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Juli/August 2011 . www.missio.at

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MAGAZIN DER PÄPSTLICHEN MISSIONSWERKE

Berufung in der Südsee Ein Priesterseminar auf Fidschi Brückenschlag am Balkan Versöhnungsarbeit nach dem Krieg „Der Glaube faszinierte mich“ Der erste Miskito-Priester Nicaraguas im Interview

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ist ... ... eine päpstliche Einrichtung, die unter dem Namen „Päpstliche Missionswerke“ in mehr als 150 Ländern vertreten ist. Missio – die Päpstlichen Missionswerke in Österreich wollen Menschen im christlichen Geist bilden. Sie helfen in den ärmsten Ländern der Welt mit Nahrung, Zugang zu Bildung und mit Gottes Wort.

  

Missio. Wer Gott nicht gibt, gibt zu wenig.

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missio lebt und arbeitet mit den katholischen Ortskirchen in Afrika, Lateinamerika und Asien. missio unterstützt die Kirche bei der Verkündigung der Frohen Botschaft und bei ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. missio lädt ein zu einem Leben des Gebetes, des Teilens und der Solidarität.

Der größte Teil der Christen lebt heute in den so genannten „Ländern des Südens“. Missio ist eine materielle und spirituelle Brücke zwischen Nord und Süd: Zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen wecken das Interesse am Leben unserer Schwestern und Brüder in aller Welt und das Bewusstsein unserer gegenseitigen Verantwortung. Den Christen in den Ländern des Südens fehlen vor allem finanzielle Mittel für ihre pastoralen und sozialen Aufgaben. Mit der jährlichen weltweiten Kirchensammlung am Weltmissions-Sonntag im Oktober werden die 1.100 ärmsten Diözesen der Welt unterstützt. Die Päpstlichen Missionswerke gewährleisten in internationaler Absprache eine gerechte Verteilung der Mittel. Eine weitere Kirchensammlung „Für Priester aus allen Völkern“ am 6. Jänner ermöglicht die Ausbildung von Priestern in den Ländern des Südens. Darüber hinaus unterstützt Missio jährlich eine Vielzahl an Projekten in Afrika, Lateinamerika und Asien.

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Editorial ✜ 4/2011

Fotos: Fritz Stark (Coverfoto), Missio

Tanz und Tradition: Seminaristen auf Fidschi in Stammesschmuck.

Vor wenigen Wochen hatte ich wieder einmal Gelegenheit, Papst Benedikt XVI. persönlich zu begegnen. Während des Treffens aller Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke in Rom empfing er uns, wie immer sehr freundlich und mit klaren Botschaften. Der Heilige Vater erinnerte uns an die zentrale Bedeutung des Auftrags, der Missio weltweit zugrunde liegt. Es sei der wertvollste Dienst, den die Kirche der Menschheit erweisen könne: die Weitergabe des Glaubens. In seiner Ansprache an uns Missio-Direktoren ging der Papst noch tiefer: „Alles in der Kirche dient der Evangelisierung!“ Jeder muss sich in die „Missio ad gentes“, in die Verkündigung der Frohen Botschaft an die Völker in aller Welt, einbringen – die Bischöfe, Priester und Ordensleute, aber auch die Laien. Niemand, der an Christus glaubt, könne sich dieser Verantwortung entziehen, so sagt der Papst. Deshalb müssen wir auch darauf achten, dass alle Bereiche der pastoralen Arbeit, der Katechese und der Caritas durch die missionarische Dimension charakterisiert werden. Der Heilige Vater fasste diese Aussagen einfach, aber tiefgehend zusammen: „Die Kirche ist Mission.“ Ich denke, wir sollten die Worte des Papstes ernst nehmen, hier und heute. Noch nie war es so einfach, Millionen Menschen mit den Mitteln der Medien zu erreichen. Die Bibel – „das Buch der Bücher“ – ist der erfolgreichste Long- und Bestseller aller Zeiten. Heute kann das Wort Gottes dank Internet, Fernsehen, Radio, Zeitschriften und Zeitungen in die entferntesten Winkel dieser Welt strahlen. Es gibt aber auch eine Schattenseite: Noch nie war es so einfach, dieses Wort der Liebe und der Hoffnung zu überhören, auszublenden, im Strudel der täglichen Nachrichten, Sensationen oder Wortmeldungen untergehen zu lassen. Zu allen Zeiten bedeutete die Verkündigung des Evangeliums vor allem eines: Predigen alleine ist zu wenig. Wahrhaft glaubwürdig ist nur die Tat, das Vorleben. Seien wir also glaubwürdige Zeugen Christi und verstehen wir die Aufforderung des Heiligen Vaters zur Mission als einen Aufruf, unser eigenes Leben radikal auf Christus auszurichten, unsere Mitmenschen zu lieben und allen zu verzeihen, die uns Böses tun. In den Worten des neuen englischen Seligen – Kardinal Henry Newman: „Leuchte durch uns hindurch und wohne so in uns, dass jeder Mensch, dem wir begegnen, deine Gegenwart in unserem Leben erspürt.“ Es ist diese Radikalität der Liebe, die die Heiligen zu allen Zeiten so anziehend machte und ihre Zeitgenossen immer wieder offen werden ließ für Gott. Herzlichtst, Ihr

