaften. Er betonte dabei auch die Unverzichtbarkeit der Solidarität mit denjenigen, die weniger haben. Der Papst rief die Wirtschafts- und Finanzwelt zu mehr „Geradlinigkeit, Transparenz und das Bemühen um gute Resultate“ auf und sprach von der Notwendigkeit einer Wirtschaftsordnung, die den Rechtschutz des derzeit 1,2 Millionen Menschen in Einzelnen und die Förderung des Gemehr als 70 Ländern aus der Armut. meinwohls in Gleichgewicht hält. < Soziale Genossenschaften, die in Entwicklungsländern im Bereich der Mikrofinanz Erfahrung gesammelt haben, wurden kürzlich auch von IMPULS Papst Benedikt XVI. gewürdigt, der Diskussion in der Klasse: bei einer Ansprache vor Mitgliedern es klug armen Menschen einen der italienischen Genossenschaftsban- • Ist Kredit zu geben? Können diese ken eine Wirtschaft lobte, die „von ihn später überhaupt zurückzahlen? einer Logik der Gemeinschaft und der • Was ist nach der Lehre der Mitbrüderlichkeit animiert“ sei. Kirche eine „gerechte WirtschaftsIn den gegenwärtigen Anstren- ordnung“? gungen, die Schulden- und FinanzkriFoto: picturedesk

Eine positive Bilanz im Bereich der Mikrofinanzierung erzielte dieses Jahr die Mikrofinanz- und Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, die ihr Anlagevolumen in Österreich um ein Viertel auf 28 Millionen Euro steigern konnte. Oikocredit vergibt Kredite für Kleinunternehmer in Entwicklungsländern und sammelt dafür Gelder bei Anlegern ein. Die vom ökumenischen Weltkirchenrat im Jahr 1975 gegründete Genossenschaft Oikocredit verfügt weltweit über 472 Millionen Euro. Die Mikro- und Projektkredite helfen

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PLANUNG

Themen zu folgenden Terminen und Daten bereichern Ihren Unterricht und ihre Gruppenstunden mit Sicherheit! Missio hat für Sie schon einiges aufbereitet:

Dezember 28. Dezember: Tag der unschuldigen Kinder Sammlung Krippenopfer www.missiothek.at Jänner 6. Jänner: Epiphanie Sammlung für Priester aus 3 Kontinenten www.missio.at 9. Jänner: 150. Todestag von Pauline Jaricot Gründerin der Päpstlichen Missionswerke siehe ab Seite 4 25. Jänner: Bekehrung Pauli Thema Paulus www.missiothek.at 31. Jänner: Welt-Lepra-Tag Thema Lepra www.missiothek.at Februar 11. Februar: Welttag der Kranken 12. Februar: Tag der Kindersoldaten Thema Kindersoldaten www.missiothek.at März 8. März: Internationaler Tag der Frau Thema: Frauen in der Mission www.missiothek.at

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Religionen

„Las sectas“ - christliche Welt abseits der Großkirchen

Die traditionsreichen Kirchen wollen die Armut bekämpfen und sehen die Armut auch als einen bevorzugten Ort der Gottesnähe. Der Zugang neopentekostaler christlicher Gemeinden ist anders: Sie predigen eine „Theologie des Wohlstands“ und haben damit bei vielen Armen großen Erfolg. Teil 2

BEITRAG_STEFAN LOBNIG

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ie Peruanerin Juana Sucaticona ist Gott dankbar für das, was er in ihrem Leben bewirkt hat: „Gott gab mir ein Haus und ein erfolgreiches Unternehmen. Als ich das erste Mal in diese Kirche kam, habe ich aus tiefem Glauben heraus gebetet, und gleich darauf hat mich der Herr erhört.“ Juana ist eine jener Christinnen und Christen in Lateinamerika und Afrika, die mit der „Theologie des Wohlstands“, auch „Wohl­ s t a n d s­e­v a n ­ gelium“ (Prosperity Gospel) genannt, in Berührung gekommen sind. Die neopentekostalen Gemeinden, die sich in den 1980er Jahren aus der christlichen Pfingstkirche entwickelten und weltweit boomen, versprechen in ihren Predigten Reichtum bereits im Diesseits. Regelmäßig spricht der Prediger Juan Acosta aus Juanas Gemeinde in Lima im Namen Gottes den Gläubigen zu, „dein Glaube wird dich reich machen“. Reichtum ist dabei für seine Gläubigen mehr als ein spiritueller Wert: Es ist ein guter Job, ein tolles Auto und anderes, was mit Wohlstand verbunden wird. Ein – auch theologisch gesehen – durchaus problematischer Zugang. Die Katholische Kirche steht damit vor einer großen Herausforderung: denn die vielen Armen entscheiden sich nicht für eine Kirche, die eine „Option für die Armen“ hat, sondern für eine „Theologie des Wohlstands“, die ihnen Reichtum und Erlösung im Diesseits verheißt. Wird der Wohlstand als Segen Gottes interpretiert, gibt es keine Skrupel diesen ohne Einschränkungen zu genießen. Sämtliche Mahnungen Jesu zur Armut (Mk 10,17-22) bleimissiothek 1104

ben unbeachtet. Auch die Armut als bevorzugten Ort der Gottesnähe zu qualifizieren, hilft nicht, den Trend zum „Wohlstandsevangelium“ zu korrigieren. Seit zwei Jahrzehnten ist die „Theologie des Wohlstands“ auf einem Siegeszug in Afrika, und auch in Lateinamerika wird von vielen Anhängern berichtet.

Gott segnet mit Wohlstand unter Bedingungen

Zentrale biblische Botschaften einer „Theologie des Wohlstands“ sind die Verheißung vom „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) und die Hoffnung, dass „das Gebet des Gerechten viel vermag“ (Jak 5,16). Doch der erwartete Segen ist nicht gratis, sondern wird meistens an (Vor-)Bedingungen unterschiedlicher Art geknüpft. Die peruanische Journalistin Ibis Liulla Torres beschreibt: „Den Armen wird zugesagt, dass auch sie reich werden, wenn sie nur glauben – und genügend Geld in die Kollekte tun.“ Neben Glauben und Spenden wird oftmals auch die Änderung des Lebensstils als Voraussetzung präsentiert. Dass diese Bedingungen Tür und Tor für ein verzerrtes Gottesbild, Korruption und Manipulation öffnen, muss festgehalten werden. Vor allem wenn der erwünschte Erfolg ausbleibt, zeigt sich, ob die Predigt Gott und den Menschen gerecht wird.

Verknüpfung von Segen mit Glauben

Der Segen Gottes, der sich vor allem materiell zeigen soll, hängt den Predigten folgend stark vom eigenen Glauben und vom Vertrauen in Gott ab. Bleibt der Segen des Wohlstands aus, wird das Problem im mangelnden Glauben und fehlenden Vertrauen in Gott gefunden, was zu Frustration und Schuldgefühlen führt. Der Umkehrschluss ist besonders fatal, wenn Armut als Folge fehlenden Glaubens interpre-


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die „arme Witwe“ aus dem Evangelium (Mk 12,41-44) als Spiegel vorgehalten, die gibt, obwohl sie nichts hat. Was geschieht mit dem Geld? Die Kritik, dass das Geld in dunklen Kanälen verschwindet, zum plötzlichen Reichtum der Gemeindeleiter und Prediger führt oder dem Aufbau von einflussreichen (Medien-)Imperien dient, ist nicht von der Hand zu weisen. Es gibt aber auch Gemeinden, in denen mit dem Geld ihre Gemeindestruktur, die Mission und die Armen der Gemeinde tatkräftig unterstützt werden

Fotos: Stefan Lobnig

Verknüpfung von Segen mit Lebenswandel

tiert wird. Es gibt aber auch Gemeinden, die der Unverfügbarkeit Gottes in gewisser Weise gerecht zu werden versuchen und darauf verweisen, dass Zeitpunkt und Handlungsweise Gottes niemals vorherbestimmbar sind. So bleibt etwas vom gnadenhaften Charakter des Segens erhalten. Was der Glaube für viele tatsächlich bringt, ist ein neues soziales Netz, das auch Aufstieg und neue Chancen bedeuten kann.

