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Kaspar Im Zeichen von Wahrheit und Gerechtigkeit


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Inhaltsverzeichnis (Seite) (1)

Cover

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Titel

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Inhaltsverzeichnis

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Teil 1 - des dreiteiligen Werkes

(6)

Kurze Inhaltsangabe des ersten Teiles

(8)

Widmung

(9)

Vorwort

(10)

Kapitel 1: Platons Anamnesis – das Höhlengleichnis und Kaspar in der Unterwelt

(14)

Kapitel 2: Ist Schicksal Zufall, Willkür, weise? – Ursache und Wirkung zu Schaffung eines neuen

Karmas (17)

Kapitel 3: Was wirklich zählt sind Spuren der Liebe und des Verständnisses, der Ordnung und

Sauberkeit (21)

Kapitel 4: Zwei Persönlichkeitshoroskope- oder was hat die alte Seele neuer sublimiert und

verwandelt? (25)

Kapitel 5: Das verflixte „t“ in den Verben und das verlorene „T“ in der Genetischen Mutation

(27)

Kapitel 6: Tolstoi und der Blick in den Abgrund, in das Nichts oder der Spielball der Mächte?

(30)

Kapitel 7: Blaubeerwald bei Regensburg und Pilsach – 9. Lebensjahr und wichtige Prozesse

(42)

Kapitel 8: 9. Lebensjahr, Rubikon, -Traum von Kerkern, Palme und großer Blutverlust,

Hausbauepoche (45)

Kapitel 10: Weitere Übereistimmungen in Experimenten und Auflösung der Dissonanzen – den Tod

vor Augen (51)

Kapitel 11: Einführung in eine neue Form der „Psychotherapie“ und den Mesmerismus

(56)

Kapitel 12: Anton Mesmer, Königin Marie Antoinette, Mozart und finstere, widersprüchliche

Wahnsinnige (62)

Kapitel 13: Zum Andenken an den geliebten Professor Daumer, einer der leuchtensten Trabanten

(67)

Kapitel 14: Anselm von Feuerbach, der Feuerkopf? Der Menschenkenner? Ein Andenken- eine

Begegnung (73)

Kapitel 15: Anselm von Feuerbach, der Kantianer, Georg Friedrich Daumer, der Hegelianer

(75)

Kapitel 16: Die Epoche der Aufklärung – Kant und Hegel

(77)

Kapitel 17: Alkoholentzug am Bodensee- zweite Nahtoderfahrung und Einsichten über Feuerbachs

(85)

Kapitel 18: Schuldlose Schuld oder Verstrickungen im System oder im allgemein Menschlichen

(87)

Kapitel 19: Die Kausalität von Ursache und Wirkung in Differenzierung der Spiegelung am Leben


4 (90)

Kapitel 20: Ein Kapitel in Zitaten – über die systemische Ordnung und Unordnung im möglichen

Kindstausch (96)

Kapitel 21: Einblicke in Ähnlichkeiten familiärer Verstrickungen im Leben von Antje-Sophia

(102) Kapitel 22: Zahlenkongruenzen und übereinstimmende Daten – 16. Oktober und weitere (107) Kapitel 23: Anton Mesmer und die Heilung des Frl. Paradies - die Dummheit der Menschen ist grenzenlos (111) Kapitel 24: Otto Rahn –Hitler und die Suche nach dem Gral. Parzival – Kaspar Hauser und der Heilige Gral (118) Kapitel 25: Der Heilige Gral in vielen Variationen – die Zahl „40“ und die „Geistige Gralsburg“ (124) Kapitel 26: Die Erfüllung der Prophetie oder Rottenburg am Neckar, die „Geistige Gralsburg“ ? (127) Kapitel 27: Der eigentliche Wohnort – Obernau und Hartmann von Aue (131) Kapitel 28: Der Augsburger Religionsfriede – die Geburtsstadt von Antje-Sophia (133) Kapitel 29: Waren die Jesuiten maßgeblich an Kaspar Hausers Untergang beteiligt? (137) Kapitel 30: Die Katharer und ihr Untergang (139) Kapitel 31: Die Saturnjahre im Leben von Antje-Sophia – oder der Blick in den Tod (141) Kapitel 32: Zwei adelige Pflegeväter im selben Alter mit knapp 19 Jahren – Romain Rolland und Tolstoi (147) Kapitel 33: Der 26. Mai im Leben von Kaspar Hauser und Antje-Sophia in ähnlicher Spiegelung (152) Kapitel 34: Porzellanmanufaktur oder das „abgebrochene Gymnasium“ wird erfolgreich zu Ende geführt? (167) Kapitel 35: Das Ende meiner Schullaufbahn in Augsburg- Theateraufführungen (170) Kapitel 36: Einführung in meine Biographie des 21. Jahrhunderts – eine Frau ist verschwunden (173) Kapitel 37: Übereinstimmungen mit England – und dem Zwang, bei niemandem in der Außenwelt zu sprechen (179) Kapitel 38: Rückblick auf die ersten 18 Jahre – und der erste Mondknoten (183) Kapitel 39: Kapitel in Zitaten von Anna Schiener: Der Fall Kaspar Hauser (190) Kapitel 40: Persönlichkeitsprofil Lord Philippe Stanhope (192) Kapitel 41: Über die Augen und die Sprache im Erlernen und bei Kaspar (195) Kapitel 41: Die verkehrte Abfolge von Gehen, Sprechen und Denken und ihre Folgen: Ein Blick auf Borderline (212) Kapitel 42: Leid und Sorgenorganismus, die Augen – und weitere Entwicklungsstufen- Kaspar ein Hasenfuß? (221) Kapitel 43: Die Lunge- das Kommunikationsorgan –die fast tödliche Lungenentzündung (230) Kapitel 44: Feinstofflichkeit – Leben fast ohne Nahrung- weiterer Beweis für die Kerkertheorie (241) Kapitel 45: „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ – oder gute Gedächtniskräfte (249) Kapitel 46: Über das Trauma im Allgemeinen und im Hinblick auf Kaspar und Antje-Sophia


5 (253) Kapitel 47: Paradoxien, Anomalien, scheinbare Widersprüche und Hochbegabungen, hoher IQ (259) Kapitel 48: Klare Kommunikation – falscher Arzt und Spiegelneuronen (264) Kapitel 49: „Es gibt zwei Sorgen von Menschen“ – Finsternisse gegen Helligkeiten- Offenbarung der Lüge (267) Kapitel 50: Weitere Paradoxien – oder Übereinstimmungen der linken Körperhälfte (271) Kapitel 51: Über die Liebe in meinem Leben (281) Kapitel 52: (…) die an der Person Caspars begangenen Verbrechen, soweit dieselben angezeigt vorliegen, sind, nach bairischem Strafgesetzbuch beurteilt (283) Kapitel 53: Auch die seelisch-geistige Einkerkerung- Wirkung Tavor und Opium (289) Nachwort von von Dr. med. Johannes Reiner für die Biographie aus dem 21. Jahrhundert (290) Lebensweg von Antje-Sophia Lachenmayr (291) Quellenangaben (296) Impressum


6 Teil II - des dreiteiligen Werkes

Durch Erschütterungen erhält die Autorin die Gabe der Hellsichtigkeit, in der sie später ein Gespräch mit einem höheren Wesen hat, das sie bittet, vor Zeugen ein Dreieck zu zeichnen, in dessen Mittelpunkt sich etwas Wichtiges ereignen wird. Sie wird an das Schicksal von Kaspar Hauser herangeführt und erkennt unzählige inhaltliche Übereinstimmungen.

Kurze Inhaltsangabe des zweiten Teiles

Das beginnende Aufleben der Natur in den noch sehr kalten, aber sonnigen, beginnenden Märztagen nahm ich ganz tief in mich auf, als sei es das letzte Mal, als dürfe ich nur noch einmal den Atem der Welt in mich einsaugen und ich sollte mich darin nicht getäuscht haben. Im Nachhinein weiß ich, dass meine Seele zu dieser Zeit schon spürte, dass ich dem Sensenmann in den folgenden Jahren unfreiwillig und unentwegt ins Antlitz werde blicken müssen, dass dunkle Nacht mich beharrlich andauernd in ihren schmerzhaften Klauen halten, dass ich über Jahre eingekerkert würde, körperlich- seelisch-geistig, in einem Zwischenreich gefangen zwischen Leben und Tod, Schlafen und Wachen, Traum und klar schneidender, schmerzender Wirklichkeit.

Das Vibrieren und Zittern der Äste im Wind, die noch kahl die ersten Knospen erwartend dem Himmel entgegenstreckten, schien mir halb noch Bitte, halb schon erfüllte Seligkeit, den nahenden Frühling ersehnend. Dieses vielfältige Geschehen erfüllte mich mit Freude. Denn immer lebendiger wurde das Bild, farbig belebter nun durch die ersten immergrünen Bäume, durch das steigende Licht und die Wärme des Sonnenfeuers. Ich erlebte die Natur in dieser kurzen Zeitspanne wie eine Ewigkeit und fühlte die Träume und Verwirklichungen meiner Kindheit, das sanfte Rascheln des Laubes unter meinen Füßen, das Sammeln von Nüssen, die Nahrung für mein Herz und meine Seele und wusste, dass ich in diesem Leben zwar eine sehr schwere Kindheit durchleben musste, gezeichnet von Schicksalsorkanen, dass ich jedoch alle Facetten der Schönheit auch in der Natur, aber auch in der Beschäftigung mit den Werken unserer großen Dichtern und Denkern erleben, durchleben, mir erarbeiten, sie fühlen, wahrnehmen, verstehen durfte, in allen Formen und Farben zu jeder Jahreszeit.

Die Autorin schreibt in diesem Teil über ihre Kindheit in Augsburg, den Augsburger Religionsfrieden, über den Heiligen Gral und seine Bedeutung auch in ihrem Leben, über die deutsche Geschichte in der Beziehung zum Heiligen Gral, der von dem Naziregime missbraucht wurde und von den „Taborbergen“ im Zusammenhang mit dem Medikament „Tavor“.


7 Sie schreibt über den Mesmerismus und über die Ärzteschaft des 19. Jahrhunderts, die nur anerkennt, was das sichtbare Auge erfassen kann und nicht einmal das, um einen großen Geist zu diskreditieren. Die Autorin findet auch während des Schreibens unzählige weitere Kongruenzen mit dem Kaspar Hauser Schicksal.


8 Widmung „Meine Seele ist zu Tode betrübt, bleibt hier und wacht mit mir“ bat Jesus seine drei Jünger Johannes, Jakobus und Petrus, denn er weiß um seinen anstehenden schmerzhaften Tod. „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch dein Wille geschehe.“ Jesus geht drei Mal zu seinen Jüngern und findet sie jedes Mal schlafend. Es gelingt ihnen nicht einmal im Angesicht des Todes und in der größten inneren und äußeren Not ihres Herrn, im Monat April, wachend mit ihm zu beten, um seine Angst vor dem Sterben gemeinsam zu ertragen. –

Manchmal erkennen wir erst im Nachhinein, mit einer anderen, erweiterten Lebensübersicht die weisheitsvolle Führung und Fügung, dass auch und gerade in den Schmerzen und Qualen, die uns Menschen zufügen, obgleich sie uns bis an die Grenze des Todes damit führen, sich ein geheimer Sinn verborgen hält. Eine tiefere Weisheit, die sich wie das schmerzhafte Sandkorn in der Muschel verbirgt, um zur Perle zu reifen. Ich danke meiner größten menschlichen Herausforderung, welche nicht nur jegliche Verantwortung abgab im Bewusstsein und Wissen darum, dass an mir ein „Mord auf Raten“ vollzogen wurde, sondern auch den Judas Verrat an mir beging, mich verleugnete, um mich mit unterlassener Hilfeleistung Jahre später abermals in die Schlinge des Todes zu führen, - ich danke meiner ehemaligen Hausärztin für die schmerzhaften Erfahrungen, die wichtige Erkenntnisprozesse in mir einleiteten. Mit ihnen und durch sie konnte dieses umfassende Werk entstehen. – „Leiden und Schmerz sind immer die Voraussetzung umfassender Erkenntnis und eines tiefen Herzens. Mir scheint, wahrhaft große Menschen müssen auf Erden eine große Trauer empfinden“ sagt Dostojewski.

Ich danke meinem Schöpfer und meiner inneren Kraft und Stärke, dass ich, trotz großer Vernichtungsimpulse noch so lange am Leben bleiben konnte, um meine Aufgaben zu Ende zu führen und dadurch Einsicht gewinnen durfte in die möglichen Hintergründe dieses, meines „gewaltigen Schicksals“. Denn die menschlichen Zerstörungen an mir waren ebenso gewaltig und mein Überleben dito unbegreiflich wie mein Potential, dem Untergang noch großartige Früchte entringen zu dürfen.

Während der Freundeskreis und die Familie in meiner tiefsten Not und im Angesicht des Todes aus meinem Lebensgarten entschwand - oder in Schlaf versank, standen mir meine beiden April- Geborenen Freunde, Siglinde und Daniel bis zuletzt bei. Auch Dr. Reiner im Rahmen seiner Möglichkeiten. Sie wachten und beteten zeitweise mit mir. Meine Werke entstanden ohne menschliche Hilfe, wie ich auch meine Flucht mit 40 Jahren in die „Wüste“ der Ungewissheit und Unsicherheit alleine bewältigen musste.

In tiefer Dankbarkeit für das Dasein und die Hilfe meiner wahren Freunde widme ich ihnen dieses Werk.


9 Vorwort Wahrheit kann nur durch Wahrhaftigkeit und Liebe erkannt werden – und Heiliges nur von Heiligem, wie Michael Ende es ähnlich ausdrückt. Das ist der Grund, warum viele Menschen Dich nicht erkannt haben, sondern dich zerstörten. Du warst voller Vertrauen in die Menschen, sahest nicht das Böse und Vernichtende. Ungeheure Schmerzen brachten Dir die Falschheit und das Misstrauen der Menschen, die Dich am Boden zerstören, weil sie Dich nicht verstanden oder verstehen wollten. Ich verdanke Dir so vieles!

Einmal hast Du mir ein Buch geschenkt über Orchideen. Für mich bist Du eine Orchideenblüte. Dein Schicksal verlangt von Dir, dass Du seit Jahren ohne Nahrung leben musst. Manche Orchideen können auch jahrelang ohne Nahrung auskommen und wie diese nach der Durststrecke wieder gesunden, wirst auch Du gesunden! Allerdings kommt es vor, dass ein einmal begangener Fehler sich erst in weiter Zukunft rechtfertigen wird. Auch wenn die Orchidee dann wieder regelmäßig Wasser erhält, kann es sein, dass sie an Austrocknung stirbt, weil sie vor Jahren vergessen wurde zu gießen.

Die Menschen werden begreifen, wie Dein Wesen wirklich war. Sie werden Deine Lebensleistung achten und schätzen. Ich weiß, dass sie es begreifen werden, vielleicht aber erst, wenn Du nicht mehr hier bist. Sie werden an Dir lernen, wenn sie sehen, wie Du in christlicher Liebe zu den Menschen Brücken geschlagen hast und Brücken gebaut hast zwischen den Menschen und sie werden dankbar sein wie ich, dass sie Dich kennen lernen durften. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam „Die kleine Chronik“ der Anna Magdalena Bach gelesen. Schmerzlich erkannten wir auch hier, wie die verblendete Welt sich, wegen ein paar Gulden mehr in der Tasche, für einen minderwertigen Kapellmeister entschied, als für das Genie Johann Sebastian Bach. So ist es mit den Besonderen. Mögen Deine Bücher Gutes bewirken und die Wege der Menschen erhellen!

Daniel Jochem Stühler


10 Kapitel: Platons Anamnesis – das Höhlengleichnis und Kaspar in der Unterwelt

Alles was mich die Wissenschaft bisher gelehrt hat, bestätigt meinen Glauben in eine spirituelle Wiedergeburt nach dem Tod. Ich glaube an eine unsterbliche Seele. Die Wissenschaft hat bewiesen, dass sich nichts in Nichts auflösen kann. Das Leben und die Seele können sich deshalb unmöglich in Nichts auflösen und sind deshalb unsterblich. Werner Von Braun

ANAMNESIS

Mögliche Erklärung und „Beweisführung“ für Kaspars Kenntnisse nach seiner Entlassung aus dem Kerker als „Anamnesis“, als „Wiedererinnerung“ eines einst Gelernten, noch aus seinem eigenen Leben, oder aus einer fernen Zeit einer vergangenen Inkarnation:

Der heutigen Philosophie liegt es fern, von einer Welt der Ideen zu sprechen. Immanuel Kant hat kräftig aufgeräumt. Gerade da, wo Plato das wahre Sein, das geistige, unvergängliche Urbild sieht, ist für Kant das Nichts: „das Ding an sich“, das nicht erkennbar ist, dem gegenüber das Denken nur subjektives Spiel ist. Anders war es bei den deutschen Idealisten: Hegel fand gerade im Denken eine objektive Welt, die im menschlichen Bewusstsein liegt; oder bei Schelling, der das individuelle Bewusstsein des Ich aus dem allgemeinen Bewusstsein vertiefend und erweiternd herausarbeitend erlebte.

Plato sah, dass wir in unseren ureigensten Gedanken teilhaben an einer geistigen Welt. Wenn wir nach dem Tode in dieser geistigen Welt weilen – nicht mehr mit unserem sinnlichen Körper in der sinnlichen Welt – dann leben wir in der irrtumsfreien Wahrnehmung des wirklich Seienden. Werden wir wieder auf der Erde geboren, vergessen wir allerdings alles Erlebte der transzendenten Welt. Aber wird unser Denken angesprochen in der Mitteilung anderer Menschen oder in der Wahrnehmung der sinnlichen Einzeldinge, dann erinnert uns dieses an das im Reich der Ideen Erlebte.

Dieses ist es, was Plato mit Anamnesis, sprich Erinnerung, bezeichnet. So ist alles Erkennen ein Wiedererkennen. Sei es, dass es mühsam herausgearbeitet werden muss in einem längeren Erkenntnisvorgang, oder aber ganz leicht sich ein Erinnern einstellt bei zum Beispiel geometrischen Figuren. Die Idee des Dreiecks, des Kreises, des Punktes zum Beispiel hat man als Idee in sich und erkennt sie leicht in den äußeren Begebenheiten und Gegebenheiten.


11 Die beste Methode des Lehrers, wie sie in Platons Zeiten angewandt wurde, ist die des Fragens. Durch gezielte Fragen kann man einen Menschen zu Erkenntnissen bringen, die man ihm nicht erzählen muss, sondern, die er selber findet, wenn ihn Fragen dahin führen, wo er das Wissen ja unbewusst in sich hat. Andere antike Philosophenschulen und vor allem einige frühe Christen, schlossen sich Platons Lehre nicht an. So hat auch ein Schriftsteller namens Arnobius der Ältere versucht, Plato mit einer Art Höhlengleichnis zu widerlegen. Er beschreibt eine Situation, in der ein Mensch in einer von der Welt abgeschlossenen Höhle aufwächst nur mit einer ihn versorgenden Amme, die aber nicht mit ihm spricht. Dieses Gedankenexperiment sagt nun, dass er, als er erwachsen ist, aus der Höhle herausgeführt wird und von den Menschen befragt wird. Er aber steht nur verständnislos da und es spricht kein Ur- Wissen aus ihm.

Damit meint Arnobius die Lehre des Plato widerlegt zu haben. Er vergaß aber, dass keine Sprachkenntnis in dem vorgeburtlichen Ideenwissen liegt, dass also der befragte Höhlenmensch gar keinen Sinn für Sprache ausgebildet hat und schon alleine deshalb nichts sagen kann. Er wurde von einem neuzeitlichen Schriftsteller als „Caspar Hauser der Spätantike“ bezeichnet. Aber Caspar Hauser konnte sprechen, weil er vor seiner Inhaftierung als Kind sprechen gelernt hatte und dadurch Denken und Verstehen im Platonschen Sinne sich in wachsendem Maße bei ihm zeigte. (Außerdem ist zu jenem Gedankenexperiment des Höhlenmenschen noch einzuwenden, dass der Mensch nicht lebensfähig ist, wenn er nicht in die Sprache in frühester Kindheit eingebunden wird.)

Ich habe diesem Thema zur Sprechentwicklung noch ein Kapitel gewidmet, um zu verdeutlichen, dass es Versuche, gerade von Friedrich dem Großen mit ganz Kleinen, also Kleinkindern gibt, die mit allem versorgt wurden, einschließlich Nahrung, die jedoch menschliche Ansprache, das Wort, den Logos nicht erhielten. Alle sind uneingeschränkt gestorben.

Das Höhlengleichnis – und Kaspar in der Unterwelt

Platons Höhlengleichnis dürfte uns allen bekannt sein und doch möchte ich es hier nochmals veranschaulichen, weil auch Kaspar Hauser immer wieder mit dem Höhlengleichnis in Verbindung gebracht wird und seine Wesensart deutlich zeigt, dass er in jedem Fall mehr mit der Welt hinter der sichtbaren Erscheinung verbunden war, mit der Ideenwelt, als der physisch Greifbaren, die er zunächst wie einen bunten Jahrmarkt wahrnahm, ohne sie gegenständlich erfassen zu können.


12 Platon lässt Sokrates in einem Gespräch mit seinem Schüler Glaukon für die Art, wie der Mensch in der Welt steht, und sie wahrnimmt, ein Bild gebrauchen – das sogenannte Höhlengleichnis.

Er schildert eine Situation, in der Menschen in einer Höhle leben und zwar derart, dass sie den Kopf immer nur in eine Richtung halten können. Sie sehen von der Höhle also immer nur die eine Wand, nicht was hinter ihnen, was neben ihnen ist, oder gar sich selbst. Auf diese Wand fällt aus der Richtung hinter ihnen Licht und Schatten der Ereignisse, die vor dem breiten Höhleneingang geschehen. Sie sehen also nicht, was hinter ihnen wirklich geschieht, sie sehen nur die Schattenbilder davon und vernehmen das Echo des Schalles, auch von dieser Seite her. Sie kennen also nichts anderes, als jene Schattengeschehnisse und glauben deshalb, diese seien aus sich heraus existent. Die Höhlenmenschen versuchen nun den Sinn aller Geschehnisse, die sie an der Wand sehen, zu ergründen und setzen ihr ganzes Erkenntnisstreben dafür ein.

Es wird nun angenommen, einer dieser Menschen würde hinten zu dem Höhleneingang geführt und er erblickt die Ursache all der Schattenbilder. Er wird lange brauchen, um diese als solche zu erkennen. Völlig fremd werden ihm diese, allen Schattenbildern zugrunde liegenden Geschehnisse gegenüberstehen. Und er könnte damit zunächst nichts anfangen. Und wie erst, wenn man ihn aus der Höhle hinausführt und sich eine ungeahnte Welt vor ihm entfaltet! Langsam müsste er sich im Dunkel der Nacht erst daran gewöhnen und dann langsam in helleren Tageszeiten, bis seine Augen im Lichte sehen und er die Sonne als Lichtspenderin erkennen kann. Würde er in die Höhle zurückgeführt und er würde den Menschen dort von seinen Erfahrungen erzählen, sie würden ihm keinen Glauben schenken, ihn verlachen. Käme jemand und verspräche den Menschen der Höhle, sie zu befreien und hinauszuführen, sie würden sich ihm widersetzen.

Platon lässt Sokrates seinem Schüler auch die Deutung dieses Gleichnisses sagen: Die Höhle versinnbildlicht die Welt, die normale Umgebung, in der der Mensch hier in der vergänglichen Sinneswelt lebt. Kommt er aus der Höhle heraus, so entspricht das dem Zustand, in dem der Mensch mit seiner Seele in die unwandelbare Ideenwelt eintritt, in die Welt der Urbilder für alles irdische Leben. Das höchste Urbild sei die Idee des Guten, sie sei wie die Sonne, die alles erhellt. Er, Sokrates, erahne das auch nur. Den wirklichen Aufstieg zur Idee des Guten habe auch er noch nicht vollzogen.

Tritt der Mensch aus der Welt der Ideen wieder in die sinnliche Umgebung, kommt er aus der Welt größter Klarheit wieder in menschliches Elend zurück, muss er sich wieder einfinden in die Dunkelheit - und das


13 mag für die Menschen, die gewohnt sind, in der Dunkelheit zu leben, einen ungeschickten, lächerlichen Eindruck machen. Von der Finsternis ins Licht zu kommen und von dem Licht wieder in die Finsternis zurück zu kehren, schafft den Menschen jeweils große Verwirrung.


14 Kapitel: Ist Schicksal Zufall, Willkür, weise? – Ursache und Wirkung zu Schaffung eines neuen Karmas

Wer sein ganzes Leben lang gewohnt war, sich selbst und andere zu täuschen, sei es bewußt oder unbewußt, bei dem nützt auch die Konfrontation mit der absoluten Wahrheit nach dem Tod nichts. Er torkelt blind weiter, von Wiedergeburt zu Wiedergeburt. Das Tibetanische Totenbuch

Wie kann man überhaupt Schicksal verstehen? Ist es ein Konglomerat von Zufall und Willkür oder liegt ein tieferer Sinn darin? Waltet in ihm vielleicht eine höhere Gerechtigkeit die dem Alltagsverstande nicht fassbar ist? Die normale Wissenschaft, soweit sie von der heutigen Naturwissenschaft geprägt ist, kann man nicht fragen. Ernst Häkel selber räumt ein, dass zwar jedes Leben von den Faktoren der Vererbung und der Umwelt abhängt, aber dass es für den Bewusstseinsbereich andere Gesetzmäßigkeiten geben muss. Er spricht von einem unbewussten Gedächtnis, das in allen Lebensbereichen waltet, in der Ernährung, der Fortpflanzung aber auch in der Begriffsbildung des Denkens und Bewusstseins und in allen Gewohnheiten.

Über die Grenzen von Tod und Geburt hinaus muss geforscht werden können. Das menschliche Bewusstsein ist Selbstbewusstsein, ist Ich – Bewusstsein, und das hat Ewigkeitscharakter.

Bei denjenigen Forschern und Philosophen muss gefragt werden, die in jenem Bereiche jenseits der Grenzen unseres Naturverstandes zur Erkenntnisklarheit gekommen sind. Dann muss man ins Auge fassen, dass wir zwar mit dem Tod unseren physischen Leibe begraben lassen, dass aber unsere wahre Persönlichkeit in andere Zustände eintritt, wo sie, ohne in einem Leib inkarniert zu sein, das im Leben Erlebte verarbeitet, verwandelt und daraus die Voraussetzungen für ein neues Leben, auf Erden inkarniert, schafft. Dadurch bringt jeder Mensch seine eigene Voraussetzung mit, die sein Schicksal bestimmen. Sie bestimmen, in welchen Erbstrom man sich hineinbegibt, sie bestimmen, welche Umwelterlebnisse auf uns zukommen, die uns prägen. Sie bestimmen auch, welchen Charakter wir mitbringen und welche Fähigkeiten. Es geht nichts verloren, was einmal errungen ist. Aber wenn man sich neue Fähigkeiten erwirbt, bleiben die alten allerdings nicht so wie sie waren, sie verwandeln sich mit.

Eine besondere mathematische Fähigkeit kann sich unter bestimmten Voraussetzungen zu einer großen Musikalität verwandeln im nächsten Leben, aber diese kann im darauffolgenden nicht mehr besonders hervortreten, sondern eine andere, neue Fähigkeit hat sich daraus entwickelt.


15 So kommt es, dass die ganze Menschheit Fähigkeiten, die sie vor zweitausend Jahren hatte, inzwischen verloren hat, wie zum Beispiel die natürliche hellseherische Fähigkeit, aber dafür kann die Menschheit jetzt logisch denken und exakte, nüchterne Beobachtungen machen, zu denen sie damals noch nicht fähig war. Ein gutes Bild für den Inkarnationswechsel ist der Wechsel von Schlaf und Wachen. Im Schlaf wissen wir nicht, was wir tun, aber wenn wir erwachen, wachen wir zu unserem Bewusstsein auf, wir finden uns wieder in ihm und finden im Gedächtnis die Erlebnisse der vorhergehenden Tage, finden wieder das Erarbeitete in unseren Fähigkeiten vor. Abgesehen davon erkennen wir auch unsere Körperlichkeit wieder und die Dinge und Prozesse unserer Umwelt. So weist das Bild, das der Schlaf der Bruder des Todes ist, auf unsere Schicksalsbildung hin. Was wir in einem Leben uns erworben haben, steht uns als Frucht im nächsten Leben zur Verfügung. Aber natürlich ist das nicht fatalistisch anzusehen, dass ein Schicksal vorherbestimmt nahezu mechanisch abläuft. Es kommt darauf an, was wir daraus machen. Mehr und mehr entwickelt man sich dazu, bewusst seine Handlungen selbstverantwortlich zu vollziehen. Hat man früher seinen Treiben, Begierden und Leidenschaften folgend gehandelt, so geht die Entwicklung, wenn man sich dazu erzieht, in Richtung Selbstverantwortlichkeit. Wenn man nach dem Tode erlebt, was die Handlungen, die man aus seinem Begierdewesen heraus gemacht hat, in der Welt bewirken, im Gegensatz zu den begierdefreien ichbewussten Handlungen, dann gibt das Impulse, in seinen Handlungen frei zu werden.

Denn es hat der Mensch die Möglichkeit zur Freiheit in sich, unabhängig wie weit das Schicksal einen an bestimmte äußere Gewalten haftet. Ein innerlich freier Mensch wird sein Leben in Gefangenschaft ganz anders führen, als ein innerlich unfreier. Das hat sich in der deutschen Geschichte gezeigt. Es ist der Geist des Menschen, der über sein kleines Allzupersönliches hinaus wächst. Der berühmte Satz von Emanuel Kant „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit Bewunderung: Der Gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir,“ ist nur so zu verstehen, wenn man – wie Kant es auch nachweist – die Entwicklung sieht, die zu diesen bewunderungswürdigen Dingen geführt hat. Er spricht von der Naturentwicklung, die dem gestirnten Himmel vorausging und von der geistigen Entwicklung, in der das geläuterte moralische Gesetz im Menschen sich entwickelt hat. Solche Taten, die der Mensch als freier Geist vollzieht, werden dann Fähigkeiten im nächsten Leben.

Eine Opfertat

kann

sich zu besonderen Fähigkeiten wandeln, sie kann sich zu hervorragenden

künstlerischen Leistungen entwickeln. Moralischer Mut kann zu Musikalität werden. Emotionsgebundene Taten können Stumpfheit und Schwäche zeitigen. Trotzdem darf man nun nicht mit erhobenen Zeigefinger auf Krankheitsfälle deuten, denn diese müssen nicht immer aus eigener Schuld entstehen. Sie können ohne schicksalsmäßige Notwendigkeit als neue Herausforderung, als neue Impulsierung für die Entwicklung im nächsten Leben sein.


16 Bei Massenunglücken z.B. hat ja nicht jeder Einzelne diesen Schicksalsschlag gesucht, und sich daran für einen Schicksalsausgleich zu entwickeln. Sondern es ist ein Geschehen, ein Schicksal, das man mit vielen anderen teilt, das dann im nächsten Leben seinen wertvollen Ausgleich findet. Auf jeden Fall bewirkt es im nächsten Leben, dass man sich mit seinen Leidensgenossen zu Gemeinschaften zusammen findet, in denen man gemeinsame Ziele verfolgt. –


17 Kapitel: Was wirklich zählt sind Spuren der Liebe und des Verständnisses, der Ordnung und Sauberkeit

Unvollständiges Enden bringt unvollständigen Anfang mit einem unvollständigen Plan. Manfred Hinrich

Ich hatte nun alles noch zu einem guten oder schlechten Ende, in Ordnung gebracht, denn die Ordnung, von der auch Bert Hellinger spricht, war mir zeitlebens oberstes Gebot in allen nur denkbaren Lebensbereichen. Diese Sauberkeits- und Ordnungsliebe ließ es nicht zu, in irgendeiner Form ein Chaos zu hinterlassen, sei es im Menschlichen, im Finanziellen, im Gedanklichen, in meinem Besitz, meiner Gesundheit und meinem ganzen Umkreis. Möglicherweise war das Wissen um nachfolgendes Zitat das treibende Rad, um jeden Preis durchzuhalten. Das Grausamste, das einem Menschen angetan werden konnte, hatte ich überlebt und alles um mich und in mir wieder in ein mögliches Gleichgewicht gebracht, welches mir irgendwann erlauben würde, diesen Erdenplan in Liebe, in Aussöhnung mit meinem Schicksal und den Menschen, in einer nur denkbar möglichen Vollständigkeit und Sorgfältigkeit, in Reinheit und Gewissenhaftigkeit, in Aufrichtigkeit und Anständigkeit, in Gesetzmäßigkeit und vor allem Planmäßigkeit, in der jungfräulichen Seelenreinigung auch die meiner Umgebung die Erde und meinen physischen Körper zu verlassen. Mit dem Abschluss meiner möglichen Lebensaufgaben, wie ich sie verstanden habe. Ein deutsches Sprichwort sagt: „Der Ausgang lehrt, ob die Rose blüht oder der Dorn sticht“. Nun bin ich am Ende meiner Lebensbeschreibung angekommen schrieb ich in meiner Biographie des 21. Jahrhunderts. So, wie ich den Deutschen Philosophen Manfred Hinrich verstanden habe, bringt alle Halbheit des Willens nur niederes Ziel, alles Unvollständige in der Lebensaufgabe, der Lebensführung, das am Ende des Lebens mit in den Tod gezogen wird, einen „unvollständigen Anfang“ in einer möglichen nächsten Inkarnation und bringt einen unzulänglichen, lückenhaften Plan oder eine rudimentäre Anlage. Möglicherweise habe ich diese Tatsache durch meinen Gang durch das Purgatorium schon immer gefühlt, von ihr bewusst gewusst, um auch zu wissen, dass ich, gegen alle Widerstände, gegen alle unbeschreiblichen Qualen auch des Verhungerns, durchhalten muss, um durch ein möglichst vollständiges Ende, das für mich gleichbedeutend ist mit dem Versuch, Ordnung in alle nur denkbaren Verhältnisse zu bringen und seine Tätigkeiten zu einem guten Abschluss zu bringen, auch mit gutem Wissen und Gewissen in eine andere Form von Bewusstsein und Bewusstheit einzutreten, fernab von dem Motto: „Nach mir die Sintflut“. Auch dann, wenn mir deutlich vor der Seele stand, dass ich mir das Grab der Zerstörung, die es mir nicht in dem Maße ermöglichen sollte, meine Aufgaben zu Ende zu führen, wie ich es mir wünschte, ganz sicher nicht selber geschaufelt habe.


18 Die Strafanzeige gegen meine Ärztin stand für mich unter dem Stern der nötigen Erlösung und Aufarbeitung, auch für ihr Schicksal, denn alles, alles muss ausgeglichen werden in einer nachfolgenden Zeit, in einer perfekten Form und Formation. Dort, in dieser anderen Welt, gibt es kein Vertuschen, keine Lügen, keine Unwahrhaftigkeiten, dort sehen wir die Wirklichkeit in klaren Formen und Strukturen, präzise und absolut genau, wie ich es immer an meinen Portraits erlebe. Und doch musste ich feststellen, dass dieser Weg enorm steinig war und blieb, Ordnung auch in die zwischenmenschlichen Verhältnisse zu bringen, den Menschen die Hand zu reichen, die mir einst den Kopf abschlugen und sie ihnen immer und immer wieder zu reichen in der Hoffnung, dass sie über den Tellerrand hinaussehen mögen, um zu erkennen, dass es nicht entscheidend ist, im Irdischen Recht zu bekommen, sich zu profilieren, zu erhöhen, etwas unter den Teppich zu kehren, damit die Öffentlichkeit nichts davon mitbekommt, denn wer ist schon die breite Masse? Wer bewegt sich in ihr? Es sind wohl diejenigen, welche Lütz die „wahnsinnig Normalen“ nennt, welche mit ihren dumpfsinnigen, betrügerischen Verbrechen die Schlagzeilen füllen und immer ungeschoren davon kommen. Es kommt ebenso nicht darauf an, sich durch einen blödsinnigen Scheingehorsam, dem Rosenkranzbeten und den sogenannten „guten Taten“, die doch im Hinterstübchen nur auf eine Gegenleistung warten, einen Platz auf der rosa Wolke sieben zu sichern. Es kommt darauf an, dass wir unser Bewusstsein in der Weise erweitern, dass wir auf möglichst reichhaltige Informationen und Erinnerungsstücke und eben nicht nur Bruchstücke zurückgreifen können, auf den Speicher, der uns vor allem nach dem Tode zur Verfügung gestellt wird. In dem alle unsere Taten und Worte eingraviert sind für die wir zur Verantwortung gezogen werden, auch als unser eigener Richter, um darüber Rechenschaft ablegen zu dürfen, um Erkennende und Wissende zu werden. Wissende und Weise auf einer höheren Stufe, für ein nächstes Leben, wie es Platon mit der Anamnesis ausdrückt, um alte Fehler nicht nochmals zu begehen, oder Behauptungen aufzustellen, die zumindest unbewusst und unterbewusst einer Lüge gleichgestellt werden, weil wir nicht mehr auf den Gedächtnisinhalt der genauen Begebenheit zurückgreifen können.

Aus diesem Grunde sind mir viele Worte und Taten meiner Mitmenschen so unverständlich, dass ich an ihnen leide und zwar in einer Weise mehr und umfassender leide, als es alle Schrecknisse meiner Vergangenheit, auch des Verhungerns und Verdurstens, bewirken konnten, die mich in einer schmerzhaften Weise empfindungslos und sogar gedächtnislos dumpf werden ließen. Ich litt an meinem eigenen Unverständnis der Menschheit gegenüber und versuchte mich immer wieder in ihre Seele zu versetzen, in ihr Bedürfnis, Macht auszuüben, Profit herauszuschlagen, oder zu prügeln, sogar vor einem Mord oder Seelenmord nicht zurückzuschrecken, zu lügen und zu betrügen und es übersteigt mein Vorstellungsvermögen bei weitem, ein Verbrechen zu begehen, um einem anderen Menschen Leid zuzufügen, oder um ein paar Eurostücke aus seiner Geldbörse zu stehlen.


19 Gerade auch dann wenn wir bedenken, dass wir durch einen einzigen kleinen Unfall für immer unseres Bewusstseins beraubt sein könnten, wie ich es selber ansatzweise erleben musste unter schwerster Medikation und dass in dieser Situation nichts mehr Bedeutung hat, kein dickes Bankkonto, keine Machtgelüste, kein Besitz, es sei denn, der menschliche Besitz, die Liebe unserer Mitmenschen, die uns durch dieses dunkle Tal begleitet.

Vielleicht ist meine Seele niemals ganz im irdischen Dasein angekommen, vielleicht schwebte sie, seit unserem schweren Autounfall in meinem dritten Lebensjahr, unentwegt an der Schwelle des Todes über mir, möglicherweise hat sie aus diesem Grunde eine Art Überbewusstsein entwickelt, ein nicht – lokales Bewusstsein, das immer die Tendenz hatte, in diese reine, heile Welt zurück zu kehren, um in der Wirklichkeit und Wahrheit zu leben, während das Leben auf der Erde einem Trugbild eher gleicht, wie es auch Menschen beschreiben, die eine Nahtoderfahrung gehabt haben. Eine Vorspiegelung, ein irdisches Irrlicht, in dem nur ein sehr eingeschränktes Bewusstsein existiert, das keinen Zugriff hat auf gestern und morgen und deshalb im Hier und Jetzt „fun“ haben möchte, Spaß, Erholung, gute Laune, superlativistische Erlebnisse, die sie von sich selbst, vom eigenen Ich wegkatapultieren und sei es auf Kosten seiner Mitmenschen und aller Lebewesen, auf Kosten unseres wertvollen Planeten Erde. –

Wie zeigte sich das unvollständige Ende im Leben von Kaspar Hauser mit dem möglichen Anfang im Leben von Antje-Sophia? Was hat sich sublimiert, gewandelt, erhöht, ausgestaltet, was hätte noch verfeinert werden müssen, wie hat die alte Seele im Körper des neuen Menschen die Sprache aufgegriffen, nachdem die Sprache nicht sein Element gewesen ist, weder im Schriftlichen, noch im Mündlichen, wie ich es gleich aufzeigen möchte? (…) „Schließlich wollen wir Seine (Kaspars) Erinnerung gewinnen. Aber die Schrift war nicht Hausers Medium. Das Schreiben fiel ihm sehr schwer, das Sprechen ebenso.“

In der Gegenüberstellung beider Persönlichkeitshoroskope von Astrodata wird die denkbare Entwicklung und Metamorphose im Seelisch- Geistigen, aber auch im Charakterlichen ansatzweise deutlich, auf die Kaspars Seele in jedem Fall in einer neuen Inkarnation hinarbeiten wollte:


20 Ein Beispiel aus Kaspars Horoskop: (…) „Um Ihre Überzeugungen besser vertreten zu können, ist es wichtig, dass Sie Ihre Ausdrucksmittel verfeinern, dann werden Sie durch eine differenzierte Sprache, Mimik und Gestik auffallen. Sie zeigen eine klare Logik und Sinn für prägnante Formulierungen…“

Ein Beispiel eines möglichen Entwicklungspotentials aus Antje-Sophias Horoskop: (…) „Sie haben sich wohl schon früh darum bemüht, Ihre Ausdrucksmittel zu perfektionieren und zu verfeinern. Dabei können Sie auf Ihre guten logischen Fähigkeiten, Ihren gesunden Menschenverstand und möglicherweise auch auf poetisches Talent zurückgreifen.“


21 Kapitel: Zwei Persönlichkeitshoroskope- oder was hat die alte Seele neuer sublimiert und verwandelt?

Kurzfassung des Persönlichkeitshoroskopes von Kaspar Hauser, der Firma Astrodata: Geboren am 29. September 1812 in Karlsruhe um 10.20 h „Sie sind aktiv, durchsetzungsstark und neigen zu heftigen Leidenschaften und starken Reaktionen. Neben Ihrer Faszination für ungewöhnliche, originelle Ideen lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit jedoch auch auf alltägliche Dinge, sofern diese Ihren Kampfgeist ansprechen. Wahrscheinlich zeichnen Sie sich durch individualistische Anschauungen aus, die Sie manchmal mit Fanatismus und Arroganz, meistens aber mit viel Originalität und Phantasie verteidigen. Um Ihre Überzeugungen besser vertreten zu können, ist es wichtig, dass Sie Ihre Ausdrucksmittel verfeinern, dann werden Sie durch eine differenzierte Sprache, Mimik und Gestik auffallen. Sie zeigen eine klare Logik und Sinn für prägnante Formulierungen, doch neigen Sie manchmal auch zu extremen, beinahe schockierenden Redewendungen. Manchmal können Sie sehr direkt und von einer fast brutalen Ehrlichkeit sein, ein andermal verschanzen Sie sich jedoch wieder hinter raffinierten Redewendungen. Auch im Kontakt zeigen Sie unterschiedliche Bedürfnisse: Bei einer ersten Bekanntschaft können Sie verspielt und oberflächlich wirken. Sie lassen sich auch gerne auf Machtkämpfe und Wettbewerbe ein, sollten jedoch darauf achten, dass Sie sich nicht darauf konzentrieren, da Sie sonst in jeder Situation Rivalität sehen und entsprechend reagieren würden. In Situationen, in welchen Sie befürchten, zu unterliegen, können Sie aber auch List einsetzen, um anstelle der direkten Konfrontation auf einem Umweg zum Ziel zu gelangen. Diese Anlagen können im Beruf äußerst nützlich sein, wenn es Ihnen gelingt, sie in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie brauchen einen gewissen Freiraum in jeder festen Hierarchie, damit Sie nicht in Opposition gehen. Das setzt jedoch ein großes Wissen voraus, damit Sie die angestrebte Machtposition mit echter Substanz rechtfertigen. Gelingt Ihnen dies, können Sie sich allerdings durch Mut, Erfindungsgabe und Beharrlichkeit auszeichnen und selbst schwierige Situationen meistern.“ –


22 Kurzfassung des Persönlichkeitshoroskopes von Antje-Sophia Lachenmayr, der Firma Astrodata: Geboren am 26. August 1974 in Bobingen bei Augsburg, um 16.50 h

Die Dominanten Ihrer Konstellation zeigen ein großes Bedürfnis nach Kommunikation mit der Umwelt und viel Interesse für konkrete, materielle Dinge. Daneben lieben Sie jedoch auch die Welt der Imagination und des Phantastischen, sodass Sie von Sagen und Symbolen, von Grenzwissenschaften, der Mystik, den Symbolen der Traumwelt, sowie von Fernsehen und Film fasziniert sind. Neben Ihrem Interesse für die sichtbare Sinnenwelt können Sie sich auch an die Erforschung abstrakter Gebiete heranwagen, welche auf das Künftige und das Unsichtbare hinweisen. Sie haben sich wohl schon früh darum bemüht, Ihre Ausdrucksmittel zu perfektionieren und zu verfeinern. Dabei können Sie auf Ihre guten logischen Fähigkeiten, Ihren gesunden Menschenverstand und möglicherweise auch auf poetisches Talent zurückgreifen. Sie denken wirklichkeitsnah und systematisch und neigen zum Einteilen und Klassifizieren, gleichzeitig haben Sie jedoch die Tendenz, sich manchmal in Ihre Traumwelt und in die Imagination zu flüchten. Diese weiche, träumerische Seite macht Sie jedoch auch für größere Zusammenhänge empfänglich, was Sie vor Einseitigkeit und Unnachgiebigkeit bewahrt. Im geselligen Umgang halten Sie sich an gängige Umgangsformen, es ist Ihnen auch wichtig, Ihre Mitmenschen zu verstehen. Wären Sie nicht ebenfalls zum sachlichen Denken fähig, würden Sie sich vielleicht zu sehr mit den Interessen einer Gruppe identifizieren und Gefahr laufen, Ihre eigene Originalität deswegen einzubüßen. Durch die Verbindung dieser Anlagen haben Sie jedoch wahrscheinlich einen starken Gemeinschaftssinn entwickelt, was auch zu einem gewissen Opportunismus führen kann. Es ist allerdings wichtig, dass Sie sich Ihre Motivationen stets klar bewusst machen. Im Großen und Ganzen gesehen zeichnen Sie sich durch Geschicklichkeit, Diplomatie und eine reiche Phantasie aus. Sie beweisen im Gespräch viel Humor und Witz. Andererseits können Sie aber auch sentimental sein und sich Ihrem reichen, aber komplizierten Innenleben zuwenden. Daher wird Ihre extravertierte Seite, die auf Wirkung bedacht ist, mit einer gewissen Melancholie kontrastieren, die Sie vor allem dann empfinden, wenn Sie allein sind. Ihr Bedürfnis nach Ordnung und Eingliederung in ein größeres, organisiertes Ganzes veranlasst Sie wahrscheinlich zusehends dazu, Ihre sorglose, unüberlegte Seite zu kontrollieren .


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Aszendent im Steinbock Antje-Sophia: Das Gefühl, nicht zu genügen, begleitet den Steinbockaszendenten von frühster Kindheit an. Vielleicht hatten sich die Eltern anstatt eines Knaben sehnlichst ein Mädchen gewünscht, oder die Geburt fiel in eine Zeit, die nicht von Fülle und Freude geprägt war. So lässt der Steinbockaszendent seine Kindheit schneller als andere hinter sich, um sich in der Welt durch seine Leistungen nützlich zu machen und dadurch Anerkennung zu bekommen. Sein Instinkt für schwierige Situationen und Herausforderungen macht ihn häufig zum Einzelkämpfer, und wo andere sich Schwächen eingestehen, beißt der Steinbockaszendent auf die Zähne und folgt unbeirrt und konsequent seinem Ziel. Kritik veranlasst ihn, sich noch disziplinierter zu verhalten und keine Anstrengung zu scheuen, nach außen hin tadellos zu erscheinen. Als ob er sich und anderen immer wieder etwas beweisen müsste, wählt er meist den steinigen Weg und vertraut keinen Abkürzungen, die ihm vielleicht angeboten werden. Seine ausgeprägten, eher hageren Gesichtszüge und die oftmals schlanke Gestalt strahlen nüchterne Klarheit und Schnörkellosigkeit aus. Er fordert von sich viel und gönnt sich wenig. Oft begegnet er auch seinen Mitmenschen hinter einer Schutzmauer aus Pflichtbewusstsein und Disziplin, was ihn dann sehr ernst und düster erscheinen lässt. Er erobert die Welt sicher nicht durch sprühende Ausgelassenheit, dafür aber durch seine Aufrichtigkeit und Wirkung, die beim zweiten Blick überzeugt. Dass sich echte Verantwortung nicht nur auf äußere Pflichten und Aufgaben bezieht, sondern auch in der Achtsamkeit gegenüber den eigenen Bedürfnissen besteht, kann der Steinbockaszendent von seinem Gegenzeichen Krebs lernen. Im besten Falle reift er im Laufe seines Lebens – wie ein guter Wein – zu einem charakterlich starken, zugleich gefühlvollen und erlebnisfähigen Menschen.

Aszendent im Skorpion Kaspar Dass diese Welt kein sicherer Ort ist, merkt der Skorpionaszendent schon beim ersten Atemzug. Er weiß instinktiv, dass er das geschenkte Leben auch jederzeit wieder verlieren kann. Die Geburt war für ihn häufig tatsächlich ein Kampf um Leben oder Tod. Mehr als alle anderen Aszendententypen nimmt er daher von Anfang an alles Stirb-und-Werde um sich herum wahr und entwickelt durch intensives Erleben die Überzeugung, dass er sich nur durch kontrolliertes und machtvolles Auftreten im Lebenskampf behaupten kann. Dadurch wird die Welt für ihn zum Gegner, den es in Schach zu halten gilt, wodurch er blind werden kann für die genussvollen und erfreulichen Seiten des Lebens. So wirkt er in seinem Auftreten zwar unnahbar, aber gerade dadurch, dass er sich nicht sogleich in die Karten blicken lässt, auch unwiderstehlich und faszinierend.


24 Seine Gesichtszüge sind markant und werden von einem intensiven, durchdringenden Blick dominiert. Er geht mehr abwartend als offensiv auf seine Umgebung zu, da er erst einmal die Situation abschätzt, um dann im besten Moment allenfalls auch seinen Stachel zu platzieren. Seine Haltung ist stets engagiert und kompromisslos. Ebenso gehören Entschlossenheit und Ausdauer zu seinen Qualitäten, wohingegen er für Halbherzigkeiten oder Wankelmut nichts übrig hat. Dies hat ihm den Ruf eines gefürchteten Gegners eingebracht, wobei kaum jemand seine tiefe Überlebensangst und Verletzlichkeit wahrnimmt. Um nicht in Kontrolle und Machbarkeitswahn zu erstarren, ist es für ihn notwendig, auch Eigenschaften wie Genussfähigkeit und Vertrauen zu entwickeln, die ihm in seinem Gegenzeichen Stier begegnen. Er kann dann mit seiner Unerschrockenheit anderen ein Vorbild sein und seinen sicheren Instinkt sowie seine hintergründigen Erkenntnisse in den Dienst des Lebens stellen! –

Die Erdachse steht zwar senkrecht zum Erdäquator und zum Himmelsäquator, aber der Kreis der 12 Tierkreisbilder, die Ekliptik, liegt etwa um 23 Grad schräg zum Äquator. Dadurch haben wir am Ost- und Westhorizont Schnittpunkte des Äquators mit der Ekliptik. Der Schnittpunkt im Osten heißt Aszendent (das Absteigende) und im Westen Deszendent (das Absteigende). In der Astrologie spielt der Aszendent eine wichtige Rolle, er bestimmt das erste Haus, dem die anderen elf Tierkreishäuser folgen und damit bestimmt er die Grundmotivation für das Horoskop.

Die Erde dreht sich an einem Tag einmal um ihre Achse. Die Erdachse steht senkrecht zum Äquator der Erde und dessen Umkreis, dem Himmelsäquator, auf dem die Sonne inmitten der 12 Tierkreisbilder steht. Im Laufe eines Jahres ist die Erde einmal um die Sonne gewandert. Dabei sah man von der Erde aus die Sonne monatlich vor einem anderen Tierkreisbild. Das wiederholt sich jedes Jahr neu. Zur Frühlings- Tag und Nachtgleiche steht sie im Sternbild der Fische. Das war aber nicht immer so. Vor 2000 Jahren stand sie zum Frühlingspunkt im Widder und in 600 Jahren wird sie im Wassermann stehen.

Diese Änderungen kommen daher, dass die Achse der Erde eine Eigenbewegung macht, sich in 2600 Jahren in einem Doppelkegel um den Drehpunkt des Erdmittelpunktes bewegt. Da zu der Zeit, als die Astrologie in Babylon entstand, der Frühlingspunkt im Widder war, hat die Astrologie diese Einteilung des Tierkreises beibehalten. Das gilt auch für den Ort des Aszendenten.


25 Kapitel: Das verflixte „t“ in den Verben und das verlorene „T“ in der Genetischen Mutation

Alles sollte sich nochmals wiederholen und entlarvt werden, sogar namentlich. So gibt es bei Kaspar einen Prof. Dr. Engel und ebenso in meinem jetzigen Leben, die beide dieselbe Funktion haben. So gibt es nicht nur einen Dr. Albert, sondern eine Dr. Albertrecht, nicht nur einen Pflegevater Stanhope, sondern ebenfalls adelig von St., den ich hier nicht aussprechen möchte. Mit denselben Verhaltensmustern, nicht nur einen Herrn Merker, sondern auch eine Frau Merker, allerdings in einer menschlichen Erhöhung. So gibt es noch unzählige weitere Übereinstimmungen in vielfältiger Ausrichtung.

Doch wie zeigte sich die Sublimierung der Sprache der alten Seele Kaspars im möglichen neuen Körper?

In Zeiten körperlicher, seelisch- geistiger Überlastung, die zu jener Zeit sehr häufig auftragen, begann die junge Frau die Syntax der Sätze umzustellen, auch im Schriftlichen und packte in viele Verben, ob stark, ob schwach, ob Vergangenheit, ob Gegenwart, das „Vergangenheits „t“´willkürlich hinein, sodass sie dann statt als von „geben“, oder „gaben“, „gebten“ schrieb oder sprach, das sich niemand erklären konnte, ohne dass das Mädel überhaupt ein Wissen um Kaspar hatte. Im Anhang ihrer dreiteiligen „Biographie“ im „Zeichen von Wahrheit und Gerechtigkeit“ fügt sich viele Briefe an Ärzte und Freunde ein aus jener Zeit, die das verdeutlichen. So stellte sie oftmals die Sätze um und schrieb zum Beispiel: „Ich gut gemachtet hab.“ Ihre Ärztin kann sich das nicht erklären und sagte ihr einst, dass sie unzählige Patienten in ihrem Leben hatte, aber diese „Eigenschaften“ würde sie von niemandem kennen und sie müsse sich überlegen, woher das kommen könnte. Sie fand es nicht heraus, auch Antje-Sophia nicht, es war ihr in solchen Momenten selten bewusst und doch gibt es unzählige Zeugnisse davon, sogar bei den Polizeibehörden.

Analogie zu Kaspar: „Den Konjunktiv das Imperfekts unregelmäßiger Verba pflegte er die ersten zwei Jahre dadurch regelmäßig zu bilden z.B. ich bekommt, oder bekommte, statt bekomme! Wenn ihm ein Ausdruck fehlte, half er sich gern durch negative Ausdrücke z.B. es ist mir nicht recht, statt es ärgert mich es schmerzt mich es reut mich.“-

Unter dem Einfluss von Alkohol wurde diese Ausdrucksweise noch skurriler: Königliche Hoheit wollen anmerken und bemerken, dass ich heute bessere Stunden hatte.


26 Nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung würde ihr Körper möglicherweise, aufgrund schwerer Misshandlungen in ihrem vorherigen Leben, eine genetische Mutation aufweisen, eine schwere Muskelerkrankung, die neun Mal – eine wichtige Zahl – belegt und gefunden werden sollte mit der Tatsache, dass sie auf dem Gen statt einem „T“, ein „C“ aufweist, um in einer Weisung aus der geistigen Welt zu erfahren, dass diese „Seltenheit“ des „C“ sowohl „Casparus, als auch Christus“ bedeutet. –


27 Kapitel: Tolstoi und der Blick in den Abgrund, in das Nichts oder der Spielball der Mächte? Menschen ohne glückliche Kindheit entwickeln im Leben eine Art Widerhaken, an dem sich später aller Kummer fängt. Selma Ottiliana Lovisa Lagerlöf

Gescheite Leute waren unter ihnen, zugegeben, auch unter den Lehrern. Aber war nicht das eine schon merkwürdig und verdächtig, dass unter allen diesen "großen" Leuten, welche doch alle vor einiger Zeit selbst Kinder gewesen waren, so sehr wenige sich fanden, die es nicht vollkommen vergessen und verlernt hatten, was ein Kind ist, wie es lebt, arbeitet, spielt, denkt, was ihm lieb und leid ist? Wenige, sehr wenige, die das noch wussten! Herrmann Hesse - Kindheit eines Zauberers

Im Jahre 1883 schreibt der russische Schriftsteller Turgenjew mit müder, dem Tode geweihter Hand seinem Freunde Leo Tolstoi, den er für den größten Künstler der Nation hält, in einem Brief, er möge doch Vernunft walten lassen und sich wieder der Literatur zuwenden, anstatt sich, wie Gogol, in den entscheidenden Schöpfungs- und Schöpferjahren in sinnlosen religiösen Spekulationen zu verlieren. Es ist die drängende Bitte eines Sterbenden, den die späte Antwort Tolstois nicht mehr erreicht – er stirbt, ohne seinen letzten Wunsch erhört zu wissen. Leo Tolstoi wurde, wie Goethe, am 28. August geboren und beiden wurde es vergönnt, bis ins dreiundachtzigste Lebensjahr in völliger geistiger Klarheit und schaffender Welt -und Weitsicht ihre Lebensaufgaben zu meistern. – Doch während Goethe und Stendhal sich kaum bis zu ihrem siebten oder achten Lebensjahr zurückerinnern können, geht die Erinnerung bei Tolstoi bis in sein zweites Lebensjahr zurück und man erkennt daran, wie scharf und kristallklar seine Erinnerungen im Fluss der Zeit sichtbar bleiben. Er erfreut sich an kraftvoller Gesundheit im Körperlichen und Seelisch- Geistigen, sein Leben verläuft in geordneten Bahnen und doch ist auffallend, dass man über ihn von einer höchsten Irritabilität liest, welche er, gerade in der Musik, auch mit Goethe teilt. Während die Familie um das Klavier freundlich und fröhlich zuhörend zusammen sitzt, rennt Tolstoi tränenüberströmt zur Türe hinaus mit den Worten: „Que me veut cette musique“ (Was will diese Musik von mir). Und auch Goethe zeigt und spricht von einer „vorsichtigen Haltung“ und Handhabung mit der Musik, denn er fürchtet ihre verlockende Kraft, welche den Willen überstülpt und ins Wesenlose abzusinken Gefahr läuft. Sein wahres Wesen und Element aber ist die Präzision, die Zeichnung, ist die Plastik und alles, was festen Halt, feste Form bietet und er, der in seinem 19. Lebensjahr dem Dämon einst ins Auge geblickt, fürchtet das Gestaltlose, das Indifferente und stellt die Form gegen das Zerfließende der Materie.


28 Denn wer einst die Spitze der Parabel erreicht, dem Dämon ins Auge geblickt, der vergisst ihn nicht mehr und sucht nicht die Freiheit, die oftmals ins Chaos des Gefühls führt, sondern sucht die Stabilität der eigenen Persönlichkeit, die Form und Festigkeit, die scharfen, klar umrissenen Konturen der Wirklichkeit. Es sind die zentripetalen Kräfte, vom Äußeren nach dem Inneren, zum möglichen Mittelpunkt und nicht die zentrifugalen, die aus dem inneren Kreise herausdrängenden Kräfte, ihn zerreißenden. – Nun aber stellt sich bei Leo Tolstoi tatsächlich die Frage, welches Ereignis diesen kraftvollen Mann, mit einem Antlitz, das mehr Dickicht, als Lichtung und Helligkeit beim ersten Eindruck vermittelt und von welchem er selber einst sagte: „Mein Gesicht war das eines gewöhnlichen Bauern“, in der Weise überschatten konnte, dass er auf einen Schlag, von heute auf morgen aus dem Paradies in den inneren Hades gestürzt wurde? Denn wie Hiob vor seinen Prüfungen, blieb auch Tolstoi nichts mehr zu wünschen übrig und er schreibt in einem Brief: „Ich bin restlos glücklich“. Was ist also die Ursache dieser Wandlung, dass der Mächtigste aller, des russischen Volkes, plötzlich so arm wird an Freuden und Begeisterung und der Gewaltigste des russischen Landes so tragisch verdüstert? Und nun erhält man beim weiteren Forschen und Lesen auch zwischen den Zeilen diese furchtbarste und erschreckendste aller Antworten, nämlich jene: Nichts. Nichts ist ihm geschehen, kein Schicksalsschlag in diesen Jahren, kein gesundheitlicher Einbruch, es ist nichts, das ihm geschehen ist, oder vielmehr das Nichts, in das er blickt und durch dieses Nichts verändert sich auch unser Blickwinkel und dieses, sein „Nichts“ wird auch uns verständlicher, die wir vielleicht ähnliches auch erlebt haben. Er blickt in das Leere, Formlose, in das Vakuum seiner Existenz, wie er sie fühlte. Und bekanntlich vermag kein Wille und keine Weisheit mehr dem einmal zu Tode Erschreckten und Aufgeschreckten mehr das verdunkelte Herz zu erhellen. Und - wie mir scheinen mag beim Durchblättern und Lesen vieler Biographien in vergleichender Darstellung - gibt es an einem solchen Scheidepunkt nicht nur einen Weg. Es gibt nicht nur den Weg der Verzweiflung und Resignation, das sich Entfernen vom Weltgeschehen, das Sich Herauslösen in eine selbst geschaffene Welt, oder ein versunkenes Griechenland und seinen unsichtbaren Göttern, wie bei Hölderlin. Nach einem Blick in das Auge des Dämons gibt ganz sicher zwei Wege. Und ohne mir ein festgelegtes Urteil erlauben zu wollen, zu dürfen und zu können, empfinde ich eine Größe an Leo Tolstois Leben, aus dieser inneren Not sich auf die wahrhaftige Suche nach einer höheren, sinngebenden Wesenheit zu begeben und diesem inneren Weg auf der Suche nach Gott, dem Guten und der Gerechtigkeit, die nicht auf dem Gedanken einer Revolution und Zerstörung gegründet ist, immer treu geblieben zu sein. Dennoch erscheint mir sein Leben auf höherer Ebene auch nicht vorbildlich, trotz seines Strebens nach Wahrhaftigkeit, weil er erst im letzten Augenblick seiner gezählten Lebenstage der Welt und vor allem der russischen Jugend nicht nur das Gute, die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit durch Worte zu predigen in der Lage war, während er wohlig und mit allen materiellen Gütern ausgestattet am warmen Herdfeuer saß, sein Volk dagegen auch in Zuchthäusern leiden und darben musste, sondern in diesen, seinen letzten Tagen die Not der Entbehrung erlebt, gelebt und erlitten hat um wahrhaft verstehen zu können.


29 Um auf die beiden angedeuteten Wege nach dem Blick in den Abgrund zurück zu kommen, in der Gegenüberstellung einiger großer Gestalten unserer Geschichte, ist auffallend, dass Goethe, nach dem erschreckenden Blick in das Auge des Düsteren, sein Schaffen und seinen Lebensmoment in eine radikale Unbedingtheit und umfassende Universalität verwandelte, während bei Menschen wie Hölderlin, Kleist und Nietzsche ein solcher Blick genügte, um, wie es von außen scheint und erscheinen mag, zu straucheln und schließlich zu fallen. Sie geben sich hin dem feurigen Element, ihre Sprache wird Rhythmus, ihr Geist und Verstand löst sich in Ekstase und immer stehen sie nahe am Abgrund, nahe am Einsturz des dämonischen Geistes. Musik, der Tolstoi und Goethe nur mit Vorsicht begegnen, hilft ihnen in den Zustand der Auflösung und Weltverneinung zu gelangen. Alles wird zur Gefahr, zur gewaltsamen Selbstverweigerung und Selbstvernichtung und am Ende ihres Lebens verlassen sie weltfremder und einsamer ihr Dasein, als sie es zu Beginn vorgefunden haben, während Goethe bis zur letzten Stunde seines Lebens innerlich aus unsagbarem Reichtum schöpfen darf. Und so hat jeder seine Entscheidung bewusst oder unbewusst getroffen, die Verantwortung für das eigene Leben in die Hand genommen, oder dem Dämon, einer anderen Macht übergeben, der ihn als Spielball seines Übermaßes gegen die Lebensklippen schlägt. Es ist dennoch die Armut an Leben in ihrer unbestrittenen Schönheit und der Schönheit in ihrer Armut an Glück, welche diese am Leben gescheiterten Naturen ausmacht. Trotzdem würde ich einräumen, dass auch dieser äußere Niedergang eine wichtige Station war für einen gewaltigen Aufstieg in das Licht. -

Ob eine solche unbewusst - bewusste, innere Entscheidung nach einem Lebenseinbruch und Schicksalsschlag so einfach zu definieren und zu treffen ist, bleibt dahingestellt. Ich kann nur aus meinem eigenen Erleben sprechen und es war durchaus nicht „nichts“, was mein Lebensschiff schon in der Kindheit zu einem möglichen Kentern oder gar Untergang hätte bewegen können, sondern eine Fülle an Schicksalswinden und Orkanen, die mich an vielen Weggabelungen auch ins „Nichts“ blicken ließen und mich vor die Entscheidung gestellt haben, welchen Weg ich weiter gehen möchte, auch wenn ich unzählige Male dem Dämon ins Auge blicken und dabei seinem Blick kraftvoll standhalten musste. Denn nahezu jedes scheinbar mächtige, sichtbare oder unsichtbare Wesen erzittert vor der wirklichen oder durch Angst errungenen evidenten und sicheren, oder scheinbaren Furchtlosigkeit seines Gegenübers.

In meinem Tavorentzug und schon während der Tavoreinnahme war mir das Ruder meines Lebens auch in dieser Hinsicht allerdings zum ersten Mal mit aller Gewalt aus den Händen gerissen worden. Ich war ein Spielball all dieser Wesen, welche mich mit unvorstellbaren, unerträglichen Ängsten vor ihnen erzittern ließen, mich peinigten bis zum äußersten Lebensnerv und darüber hinaus. –


30 Kapitel: Blaubeerwald bei Regensburg und Pilsach – 9. Lebensjahr und wichtige Prozesse

Denn die großen Gewalten sind stärker als der Tag und die Stunde und jedes Wort des Hasses wesenlos gegen das willensgestaltende Werk Stefan Zweig

Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen

(Heraklit)

1981 1983 – Antje-Sophia ist in ihrem 8. Lebensjahr. Diese Lebensphase wurde in meiner Seele sehr stark erlebt. Zum einen traten immer deutlichere Erinnerungen an mein Wesen heran, in denen ich nicht nur in Träumen einem dunklen Kerker sah, in dem ich mich aufhielt, um immer wieder von einer Palme zu sprechen, zu malen, zu berichten, die vor dem Kerkerfenster steht. Dieses 9. Lebensjahr zeigt auch in plastischer Weise, wie sich der innere „Wagenlenker“ gegen äußere Belastungen und schwere Überforderungen verhielt und wie der göttliche Funke in mir unzerstörbar blieb, der den Todeskahn lenkte, um im letzten Moment, vor dem eigenen Untergang in die Unterwelt das Ruder herumriss. Über einige Jahre durfte ich in den Sommerferien immer in den Blaubeerwald fahren und erst Jahrzehnte später habe ich herausgefunden, dass sich unser geliebter Blaubeerwald in unmittelbarer Nähe von Pilsach befand, in dessen Schloss Kaspar wohl 12 Jahre lang in der Unterwelt leben musste. Wie weisheitsvoll hatten es die geistigen Mächte eingerichtet, mich nochmals diese Luft schnuppern zu lassen, doch dieses Mal nicht die Kerkerluft, sondern den Äther der Freiheit. Denn der Blaubeerwald gehörte zu den Perlen, die mir in diesem Lebensalter Rettung, Erlösung und Hilfe sein sollten. Heute bin ich mir sicher, dass dieses Erlebnis in der unendlichen Natur in den drei Wochen des Ferienlagers mich für alles entschädigt hat, was mir durch den Wegzug aus Landensberg genommen wurde. Und ich fühle die Wärme der menschlichen Begegnungen in dieser Ferienzeit und die tiefe Dankbarkeit meinen Eltern gegenüber, die uns das ermöglicht haben, - Johannes und mir. Sicherlich wurden diese Wochen auch durch mein entsetzliches Heimweh getrübt und ich habe erst Jahre später erfahren, dass Heimwehkinder keinesfalls deshalb Heimweh haben, weil sie sich zu Hause verwurzelt fühlen, einen tragenden Boden haben, eine umfassende Sicherheit, sondern – und das einspricht einem seltsamen Paradoxon – weil sie eben genau das nicht zu Hause erleben und vorfinden und sich deshalb nicht lösen können, weil sie sich nicht verbinden konnten. Rundum gesunde Kinder haben diese tiefe Verbindung, diese Sicherheit zum Elternhaus und so fällt es ihnen leicht, sich abzunabeln, innerlich und äußerlich loslassen zu können.


31 Und trotzdem ich unendlich unter Heimweh gelitten habe, konnte ich alle Erlebnisse ganz tief in mir verwandeln und ich möchte noch ein Ereignis erzählen, das mir meinen inneren Umbruch verdeutlichte und vielleicht auch dazu beitrug, wie einst die Mutter in der Kommunionsgruppe: Die Veränderung meines Wesens, meines Charakters zu einem kleinen Erwachsenen. Die Verwandlung der inneren und äußeren Gefahr, die ich schon beschrieben habe, der ich in diesem Lebensalter ausgesetzt war. Und es wäre durchaus denkbar gewesen, dass ich mich in dieser Zeit der Unterwelt verschrieben hätte. Ich war ungeheuer formbar und beeinflussbar für einige Monate und in jener Zeit hätte ich durchaus alles versucht, um dieser inneren Leere zu entfliehen. Möglicherweise auch Drogen. –

Aber ich hatte das Ruder willentlich in die Hand genommen, wurde mein eigener Wagenlenker und hatte zum Glück auch rettende Unterstützung durch die Schule, durch wunderbare Lehrer und durch die Erlebnisse im „Blaubeerwald“, vor allem konnte ich all dies erkennen und in mein Wesen aufnehmen, eigenständig. Denn all diese großen helfenden und stützenden, lichtvollen Gewalten waren stärker als der Tag und die Stunde meines inneren Einbruches und jedes Wort des Hasses, der Vernichtung zu Hause wesenlos gegen das willensgestaltende Werk, das ich mir selber erschaffen habe. Wir schliefen also auf diesem besagten anthroposophischen Ferienlager in kleinen Hexenhäuschen, also Gartenhäuschen und da ich nicht von Johannes getrennt werden wollte, so schlief ich, als einziges Mädchen, mit den Buben zusammen in einem größeren Häuschen. Es gab dort auch einen Esel, den „Joschi“ und eine kleine Kutsche, welche Joschi zog und mich des Öfteren mitnahm, während die anderen Kinder neben dem Gefährt herliefen. Neben der Leiterin Mechthild, die ich vor Jahren am Priesterseminar wiedergetroffen habe, gab es noch den Leiter Werner. Er war über 30 Jahre alt und ganz besonders liebevoll zu mir, alle empfanden es so, ohne es mir zu missgönnen und ich fühlte mich in seinem Schutz und seiner Fürsorge geborgen. So hatte er sich für mich, zu meinem 9. Geburtstag, etwas ganz besonderes ausgedacht: Ich durfte mit ihm alleine in die Stadt fahren und Essen gehen. Er wollte mich einladen zu allem, was ich mir wünschte. Auch wurde ich von allen Kindern des Lagers reich beschenkt und es gab zwei Jungens, die mir sogar Liebesbriefe schrieben, die ich heute noch aufgehoben habe. So fuhr ich am 26. August mit Werner nach Regensburg und wir verbrachten einen sehr gemütlichen Nachmittag. (…) „Wenn Hauser auf die Frage, woher er komme, keine Antwort gab, auf die Frage aber, ob vielleicht von Regensburg dies Wort nachsprach, so stand nachher fest, dass von Regensburg gekommen zu sein geäußert habe, obwohl für diesen alle diese Worte nur sinnlose Laute waren.“ -


32 Auf der Rückfahrt hielten wir an einem See, setzten uns auf einen Stein, ich sehe mich heute noch dort sitzen, weil dieses nun folgende Gespräch mich einerseits tief berührte, andererseits empfand ich eine Ungerechtigkeit, die ich nicht so stehen lassen konnte und welche um Ausgleich bat, die mich innerlich jedoch etwas von diesem Lagerleiter entfernte, weil sie sich auf meinen geliebten Bruder bezog. Werner erzählte mir sehr viel von seinem Leben und ich hörte wach und interessiert zu, gab ihm Ratsschläge und teilte ihm meine Erfahrungen mit. Seltsamerweise lernte ich genau 18 Jahre später nochmals einen Werner kennen, Oberbürgermeister aus der Pfalz, der mir dieselben Dinge, nahezu mit demselben Wortlaut sagte, welche mir dieser Werner an meinem 9. Geburtstag schon einmal anvertraut hatte. Er sagte mir, es sei für ihn heute der schönste Tag seines Lebens gewesen, er habe sehr viel von mir lernen können, ich sei schon so reif und ungeheuer weise und hätte ihm mit unserem Gespräch sehr geholfen. Wohlgemerkt, ich war erst 9 Jahre alt! Und in mir lebt tatsächlich auch der innere Eindruck, dass jenes Gespräch an diesem Tag in der Abendsonne, in unberührter, stiller Natur, eine geistige Dimension erreichte, in der ich essentielle Dinge aussprach, die ich wohl nur aus anderen Sphären heranholen konnte. Werner sagte mir einige Zeit später, als die Dämmerung sich schon sachte über das weite Land gelegt hatte, dass er mich unbedingt heiraten möchte und er würde auf mich warten, bis ich groß sei. Natürlich war das nicht ganz ernst gemeint und ich hatte auch noch keinen rechten Betriff vom Heiraten. Zudem wollte ich meinen Philipp heiraten und hatte noch keinen rechten Begriff von seiner Bedeutung, so ließ ich es einfach so stehen. – Auf der Heimfahrt begann er mich mit Johannes zu vergleichen. Er konnte ihn nicht leiden, seine Sprunghaftigkeit, seine Unehrlichkeit, wie er sie bezeichnete. Ich hatte es allerdings anders aufgenommen, weil Johannes mein ein und alles war und ich wie ein Löwe um Ungerechtigkeiten kämpfe. So bin ich auch kein Mensch, der an Not und Gefahren in der Außenwelt und Öffentlichkeit einfach vorbei laufen kann. Ich empfinde ganz tiefes Mitleid für alle Kreaturen und würde wahrscheinlich mein Leben opfern, wenn ich ein anderes dafür retten könnte, der Ungerechtigkeit zum Ausgleich verhelfen könnte... Und so empfand ich am Abend meines Geburtstages, dass Werner eine Grenze überschritten hatte, die für mich nicht tragbar war, an der ich etwas anderes, einen mir nahe stehenden Menschen, als mich selber, hätte opfern müssen. Entscheidend für mich war meine innere Wahrnehmung und sie zeigte mir, wie weit ein Mensch wahr wird und zum wirklichen Menschentum gelangt. Denn wer wahr ist, der ist demütig und ehrfürchtig, gerade vor dem Wesen eines Kindes und versucht nicht, die Geschwisterliebe der „Glückskinder“ zu entzweien. Dieses innere Bild lebte in meiner Seele und so versuchte ich mich in der nächsten Zeit etwas von Werner zu distanzieren.