Monsignore Dr. Leo-M. Maasburg Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke alle welt

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Inhalt ✜ 4/2011 24 GUSTO Scharfes für die heiße Jahreszeit: Ein exotischer Glasnudelsalat bringt den Gaumen zum Schwingen. Vorsicht, dieses Gericht bringt Sie ins Schwitzen.

32 BOSNIEN Jahre nach dem Krieg in Ex-Jugoslawien sind die Wunden noch nicht verheilt. Muhammad (Bild) erzählte Marie Czernin, warum das so ist.

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32 38 38 TAGEBUCH Zwischen Baseball und Gallo Pinto: ein Tag in der Hauptstadt Nicaraguas, dem diesjährigen MissioBeispielland zum Weltmissions-Sonntag.

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28 ABENTEUER MISSION Conny Hofbauer erlebte Mission hautnah: Bei den „Mutter-TeresaSchwestern“ in Äthiopien erfuhr sie die weltweite Gemeinschaft der Kirche.

14 PRIESTER Ein Priesterseminar auf Fidschi: Sie kommen, um auf der paradiesisch anmutenden Insel zu studieren. Dabei haben sie aber nicht Urlaub, sondern Mission im Sinn. Missio unterstützt angehende Priester in ihrer Ausbildung für den Einsatz in der Südsee.

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03 Editorial 04–05 Inhalt 42–43 Leserbriefe Impressum Rätsel

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06–07 Ein Augenblick

26–27 Gehört – Gesehen

Bunte Tradition auf Papua Neuguinea: Der 9. August erinnert an die kulturellen Schätze der indigenen Völker.

08–09 Kontinente Neuigkeiten aus der Weltkirche: Elfenbeinküste, Sambia, Philippinen

10–11 Gedankensplitter Stephan Baier besuchte kürzlich Nordafrika. Seine Eindrücke aus Ägypten schildert er für alle welt. Ob der „Arabische Frühling“ tatsächlich so hoffnungsvoll wird, wie oft kolportiert, bezweifelt er.

12–13 Mission Österreich Spannendes zum Thema Mission in unserem Land.

14–21 Das Thema: Priester Für den Dienst an den Menschen: Missio unterstützt dank vieler österreichischer Spender angehende Priester in der Südsee. Gerade in dieser sehr armen Region, ein wichtiger Baustein für den Aufbau der Kirche.

22–23 Kraft der Stille Beten verändert die Welt, heißt es. Und schafft Ruhe im Alltagstress.

24–25 Gusto Scharfer Glasnudelsalat: Etwas Exotisches aus Asien für die heißen Sommertage.

28 Bücher- und DVD-Tipps, aktuelle Ausstellungen.

28–29 Abenteuer Mission Im äthiopischen Awasa kümmerte sich die gebürtige Wienerin Cornelia Hofbauer um bedürftige Kleinkinder. Das Land, die Menschen und ihr Glaube faszinierten sie sehr.