Verknüpfung von Segen mit Spenden

Weit verbreitet ist die Verknüpfung von (materiellem) Segen mit Spenden. Es ist in den neopentekostalen Gemeinden üblich, zehn Prozent des Einkommens „für die Arbeit des Herrn“ zu spenden. Die Gemeindemitglieder geben den „Zehnten“ oder „Zehent“ nicht nur aus Wohltätigkeit, sondern mit Berechnung. „Ihnen ist zugesagt worden, dass Gott ihnen das Zehnfache von dem zurückgeben wird, was sie in die Kollekte tun“, berichtet Torres. Dabei wird den Armen

FACTBOX Wichtige theologische Konzepte • „Theologie des Wohlstands“: im Zentrum steht die Verheissung vom „Leben in Fülle“ (Joh, 10,10) für das Individuum. Sie vertritt die Auffassung, dass Reichtum und Erfolg ein sichtbare Beweis für Gottes Gunst sind.

Tatsächlich ist der Erfolg für viele Mitglieder neopentekostaler Gemeinden real erfahrbar, wenngleich nicht immer auf überirdische Weise. „Wirklicher Wohlstand ist mit einem grundlegenden Wandel im Leben der Gläubigen verbunden“, erklärt der pfingstliche Theologe Bernando Campos. Dass vor allem Frauen sich von dieser Botschaft angesprochen fühlen und zu den wichtigsten Missionarinnen eines Wohlstandsevangeliums geworden sind, ist nicht verwunderlich. Sind sie doch die Leidtragenden, wenn ihre Männer den ohnehin geringen Lohn – wegen Alkohol, Drogen und Prostitution – nicht nach Hause bringen, sich nicht um die Kinder kümmern und gewalttätig sind. Die Prediger vertreten eine Individualethik, indem sie diese Sünden anprangern und ein entschiedenes Leben nach den Geboten Gottes fordern. Und es wirkt: Wer Geld nicht sinnlos ausgibt, hat es für andere Dinge zu Verfügung. Wer ein Leben nach den Geboten Gottes führt, lügt nicht, schlägt seine Frau nicht, hat keine unehelichen Kinder, trinkt weniger Alkohol und kann besser arbeiten. So kann Gottes Segen auf dieser Familie liegen und wirksam werden. Eine „Theologie des Wohlstands“ trifft die Sehnsucht vieler Menschen – vor allem armer. Unter gewissen Voraussetzungen kann die in der US-amerikanischen Nachkriegslandschaft entstandene „Theologie des Wohlstands“ so zum Segen für Menschen werden. Gerade der Fokus auf die Indivualethik kann Menschen kräftigen, gegen einen Lebensstil anzukämpfen, der sie und ihre Familien fesselt und an der Freiheit hindert. Wohlstand kann ein Gut sein, das redlich von Gott erbeten werden darf. Erlangter Wohlstand führt aber auch zur Verantwortung gegenüber den Armen dieser Welt. <

• „Option für die Amen“: TheologiFACTBOX UNTERSCHIEDE sches Prinzip, das sich als als die Stimme der Armen versteht. Armut ist der bevorzugte Ort der Gottesnähe, da Gott für uns selbst arm geworden ist. Die Kirche ist Anwältin der Armen und Unterdrückten im Hinblick auf soziale Reformen. *)Zitate: Ibis Lyulla Torres, Die „Theologie des Wohlstands“ in Peru, Junge Kirche 10/2000.

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Veranstaltungen Lene Mayer-Skumanz

EIN ENGEL MIT MENSCHLICHEM ANTLITZ

George Augustin, Klaus Krämer (Hg.)

Mission und Neuevangelisierung Neuevangelisierung ist der Schlüsselbegriff einer zeitgemäßen Pastoral. So lautet der Tenor des Sammelbandes „Mission als Herausforderung“,

Paul Badde

MIT DEM ROSENKRANZ DURCHS HEILIGE LAND

Missio-Gebete

BETEN MIT PAULINE JARICOT Am 9. Jänner 2012 jährt sich der 150. Todestag von Pauline Jaricot, der Gründerin des Werkes der Glaubensverbreitung, das später zu einem der Päpstlichen Missionswerke erhoben wurde. Missio will seinen Unterstützern im kommenden Jahr das bewegte Leben seiner Gründerin näher bringen und lädt dabei auch zu einem „Beten mit den Worten von Pauline Jaricot“ ein. Die kleine Sammlung von Gebeten, die von Pauline, der Initiatorin des Lebendigen Rosenkranzes, selbst verfasst wurden, soll dem Leser dazu einen Anreiz bieten. Die Gebete bezeugen die bedingungslose Hingabe der jungen Französin, die durch ihren Glauben befähigt wurde, ihr reiches Wirken in den Dienst der Kirche zu stellen.

Beten mit den Worten von Pauline Jaricot, zu bestellen über Missio, Seilerstätte 12, 1010 Wien.

VERWENDUNG Unterhaltung

Selbststudium Unterrichtseignung Weiterbildung

Altersgruppe: ab 5. Schulstufe

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VERWENDUNG Unterhaltung Selbststudium Unterrichtseignung Weiterbildung

Altersgruppe: ab 11. Schulstufe

der im Rahmen eines von Missio Deutschland veranstalteten und prominent besetzten Symposiums im März 2010 entstanden ist. Neben den Kardinälen Walter Kaspar und Ivan Dias sucht auch der deutsche MissioPräsident Klaus Krämer eine Antwort auf diese Frage: Wie lassen sich Menschen für den christlichen Glauben neu begeistern? Spannende Thesen von interessanten Menschen.

George Augustin, Klaus Krämer (Hg.), Mission als Herausforderung. Impulse zur Neuevangelisierung, Herder Verlag 2011, Euro 22,00.

„Der Rosenkranz ist unser Intimstes“, schreibt der Bestseller-Autor Paul Badde in seinem mitreißenden Buch, in dem er den Leser auf eine spannende Entdeckungsreise durch das Heilige Land führt und zwar mit dem Rosenkranz an der Hand. „Der Rosenkranz macht jedes Land zum Heiligen Land. Natürlich ist darum auch in Fatima „Terra Sancta“, oder in Lourdes, Mexiko, Kevelaer, Altötting, Santiago de Compostella“ beteuert der deutsche Autor und Rom-Korrespondent, der auch zwei Jahre als Journalist in Jerusalem tätig war. Auf einer Wallfahrt „entdeckt“ er die Muttergottes und entwickelt eine Liebe zum Rosenkranzgebet. Als Ergänzung zur MissioGebetsinitiative „Eine Rose für die Welt“ empfiehlt Missio allen Lesern dieses zeitlos aktuelle Buch.

Paul Badde: Heiliges Land. Auf dem Königsweg aller Pilgerreisen, Gütersloher Verlagshaus 2008, Euro 20,60.

VERWENDUNG Unterhaltung

Selbststudium Unterrichtseignung

Weiterbildung

Altersgruppe: ab 9. Schulstufe

Die international ausgezeichnete Kinder- und Jugendbuchautorin Lene Mayer-Skumanz hat sich auf dem Gebiet der religiösen Kinderliteratur mit zahlreichen Publikationen einen Namen gemacht. In diesem neuaufgelegten Kinderroman erzählt sie die Geschichte des zehnjährigen Christian, der eine Krise durchlebt: Die Ehe seiner Eltern ist gescheitert, seine ältere Schwester und auch seine Schulkameraden verstehen ihn nicht mehr. Seinen einzigen und besten Freund „Hanniel“ kann er weder sehen noch

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Selbststudium Unterrichtseignung

Weiterbildung Altersgruppe: ab 3. Schulstufe

hören, denn er ist sein Schutzengel. Als Christian völlig entäuscht wird und niemandem mehr vertrauen kann, wird „Hanniel“ zu einem „Sondereinsatz“ berufen. Er schlüpft in den Körper eines alten Herrn und darf Christian so lange durch den Alltag begleiten, bis er wieder Freude am Leben hat.