33 „Dass die Gesetze des Menschengeistes noch so unerforscht und geheimnisvoll sind, dass es weder gründliche Ärzte, noch endgültige Richter gibt“. ( Dostojewski ) Ich hörte in mir die Christusworte: „Richtet nicht“ und versuchte mich gleichermaßen mit ihnen auf menschlicher Ebene zu verbinden, was mir sicherlich auch häufig nicht gelungen ist. Aber von meinem Vorbild Werner hatte ich es erwartet. Denn mir war damals schon deutlich, dass die Älteren, unsere vermeintlichen Vorbilder auf die Kinder in einer Weise wirken sollten, dass sie um das wahrhaft Menschliche wissen und wenn aller Idealismus in der wahren menschlichen Begegnung nicht von Selbstaufopferung, Liebe und Selbstlosigkeit getragen wird, um dadurch nicht nur geschriebenes Wort zu bleiben, sondern zur Tat zu erwachen, dann, so fühlte ich, lebt erst die wahre Menschlichkeit, das tiefe Verständnis mit einbeschlossen. –

Ich hatte in einem Kapitel aus meiner Biographie des 21. Jahrhunderts schon unsere beginnenden Verhaltensauffälligkeiten angedeutet, die sich ab meinem 9. Lebensjahr ganz kurz zeigen sollten, auch bei meinen beiden Brüdern. Das Jahr 1983 gehört für mich zu meinem wichtigsten Jahr meiner Schullaufbahn und zu einem der schwierigsten Jahre zu Hause, in denen ich unentwegt auf der Kippe stand zwischen dem Guten in der Schule und dem für mich erlebbaren Bösen zu Hause, der Kälte, Ungeduld und meiner eigenen Unzufriedenheit, der inneren Leere und der tatsächlichen Gefahr, abzurutschen in einen Abgrund der Lügenhaftigkeit, Rebellion gegen die Erwachsenenwelt und dem Verlust meines selbst erarbeiteten inneren Reichtums. Ich streunte draußen herum wie ein Straßenköter, beschäftigte mich kaum noch alleine mit positiven Inhalten, ich fühlte, dass mir zu Hause die Luft seelisch abgeschnürt wurde. Und so war ich immer glücklich darüber, je länger ich in der Schule bleiben durfte, über jede weitere Schulstunde, die mich meinem Elternhaus und der lähmenden Umgebung entfernten. –

Aus längst vergangener Zeit weht mir heute eine Erinnerung in meine Seele, dass ich eine ähnliche Phase durchleben musste in einem anderen Leben, die sich fast kongruent mit meinem neunten Lebensjahr spiegeln sollte. KASPAR UND STREUNER

Doch bevor ich das endgültige Ende meiner Kindheit damit definieren und beschreiben muss, das sich mit unserem Wegziehen aus Landensberg in eine winzige Mietswohnung änderte, möchte ich das letzte Jahr, in meinem 9. Lebensjahr, mit 8 Jahren, auf dem Lande noch näher und umfassender beleuchten. Ein knappes Jahr vor unserem Umzug hatte meine Mutter begonnen, Klavierunterricht zu nehmen. Sie war nicht sonderlich begabt, wie sie auch selber feststellen musste und ihr stetes Bemühen wurde durch ein schreckliches Ereignis für sie, für uns abrupt unterbrochen.


34 Eines Tages war sie am Kochen. Wir Kinder sprangen in der Küche umher, spielten und warteten sehnsüchtig auf das Essen. Meine Mutter hatte Gemüse in einem Schnellkochtopf aufgesetzt. Den genauen Verlauf erinnere ich nicht mehr, ich höre nur noch in weiter Ferne meiner Erinnerung ihre Schreie, ihr entsetzliches Weinen und als ich zu ihr kam, lag der Topf umgekippt auf ihrem Schoß, das heiße Wasser hatte ihre Oberschenkel in der Weise verbrüht, dass die Haut blutig in Fetzen herunterhing, wie wir später, beim Ausziehen der Hosen mit Schrecken feststellen mussten. Der Einzige, der in dieser Situation schnell und geistesgegenwärtig reagierte, war Johannes. Er zog den Brauseschlauch der Spüle schnell zur ihr heran und ließ das kalte Wasser laufen, bis der Küchenboden einer Überschwemmung gleichkam. – Die folgenden Wochen musste meine Mutter im Bett liegen und eine Haushaltshilfe versorgte uns und erledigte das Notwendigste unseres Alltags. Jeden Tag war ein Arzt bei uns, der ihre Wunden mit Salben und Honig bestrich, sodass sie langsam, aber stetig wieder zuheilten.

An jenem Tag, so erinnere ich, kam ihr Klavierlehrer, dem sie nicht mehr absagen konnte im Trubel der Ereignisse und er nahm mich bei der Hand. Er wollte nicht unverrichteter Dinge wieder fortgehen, nachdem er den weiten Weg zu uns angetreten hatte und setzte mich neben sich an das Klavier. Ich war 8 Jahre alt und sehr begierig darauf, dieses geheimnisvolle Instrument kennen zu lernen. Er zeigte mir ein kleines, leichtes Stück auf dem Klavier, das ich sofort nachspielen konnte, während er sich immer schwerere Stücke ausdachte und mich jedes Mal erstaunt und freudig ansah, weil ich es, ohne zu überlegen und zu zögern, sofort nachspielen konnte. Nach diesen 20 Minuten, das weiß ich noch bis heute, weil ich mir im tiefsten Inneren wünschte, diese Zeit würde nie enden, ging er zu meiner Mutter und meine Ohren wurden groß und weit, als er ihr sagte: „Ihre Tochter ist sehr musikalisch und hochbegabt, geben Sie ihr unbedingt Klavierunterricht“. Meine Mutter versprach, es in Erwägung zu ziehen. Doch die Monate zogen durch das Land, auf den Frühling folgte der Sommer und damit so langsam ihre Genesung. Es stand die Frage nach einem Umzug im Raum und so verschwand ihr Versprechen, mir dieses Geschenk, diese Gnade zu ermöglichen, Klavierunterricht zu erhalten und damit in eine Welt einzutreten, in denen selbst Disharmonien sich zu höheren Harmonien klären und auflösen. Diese Unterlassung ist mir noch heute ein großer Schmerz. Ich habe mir in den letzten Jahren selber, notdürftig und dilettantisch etwas am Klavier beigebracht. Zugegeben, die Menschen erfreuen sich daran, wenn ich Beethoven, Bach oder Mendelsohn spiele und sind immer wieder erstaunt darüber, wie schnell ich Dinge aufgreifen und umsetzten kann an diesem Himmelsinstrument. Dennoch fehlt mir ein tiefes Verständnis und die essentielle Grundlage, um wirklich vom Blatt spielen zu können. Ich vermag es zu improvisieren und aus dem Gehör umzusetzen und erfreue mich daran, dass mir mein fortgeschrittenes Alter ( man bedenke, dass Mozart und Schubert in meinem Alter schon alte Herren und dem Tode geweiht waren,


35 falls jetzt bei dem einen oder anderen Leser ein Schmunzeln entstanden sein mag), zeigt mir noch keine Grenzen auf. Und doch ist es in diesem Alter nicht mehr möglich, ein tiefes Musikverständnis – und umfassende Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, als in jungen Jahren. –

In Vorahnung dessen, was mir schon ein Jahr später wieder genommen werden sollte, nämlich mein treuer Weggefährte, mein Hund und die Natur um mich herum, habe ich in diesem Jahr, bis zu meinem 9. Lebensjahr, noch alles ausgekostet, was mir meine Umgebung an Reichtümern der Mutter Erde schenken wollte. So bin ich im beginnenden Herbst mit Roska durch die Wälder gestreift, habe alles eingesammelt, was Form, Farbe, Schönheit besaß. Von Eicheln, Blättern, Früchten, Tannenzapfen, Moos, Zweigen und baute mir in meinem Zimmer einen kleinen „Erntedanktisch“ auf, der in seiner Farbenpracht mich jeden Tag erfreute. Oder ich bastelte und strickte mit einer Freundin jedes Wochenende, nagelte und klebte, bis wir einen kleinen „Weihnachtsbazar“ eröffnen konnten, um unsere Sachen zu verkaufen oder zu verschenken. Mein Ideenreichtum war wie ein Füllhorn in dieser Zeit, grenzenlos, unerschöpflich.

Im beginnenden Winter spannten wir Kinder unseren Neufundländerhund Roska vor den Schlitten und dieser arme Bär musste uns nun durch den tiefen Schnee ziehen, was ihr wohl keine große Freude bereitet haben mag, da wir immer wieder stecken blieben, aufstehen mussten, um sowohl den Schlitten, als auch Roska zu befreien, die immer aufs Neue zu kapitulieren schien. Sie hatte immer wieder freudig Anlauf genommen um zu sehen, dass die Last doch zu schwer war und die dünnen Seile ihr den Hals zuschnürten. Denn all unsere Utensilien waren irgendwo gefunden worden oder zusammengestückelt, aus Bindfäden, Tesafilm, Seilen, Halstüchern und anderem, während das Resultat des eigentlich angestrebten nichts mehr davon erkennen lassen wollte. Mein armer Bär, was hatte er auch mit uns mitmachen müssen! So hatte ich auch die Idee, aus alten Lattenrosten Skier zu bauen, die mit Seilen an unseren Schuhen festgemacht wurden und jeglicher Logik entbehrten, da die Schnüre natürlich von unten jede mögliche, noch so winzige Geschwindigkeit sofort bremsten. Oder ich baute einen kleinen Leiterwagen, nachdem ich mich freudig aber erschöpfend stundenlang durch Sperrmüllberge gewühlt und mir einige Räder und Holzbretter mitgenommen hatte. Sperrmüll war für mich wie Weihnachten, unerschöpflich walteten meine Phantasiekräfte und jedes noch so schäbige Ding war noch für irgendetwas zu gebrauchen und zu verwehrten. Tatsächlich bewegten sich die Räder als ich mein neues Gefährt, den kleinen Leiterwagen, meiner Familie vorführen wollte und damit mühsam, mit vielen Pausen und Schmerzen in den Muskeln, den Berg hoch gekrochen war. Nun würden sie staunen, dachte ich, als ich mich hineinsetzte und mich vom Boden abstieß.


36 Doch dann musste ich beim Herunterfahren in Schlangenlinien feststellen, dass ich nach wenigen Sekunden schon ein Rad nach dem anderen verlor und schließlich auf meinem Brett bewegungslos am Boden saß. –

Der Nikolaustag nahte. Der gute Freund meines Vaters, Günther, vom Menschentyp her ein Schreinermeister Eder, kam uns nun regelmäßig aus München besuchen. Er war ein wunderbarer Mensch, voller Humor und Wissen, voller Geist und Güte. Allerdings immer wieder von tiefer Traurigkeit und Melancholie erfasst. Was sich für mich heute aus seinem Wesen herauskristallisiert ist die Tatsache, dass er die Wochenendstürme in unserer Familie, in denen es in den folgenden Jahren immer Streit und seelische Vernichtung gab, auffing und sublimierte zu einer Essenz, die man Verständnis und Weisheit nennen könnte. So kam er auch an diesem 6. Dezember 1982, und zu unserem letzten Weihnachtsfest in Landensberg und verschwand gegen Abend plötzlich spurlos. Als ich meine Mutter nach ihm fragte, da wir ihn doch gemeinsam vom Bahnhof abgeholt hatten, sagte sie nur, dass er noch etwas besorgen müsse, er würde ganz sicher zurückkommen. Der Nikolausabend war da. Wir Kinder saßen erwartungsvoll im Wohnzimmer, als es an der Türe klopfte. Ein großer Mann trat ein, es war tatsächlich der Nikolaus, mit roter Mütze und einem langen, weißen Bart. Als er mich zu sich rief, war ich ungeheuer aufgeregt und stand zitternd vor ihm. Was mich allerdings wieder einmal faszinierte, waren seine Augen. Und ich war mir ganz sicher, dass mir diese Augen bekannt vorkamen, obwohl ich durch den weißen Bart und die buschigen weißen Augenbrauen kaum das Gesicht erkennen konnte. Diesen Glanz in den Augen, die Güte und Liebe, ihn kannte ich! Ein Schrecken durchfuhr mich, als ich weiter in seine Augen starrte und mich nicht mehr losreißen konnte. Plötzlich wusste ich es: Es waren Günthers Augen, - nein, ich konnte mich ganz sicher nicht getäuscht haben. In diesem Moment brach für mich ein kleines Stückchen meiner Welt ein, die sich ganz sicher war, dass es Elfen, Zwerge, Feen, dass es Engel und auch den heiligen Nikolaus gab. Natürlich weiß ich heute, dass es ihn gab – ich bin ihm in der Türkei begegnet, seiner Ikone in Myra (russische Ikone von Aleksa Petrov, 1294), dem. „Sieg(reich)en des Volkes“ (aus νικάω und λάος). Im 4. Jahrhundert war der Ort Myra Bischofssitz. – Aber an diesem Abend brach ein Stückchen meiner inneren Sicherheit ein und es fiel mir schwer, seine Geschenke entgegen zu nehmen. Auch, und das hatten meine Eltern wohl nicht bedacht, hatte er die Winterstiefel meines Vaters an, wie ich nach weiterem Inspizieren feststellen musste. Günther war ein urgemütlicher Bayer, im besten Sinne. Kein „Münchner im Himmel“. Ein „Meister Eder“ Typ in der äußeren Erscheinung und in seinem Wesen dem Darsteller „Gustl Bayerhammer“ sehr ähnlich. Doch an diesem Abend konnte er die sich anbahnende Eskalation, die in Zukunft nahezu zu allen Festeszeiten wie ein Orkan über uns hereinbrechen sollte, auch nicht mehr aufhalten. Ich erinnere nur noch die Situation, dass mein dritter Vater sich über etwas aufgeregt hatte und die Geschenke von Johannes durch


37 das ganze Zimmer warf, während ein kostbarer Siegel dabei zu Bruch ging und in unseren Kinderseelen eine Leere und innere Zerstörung zurückließ, unsere Kindheit zerbrach, die sich durch sein tagelanges, strafendes Schweigen, das sich in diesem Jahr ankündigte und sich unendlich oft wiederholen sollte, noch verstärkte. –

Ein Kind ist ein Buch, aus dem wir lesen und in das wir schreiben sollten. Peter Rosegger

In unserem großen Haus gab es einen sehr langsamen Kurventreppenaufzug, eine Sitzfläche für meine Mutter, die sie langsam nach oben in den ersten Stock beförderte. Und ich lege die Betonung absichtlich auf „langsam“ und nicht wirklich zuverlässig. Einige Male blieb dieser Aufzug stecken, während Julia, die noch keine 2 Jahre alt war, oben schrie. Das Gefühl der Ohnmacht und Machtlosigkeit, festzusitzen und warten zu müssen, dass sie jemand aus ihrer Gefangenschaft befreit, während das Kleinkind weint und alleine ist, bewog meine Eltern dazu, das Haus zu verkaufen und in eine kleine Mietswohnung nach Göggingen umzuziehen, in der ich meinen 9. Geburtstag erleben sollte. Dieser Schnitt war für mich ungeheuer schmerzvoll, nahezu unerträglich, weil ich auch meine Roska für zwei Jahre kaum noch wieder sehen sollte. Es gab nur mich umgebenden Straßenlärm, kaum einen Baum, keine Wiese, keine Natur. Wir lebten in beengten Verhältnissen, Benjamin und Julia teilten sich ein Zimmer, Johannes und ich ebenso und wir lagen gemeinsam auf einer engen, ausziehbaren Couch. Benjamin hatte wieder massiv das Bettnässen begonnen und die ganze Familie befand sich in einer Stresssituation. Auch konnten unsere Freunde die Wochenenden nun nicht mehr bei uns verbringen, wir mussten unsere Tiere in einer Gärtnerei zurücklassen.

In mir selber erlebte ich auch einen massiven Einbruch in meinem Verhalten, weil ich jede seelische und charakterliche Veränderung an mir sofort bemerkte und zu verändern versuchte, soweit es möglich war. Zunächst hatte Benjamin des Öfteren im Kindergarten den Schlüsselbund der Kindergärtnerin entweder in der „Zwergenhöhle“, oder woanders versteckt, sodass die Kindergärtnerin jedes Mal aufgelöst bei meiner Mutter anrief und sich beschwerte. Auch später in der Schule war Benjamin kaum noch tragbar. Bei Johannes erinnere ich mich an eine Situation, in der er einer Lehrerin davonlief, es war etwas vorgefallen. Sie holte ihn irgendwann ein, während er ihr, meines Erachtens, wie ich es beobachtet hatte, versehentlich beim Rennen ein Bein stellte, sodass sie in voller Geschwindigkeit und Länge auf den Boden


38 fiel und sogar noch weiterrutschte. Auch Johannes war gefallen, doch hatte er einen erheblich geringeren Schaden davongetragen. – Er war ein unglaublich lieber und seelenvoller Junge, allerdings von sanguinischem Temperament, dadurch sehr lebendig. Ich weiß nicht, was ihn zu solchen Streichen veranlasst hat, aber dieser Umbruch, - zuerst das Erlebnis mit dem kath. Priester, dann der Umzug aus unserer heilen Welt in die Stadt, schienen ihn auch aus der Bahn geworfen zu haben.

Bei mir zeigten sich diese Auffälligkeiten darin, dass ich meine Lehrer, die ich tief verehrte und welche mir ein großes Vorbild waren, für kurze Zeit nicht mehr ernst nehmen konnte. Während ich in den ersten Jahren noch schüchtern und sehr ruhig war, andächtig ihren Worten lauschte und alles in mich aufsog, so wurde ich nun rebellisch, unfolgsam und sprang einmal, mit drei anderen Jungs, mitten im Französischunterricht, aus dem Fenster. Ich hatte allerdings sehr große Angst vor meinen Eltern, insbesondere vor meiner Mutter, da sie, wie schon erwähnt, eine außerordentliche, auch grausame Autoritätsperson sein konnte. Als ich nun von dem Anruf meiner Französischlehrerin erfuhr, gab es ein Donnerwetter und ich gelobte Besserung, was mir offensichtlich, nach einem letzten, weiteren Streich, auch gelang.

Dennoch gab es in dieser Zeit ein kurzes Umschwenken in eine untypische Richtung für mich: ich wurde für wenige Wochen, durch die immerwährenden Konflikte zu Hause, die innere Leere auch an den Nachmittagen, etwas hinterlistig und lügenhaft, was mir meine Mutter jedoch sehr schnell wieder abgewöhnte. Diese Ausflüchte einer kurzen Zeitspanne müssen möglicherweise auch den Wind einer längst vergangen Zeit zu mir herüberwehen lassen haben, möglicherweise aus meiner vorherigen Inkarnation. Ich fühlte, dass ich das nicht wollte und mit einem Impuls auf diese Erde gekommen bin, derlei zu überwinden. Die Lügenhaftigkeit zeigte sich darin, dass ich durch die Straßen streunte, mich tödlich langweilte, durch die Geschäfte lief, mir Süßigkeiten kaufte, was meine Mutter im Allgemeinen nicht duldete und ich ihr erzählte, ich hätte nichts gekauft, während ich meine „Schätze“ in meinem Zimmer versteckte. Oder ich traf mich mit seltsamen Gestalten, die ich kennen gelernt hatte auf dem Spielplatz, welche mich in einer unschönen Weise und Richtung zu beeinflussen versuchten, indem sie mich anstachelten, etwas Verbotenes zu tun, zu stehlen oder Kinder zu demütigen. Es war eine völlig konträre Welt, als ich sie in den letzten drei Jahren erlebt und mir erarbeitet hatte und tatsächlich reichte ich für ganz kurze Zeit, im Grunde wenige Wochen, dem Teufel die Hand, doch im Bewusstsein dessen, dass es nicht mein Weg war, den ich im tiefsten Inneren anstrebte. Dieses auch intuitive Bewusstsein half mir sehr schnell, das Ruder wieder eigenständig herumzureißen!


39 Einmal ließ den Spinat, den es nun öfter geben sollte und den ich absolut nicht leiden konnte, weil er mir einen Würgereiz verursachte, unter die Eckbank fallen, oder vergrub ihn in einem Blumentopf, während ich meiner Mutter später berichtete, dass ich ihn brav gegessen habe. Diese Lügen hatten allerdings sehr kurze Beine und schon einen Tag später sollten sie ans Tageslicht humpeln. Nicht, dass jetzt aus dem Blumentopf ein Spinatbaum gewachsen wäre, denn das wäre mein Todesurteil gewesen, sondern dass die Putzfrau sich über seltsame, schmierige, getrocknete grüne Flecken unter der Bank wunderte und sie alsbald meiner Mutter mitteilte, dich mich, begründeter maßen, im Verdacht hatte. Nebenbei bemerkt hat sich meine Abneigung vor Spinat heute vollkommen gewandelt, aber dieses Phänomen der Geschmacksmetarmorphose scheint ja bekannt zu sein. –

In diesem Jahr hatte ich nachts wieder erschreckende Begegnungen mit meinem zweiten, verstorbenen Vater und es ist mir als ein sehr bitteres Jahr in Erinnerung geblieben. Vielleicht auch Kaspars Mörder?

Einige Perlen aus dieser Zeit gab es noch, die mir hier noch erwähnenswert erscheinen. Zum einen erlebte ich nun den Unterricht in der Schule sehr intensiv mit und fühlte eine tragende Kraft durch die Inhalte, die mir zu Hause vollkommen fehlten. Eigentlich wollte ich Tag und Nacht in der Schule bei meinen geliebten Lehrern bleiben, denn ich fühlte mich in diesen zwei Jahren vollkommen entwurzelt. Ich hatte das Gefühl, keine Heimat, keine Eltern, keinen tragenden Boden zu haben. Auch traten immer wieder seelische Phänomene bei mir auf, die ich sehr genau beobachtete, welche viele Jahre später in die untypische, wohl vermeintliche Borderlineerkrankung mündeten. Aber sie waren sehr schwach ausgeprägt und wurden deshalb auch von niemandem erkannt und bemerkt, da ich alle seelischen und physischen Erscheinungen mit mir alleine austrug und niemandem davon erzählte.

Meine Mutter war für mich keine Vertrauensperson mehr und sonst hatte ich niemanden, dem ich in meiner Scham meine seelischen Dispositionen und Erscheinungen, meiner Ängste und sehr schwachen innerlich gefühlten Auflösungstendenzen erzählen konnte. Was sich allerdings zeigte in diesen beiden Jahren, war eine starke seelische Unruhe, die jedoch auch mit einer Kiefergelenksproblematik zusammenhängen kann und von vielen „Experten“, die sich Ärzte nennen, falsch diagnostiziert wird, auch als ADHS.

Vielleicht war ich auch unterfordert, wie es ein Hellseher vor einigen Monaten sagte. Ich galt als dumm, aber wie es sich heute zeigt, vollführt mein Gehirn Höchstleistungen hinsichtlich meines Gedächtnisses und meiner mathematischen Begabung, auch meines Zahlengedächtnisses. Alles ging mir zu langsam, auch das Kopfrechnen meiner Mitschüler. Wenn der Unterricht begann, wollte ich schon wieder, dass er endete. Wenn ich im Bus saß, konnte ich die gähnende Leere des Wartens kaum ertragen, weil zu Hause sehr viele Aktivitäten auf mich warteten, die ich mir selber geschaffen hatte.


40 Es waren keine sportlichen oder musischen Aktivitäten, wie sie vielen Kindern auf dem Tablett serviert werden, nein, es waren eigene Beschäftigungen, wie ich sie noch genauer beschreiben werde. So wurde ich einerseits innerlich zerrissen und gleichzeitig wieder, durch die Schule und meinen eigenen Anstrengungen zusammengesetzt. Die Schule war meine Rettung, meine Zuflucht, mein Halt, meine Wurzeln.

Die Besonderheit des Unterrichtes in der 3. Klasse ist, dass das Kind im 9. Lebensjahr vor einer neuen Stufe seiner Entwicklung steht. Mit dem abgeschlossenen 9. Lebensjahr kann es schon recht bewusst sich in seiner Umwelt erleben. Deshalb wird der Unterricht der ersten beiden Klassen so gestaltet, dass das Kind die Umwelt als Abbild für das eigene Leben erlebt: Die Blumen sprechen, die Tiere leben mit einem König in einer Gesellschaftsordnung usw. – Jetzt aber lernen sie die ersten Gesetzmäßigkeiten kennen: In der Grammatik unterscheiden sie die Wortarten, im Rechnen wendet man die 4 Grundrechenarten schon auf einfach Dinge im praktischen Leben an. In der Musik beginnen die ersten Notenaufzeichnungen in C- Dur. In der Handarbeit häkeln die Kinder größere Gebrauchsgegenstände wie Kaffeewärmer und erstmalig haben sie Turnunterricht. Der ist allerdings nicht leistungsbezogen, sondern soll sich bei fröhlicher Lebendigkeit und Lust an der Bewegung, im Reigen und phantasievollen, schönen Bewegungen vollziehen. Die Kinder haben sich aus der Umwelt abgesetzt und verinnerlicht. So erwacht das Verständnis für das Schöne. Im Sprachunterricht wird auf gute Aussprache und im Rezitieren von Gedichten wird auf das Erleben des Rhythmus und des Klanges zunehmend Wert gelegt. In der Eurythmie wird einerseits an der Gesetzmäßigkeit der C- Dur Tonleiter gearbeitet, andererseits eben auch auf die Schönheit und Lebendigkeit der Gesten geachtet. Wenn das Kind bislang alles wie selbstverständlich nachgeahmt hatte, so möchte es jetzt mehr und mehr aus Liebe und Verehrung zur Autorität handeln. Wohl den Kindern, die dabei keine Enttäuschung erfahren! Von diesem Lebensabschnitt spricht man in der Waldorfschule von „Rubikon“. Wenn man heute davon spricht, dass etwas den Rubikon überschritten hätte, meint man damit, dass etwas in der Entwicklung einen Punkt überschritten hat, von dem aus es kein Zurück mehr gibt. So wie Caesar 49 v. Chr. den Fluss Rubikon mit seinen Mannen überschritten haben soll in Richtung Rom, wissend, dass damit sein Kampf gegen den Senat in Rom unwiderruflich stattfinden wird, so spricht man in der Waldorfpädagogik davon, dass das Kind um das 9./10. Lebensjahr den Rubikon erreicht, eine Grenze, an der die träumende, eingebettete Kindheit ( so es sie gibt ), unwiderruflich vorbei ist. Das Kind fühlt sich fähig, seine Umwelt als Gegenüber zu betrachten und zu beurteilen. Die Eltern zum Beispiel, denen das Kind sich bislang blind verbunden fühlte, werden nun geprüft, wieweit sie als Autorität anerkannt werden können.


41 Das Kind beginnt sich auch selbst zu hinterfragen. Im Hinblick auf die Natur und den menschlichen Kulturgütern ist es glücklich, wenn es erste Gesetzmäßigkeiten verstehen lernen kann. Seine Bewegungen und sein Sprechen werden bewusst gestaltet. Wenn dieser Zeitabschnitt positiv und schöpferisch gelingt, so ist die erste Hürde geschafft und der Weg in die anstehende Pubertät erleichtert. –

Im dritten Schuljahr erhielt ich Kommunionsunterricht. Ich sog die Inhalte auf und konnte mich ganz tief mit dem Jesus- Christusgeschehen, dem Golgathaereignis verbinden. Ich hatte eine ganz feine Religionslehrerin, zu ihr habe ich heute noch Kontakt und sie sagte mir, sie habe mich immer als einen ganz „reinen, liebevollen, hellen Engel“ erlebt, der an ihren Lippen hing und alles ganz tief in sich aufnehmen konnte. Auch trafen sich alle Kinder Monate vor unserem großen Ereignis der Kommunion immer abwechselnd bei den Eltern der beteiligten Kinder, die wunderbare Kommunionsgruppen gestalteten und uns auf dieses Fest vorbereiteten. Ich erinnere mich an den alten Pfarrer Summer, zu dem ich eine ganz tiefe innere Beziehung aufbauen durfte, die über Jahre getragen hat, der uns in die Beichte einführte, vor der ich große Angst hatte. Doch als ich ihm aus meinem Leben erzählte, auch von den Dingen, die ich falsch gemacht, als ich meine Mutter einige Male belogen hatte, war ich erleichtert, als er sagte, er gebe meine Fehler in die Hände von Jesus Christus und er wird mir dabei helfen, sie lichtvoll zu verwandeln, meine Schuld zu sühnen.

An einem Nachmittag hörte ich zwei Mütter miteinander sprechen und ich vernahm ganz deutlich meinen Namen und lauschte nun gespannt darauf, was sie sagen würden: „Antje-Sophia ist so bescheiden und zurückhaltend, ein ganz besonderes Kind, liebevoll und schon so weise.“ Diese Worte habe ich tief in meine Seele aufgenommen und in meinem Herzen bewahrt und ich wusste von nun an, dass ich ihnen und diesem Bild von mir unbedingt und wahrhaftig gerecht werden wollte. – Die Kommunion selber war ein großes Ereignis für mich, sie sollte in der katholischen Kirche von Pfarrer Summer gestaltet werden und ich durfte ein Tuch über den Altar legen. An jenem Tag, wie auch an vielen anderen Festen meines Lebens, hatte ich nur einen Wunsch: ich wünschte mir, mit meiner Mutter alleine Essen gehen zu dürfen und sei es nur zum nächsten Pizza- Straßenverkauf. Doch sie konnte ihn mir erst in meinem 21. Lebensjahr nach meinem Abitur erfüllen, aus Gründen, auf dich ich im Folgenden noch näher eingehen möchte.


42 Kapitel: 9. Lebensjahr, Rubikon, -Traum von Kerkern, Palme und großer Blutverlust, Hausbauepoche Der Mensch kommt moraliter ebenso nackt auf die Welt als physice. Daher ist seine Seele in der Jugend so empfindlich gegen die äußere Witterung. Johann Wolfgang von Goethe

Seit unserem Unfall in meinem vierten Lebensjahr hatte ich begonnen, Tag und Nacht an meinem Daumen zu lutschen. Ich schlief ein mit dem Finger im Mund und wachte damit auf, während es meine Mutter fertig brachte, dass ich ihn wenigstens tagsüber nicht im Mund hatte. Jeden Abend kam sie an mein Bett, wenn ich am Einschlafen war und riss mir nun in den folgenden Jahren unentwegt den Finger aus dem Mund, sodass ich irgendwann starke Wunden an beiden Daumen hatte, da ich ihn offensichtlich mit den Zähnen festzuhalten versuchte. Erst in meinem 12. Lebensjahr war ich endlich davon befreit, - aber die Jahre davor war es ein endloser Kampf mit meiner Mutter, die mit der Zeit sehr ungehalten und auch brutal wurde.

In dieser Zeit fuhren wir jedes Wochenende auf das Land zu unseren Freunden, die eine große Gärtnerei bewirtschafteten und meinen Neufundländer Roska und den Basset Asta für die zwei Jahre, in der wir in der engen Mietswohnung lebten, bei sich aufgenommen hatten. Ich erinnere mich an ein Erlebnis als ich einige Tage dort mit Johannes verbringen musste, weil meine Mutter im Krankenhaus war. Johannes und ich spielten in den Gewächshäusern Verstecken und irgendwann sprang ich aus dem Fenster eines kleinen Gewächshauses, um mich woanders zu verstecken und entdeckte erst Minuten später durch einen warmen Strom an meinem Bein eine, bis zum Schienbeinknochen tiefe, 10 cm lange Wunde am linken Schienbein. Ich war in eine Glasscheibe gesprungen, ohne den Schmerz wahrgenommen zu haben. Es sah wirklich erschreckend und grausam aus und ich rannte zu dem Gärtnergeselle, der mir die Wunde einband und mich auf das Sofa legte. Er deckte mich zu und ging wieder an seine Arbeit. Nach einer halben Stunde tropfte es auf den Boden. Ich hatte sehr viel Blut verloren, als Dietrich, der Inhaber der Gärtnerei kam und sofort den Krankenwagen anrief, während er den Gesellen ausschimpfte, weil er sah, dass ich einige Zeit später tatsächlich in Lebensgefahr geschwebt hätte, aus unterlassener Hilfeleistung und Unwissenheit durch starken Blutverlust. So wurde ich noch nachts genäht und fühlte mich wieder einsam und verlassen nach diesem Schock. Niemand war da, meine Mutter wusste nichts davon, sie hat es wohl erst zwei Tage später erfahren. Und obgleich mir dieser Zustand des Verlassenseins in einer großen inneren und äußeren Notlage schon vertraut war, so war er immer wieder aufs Neue für mich schwer zu verkraften. –

In jenen Nächten und Tagen meines 9. Lebensjahres hatte ich immer wieder denselben Traum und Wachtraum: ich liege und sitze in einem dunklen Verließ, sehe nur große Steine, die wohl einer Burgmauer


43 entsprachen und fühle mich gefesselt an Händen und Füßen oder am Rücken, zumindest kann ich mich kaum bewegen und aufstehen. Ich möchte es ganz unbedingt, aber ich bin meiner Beine nicht mächtig, sie tragen mich nicht, ich habe keine Kraft und Macht über sie. Immer wieder versuche ich es, aber es gelingt mir nicht. Ich fühle mich ohnmächtig und kann mich nicht äußern, nicht sprechen. Ich bin vollkommen alleine. Meine Handgelenke schmerzen und es fällt schwer, die Arme zu heben. – Immer wieder erschrecken mich diese Bilder, ich kann sie nicht einordnen und verscheuchen…Auch in späteren Jahren.

Um diese beiden Jahre, mein 9. und 10. Lebensjahr abzurunden, möchte ich noch meine tiefen Erlebnisse in der Schule veranschaulichen, die mich wieder, dem Leitspruch der Romantiker „Zurück zur Natur“, in diese führen sollte. Johannes und ich durften auch in den Sommerferien einem Ferienlager im „Blaubeerwald“ beiwohnen, das tiefe, wunderbare menschliche, ewige Spuren in meiner Seele zurückgelassen haben.

In der 3. Klasse stand nun die Hausbauepoche an. Die Kinder lernen in diesem Jahr das Bestellen der Felder, das Ackern und Düngen und die Getreidearten. Auch erfahren sie etwas über den Mörtel, die Steine und wie ein Haus gebaut wird. Sie erleben, wie das Tier die Pflanze zu seiner Nahrung braucht, die Pflanze das Tier zu ihrer Düngung. Unsere dritte Klasse begann nun im Jahre 1983 einen schönen, großen Ofen auf dem Schulgelände zu bauen. Er steht noch heute und erinnert uns an harte, aber freudvolle Arbeit. Anschließend haben wir uns einen Dreschflegel gebaut, haben das Feld bestellt, das Korn ausgestreut mit dem Säerspruch von Conrad Ferdinand Meyer zum Rhythmus der Schritte:

Bemesst den Schritt! Bemesst den Schwung! Die Erde bleibt noch lange jung! Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht. Die Ruh ist süß. Es hat es gut.

Hier eins, das durch die Scholle bricht. Es hat es gut. Süß ist das Licht. Und keines fällt aus dieser Welt Und jedes fällt, wie's Gott gefällt.

Als das Korn endlich reif war, haben wir es mit einem Bauern gemäht und in die Scheune gebracht. Und dort begann das Dreschen des Kornes, was mir allerdings in sehr anstrengender, kaum zu bewältigender Erinnerung geblieben ist. –


44 Anschließend haben wir das Mehl zu einem Teig bereitet und den Teig zu Brot geformt, das dann in unserem eigenen Backofen gebacken wurde, zur Freude aller Schüler der anderen Klassen, die alles neugierig mit verfolgen. Oder wir fuhren in diesem Jahr bestimmt zwei Mal zu einem Schäfer, haben geholfen, die Schafe zu scheren, Schafskäse zu bereiten und durften beim nächsten Besuch davon probieren. Dort erwachten meine reinen Naturerlebnisse wieder zu neuem Leben und ich war wach und offen für alles, was mir bei diesem alten Schäfer an Menschlichkeit, Güte, Ruhe, Achtsamkeit und Schönheit begegnete. –

Das Jahr 1983 gehört für mich zu meinem wichtigsten Jahr meiner Schullaufbahn und zu einem der schwierigsten Jahre zu Hause, in denen ich unentwegt auf der Kippe stand zwischen dem Guten in der Schule und dem für mich erlebbaren Bösen zu Hause, der Kälte, Ungeduld und meiner eigenen Unzufriedenheit, der inneren Leere und der tatsächlichen Gefahr, abzurutschen in einen Abgrund der Lügenhaftigkeit, Rebellion gegen die Erwachsenenwelt und dem Verlust meines selbst erarbeiteten inneren Reichtums. Ich streunte draußen herum wie ein Straßenköter, beschäftigte mich kaum noch alleine mit positiven Inhalten, ich fühlte, dass mir zu Hause die Luft seelisch abgeschnürt wurde. Auch wusste ich: diesen Zustand kenne ich, er kommt mir bekannt vor, irgendwo habe ich ihn schon einmal in gleicher Weise erlebt. Heute ist mir bewusst, dass es Kongruenzen aufzeigt mit der Zeit, in der Kaspar in Ansbach bei Lehrer Mayer wohnte und im Grunde auch zur Hinterlist und Lügenhaftigkeit gezwungen wurde durch sehr schwere äußere Umstände, die ihn immer weiter in die Enge trieben.


45 Kapitel: Weitere Übereistimmungen in Experimenten und Auflösung der Dissonanzen – den Tod vor Augen Ist nicht die Kindheit der verborgene Keim, aus welchem nach und nach der reiche Baum des Lebens mit allen seinen Leiden und Freuden sich auseinanderschlägt? Johann Peter Hebel

In meinem 9. Lebensjahr hatte ich vermehrte Träume und Wachträume davon, dass ich an Händen und Füßen gefesselt in der Dunkelheit liege und nicht mehr aufstehen kann. Ich versuche aufzustehen, aber es gelingt mir nicht. Zunehmend soll ich bei meiner Mutter auch Menschen und einen Kerker beschrieben haben, - in späteren Jahren sprach ich oftmals von meinem „Holzpferd“, welches ich, wie es mir meine beste Schulfreundin mitteilte, „Ross“ nannte, ohne dass ich derlei in meinen Spielsachen hatte, oder dass meine Mutter von jenen Erlebnissen aus meiner Kindheit wusste, von denen ich berichtete…

In meinem 14. Lebensjahr endete das Herüberwehen eines anderen Windes einer anderen Zeit für einige Jahre, bis zum 21. Lebensjahr. Auch habe ich kaum Erinnerungen der Zeit zwischen meinem 15. Und 18. Lebensjahr, was für mich ein ungewöhnlicher Zustand ist, da ich nahezu jeden Tag meiner Vergangenheit dieses Lebens zu erinnern vermag.

Das 14. Lebensjahr war eines meiner schwersten Jugendjahre, das in meiner Biographie des noch 20. Jahrhunderts einen gewaltigen Umfang einnimmt. Ich vermag aus diesem Jahr fast jeden Tag genauestens zu erinnern, denn es war ein Jahr voll schwerster Schicksalsschläge, in dem ich aber auch als Spätsünder zur Frau erwachte. In dem ich mir ungeheuer viele Fähigkeiten und Fertigkeiten aneigente und vor allem auf meine Hauptrolle der Schultheateraufführung in einem Shakespearestück lernte.

Doch eines der wichtigsten Erlebnisse möchte ich hier veranschaulichen, weil es ebenfalls große Übereinstimmungen mit den sogenannten „Experimenten an Kaspar“ Daumers offenbart. Dieses Ereignis zeigte mir im Nachhinein, dass das Experimentieren mit Pendeln und Wünschelruten unter lauteren und wahrhaftigen Vorzeichen geschehen muss, um ebensolche ehrlichen Antworten zu erhalten. Alles, was dem Schein dient, der Profilierung, verfolgt nur niederes Ziel und kann weder heilend, noch sinnvoll wirken.

Meine Eltern hatten einen Geomanten und Wünschelrutengänger zu sich eingeladen, der sehr bekannt war. Nach einer Stunde, nach der er seine eigene Arbeit abgeschlossen hatte, versammelte sich die ganze Familie, einschließlich vier Kinder, um ihn herum.


46 Er sah Antje-Sophia lange an, testete etwas, wovon sie nichts verstand und dann begann er, ihr Fragen zu stellen, holte Metalle heraus, ein Pendel, homöopathische Mittelchen und testete sie einerseits an ihr, andererseits fragte er sie nach deren Wirkungen. Ich hatte offensichtlich alle Fragen richtig beantwortet und konnte vieles fühlen und wahrnehmen und gegen Ende dieser „Sitzung“, die nicht eingeplant war, sagte er zu meinen Eltern, dass ich eine unglaubliche Feinfühligkeit, Schwingungsfähigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit habe. Auch könne ich ganz subtil Dinge, Metalle, Mittelchen voneinander unterscheiden, auch in weiter Entfernung, was „normalen“ anderen Menschen verwehrt sei und würde in einer Weise darauf reagieren, wie er es noch nicht erlebt habe. – Ich hätte starke Antennen in jeder Richtung und ich sei ein ideales Medium, wenn man es in der richtigen Weise einsetzt…

Es gibt da unzählige Analogien zu den homöopathischen Sitzungen und weiteren Experimenten mit Kaspar, die mir auch in meiner tiefen Seelenerinnerung geblieben sind und meine Gesundheit eher unterhöhlten, als dass sie hilfreich gewesen wären. Auch damals sollten derlei Einwirkungen mir mehr zum Schaden als zum Nutzen gereichen, wie auch in diesem Leben als Antje-Sophia. Mit dem Tage, an dem ich mich in ärztliche Hände begab, endete meine innere Aufrichtekraft und Autonomie, brach meine äußere Kraft mehr und mehr ein und trieb mich zunehmend in die Zange der Todessehnsucht.

Insofern möchte ich die Versuche an Kaspar hier nicht veranschaulichen, der kundige Leser ist im Bilde. Was sich bei mir im 14. Lebensjahr unmittelbar nach dem statuieren eines Exempels mit mir zeigte, schon wenige Minuten später, war, dass ich mir draußen den Fußknochen brach, der auch meine innere Stärke zu brechen drohte mit einen leisen Windhauch, der zu meinem Herzen drang, einem Hauch des Fluches aus meinem letzten Leben, des Suizidfluchs. Denn nun durfte ich meine Hauptrolle in dem Theaterstück nicht mehr spielen und die Sprache war von jeher meine Rettung, meine Heilung. Ich hatte mir in dieser Hinsicht sehr viel erarbeitet. Was mich in all den Jahren immer wieder leitete und mir innere und äußere Formkräfte verlieh, wie ich es auch anhand von Goethes Wirken zu veranschaulichen versuchte war, dass ich mich von allem Zerstörenden, Zerfließenden, innerlich Zersprengenden entfernte, war meine Intuition, zentripetal wirkende Tätigkeiten zu vollführen. Ich brauchte, wie es Goethe beschreibt, feste Formen, Konturen, Ordnung, die Plastik im wirklichen und übertragenden Sinne um mich daran festzuhalten, um nicht fortzuschwimmen. Und diese schuf ich mir in vielfältigster Weise von selber, aus einer inneren Führung heraus. Und ein Jahr später, in der 5. Klasse, sollten meine Klasse und ich die Früchte dieser Anstrengungen ernten. Denn ich hatte mir eine wunderbare, klare, kräftige Sprache erarbeitet, eine gerade Haltung, auf die ich immer großen Wert legte, da es mir meine Muskelerkrankung sehr erschwerte und so bekam ich von meiner Klassenlehrerin immer den längsten Zeugnisspruch und jeden Montag sagte sie vor allen Kindern und


47 Jugendlichen, dass sie sich darauf freue, wenn ich meinen Zeugnisspruch spreche, weil es eine gesundende Wirkung auf alle entfalten würde und sie würde selber sehr davon profitieren. Ob es gut und richtig war, der Klasse und mir das so offen zu sagen, weiß ich nicht. Aber ich sah ihre Freude, wenn ich vorne stand und klar und kräftig meinen Spruch aufsagte. In späteren Jahren sollte mir diese innere und äußere Arbeit an der festen, aber nicht verhärteten Form meiner Sprache und meines Auftretens ungeheure Kräfte zukommen lassen. Auf den Vorschlag meiner Klassenkameraden durfte ich in allen drei Theaterstücken der achten, elften und zwölften Klasse die Hauptrolle spielen, ohne dass ich mich vorgedrängt hätte, weil ich mir vor jedem Stück nicht entfernt vorstellen konnte, die endlos langen Textstellen auswendig zu lernen und dann auf der Bühne vor Aufregung nicht zu vergessen. Sie wussten wohl, was mich heilen würde…

Daumer über Kaspar: (…) „Auf die besondere Beschaffenheit des Gefühlvermögens Caspars und dessen Empfänglichkeit, besonders für Metallreize, ward Professor Daumer zunächst aufmerksam, als jener sich noch auf dem Turm befand… (…) (Auf einen Magneten äußerte er später): jenes Pferdchen habe ihm einen Schmerz verursacht, den er durch den ganzen Leib in allen Gliedern gespürt habe… (…) hielt Professor Daumer den Nordpol gegen ihn, so griff Caspar in die Gegend der Herzgrube, und zog seine Weste auswärts, indem er sagte: zu ziehe es ihn, es gehe wie ein Luftzug von ihm aus. Der Südpol wirkte weniger stark auf ihn und er sagte von ihm: es wehe ihn an. (…) über seine Empfindlichkeit gegen alle Metalle und dessen Gabe, sie durch das bloße Gefühl zu unterscheiden, hat Professor Daumer sehr viele Tatsachen gesammelt…(…) ( in einem mit Messing gefüllten Gewölbekeller) sagte er: da drinnen ziehe es ihn am ganzen Körper von allen Seiten. (…) Von mir selber formuliert: Ein weiterer Versuch zeigte, dass Caspar sich nicht getäuscht hatte er eine winzige Nadel unter einer Tischdecke aufspürte. (…) Das Gefühl, welches ihm Mineralien erregten, bezeichnete er durch ein Ziehen, das ihn zugleich mit Kälte überlaufe… (…)“Gegen Ende des Dezembers 1828, wo die krankhafte Reizbarkeit seiner Nerven beinahe schon ganz gehoben war, verschwand auch allmählich seine Empfindlichkeit für Metallreize und verlor sich endlich ganz.


48 Nicht minder auffallend äußerte sich in ihm der tierische Magnetismus, für welchen er weit längere Zeit als für Metallreize Empfänglichkeit behielt… (…) dass er die Empfindung des auf ihn einströmenden magnetischen Fluidums immer ein Anblasen nannte…“ (…) „Aber Daumer hatte auch theoretische Interessen und Kaspar Hauser erwies sich als ein Objekt für verschiedene Experimente – unschädliche Experimente, aber dennoch Experimente. (…) „In seinem Buch „Kaspar Hauser: Sein Wesen, seine Unschuld“ (…) macht sich Daumer deswegen sogar Vorwürfe: „Ja, ich kann es nicht leugnen und muss es bei dieser Gelegenheit offen gestehen: Ich habe mich bei meiner Behandlung Hausers eines großen Fehlers schuldig gemacht (…) Die übermäßige Reizbarkeit und Empfindlichkeit Hausers für die Eindrücke der Außenwelt waren für ihn eine Quelle unaufhörlicher Schmerzen und Leiden: Besonders sein Umgang mit Menschen wurde ihm dadurch verbittert, dass er gegen animalische Einwirkungen, die für gewöhnliche Menschen gar nicht existieren, so außerordentlich empfänglich war. –

Nun hatte ich also das ereignisreichste Jahr meines bisherigen Lebens, das 14. Lebensjahr überstanden, vermochte es, mich immer wieder wie der Phönix aus der Asche erheben, mir das letzte innerlich und äußerlich abzuringen und so trat ich, gehäutet und gleichzeitig gerüstet in mein 16. Lebensjahr ein.

Immer wieder blickte ich in das Nichts, dem medusischen, prüfenden in das versteinerte Antlitz. Und immer wieder hörte ich über mich, in verwandelten Formulierungen die Worte Gorkis, dass ich in meinen Augen hundert Augen besitze. Dass meine Wahrnehmungsfähigkeit, meine Schwingungsfähigkeit, Dinge zu erfassen, aufzunehmen und einzuordnen, auch im Zwischenmenschlichen, Nonverbalen, einzigartig sei. Ich erlebte diese Fähigkeit auch in mir, die jede Lüge entlarven konnte, jeden unwahrhaftigen Glauben zertrümmern. Vor diesem, meinem Wahrauge, wie es einst ein guter Freund bezeichnete, wurde alles nackt. Diese frühen Saugnäpfe meiner Sinne, meiner Wahrnehmung und Erinnerung, die sich an das Dasein anklammerten, zeigten sich an den deutlichen und messerscharfen Impressionen, welche den vielfältigen Eindrang der Welt in meinem Inneren umsetzten und zu einem anderen Bewusstsein verwandelten. Der wachgewachsene Organismus subtilisierte jeden Eindruck in späteren Jahren und vermochte ihn immer weiter zu steigern und es hatte durchaus nicht nur eine positive Konsequenz für mich. Ich fühlte mich einerseits gewappnet, dem Leben gegenüber treten zu können, andererseits wurde ich zunehmend durchlässiger. Alle Reize konnten ungehindert und ungefiltert in mich einströmen und durch mich durchfließen und trotzdem mir niemand etwas anmerkte, zu keiner Stunde, taumelte ich oftmals, vom Seismos, von der Erschütterung berührt, media in vita, mitten im Leben, für kurze Momente in einen


49 undefinierbaren Abgrund, in dem ich zu wissen glaubte, alle Erinnyen der Angst hinter oder unter mir zu haben. Als würden sie mein Dasein in Stücke zersplittern– ohne es jedoch ganz zu zerreißen.

Eine eigenartige melancholische Überschattung, wie sie Lenau erlebt haben mag, überkam mich in diesen Zeiten und ich versuchte mit meiner ganzen inneren Kraft und meinem äußeren Durchhaltevermögen ihr zu begegnen und sie zu sublimieren. Der Tod war mein Feind und ich fürchtete ihn unentwegt. Und gerade, weil ich ihm in meinem Leben schon oft ins Antlitz blicken musste, war ich dennoch kein Dostojewski, der mit verbundenen Augen, der Salve gegenwärtig am Pfahl gestanden und in epileptischen Anfällen jede Woche als Leidgeprüfter dem Tode gefasst ins Auge geblickt. Ich war kein Ahnungsloser, kein Menschenkind von strotzender Gesundheit, dem der Schlagschatten des Todes unvermittelt, überraschend eisig ins Blut stößt, dem die leiseste Verminderung der eigenen Kraft und Vitalität die Endlichkeit des Lebens vor Augen führt. Und so bin ich davon überzeugt, dass nicht nur derjenige, der sein Dasein vital und kraftvoll empfindet so komplementär das Nichtsein mit einer gewaltigen Intensität fürchtet, sondern gerade auch der Leidgeprüfte erschauert vor der Gewalt der Endlichkeit alles irdischen Seins. Auch Tolstoi fürchtete seine Gewalt und Macht, die Unbedingtheit und Gnadenlosigkeit. Jede Tagebuchnotiz beginnt mit dem Worte: „Wenn ich lebe“ und jeden Monat verzeichnet über Jahre die Selbsterinnerung: „Ich nähere mich dem Tode“. Und doch fühle ich, dass seine Angst vor dem Tode, die anfangs vernichtend schien, nur Vertiefung des Lebens für ihn bedeutete und großartige Steigerung seines Schaffens. Denn Angst ist immer die der Wirklichkeit Vorrauseilende. So glaube ich, dass dieses, mein inneres Lauschen über den äußeren Rand des Bewusstseins, das innere Lauschen und Wahrnehmen mich zu dieser Tiefe und Reife geführt haben, welche meine Mitmenschen immer an mir bewunderten. Gerade dieses scheinbar Sinnlose der Daseinsverdunkelung, wie sie sich in manchen Lebensmomenten schon als Vorboten von Zukünftigem ankündigte, gab mir einen neuen, umfassenderen Sinn, denn jedes Fühlen setzt immer ein Mitfühlen voraus und das Mitfühlen vereint sich mit dem Mitleid, welches zu einer großen Tugend erwachen kann und sowohl zum wirklichen Verständnis eigenen Leides, als auch des Leidens der Mitmenschen führt.

An Tolstois Leben erlebe ich, dass nur die vorahndende Angst seine Kunst vom Flächigen, vom einfachen Abmalen der Realität in die Tiefen des Wissens und zu einem höheren Gleichmaß geführt hat. Die Gegensätze seines Lebens, im Grunde der des Kulturpredigers der Wahrhaftigkeit, der Liebe zu allen Geschöpfen, des unbesiegbaren Guten in der Welt, des Göttlichen, das über allem waltet, das alle Qualitäten in sich vereint – sie haben sich in einem furchtbaren Widerpart, dem Streit der Lebenslust, welche ihn bis zur letzten Lebenssekunde am warmen Herdfeuer sitzen ließen, wie ich es anfangs beschrieben habe, durchdrungen hin zu einer weisen und harmonischen Verständigung.


50 Die tragische Dissonanz ist endlich harmonisiert, - ganz im Sinne von Spinozas ruht das endlich beruhigte GefĂźhl in reiner Schwebe zwischen Furcht und Hoffnung. -


51 Kapitel: Einführung in eine neue Form der „Psychotherapie“ und den Mesmerismus

Oh Lieber, wann wird man unter uns erkennen, dass die höchste Kraft in ihrer Äußerung zugleich die bescheidenste ist und dass das Göttliche, wenn es hervorgeht, nie ohne eine gewisse Demut und Trauer sein kann. Hölderlin an einen Freund

(…) „Nicht nur Ärzte wie Kerner faszinierte der animalische Magnetismus Mesmers. Er fand auch Eingang in Philosophie und Geistesgeschichte. Schellings Naturphilosophie basiert auf ihm, Schopenhauer äußerte sich höchst positiv darüber, Fichte befasste sich ausgiebig mit diesem Thema und nahm selbst an magnetischen Sitzungen teil. Von den Romantikern mit ihrer Geister- und Wundergläubigkeit wurde der als "tellurische Kraft" empfundene Magnetismus, dessen hypnotischer Bewusstseinszustand dem Traum so ähnelte, literarisch verarbeitet, unter anderem von E. T. A. Hoffmann oder Heinrich von Kleist. Und in Mozarts Oper "Così fan tutte" kuriert Despina mithilfe eines von Dr. Mesmer erhaltenen Magnetes die "Leiden" Ferrangdos und Guglielmos.“ -

Antje-Sophia hatte nun ab ihrem 33. Lebensjahr die Hölle der Psychiatrien durchlaufen und beschloss Anfang Oktober, nach einem einschneidenden Erlebnis am 29. September 2011, ihre Biographie zu schreiben. Dabei fühlte sie sich von unsichtbarer Hand geführt und durfte in eine ebenso invisible Sphäre blicken, aus der sie ihr Wissen holte. Man bedenke, dass sie über fast drei Jahre, ohne geistige, oder andere lehrreiche, bereichernde Inhalte dumpf vor sich hinvegetierte. Umso fruchtbarer und wunderbarer, vor allem unfassbarer gestaltete sich ihre Schreibkunst. Im Jahr 2011 hatte sie nahezu keinerlei Kenntnisse vom Kaspar Hauser Schicksal. Ihr schweres eigenes Leben hatte durch unsagbare Schmerzen Spalten in ihrer Seele geöffnet, die sie zu einem Erkennenden reifen ließen. Die grausame „Zerstückelungstherapie“ bewirkte in ihr, dass sie sich eines Tages tief mit dem Schicksal und Wirken von Anton Mesmer beschäftigte. Offensichtlich wehte ihr da fast unmerklich ein Wind aus einer anderen Zeit entgegen, der ihr in einer anderen Inkarnation als einzige medizinische „Anwendung“ Linderung verschafft hatte: Der Mesmerismus. Ich möchte aus meiner Biographie des 20./21. Jahrhunderts die Seiten hier einfügen, die ich über Anton Mesmer schrieb, weil sie mit Kaspar Hauser unmittelbar zusammenhängen.

In den Tagen im Mai 2008, in meinem 33. Lebensjahr während meines Klinikaufenthaltes, sollte ich, neben der Tavorüberdosierung, auch mit einer bestimmten Form der Psychotherapie in Berührung kommen.


52 Diese, in tausend Einzelteile zerlegende, zerstückelnde, wie es mir schien, analytische Therapieform war mir im tiefsten Inneren wesensfremd und zeigte mir persönlich die Grenzen des Verstehens eines Menschen in seinem vielschichtigen und umfassendem Zusammenwirken von Seele, Geist, physischem Leib und Ich auf. Wie sollte man eine Seele erfassen und begreifen, wenn man sie nicht sehen und im Grunde erfassen kann? Die inneren Gedanken und schmerzhaften Erlebnisse meines 2 ½ jährigen Psychiatrieaufenthaltes im Erleben der Psychotherapie, gerade in Stuttgart, bei dem Arzt Dr. Engel, kann ich nur vor dem Hintergrund einer oder meiner gewissen Vertrautheit und Achtung eines vorgeburtlichen Lebens und durch den Gedanken von Reinkarnation und Karma mit meinen Erfahrungen in dieser Hinsicht in Verbindung bringen. Ich erwarte an dieser Stelle kein Mitschwingen des Lesers mit meinem religiösen Hintergrund, aber ich kann meine Erfahrungen und auch die mögliche Ursache meines Überlebens jener Handhabung in den 2½ Jahren nur davor verstehen und einordnen.

Franz Anton Mesmer ist mit seiner Entdeckung des animalischen Magnetismus für Stefan Zweig ein Heros, der das Pech hatte, in der falschen Zeit zu leben, eben der Epoche der Aufklärung, die mit kühler Skepsis den „zauberischen Kräften“ des Mesmerismus nichts abgewinnen kann. In Zweigs Worten ist nach Mesmer: (...)“ unser Weltall keineswegs ein leerer, unbeseelter Raum, ein totes, teilnahmsloses Licht ringsumher um den Menschen, sondern ständig durchdrungen von unsichtbaren, unfassbaren und nur innerlich fühlbaren Wellen, von geheimnisvollen Strömungen und Spannungen, die in dauernder Überleitung einander berührten und beleben, Seele zu Seele, Sinn zu Sinn.“

Hier wird deutlich ein ganz anderes Weltbild, eine ganz andere Welt propagiert, als es die modernen Naturwissenschaften seit Newton tun. Die mathematische und analytische Zergliederung der Planetenbahnen und des Lichts hatte einen Schock ausgelöst, dem sich nicht nur Goethe mit seiner 'Farbenlehre' entgegenzusetzen versuchte. Die Idee einer Beseeltheit der Welt, eines Fluidums, das uns alle umgibt hat – auch wenn die Naturwissenschaften davon nichts wissen wollen – auf Menschen, die einer poetischeren Sicht der Welt zuneigen, eine große Anziehungskraft. So glaubt Stefan Zweig auch, in der magnetischen Methode Messmers ihren großen Wert zu erkennen, insofern sie die Methoden Freuds, der Psychoanalyse oder allgemein der Heilung der Psyche des Menschen durch Einflussnahme auf das uns umgebende Fluidum vorwegnimmt oder sogar weit besser umsetzt. Es sind die Menschen, die von der Idee eines beseelten Universums und eines uns alle umgebenden, schützenden und Heilung ermöglichenden Fluidums fasziniert sind, für die Mesmer und seine Erkenntnisse nach wie vor eine große Hoffnung und Tröstung darstellen. Dies freilich sind Entdeckungen, die noch weiter zu führen sind, sofern man sich nicht einem einfachen Glauben daran verschreiben will. Und dass zwischen Himmel und Erde viele Dinge sind, die sich einem einfachen Zugriff verweigern und dennoch ihren Einfluss ausüben, das hat Goethe ja schon treffend formuliert.


53 Messmers große Leistung in der Nobilitierung des Magnetismus, der berührungslosen, allumfassenden Nähe der Heilmittel, also der Magneten zum Körper, bei gleichzeitig unbedingtem Willen zur Heilung, scheint mir zu sein, dass die Psyche des Menschen als Teil eines geistigen Fluidums, das den Körper umgibt und in ihn eindringt, gesehen wird. Mein Überleben „verdanke“ ich nicht den sichtbaren „Errungenschaften“ unserer Medizin, sondern einzig und alleine diesem Unsichtbaren, das sich auch im Gebet wiederfindet, das Heilung hervorruft, ohne die Einwirkung physischer Materialien…

Während die heutige Psychotherapie allein mit Worten, der analytischen Zergliederung des Gesagten, oder Pharmakologischen Substanzen Einfluss auf die Seele zu nehmen versucht, hat Mesmer dieses Fluidum als existent und von großer Bedeutung für den Menschen und seine Gesundung erkannt und in seinen Aktionen und Vorführungen, Experimenten und Darbietungen immer wieder in den Mittelpunkt gestellt. Er beschreibt es als dieselbe Kraft, die von Stern zu Stern strahle und im Mondlicht Schlafsüchtige lenke. Es ist die Kraft, die unsichtbare Substanz, dessen Weltstoff von Mensch zu Mensch weitergegeben wird und Wandlung vollbringe, die wir Gesundheit nennen, um uns wieder an die höchsten Harmonien und Hierarchien anknüpfen zu lassen.

Diese heilende Wirkung der Einflussnahme auf jenes wirkungsreiche Feld, das uns einhüllt, ist seit Mesmer völlig aus dem Blick geraten und hat keine Nachfolger gefunden, erst im 21. Jahrhundert und ich werde auch diese „Energy Medicin“ und auf die „Feinstofflichkeit“, die keiner wissenschaftlichen Grundlage mehr entbehren, noch ausführlich zurückkommen, wenn es um die Frage eines möglichen Ausweges aus diesen Sackgassen der Schulmedizin geht.

Die moderne, aktuelle Psychotherapie ist mit ihrem wissenschaftlichen Anspruch eine den Menschen zergliedernde, analysierende, ja zerstückelnde. Dabei käme es gerade darauf an, den Menschen wieder heil, ihn, wie eine zerbrochene Puppe aus Porzellan, wieder ‚ganz’ zu machen. Eine genau gegenteilige Handlung wäre vonnöten, doch der kalte, analytische Geist weht seit dem Ende von Messmers Wirken wieder ungehindert und ungefiltert. Durch ein allumfassendes, fühlendes ganzheitliches Denken wäre ein notwendiges Gegengewicht zu schaffen. Die Aufklärung jedoch, mit ihrer zynischen Dialektik des nur dann Gewussten, wenn bewiesen und vom Verstand durchdrungen, hat in ihrer zerstörerischen Kraft nichts eingebüßt. Diese gefährliche Negation des Gefühlten, Geahnten und Noch-Nicht-Bewussten entzaubert die Welt und, mehr noch, entzieht ihr die wichtigste Grundlage eines gesunden Lebens: Die Heilung durch jene Kräfte des Mesmerismus, einer ganzheitlichen Therapieform, die viele Bereiche des Seelenlebens umfasst, und nicht nur einzelne Facetten.


54 Auch Schoppenhauer rühmt den Mesmerismus, indem er sagt: „es ist die vom philosophischen Standpunkt aus inhaltsschwerste aller gemachten Entdeckungen, auch wenn sie einstweilen mehr Rätsel aufgibt, als sie löst“. Aber welches Urteil wäre schwerer umzustoßen, als ein Vorurteil? Mit Vorurteilen und vorgefertigten Meinungen, dem Pressen meiner Persönlichkeit in eine bestimmte Schublade der wenigen, die die Psychoanalyse für meine Begriffe zur Verfügung hat, ohne Kenntnis, ohne Einsicht, sollte ich im Laufe dieser Jahre immer wieder schmerzhaft nicht nur in Berührung kommen, sondern unter ihnen regelrecht begraben werden, neben meiner Willenslähmung und Ausschaltung durch die schlimmste aller Drogen der Welt: dem Tavor. Was nicht als seelisch erfassbare Funktion mathematisch nachweisbar war, dekretierte der flinke Hochmut, die Überheblichkeit und „Macht“, von der immer wieder gesprochen wurde von Seiten des Arztes, als Phantom, was man nicht mit den Sinnen erfassen konnte, nicht etwa bloß als unfassbar, sondern schlichtweg für nicht vorhanden. Der Austausch von Seele zu Seele existierte dabei nicht. „Jenes Fluid, jene sympathetische Übertragungskraft, deren Wesen man nicht deutlich erklären kann“ (schon zu Messmers Zeiten und schon verdächtig dies!), „steht nicht im Kompendium aller Orakel, im dictionaire philosophique, folglich darf nichts Derartiges vorhanden sein“. Und dennoch weiß ich sicher, dass zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos, zwischen der Weltseele, anima mundi und der Einzelseele, zwischen Mensch und Stern eine stofflich verwandelte, transzendente Beziehung besteht, die es zu erkennen und schöpferisch zu verwandeln gilt von Seiten der Menschen, die sich Ärzte und Therapeuten nennen und damit einen hohen Verantwortungsgrad einnehmen. Dabei möchte ich noch einfügen, dass es sich bei meiner Beschreibung und meinen inneren Erfahrungen explizit um die analytische Psychotherapie handelt, nicht um die analytische Denkweise in anderen Bereichen des Ringens um Erkenntnisse eines möglichen Weltverständnisses. In diesen Bereichen fühle ich mich nicht zu Hause, glaube aber dennoch, dass die physikalische, analytische Beschreibung der Welt auch nur die Reichweite des empirisch zugänglichen Bereichs hat. Sie kann äußerlich viel vom Verhalten der Welt vorhersagen und hat damit eine ungeheure Wirkung für die Technik und gleichzeitig für unser Weltverständnis, aber damit bleibt sie immer eine Beschreibung und ist nie identisch mit der beschriebenen Welt. Dabei habe ich die Vorstellung von einer extrem dünnen Silberfolie, die auf die Welt gelegt wird. Sie passt sich der Struktur an. Zusätzliche Experimente formen die Struktur genauer aus. Im Laufe zunehmender Erkenntnis passt sie sich ganz fein ziseliert der Oberflächenstruktur der Welt an. Damit lassen sich alle Regelmäßigkeiten aus der Struktur der Silberfolie berechnen, vermessen und analysieren. Die eigentliche Welt darunter bleibt aber immer noch nicht zugänglich und lässt sich nur erahnen. So kann es immer noch ein unbekanntes und unbeschriebenes Etwas unter der Silberfolie geben, das sich mir auf dieser physikalischen Ebene noch nicht erschließt. Und doch fliegen unsere Flugzeuge, fahren die Autos,


55 funktionieren unsere technischen Geräte, während es im Medizinischen unzählige Opfer und Tote zu verzeichnen gibt, die in Vergessenheit geraten, weil diese vermeintliche Wissenschaft alles andere ist, als wissenschaftlich. Sie ist eine „Kunst“ und als solche sollte sie subjektiv behandelt, beurteilt und eingegliedert werden in unseren menschlichen Raum und Weltraum des Denkens, Fühlens, Wollens und Handelns…


56 Kapitel: Anton Mesmer, Königin Marie Antoinette, Mozart und finstere, widersprüchliche Wahnsinnige

Das Höchste wäre zu begreifen, dass alles Faktische schon Theorie ist. Man suche nicht hinter den Phänomenen, sie sind selbst die Lehre Goethe

Als Franz Anton Mesmer nach Paris übersiedelt, erfährt er vor allem die Unterstützung von Marie Antoinette. Alle Türen der adeligen Oberschicht sind ihm geöffnet, auch die zur französischen Geistigkeit. Denn obwohl der Schrei der Aufklärung an allen offiziellen Stellen ertönt, ist insgeheim die Sehnsucht nach weißer und schwarzer Magie umso größer, welche nur auf sonderbaren Abwegen in verschiedene mystische Schlupfwinkel verdrängt wurde, dort jedoch lebend überwintern konnten. Noch in Salzburg, vor seiner Flucht ins Ausland, schrieb 1773 Vater Leopold Mozart seiner Frau: „Letzten Posttag habe ich nicht geschrieben, weil wir eine große Musik bei unserem Freunde Mesmer auf der Landstraße im Garten hatten. Mesmer spielt sehr gut die Harmonika…“ …“Wolfgang hat auch darauf gespielt.“ Daraus geht hervor, dass sie gute Freunde sind, der Wiener Arzt und der Salzburger Musiker und sein berühmter Sohn. Als einige Jahre später, aufgrund eines Widerstandes, die erste Oper des vierzehnjährigen Wolfgangs nicht zur Aufführung kommen sollte, springt, kühner als Kaiser und Hof, der musikalische Mäzen Franz Anton Mesmer ein und hebt seine Oper aus dem Schatten in das Licht der Öffentlichkeit. – Immer öfter findet sich die Wiener Gesellschaft in Messmers Hause zusammen, denn dieser Doktor zählt zu den angesehensten Bürgern und man entbehrt auch der geistigen Genüsse nicht. Denn dieser vermeintliche Schwindler hat selbst unter Gelehrten Format. Er ist Sohn eines bischöflichen Jägers und späterer Studiosus der Theologie, daneben Doktor der Philosophie. Und da er, wie Doktor Faustus, nicht wie ein armer Tor dastehen möchte, der, trotz aller Studien der Wissenschaft so klug als wie zuvor dennoch nichts gelernt hat, studiert er in Wien zunächst noch Jura, um sich am Ende der vierten Fakultät der Medizin, zuzuwenden, obwohl er schon den zweifachen Doktor hat. Es drängt ihn nichts, er möchte den Phänomenen und Entdeckungen der Physik, Chemie, Mathematik und Geologie und auch der Musik auf den Grund gehen. So spielt er nicht nur Klavier, sondern auch Violoncello und führt als erster die Glasharmonika ein, für welche Mozart später ein eigenes Quintett komponiert. In seinem Hause hört man, lange vor dem Druck, die neusten Quartette, Sonaten, Arien von Haydn, Mozart und Gluck, den intimsten Freunden des Hauses. Nun galt das Haus in der Landstraße 261 „als das erlensenste Refugium für Kunst und Wissenschaft.“ Und dennoch fehlt ihm die letzte, sichtbare Beweiskraft seiner neuen Entdeckung des magnetischen Fluidums und seiner Heilwirkung durch das Hervorlocken latenter Energien, die sich durchdringen, sich an


57 das Perpetuum mobile, an die Triebkraft des Alls anknüpfen und somit ausgleichend schöpferisch einen Heilungsprozess hervorrufen. Doch man bedenke, trotz seiner Heilerfolge, die physikalische Situation dieser Zeit um 1775. Was damals als elektrische Wirkung galt, war noch in den Kinderschuhen, jede ein Herkules in der Wiege. Man hatte gerade eine Ahnung von der motorischen Kraft des Dampfes durch die Entdeckungen Watts bekommen. Zu dieser Zeit hatte Volta seine entscheidenden Beobachtungen noch nicht gemacht. – Nach dem schon beschriebenen erfolgreichen Heilversuch des Fräulein Paradies, der allerdings nur und ausschließlich der menschlichen Geheimkraft, der Persönlichkeitseinwirkung auf suggestiver Art und Weise dem

Herrn

Mesmer

zugeschrieben

wurde,

erteilt

die

Österreichische

Sittenkommission

ein

Behandlungsverbot. Die Wiener Fakultät kann nun zufrieden sein, den unbequemen Alleingänger einer neuen, mit aufklärerischen Sinnen nicht einsehbaren und noch unklaren Wissenschaft, „aber doch den modernen Begriffen schon angenäherten psychotherapeutischen Behandlung diskreditiert“, aus dem Weg geräumt zu haben. Doch nur ein Vierteljahrhundert währte diese vermeintliche Ruhe, bis wieder ein solch unangenehmer, unbequemer, der Wissenschaft „Neuer“ heranwächst, den sie anfangs mit den gleichen Vorurteilen und Ärger bekämpfen und beseitigen wollen, wie seinen Vorgänger, allerdings mit erheblich geringerem Erfolg: Sigmund Freud. –

In Frankreich hat Mesmer nun in wenigen Monaten offene Türen und Herzen gefunden, auch zum Königshaus. Eine Palastdame der Königin Marie Antoinette war durch Mesmer von ihrer Lähmung geheilt und so bekennt sich auch der hohe Adel zu seiner Lehre. Doch auch hier arbeitet im Untergrund wieder eine zunächst noch unsichtbare Kraft weiter daran, dieser neuen Methode und seinem Repräsentanten ein Bein zu stellen. Ludwig der Sechzehnte, „die Nerven eingepolstert in Phlegma und Speck“ lehnt sich durch seinen Geiz, der sich gegen alle phantastischen Experimente richtet, gegen Mesmer auf und ebenso die Freimaurer, welche in der Wissenschaft, wie auch in der Politik alles Neue und Revolutionäre versuchen, im Keim zu ersticken. Und doch erwirken die begeisterten Anhänger um Adel und Bürgerschaft gegen die medizinische Fakultät das Bleiben Messmers in Frankreich und gründen eine Aktiengesellschaft um ihm die Möglichkeit der Ausübung seiner Entdeckungen einzuräumen. Er ist nun also ein „ungekrönter Herrscher eines unsichtbaren Geisterreichs.“ Doch nun kommt die Stunde der Entscheidung für Mesmer, das Ringen um Gut und Böse, um Wahrheit und Lüge, um Loyalität und Verrat, um Recht und Unrecht. Noch heute gibt es den Ausspruch: „Wer heilt, hat Recht“. Doch dieses „Recht“ wird ihm nicht eingeräumt. Ludwig der Sechzehnte ist kein Freund neuer Entdeckungen und Revolutionen auch des Geistes. Er möchte nun „Klarheit“ schaffen, als ein gründlicher Ordnungsmensch ordnet er 1784 an, den Magnetismus gründlich zu untersuchen, sowie alle Folgeerscheinungen amtlich niederzulegen.


58 Unter den vier Ärzten, die Mesmer und seine Lehre genauer unter die Lupe nehmen sollen, befindet sich ein gewisser Dr. Guillotin, der sieben Jahre später die bekannte Maschine erfinden sollte, welche alle irdischen Krankheiten in einer Sekunde zu „heilen“ vorgibt, nämlich die Guillotine. Ferner ist unter diesen Ärzten Benjamin Franklin, der Erfinder des Blitzableiters, Baillys, der Astronom und spätere Bürgermeister von Paris. Lavoisiers, der Erneuerer der Chemie und Jussieus, der berühmte Botaniker. („Aber alle Gelehrsamkeit lässt diese sonst wunderbar weitsichtigen Geister nicht ahnen, dass zwei von ihnen, der Astronom Bailly und der Chemiker Lavoisier, wenige Jahre später ihren Kopf unter die Maschine ihres Kollegen Guillotin legen werden, mit dem sie jetzt freundschaftlich vereint den Mesmerismus untersuchen.“) Festzustellen ist, dass sie in ihrer Untersuchung zugeben müssen: „Man kann nach diesen ständigen Wirkungen eine gewisse Kraft nicht ableugnen, die auf die Menschen wirkt, sie beherrscht und deren Träger der Magnetiseur ist.“ Doch ihr Blickwinkel bleibt begrenzt und eingeschränkt. Wahrscheinlich hätte es einen winzigen Schritt eines erweiterten Gesichtswinkels bedurft und ihre Ausführungen wären auf eine höhere Stufe der moderneren Betrachtung gestellt worden. Schulgemäß genau werden darum nur zwei Fragen gestellt: Erstens jene, ob dieser Magnetismus überhaupt nachweisbar ist und zweitens, ob er als Heilmittel nützlich sei und so argumentieren sie ausschließlich dumpfsinnig, materialistisch linear: „Einerseits kann wohl der animalische Magnetismus existieren und nicht nützlich sein, aber keinesfalls kann er nützlich sein, wenn er nicht existiert.“

Übertragen auf unsere heutige Zeit zeigen sich vergleichbare Phänomene der verengten Wahrnehmung etwa auf dem Feld der Homöopathie und der Psychiatrie. Die tausendfach von Patienten und Ärzten wahrgenommenen Wirkungen der Homöopathischen Medizin wird in fragwürdigen Laborversuchen bezweifelt und als Unsinn hingestellt, weil ja kein Wirkstoff mehr nachweisbar sei. Dabei hängt die moderne Wissenschaft an einem Glauben des reinen Wirkens eines Stoffes und versteht die Grundlagen und Ideen der Homöopathie nicht oder will sie nicht begreifen. Wie beim Mesmerismus gibt es hier eben Wirkformen und damit Heilmöglichkeiten, die der rein technisch sich verstehenden modernen Medizin vorläufig verschlossen sind. Dabei spielt eben jenes vereinfachende Denken und jene simplifizierende Weltsicht eine große Rolle, die eben nur kausale Wirkmechanismen anerkennt. Gleiches gilt in der Psychiatrie, die den Menschen seit einigen Jahren nur noch als materielles Objekt, als Apparat wahrzunehmen scheint, auf dem man bestimmte Methoden und Medikamente anwendet. Jenes unsichtbare Reich, das im Mesmerismus erkennbar wird und uns alle umgibt, bleibt außen vor und wird absichtlich negiert. Die wahren Heilkräfte, die aus dem Wissen


59 und der Kenntnis dieser umfassenden Heilmethoden erwächst, bleiben unbenutzt zum Schaden der Menschen und leidenden Patienten. Nun stellt also die Ärztekommission die Nichtwahrnehmbarkeit des Mesmerismus für die äußeren Sinne fest. Ferner wurde untersucht, ob wenigstens eine Wirkung dieser unsichtbaren Substanz festzustellen sei. Nach diesen Untersuchungen bleibt für sie nur festzustellen, dass alle erfolgreichen Heilungen und deren Wirkungskausalitäten ausschließlich auf Imagination und bloßer Einbildung beruhen. Denn es kann nichts vorhanden sein, wenn man nichts sieht, fühlt oder riecht. Einbildungskraft kann ohne Mesmerismus Krämpfe erzeugen, während der Magnetismus ohne Einbildung nichts hervorzurufen in der Lage ist…

An dieser Stelle möchte ich nochmals auf meine zitierte Argumentation am Anfang zurückkommen, wie sie anscheinend in der Psychiatrie auch gehandhabt und verdreht wird. „..In der Psychiatrie ist das anders: Man bekommt Kamillentee und hat deshalb Bauchweh zu haben..“

Ich habe vor kurzem einen Witz gelesen, der diese paradoxe Argumentation am besten trifft: „Warum sind die Hühner die klügsten Tiere der Welt? Weil sie Eier legen, die haarscharf genau in den Eierbecher passen.“ Für die Ärzteschaft gibt es keine Existenz für das, was mit den äußeren Sinnen nicht zu erfassen ist und so erscheint

1784

ein

abwertender

Bericht,

der

den

Mesmerismus

und

die

Heilung

durch

Persönlichkeitsbeeinflussung endgültig ad absurdum führt. Auch die Phänomene der medialen Willensbeeinflussung, des Somnambulismus, der Suggestion und der Hypnose, die wenige Monate später schon entdeckt wurden und unwiderlegbare Erfolge erzielten, welche selbst die ganze rationale, intellektuelle Welt in ihren Bann zog, konnte dieses Verdikt nicht mehr zu Fall oder zur Umkehr bewegen. Es ist die Pariser Akademie, dieselbe, welche Jenners Pockenimpfung, Franklins Blitzableiter und Fultons Dampfboot eine Illusion und Utopie genannt hat, die nach wie vor vorgibt, nichts gesehen zu haben!!! „Wissenschaftliches Arbeiten“, also, das jegliche Wissenschaftlichkeit entbehrt, wie wir es auch im Medizinischen erleben und an unzähligen Todesopfern. Die Flugzeuge bleiben in der Luft, das ist nicht abzuleugnen und wenn sie abstürzen, dann zumeist durch menschliches Versagen, aber nicht durch unwissenschaftliche Ingenieure! Das ist Wissenschaftlichkeit.