30–31 Interview Der diesjährige Missio-Gast zum Weltmissions-Sonntag, Pater Rodolfo French, berichtet, warum er sich zum ersten Miskito-Priester weihen ließ und wie es um die Mission in Nicaragua bestellt ist.

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32–37 Reportage Weltkirche Unweit von Österreichs Grenzen herrschte noch vor einigen Jahren blutiger Krieg. Eine tatsächliche Aussöhnung ist noch nicht erfolgt. Dabei könnte Religion einen entscheidenden Faktor spielen.

38–39 Tagebuch Managua, die Hauptstadt Nicaraguas: Was man dort nicht verpassen darf.

40–41 Serie: Steirer auf Mission Pater Johannes Lechner erzählt in der neuen „alle welt“-Serie über seine Erfahrungen mit Weltkirche auf allen Kontinenten. alle welt

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Pater Rodolfo French Der erste MiskitoPriester als Missio-Gast in Österreich.

Im September und Oktober 2011 wird Pater Rodolfo French als Missio-Gast zum WeltmissionsSonntag durch Österreich touren. Der Missio-Nationaldirektor von Nicaragua im „alle welt“ Interview.

„Es ist wichtig, für die Mission zu beten, kleine Opfer zu geben und großzügig zu sein.“

Foto: Andreas Thonhauser

Pater Rodolfo French

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Fragen ✜ Antworten

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ie sind der erste Miskito-Priester Nicaraguas. Wie kam es dazu? Eigentlich habe ich nie daran gedacht, Priester zu werden. In den 80er Jahren gab es einen Bürgerkrieg. Die Sandinisten brachten alle aus unserem Dorf in ein Umsiedelungscamp. Wir wurden oft von Katechisten und katholischen Wortgottesdienstleitern besucht. Diese Menschen inspirierten mich. Durch meine Erfahrungen während des Krieges und in dem Lager wurde ich in meinem Glauben bestärkt. Ich habe meinen Weg im Dienste Gottes gesehen und schon früh beschlosse Priester zu werden. Und es war die richtige Entscheidung? Ja! Es war noch ein langer Reifungsprozess, aber heute kann ich sagen, dass ich gerne Priester bin. Ich bin froh, dem Ruf Gottes gefolgt zu sein. Ich stehe gerne im Dienst für die Menschen und für die Kirche.

Leben Pater Rodolfo French Pater Rodolfo French wurde 1966 in San Carlos Río Coco in Nicaragua geboren, der Hauptstadt der Mosquitía. Dort lebt die Mehrheit der indigenen Völker der Miskitos und der Sumos-Mayagna. 1981 – während des Contra-Krieges – wurden viele Miskitos aus ihren Dörfern umgesiedelt. So auch Rodolfos Familie. Dabei wurde sein Vater von den Sandinisten verschleppt – er sah ihn nie wieder. Nach dem Krieg besuchte er die Schule und trat schließlich in das Priesterseminar ein. 1995 wurde Rodolfo zum Priester geweiht. Er studierte Missiologie in Rom und kehrte nach Abschluss des Studiums nach Nicaragua zurück. Seit 2008 ist er auch Missio-Nationaldirektor.

Sie sind Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Nicaragua. Was ist Ihre wichtigste Aufgabe? Mir ist es ein großes Anliegen, die Päpstlichen Missionswerke bekannter zu machen. Es geht nicht nur darum, einmal im Jahr zum WeltmissionsSonntag eine Kollekte zu machen und diese an Rom weiterzuleiten. Vielmehr müssen wir uns bemühen, ein missionarisches Bewusstsein in den Menschen zu schaffen. Wie wollen Sie das erreichen? Durch Kurse, Workshops und Exerzitien, die den Schwerpunkt Mission

beibringt und diese begeistern kann – konkret heißt das, andere Kinder für Gott, die Kirche und für die Mission zu begeistern. Sie haben auch eine Radiostation gegründet. Warum? Um alle Familien zu erreichen und so den Menschen zu sagen, dass ihre Pfarre ganz in ihrer Nähe ist und dass sie für sie da ist. Das Radio wurde mit dem Ziel gegründet, den christlichen Glauben, seine Kultur und Werte weiterzugeben. Damit diese Sendestation überhaupt errichtet werden konnte, half die ganze Pfarre mit. Jeder stellte