Lene Mayer-Skumanz: Hanniel. Ein Engel auf Erden, edition-o 2011, Euro 14,95.


Medien

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CHANT Amor et Passio:

EIN MUSIKALISCHES ANTIDEPRESSIVUM

Ob Finanzcrash, Wirtschafts- oder Kirchenkrise: das alles kann der Stimmung der Zisterziensermönche aus dem Stift Heiligenkreuz nichts anhaben. Sie singen jeden Tag voll Freude, denn ihr Gesang ist Gebet, musikgewordene Liebeserklärungen an Gott. Der Titel „Chant - Amor et Passio“ bezieht sich auf die gregorianischen Gesänge der Passions- und Osterliturgie. Besonders das „Nos autem“, oder auch der Hymnus „Pange Lingua“ zur Kreuzverehrung gehören gleichsam zur musikalischen Identität des Klosters, und kaum irgendwo hört man diese wohl schöner gesungen. Eine außergewöhnliche Weltneuheit stellt die Klavierbegleitung durch den Pianisten David Ianni dar, der vier der fünfzehn Titel der CD des gregorianischen Chorals begleitet. Die Mischung aus dem Gesang der Mönche und Iannis einfühlsamer Komposition kann sich hören lassen: Die Gebetsatmosphäre wird noch unterstrichen und speziell bei der Antiphon „Ubi caritas“ kommt Gänsehautfeeling auf. Die Musik gibt Kraft, weil sie aus der Stille, aus dem Gebet, aus der Ewigkeit kommt. Mit dem Erlös der CD wird Priesterstudenten an der Hochschule Heiligenkreuz eine fundierte Ausbildung ermöglicht.

FACTBOX

CD: CHANT Amor et Passio, Preiser Records, Preis: Euro 17,90.

INFO: • Spieldauer: ca. 70 Minuten • aufgenommen in Heiligenkreuz

Auch für den Unterricht großartig geeignet: Gregorianische Choräle der Heiligenkreuzer Mönche.

PÄDAGOGISCHE MATERIALIEN ONLINE • Materialien: Gebet_4.pdf auf www.missiothek.at

VERWENDUNG

SURFTIPP

Selbststudium

• Informationen zu Heiligenkreuz und Chant: www.stift-heiligenkreuz.org

Unterhaltung Unterrichtseignung

Fotos: Preiser Records

Weiterbildung Altersgruppe: 10.-13. Schulstufe

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ON MISSION uch 2011/2012

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im Auftrag

von

ON MISSION in alle welt Das Comicmagazin für Kinder im Alter von 8 bis 12 liegt ab sofort auch als Kurzfassung dem Missio-Magazin „alle welt“ bei. In kurzen Comicgeschichten erlebt das On Mission Team Spannendes.

Land t t uns ins Reist mi ne und erleb lka der Vu nur spannende nicht uer, sondern Abente s Projekte helft un erchieren. ch zu re geht‘s, Los ffer! eure Ko packt

MISSIO-Kinderjahrbuch

IM LAND Der vulkane Nicaragua ist das Reiseziel der vier wagemutigen Comic-Kids von ON MISSION. Die lustigen Comic-Charaktere entdecken das lateinamerikanische „Land der Vulkane“. Das Kindermagazin zeigt auf eine spielerische Weise, wie Kinder in Nicaragua leben, ihre Herausforderungen meistern, und wie die Kirche vor Ort hilft. Dabei werden Ideen vermittelt, die zeigen, dass Kinder sich schon früh für die Ärmsten der Armen einsetzen können. ON MISSION bestellen unter: bestellung@missio.at.

Tel. (01)- 513 77 22. Preis: Euro 2,50.

TERMINE

VERANSTALTUNGS-TIPPS Jugendmissionsfest 2012 Rockig wird es zugehen beim Jugendmissionsfest im Stift Wilhering, das MissioOberösterreich gemeinsam mit dem Stift veranstaltet: Die Genfer christliche Rockband P.U.S.H (Pray Until Something Happens) wird mit den Jugendlichen feiern und beten. Bereits im vergangenen Jahr kamen mehr als 200 junge Menschen im Stift zusam-

men, um mehr über den Glauben und die Kirche zu erfahren. Zu den Workshops, Gebet, Jugendmesse, Konzert und Lagerfeuer werden Jugendliche aus Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Deutschland erwartet.

Weitere Informationen:

19. Mai 2012, 14:00 bis 20. Mai 2012, 13:30. Stift Wilhering bei Linz. Info: www.aufbruch.at

• 12. bis 14. Jänner Österr. Pastoraltagung 2012 Thema: „Jugend geht ab“ SALZBURG, Bildungshaus St. Virgil • 29. Jänner Seligsprechungsfeier der Caritas-Socialis Gründerin Hildegard Burjan im Stephansdom, WIEN

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Thema

Der Missio-Rosenkranz Jede Farbe steht für einen spezifischen Kontinent: Grün für Afrika, Rot für Amerika, Weiß für Europa, Blau für Ozeanien und Gelb für Asien. Grundsätzlich wird dieser Rosenkranz für Frieden in der Welt und den Anliegen der Mission gebetet.

MISSIOTHEK.AT

• Exklusiv online: Weiteres Material zu Gebet und Rosenkranz wie immer auf der Website.

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MISSIOTHEK IN DER PRAXIS ARBEITSBLÄTTER UND TIPPS • Beten_1.pdf Beim Gebet des Rosenkranzes wird immer wieder derselbe Vers wiederholt. Wie es dazu kam, erfahren Sie hier. (Siehe S. 27) • Beten_2.pdf Eine kleine Auswahl an Weisheitssprüchen zur Meditation.

• Beten_3.pdf Das Chorgebet der Mönche für Schülerinnen und Schüler einfach und ansprechend erklärt. • Knüpfanleitung_Rosenkranz.pdf Rosenkranz selbst gemacht: Mit Perlen und Schnüren Schönes gestalten.


Missio

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„Eine Rose für die Welt“

Der Rosenkranz wurde im Laufe von zwei Jahrtausenden zu einer der bedeutendsten Gebetsformen der katholischen Kirche. Die Tiefe der „Geheimnisse“ des Heils, die mit ihm meditiert werden, lässt ihn aktuell bleiben. Gerade die Form des „Lebendigen Rosenkranzes“ für die Mission hilft, ihn wieder neu zu entdecken. TEXT_BERNHARD RINDT

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ls der Erzengel Gabriel nach dem Zeugnis des Lukas-Evangeliums zu Maria kommt, sie grüßt und ihr verkündet, der Messias solle durch sie geboren werden, tritt die Welt in das unbegreiflichste Geschehen seit Beginn ihrer Geschichte ein. Gott wird Mensch. Mit der Wende in Marias Leben wendet sich auch das Schicksal der Menschheit. Es beginnt die Geschichte des Neuen Bundes, des Christentums, der Kirche. Und die Geschichte der Mission. Engel, im Griechischen Angelos, heißt Bote. Die Verkündigung der frohen Botschaft der Ankunft des Erlösers, die mit dem Wort an Maria begann, bleibt für immer auch das Wort im Munde der Kirche, das zu den Völkern auf der ganzen Erde getragen werden soll. Welches Gebet wäre besser geeignet, das Gebet der Mission zu sein, als der Rosenkranz? Denn der Kern des Rosenkranzgebetes ist dieser Gruß des Engels: „Gegrüßet seist du, Maria…“, das „Ave Maria“.