Doch genau dieses Jahr 1784 wird als das Geburtsjahr der modernen Psychologie benannt und auch wenn die Phänomene der Suggestion bei der medizinischen Türe hinausgeworfen werden, so kommen sie wenig später wieder zur psychologischen Türe herein und „heben die unterirdischen Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele in ein neues Licht.“ Puységur erntet durch Zufall, was Mesmer gesät, vergleichbar mit Amerika, benannt nach Amerigo Vespucci. Dieser Graf erfährt, dass es gewissermaßen noch eine dritte Dimension gibt, zwischen Wachen und Schlafen, Schwarz und Weiß, zwischen Bewusst und Unbewusst.


60 Er versucht, nach Vorschrift seines Meisters, in dilettantischer Art und Weise auf seinem Landgut magnetische Kuren anzubieten und muss oder darf erleben, dass genau das Gegenteil an seinem Patienten geschieht: statt in ihm möglichst starke Krisen und Konvulsionen zu erzeugen, schläft dieser ruhig ein, ist aber ansprechbar und benimmt sich, trotz geschlossener Lider wie ein Wacher, Vollsinniger. Nun ist hiermit der Rubikon zur modernen Psychologie übertreten und das Phänomen der Hypnose zum ersten Mal fixiert und anerkannt, obwohl sich im Altertum schon hypnotische Verfahren finden lassen, seit Appollonius von Tyana. Und auch in der Mythologie der Meduse ist wohl nichts anderes beschrieben und dargestellt, als die Lähmung des Willens durch suggestive Einflussnahme.

Der innere Weltraum hat sich gespannt und ins Unendliche erweitert und nun wollte man diesem Geheimnis der Seele gänzlich auf die Spur kommen und es enträtseln, diese Sphären zwischen Traum und Wachzustand. Viele spätere Dichter der Romantik, E.T.A. Hoffmann, Brentano, Kleist wurden für meine Begriffe von dieser „Nachtseite der Natur“ angeblickt und angezogen, vielleicht manchmal sogar aufgesogen. Auch in der Philosophie finden sich Anhänger und Beeinflussbare dieser neuen Erkenntnis und so findet sogar Schoppenhauer im Mesmerismus „das entscheidende Argument für das zu beweisendende Primat des Willens über die wache Vernunft.“ Auch Hegel, Schelling und Fichte bekennen sich zu dieser Auffassung und Anschauung. „Wo immer die Wissenschaft eine Ritze in der schwarzen Geheimniswand des Weltalls aufreißt, strömt wie ein farbiges Gas sofort die Phantasie der Dichter ein und belebt die neuerschlossene Sphäre mit Geschehnis und Gestalten…“ (…) „Und wäre auch jedes Wort, jede Theorie, jeder Gedanke Messmers falsch gewesen (was noch sehr zu bezweifeln ist), so hat er doch schöpferischer als alle Gelehrten und Forscher seiner Zeit die Wegrichtung einer kommenden und längst notwendigen Wissenschaft gewiesen, indem er den Blick des nächsten Geschlechts dem Geheimnis des Seelischen entgegenlenkt.“ – Stefan Zweig

Diese Wegrichtung, die sich auf das Geheimnis des Seelischen bezieht, gilt es für meine Begriffe noch zu enträtseln und schöpferisch zu verwandeln und einzusetzen. Was sich mir persönlich in der analytischen Therapieform offenbarte, entbehrt jeglicher Durchleuchtung und Erhellung, jeglicher tiefen, umfassenden Einsicht in seelische Zusammenhänge. Und dieser Eindruck wurde mir von vielen Mitpatienten auch bestätigt.. Da hört man Freud in ungesunder Weise an allen Ecken und Enden und streicht das Lied aus seinem Liederbuch: „Geh aus mein Herz und suche Freud“, denn diese Suche endet im Leid…


61 (…) „Bedenkt man, dass der Mesmerismus die einstimmige Anerkennung der Académie Francaise gefunden hatte und es in Europa von Magnetiseuren und Erzeugern künstlicher somnambuler Zustände nur so wimmelte, ist es nicht verwunderlich, dass eine medial veranlagte Persönlichkeit wie Daumer dem Zeitgeist huldigte und sich mit Feuereifer auf ein so wunderbares, sicher höchst empfängliches Objekt wie Hauser stürzte, in dem er den lebenden Beweis für die Ur-Güte und Reinheit des Menschen erblickte: "Es stand ein paradiesischer Urmensch im Sinne der moralischen Fassung vor Augen, ein anbetungswürdiges Wunder in einer grundverderbten, in einen Abgrund von Selbstsucht und Bosheit versunkenen Menschenwelt".


62 Kapitel: Zum Andenken an den geliebten Professor Daumer, einer der leuchtensten Trabanten

Der gute Mensch stirbt nicht mit seinem Tode. Er lebt weiter, wenn auch sein Körper unter der Erde ist. Von dem Bösen bleibt nichts auf der Oberwelt. Euripides

Georg Friedrich Daumer

Da ich mich sehr für Horoskope interessiere und sowohl das von Kaspar, als auch von mir schon in mein Büchlein einfügte, möchte ich auch mit einem Persönlichkeitshoroskop über Friedrich Daumer sein Wesen und seine innere Verfassung etwas besser veranschaulichen. Anna Schiener halte ich für eine differenzierte, gerechte Persönlichkeit mit detektivischem Spürsinn auch für Feinheiten und Charaktereinschätzungen, ohne Tendenzberichte. Das „Sowohl, Als-auch“ vermag sie blendend herauszuarbeiten, ohne dass der Leser gewahr wird, auf welcher „Seite“ sie stehen mag, auf der der Kaspar Hauser Gläubigen, oder der Gegenseite. Insofern habe ich die ganze Hauser Literatur ausgelassen und mich nur mit zwei Büchern beschäftigt: Anna Schiener und Daumer und Feuerbach selber. Im Anhang finden sich über 200 Seiten Textpassagen, die ich abgeschrieben habe, die unmittelbar mit meiner neuen Inkarnation übereinstimmen. Ich halte ferner die Schweizer Firma „Astrodate“ für herausragend. Wie auch immer sie die Zusammenstellung der Geburtshoroskope und der Monatshoroskope aufbauen, sie sind genial und treffend. Ich habe seit 2014 an die 150 Persönlichkeitshoroskope meiner Mitmenschen eingegeben und vorgelesen. Es gab nicht ein einziges unter ihnen, das fehlgegriffen hätte. Jeder Freund, jeder Mensch, dem ich damit auch eine Hilfestellung geben konnte, war nicht nur fasziniert, wie treffend und präzise seine Schwierigkeiten, aber auch Begabungen und Anlagen beschrieben wurden, sondern wie genau und differenziert, auch gerecht die ganz subtile Temperament- und Charaktereigenschaften beschrieben werden. Im Horoskop von Kaspar wird dies auch deutlich. Auszüge aus dem Buch von Anna Schiener: „Der Fall Kaspar Hauser“ über Daumer: (…) war alles andere als eine gefestigte Persönlichkeit (…) Sein zunächst wohlhabender Vater verarmte bald und wurde schließlich unheilbar geisteskrank. Der musisch begabte junge Mann hatte vielleicht seine Neigung zu Schwermut und Grübelei den väterlichen Erbanlagen zu verdanken. (…) Musizierte, komponierte und dichtete Daumer unter Aufsicht seiner Mutter.


63 (…) Im Alter von 17 Jahren immatrikulierte er sich an der Universität Erlangen um protestantischer Geistlicher zu werden, „geriet dort jedoch in ein pietistisches Milieu übelster Artung, das Ludwig Feuerbach (…) einmal als „Mistpfütze“ bezeichnete.“ (…) Führte zu einer Lebenskrise bei ihm: Daumer versuchte, Selbstmord zu begehen. Auch sein engster Freund, „der Dichter und (…) Archäologe (Josef) Anselm von Feuerbach, war in Folge der trübseligen pietistischen Grillen (…) ebenfalls dem Untergang nahe. (…) Um einen Brotberuf ausüben zu können, entschied sich Daumer schließlich für das Studium der alten Sprachen. Im Jahr 1823 legte er in München das philologische Staatsexamen ab, kehrte nach Nürnberg zurück und trat eine Stelle als Lehrer an seiner ehemaligen Schule, dem heutigen Melachton Gymnasium an. Ab 1827, im Alter von 27 Jahren, begann Daumer seine Pensionierung zu betreiben und ein Augenleiden, seine andauernde Kränklichkeit… (…) Aus dem Staatsdienst entlassen wurde Daumer erst 1833. Das bayerische Innenministerium hielt ihn nach Veröffentlichung seiner Schrift „über die Entwendung Ägyptischen Eigentums beim Auszug der Israeliten aus Ägypten“ endgültig für untragbar. Daumer hatte als erste bedeutendere Arbeit, die an Schelling orientierte „Uhrgeschichte“ des Menschengeistes veröffentlicht, als er (…) mit Kaspar Hauser zusammen traf.“

Jeffrey M. Masson zu Daumer: (…) „Er gründete 1840 den ersten deutschen Tierschutzverein. Brahms hat Gedichte von ihm vertont und Thomas Mann zählte zumindest eines von ihnen zu dem bedeutenden Dichtungen der deutschen Sprache. (…) Er entwickelte sich zu einem religiösen Mystiker und gehörte zu den frühen Anhängern der Homöopathie. Zu Hauser: „Ich und meine Freunde, wir haben zwar das Außerordentliche in Hausers Wesen und Erscheinen gebührender Maßen beobachtet, gewürdigt und aufgezeichnet, ihn aber niemals anderweitige Dinge derart bekannt gemacht, Wundergeschichten erzählt. (…) Für ihn war schon die ganz gemeine, alltägliche Wirklichkeit wundersam und erstaunlich genug und es kam darauf an, ihn nur erst mit dieser vertraut zu machen.“ (Daumer)


64 Kurzfassung Astrologisches Persönlichkeitsprofil für Friedrich Daumer Ihre dominanten Planeten 05.03.1800 in Nürnberg 16.50h nachmittags „Untersuchungen des französischen Forschers Dr. Michel Gauquelin haben ergeben, dass die dominanten Planeten im Horoskop die Berufswahl maßgeblich beeinflussen. Als dominante Planeten gelten beispielsweise jene Gestirne, welche zum Zeitpunkt der Geburt am Himmel aufgehend, untergehend oder an der Himmelsmitte stehen. Sie zeigen ein starkes Bedürfnis nach Austausch mit der Umwelt und interessieren sich für alles Neue und Ungewöhnliche, insbesondere jedoch für Dinge, die wenig Bezug zur praktischen Realität haben. Sie lieben alles, was das ästhetische Gefühl oder das Gemüt anspricht und sind daher von Sagen, Mythen und Symbolen, von Mystik, Traum und Kunst fasziniert. Wenn Sie Ihre Ausdrucksmittel entwickelt und verfeinert haben, fallen Sie durch eine sehr differenzierte Sprache, Mimik und Gestik auf. Ihre Ausdrucksweise zeigt poetisches Talent, eine lebhafte Phantasie und ein ausgeprägtes, ästhetisches Gefühl. Sie fühlen sich von romantischen Träumereien angezogen und lassen sich durch Rätsel anregen, besonders, wenn diese mit dem Unsichtbaren, mit eventuellen Tabu-Bereichen oder mit dem Phantastischen zu tun haben. Sie möchten gerne einen Kreis von Anhängern und Gleichgesinnten um sich haben. Am wohlsten fühlen Sie sich, wenn Sie mit Leuten zusammen sind, die wie Sie das Alltägliche und Banale verachten und sich auf der Suche nach neuen Wahrheiten befinden. So könnten Sie unter Umständen in eine sektenartige Gemeinschaft hineingeraten. Sie können sich zweifellos anpassen, zumindest zeitweilig, und die Gewohnheiten und Sitten einer Gemeinschaft annehmen, vor allem wenn Sie sich dabei gleichzeitig hervortun können. Sie interessieren sich insgesamt mehr für die Probleme der Menschheit im Ganzen gesehen, als für die Belange des einzelnen Mitmenschen. Sie sind jedoch auf der Suche nach Vorbildern und können sich, wenn Sie jemanden bewundern, weitgehend mit ihm identifizieren. Ein gewisses Gefühl des Unverstandenseins und die Ahnung, dass es auf Erden keine Vollkommenheit gibt, schränkt Ihre Neigung zum Idealisieren etwas ein. Dadurch haben Sie die Tendenz, Ihre Vorbilder zu prüfen und zu entlarven, was zu einer ständigen Suche nach neuen Idealen und Vorbildern führen kann. Sie sind lyrisch, phantasievoll und kritisch zugleich, es wird Ihnen daher nicht an Widersprüchen fehlen. Deshalb fällt es Ihnen manchmal schwer, sich ein klares Bild von sich selbst zu machen.

Wenn Ihre intellektuellen Fähigkeiten das erlauben, können Sie anderen dienen, indem Sie neue Dimensionen der Wirklichkeit erforschen. Beruflich eignen Sie sich für einen Bereich, wo ein forschender Geist und viel Intuition verlangt werden, und wo Sie gleichzeitig auch Ihr ästhetisches Feingefühl zum Ausdruck bringen können. Diese Möglichkeiten sind insbesondere auf dem künstlerischen Sektor oder in der Psychologie gegeben.


65 05.03.1800 10.50h Die Dominanten Ihrer Konstellation zeigen Phantasie und Geselligkeit, gleichzeitig aber auch das Bedürfnis, Ihre innersten Gedanken und Regungen vor anderen zu schützen oder zu verbergen. Diese letztere Seite schränkt Ihre Geselligkeit etwas ein.

Ihre reiche Phantasie kreist sowohl um naheliegende, alltägliche Themen, als auch um alles Geheimnisvolle, um Angst oder metaphysische Fragen. Einem lebendigen Beteiligtsein am Umweltgeschehen stellt sich somit ein Sinn für Dramatik, für das Dunkle und Hintergründige entgegen. Auf den ersten Blick scheinen Sie Abwechslung zu suchen und oberflächlich über die Dinge hinwegzugehen, Sie haben jedoch einen starken Willen und lassen Ihre Ziele nicht aus den Augen. Diese konzentrieren sich auf Wohlstand, Autorität und sozialen Aufstieg, ohne aber auf einen gewissen Idealismus, sowie auf individualistische Bedürfnisse zu verzichten. Diese Widersprüche können Ihr Verhalten oft als zwiespältig erscheinen lassen. Sie neigen manchmal dazu, sich bei Schwierigkeiten zurückzuziehen und abzukapseln. Das große Bedürfnis nach Abwechslung und Bewegung, sowie auch die starken sinnlichen Bedürfnisse, führen Sie jedoch immer wieder zu Ihren Mitmenschen zurück, so dass Sie nie lange in der Einsamkeit bleiben. Sie behalten Ihre Konflikte nicht für sich, sondern suchen selbst neue Gelegenheiten und Möglichkeiten.

Ihr Innenleben wird durch zwei unterschiedliche Teilpersönlichkeiten in Bewegung gehalten: Die eine ist sorglos und angepasst, die andere zurückgezogen, geheimnisvoll und hintergründig. Ihr Konformismus alterniert daher mit Originalität und Eigenwilligkeit. Die eigensinnige Komponente dürfte eine Folge von Kränkungen und Verletzungen sein, die Sie in der Kindheit erlitten.

Am besten bewähren Sie sich wohl in einer Tätigkeit, die sowohl Erfindungsgeist und Improvisationstalent, als auch Organisation und Repräsentation verlangt. Ihr sicheres Urteil und Ihre Voraussicht lassen Sie die unmittelbaren Vorteile sorgfältig gegen die langfristigen abwägen, und Sie können Ihr Bedürfnis nach Macht und Erkenntnis umsetzen, ohne andere damit zu bedrängen oder autoritär zu wirken.“

Georg Friedrich Daumer starb an einem 14. Dezember, an dem Tag, an dem Kaspar 42 Jahre zuvor im Hofgarten niedergestochen wurde. Kaspar starb an einem Dienstag, den 17. Dezember 1833. Daumer starb ebenfalls an einem Dienstag, einem Marstag. Antje-Sophia entschloss sich, in einem Marsjahr diesen Erdenplan nochmals zu betreten. Unter dem Einfluss von Alkohol schrieb, erreichten mich immer wieder ganz präzise Erinnerungen an das mögliche vorherige Erdenleben und an „meinen geliebten Professor Daumer.“


66 Voller Liebe und Dankbarkeit für ihr erzählte ich meinen Mitmenschen von einzelnen Begebenheiten, aber auch „von meiner Eitelkeit und Undankbarkeit“ damals, mit denen ich ihm wohl oftmals auch sehr weh getan haben mag, so sagte ich. In diesen Zuständen sprach ich Dinge aus, auch über meine Mitmenschen, die sich hinterher alle als wahr und richtig herausstellten, nahezu ohne Ausnahme. Ich habe alle diese Auszeichnungen und Briefe, in denen ich auch oftmals den Satzbau vertauschte und meine typischen Vergangenheits „t“ in alle möglichen starken und schwachen Verben packte, in den Anhang des letzten und vierten Teiles eingefügt. -

Ein weiterer Trabant, ein Mittelpunkt in Kaspars Leben war Anselm von Feuerbach. Antje-Sophia sollte in ihrem schweren Saturnjahr, in dem sie eine Nahtoderfahrung erlebte, als sie über viele Stunden mit einem göttlichen Wesen sprach, das sie bat, das Dreieck vor Zeugen auf eine Landkarte zu zeichnen, mit dem Mittelpunkt „Rottenburg am Neckar“, auch in ihrem Alkoholentzug vierzehn Tage später, der sie ebenfalls an die Schwelle des Todes brachte, mit dem Wesen von Anselm von Feuerbach kommunizieren, zumindest in Verbindung treten. Sie fühlte und erfuhr, dass ihre Seele in ihrem letzten Leben unschuldig „schuldig“ wurde, weil Feuerbach, der Gerichtspräsident, wegen seiner Forschungen um das Rätsel von Kaspar Hausers Herkunft, sein Leben verlieren musste, am 29. Mai 1833.

In dieser schweren Nacht, auf den 29. Mai, zu Christi Himmelfahrt, als Antje-Sophia in Unkenntnis des Todestages Feuerbachs ihren schweren Alkoholentzug durchführte, nach einjähriger Abhängigkeit, der sie einen Kreislaufkollaps erleben und ihm fast erliegen ließ, erfuhr sie eine weitere Tatsache von einem göttlichen Wesen, die sie im folgenden Kapitel, nach der kurzen Einführung mit Auszügen aus dem Buch von Anna Schiener „Der Fall Kaspar Hauser“ und einem Persönlichkeitshoroskop dieses großen Geistes, beschreiben möchte.


67 Kapitel: Anselm von Feuerbach, der Feuerkopf? Der Menschenkenner? Ein Andenken- eine Begegnung

Menschen, die immer daran denken, was andere von ihnen halten, wären sehr überrascht, wenn sie wüßten, wie wenig die anderen über sie nachdenken. Bertrand Russell

Anselm Ritter von Feuerbach – Zu den wichtigsten Persönlichkeiten, die zu Kaspar Hausers in Beziehung traten, gehört der Staatsrat Anselm Ritter von Feuerbach. Seine berufliche Laufbahn und sein Verhältnis zu Kaspar Hauser waren eng miteinander verknüpft, indem nämlich „der Fall Kaspar Hauser“ in seinen „Kriminalpsychologischen Arbeitsbereich“ gehörte. Als er am 26. Mai 1828 in Nürnberg den seltsamen Auftritt eines jungen Mannes, der sich Kaspar Hauser nannte, unterrichtet wurde, eilte er zu ihm hin und nahm sich hinfort seiner an. Er brachte ihn in der Familie des Schulmeisters Friedrich Daumer unter und sammelte 1830 durch Briefe eine Kollekte für seine Versorgung. 1832 veröffentlichte er sein Buch über Kaspar Hauser: „Kaspar Hauser, Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen.“ Er hielt den Gedanken, dass Kaspar Hauser der 1812 geborene älteste Sohn des Badischen Großherzog Karl gewesen sei und einer Intrige zum Opfer gefallen war, zwar nicht juristisch beweisbar, aber nach all seinen Forschungen für einen „vollständig moralische Gewissheit“. Sein Buch „Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen“ hatte ihn schon 1827 in juristischen Fachkreisen berühmt gemacht. Feuerbach war der Begründer der wissenschaftlichen Kriminalpsychologie. Für ihn war die psychologische Erforschung der Verbrecher eine Fundgrube der Menschenkenntnis. Er sah darin auch den Schlüssel zur Erkenntnis der Welt – und Staatsgeschichte. Die normale Bürgerliche Ordnung übersähe, was in den Tiefen der Seelen vorgeht, die sich zu Straftaten hinreißen lassen. Darin fühlte er sich von Friedrich Schiller bestätigt, der ähnliche Gedanken geäußert hatte. Schon das vor ihm 1813 geschaffene Bayrische Strafgesetzbuch zeichnete sich dadurch aus, dass es von der Überlegung ausging, dass die Androhung von Strafen auf potentielle Straftäter abschreckend wirken können, und sein Grundsatz: „Kein Strafe ohne Gesetze“ hat bis heute seine Gültigkeit.

Feuerbach wurde 1775 bei Jena geboren, lehrte dort, in Kiel und Landshut als Professor an der Universität. 1806 trat er in das bayrische Justizdepartment in München ein. Unter seiner Mitwirkung wurde 1806 in Bayern die Folter abgeschafft. 1808 wurde Feuerbach Mitglied des Staatsrates und zum Ritter erhoben. Vermutlich hängt sein plötzlicher Tod im Mai 1833 mit seinem Schützling Kaspar Hauser zusammen, der auch im gleichen Jahr durch einen Mordanschlag starb.


68 Der Tod Feuerbachs wurde durch Vergiftung herbeigeführt.

Anselm von Feuerbach Aus: Anna Schiener, „Der Fall Kaspar Hauser“ Seite 23 (…) „Die Jurisprudenz war mir von meiner frühesten Jugend an in meiner Seele zuwider.“ (…) „Auf Geschichte und besonders Philosophie war ausschließlich meine Liebe gerichtet. (…) Die Jurisprudenz wurde mir alsbald minder unangenehme, weil ich einmal wusste, das ich sie liebgewinnen müsse.“ Im Jahr 1801 erhielt er eine außerordentliche Professur der Rechte in Jena, folgte dann einem Ruf nach Kiel, 1804 ging er nach Landshut, um einen Entwurf zu einem bayerischen Strafgesetzbuch auszuarbeiten, er setzte sich für die Abschaffung der Folter ein, entwarf ab 1807 ein bürgerliches Gesetzbuch für Bayern, wurde 1814 zum 2. Präsidenten des Appelationsgerichts in Bamberg und schließlich am 18. März 1817 zum ersten Präsidenten des Appelationsgerichts in Ansbach ernannt. (…) „Feuerbach hatte seine Ehefrau verlassen, die zusammen mit den drei Töchtern in Bamberg blieb. In Ansbach lebte er mit der verheirateten Nanette Brunner und deren Söhnen Eduard und Anselm zusammen. (…) Der (…) Feuerkopf – von sich sprach er als „Vesuvius – war ein Theoretiker der Rechte, und kein Praktiker. (…) Sein Privatsekretär schrieb: „Feuerbach hatte nie der Praxis gelebt, er hatte weder als Untersuchungsrichter, noch als Richter der 1. Instanz, weder das Volk noch die mannigfaltigen Schwierigkeiten der Führung der Untersuchung kennen gelernt.“ (…) „Zu dieser Zeit war Feuerbach, der als Begründer der modernen deutschen Strafrechtslehre gilt, mit seinem Werk „Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen“ beschäftigt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er sich für Hausers Schicksal und das an ihm vermutlich begangene Verbrechen besonders interessiert. Er traf den jungen Mann „barfuß, mit einem paar alten, langen Beinkleidern begleitet, übrigens bloß im Hemde an“(…)

Feuerbach der Menschenkenner? Nicht ganz. Denn es gelang Lord Stanhope, Es gelang ihm, „(…) sich des uneingeschränkten Vertrauens Feuerbachs, eines ansonsten unbestechlichen Menschenkenners, zu sichern, was am anschaulichsten dessen Widmung in seinem Buch „Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen“ belegt.“ Er hatte sein Vertrauen dem Falschen geschenkt und das sollte ihn sein Leben kosten.


69 Von Ass. jur. Jürgen Seul: „Im Mittelpunkt von Feuerbachs kriminalwissenschaftlicher Betrachtung stand von Beginn an die psychologische Erforschung des Verbrechens. Die Geschichte einzelner Verbrechen, so Feuerbach, öffnet "in der Verfolgung und Darstellung des geistigen Entwicklungsprozesses strafwürdiger Handlungen eine reiche Fundgrube der Menschen- und Seelenkenntnis und arbeitet dadurch allen jenen Wissenschaften vor, welche entweder den menschlichen Geist unmittelbar zu ihrem Gegenstand oder auf denselben nah oder fern eine Beziehung haben." Selbst manche Vorgänge in der Welt- und Staatengeschichte würden erst dann verständlich, wenn man "für den Charakter und die Triebfedern manches ihrer Helden in den Annalen der Kriminalgerichtshöfe den rechten Schlüssel gefunden hat."


70 Kurzfassung Astrologisches Persönlichkeitsprofil für Anselm von Feuerbach 14. November 1775, Hainichen

Ihre dominanten Planeten „Untersuchungen des französischen Forschers Dr. Michel Gauquelin haben ergeben, dass die dominanten Planeten im Horoskop die Berufswahl massgeblich beeinflussen. Als dominante Planeten gelten beispielsweise jene Gestirne, welche zum Zeitpunkt der Geburt am Himmel aufgehend, untergehend oder an der Himmelsmitte stehen.

Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Beziehungen, die auf gegenseitigem Verständnis, Zuneigung und Rücksicht beruhen. Ihre Sympathie und Zärtlichkeit zeigen Sie ganz offen, und Sie besitzen auch eine grosse Verführungsgabe. Dies braucht jedoch nicht auszuschliessen, dass Sie sich gegenüber Rivalen kämpferisch und aggressiv geben können. Wenn ein Vertrauensverhältnis zerstört wird, so kann sich Ihre Anpassung in Härte und Kampfgeist wandeln.

Die weiche, sentimentale Seite steht bei Ihnen im Vordergrund, sodass Sie sich allzusehr mit Nahestehenden identifizieren könnten, wenn Sie daneben nicht auch ein starkes Bedürfnis nach Selbstbestätigung empfänden. Sie sind jedenfalls sehr grossmütig und grosszügig, und Ihre Aufopferungsbereitschaft, sowie Ihr Verständnis gegenüber Ihren Mitmenschen sensibilisieren Sie für Ideale von mystischer Bruderschaft und Zusammengehörigkeit. Es besteht daher die Gefahr, dass Sie sich ab und zu in Tagträumereien und Luftschlössern verlieren. Durch Ihren gesunden Menschenverstand können Sie diese Tendenz jedoch dämpfen.

Man könnte Sie als 'versöhnlichen Choleriker' bezeichnen, der sehr gefühlsmässig reagiert und extrem vielfältige Launen an den Tag legt. Sie leben im Moment und kümmern sich, wenn Sie sich wohlfühlen, wenig um die Zukunft. Sie können sehr hilfsbereit sein, denn es ist Ihnen wichtig zu gefallen. Da Sie dazu neigen, andere Menschen zu idealisieren, dürften Sie auch häufig Enttäuschungen erleben. Fühlen Sie sich jedoch betrogen oder ausgenutzt, können Sie sehr wütend werden, da sich hinter Ihrer ungezwungenen Freimütigkeit eine reizbare Sensibilität verbirgt, deren Heftigkeit nicht unterschätzt werden sollte.

Ihre Sinnlichkeit ist äusserst stark, und es liegt Ihnen daran, möglichst alle Ihre emotionalen und sinnlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Ihre Sinnenfreudigkeit kann sich aber auch auf künstlerischem Gebiet manifestieren, was sich etwa in einem ausgeprägten Sinn für Klänge, Farben und Formen zeigt. Konflikte und Probleme entstehen zwischen Ihrem starken Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung und demjenigen nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Ihre Gefühlsbindungen schränken Ihre Abenteuerlust


71 daher etwas ein, doch kann Sie dies manchmal auch stören. Sie sind gegenüber den Bitten Ihrer Umwelt ab und zu fast allzu empfänglich, sodass es Ihnen schwer fallen kann, in Ihren Gefühlen Ordnung zu schaffen.

Wenn Sie sich eine gewisse Disziplin aneignen, so können Sie Ihren Elan, Ihren gesunden Menschenverstand sowie Ihre Freude an repräsentativen Funktionen in den Dienst einer guten Sache stellen - vorausgesetzt, dass die hierarchische Struktur an Ihrem Arbeitsplatz nicht allzu streng ist. Andernfalls könnten Sie von Ihren romantischen Leidenschaften hin- und hergerissen werden und vergeblich nach einem Gleichgewicht suchen. Am besten können Sie sich wohl in einem Bereich verwirklichen, wo Ihre geistige Weltsicht zur Geltung kommen kann.

16.50h (nachmittags) Ihrer Konstellation zeigen ein starkes Bedürfnis nach Zärtlichkeit und engen emotionalen Bindungen, da Ihr Gefühlsleben sehr intensiv ist. Daneben besitzen Sie aber auch sehr eigenwillige Tendenzen. Menschen gegenüber, die Sie schätzen und lieben, zeigen Sie sich sehr anpassungsfähig und entwickeln bald einen gewissen Beschützerinstinkt. Zu anderen Zeiten zeigen Sie sich jedoch stark reizbar und eigensinnig. Dieses Verhalten steht im Zusammenhang mit Ihrem ausgeprägten Individualismus und dem Bedürfnis nach einem eigenen Bereich, zu welchem Sie andere nicht zulassen.

Sie lassen sich stark von Ihren Sympathien und Antipathien lenken und können recht extrem auf Verletzungen reagieren. Manchmal halten Sie Ihre Aggressionen auch zurück oder stauen Sie an und neigen in der Folge zu Groll oder Bitterkeit. Sie sind ungern bereit, Dinge, die Ihnen wichtig sind, mit anderen zu teilen, obwohl Sie in Anfällen von Grosszügigkeit versuchen, Ihr Festhalten am Besitz und Ihre Angst vor dem Zukurzkommen zu überwinden. Wenn Sie sich in eine Beziehung einlassen, erwarten Sie ungeteilte Zuneigung und können reserviertes Verhalten nicht verstehen. Da Sie sich schnell ausgeschlossen, ungeliebt oder unverstanden fühlen, besteht die Gefahr, dass Sie sich in eine Aussenseiterrolle manövrieren, um einer allfälligen Enttäuschung zuvorzukommen. Sie sind für Gefühle der Angst und der Unzufriedenheit sehr empfänglich, und es bereitet Ihnen Mühe, damit fertigzuwerden. Mit Ihrer Dynamik und Energie, Ihrem Ehrgeiz und Mut können Sie sich aber aus diesen Schwierigkeiten befreien.

Ihr Kontaktverhalten ist eher widersprüchlich. Einerseits brauchen Sie die anderen, damit diese Ihre Originalität bewundern, und Sie sind auf ein Gefolge angewiesen, das von Ihnen ebenso überzeugt ist wie Sie selbst. Trotz Ihres Sinnes für gesellschaftliche und moralische Hierarchien und für Ordnung überhaupt, sind Sie jedoch ein ausgesprochener Individualist, der seine Ziele manchmal fast fanatisch verfolgt.


72 Konflikte entstehen zwischen Ihrer bequemen Seite, die Erfolg und äusseren Glanz liebt und Ihrer etwas kalt wirkenden, gespannten und manchmal aggressiven Art. Ihre Toleranz steht im Widerspruch zu Ihrem betonten Stolz und dem Misstrauen, das sehr schnell Ungerechtigkeit oder Feindseligkeit wittert.

Wenn Sie eine gewisse Disziplin entwickeln, so können Sie Ihr Führungs- und Organisationstalent in einer Institution oder Organisation für höhere Ziele einsetzen, und Ihre Freude an repräsentativen Funktionen kann Ihren Ehrgeiz anspornen. Dann können Sie Ihre Umwelt durch Ihre guten Einfälle sowie Ihre Entschlusskraft überraschen und Aufgaben anpacken, vor denen andere zurückschrecken. Gelingt es Ihnen jedoch nicht, Ihre Kräfte so zu kanalisieren, müssen Sie damit rechnen, dass sich diese in Ihrem Innern manifestieren, und Sie müssten mit einem aufgewühlten Innenleben rechnen.“


73 Kapitel: Anselm von Feuerbach, der Kantianer, Georg Friedrich Daumer, der Hegelianer

Der Widerspruch ist das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes. Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Ich habe in meiner Biografie ausführlich über Anton Mesmer geschrieben und erst Ende September 2014 erfahren, dass Kaspar mit dem Magnetismus von Mesmer oftmals nahezu geheilt, dass seine Beschwerden zumindest gelindert wurden und das war bei seiner sensitiven Konstitution tatsächlich etwas Außergewöhnliches. Ich habe ferner über alle großen Philosophen geschrieben, auch gerade über Kant und Hegel, um noch nichts von der Diskrepanz Anselm von Feuerbach, der ein Kantianer war, zu Daumer zu wissen, der in seinen jungen Jahren sogar Schüler Hegels gewesen ist. Er besuchte Vorlesungen von Schelling in Erlangen. Ich sprach in der Biografie von den Himmelsgestirnen und seinen Trabanten, um Jahre später in Feuerbachs Buch nachzulesen, dass „der prägende Einfluss dieser Gestirne ebenso unverkennbar bleibt wie der Schillers und Reinholds in Jena auch Feuerbach.“ Feuerbach ist der Jurist und Kantianer, Daumer der Geisteswissenschaftler und Hegelianer. (…) „Der alte Streitpunkt was dem Juristen und Kantianer missfällt, ist dem Geisteswissenschaftler und Hegelianer Bedürfnis.“

Vor diesem philosophischen Grundüberzeugungen Feuerbachs und Daumers wird deutlich, dass ich, AntjeSophia Lachenmayr, in diesem 21. Jahrhundert beide Strömungen der Herangehensweise, nämlich die mehr forschende kristalline, auf kriminalistische Fakten stützende Feuerbachs, welche den wissenschaftlichen Impetus verfolgt und den mehr auf Beobachtungen der sich veränderten Wesensmerkmale stützenden Eindruck

Daumers,

versuche

zusammenzuführen.

Seine

Vorgehensweise

stützt

sich

auf

die

Phänomenologie, auf Beobachtung und das Rosenkreuzertum. Für diese beiden Strömungen versuchte ich durch „Führung von oben“, wie ich sie seit 2011 bezeichnete, eine Synthese zu schaffen, sowohl in meiner Biografie als auch im Kaspar Buch, um am Anfang des Jahres 2014 Mosaikstein für Mosaikstein den „aller merkwürdigsten aller merkwürdigen Kriminalprozesse, dergleichen in Jahrtausenden vielleicht nicht ein einziges Mal vorgekommen“ zusammenzufügen, um in diesen Kriminalprozess ein kleines, schwaches Wahrheits -Licht zu werfen. Denn ganz offensichtlich bin ich nicht nur in der Lage, mich an jeden Tag meiner Vergangenheit, bis nahezu meiner Geburt im Jahr 1974 zu erinnern, sondern auch an eine mögliche letzte Inkarnation im 19. Jahrhundert, wie es sogar in einem Horoskop für Mai 14, nochmals kennzeichnend durch eine „Bewusstseinserweiterung“, beschrieben wurde. (…) „Gibt es wahrscheinlich Verzerrungen und Verfälschungen. Er (Daumer) war nicht der Träumer. Und seine eigene Ausdrucksfähigkeit war, gelinde gesagt, unvollkommen. (…) Feuerbachs Schrift ist dagegen (…) literarisch durchgearbeitet und geformt.


74 (…) Feuerbach ging es vor allem darum, ein Verbrechen aufzuklären und eine Ungerechtigkeit wieder gut zu machen.“ (…) „Ihn (Daumer) verblüffte die Unschuld dieses Jungen, seine Kindlichkeit und Lauterkeit.“ (…)“ Die jüngsten dieser mehr als hundert Notizblätter sind auf 1830 datiert. (…) Alle tragen den Stempel der Wahrheit unverkennbar in sich (Daumer erscheint hier keineswegs als der „Phantast“ als der er verrufen ist) und ich glaube, dass diese Notizen die Überzeugung Feuerbachs von der „Wahrheit“ Hausers endgültig befestigt haben.“(…)“ Diese Tatsache verleiht dem Daumerschen „Urmanuskript“ neben höchster Glaubwürdigkeit und Authentizität von vornherein die Qualität der ungefilterten historischen Quelle. (…) „Daumer war in jungen Jahren Schüler Hegels (Hegels Geburtstag 27. August, einen Tag nach AntjeSophia) am alten Lyzeum in Nürnberg gewesen. Als Student besuchte er auch dessen Vorlesungen und die Schellings in Erlangen. Der prägende Einfluss dieser Gestirne bleibt ebenso unverkennbar wie der Schillers und Reinholds in Jena auf Feuerbach. Reinhold, der Jena zu einer Hochburg der Kantschen Philosophie gemacht hatte, war 2 Jahre lang Feuerbachs Lehrer, ehe 1794 der Lehrstuhl an Fichte ging. Feuerbach erlebte beindruckt den Atheismusstreit von 1799, indem er leidenschaftlich Partei gegen Fichte bezog, der noch im selben Jahr das Feld räumen musste. Daumer war in jungen Jahren Schüler Hegels. Daumer ist der geborene Hegelianer, Feuerbach der Kantianer. (…) Dieser biographische Hintergrund ist einzubeziehen, wenn Feuerbach hinsichtlich der Daumerischen Notizen die Befürchtung äußert, „dass die hegelsche Philosophie dabei all zu laut das Wort führen möge.“

Das gegenseitige Verhältnis von Daumer und Feuerbach bleibt Zeit ihres Lebens vom Diskurs der Positionen bestimmt und so kann es nicht weiter verwundern, dass Einsichten über Hauser vor dem Hintergrund der jeweiligen philosophischen Grundüberzeugungen zu bestehen haben. (…)“Mit welch wissenschaftlichem Impetus Feuerbach die Sammlung zu befördern gedenkt, erhält seine Antwort vom 10. Dezember 1828 an Tucher: „Teilen Sie mir doch alles – alles mit, es ist hier nichts zu klein, was nicht bedeutend wäre. Wenn Sie und Daumer und wer sonst noch dazu geneigt ist, zu beobachten und mit Geist zu untersuchen fortfahren, so wird Kaspar eine Fundgrube für die Menschheit und die Gerechtigkeit findet und erreicht noch die Seelenmörder, die sie sucht. Wie außeramtlich, so amtlich behalte ich diesen Gegenstand fest im Auge.“ (…)“Dass er nicht so bald in die plumpen Hände amtlicher Tagwerker oder gedankenloser Philister gerate, die alles verderben könnten und würden, dafür habe ich bisher gesorgt und werde, soviel an mir liegt, noch ferner sorgen.“


75 Kapitel: Die Epoche der Aufklärung – Kant und Hegel

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Immanuel Kant

Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Immanuel Kant – eine Gegenüberstellung

Über Europa war die Welle der Aufklärung gezogen, der deutsche Idealismus erhob seine Stimme und begeisterte die jugendlichen Seelen und Emanuel Kant wurde als Bringer des großen Erkenntnisfortschritt gefeiert. So bewegte sich das 18. Jahrhundert in das 19. Jahrhundert hinein. Hegel, als der wohl bedeutendste Vertreter des Idealismus, stand mit seiner Philosophie in einigem Widerspruch zu Kant. Zwei Menschen, die in besonders naher Beziehung zu Kaspar Hauser standen, waren Professor Friedrich Daumer und der Gerichtspräsident Anselm von Feuerbach. Daumer war Hegelianer Und Feuerbach Kantianer. Vor diesem Hintergrund soll einmal die Gegensätzlichkeit von Hegel und Kant angeschaut werden. Dabei ist es so, dass Hegel sich schon in jungen Jahren für Kant begeistert hat. Kants Philosophie regt ihn zur eigenen philosophischen Arbeit an. Er geht aber dann seine ganz eigenen Wege in der Logik des Denkens. Er sieht dass die Dialektik nicht ein abstraktes Muster des Erkenntnisvorganges ist, sondern dass die Wirklichkeit der Welt in der dialektischen Struktur lebt, deshalb kann man die Welt eben dialektisch verfassen. Das Leben selbst vollzieht sich in These, Antithese und Synthese. So wie der Mensch in seiner ureigensten Tätigkeit verfährt, wenn er liebt, so ist er der Liebende zu dem geliebten Wesen bezug suchend als These. Dann verliert er sich selbst in dem geliebten Wesen, ist mehr das geliebte Wesen, als er selbst, ja er steht sich selber gegenüber. Damit bildet er die Antithese. Um dann in der Verbindung dem anderen, geliebten Wesen mit sich selbst wieder zu einer neuen Einheit zu erstehen, also ein Finden in der Synthese. Und so sieht er auch die Welt des göttlichen, die die Welt, die Natur erschaffen hat und in ihr schafft und sich in ihr verliert und sich dann neu findet, verliert und findet in dem Dreischnitt von These Antithese und Synthese und sich selber als Wesenheit in stetem Werten entwickelt. Solche Gedanken wären Kant fremd gewesen.

Er sieht im Denkenden erfassen der Welt keine Möglichkeit aus der Subjektivität heraus zu kommen. Nur als Handelnder kann er sich zu Objektivem erheben. Er kann, über alle rationalen Erwägungen hinaus, Gewissheit erlangen über das, was er tun soll, nicht was seiner Willkür und Laune entspricht, sondern was der sogenannte kategorische Imperativ seiner Vernunft offenbart, dem er dann in Freiheit folgen kann.

Kant teilt also den Menschen in zwei sich widersprechende Hälften ein, aus denen er handelt, der eine Teil ist der empirische Teil mit seinen wertlosen Neigungen und der andere Teil ist das Vernunftbegabte eigentliche Selbst, das sich seiner Pflicht dem moralischen Gesetz gegenüber bewusst ist.


76 So ist für ihn der Mensch einerseits im Endlichen verhaftet, aber das Wesentliche seines Wesens gehört einem absolutem an. Zu diesem absolutem, das Geist ist, tritt er aber nicht in Denken in Beziehung. Das Denken schafft immer nur Bilder des Absoluten, taugt nicht, um wirklich in die Unendlichkeit des wahren Seins hinter den Dingen hinein zu tauchen: Ich erkenne immer nur meine eigenen Vorstellungen und kann von der Welt an sich nichts wissen. Nur in meinem sittlichen Handeln erhebe ich mich über mich zu wahrem Sein.

Für Hegel sieht das anders aus. Insofern, als für ihn die Kommunikation mit dem Absoluten durchaus im Denken liegt: Gedanke ist Geist. Im Denken hat der Mensch direkten Zugriff zur Geistwelt, ja im Denken ist der Mensch ein Teil der Geistwelt und das Weben und Leben im Gedanken ist ein geistiges Weben und Leben außerhalb der Endlichkeit, außerhalb bedingter Subjektivität – wie es Kant sieht.


77 Kapitel: Alkoholentzug am Bodensee- zweite Nahtoderfahrung und Einsichten über Feuerbachs Es ist unglaublich, wie viel Kraft die Seele dem Körper zu leihen vermag. Wilhelm von Humboldt

Es gibt keine Zufälle, wie wir wissen. Alles folgt einer höheren Bestimmung und Gesetzmäßigkeit, einer Zahlenlogik und ihren Rhythmen. „Die Welt ist Zahl“ kann sich an meinem Schicksal in herausragender Weise bestätigt finden. Mein Schicksal wollte es, dass ich meine erste Nahtoderfahrung in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 2014 in Berlin erleben sollte, auf den Tag sieben Monate und 186 Jahre nach der tödlichen Verwundung Kaspar Hausers im Ansbacher Hofgarten. In meinen Zahlenrhythmen schrieb ich von der Bedeutung der Zahl „15“ und „18“ in meinem Leben, die sich unentwegt in einschneidenden Erlebnissen und Ereignissen wiederholen. So sehe ich auch eine gewisse Bedeutung in der Zahl „186“ mit der Quersumme „15“ und ebenso in der Tatsache, dass sich das Jahr 2014 in kongruenter Weise hinsichtlich derselben Wochentagskonstellation mit dem Schaltjahr 1828, dem Jahr von Kaspars Erscheinen in Nürnberg, spiegelt. (…) „In Berlin hat inzwischen der alte Freund und Kollege Julius Hitzig, Kriminalist, Verleger und Schriftsteller, Freund Clemens Brentanos, wie Lanz und Chamisos, Gründer der Zeitschrift für die preußische Kriminalrechtspflege und der Annalen für deutsche und Ausländische Kriminalrechtspflege, Feuerbachs Brief vom 15. Mai 1830 empfangen, indem der wie vom Schicksal bestellte Schützer Worte seltener Größe und Eindringlichkeit findet, wenn er Hitzig „über den aller merkwürdigsten aller Merkwürdigen Kriminalprozesse“ berichtet, „dergleichen in Jahrtausenden vielleicht nicht ein einziges Mal vorgekommen, über meinen Lieben, wunderbar rätselhaften Findling Kaspar Hauser.“ (…)“die mir Ihr herrliches Schreiben vom 15. Mai ans Herz legt. Wieviel Zeit, dachte ich, geht über das Abgeben des schriftlichen Gutachtens wegen der besten Einleitung der Sache, das doch am Ende nur darauf hinauslaufen kann: Feuerbach muss darüber laut vor ganz Europa sprechen!“ -

Ein göttliches Wesen hatte mir in der Nacht meiner ersten Nahtoderfahrung diffuse Anweisungen gegeben über den Verlauf der folgenden Zeit. Diffus dahingehend, dass er mir sagte, ich solle noch sieben Infusionen entgegennehmen und dann nach vorne gehen und nicht mehr zurückblicken. Es würde nochmals ein sehr gravierendes Ereignis, ein Einschnitt auf mich warten, zu gegebener Zeit würde ich es erfahren.


78 Und so war es auch: Ohne noch an seine Worte zu denken, brachten es die unerträglichen Umstände in meinem Umfeld mit sich, dass ich mein ganzes restliches Hab und Gut zusammenpackte und mein Obdach, das ich nach dem Verlust meiner eigenen Wohnung bei einer Bekannten bezog, verließ, wohlwissend, dass ich nun ohne Hülle und Heim im namenlosen Nichts herumirren würde, um meine Aufgaben noch zu vollenden. Ich hatte bis zum 22. Mai tatsächlich noch sieben Infusionen bekommen, als ich endgültig alle Zelte abbrach.

Doch die wenigen Tage vor meiner Abreise zum Bodensee verbrachte ich bei David in der nächtlichen, hellsichtigen Gewissheit, dass jener 26. Mai im Jahr 1828 der Tag gewesen, an dem Kaspar Hauser am Pfingstmontag, nach 12 jähriger Gefangenschaft bei Wasser und Brot im Kerker, erstmalig und einmalig in das Weltgeschehen in der Stadt Nürnberg gemengt wurde, ohne Sprache, ohne menschliche Anbindung. An diesem Tag, am selben Wochentag, nämlich einem Montag, hatte mich im Schlosspark ein gewaltiger Schlag und Herzschlag, wie ich ihn fühlte, zu Boden gestreckt, um mich eine Stunde im Lärm und zwischen dem Vibrieren eiliger Menschen, halbtot liegen zu lassen. Ich hatte drei Tage keine Flüssigkeit und Infusionen bekommen, kaum Nahrung zu mir genommen und wollte meine weitere Biographie - Fortsetzung noch schnell zur Post bringen, als ich fast ohnmächtig zusammenbrach, als mein Herzschlag wieder aussetzte, oder zu rasen begann, wie ich es schon einmal vor 11 Tagen in Berlin erlebt hatte. Noch immer war ich der Sprache nicht mächtig und glaubte wieder, nun mein Leben in diesem Park beenden zu müssen. (…) „Am 26. Mai 1828 am Pfingstmontag kam Kaspar Hauser nach Nürnberg, am 14. Dezember 1833 erfolge das Attentat mit nachfolgendem Tode Hausers im Hofgarten zu Ansbach. (…) Feuerbach, der scharfsinnige Jurist, musste aber vorher beseitigt werden. Der zweite Pfingsttag – so fängt das Buch Feuerbachs über Kaspar Hauser an, das im Januar 1832 erschienen ist.“

In dumpfer Vorahnung erfuhr ich an jenem Montag, dass mich drei Tage später ein weiterer Schlag und gleichzeitig ein Zeichen ereilen sollte und so beeilte ich mich, das Schreiben an meiner Biographie fortzuführen, unentwegt mit Gott in Verbindung zu bleiben, der mich zu jedem weiteren Schritt anleitete, mich sogar vor zwei wirklichen Gefahren bewahrte, weil ich seine Zeichen zu deuten wusste und er sagte mir ebenso unentwegt: „Blicke nicht zurück, gehe nach vorne weiter, kehre nicht mehr in den alten menschlichen Rahmen zurück, er bindet und bündelt nur deine letzten Kräfte.“ Immer wieder hörte ich denselben Satz und so begab ich mich am folgenden Mittwoch, den 28. Mai auf die Reise zum Bodensee. Auch ein Hotel ward gefunden und als wir uns schon im Zimmer zur letzten Nacht niederließen, fühlte ich einen ähnlichen Herz – Schwächeanfalls als am Montag zuvor und ich bat David, meinen Bruder Johannes


79 anzurufen, weil ich der Sprache noch nicht mächtig war und immer in dem Bewusstsein und Gefühl lebte, als habe meine letzte Stunde geschlagen. Ich erfuhr erst Monate später, dass mein Herz zum einen Zellschaden davongetragen hatte in der Nacht meiner Nahtoderfahrung in Berlin, zum anderen litt ich an einem Mitralklappenprolaps mit Insuffizienz und zu guter letzt erfuhr ich am 29. September 2014 von einem Hellseher und Handlinienleser, dass in meiner Hand tatsächlich ein „Lebensabbruch“ sichtbar sich abzeichnete für diesen Zeitraum und Rahmen meines gefühlten Todes im Mai desselben Jahres. Ob ich unbewusst – bewusst noch eine weitere Möglichkeit, dem Leben noch einmal die Hand, meine letzte, zu reichen, nicht unversucht lassen wollte, um zu erfahren, ob das Leben bei meinem Bruder nicht eine neue Hoffnung für mich bereithalten könnte, oder ob ich einfach nur an einem friedlichen, friedvollen Ort, dem letzten Bestandteil meiner Familie, die mir noch geblieben, nämlich meinen beiden Brüdern und ihren Familien, meine Augen schließen wollte, - ich weiß es nicht.

An jenem Abend wusste ich jedoch hellsichtig, hellfühlend, dass tatsächlich auch mein natürliches Ende, mein Abschied von dieser Welt in greifbare Nähe gerückt war, denn was sich nach der letzten, zwar kurzen, aber ruhigen Nacht bei meinem Bruder auf den Donnerstag zu Christi Himmelfahrt ankündigte (am 29.Mai 2014), brachte mich an meine Grenzen des physisch und somit auch seelisch Ertragbaren. Und auch wenn ich durch Kliniken und Ärzte schwer traumatisiert wurde und keine Klinik mehr betreten kann, um lieber einen Magendurchbruch zu erleiden, als mich einweisen zu lassen, diese gerade nächtlichen Folterfahrten in den Abgrund des immer wiederkehrenden Herzstillstandes, des Kreislaufkollaps trieben mich zwei Abende später in die Arme eines Notarztes, der mich gegen Mitternacht bei meinem Bruder abholte.

Gott hatte es mir am 26.5. schon zu verstehen gegeben, zumindest sprach er unentwegt seit dem 14.Mai mit mir, dass ich am 26.Mai und an Christi Himmelfahrt, den 29. Mai ein gewaltiges Zeichen erfahren werde, welches die Richtung der nahen Zukunft, auch bis zur Fertigstellung meiner Bücher vorgeben würde. Die Zeichen würden jedoch auch von der Richtigkeit und Wahrheit, vor allem Wichtigkeit meiner beiden Bücher zeugen. Ich konnte es mir nicht erklären und doch hatte ich die Erfahrung gemacht, dass alles, ohne Ausnahme zutraf, was mir eine göttliche Macht prophezeite, eingab, wie sie mich leitete, dass es sich hinterher als richtig erwies, so es nachgeprüft werden konnte. Und immer wieder war ich in Zwiegesprächen mit Gott, so auch an diesem 28. Mai 2014. Ich ging zum Grab meiner Mutter, ich bat sie, mir zu helfen, mir beizustehen, mir mitzuteilen, wie ich diese Hölle überleben kann, denn es zeigte sich, dass ich den Alkohol nicht mehr vertragen konnte, dass sich eine beginnende Leberentzündung anbahnte und dass ich doch zumindest intuitiv fühlte, dass mich ein Entzug im


80 Zustand der Auszehrung, der Austrocknung dahinraffen würde. Oder mich wieder in Zwischenreichen zwischen Leben und Tod hängen lassen würde. Als ich die Entscheidung getroffen hatte diesen Folternächten ein Ende zu bereiten, bat mich Johannes noch einmal zurück zu kehren und wieder hörte ich Gottes Stimme, dass ich gegen 23:00 Uhr an diesem Abend ein Zeichen bekommen würde. Johannes hatte einen anderen Fahrer geschickt der uns abholen sollte. Er kam zu spät, verfuhr sich noch, so dass wir erst sehr spät bei Johannes eintrafen. Johannes kam noch zu mir und führte einen liebevollen „Monolog“, da ich der Sprache noch nicht mächtig war, ein sehr schönes erlösendes Gespräch, auf das ich noch gewartet hatte, seit Jahren im Grunde. Er sagte mir auch, dass ich nun schon fast das doppelte an meiner Lebenszeit geschafft habe, als im letzten Leben als mögliche Inkarnation des Kaspar Hauser und dass er glaube, ich gehe bewusst und geistesklar über die Schwelle in die andere Welt würde und dort kräftig mitwirken, die Erde mehr und mehr zu erhellen, um sie lichtvoller und wahrer werden zu lassen. Gegen 24:00 Uhr sagte er, dass der 28. Mai nun schon fast vorbei sei, worauf ich ihn schriftlich auf die Zeitumstellung aufmerksam machte, es sei eigentlich erst elf Uhr. Schriftlich aus dem schon erwähnten Grunde, dass ich über fast 7 Wochen der Sprache durch den Alkohol nicht mehr mächtig war. Nicht ein einziges Wort vermochte ich zu sprechen, nur zu schreiben. Am 26. Mai hatte ich ein einziges Erlebnis in der Praxis meiner Ärztin gegen 22 Uhr, das mich für fast 20 Minuten wieder sprechen ließ. Erst am 29. Mai fand ich meine Sprache wieder. Als ich gerade am Einschlafen mich befand, gegen 0:45 Uhr, ich hatte auf den Alkohol verzichtet nach einem ganzen Jahr, begann ein gewaltiger Schüttelfrost meinen Körper zu peitschen, der mich neben Muskelzittern und Krämpfen über drei Stunden in den Klauen hielt, während mein Herz immer wieder aussetzte. Wir wissen, dass jeder Vollrausch zum Tode führen kann und ebenso ein kalter Alkoholentzug, der unter keinen Umständen ohne ärztliche Begleitung durchgeführt werden sollte. Ich wusste es damals nicht, zum Glück. Ich erlebte nur eine gewaltige Erschütterung meines Daseins, meiner Seele, meines Körpers. Ich war alleine, nur Daniel lag schlafend neben mir und erlebte nur in kurzen Momenten meinen Kreislaufkollaps. Es waren Todesqualen und –Krämpfe, wie ich sie schon ein Mal in der Jointnacht und in abgeschwächter Form nochmals am Montag, den 26. Mai erlebt hatte, um doch nicht sterben zu können. Doch dieses Mal war ich mir meines Todes sicher, obwohl mir damals nicht bewusst war, dass ich einen kalten Alkoholentzug in dieser Nacht durchstand, ohne Klinik, ohne ärztliche Betreuung, ohne menschliche Begleitung, weil sich niemand dieser Tatsache bewusst war und so und schrieb noch einiges auf einen Zettel, weil ich der Welt noch meine Erfahrungen dieser Nacht mitteilen wollte.


81 Approximativ wurden mein Bruder und Daniel Zeuge dieser Nacht und Daniel glaubte abermals nicht, wie ich selber und wie auch die beiden Begleiter in Berlin, dass ich ihn überleben kann. Ich lag in Todeskrämpfen: Mein ganzer Körper wurde geschüttelt, im Schüttelfrost und in Krämpfen, obwohl es warm war. Über drei Stunden beutelte und schüttelte es mich ohne Unterbrechung und während ich davor „glühte“, also hohes Fieber hatte, so wechselte die Körpertemperatur über die gesamte Nacht im Minutentakt, unentwegt in Richtung Untertemperatur, um wieder,- glühend, - fast zu verbrennen. Ich hatte Magenkrämpfe und Nervenschmerzen, war jedoch absolut bewusstseinsklar. Ich hatte einen schweren Kreislaufkollaps. (…) „Weil der Präsident sich kalt fühlte. Allein dieses Kältegefühl verbunden mit Unwohlsein war bereits eine Krankheitserscheinung, die immer erst nach einiger Zeit eintritt.“ In diesen nicht mehr enden wollenden und qualvollen Stunden erfuhr ich, dass Anselm von Feuerbach, der Gerichtspräsident durch seine Vergiftung dieselben Symptome zeigte, wie ich sie nun durchleiden musste, als von unwissender, oder wissender und absichtlich vertuschender Seite behauptet wurde, Feuerbach sei nur einem Schlaganfall erlegen. Nein, Gott teilte mir in dieser Nacht mit, dass Feuerbach vergiftet wurde und qualvoll über einige Monate und Jahre in dieser Weise abbaute, um am Ende schweren Krämpfen zu erliegen.

Ich bekam das Buch über Kaspar Hauser vier Monate später, kurz vor meiner endgültigen Flucht über ein Jahr, auch durch „Zufall“ in die Hände: (…) „Feuerbach schrieb in seiner Krankheit, nachdem die Sprache in die ganze linke Seite bei vollem Bewusstsein bereits gelähmt, auch der Leib äußerst schmerzhaft und aufgetrieben war, mit Bleistift auf schmale Zettel (…) „Man hat mir etwas gegeben.“ (…) Er verschied am darauffolgenden Mittwoch den 29. Mai früh ein viertel zwei Uhr, nicht ganz 40 Stunden nach dem Genuss des Weins. (…) Den Familienangehörigen sagte der Arzt, dass es ein Gehirnnervenschlag war, das Gehirn war stark mit Blut überfüllt. Das Blut war ganz flüssig. (…) Zudem Magen und Darmreizung. (…) Die Arsenikvergiftung gehörte bis in die Anfänge dieses Jahrhunderts zu den häufigsten absichtlichen Vergiftungen. (…) In der Gerichtsmedizin als „König der Gifte“ bezeichnet, war dessen Existenz im Körper von Betroffenen lange Zeit nicht oder kaum nachweißbar, was ein entscheidendes Ermittlungshindernis und eine nahezu vollständigen Täterschutz darstellte. (…) Arsenikvergiftungen verlaufen akut mit plötzlicher Todesfolge und chronisch über Monate und Jahre andauernd. (…) Je nach Menge und Beschaffenheit des Giftes. Bei der akuten Arsenikvergiftung wird unterschieden die gastrointestinale Form und bei größeren Giftmengen die paralüdische Form, die mit einer Reizung des zentralen Nervensystems einhergeht.(…)


82 Frau Doktor Schwörer schreibt: „Mein Mann hält die Krankheit für eine gänzliche Erschöpfung (Zerstörung) des Nervenlebens, das jetzt alle Formen des Leidens durchmacht. Zuerst äußerte es sich durch teilweise Störung der Tätigkeit des Herzens, was furchtbare Bewegungen verursachte, ebenso in der Lunge – und jetzt in der letzten Zeit sind unverkennbar schon einige Male leichte Schlaganfälle erfolgt. (…) Er konnte momentan nimmer sprechen. (…) Was beides ihn in die disparateste Stimmung versetzte. (…) Ein herzzerreißender Anblick. (…) Denn die Nächte sind dem Kranken meist sehr qualvoll.“ „Nimmer sprechen“ vermochte auch ich nicht über 7 Wochen. Doch als die Sonne aufging an jenem 29. Mai 2014, als ich nach kurzem Schlaf erwachte, als dieses Erwachen auf Erden in meinem Erdenleib, in meinem Körper für mich unfassbar gewesen, da erhielt ich meine Sprache zurück. Doch davor glaubte ich mich abermals meinem Ende nahe und schrieb auf einen Zettel meine Erlebnisse für meinem Bruder Johannes nieder, was Gott mir mitgeteilt hatte, über alle drei Feuerbachs, die ihr Leben wegen Kaspar verlieren mussten und legte es vor meine Zimmertüre mit dem letzten Satz: „Ich gehe dem Sonnenaufgang entgegen!“

Wie unterschiedlich objektiv auch die Symptome einer Alkoholvergiftung und ihr Entzug mit einer akuten Arsenvergiftung sein mögen, sicher ist, dass mich ein höheres Wesen an den Qualen der drei Feuerbachs, die vergiftet wurden, teilhaben ließ, ohne dass ich zum damaligen Zeitpunkt von der Vergiftung wusste, weil ich mich nie mit dem Kaspar Hauser Schicksal beschäftigt hatte und dass mich dieses Wesen in drei aufeinanderfolgenden, sehr schweren, fast tödlich endenden Nächten bat, die Lüge um diese herausragenden und gewaltigen Schicksale und ihren grausamen Tod zu entfesseln und zu entlarven, um im Wahrheitslicht der zunehmenden Verdunkelung der Erde entgegenzuwirken. Auch sein Sohn wurde vergiftet und doch verkannten die Ärzte seinen Zustand, wie auch bei Kaspar und verschrieben ihm Brausepulver. Fahrlässigkeit, Ignoranz, Dummheit: (…) „Da es nicht besser wurde, schickte man um 9 Uhr zu dem Chirurgen (…) der ihm ein Brausepulver gab und erklärte die Sache habe nichts zu bedeuten.“ – (…)“ Feuerbach hatte eben ein größeres juristisches Werk vollendet, seit dem 13. September 1840 glücklich verheiratet, besaß er zwei blühende Kinder, ein Mädchen Elise von 1 ½ und einen Knaben Anselm von ¾ Jahren, auf den er besonders stolz war.“ (…) „Die Gift- und Dolchsprache ist eine sehr wirksame, auch hatte gerade die Regierung in Ansbach zu Genüge erfahren, dass in dieser Sache die Gerichte ohnmächtig sind.


83 (…) Die Arsenikvergiftung gehörte bis in die Anfänge dieses Jahrhunderts zu den häufigsten absichtlichen Vergiftungen. (…) In der Gerichtsmedizin als „König der Gifte“ bezeichnet, war dessen Existenz im Körper von Betroffenen lange Zeit nicht oder kaum nachweißbar, was ein entscheidendes Ermittlungshindernis und eine nahezu vollständigen Täterschutz darstellte. -

Anmerkungen zum Alkohol Alkohol ist eine psychoaktive Substanz (wie Cannabis), er bewirkt also auch eine Bewusstseinsveränderung, dazu birgt er die Gefahr einer starken körperlichen Abhängigkeit, das Suchtpotential ist daher höher als bei Cannabis. Eine große Rolle spielt dabei leider die legale Verfügbarkeit. Der Bestandteil Ethanol sorgt für die Ausschüttung von Dopamin („Glückshormon“) und wirkt auf den gesamten Hirnstoffwechsel und bringt diesen ordentlich durcheinander. Es kann zu Koordinationsstörungen und Sprachproblemen kommen, die sich bei mir sogar in großer, gewaltiger Ausprägung zeigte, denn ich war über sieben Wochen der Sprache nicht mehr mächtig. Ich vermochte nicht ein einziges Wort mehr zu sprechen, es war wie eine Lähmung in meinem Kopf. Nicht so im Denken, denn schriftlich konnte ich mich wunderbar verständigen und habe sogar in dieser Zeit die wertvollsten und wichtigsten Seiten in meinen Büchern hervorgebracht. – Jedoch kann Alkohol bis hin zu Schlaganfällen führen und Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen, wie es sich bei mir auch einstellen sollte. Ein einziger Rausch kann somit zum Tod führen. Und ich war jeden Abend bewusstlos.

Alkohol ist ein Zellgift, das in den Körperzellen eine giftige Wirkung entfaltet und im ganzen Körper wirkt. Besonders betroffen sind die Organe, die mit dem Abbau des Alkohols verbunden sind (z.B. Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse). Außerdem führt der tägliche Konsum zu einer Suchtentwicklung. Der Entzug muss medikamentös begleitet werden, - so steht es überall groß geschrieben, da die Gefahr sehr groß ist, dass der Süchtige an den Entzugserscheinungen stirbt (ähnlich wie beim Heroin). Diese wären: Übelkeit, Schlafstörungen, starkes Schwitzen, Zittern, Krampfanfälle, die bis hin zum Kreislaufkollaps bzw. Herzstillstand führen können.

Wichtig: Starke Alkoholiker sollten daher niemals auf eigene Faust entziehen. Ich konnte mich zum damaligen Zeitpunkt als einen starken Alkoholiker bezeichnen, denn ich vermochte nicht einen einzigen Tag auszusetzen, ohne ins „Schwitzen“ zu geraten, zudem habe ich unentwegt die höchsten Prozente mit Wein und etwas Bier kombiniert. Und doch war mir nicht bewusst, was mich in diesen Nächten ab dem 28. Mai 2014 erwarten sollte.


84 Die ganze Palette, die ich hier aufführte, mit Kreislaufzusammenbrüchen und Schüttelkrämpfen, Atemaussetzern, habe ich in den Nächten durchlebt und ich war am Ende alleine, - nur Daniel war immer wieder schlafend an meiner Seite. Er erwachte häufig und war erschütternd über meine körperlichen Krämpfe und Erschütterungen, konnte sich aber nicht mehr auf den Beinen halten und schlief immer wieder ein. Alkohol ist ein Zellgift – es greift praktisch jede Zelle des Körpers an und schädigt diese, auch werden Schäden in der DNA verursacht. Die empfohlene Menge liegt beim Mann bei 24 Gramm Alkohol täglich (entspricht zwei 0,3 Gläsern). Bei Frauen ist es ein 0,3 Glas Bier, also 12 Gramm Alkohol. In der Woche sollte es mindestens zwei alkoholfreie Tage geben. Ich hatte hohe Prozente durcheinander gemixt, mit Vodga, Wein und Bier.

In der Nacht des Entzuges schrieb ich an meine Familie und Freunde: Ich sende euch alle meine Liebe und gehe dem Sonnenaufgang entgegen. Es sollte ein anderer Sonnenaufgang auf mich warten und wieder sollte ich Recht behalten in dem, was ich schon vorab wahrnahm in hellsichtiger Weise. Auch hinsichtlich des möglichen Todeszeitpunktes hatte ich mich nicht geirrt und genau vier Monate später begab ich mich auf die letzte Reise zu meinem Bestimmungsort und einen anderen Sonnenaufgang, ausgelöst auch durch einen sehr bekannten Handlinienleser, der diesen Lebensabbruch auch in meiner Hand sah und bestätigte.

Ausklang vor einer neuen Epoche in die Autonomie –

Gefangen Im Glas steht tiefgebeugt die Rose. – Da draußen spielt der Sonnenschein und sendet mit den lichten Fluten den Abglanz seiner Glut herein. Ihr ist, als sei sie längst gestorben und läge lebend doch im Grab… Erzitternd fällt ein Wassertropfen wie eine Träne still herab… Stefan Zweig


85 Kapitel: Schuldlose Schuld oder Verstrickungen im System oder im allgemein Menschlichen

Die Götter wenden den guten Menschen gegenüber dasselbe Prinzip an wie die Lehrer bei ihren Schülern. Sie verlangen höhere Leistungen von denen, auf die sie größere Hoffnungen setzen. Lucius Annaeus Seneca

Nun sind das alles Ausgangsvorrausetzungen und Merkmale, die in einem Horoskop, oder in einem sehr treffenden Persönlichkeitsprofil hervorgehoben werden, welche ein Mensch mitbringt aus längst vergangenen Zeiten, in denen er sich etwas erarbeitet hat, oder Schuld auf sich geladen. Niemand ist frei von Schuld und sie muss ausgeglichen werden. Ich habe anfangs auch schon auf die „schuldlose Schuld“ Bezug genommen, die dennoch ausgeglichen werden muss in irgendeiner Form und die in manchem Schicksal eine gewisse Eigendynamik annimmt, wie wir es auch in den Hellinger systemischen Familienaufstellungen erfahren und erleben können, oder wie es Mc Kennet in seinem Buch „Familienschuld und Heilung“ mannigfaltig beschreibt. Ein einschneidendes Erlebnis, eine Christuserfahrung macht den Arzt Mc Kennet nachdenklich und er fragt sich, wer es gewesen war, der ihn zu einem bestimmten Ort geführt hatte, an dem er Schwerkranken helfen konnte? Gibt es doch geistige Welten, die in diese Welt unmittelbar eingreifen? Er erkennt, dass die weiße Gestalt Jesus Christus gewesen, der ihn geführt hatte. Was aber liegt seiner Ansicht nach oftmals diesen zumeist psychiatrischen Krankheiten zugrunde? Aus seinem reichhaltigen Erlebnis- und Erfahrungsschatz zeigen sich immer wieder dieselben Kausalitätsketten: Er beschreibt Fälle, wie sie auch Bert Hellinger beschreibt, „in denen sich die Folgen ungesühnter Schuld im Geflecht von Familie und Sippe oder im Leben von Menschen auswirken, die selbst schuldig wurden oder in enger Beziehung zu Schuldiggewordenen stehen.“ Er beschreibt, „dass Tote sich melden und auf Fürbitte hoffen; dass ungesühnte Schuld sich in Familien über Generationen hin auswirkt, dass böse Wünsche (auch Flüche) Macht über die Psyche von Menschen gewinnen, dass schwere Schuld gesühnt werden will, dass abgetriebene Kinder angenommen werden wollen; dass Schuldiggewordene unter der Last der Sühne schwer leiden und dass unbereute und ungesühnte Schuld zu weiterer Schuld führt.“ Ein besonderes Phänomen bei psychischen Belastungen ist das sogenannte „Possessionssyndrom“. Hierbei besteht eine Abhängigkeit, meist unbewusster Art, zu einem Menschen, der noch unter den Lebenden weilt, oder schon gestorben ist…Es gibt aber auch sogenannte „Opferschicksale“, in denen ein Mensch wenig „Altlasten“ mitbringt und sich entschlossen hat, durch Kräfte, die ihm zu Verfügung stehen, einen Teil der Weltenschuld abzutragen, wie es auch ein Priester einst über mich sagte.


86 Wenn nun ein Mensch diesen Erdenplan betritt und solche Anlagen wie Kaspar mitbringt, der einst den Thron der schöpferischen Macht besteigen sollte, oder wie es in einem Horoskop heißt, dass Antje-Sophia von „hoher Herkunft sei und in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen in finanzieller Absicherung“ und dann werden die Lebensweichen durch äußere Einwirkung anders gestellt, sodass sich das angelegte Schicksal vollkommen wendet und nicht mehr das eigene Schicksal ist, sondern durch Fremdeinwirkung verbogen,

verzerrt,

gewissermaßen

okkupiert

wird,

aus

unlauteren

Motiven

und

negativen

Machtbestrebungen, dann kann nicht mehr von mitgebrachtem „Erbe“ gesprochen werden. Dann entsteht ein neues Schicksal mit neuen Knotenpunkten, wobei die Anlagen wohl bestehen bleiben und sich irgendwann wieder den Weg zum eigenen Schicksal bahnen.

In ähnlicher Weise sehe ich auch diese Blockaden und Knotenpunkte von außen, die in meinem Schicksal entstanden sind, als im Jahre 2008 versucht wurde, mein Ich auszuschalten, als ein Verbrechen an meinem Seelenleben begangen wurde durch Überdosen der Verabreichung des Medikaments Tavor und der Sprengung des vorgegebenen zeitlichen Rahmens. Um in einem Zwischenreich gefangen gehalten zu werden, zwischen Schlafen und Wachen, Leben und Tod. Insofern widerlege ich die einst gefallene Aussage meiner Ärztin, ich habe mir eben ein großes Paket an Belastungen, Blockaden und Krankheiten mitgebracht… Nein, ich habe sie nicht mitgebracht. Ausschließlich meine Muskelerkrankung habe mit auf diese Welt, in dieses Leben gebracht und ich sehe sie auch vor dem Hintergrund, jahrelanger Untätigkeit in den entscheidenden Formungsjahren, durch die mögliche Einkerkerung, durch eine Fesselung meiner Gliedmaßen. Ich sehe diese seltene genetische Mutation als Folge der Opiumvergabe in der Kerkerhaft, die Kaspar verabreicht wurde, um ihn schlafen und seinen Pfleger nicht erkennen zu lassen. Und doch glaube ich, dass auch scheinbar „schuldlose Schuldigkeit“ sich in das eigene Schicksal webt, ausgeglichen, oder zumindest verstanden werden will und sich dann vielleicht in der Weise zu erkennen gibt, wie ich es in der Nacht auf den 29. Mai 2014 im Alkoholentzug erlebte.

Knapp zwei Monate nach meinem schweren Entzug im Juli 2014, einem Saturnjahr, bekam ich mein erstes Monatshoroskop von Astrodata, in dem die schon beschrieben Aussage als Quintessenz meiner damaligen Lebensphase zu lesen war: „(…) Der Spannungsaspekt des laufenden Neptun zum Radix – Pluto wird verborgene Bereiche Ihrer Seele zutage fördern, die sich als Bewusstseinserweiterung zeigen und Sie in dieser Weise erleben lassen. Das kann jedoch Ihre bisherige Sicherheit und Verankerung im Leben schwer erschüttern und Sie bis an die Grenze des Todes mit Nahtoderlebnissen führen.“


87 Kapitel: Die Kausalität von Ursache und Wirkung in Differenzierung der Spiegelung am Leben

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist, verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir

Alle unsere Taten und Gedanken haben Auswirkungen in demselben Leben, oder in einer nächsten Inkarnation. Die Behandlung unseres Körpers und gerade unserer Gliedmaßen bilden sich im nächsten Leben als ein „Denkmal“ zum Kopf heraus. Wir sind alle miteinander verwoben durch eine unsichtbare Materie, die wir die „Feinstofflichkeit“ nennen können. Auch darauf werde ich noch mein Augenmerk richten und nur so ist es auch zu verstehen, was mit mir, als Antje-Sophia, abermals geschehen ist, das ein Gutachter als ein „Menschliches Verbrechen auf höchstem Niveau“ bezeichnete und das angeblich in dieser Ausprägung „einmalig“ gewesen sei. Ebenso, wie es meinen Prozess gegen das Verbrechen an meinem Seelenleben vor einem Landgericht in Stuttgart, noch vor „keinem deutschen Gericht gegeben haben soll.“

Daran zu erkennen ist die Tatsache, dass nicht nur Kaspar Hauser ein gewaltiges Opfer bringen musste, sondern auch viele Menschen, die als Helfer und Aufklärer in seinem Fall involviert waren und welche letztendlich ebenfalls „aus dem Weg geräumt“ werden mussten, in der Absicht der finsteren Macht, die Wahrheit damit ebenso zu töten, zu ermorden, auszulöschen. Die Frage nach der Schuld ist vielschichtig, vielgestaltig und vielseitig und lässt sich nicht so leicht beantworten, wie es sich auch in der Fragestellung von Hannah Arendt im Eichmann Prozess nach dem Bösen zeigte, die in sehr differenzierter, sublimer Weise an die Frage der Ursache und Wirkung des Bösen und der Banalität des Bösen herangeht, wie ich es in meiner Lebensbeschreibung des Neuen Menschen herauszuarbeiten versuchte.