„Wir wollen alle Familien erreichen.“ Pater Rodolfo French

haben. Ich besuche Pfarren und Bischöfe. Ganz wichtig ist das Kindermissionswerk in Nicaragua. Es ist das bekannteste Werk der Päpstlichen Missionswerke. Hier konnten wir eine Struktur für die Kinderpastoral aufbauen, die es in dieser Form vorher nicht gab. Wie sieht das aus? Die Gruppenleiter erhalten nun eine bessere Ausbildung und sie bekommen Arbeitsmaterialien. Während sie mehr oder weniger auf sich allein gestellt waren in ihrer Pfarre, können sie sich nun mit Gruppenleitern aus ganz Nicaragua austauschen. Was ist das Ziel des Kindermissionswerks in Nicaragua? Die missionarische Berufung in den Kindern zu erwecken. Und sie sollen zu Vorbildern ihrer Altersgenossen werden. Damit meine ich, dass die Kinder sich in ihrer Pfarre engagieren. Sie sollen ihre eigene Ideen einbringen, wenn es zum Beispiel darum geht, einen Kindergottesdienst zu gestalten. Der Katechist nimmt dann nur mehr eine koordinierende Funktion ein. Unter Vorbild verstehe ich auch jemanden, der das, was er weiß, anderen

etwas zur Verfügung, sei es nun der Draht für die Antenne oder Geld für den Computer. Im Jahr 2007 traf Papst Benedikt XVI. in Aparecida in Brasilien mit Lateinamerikas Bischöfen zusammen. Wie wirkte sich dieses richtungsweisende Treffen auf Ihre Arbeit aus? Aparecida war und ist sehr wichtig für uns. Es zeigte, dass wir unsere pastorale Arbeit ändern müssen. Nicaraguaner sind emotional. Wir Priester müssen deshalb zu den Menschen gehen. Ein Beispiel: Kürzlich bedankte sich eine ältere Frau bei mir, weil ich sie besuchte, als sie krank war. Allerdings war das vor vier oder fünf Jahren. Sie konnte sich daran noch immer erinnern. Was möchten Sie den Österreichern sagen? Vergesst Nicaragua nicht und vergesst die Mission nicht. Es ist wichtig, für die Mission und die Missionare zu beten, kleine Opfer zu geben und großzügig zu sein. Die katholischen Wurzeln sind das, was uns alle eint. Um es mit den Worten des Papstes zu sagen: „Öffnet die Pforten für Christus und habt keine Angst.“ ✜ Das Interview führte Maria-Teresa Pollak alle welt

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Das Thema ✜ Priesterausbildung

„Sing Sing“ nennen die Novizen in Pidgin-Englisch solch ein Fest, auf dem sie tanzen und singen. Ihren Schmuck stellen sie für diese Gelegenheiten selbst her.

Text: JULIA BÖNISCH Fotos: JOCHEN ECKEL

Berufung in der Südsee Sie schmücken sich mit Muschelketten, Bananenblättern und Hibiskusblüten. Ihre Tänze und Gesänge erzählen von Paradiesvögeln und Familienzeremonien: Auf Fidschi lassen Priesterseminaristen aus der Südsee ihre Traditionen gemeinsam aufleben.

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Das Thema ✜ Priesterausbildung Bruder Dennis Cooper, 57 „Um Menschen in ihrer Heimat zu helfen, brauchen die Novizen viel Kraft. Wir unterstützen sie dabei, ihrer Berufung zu folgen.“

Joel, 26 „Durch den Kontakt zu den Brüdern bin ich viel offener geworden. Was uns zusammenbringt ist der Wunsch nach einem Leben in der Gemeinschaft.“

der steilen Auffahrt, vorbei an Salat- und Ananasfeldern, kommen die Besucher schließlich in einem farbenprächtigen Vorgarten an. Die Hibiskusblüten leuchten in kräftigem Rot. Einzig die Brandung des wenige hundert Meter entfernten Ozeans rauscht im Hintergrund. Angriff mit Pfeil und Bogen