Die bewegte Geschichte des Rosenkranzes Das „Ave Maria“ hat eine sehr lange Tradition, die bis in die Zeit des frühen Christentums zurückgeht. Dort beginnt die Wertschätzung für das Gebet, das wir nach den ersten beiden Worten in der lateinischen Sprache „Ave Maria“ nennen. Es bildet den ältesten Kern des heutigen Rosenkranzgebetes. Das „Ave Maria“ ist eine Zusammenschau von zwei gewichtigen Stellen aus dem Evangelium, die über das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi berichten: Die Verkündigung des Engels an Maria und denmAusruf der Elisabeth, die gerade mit Johannes dem Täufer schwanger ist, über Maria, die den ungeborenen Christus im Leibe trägt. Beide Stellen stammen aus dem Lukas-Evangelium. Dem Grußwort des Engels Gabriel an Maria („Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir!“ - Lk 1,28) wird im Gebetsbrauch der Kirche bald der Name „Maria“ hinzugefügt. Das Segenswort Elisabeths über Maria in Lk

1,42 aus der Perikope der Begegnung der beiden Frauen: „Gesegnet bist du vor allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“, wird ebenfalls mit dem Gruß des Engels verknüpft, da die beiden Stellen bald als Einheit erkannt werden, sind doch beide Worte Gottes selbst, die er über Maria durch den Engel und durch Elisabeth aussprechen lässt. Erst in späteren Zeiten wurde den Versen noch der Name „Jesus“ angefügt. Auch das Bittgebet „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“ kam später hinzu. Und auch das abschließende Amen wurde in der frühen Zeit noch nicht verwendet. Das Gebet bestand also zunächst praktisch nur aus den Evangeliumsstellen. Man kann daraus schließen, dass das „Ave Maria“ noch viel stärker als heute den Charakter eines biblischen Meditationsverses hatte. Das bedeutet, dass man das Geheimnis, das sich in diesen Zeilen verbirgt, das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi und das Geheimnis der Rolle

ZENTRALE PUNKTE DER BEITRAG IN KURZFORM

• Das Gebet in der Kirche ist niemals nur eine Sache des Einzelnen.

• Die Wurzeln des Rosenkranzes gehen bis zu den Anfängen des Christentums zurück.

• 1826 gründete Pauline Jaricot den „Lebendigen Rosenkranz“, bei dem das Rosenkranzgebet in Gebetsgemeinschaften organisiert wird.

• Das „Ave Maria“ hatte immer schon den Charakter eines biblischen Meditationsverses.

• Als Pauline 1862 stirbt, sind es bereits 2,5 Millionen registrierte Teilnehmer.

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Marias bei dieser Menschwerdung mit Hilfe der Wiederholung dieses Verses betrachten und ergründen wollte. Wenn man an dieser Stelle nachfragt, wann man begonnen hat, diese beiden Evangeliumsstellen, den Gruß des Engels und den Gruß Elisabeths an Maria, zu verbinden, stößt man in der theologischen Forschung auf eine höchst interessante Information: Schon in vielen frühen griechischen Handschriften des Lukas-Evangeliums, in den lateinischen und den meisten syrischen Übersetzungen sowie bei vielen Kirchenvätern wird an den Engelsgruß in Lk 1,28 die Seligpreisung Marias durch Elisabeth angefügt, obwohl sie ursprünglich dort nicht hingehört. Offenbar hat hier eine sehr frühe christliche Gebetspraxis auf die Abschriften eingewirkt. Das „Ave Maria“ ist also ein urchristliches Gebet.

Theologie und Spiritualität

Die Entwicklung des Gebetes und seiner Zusätze spiegelt das Fortschreiten der Erkenntnis der Kirche, dass in diesen Versen Aussagen von allerhöchstem Rang enthalten sind, die einen besonderen Ausblickspunkt auf das „Geheimnis“ Jesu Christi darstellen. Hier wird etwas Grundlegendes über das Verhältnis ausgesagt, das Gott zu uns eingehen will und das an Maria beispielhaft sichtbar wird. Schon durch die Propheten des Alten Testamentes lässt Gott seinem Volk ausrichten, dass er es als seine Braut annehmen und sich ganz mit ihm verbinden will. In den wenigen Worten, die uns von Johannes dem Täufer, auch einem „Missionar“ der ersten Stunde, überliefert sind, findet sich dieses Bild von Braut und Bräutigam wieder. Auch Johannes dem Täufer weist das Evangelium überraschenderweise die Bezeichnung „Angelos“ zu. Ein solcher „Bote“ des Heils- und Heiratsantrages Gottes an die Menschheit ist mit ihm auch heute jeder Christ, jeder „Missionar“. Der Rosenkranz ist insofern ein biblisches Gebet, als er aus Bibelworten besteht. Dazu macht ihn auch die Betrachtung des Lebens Jesu selbst, missiothek 1104

seines im Evangelium beschriebenen Lebensweges von seiner Geburt bis hin zur Auferstehung und Himmelfahrt. Jede dieser Stationen auf dem Lebensweg Christi bildet ein „Geheimnis“, stellt ein geheimnisvolles Heilsgeschehen dar, das ergründet werden will. Mit dem Rosenkranz reichte die Kirche im Mittelalter den weniger gut gebildeten Christen eine Möglichkeit, anstelle des Psalters, dem Gebet der 150 Psalmen, ein einfaches Stundengebet zu erfüllen. So entwickelte sich der Rosenkranz zu einem Gebet mit 150 Ave Maria und 15 „Geheimnissen“, kurze Sätze, die an die Ausrufung des Namens Jesu gesetzt werden und hinter denen ein „Heilsgeheimnis“ des Evangeliums steht. So bot der Rosenkranz eine Weise, die Lebenshaltung des Verbundenseins und –bleibens mit Gott in einem „Gebet ohne Unterlass“ einzuüben, wie es Jesus seinen Jüngern empfiehlt. Dazu gehört auch das Gebet mit Hilfe der Meditation der Heiligen Schrift. Dies war auch für das mönchische Leben der Kirche von den frühen Jahrhunderten an sehr bedeutend. Mönche und Nonnen versuchten, möglichst ohne Unterbrechung im Wort der Heiligen Schrift zu bleiben, durch Lesen, Gebet und dauernde Wiederholung einzelner Schriftstellen. Für sie gehörte das Lesen der Heiligen Schrift zur Suche nach einem lückenlosen Kontakt zu Gott. Die wiederholende Gebetsweise nährt sich zum einen aus den Anweisungen Gottes an das Gottesvolk zur Zeit des Exodus, das er anweist, sein Gebot gleichsam ständig „durchzukauen“: „Über dieses Gesetzbuch sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht. Dann wirst du auf deinem Weg Glück und Erfolg haben.“ (Jos 1,8) Zum anderen sind die Wiederholungen sicherlich auch beeinflusst vom Bildungsideal der Antike, das das intensive Lesen und Verstehen höher stellte als ein extensives, aber oberflächliches Wissen. Die griechische Philosophenschule der Pe-

ripatetiker zum Beispiel lehrte das „Wandeln“ im Säulengang, dem Peripatos, mit einem einzigen Satz, der ergründet werden sollte.

Der Lebendige Rosenkranz als Gebet der Mission

Das Gebet in der Kirche ist niemals nur eine Sache des Einzelnen, sondern vereinigt sich im „Leib“ der Kirche mit dem Gebet aller anderen Glieder dieses Leibes. Die Mission der Engel in der Kindheitsgeschichte Jesu, der Menschheit „eine große Freude“ zu verkündigen, wird von der Kirche weitergetragen und durch jedes einzelne Gebet unterstützt. Jedes Gebet zieht Gottes Heilshandeln herab und bringt der Welt mehr von dieser Freude des Erlöstwerdens. „Mission“ als eine Vermehrung dieser Freude auf der Welt anzusehen, kann ein gutes Motiv werden, sich auch im Gebet noch mehr

Der Lebendige Rosenkranz So funktioniert das Gebet: Eine Rose für die Welt: • Anmeldung: Schicken Sie Missio das Anmeldeformular, das Sie auf der Rückseite von Missiothek finden, ausgefüllt zurück. • Sie erhalten gratis einen hölzernen Missio-Rosenkranz, fünf InfoFolder und Ihr Geheimnis, das mit einem spezifischen Kontinent verknüpft ist. • Das Geheimnis wird automatisch durch die Reihung der Anmeldung zugeteilt. So entstehen Gruppen mit je 20 Mitgliedern, die insgesamt vier Rosenkränze (freudenreicher, lichtreicher, schmerzhafter und glorreicher Rosenkranz) mit je fünf Geheimnissen beten. • Jeden Tag beten Sie nun ein Gesätzchen mit dem Ihnen zugeteilten Geheimnis für den jeweiligen Kontinent. • Gemeinsam mit den 19 weiteren Mitbetern in Ihrer Gruppe bilden Sie eine Rose. Zusammen betet eine Rose einen Psalter täglich.