Nach begrenzten, engen und irdischen Maßstäben könnte behauptet werden, dass der kleine Kaspar unschuldig gewesen und als politisches Machtmittel missbraucht wurde. Nach den Gesetzen der Logik, wie wir sie mit unserem begrenzten Horizont erfassen, müsste er, so an Wiedergeburt geglaubt wird, wenn es schon kein tief verwurzeltes Wissen ist, in einem nächsten Leben Gerechtigkeit erfahren, Güte, Liebe, Fürsorge, ein gutes Elternhaus bekommen und in jeder Hinsicht auf der Sonnenseite des Lebens wandeln und wandern.

Nach irdischen Maßstäben denkt sich das sehr schön aus und doch gibt es ein ganzes Netz von Verflechtungen und Verstrickungen, in die er, zwar objektiv unschuldig und doch karmisch notwendig hineingeraten ist, die erlöst werden wollen auf dem langen und steinigen Weg in das Wahrheitslicht und in die Gerechtigkeit.


88 Ein Durchgang, der nochmals durchschritten werden muss, um ein Erkennender und Wissender zu werden und dieser führt meistens durch das Tal der Bedrängnisse und Martern. Denn bekanntlich wird Erkenntnis vor allem durch Schmerz und Qual errungen, gleich einem Sandkorn in der Muschel, das zur Perle sich entwickelt. In einem „schönen und erfolgreichen, unbedarften“ Leben wird der menschliche Kern in seltenen Fällen zum Diamanten geschliffen und nur in dieser Weise ist die mögliche neue Inkarnation von Kaspar Hauser als Antje-Sophia zu verstehen, wie es auch der Buchtitel ausdrückt: „Aufs neuen nach so langer Frist – Soll ich beschimpft, zertreten werden,“ um den „Geisteskampf der Gegenwart“ zu verstehen und darin die Möglichkeit zu bekommen, darin mitzuwirken, gerade weil er, oder sie unbegreiflich noch einmal in Fülle und Intensität etwas nicht zu Überlebendes dennoch fast unbeschadet überstand. Unbeschadet im SeelischGeistigen, das gerade angegriffen und vernichtet werden sollte, nicht nur im Körperlichen.

Und doch trägt wohl auch Kaspar eine subtile Form der Schuld am Schicksal der Beteiligten, die mit ihm vernichtet wurden, auch wenn diese „Schuld“ ganz sicher anders zu definieren ist, einer anderen Begrifflichkeit zugeordnet werden muss, als sie unser „normaler Sprachgebrauch“ und damit auch sein irdischer Ausgleich im Sinne der „Justizgerechtigkeit“ hergibt. Vielmehr sollte der Neue Mensch in seiner neuen Inkarnation ein Begreifender, Erkennender werden, um zu wissen, dass der Gerichtspräsident Anselm von Feuerbach nicht eines „natürlichen Todes durch Schlaganfall“ gestorben ist, sondern dass er tatsächlich langsam vergiftet wurde. Auch dieses Wissen darum, durch eine zeitliche Kongruenz mit dem qualvollen Sterben Anselm von Feuerbach, das sich schmerzhaft auf Antje-Sophias Erlebnis- Erfahrungsschatz ausbreitete und sie in eine Nahtoderfahrung führte, ist in dem neuen Leben als „Antje-Sophia“ durch Zeugen beweisbar, wie auch zu beweisen ist, dass sie keinen Alkohol vertragen konnte, wie auch Kaspar, und doch auch ein Verstehender dieser Zeiterscheinung des Alkoholismus werden musste. Ein ganzes Jahr lang trank sie nach der umfassenden Zerstörung ihres Lebens durch fremder Menschenhand, um wieder etwas schlafen zu können, um ihre gewaltigen und phänomenalen Gedächtnisleistungen und die Möglichkeit, die Informationen nicht filtern zu können, hochprozentigen Alkohol in niedrigster Dosierung, der sie auch bewusstlos auf die Intensivstation brachte. Dort konnte sich keiner der Ärzte dieses Phänomen erklären, mit derlei niedriger Promille in solch gewaltige und lang anhaltende Bewusstlosigkeit zu fallen. Hinsichtlich der Mangelernährung und geringen Flüssigkeitszufuhr durch Wasser wird dieses „Rätsel“ nochmals etwas verständlicher und ebenso ihre vollkommene Sprachunfähigkeit über 7 Wochen, die sich in der Nacht löste, in der sie eigenständig nach einem Jahr einen kalten Alkoholentzug durchführte. Dieser führte sie an die Grenze eines möglichen, nochmals abgewendeten Lebensabbruches im selben Monat Mai. Abgewendet durch „geistige Helfer“, wie es im Nachhinein ein Handlinienleser und ein Hellseher bestätigten.


89 In jener Nacht, es war genau die Nacht auf Christi Himmelfahrt auf den 29. Mai 2014, erfuhr sie von einem höheren Wesen, dass sie nun ähnliche seelische und körperliche Erscheinungen durchzustehen habe, mit Kreislaufkollaps, Atemlähmung, Herzrhythmusstörungen, wie sie der Gerichtspräsident zu selben Zeit, nur 181 Jahre zuvor erleben und durchleiden musste und es sei wichtig, dass sie dies der Welt noch mitteile. Sie wusste nicht, wer ihr Glauben schenken sollte, doch wiederum sollte sie darin nicht alleine gelassen werden und auch das ist dokumentiert unter Zeugen: In jener Nacht erfuhr sie, dass sie ihre hellsichtigen Eingebungen hinsichtlich des Kaspar Hauser Schicksals unbedingt aufschreiben und zu Ende schreiben solle, es würden ihr noch viele Beweise gereicht werden. Sie solle vor Zeugen ein Dreieck auf eine Landkarte durch Deutschland zeichnen, von Karlsruhe, der Geburtsstadt Kaspars, über Nürnberg, seiner Aussetzung, nach der Stadt, in der das Schloss Beuggen steht, also Rheinfelden und die Flaschenpost gefunden wurde. In dem Mittelpunkt des Dreieckes müsse eine „Geistige Gralsburg“ entstehen. Der Mittelpunkt ergab die älteste Bischofsstadt „Rottenburg am Neckar.“ Antje-Sophia vergaß es wieder, denn die Umstände durch die Handlungen der Menschen in ihrem Umkreis zogen die Schlinge um ihren Hals immer enger, sodass sie, kurz nach ihrem 40. Lebensjahr, die Flucht in das Nichts ergriff, um den unzähligen Belastungen zu entfliehen, - für ein ganzes Jahr.

Obwohl sie im Norden von Deutschland intensiv nach einer eignen Wohnung suchte, so wurde sie von unsichtbaren Mächten geführt und fand genau ein Jahr später im Mai des Jupiterjahres 2015 eine Traumwohnung in Rottenburg am Neckar, in Obernau, in dem Ort des Wirkens Hartmann von Aue, der neben Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg als der bedeutendste Epiker der sogenannten mittelhochdeutschen Klassik zählt. Eschenbach schrieb den Parzival - Epos, der mit dem heiligen Gral im Zusammenhang steht, ferner hängt der Ort Obernau auch mit dem Zähringergeschlecht zusammen – also dem Geschlecht, in das sich Kaspar Hauser inkarnierte. Insofern schien ihr im Nachhinein die Weisung aus der Geistigen Welt hinsichtlich der „Geistigen Gralsburg“ nicht bedeutungslos zu sein, neben weiteren Beweisen. Antje-Sophia erhielt weitere Zeichen, nicht zuletzt die endgültig verifizierte Diagnose ihrer schweren Muskelerkrankung, der genetischen Mutation mit dem „C“ auf den mutierten Genen, ein möglicher „Beweis“ für die Inschriften: Caspar, Casparus und Christus? Sie erfuhr ebenso, dass sie in der ganzen Zeit ihrer Flucht vornehmlich vom „Heiligen Gral“ ernährt wurde, weil sie über vier Jahre nicht mehr in der Lage war zu schlucken, Nahrung aufzunehmen. Während ihrer Flucht wurden ihr zeitweise sogar die Flüssigkeitsinfusionen verwehrt.

Jene weiteren Beweise sind dokumentiert und sprechen ihre eigene Sprache, aber sie halfen auch mit, dieses Büchlein entstehen zu lassen, in dem alles nochmals chronologisch- logisch und genau differenziert beschrieben werden wird.


90 Kapitel: Ein Kapitel in Zitaten – über die systemische Ordnung und Unordnung im möglichen Kindstausch

Alles nämlich, was im Staate nach Ordnung und Gesetz geschieht, bewirkt jegliches Gute; das meiste Ordnungswidrige und schlecht Angeordnete dagegen hebt wieder anderes, was wohl angeordnet war, auf. Platon

In Ordnung bringen, die Ordnung in der Familie, die Ordnung im menschlichen Miteinander, die Ordnung in der Handhabung, den Handlungen, Taten und der Kommunikation

Die Unordnung in den Familienverhältnissen auf der Basis schwerer Täuschungen, Lügen und Betrug zieht ähnliche Desorientierungen auf „lange Frist“ nach sich.

Kindstausch (…) „Am 29. September 1812: Ganz Karlsruhe ist „erleuchtet. Nach 9 Uhr und 21 Minuten wurde auf dem Marktplatz ein Feuerwerk abgebrannt. (…) Der Erbgroßherzog war geboren, endlich. Es war eine schwere Geburt, denn der Prinz „war außerordentlich groß und stark“, und die Mutter dem Tode nahe. Die Großmutter, Markgräfin Amalie, schrieb an ihre Tochter, Königin Karoline von Bayern: „Die Geburt dieses kleinen Knaben hat mir große Freude gemacht, besonders weil ich ihn schon für tot hielt, da man ihn mithilfe von Instrumenten gewaltsam heraus befördern musste. (…) Er ist nämlich an Größe und Dicke enorm. Ich habe wenige Kinder dieses Ausmaßes gesehen.“ Am 26. August 1974 wird in Bayern um 17.32h ein Mädchen geboren, obwohl ein „Fußballer“ erwartet wurde, denn sie war „an Größe und Dicke enorm. Ich habe wenige Kinder dieses Ausmaßes gesehen.“ So ähnlich drückte es auch meine Mutter aus, die, in Unkenntnis des Geschlechts, einen Jungen erwartet hatte. Kein Feuerwerk wurde abgebrannt, keine Freude bei meinem Vater, nur das elektrische Licht brannte unaufhörlich und draußen die Sonne auf die ausgetrocknete Welt an diesem heißen Augusttag des Marsjahres 1974. (…)“Bei der Geburt des Thronerben war nicht nur Amalie als Zeugin anwesend, sondern auch der Vater des Kindes, Großherzog Karl. (…) Gestern sagte er zu mir: Man verliert die Lust Kinder zu haben, wenn man sie zur Welt kommen sieht. Er ist aber sehr glücklich (…) einen Sohn zu besitzen“, berichtet die Markgräfin (…) Am 11. Oktober notierte sie: „Die Wöchnerin und der Neugeborene befindet sich ausgezeichnet. Letzterer erinnert mich sehr an seinen Vater (…) was mir sehr große Freude macht.“ (…) Um den Großherzog kümmert sich die Amme Josepha Schindler…


91 (…) Alles schien sich prächtig zu entwickeln – bis zum 15. Oktober: „Dem jungen Prinzen ging es immer bestens, bis gestern Abend 8 Uhr, schrieb der französische Gesandte Nicolay am 16. Oktober nach Paris (Notiz: Flaschenpost Frankreich Presse). Plötzlich bekam er heftige Krämpfe mit hohem Fieber, das die ganze Nacht anhielt. (…) Um 5 Uhr Abends war alle Hoffnung verloren und um 8 Uhr hat der junge Prinz seinen letzten Seufzer in meiner Gegenwart getan.“ (…) 15. Oktober (…) bekam einen sehr geschwollenen Bauch und kurz darauf Konvulsionen im Kopf. Man rief den Arzt Schrickel herbei. (…) Als ich ihn morgens um 11 Uhr sah, hielt ich ihn nicht für so krank. (…) Um 4 Uhr (…) das Kind habe einen Steckfluss und würde sterben. Ich begab mich sofort hin und blieb bis nach seinem Tod, der gegen 8 Uhr eintrat. (…) Ein Ereignis erwähnte Amalie nicht, die Nottaufe. (…) Das für die Erhaltung des (…) Erbgroßherzogs wenig Hoffnung (…) sei und daher die noch nicht erfolgte Taufe vorzunehmen wäre. (…) Dass ein schnelles Ende durch einen Stickfluss zu befürchten war, so wurde nach 5 Uhr abends im höchsten Beisein (…) des Großherzogs die Nottaufe bei seiner Hoheit dem Erbgroßherzog durch die Hebamme Horstin (…) verrichtet.“ Markgräfin Amalie wurde nicht unter den Zeugen genannt. (…) Eine höchst verdächtige Tatsache, hatte sie doch an Karoline geschrieben, sie sei sofort nach der Nachricht Karls aufgebrochen und bis nach dem Tod des Kindes geblieben. (…) Wenn sie nach 16:30 Uhr“ – (Antje Sophias Geburt)„als ich um halb fünf in den Wagen einsteigen wollte“ – von ihren Palais abfuhr, wird sie nach der Taufe, die gegen 17 Uhr stattfand, im Zimmer des Kindes eingetroffen sein und war deshalb nicht Zeugin des Geschehens. Danach mussten sie und die anderen Anwesenden das qualvolle Sterben des Kindes mit ansehen. „Er hatte Krämpfe im Kopf und bewegte dauernd einen Arm (…) bekam er Schlucken und gab Laute von sich, nicht wie von einem Kind, sondern wie ein Mann, der voll und kräftig stöhnt. Dieser Ton war schrecklich (…) die letzte halbe Stunde war ruhig. Er schien einzuschlafen. Augen und Mund schlossen sich ohne Beihilfe.“ (…) Am 19. Oktober informierte die Markgräfin Königin Karoline über weitere Ereignisse. (…) „Man hat ihn gestern seziert, sämtliche Körperteile gesund (…) nur die Gefäße im Kopf mit Blut aufgetrieben und außerordentlich gefüllt. Die einen sagen es komme von der Entbindung (…) er sei (…) nicht genug entleert worden… (…) für Amalie gab es keinen Zweifel, dass vor ihr die Leiche ihres Enkels lag. (…) Beim Sterben des Kindes waren zwei weitere Personen anwesend. (…) Der Vater, (…) Karl und die Hebamme Horst.


92 (…) Über dieses Kind konnte man sich nicht täuschen. Es wurde von allen als auffallend groß und kräftig, „an Größe und Dicke enorm“ beschrieben. (…) Drei Zeugen (…) hatten keinerlei Zweifel an der „Echtheit“ des Jungen. Sie waren sicher, vor ihren Augen sei der Erbprinzherzog von Baden verstorben. Unter diesen Umständen scheint das Unterschieben eines Tauschkindes unmöglich. Nicht so für die Verfechter der Prinzentheorie. „Was zunächst den Großherzog Karl betrifft, so ist bekannt, dass der selbe, von Natur beschränkt und indolent (geistig träge), durch Exzesse (…) noch stumpfer gemacht.“

Hinsichtlich der übrigen bei der Nottaufe anwesenden Personen ist zu bemerken, dass die Feuerbachsche Annahme der Unterschiebung eines anderen Kindes selbstverständlich die Mitwirkung dritter voraussetzt, dass Uneingeweihte (…) getäuscht. (…) Alle jene Uneingeweihten, welche das Kind genauer kannten, um jeden Preis fern gehalten werden mussten.“ Das heißt nichts anderes, als dass zum Einen der Hohlkopf Karl nicht in der Lage war, sein Kind zu identifizieren. (…) Die Hebamme Horst mit der ganzen Verschwörerbrut unter einer Decke steckte, denn sie kannte das Kind und schwieg. Wer gehörte nun zu den „Uneingeweihten“, die „um jeden Preis fern gehalten werden mussten?“ (…) „Natürlich die Mutter. (…) Unter allen Umständen verhindern, dass Stephanie das Kind zu Gesicht bekam. Da traf es sich gut, dass es um die Gesundheit der Mutter nicht gut bestellt war. Den Anblick des sterbenden oder toten Kindes würde sie nicht verkraften. Ganz fürsorglich gaben sich die Täter und vertrösteten sie so lange, bis (…) sie endlich aufgab. Eine weiter „Uneingeweihte“ (…) für die Verschwörer gefährlich, war die Amme Josepha Schindler. (…) 20 Jahre später: „Ich hatte den Prinzen, ehe ich wegging, gestillt. Eine innere Unruhe trieb mich früher als gewöhnlich nach dem Schlosse zurück. (…) Als ich ankam, ließ man mich nicht mehr zu dem Kind. Man sagte, es sei bedeutend erkrankt. All mein Bitten und flehen half nichts. (…) Als wir gegen die betreffenden Gemächer kamen, hieß es aber: Der Prinz sei tot. Ich verlangte ihn wenigstens jetzt zu sehen, aber auch das ließ man nicht zu, - ich durfte ihn nicht einmal mehr tot sehen.“ (…) Der Jurist Otto Mittelstädt schrieb dazu: „(…) Sie hat öfters versichert, dass bis zum Auftreten Hausers ihr niemals beim Tode des Erbprinzen im Jahre 1812 irgend etwas auffällig und Verdacht erweckend erschienen sei. Erst als (…) die Gerüchte, Hauser sei der Erbprinz von Baden (…) wurde auch sie nachdenklich: „(…) Sie ärgere sich noch heute, 1850 über ihren festen Schlaf in der Nacht der Erkrankung des Prinzen, denn sie sei erst aufgewacht an der Unruhe und dem hin und hergehen im Zimmer, als schon


93 alles um den schwer erkrankten Prinzen beschäftigt gewesen sei.“ “ (…) Am 16. Oktober sei sie (…) um die Mittagszeit vom Schloss aus gegangen. (…) Bei Rückkehr habe sie die Wiege des Kindes derartig von Ärzten… (…) umringt getroffen, dass es ihr unmöglich gewesen, dass Kind zu sehen.“ Wie die Mutter, ist also auch die Amme keine Zeugin für die Identität des Kindes. Der Vater, „ein dumpf vor sich hinbrütender Mensch“, scheidet aus, die Kindswärterin ist am Komplott beteiligt. Bleibt nur die Großmutter Markgräfin Amalie. (…) „Fest steht nach den Gesetzen der Logik: Alle konnten nicht bestochen worden sein (…) dass die Vertauschungsaktion unmöglich ein Soloakt der Reichsgräfin Hochberg gewesen sein konnte, die ihre Seitenlinie an die Macht bringen wollte. Es mussten weitere Personen daran beteiligt gewesen sein.“ Und hier passte Amalie (…) wie das Tüpfelchen auf das I. (…) „Es ist bekannt, dass sie ihres Sohnes Gemahlin hasste wie die Pest. Sie war schließlich die Adoptivtochter des von ihr grenzenlos als Emporkömmling gehassten Napoleon. Die eheliche Verbindung ihres Sohnes mit dieser Frau, zustande gekommen auf Befehl des Korsen, war für Amalie bestenfalls eine Mesalliance und ihr Enkelsöhnchen allenfalls ein halber Bastard. Sie gehörte ohne Zweifel der Hochberg Partei an. Die Reichsgräfin Hochberg stand unter ihrem Protektorat. Sie, die verwitwete Markgräfin Amalie, hatte einst die Hochberg (…) erziehen lassen und führte dann die 19 jährige Hofdame ihrem 59 jährigen Schwiegervater, dem Nestor Karl Friedrich, als 2. Gemahlin zu. Natürlich tat sie dies nicht uneigennützig. Wissend, dass sie nach dem Tod ihres Mannes, der 1801 bei einer reichlich mysteriösen Schlittenunfall in Schweden ums Leben kam, nie mehr die erste Dame des Landes werden konnte, wollte sie neben sich als First Lady wenigstens eine Frau haben, die ihr ergeben (…) war.“Analogie zum Leben von Antje-Sophia: Mit der Verbindung des adeligen Stiefvaters als sogenannte „2. Gemahlin“ über 7 Jahre, zeigte sich auch ein Altersunterschied von 40 Jahren. Sie war 19 Jahre alt, er 59, fast 60. (…) „Dies alles in Betracht ziehend, kommt man nicht umhin, die Markgräfin Amalie als stillschweigende Mitwisserin, wenn nicht gar als Akteurin beim Prinzenraub wenigstens in Erwägung zu ziehen. (…) Hatte Amalie (…) ihre Hände im Spiel, (…) dann war der reibungslose Ablauf gesichert. Sie hatte als zweite Dame des Staates Zugang zu allen Räumen des Schlosses. (…) Ihr Wort war Befehl. (…) Stimmte diese Beurteilung und wären zudem die beiden Ärzte in das Komplott verwickelt, hätte der Kindstausch stattfinden können. Hatte Amalie von Baden also ein Interesse, die Nachkommen Luise von Hochbergs zu protegieren?


94 (…) Kramer: Die Markgräfin hegte eine nicht zu überwindende Antipathie gegen Napoleon und übertrug sie auf dessen Adoptivtochter Stephanie. (…) Die Absicht, der lästigen Person das Leben so schwer wie möglich zu machen. Wiederholt hatte sie Karl nahegelegt, Stephanie zu verlassen und die Annullierung der Ehe zu betreiben. Karl hätte sich mit einer Tochter aus fürstlichem Hause wieder verheiraten und Kinder in einer standesgemäßen Ehe zeugen können. (…) Gab es aus Amalies Sicht einen Grund, Stephanies Sohn zu beseitigen? Sicherlich nicht. Trennte sich Karl nämlich von seiner Gemahlin, verheiratete er sich nochmals und zeugte dann weitere Söhne, war dieses Kind völlig bedeutungslos, zu unwichtig, um aufwendig und umständlich beiseite geschafft zu werden. Sollte sich Karl dem Willen seiner Mutter jedoch nicht beugen, war sein Sohn in höchstem Maße bedeutsam. Sicherte er doch den Fortbestand der herrschenden Zähringer! (…) Kramer irrte… (…) Amalie gehörte nicht zur „Hochbergpartei“. (…) Im Gegenteil! Sie war eine entschiedene Gegnerin der Nachfolge der Hochberger in Baden. Schon 1796 als Luise zur Reichsgräfin erhoben wurde, hatten Amalie und ihr Gemahl, Erbprinz Karl Ludwig, dagegen Einspruch erhoben. (…) Als es um die Frage ging, ob die Hochbergsöhne im Falle des Aussterbens der älteren Linie erbberechtigt sein sollten, waren Großherzog Karl Friedrich, sein Sohn Ludwig und der größte Teil der badischen Beamtenschaft für eine solche Regelung. (…) Mit ihren weitreichenden verwandtschaftlichen Beziehungen war die Markgräfin in der Lage, die Anerkennung jahrelang zu hintertreiben. Vor allem suchte sie Rückhalt bei Europas mächtigstem Monarchen, ihrem geliebten Schwiegersohn, Zar Alexander dem I. (Kaiserin von Russland, Amalies Tochter Luise Elisabeth, ihre Schwester, die Königin von Bayern) (…) Wilhelm von Hochberg hatte allen Grund, skeptisch zu sein, denn die einflussreiche Markgräfin spann eifrig ihre Fäden, wenn auch schließlich vergebens. Denn auf dem Fürstenkongress von Aachen am 20. November 1818 erhielt das badische Hausgesetz seine internationale Anerkennung. (Todesjahr von Karl von Baden 1818) (…) Für Amalie von Baden war und blieb die Familie Hochberg Verwandtschaft minderen Grades, deren Rangerhöhung sie nicht verwinden konnte. Auf keinem Fall hätte sie irgendetwas unternommen, um der alt fürstlichen Linie zu schaden und die Nachkommen Luises von Hochberg zu protegieren. Sie lehnte die Emporkömmlinge (…) ab. (…) Eine Beteiligung der Markgräfin am Kindstausch zugunsten der Hochberger ist unter diesen Voraussetzungen undenkbar. Da sie darüber hinaus kein Interesse am Tod ihres Enkels haben konnte, wird Amalie zur sicheren Zeugin für die Identität des Kindes. Sie war bei seiner Geburt anwesend, (…) sah es sterben und warf noch einmal einen Blick auf die kleine Leiche. (…) Die Großmutter war zu keiner


95 Zeit misstrauisch und äußerte nicht den geringsten Zweifel, der wegen seiner Größe auffällige Junge sei nicht Karls Sohn. Und doch:

Ähnlichkeiten Kronprinzessin Elisabeth von Preußen, eine Tochter der bayerischen Königin Karoline, schrieb, als sie von den Feuerbachs „Memoire“ hörte, an ihre Zwillingsschwester Amalie von Sachsen: „Der Verfasser meint, Kaspar Hauser sei der Sohn unseres Onkels Karl. (…) Das Portrait dieses unglücklichen sieht unserem Onkel wirklich ähnlich.“ König Ludwig der I. notierte am 23. Dez 1833 in seinem Tagebuch: „Dass ich nicht vergesse. Den 18. dieses sagte die verwitwete Königin, dass sie Kaspars Bildnis gesehen, Ähnlichkeiten mit ihrem Vater gefunden. (…) Bei Nürnberg den 27. August mit uns Kaspar Hauser gesehen, sei ihm dasselben Ähnlichkeit mit dessen Augen und einer Cousine von Baden aufgefallen, dass er die Farbe geändert habe.“ Ludwig von Hessen wurde also blass, als er die Ähnlichkeit Hausers mit – wie später klar wird – Marie von Baden, der jüngsten Tochter Stephanies und Karls bemerkte. (…) Es waren dieselbe Stirn, dieselben Augen, dasselbe Kinn. Ich wurde (…) durch diesen Eindruck in meiner Auffassung sehr bestärkt, dass der Unglückliche Kaspar Hauser der geraubte Prinz von Baden war.“ (…) Sogar Großherzogin Stephanie könnte daran geglaubt haben, denn sie sei überzeugt gewesen, „ihr ältester Sohn, den sie nicht tot gesehen, sei nicht gestorben, sondern weggebracht worden. “ (…) Stephanies Biograph, Rudolf Haas schrieb dazu: „Es ist bekannt, dass sie die feuerbachschen Schriften mit großer Anteilnahme gelesen und im Januar 1832 Lord Stanhope in Mannheim zu Besuch empfangen hat. Sie soll ihn gebeten haben, Kaspar Hauser nach Mannheim zu bringen, was der Lord aber abgelehnt habe. Am 11. März 1832 schreibt Elise von Preußen an Amalie von Sachsen: „Der Verfasser Feuerbach meint, ohne es auszusprechen, dass Kaspar Hauser Sohn unseres Onkels Karl sei… Das Portrait dieses Unglücklichen sieht unserem Onkel wirklich sehr ähnlich. Wenn das möglich wäre!“ Am 11. März 2008 wurde ich in die Furtbach eingewiesen, in meinen unsichtbaren Kerker, ein Todesurteil.


96 Kapitel: Einblicke in Ähnlichkeiten familiärer Verstrickungen im Leben von Antje-Sophia

Das Wort "Familienbande" hat einen Beigeschmack von Wahrheit. Karl Kraus

Lebe fern von Verwandten und nahe am Wasser! Sagte ein altes Sprichwort Familienbande von Antje-Sophia Ouvertüre: Auch in seiner letzten Inkarnation als Kaspar ging es schon um diese beiden Bundesländer, damals Baden und Bayern, denn Baden Württemberg wurde 1952 durch die Fusion der Länder Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern gegründet. In seiner Landeshauptstadt Stuttgart sollte das Geschehen, das ihn abermals über Jahre seiner Freiheit berauben und in tiefer seelisch-geistiger Finsternis vegetieren lassen sollte bis zur Schwelle des Todes, in seiner neuen Inkarnation stattfinden. (…)“Es ging um den bayerisch –badischen Gebietsstreit, der jahrelang die europäischen Kabinette beschäftigte…“ Doch wie sollte er seine neuen Eltern, die sich Kaspars Seele schon mit seinen helfenden Kräften in der anderen Welt auserwählt hatte, zusammenführen, zumal sie beiden aus den ostdeutschen Ländern kämen, seine zukünftige Mutter wurde in Magdeburg geboren, sein Vater in Dresden? Und doch hatte das Schicksal seine eigene Vernunft und die beiden wurden in Augsburg zusammengeführt, denn seine Eltern und ihre Großeltern flüchteten aus der besetzten Zone ausgerechnet nach Bayern in dieselbe Stadt, in der sie sich im Jahr 1972 kennen lernten. Die familiäre Konstellation seiner auserwählten Mutter sollte ähnliche Verhältnisse und Umstände aufzeichnen und aufzeigen, wie sie Kaspar in seinem abgebrochenen Erdenleben bei seiner Geburt vorfand: Durch Täuschung, Lüge und Mord hatte sich Sophie von Hochberg nach oben gearbeitet (…) „Als es um die Frage ging, ob die Hochbergsöhne im Falle des Aussterbens der älteren Linie erbberechtigt sein sollten, waren Großherzog Karl Friedrich, sein Sohn Ludwig und der größte Teil der badischen Beamtenschaft für eine solche Regelung.“

Angelika Vellguth wurde 1952 als fünftes Kind von insgesamt sieben Kindern in Magdeburg geboren. Ihre Mutter, meine Großmutter war Schauspielerin und Opernsängerin gewesen, ihr Vater besaß einen der größten Schuhläden in der Stadt. Doch die Ehe der Eltern war keine glückliche Verbindung und beide Elternteile suchten anderweitigen Trost im jeweils anderen Geschlecht, ohne ihre Ehe zu annullieren.


97 Meine Großmutter hatte keinen Zugang zu ihren neugeborenen Kindern und sortierte sie nach der Geburt fein säuberlich aus: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen,“ nach welchen willkürlichen Kriterien auch immer. Meine Mutter hat ihr Leben lang um ein inneres Verständnis gerungen, warum ihre Mutter sie gleich nach der Geburt im Krankenhaus zurückließ. Angelika kam zunächst in ein Waisenhaus. Dort verbrachte sie die ersten zwei Lebensjahre in Verlassenheit und Einsamkeit, bis ihre Großmutter, Wanda Vellguth, sie zu sich nahm, wie auch ihre ältere Schwester, der dasselbe Schicksal zugemutet wurde.

Interessant ist es auch noch, die Begebenheit der unfreiwilligen Schicksalszusammenführung ihrer Großeltern zu schildern, die ebenfalls keine glückliche und erfüllte Ehe lebten und doch zusammen blieben. Diese handfeste und „gwamberte“ Großmutter meiner Mutter, wie man im Bayrischen sagt, was soviel wie kräftig und im gemütlichen Sinne dick bedeutet, hatte als knapp 19- Jährige einen Verehrer, den sie eines Tages am Bahnhof heimlich treffen wollte, um ihre Hochzeit vorzubereiten. Es gab allerdings noch einen anderen Herrn, der sich für diese, meine Urgroßmutter sehr interessierte und als sie schließlich am Bahnhof ankam, stand nicht ihr Liebster dort, sondern der andere, im Grunde noch fremde Herr, um ihr auszurichten, ihr Ehemann in Spe wolle nichts mehr von ihr wissen, sie solle sich nun mit ihm abfinden. –

Mit einem Lügengeflecht aus Täuschung und Betrug begann also diese neue Verbindung. Was waren das für seltsame Zeiten!? Heute wäre eine solche Handhabung undenkbar. Im Zeitalter der Technik, im Zeitalter von Handy, Facebook oder nur Telefon wäre eine solche Lüge sofort aufgeflogen. Meine Urgroßmutter fügte sich jedenfalls in ihr Schicksal und musste einsehen, dass dieser Mann, Arthur Vellguth, nicht entfernt der Mann ihrer Träume war und somit auch für eine körperliche Verbindung nur im Extremfall in Frage kam. Aus diesem „Extremfall“ entstanden zwei Kinder, zwei Mädchen. Die erste Tochter durfte nicht überleben, da sie im Winter so lange an das offene Fenster gelegt wurde, bis sie an einer schweren Lungenentzündung im frühen Kleinkindalter das Zeitliche segnete und das ganz sicher im wahrsten Sinne des Wortes. Was immer der inneren Motivation für diese Tat zugrunde gelegen haben mag, in den folgenden Generationen wurde diese Handhabung als vorsätzlich eingestuft und sie zog sich wie ein schwerer, schicksalhafter Ahnenballast durch die Familien. Sollten es in etwa Analogien zum Kaspar Hauser Schicksal und dem Sterben des Blochmann- Austauschkindes aufzeigen? Denn diese starb durch Stickfluss, mitunter auch eine Lungenerkrankung, Stickfluß ist ein Lungenödem.

Die zweite Tochter war die Mutter meiner Mutter, Gisela Vellguth. Der „Extremfall“ der körperlichen Verbindung meiner Urgroßeltern zeigte sich in der „Normalität“ darin, dass die beiden Enkeltöchter dann als Ersatz im großelterlichen Ehebett neben dem Großvater schlafen mussten, was für die um 13 Jahre ältere Schwester Monika zum Verhängnis wurde.


98 Nun lebten also drei Frauen unter einem Dach: Der lüsterne Großvater, wie ihn alle immer beschrieben haben, die willensstarke Löwe- Großmutter und die beiden Enkeltöchter Angelika und Monika. Da es meiner Urgroßmutter nicht möglich war, mit ihrem Mann ein Bett zu teilen, so schlief sie in der Küche, während sie ihre Enkeltöchter im Ehebett ihres Mannes schlafen ließ. Sie wusste von dem Schaden, der dadurch in den Kinderseelen entstanden war. Sie ahnte das Opfer, das ihre Enkelinnen für sie brachten, damit sie selber geschützt war vor diesem liebestollen und lieblosen älteren Herrn und änderte doch nichts daran. –

Auf diese Weise wurde meine Mutter sehr früh mit dem Leid der Welt konfrontiert, weil ihre Schwester und der Großvater auch schwer depressiv waren. Vermutlich litt ihre Schwester, wie man es heute einzugrenzen in der Lage ist, unter einer Borderlinestörung aus begründetem Anlass. Im Kriege war sie durchs Feuer gelaufen, danach war sie verändert und vollzog einige Selbstmordversuche nach dem Tode ihres Großvaters, mit dem sie noch einige Jahre alleine zusammen lebte, nachdem ihre Großmutter am selben Tag in der gleichen Klinik starb, in der meine Mutter ihr erstes Kind verlor.

Meine Mutter erreichte nur den Hauptschulabschluss und suchte Zuflucht und Trost in ihren Männerfreundschaften im 15. Lebensjahr. Mit 17 Jahren lernte sie meinen Vater, Michael T. kennen, in den sie sich unsterblich verliebte und mit dem sie nach Italien flüchtete, weil es ihre Großmutter nicht erlaubte. Auf jener „Flucht“ vor den grausamen Verhältnissen in ihrem Eltern -, bzw. Großelternhaus passierte der erste schwere Autounfall. Meine Mutter lag mit dem Kopf hinten auf der Hutablage und schlief, als ein anderes Auto in hoher Geschwindigkeit in das Auto meiner Eltern fuhr, sodass die Scheibe zerbrach und meiner Mutter nahezu komplett die Schädeldecke aufschnitt. In derselben Nacht fiel zur nämlichen Stunde des Unfalls bei ihrer Großmutter ein Bild von der Wand und Wanda Vellguth erwachte mit Herzrasen und sagte: „Angelika ist etwas sehr schlimmes zugestoßen.“ Als am folgenden Tag die Polizei vor der Türe stand, sagte sie, dass sie (durch das Bild) schon im Bilde sei über den Unfall. Die Begebenheit der heimlichen Flucht in den Urlaub hat meine Urgroßmutter meiner Mutter nie verziehen. Auch die übrigen Familienmitglieder gaben ihr die Schuld dafür, dass Wanda einige Zeit später mit einer schweren Rippenfellentzündung in das Krankenhaus gebracht wurde und – wie ich es eben schon beschrieben habe – am selben Tag starb, als meine Mutter mit 17 Jahren ihr erstes Kind verlor und ausgeschabt werden musste. Auf dem gleichen Flur, in dem ihre eigentlich geliebte Großmutter ihre Augen für immer schloss. Mit 17 Jahren wurde meine Mutter von heute auf morgen in ein noch kälteres Wasser der harten Realität geworfen. Sie musste die Verantwortung für ihre kranke Schwester und den senilen Großvater übernehmen, der immer etwas zu tief ins Glas schaute und auf den abendlichen Heimfahrten den Damen an den Röcken zog mit seltsamen, anzüglichen Worten.


99 Meine Mutter erzählte uns oft davon. Überhaupt wurden wir schon sehr früh in unserer Kindheit mit ihrer Vergangenheit und all ihren Schattenseiten konfrontiert und sie berichtete von der unendlichen Scham, die sie gegenüber dem Verhalten ihres Großvaters empfand. So flüchtete sie sich immer mehr in ihre eigene heile Familie, dem Elternhaus meines leiblichen Vaters Michael. Denn seine Mutter, die heute noch lebt, war eine lebenslustige, temperamentvolle Frau, die alle Tränen meiner Mutter zu trocknen wusste. Meine Mutter heiratete sehr früh, bekam ihr erstes, lebendes Kind mit 19 Jahren: Johannes. Nach dem zweiten Abgang des Kindes, zwischen Johannes und mir, bekam sie mich mit 21 Jahren, also im selben Lebensalter, in dem Kaspar starb. Das zweite Kind, Antje-Sophia, war ein Wunschkind von ihr, allerdings nicht das meines Vaters. Ich habe in den ersten Kapiteln schon beschrieben, dass sich bei ihm immer mehr der Wunsch herauskristallisierte, eine Weltreise zu unternehmen und da kam ein zweites Kind für ihn nicht in Frage. Mit der Zeit zerbrach diese große Liebe meiner Eltern, sie zerschellte an den Felsen der Wirklichkeit und des Wunsches meines Vaters, uns in ein Heim zu geben, um die Weltreise antreten zu können…

Auf einer Urlaubsreise in Italien lernten sie meinen zweiten Vater, Wolfgang Rumpf, mit seinen Eltern kennen. Es wuchs eine ganz besondere Freundschaft zwischen meinen beiden Vätern, wie ich sie hier nennen möchte. Wolfgang war Hobbyphotograph und hatte großes Interesse an der Erscheinung meiner Mutter, sie war auch eine Schönheit bis zu ihrem Autounfall. Da mein leiblicher Vater einen Auftrag in Dubai angenommen hatte und sehr viel unterwegs war, gab er seine Verantwortung für seine Familie Wolfgang in die Hände. Er vertraute ihm als guten Freund und hoffte, dass er sich in seiner Abwesenheit um seine Familie und die kleinen Kindern kümmern kann. Irgendwann sagte ich schon „Papi“ zu Wolfgang und als mein Vater eines Tages früher als geplant nach Hause kam, fand er meine Mutter mit Wolfgang im Bett, was das Ende ihrer Ehe nach sich zog. –

Diesen schweren Fehler bereute meine Mutter ein Leben lang. Denn Wolfgang war ein sehr labiler, schwacher Mensch gewesen ist, ein Künstler und Poet, die es oftmals auch mit der Treue nicht besonders ernst nehmen. Diese Schicksalsgabelung, an der sie den falschen Weg eingeschlagen hat, wie sie immer wieder betonte, hat den Rollstuhl für sie bereit gehalten, um sich innerlich und äußerlich vor der Verantwortung zurück zu ziehen. Um Anerkennung zu bekommen, die ihr im wirklichen Leben fehlte. Das sind ihre eigenen Worte. Ist der Mensch dazu verdammt, immer Opfer seiner Vorfahren zu sein und zu bleiben? Immer und immer wieder hörte ich in meiner Kindheit und Jugend den Satz von ihr, dass sie selber, aber vor allem ich die Kraft und innere Stärke habe, unser schweres Familienkarma aufzulösen, zu erlösen in Liebe, in allumfassender christlicher Opferbereitschaft, in der die Liebesfähigkeit auf eine neue, hellere Stufe gestellt wird. –


100 Was mag meine Mutter nun erlebt haben in diesen letzten Wochen ihrer Präsenz auf der irdischen Welt? Wie erlebte sie ihre Beziehung zu mir in ihrem letzten Lebensjahr? Denn ich erwähnte es bereits, dass nahezu jede Mutter zu ihrer ersten Tochter eine ambivalente, oft zur unbegreiflichen Dimension gewachsene, konfliktbeladene Beziehung erlebt. Und dass die Kommunikation mit der Frau, die unsere erste große Liebe ist, so oft zum Kampf wird. Die Psychologin stellt fest: "Diese Beziehung konfrontiert uns mit Reflexionen unseres Selbst." Auch erwähnte ich, dass meine Geschwister und ich meine Mutter als einen sehr autoritären Menschen erlebten, trotz – oder gerade wegen ihres Rollstuhls und dem möglichen inneren Gefühl, den aufrecht gehenden Menschen unterlegen zu sein. Wir gehorchten uneingeschränkt. Niemals waren wir frech, aufsässig oder unfolgsam. Wir durchlebten keine einzige Trotzphase, auch nicht in unserer Kleinkindzeit.

Mein leiblicher Vater sah den einzigen Ausweg, über den Schmerz, auch seine Kinder nicht mehr sehen zu können, hinweg zu kommen, Deutschland zu verlassen. Es zog ihn nach Thailand. Doch zuvor hielt er sich noch beruflich in Dubai auf und meine Großeltern erzählten, dass er durch seinen Charme, mein Taxifahrer sagte vor Tagen „du und dein Vater, ihr seht beide aus wie Casanova“, Zugang zum persischen Shah hatte, dessen Tochter er kennen lernte und sie sogar küsste! In diesem Land ist ein Kuss ein Heiratsversprechen und so wurde mein Vater bis zur Landesgrenze verfolgt, weil der Shah ihn nun unbedingt zum Schwiegersohn haben, ihn anderenfalls harter Strafen unterziehen wollte. – Es klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht, ist aber die volle Wahrheit. –

In Thailand lernte er in ganz kurzer Zeit die Landessprache, leitete ein Hotel, eröffnete - und das war sein Lebenstraum - eine Taucherschule, nachdem er lange Zeit für den schwersten Taucherschein gelernt hatte. Eines Tages führte ihn sein Weg in ein buddhistisches Kloster. Er sprach dort mit einem Mönch über sein Leben, seine Trennung von unserer Familie. Es muss wenige Wochen vor unserem Unfall am 29. März 1978 gewesen sein. Dieser Mönch hatte seherische Fähigkeiten und sagte ihm, dass seiner ehemaligen Frau in Kürze etwas sehr schlimmes zustoßen würde. Als Micha von unserem Unfall und der Querschnittslähmung meiner Mutter erfuhr, soll er gesagt haben: „Das habe ich nicht damit gewollt“. Was immer er gemeint haben mag, mich hat dieser Satz meine ganze Jugend über begleitet.

Interessant ist auch noch zu erwähnen, dass Micha meiner Mutter noch Jahre vor ihrem schweren Unglück und dem Rollstuhl gesagt haben soll, dass er sie auch noch lieben und bei ihr bleiben, wenn sie im Rollstuhl sitzen würde. – Hatte er im tiefsten, unbewussten Inneren irgendetwas mit unserem Unglück zu tun?


101 Er hatte auch sehr starke mediale Fähigkeiten. So konnte er auch meine Tante hypnotisieren, sodass sie sich über längere Zeit in einem Trance Zustand befand. Sich selber konnte er oftmals so weit aus seinem Körper herauslösen, dass seine Mitmenschen kaum irgendwelche Körperreaktionen wie Atmung und Puls feststellen konnten und er selber auch manchmal davon sprach, er habe Angst gehabt, nicht mehr zurückkommen zu können. Micha lernte eine thailändische Frau kennen. Sie wurde schwanger von ihm. Da sich zu dieser Zeit schon Erscheinungen seiner schweren Krankheit zeigten, flog er zurück nach Deutschland, um sich dort medizinisch besser behandeln lassen zu können. Ein Erlebnis soll er unter Tränen seinen Eltern, meinen Großeltern erzählt haben. Er wusste, dass meine Mutter wieder einen neuen Mann kennen gelernt, der sie im Rollstuhl, mit 3 Kindern zu „lieben“ begonnen hatte. Und er wusste, dass diese, seine Familie in die Nähe seiner Eltern gezogen war. So lauerte er Johannes und mir auf dem Spielplatz auf, versteckte sich allerdings hinter einem Gebüsch und sah uns zu, wie wir im Sandkasten spielten, während es ihn in einem Weinkrampf schüttelte.

Kann diese Begebenheit als Analogie zu jener gesehen werden, dass die Mutter von Kaspar Hauser ihn, kurz vor seinem Tod, auch im Hofgarten aufgesucht und ihn, versteckt in den Büschen, beobachtet hatte? Diese kurze, einseitige Begegnung war ebenso seine letzte, mit seinen Kindern, wie es wohl jene zwischen Kaspar und seiner Mutter gewesen. Wir Kinder wussten nichts davon, ebenso wenig wie Kaspar. Mein Vater starb mit 33 Jahren an Krebs.

Falscher Ur- und Großvater! Ähnlich wie die Hochberglinie, welche die Zähringer ausschalten musste, um selber den Thron zu besteigen, so hat mein Urgroßvater den angetrauten eigentlichen Ehemann der Urgroßmutter Witter weggeschickt, um ihr zu sagen, ihr Ehemaliger wolle sie nicht mehr haben. Intrigen, Fälschungen, Täuschungen…

Die Schwester meiner Großmutter mütterlicherseits wurde im ersten Lebensjahr so lange an das offene Fenster gelegt, bis sie an Lungenentzündung starb. Im Jahr 1918 am Ende des ersten Weltkrieges. Staatsministerium München 1818! Die Mitochondriale Genanalyse im Jahr 2002, als auch die weitere Genanalyse von Kaspar erfolgte scheiterte daran, dass diese sich weigerte, eine Blutprobe anzugeben. Hatte sie Angst vor Entdeckung, wie es in Familienkreisen verlautete? Was befürchtete sie?! Vor welchen Entdeckungen fürchtete sie sich?! Diese Großmutter Gisela starb an Kaspars Geburtstag am 29. September 2014.


102 Kapitel: Zahlenkongruenzen und übereinstimmende Daten – 16. Oktober und weitere In steter Notwehr gegen arge List, bleibt auch das redliche Gemüt nicht wahr –. Das ist eben der Fluch der bösen Tat, daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären. Johann Christoph Friedrich von Schiller

Der 16. Oktober im Leben von Kaspar und Antje-Sophia (…) „Der Archäologe Feuerbach schreibt bezüglich seines Vaters und über Kaspar Hauser an seinen Bruder Eduard (…) am 16. Oktober 1834: „Du kennst die unerwartete Wendung, welche die Hausersche Geschichte genommen hat. Ein Zufall spielte mir die drei gedruckten Schreiben Stanhopes („der geliebte Pflegevater und gütige Menschenfreund, der eine lebenslange Sorgeverpflichtung übernommen hatte, die auch Schloss Chevening in der Grafschaft Kent als Wohnsitz für Kaspar vor sah, so trat er jetzt als dessen umsichtiger Ankläger auf. Obschon keinerlei Ermittlungsergebnisse vorlagen, behauptete er aus naheliegendem Grund unter anderem, es könne sich nur um Selbstmord handeln.“

Denn von den fünf Kindern, welche Stephanie nacheinander gebar, abwechselnd 3 Mädchen und 2 Knaben, gediehen die Mädchen, aber die Knaben starben jedes Mal bald nach der Geburt, der Ältere, geboren am 29. September 1812 starb am 16. Oktober desselben Jahres, der zweite, geboren am 1. Mai 1816, starb am 8. Mai 1817. -

Im Monat meiner einjährigen Fluch in die Wüste des Nichts im Jahr 2014: „Unterlassene Hilfeleistung, Täuschung, Verrat, Lügen“ und „eigenmächtiges Handeln“. Unter diesen Vorzeichen stand der Oktober 2014, der von meiner Hausärztin schon im August wohl gezielt vorbereitet wurde. Sie hatte mir eine Infusion zugesagt, und dann ihr Versprechen gebrochen und ihr Telefon abgestellt. Doch schon in der ersten Nacht bahnte sich wieder eine Venenentzündung an und ich stolperte am folgenden Tag ausgebrannt und erschöpft wieder in die Klinik. Es stellte sich heraus, dass die Nadel vollkommen falsch gelegt wurde, geradezu senkrecht in die Vene und so bekam ich eine neue und letzte für diese nun folgenden 12 Tage bis zum Abbruch aller Brücken meiner Vergangenheit.

Am 16. Oktober wurde ich sehr schwer krank und durfte zum Glück eine Nacht bei David verbringen. Ein Jahr später sollte ich an diesem Tag die Strafanzeige gegen meine Hausärztin bei der Polizei einreichen.


103 Ich bekam fast 40 Grad Fieber und da ich ihn tagsüber in der engen Wohnung nicht überstrapazieren wollte, so verbrachte ich die Nachmittage teilweise in der Stadtbücherei oder im Schlosspark. Doch an diesem Tag ging es mir so schlecht, dass ich im Gras zusammenbrach und nicht mehr aufstehen konnte. Ich glaubte, dass mein Ende nun nahe sei, trotzdem ich wusste, dass noch etwas Bestimmtes auf mich warten sollte, etwas, das mit Wahrheit hinsichtlich meiner Erkrankungen in Verbindung steht, das noch geboren werden wollte. Denn im Prozess gegen das Verbrechen an meinem Seelenleben wurden mir alle nur denkbaren schweren körperlichen Vorerkrankungen schlichtweg abgesprochen und als „Wunschvorstellung“ deklariert. Ich fühlte an jenem 16. Oktober, dass mein Körper an seinen absoluten Grenzen angekommen war und gleichzeitig sah ich, dass dies dennoch nicht das Ende meiner Erdenlaufbahn sein und bleiben sollte. Und doch lag ich röchelnd im Gras als es dämmerte und mich ein Mann mit wunderbaren, klaren Augen ansprach. Es stellte sich heraus, dass er Arzt war und auf dem Weg nach Hause Richtung Frankfurt. Er sah mein fieberndes Gesicht, hörte mich röcheln, um mir nach unzähligen Überredungskünsten die Lunge abzuhören. Es stellte sich heraus, dass ich eine beginnende Lungenentzündung hatte.

Analogie zum Lungenödem? Fragte ich mich ein Jahr später. Steckfluss chronische Bauchfellentzündung, vor allem aber Herzlähmung. Auf diese letzte Quelle ist auch bei den andern Leiden der unmittelbare Eintritt des Lungenödems zurückzuführen, und wenn man namentlich bei plötzlich entstandenem Lungenödem von Lungenlähmung als Lungenschlag spricht, so sollte es besser Herzschlag heißen oder speziell Lähmung der linken Herzkammer bei Fortarbeiten des rechten Herzens.)

Natürlich, das fehlte mir noch, dachte ich mir. Eine schwere Venenentzündung und eine Blutvergiftung sollten sich bis zum 22. Oktober noch dazugesellen, die mich drei Tage ins Koma fallen ließen und die mich anschließend schweren Herzens dazu veranlassten, die Dauernadel zu ziehen, wenngleich mir bewusst war, dass es mich dem endgültigen Verdursten immer näher brachte und dass der Kampf um das nackte Überleben nicht mehr gesichert war. Stand dieses Erlebnis und Ergebnis der hinterhältigen Handhabung meiner Hausärztin möglicherweise im Zusammenhang mit dem Tod des Austauschkindes Blochmann? Waren damals nicht auch zwei Ärzte in diesem Komplott involviert und wirkten am Tode des Kindes maßgeblich mit?

Auszug aus dem Monatshoroskop für den Zeitraum vom 14. -17. Oktober 2014 „Sprunghafte Veränderungen mit oder gegen Ihren Willen“ und „Machtkonflikte, Täuschungen Ihnen gegenüber erzwingen Veränderungen“, - so die Überschrift.


104 „Eine Konjunktion der laufenden Sonne mit dem Uranus beschert Ihnen einige Tage der Überraschungen, des Ungewohnten und des Unberechenbaren. Deshalb dürfte es von Vorteil sein, sich darauf einzustellen, dass wahrscheinlich nichts so ablaufen wird, wie Sie es geplant haben und dass Sie sich auf unvorhersehbare Veränderungen gefasst machen müssen…“

Ja, das musste ich eindeutig. Die Polizei hatte uns über das ganze Jahr meiner Flucht immer wieder zu einer Strafanzeige geraten, denn so mancher Freund wollte dieses Verbrechen von ihr nicht so stehen lassen und reagierte in irgendeiner Form der Gegenwehr: „Wenn Unrecht zum Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ Meine Ärztin sprach schließlich von „räuberischer Erpressung“, als David sie in mehreren Kurznachrichten darum bat, in irgendeiner Form Kontakt mit mir aufzunehmen und sich zu entschuldigen. Wer hatte wen in all den Jahren „räuberisch erpresst“? Und nicht nur „räuberisch“, sondern mörderisch?! Sodass ich mehrfach fast mein Leben verlor? Warum konnte sie sich nicht einfach nur einer „schöpferischen und produktiven Konfrontation“ stellen, die allen Beteiligten zugute gekommen wäre? (…) So aber begann ich nun genau ein Jahr später, 2015, innerhalb weniger Tage meine Strafanzeige zu formulieren, die mehrere Straftaten zur Anzeige bringen sollte und ich versuchte, gerecht zu sein und auch hervorzuheben, dass sie auch immer wieder gute Ansätze gezeigt hatte, mit „goldenen Schüsseln“, um sie jedoch gleich wieder zu entreißen und mich verdursten zu lassen. Sie pflegte das Blätterwerk meines Lebensbaumes im Außen, durchtrennte mir aber hinterlistig im Unscheinbaren, im tiefen Boden die Wurzeln, um mich buchstäblich vom Wasser zu trennen und mich verdursten zu lassen. Die fehlende Kontinuität in ihrer Behandlung und im Zwischenmenschlichen versuchte ich darzustellen, die mangelhafte Kommunikation, die Verdrehungen der Wahrheit, ihr Schweigen und Ignorieren, das nicht nur einmal bis zur schweren Blutvergiftung und Venenentzündung getrieben wurde, oder bis zur völligen Verzweiflung durch ihre Vertragsbrüche und dem Brechen von gegebenen Versprechen. Immer wieder zeigte sich das selbe Muster und Spiel, dass sie sich in allerletzter Sekunde erst meldete und dann mit einem gewaltigen Polizeiaufgebot dafür sorgte, dass ich wieder eingewiesen wurde in die Psychiatrie, dass mir weitere und unzählbare Schocks und Traumatisierungen zugemutet wurden. Ein solches sadistisches Verhalten lag ihren Handhabungen zugrunde, das auch und gerade anderen Menschen nicht verborgen blieb. Sie behauptete, die Ärzte einer Klinik dürfen sich an sie wenden, sie sei da. Um dann im entsprechenden Augenblick zu behaupten, sie sei im Ausland und habe keine Zeit. Welche Anlagen provozierte ich in ihr, absichtslos, fragte ich mich häufig. War es meine Schönheit, meine „Reinheit“, wie sie andere Menschen bezeichneten, waren es meine Klugheit, meine Hochbegabungen? Sie selber war nicht schön zu nennen, eher ein „Mannsweib“, wie man so sagt, manchmal fast derb, dann wieder zarter und sanfter, sogar mit einer gewissen Ausstrahlung. In jedem Fall sehr wechselhaft in ihrem


105 Verhalten und Auftreten und vor allem unklar, undifferenziert, aber im äußeren Eindruck nicht schön zu nennen. Es fiel ihr auch schwer, einen roten Faden im Gesprächsverlauf aufrecht zu erhalten.

An dieser Strafanzeige schrieb ich einige Tage und es wurden insgesamt 21 Seiten mit großer und deutlicher Computerschrift und großen Zeilenabständen. Ebensoviele Seiten, wie es das psychiatrische Gutachten umfasste, allerdings kann ich es einen Zufall nennen. Meine letzten Sätze aus der Anzeige lauteten: „Ich habe abermals die Hölle in diesem Jahr durchgemacht und wäre mein Hausarzt zu einem Gespräch, zu einer Aufklärung im Frieden bereit gewesen, ich hätte diesen Schritt einer Strafanzeige nicht angestrebt. Mir aber mehrfach den Kopf abzuschlagen und als ich dennoch überlebe und ihn wieder mühsam aufzusetzen versuchte, mich anzuklagen, dass sie sich an meinem Blut beschmutzte, das geht endgültig zu weit.“ –

Am 16. Oktober 2015, im Jupiterjahr, wanderte ich mit meiner Strafanzeigen und einigen Beweisen aus den Kliniken, in denen auch die Laktatazidose durch Austrocknung diagnostiziert wurde, zur Polizeibehörde nach Stuttgart, gegen 20 Uhr. Eine sehr nette, aber unbedarfte Polizistin nahm meinen Fall mündlich auf, allerdings fiel es mir schwer, das ganze Ausmaß in leicht verständlichen Worten, kurz und knapp darzustellen, weil vieles eben eines längeren Atems bedarf, so auch die Ursache meiner Schluckstörung. Sie war sehr geduldig, besaß jedoch nicht einmal im Ansatz Hintergrundwissen auch hinsichtlich Psychiatrie und Psychopharmaka, sodass ich schon fast meine gut strukturierten und ordentlichen Mappen packen, und unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen, von meiner Anzeige Abstand nehmen wollte, weil ich mir nichts mehr davon versprach. Sie war es allerdings, die mich zum Bleiben aufforderte. Sie wollte erst Rücksprache mit ihrem Chef halten und kam dann zurück mit der Aussage, sie würden die Anzeige auf „fahrlässige Körperverletzung“ aufnehmen, um sie bei der Staatsanwaltschaft prüfen zu lassen. – Das war der 16. Oktober im Leben von Antje-Sophia.

Was ihre Familienverhältnisse betrifft, so gibt es noch einige weitere Analogien hinsichtlich des Kaspar Hauser Schicksals hinsichtlich der Daten:

Am 18. Juli 1828 kam Kaspar in die Obhut des Professor Friedrich Daumer. Am 18. Juli 1977 wurde der Halbbruder von Antje- Sophia, Benjamin geboren. Am 18. Juli 1978 beging ihr zweiter Stiefvater Wolfgang nach dem schweren Autounfall Suizid.


106 Am 9. September 1828 ließ sich nachmittags auf seinem Kopf eine Spinne an ihren Faden herab. Als sie an den Oberkopf kam, fühlte er Frost und besonders starke Kälte in der Stirne. (…) Als sie tiefer herunter kam fühlte er hin und zerdrückte die Spinne an der Unterlippe. Hierauf fühlte er über eine Viertelstunde einen brennenden Schmerz (…) der mit einem Schauder vorging. Als er zu Bette ging, kam der Brennschmerz wieder. Nachts schwoll die Stelle und er bekam mehrere kleine Bläschen.

Am 9. September 1798 wird ein Verwandter Anselm von Feuerbach geboren Am 9. September 1980 wird Antje-Sophias Halbschwester geboren

23. Oktober1816 Flaschenpost bei Laufenburg am Rhein: “S. HANES SPRANCIO” = “SEIN SOHN CASPAR” (…) Die sogenannte Flaschenpost wurde am 22. September, beziehungsweise am 23. Oktober 1816 im Rhein bei Großkemps gefunden. Sie wurde in Paris und Berlin abgedruckt. (…) Weil es statt des lateinischen „Folio“ „Solio“ heißen muss, sich also nicht um ein (Franz.) „feuille“ (Blatt), sondern um ein „Solio“ (Thron) handelt. Feuerbach kannte die Auflösung des Annagrams nicht, das soviel bedeutet wie „sein Sohn Caspar“ zu dechiffrieren. Der Verfasser des Annagrams musste also gewusst haben, dass der Sohn der Großherzogin Stephanie diesen Namen erhalten sollte, ein Wissen, das nur aus dem unmittelbaren Umkreis der Familie stammen konnte.

Am 23. Oktober 1972 wird Sophias Bruder Johannes geboren. Am 23. Oktober 2015 schrieb Sophia, nachdem sie aus dem Koma erwachte, ihrer Ärztin eine letzte Kurznachricht, dass sie schon wieder auf sie hereingefallen sei und getäuscht wurde und sie sagte ihr, dass sie genau ein Jahr später einen Beweis bekommen würde, dass sie nicht „alles nur gespielt habe“, wie ihre Ärztin es ihr fast schreiend unterstellte. Wieder sollte Sophia recht behalten, denn woher sollte sie es wissen? Sie schwebte in Lebensgefahr zu dieser Zeit und konnte nicht einmal wissen, dass sie das nächste Jahr noch lebend erreichen würde. Es war der Tag, an dem sie sich auf die Flucht begab. Fast auf den Tag genau ein Jahr später konnte endlich ihre schwere und seltene Muskelerkrankung nach 41 Jahren der Folter diagnostiziert werden und Sophia gab sich im Oktober ihrem Menschenkreis wieder als noch lebend zu erkennen mit der neuen Diagnosestellung. Am 26. 9. 2014 stirbt ihre „Täuschungs“- Großmutter. Es ist der Geburtstag des Blochmann Kindes.


107 Kapitel: Anton Mesmer und die Heilung des Frl. Paradies - die Dummheit der Menschen ist grenzenlos Am ärgsten fällt der Größenwahn – doch grad die kleinen Leute an Eugen Roth

Um meine Anschauungen über Anton Mesmer, von dessen neuer Schöpfung Kaspar profitieren durfte und ein abrundendes Licht auf die Medizin und ihrer Repräsentanten zu werfen, möchte ich hier ein Beispiel aus der Geschichte veranschaulichen, das wahrscheinlich nur sehr wenigen Lesern bekannt ist, weil im Grunde nur Stefan Zweig darüber geschrieben hat, wie ich feststellen musste. Darin geht es um die bekannte, blinde Klaviervirtuosin, Fräulein Paradies, welche durch viele „anerkannte“ Arzthände („Experten“) gewandert war, von denen ihr niemand helfen konnte, ihr Augenlicht zurück zu erhalten. Als sie in Messmers Behandlung eine deutliche Besserung ihres Augenleidens erfuhr, wollte sich keiner der geladenen Professoren und Doktoren mit dem „sonderbaren“ Heilungsphänomen auseinander setzen und sie versuchten nun auf Abwegen und Umwegen in den Untergründen, diesem großen Arzt und Heiler der „Quacksalbereien“ ein Bein zu stellen, weil ja bekanntlich, wie ich es selber schon formuliert habe, immer der Irrtum von Tausenden gegen einen Einzelnen recht behält. Schlechte Rede über einen Menschen spricht sich unbedenklich nach und so folgte dieser große Arzt seiner eigenen Überzeugung im Alleingang einen Weg im Dunklen der Anerkennung und ich denke, er war seiner Zeit weit voraus und konnte sich in der Zeit der kalten Aufklärung nicht etablieren. So wurde er als Phantast sukzessiv degradiert, ohne sich die Mühe und Arbeit gemacht zu haben, zu prüfen, wie viele weltverändernde Anregungen er uns geschenkt hat, die sich langsam aus eigenen Irrtümern herauskristallisiert haben und tatsächliche Heilerfolge aufweisen konnten und musste sich schließlich aus seinem Wirkungsfeld, nämlich Österreich, zurückziehen. Das „finstere Mittelalter“ war überwunden. Man gab sich nicht mehr mit Hexerei zufrieden. Ein neues, wissenschaftliches Denken ergriff die Menschen. Sie sahen die Welt in ihrer oft einseitigen Erscheinungsform und begriffen die Welt mit ihrem Verstand. Damit war aber auch ausgelöscht alles, was mit diesem rationalen Verstand nicht begreifbar war. Magnetismus zum Beispiel und man wütete dagegen an, wenn jemand mit der Wiederentdeckung solcher Kräfte praktizierte. Im Folgenden möchte ich dieses Phänomen des „Fräulein Paradies“ veranschaulichen: …Nach kurzer, kräftiger Behandlung Herrn Dr. Messmers fing sie an, die Konturen der ihr vorgestellten Körper und Figuren zu unterscheiden. Der neue Sinn war aber so empfindlich, dass sie diese Dinge nur in einem sehr dunkeln, mit Fensterläden und Vorhängen wohlverwahrten Zimmer erkennen konnte. Wenn man bei ihren, schon mit einer fünffach übereinander gelegten Binde verhüllten Augen mit einem angezündeten Licht nur flüchtig vorbeifuhr, so fiel sie, wie vom Blitz gerührt, schnell zu Boden.


108 Die erste menschliche Figur, die sie erblickte, war Herr Dr. Mesmer. [...] Sie entsetzte sich einigermaßen darüber und sprach: “Das ist fürchterlich zu sehen! Ist das das Bild des Menschen?“ Man führte ihr auf Verlangen einen großen Hund im Hause vor. [...] „Dieser Hund, “ sagte sie hierauf, „gefällt mir besser als der Mensch; sein Anblick ist mir weit erträglicher.“ Die meiste Mühe kostet es sie, die Farben und Grade der Entfernung kennen zu lernen, da sie in Absicht auf den neugeschaffenen Sinn des Gesichtes ebenso unerfahren ist und ungeübt als ein neugeborenes Kind. [...] Bei Erblicken der schwarzen Farbe erklärt sie, das sei das Bild ihrer vorigen Blindheit. Diese Farbe erregt auch immer bei ihr einen gewissen Hang zur Melancholie, der sie während der Kur oft ergeben war. Sie brach in dieser Zeit vielfältig in plötzliches Weinen aus. [...] „Woher kommt es, dass ich mich jetzt weniger glücklich finde, als vormals? Alles, was ich sehe, verursacht mir eine unangenehme Bewegung. Ach, in meiner Blindheit bin ich weit ruhiger gewesen!“[...] Da der neu empfangene Sinn sie in den ersten Stand der Natur versetzte, so ist sie ganz von Vorurteilen frei und benennt die Sachen bloß nach dem natürlichen Eindruck, womit sie auf sie wirken. Sie urteilt sehr wohl nach den Gesichtszügen und schließt daraus auf die Gemütseigenschaften. Die Vorweisung eines Spiegels brachte ihr viel Verwunderung; sie konnte sich gar nicht darein finden, wie es zuginge, dass die Fläche des Spiegelglases die Objekte auffangen und sie dem Auge wieder vorstellen könne. [...] Da es ein heller Tag war, konnte sie das freie Sehen im Garten nicht lange aushalten. Sie selbst verlangte, ihre Augen wieder zu verbinden, weil die Empfindung des Lichtes ihrem schwachen Sinn noch zu scharf ist und ihr einen Schwindel verursache. [...] Mit offenen Augen wird es ihr jetzt schwer, ein Stück zu spielen. Sie beobachtet alsdann ihre Finger, wie sie über die Klaviere weggaukeln, verfehlt aber dabei die meisten Claves.

Aber eben um des Lärmes willen, den diese magnetische Kur erregt, mengt sich die Ärzteschaft erbittert ein. [...] insbesondere der Augenarzt und Starstecher, Prof. Barth, bei dem Fräulein Paradies jahrelang vergebens Heilung gesucht hatte, eröffnet einen erbitterten Feldzug gegen die unerwünschte Behandlung. Er behauptet, Fräulein Paradies sei noch als blind zu betrachten, „weil sie den Namen der ihr vorgelegten Dinge oft nicht weiß und häufig verwechselt. [...] Und da überdies Frl. Paradies selbst treu an ihrem Heilhelfer hängt, schlagen Messmers Gegner einen krummen Weg ein, um ihm das kostbare Versuchsobjekt zu entziehen: Sie machen dem Vater und der Mutter Paradies grimmige Angst, wenn ihre Tochter nun wirklich sehend würde, dann ginge die kaiserliche Gnadengabe von jährlich zweihundert Dukaten sofort verloren und es sei vorbei mit der einzigartigen Attraktion einer blinden Klavierspielerin. [...] Frl. Paradies [...] erklärt strikt, nicht zu den Eltern zurückzukehren, sondern bei Mesmer bleiben zu wollen. [...] Schon hat die Fakultät die schwersten Geschütze aufgefahren. Sie mobilisiert den Erzbischof, den Kardinal Migazzi, die Kaiserin und


109 den Hof. [...] Mesmer muss sofort die Kur unterbrechen und Frl. Paradies, trotz ihrer verzweifelten Klagen, in ungeheiltem Zustand wieder den Eltern ausliefern. [Mesmer selbst] sucht sich zuerst in der Schweiz, dann in Paris eine neue Heimat. [...] die ersten Ansätze einer zwar unklaren, aber doch den modernen Begriffen schon angenäherten psychotherapeutischen Behandlung diskreditiert und [...] erledigt. –

Der Irrtum, die Dummheit, oder der Mutwille der großen Masse der Mediziner im Falle der zeitweisen Heilung der Theresa Paradies von ihrer Blindheit durch Mesmer beweist, wie verzweifelt der begabte Einzelne ist im Kampf gegen die vermeintliche Autorität und Macht der „anerkannten“ Medizin. Den Fehlurteilen dieser Menge gegenüber hatte Mesmer keine wirkliche Chance. Seine Weisheit musste untergehen, und wäre Stefan Zweigs Bericht über die wunderbare Heilung der Blinden nicht, so wüssten wir heute überhaupt nichts über dieses Phänomen, das eine anerkannte Medizin totzuschweigen trachtete. So ist es nach wie vor ein endlos schwieriger Kampf gegen diese Autorität einer kalten, technischen medizinischen Wissenschaft und ihrer Vertreter, wie Dr. Engel, die die Wahrheit verdunkelt und einen fast hilflos zurücklässt angesichts dieser Argumente, die das klare Licht der möglichen Erkenntnis zu verdüstern trachten. Georg Christoph Lichtenberg, der außerordentlicher Professor der Experimentalphysik, mag für meine Begriffe dieses Kapitel für mich am treffendsten zusammenfassen: „Über nichts wird flüchtiger geurteilt als über den Charakter des Menschen und doch sollte man in nichts behutsamer sein. Bei keiner Sache wartet man weniger das Ganze ab, das doch eigentlich den Charakter ausmacht, als hier. Ich habe immer gefunden, die sogenannten schlechten Leute gewinnen und die guten verlieren.“

Über Bernadette Subiro aus Lourdes habe ich bereits berichtet und möchte noch eine Szene hier einfügen aus dem Film, die das Gesagte nochmals veranschaulicht: Als sich ein Mann, der einst ein anerkannter Steinmetz gewesen und sein Augenlicht vor vielen Jahren verlor, seine Augen in der neu entstandenen Quelle wusch, an einen Arzt wandte mit der freudigen Aussage, er könne wieder sehen, es sei ein Wunder geschehen, wurden seine Augen untersucht mit der Aussage des Arztes, er habe nach wie vor vier Narben auf der Hornhaut, die es ihm nicht möglich machen können, wieder zu sehen. Der Arzt begründet dieses Wunder damit, dass er zu fest gegen den Augapfel gedrückt habe und der Sehnerv gereizt sei. Er lässt ihn lesen, doch der Steinmetz sagt, er kann es nicht. Als der Arzt triumphieren wollte, wendet der Steinmetz ein, dass er doch noch nie lesen konnte, weil er Analphabet sei. So wurde schon vor 100 und mehr Jahren „Wissenschaft“ betrieben und Beschwerden oder Heilungen, so sie nicht der Arzt vollbracht, um seinen Größenwahn zu streicheln, ad absurdum geführt. -


110 Was sich für mich innerlich darstellt ist die Empfindung und die Erfahrung der Höllenfahrt über acht Jahre, dass mein Arzt in dieser Klinik unlauter an mir, dass er sich für meine Begriffe ganz klar für die dunkle, zerstörende Seite des Lebens und Wirkens bei mir entschieden und durch sie gehandelt hat. Und ebenso mein Hausarzt während meiner Einkerkerung, in dem er jegliche Verantwortung abgab und danach, als er mich immer wieder in schwere Lebensgefahr brachte, die im Oktober 2014 eskalierte und mich in die Flucht schlug. „Wer heilt, hat Recht“, wer zerstört hat in jedem Fall immer Unrecht.

Und meine Seele wäre geflohen vor der Größe und Gewalt dieses Grauens, wäre nicht über dieser erfrorenen, entsetzlichen irdischen Talsohle ein unendlicher Himmel der Zuwendung, Zuneigung und Güte vieler Menschen in meinem Umkreis, vor allem meiner Mitpatienten, aber auch der Pfleger in dieser Klinik sternenklar ausgespannt und bis ins Unendliche gestaltet gewesen. Das jedenfalls konnte ich in den ersten Monaten noch wahrnehmen und erleben. Meine Welt in dieser Zeit stand unter den Zeichen von Tod und innerem Wahnsinn, der niemals in all den Jahren unter Tavor mehr, bis auf wenige Ausnahmen in der Anfangsphase, an die Oberfläche trat, zwischen Alptraum und klarer, eiskalter Wirklichkeit.

Aus Messmers Zeit und Wirkungsfeld gibt es ein Beispiel eines Akademierates, dem Mesmer ebenfalls bei seinem Augenleiden helfen konnte. Der Kurfürst von Bayern hatte Mesmer eingeladen. Durch Magnetauflegung erwirkt er bei einer völligen Lähmung und Augenschwäche des Akademierates Osterwald einen so Aufsehen erregenden Erfolg, dass dieser Herr 1776 in Augsburg (meiner Geburtsstadt) einen Bericht über seine Heilung durch Mesmer in Druck gab: „Alles, was er allhier bei verschiedenen Krankheiten geleistet, lässt vermuten, dass er der Natur eines ihre geheimsten Triebwerke abgesehen habe.“ Und um genau dieser Untergrundorganisation von Ärzteschaft, welche unentwegt weiter daran arbeiteten, die Heilerfolge Messmers ad absurdum zu führen und seine Erfolge zu entkräftigen, von vorneherein zu begegnen, schreibt er – und diesen Satz habe ich Dr. Engel auf meine Problematik transponiert: „Wollte jemand sagen, die Historia mit meinen Augen sei eine bloße Einbildung, so bin ich es zufrieden und verlange von keinem Arzt der Welt mehr, als dass er es zuwege bringe, dass ich mir fest einbilde, gesund zu sein.“ Genau das ist es! Ich sagte zu Dr. Engel in der Morgenrunde: „Wollten Sie behaupten, meine Beschreibung der Verschlechterung meines Seelenzustandes und meiner Muskeln sei eine bloße Einbildung, so bin ich es zufrieden und verlange von Ihnen nichts mehr, als dass Sie es zuwege bringen, dass ich mir fest einbilde, gesund zu sein.“


111 Kapitel: Otto Rahn –Hitler und die Suche nach dem Gral. Parzival – Kaspar Hauser und der Heilige Gral

Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist Max Planck

Kaspars eigentliche Aufgabe mit Deutschland und dem deutschen Volksgeist. Sollte ihm in seiner möglichen neuen Inkarnation die Richtung vorgegeben werden aus einer anderen Welt? „Wenn nicht die Philosophen in den Staaten Könige werden, oder die Könige und Herrscher echte Philosophen und wenn nicht eine Hand zusammenfallen politische Macht und Philosophie und wenn nicht die Vielzahl derer, die sich heute aufgrund ihrer Anlagen nur der einen dieser zwei Aufgaben widmen, mit Gewalt davon ferngehalten wird, gibt es kein Ende des Unglücks in den Staaten, ja nicht einmal im ganzen Menschengeschlecht.“

Macht das muss also mit geistiger Qualität zusammenfallen.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts war geprägt von einer merkwürdigen End- Zeit- Stimmung, als würde die alte Welt vergehen und etwas gewaltiges Neues beginnen. Zeitzeugen berichten von mystischen Ahnungen, die in den Seelen vieler Menschen lebten. Der letzte Weltkrieg und die Nachkriegszeit taten das Ihrige dazu. In dieser unterschwelligen Stimmung erwarteten die Menschen des deutschen Volkes das Wirken Hitlers. Mit vielen Machenschaften und Manipulationen im Hintergrund für und gegen Hitler, war er an die Macht gekommen und nun erwartete man vom Führer die Führung nicht nur in politischer, sondern auch in ideologischer Hinsicht. Er wurde von seinen Ministern und Vertrauten in starkem Maße beraten und gelenkt, aber auch er selbst war wie besessen, seine Ideen und seinen Willen durchzusetzen und damit sein Volk zu führen. So entstand die Fixierung auf die arische Rasse, ein Menschenidealbild der blonden, blauäugigen Germanen, ein „Heldengeschlecht.“

Merkwürdige mystische Blickrichtungen und okkulte Faszinationen ergriffen die Menschen zum Teil wie ein Lauffeuer. Wer sich widersetzte und andere Wege gehen wollte, wurde kurzerhand beseitigt. Man wollte in Hitler den großen Menschenführer sehen, der in der nächsten Zukunft sein Licht- Volk, sein Licht- Heer im Schutze des Lichtträgers Luzifer zum Endkampf führte. Ins mystische Königreich Shambhala werden die Guten geführt, wo das vierte Reich errichtet wird und die böse Rasse wird ihren Untergang finden.