Ishmael, 25 „Wir alle unterhalten uns gern über unsere verschiedenen Traditionen. So lernen wir die anderen und uns selbst besser kennen.“

Plötzlich ist der Wagen von 17 jungen Männern umzingelt. Ihre Gesichter und die nackten Oberkörper sind mit Symbolen in blau-weißer Farbe beschmiert. Ihre Oberarme sind mit Bananenblättern verziert, sie schwingen Speere, Stöcke, Pfeil und Bogen. Die Gruppe verständigt sich mit rhyth-

Elly, 22 „Ich wurde in der Schule von Maristen unterrichtet. Diese Brüder waren meine Vorbilder, ihretwegen bin ich hier auf Fidschi.“ Joel, 22 „Nach unserer Zeit hier sind wir uns alle sicher, dass wir unserer Berufung folgen.“

Kommen Gäste zum

Lomeri-Anwesen, rollen sie in ihren Autos gemächlich die steinige Schotterzufahrt hoch. Eine Allee von Kokospalmen säumt ihren Weg. Wenn die Palmwedel im Wind aneinanderschlagen, klingt es fast wie Regenrauschen. Dabei überziehen nur ein paar Schleierwolken den Himmel, die Luft hat sich auf 30 Grad erwärmt. Eingelullt von der Hitze und vom Schaukeln des Wagens auf

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Neben Unterricht und Gottesdiensten (u., l.) steht im Noviziat auch harte körperliche Arbeit auf dem Programm: Die angehenden Brüder müssen auf den Feldern arbeiten und ernten (großes Bild).

mischen, lauten Schreien: ein Überfall auf melanesische Art. Später wird Ishmael erklären, dass sie sich gern auf ihre Traditionen berufen, sich zurechtmachen, wie sie es von Eltern und Großeltern gelernt haben. Bei diesen „Shows“ fühlten sie sich nicht vorgeführt, im Gegenteil. Die Europäer, sagt er, würden schließlich auch ihre Bräuche pflegen. Doch zuerst nimmt der Überfall ein glückliches Ende. Der Angriff wandelt sich zum friedlichen Tanz. Den Neuankömmlingen werden sogar mit weichen Blättern die nackten Füße gewaschen – so heißt man auf der Insel Bougainville Fremde willkommen. Ishmael und die anderen Tänzer werden in Lomeri zu Ordensbrüdern ausgebildet. Auf den Fidschi-Inseln sind die Maristen – eine Gemeinschaft, die vor allem in den Ländern der Dritten Welt pädagogisch arbeitet – schon seit 35 Jahren aktiv. Die Novizen kommen aus ganz Ozeanien hierher: Sie stammen aus Papua Neuguinea, Bougainville, Vanuatu und den Salomonen – winzige Inselreiche, die auf dem Globus von Österreich aus ziemlich genau auf der anderen Seite der Erde liegen und von Reisebüros gern als SüdseeParadiese angepriesen werden. Doch die friedliche Inselidylle bleibt zumeist nur Schein: Oft genug regieren Kriminalität, Korruption und ethnialle welt

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Das Thema ✜ Priesterausbildung Der Novizenmeister Bruder Dennis hilft Elly, die „Morning Star“ ins Meer zu bugsieren (großes Bild). Der Fang steht später auf dem Abendbrot-Tisch.