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Der freudenreiche Rosenkranz • • • • •

... Jesus, den du, o Jungfrau ,vom Heiligen Geist empfangen hast ... Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast ... Jesus, den du, o Jungfrau, zu Bethlehem geboren hast ... Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast ... Jesus, den du , o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.

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... der von Johannes getauft worden ist ... der sich bei der Hochzeit zu Kana offenbart hat ... der das Reich Gottes verkündet hat ... der auf dem Berg verklärt worden ist ... der uns die Eucharistie geschenkt hat

Fotos: Zerche, Thonhauser, Pollak

Der lichtreiche Rosenkranz

Der glorreiche Rosenkranz • • • • •

... der von den Toten auferstanden ist ... der in den Himmel aufgefahren ist. ... der uns den Heiligen Geist gesandt hat ... der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat ... der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat

Der schmerzhafte Rosenkranz

den Anliegen der Mission der Kirche in den ärmeren Ländern zuzuwenden. Missio startet deshalb erneut den „Lebendigen Rosenkranzes“ und hofft, viele zur Teilnahme bewegen zu können. Es gibt keine lebendige und authentische Weitergabe des Evangeliums, wenn die Gebenden nicht selbst die Freude des Evangeliums kennen. Schon Pauline Marie Jaricot, die Gründerin der Päpstlichen Missionswerke, war sich dieses engen Zusammenhangs zwischen der Mission „nach außen“ und der Mission „nach innen“ bewusst. Sie erkannte das Gebet als das Mittel, den Menschen in ihrem Umfeld die

Kultur der Beständigkeit in der Nähe Gottes beizubringen. Sie bedauerte, dass der Rosenkranz eigentlich nur im Ordensleben gebetet wurde, und dabei vorwiegend von jenen, die entweder zu alt oder zu ungebildet für das lateinische Stundengebet waren. 1826 gründete sie schließlich den „Lebendigen Rosenkranz“, bei dem das Rosenkranzgebet in Gebetsgemeinschaften organisiert wird. Der Erfolg ist erstaunlich: 1834 zählt der Lebendige Rosenkranz allein in Frankreich eine Million Teilnehmer. Als Pauline 1862 stirbt, sind es bereits 2,5 Millionen registrierte Teilnehmer – 15% der damaligen Bevölkerung Frankreichs. <

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... der für uns Blut geschwitzt hat ... der für uns gegeißelt worden ist ... der für uns mit Dornen gekrönt worden ist ... der für uns das schwere Kreuz getragen hat ... der für uns gekreuzigt worden ist

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Leuchtturm in der Verkündigung

Epiphanie – Erscheinung des Herrn: Missio betreut zu diesem Fest die traditionelle Epiphanie-Kollekte zu Gunsten der Priesterausbildung in Afrika, Asien und Lateinamerika. Denn das „Aufstrahlen“ des Herren, setzt sich im weltweiten Dienst der Priester fort. TEXT_BERNHARD RINDT

ens, dass er, der uns geschaffen hat, uns auch wiederherstellen und heilen kann. Der eine Gott kann auch das Zerstörungswerk von Sünde, Krankheit und Tod umkehren und neues Leben schaffen, ja sogar ewiges Leben.

Sendung der Kirche

Das Fest der „Erscheinung des Herrn“ ist logisch mit dem Fest der Geburt Christi verknüpft. In neuerer Zeit weist Pius Parsch, ein Begründer der Liturgischen Bewegung und Wegbereiter der vom Zweiten Vatikanischen Konzil angestoßenen liturgischen Reform auf diesen Zusammenhang hin: „Wir können also die zwei Feste auf die kurze Formel bringen: Zu Weihnachten ist Gott als Mensch erschienen, zu Epiphanie ist dieser Mensch wieder vor der Welt als Gott erschienen.“ (Aus: Das Jahr des Herrn)

Jesus zeigt sich als Gott

Im Prolog des Johannesevangeliums sind beide Feste schon enthalten: „Und das Wort ist Fleisch geworden (Weihnachten) und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater (Epiphanie).“ Jesus legitimiert sich durch Zeichen und Wunder vor der Welt als Gottes Sohn. Einzelne Wunder wirkt er ausdrücklich als Beweise, etwa bei der Heilung des Gichtbrüchigen: „…damit ihr erkennt, dass der Menschensohn Macht hat, Sünden zu vergeben.“ Das Ziel der Selbstoffenbarung Jesu als Gott liegt also in der Herstellung des Vertraumissiothek 1104

Wenn die Päpstlichen Missionswerke in Österreich am 6. Jänner „für Priester aus 3 Kontinenten“ sammeln, so tun sie das im Sinne des Auftrags der Verkündigung des Reiches Gottes: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15). Mit „Evangelium“ meint Jesus nicht nur den Bericht der Evangelien. Das Evangelium, das er selbst verkündet, ist ein von Gott her wirksames Wort, das Mensch und Welt heilen soll. Deshalb umfasst die Verkündigung, die Jesus den Jüngern aufträgt, auch den Auftrag der Krankenheilung und die Feier der Sakramente. Mit dem Wort „Sakrament“ wurde der griechische Begriff „Mysterion“ ins Lateinische übertragen. Das Mysterium besteht darin, dass sich Gott in Jesus Christus unserer Welt vollkommen mitteilt, vor allem auch leiblich, materiell. Höhepunkt dieses Mit-Teilens ist die Feier der Eucharistie, in der Christus seiner Kirche seinen Leib anbietet, um das Vergängliche durch das Ewige zu heilen und ewig zu machen. Epiphanie setzt sich also wesentlich auch in dem Dienst fort, der den Priestern aufgetragen ist.

Für Priester aus 3 Kontinenten

Die Kirche in Afrika, Asien und Lateinamerika ist auf die Unterstützung ihrer Priesterkandidaten und der Priesterausbildungsstätten dringend

angewiesen. Missio ruft zu Solidarität und Nächstenliebe gegenüber den 1100 ärmsten Diözesen der Welt auf. Das diesjährige Plakat zeigt einen jungen Seminaristen aus Indonesien, einen Bischof aus Brasilien und den Priester Ubald aus Rwanda. Father Ubald, dessen Familie beim Völkermord in Rwanda fast vollständig ausgelöscht wurde, ist zu einem Leuchtturm in der Verkündigung der Versöhnung geworden. Diese Versöhnung, so zeigt die Geschichte von Father Ubald, war ein Geschenk innerer Heilung im Gebet. Sie erhält fortwährend Kraft und erreicht in einem von Hass und Angst zerstörten Land viele Menschen, die selbst auch das Geschenk der Versöhnung erhalten. Ein Beispiel, wie sich das „Aufstrahlen“ des Herrn in unserer heutigen Zeit fortsetzt. <

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EPIPHANE – EIN RUNDBLICK

Die Epiphanie-Kollekte hat eine mehr als hundertjährige Tradition. Bereits 1890 rief Papst Leo XIII. zu einer „Afrika-Kollekte“ auf.

Seit 1923 steht die Sammlung im Zeichen der Priesterausbildung.

Für orthodoxe Christen in Russland und Serbien findet gemäß dem Julianischen Kalender der Heilige Abend am 6. Jänner statt, der Christtag am 7. Jänner.


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Fotos:Thonhauser

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Interview mit einem Neupriester aus Rwanda Father Emanuel, wollten Sie schon immer Priester werden?