112 Zu den Persönlichkeiten – Wissenschaftler, Schriftsteller, Esoteriker- die sich mit diesen Theorien befassten, gehörte Otto Rahn, der besonders vom Reichsführer SS Himmler gefördert und gefordert wurde. Geboren wurde er 1904 im Odenwald. Er suchte nach dem Heiligen Gral. Die Burg Wildenberg im Odenwald, wird auch die Gralsburg genannt. Hier hat Wolfram von Eschenbach Teile seinen Parzivals niedergeschrieben. Parzivals Ziel ist der heilige Gral, ein Stein des Lichts gegenüber dem der Erdenschein ein Nichts ist, der die Erfüllung aller Erdenwünsche, das Paradies sein soll.

Rahn hatte seit seiner Schulzeit ein besonderes Interesse für die Katharer, die mittelalterliche Ketzerbewegung, die er mit den Hütern des Heiligen Gral identifizierte. Die Ursprünge der Katharer sah er in den Ideen der Kelten und der christianisierten Druiden. Mit diesen verbunden sah er einen ganzen Strom gnostischen Ursprungs, der im Jahr 1244 von der Inquisition ausgerottet wurde. Das war der Kreuzzug gegen den Gral, wie auch sein Buch betitelt ist, das er 1933 veröffentlichte. Hier wird Luzifer als Macht des Bösen gesehen, die auf der Seite der Inquisition steht. Der Gral ist demnach das Symbol eines der größten religiösen Auseinandersetzungen des Mittelalters. Er bezeichnet auch den Kampf der Katharer gegen die römische Papstkirche. In seinem zweiten Buch „Luzifers Hofgesind“ gehört Luzifer als der Lichtträger zu den führenden guten Mächten. Dieses Buch war eine SS Propagandaschrift. Otto Rahn forschte in Südfrankreich nach den Spuren der Katharer und hoffte bei ihnen den Gral zu finden. Die Burg Montsegur war für ihn die Gralsburg Montsalvatsch, es ist das Gebiet des pyräneischen Tabor. Er kletterte in den Höhlen des Ariedge – Tales herum, weil er dort den versteckten Katharerschatz, den Heiligen Gral, vermutete. Auf der Burg Monsigeur ist der Schatz der Katharer gehütet worden als die katholische Kirche alle verbrannt hat. Der Schatz sei das wahre Ergebnis des Johannes. Welche Aufrechten zieht es nicht zu Licht und Klarheit, zu einem Gralsland. Luzifers Herrscharen wollten den heiligen Gral wieder bekommen um ihn wieder in das Diadem ihres Herrschers einzufügen, aus dem er beim Sturz der Engel auf die Erde gefallen war.

Da kam vom Himmel eine weiße Taube und spaltete mit dem Schnabel den Tabor. (Abschlussbericht Furtbach: Statt Tavor Tabor) Esklamaunt, die Gralshüterin, warf das kostbare Diadem in den Berg Tabor und so wurde der Gral gerettet. Der Gral ist das Gefäß eines reinen Herzens, der Gesinnung und des reinen Blutes. Lapis Exilis nannte Eschenbach den Gralsstein, den Stein der Verbannung. Ein Heid und Astrologe hat ihn aus den Gestirnen Lauf erschaut und ihn verkündet.


113 Er wurde von einer Schar zurückgelassen, die wieder zu den Sternen flog, weil ihre Reinheit sie heimwärts zog.

Im 19. Jahrhundert wird das Parzival Epos zur Nationaldichtung erhoben. Richard Wagner: „Nur die tiefsinnige Annahme der Seelenwanderung konnte mir den trostreichen Punkt zeigen, auf welchen endlich alles zur gleichen Höhe der Erlösung zusammenläuft, nachdem die verschiedenen Lebensläufe, welche in der Zeit getrennt nebeneinander laufen, außer der Zeit sich verständnisvoll berührt haben. Nach der schönen buddhistischen Annahme wird die fleckenlose Reinheit des Lohengrin einfach daraus erklärlich, dass er die Fortsetzung Parsifals – der die Reinheit sich erst erkämpfte – ist. Ebenso würde Elsa in ihrer Wiedergeburt bis zu Lohengrin heranreichen.“ -

Eine weitere seltsame Begebenheit, die mit dem heiligen Gral in Verbindung steht, zeigte sich im Laufe der Zeit ihrer, also Antje-Sophias Entlassung aus der Münchner Klinik: Die junge Frau hat nicht nur Zugang zu einer anderen Sphäre, aus der sie ihr Wissen empfängt, sogar genaue Uhrzeiten, Namen von Mitmenschen und deren Freunden, die sie nicht wissen kann, sondern ihre Gedächtniskräfte nehmen ein geradezu erschreckendes Ausmaß an, ihre Gehirnleistungen können in einer Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit intellektuelle Höchstleistungen vollbringen, vor denen ihre Mitmenschen erschrecken. Sie blickt nur Klaviernoten an und vermag sie auswendig zu spielen, ohne es je gelernt zu haben. Sie vermag große Zahlen mit Kommastellen im Kopf zu teilen und ist in der Lage, über sieben Jahrhunderte bei genanntem Datum die Wochentage auszurechnen. Sie muss ein Buch nur ansehen, so „scannt“ ihr Gehirn die Seite, die sie anschließend nur noch „inwendig“ ablesen muss. In wenigen Sekunden merkt sie sich bis zu 20 Nummernschildern parkender Autos und vollzieht viele Dinge gleichzeitig. Ihre Schüler bezeichnen ihren Kopf als Computer, der jedoch auch einen Nachteil hat: Sie kann nichts, gar nichts vergessen. Keine Aussage, keine Begebenheit. Aus diesem Grunde trinkt sie auch Alkohol, um vergessen zu können, um diese phänomenalen Leistungen abzuschwächen und vor allem endlich etwas schlafen zu können, denn angeblich und von ihr bestätigt kann es nach einem Tavorentzug „Jahrzehnte dauern, bis sich der normale und eigenständige Schlaf wieder annähernd einstellt.“ Doch unter Alkohol und im Tavorentzug stellen sich weitere Phänomene des Aufgeführten ein, die sie in eine andere Sphäre blicken lassen.

Dr. Engel und Dr. Albertrecht wollten sie vernichten und bewirkte nach ihrem Durchhalten gegen alle Widerstände und Gesetze, nach ihrer „Auferstehung“ das Gegenteil: Im Zusammenhang mit dem Heiligen Gral wird auch von den „Taborbergen“ gesprochen. Der Gral erscheint auch oft in der Form eines Steines, der aus der Krone Luzifers gefallen ist, der den Namen „Tabor“ trägt und von einer Frau geteilt wird.


114 Im Abschlussbericht der jungen Frau aus der Psychiatrie in Stuttgart, in dem auch die hohe Tavordosis immer verschleiert wurde, steht statt „Tavor“ das Wort „Tabor“ (Lorazepam) geschrieben. Ein unbewusster, aber wissender Fehler? Welche sogenannte „Freudsche Fehlleistung“ in diesem Schreibfehler steckt dahinter? Welche geheimen dunklen oder hellen Mächte wollen ein Licht in die Handhabung damit werfen? Denn tatsächlich sollte sie das Tavor- Tabor vernichten, im Zwischenreich gefangen halten und das schien zunächst auch gelungen über fast drei Jahre, doch dann schwangen sich ihre Seele, ihr Geist empor in ungeahnte Höhen bis zu den Taborbergen der Erleuchtung! „In der biblischen Überlieferung ist der Berg Tabor der Weltenberg: hebräisch tabbur bedeutet „Nabel (der Welt)“. Christen bringen die Verklärung des Herrn mit ihm in Verbindung. Jesus erschien dabei auf dem „Verklärungsberg“ seinen Jüngern in göttlicher Gestalt. (Matthäus 17, Markus 9, Lukas 9). Das Licht, das sie dabei sahen, wird Taborlicht genannt; es spielte eine große Rolle bei den Debatten um den Hesychasmus im 14. Jahrhundert.“„Die Geistige Gralsburg“ in Rottenburg, sollte meine Heimat werden, wie es mir ein göttliches Wesen in der Nacht meiner Nahtoderfahrung sagte. „Du bist der Gralshüter und wirst vom heiligen Gral ernährt“. Denn tatsächlich lebte die junge Frau im Jahr ihrer Flucht mehr von Luft und „Liebe“, als von irgendwelcher Nahrung.

Der Blick auf Caspar Hausers Wesen und Leben hat immer wieder Menschen angeregt, ihn mit Parzival zu vergleichen. Beide stehen schuldlos und völlig unerfahren in jungen Jahren der Welt gegenüber. Man verlacht sie als „tumbe Toren“. Der eine will ein Reiter werden, der andere trägt in seiner Hand auf einem Zettel geschrieben die Worte: „I will a an solchener Reiter wer'n.“ Aber durch die Reinheit ihrer Seelen erlangen sie Fähigkeiten, die außergewöhnlich sind und sie vor anderen auszeichnen. Aber da ist bei Caspar Hauser bald die Grenze erreicht, erstens natürlich durch den frühen Tod und zweitens, weil er böswillig weit zerstörerischer und tiefgreifender geschädigt wurde, als Parzival, den nur ein Mutterherz ganz für sich alleine haben wollte. Kaspars große Veranlagungen sind vorerst erstickt worden.

Erst jetzt ist er auf der Wanderschaft, seine Abenteuer zu finden und zu bestehen, seine edlen Rittertugenden im Ringen mit den Schicksalsmächten zu erstarken. Gott und den Menschen gegenüber. Auch er ist zum Hüter der heute noch verborgenen Gralsgeheimnisse ausersehen, die der notleidenden Menschheit aus der Zukunft heilend entgegen leuchten. „Königlich und jungfräulich“ wurde Antje-Sophias Wesen immer wieder von ihren Mitmenschen bezeichnet.-


115 Ludwig der II. lässt sich auf sein Tagebuch eine Gralsburg malen und fühlte sich selbst als Gralshüter. 1882 – Richard Wagners Parzivals Weihespiel wird zum Inbegriff der Rückbesinnung auf wahres Deutschsein. Die Begeisterung für seine Musik ergreift auch einen arbeitslosen jungen Kunstmaler, der sich in Wien mit Postkartenmalerei herumschlägt und in den Bibliotheken nach dem Erbe der Ahnen und dem geheimen Wissen der nordischen Runen sucht. Das Vielvölkerreich der Habsburger liegt im Sterben und in Scherben, während die Frage nach Demokratie oder Sozialismus aufkommt und immer dringlicher wird, die Frage nach Klassenkampf oder Rassenkampf. Aber auch der Aberglaube und Okkultismus gedeiht prächtig und findet reiche Nahrung. Hitler spürt den Verfall und möchte ein neues Deutschtum, zurück ins Reich der Ahnen, zu einer mächtigen germanischen Nation, die den Bürgern Sicherheit bietet. Er stößt in der Schatzkammer auf ein heiliges Kleinod, die heilige Lanze, sie trägt die Speerspitze, mit der Longinus Jesus am Kreuz in die Seite stieß. Sein Besitz soll einen entscheidenden Einfluss auf das Weltgeschehen bedeuten. Ariosophie heißt die magische Formel dieser neuen Zeitepoche. Es war die „Lehre“ des Nationalsozialismus voller Okkultismus, die aber ganz platt und verworren im weltlichten Sinne verwendet wurden zur Untermauerung der Macht und zur Vormachtstellung der arischen Rasse. So behauptet man, Jesus sei Arier gewesen. Man suchte an allen zugänglichen Ecken der Welt nach Beweisen der Vorfahren Arischer Rasse. Man sprach von spirituellen Zentren, welche die politischen Vorgänge steuern würden, namentlich von den unterirdischen Reichen Agarte und Shambhala, wo buddhistische, gnostische und katharische Lehren vereint wirken.

Hitler überlebt den 1. Weltkrieg und bekommt einen Orden für seine Tapferkeit. Es bestätigt sein Gefühl, für eine große und heilige Mission auserkoren zu sein. Aus dem Kriegsveteranen, geschmückt mit dem Tapferkeitsorden, wurde ein Politiker. Das 3. Reich steht bevor, ein Reich der nordischen Mythen, die den Kampfes allen gegenüber aufnehmen, was dem bösen Gott der Juden zuzuschreiben ist.

Das neue alte Reich wird von Nürnberg aus errichtet. (Kaspar Nürnberg) Die alte Reichshauptstadt entwickelt sich zum Zentrum des neuen Machtmythos. Dort, wo einst die deutschen Kaiser gekrönt wurden, will auch Hitler seine Weihe erhalten und das sollte ihm mit dem Anschluss Österreichs auch gelingen. Er bringt den Speer des Schicksals nach Nürnberg in der Hoffnung, dass sie ihn mit den Mächten der Vorsehung verbinden soll. Es wird erzählt, der Gral entferne sich um so weiter von den Menschen, je mehr diese seiner unwürdig geworden sind, der Gral nähert sich den Menschen umso mehr, je mehr sie seiner würdig werden.


116 Nur durch Erbarmen, Liebe und Mitgefühl kann er sich zeigen.

Doch die neue Elite von Hitlers Reich ist die SS, an deren Spitze dieses Schwarzordens Heinrich Himmler steht. Noch mehr als Hitler hat er sich das Gedankengut der arischen Rasse zu Eigen gemacht und verachtet die christliche Kultur des Abendlandes und so liest er begeistert Otto Rahns „Feldzug gegen den Gral“. Sein Ziel ist es, dem Heidentum wieder auferstehen zu lassen, denn das erlebt er in der Schrift und bittet Otto Rahn, der SS beizutreten und bietet ihm Forschungsgelder an. Dieser zögert, gesteht aber einem Freund, dass man ja schließlich von irgendwas leben müsse. Himmler lässt den Ordenskult der SS systematisch ausbauen unter dem Vorzeichen der Weltverachtung. Willigut Weißhaupt ist Himmlers Rasputin, er ist sein Berater. Die Westfälische Wewelsburg erwirbt Himmler 1934, sie ist wie eine Speerspitze angelegt und somit ein subjektiv gedeutetes Zeichen für die hohe Mission. Dort soll das Gefolge Himmlers auf die große Auseinandersetzung zwischen Asien und Europa vorbereitet werden, das Ariertum gegen Hunnensturm der jüdischen bolschewistischen Weltverschwörung. Der Mittelpunkt der Wewelsburg ist die schwarze Sonne. Otto Rahn bekommt von Himmler den klaren Auftrag, den heiligen Gral für die Wewelsburg finden, denn es fehlt ihnen noch ein Symbol der Macht. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, ihm wird auch in der Wewelsburg gehuldigt und alles geschieht im Heimlichen, damit das unverständige deutsche Volk nicht beunruhigt würde. Himmler verklärt das Massenmorden zu Edeltaten der schwarzen Ritter, wer nicht in ihr Zuchtprogramm passt verliert das Menschenrecht, denn es soll ein reinblütiger Mensch der Tat geschaffen werden, der handelt und nicht denkt und wer denken will und kann ist ein Volksfeind. Das neue Geschlecht darf keine Gefühle kennen, kein Mitleid, kein Erbarmen, Menschenverachtung steht auf dem Programm der Umgestaltung.

1938 wird Otto Rahn eingezogen um in Dachau zu lernen wie man erniedrigt und verachtet, wie man quält und foltert, wie man mordet. Er ging sehr „großzügig“ mit etymologischen Gleichsetzungen um und ebenso unbekümmert mit historischen Belegen. So waren es leere Assoziationen, welche die Katharer mit dem Heiligen Gral verbanden und die katharischevisigotische und gnostische Untergrundreligion arisch- westgotischen Ursprungs als Belege für mystische Mission der SS bestimmten. 1938 tritt Otto Rahn aus der SS aus. Himmler will den Gralsforscher unter allen Umständen behalten. Nach seinem Tode berichtet seine Angehörigen von einem Brief mit versteckten Drohungen gegen Rahns Familie.


117 „Luzifers Hofgesindt“ sind die, die nicht eines Mittlers benötigen, um zu Gott zu kommen, oder mit ihm Zwiesprache. Aus eigener Kraft suchen und finden und von ihm erhört werden. Otto Rahn wurde 1939 in Südtirol im Schnee erfroren aufgefunden. Ob es ein Unfall oder ein beabsichtigter Tod, die Endura der Katharer war ist ungeklärt. „Die Junge Freiheit“ schreibt: „Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon herausfinden“: Der Befehl des Erzabts Arnold von Citeaux läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Am 21. Juli 1209 wird die Stadt Béziers im französischen Languedoc dem Erdboden gleichgemacht. 20.000 Einwohner – Ketzer und Katholiken, Männer, Frauen, Greise und Kinder – sterben unter den Schwerthieben der Kreuzzügler, in deren Schlepptau der Abschaum halb Europas plündernd und sengend durch die Stadt zieht. Es ist der erste blutige Höhepunkt eines Vernichtungsfeldzugs der römischen Kirche gegen Glaubensabweichler, die Katharer. Der Ketzerei wird diese vor allem in Südfrankreich verbreitete religiöse Bewegung nicht zu Unrecht verdächtigt, ist doch die Quintessenz ihrer Lehre, daß die irdische Welt nicht von Gott geschaffen sein kann. Gott – so glauben sie – ist Geist, ewig, unveränderlich und vollkommen. Die irdische Welt und mit ihr der Mensch ist jedoch unvollkommen. Unvollkommenes kann aber nicht von Vollkommenem verursacht sein.

Kann der Gral sich einem Menschen, einer Menschheit zeigen, die Menschen für einen Mythos missbraucht, demütigt, schändet, foltert, knechtet und mordet? Fanatismus, Mytomanie und Größenwahn zeichnen die Machthaber des dritten Reiches aus, die auf der Suche nach dem Heiligen Gral, wie die Katholische Kirche, die Scheiterhaufen anzündet. Den Gral findet Himmler nicht mehr und entzieht sich, wie Hitler durch Selbstmord der Verantwortung. Wer den Gral finden will muss zuerst sein Herz öffnen für Liebe und Mitgefühl.

Otto Rahn hat die Endura angenommen, weil er nicht damit einverstanden war, dass Hitler den heiligen Gral missbrauchte um in Schutt und Asche unterzugehen. Nach den Gesetzen der Katharer muss sich der Neophyt in die Einöde zurückziehen und nur von Wasser und Brot leben, um eine Fastenzeit durchzuleben, die Endura. Nach dieser Weihe begingen viele Katharer den Freitod, er wurde unter bestimmten Voraussetzungen gestattet. Allerdings durfte er nicht aus Lebensüberdruss begangen werden, sondern aus dem Lostgelöstsein von der Materie, ohne Begierden und Leidenschaften – dann erst durfte ein Katharer seinem Leben ein Ende setzen. Anderenfalls würde der Selbstmörder, der aus Angst und Lebensüberdruss sich suizidierte, danach in dieser Angst weiterleben müssen. Für die Ketzer war das Leben danach das eigentliche Leben. -

Die Zeiten sind vergangen, aber nicht überwunden.


118 Kapitel: Der Heilige Gral in vielen Variationen – die Zahl „40“ und die „Geistige Gralsburg“

Als Josef von Arimathäa das Blut Christi vom Kreuze mit einer Schale auffing Der heilige Gral und Kaspar Hauser Schon in ganz frühchristlicher Zeit gab es im Mitteleuropa ein Wissen vom Gral. Der „Gralskult“ ist praktisch aus der keltischen Kultur und Spiritualität herausgewachsen. Alte Kulturen haben ja eine Art Urweisheit, ein Urwissen um die sonst geheimen Kräfte der Welt. Der christliche Impuls wirkte dann neu belebend mit dem Alten zusammen. Namentlich in Mittel-, West- und Nord-Europa lebten die Gralsgeheimnisse bis ins hohe Mittelalter. Es scheint, dass die Ritter mit ihren hochgelegenen Burgen über die Grenzen Deutschlands hinaus nach dem heutigen Frankreich hinein, durchaus Gralsweisheit gesucht und gehütet haben, zu dessen kulturellen Mittelpunkt wohl auch Rottenburg gehört hat.

Der Legende nach stammt die Gralsschale aus einem Stein aus der Krone des Luzifer. Man sagt, aus dieser Schale habe Christus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl genommen. Und Joseph von Arimethia habe das Blut des Gekreuzigten darin aus der Wunde aufgefangen, als es zur Erde floss. Seitdem ist der Stein wundertätig, wer ihn sieht, wird geheilt. Aber nicht alle können ihn sehen, „Ungetaufte“ Zum Beispiel nicht, und nur reine Seelen können ihn aufheben. Darum wird er stets von reinen Jungfrauen getragen.

So ist die damalige christliche Welt bemüht, sich des Grals würdig zu erweisen. Der weise König Artus sammelte im 6. Jh. auf seiner Burg die Gralssucher, die von weither zu ihm strömten. Diese Bruderschaft der Gralsritter ersuchte die wahren menschlichen Tugenden zu erwerben. Die Ritter kämpften für das Gute, übten Edelmut gegen die Menschen und Demut vor Gott, um des Grals würdig zu werden. Der Gral wurde zu jener Zeit auf der Burg des Königs Amfortas gehütet. Zuerst hüteten Engel den Stein, dann auserwählte Menschen, so auch jetzt der König Anfortas. Anfortas war in Streit geraten mit den Gegnern des Gral, aus dem er nicht herausfand, weil seine Seele sich durch leidenschaftliche Liebe zu Frauen selbst gefesselt hatte und er nicht mehr in Freiheit über sich selbst bestimmen konnte. Dadurch gelang es dem Feind, Amfortas schwer zu verletzen. Seitdem war dieser leidend, blieb aber durch den täglichen Anblick des Grals noch am Leben. Auf der Gralsschale erscheint zeitweise eine Schrift, die den Namen dessen verkündet, der der nächste Gralshüter sein soll.


119 Es erscheint für Anfortas der Name Parzival. So erwartet Anfortas seinen Nachfolger Parzival, der ihn erlösen soll durch eine Frage, die er stellen soll nach dem Heiligen Gral und dem Leiden des Anfortas. Parzival ist der Sohn eines Ritters. Nach dem frühen Tod dieses Ritters, seinem Vater, wird Parzival von seiner Mutter so behütet auf dem Schloss aufgezogen, dass er von der Welt keine Ahnung hat. Ja, die Bediensteten dürfen ihm nichts erzählen von dem Leben außerhalb des Schlosses oder gar von dem Ritterleben seines Vaters. Er darf auch das Gelände des Schlosses nicht verlassen. Eines Tages aber sieht der Knabe Reiter in der Nähe des Schlosses vorbeireiten. Aufgeregt erzählt er seiner Mutter davon, und es lässt ihn nicht los, er möchte auch so ein Reiter werden. Endlich kann sie seinem Bitten und Drängen nicht standhalten und lässt ihn ziehen. Sie lässt ihn in einen Narren-Anzug kleiden, den sie ihm extra genäht hat. Wie er nun, wahrlich als Narr, auf seinem Klepper davonreitet, schaut die Mutter ihm weinend nach und fällt dann tot zu Boden. Alles was Parzival zunächst tat, war närrisch und falsch und er richtete viel Schaden an. Er war ein „tumber Tor“ und erregte als solcher überall Aufsehen. Aber er erreichte so ziemlich alles, was er wollte und lernte vieles und vor allem alles, was mit den Rittertugenden zusammenhängt und wurde zuletzt doch zum Ritter geschlagen.

So gelangt er noch in seiner Jugendkraft auf die Burg des Anfortas. Er erlebt Anfortas in seinem Leiden und wird Zeuge des Gralswunders. Er versteht nicht, was er sieht und würde es gerne verstehen. Aber stärker als das Interesse, das Geschehen zu durchschauen, wirkt die Mahnung in ihm, die ihm immer wieder entgegengehalten worden war, dass er nicht so viel fragen solle. Also schweigt er. Enttäuscht ziehen sich alle auf der Burg vor ihm zurück, und am nächsten Morgen ist keiner da, der ihn verabschiedet, er verlässt einsam die Burg. Durch die vielen schweren Aufgaben und Abenteuer, die er jetzt zu bestehen hat, reift er immer mehr und sieht ein, wie er auf der Gralsburg versagt hat. Bald steht er im Ruf, der tapferste und edelste Ritter zu sein weit und breit. Nach Jahren wird er unversehens wieder auf die Burg geführt. Dort wird er mit Freuden empfangen von Anfortas und der Ritterschaft, und gemäß der Aufschrift die wieder auf dem Gral erscheint, zum neuen Gralshüter eingesetzt.

Der Blick auf Caspar Hausers Wesen und Leben hat immer wieder Menschen angeregt, ihn mit Parzival zu vergleichen. Beide stehen schuldlos und völlig unerfahren in jungen Jahren der Welt gegenüber. Man verlacht sie als „tumbe Toren“. Der eine will ein Reiter werden, der andere trägt in seiner Hand auf einem Zettel geschrieben die Worte: „I will au an solchener Reiter wer'n.“ Aber durch die Reinheit ihrer Seelen erlangen sie Fähigkeiten, die außergewöhnlich sind und sie vor anderen auszeichnen.


120 Aber da ist bei Caspar Hauser bald die Grenze erreicht, erstens natürlich durch den frühen Tod und zweitens, weil er böswillig weit zerstörerischer und tiefgreifender geschädigt wurde, als Parzival, den nur ein Mutterherz ganz für sich alleine haben wollte. Caspars große Veranlagungen sind vorerst erstickt worden. Erst jetzt ist er auf der Wanderschaft, seine Abenteuer zu finden und zu bestehen, seine edlen Rittertugenden im Ringen mit den Schicksalsmächten zu erstarken. Gott und den Menschen gegenüber. Auch er ist zum Hüter der heute noch verborgenen Gralsgeheimnisse ausersehen, die der notleidenden Menschheit aus der Zukunft heilend entgegen leuchten.

Im Odenwald liegt die Burg Wildenberg, erbaut 2. Hälfte des 12. Jh., auf der zeitweise W.v.E. Seinen Parzival geschrieben hat. Von dieser wird gesagt, dass sie die Gralsburg gewesen sei. Wildenberg französisch: Mont sauvage = Munsalvaesche = Montsalvatsch. Im Pollas der Burg steht eine Wandschrift: „OWE MUTER“ Sie erinnern an die Frage des jungen Parzival: Owe, Mutter, was ihr Gott?“ Was bedeutet dieses Owe? In Obernau steht die Endung Owe für die Au, die wasserreiche Wiese. Bei Parzival scheint es mehr in die Grußformel zu gehen. Ave! (Ave mari stella!)

Bei Chrestien de Troyes bezeichnet das Wort „Gral“ eine Schüssel aus reinem Gold, …

Wolfram enthüllt nun nicht das Wesen, sondern nur die Wirkungen des Grals. Sein Anblick gibt dem Getauften, der seiner gewürdigt wird – der Ungetaufte sieht den Gral nicht – verjüngte Schönheit und neues Leben. Alljährlich am Karfreitag bringt himmlische Taube eine Oblate und legt sie auf den Stein. Dadurch wird dessen eigentümliche Kraft, Speise und Trank zu spenden (vgl. das Tischleindeckdich des Märchens!) immer wieder aufs Neue belebt. Durch Schriftzüge, die am Rande des Gralsteines erscheinen und die nach erfolgter Kenntnisnahme wieder verschwinden, beruft der Gral selbst zu seinem Dienst. Seine ersten Hüter waren die Engel, die bei dem Streit Gottes mit Luzifer neutral geblieben waren. Nach ihrer Begnadigung bestimmte Gott selbst die weiteren Hüter. Gralsdienst heischt Reinheit, Demut, Keuschheit. Nur dem König ist die Ehe gestattet und den Sendboten des Grals, die auf sein Geheiß in die Welt ziehen, um herrenloses Land in Verwaltung zu nehmen. Nach einem gottgefälligen Leben harrt der reinen Diener des Grals die ewige Seligkeit.

Nur eine reine Jungfrau vermag den Gral zu tragen, dem Wolfram in der Gralsburg Munsalväsche eine würdige Heimstätte geschaffen hat. Der Bruderschaft der Gralsritter, die Burg und Land beschützen und für die Wolfram den Namen Templeisen erfunden hat, gibt die Art ihres Amtes und ihre Berufung göttliche


121 Weihe. Die ganze Darstellung der Gralsritterschaft, deren Abzeichen die Taube ist, ist eine dichterische Verklärung des deutschen Ritterordens.

Er aber ward des Grals erster Hüter. So lebt' er vierzig Jahre In seiner Kluft, der dunkeln, Nicht bleichten ihm die Haare, Ihn speiset, tränket, wärmt des Kelches Funkeln, Helmut Berndt – Der heilige Fels Das merkwürdigste an Wolframs Schilderungen ist der Gral, der viele Eigenschaften besitzt. Es ist ein Stein von unbestimmter Form, der in einem Tempel, in der Gralsburg, aufbewahrt wird und alles Irdische übertrifft. Sein Anblick verleiht ewige Jugend. Er ist so schwer, daß böse Menschen ihn nicht anheben können. Der Gral, für Heiden unsichtbar, kann nur indirekt gefunden werden. Der bewußten Suche entzieht er sich. Seine Kraft erhält er durch eine Oblate, die eine weiße Taube jeden Karfreitag vom Himmel bringt und auf dem Gral niederlegt. Der Gral wird von Tempelrittern, den „Templeisen“, bewacht. Oberster Wächter ist der Gralskönig. Der Orden der Tempelritter war 1119 gegründet worden, um den Pilgern auf ihrer Wallfahrt nach Jerusalem Schutz zu gewähren. In den erhöhten Raum dieses Tempels, der als Sitz Gottes galt, ragte ein mächtiger Kalkstein: der heilige Fels. Er war von den Juden verehrt worden und blieb zentrales Heiligtum, als die Römer hier einen Tempel bauten und wieder einige Jahrhunderte danach die Araber an derselben Stelle eine Moschee errichteten, die „Omar-Moschee“, den „Felsen-Dom“. Als die Kreuzritter 1099 Jerusalem besetzten, fanden auch sie bald ein besonderes Verhältnis zu diesem Stein. Luzifers Sturz. (…) Ein gewaltiges Rauschen in der Luft. Luzifer stürzt durch das Weltall, er stürzt an der Erde vorbei. Ein Stein bricht aus seiner Engelkrone, glüht auf wie ein Meteorit. Stille. (…) In der Wüste liegt ein riesiger leuchtender Stein, er hat dieselbe gezackte Form wie der Stein aus der Krone Luzifers: es ist der Stein aus der Krone Luzifers. Der Tabor Stein. Christus am Kreuz (…) Der Kriegsknecht stößt ihm die Lanze in die Seite, dreht sie in der Wunde um. Ein dicker Blutstrahl schießt aus der Wunde.


122 Joseph von Arimathia kniet unter dem Kreuz und fängt das Blut in dem grünschimmernden Gralskelch auf. Er ist ängstlich besorgt, daß kein Tropfen Blut auf die Erde fällt. Der Kelch, das ist der Stein Luzifer. Wilhelm Herz – Der Gral ist ein Edelstein Der Gral ist ein Edelstein von reinster Art, der jeden Wunsch gewährt. … Sein Anblick verleiht nie alternde Jugendkraft, und wer ihn schaut, kann in derselben Woche nicht sterben. Jeden Karfreitag schwingt sich eine durchleuchtig weiße Taube vom Himmel herab und legt eine feine Oblate auf den Stein; davon wird ihm seine Wunderkraft. Der Stein ist so schwer, daß ihn die sündige Menschheit insgesamt nicht von der Stelle rücken könnte; aber eine reine Jungfrau trägt ihn ohne Mühe (…)

Nur der Berufene findet den Weg zum Gral. Von diesen, seinen Dienern, fordert der Gral Keuschheit und Demut. (…) Friedrich Schlegel – Der Gral und die Tafelrunde Eines Tages kam Merlin zum König und sprach: Mein König wisse, daß nachdem unser Heiland war gekreuzigt worden, ein frommer Ritter, mit Namen Joseph von Arimathia, kam, und kaufte den Leichnam Christi von Pilato, und ließ ihn begraben. (…) Wisse ferner, mein König, daß dieser Kelch von Gott gesandt, die Gemeinschaft der Guten und der Bösen bedeutet; die Guten aber, welche an dieser Tafel zugelassen wurden, erhielten die Erfüllung aller ihrer Wünsche. Ein Platz blieb immer leer an dieser Tafel, das bedeutete den Judas, der unsern Herrn verriet, und sich mit den Aposteln zum Abendmahle setzte. Und als unser Heiland sagte: „Wahrlich ich sage Euch, einer unter Euch wird mich verraten; der mit der Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten“, stand Judas von der Tafel, schämte sich und ging hinaus.

Die christlichen Pilger, die nach Palästina gelangten, konnten sich ebenfalls der Kraft des Steines nicht entziehen.(…) Die Reliquien vom Fels, die nach Europa gelangten, erregten Aussehen, denn den Steinen vom „Tempel des Herrn“ sprach die wundergläubige Bevölkerung Zauberkraft zu. Auch Wolfram von Eschenbach hatte von diesen Steinen und ihrer Wunderkraft gehört und verband sie mit dem Gral. Zugleich wurden die Templeisen, die zu Wolframs Zeit in höchstem Ansehen standen, im Epos zu Gralshütern. –


123 Unmittelbar vor ihrem 40. Lebensjahr hatte Antje-Sophia die Nahtoderfahrung, in der sie um das „Dreieck“ gebeten wurde, das sie vor Zeugen auf eine Landkarte zeichnete. In seinem Mittelpunkt sollte die „Geistige Gralsburg“ entstehen. Was konnte damit gemeint sein? Ferner spiegelt die Zahl „40“ auch eine christliche Wirkensgröße. In ihrem Leben sollte ihr 40. Geburtstag und die Wochen und Monate danach einschneidende Veränderungen bringen, die sie zur Flucht in die „Wüste des Nichts“ bewegte. Ganze 40 Tage und Nächte regnet es bei der Sintflut, 40 Tage war Moses auf dem Berg Sinai, 40 Jahre herrscht David bzw. Salomon, und 40 Tage und Nächte fastete Jesu in der Wüste und war den Versuchungen des Luzifers ausgesetzt. – (…) „Er aber ward des Grales erster Hüter. So lebt' er vierzig Jahre In seiner Kluft, der dunkeln…“


124 Kapitel: Die Erfüllung der Prophetie oder Rottenburg am Neckar, die „Geistige Gralsburg“ ?

Dass in den Kirchen gepredigt wird, macht deswegen die Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig Georg Christoph Lichtenberg

Rottenburg am Neckar Gleich zu Anfang sei erwähnt, dass Rottenburg eine sehr alte Bischofsstadt ist. In einer Urkunde von 1274, also 700 Jahre vor Antje-Sophias Geburt im Jahr 1974, wird Rottenburg zum ersten Mal auf eine eindeutige Weise als eine Siedlung erwähnt. Im selben Jahr starb Thomas von Aquin, der große einflussreichste Philosoph und Theologe der Geschichte. Im Jahr 1774 wurde Baptist Keller geboren: Im Jahr 1828, also im selben Jahr, in dem Kaspar in Nürnberg „in die Welt geworfen“ wurde, am Unschlittplatz erschien, wurde der römisch- katholische Theologe Johann Baptist Keller erster Bischof im 1828 errichteten Bistum Rottenburg. Als solcher war er auch Mitglied im Württembergischen Landtag und hatte ein Mandat in der Zweiten Kammer. In Dillingen, also in der Nähe der Geburtsstadt von Antje-Sophia, studierte er Theologie und wurde von Papst Pius VII am 4. August 1816, wohl im selben Jahr von Kaspars Einkerkerung in Pilsach, zum Weihebischof von AUGSBURG geweiht. Antje-Sophia wurde in Augsburg geboren. Am 21. Mai 1828 wurde Keller erster Diözesenbischof in Rottenburg. Im Jahr 1818 wurde er von König Wilhelm mit dem Kommenturkreuz des Ordens Württembergische Krone ausgezeichnet. Er wurde im Jahr 1774 geboren und starb im Jahr 1845. Rottenburg wird durch den Neckar praktisch in zwei Teile geteilt. Auf der einen Seite stehen die evangelischen Kirchen, auf der anderen Seite die katholischen. –

Die Gründungslegende Rottenburgs, aus der Überlieferung eines bekannten Luther Gegners, Dr. J. Eck, berichtet über die Anfänge, den Beginn dieses Gotteshauses der katholischen Stiftskirche St. Moritz. Eck berichtet: „Ein großer Herr hat auch einmal St. Mauritius heimgesucht in den Savoyen (d.h. das Grab des Heiligen in St. Maurice im Wallis/Schweiz) und hat viele Heiltümer (=Reliquien) aufgeladen. Und als er diese durch das Dorf Ehingen am Neckar gegenüber Rottenburg geführt hat, sind die unvernünftigen Tiere stillgestanden, und durch keinen Weg (d.h. auf keine Weise) hat man sie mögen weiterbringen. Da das der Herr gesehen, hat er das Heiligtum geschenkt den Herren desselbigen Ortes...“ Der heilige Bischof Ulrich von AUGSBURG, der "große Herr" der Gründungslegende reiste um das Jahr 940 tatsächlich nach St. Maurice, um von dort Reliquien des heiligen Mauritius zu holen. Das ist der historische Hintergrund dieser Legende und Sage.


125 Die Herren der Siedlung Rottenburg, beziehungsweise Ehingen und der heilige Ulrich, waren Angehörige des Hauses Dillingen. „Durch diese geschichtliche Konstellation erklärt sich wahrscheinlich das Vorhandensein der Mauritiusreliquien in Ehingen. Für diese Reliquien wurde ein neues Gotteshaus am Neckarufer errichtet.“ Durch den schönen, schlanken Turm gehört dieses gotische Gebäude zum Namhaftesten der Stadt. Schon in der Altsteinzeit tummelte sich am Neckar im Gebiet zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb der Neandertaler bevor die ersten Siedlungen des Jungsteinzeitalters stattfanden. In der Keltenzeit entstand auf dem Platz des heutigen Rottenburg eine keltische Stadtsiedlung mit dem Namen Sumelocenna. So hieß der Ort auch noch, als die Römer die Stadt übernahmen und mit einer gewaltigen Mauer befestigten. Das war die Zeit des Kaisers Domitian, etwa im Jahre 85-90 nach Chr. Aus dieser Zeit stammt eine Wasserleitung von 7,16 Kilometern vom Rommelstal (Römertal) bei Obernau bis nach Rottenburg. An mehreren Stellen ist diese aus Stein gemauert zum Teil unterirdische Wasserweg noch heute zu sehen. Es gab damals im Stadtgebiet mehrere römische Bäder. Als die Alemannen ungefähr 260 nach Chr. Die Römer vertrieben, zerfiel die Stadt.

Erst im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts entstand auf dem Gelände eine frühmittelalterlich Siedlung, die Gründungsstadt Rottenburg. Graf Albrecht II ließ die „nova civitas“ 1280 mit neuen Bauten und Mauern errichten. Sein Urenkel, Graf Rudolf III verkaufte Rottenburg um 100 Jahre später mit der gesamten Grafschaft an den österreichischen Herzog Leopold III. Als dieser 1463 starb, nahm seine Frau Mechthild von der Pfalz Rottenburg zu ihrem Witwensitz. Sie richtete einen sogenannten Musenhof ein, in dem sie Dichter, Musiker, Gelehrte und sonstige Künstler versammelte. Die Stadt erblühte in Hochkultur, die allerdings mit dem Tode Mechthilds im Jahre 1482 endete.

Die Reformation brachte Rottenburg in schwere Konflikte. Es schlossen sich ihr zahlreiche Bürger an. Die österreichische Landesherrschaft sorgte streng für das Festhalten am alten Glauben und richtete 1527 viele „Wiedertäufer“ hin. Die innerhalb der Stadtmauern gelegenen Klöster, wie zum Beispiel der Karmeliter und das der Franziskanerinnen bestimmten sowohl das religiöse Leben als auch das wirtschaftliche. Es wurden Herrschaftsgrenzen zwischen Rottenburg/ Österreich und Tübingen/ Württemberg zur Konfessionsgrenze. Zur Zeit der Hexenverfolgung zur Wende ins 17. Jahrhundert wurden in Rottenburg und seinem Umland hunderte von Frauen, vereinzelt auch Männer, verfolgt und 150 davon hingerichtet.


126 So wurden hier 1527 zahlreiche Wiedertäufer hingerichtet, unter ihnen Michael und Margarethe Sattler. Die Herrschaftsgrenze zwischen Rottenburg/Österreich und Tübingen/Württemberg bildete fortan zugleich die Konfessionsgrenze.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wütete die Pest in der Stadt. Außerdem erlitt sie eine Belagerung, Einquartierungen und einen Stadtbrand 1644 mit verheerenden Folgen. (Ein zweiter Stadtbrand suchte Rottenburg im Jahr 1735 heim. Wie es das heutige Stadtbild zeigt, wurden die neuen Gebäude hauptsächlich im Barockstil erbaut.) Nach 1648 stand Rottenburg im Spannungsfeld der Gegenreformation. Die seit 1649 ansässigen Jesuiten spielten dabei eine wichtige Rolle. Im Jahre 1806 kam Rottenburg unter württembergische Staatshoheit. 1817 wurde Rottenburg Sitz des württembergischen Oberamtes und des katholischen Generalvikariats für Württemberg. 1821 wurde in Rottenburg das katholische Landesbistum für Württemberg errichtet und sieben Jahre später der erste Bischof inthronisiert. Dieser Bischof war 1816, wie schon erwähnt, durch Papst Pius VII in Rom zum Weihebischof in Augsburg geweiht worden. Im gleichen Jahr wählte man Rottenburg als Sitz für das katholische Generalvikariat für Württemberg, damals war sie zweitgrößte katholische Stadt des Königreichs.

Nun war er als Bischof der Diözese Rottenburg gleichzeitig mit einem Mandat der Zweiten Kammer des Württembergischen Landtags betraut. Im Rottenburger Stadtteil Sülchen gibt es in der Friedhofskirche sein Grab in der Bischofsgruft.

Seit 1855 gab es eine evangelische Kirche in Rottenburg, denn es zogen mittlerweile auch Protestanten in die Stadt. 1861 wurde Rottenburg an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Ein wichtiger Erwerbszweig in den letzten Jahrhunderten, der Hopfenanbau, kam Anfand des 20. Jahrhunderts zum Erliegen, aber der Weinbau auf den Hängen wird heute noch gepflegt.

Am 1. Juli 1972 wurde Rottenburg zur Großen Kreisstadt erhoben und die letzten Eingliederungen wurden erst 1975 abgeschlossen.


127 Kapitel: Der eigentliche Wohnort – Obernau und Hartmann von Aue

Der Talbevölkerung wird die Sicht durch die Berge genommen. Doch ist ihr Horizont und Weitblick oft größer als jener der Städter. Martin Mächler

Die Geschichte von Obernau

Früheste Zeugen der Besiedlung zur Römerzeit in dem Gebiete von Obernau, zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, sind Reste einer 7,16 Kilometer langen Wasserleitung, aus Stein gemauert, zum Teil unter der Erde, die vom Rommelstal (Römertal) in der Nähe von Obernau bis nach Rottenburg führte. Rottenburg hieß damals Sumelocenna. Diese Bezeichnung für den Ort ist ein keltischer Name - ein Beweis dafür, dass diese Gegend keltisch besiedelt war bevor die Römer sie übernahmen und im ersten nachchristlichen Jahrhundert diesen Wasserleitungsbau durchführten. Etwa 200 Jahre später, als die Germanen, die „Allemäner“ (Alemannen) den Lines überrannt hatten, besiedelten diese das Gebiet. Obernau, zwischen Neckar und bewalteten Hügeln gelegen, wird erstmalig im 12. Jahrhundert genannt. Die Endung –au, kommt aus dem Altdeutschen –aue –ow –owe –ouwe und bedeutet Land am Wasser oder Wasser, das heißt es ist Wiesenland. An mehreren Stellen des Neckarlaufes häufen sich Ortsnamen mit der Endung –au.

So lange das Gebiet heidnisch war, wurden den Grabstätten Wert- und Gebrauchsgegenstände beigegeben. Aus diesem lässt sich eine bäuerliche Kultur ersehen. Die feuchten Wiesen dienten als Weideland für die Viehzucht. Die zahlreichen Hänge mit Weinbau wird es damals wohl noch nicht gegeben haben.

Aus dem Münzfunden in den Gräbern kann man auf Handelsbeziehungen schließen. Gegen das 7. Jahrhundert nehmen die Gräberbeigaben langsam ab, die Christianisierung hat die Totenbestattung verändert.

Im Jahre 1331 wird zum ersten Male eine Kapelle in Obernau erwähnt. Eine kleine Marienkapelle mit gotischen Spitzbogenfenstern haben wir uns vorzustellen. Maria war also zunächst die Schutzpatronin. Später wurde Petrus zum weiteren Schutzpatron erklärt, und als 1805 ein neues Kirchengebäude an der nämlichen Stelle entstand, war sie „Peter und Paul“ geweiht. Das heißt eine Kirchenweihe hat es seltsamerweise erst nach 25 Jahren später 1830 gegeben, wie die Chronik berichtet. Die Chronik berichtet auch von kunsthistorisch wertvollen Altarbildern und geschnitzten Altären.


128 Diese sind aber alle auf irgendeine Weise abhanden gekommen. Eine eigene Pfarrei ist Obernau allem Anschein nach erst 1686 geworden. Obwohl Obernau heute das nahezu allerkleinste Dörfchen der Gemarkung ist, war es doch in seiner Entstehungszeit bedeutungsvoller als Rottenburg. Der heute noch bestehende Teil der Burg, der runde Turm, ist etwa aus dem 13. Jahrhundert, aber er weist in Einzelheiten darauf hin, dass vor ihm schon zwei andere Türme an dieser Stelle gestanden haben, einige Jahrhunderte früher. Der Grundriss des Städtchens zeigt, dass sich die Häuser um die Burg gruppiert haben, mit einer im Norden runden Stadtmauer, vielleicht ursprünglich Ringmauer der Burg, und dass im Süden der kleine Nebenfluss des Neckars, der Seltenbach, die Grenze bildete.

Das mittelalterliche Obernau hat eine ganze Reihe von Adelsgeschlechtern als Eigentümer gehabt. Zunächst hatten lange Zeit die Herren von Au OW das „Stättlin OW“ in ihrem Besitz. Seit 1381 wurde durch Verkauf das Stättlin Eigentum der Herzöge von Österreich. Bis ins 17. Jahrhundert wechselten oft mehrmals in einem Jahrhundert die Besitzer. 1509 bekam Obernau das Stadtrecht (urkundlich: „Statt“ Obernow)

1805, nach dem Frieden von Preßburg kommt Obernau unter württembergische Staatshoheit.

Eine Besonderheit Obernaus ist, wahrscheinlich war das schon den Römern bekannt, der heilkräftige „Sauerbronn“, eine Heilwasserquelle, die es noch heute als „Löwensprudel“ gibt. Sie machte Obernau als Besitz sehr begehrt. Genauso berühmt und beliebt in Adelskreisen war auch das „Bad“, in dem eine Quelle zu einem Gesundheitsbad eingefasst war.

Die Stürme der Reformationszeit haben auch durch Obernau geweht und der 30 jährige Krieg hat es auch nicht verschont. Armut und Hungersnot hat es mehrfach gegeben. Im 19. Jahrhundert erfasste die Auswanderungswelle auch Obernau. Es wurde ein Gremium gebildet, welches die Auswanderung überwachte und leitete. Arme aber untadelige Personen und Familien wurden sogar finanziell unterstützt und mit Pferdewagen und Eisenbahn bis zum Schiff am Meer befördert. Der Zweite Weltkrieg entsandte seine Wehrpflichtigen Männer auch weit hinaus. Die Gemeinde nahm großen Anteil an ihren Schicksalen. Wenn sich die Bevölkerung auch durch Tiefflieger bedroht fühlte, so gab es doch in Obernau kein einziges zerstörtes Haus. Ein neues Erlebnis für die Obernauer war es, dass die Welt sozusagen zu ihnen hereinkam, als vor Kriegsende von den Strömen der evakuierten Familien, vor allem aus Ostpreußen und Schlesien, viele Menschen aufnehmen musste. Auch Kriegsgefangene wurden aus den Lagern gebracht. Diese verrichteten die Arbeit der fehlenden Männer, die an der Front waren.


129 Nach dem Krieg erlebte Obernau die französische Besatzungsmacht und weiß bis heute noch von den Plünderungen durch diese zu erzählen.

Leider hat man bis heute keine Gewissheit, ob der Minnesänger und Kreuzritter der Stauferzeit, Hartmann von der Aue aus Obernau stammt. Es gibt Anzeichen, die vermuten lassen, dass er aus dem Geschlecht der Ritter von OW stammt, die ja unmittelbar mit Obernau zu tun hatten. Anderes spricht aber dafür, dass er aus Aue bei Freiburg stammt. Dann wäre er aus dem Geschlecht der Zähringer, dem Kaspar Hauser entstammte. Ja, es gibt eine große Menge kleiner Orte mit der Silbe „au“, auch geschrieben „ob- owe- aue“. Von welchem dieser Orte mag er selbst Zeugnis ablegen, wenn er seine Hautdichtung „Der arme Heinrich“ mit den folgenden Worten beginnen lässt:

Ob Hartmann von Aue tatsächlich vom Oberen Neckar stammt oder sogar aus Obernau, ist urkundlich nicht zu belegen. Aber einiges spricht dafür, dass das Stammhaus des „Ritters aus Schwaben“ beim (damals noch nicht existenten) Obernauer Eselsturm stand. Nur wenige Fakten sind aus dem Leben des niederadligen Ritters bekannt. Er soll zwischen 1160 und 1220 im Herzogtum Schwaben gelebt und im Dienst der Zähringer, Welfen oder Staufer gestanden haben. Als mögliche Herkunftsorte gelten Au bei Ravensburg, Au bei Freiburg, Eglisau im Kanton Zürich und – in letzter Zeit mit mehr wissenschaftlichem Gewicht – Obernau. Dafür spricht, dass sich dort seit 1112 ein Ministerialengeschlecht „von Owen“ im Dienst der Zähringer nachweisen lässt und es inhaltliche Parallelen zu Episoden aus Hartmanns Verserzählungen gibt. „Dafür spricht, dass sich dort seit 1112 ein Ministerialengeschlecht „von Owen“ im Dienst der Zähringer nachweisen lässt und es inhaltliche Parallelen zu Episoden aus Hartmanns Verserzählungen gibt.“

Löwen-Sprudel Als Europa noch Meeresboden war, bildete sich auf diesen Grund dichte Sedimente aus Muscheln und Meeresgetier. Dann erhob sich der Grund aus dem Meer, die Flüsse gruben Täler hinein. So entstand langsam auch die Landschaft des oberen Neckartales, aus dessen dicker Muschelkalkschicht heilsame Quellen hervorsprudeln. Schon bei den Römern war das Heilwasser von Sumelo cenna (Name aus der Keltenzeit), der heutigen Rottenburg mit Ober- und Niedernau, beliebt. In den letzten Jahrhunderten wird das Heilwasser der Quelle in Obernau professionell abgefüllt und vertrieben. Es ist ein besonders reiches Quellwasser.


130 Es hat den höchsten Calciumgehalt von allen württembergischen Mineralquellen. Es ist auch reich an Magnesium und Hydrogen-carbonat und deshalb für Knochen, Zähne, Muskelspannung und Entsäuerung des Körpers überaus gesund. Dieses Wasser hat den Namen Löwen-Sprudel und ist in Süddeutschland bis noch Stuttgart beliebt und bekannt mit seinem Etikett, auf dem ein großer Löwenkopf im Profil unverkennbar zu sehen ist. –

Aus Anna Schiener: Der Fall Kaspar Hauser: (…) „Am 14. September 1828. Hauser: (…) „Es kam mir vor, als wäre ich in einem sehr, sehr großem Hause. Da schlief ich in einem sehr kleinen Bette. Als ich aufstand, kleidete mich ein Frauenzimmer an. Nachdem ich angekleidet war, führte sie mich in ein anderes großes Zimmer, in welchem ich sehr schöne Kommode, Sessel und ein Sofa sah. (…) Schüsseln und Teller waren wie Silber (…) schön gebundene Bücher (…) an den Wänden hingen Portraits (…) in einem Hof stand ein Springbrunnen (…) sah ich ein Bildnis stehen, welches in Ritterkleidung ausgeschnitten oder ausgehauen war (…) hatte auch ein Schwert in der linken Hand. Oben am Handgriff war ein Löwenkopf angebracht.“

Der Löwe in vielseitiger Ausrichtung sollte in Antje-Sophias Leben noch Bedeutung erhalten.


131 Kapitel: Der Augsburger Religionsfriede – die Geburtsstadt von Antje-Sophia Es gibt viele Religionen, aber nur eine Moral John Ruskin

Der Augsburger Religionsfriede: „Öffnet das Tor zur Religionsfreiheit und veränderte die Welt. Seine Bibelübersetzung legte den Grundstein für eine gemeinsame Sprache.“

Es war nicht nur für die römisch-katholische Kirche, sondern auch für die kaiserlichen Gewalten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine große Herausforderung, was im 16. Jahrhundert durch die reformatorischen Bestrebungen vielerorts aufflammte. Der ehemalige Augustinermönch Martin Luther, der an der Universität Wittenberg als Theologieprofessor lehrte, entwickelte im Jahre 1517 seine 95 Thesen, mit denen er die Missstände herausarbeitete, die sich in der katholischen Kirche zu Gewohnheiten gebildet hatten. Im Mittelpunkt stand das Problem des Ablaßhandels. Er wurde zur Rechenschaft gezogen und sollte widerrufen. Dem widersetzte er sich aber und floh für einige Zeit. Schließlich wurde er zum Reichstag in Worms zitiert. Er erhielt freies Geleit dorthin. Aber auch dort leistete er keineswegs Widerruf. Luther: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir – Amen!“ Es wurde die Reichs...acht über ihn verhängt. Um ihn zu schützen, nahm ein Freund, der Kurfürst Friedrich der Weise, ihn zum Schein gefangen auf der Wartburg, wo er jahrelang an der vollständigen Bibelübersetzung arbeitete. Eine Tat mit der er die Grundlage für eine allgemeine deutsche Sprache legte. Später schrieb er noch religiöse Abhandlungen, auch einige Gedichte, die heute zu bekannten Kirchenliedern geworden sind. Im Jahr 1530 wurde ein Reichstag in Augsburg einberufen. Von protestantischer Seite wurde eine Bekenntnisschrift vorgelegt, die „Confessio Augustana“, die der protestantische Reformator Philipp Melanchton ausgearbeitete hatte, die in freundlicher Gesinnung gehalten, mehr die Punkte der Übereinstimmung des Protestantismus mit der katholischen Kirche hervorhob, … (…) als die Widersprüche. Die katholische Kirche lehnte trotzdem ab und es kam zu keinerlei Einigungen oder Beschlüssen. Die protestantischen Reichsstände schlossen sich im Jahr 1531 zu einem Bund zusammen, dem „Schmalkaldischen Bund“. 1547 führte Kaiser Karl V. Gegen diesen Bund Krieg und vernichtete ihn. Im Jahr 1548 berief er einen Reichstag in Augsburg ein, aber es gelang dem Kaiser dort nichts Nennenswertes durchzusetzen.


132 Im Jahr 1552 kam es zu einem Fürstenaufstand, bei dem der Kaiser in die Flucht getrieben wurde. Der Bruder des Kaisers, Ferdinand, verhandelte mit den Fürsten, und im „Passauer Vertrag“ wurde eine provisorische Kompromißformel gefunden als Grundlage für den nächsten Augsburger Reichstag, der drei Jahre später unter dem Vorsitz von Ferdinand stattfand. Man war der Kriege müde geworden. Man sehnte sich nach Frieden und war allgemein bereit, Zugeständnisse zu machen, wenn nur ruhe eintreten würde. Der Grundgedanke des Augsburger Reichstags von 1555 war, im Rahmen der Landesfriedensordnung den reichsrechtlichen Religionsfrieden zu stiften: Die katholische und die protestantische Glaubensrichtung standen nun gleichberechtigt nebeneinander. Die Reichsstände konnten ihre Bekenntnisse frei wählen und die Landesherren bestimmten mit ihrer eigenen Glaubensentscheidung die Glaubensrichtung ihrer Untertanen. „Wessen Land, dessen Glauben“ hieß es. Aber den Untertanten war freigestellt, um ihres Glaubens willen auszuwandern. Blieben auch im Einzelnen die Auslegungen der juristischen Texte zum Teil unklar und waren andere Glaubensgemeinschaften, die sich z.B. auf Zwingli oder Calvin beriefen, nicht mit berücksichtigt, so war doch Beruhigung eingetreten – zunächst, und es folgte die Wohltat einer sechzigjährigen Friedenszeit. Doch was im Unklaren geblieben war, verdichtete sich immer mehr zu drängenden Fragen und Konflikten, die dann mit aller Macht 1618 den dreißigjährigen Krieg auslösten.


133 Kapitel: Waren die Jesuiten maßgeblich an Kaspar Hausers Untergang beteiligt?

Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht Albert Schweitzer

Die Jesuiten im Zusammenhang mit Kaspar Hausers Tod? Im Jahre 1534 wurde von Ignatius von Loyola der Jesuitenorden gestiftet und 1540 von Papst Paul III. bestätigt. Die Jesuiten gehören also zu den Regularklerikern, sie sind der römisch katholischen Kirche eingegliedert und unterwerfen sich ihr. Ignatius sagte: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: Ich glaube, dass das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die Hierarchie der Kirche es so definiert.“

Ignatius von Loyola war Offizier gewesen, und als er im Krieg schwer verwundet worden war, besann er sich auf seine mystisch-religiösen Erlebnisse, studierte einige Jahre und war dann nach der Gründung des Jesuitenordens dessen „erster Oberer“ bis zu seinem Tod 1556. Man nannte ihn den „General Gottes“. Die Jesuiten erhielten strenge Regeln und mussten sich immer wieder monatelang Exerzitien unterziehen.

In diesen lernten sie sich als Sünder zu sehen, denen Gott barmherzige Gnade erweist. Sie erlebten sich zu dem großen Heere Gottes gehörig, das gegen das Heer von Luzifer ankämpft, um dem Reich Jesu auf Erden zur Macht zu verhelfen. Jesus soll der König der gesamten Erde werden. (Hat nicht aber Jesus Christus selbst gesagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ ?) Mit ihrer strengen Schulung und hohen Bildung – sie bekamen ja gerade aus den oberen Schichten Zulauf – gelang es ihnen sowohl religiös, als auch wirtschaftlich in einigen Ländern der einflussreichste Kulturfaktor zu sein. Ja, im 17. Jahrhundert gab es sogar über 50 Jahre in Paraguay einen Staat unter ihrer Führung, der ein starkes Heer hatte, mit dem auch die Rechte anderer Kolonialländer geschützt wurden.

Im 18. Jahrhundert waren die Jesuiten maßgebend am Kulturleben des chinesischen Kaiserhofes beteiligt. In Mitteleuropa gründeten sie Schulen und Universitäten, so z.b. in dem heutigen Ingolstadt. Ihre Ordenshäuser stelle man sich in dem damals blühenden Barockstil vor. An der Gegenreformation hatten sie einen bedeutenden Anteil. Ihre eigene Disziplin machte sie zu eifrigen Verfechtern strengen Gehorsams.


134 Ihre Predigten, ihre Seelsorge und Überzeugungsarbeit machten sie so kraftvoll, dass sie nicht nur Denkanstöße gaben, sondern sogleich den Willen der Zuhörer anfeuerten, dass diese völlig überzeugt wurden, ohne ganz den Gedanken verstanden zu haben. Seit 2004 besteht ein weiblicher Zweig des Ordens. Mehrfach haben sie in der Vergangenheit mit den Freimaurern zusammen gearbeitet, gemeinsam mit diesen, aber auch alleine, hatten sie großen Einfluss auf das religiöse Leben innerhalb, aber auch außerhalb der katholischen Kirche. Man kann davon sprechen, dass sie okkult, also im Geheimen, gewirkt haben, um gewisse geistig- philosophische oder rechtlich- praktische Gebiete zu beeinflussen, um sie nach ihrem Willen zu manipulieren. Wie schon gesagt konnten sie so auf den Willen direkt wirken, dass die Menschen, die ihrem Willen folgten, es so vollzogen, als käme es aus ihrem eigenen Willen und sie fragten nicht weiter.

So wirkten sie wohl auch im Hintergrund bei den Machenschaften um Kaspar Hauser. Aus okkulter Einsicht sahen sie in dem Kinde schon den geistigen Führer, der Europa vereinen, und die Menschen zu einer gewissen Kultur der geistigen Freiheit führen sollte. Das zu verhindern ist ihnen gelungen.

Und seit 2013 hat die Kirche einen Papst in Rom, der dem Jesuitentum entstammt.

Im Zeitalter der Gegenreformation spielten die gerade in Rottenburg ansässigen Jesuiten ab dem Jahr 1649 eine wichtige Rolle. „Jene Kreise, die alles verhüllen und auch heute noch vertuschen zu verhüllen, was mit dem Kaspar – Hauser Schicksal tatsächlich zusammenhängt, sind jene Mitglieder der westlichen Logen und der Jesuiten, die ja in ihrem Spitzenorganisationen seit mehr als 150 Jahren, aber seit Januar 1802 nachweislich, zusammenarbeiten. Diese also wollen nicht, dass enthüllt werde, was sie als ein Experiment, als einen großangelegten Versuch inszenierten, um jene Individualität, durch eben ihr Experiment, von ihren Aufgaben zu trennen. Sie in einem Zwischenreich zu halten.“ (…)“ Dieses Experiment aber glückte nicht und darum musste Kaspar Hauser sterben. Sie mussten erleben, wie durch ihr Experiment gerade erreicht wurde, was sie zu verhindern strebten: Das Wachwerden der Individualität. Ja, dass sie wusste von Reinkarnation und Karma. Das aber sollte ja eben nicht sein. Süddeutschland hätte werden sollen die neue Gralsburg der neuen Geistesstreiter und die Wiege künftiger Ereignisse. Wohlvorbereitet war der Geistesraum durch alle jene Persönlichkeiten, die wir als Goethe, Schiller, Hölderlin, Herder usw. kennen.“ (…)“Das aber wurde von jenen Kreisen (westlichen Logen und Jesuiten) nicht gewollt. Sie konnten keine erwachende Mitte zulassen, wenn sie sich nicht ihrer Macht und Machtbestrebungen entäußern wollten.


135 Von alledem wusste ich bis zum Jahr 2014 noch nichts. Immerhin vergingen seit meiner Einkerkerung ganze sechs Jahre, bis der Hauch einer Ahnung in meine Seele zu wehen begann. Meine Gedächtniskräfte waren von jeher sehr gut und immer wieder brachten mich Eingeweihten und hellsichtige Menschen mit dem Kaspar Hauser Schicksal in Verbindung, wie ich es noch beschreiben möchte. In meiner Kindheit hatte ich auch tiefe Erlebnisse mit der möglichen Kerkerhaft in meinem 9. Lebensjahr. Und

doch

musste

bei

mir

eine

Situation

geschaffen

werden,

die

zu

der

beschriebenen

Bewusstseinserweiterung führte, um nicht nur Erinnerungsfetzen zuzulassen, sondern immer klarere und eindeutigere Einblicke zu erhalten, die ich mit meinem „detektivischen Forschergeist“ dann zu enträtseln wusste.

Die Jesuiten sind wohl jene finsteren Gestalten, wie ich sie in einer meiner hellsichtigen Wahrnehmung in einem Zwischenreich zwischen Schlafen und Wachen eines Nachts, in eine schwarze Kutte eingehüllte erlebte, die sich vor Dr. Engel stellte, mit der Aussage: „Töte sie.“ Dr. Engel stand in seiner Klinik und sah in meine Richtung, ohne mich zu sehen. Die schwarze Gestalt schien er auch nicht zu sehen und doch hielt er seine Hand auf und nahm entgegen, was ihm der Finstere in die dieselbe drückte.

Was er erreichen wollte, als fremdbestimmtes Wesen dieser dunklen Kräfte und Mächte, hatte er verfehlt, wie es sich auch bei Kaspar Hauser zeigen sollte. Das wohl „einmalige Experiment“, bei einem „außergewöhnlichen Ausnahmefall“, wie man mich im dreistündigen Gerichtstermin vonseiten der Richter und des Gutachters beschrieb, sollte gründlich daneben gehen. Sie wollten mich töten, vernichten, sodass ich selber Hand an mich lege im schlimmsten, oder für sie besten Fall, oder am Herzversagen sterbe, und erreichten genau das Gegenteil: Denn mit der letzten Tavortablette erreichten meine geistigen, kognitiven Fähigkeiten, neben einer unglaublichen Gedächtnisleistung eine Dimension, vor der meine Mitmenschen geradezu erschreckten. Strahlend ging ich daraus hervor, auch wenn ich in jeder Minute an der Schwelle des Todes stand. Als leuchtend, Ichhaft wurde ich beschrieben, so auch von einer Mathematikerin im Zug, die mir nur zusah, wie ich sprach, wie ich schrieb, um mir zu sagen, sie habe heute noch etwas entscheidendes auf ihre alten Tage dazugelernt. „Die Geistige Gralsburg“, wie es mir ein göttliches Wesen in der Nacht meiner Nahtoderfahrung sagte. „Du bist der Gralshüter und wirst vom heiligen Gral ernährt“. Auch auf diese Aussagen, die ich ein Jahr, bevor ich in meine „Gralsburg“ nach Rottenburg am Neckar geführt wurde, vor Zeugen geäußert habe, um auf einer Landkarte das Dreieck zu zeichnen, werde ich in meinem Kapitel über den heiligen Gral, auch den Gralsstein noch näher eingehen.


136 Interessant ist auch noch vorab zu erwähnen, dass auch von den „Taborbergen“ gesprochen wird, im Zusammenhang mit dem heiligen Gral. Dass der Gral auch oft in der Form eines Steines erscheint, der aus der Krone Luzifers gefallen ist, der den Namen „Tabor“ trägt und von einer Taube geteilt wird.

In meinem Abschlussbericht der Psychiatrie in Stuttgart, in dem auch die hohe Tavordosis immer verschleiert wurde, steht statt „Tavor“ das Wort „Tabor“ (Lorazepam) geschrieben. Welche sogenannte „Freudsche Fehlleistung“ in diesem Schreibfehler steckt dahinter? Welche geheimen dunklen oder hellen Mächte wollen ein Licht in die Handhabung damit werfen? Denn tatsächlich sollte mich das Tavor- Tabor vernichten, im Zwischenreich gefangen halten und das schien zunächst auch gelungen über fast 2 ½ Jahre, doch dann schwangen sich meine Seele, mein Geist empor in ungeahnte Höhen bis zu den Taborbergen der Erleuchtung!


137 Kapitel: Die Katharer und ihr Untergang

Atheisten: Leute, die einen Glauben, den sie nicht haben, glühend verteidigen. Ron Kritzfeld

Die Katharer

Im 11. bis zum 14. Jahrhundert hatte sich in Südfrankreich, aber auch in Deutschland, Italien und Spanien, dann auch in Österreich, England und Skandinavien neben der römisch- katholischen Kirche eine andere Glaubensgemeinschaft gebildet, die sich Katharer, die Reinen, nannte. Das Wort Ketzer kommt höchstwahrscheinlich von dem Wort Katharer. Böse Zungen sagten, Katharer käme von Kattus, die Katze und die Katze sei das Sinnbild des Teufels. Ja, die offizielle Kirche zog mit Feldzügen gegen die Katharer, die Inquisition ergriff stärkste Maßnahmen und im 13. und 14. Jahrhundert loderten die Scheiterhaufen, in denen die Katharer verbrannt wurden.

Wer waren die Katharer? Es waren Menschen aller Schichten, die dem christlichen Glauben neue Qualitäten, bzw. die alten Qualitäten des Urchristentums wiedergeben wollten. Sie führten ein entbehrungsreiches Leben. Das Vaterunser stand in ihrem von Gebeten bestimmten Tagesablauf im Mittelpunkt.

Sie beriefen sich auf das Neue Testament, speziell auf das Johannesevangelium. Die Welt war für sie in Gut und Böse geteilt: die irdische Welt stammt vom Bösen, die himmlische Welt ist die Welt des Guten. Die menschliche Seele muss sich dem Himmel nähern. Man fand in ihren Lehren Elemente des Manichäismus – Mani, der das Böse in Gutes verwandeln will - , Elemente der Gnostiker – die um geistige Erkenntnis Bemühten – und andere vor – und frühchristliche Bestrebungen, die in der römischen Kirche mehr oder weniger verloren gegangen waren. Für manche Gegenden stand für die Katharer das Gralsgeheimnis im Mittelpunkt. Sie hüteten wohl ein Wissen vom Göttlich-Heiligen, das sie innerlich ernährte und erkraftete.

Die äußere Form, die sich die Katharer-Religionsgemeinschaft gab, war sinnvoll hierarchisch. Eine Art Taufe erhielten die, die sich zu ihr bekannten. Die Taufe, das Consulamentum, wurde an den Bekennern durch Handauflegen vollzogen.

Ein Jahr lang hatten sich diese Novizen durch Fasten vorbereiten müssen. Sie erhielten das Vaterunser und das Johannesevangelium und die Verpflichtung strenger Sittlichkeit und Bescheidenheit. Sie gelobten Ehelosigkeit und Verzicht auf geschlechtliche Beziehungen.


138 Zu ihren Gelöbnissen gehörten auch die Verpflichtung zur Arbeit und die Anerkennung des Verbotes, Menschen, vierbeinige Tiere und Vögel zu töten. Sie durften auch kein Fleisch essen, keine gegorenen Säfte trinken und nicht fluchen. An diese strengen Regeln hielten sich die eigentlich bekennenden Katharer, die das Consulamentum empfangen hatten. Sie hießen die Vollkommenen, die Perfecti. Es waren sowohl Frauen (Perfecta) als auch Männer (Perfectus). Über ihnen standen die Diakone, die die Predigten in der Volkssprache hielten und die Pfarrseelsorge übernahmen. Der Bischof einer Diözese hatte zwei Stellvertreter und stand an der Spitze des Geschehens bei rituellen Handlungen.

Er besuchte die Gemeinden und hatte hauptsächlich die gemeindeverwaltende Eigenschaft. Den größten Teil dieser religiösen Strömungen bildeten aber die Credentes, die Gläubigen. Durch das Melioramentum, die Ehrenbezeichnung, bei dem sie dreimal vor einem Perfekten die Knie beugten und dreimal um den Segen des Perfekten baten. Diese Gläubigen versorgten dann die Perfecti und versteckten sie in Zeiten der Verfolgung, sie selber galten noch nicht als Katharer. Jene Gläubigen aber, die anstreben, sich zu einem Vollkommenen, einem Perfectus zu entwickeln, nannte man die Initiierten. Sie bemühten sich um asketisches Leben in Bescheidenheit und Selbstüberwindung, um dann nach einem Fastenjahr das Konsulamentum zu empfangen, um auch ein „Vollkommener“, ein „Reiner“ zu sein.


139 Kapitel: Die Saturnjahre im Leben von Antje-Sophia – oder der Blick in den Tod Jede Naivität läuft Gefahr, lächerlich zu werden, verdient es aber nicht, denn es liegt in jeder Naivität ein unreflektiertes Vertrauen und ein Zeichen von Unschuld. Joseph Joubert

Nun gehe ich nochmals einen großen Schritt zurück in mein 18. Lebensjahr, weil es mich in einer Weise in diese Welt geworfen hat, dass ich von meinem hundertjährigen Dornröschenschlaf erwachen durfte, sollte, oder musste. Ich bin in meinem 18. Lebensjahr angekommen, im Saturnjahr 1993, das, mit dem Saturnjahr 2014 zum schwersten und turbulentesten Jahr in meinem Leben zählte. In allen diesen Jahren, die sich alle sieben Jahre wiederholen, stand ich immer an der Todesschwelle . Auch im Jahr 1986, ein vorangegangenes Saturnjahr war kritisch. Nicht, dass ich dem Tod unmittelbar ins Auge geblickt hätte, als im Jahr 2014, aber ich bewegte mich in meinem 12. Lebensjahr in Grenzsituationen. Das Saturnjahr 1979 war das Jahr unmittelbar nach unserem Autounfall und meiner überstandenen, fast tödlichen Lungenentzündung. Möglicherweise hatte der Saturn früher die Regentschaft übernommen, denn ich musste eben genau 3 ½ Jahre, also 42 Monate alt sein, als diese Schicksalsstürme mich mehrfach schwer gefährden sollte, ich musste wohl so alt sein, wie es Kaspar vermutlich gewesen, als er in Pilsach eingekerkert wurde.

Das Saturnjahr 2007 läutete für mich unmittelbar vor meinem 33. Geburtstag meinen anstehenden Untergang ein. In jenem Jahr hatte mir ein Kieferorthopäde alle Zähne mit Zahnschmelz im Liegen trocken eingeschliffen, sodass ich keinen Biss mehr hatte und in anhaltende schwere auch seelische Zustände geriet. An meinem 33. Geburtstag sah ich eine unbeschreibliche Katastrophe auf mich zukommen. Vorahnungen und schlechte körperliche und seelische Verfassung zeichneten diesen Tag aus, der die Richtung des kommenden Lebensjahres anzeigen sollte. Im Saturnjahr 2000 war ich zum ersten Mal für drei Wochen in der Psychiatrie und konnte mich nochmals aus eigener Kraft für ganze Acht Jahre aus den Fängen der unsichtbaren Mafia befreien.

Das Jahr 2014 war mein Todesjahr, in dem ich auch einen kalten Alkoholentzug durchführte. In einem der Horoskope über Antje-Sophia, das von einer alten, weisen, erfahrenen Dame erstellt wurde, hieß es für den April, dass „etwas endet“, dass ein Abbruch kommen wird. Ich habe es bereits eingefügt. Dieses „Ende“ sollte Antje-Sophia im Mai ereilen und sie in eine Nahtoderfahrung führen, in der Nacht auf den 15. Mai. In dieser Nacht sprach sie über sieben Stunden mit einem göttlichen Wesen, das ihr sagte, ihre Aufgaben seien noch nicht abgeschlossen. Es bat sie, ein Dreieck auf einer Landkarte zu zeichnen…


140 Genau 14 Tage später sollte sie im Alkoholentzug nochmals während eines Kreislaufkollaps an die Schwelle des Todes geführt werden und in dieser Nacht hatte sie eine Wesensbegegnung mit Anselm von Feuerbach. All das hat sie aufgeschrieben vor Zeugen. Das Jahr 2014 werde ich noch beschreiben.


141 Kapitel: Zwei adelige Pflegeväter im selben Alter mit knapp 19 Jahren – Romain Rolland und Tolstoi

Zwei adlige Pflegeväter von Antje-Sophia und Kaspar: Pflegevater Chr. Andreas von St. und Pflegevater Stanhope

Einführung in eine Gegenüberstellung, Ouvertüre: Als kurzer Vorspann sei die zeitliche und personelle, inhaltliche, teils charakterliche Übereinstimmung erwähnt, die sich offenbar auch in Antje-Sophias Leben nochmals in ähnlicher Weise wiederholen musste: Sie bekam mit 18 Jahren einen Pflegevater, der in der Außenwelt nicht eindeutig in die Kategorie „Vater“ eingeordnet werden konnte, sodass hinter vorgehaltener Hand davon gesprochen wurde, dass er der große Förderer und Gönner dieses jungen Mädchens sei und doch kamen ebenso Missbrauchsanschuldigungen auf, die nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden konnten.

Herr Christoph von St. verkehrte zwar weniger in Fürstenhäusern, wie Lord Stanhope zu Kaspars Zeit, dafür aber in Königshäusern im Ausland, nach Abschaffung der Monarchie in Deutschland. Es gibt in meiner Bibliothek ein Buch mit folgender Widmung, die in dieser Weise genau am 27. August, also fast genau auf den Tag fünf Jahre vor meiner Geburt vom König von Jordanien unterzeichnet wurde: „Die Deutsch- Jordanische Gesellschaft erlaubt sich, Herrn Architekten CHRISTOPH VON ST. dieses Buch seiner Majestät des Königs von Jordanien zu überreichen. Hannover, 27. August 1969“, Unterschrift des Königs.

Kaspar war 17 Jahre alt, als der erste Mordanschlag am 17. Oktober 1829 im Hause von Daumer erfolgte. Am selben Tag war sein zukünftiger Pflegevater, der Lord von Kent aus England, Stanhope, in Ansbach in einem Gasthaus abgestiegen. „17.10.1829 Lord Stanhope im Gasthof “Zum Wilden Mann”, kein öffentliches Interesse für K.H.“ Natürlich zeigte er an diesem Tag kein öffentliches Interesse, weil es ihn und seine unlauteren Motive verraten hätte.