habe gesehen, dass mein Onkel für die Menschen da war. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Also entschied auch er sich für die Kirche. Seine Familie unterstützte ihn dabei – obwohl es für sie die Trennung von Ishmael bedeutete. „Es war allen klar, dass ich nach Fidschi gehen muss“, erzählt er. „Zu Besche Konflikte. In Papua Neuguinea hat die Aids-Epidemie inzwischen afrikanische Ausmaße angenommen. Auf den Salomonen lieferten sich bis vor kurzem die Milizen zweier rivalisierender Volksgruppen heftige Kämpfe. Und obwohl es auf Fidschi in nur 20 Jahren vier Putsche gab, ist das Land noch immer das politisch sicherste in der Region. Deshalb bilden die Maristen und andere Orden hier aus. Das Besondere an dem von Missio unterstützten Seminar ist seine Internationalität – in der kleinen Gruppe gibt es vier verschiedene Muttersprachen. „Wir mögen zwar alle Melanesier sein, das heißt, wir kommen alle vom gleichen Kontinent“, erklärt der Novize Ishmael Tauwato. „Aber unsere Kulturen sind trotzdem extrem unterschiedlich. Sich zu einer Gemeinschaft zusammenzuraufen, ist da manchmal nicht so einfach.“ Der 25-Jährige kam über seinen Onkel, der selbst ein Ordensbruder ist, in Kontakt mit der Kongregation. „Ich 18

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ginn war es nicht so schlimm, aber dann sind mein Onkel und mein Opa gestorben, und ich habe viel zu spät davon erfahren.“ Telefonleitungen gibt es nicht in seinem Heimatdorf, Briefe zwischen den beiden Inseln brauchen mindestens einen Monat. „Da habe ich zum ersten Mal begriffen, dass ich zwar eigentlich nicht so weit weg von zu Hause bin, aber trotzdem in einer anderen Welt lebe.“ Sein Alltag unterschied sich plötzlich radikal von allem, was er kannte. Im Seminar gehört nicht nur Lernen zum Programm. Auf ihre spätere Arbeit in Gemeinden werden Novizen und Seminaristen gut vorbereitet: In der nahen Ge-

Interview mit der Missio-Expertin für Priesterpatenschaften

Warum ist es wichtig, dass es Priesterpatenschaften gibt? Weltweit hat die Kirche zu wenig Geld für die Ausbildung künftiger Priester. Vor allem in den Ländern des Südens sind die Diözesen sehr arm, weil auch die Gläubigen sehr arm sind. Deshalb können sie sich weder den Erhalt der Seminare noch die Ausbildung der Studenten eigenständig leisten. Theoretisch müssten sie Studiengeld verlangen. Aber die Familien der meisten Seminaristen könnten sich das niemals leisten. Wieviel kostet diese Ausbildung? Missio veranschlagt 570,- Euro pro Jahr für die theoretische Ausbildung. Das sind ungefähr ein Viertel der gesamten Kosten für einen Seminaristen. Die jungen Männer studieren entweder an den örtlichen Universitäten, für die sie Studiengeld bezahlen müssen, oder die Professoren kommen direkt an das Seminar, was sich aber nur bei den größten auszahlt, mit 100 Studenten und mehr. Die Kosten für Essen, Unterkunft und Transport müssen noch zusätzlich bezahlt werden.

Patenschaft aft auf mehreren n ten zur Verfügung. Je Kontinenten nach Möglichkeit können sich Unterstützer die Länder aussuchen, an denen sie einen Seminaristen „adoptieren“ wollen. Wer sich entschließt, einem zukünftigen Priester helfen zu wollen, erhält ein Datenblatt mit Geburtsdatum, Name und Familienhintergrund seines Schützlings. Hört man dann auch ab und zu etwas von den Seminaristen? Zumindest einmal pro Jahr erhält man Informationen über den Fortschritt im Studium. Viele Seminaristen senden dann auch gerne Fotos zu und erzählen aus ihrem Alltag. Erst kürzlich besuchte eine Spenderin ihren Schützling zu seiner Priesterweihe. Sie reiste dafür extra nach Indien. Nachher erzählte sie mir, dass es eines der schönsten Erlebnisse ihres Lebens war. Helfen Sie mit einer Priesterpatenschaft! Frau Ilse Pölzl erreichen Sie unter: (+43) 1 / 513 77 22 DW 32 priesterausbildung@missio.at 

Wie kann man eine Priesterpatenschaft abschließen? Man meldet sich bei mir und tut sein Interesse kund! Wir haben

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Gute Lektüre - gute Tat Spannende Reportagen beeindruckende Bilder

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alle welt berichtet in der Juli-August 2011-Ausgabe u.a. über Priesterberufungen auf Fidschi.

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