Bereits mit 14 Jahren wusste ich, dass ich Priester werden möchte. Ich hatte immer großen Respekt vor unserem Pfarrer hier in Mushaka. Er predigt nicht nur Versöhnung. Father Ubald lebt sie auch tatsächlich. Das ist ein wichtiges Zeichen für unser Land Rwanda, das ja keine einfache Geschichte hat.

Predigte Father Ubald oft über den Völkermord 1994?

Er predigte er vor allem über Wahrheit, über Gerechtigkeit, über Vergebung und über Barmherzigkeit. Es ist nicht einfach für uns über die Vergangenheit zu reden. Wir wollen uns auf die Zukunft konzentrieren.

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Für die Zukunft: Wie wollen Sie Ihr Priestertum leben? Was ist Ihnen dabei wichtig?

Sie konnten durch eine österreichische Missio-Priesterpatenschaft studieren?

Ich bin zuerst einmal Gott sehr dankbar, dass Er mir die Kraft gab, diesen Weg zu gehen. Es war nicht immer einfach und aus mir selbst heraus hätte ich das sicherlich nicht geschafft.

Ja, dafür bin ich sehr dankbar. Aber es war nicht nur die finanzielle Unterstützung, ohne die ich niemals Priester hätte werden können. Mein Pate hat mir auch durch sein Gebet geholfen. Schon allein das Wissen spornte mich an, dass es jemanden in Europa gibt, dem meine Berufung am Herzen liegt. <

Als Priester möchte ich dieses große Geschenk meiner Berufung an die Menschen, die mir anvertraut werden, weiter schenken. Und wie der Bischof in seiner Predigt während meiner Weihe sagte: ,Bevor der Priester predigt, soll er nachdenken, was er sagt, damit sein ganzes Sein und Tun Ausdruck und Zeugnis der Liebe Gottes ist.‘

„Schon allein das Wissen, dass es jemanden in Europa gibt, dem meine Berufung am Herzen liegt, spornte mich an.“

MISSIOTHEK IN DER PRAXIS ARBEITSMATERIAL ONLINE Texte und Multimedia

• Exklusiv Online

• Video „Sammlung für Priester aus 3 Kontinenten“

Materialien für die Gestaltung der Epiphanie-Kollekte in Ihrer Pfarre.

• Gestaltungsvorlagen für Verantwortliche von Pfarrpublikationen – mit der Geschichte von P. Ubald

Aktion • Plakate zur Epiphanie-Kollekte „Für Priester aus 3 Kontinenten“

Gebet und Liturgie •

Gottesdienst_6_Jaenner.pdf Gottesdienstvorschlag

Gebetsblatt_2011.pdf - Gebet um Priesterberufungen

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Thailand: Ein Weihnachtsfest für AIDS-Waisen

Das Sozialzentrum der Kamillianer in Rayong hilft den erkrankten Kindern und ermöglicht ihnen ein Leben in Würde. Doch die Flutkatastophe im Oktober und November zerstörte einige Einrichtungen des Rehabilitationszentrums „Garten Eden“. Helfen auch Sie beim Wiederaufbau! TEXT_PHILIPP LANGMANN

Foto: missio

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or mehr als 15 Jahren gründete Pater Giovanni Contarin das Sozialzentrum für nunmehr 68 von HIV/Aids betroffene Waisenkinder. Die finanzielle Unterstützung von Missio ermöglichte den Bau weiterer Heime und Zufluchtsstätten in der Region. Nicht zuletzt wegen des Sextourismus ist die Immunschwächekrankheit in Thailand ein großes Problem. Seit den 1950er Jahren ist der Orden der Kamillianer in Thailand aktiv und kümmert sich um die medizinische Grundversorgung der Ärmsten sowie der Betreuung von Waisenkindern. Dank der Behandlung mit anti-retroviralen Arzneien können die Kinder überleben. Pater Giovanni konnte jedoch beobachten, dass diese Kinder später oft auf der Straße landen.

können hier gemeinschaftlich zusammenleben. Sie erhalten ein neues Zuhause in Geborgenheit, das ihnen ein erfülltes Leben in Würde ermöglicht. Die durch die Krankheit körperlich geschwächten Kinder können wieder eine Schule besuchen. Sie bekommen eine Ausbildung, um sich so bestmöglich auf das Leben vorzubereiten.

Ein Zuhause geben

So können Sie helfen

Aus diesem Grund wurde der sogenannte „Garten Eden“, etwa 40 Kilometer von Rayong entfernt, errichtet. Mehr als 40 Opfer von HIV/Aids, die oftmals aus Angst vor Ansteckung von ihren Familien verstoßen wurden,

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UNTERSTÜTZUNGSVORSCHLÄGE HIV/Aids-Waisen

• Exklusiv Online: Informieren Sie sich auf missio.at zu den Themen HIV/Aids und Kinder. Die Missiothek bietet eine große Fülle an Materialien für Unterricht und Studium.

WIE SIE HELFEN KÖNNEN:

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• Machen Sie im Pfarrbrief oder während des Pfarrkaffees auf das Werk von Pater Giovanni aufmerksam. • Bestellen Sie zu diesem Projekt unseren Folder und verteilen Sie diesen in Ihrer Pfarre.

Zerstörte Einrichtungen

Doch die Flutkatastrophe im Herbst 2011 hatte auch in der Provinz Rayong desaströse Auswirkungen. Die für die Selbstversorgung notwendigen Felder und Gärten des Rehabilitationszentrums wurden größtenteils zerstört. Beinahe wäre der „Garten Eden“ von den Fluten völlig überschwemmt worden. Hilfe für den Wiederaufbau ist nun dringend erforderlich. Missio bittet um materielle Solidarität mit den Kindern in den Einrichtungen der Kamillianer, um ihnen ein sorgenfreies Weihnachtsfest zu ermöglichen. Helfen auch Sie! www.missio.at/spende <

• Unterstützen Sie das Sozialzentrum der Kamillianer mit einer Spende per SMS, Online, Überweisung oder Dauerauftrag. • Diskutieren Sie im Unterricht Möglichkeiten, wie den AIDS-Waisen in Thailand geholfen werden kann.


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Beten wie die Wüstenväter Pädagogisches Material zum Lebendigen Rosenkranz

Beim Beten des Rosenkranzes wiederholt man oft ein und denselben Bibelvers. Was steckt eigentlich hinter dieser Art zu beten?

Ein einziger Vers, um heilig zu werden In unserer Zeit gilt als gebildet, wer sehr viel gelesen hat. In der Antike konnte auch der als gebildet gelten, der sehr „tief“ gelesen hat. Das tiefe Verständnis war Zeichen eines Menschen, der Weisheit erworben hatte. Um diese Weisheit bemühten sich griechische Philosophen ebenso wie die christlichen Wüstenmönche des 4. Jahrhunderts n. Chr. Man ließ sich zu dieser Zeit nicht davon abschrecken, sich ausdauernd mit ein und demselben Gedanken oder Bibelvers zu beschäftigen. Viele Wüstenmönche, die Pioniere des christlichen Mönchtums, begnügten sich oft lange mit einem einzigen Vers, den sie bei allen Gelegenheiten beteten. Berühmt ist die Geschichte des Pambos, von dem man sagt, er wäre durch das Bedenken eines einzigen Verses heilig geworden.