Antje-Sophia war 18 ½ Jahre, knapp 19 Jahre alt, als sie in die Familie ihres Pflegevaters aufgenommen wurde. Kaspar war ebenfalls fast 19 Jahre alt, als der Lord Anstalten zu erkennen gab, Kaspar zu adoptieren und ihn als Pflegesohn mit nach England, nach Kent zu nehmen.


142 Bei beiden jungen Menschen wurden körperliche und seelische Missbrauchsthemen hinter vorgehaltener Hand und offen diskutiert. Von Tucher und Daumer schrieben über den Missbrauch Lord Stanhopes an Kaspar: Der korrekte Beamte Tucher sprach von "unvernünftigster Affenliebe", Lehrer Daumer alterierte sich über (…) "die Liebkosungen, welche der Graf dem Findling sogar öffentlich erwies", und "wie sich der Graf von Hauser küssen und streicheln ließ". – (…) „Stanhope habe gewissen, gesetzlich nicht erlaubten Neigungen gefrönt und sei dadurch in erster Linie zu Hauser hingezogen worden.“

Und nun kommen weitere interessante Details zum Vorschein: Antje-Sophias Pflegevater Christoph von St. und dessen Vorfahren besitzen im Landkreis Ansbach, in dem Hauser ermordet wurde, ein Schloss und sind mit dem großen Mathematiker Gauß verwandt, welcher mit Professor Daumer, bei dem Kaspar ein Jahr lebte, in derselben Schule unterrichtete!

Ich habe das Thema Missbrauch in Antje-Sophias Leben mit diesem Pflegevater schon angedeutet und sehe es nun auch in einem größeren, weisheitsvollen Zusammenhang vor dem Hintergrund der Aufarbeitung des Kaspar Hauser Schicksals. Und dieser Pflegevater von St. schickte mich Antje-Sophia 1993 ausgerechnet nach „Kent“ in England für einige Wochen zum Sprachkurs, dorthin, wohin Kaspar eigentlich umziehen sollte zu seinem Pflegevater in Spe, - Lord Stanhope. –

Ouvertüre: Romain Rolland war ein französischer Schriftsteller und Professor der Musikgeschichte, geboren 1866 und ich verdeutliche an einem grandiosen Lebensbeispiel, dass sich geistige Strömungen, Bestrebungen im Menschen alle an einem Punkte kreuzen und möglicherweise zusammengeführt werden: In einer anderen Dimension, wohl einer „geistigen Welt“. Das Schicksal sendet denen, die es auserwählt, immer seine Boten entgegen und so findet die erste wirkliche irdische Begegnung für den jungen Mann Rolland mit Deutschland, mit dessen Geistesstrom er sich tief verbunden fühlt, gerade in Italien statt, als er durch „Zufall“, an den ich im Übrigen nicht glaube, Malvida v. Meysenbug, eine der letzten Goethedeutschen kennen lernt. Diese alte Dame war aufgewachsen in den höchsten Sphären und Regionen des Geistes durch die Freundschaft mit Richard Wagner, mit Nietzsche, Herzen und vielen anderen. Sie war die letzte Siegelbewahrerin und Hüterin eines unsichtbaren heiligen Grals, sie war die Vertraute und Eingeweihte der großen Ideale und Ideen dieser letzten beiden Menschen, die über Deutschland hinaus weltwirkende Geister gewesen waren. -


143 Zwischen diesen beiden Menschen, einer „steinalten“ Frau und einem jungen Manne entstand eine tiefe, zarte Freundschaft und so wurde langsam der Boden bereitet für das Eigentliche, was sich im Weltenplan vorbereiten sollte: Im Übergang zum 20. Jahrhundert kam es zu einem merkwürdigen Bruch durch das Ende das Kali Yuga, dem finsteren Zeitalter und man könnte denken, dass sich etwas zukunftsweisendes einer reinen und klaren Geistesart, wie sie durch Goethe und Schiller und, wie ich es einst schon beschrieb, durch ihre unzähligen Trabanten des 19. Jahrhunderts, wie Herder, Lessing, Schlegel und allen anderen großen Geistern, wie Tolstoi und Dostojewski am russischen Himmel, schon vorbereitet wurde, - ankündigte. Aber es kam zu einem Bruch in diesem Geistesstrom, der dann am Anfang des 20. Jahrhunderts in die beiden Weltkriege mündete, die unzählige Menschen und Anhänger dieser Goetheschen Geistesart in den inneren und äußeren Untergang stürzte, sie moralisch vergiftete und in ihrem tiefen Glauben an das Gute und Gerechte, sie schwersten Prüfungen unterzog. So auch Romain Rolland. In dieser tiefen Verzweiflung, die sich schon um die Jahrhundertwende ankündigte, schrieb er dem unbekannten, aber gewaltigen und berühmten Menschen Russlands, nämlich dem alten Tolstoi einen verzweifelten Brief mit der Bitte um Rat und Beistand, wie er sich aus der Schlinge seiner Situation retten könne. Viele lange Monate zogen durch das Land, es kam keine Antwort. Doch eines Tages fand Rolland einen dicken Brief auf seinem Schreibtisch mit der Überschrift: „Chere frère“, „Lieber Bruder“. Der Brief umfasste 38 Seiten und wurde in späteren Jahren veröffentlicht. Für Rolland war die Tatsache, dass ein fremder Mensch, der beschäftigte und innerlich und äußerlich zeitlich erfüllteste Mensch seiner Zeit, der berühmteste, dem jede Zeile mit Gold aufgewogen wird, der pathetisch hätte sagen können, dass er keine Zeit habe, -zwei Tage aus seinem Leben dafür geopfert hat, um einem wildfremden, unbekannten Menschen zu helfen, der sich in tiefer Seelennot befand. Und Rolland fühlte die Tragweite dieser Tatsache und die Verantwortung, dass ein großer Dichter irgendetwas verrät, wenn er nicht zugleich immer auch wahrhaft menschlich handelt, dass er ein Ideal, eine Idee verfolgt und er erkennt daran, dass der wissende Mensch auch der hilfreichste und gütigste sein muss, wenn er seinen Idealen vom wahren Menschentum treu bleiben möchte. Das war die Essenz des Briefes von Tolstoi, die Rolland erst zu dem Menschen gemacht hat, der er von nun ab war: Aus diesem einen Brief Tolstois sind Tausende von Rolland entstanden für die Menschen in seinem Umkreis, um Tröstung und Heilung hervorzurufen. Und nun kommt das Entscheidende, das mich innerlich tief berührt hat: Rolland war ein Kämpfer für das Gute und die Gerechtigkeit. Und 25 Jahre nach dem Erhalt des Briefes von Tolstoi empfängt er die Eingebung, ein Werk über Gandhi, den indischen Friedenskämpfer ohne Waffen und Blutvergießen, zu schreiben. Und es ist seltsam, wie ein Leben, das sich zur Kunstform und Blüte entfaltet, immer seine Kreise zurückzieht: Nach Vollendung seines Werkes über Gandhi erfährt er, dass im selben Jahr als er sich in seiner


144 Not mit einem Brief an Tolstoi wandte, vor 25 Jahren, ein kleiner indischer Advokat namens Mahatma Gandhi, dieser große Friedenskämpfer, ebenfalls einen Brief mit ähnlichem Inhalt an Tolstoi schrieb und sich somit der Kreis der Schicksalszusammenführungen wieder in einer anderen Sphäre schloss zu einem runden, sinnvollen und in sich stimmigen Geistgefüge.

So schien sich auch an diesem Tage in meinem Schicksal der Antje-Sophia ein Kreis zu schließen, den ich schon vor Wochen wahrgenommen hatte, als ich intuitiv fühlte: Diesen Menschen kenne ich schon seit langer Zeit, er ist meiner Seele vertraut, die Zeit hat nur auf diese Schicksalszusammenführung im richtigen Moment und auf die Reife der Zeit gewartet. Und ich erlebte meine ungeheure Wachheit im Erkennen, die doch in ihrem Urgrund das Traumhafte, das Göttliche, das Unwandelbare und Reine in diesem Erkennen und jedem Geschehnis zu bewahren wusste. Und wieder wurde ich darin bestätigt, dass Träume nicht altern können mit den Menschen und den Zeiten, im Gegenteil, sie steigern sich zur subtilsten und sublimsten Innerlichkeit einer Kindlichkeit im schönsten und reinsten Sinne, auf denen jener wunderbare Tau glänzt, den noch kein waches Auge in der kurzen Magie des Morgens geschaut, vor dem wirklichen Tag.

Man sollte Ehrfurcht haben vor den Träumen seiner Jugend, lässt Schiller seine Helden sagen. Diese Ehrfurcht sollte jedenfalls nicht furchtsam und ängstlich sein und das war sie im tiefsten Grunde nicht im Geringsten, da ich mir bis zu meinem 33. Lebensjahr einer inneren Stärke und der Tatsache sicher war: Dass nichts auf dieser Welt, kein Schicksalsschlag, keine Niederlage, keine Substanz diese, meine Träume, die innere Stärke zerstören kann und ich wusste, dass meine Schicksalsmächte gütig an mir handeln, weise die Schicksalsfäden zu einem wunderbaren, geometrisch reinen, klaren und stimmigen Gebilde zusammenfügen und mir immer die richtigen Menschen im richtigen Augenblick zuführen. Dass ich trotz aller schweren Schicksalsstürme doch geborgen und getragen im Weltenschoß war, in einer übergeordneten weitsichtigen Weisheit und ich wusste, dass allem ein tieferer Sinn zugrunde liegt. Ich kannte meine Kraft, alles auf dieser Welt ertragen zu können, was mir, durch diese höheren Wesenheiten und ihrer Weisheit, zugemutet werden sollte. Sie umschlossen mich von außen wie der Duft einer Blume, der ihr zugehörig ist und doch schon von ihrem gefesselten Sein ins Unbegrenzte gelöst. Es fühlte sich an wie ein überschwebender Glanz, eine Schönheit und Reinheit, die wie der Duft einer Rose über jeder Erscheinung, jeder Alltäglichkeit unkörperlich, unsichtbar zittert und gerade darum die Seele umso stärker berührt.

In diesem Dornröschenschlaf durfte ich weiter träumend mich dieser verinnerlichten Schönheit der Welt und meinem tiefen Vertrauen in die Menschen und an das Gute, Schöpferische und zutiefst Menschliche hingeben, bis mich das Ereignis in meinem 33. Lebensjahr, das mein Leben von Grund auf für Jahre verändern sollte, aus diesem langen Schlaf, der Unberührtheit meiner Seele, wie ich es zu fühlen glaubte, jäh und unbarmherzig in die raue, seelenzerstörende, traumlos düstere Welt der gefühlten und erlebten


145 Realität geworfen hat, in der ich gefangen war, wie ein Tier im Käfig, in der Dunkelheit eines Kerkers, in einer inneren Finsternis. Und dieser Kontrast war zu grausam, zu gravierend, um nicht zerstörend, ja tödlich zu wirken. Aber wie jedem Künstler, auch jedem Lebenskünstler kann dem Menschen das Gefühl für die Proportionen und Größenverhältnisse abhanden kommen, oder nicht wirklich ausgebildet werden, wenn er die Welt nur in seinem engen, kleinen Mikrokosmos betrachtet und erlebt. Damit ist er an das enge Blickfeld seines begrenzten Raumes gebunden und hält oftmals das Unscheinbare, Kleine darin für ein weltbedeutendes Großes, verwechselt das Banale mit dem Besonderen, das Gewöhnliche mit dem Herausragenden, das Unerträgliche mit dem absoluten Unertragbaren. So empfand ich meine Vergangenheit bis zu meinem 18. Lebensjahr. Und so hat sich mir ein Jahr nach meinem 18. Lebensjahr eine ganze Welt geöffnet, eine Welt des Erkennens, des Begreifens und ich erlebte in diesen drei Jahren, von meinem 18. bis zu meinem 21. Lebensjahr eine ganz besondere Tatsache:

Ab dem Zeitpunkt, an dem ich mein Elternhaus verließ, begannen mein Geist, mein Wissen, meine Weltkenntnis erst zu wachsen. Ich hatte das Gefühl, 12 Jahre, auch intellektuell, verkümmert gewesen zu sein, eingeschlossen in einem unsichtbaren Kerker, in dem mir durch die enormen Belastungen und Schicksalsschläge durch mein Elternhaus jegliches Lernen und Aufnehmen intellektueller Inhalte verwehrt wurde. Die geistigen Inhalte vermochte ich ungehindert aufzunehmen. Sie strömten mir entgegen und wurden verschlossen in meiner kleinen „Zitadelle“ und niemand bekam Zutritt zu diesem Raum. Mein Wesen sprach dadurch zur Welt und die Welt wunderte sich über diese „Weisheit“, die aber nicht im Geringsten etwas mit rein intellektuellen, angelesenen Inhalten zu tun hatte. Und so lebte ich in meinem kleinen Mikrokosmos und glaubte an das Gute und Wahre in jedem Menschen, das mir ein tiefes Vertrauen und Schicksalsvertrauen gab. Ich hatte wenige Kenntnisse von den Stürmen, die unseren Planeten heimsuchen und bis in die letzten Winkel auch zu unserer Seele vorzudringen vermögen, von „Krieg und Frieden“, wie es Tolstoi beschreibt. Ich meinen Maßstab in diesen 18 Jahren zwar intuitiv an den wahren Proportionen des Lebens anlegen, aber nicht rational wissend überblicken und musste erst 15 Jahre später mit 33 Jahren erkennen, dass mein Schicksal im speziellen nochmals in einer Weise zuschlagen sollte, dass mir buchstäblich Hören und Sehen vergeht, dass mein ganzes Leben an Schwere in seiner Summe nicht im Geringsten an das heranreicht, was mir in diesem Lebensalter tatsächlich auch den geistigen, moralischen, ethischen, religiösen und vertrauensvollen Boden in die Menschen und die höheren Mächte entreißen sollte und nicht einmal meinen kleinen, unberührten Raum der letzten Freiheit, die Zitadelle, ohne die ein Menschenleben und Überleben nicht möglich ist, bleiben sollte.


146 Denn der Geist ist ein freies Element. Drückt ihn die Zeit zu hart, dann flüchtet er hinaus, entweder zu den Idealen und der wirklichen Idee der Menschheit, oder in einen Art Exkarnationszustand, in eine andere Sphäre, um der Unerträglichkeit des irdischen Seins und Daseins zu entfliehen. Ich glaubte, schon etwas Unfassbares, Unertragbares in meiner Kindheit und Jugend aushalten zu müssen und erkannte aber genau 30 Jahre später, dass sich die Proportionen nochmals verschoben haben, dass der Grad der Unerträglichkeit schwerer Schicksalsschläge zu einer Steigerung in der Lage war, die meinen Mikrokosmos scheinbar zum Grenzenlosen des Ertragbaren erweiterte. –

Und wiederum frage ich an dieser Stelle: Was wird mich erwarten in den nun folgenden Jahren? Werden meine Flügel mich tragen in eine neue, hellere Zukunft?

Um den Kreis dieses Kapitels zu schließen möchte ich noch erwähnen, dass ich den längsten Brief meines Lebens bis zum 18 ½ Lebensjahr kurz nach unserer Rhodos- Klassenreise an unseren Exkursionsleiter von St. schrieb. Zwar nicht mit 38 Seiten wie Tolstoi an Rolland, sondern nur mit 13 handgeschriebenen Seiten, aber darin lag all mein Weltschmerz der Vergangenheit, den ich zum ersten Mal aus der tief vergrabenen Truhe meiner Seele an das Licht holte, aber es lag auch eine ungeheure Reife und Weisheit, eine tiefgründige Philosophie in diesem Brief, wie er mir sagte und einige Träume für meine Zukunft. Aus dem übersinnlichen Erlebnis auf unserer Griechenlandreise mit mir und meinem „lichtvollen Wesen“, aus den beiden Gesprächen und diesem Brief entstand eine tiefe, zarte Freundschaft zwischen einem älteren Mann und einem jungen Mädchen, die ihre Kreise noch in die Zukunft ziehen sollten, an der Stelle, wo der Blick sich aus dem Irdischen gegen das Göttliche, gegen die Weitsicht und Weltsicht richtet, gegen die heilige Einheit aller Verschiedenheit.


147 Kapitel: Der 26. Mai im Leben von Kaspar Hauser und Antje-Sophia in ähnlicher Spiegelung

Sei höflich zu allen aber, freundschaftlich mit wenigen; und diese wenigen sollen sich bewähren, ehe du ihnen Vertrauen schenkst George Washington

Im Mai 1831 lernte Philip Henry Stanhope, 4. Earl Stanhope den Nürnberger "Findling" Kaspar Hauser kennen, für dessen Geschichte er sich schon länger interessiert hatte. Kaspar war zu jener Zeit fast auf den Monat genau im selben Alter wie Antje-Sophia, als sie ihren „adeligen Lord“ von St. kennen lernte und dieser sich „sehr für sie interessierte,“ bevor sie es selber realisierte und aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte. Dieser Architekt und Lehrer unterrichtete in ihrer Klasse der Augsburger Schule Kunstunterricht mit anschließender Klassenfahrt nach Griechenland, auf die Insel Rhodos, obwohl er aus Stuttgart stammte und jeden Morgen die weite Strecke angereist kam.

Von Kaspars Geburt bis zur Geburt von Antje-Sophia vergingen fast auf den Monat genau 162 Jahre. Die 162 hat die Quersumme 9. Vom ersten Kennenlernen Lord Stanhopes mit Kaspar bis zum ersten Kennenlernen des adligen Architekten und späteren Pflegevaters mit Antje-Sophia mussten demzufolge auf den Monat genau ebenfalls 162 Jahre mit der Quersumme 9 vergehen. „Die Zahl 9 - Als 3 x 3 Zahl für das vollkommen Himmlische, Heilige. Die Zahl steht für göttliches Bewusstsein; die neunte Stunde ist die Todesstunde Christi.“ (…)“ Aus spiritueller Sicht steht die 9 für höchste Vollendung und für all das, was zum Astralen gehört. Ebenso ist es die Zahl für Bewegung und Rhythmus. Die 9 verkörpert auch die Energien des Löwen. Hierbei geht es darum, zu lernen mit dieser Kraft umzugehen und sich selbst und der eigenen Intuition zu vertrauen.

An einem der letzten Tage auf der Griechenlandklassenreise, es war der 26. Mai 1993, gegen 17.55h griechischer Ortszeit, sollte sich ein schweres Unglück anbahnen, in dem Antje-Sophia um ein Haar ihr Leben verloren hätte und das die Aufmerksamkeit des Lehrers auf sie lenkte. Kaspar Hauser erschien am 26. Mai 1828 zwischen 17 und 18 Uhr in Nürnberg.

Zwischen 26. Mai 1993, als Antje-Sophia, wie ich es beschreiben möchte, in Griechenland fast geköpft worden wäre und dem 26. Mai 2014 als sie gegen 17 Uhr im Schlosspark zusammenbrach und fast am schweren Kreislaufkollaps gestorben wäre, liegen genau 21 Jahre. Kaspars Todesalter. Zwischen dem 26. Mai 1828 und dem 26. Mai 2014 liegen 186 Jahre. Beide weisen vom Wochentagsaufbau dieselbe Konstellation auf: Es war jeweils ein Montag. –


148 Wir bekamen an jenem Nachmittag des 26. Mai in Griechenland Zeit, in ausgewählten Gruppen die Insel selbstständig zu erkunden, baden und essen zu gehen, ganz nach unserem Belieben. Wir waren zusammen in Lindos gewesen, am anderen Ende der Insel und wollten in die Stadt Rhodos, in deren Nähe unser Hotel lag. Allerdings wollten wir uns erst am Hotel zusammenfinden, um dann eigene Wege zu gehen. Zunächst fuhren wir noch „Kolonne“, was bedeutete, dass alle 7 Fiat Pandas, unsere Leihautos mit den Initialen „Fehler in allen Teilen“ (Fiat), schön säuberlich der Reihe nach hintereinander herfuhren. Immer dieselben Personen in einem Auto, die zu Anfang der Reise ausgelost wurden. Heute allerdings saß ich mit anderen Menschen in diesem kleinen, doch sehr robusten Gefährt, das wiederum auch möglicherweise nur von zwei Menschen zusammengebaut worden zu sein schien, einer, der faltete, der andere, der klebte, denn in den zahlreichen Kurven schien es manchmal so, als würde der Leim aus seinen Nähten fallen. Die Kolonne löste sich mehr und mehr auf und schließlich war unser lieber Fahrer, der in einem Affenzahn in den Kurven ganz sicher Michael Schuhmacher Konkurrenz gemacht hätte, allen anderen hinter uns davongefahren. Ich liebte diesen Geschwindigkeitsrausch, ich liebte diese Sonneninsel, die Weite, das Meer und so stellte ich mich, wie viele meiner Klassenkameraden, auf den Rücksitz, da wir das große Glück hatten, in einem Panda „Cabrio“ zu fahren, mit offenem Dach. Ich sagte, „wie viele meiner Klassenkameraden“, der Unterschied zu ihnen war nur, dass sie einen wesentlich phlegmatischer Fahrer hatten, als ich, der offensichtlich gerade in eine sanguinisch- manische Freudenphase gefallen war und so wirklich in den Kurven unser Auto fast „flach legte“, mit einem weiteren Unterschied, dass ich, in meiner Giraffenlänge fast in den Himmel ragte, während die anderen gerade die Nase über das Autodach bekamen. Wir hatten einen weiten Vorsprung und ich erwähne es aus dem Grunde, weil unser Exkursionsleiter, der Architekt, in einem bestimmten Augenblick ein sehr eindringliches, intensives und übersinnliches Erlebnis mit mir hatte, das ihm zeigen wollte, dass ich in großer Lebensgefahr schwebe. Sehen konnte er mich nicht mehr mit seinen physischen Augen.

Die Parkplätze vor dem Hotel waren von Steinarkaden überdacht mit lauter niedrigen Rundbögen. Offensichtlich war meinem Fahrer nicht bewusst, dass ich noch auf dem Sitz stand, meine Körpergröße von fast 1.80 m nicht dafür geschaffen war, mit den Steinarkaden zu duellieren in einem Zweikampf, wer den anderen umzusägen in der Lage sei und Klaus seine Geschwindigkeit, beim Auffahren der Hoteleinfahrt zu den Parkplätzen, nochmals zu einem ungewöhnlichen Maß gesteigert hatte. Was dann geschehen musste, war abzusehen und hätte einen tragischen und dunklen Schatten auf die ganze Klassenfahrt geworfen, denn ich wäre schlichtweg geköpft worden, wie es der Lehrer anschließend in einem Seminar ausdrückte.


149 Zur selben Zeit sah mich Herr St. der Exkursionsleiter vor seinem inneren, geistigen Auge als eine lichte, ätherische Gestalt durch die Ölbäume laufen. Sie/ich verschwand immer wieder, tauchte wieder hell strahlend auf und dieses Geschehen zog sich über einige Minuten hin. Er begann zu zittern, wie er mir später erzählte, als wir die einzigen waren, denen es nicht gewährt sein sollte, den langen, steilen Berg zum Kloster Tsambika hinaufzusteigen und er begann, wie er sagte, immer schneller zu fahren und gleichzeitig intensiv das „Vater Unser“ für mich zu beten, da er die Gefahr erkannte, in der ich schwebte. Immer wieder leuchtete die Gestalt, die er als Antje-Sophia erkannte, zwischen den Ölbäumen auf.

In einer hohen Geschwindigkeit erreichte er zu selben Zeit die Hotelanlage, als Klaus, mein Fahrer, gerade in die Arkaden hineinfahren wollte und ich mich im allerletzten Moment, wie es Herr von St. beschrieb, nach unten setzte, denn die Höhe der Arkaden ging mir gerade bis zum Hals und ich wäre geköpft worden. Mir selber war die Tragweite dieses Ereignisses nicht in der Dimension bewusst wie einigen Klassenkameraden, die es aus der Distanz mitverfolgt haben und unserem Exkursionsleiter, der in den abendlichen Zusammenkünften noch intensiv und nahezu ausschließlich darüber sprach, sehr zu meiner Verwunderung, da es mir äußerst unangenehm war, dadurch in den Mittelpunkt der Gespräche geraten zu sein. Mir selber war die Tragweite dieses Ereignisses nicht in der Dimension bewusst, wie einigen Klassenkameraden, die es aus der Distanz mitverfolgt haben und unserem Exkursionsleiter, der in den abendlichen Zusammenkünften noch intensiv und nahezu ausschließlich darüber sprach, sehr zu meiner Verwunderung, da es mir äußerst unangenehm war, dadurch in den Mittelpunkt der Gespräche geraten zu sein und ich habe erst einige Tage später von seinen inneren, übersinnlichen Erlebnissen zu diesem Zeitpunkt erfahren, der mir die Endlichkeit und Endgültigkeit des irdischen Daseins deutlich vor Augen führte und ich fühlte den seidenen Faden, an dem unser menschliches Schicksal, unser Leben hängt. Eine kleine Schramme an der Stirn behielt ich zurück, da ich beim Hinsetzen gegen das Autodach geschlagen wurde, dasselbe „Kainsmal“, wie es Kaspar am 17. Oktober 1829 bei seinem ersten Mordanschlag erhalten sollte.

Doch wie Asbest dem Feuer, so trotzte meine Urnatur, meine innere seelische Substanz solchen Prüfungen des Schicksals, denen ich schon einige Male in diesen 18 ½ Jahren die Stirn geboten zu haben schien und wie auch in späteren Jahren, genau 15 Jahre nach diesem Schicksalsknoten, der mir, wie 15 Jahre davor in meinem 3 ½ Lebensjahr meine Lebensflamme zum Erlöschen bringen sollte, so trotzte ich auch in meinem 33 ½ Lebensjahr wider der moralischen und medikamentösen Verbrennung und Vergiftung in der Klinik gegen den eigenen Untergang.


150 Es war ein Wunder gegen alle Logik, gegen die medizinischen Gesetze, ein Triumph des in mir schaffenden Geistes, von dem ich kaum etwas ahnte, der sich nur in einer nahezu unbeirrbaren Klarheit und Präzision den Weg durch die beginnende Verdunkelung bahnte. –

Dieses Erlebnis hatte eine dünne Schicht des Erkennens und Wahrnehmens, einer Offenbarung meines lichtvollen Wesens in der Seele unseres Exkursionsleiters geöffnet und so war es nicht verwunderlich, dass er sein Augenmerk ab diesem Tage besonders auf meine Person zu richten schien und das Schicksal uns die Gnade einräumte, zwei Tage später ein langes, intensives und zukunftweisendes Gespräch unter vier Augen zu führen, als die Klasse den langen, erschöpfenden Berg zum Kloster Tsambika hinaufschnaufen durfte. Mir gewährte meine Muskelerkrankung dieses großartige Erlebnis nicht, wie es mir später berichtet wurde, und dem Exkursionsleiter sein zertrümmertes Bein durch einen vergangenen Autounfall. Zum ersten Mal erzählte ich ihm von meiner schweren Vergangenheit und er zeigte sehr viel Mitgefühl und Wahrnehmung meiner Worte auch zwischen den Zeilen. Denn im Tiefsten müssen wir die eigene Kraft des Mitfühlens und Mitleidens erst wieder prüfen und stählen, am wahren Leben, zu einer neuen, gesteigerten Empfänglichkeit. Und es wäre ein großer Gewinn im Zwischenmenschlichen, wenn wir dazu bis zu den geheimen Wurzeln unseres Wesens zu graben in der Lage

wären,

um

die

Zusammenhänge

und

Verbindungen

einer

wundervollen

und

wahren,

verantwortungsvollen Menschlichkeit aus ihren Tiefen an die Oberfläche zum Handeln und Wirken zu bringen.

Auf diese Weise sollte eine neue Zeit auf mich warten, die aber neben sehr viel Licht und neuen Möglichkeiten ebenso viele Finsternisse bereit halten sollte, wie ich sie schon als Kaspar erlebt hatte. Ich hatte schon angedeutet, dass sich vor allem die beiden Zahlen „15“ und „18“ in meinem Leben als Antje-Sophia immer wiederholen mit einschneidenden Grenzerlebnissen und Todeserfahrungen. In der Beschreibung meiner Zahlenrhythmen wird das sehr deutlich. Auch mein 15. und 18. Lebensjahr war gezeichnet von folgender möglicher Deutung dieser beiden Zahlen: „ Die Zahl 15 zählt zu einer der wichtigsten des Okkultismus. Abhängig davon, welche Zahl neben ihr steht, kann sie eine positive oder negative Bedeutung haben. Die Gefahr liegt einzig darin, dass sie in negativer Hinsicht uns sogar in Richtung der schwarzen Magie führen kann.“ „Die Zahl 18 macht auf Gefahren aufmerksam, die sowohl physischer (zum Beispiel ein Unfall, eine Naturkatastrophe oder eine Krankheit) als auch psychischer Natur (zum Beispiel Widerstand der Familie, Streit oder Ärger) sein können.“ Allgemeine Bedeutungen der 18 sind: Lügen, Krankheit, Unwissenheit, Ängste (auch Urängste), Egoismus, Bilder der Seele Aufgaben die extrem viel Mut, Kraft und Stärke erfordern, aber auch tiefgründige Einsichten und Selbsterkenntnis, Lichtarbeit.


151 Mit einer 18 in den Eigenschaften sollten Sie ganz besonders aufpassen, wen Sie zu Ihren Freunden zählen, da Ihnen leicht falsche Tatsachen vorgespielt werden. Sie sind ein ehrlicher Mensch mit einem reinen Gewissen und haben ein großes Verantwortungsbewusstsein. In Ihren Aufgaben brauchen Sie immer eine Herausforderung und damit sind Sie dazu prädestiniert, anderen Menschen in Not und schwierigen Lebenslagen zu helfen.“


152 Kapitel: Porzellanmanufaktur oder das „abgebrochene Gymnasium“ wird erfolgreich zu Ende geführt? Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit oder Schwäche. René Descartes

In den Jahren vor meinem 18. Lebensjahr begann ich intensiv zu zeichnen und zu malen. Es sollte der Beginn einer Leidenschaft werden, welche mir in meinem 18. Lebensjahr einen Ausbildungsplatz in der Porzellanmanufaktur in Meißen sichern sollte, als ich von 120 Bewerbern als einer der wenigen durch eine zusammengestellte Mappe ausgewählt wurde. Ferner eignete ich mir bewusst geführtes Schreiben durch Kalligraphie an und habe unendlich viele wertvolle Dinge abgeschrieben, ganze Bücher mit Legenden, Sagen, Gedichten und Erzählungen, welche ich dann verschenkte. Wo auch immer ich all diese Dinge gefunden hatte, ich wurde auch hier innerlich und äußerlich geführt und erwarb mir selber eine, für dieses Lebensalter ungewöhnliche, Erweiterung meiner Fähigkeiten. Mit 12 Jahren begann ich zu portraitieren, allerdings nur mit geringem Erfolg, obwohl sich meine Zeichnungen erkennen ließen, aber ich gab diese Übungen nach einem Jahr wieder auf. Erst in meinem 24. Lebensjahr habe ich mich wieder daran gewagt und war erstaunt, was sich in den Tiefen, in denen sich Schöpferkräfte und Begabungen vereinen, doch wieder in ganz neuer, bewusster und verfeinerter Qualität an die Oberfläche wagte. Bis zum heutigen Tage versuche ich das Portraitieren weiter auszuüben und immer weiter zu perfektionieren, soweit es möglich ist, wenn man es niemals wirklich richtig gelernt hat, aber die Menschen, denen ich sie schenke, erfreuen sich daran und meine Brüder, die mein Licht immer unter ihren eigenen Scheffel stellen, gaben in einem großen Menschenkreis damit an, dass sie keinen besseren Porträtisten kennen, als ihre Schwester, weil sie auch in der Lage sei, das Wesen, die Seele eines Menschen herauszuarbeiten…Laut meiner Mitmenschen habe ich die Fähigkeit beim Portraitieren die Wahrheit des Wesens und Charakters der gezeichneten Person herauszubringen, die Anlagen, die Fähigkeiten, die Vergangenheit, die Zukunft und sogar körperliche Anlagen, die noch nicht einmal ein Arzt finden konnte, als ich bei einem Freund einen leichten Silberblick malte, der in Wirklichkeit nicht sichtbar ist. Monate später erzählte er mir, er sei wegen Müdigkeit beim Lesen beim Optiker gewesen, der ihm sagte, er habe einen leichten Schielwinkel. Ich vermag es, das Potential herauszuarbeiten, aber auch die Schwächen und Dunkelheiten.

Ich möchte hier die Ursachen meines verfrühten Auszuges aus dem Elternhaus beschreiben, um darzustellen, warum ich in meinem 18. Lebensjahr einen Pflegevater bekam, der im Zwielicht der Wahrheit sich doch als ein anderer Mensch herausstellte, als ich es anfangs angenommen habe und warum es für mich dann ab diesem Zeitpunkt kein Vor und kein Zurück mehr gab.


153 Über unserem Familienleben hing ein Damoklesschwert. Mein dritter Vater hatte der Reihe nach all seine fremden Kinder im Grunde vor die Türe gesetzt. Mein kleiner Bruder lebte seit Jahren in einem Internat. Johannes war mit 15 Jahren von zu Hause geflohen, er hatte mich, wie er es in seinem Lied für mich beschreibt, „in der Höhle des Löwen“ zurückgelassen. Nun war ich seit Jahren der alleinige Prellbock aller zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen und ich hebe es nicht aus dem Grunde hervor, um mich in die Opferrolle zu begeben, vielmehr um daran die familiäre Konstellation deutlich werden zu lassen: „Königin Elisabeth Victoria“, meine kleine Halbschwester Julia war die kleine Prinzessin, die eigene Tochter meines dritten Vaters. Und es ist nur verständlich vor dem Hintergrund schwacher, labiler Naturen, dass er sein Königreich mit seiner Frau, die ihm seine Tochter, schenkte und seiner kleinen Prinzessin und angehenden Königin vor fremden Eindringlingen verteidigen wollte, denn ein solcher war ich wohl für ihn, nach dem er keinen Zugang mehr zu seiner „süßen Putte“, wie er mich gleich nach unserem Unfall bezeichnete, mehr finden durfte und konnte. So stellte er mich unmittelbar vor der Griechenlandreise vor das Ultimatum, dass ich nach meinem 18. Geburtstag sein Haus verlassen müsse, anderenfalls würde er mir die Möbel auf die Straße stellen, da er mich für „dumm und hässlich“ abzustempeln pflegte und mir den angestrebten Hauptschulabschluss nicht zutraute.

Auf diese Weise habe ich, für meine Verhältnisse verfrüht, nach Lösungen gesucht, um ein Berufsziel auch ohne Schulabschluss anzustreben. Da ich schon immer sehr gut malen und zeichnen konnte, auch beherrschte ich die Kalligraphie sehr gut, bewarb ich mich mit einer Mappe in der Porzellanmanufaktur in Meißen, auch wenn ich mir sagen lassen musste, dass dort nur die „Crème de la Crème“ genommen würde, obgleich diese Manufaktur den Hauch von konservativ- schrulligem Altweiberflair, um einen Neologismus hier einzufügen, innehatte. Ich erhielt kurz vor unserer Klassenfahrt die Antwort aus Meißen, dass von 120 Bewerbern 7 ausgewählt wurden und ich dabei sein sollte. Ich wusste nicht, ob ich lachen, oder weinen sollte. Tief in mir fühlte ich, dass es nur eine Notlösung für mich war, kein wirklicher Berufswunsch, den ich seit meiner Kindheit träumte: Ich wollte unbedingt Schriftstellerin werden, auch Kinderbücher schreiben. Ich wollte sie illustrieren. Daneben wollte ich Lehrerin werden und Schreinerin. Mein Traumberuf wäre Musiker gewesen. Doch diese Chance, die sich kurz in meiner Kindheit durch den Klavierlehrer meiner Mutter aufgetan hat, als Spalte in meinem Schicksal, die mir mit Licht und Helligkeit entgegen strömte, da die Menschen mich seit jeher für „hochmusikalisch“ hielten, wurde von meinen Eltern nicht wahrgenommen. Sicher wollte ich malen, mich kreativ austoben, aber ich wollte eines nicht: stupide vor Porzellan zu sitzen und immer die gleichen Blümchen auf die tote Materie malen, immer denselben Tagesrhythmus, die


154 Gleichförmigkeit und mich anleiten lassen zu müssen, da ich immer in der Position war, selber zu leiten, zu führen, sowohl mich selber, als auch meine Mitmenschen. Doch mein Schicksal sollte wieder einmal einen Ausweg finden und doch möchte ich einfügen, dass diese Auswege meines Schicksals oftmals mit einem weiteren Opfer verbunden waren und ich ganz oft in meinem Leben vor solchen Weggabelungen stand, an denen ich hinterher einsehen musste, dass jeder dieser Wege, egal welchen ich bevorzugte, mit großen inneren und äußeren Beschwernissen und Verlusten verbunden war. Immer war es eine interessante, aber schmerzhafte und anstrengende Komplementärfunktion zur möglichen Selbstfindung und Selbstentfaltung. Selten gab es für mich tragendes Festland, ich stand auf keiner Erde und wenn ich stand, dann oftmals auf fremdem Boden, denn auch in meiner Familie fühlte ich mich als Fremdling und das entsprang auch den wahren Begebenheiten unserer familiären Situation. Im Grunde fühlte ich mich seit unserem schweren Autounfall als Kind heimatlos, nirgendwo dazugehörig, geduldet, aber nicht willkommen. Nur im Geistigen fühlte ich mich zu Hause, das war meine Heimat. Moralische, ethische Bindungen waren mir diese Zuflucht und ich schrieb sie groß auf meine Lebensfahne. Ich hatte keine ausströmende Weite des Lebens vorzuweisen: Meine Bildung hatte nirgendwo festen Halt, war in keinem Bereich verankert. Mit den Freuden meiner Schulkameraden, die in teurer Kleidung, Partys, technischen Dingen und auch Drogen ihren Ausdruck fanden, konnte ich mich nicht anfreunden, ich hatte keine Antennen dafür und ein Bestreben in diese Äußerlichkeiten war nicht einmal als Rudiment bei mir vorhanden.

Das Gegengewicht schuf sich seinen Weg in einem umfassenden seelischen Tiefgang, der Liebe zur Schönheit der Welt, der Dichtung, der Bücher, der Natur mit ihrem Pflanzen und Tierreich, der Wahrnehmung menschlich- wahrer Regungen, Charakterzügen, die ich tiefmenschlich zu verstehen gelernt habe. Und diese Antennen waren bei mir in einer ganz besonderen Weise ausgebildet, dass ich heute sagen kann, mein Kompass, auch im Zwischenmenschlichen, hat mich immer richtig geführt, mich wahrhaftige und gute Freunde erkennen, mich zu jedem Menschen eine Brücke finden lassen, aber mein Vertrauen, meine Hingabe nur an diejenigen, die mit mir einen Weg gingen in voller freundschaftlicher Verlässlichkeit, Gewissheit und Sicherheit. So war auch diese seelische Substanz bei mir in umfassendem Maße zu finden, die man Verantwortung, Rücksicht und Gewissen nennt.

Dies war nun die Ausgangssituation, mit der ich nach Griechenland auf die Klassenfahrt aufbracht: In meinem Rucksack die Zusage aus Meißen, in einem anderen Fach die Aussage meines dritten Vaters, er würde nach der Reise meine Möbel und mich auf die Straße stellen, in einem dritten Fach meine ungeheure Lebensangst, vielleicht auch Untüchtigkeit, trotz der Ausbildung unzähliger Fähigkeiten und Fertigkeiten durch eine Mutter im Rollstuhl.


155 Möglicherweise suchte meine Seele den Ausweg im Tod, wie er sich auf der Reise fast an meine Fersen heftete, fast auf den Tag genau an meinem ersten Mondknoten. Was der „Mondknoten“, wie ihn auch Goethe erkannte und beschreibt bedeutet, möchte ich im weiteren Verlauf noch beschreiben. In jedem Fall war nach dem Gespräch mit Christoph von St. klar und deutlich, dass er ein anderes Berufsziel für mich anstrebte. Der Inhalt unseres Gespräches war dergestalt, dass unser Exkursionsleiter mir anbot, ich könne in den Sommerferien in seine Familie aufgenommen werden. Er habe selber zwei Töchter in meinem Alter und da er mich für hochintelligent halte und nicht verstehen könne, dass ich nicht einmal in der Lage sei, den Hauptschulabschluss zu absolvieren. Er würde er mich begleiten und fördern bis zum Abitur. –

Hatte ich richtig verstanden? Eine neue, richtige Familie? Abitur, - ich, - Antje-Sophia Lachenmayr?

Das war mein größter Traum, denn auch Kaspar hatte den Wunsch, seine Allgemeine Hochschulreife am Gymnasium zu schaffen, was ihm natürlich nicht gelingen konnte: (…) „Kaspar besuchte nun das Gymnasium, doch Feuerbach bezeichnet es "als den größten Missgriff in der Erziehung und Bildung dieses Menschen". -

Und ich sollte mit dieser Verwunderung über mein bestandenes Abitur aus dem Stand gewissermaßen und dem inneren Staunen Recht behalten, denn als ich zwei Jahre später mein Abitur in der Tasche hatte, standen meine Lehrer in Augsburg genauso benommen und ungläubig vor dieser Tatsache und fragten: „Habe ich richtig gehört? Antje-Sophia Lachenmayr hat das Abitur?

Nein, ich musste geträumt haben. Dieser Traum war zu schön, um wahr zu sein. Ich kannte mein Schicksal nur zu gut, als dass ich wusste, dass an jeder neuen Weggabelung, in jedem neuen, oftmals vermeintlich strahlenden Licht meiner Wege ein dunkler Schatten lag. Und doch fühlte ich den Atem des Schicksals und ich hatte unbewusst diesen möglichen Weg lange Jahre innerlich gedanklich vorbereitet. Daran wird deutlich, dass Gedanken zu Realitäten werden, dass sich Taten und geistige Taten in einer anderen, unsichtbaren Dimension vorbereiten, den Boden schaffen, um sich dann im irdischen Plan zu verwirklichen.

Schon sein Kunstunterricht hatte mich in seinen Bann gezogen, noch in der Schule, aber auch in den Seminaren auf Rhodos und da dieser Mensch ein „Weltmann und Weltenbummler“ war, wie auch Lord Stanhope, möchte ich eine kleines Streiflicht auf sein Leben werfen, das mich dazumal ungeheuer faszinierte. Wenn ich in den 12 Jahren meiner Schulzeit auch häufig die Schule einfach schwänzte, lieber in den Wald ging, um den Sonnenaufgang zu begrüßen, innerlich den Sonnengesang des heiligen Franziskus sprechend


156 und dem Gesang der Vögel zu lauschen, so endete die Abwesenheit schlagartig mit dem Tag, an dem Christoph von St. unsere Klasse betrat. Sein Unterricht zog mich in seinen Bann, ich hing an seinen Lippen, wenn er aus seinem Leben erzählte, das ungeheuer abenteuerlich und menschlich sowohl wertvoll, als auch voller Gefahren war und auch er sagte mir schon zu dieser Zeit, dass er mein klares, waches Bewusstsein, meine Aufnahmefähigkeit und Wahrnehmungsfähigkeit auch bei den Erzählungen deutlich wahrnahm, die für die meisten meiner Klassenkameraden unbedeutend schienen, denen sie keine Aufmerksamkeit widmeten. Vielleicht erlebte er meine innere Wachheit auch aus dem Grunde in dieser Deutlichkeit an meinen Augen, weil mein Leben von Anbeginn sehr schwer war und es niemanden in meiner Klasse gab, der auch nur ansatzweise ähnliches erlebt hatte: Diese Schicksalsstürme vom ersten Tage meiner Erdenlaufbahn ließen in meiner Seele Spalten und Öffnungen entstehen, die mich empfänglich werden ließen für kleine Wunder in dieser Welt, wachsam werden ließen für subtile seelische Erlebnisse und Seelenregungen an und mit meinen Mitmenschen und für Schicksalszusammenhänge. –

So erzählte er uns von seiner Bekanntschaft mit einem indischen Geschäftsmann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die ihn nach Dubai führte. Er baute dort später den größten Goldmarkt von Dubai und einige Moscheen. Per Schifffahrt folgten ihm seine große Zeichenmaschine und ein großer Koffer. Doch bei seiner Ankunft kamen seine wichtigen Dinge nicht mit und alle Versprechungen des Geschäftsmannes waren Seifenblasen. Er lebte anfangs im Zelt und arbeitete auf einer Schiffswerft, um nicht unverrichteter Dinge wieder nach Deutschland zurückkehren zu müssen und seinem Schicksal noch eine Chance einräumen zu können. Damit er in die einflussreichen Kreise eingeführt werde, verschaffte ihm der Geschäftsmann wenigstens die Möglichkeit, in einem noblen Restaurant nachts Vorträge zu halten. Herr von St. sprach auf Englisch über Architektur und bildende Kunst und zeigte dabei mit einem Diaprojektor auch Werke, die er selbst baute. Tatsächlich interessierte sich so mancher Scheich und hoher Minister für ihn und er konnte beginnen, größere Projekte zu planen und zu bauen, wie einige Moscheen und eben den größten Goldmarkt. Seine Art, mehr als Künstler, denn als Geschäftsmann in allen Bereichen seines Arbeitens vorzugehen, versäumte er, sein nunmehr großes Büro mit vielen Mitarbeitern auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Und als nach 5 Jahren seines Aufenthaltes in Arabien mit dem Auftreten von Komehni eine gewisse Wirtschaftshysterie bei den Arabern auftrat, drehte so mancher Scheich seinen Geldhahn ab, ja, man bedrohte den europäischen Architekten sogar und machte ihn für manches Desaster verantwortlich. Einige Zeit fürchtete Herr von St. um sein Leben, aber er hatte wiederum auch gute Fürsprecher und so konnte er, zwar ohne einen Pfennig Geld und mit einem kleinen Koffer, doch wenigstens das Land verlassen.


157 Aber es gab noch ein Nachspiel: Er erhielt einen Anruf aus Hamburg. Zwei Männer stellten sich als Freunde eines Ministers von Dubai vor, sie wollten mit ihm in Hamburg etwas bauen. Erfreut über einen neuen Auftrag fuhr Herr von St. nach Hamburg und wurde von den beiden Männern auf eine einsame, halbfertige Baustelle geführt. Plötzlich wurde ihm eine Pistole an die Schläfe gesetzt mit der Forderung, er solle sagen, auf welchem Schweizer Konto er die 2 Mio. Dollar, die er aus Dubai angeblich mitgebracht habe, versteckt hielte. Eine ganze Nacht war nötig, bis die beiden Männer, nachdem sie ihm noch die Arme verrenkt hatten, einsahen, dass wirklich bei ihm nichts zu holen war, der kein Geld aus Arabien mitgebracht hatte. Herr von St. erzählte uns, er habe unentwegt unseren Morgenspruch aus der Waldorfschule „Ich schaue in die Welt, in der die Sonne leuchtet, in der die Sterne funkeln, in der die Steine lagern…“ und andere Gebete gesprochen, da er damit rechnen musste, in dieser Nacht sein Leben zu verlieren. Dabei sah er mich lange an und ich erinnere mich noch heute an diesen Blick, an mein tiefes Verständnis seiner damaligen Situation, denn ich habe umfassend mitempfunden, dass diese Kraft, die Heilkraft des Gebetes von ihm Kräfte aus der Geistigen Welt zufließen ließen, die ihm ermöglichten, seine Kidnapper und möglichen versteckten Mörder zu besänftigen. Lange ruhte sein Blick auf mir, da der Rest der Klasse mit anderen Dingen beschäftigt zu sein schien, als die Tragweite seiner Erzählung und den geistigen Hilfestrom seiner Gebete seelisch und gedanklich zu erfassen und sich davon berühren zu lassen. –

Nachdem die beiden Männer ihm das Versprechen abgenommen hatten, der Polizei nichts zu melden, ließen sie ihn nach Stuttgart zurückfahren. –

Wie ein roter Faden zogen sich derlei Ereignisse durch sein Leben und sollten auch mir mehr und mehr einen Blick in diese dunkle Seite der Menschheit gewähren, die wohl eine Vorbereitung dessen war, was ich auch aus dem letzten Leben aufzuarbeiten hatte und haben würde hinsichtlich Lug und Betrug, Gewalt, Raub, Bestechung und mehr. Zu Hause bekam ich nahezu jeden Tag einen Brief von „Odysseus“ dem Listenreichen, wie ich ihn fortan nannte. Seine Briefe trugen den Namen „Odysseus“. Dieser ist, wie wir alle wissen, ein Held der griechischen Mythologie, der nach der klassischen Chronologie im 12. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Er übernahm von seinem Vater die Herrschaft über Ithaka und gehört zu den bekanntesten griechischen Heroen im trojanischen Krieg. Homer schildert seine vollbrachten Taten in der Ilias, seine 10 jährige „Irrfahrt“. Odysseus zeichnete sich vor allem durch einen außergewöhnlichen Verstand und vor allem listige Ideen aus.


158 Ich habe erst durch das Schreiben an meiner Biographie und im Abstand dieser Jahre mit dem listenreichen Odysseus die volle Bedeutung seiner Namensgebung erkannt und begriffen und ich frage mich, ob diese Zeit nicht auch einer zehnjährigen „Irrfahrt“ gleichkam, wobei es sich in meinem Leben mit ihm nur um 7 Jahre handelte. Ich werde es irgendwann mit einer anderen Überschau durch Abstand erfahren.

Als ich in meiner Biographie über die vier Temperamente sprach, habe ich angedeutet, dass ich noch eine ausführliche und tiefe Bekanntschaft mit einem Choleriker machen sollte, wie ich es am Beispiel von Friedrich Händel mit der Sängerin, die er aus dem Fenster hielt als sie nicht singen wollte, veranschaulicht habe. Von der Statur her zwar groß, doch eher von gedrungenen, massiven, massigen Körperbau, fühlte man diesen Odysseus schon, wenn er nur durch eine Hintertüre leise einen Saal betrat. Auch ohne ein Wort zu sprechen, vereinnahmte er den ganzen Raum und brauchte, schon aufgrund seiner seelischen und physischen Korpulenz die ganze Luft zum Atmen. Man subordinierte sich ihm unwillkürlich rein aus dem Gestaltmäßigen seiner Natur, rein aus dem Seelenaufschlag tausend jähriger Cholerik. Etwas Mächtiges ging von ihm aus, etwas Besitzergreifendes und die Freude, im Mittelpunkt zu stehen, dabei die Begabung auch der Mittelpunkt zu sein. Der Furor war sein Element, nicht einzig aber auch das Adäquate seiner Kraft. In der Ruhe hielt er es nicht aus. In seinen besten Mannesjahren konnte man sich ihm kaum müßig denken, innerlich schlendernd oder sanft. Das Überheizte eines inneren Topfes verlangt Kraft zu treiben, etwas vorwärts zu stoßen, immer tätig zu sein. Er war innerlich und äußerlich immer unterwegs, wie getrieben und mitgerissen von einem großen Orkan, dabei nicht gleitend, schwebend, weil er, wie homöopathisch, vom Gleichen, der Erde und ihrem Magneten angezogen wurde, weil es Masse mit Erdenschwere und Widerstand war, den er liebte, um gleichzeitig in den Himmel zu greifen auf der Suche nach den Sternen, einer möglichen blauen Blume. In meinem Kapitel über Dostojewski sprach ich auch über die Liebe, wie ich sie verstehe.

Zum damaligen Zeitpunkt fühlte sich der Teil meines Herzens, den wir mit dem Egoismus teilen, beglückt von seiner Aufmerksamkeit und begehrt. Ich glaubte, dass das, was mit mir nun geschehen sollte, einmalig sei auf der Welt und wagte und durfte nicht darüber sprechen. Was bedeutet also Liebe für mich und vielleicht sogar nach einer allgemeingültigen Gesetzmäßigkeit? Ich habe es mit dem einen Satz beschrieben, auch anhand des „Liebeskonflikts zwischen Katerina Iwanowna und Dimitri, der unentwegt zwischen den Polen der scheinbaren Liebe und dem Hass hin und herpendelt und nur deutlich zum Ausdruck bringt, dass sie nur ihre eigenen Aufopferung liebt und ihre ureigene Pose der Liebe. Denn eigentlich liebt sie nicht ihn, „sondern ihre Erniedrigung, die er ihr zufügt“, - dass ich den anderen liebe, weil ich mich selbst durch ihn liebe und meine eigene Wertigkeit in ihm widergespiegelt bekomme. Dabei bin ich mir sicher, dass jeder Liebende durch all diese Zwischenformen von Eigenliebe und Fremdliebe zu den reinen, zu den klaren Formen der Liebe zu gelangen versucht, wo die Kunst des Liebens


159 durch Makellosigkeit zum Element wird, alle Schlacken verliert, einem Kristall gleich, absichtslos und frei. Aber dieser Weg geht oftmals nur durch alle Facetten irdischer Triebe und durch das dicke Gestrüpp menschlicher Kleinigkeiten und egoider Kleinmütigkeiten. Ich riss mich wund daran und das sollte mir diese zweite Nacht ganz deutlich vor die Seele stellen. Heute jedenfalls bin ich mir bewusst, dass mich diese teilweise überfordernden Widerstände nicht gehemmt haben, auch wenn sie mein Leben möglicherweise unterhöhlten. Mein ganzes Leben bestand aus Widerständen und ich brauchte sie offensichtlich und liebte sie auch, so lange sie mich produktiv in meiner Entwicklung weiter brachten und das taten diese Jahre mit Odysseus evident.

Odysseus besuchte mich auch in Augsburg und ich erfuhr eine Behandlung, wie ich sie niemals zuvor erfahren hatte: er nahm mich wahr, er ging mit mir in teure Restaurants essen. Immer hatte er in seiner Hemdstasche einen hundert Mark Schein stecken, dessen blau durch das weiß des Stoffes schimmerte. Nicht, dass mich Geld und Gut sonderlich anzog, von jeher waren mir andere Werte wichtiger. Aber mein sehnlichster Wunsch, einmal mit meiner Mutter auswärts essen gehen zu dürfen wurde zumindest von ihm erfüllt. Noch konnte ich nicht ahnen, dass all dies nur Blendwerk war vor dem Hintergrund seines eigentlichen Bankrotts, der sich erst viele Monate später zu erkennen gab, auch mit nächtlichen Polizeiaktionen, die sein geleastes Auto abholten. Noch ahnte ich nicht, dass er mich mehr und mehr durch Versprechungen und Täuschungen meiner Mutter, meine ganze Familie zu entfremden suchte, noch war ich mir zunächst nur der Gnade einer neuen und möglicherweise besseren Zukunft bewusst.

Ich hatte meinen Ausbildungsplatz in Meißen abgesagt. Odysseus hatte mir stattdessen in den Sommerferien eine Sprachreise nach England, nach Kent gebucht. Nach dieser Reise wollte er mit der ganzen Familie, einschließlich mir, noch einmal nach Rhodos fliegen vor dem anstehenden Schulbeginn in Stuttgart, um zunächst die Mittlere Reife als Schulabschluss anzustreben. Die Briefe, die ich von ihm nun fast jeden Tag erhielt, waren voller Weisheiten, tendierten jedoch auch in eine Richtung, die mir fremd war, die ich nicht verstand. Unbewusst musste ich allerdings geahnt haben, dass ihr Inhalt eine Spur verfolgte, die mich in eine Dreiecksbeziehung katapultieren sollte, denn ich musste diese Schriftstücke vor meiner Mutter verstecken, um sie nicht in Sorge zu versetzen. Natürlich ahnt und weiß eine Mutter mehr, als sie es sich oftmals anmerken lässt und es begann eine sehr schwere Zeit der Inquisitionen und Verhöre in den folgenden Monaten, die mich fast zu brechen drohte. Denn Odysseus hatte mir verboten, mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Ich kannte diese Verhöre und Verfolgungen nach meinen Tagebüchern schon aus dem letzten Leben, sie waren mir nicht unbekannt und sollten sich offenbar nochmals in ähnlicher Weise wiederholen.


160 Ich möchte hier nicht im entferntesten das eherne Schema von Schuld und Sünde, von Strafe und Vergehen berühren, nicht die seelische Befremdung zu überwinden versuchen, vor der moralischen Härte eines abgestorbenen

Weltgesetzes,

dass

durch

Doktrinen

und

Vorgaben,

durch

Gebote

und

Verhaltensmaßregelungen die Freiheit der Natur, und die Freiheit des Willens teilweise grausam beschneidet. Aber ich möchte meine innere Seelenverfassung und meine Erfahrungen so wahrhaftig, wie es mir nur irgend möglich ist, hier darstellen:

Der listenreiche Odysseus hatte es zuwege gebracht, eine Reise mit allen Familienangehörigen in der Weise zu gestalten, dass ich am Ende mit ihm alleine nach Griechenland flog. Dem wäre nichts einzuwenden gewesen, denn er stellte sich allen Freunden dort als mein Pflegevater vor, wenn er dieser Rolle auch nachgekommen wäre. Doch wie ein roter Faden sollte sich der menschliche Missbrauch durch das Leben von Kaspar und abermals von Antje-Sophia ziehen.

Ich sehe mich in dieser zweiten Nacht innerlich betäubt, erstarrt und im buchstäblichen Sinne sprachlos auf dem Balkon meines Hotelzimmers sitzen, über Raum und Zeit kaum noch orientiert. Zuerst weinte ich, dann saß ich über viele Stunden bewegungslos da und stierte in die finstere Nacht, bis sich das erste Morgenrot auf das weite Meer legte. Meine Seele glaubte zu wissen, dieser Entwicklung auf die Dauer nicht gewachsen, Freundin und Geliebte eines verheirateten Mannes zu sein, der vorgab dass dieser Bereich seit geraumer Zeit zwischen ihm und seiner Frau keinen Stellenwert mehr besaß. Mit ihr zu sprechen hatte er mir verboten, mehr auf nonverbaler Ebene, indem er jegliche Berührungspunkte von ihr mit mir auf seelischer und physischer Ebene unterband. Odysseus konnte meine Reaktion damals in dieser zweiten Nacht nicht einordnen, griff sich ans Herz und strauchelte wie ein Mensch, der sich einem Herzinfarkt nahefühlte, in sein Zimmer. Ich saß noch einige Stunden auf dem Balkon, und überlegte mir gegen sechs Uhr morgens, wie mein Leben nun weiter gehen sollte. Ich war in der Stuttgarter Schule angemeldet, hatte keinen einzigen Schulabschluss, nicht einmal den Hauptschulabschluss, hatte meinen Platz in der Porzellanmanufaktur in Meißen abgesagt und verloren, konnte nicht mehr nach Hause zurück wegen meinem dritten Vater und so kristallisierte sich gegen sechs Uhr des folgenden Tages in mir die Lösung heraus: „Augen zu und durch“ – abwarten Ergebenheitsstimmung.

Als ich an die Zimmertüre von Odysseus klopfte und er mich einließ, war er am Packen und sagte mir in einem zwar erschütternden, aber auch gleichgültigen Ton, er wollte heute früh, ohne mir Bescheid zu geben, nach Deutschland zurück fliegen, mir noch einige deutsche Markscheine an der Rezeption hinterlegen, ebenfalls mein Rückflugticket und es wäre wohl besser, wenn ich mir unter diesen Umständen einen anderen Platz suche, an dem ich möglicherweise meinen Schulabschluss absolvieren kann. Er habe mir doch monatelang Briefe geschrieben von seiner inneren Sehnsucht und er habe meine Reaktion nicht einordnen


161 können und wisse nicht damit um zu gehen. Als er mir jedoch in die Augen sah, fühlte ich einen warmen Liebesstrom, eine Zärtlichkeit, die nicht zu der Härte seines Entschlusses zu passen schien - er bat mich, wieder zu ihm zurück zu kehren.

Erst in späteren Jahren wurde die ganze Tragweite seines Entschlusses bewusst, mich erst in seine Familie aufgenommen zu haben, um mich dann, wie mein dritter Vater kurze Zeit zuvor, ohne Perspektiven wieder auf die Straße zu setzen. –

Analogie zu Kaspar: (…)„Das Weinen dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Dann erhob er sich, schlich sich in den Winkel, kauerte hin und bedeckte das Gesicht mit den Händen. (…) „Gegen sechs Uhr abends verließ ich ihn, und obgleich er bis dahin noch nicht einmal den Mund aufgetan, dachte ich mir, er werde mit der Geschichte schon fertig werden. (…) Als ich von Kaspar fortgegangen war, saß er auf einem Schemel zwischen Ofen und Wandschrank. Am anderen Morgen um halb neun trat ich wieder in sein Zimmer, und wer beschreibt das schmerzliche Erstaunen, das ich empfand, als ich ihn an genau derselben Stelle, in unveränderter Haltung, noch immer die Hände vors Gesicht geschlagen, so sah, wie ich ihn vierzehn Stunden früher verlassen.“-

Als dann die Trennung von Herrn von St. Jahre später erfolgte, die er radikal vollzogen hatte, weil er der Meinung war, ich müsse nun auf einmal und auf einen Schlag meinen Lebensgefährten finden und heiraten, saß ich ebenfalls eine ganze Nacht in einer Ecke, unfähig mich zu rühren, in meiner Seele tiefe Nacht und die Gewissheit und Erinnerung, es war schon einmal so in einer fernen Vergangenheit und alles spiegelt sich nochmals in meinem jetzigen Leben. Er nannte mich „die blaue Blume“ und ich möchte ihn nicht mit dem Lord Stanhope vergleichen, weil er ganz andere Intentionen hatte und wirklich in meinem Wesen etwas erlebte, das ihn tief anrührte. Und auch wenn die äußeren Begebenheiten erstaunliche Kongruenzen aufzeigen, so erlebe ich vom Wesen, der Zielrichtung, der Handhabung und den Auswirkungen deutliche Übereinstimmungen des Lords mit meiner Hausärztin, wie ich es schon andeutungsweise beschrieb. Denn auch wenn Stanhope menschliches Interesse für Kaspar zeigte und auch Zuneigung, so ist deutlich, dass er fremdbestimmt wurde und im Auftrag der Jesuiten die Aufgabe auferlegt bekam, Kaspars Seele zu verdüstern, sie zu verführen, um ihn dann zu eleminieren, sprich töten zu lassen.

Auch mit dem Verhalten der Frau Behold, bei der Kaspar für einige Zeit lebte, war Herr von St. nicht zu vergleichen, auch wenn sich die Auswirkungen in ähnlicher Weise zeigten. In welcher Ausgewogenheit sich Dichtung und Wahrheit im Buch von Wassermann die Hand reichen, ist ungewiss, gewiss ist, dass Antje-


162 Sophia auch aus dieser Zeit Erinnerungsfetzen erreichen und die Spiegelung in ihrem Leben zeigt deutliche Spuren, dass ihnen ein Wahrheitsgehalt zugrunde liegen kann. Nach dem Mordanschlag im Hause Daumers fühlte sich der Professor nicht mehr sicher und gab Kaspar ab in die Hände einer Frau, die von den Trieben ihres Geschlechtslebens immer wieder überrollt wurde, um sich auch Kaspar zu nähern, ihn als Lügner zu beschimpfen, um selber ihren Mann anzulügen. (…) „Wie am Nachmittag näherte sie wieder ihr Gesicht dem seinen. (…) Mit ganzer Kraft zog sie den Kopf gegen ihre Brust. Er dachte, sie wolle ihm ein Leids tun und schrie, da drückte sie die Lippen auf seinen Mund. Ihm wurde eiskalt vor Grauen, sein Körper sank zusammen, wie wenn die Knochen aus den Gelenken gelöst wären und als Frau Behold dieser jähen Erschlaffung inne ward, erschrak sie und sprang auf. (…) Kaspar hockte auf dem Boden, krampfhaft umklammerte seine Linke die Rückenlehne. Frau Behold beugte sich noch einmal zu ihm und schnupperte seltsam, denn sie liebte den Geruch seines Leibes, der sie an Honig erinnerte. Aber kaum spürte Kaspar ihre abermalige Nähe, als er emportaumelte und ans andere Ende des Zimmers floh. Die Seite gegen die Tür geschmiegt, den Kopf vorgeduckt, die Arme halb ausgestreckt, so blieb er stehen.“

Immer wieder wurde Antje-Sophia in ihrem Leben in derlei Weise missbraucht und angegangen und ich möchte an dieser Stelle ein Bekenntnis ablegen, weil es auch die beschriebenen Venusqualitäten im Löwen bei Kaspar und mir nochmals aufgreift und in unmittelbarem Zusammenhang mit diesen Missbräuchen gesehen werden kann. Dort wurde analysiert, dass ein gewaltiges Potential im Geschlechtlichen vorhanden sei, das jedoch nicht zur Entfaltung kommt. Es schlummert und trotzdem es sich auch zu Wort meldet, geschieht das in einer Art traumwandlerischer Natur. Kaspar hatte sich einmal bei Daumer über das Eigenleben in seiner Hose beklagt und erlebte das als eine ganz ungehörige Sache, die er nicht haben wollte. In ähnlicher Weise erlebte es Antje-Sophia ab ihrem fünften Lebensjahr in teilweise gewaltiger und gewalttätiger Ausprägung, sodass sie in ihrem zwölften Lebensjahr zu ihrer Mutter gehen wollte, um sie zu bitten, sie zu einem Arzt zu schicken. Das dabei entstandene Gefühl erlebte sie als etwas schönes, besonderes, nicht so sehr die weiteren Auswirkungen und glaubte schon, dass etwas mit ihr nicht stimmen kann. Und trotzdem sich diese Dinge in der Weise entwickelten und sie irgendwann auch Einblick bekam in die Sphäre der Beziehungen von Mann und Frau, so schlief sie dennoch bis zu ihrem 18. Lebensjahr einen Dornröschenschlaf und erwachte an der harten, rauen Wirklichkeit. Herr von St. war über 40 Jahre älter als sie und nicht gerade der Mann, den sie sich vorstellte. In dieser Weise wurde das Erlebnis in doppelter Weise zu einem Schock für sie, um Erinnerungen in ihrer Seele aufsteigen zu lassen an eine weit zurückliegende Vergangenheit.


163 Immer wieder wurde ihr gesagt, dass sie einen ganz eigentümlichen, einmaligen, außergewöhnlichen und besonderen Chemismus habe, der ebenfalls an „Honig“ und Blütenduft erinnert. (…) „Die ferne Ahnung von etwas Ungeheurem dämmerte in ihm auf. (…) Es war wie das entsetzliche Aufleuchten von Augen, als ein rosiger Blitzstrahl ins Zimmer fuhr. Der Donner folgte wie ein enormer Schrei. Kaspar drückte die Schultern zusammen und fing an zu zittern.“

Nun saß ich hier mit Odysseus und fühlte in mir eine große innere Leere aufsteigen, die ich zuvor in dieser Weise noch nie erlebt hatte. Nun streunte ich durch die Hotelanlage auf der Suche nach Gleichaltrigen. Odysseus hatte angekündigt, jeden Tag als ein Kunstwerk zu gestalten, um erst gegen Spätnachmittag das Hotelzimmer zu verlassen, etwas im Meer zu schwimmen. Ich nannte ihn „King Kong“ aus dem Grunde, da er sich immer wieder vor mir aufzuplustern begann, um mir zu zeigen und zu beweisen, dass sich hinter seiner eigentlichen, äußeren Erscheinung der Kaiser von China und gleichzeitig Bill Gates verbirgt. In seiner Hemdtasche trug er grundsätzlich und von Anfang an immer einen Hundertmarkschein mit sich herum, zart schimmernd in seinem ebenso zarten Blau durch den dünnen Stoff der Tasche. Dem Blau ist er bis heute treu geblieben, allerdings hat sich nicht nur die Währung geändert, sondern auch seine berufliche Stellung. Ich sagte zwar, dass diese neue Lebenstatsache mein Leben möglicherweise unterhöhlte, mich aber in meiner Entwicklung evident weiterbrachte, weil sich mir eine ganze Welt des Wissens und der Erkenntnis öffnete, jedoch weiß ich nicht, würde ich heute nochmals an einer solchen Weggabelung stehen, ob ich wieder in dieser Weise entscheiden würde, einen schöpferischen, produktiven Teil zu begraben, vor allem meine Wahrhaftigkeit für einige Jahre, wie ich es noch beschreiben möchte. Denn schon nach unserer Rückkehr sehe ich mich eines Morgens in meinem schon komplett eingerichteten kleinen Zimmer, bei dem mir nicht die Freiheit gegeben wurde, selber gestalten und ich sehe mich am Schreibtisch über einem begonnenen Portrait sitzen, als Odysseus mein Zimmer betrat, das Bild sah und mit einer vernichtenden Aussage, ich solle selber zeichnen, nicht abzeichnen, mir diese innere Schulung der Perfektion über Jahre zerstören sollte. Meine Dinge und Habseligkeiten verschwanden einfach, wenn sie nicht in sein Weltbild passten und ich ließ mir alles gefallen. Seine Cholerik, sein Charakter brachten es mit sich, unentwegt in die Freiheit, auch die Entscheidungsfreiheit in allen Lebensbereichen seines Gegenübers einzugreifen, um sie nach seinen Vorstellungen zu korrigieren. Jegliche Autorität ließ mich erzittern und ich beugte mich ihr, auch wenn ich sie nicht fassen und begreifen konnte und sicherlich auch oftmals nicht hinter dem stand, was von mir erwartet wurde.


164 Herr von St. befahl mir, meine Umgebung zu belügen, was unser Verhältnis betraf und ich versuchte mich, autoritätshörig, daran zu halten, auch wenn ich versuchte, nicht direkt zu lügen, sondern die Wahrheit einfach zu verschweigen und zu verschleiern. Nun erreichten mich immer wieder Anrufe meiner Mutter, in einem immerwährenden stillen Vorwurf meiner Vernachlässigung ihrer Person. Da mich Odysseus in vollem Umfang und umfassenden Ausmaß in seinen moralischen, ethischen, menschlichen, psychologischen Händen hielt, durfte ich kein Wort über die wirkliche Situation dieser Dreiecksbeziehung verlieren und das erzeugte in meiner Mutter eine starre und steinerne Hartnäckigkeit, der Wahrheit ans Licht zu verhelfen, dass ich mich oft nächtelangen Inquisitionen aussetzen musste, in denen ich versuchte, nicht zu lügen und dennoch die Wahrheit zu verschweigen. Diese inquisitorischen Höllenfahrten, wie ich sie heute nachempfinde, überdauerten eine Zeitspanne von mindestens sieben Jahren, in denen meine Kraft des Standhaltens mehr und mehr zu brechen schien. (…) „Dass Kaspar sich nicht ein einziges Mal bewogen fand, über die Art seiner Beziehung zu dem Lord, über den Gegenstand ihrer Gespräche sich zu äußern, verletzte ihn (Herr von Tucher) tief; einen solchen Mangel an vertraulicher Mitteilsamkeit hätte er zum allerwenigsten erwartet.“

Stanhope hatte es Kaspar aufs allerstrengste verboten, sich mitzuteilen, ebenso wie es Herr von St. AntjeSophia verboten hatte.

Aber die Jahre zerrten an meinen Lebenskräften, weil mir Wahrhaftigkeit schon seit meinem dritten Lebensjahr die wichtigste Qualität im Zwischenmenschlichen und im ganzen Weltgefüge zu sein schien und ich immer darauf bedacht war, sie zu mehren, sie zu steigern und ihr umfassend Raum zu geben. Wahrhaftigkeit war die wichtigste Essenz für mich gegenüber mir selber, gegenüber meinen Mitmenschen, gegenüber meinen Taten und Handlungen. Und nun schien ich sie in diesem menschlichen Bereich für lange Zeit einer Scheinwahrheit opfern zu müssen und das bewirkte in meinem 21. Lebensjahr den inneren Absturz. Und immer wieder musste ich in meinen menschlichen Beziehungen erkennen, dass auch hier jene ungeheure Kluft, die schon erwähnte Paradoxie an verschiedenen Lebensbeispielen, die sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben zieht, das hervorstechende Merkmal meiner Biographie ist: Ungeheuerliches, strahlendes Licht, tiefe Menschlichkeit neben nachtschwarzer Finsternis, sodass ich oftmals nicht wusste, was von beidem überwiegt, ob es sich lohnt durchzuhalten, oder den Belastungen durch Flucht zu entgehen. Diese „Verführungskunst“ beherrschte Herr von St. in ungeheuerlicher Weise und auch hier erinnerten mich viele Situationen an eine längst vergangene Zeit in einer anderen Daseinsform.


165 Wieder zeigen sich gravierende Übereinstimmungen hinsichtlich der Beziehung von Kaspar zu Stanhope und der ähnlichen von Antje-Sophia zu Herrn von St. um möglicherweise aufzuzeigen, dass Kaspar im Grunde ebenso zum Lügen gezwungen wurde, weil er hinter dem Rücken seiner menschlichen und liebevollen Trabanten, das heißt dem Herrn Professor Daumer, dem Präsidenten Feuerbach, von Tucher und allen weitere wahrhaftigen Menschen aufgehetzt und zur Niedertracht und Hinterlist gewissermaßen erzogen wurde vonseiten des Lords. Wie ihm begegnet wurde, das spiegelte sich in seiner Seele. Denn der Pfarrer Fuhrmann vermochte keine Falschheit und Verlogenheit an ihm zu erkennen. Er begegnete ihm wahr und klar und das traf auf Kaspars Spiegelneuronen, die in dieser Ausrichtung antworteten. (…) „Es war allerdings auch etwas Gefährliches um den Mann, das spürte Herr von Tucher auf den ersten Blick, doch ebenso sehr lag ein bestrickender Reiz von Weltlichkeit und geistreicher Anmut über seiner Person. (…) Er war augenscheinlich ein Meister in der Kunst, seine wahren Absichten zu verschleiern, aber kein Argwohn konnte Herr von Tucher befallen. Dieser „Reiz von Weltlichkeit und geistreicher Anmut“ umwehte auch Herrn von St. und damit konnte er nicht nur blenden, sondern er besaß diese Reize, sogar in seiner Körperlichkeit, denn bei den Frauen war er heißbegehrt. Immerhin löste Herr von St. die von Stanhope gegebenen Versprechen der vielen Reisen, die er mit Kaspar unternehmen wollte, bei Antje-Sophia ein. Sie durfte an seiner Seite die Welt von einer anderen Perspektive als nur mit dem Finger auf der Landkarte betrachten. (…) „So sah man die beiden auffallenden Gestalten häufig am Abend durch die Gassen wandeln. Arm in Arm, im eifrigen Gespräch achteten sie der Blicke nicht, die sie verfolgten.“ (…) „Stanhope habe gewissen, gesetzlich nicht erlaubte Neigungen gefrönt und sei dadurch in erster Linie zu Hauser hingezogen worden.“

So sah man die beiden auffallenden Gestalten, Antje-Sophia und Herrn von St. häufig Arm in Arm durch die Gassen wandeln, zur Verwunderung ihrer Mitmenschen, die ein solches Gebaren für Vater und Tochter als begründetermaßen als unüblich erachteten. Der Lord hetzte Kaspar gegens eine Trabanten auf. Er überhäufte ihn mit Geschenken und Geld und bat ihn, es vor seinen Erziehern geheim zu halten. Wenn Herr von Tucher davon erfuhr, weil sich Stanhope natürlich als der große Gönner und Retter zeigen wollte in der Gestalt einer Schlange, und strengere Erziehungsmaßnahmen einleitete, um für Kaspar die Dinge aufzubewahren, so sträubte sich Kaspar und stand zwischen allen Stühlen. Gerade in seinen entscheidenden Formungs- und im Grunde Nachahumungsjahren. Es entglitt ihm jeglicher Grund und Boden der Orientierung. (…) „Diese unbedachte oder vielleicht schlau berechnete Weisung verschuldete ein ernstes Zerwürfnis zwischen Kaspar und seinem Vormund …(…) Auch gegen den Grafen machst du dich ja des Undanks


166 schuldig. „Wie oft hat er mir versichert, er habe dich zur Folgsamkeit und Treue ermahnt, (…) deinen Wohltätern keinen Anlass zur Klage zu geben. Du aber missachtest sein Gebot und bist seiner großmütigen Liebe ganz und gar unwürdig.“ Von derlei Ratschlägen wusste Kaspar natürlich nichts. Natürlich musste Stanhope ein doppeltes und doppelzüngiges Spiel spielen, denn er sollte einen Auftrag ausführen und dieser musste in der richtigen Weise vorbereitet werden, indem er sich das uneingeschränkte Vertrauen des Jungen ergaunerte: (…) „Dies schien plausibel, wenn man einer unverfolgbaren Nachricht trauen durfte, die irgendwer eines Tages verbreietete und nach welcher der Lord ehedem als Traktätchenverkäufer im Dienst der Jesuiten in Sachsen herumgezogen war.“ (…) Der echte Komödiant tragiert sein Spiel auch leeren Räumen vor und macht selbst die Wände zu Zuschauern. In dieser Brust aber waren noch Stimmen des Verrats, in ihrer Tiefe war noch Sturm, ihr dumpfes Höhlengetier hatte noch Augen, die vom Strahl der Wandelbarkeit getroffen.“ (…) Ohne das Gelöbnis des Stillschweigens über das, was Stanhope ihm anvertraute, zu vergessen, wurde doch auf solche Weise das Papier zum Mitwisser der mysteriösen Andeutungen.“ Auch Antje-Sophia vertraute ihrem Tagebuch das „Gelöbnis des Stillschweigens“ an, das ihr von Herrn von St. auferlegt wurde. Erst viele Jahre später konnte sie ihrer Mutter davon berichten, doch das nicht offensiv. Sie schrieb ihr einen langen Brief, während sie Blut und Tränen schwitzte und übergab ihn ihr nach einem Besuch. – Anselm von Feuerbach: „Die Bemühung, dem Hauser eine angenehme Existenz zu verschaffen, muss man wohl als gescheitert betrachten.