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ambos, ein ungelernter Mann, suchte jemand auf, um einen Psalm zu erlernen. Doch kaum hatte er den ersten Vers des Psalmes 38 vernommen: „Ich habe gesagt, ich werde über meine Wege wachen, damit ich mit meiner Zunge nicht sündige“, so wollte er den zweiten Vers nicht mehr hören und ging weg. Er sagte sich: Ich habe genug mit diesem Vers allein, wenn ich es fertig­ bringe, ihn auch in der Tat zu erlernen. Sechs Monate vergingen, ohne dass der Lehrer seinen Schüler wiedersah und als er ihn tadelte, er­widerte Pambos: Ich habe den Vers des Psalmes noch nicht in der Tat erlernt. Es vergingen so nicht wenige Jahre; und nach langer Zeit fragte ihn einmal ein Bekannter, ob er nun seinen Vers erlernt habe; da sagte er: „In den ganzen 19 Jahren habe ich es mit Mühe kaum gelernt, ihn zu verwirklichen.“ 1

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Versuche es selbst! Beteilige dich an einem für unsere schnelllebige Zeit ungewöhnlichen ­Experiment. So sieht der „Versuchsablauf“ aus: 1. Wähle dir nur einen Satz aus der Bibel. 2. Verbringe damit genau 2 Minuten in absoluter Stille. (Die Zeit ist kurz. Deine Konzentration sollte aber dafür umso höher sein!) 3. Tausche dich in einer Gruppe mit drei anderen Mitschülern aus. Berichtet einander, welchen Eindruck der Satz bei Euch hinterlassen hat. Was nehmt ihr euch an „Weisheit“ mit?

für Lehrerinnen und Lehrer: ➜ Hinweis Eine kleine Auswahl an verwendbaren Versen aus dem „Buch der Sprich­ wörter“ des Alten Testaments findet sich zum Download unter www.missiothek.at. 1

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Zitiert bei Rainer Scherschel, Der Rosenkranz, S. 38. missiothek 1104


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Eine kleine Auswahl an Weisheitssprüchen zur Meditation Alle Sätze stammen aus dem „Buch der Sprichwörter“, das du im Alten Testament findest.

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ein Sohn, vergiss meine Lehre nicht, bewahre meine Gebote in deinem Herzen! Denn sie vermehren die Tage und Jahre deines Lebens und bringen dir Wohlergehen. (Spr 3,1-2)

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er Hass verbirgt, heuchelt; wer Ver­ leumdung ausstreut, ist ein Tor. Bei vielem Reden bleibt die Sünde nicht aus, wer seine Lippen zügelt, ist klug. (Spr 10, 18-19)

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ie lang, du Fauler, willst du noch daliegen, wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? Noch ein wenig schlafen, noch ein wenig schlummern, noch ein wenig die Arme ver­ schränken, um auszuruhen. Da kommt schon die Armut wie ein Strolch über dich, die Not wie ein zudringlicher Bettler. (Spr 6, 9-11)

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it ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit; such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade. (Spr 3, 5-6)

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er den Nächsten verächtlich macht, ist ohne Verstand, doch ein kluger Mensch schweigt. (Spr 11,12)

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in fröhliches Herz macht das Gesicht heiter, Kummer im Herzen bedrückt das Gemüt. (Spr 15,13)

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reundliche Worte sind wie Waben­ honig, süß für den Gaumen, heilsam für den Leib. (Spr 16,24)

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esser ein Langmütiger als ein Kriegsheld, besser, wer sich selbst beherrscht, als wer Städte erobert. (Spr 16,32)

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ine sanfte Antwort dämpft die Erregung, eine kränkende Rede reizt zum Zorn. (Spr 15,1)

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esser wenig in Gottesfurcht als reiche Schätze und keine Ruhe. Besser ein Gericht Gemüse, wo Liebe herrscht, als ein gemäste­ ter Ochse und Hass dabei. (Spr 15, 16-17)

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od und Leben stehen in der Macht der Zunge; wer sie liebe­ voll gebraucht, genießt ihre Frucht. (Spr 18,21)

er eine Frau gefunden, hat Glück gefunden und das Gefallen des Herrn erlangt. (Spr 18,22)


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Thema „Arbeit“ in der Bibel

Die Arbeit, aber auch das Leiden an unmenschlichen Arbeitsverhältnissen zählen zu den Grunderfahrungen des Menschen in der Bibel. 1. Lies den Schöpfungsbericht Gen 2,4b-25 durch und unterstreiche die Verben, die eine Tätigkeit Gottes beschreiben. 2. Würdest Du diese Tätigkeiten Gottes als „Arbeit“ oder „Hobby“ definieren? Begründe deine Antwort. Was ist für Dich „Arbeit“? 3. Mit welchem Beruf lässt sich die Tätigkeit Gottes vergleichen? 4. Arbeitet der Mensch auch schon im Paradies? (Gen 2,15) 5. Vergleiche dazu die Stelle aus Gen 3,17-19. Wie wird hier „Arbeit“ geschildert? Ist die Arbeit die Folge der Sünde? 6. Die Bibel unterscheidet nicht zwischen „geistiger Arbeit“ und „körperlicher Arbeit“. Ist deiner Meinung nach geistige Arbeit „höherwertig“? 7. Gen 2,2: Was wird an dieser Stelle über das Verhältnis von Arbeit und Ruhe ausgesagt? Werden die beiden Begriffe als Gegensatzpaar gesehen, oder ergänzen sie einander? 8. Lies zur vorigen Stelle auch noch Dtn 5,12-15. Bringe beide Stellen in einen Zusammenhang. Welche Gründe gibt es für das Verbot? Wen betrifft es? 9. Die Bibel differenziert zwischen verschiedenen Formen von Arbeit: Lies folgende Bibelstellen durch, stelle fest, um welche Form der Arbeit es sich handelt und ordne der entsprechenden Spalte in der Tabelle zu: Ex 1,11-16; Sprüche 31,10-31; 1 Kön 17,8-24; Lk 8,1-3; Sam 8,1-12.

Familien­arbeit

Pflegearbeit

Freiwilligenarbeit

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Heeresdienst

10. Was könnte die Motivation für unsere Arbeit sein? Karriere? Geld? Familie? Selbstverwirklichung? Vergleiche mit dem Beispiel von Hiskia in 2. Chr 31,20-21.

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Zwangs­arbeit

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Die Hungerrevolte der Seidenweber in Lyon im November 1831 war der erste große soziale Aufstand zu Beginn des Industriezeitalters in Frankreich.

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„Es scheint mir, dass man dem Arbeiter zuerst die Menschenwürde zurück­ erstatten muss, indem man ihn von der unwürdigen Sklaverei der schlechtbe­ zahlten Tätigkeit befreit. Dann seine Vaterwürde im Kreise der Familie in einer guten und gesunden Wohnung. Schließlich die Christen­ würde durch Trost und Hoffnung der Religion. Gott selbst verpflichtet uns zu sozialer Gerechtig­ keit.“ Pauline Jaricot

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind auch heute keine Selbstverständlichkeit. Setze Dich mit den Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen in China aus­ einander. Wien. 01.12.2011. Elf bis zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche für einen Hungerlohn und unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen - so sieht der Arbeitsalltag von ca. drei Millionen ChinesInnen aus, die in tausenden Fabriken über 80% der bei uns verkauften Spielsachen herstellen. Die Gewinner dieses Spieles heißen Mattel, Disney oder Carrera und können auch heuer in der Vorweihnachtszeit wieder mit Umsatzzuwächsen rechnen, denn bei Kindern wird auch in Krisenzeiten als letztes gespart. Mattel gewinnt, ArbeiterInnen tragen die Kosten Dank sprechender Autos und Klassikern wie den Barbie-Puppen steigerte Spielwaren-Branchenführer Mattel seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent. „Die Kosten für Mattels Erfolg tragen zu einem großen Teil die chinesischen Arbeiterinnen und Arbeiter“ kritisiert die Arbeitsrechtsexpertin Debby Chan von der NGO SACOM aus Hong Kong heute bei einem Pressegespräch in Wien. Der Lohnkostenanteil einer Barbie-Puppe, die in Österreich um 18 Euro verkauft wird, liegt gerade einmal bei 40 Cent. Recherchen von SACOM zufolge verdienen die ArbeiterInnen in Mattel-Zulieferbetrieben nur ca. 140 Euro monatlich und machen drei Mal mehr Überstunden im Monat, als gesetzlich erlaubt sind. Aufgrund von arbeitsbedingtem Stress und ständiger Demütigung durch Vorgesetzte sprang im Mai eine 45-jährige Arbeiterin aus der 6. Fabriketage eines chinesischen Zulieferers von Mattel, und starb. Eine ihrer Kolleginnen schildert den Stress, dem die ArbeiterInnen in der Fabrik ausgeliefert sind: „Durch die Quoten bleibt den Menschen keine Zeit für Toiletten- und Trinkpausen! Ständig wird die Zeit gestoppt, um zu ermitteln, wer wie lange braucht, um die vorgeschriebenen Stückzahlen zu produzieren. Wenn jemand die Quote nicht erreicht, wird sie oder er beschimpft und verwarnt. Nach drei Verwarnungen folgt der Rausschmiss“. Yang Yu, die ihren richtigen Namen geheim halten will, ist derzeit zu Gast in Wien. Sie arbeitete fünf Jahre in chinesischen Spielzeugfabriken, unter anderem für Mattel, und litt unter den menschenunwürdigen Bedingungen: „Ich musste mitunter 26 Tage im Monat arbeiten. Jeder Tag war ein Kampf, die Arbeit unheimlich ermüdend. Man muss ständig voll konzentriert sein und dennoch wird man oft vom Management angeschrien. Wer auf die Toilette muss, wird angewiesen, so schnell wie möglich wieder am Arbeitsplatz zu sein, um nicht getadelt zu werden“. Auszug aus Presseaussendung: Mattel: Ausbeutung für kunterbunte Spielzeugwelt SüdwindKampagne „Spielsachen fair machen.

Benenne die Probleme der Arbeiterinnen: • _____________________________________________________________ _____________________________________________________________ Überlege: Warum treibt das Management die Arbeiterinnen so an? • _____________________________________________________________ _____________________________________________________________ elche Maßnahmen bräuchte es, um Voraussetzungen für faire • W Arbeitsbedingungen zu schaffen?

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könntest Du selbst dazu beitragen? • Was Besprecht die Ergebnisse in der Klasse. • missiothek 1104


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Studienreise nach Brasilien

Mit Missio Steiermark der Kirche Brasiliens begegnen

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Fotos: Zerche

n Begleitung von Diözesandirektor Wolfgang Schwarz bereisten 14 Steirer und Steirerinnen für drei Wochen Brasilien. So vielfältig wie das Land war auch das umfangreiche Programm der Reise. Vom 4. bis zum 24. Juli wurden die Zentren des politischen und kirchlichen Lebens in der Hauptstadt Brasilia besucht, wie auch ein Sozialprojekt der Karmeliten für die Rehabilitation von Drogenabhängigen in Curitiba. Anlass und Höhepunkt der Reise war die Teilnahme an der Wallfahrt der Landarbeiter (Romaria da terra). Durch Gespräche mit Bischöfen und Landlosen konnte ein Einblick in die Arbeit und die Herausforderungen der Landpastoral gewonnen werden. Besonders berührt hatte die Teilnehmer die Verbindung von Volksfrömmigkeit und politischem Einsatz. <

Sinnvoll schenken mit Pralinen von Missio

Mit den Geschenkpralinen können Sie die Arbeit von Missio unterstützen und erhalten gleichzeitig ein stilvolles Geschenk für die kommende Weihnachtszeit.

Foto: Missio

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nter dem Motto „noch nie hat Gutes tun so gut geschmeckt“ kann man die von der Jugendaktion bekannten Schokoladen in diesem Jahr wieder erwerben. In der Schachtel befinden sich 16 wohlschmeckende Pralinen aus Milchschokolade mit Haselnussfüllung, verpackt in edlem Geschenkpapier. Durch die Verwendung von fair gehandeltem Kakao und Zucker für die Herstellung der Pralinen unterstützen Sie die Kleinproduzenten in Costa Rica und der Dominikanischen Republik. Fairtrade zeichnet sich durch fixe Preiszusagen und langfristige Abnahmeverträge aus und verbessert so die Lebensbedingungen der Kleinbauern. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Pralinen kann Missio Österreich weitere Projekte in den ärmsten Diözesen in aller Welt unterstützen.

Gegen eine Mindestspende von 6,50 Euro können Sie die Geschenkpralinen telefonisch bestellen: (+43) 1 / 513 77 22 oder per Email: bestellung@missio.at < IMPRESSUM HERAUSGEBER UND MEDIENINHABER: Missio – Päpstliche Missionswerke REDAKTION: Mag. Monika Schwarzer, Mag. Bernhard Rindt, Mag. Andreas Thonhauser, Mag. Marie Czernin, Philipp Langmann ALLE: Seilerstätte 12, 1010 Wien. GRAFIK: Petra Kuchenbecker, komma2 HERSTELLUNG: Print-On.at (Druck), media2print GmbH (Repro) DRUCKKOSTENBEITRAG: EUR 8,– jährlich ERSCHEINUNGSWEISE: Vier Mal jährlich OFFENLEGUNG IM SINNE DES MEDIENGESETZES: MISSIOTHEK ist ein Praxisheft für Schule und Pfarre und wird von den Päpstlichen Missionswerken in Österreich herausgegeben. Ziel: Information und Bewusstseinsbildung über Fragen der Mission und Weltkirche. Pbb. Verlagspostamt 1010 Wien,

GZ02Z030162S

missiothek 1104


Sollte sich Ihre Adresse geändert haben oder unvollständig sein, dann teilen Sie uns dies bitte telefonisch, per Fax, E-Mail oder auf dem Postweg mit, damit wir Sie auch in Zukunft erreichen können!

Empfänger:

Pauline Jaricot Die Gründerin der Päpstlichen Missionswerke startete auch den „Lebendigen Rosenkranz“ .

Keine gewöhnliche Spardose – der Elefant ist aus Leder und wurde in Indien mit kunstvollem Batikmuster Der verziert. Lebendige Rosenkranz Plus 6 x „alle welt“ zum Missio-Sonderpreis um 23,- Euro.

Eine Rose für die Welt

Die farbigen Holzperlen stehen jeweils für einen anderen Kontinent: Afrika (grün), Amerika (rot), Europa (weiß), Ozeanien (blau), Asien (gelb).

Anmeldung:

JA,

ich möchte Teil der Missio-Gebetsbewegung für Frieden und Mission in aller Welt werden. Bitte senden Sie mir den Missio-Rosenkranz gratis zu.

Mein Name Straße, Nr. PLZ und Ort Telefon/E-Mail (für Rückfragen) Angeworben durch

Ort, Datum

Der Missio-Rosenkranz

Unterschrift

Und so funktioniert es:

E

infach per Mail, Telefon, Fax oder Post (siehe Formular links) bei Missio anmelden: Sie bekommen umgehend gratis den Holzrosenkranz (siehe Bild) in den Farben der fünf Kontinente zugesandt. Je 20 Beter bilden eine so genannte „Rose“. Jeder bekommt ein Gehemnis der vier Rosenkränze (freudenreicher, schmerzhafter, glorreicher und lichtreicher) und einen Kontinent zugeteilt. Dann betet jeder täglich sein Gesätzchen. Gemeinsam ergibt das einen Psalter pro Tag. Jedes Mitglied einer Rose ist eingeladen, weitere Mitbeter anzuwerben. Mehr Informationen erhalten Sie in dem Info-Folder, der dem Rosenkranz beigelegt wird.

Motivieren Sie andere! Ich habe bereits eine Gruppe Bitte senden Sie mir mein Rosenkranz-Geheimnis und den Missions-Rosenkranz für die Teilnahme an der Gebetsaktion „Eine Rose für die Welt“ an oben stehende Adresse. Der Lebendige Rosenkranz startet offiziell am 9. Jänner 2012. Sie können mit dem Rosenkranz aber sofort beginnen, sobald Sie ihn zugeschickt bekommen. Ein Ausstieg ist natürlich jederzeit möglich, wir bitten Sie lediglich um Benachrichtigung. Herzlichen Dank für Ihr Gebet.

Beten Sie den Lebendigen Rosenkranz und schenken Sie der Welt viele „Rosen“! Anmeldeformular an: Missio, Seilerstätte 12, 1015 Wien Oder faxen Sie uns die Anmeldung an: Fax (01) 513 77 22 60 Oder melden Sie sich per E-Mail an: bestellung@missio.at Oder rufen Sie uns an: (01) 513 77 22

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Missiothek 4/2011