167 Kapitel: Das Ende meiner Schullaufbahn in Augsburg- Theateraufführungen

Der Zwietrachtjäger, der alles verdreht und er lacht dazu und macht aus Freundschaft Hass, aus Liebe Zwist! Du Doppelzüngiger, du Wolf, der eine Schlange ist.

Unmittelbar vor meinem Schulabgang von der Waldorfschule Augsburg und dem Erscheinen des Herrn von St. in unserer Klasse mit anschließender Exkursion nach Griechenland, der sich selber wenige Monate später „Odysseus“ nannte, um mir unerkannt und scheinbar unbekannt schreiben zu dürfen, sollte eine Theateraufführung im großen Saal unserer Schule stattfinden. Die Klassenkameraden hatten mich für die Hauptrolle der Hekabe im Stück „Der Untergang“ von Walter Jens ausgewählt, wie auch ein Jahr zuvor für die Rolle des Inspektors. Beide Rollen sollten in meinem zukünftigen Leben noch große Bedeutung bekommen und Wahrheit offenbaren:

Hekabe, die ich in diesen Theaterstück darstellen sollte, ist in Homers Ilias die Königin von Troja und Gattin des Priamos. Die zehn Jahre andauernde Belagerung Trojas und die anschließende Eroberung der Stadt stürzen Hekabe von höchstem Mutterglück und -stolz einer Königin in tiefste Not, Abhängigkeit und Verzweiflung einer Sklavin, und berauben sie ihres Mannes und aller ihrer Kinder, deren eine Tochter Kassandra ist. Mein erster Prolog in diesem Stück lautete: „Aus dem Staub, alte Frau Hoch den Kopf, elendes Weib und aufrecht den Nacken! Der Wind hat sich gedreht: Dreh dich mit! Lass dich treiben von ihm! Nur ein Tor schwimmt gegen den Strom. Wirf das Steuer herum, denk nach, alte Frau! Es gibt kein Troja, es gibt keine Königin Hekabe mehr…“.

Als sie erfährt, dass Odysseus sie erlost habe, sie als Sklavin zu halten, weil er niemanden anderes wollte, keine junge Frau, sondern die alte Königin, sagt Hekabe erbost: „Wehe! Der Unflat! Der Lügenbold hat mich erlost. Dieses Tier, das kein Recht, kein Gesetz, keinen Eid kennt. Der Zwietrachtjäger, der alles verdreht und er lacht dazu und macht aus Freundschaft Hass, aus Liebe Zwist!


168 Du Doppelzüngiger, du Wolf, der eine Schlange ist. Kommt Frauen, fasst mich an: So elend ihr auch seidIch bin die Elendste. Und muss doch weiterleben....!“

Ja, ich muss doch weiter leben… Dieses Theaterstück fand kurz vor meinem ersten Mondknoten seine Aufführung. Übertragen auf genau einen Mondknoten später in meinem Leben, also 18 Jahre, 6 Monate und 3 Wochen, in meinem 37. Lebensjahr, fühle und erlebe ich einen großen inneren, eigenen Wahrheitsgehalt meiner beiden Hauptrollen im 11. und 12. Schuljahr im Hinblick auf mein folgendes Leben.

Ich glaube, ich habe mich niemals zuvor und danach in meinem Leben so glücklich und in mir selber zu Hause gefühlt, als in diesen beiden Schuljahren unserer Theateraufführungen in der 11. und 12. Klasse. Es waren zwei wunderbare Jahre und ich bin dankbar für diese Zeit, dankbar für die Gnade, den Inspektor spielen, oder vielmehr mich mit seiner Rolle verbinden zu dürfen, der in seinem Wesen und seinen Aussagen dem entsprach, wofür ich mich ein Leben lang eingesetzt habe, schon seit meiner Kindheit und dem ich mich nun, in meinem 38. Lebensjahr durch die Stürme und Schicksalsorkane der letzten Jahre meiner Klinikeinkerkerung tief verbunden habe, um für die Menschlichkeit und Ungerechtigkeit einzutreten.-

So endet das Theaterstück und meine tragende Rolle mit meiner Rechtssprechung eines Urteils über Helena, welche vorgibt, unschuldig Paris in die Hände gefallen zu sein, während sie die Schuld alleine Aphrodite überträgt. Ich möchte diese, meine Ausführungen in der Rolle der Hekabe aus dem Grunde hier einfügen, weil ich auch hier an dieser Stelle wieder sehr viele Parallelen zu meinem jetzigen Leben finde, die daran erinnern, dass keine Tat auf Erden, in der wir zwischen die Polarität von Gut und Böse gestellt sind, uns von Schuld frei spricht. Denn gerade in dieser Polarität liegt die menschliche Freiheit und ich trete dafür ein, dass auch meine beiden Mörderärzte, die mein Leben bewusst oder unbewusst zu zerstören suchten, für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Auch, oder gerade weil sie irgendwelche Mächte dazu verführten. „Im Namen Aphrodites leg ich Widerrede ein. Sie hat es nicht verdient, dass diese Frau auf sie, die Göttin, ihre Schuld abwälzt. Denn wenn du siegtest: Kein Verbrecher, wer´s auch sei, ein Mörder, Ehebrecher, Dieb, Betrüger, könnte dann verurteilt werden; denn er ist ja nicht verantwortlich für seine Tat- die Götter sind´s!“

Nachdem Hekabe noch von Hoffnung für Troja gepredigt hat, muss sie schließlich einsehen, dass die Götter nicht wohlwollend sind und es gut mit ihr und ihrer Stadt meinen, als ihr kleines Enkelkind vom Turm gestoßen wird. Die Griechen haben Angst vor seiner Macht, die sie in ihm sehen, vor der sie erzittern, weil


169 sie fühlen und fürchten: dieser kleine Mensch wird später einmal seine Stadt und alle Toten rächen, die nicht mehr sprechen können. Und so endete meine Rolle mit dem letzten Schrei der Verzweiflung: „Die Fackeln her! Mein Kind! Und lass die Scheiterhaufen für mich brennen!“ Hekabe verschwindet im Feuer. Die ganze Bühne ist erfüllt von flackerndem, rotem Licht. –

Barbara, meine beste Schulfreundin und ich hatten alleine und selbständig das ganze Bühnenbild kreiert und gestaltet. Es sah grandios aus, denn wir hatten dicke, wuchtige, kohlverbrannte Felsen auf die Bühnenhinterwand gemalt mit einer zerstörten Festungsmauer.

In meinem Zeugnis schrieb mir die Intendantin unseres Stückes: „Es ging Ihnen erst nach einigen Proben auf, auf welche „Traumrolle“ Sie sich da eingelassen haben. Es wurde Ihnen mit Schrecken bewusst, wie schwierig und umfangreich diese tragende Rolle der Hekabe im Stück „Der Untergang“ ist. Endlose Proben, unermüdliches Textlernen! Hekabe, aus einem erfüllten, reichen Leben stürzt sie in tiefste Erbärmlichkeit. Anfangs zweifelten Sie, ob Sie diese packenden Gefühlsausbrüche (Weinen, Schreien, Stöhnen) erlebbar machen können. Aber gerade das Zweifeln, die Unzufriedenheit mit sich selbst, haben Sie angespornt nicht locker zu lassen. Sicher kostete es immer wieder Überwindung, sich auf die extremen Gefühlsäußerungen der Hekabe einzulassen. Aber Sie haben sich der Figur immer mehr genähert, sich immer mehr gelockert, mehr Kraft entwickelt. Bei der Aufführung haben Sie Ihre Darstellung nochmals sehr gesteigert und alles mutig aus sich herausgeholt. Mit großer Konzentration, Textsicherheit und Intensität haben Sie bei der Vorstellung Szene für Szene durchgestanden. Ihre schöne Stimme und Erscheinung und Ihre gute Aussprache haben zu der Glaubwürdigkeit Ihrer Darstellung beigetragen. Ebenso wie Ihr Anteil am Bühnenbild für die Atmosphäre des Stücks.“ –

Odysseus im Stück und im wahren Leben? Welche Runenzeichen sollte ich lesen und deuten auch hinsichtlich meiner Rolle des Inspektors? Auszug aus meiner Biographie des 21. Jahrhunderts, der Detektiv und Inspektor in der Gestalt von AntjeSophia, geleitet durch geistige Führung des Gerichtspräsidenten und „Inspektors“ Anselm von Feuerbach:


170 Kapitel: Einführung in meine Biographie des 21. Jahrhunderts – eine Frau ist verschwunden Von allen Mordtaten sind nur diejenigen aufgekommen, von denen man etwas weiß. Georg Christoph Lichtenberg

„Dich also, der Wahrheit, dich der wahrhaftigen Gerechtigkeit Bild, dich will ich lieben, dir nachgehen, dir immer auf dem Fuße folgen. Du mögest den Irrenden führen, Du mir in Zweifeln die Hand, im Streit der Meinungen vertrauen, zur Überwindung von Hindernissen Standhaftigkeit, in Sorgen Trost gewähren. Dich will ich lieben, Dir folgen, Dir weihe ich mich und mein Leben! Ihr, die ihr zugegen seid (…) legt ihr Zeugnis ab für dieses mein Versprechen!“ Anselm von Feuerbach

Eine junge Frau ist spurlos verschwunden. Ein Geheimnis umweht ihren Aufenthaltsort, sie hinterlässt noch einige Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Hilferufe und schließlich kein Lebenszeichen mehr. Hinter vorgehaltener Hand flüstern sich die Leute vage Vermutungen gegenseitig zu, sie glauben an einen Mord, oder gar Selbstmord und zerreißen sich die Mäuler. Sie kommen teilweise mit Anklagen und Vorwürfen, andere reagieren mit Erschütterung, fühlen möglicherweise eigene Schuld an ihrem Verschwinden, aber wie es mit dem Wesen der Schuld so ist: Um sie von der eigenen Seele abzuwenden, versucht sie das Opfer noch weiter zu demütigen. Ähnlich beschreibt es auch Tschechov. Ein Vater schlägt seinen Sohn, weil er eine Fünf nach Hause gebracht hat. Als er erfährt, dass Fünf die beste Note sei, schlägt er seinen Sohn weiter, weil er sich über sich selber ärgert... Die junge Frau ist und bleibt verschwunden. Die Spur verläuft sich im norddeutschen Raum, Richtung Ostsee. Hat sie sich ertränkt? Wird sie gefangen gehalten? Kann sie das, was ihr zugefügt wurde, überleben, ertragen? War sie verhungert, verdurstet, weil sie nicht mehr schlucken konnte und auf Flüssigkeitszufuhr durch Infusionen angewiesen war? Ein Rätsel. Doch jedes Rätsel will gelöst werden, jede Ungerechtigkeit ruft nach Ausgleich, jedes Verbrechen muss ans Licht der Wahrheit gehoben und gesühnt werden… Ein großer, hagerer Mann in dunklem Anzug mit einem Zylinder auf dem Kopf steht im Schatten eines Baumes in der untergehenden Sonne vor einem Haus, aus dessen geöffneten Fenstern muntere Rufe und freudiges Gelächter schallte, die den, in melancholisches Nachdenken versunkenen Herren in Schwarz in seinem Versteck zunehmend düster stimmt. Die Worte, die er vernimmt, munden seiner Seele und seines Auftrages nicht.


171 Er hört das Wort „Verantwortung“ und dass jeder Mensch nur für sich selbst zu sorgen habe und verantwortlich sei. Er hört die Sätze, dass diese Menschheit doch keine Bienen im Stock seien, in dem jeder auf den anderen zu achten habe. Es gehe schließlich um die Interessen des Kapitals und um die Aussicht, auf die Adelsliste, auch wenn es nur die des niederen Adels sei, zu kommen. Dass das jedoch nur möglich sein würde, wenn man keinen Skandal anzetteln und vor Gericht erscheinen müsse, versteht sich, - hört er die selbstgefällige, tiefe Stimme des Hausherren sagen… Die dunkle Gestalt tritt aus dem Schatten des Baumes unter die Straßenlaterne und nimmt ihre ganze innere seelische Kraft und Stärke zusammen, bewegt sich langsam und bedächtig auf die Haustüre zu, amtet tief und lange durch... Die Sonne sendet dem Manne ihre letzten Strahlen zu - vor ihrem Untergang… Noch einmal hält er inne, besinnt sich, lauscht den Worten der Menschen, die alle, wie sie dort versammelt sind, Mitschuld tragen am Tode der jungen Frau, die heute aufgefunden wurde: tot, ermordet, gemordet, getötet, reglos, erloschen - erstickt durch fremde Selbstsucht, Größenwahn, Machtbestrebungen,

unterlassener Hilfeleistung, Eifersucht, Neid, Geiz, Erbarmungslosigkeit, Hochmut,

Verantwortungslosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Unbarmherzigkeit, Egoismus …

Da sitzen sie nun glücklich zusammen und feiern eine Verlobung, nicht wissend, dass durch ihre Hand, durch ihr Verhalten, nicht weit entfernt von ihrem bunten Treiben, gerade ein Menschenwesen seinen letzten Atemzug getan. Was hatte diese junge Frau gefühlt, erlebt, gedacht in ihrem letzten Moment? - fragt er sich. Er erinnerte sich an eine Geschichte, die er einst gelesen hatte, in der ein kleines Mädchen seine beste, sehr viel ältere Freundin sterben sieht und sie innerlich begleitet mit den Gedanken: „Was wirklich zählt ist nicht, dass man stirbt und wie man stirbt, sondern was man in diesem Moment tut… Was haben Sie in dem Moment getan, als sie starben?“ - Fragte sie die alte Frau in ihren Gedanken und antwortete für sie: „Sie waren bereit, zu lieben...“ Doch wer hatte die junge Frau geliebt, begleitet? Was musste, deren Tod er aufklären und den Mitschuldigen den Weg zu ihrer eigenen Verantwortung weisen wollte und sollte, in ihrem letzten Moment gedacht und getan haben, von aller Welt verlassen? Deutlich hörte er genau das schicksalsträchtige Wort, über das er soeben noch nachgesonnen und das ihn veranlasste, in die Feierlichkeiten einer Verlobung einzubrechen: „Verantwortung“ … Der Polizeiinspektor klingelt an der Türe und ihm wird aufgemacht: Der Vorhang fällt…:


172 Ich stand auf den Brettern, die die Welt bedeuten, - auf der Bühne der Schule – des Lebens und sogar meines Schicksals, - ein junges, großes, 17- jähriges Mädchen in der äußeren Hülle eines hochgewachsenen, hageren Mannes in dunklem Anzug und sah in die Gesichter meiner Mitschüler, die in die Rollen einer fröhlichen, nichtsahnenden Verlobungsgesellschaft geschlüpft waren. Klar und offensiv blickte ich in die Augen des Mannes, den ich als den ersten auf den Weg zu den Tiefen und seelischen Abgründen seines Gewissen führen wollte: Mr. Birling. Nach und nach lud ich auch die anderen Familienmitglieder ein, in diese Unterwelt hinabzusteigen und sie erkannten, im Kampf gegen Widerstand, Selbstbetrug, dem inneren Sträuben, Verdrehen, Leugnen und dem vagen Zugeben ihre eigenen Schuld am Tod des Mädchens. Oder sie erlebten in tiefer Trauer, Verzweiflung und Reue ihre Verfehlungen auf dem Lebensweg des Mädchens, das ihren eigenen Weg einst kreuzte…

Noch konnte ich nicht ahnen, als ich diese schwere Rolle auf der Bühne durchzustehen hatte, als wir im Publikum in den Augen der Menschen Tränen wahrnahmen, dass sich diese Theaterrolle aus dem Stück von Priestley - „Ein Inspektor kommt“- , in meinem eigenen Leben in mindestens zweifacher Hinsicht verwirklichen, an der Wahrheit meines Lebens spiegeln sollte: Ich wurde in vielfacher Weise zugleich das junge/alte Mädchen, das in unzähligen menschlichen und schwerwiegende ärztlichen Verfehlungen, Misshandlungen, einem „Mord auf Raten“, fast in den Tod gestürzt wurde, zumindest in das tiefe, schwarze Purgatorium, in finstere Nacht und schwere gesundheitliche Schmerzen und Qualen und wurde gleichzeitig der Polizeiinspektor, der irgendwann kommen sollte, nachdem er selber das Unüberlebbare überlebte, um Rechenschaft zu fordern für unzählige Verbrechen an ihrem/seinem Körper und Seelenleben. Fast hellsichtig fasste ich auf der Bühne in meinem 11. Schuljahr auch die Seelen und Herzen des Publikums in meine Abschlussrede ein, die ich fest und klar, in dem ich nahezu jeden einzeln anblickte, bis zum letzten Sitzplatz im großen Saal aufsagte aus tiefstem Herzen und ich erschauerte selber vor meinen Worten, weil ich in diesem Moment hellfühlend wahrnahm, dass diese Rede in meinem Leben in Zukunft noch gewaltige Bedeutung bekommen würde – und ich konnte mich der stummen Prophezeiung nicht erwehren, die fast wie ein Damoklesschwert über meinem Schicksal hing : „Und denken Sie daran: Diese eine Eva Smith ist tot. Aber es gibt Millionen und Millionen von ihnen, die noch leben mit ihren Hoffnungen und Ängsten, mit ihren Leiden und ihren Glücksmöglichkeiten, die alle mit unserem Leben verbunden sind – mit dem, was wir denken und sagen und tun. Wir leben nicht in einem luftleeren Raum. Wir sind Glieder eines Organismus. Wir sind füreinander verantwortlich. Und ich sage Ihnen, die Zeit wird kommen, in der die Menschen das lernen werden, es unter Feuer und Blut und Tränen lernen werden.

Gute Nacht.“


173 Kapitel: Übereinstimmungen mit England – und dem Zwang, bei niemandem in der Außenwelt zu sprechen In drei Dingen mag ein Mensch sich täuschen: in einem Mann, bis er ihn kennt, in einem Baum, bis er ihn fällt, und in einem Tag, bis er vorüber ist. Aus Wales

(…) „Stanhope hatte nichts Geringeres im Sinn, Kaspar Hauser zu adoptieren und ihn als seinen Erben mit nach Chevening Castle in Kent zu nehmen. Bis dahin wollte er Hausers Leben schützen, indem er ihn nach Ansbach schickte. Dort sollte er bei (…) dem Lehrer namens Johann Georg Meyer wohnen. Meyer war ein kleiner Tyrann und ein großer Sadist.“

In England, in der Grafschaft Kent fühlte ich mich sehr wohl und wäre gerne noch länger als diese drei Wochen geblieben. Auch lernte ich die Sprache sehr schnell und wurde für eine gute Aussprache und einen umfangreichen Wortschaft gelobt, auch wenn ich in Augsburg in diesem Fach keine bessere Note als eine 45 vorzuweisen hatte. Als ich zurückkehrte und die Reise nach Rhodos mit angeblich allen Familienmitgliedern stattfinden sollte, fanden wir uns alleine im Flugzeug, Herr von St. und Antje-Sophia. Es ging alles zu schnell, als dass ich mir in Ruhe darüber hätte Gedanken machen können, ob ich das auch wirklich möchte. Listenreich hatte er es eingefädelt, die anderen davon zu überzeugen, dass sie besser zu Hause bleiben, oder eine andere Reise unternehmen, um mit mir alleine sein zu können. Und trotzdem meine Seele immer alles, auch schon vorab verstand, vor allem intuitiv, konnte Antje-Sophia die Situation dennoch nicht einordnen. Sie war gerade im Begriff aus ihrem 18 Jahre währenden Dornröschenschlaf zu erwachen und wenngleich sie sich schon in ihrem achten Lebensjahr unsterblich in ihren blonden Philipp verliebte, so war sie weit entfernt zu begreifen, was sich zwischen Mann und Frau in Wirklichkeit abspielte. Nein, begreifen konnte sie es durchaus und hatte auch schon ansatzweise Erfahrungen darin gesammelt, aber es überstieg ihr Vorstellungsvermögen einer Ehe, dass ein Mensch aus dieser ausbrechen könnte, einen schweren Verrat, eine Lüge und Täuschung begehen kann, um sich einem anderen Menschen zuzuwenden, der zudem noch 41 Jahre jünger und hinsichtlich dem Thema „Missbrauch“ schon durch einige Mühlen schwerer Verbrechen gewandert war, einschließlich in die eines katholischen Geistlichen. Auch darin sollte sich Kaspar nicht geirrt haben als er sagte, dass er vor zwei Ständen eine große Abscheu habe: Vor den Ärzten und den Geistlichen, die in schon sehr malträtiert hatten:


174 (…) „Eine nicht zu bezwingende Abscheu“ vor Geistlichen hatte. Sah er einen Pfarrer, so geriet er in Schreck und Entsetzen. Fragte man ihm um die Ursache, so antwortete er: „Weil mich diese Leute schon sehr gepeinigt haben…“ (…) „Derjenige, der unseren Kaspar in Gewahrsam hatte, ihn nach Nürnberg brachte und den Brief nebst Beilage schrieb oder schreiben ließ, war höchst wahrscheinlich ein katholischer Geistlicher.“

Um sich nicht der Lüge zu strafen, musste Antje-Sophia die Bürde auf sich nehmen, um eben genau diese mehr intuitiv gefassten Aussagen Kaspars an der Wirklichkeit auf ihre Richtigkeit zu prüfen und die versteckten Machenschaften dahinter zu entlarven und die Schicksalsmächte sollte ihr dabei zur Hilfe kommen, auch wenn diese „Hilfe“ ihre Gesundheit einforderten und für nahezu jeden Normalsterblichen den Untergang in den Tod bedeutet hätten. An ihrem Schicksal sollten sich die Machenschaften der Ärzte und Priester mannigfaltig offenbaren.

Vor einigen Jahren wurde in Britannien eine Untersuchung zu der Fragestellung durchgeführt, warum ein Mensch welchen Beruf ergreift, ob er damit, gerade auch in der Medizin oder im Priesterberuf eigene Kindheitsprobleme zu verarbeiten versucht. Yoram Yovell schreibt dazu: (…) „Nur vier Prozent der Wissenschaftler und Ingenieure hatten einen solchen Verlust erfahren, von den Therapeuten (und Ärzten) allerdings waren es 27 Prozent.“ (…) „Von den Geistlichen waren es 46 Prozent.“ (!)

Soviel zu Kaspars Wahrheitsempfinden. Ich möchte damit nicht sagen, dass diese Menschen mit „hohen Prozenten“ deswegen gefährdeter und gefährdender, vor allem gefährlicher sind, gerade für ihre Umgebung und doch zeigt es sich, dass schwere Kindheitstraumata zu Schäden führen, die gerade im Erwachsenenalter vor allem in unbewusster Weise wieder an die Oberfläche kommen. Wenn dies unbewusst geschieht, besteht in jedem Fall für den Machtausübenden und sein Gegenüber eine gefährlichere Komponente, gerade auch hinsichtlich der „Übertragung und Gegenübertragung“, als wenn sich die Dinge im klaren Bewusstsein zeigen und dadurch zum einen kontrollierbar werden, zum anderen auch im Betreffenden weniger Schaden anrichten, so er in der Lage ist, sie schöpferisch zu verwandeln. –

In diesen nun folgenden Wochen begann ich, meine wenigen Habseligkeiten zu packen. Ich versuchte, das Buch meines Lebens in diesen ersten 18 Jahren zu schließen und einer neuen Zukunft entgegen zu gehen. Ich verabschiedete mich von meinen Lehrern und Schulfreunden, von der tragenden


175 Gemeinschaft meiner Klasse, der Waldorfschule, die es mir ermöglicht hatte, den Stürmen meiner schweren ersten Lebensjahre standzuhalten. Es gab drei Lehrer, die bei meinem Abschied weinten und mit denen ich noch über einige weitere Jahre in Verbindung bleiben sollte. So geleitete ich in einen neuen Himmel sanft und sachte hinüber und war mir bewusst, dass das Tiefste, das Reinste in einem Menschen auch das Unzerstörbarste ist und dass der Hammer des Schicksals, statt den wahren Menschen zu vernichten, ihn nur von den Schlacken des Irdischen löst und reiner, freier und wahrer herausarbeitet.

Nun saßen wir also im Flieger nach Griechenland. Ein mir wildfremder Mann, Herr von St. und AntjeSophia, ein knapp 19 jähriges Mädel, das „von Tuten und Blasen“ im wahrsten Sinne des Wortes keine Ahnung hatte. Noch immer trug sie die Hoffnung auf eine neue Familie, auf Eltern, auf einen richtigen Vater, sogar eine Mutter wünschte sie sich, da sie im Grunde für ihre eigene Mutter die Bezugsperson gewesen war seit ihrem schweren Autounfall, der sie zeitlebens an den Rollstuhl fesselte. Doch diese Reise sollte eine andere Wendung nehmen, die natürlich für den bewussten, wissenden Menschen absehbar war. Die zweite Nacht endete für Antje-Sophia in einem mittelschweren Alptraum, aus dem sie erst am Morgen aus der seelischen Erstarrung erwachte. Schlafen konnte sie nicht, die ganze Nacht saß sie stumm und betäubt auf ihrem Balkon, als sie eine innere Weisung hörte, nach unten in die Hotelhalle zu gehen. Dort stand um 5 Uhr morgens Odysseus mit seinem Gepäck und teilte ihr mit, dass er nun vorzeitig zurückfliegen würde, er habe ihr das Ticket und Geld hinterlegt, unter diesen Umständen sei es ihm nicht mehr möglich, sie in seine Familie aufzunehmen, auch wenn ihr Zimmer in seinem Hause schon eingerichtet sei, sie solle doch sehen, ob sie nicht woanders unterkommen könne…

Ein Schock, von dem sie sich nur schwer erholen konnte und sie bat ihn, doch zunächst da zu bleiben und ein ehrliches Gespräch mit ihr zu führen. Er blickte sie lange und liebevoll, fast erleichtert an. Doch welche Wendung nahm dieses Erlebnis? In welcher Weise spiegelte es die Begebenheiten ihres möglichen vorherigen Lebens mit dem Lord Stanhope? Sollte es dennoch zum Licht führen, oder abermals in die Finsternis? Natürlich waren Antje-Sophia diese Tatsachen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bewusst, sie drangen erst ganze 21 Jahre später in ihr Gedächtnis, in ihr Bewusstsein nach ihrem schweren Tavorentzug, auch wenn einige Fetzen sie schon seit ihrer Kindheit immer wieder begleiteten und aus dem harten Erdboden hervorbrachen.


176 Entsprach die Aussage ihrer Mitmenschen, „vom Regen in die Traufe“, die nichts wussten und doch alles fühlten, der Wahrheit? Antje-Sophia beschloss in den sauren Apfel zu beißen. Die Zähne zusammen zu beißen und diesen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Ihren Ausbildungsplatz hatte sie abgesagt, ihr Hab und Gut war schon feinsäuberlich in ihrer neuen Wohnstätte beim „Lehrer von St.“ eingeräumt, sie hatte gewaltige Lebensangst und war der sich immerfort ändernden Situation nicht gewachsen. Sie war in ihrer Seele ein Kind geblieben und sollte erst mit den Jahren zur reifen Persönlichkeit wachsen und erwachen. Antje-Sophia begann im Laufe der Zeit das Wesen von Odysseus zu lieben, seinen Frohsinn, seine innere Leichtigkeit, seinen Optimismus, seine Lebensfreude und Willenskraft, die sich jedoch auch oftmals als Starrsinn zeigte, oder als Cholerik gedeutet werden konnte. Und so schwer sich das Leben mit ihm von der einen Seite auch zeigte, so riss sie die andere Seite voll und ganz in den produktiven Lebensstrom. Das Leben an seiner Seite wurde ihr niemals langweilig. Ich liebte den Reiz des Neuen, Unbekannten und trotzdem sich ihre Lebenskräfte nicht unbegrenzt zeigten, so wurden sie ihr doch immer wieder neu geschenkt und sie ließ sich beschenken, wenn es darum ging, bis Mitternacht einen Auftrag für einen Wettbewerb der Architektur am anderen Ende von Berlin abzuliefern und sie fiebernd und im wahrsten Sinne des Wortes wetteifernd bis zur letzten Sekunde am Modell arbeiteten, rechneten, an der Zeichenmaschine saßen. Oder um in nächtlicher Stunde noch einen Kopierladen ausfindig zu machen, der ihre architektonischen Aufzeichnungen vervielfältigte. Sie hatte überall Glück und weil ihr alle Türen geöffnet wurden und sie auch immer im richtigen Moment die „erleuchteten und schöpferischen Ideen“ hatte, so wurde Antje-Sophia vorgeschickt, um bei dem einen Bauherrn den Scheck abzuholen, um an der Uni in wenigen Sekunden jemanden zu finden, der eine Übersetzungsarbeit tätigte, sei es, dass sie immer die richtigen Freunde hatte, die ihnen in der Not aushalfen, sei es, dass Odysseus mit fast 20 000 Euro Schulden von einer Klassenfahrt aus Rhodos zurückkehrte und Antje-Sophia die einzige war, die durch Freunde, Firmen, Mäzene, durch unermüdlichen Einsatz ihm das Geld zurückgeben konnte. Sei es, dass sie nach einer gemeinsamen Reise zu zweit von Rhodos zurückkehrend auf Handschlag, ohne Kreditkarte, ein Leihauto bei Europcar bekam, weil Odysseus einen schweren Herzanfall hatte, sei es, dass sie alle Autos der Familie kaufte und wieder verkaufte mit einem glücklichen Händchen. Oder dass sie ihm eine Reise nach Arabien zu zahlen in der Lage war, um einen neuen Auftrag zu erhalten, sei es, dass sie sich in diesen sechs bis sieben Jahren meines Aufenthaltes in seiner Familie an die drei - bis fünft tausend Seiten Briefe handschriftlich oder auf dem Computer von ihm diktieren ließ – sie war immer tätig und auf Achse. Unentwegt waren sie unterwegs zwischen Hamburg, Stuttgart, Berlin, Schweiz und Griechenland, da seine


177 Freunde aus dem Architekturbereich dort ein eigenes 5 Sterne Hotel gebaut hatten und betrieben und die beiden kostenlos, in regelmäßigen Abständen, dort wohnen und essen ließen. Monotonie, Rhythmus, Gleichförmigkeit des Alltags waren uns Fremdwörter, sie standen nicht in unserem gemeinsamen Wörterbuch. Und ich liebte diesen Wechsel der Ereignisse und Aufgaben, der lokalen Aufenthalte und die Vielfaltigkeit und Vielgestaltigkeit seiner, Odysseus Seele. Seinen Geist, der mir nahezu alle Fragen zu beantworten wusste und die Ungewissheit, in welchem Bett, unter welchem Himmelszelt ich am nächsten Tag erwachen würde, weil er immer zu neuen Überraschungen bereit war. Die andere Seite war nicht so leicht zu tragen und zu ertragen. Ich habe schon beschrieben, dass er sein Haus verlor, dass wir zwangsgeräumt wurden, ich zunächst in einer Kellerbehausung eines Lehrers unterkommen musste und auch die neue, winzige zwei Zimmerwohnung war ein unsicherer und unsichtbarer Ort für diese Familie, die immer damit rechnen musste, dass der Gerichtsvollzieher vor der Türe steht und wir oftmals den ganzen Tag im Dunklen, das heißt mit heruntergezogenen Rollladen unser Tagwerk still und leise in der Wohnung verrichten mussten. Ich musste oft an Anne Frank dabei denken, auch wenn uns, beim Eintreffen des Gerichtsvollziehers, nicht das KZ oder der Tod erwarten sollte. Die andere negative und belastende Seite dieser zu anfangs unfreiwilligen Schicksalsverbindung war das Vertuschen vor der Außenwelt, obwohl diese Tatsache unzähligen Menschen offenkundig war. Odysseus hatte mir verboten, nahezu unter „Todesstrafe“, irgendjemandem auch nur ein einziges Wort unserer Beziehung zu verraten. Von nun ab sollten über sechs Jahre permanente, kraftzehrende, manchmal nächtelange Inquisitionen, gerade von meiner Mutter folgen, in denen sie mir dieses einzige Geheimnis nicht nur entlocken, sondern geradezu erpressen wollte. Ich hatte nur meinen Bruder eingeweiht und ich erinnere mich an eine Reise unserer Familie an den Chiemsee, die für mich am Marterpfahl enden sollte, obwohl ich alle Geschwister und sogar andere Pensionsgäste durch mein Klavierspiel und meinen Humor jeden Abend zu „beglücken“ wusste, wie es mir gesagt wurde. Doch jeden Abend wurde ich in das Zimmer meiner Mutter bestellt und kam nach einigen Stunden, weit nach Mitternacht, kreidebleich und ausgezehrt wieder heraus. Vollkommen erschöpft und übermüdet. Johannes empfing mich jedes Mal und sagte mir, bat mich gewissermaßen, es ihr zu beichten, zu erzählen, aber ich sagte, ich habe ein Versprechen gegeben und dürfe es unter keinen Umständen brechen. – Heute würde ich anders handeln, der Wahrheit verpflichtet, oder meine eigene Freiheit als Volljährige wahrend sie bitten, mich nicht mehr zu fragen. Heute würde ich ein solches Versprechen nicht mehr geben, das mich innerlich nur aushöhlte, mir den letzten Boden der Sicherheit entzog.


178 Es war kein sinnvolles Versprechen, der Wahrheit dienend. Doch in meiner unbeschreiblichen, unbegreiflichen Naivität und Not erkannte ich es nicht und befolgte sogar den listigen Rat von Odysseus, Andrej als meinen Lebenspartner meiner Mutter vorzustellen, um jeden Verdacht von uns zu weisen. Ich erinnere mich an den Geburtstag meiner Mutter im Mai 1995, als ich mich mit Odysseus in Berlin aufhielt und bis Mitternacht mit meinem Gewissen rang, ob ich sie anrufen solle, ihr gratulieren, auf die Gefahr hin, dass sie mich fragen würde, wo ich sei und warum ich sie nicht besucht habe an diesem besonderen Tag. Es waren Höllenqualen für mich und so sehr ich meine Mutter liebte und achtete, sosehr hätte ich sie mir als jemanden gewünscht, der zwar im Bilde war über die Geschehnisses, aber liebevoll darüber geschwiegen hätte, solange, bis ich selber zu ihr komme, um ihr auf der Basis des wirklichen Vertrauens von dieser, meiner Lebenstatsache zu berichten. Ich habe es erst in meinem 26. Lebensjahr geschafft, ihr diese Verbindung mit Odysseus in einem Brief mitzuteilen. Nach einem Besuch bei ihr übergab ich ihr den Brief mit zitternden Händen, um schnell die Reise zurück nach Stuttgart anzutreten, ehe sie ihn gelesen. Es waren zwei Jahre vergangen nach dem Ende der Beziehung zu Odysseus. Und so erlebte auch ich die Unerbittlichkeit meines Schicksals und ebenso die eines möglichen Künstlers, der nicht eher ablässt sein Kunstwerk zu gestalten, bevor er nicht seinem Material die höchste Spannung und letzte Lösung und Option abgenötigt und entrungen hat, um meine Seele zur Härte im schöpferischen Sinne zu gestalten und um in diesem möglichen Bewusstsein höherer Verpflichtung über mich hinaus zu wachsen. Ich erlebte mich im Fegefeuer und dem Zwiespalt gefangen, mit der bangen Frage, ob ich Entscheidungen auch im richtigen Moment und unter einem guten Stern getroffen habe um das vermeintliche Unglück im Nachklang der Ereignisse vielleicht auch als Retterin betrachten zu können, die es uns erlaubte, noch im letzten Moment, bevor die sterbliche Figur am Ende des Lebens zerbricht, noch den inneren Kern, das alles überdauernde Kunstwerk herauszulösen. Um es letztendlich mit der dualen Sichtweite Platons als das eigentliche Maß zu erkennen, mit dem Auge, das hinter die Welt des Sichtbaren zu blicken vermag, um die volle Größe eines Schicksals zu erkennen und zu erfassen. Und doch sollte mich in dem nun folgenden Ablöseprozess der innerer Zweifel, wie ihn auch Parzival erlebte, nie verlassen und möglicherweise habe ich auch oftmals ähnlich als er gehandelt, nämlich in tiefem Wissen um die Richtigkeit meiner Taten, die möglicherweise doch im betreffenden Moment, oder nach rein irdischen Maßstäben falsch gewesen sind, sowie Parzival nach den Anweisungen seiner Mutter in unbedarfter Weise handelte, nicht zu viele Fragen zu stellen und doch gerade bei Amfortas die Schicksalsfrage, die den alten Mann gerettet hätte, zu fragen unterließ.


179 Kapitel: Rückblick auf die ersten 18 Jahre – und der erste Mondknoten

Wohl dem, der seinem Leben einen Hauptpfeiler setzt, den keine Gewalt zertrümmern, kein Tod in Staub verwandeln kann! Jeremias Gotthelf

Nun möchte ich aber die ersten 18 ½ Jahre abrunden und auf meinen ersten Mondknoten zu sprechen kommen, den ich schon einige Male angedeutet habe. Einige Leser werden mit dem Begriff nicht viel anfangen können. Da ich ihn, meinen Mondknoten, deutlich zu spüren bekam und auch bei Goethe gelesen habe, dass er um diese Zeit in seinem Leben fast dasselbe durch einen Blutsturz verloren habe, werde ich diesen Lebensabschnitt etwas genauer erklären, um einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem nun häufig Erwähnten und meinem Erlebnis damit auf unserer Griechenlandreise mit dem Kunstlehrer und Architekten aus Stuttgart. Nach dieser Reise werde ich meine Schulzeit in Augsburg abschließen und Neuland betreten. Es sollte ein ganz neues Leben für mich im August 1993 mit knapp 19 Jahren beginnen.

Die schweren ersten 18 Jahre meines Lebensbuches werde ich schließen, in denen ich auch sehr, aber noch weit entfernt von unsagbar gelitten habe, in denen ich mir jedoch immer wieder Inseln der Ruhe und des kleinen Glückes schaffen konnte, die darin bestanden, dass ich mit wenigen, wertvollen Freunden nach Taizé fuhr und dort Nahrung fand für meinen tiefen Glauben, für das Geistige, das mir durch alle Lebensstürme immer wieder neue Kraft, neuen Mut und Zuversicht schenkte. Ich lebte in einer tiefen Verbindung nach oben, zum Göttlichen, das mir gleichzeitig tiefe Verwurzelung nach unten, in den Lebensboden ermöglichte. Und ich möchte die innere Kraft auch aus dem Grunde hervorheben, weil sie, diese Verbindung zum Geistigen, zum Göttlichen, zur Schönheit der Welt und der Geisteswelt mir in meinem 33. Lebensjahr vollkommen genommen und entrissen werden sollte. Diese letzte Verwurzelung, die ich nicht durch mein tragendes Elternhaus bekam, denn da wurde ich immer wieder radikal entwurzelt durch schwere Schicksalsschläge, wurde mir im Jahr 2008 für viele Jahre vollständig genommen und ich schwebte in einem Vakuum, in einer Hüllen- und Haltlosigkeit, einer Orientierungslosigkeit, die mit Worten nicht zu beschreiben sind. Heute bin ich dankbar, dass ich mich in jenen ersten 18 Jahren aus eigener Kraft so tief verwurzeln durfte, um dieser totalen Entwurzelung in den Jahren 2008- 2016, durch welcher Kraft auch immer, standhalten zu können. –

Nur im Geistigen fühlte ich mich zu Hause, das war meine Heimat. Moralische, ethische Bindungen waren mir diese Zuflucht und ich schrieb sie groß auf meine Lebensfahne. Ich hatte keine ausströmende Weite des Lebens vorzuweisen: Meine Bildung hatte nirgendwo festen Halt, war in keinem Bereich verankert.


180 Mit den Freuden meiner Schulkameraden, die in teurer Kleidung, Partys, technischen Dingen und auch Drogen ihren Ausdruck fanden, konnte ich mich nicht anfreunden, ich hatte keine Antennen dafür und ein Bestreben in diese Äußerlichkeiten war nicht einmal als Rudiment dieser bei mir vorhanden. Das Gegengewicht schuf sich seinen Weg in einem umfassenden seelischen Tiefgang, der Liebe zur Schönheit der Welt, der Dichtung, der Bücher, der Natur mit ihrem Pflanzen und Tierreich, der Wahrnehmung menschlich- wahrer Regungen, Charakterzügen, die ich tiefmenschlich zu verstehen gelernt habe. Und diese Antennen waren bei mir in einer ganz besonderen Weise ausgebildet, dass ich heute sagen kann, mein Kompass, auch im Zwischenmenschlichen, hat mich immer richtig geführt, mich wahrhaftige und gute Freunde erkennen, mich zu jedem Menschen eine Brücke finden lassen, aber mein Vertrauen, meine Hingabe nur an diejenigen, die mit mir einen Weg gingen in voller freundschaftlicher Verlässlichkeit, Gewissheit und Sicherheit. So war auch diese seelische Substanz bei mir in umfassendem Maße zu finden, die man Verantwortung, Rücksicht und Gewissen nennt.

Und so hat sich mir ein Jahr nach meinem 18. Lebensjahr eine ganze Welt geöffnet, eine Welt des Erkennens, des Begreifens und ich erlebte in diesen drei Jahren, von meinem 18. bis zu meinem 21. Lebensjahr eine ganz besondere Tatsache: Ab dem Zeitpunkt, an dem ich mein Elternhaus verließ, begannen mein Geist, mein Wissen, meine Weltkenntnis erst zu wachsen. Ich hatte das Gefühl, 12 Jahre, auch intellektuell, verkümmert gewesen zu sein, eingeschlossen in einem unsichtbaren Kerker, in dem mir durch die enormen Belastungen und Schicksalsschläge durch mein Elternhaus jegliches Lernen und Aufnehmen intellektueller Inhalte verwehrt wurde. Die geistigen Inhalte vermochte ich ungehindert aufzunehmen. Sie strömten mir entgegen und wurden verschlossen in meiner kleinen „Zitadelle“ und niemand bekam Zutritt zu diesem Raum. Mein Wesen sprach dadurch zur Welt und die Welt wunderte sich über diese „Weisheit“, die aber nicht im Geringsten etwas mit rein intellektuellen, angelesenen Inhalten zu tun hatte. Und so lebte ich in meinem kleinen Mikrokosmos und glaubte an das Gute und Wahre in jedem Menschen, das mir ein tiefes Vertrauen und Schicksalsvertrauen gab.

Ich hatte wenige Kenntnisse von den Stürmen, die unseren Planeten heimsuchen und bis in die letzten Winkel auch zu unserer Seele vorzudringen vermögen, von „Krieg und Frieden“, wie es Tolstoi beschreibt. Und so konnte ich meinen Maßstab in diesen 18 Jahren zwar intuitiv an den wahren Proportionen des Lebens anlegen, aber nicht rational wissend überblicken und musste erst 15 Jahre später mit 33 Jahren erkennen, dass mein Schicksal im speziellen nochmals in einer Weise zuschlagen sollte, dass mir Hören und Sehen vergeht, dass mein ganzes Leben an Schwere in seiner Summe nicht im Geringsten an das heranreicht, was mir in diesem Lebensalter tatsächlich auch den geistigen, moralischen, ethischen, religiösen und vertrauensvollen Boden in die Menschen und die höheren Mächte entreißen sollte und nicht einmal


181 meinen kleinen, unberührten Raum der letzten Freiheit, die Zitadelle, ohne die ein Menschenleben und Überleben nicht möglich ist, bleiben sollte.

Mondknoten

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen, Die Sonne stand zum Gruße der Planeten, Bist alsobald und fort gediehen Nach dem Gesetz, wonach du angetreten. So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen, So sagten schon Sibyllen, so Propheten: Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt Geprägte Form, die lebend sich entwickelt. Goethe

Wenn wir, die wir auf dem nördlichen Teil der Erde leben, den täglichen Gang der Sonne am Himmel verfolgen, so erscheint er als Bogen über dem südlichen Himmel, der sich im Norden nachts unter der Erde zu einem Kreis ergänzt. Im Laufe des beginnenden Jahres hebt sich der Bogen immer steiler über den Horizont und erreicht beinahe die Mittagshöhe im Zenit, um im Herbst wieder an Höhe zu verlieren, im Tiefwinter ist der Kreisbogen am Tage recht flach über nachts unter dem Horizont zu erleben. Die Bahn liegt also auf einer schiefen Ebene, die um ihre Achse wippt, in deren Mitte die Erde liegt. Ähnlich ist die Bewegung beim Mond zu verfolgen. Auch er zieht in Kreisbögen, die die Erde als Mittelpunkt haben, halb über, halb unter dem Horizont seine tägliche Bahn, mal der Sonne gegenüber, mal direkt bei der Sonne, mal über dem Sonnenkreisbogen, mal tiefer als der Sonnenkreisbogen. So erscheint die Beziehung zwischen Sonne und Mond für die Erde täglich andres, jeden Monat in einem anderen Sternbilde, jedes Jahr anders als im vorigen Jahr, immer neu. Aber – o Wunder! – es ist doch nicht neu, denn vor genau achtzehn Jahren, sieben Monaten und neun bis zehn Tagen war es schon einmal ganz genau so für die exakte Beobachtung, und jeden Tag wiederholt sich, was vor achtzehn Jahren, sieben Monaten und neun bis zehn Tagen war. Sollte das eine Bedeutung haben, eine Bedeutung z.B. für den Menschen in seinem Schicksal?


182 Denn wenn die Geburtsstunde das Schicksal prägt in dem Sinne, wie es Goethe in seinem Gedicht (siehe oben) ausspricht, dann kann es ja nicht wesenlos sein, wenn sich die Geburtskonstellation zwischen Erde, Sonne und Mond nach jeweils achtzehn Jahren, sieben Monaten und neun bis zehn Tagen wiederholt.

Ist es eine Hilfestellung des Schicksals, dass wir in die Geburtskonstellation wiederholend eintauchen dürfen, bzw. dass sich diese Konstellation noch einmal um uns bildet, uns bildet und uns trägt? Genaueres Hinschauen auf den eigenen Lebenslauf und die Lebensläufe anderer Menschen zeigt tatsächlich, dass solche Zeitpunkte oft sehr deutlich als begnadete, stärkende Schicksalsmomente hervortreten, oder sich als Zeitpunkte schwerer Herausforderungen und Prüfungen zeigen. Man spricht von diesen Zeitpunkten als von Mondkonten des Lebenslaufes. So gibt es im Leben mehrere Mondknoten, die nicht immer genau auf den Tag und den Monat erkennbar sind, aber doch deutlich in der zeitlichen Nähe, also im 19. Lebensjahr, im 38. Lebensjahr, im 56. Lebensjahr und im 75. Lebensjahr.


183 Kapitel in Zitaten von Anna Schiener: Der Fall Kaspar Hauser Was unrein ist, wie kann das rein sein? Und was falsch ist, wie kann das wahr sein? Bibel

Vom Paulus zum Saulus: Lord Stanhope (…)“Die Fülle subtiler Eingriffe, die Hintergründe der nationalen und europäischen Verflechtungen, die ihn letztlich zum Protagonisten der Schattenseite werden ließen, sind erforscht und dargestellt. (…) Mitglied des Oberhauses, war diplomatischer Agent… (…) Die „reisenden Lords“ waren vielmehr eine inoffizielle diplomatische Einrichtung, in der England führend war. Für ihr gezieltes Wirken, knapp unterhalb der offiziellen Politik, konnten sie im Gegensatz zu den formell rechenschaftspflichtigen Gesandten in keinem Fall für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden. (…) Ihre diplomatischen Erfolge an den kleinen deutschen Höfen waren gleichwohl beachtlich. (…) Durch sie, (die rechte Hand Metternichs), erhielt er Kenntnis über die badische Frage, die nichts weniger bedeutete, als dass in nicht allzu ferner Zeit ein wohlmöglich im verborgenen erzogener „Napoleonide“ – der erste Sohn der Großherzogin Stefanie von Baden – einen deutschen Thron besteigen könnte. (…) Stanhope (…) suchte das Geheimnis zu lüften, das in Wien zu sorgenvollen Überlegungen geführt hatte. (…) Als Hauser 1828 erschien und sich erste Gerüchte über seine badische Herkunft verbreiteten, war auch der Lord bald darauf zur Stelle und trachtete mit allen Mitteln danach sich des Findlings zu bemächtigen. Es gelang ihm, sich des uneingeschränkten Vertrauens Feuerbachs, eines ansonsten unbestechlichen Menschenkenners, zu sichern, was am anschaulichsten dessen Widmung in seinem Buch „Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen“ belegt. Erst in letzter Lebenszeit als er fest entschlossen ist, „den edlen Lord“ vor Gericht zu stellen, erkennt auch Feuerbach die brillante Täuschung, der anfänglich außer der Mutter Daumers alle erlagen. Aber da sind die unbegreiflichen Sätze längst gedruckt, die Samt und Sonders das Gegenteil dessen ausdrücken, was Stanhope war und wollte. Auch das ist ein Rätsel seiner Zeit. (…) Stanhopes Umschwenken wird in der Hauser Literatur meist als unbegreiflicher Schritt gewertet. Aus dem ehemaligen Paulus, dem Wohltäter Kaspars, wurde ein Saulus. Eigenartig erscheint dieses Verhalten tatsächlich. Er kannte nämlich Merkers Schrift schon zu der Zeit, als er sich heftig um Hauser bemühte.


184 Alles fing mit den Ungarn Reisen an. Er hatte sich in die Vorstellung verrannt, Kaspar müsse ein Nachfahre ungarischer Magnaten sein. Beweisen konnte dies niemand. (…) Stanhope war enttäuscht.“ Er hatte täuschen wollen, um auf eine andere Spur, als nach Baden zu locken und fühlte sich natürlich dann enttäuscht, weil sein Plan nicht auf fruchtbaren Boden fiel. (…) Bis zum Ende schrieb Stanhope distanziert freundschaftliche Briefe und stellte immer wieder in Aussicht, Kaspar zu besuchen. Über diesen Brief des Lords schrieb der Hauser Forscher Bartning, er sehe darin eine ganz sonderbare Geschichte, „wie man sie wirklich nur in der Hauser Sache hinnehmen muss.“ Für die Hauseranhänger zeigte sich mit diesem Schreiben dass „merkwürdige, verdächtige, undurchsichtige, völlig unverständliche“ Spiel Stanhopes nun ganz offen. Besagter Brief kam nämlich erst nach Kaspars Tod in Ansbach an. Stanhope hatte ihn am 16. /17. Dezember in Wien verfasst und teilte Kaspar mit, er müsse eiligst nach München abreisen und werde diesen Brief dort zur Post geben.

Am 18. Dez verließ Stanhope Wien und kam am 25. Dezember in München an: „Den 25. Und 26. Dezember. Goldener Hahn. Herr Graf Stanhope aus England“, stand in den Fremdenanzeigen der „bayerischen Landbotin.“ Der Brief an Kaspar wurde tatsächlich aus München abgeschickt. Am 30. Dezember überbrachte der Briefträger dem Gericht in Ansbach Stanhopes Schreiben: „An Herrn Hauser, abzugeben bei Herrn Schullehrer Mayer in Ansbach. Mit dem Postzeichen: München 25. Dezember 1833.“ (…) Kaspar war längst tot! Die sensationelle Nachricht von der Verwundung Kaspars stand bereits am 17. Dezember in der „bayerischen Landbotin“ und am 20. Dezember füllte Hausers Tod die Schlagzeilen der bayerischen Zeitungen. Vier Tage später konnte man auch in den österreichischen Blättern lesen, dass Hauser verstorben war. Sollte Stanhope keine Zeitung gelesen haben, hätte er sicher an den Poststationen vom Ableben seines Pflegesohnes erfahren, denn das Ereignis war in aller Munde. (…) Warum schickte er den Brief dennoch ab? (…) Stanhope wurde zum Buhmann der Hausergläubigen (…) Sein plötzliches Umschwenken (…) denn seine Skepsis hatte ja längst vor Kaspars Tod eingesetzt, seine offenkundige Lieblosigkeit, die sich darin zeigte, dass er es unterließ, nach Hausers Tod Ansbach zu besuchen, um sich an Ort und Stelle zu informieren und seine beginnende „Hetzkampagne“ (…) ließ ihn (…) als erbitternden Feind seines ehemals geliebten Pflegesohns erscheinen.


185 „Was für ein Schauspiel aber bietet uns der Lord nach dem Tode seines (…) Schützlings!“ schrieb Hermann Pies, für den Stanhope ein höchst schmutziges Spiel spielte. „Am 26. 12. bereits beginnt Stanhope seinen heftigen Feldzug gegen Hauser. Er eilt zum Minister (…) Oettingen Wallenstein, um diesen durch seine „Vermutungen“ gegen Hauser zu beeinflussen, was ihm aber keineswegs gelingt. Er lässt sich mehrere Male vor dem Münchner Gericht vernehmen, um den toten Hauser nach Möglichkeit zu belasten. Er sucht verschiedene Münchner Persönlichkeiten auf, um diese gegen Hauser einzunehmen und um „Material“ gegen Hauser zu sammeln. (…) Dadurch, dass Stanhope sein Material an Merker weiter gibt, bewirkt er dessen neuen Pressefeldzug gegen Hauser (…) um Hauser als Betrüger zu erweisen. (…) „Briefe“ an Hickel, Merker und Mayer, die er allen maßgebenden Instanzen zugehen lässt und die später als „Materialien zur Geschichte Kaspar Hausers“ in Buchform in einem Heidelberger Verlag erscheinen. Eigenartig sind die Reaktionen des Engländers sicher. Man kommt (…) dazu, an seiner psychischen Gesundheit zu zweifeln. (…) Wirkliches „Material“ um Hauser als Betrüger zu entlarven, legte Stanhope nicht vor. Im Prinzip erhob er dieselben Vorwürfe wie Merker und hielt eine Vielzahl von Ungereimtheiten und Widersprüchen fest: „Hauser erzählt in seiner sehr merkwürdigen Schrift, „Ich stand eine Zeitlang an der nämlichen Stelle, in welcher mich der Mann verlassen hatte, bis derjenige Mann meinen Brief abnahm“. Er erzählte aber an Hiltel, dass sein Führer ihn verließ, ehe er an das Stadttor kam.“ (…) Darüber hinaus stellte Stanhope durchaus berechtigte Fragen, die wiederum niemand hören wollte: „Hat Hauser „in 3 Wochen“ alles lernen können, was der Professor Daumer erzählt? Wäre nicht durch vieljähriges Sitzen die (…) berührten Teile des Körpers wund gerieben worden?“ (…) Man verargte es Stanhope (…) dass er auch an Feuerbach, der verstorben war und sich nicht selbst zur Wehr setzen konnte, Kritik übte. Der Gerichtspräsident hatte ihm seine Kaspar Hauser Schrift gewidmet, er hatte ihn dabei unterstützt, Hauser Pflegschaft zu erhalten und war ihm bei allen Wünschen entgegen gekommen. Und nun wandte sich Stanhope gegen ihn (…) So dass er aus den teils entstellten, teils erdichteten Erzählungen anderer Personen solche Umstände auswählte, als für seine Theorie passend waren, dabei aber die Akten verschmähte und die Zeugnisse soviel als möglich verheimlichte. Der Präsident (…) ist ebenso untreu in seinen Schilderungen des Gemüts von Kaspar, (…) als in denen seines geistigen Zustandes und seiner körperlichen Beschaffenheit.“


186 Dem Gerichtspräsidenten Veruntreuung und Täuschung vorzuwerfen, das war wirklich starker Tobak! Feuerbachs Sohn Eduard schrieb an seinen Bruder Anselm: „Lord Stanhope, geizig, schwachmütig, schwachköpfig, bis zur Grenzlinie der Verrücktheit eine einmal genommene Richtung verfolgend, nahm (…) aus dem spekulativen Großmut sich Hausers, indem er den künftigen Erben eines großen Vermögens erblickte, an, um neben einem europäischen Ruf, zugleich mit hinreichenden Prozenten seinen Aufwand zurück zu erhalten.“ (…) Dass er von den gegen Hauser übernommenen Verbindlichkeiten sich losmachen wolle (…), dass man auf gerichtlichem Wege ihn zur Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen zwingen würde. Dies rief zuerst in dem Grafen Erbitterung gegen Vater hervor, dazu kam, dass man ihn in England von Seite seiner Familie beinahe für geisteskrank erklären lassen wollte. (…) Er möchte sein Vermögen dem Findling zuwenden. (…) Als habe er sich in Deutschland an der Nase herum führen lassen. Um das Maß der Entrüstung in ihm voll zu machen, bezeichnete ihn das Gerücht sogar als denjenigen, der den Mörder Hauser gedungen habe. Was Wunder, dass er leidenschaftlich wurde und nun in blinder Wut, dem Büffel gleich, auf den nächsten Besten loszieht und Leichen nicht verschont. (…) Seine verleumderische Beschuldigung niederschlagen. (…) Schon in München hatte Stanhope mit seinem penetranten Auftreten für Unruhe gesorgt. Er besuchte nicht nur Minister O., sondern auch Königin Witwe Karoline. Sie schrieb am 3. Januar 1834 in ihr Tagebuch: „Viel mit Lord Stanhope gesprochen über den armen Hauser (…) Die neue Wendung bei Stanhope, seinen schmählichen Verdacht – als ob sich der junge Mann den Stich selbst beigebracht hätte.“ Stanhope übereifriges Hinausposaunen seiner Zweifel und Verdächtigungen führte zu immer mehr Irritationen und schließlich verscherzte er sich die Sympathien der Königin gänzlich. Ende Februar 1834 verließ der Engländer München und reiste nach Augsburg,“ in Antje-Sophias Geburtsstadt, „um von Wessing zu treffen. (…) „Es ist noch immer nicht zu spät, auf die ersten Zeugen zurück zu kommen, wie Herr Polizeirat Merker es anriet, „nur aus dieser Quelle ist zu schöpfen.“ (…) Bartning schrieb dazu: Stanhope „bestellte sich die Leute, lässt sich alles ausführlich erzählen, schreibt es nieder und sorgt dafür, dass die selben Leute in Nürnberg auf Requisition des Ansbacher Untersuchungsrichters (…) vernommen werden und dass sie als Zeuge vor Gericht bestätigen. (…) Der selbe Rittmeister von Wessing, der zunächst erklärt hatte, dass Hauser auf alle Fragen nur geantwortet habe: „Woaß ih nit“ behauptet plötzlich, er habe mit Hauser längere Zeit über alle möglichen Dinge gesprochen (…) Hauser habe alles verstanden was er ihm gesagt habe und richtig geantwortet. Ungefähr in derselben Form sind sämtliche Zeugenaussagen verändert. (…) Und es geht daraus klar hervor, dass Stanhope seine Hand im Spiel gehabt hat.


187 (…) Und selbstverständlich wusste jeder, der zum Protokoll gebeten wurde, worum es hier eigentlich ging, nämlich um die Frage, war Hauser nun ein Betrüger oder nicht. (…) Sie hatten sich (…) längst eigene Gedanken zu diesem Thema gemacht und eine Meinung gebildet, die sicher in ihre Aussagen mit einfloss. Von Unvoreingenommenheit konnte allein schon deshalb keine Rede sein. (…) Stanhope mischte mit (…) wie Eduard Feuerbach meinte, „bis zur Grenzlinie der Verrücktheit seine Einmal genommene Richtung verfolgend.“, versuchte er die Zeugen in seinem Sinn zu lenken. Er versuchte es auch bei Daumer: „Stanhope kam nach Hausers Tode zu mir und suchte mich zu bewegen, ein öffentliches Zeugnis gegen Hauser abzulegen. Ich, als der Erzieher und aufmerksamste Beobachter des Findlings, bildete hier eine nicht unbedeutende Autorität und wenn diese gegen ihn verwendet werden konnte, so war es völlig um ihn geschehen. Es kam darauf an, ob ich in das abscheuliche Komplott zu ziehen sei. Der Graf machte mir deshalb mehrere Besuche“ (…) Daumer blieb standhaft.“ (…) Mehr Erfolg hatte er bei Weickmann, dem er am 26. Juni 1834 Geld zukommen ließ. Weickmanns Aussagen des Jahres 1834 unterscheiden sich deutlich von den früher gemachten: Hauser kam nun nicht mehr den Berg herunter gewackelt, sondern ging in guten Schritts. (…) Den Brief, den Hauser bei sich trug, hatte Weickmann nach seiner ersten Aussage nicht gelesen. Jetzt sagte er das Gegenteil aus. Dies ist definitiv falsch, denn der Brief wurde erst durch von Wessing geöffnet. (…) Der Untersuchungsrichter nahm die Widersprüche zur Kenntnis und schloss den Aktendeckel. Stanhope war in der Folgezeit so damit beschäftigt, alle Welt davon zu überzeugen, Hauser sei ein Betrüger, dass er nicht einmal zur Hochzeit seines Sohnes nach England fuhr. Er entfaltete eine rege Korrespondenztätigkeit, reiste in Süddeutschland umher (…) im Sommer 1835 besuchte er Merker in Berlin, um den Fall Hauser noch einmal in aller Breite dar zu legen. Am 20. August reiste der Lord ab (…) und damit endete die „Kaspar Hauser Aufklärungsarbeit“. (…) Für wen er Hauser hielt, musste die Öffentlichkeit selbstverständlich noch erfahren: „Kaspar Hauser sei von Beruf ein Schneidergeselle gewesen und ein Bewohner von einem kleinen Weiler auf der österreichischen Seite der Salzach. (…) Dass Kaspar Hauser durch Altötting kam, dort die katholischen Beigaben erhielt, die er bei sich führte und dann durch Neumarkt und Regensburg nach Nürnberg kam.“ Fälschungen, Falschmeldungen und Tendenzberichte


188 Stanhope mag wie Merker und Mayer geglaubt haben, Kaspar sei ein Betrüger, beweisen konnte er es nicht. Mit allen Mitteln, auch mit Täuschung und Falschaussage, versuchte er, seiner Meinung Gehör zu verschaffen. Dass er dabei dieselben unsauberen Methoden anwendete, die er meinte, bei Feuerbach entdeckt zu haben, kümmerte ihn wenig. Die Hauserliteratur ist voller „Fälschungen, Falschmeldungen und Tendenzberichte“. Auch der Sohn des Lehrers Mayer, der Jurist Dr. Julius Mayer, versuchte den Betrüger Hauser zu überführen und bediente sich unlauterer Mittel. In einer Schrift „Authentische Mitteilungen über Kaspar Hauser“, die 1872 erschien, legte er Materialien aus den „Gerichts- und Administrativakten“ vor. An sich ein lobenswertes Unternehmen, doch Mayer bearbeitete dass von ihm zitierte Aktenmaterial so wie es zu seinen Behauptungen passte. Er unterschlug wichtige Textpassagen, interpretierte bewusst falsch und legte seinem Publikum von ihm als authentisch bezeichnete, nach Hermann Pies jedoch frei erfundene Briefe Hickels vor, die selbstredend nichts anderes bewiesen, als dass Hauser eben ein Betrüger war. Schon der Titel einer weiteren Schrift, nämlich „Caspar Hauser. Hinterlassenes Manuscript von Josef Hickel, K. B. Gendamerie Major Mitglied der hauserschen Untersuchungskomission und gerichtlich bestelltem Vormund desselben“, veröffentlicht 1881 in Ansbach, ist falsch. Mayer gaukelte den Lesern Kompetenzen vor, die so nicht bestanden. Hickel war niemals Vormund Hausers und an einer Untersuchungskommission im Fall Hauser war er nicht beteiligt. „Diese Mitteilungen Mayers sind (…) wertlos“, schrieb ein Kritiker, „weil ihr Zweck nicht ist, die Wahrheit zu ermitteln, sondern einer Parteimeinung zu dienen. Mit einem Wort: Das Buch ist eine Tendenzschrift. (…) Mayer geht aus von dem Satz: Kaspar Hauser war ein Betrüger von Anfang bis zu Ende und zuletzt ein Selbstmörder. Für diese Behauptung sollen ihm die Akten das Beweismaterial liefern. Da aber solches nicht vorhanden (…) so fügt er den Aktenstücken, die ihm seinen Satz beweisen sollen, einen Kommentar bei, der je nach Bedarf das Krumme gerade und das Gerade krumm macht.“ (…) Diejenigen, die an Hauser glauben (…): „Längst ist aufgedeckt, dass Stanhope als Geheimagent bezahlt von Fürst Metternich, unterstützt von Preußen, Frankreich und England, allein auf Hauser ausgesetzt ist. Sieben Jahre bevor Hauser am Unschlittplatz auftaucht, weiß er alles über den Vermissten Napoleoniden. Sein zufälliges Auftauchen in Nürnberg, sein menschenfreundliches Adoptionsangebot, seine nie gehaltenen Versprechungen sind nur Maske, hinter der die Schlange lauert, bereit zur physischen Vernichtung des Opfers, da es sich seelisch gegen die Gehirnwäsche seines grausamen Hilfsschergen, den Ansbacher Lehrer Mayer, behaupten kann. Nachgewiesen ist ebenso, dass Stanhope nach dem Tod Hausers mit Hilfe von Bestechungen und Bedrohungen von Zeugen und Ärzten um Hauser herum, auch noch den Grundstock für den Rufmord legt.“ Mitnichten ist „längst aufgedeckt“, dass sich Stanhope als Geheimagent vor alle möglichen Karren spannen ließ und auf Hauser „angesetzt“ war.


189 (…) Genauso wie die Hauer Gegner versuchen auch die Hausergläubigen ihr Publikum mit angeblichen Fakten zu überzeugen: „Hausers tiefe Herzenskräfte, die bei seiner Beerdigung der Bevölkerung von ganz Ansbach seinen Sarg folgen ließ, Hausers tiefes Christus Leben, welches Pfarrer Fuhrmann von Grund auf erschütterte, Hausers Bezüge zu Christus selbst und dem Urbild des Schmerzensmannes im Alten Testament und die freimaurerischen Machenschaften im Hintergrund, die bis zum okkulten Dolch hin Spuren hinterließen. Das alles ist mit einem dummen Bauerntäuscher nie in Einklang zu bringen!“


190 Kapitel: Persönlichkeitsprofil Lord Philippe Stanhope

Kurzfassung Astrologisches Persönlichkeitsprofil für Lord Philippe Stanhope Ihre dominanten Planeten „Untersuchungen des französischen Forschers Dr. Michel Gauquelin haben ergeben, dass die dominanten Planeten im Horoskop die Berufswahl massgeblich beeinflussen. Als dominante Planeten gelten beispielsweise jene Gestirne, welche zum Zeitpunkt der Geburt am Himmel aufgehend, untergehend oder an der Himmelsmitte stehen. Sie wirken auf den ersten Blick ehrgeizig, individualistisch und recht selbstsicher. Sie möchten sich durch Seelengrösse auszeichnen und gerne einer Elite angehören, die sich von der gewöhnlichen Masse abhebt. Sie haben gewisse Machtansprüche, möchten prunkvoll leben und über andere dominieren. Gleichzeitig besitzen Sie eine gute Anpassungsfähigkeit, die es Ihnen erlaubt, im Moment zu leben und dessen Möglichkeiten auszukosten, auch wenn Sie dabei eventuell frühere Versprechen brechen oder Zukunftspläne modifizieren müssen. Hinter diesem Verhalten verbirgt sich jedoch eine andere Seite, die idealistisch und verschwiegen ist, und die sich alles gut überlegen möchte. Aufgrund dieser Seite machen Sie sich Ihre Bequemlichkeit, sowie die Neigung den einfachsten Weg zu wählen, zum Vorwurf, und Sie können sich selbst und andern gegenüber sehr hart sein. Sie berufen sich gerne auf strikte und konservative Prinzipien, die eine beinahe übermenschliche Perfektion fordern. Dieser Charakterzug führt zu Anpassungsschwierigkeiten, da Ihre Mitmenschen diesen Ansprüchen kaum zu genügen vermögen. Gleichzeitig sind Sie aber sehr verletzlich und schnell beunruhigt, was Sie vermutlich mit noch mehr Härte zu kompensieren versuchen. Falls Sie jedoch Ihren Perfektionismus und Ihren hohen Leistungswillen in den Dienst einer Sache oder einer Idee stellen, können Sie auch Aufgaben, vor denen andere zurückschrecken, bewältigen. Sie bauen sich gerne eine innere Welt, in die Sie sich zurückziehen können, um sich schwierigen Aufgaben zu widmen die Umweltkontakte kaum zulassen, oder um über ungewöhnliche Probleme zu meditieren. Da Sie sich nur ungern mit dem Gewöhnlichen und Allzukonformen befassen, fühlen Sie sich wahrscheinlich von schockierenden, von der Umwelt noch nicht verstandenen Wahrheiten und tabuisierten Themen angezogen. Wenn Ihre intellektuellen Fähigkeiten dies erlauben, können Sie sich durch Forschungsarbeiten in ausgefallenen Wissenszweigen auszeichnen, und Ihr intuitiver und analytischer Geist unterstützt Sie bei der Suche nach letzten Wahrheiten. Um Ihr Bedürfnis nach Dominanz zu befriedigen zeigen Sie manchmal ein komplexes diplomatisches Verhalten. Sie sind wendig und von einer aufrichtigen und wirkungsvollen Grosszügigkeit, was Ihnen wertvolle Sympathien verschafft. Sie zeigen sich im Kontakt jedoch wählerisch und schätzen es, wenn sich ein Kreis von Bewunderern, die Ihren Geschmack und Ihre Ansichten teilen, um Sie schart.


191 Aufgrund Ihrer Logik und Ihres Sinnes für natürliche Ordnungen, sowie für Gesetze und Vorschriften, erlangen Sie, wenn Sie in einer grossen Institution oder im Dienste einer Idee tätig sind, schnell eine gewisse Autorität. Trotz Ihrer guten Anpassungsfähigkeit kann es Ihnen ein Anliegen sein, umwälzende Reformen durchzusetzen, falls die bisherige Struktur das Erreichen hoher Ziele behindert. Obwohl Sie sich also ganz gut in der Realität durchsetzen können, zeigen Sie auch eine Vorliebe für das Okkulte und Geheimnisvolle, sowie eine manchmal allzu absolute Art, etwas zu vertreten. Diese Seite, sowie Ihre Faszination für ungewöhnliche Themen sollten Sie in konstruktive Bahnen lenken, damit Sie nicht allzu sehr ins Grübeln geraten. Werden diese Anlagen von einem künstlerischen Talent ergänzt, können sie vielleicht sogar beruflich genutzt werden.“


192 Kapitel: Über die Augen und die Sprache im Erlernen und bei Kaspar Menschliche Zuwendung ist ein Zaubermittel, das aus einem chemischen Nichts einen biologischen Vorgang macht! Dietrich Grönemeyer

Eine weitere Übereinstimmung jener dreidimensionalen Weltsicht, die Kaspar bei seinem Auftauchen in Nürnberg nicht erfassen konnte zeigte sich auch bei Antje-Sophia in ähnlicher Weise nach dem schweren Autounfall und ihrer Einkerkerung über viele Wochen in der Klinik in nahezu vollständiger Isolation. Kaspar vermochte die Welt um sich herum vielmehr nur als einen Kauderwelsch von Farben und Formen sehen.

Im Daumer Buch wird diese Einsicht auch beschrieben als einem „bunten Jahrmarkt“, oder

Fleckenteppich, der ihm zweidimensional erschien, weil er die Räumlichkeit nicht erfassen konnte.

Ich kann jene nun bestätigte Tatsache sehr gut nachempfinden und nachvollziehen, weil es mir ebenfalls, aufgrund unseres Autounfalles, der mein linkes Auge nach außen rutschen ließ, nach meiner Einkerkerung in den Klinikkäfigt erschwert wurde, mich in dem dreidimensionalen Raum wieder zurecht zu finden. Ebenso nach meiner 2 ½ jährigen Einkerkerung in der Hölle der Psychiatrie erlebte ich dasselbe in ähnlicher Form noch einmal, als mein linkes Auge die hohe Gradzahl der Abweichung nach außen nicht mehr kompensieren konnte. Ich verlor die Orientierung im Raum und kämpfte mit Bildverzerrungen und Übelkeit.

Auch ich hatte damals kein Raumempfinden mehr und noch vor Jahren fiel es mir ungeheuer schwer, geometrische Formen dreidimensional zu erfassen. Ich sah sie nur zweidimensional. Das habe ich mir durch Augenübungen erst wieder aneignen und antrainieren müssen. Und noch heute entgleitet mir oftmals in Momenten der seelisch- geistig- körperlichen Überforderung die Fähigkeit, meine Umwelt dreidimensional wahrzunehmen, gerade dann, wenn mein linkes Auge nach außen rutscht.

Der Mensch gebraucht seine Augen, er bewegt die Muskeln der Augen gegeneinander oder parallel, aber alles geschieht unbewusst. All das lernen wir als kleines Kind, aber auch dieses nicht bewusst. Wir können also sagen, das Gehirn steuert die Bewegung instinktiv. Nachträglich macht sich der Mensch den Sehvorgang bewusst und deutlich verständlich. Er erkennt, was es bedeutet, dass er mit zwei Augen sieht. Kann er nur mit einem Auge sehen, so ist es für ihn schwer, die Dinge räumlich zu erblicken. Räumlichkeit kann er nur wahrnehmen, weil er den Gegenstand, auf den er blickt, mit dem rechten und mit dem linken Auge sozusagen von zwei Seiten ansieht.


193 Das Gehirn verschmilzt die beiden Bilder zu einem räumlichen Gebilde. Die Sehachsen beider Augen treffen auf dem Gegenstand zusammen. Je näher der Gegenstand, das heißt der Blickpunkt ist, desto schräger stehen die Sehachsen zueinander. In die Ferne schauend, nähern sie sich der Parallelität. Viele optische Täuschungen resultieren daraus, dass das Gehirn erfahrungsbasiert arbeitet und man dadurch verwirrt werden kann, dass etwas nicht so erscheint, wie man es gewohnt ist. Untersuchungen eines Teams der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest an Säuglingen machen darauf aufmerksam, dass es sich um eine erlernte Fähigkeit handelt, was das räumliche Sehen betrifft. Demnach könne bei Frühgeborenen ungefähr in derselben Zeitspanne nach der Geburt beidäugiges Sehen nachgewiesen werden wie bei Babys, die zum normalen Zeitpunkt geboren wurden, sofern sie visuellen Reizen ausgesetzt sind. Allgemein kann gesagt werden, dass wir uns unseren Körper, in den wir uns inkarnieren wollen, aus den Voraussetzungen bauen, wie ich es über die Kiefergelenke und die Gliedmaßen beschrieb, die wir im vorherigen Leben geschaffen haben. So gibt es bestimmte Vorbedingungen dafür, dass unsere Sinnesorgane gesund und kräftig werden. Es müssen die Augen zum Beispiel mit Fehler behaftet und schwach in der Funktion werden, wenn im Leben vorher nicht ein Denken geübt wurde, was klare Begriffe, wie sie in der Mathematik nötig sind, gebildet hat. Nun hing der „bunte Jahrmarkt“, wie ihn Kaspar mit Erschrecken gesehen haben mag, wohl nicht mit dem fehlenden räumlichen Sehen zusammen, das, wie ich es hier darzustellen versuchte, schon im Säuglingsalter schnell erlernt werden kann, sondern vielmehr mit dem Fehlen der Begriffe dieser wahrgenommenen Dinge, welche sich, über das Gehirn, zu einem vollständigen Bild zusammenfügen lassen, wenn wir ihre Bedeutung kennen und somit dem Auge ein vollständiges Bild vermitteln, im wahrsten Sinne des Wortes. Die seelisch – geistige Entwicklung Kaspars wurde also im vierten Lebensjahr, vermutlich mit 3 ½ Jahren, als die Sprachentwicklung nicht nur angelegt wurde, sondern auch festen Begriffen zugeordnet werden konnte, okkupiert und brutal von einem Tag auf den anderen unterbunden. Warum Kaspar diese weiteren 12 Jahre in vollkommener Abgeschiedenheit von Mensch, Natur, der Welt überleben konnte, hat er wohl den ersten drei Lebensjahren seiner Entwicklungsentfaltung zu verdanken, ebenso die Tatsache, dass sich diese angelegte Entwicklung nach seiner „Entlassung“ in rasendem Tempo fortsetzen durfte und konnte, weil sie in den entscheidenden Nachahmungsjahren angelegt worden war und sich entwickeln durfte.


194 Denn, wie wir alle wissen, wollte Friedrich II. in einem Experiment feststellen, welche Sprache Kinder entwickeln, wenn sie ohne Ansprache und Zuneigung aufwachsen. Über den genauen Hergang des Experiments ist wenig bekannt. Das Ergebnis seines Experiments war allerdings niederschmetternd: Alle Kinder starben, wohl auf Grund fehlender sensorischer Stimulation. Er schrieb dazu: »Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen.« Ein ähnliches Experiment hatte übrigens schon vor rund 2500 Jahren der ägyptische König Psammetich I. durchgeführt. Er setzte zwei neugeborene Kinder bei einem Ziegenhirten in der Wildnis aus, um die menschliche Ursprache zu erforschen. Der Ziegenhirte durfte mit den Kindern natürlich kein Wort reden, so waren deren einzige »Ansprechpartner« die Ziegen. Nach zwei Jahren war das einzige Wort, das die Kinder sprachen »bek bek« - eine Nachahmung des Meckerns der Ziegen.

Die Erforschung der menschlichen Ursprache beschäftigt die Wissenschaft schon seit Jahrtausenden. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind jedoch nicht mehr als bloße Theorien - teilweise sehr abstruse. So entwickelten sich z. B. im Laufe der Zeit drei grundlegende Theorien: Die Aua-Theorie besagt, dass Sprache aus stark gefühlsbetonten Ausrufen und Aufschreien hervorgeht. Die Sing-Sang-Theorie behauptet, dass Sprache aus Gesängen entsteht. Die Hauruck-Theorie geht davon aus, dass Sprache durch Ausrufe bei gemeinsamer körperlicher Arbeit entsteht. Die wahrscheinlichste Theorie über den Ursprung der menschlichen Sprache formulierte Herder vor rund 200 Jahren: Sprache entsteht aus der Nachahmung von Naturlauten. Auch heutzutage beschäftigen sich noch zahlreiche Sprachwissenschaftler mit diesem Problem.


195 Kapitel: Die verkehrte Abfolge von Gehen, Sprechen und Denken und ihre Folgen: Ein Blick auf Borderline Je schwerer sich ein Erdensohn befreit, je mächt’ger rührt er unsre Menschlichkeit Conrad Ferdinand Meyer

„Denn schwer erkennt der Sterbliche die Reinen … es würde Nacht und kalt auf Erden und in Not verzehrte sich die Seele, sendeten zuzeiten nicht die guten Götter solche Jünglinge, der Menschen welkend Leben zu erfrischen.“ Der Tod des Empedokles

Grenzgänger zwischen zwei Welten

Ich habe in meiner Biographie des 21. Jahrhunderts einen eigenständigen Versuch gewagt, mich der Zeitkrankheit, dem „Borderline“, zu nähern, das vermutlich auch starke Kongruenzen mit der sogenannten „Histrionischen Persönlichkeitsstörung“ aufweist, die ich schon ansatzweise erörtert habe. Beide Störungen wurden sowohl Kaspar als auch Antje-Sophia teilweise als Ferndiagnosen verabreicht. Antje-Sophia hatte sich vor ihrem neuen Erdenleben entschlossen, diese Diagnosen als Fehldiagnosen zu entlarven, was ihr in diesem Leben auch gelungen ist, um damit auch das Schicksal von Kaspar Hauser, einschließlich des Rufmordes zu entfesseln und ihm eine menschliche, wahrhaftige Gestalt zurück zu geben. Und doch schien es im Saturnjahr 2000, dass ihr diese Borderline – Persönlichkeitsstörung wie ein Mantel umgelegt wurde, ohne wahrhaft von ihrem Wesen Besitz zu ergreifen, um ein Erkennender und Verstehender dieser schweren Zeiterscheinung zu werden, auch wenn sogar ein Polizeihauptkommissar ihr drei Jahre später mitteilte, er halte diese Diagnose für unwahr, nicht zutreffend. Aber Antje-Sophia musste durch alle Finsternisse wandern um ein Verstehender zu werden, um sogar über vier Jahre fast den Hungertod zu erleiden, eine einjährige schwere Flucht zu erleben, eine einjährige Alkoholabhängigkeit und unzählbare weitere schwere Beeinträchtigungen, durch die sie nahezu unversehrt von geistigen Werden geführt wurde und so erlebte sie innerlich die Zerreißprobe eines Borderliners am eigenen Leibe, um am Ende den Beweis zu erbringen, dass sie diesen Mantel, als die Zeit reif war, wieder ablegen konnte und durfte. In diesem Kapitel möchte sie versuchen, auch an großen Geistern am deutschen und russischen Firmament einen Blick auf diese psychische Erkrankung zu werfen in vergleichender Darstellung, um auch aus dem Blickwinkel der anthroposophischen Einsicht die möglichen Ursachen anzusehen, die tief in den ersten Formungsjahren wurzeln. Wie gestalteten sich bei Kaspar und Antje-Sophia die ersten vier Lebensjahre in der Abfolge von Gehen, Sprechen und Denken? War diese Abfolge durch schwere und blockierende Schicksalskonstellationen und Stürme gestört und mussten sich dadurch Abweichungen und in späteren Jahren Schädigungen herauskristallisieren? Diesen Fragen möchte ich mich hier zu nähern versuchen.


196 Und wie in dem goetheschen Divan-Gedicht zerfällt die Welt in Nacht und Licht, ehe die Morgenröte „sich der Qual erbarmt“, ehe ein Mittler beider Sphären erscheint, so sucht auch ein Borderliner unentwegt nach diesem Mittler seiner zerreißenden, spaltenden, kontrastreichen Sphären zwischen dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen den zerreißenden Polen seiner Gefühlswelten. Diese Zerreißprobe zeigt sich für mich auch in der Beschäftigung mit den Biographien über Friedrich Nitzsche, Hölderlin, Heinrich von Kleist und Dostojewski: Hölderlin hat eine vollkommen antikische Einstellung zum Unsichtbaren und erlebt fast ehrfürchtig den Atem des Göttlichen, aber auch die Gefahren, die aus dieser möglichen unsichtbaren anderen Welt seine Seele berühren, und er sieht sich in einem Auseinandergerissen werden in diese eigentlichen Harmonie hineingestellt, die sich bis zur Disharmonie verzerren kann, um sich als urewiger Zwiespalt des Seins für wenige beseligende Augenblicke zu lösen und zu entspannen vermag. Ich werde im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch im speziellen einen differenzierten Blick auf das Leben von Dostojewski werfen, der für mich diese Wirkungskausalität des Grenzgängers, vor allem seiner Gefühlswelten, klassisch verdeutlicht. Dabei erscheint es mir noch sehr wichtig, sie aus der vorgefertigten Schubladenmeinung herauszulösen. Denn in der normalen Fachliteratur, wie auch in der anthroposophischen Literatur über Borderline Erkrankungen werden diese Phänomene des Seelischen in fest strukturierte Schubladen eingekerkert, indem sie von Schlagwörtern fast zu Tode geschlagen werden in buchstäblichem Sinne und somit alles Schöpferische, wie es sich auch am Leben von Hölderlin zeigt, nämlich „die Hüter der heiligen Flamme“ in ihrem eigenen Keim erstickt werden. Denn dem Unendlichen kann man nur als Einheit begegnen und alle Halbheit des Willens und der möglichen Wahrheit erreicht nur niederes Ziel. Das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird. Und dass eine halbe Wahrheit nie die Hälfte einer Ganzen ist. So möchte ich versuchen auch ein Licht auf die für mich sehr begrenzten Versuche der „Normalsterblichen“ hinsichtlich der Borderline Erkrankung zu werfen um aufzuzeigen, dass oftmals eine schöpferische Synthese aller zerreißenden Polaritäten im Seelischen, in ihren Terminologien und Heilungsansätzen dieser möglichen „Ich-Störung“ fehlt.

Dass aber gerade in dieser Zerreißprobe der Keim für einen künftigen Stern liegen kann, der Keim aus dem sich ein Hölderlin heraus formt, oder ein Dostojewski, der zu Lebzeiten möglicherweise auch in den Psychiatrien analytisch mit vernichtenden Schlagwörtern geistig-seelisch ermordet worden wäre. Stattdessen fristeten sie einen Teil ihres Lebens im Zuchthaus, gefesselt und angekettet an den Füßen, beziehungsweise in Tübingen eingesperrt im Turm. Für mich waren sie allerdings zutiefst zu beneiden: durfte Dostojewski doch hinter den Zuchthausmauern seine Seele, seine Zitadelle behalten und hüten. Auch bei Hölderlin zeigte sich schon früh im Zwielicht der Kindheit, in den entscheidenden Formungsjahren, jener unheilbare Riss im Inneren, jener erbarmungslose Einschnitt, jene Zäsur zwischen


197 der Welt und seiner eigenen Welt. Dieser Riss, den ich auch einst im Beschreiben meiner Kindheit erwähnte, narbt niemals mehr zu, immer bleibt auch ihm das Gefühl des in die Fremde verstoßenden Kindes und doch liegt genau in diesem Gefühl das Geheimnis seiner Schöpferkraft. Die einzige Zielrichtung seiner Seele ist ein Wechsel zwischen Zurück und Empor, vergleichbar mit einer Parabel, aber selten gibt es einen Angleichen und Eingliedern in den Rhythmus der gegenwärtigen Zeit. So kann ich auf die bestehenden Schlagwörter der sogenannten Fachliteratur nur mit dem Ausruf aus „dem Tod des Empedokles“ antworten: „Denn schwer erkennt der Sterbliche die Reinen“, die sich durch den unheilbaren Riss in ihrem Inneren nicht in den Wahn einer möglichen irdischen „Omnipotenz“ (Allmacht) flüchten, sondern sich in verstehender Weise der Unsterblichkeit der Seele entgegen tragen, wie es Schiller ausdrückt: „Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?“, um in aller Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sich selbst und der Welt zu begegnen.

Auch habe ich erwähnt, dass sich für mich die oft beschriebenen Wirkungskausalitäten einer möglichen Erkrankung, oder wie es ein Freund ausdrückte, einer Charakteristik von seelischen und physischen Erscheinungsformen, nur und ausschließlich vor dem Hintergrund von Reinkarnation und Karma verstehen und veranschaulichen lassen. In meinem vierten Lebensjahr habe ich für meine Begriffe schon ein umfassendes intuitives Wissen dieser möglichen anderen Geistwelt erfahren.

Ich möchte versuchen, mich zunächst mit der bestehenden Fachliteratur dem Thema Borderline anzunähern, um eine von Rudolf Steiner beschriebene mögliche Synthese zum vorgeburtlichen Leben und ihrer Wirkung auf dem Erdenplan heraus zu kristallisieren, um zuletzt meinen eigenen Einblick und Ausdruck als scheinbar Betroffener darzustellen, auch in der Gegenüberstellung am Leben und den Werken von Dostojewski.

Dabei nehme ich Bezug auf das Dreigestirn Dieter Beck, Henriette Dekkers und Ursula Langerhorst zu ihren „Beiträgen zur Ausgestaltung einer anthroposophischen Psychotherapie“. Doch auch hier erlebe ich auch die Schwierigkeit der Schubladenfassade und eingrenzenden Schlagwörtern: Versucht sich ein Nicht - Verstehender, das heißt Nicht - Borderliner in die ganze Tragweite dieser Erkrankung einzufühlen, sie wahrhaft zu verstehen aus allen nur möglichen Perspektiven, so muss er doch nach aller Wahrscheinlichkeit in ehrlicher Weise scheitern, so wie mir meine Bezugsschwester aus der Uniklinik in München einst folgende Zeilen schrieb: „Ich leite zwar gerade die Borderline Gruppe und es macht mir sehr großen Spaß, aber verstehen kann ich euch nicht. Und deswegen möchte ich mir kein Urteil erlauben.“ Fehlt diese Ehrlichkeit des Nicht –Verstehen- Könnens, so müssen die Terminologien das fehlende Verständnis ersetzen, mit denen dann auch Betroffene erschlagen werden, die, wie ich es beschrieb, unter einer körperlichen Beeinträchtigung leiden, die sich allerdings dann auch psychisch auswirkt und falsch


198 diagnostiziert wird und ähnliche Erscheinungen zeigt, wie eine Borderline Persönlichkeitsstörung, wie ich es selber erlebte mit meiner schweren Muskelerkrankung.

Nebenbei bemerkt hatte ich schon oftmals erwähnt, dass einem psychisch Kranken jedwede Aussage zu seinem Nachteil ausgelegt werden darf und zumeist wird, indem man ihn mit allen nur denkbaren vernichtenden Doppelgängertitulierungen auf Ewigkeit in seiner möglichen Störung einmauern und begraben darf. Als ich in einer Klinik erzählte, ich schreibe ein Buch, wurde diese Tatsache mit dem Urteil von „überwertigen Ideen“ sofort im Keim erstickt. Tatsächlich war ich mitunter dadurch über Monate nicht mehr in der Lage, an diesem weiter zu schreiben. Oder mit Aussagen „Sie blenden Sachen aus“ kann auch ein Kerngesunder auf ewig schachmatt gesetzt werden.

Insofern hoffe ich auf das Wahrhaftigkeitsempfinden, das Wahrheitsempfinden und die Intuition in der Beschreibung meiner Biographie und ich möchte voranstellen, dass ich selber mit den Untiefen meines Lebens, mit meinen inneren Schwächen, mit meinen emotionalen Instabilitäten und den Aussagen meiner Umgebung, all dies einer absolut strengen Prüfung unterziehe und jedes Wort auf seinen Wahrheitsgehalt untersuche, weil mein „phänomenales Gedächtnis“ diese Tätigkeit für mich ungeheuer unterstützt.

In der anthroposophischen Menschenkunde wird davon ausgegangen, dass im Erwerb von Gehen, Sprechen und Denken und in seiner Folgerichtigkeit im systematischen Ablauf bei sogenannten Borderlinern eine Störung zugrunde liegt. Wenn sich das kleine Menschenkind in den dreidimensionalen Raum eingliedert, nimmt es zugleich noch eine geistig-seelisch Beziehung zu ihm auf. Dabei werden Arme und Hände frei und lösen sich ab in der Bindung an die Erde. „Im Gehenlernen ist die ganze Art enthalten, wie sich der Mensch Gewicht setzt. Das reicht bis ins Geistige, ins Moralische: in dem, was sich zunächst in der Nachahmung aneignet, sind die Impulse des späteren Schicksals veranlagt. Im Gang zeigt sich, wie das Ich die Erde betritt und seinen Leib ergreift, und an der Art, wie es sich mit beiden auseinandersetzt, zeigt sich auch der Charakter. Im Aufrichten suchen wir das physische Gleichgewicht und zugleich das seelische Gleichgewicht – den Stand, von dem aus wir unser Schicksal gestalten.“ (Beck) „Wie die Hand sich bewegt, wie die Hand Gesten macht, wie die Kraft in die Hand hinein ergossen wird, das geht in das Gehirn und bildet den Motor für das Sprechen (Rudolf Steiner). Lernt ein Kind sprechen, bevor es gehen lernt, dann fehlt diese Grundlage des Sprechens, diese Verankerung der Sprachfähigkeit und damit auch der sozialen Beziehungen in der Orientierung. Gerade von Borderline-Patienten erfährt man anamnestisch auffallend oft, dass sie als Kind früher sprechen als gehen konnten.“


199 Durch meine Muskelerkrankung bestand auch bei mir eine gewisse Abfolgeverschiebung von Gehen, Sprechen und Denken, insofern, nach Aussage dieser Ärzte und Therapeuten, auch bei mir eine gewisse Disposition zur Borderline Erkrankung schon von Anfang an vorlag, wenn es so stimmt, was die sogenannten „Experten“ zu wissen vorgeben. –

Der dritte Schritt baut auf die ersten beiden Schritte, nämlich Gehen und Sprechen auf: das Denken. Das Kind verbindet mit dem Nachahmen der Laute der Erwachsenen zunächst nur Gefühle. Wenn eine Entwicklung im frühen Kindesalter in dieser sogenannten Rangfolge blockiert scheint oder ist, so entsteht die Frage, wie sich solche Schwierigkeiten im Verlauf des Lebens wieder ausgleichen lassen. Und da folgende Aussagen von Steiner mein inneres Wahrheitsempfinden treffen, möchte ich sie hier einfügen: Rudolf Steiner stellt dar, dass drei Seelenhaltungen, die dem Kinde aus seiner unmittelbaren Umgebung entgegenkommen, entscheidende Hilfe bei der Aneignung von Gehen, Sprechen und Denken sind: Beim Gehenlernen Liebe. Beim Sprechenlernen Wahrhaftigkeit. Deim Denkenlernen Klarheit und Bestimmtheit. Des Weiteren zeigt Rudolf Steiner Beziehungen auf zwischen Störungen in den drei großen Schritten von Gehen, Sprechen und Denken der ersten drei Lebensjahre und ihren späteren somatischen Krankheitstendenzen, wenn Blockaden vorlagen: „Störungen des Gehenlernens disponieren zu Stoffwechselkrankheiten, Rheumatismus, Gicht; Störungen des Sprechenlernens durch mangelnde Wahrhaftigkeit im Umgang mit dem Kind, besonders im zweiten Lebensjahr, disponieren zu Verdauungsstörungen; Störungen des Denkenlernens durch Unklarheit der Umgebung schließlich begünstigen alle Arten von Nervosität im späteren Leben.“

Transponiert auf mein Leben könnte man sich fragen was zuerst vorhanden war, das Ei oder die Henne. Steiner spricht von Störungen im Gehenlernen, die zu Stoffwechselkrankheiten disponieren, sowie meine Muskelerkrankung im Prinzip auch einer Stoffwechselerkrankung zugeordnet werden kann. Andererseits besteht diese Erkrankung seit meiner Geburt und könnte - oder nach aller Wahrscheinlichkeit ist sie die Ursache meines zu späten Gehenlernens. Störungen im Sprechenlernen gab es bei mir nicht. Sowie auch keinerlei Beschwerden im Verdauungssytem in späteren Jahren, außer in meiner Kindheit durch die Mitochondriale Myopathie. In der dritten Störungsspezifizierung, nämlich des Denkenlernens durch Unklarheit der Umgebung, gibt es in meinem Leben eindeutige Hinweise, die sich heute in jedweder Art von Nervosität zeigen. Andererseits habe ich bewiesen, dass ich selber des Denkens mächtig bin in Klarheit und Präzision der formalen inhaltlichen Abläufe. Es folgt nicht nach dem Prinzip „es denkt in mir“ und ich lasse mich von Assoziation zu Assoziation leiten, sondern mein Denken ist aktiv durchdrungen und geleitet, es sei denn ich


200 bewege mich auf psychologisch analytischem Zerstückelungspfaden, die aller präzisen, mathematischen, klar strukturierten und folgerichtigen Motiven entbehren. Dann allerdings gerate ich ins Schleudern. Diese unstrukturierte psychologische Testsituation, wie sie in der Fachsprache „Rorschachtest“ genannt wird, zeigt möglicherweise auch bei mir eine gewisse Beeinträchtigung des formalen und inhaltlichen Denkens, aber nicht des sprachlichen Ausdrucks. Wobei ich jedem auch vermeintlich gesunden Menschen unterstelle, dass er ins Schleudern gerät, ins Stottern gerät, wenn ihm „Ausblendungen“ unterstellt werden, womit jeder Mensch sofort und unwiderruflich schachmatt und ins Aus gesetzt werden kann. Störungen im Sprechenlernen führen im späteren Leben zu Verdauungsstörungen. Von Kaspar wissen wir, dass er immer wieder unter Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen litt, auch begründet durch die Nahrungsumstellung nach 17 Jahren Einkerkerung. Sprechen muss er wohl gelernt haben, um mit ihm nach über drei Jahren auch alle Fähigkeiten wieder einzukerkern und im Keim zu ersticken. Er sprach die Jahre seiner Freiheit einen Altbayrischen Dialekt und auch die fränkische Umgebung vermochte diesen nicht umzufärben. In der Spiegelung am Leben von Antje-Sophia könnte angenommen werden, dass Kaspar mit 3 ½ Jahren in den Kerker nach Pilsach gekommen ist, in dem er sich nahezu vollkommen selbst überlassen wurde. Denn in diesem Lebensalter bekam Antje-Sophia ihre fast tödliche, unerkannte Lungenentzündung, die seelisch gesehen, wie ich es beschrieben habe, durch fehlende, fehlerhafte oder mangelnde Kommunikation, also dem Sprechen resultiert. Nachdem sie diese gerade überwunden hatte, wurde sie durch den schweren Autounfall über viele Wochen in einen Klinikkäfig buchstäblich geworfen, in dem sie sich nicht aufrichten durfte und zeitweise sogar festgebunden wurde wegen einer schweren Gehirnerschütterung und einem unerkannten Kieferbruch. Der Käfig sah buchstäblich aus wie eine bis oben hin mit Brettern verschlossene Hundehütte, durch die nur spärliches Licht durch die freigelassenen Ritzen zwischen den Holzleisten fiel. Erschütternde Krankenhauszustände im Jahr 1978, die meine Großeltern bestätigten. Sie waren so bestürzt und fassungslos auch von Antje-Sophias Zustand, dass sie lieber ihre eigene Haut retten wollten und nie wieder bei ihr erschienen. (…) Störungen des Denkenlernens durch Unklarheit der Umgebung schließlich begünstigen alle Arten von Nervosität im späteren Leben.“ Wir wissen zum einen, dass auch und gerade das Denken bei Kaspar ab diesem Lebensalter wieder im Keim erstickt und unterbunden wurde, sodass er über 12 Jahre lang das Gefühl hatte, alleine auf der Welt zu sein und seine Lebenslage nicht zu reflektieren vermochte und das war einerseits sein Schutz, um nicht, wie der Graf von Monte Christo nach 18 Jahren Einkerkerung fast wahnsinnig zu werden und nur im letzten Moment dem Selbstmord entgehen konnte, andererseits musste dieses Zurückdrängen der Sprache, des Denkens im gesamten Organismus schwere Folgen zeigen, die sich bei ihm in jedem Fall auch in einer Nervosität zu erkennen gaben. Denn als er am 18. Juli 1828 bei Professor Daumer einquartiert wurde, nach über 50 Tagen im Gefängnisturm, befürchteten seine Mitmenschen, er könnte am „Nervenfieber“ zugrunde


201 gehen, neben den weiteren Faktoren der Reizüberflutung nach jahrelanger Reizlosigkeit und dem kalten Opiumentzug. -

Wie zeigten sich nun im Leben von Kaspar Hauser diese Gesetzmäßigkeiten, nachdem bis zum heutigen Tage Unklarheit darüber besteht, zu welchem Zeitpunkt er eingekerkert wurde und wie er die ersten drei Lebensjahr verbrachte. Wie lernte er Gehen, Sprechen und Denken? Wie begegnete ihm der Menschenkreis, der ihn solange in seiner Obhut behielt, bis er diese Qualitäten des Menschseins ansatzweise beherrschte im Sinne der Aufrichtekraft? Deutlich ist jedenfalls, dass sich das Gift der Lüge, der Täuschung und Unwahrhaftigkeit um ihn und seinen Umkreis breitete, dass ein Kind für ihn sterben musste, damit er leben konnte und wir wissen, auch aus dem Leben von Antje-Sophia, dass gerade Kinder sehr viel mehr fühlen und intuitiv wahrnehmen, als wir annehmen. Ihre Seele hält sich noch sehr stark außerhalb des Körpers auf, in einem Umkreisbewusstsein und ich habe schon dargestellt, dass sie gerade dann auf Inhalte zugreifen kann, die dem gewöhnlichen Bewusstsein oftmals nicht zugänglich sind.

Ich habe in einem Kapitel bereits darüber geschrieben, dass der Kopf das Denkmal des letzten Lebens ist und wie sich eine Umstülpung der Gliedmaßen vollzieht, die in einer folgenden Inkarnation dann die Kiefergelenke abbilden. (…) „Störungen des Gehenlernens disponieren zu Stoffwechselkrankheiten, Rheumatismus, Gicht;“

Es ist ebenfalls denkbar, dass sich diese langjährige Störung des Gehenlernens und dann Wiedererlenens bei Kaspar, die sich auch nach seiner Einkerkerung in einer „Gangunsicherheit“ zeigte, wie auch bei AntjeSophia, dass sich diese Störung in einem folgenden Leben als eine Art Stoffwechselerkrankung zeigt, denn auch eine Mitochondriale Myopathie ist gekennzeichnet durch einen fehlerhaften Stoffwechselprozess. Es sind Fragen und denkbare Antworten, mit denen ich auch versuche innerlich umzugehen, um mich einer möglichen Wahrheit anzunähern. Steiner weist in Bezug auf den Gang eines Menschen, die Form der Ohren, die Komposition des Gesichtsschnittes, gedrungenem oder gestrecktem Körperbau, auf einem Zusammenhang unserer Tätigkeiten, Fähigkeiten und Begabungen in einem möglichen letzten Leben hin. Auch geht er davon aus, dass wir uns vor unserer Inkarnation in eine physische Leiblichkeit mit verschiedenen Engelshierarchien verbinden. Diese zentrifugal-zentripetale geistige Orientierung an diesen Wesenheiten verwandelt sich im ersten Jahr des Erdenlebens in die Fähigkeit zur Orientierung im Raum. Ferner nimmt er Bezug auf den Einfluss der Planeten und gibt Hinweise auf die anthroposophische medikamentöse Behandlung durch ihre Einwirkung bei Störungen des Inkarnationsvorgangs. Auch die Heileurythmie bezieht die Kräfte der Planeten in die Behandlung einer Borderline Erkrankung mit ein. Durch fein abgestimmte, mit den Armen vollzogene planetarische Bewegungen.


202 Um nun mit den vorgefertigten Schlagwörtern einen Borderliner zu erschlagen und ihn in einer Schublade fest zu verschließen, gibt es von Kernberg das teils deskriptiv, teils strukturell angelegte Interview für Borderline Patienten, das die Diagnose auf drei Kriterien gründet: Identitätsdiffusion, Niveau der Abwehroperationen (Spaltung und damit zusammenhängende Mechanismen wie primitive Idealisierung, projektive Identifikation, Verleugnung, omnipotente Kontrolle, Entwertung) und schließlich – zur Abgrenzung von den Psychosen – die Fähigkeit zur Realitätsprüfung. Borderline lässt sich weder den Neurosen noch den Psychosen zuordnen. Es zeigt Symptome aus beiden Krankheitsbereichen, ist aber auch von jeder dieser Gruppen abgrenzbar. In Konfliktsituationen können von Stunden bis zu Tagen Dekompensationen, bis hin zu psychotischen Ausmaßen mit dissoziativen Symptomen auftreten. Schmidebergs grenzt die Symptome zur klassischen Neurose klar und deutlich mit dem Begriff „stabil instabil“ ab.

Da ich schon einmal erwähnte, dass ich mich im Grunde niemals fachliterarisch mit dem Thema Borderline befasst habe, weil ich ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung meine innere, starke „Ich-hafte Persönlichkeit“, wie sie von meinen Lehrern immer bezeichnet wurde, verlor, die einer tiefen Verunsicherung in der Begegnung mit meinen Mitmenschen wich, werde ich die erschlagenden Fachbezeichnungen und Schubladenterminologien der möglichen Fortsetzung anderen überlassen und weiterhin nur aus meiner persönlichen Anschauung und meinen Erfahrungswerten am praktischen Leben sprechen. Ich erfüllte ich in dem Interview für Borderline Patienten in der Universitätsklinik Freiburg nur knapp fünf von neun Kriterien zur Diagnosestellung. Ab fünf Kriterien spricht man von einer „instabilen Persönlichkeit“.

Ich selber und niemand kann und darf behaupten, dass ich vor meiner Diagnosestellung im Jahre 2000 dissoziative Zustände, Dekompensationen, Depersonalisationen, paranoide Vorstellungen, suizidale Handlungen und eine gravierende und auffallende Instabilität meines Selbstbildes und meiner Selbstwahrnehmung hatte. Was sich bei mir zeigte waren manchmal Impulsivität, Todessehnsucht, Wut, oder die Schwierigkeit sie zu kontrollieren, gelegentlich ein Gefühl der Leere und dem, als lebe ich hinter dickem Panzerglas, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, dass hin und wieder durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet war. Ob es sich dabei um einen krankhaften Zustand handelte, wage ich zu bezweifeln, denn in München wurde ich von Ärzten und Therapeuten als einer der beziehungsfähigsten Menschen bezeichnet. Schwankungen in dieser Form kennt wohl auch fast jeder scheinbar „normale“ Mensch.


203 Ferner rang ich mit dem verzweifelten Bemühen ein tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu verhindern, oder es ganz bewusst zu provozieren, um meine Wertigkeit im Gegenüber zu erproben und zu erfassen. Die letzte Kennzeichnung waren chronische, frei flottierende Ängste sowie depressive Episoden.

Nahezu alle diese beschriebenen Phänomene und Erscheinungsformen werden auch einem schweren Trauma, also einer Posttraumatischen Belastungsstörung und Panikattacken zugeschrieben und nicht zuletzt auch meiner Muskelerkrankung, die sich auf rein körperlicher Ebene bewegt und doch hat jede physische Belastung auch psychische, seelische Auswirkungen. Sie zeigten sich auch bei einer jungen Frau, die nach vielen Monaten und Jahren der Marter erfuhr, dass sie im Körper einen gewaltigen Kupferüberschuss hatte. Es ist also enorm schwierig, klar zu diagnostizieren und abzugrenzen und somit muss behutsam mit derlei Diagnoseettiketten umgegangen werden, um einen Menschen nicht in einer Scheinbar-Störung einzumauern und lebendig zu begraben.

Wenn nun ein nahezu funktionsfähiges Auto mit 20 km/h gegen eine Mauer fährt, gibt es möglicherweise nur einen geringen Blechschaden. Fährt aber ein wenig funktionsfähiges, unsicheres Auto mit geringer passiver Sicherheit mit 100 km/h gegen eine Mauer, so kann man sich der Tatsache sicher sein, dass der Insasse zu Tode kommt. Transponiert auf mein Leben und die Tavormisshandlung würde das bedeuten, dass diese Dosierung und Dauer in meinem ohnehin seelischen labilen Gleichgewicht durch die angebliche Borderline-Erkrankung, zumindest aber allen vorangegangen Belastungen und meinem objektiven, physischen reduzierten Allgemeinzustand durch die Muskelerkrankung, ganz evident hätte zum Tode führen müssen, wenn schon eine geringe Dosierung und Dauer bei einigermaßen stabilen Mitpatienten diese in den Selbstmord getrieben haben. Meine Konstitution war von jeher sehr sensibel, das zeigte sich auch durch die Wirkung von wenig Alkohol, der mich sofort betrunken werden, zumindest meine Muskeln krampfen ließ. Wie hätte Kaspar diese Einwirkungen überstanden?

Der Arzt einer Klinik, in die ich im letzten Jahr aufgrund meiner Schluckstörung eingeliefert wurde, bezeichnete mich als „hochbegabt und hellsichtig“. Nach seiner Auffassung durfte gerade bei mir eine solche Handhabung des Tavors nicht geschehen, weil es mein Ich und meine Persönlichkeit durch die Turbulenzen meiner Kindheit ohnehin sehr schwer hatten, sich in meinem Körper zuhause zu fühlen. Das Tavor ist in der Lage, diese Persönlichkeit, das Ich noch weiter ins Universum hinauszukatapultieren. Insofern war die Handhabung mein sicherer Untergang. Er sagte ferner, dass es die Ausgangssymptomatik ebenfalls „in die Unendlichkeit“ verstärkt. Als Ausgangssymptomatik bezeichne ich hier die vorangehenden Symptome vor meiner Diagnosestellung im Jahre 2000 und nach ihr. -


204 Als Denkstörung bezeichnet Beck das „lichtlose Gezerre, in welches das Gespräch dauernd abzugleiten droht, die nicht widerlegbare Scheinlogik, die Inflexibilität der Argumente, die auftreten können.“

Auch mit dieser Beschreibung vermag ich mich auf meinen klaren, mathematischen Denkstrukturbahnen nicht zu identifizieren, wie es mir auch meine Mitmenschen bestätigen, es sei denn, das Gegenüber unterstellt mir aus eigenem verbalen Unvermögen mögliche Machtbestrebungen oder Gewaltanwendungen. Oder wenn, wie schon beschrieben, sich das „Gespräch“ auf diffusen, nicht klar einzugrenzenden, analytischen und rational nicht mehr erfassbaren Abwegen befindet. Beck spricht auch von einer „fehlenden Freiheit zum Gedankenaufschwung, zu den weiten Verstehensbezügen, zum Leuchten und Denken, zu einem Denken das zum Geistigen findet, zum Erleben von Geisteszusammenhängen und Geisteszielen.“ Auch diesen Mangel kann ich wahrhaftig bei mir nicht finden. Auch ein sehr bedeutender Arzt und Psychotherapeut schrieb mir in einer Email: „Ihre absolute Präzession im Denken, ihre geistige Klarheit und Wachheit, auch Ihre Schwingungsfähigkeit und das Erfassen nonverbaler Aussagen, machen mir Angst.“

Ebenso begegneten mir die Leiter der Borderlinegruppe in der Münchner Klinik und waren fasziniert von meiner Schwingungsfähigkeit, meinem

guten sprachlichen Ausdruck und mehr als

formalen

Gedankengängen, vor allem von meiner hohen Intelligenz. Hellseher und Handlinienleser sprachen von meinem analytischen Verstand, von hohen Denkkräften und glasklarer Kommunikation.

Wo muss ich mich nun einreihen?! „Im Denken der Borderline Patienten finden wir einen Bruch zwischen hartem, logischem oder scheinlogischem Verknüpfen fester Vorstellungen, das wie ein am Boden kriechen der Gedanken wirkt und andererseits feinen, ästhetisierenden unkonturiert spirituellen Gedanken (…)“ „(…) Im Fühlen findet sich die Spaltung…“ „(…) Die Seele wirkt wie aus der leiblichen Verankerung in der rhythmischen Organisation gelockert, dadurch wie in die Umgebung ausgestülpt, ungeschützt, verletzlich.“ „Wahrhaftigkeit der Kindheitsumgebung wirkt heilsam.“ Beck weist in seiner Anschauung über die Ursache und die mögliche Mission der Borderline Erkrankung auf das Schicksal des Materialismus hin. Für meine Begriffe verdrängt der Materialismus das wahre Denken, verleugnet die Mission des wahren Menschentums, das für gekennzeichnet ist durch Liebe, Rücksicht, Achtsamkeit, Fürsorge, Verantwortung und eingehaltene Versprechen und gibt dem schon beschriebenen Gleichmaß und der Gleichförmigkeit, der Uniformierung von Charaktereigenschaften, Denkprozessen, der Mode, der Gefühle enormen Raum zur Entfaltung.


205 „Was mag die Mission dieser Erkrankung sein? Ihr Angriff richtet sich gegen Gehen, Sprechen, Denken, die spezifisch menschlichen Fähigkeiten, gegen den Menschen als Erdenwesen und gegen dessen Verbindung zur vorgeburtlichen Geistwelt. Erarbeiten diese Kranken nicht, indem sie ihren Kampf um Heilung kämpfen, das Menschsein auf Erden in einer besonderen Weise? Wird von ihnen nicht etwas errungen, was der Menschheit in Zukunft immer weniger selbstverständlich gegeben wird? Wird so die zunehmend versäumte bewusste Pflege des Menschlichen auf andere Weise geleistet?“

Dieser Gedanke erscheint mir nach all den weiteren Zerstückelungstendenzen der analytischen Therapie als etwas Produktives, Unzerstörbares, Weiterführendes der eigenen Entwicklung. Es motiviert und stärkt die innere Mitte des Menschen die ihm, laut Steiner, fehlt, was als innere Leere bezeichnet wird. Er beschreibt, dass sie sich in Atembeklemmung oder ständigen Schmerzen im Herz-Lungen Gebiet äußert, die er als das sogenannte Ätherherz beschreibt. Aus dieser fehlenden Mitte entstehen die schon beschriebenen Spaltungstendenzen, die sich in die Polaritäten von Liebe und Hass, Außen und Innen, Idealisierung und Entwertung zersplittern. Daraus entsteht eine gewisse seelische Hellfühligkeit, die aber, laut Ursula Langerhorst nicht durchdrungen ist von einer ich-gesteuerten Wahrnehmung des Gegenübers, sondern dieses wird passiv-rezeptiv aufgenommen, das heißt, dass eine Borderline Persönlichkeit sich demzufolge allen Schattenseiten und unzulänglichen Persönlichkeitsaspekten ihres Gegenübers vollkommen wehrlos ausgesetzt fühlt und deswegen selber unbewusst reaktiv ihre Eigenen mobilisiert. Diese Mobilisierung beschreibt die sogenannte Fachwelt als das sogenannte „Borderline-Entsetzen“. Wenn ich mich selber mit diesem Thema befasse und derlei Schlagwörter lese wie „Unverständnis, Desinteresse oder Zurückweisung, besonders in seelischen Notsituationen“, oder „drohender oder realer Verlust einer wichtigen Bezugsperson“, oder „Aufdeckung eines erlittenen Missbrauchs“, oder „Missachtung, Verleumdung oder Kränkung des Selbstes durch existenziell wichtige Bezugspersonen“, dann muss ich mich fragen, ob ein sogenannter Borderliner noch wirklich von solchen Schlagwörtern abgelöste, eigene, autonome, reale Gefühlsäußerungen und –Empfindungen durch Schicksalsschläge erleben und äußern darf, oder ob jede seiner Äußerungen sofort und unwiderruflich mit einem Stempel versehen als unglaubwürdig, schemenhaft, zu dieser Krankheit dazugehörend, ohne realen, vor allem aktuellen Hintergrund und nur eingebildet in die Schublade Borderliner geschoben wird. Oder dass er von vorneherein, ehe er einen einzigen Satz zu äußern vermag, mit dem Stempel „HistrionischNarzisstische Persönlichkeitsstörung“ diffamiert wird, weil möglicherweise nur sein Blick und der unsichtbare Stempel auf seiner Stirn dem vermeintlichen Arzt Milliarden Borderline Terminologien durch das Hirn jagen, die jeglicher wahrhaftigen Grundlage entbehren.


206 In der Forschung nach den möglichen Ursachen, die zur Borderline-Erkrankung führen, kann man sogar schon im Vorgeburtlichen bei den Eltern Anhaltspunkte finden. Offene oder auch nicht nach außen getragene Probleme der Mutter sind Störfaktoren in der frühesten Entwicklung, in der das Embryo oder der Säugling noch ganz auf seine menschliche Hülle angewiesen ist. Das Kleinkind nimmt die Diskrepanz zwischen den Eltern wahr, auch wenn diese sich nicht in Anwesenheit des Kindes streiten. Scheidungen, andere belastende Probleme, die in der Familie sich zutragen, wie zum Beispiel ein tödlicher Unfall oder gar Selbsttötung haben ihre direkte Wirkung auf die Kräfte, die den Körper des Kindes aufbauen.

Die normale Entwicklung von Gehen,- Sprechen- Denken hintereinander kann sich dann nicht folgerichtig vollziehen. Statt dass im jugendlichen Alter der Mensch zum Denken erwacht, mit dem es die Welt kennenlernt, tritt ein Fühlen auf, das eine Art Hell-Fühlen ist, mit dem der Mensch innerlich erfährt, was er eigentlich gar nicht wissen kann. Seelische Vorgänge in seiner Umwelt erfährt er innerlich, ohne dass ihm jemand von diesen berichtet. In so einem fehlerhaft aufgebauten Körper kann eine Seele nur fehlerhaft einziehen. Ganz besonders empfindlich ist das heranwachsende Kind in seinem Vertrauensverhältnis zur Bezugsperson. Kommen da Enttäuschungen so kann der junge Mensch keine normale Beziehung zur Umwelt oder auch zu sich selbst entwickeln. Statt seines natürlichen In-Sich-Ruhens braucht er Selbstbestätigung von außen. Das hängt damit zusammen, dass er ein sehr schwaches Gefühl für seinen Körper hat. Wenn er sich schlägt und verletzt ist es nicht Selbsthass, der sich zerstören will, sondern der Wunsch, sich endlich einmal selber zu spüren. Dieser schlechte Zusammenhang mit dem eigenen Körper erklärt auch viele andere Phänomene, an denen ein Borderliner zu leiden hat. Es ist der Grund für erhebliche Krankheiten, die beim Erwachsenen auftauchen. Eine liebevolle tragende Umwelt ist die Vorrausetzung für die Entwicklung des Säuglings. Er selber ist begabt mit den Lebensvorgängen im Leib: Atmung, Wärmung- und Ernährung. In diesen drei Vorgängen setzt er sich mit der Außenwelt (Luft, Wärme, Speise) auseinander. In sich verarbeitet er diese in den Prozessen: Ausscheidung, Wachstum und Erhaltung. Dazu werden ihm noch vier weitere Sinne gegeben, mit denen er die Vorgänge seines Leibes miterleben kann: den Tastsinn, den Lebenssinn, den Bewegungssinn und den Gleichgewichtssinn. Wenn ihn die menschlich tragende Hülle einer liebevollen Familie umweben, dann erhält das Kind die notwendig Stimulans für die Weiterentwicklung seiner Leibesprozesse. Wenn diese Hülle fehlt, fehlt sie ein Leben lang und wird zur beschriebenen fehlenden Mitte. Die, wie ich es einst über Hölderlin beschrieb, in ein immerwährendes inneres und äußeres Heimatlosigkeitsgefühl, sowohl in der Beziehung der Mitmenschen, als auch aller anderen „Säulen“ die man Boden nennen kann, münden.


207 Und so spottet oft nur das scheinbar natürliche Ebenmaß der Züge der inneren Zerstörung, so wie es bei mir erlebbar - und dadurch mein innerer Zustand oftmals nicht wirklich im außen sichtbar wurde. -

Yoram Yovell, den ich schon des Öfteren zitierte, der renommierte israelische Psychoanalytiker, beschreibt die sogenannte Borderline Erkrankung, die mir möglicherweise als ein Mantel umgelegt wurde, um ein Verstehender dieser Zeitkrankheit zu werden, mit folgenden Worten: „Menschen, die an einer Borderline- Persönlichkeitsstörung leiden, bilden sich ein, sie könnten ohne die beständige Gegenwart eines geliebten und sie liebenden Menschen nicht leben. Jedes Mal, wenn sie einen geliebten Menschen verlieren oder wenn dieser sie zu verlassen droht, gleiten sie in eine schwere seelische Krise ab, die tödlich enden kann.“ (…) In ihrem Leben gibt es keine Stabilität, sie stehen immer am Rand des Abgrunds… (…) Diese Menschen sind spontan, ehrlich, äußerst intuitiv, begeisterungsfähig und warmherzig. (…) Wenn traumatische Kindheitserlebnisse auf eine vererbliche Anfälligkeit treffen, (…) dann entwickelt sich unter Umständen eine B. Persönlichkeit. Zu den Erlebnissen, die eine B. Persönlichkeit hervorbringen, gehört sexueller Missbrauch in frühen Jahren. Aber auch weniger brutale Erfahrungen, ein irgendwie gestörtes Verhältnis zu den Eltern (…) reichen aus, um empfindliche Seelen an die Grenzen zu treiben… (…) Man ist vielmehr bestrebt, den Patienten fast um jeden Preis aus den Krankenhausmauern herauszuhalten. Die neueren Behandlungsmethoden werden ambulant in der Praxis des Therapeuten angewandt. (…) Im Umgang mit Borderline Patienten habe ich gelernt, dass Borderliner eine ganz erstaunliche Menschenkenntnis besitzen. Möglicherweise sind sie deswegen bei Therapeuten so unbeliebt, denn oft verrät ihre Intuition ihnen auf Anhieb, ob sie einen guten oder einen schlechten Therapeuten vor sich haben.“ (…) Die expressive Psychotherapie stützt sich auf das Erbe der Psychoanalyse. Sie sieht das Hauptproblem in der Unfähigkeit, eine komplexe und realitätsnahe menschliche Beziehung einzugehen… (…) und zwar mit einem ganz bestimmten Menschen: dem Therapeuten. Eine solche Beziehung müsste auf Ehrlichkeit, Klarheit und gemeinsamer Arbeit am Verstehen und Überwinden der Schwierigkeiten basieren…

Ich habe diese Aussagen hier vorangestellt um zu erläutern, dass ich im Oktober 2014 nicht nur von meinem Hausarzt verraten und im Stich gelassen wurde, dass nicht nur das tragende Fundament meiner Existenz durch fehlende Flüssigkeit unter mir auf einen Schlag zusammenbrach, sondern alle meine menschlichen „Sicherheiten“ und Hilfen, sodass ich im Schnelldurchgang nicht nur einen Flüssigkeitsentzug durchzustehen hatte, sondern die menschliche Abhängigkeit, gerade von meinem Hausarzt, durchtrennen musste.


208 Diese Durchtrennung bewirkte neben Laktatazidosen und schweren Vergiftungen im Körperlichen durch fehlende Infusionen und Flüssigkeit auch lang anhaltende und massive Panikattacke über ein ganzes Jahr. In mir selber blieb nur die Fassungslosigkeit und eine innere Betäubung zurück, die mich fast an jedem neuen Tag in den Abgrund zu stürzen drohten.

Sie hatte den Judasschwur bei der Kriminalpolizei an mir vollzogen, mich immer wieder ans Kreuz geschlagen und nicht ich war es, der vermeintliche Borderliner, der „Verträge brach“, sondern gerade sie, mein Hausarzt, der mich wegen Instabilität, die sie auch immer wieder selber hervorrief, aus sich selbst, aus ihrem eigenen Wesen, mehrfach in die Psychiatrie einwies, ohne zu erkennen, dass ich nur ihr Stellvertreter war. Umso begieriger verschlang ich das Buch des großen israelischen Psychotherapeuten und Arztes Yovell, der so feinfühlig, feinsinnig, wahrhaftig, scharfsichtig mit seinen Patienten umgeht, um ihnen weitere schwere Traumatisierungen und vor allem Vertrauensbrüche zu ersparen, wenn er über seine Borderline- Patientin, die wirklich als ein sehr schwieriger und impulsiver Mensch beschrieben wird, ihn sogar mit dem Messer bedrohte, schreibt, als er sich nach seiner Therapie mit ihr eine Lösung für die Zeit ihres Alleinseins überlegte: „(…) Wäre sie bis dahin nicht am besten in der Notaufnahme des nächsten psychiatrischen Krankenhauses untergebracht, wo man auf sie aufpassen könnte? Doch dieser Schritt würde einerseits ihr Vertrauen in mich tief erschüttern, und andererseits könnte ich nicht sicher sein, dass die dortigen Ärzte mit mir zusammenarbeiten würden….“ Was tat stattdessen mein Hausarzt, als ich einmal mit schweren epileptischen Krampfanfällen und Tachykardie durch den Tavorentzug im Wald lag und sie mich per Hubschrauber abholen ließ, um meiner Pflegemutter, die mich nach Hause mitnehmen wollte, eiskalt zu sagen: „Ja jetzt wollen Sie sie wieder in ihre warmen Arme nehmen“, fehlte nur noch, dass sie das Wort „Schwerverbrecher“ hinzusetzte? Ich habe diese Situation in meiner Biographie beschrieben, die mich mitunter in die Zange der Schluckstörung trieb. Jene „warmen Arme“ gönnte sie mir ganz offensichtlich nicht und sie hatte nicht entfernt das Bestreben, mit den Ärzten in der Klinik auch nur annähernd „zusammenzuarbeiten“, außer ihnen bis weit nach Mitternacht mögliche Kurznachrichten vorzulesen und zu diktieren, die auf meinen angenommenen Suizidwunsch deuteten, sodass sie sogar „alte Kamellen“ auspackte, die Jahre zurücklagen und ihre Schweigepflicht brach, um sicher zu sein, dass man mich dort auch möglichst lange festhalten würde.. Oder dass sie bei meiner ersten Einweisung Augen und Ohren fest verschloss und ihre Verantwortung vollkommen abgab, obwohl sie Kenntnisse von dem „Mord auf Raten“ hatte, der an mir vollzogen wurde. Zudem beruhten ihre verbrecherischen Handhabungen auf einer Fehldiagnose, an der sie sich krampfhaft und krankhaft festhielt und sie immer an die erste Stelle rückte: „Alles psychisch, alles Borderline.“


209 Aller ärztliche Unverstand reiht das ihm Unbekannte in das ihm noch Unbekanntere, aber deshalb Vertraute und somit Bequeme ein, nämlich in die Psyche. Sie ist jene unsichtbare Retterin für diese „wissenschaftlichen“, weil unwissenschaftlichen Halbnarren, wenn ihr Denken nicht über den Tellerrand hinausreicht…

Yoram Yovell: „Wir stehen vor einem schwerwiegenden Problem…(…) Sie können mir nicht glaubhaft versichern, dass Sie sich bis zu unserem nächsten Treffen nicht umbringen. Andererseits wissen wir beide, dass die Behandlung zu Ende wäre, wenn ich Sie zu Ihrem eigenen Schutz in ein Krankenhaus einliefern ließe. Sie würden mir nicht mehr vertrauen.“ Eine solche „glaubhafte Versicherung“ konnte ich immer wieder durch absolut sichere Versprechen geben, die mein Hausarzt durch eigene seelische Untiefen, Vertragsbrüche, Verdrehungen der Wahrheit immer wieder in den Abgrund zu stürzen drohte und stürzte und doch hielt ich meine Versprechen auch wenn sie mein Vertrauen immer wieder mit schweren Eisenstiefeln trat, ihre eigenen Versprechen brach. (…) „Sie haben eine Grundbedingung gestellt: keine Einlieferung ins Krankenhaus gegen Ihren Willen. Wenn ich mich darüber hinwegsetze, werden Sie die Behandlung abbrechen, das ist uns beiden klar. Also stelle ich Ihnen auch eine Bedingung: Ich will nicht, dass die Therapie mit Ihrem Begräbnis endet. (…) Werden diese Vorverhandlungen nicht richtig geführt und schlagen fehl, dann muss der Patient den Preis zahlen – und es kostet ihn unter Umständen das Leben! (…) In diesem ersten Schlagabtausch werden unterschwellig die Spielregeln zwischen dem Therapeuten und dem Patienten abgeklopft und festgelegt: gegenseitiger Respekt, persönliche Aufrichtigkeit, Klarheit über Ziele und Mittel, Fairness und Vertrauen…“

Nun könnte man einwenden, dass mein Hausarzt eben kein Psychotherapeut ist und deswegen treffen diese Spielregeln nicht auf ihn zu, weil er anderen Regeln unterliegt. Dem wäre nichts einzuwenden gewesen, wenn sie nicht versucht hätte, von Anfang an nicht nur den Bauherren, sondern auch den Architekten und jeden erforderlichen Handwerker, vom Flaschner bis zum Glaser in fast größenwahnsinniger Vermessenheit zu spielen, um mich nicht nur, wie ein Psychiater, immer wieder in die Psychiatrie einzuweisen, sondern mein Haus noch auf Sand zu bauen. Wenn sie ferner nicht mit meiner Verletzlichkeit zu spielen begonnen hätte, die sich im und nach dem Tavorentzug nochmals steigerte, um mein Vertrauen zu gewinnen, Versprechungen zu geben, und sie dann eiskalt einfach zu brechen. Sie sagte mir zum Beispiel zu, auf jede Nachricht von mir kurz zu antworten, um dieses Versprechen durch gemeine Verdrehungen der Wahrheit nach kurzer Zeit, ohne Ankündigung oder


210 neuer Verträge, zu brechen, zu schweigen, mich zu ignorieren, um mich in weitere schwere Krisen zu stürzen, weil mit diesem Bruch immer auch meine Flüssigkeitszufuhr darunter leiden musste. Zudem sind die aufgeführten Grundregeln Yovells als allgemeinmenschlicher, zwischenmenschlicher, unerlässlicher Umgang anzusehen, ein „Muss“, um sich einem wahren Menschentum in Wahrhaftigkeit anzunähern.

Diese, ihre Behandlung musste unweigerlich, bei jedem auch gesunden Menschen, der nicht an einer Borderlinestörung oder schweren Muskelerkrankung leidet und nicht in dieser Weise als ich zertrümmert und zerstört wurde, unweigerlich „an seinem Grab enden.“ „Jede Unklarheit der Spielregeln“, so Yovell weiter, „jeder Anschein von Manipulation gilt bei ihnen (Borderline) als weiterer Versuch, sie hinters Licht zu führen und ihr Vertrauen zu missbrauchen. Sie müssen erst einmal am eigenen Leib erfahren, dass der Therapeut aufrichtig und vertrauenswürdig ist. Soll die Behandlung gelingen, müssen die Grenzen klar abgesteckt sein.“

Ich denke, dass diese Klarheit und die abgesteckten Grenzen bei jedem Menschen essentiell wichtig und notwendig sind, insbesondere bei psychisch labilen Menschen. Aber wir wissen ja bereits von Manfred Lütz, dass wir Zuwanderung brauchen, weil 205% der Deutschen an einer psychischen Störung leidet, einschließlich meiner ehemaligen Hausärztin und Lord Stanhope in geballter Form!

Auch bei Autisten ist jene vertrauenswürdige Klarheit ihr Überlebenselixier und genau das konnte und wollte mir meine Hausärztin nicht geben, obwohl sie auch von meinen Freunden nur um diese Sicherheit gebeten wurde. Ihr ungeheuer Stolz und ihr überdimensionaler Größenwahn ließen es nicht zu, sondern zeigten das krasse Gegenteil, um mir im letzten Moment das rettende Seil zu entziehen, um mich zurück in den Ozean zu stoßen. Ein möglicher weiterer Beweis, dass die Diagnose „Borderline“ auf mich nicht zutrifft, weil ich weder zu selbstverletzendem Verhalten neige, außer mit einem ungeheuren Giftcocktail aus Benzodiazepinen und Neuroleptika, damit würde wohl auch ein Dalai Lama fast Amok laufen, noch zu Gewalttaten in der Lage bin, nicht einmal gegen eine Ameise und nicht einmal unter diesem schrecklichen Gebräu. Denn die Statistik besagt, dass 95% aller Amokläufe durch derlei Medikationen und ihre Entzüge erfolgen. Diesen möglichen Beweis liefert Yovell mit folgender Studie: (…) „Die Forschung ist Mechanismen im Gehirn auf die Spur, die gewalttätige Impulse auslösen. Daneben kennen wir Stellen im Gehirn, deren Aufgabe es ist, solche Impulse im Zaum zu halten. Es gibt erste Beweise dafür, dass die Regulierungsmechanismen, die im Vorderteil des Gehirns hinter der Stirn, genau über den Augen, angesiedelt sind, bei Menschen mit einer Borderline- Persönlichkeitsstörung und bei


211 Gewaltverbrechern nicht richtig funktionieren. Diese Erkenntnis hat sich bereits auf die Diagnostik und die Rechtssprechung ausgewirkt.“ Bei den Borderline- Patienten kommt es immer wieder zu sogenannten „Vertragsbrüchen.“ Auch diese kamen bei mir niemals vor, weil ich ein Versprechen unter allen Umständen hielt, sogar im Zustand des Verhungerns. Allerding zeigten sich bei meinem Hausarzt ganz deutlich nicht nur Tendenzen davon, sondern klare Vertragsverletzungen, Behandlungsvertragsabbrüchen in vielen Ausrichtungen und weitreichenden, zerstörenden, lebensvernichtenden Dimensionen. So kann ich mich nur an den großen Psychiater Manfred Lütz halten: „Irre, wir behandeln die Falschen!“

Nur in meiner schweren Lebenslage, in der ich alle Existenzgrundlagen, auch die der Nahrung und Flüssigkeit verloren hatte, wogen derlei Vertragsverletzungen schlimmer als ein Dolchstoß eines hinterlistigen Meuchelmörders mitten ins Herz und haben mich auch seelisch noch weiter ausgehöhlt und zertrümmert, mit schweren, langanhaltenden Panikattacken, inneren Verzweiflungszuständen und der beschriebenen Fassungslosigkeit in der fast unzählbaren Traumatisierung der letzten acht Jahre und überhaupt meines ganzen Lebens, neben der körperlichen Komponente. -


212 Kapitel: Leid und Sorgenorganismus, die Augen – und weitere Entwicklungsstufen- Kaspar ein Hasenfuß? Denn die großen Gewalten sind stärker als der Tag und die Stunde und jedes Wort des Hasses wesenlos gegen das willensgestaltende Werk Stefan Zweig

Wenn sich ein Kind offen und zu einem innerlich und äußerlich freien Menschen entwickeln möchte, so ist es die Aufgabe des Erziehers, der Bezugspersonen und der Umwelt, auf die Lebensrhythmen im menschlichen Leben allgemein und insbesondere auf den sieben Jahres Rhythmus, gerade bei einem Kind, im besonderen sein Augenmerk zu richten, um auch das Spirituelle, Geistige zu pflegen. Unter diesen Voraussetzungen wird der physische Körper im späteren Leben weniger Hindernisse für das Geistige vorfinden, als wenn eine Konstitution geschaffen wird, die möglicherweise nicht dem eigenen Schicksal entspricht, eine Disposition für einen „Leidens – und Sorgenorganismus“, wie ich es noch beschreiben möchte. Denn wenn ein Kind durch das Nerven – Sinnessystem, dem es sich ganz hingegeben alles aus seiner Umwelt in sich aufnimmt und verschließt, keine Reize von außen in keiner Richtung aufnehmen darf, dann muss ein kleiner Kaspar eine Unzahl von lichtvollen, unsichtbaren Engelwesen in den zwölf Jahren seiner Einkerkerung an seiner Seite gehabt haben, um das zu überleben, was wohl kaum ein zweiter Mensch überlebt hätte. Wäre er vor seinem dritten Lebensjahr eingekerkert worden, wäre ihm der Tod sicher gewesen, wie ich es über die Versuche an kleinen Kindern beschrieb. Auch Kaspar befand sich noch in einem Alter der Imitation und Nachahmung seiner Umwelt, in einem Alter der seelischen – geistigen und vor allem physischen Abhängigkeit von seinen Mitmenschen, seinen Eltern, den Erziehern. „Die Welt ist Zahl“ und ebenso ist die Welt Rhythmus und Zahlenrhythmen unterlegen, sogar fest an sie gebunden. Des Menschen Leben und Überleben ist ebenfalls eng mit diesen Rhythmen, gerade dem Siebener Rhythmus, verbunden. Im ersten Lebensjahrsiebt eines Kindes, bis zum Zahnwechsel, der gewissermaßen einen Abschluss eines wichtigen Lebensabschnittes bildet, lebt ein Kind ganz stark in seiner Umwelt, mit seiner Umwelt, ist angewiesen auf diese, angewiesen auch auf die seelisch – geistigen Schwingungen, auch körperlichen Ausdrucksformen seiner Mitmenschen und seien sie noch so subtil, kaum wahrnehmbar. Denn ein Kind besteht fast nur aus dem Sinnes – Nervensystem, sein physisches Auge, sein seelisches Auge lebt von dem ihm umgebenden Licht, auch des menschlichen Lichtes und saugt es mit jeder Faser seines Körpers, seiner Zellen, seiner Seele auf. Das Kind ist im Grunde ganz Kopf, der auch proportional die restlichen Körperhälften im Verhältnis zu den ausgewogenen Proportionen eines erwachsenen Menschen überragt.


213 Im Grunde sind bei einem Kind das einzige, fast überlebensnotwendige Organ seine Augen, mit denen es zum Imitator, zum Nachahmenden der Eindrücke wird, die ihm aus der Umwelt entgegenkommen, vor allem durch die Bezugspersonen. Wenn ihm nun ein Erziehender, ein Elternteil, eine Bezugsperson begegnet, die in ihrer Seele und damit im körperlichen Ausdruck viel Leid und Sorgen in sich trägt, Zwiespalte und Ausweglosigkeiten, so finden diese seelischen und äußeren Belastungen auch in seiner Körperlichkeit seinen Ausdruck. Das Kind nimmt all diese Anzeichen tief in seinen Organismus auf. So gibt es auch das Beispiel eines Kleinkindes, das einen Stoffhasen wochenlang nachahmt, der wie tot, in sich zusammengefallen auf dem Boden liegt. Das Kind zeigt kaum Regungen und Bewegungen, bis die Eltern hinter das Geheimnis der Nachahmung stoßen.

Ein anderer erwachsener Mensch würde diese Anzeichen der Sorge und Trauer seines Mitmenschen möglicherweise nicht bemerken. Ein Kind jedoch, das ganz im Umkreis lebt mit seinem Sinnes – Nervensystem, registriert diese sorgenvolle Stimmung im physischen Ausdruck seiner Bezugsperson durchaus, wie auch ein Tier, als innerliche Geste dieser Wechselwirkung und sie bildet seine spätere Konstitution. Weil es diesen physischen Ausdruck imitiert, erhält es im späteren Leben einen ebensolchen „Leid - und Sorgenorganismus“. Möglicherweise ist dieser Organismus der Sorge in einem Schicksal nicht notwendige Bedingung zur Erfüllung seiner karmisch angelegten Aufgaben und Bestimmungen und entspricht weder seinen Charaktereigenschaften, noch seinem Temperament. Das Kind wird also von Anbeginn hineingestellt in das Dreigestirn wie ich es nennen möchte, von Vererbung, von nachgeahmter körperlicher Folge aus seiner Umgebung der Erziehenden und seiner ureigenen Individualität, wie ich es in meiner Jahresarbeit im Studium der Pädagogik schon zur Ausführung brachte mit folgenden Worten: (…)“ Was wir Genius nennen, hat drei Ursprünge. Der erste ist die Erbanlage, das aus der physischen Entstehung und der Lebenskraft einbeschlossene und getragene Sein. Da sind Temperamente, Seeleneigenschaften, Befähigungen (z. B. Musikalität), teilweise auch nervlich – intellektuelle Dispositionen zu beobachten. Das Zweite ist, was sich aus der Umgebung, den Erlebnissen, dem Zuwenden oder Abwenden anderer Menschen ergibt, auch alles Geschehen, was dem Menschen aus dem Volk, dem er angehört, geschenkt oder auferlegt wird. Alles, was ihm widerfährt, fördernd oder hindernd, Krankheiten, Unglück oder Begnadung. Die wichtigste Wurzel der Wesensbestimmung des Menschen ist aber die ihm von Anbeginn eigene, unteilbare (individuelle), unverwechselbare, höhere Menschenwesenheit, das Ich mit seiner Vergangenheit und Zukunft. Es ist das, was den Tod überdauert und vor der Geburt existiert.


214 Es ist auch imstande, Voraussetzungen der ersten und zweiten Wurzel zu verarbeiten, aus Behinderungen im Schicksal und den Anlagen Positives werden zu lassen und das Gute und Hilfreiche zu steigern, zu vertiefen und zu bewahren.(…)“

Wenn ein Kind zu lange gestillt wird, dann besteht die Gefahr, dass es zusätzlich, neben der Imitation der Umgebung, zu stark in den Erbstrom hineingezogen wird, während das Gegenteil einen Mangel an Lebenskräften bewirkt. Ebenso sind die Milchzähne etwas Vererbtes, das im ersten Lebensjahrsiebt abgestoßen wird, um von eigenem, individuellen ersetzt zu werden, auch wenn die Form im Umriss erhalten bleibt. Die zweiten Zähne stülpen sich gewissermaßen über die Form der erblichen Milchzähne. Dieser Vorgang kann als ein körperlicher Vorgang bezeichnet werden, er ist jedoch ebenso ein seelisch – geistiger.

Die heutige Naturwissenschaft stützt sich nahezu ausschließlich auf die Beobachtungen der Sinneseindrücke als Einzeltatsachen, um den Gesamtzusammenhang aus den Augen zu verlieren, um das Geistige außer Acht zu lassen. Auf diese Weise schenkt sie auch dem rhythmischen System, gerade nach dem siebten Lebensjahr, kaum Beachtung und Bedeutung. Das rhythmische System nimmt Teil am Rhythmus des Herzschlags, an der Atmung, dem ganzen Herz- Kreislaufsystemen -komplex, die niemals ermüden, auch wenn dieser Bereich auch den Schwankungen von Ruhe und Aktivität unterliegt. In diesem Lebensalter der Schulreife tritt das Sinnes – Nervensystem mehr in den Hintergrund, wird von seelischen Wahrnehmungen abgelöst, die mit der Sinneswahrnehmung in Verbindung stehen, aber nicht mehr als Schwerpunkt im Mittelpunkt stehen. –

Der Erfolg meiner Nachhilfetätigkeit beruht auch in einem großen Maße auf der Tatsache, dass ich in meinem Unterricht, trotzdem ich den Stoff der Elementarschule absolvieren muss, das rhythmische System des Kindes in der Weise, selber mehr unbewusst und mehr intuitiv anspreche, dass ich keinerlei Ermüdungserscheinungen wahrnehme und das auch nach mehreren Stunden ohne Pause. Ich habe schon bis zu sechs Stunden bei Schülern am Stück verbracht, ohne dass die Kinder selbst auf die Idee kamen, den Hunger wahrzunehmen. Selbst nach vier Stunden hörte ich von einigen, dass sie es sehr begrüßt hätten, wenn ich noch ein „bisschen länger geblieben wäre.“ Als ich ihnen mitteilte, dass nun schon vier, oder sechs Stunden vergangen seien, sahen sie mich erstaunt an mit dem hellen Ausruf, dass dies nicht sein könne… Die Zeit, das wissen wir, ist variabel im Erleben, also eine subjektive Empfindung in ihrer Objektivität. Wichtig ist auch, wenn ein Kind im 14. Lebensjahr in die Phase eintritt, in der sich die Willensbekundung ihren Weg zur Oberfläche des Bewusstseins wagt im Stoffwechselsystem, nicht mit vorgefertigten moralischen Vorstellungen sein eigenes Urteil der Welt mit derlei Forderungen, wie es auch in den zehn Geboten geschrieben steht, zu überstülpen: „Du darfst nicht, du sollst nicht, das ist gut, das ist schlecht..“ Sondern durch Vorbild zu wirken und durch eigene Taten in ihm seine eigenen moralischen


215 Wertvorstellungen anzulegen. Erst dann kann das Kind, der Jugendliche der Welt als freier Mensch gegenübertreten und folgt nicht dem Abbild, der Kopie und Photographie seiner Eltern.

Trotzdem ich im Jahr 2014 alles verloren hatte, wurde ich geführt und bekam immer im richtigen Augenblick eine Weisung meiner geistigen Führer und Gott, um eine Antwort auf meine inneren Lebensfragen zu erhalten, so auch jene über die negativ ausgerichteten Forderungen meiner Mitmenschen „du darfst dich nicht selber töten“, wie wir es auch im 5. Gebot der Bibel erfahren: „Du sollst nicht töten.“

Wir alle wissen, dass die Konzile furchtbar waren, gerade das Konzil von Chalcedon gilt als das „Verräterkonzil“, wie es auch Dr. Eisenbeiss näher beschreibt, in der eine göttliche Welt nichts mehr verloren hat. In dem nicht ein einziges Dogma richtig ist, weil die Grundlage nicht aufgearbeitet wurde und unzählige Radierungen zu immer größeren Verfälschungen führten, gleich dem Dominoeffekt. Wenn Paulus sagt: „Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehöret was Gott jenen bereitet, die ihm dienen“, so wissen auch wir nicht, was uns erwartet, wenn wir ihm ein Leben lang gedient haben und unser Lebenshaus immer und immer wieder zum Einsturz gebracht wurde. Und so erlebe ich auch gerade in dem fünften Gebot „du sollst nicht töten“ eine große Verfälschung, weil bekannt ist, dass das Unterbewusstsein, das stärker und mächtiger ist als unser Tagesbewusstsein, keine negativen Formulierungen aufnehmen und verstehen kann und dies muss auch Goethe erlebt haben, wenn er in seinen „Wahlverwandtschaften“ den Herrn Mittler sagen lässt: …dass sowohl bei der Erziehung der Kinder, als bei der Leitung der Völker nichts ungeschickter und barbarischer sei als Verbote, als verbietende Gesetze und Anordnungen. Der Mensch ist von Hause aus tätig, und wenn man ihm zu gebieten versteht, so fährt er gleich dahinterher, handelt und richtet aus. Ich für meine Person mag lieber in meinem Kreise Fehler und Gebrechen solange dulden, bis ich die entgegensetzte Tugend gebieten kann, als dass ich den Fehler loswürde und nichts Rechtes an seiner Stelle sehe… (…) Der Mensch tut recht gern das Gute, das Zweckmäßige, wenn er nur dazu kommen kann. Wie verdrießlich ist es mir oft mit anzuhören, wie man die 10 Gebote in der Kinderlehre wiederholen lässt. (…) Nun aber das fünfte Gebot, was soll man dazu sagen: „du sollst nicht töten“. Als wenn irgendein Mensch im mindesten Lust hätte, den anderen tot zu schlagen. Mann hasst einen, man zürnt einem und im Gefolge von dem und manchem anderen kann es wohl kommen, dass man gelegentlich einen tot schlägt. Aber ist es nicht eine barbarische Anstalt, den Kindern Mord und Totschlag zu verbieten? Wenn es hieße: Sorge für des anderen Leben, entferne, was ihm schädlich sein kann, rette ihn mit deiner eigenen Gefahr, wenn du ihn beschädigst, denke, dass du dich selbst beschädigst.


216 Das sind Gebote, wie sie unter Gebildeten, vernünftigen Völkern statthaben und die man bei der Katechismuslehre nur kümmerlich in dem Vasisthas nachschlägt… Ferner sagt er: (…) „Sich mitzuteilen ist Natur, Mitgeteiltes aufzunehmen, wie es gegeben war, ist Bildung. Niemand würde viel in Gesellschaften sprechen, wenn ihm bewusst wäre, wie oft er die anderen missversteht. Man verändert fremde Reden beim Wiederholen nur darum sosehr, weil man sie nicht verstanden hat“.

Unter diesen Vorzeichen, die sich mir gerade in dem Jahr meiner Flucht, meinem 40. Lebensjahr mehr und mehr zu entschlüsseln wussten durch höhere Führung und meiner inneren Wachheit, Offenheit und feinem Gehör, kehrte im Laufe der Monate, trotzdem gesundheitliche und menschliche Stürme weiter wüteten, eine innere Ruhe und ein leiser Friede in meiner Seele ein, die mir offenbaren wollten, dass ich auf dem richtigen Weg war und trotz aller Zerstörung geblieben bin, wie es sich auch im Mai des kommenden Jahres noch mehr als deutlich zeigen sollte. Ich habe mich nicht auf ihre dunklen Irrwege begeben, sondern bin meinem Stern unermüdlich gefolgt. -

Wie hat sich nun diese Entwicklung zur Menschwerdung in meinem Leben, oder im Leben von Kaspar vollzogen? Welche Sorgen, Nöte, Depressionen meiner Erzieher, hat meine Konstitution eines „Leid und Sorgenorganismus“ geprägt, welche Spuren haben die Zerstörungen von Anbeginn meiner Erdenlaufbahn in meiner Seele, in meinem Körper hinterlassen, die möglicherweise karmisch nicht zu meinem Schicksal gehören und wenn doch, in welcher Weise vermochte sie mein Geist, meine Seele bis zu einem gewissen Grad sublimieren? – Im „Nerven – Sinnesbegegnen“ mit meiner Umwelt, insbesondere mit meiner Mutter hat sich ganz evident ein „Angstorganismus“ in meiner Konstitution herausgebildet, den ich schon in meinem dritten Lebensjahr, wie ich es beschrieb, selber erlebte. Sicherlich, aber das erfuhr ich erst nach 40 Jahren Lebenszeit, hatte meine Muskelerkrankung auch ihren Anteil daran, dass sich die Angst meines rhythmischen Systems bemächtigte, weil auch die Atmung, die Lungen betroffen sind, selbst der Herzmuskel.

Als mir meine eigene Existenz bewusst wurde, als ich das erste Mal ohne Windeln im Garten stand und zu wissen glaubte, „was diese Welt im Innersten zusammenhält,“ da wusste und ahnte ich, was mich im Laufe des Lebens noch erwarten sollte. Meine Mutter jedenfalls bestand zum Zeitpunkt meiner Geburt aus einem Konglomerat von unzähligen Ängsten und Lebensängsten. Sie hielt einen Mann nach dem anderen umklammert, um festzustellen, dass sie niemanden wirklich halten konnte und niemand sie zu halten bereit war. Das mag sie bewusst und unbewusst auch auf meine Seele übertragen haben. –


217 Nun handelt es sich bei einem solchen Organismus nicht unbedingt um kreatürliche Angst vor realen Gefahren, denn die zeigte sich bei mir nicht entfernt. Im blinden und naiven Vertrauen in das Gute in der Welt und in den Menschen, rannte ich in jede Feuersbrunst, ging ich mit jedem Menschen freiwillig, ohne Misstrauen mit, ein geeignetes Objekt für eine Entführung also, schluckte ich jede Pille und ließ mich auch nach der zehnten zerschmetternden Erfahrung nicht abschrecken, dieser Angst wieder zu begegnen, um zu möglicherweis zu erlösen. Oder weil ich schlichtweg nicht glauben konnte, dass homo homini lupus, der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. So zeigte auch Kaspar keinerlei Angst vor derlei Gefahren, wie es sich auch mit der Kerzenflamme zeigte. Natürlich hatte er auch keine Begriffe und Vorstellungen vom Feuer und dennoch zeigte sein Wesen im Grunde keine Ängstlichkeit.

In meinem 9. Lebensjahr traten immer wieder Erinnerungen an die Kerkerzeit an meine Seele heran, auch in meinen Träumen. Erst heute weiß ich, dass sie nicht nur aus der Luft gegriffen und dass Träume nicht immer nur Schäume sind. Der Nachklang der möglichen Lebensabrisse zeigte mir jedoch, dass Kaspar in seinem Kerker auch gelitten hat, trotzdem er dort in Sicherheit und angeblich keine Begriffe von sich und der Welt hatte. Und wieder stelle ich einen Bezug zur Anamnesis von Platon her, weil ich durchaus eine Schmerzerinnerung empfinde und ebenso ein Gefühl der Leere, der Hoffnungslosigkeit, wie sie mich nochmals in meinem knapp zweiten Lebensjahr einholte, als ich ganz sicher zu wissen glaubte, „was diese Welt im Innersten zusammenhält,“ die mit Angst verbunden waren, ohne dass ich diese Angst definieren konnte. Unerklärliche, unbestimmte Angst und doch vermutlich begründet. Ich denke, dass Kaspar in seinem Kerker nach jeder Opiumvergabe immer einen kleinen Entzug davon machen musste, der sich in sein ewiges Gedächtnis gebrannt hat, um ihn noch einmal in einer anderen Zeit in ganz anderen Dimensionen durchstehen zu müssen, vor allem mit einer Substanz, welche die des Opiums an Schwere und Dauer noch bei weitem übertraf. Opium ist vergleichbar mit Heroin. Ein Heroinentzug dauert maximal eine Woche mit teilweise schweren Symptomen von Angst, Zittern, Unruhe, Schlaflosigkeit, Muskelschmerzen. Ein Tavorentzug ist mit keinem noch so schweren Drogenentzug vergleichbar.

In Kaspars Wesen vollzog sich im Laufe der fünf Jahre seiner Freiheit in Nürnberg und Ansbach eine Wandlung: Durch seine „Neugeburt“, oder überhaupt Geburt in seinem 16. Lebensjahr, in dem er gewissermaßen unsanft in die Welt geworfen, geschleudert oder katapultiert wurde, musste er sich wie ein Kleinkind in seinem zweiten Lebensjahr erleben, das schon einige Worte verstehen und auch sprechen kann, das sich jedoch in der Welt der Gefahren erst zurecht finden muss, indem es auf die heiße Herdplatte fasst, um schmerzhaft zu lernen. Seine Unerschrockenheit und Furchtlosigkeit gegenüber derlei Bedrohungen mussten somit durch Erfahrungswerte relativiert und in die richtige Kategorie eingeordnet werden, in dem sich Begriff an Begriff zusammenfügte im Zusammenhang mit seinen Erlebnissen.


218 In späteren Jahren galt er als „Hasenfuß“ und auch hier wurde das Paradoxon nicht erkannt, dass ein sogenannter Feigling, denn nichts anderes bedeutet diese Übersetzung, ganz sicher nicht in der Lage ist, sich mit einem Banditendolch eine 15 Zentimeter tiefe Verletzung in sein Herz zuzufügen. Wenn er als Angsthase seinem Leben hätte ein Ende bereiten wollen, dann wählt er sicherlich den „Frauentod“ und ertränkt sich sanft in den Fluten, oder schluckt Tabletten, um ebenso sanft auf immer einzuschlafen, als dass er als Heros in die Geschichte eingeht, auf die Gefahr hin, dass er daneben sticht und den Versuch überlebt. Es ist kaum vorstellbar, dass sich ein Mensch, der kaum metallene Gegenstände in den Händen zu halten vermag, ohne dass sie zu zittern beginnen, oder dass er das Mordwerkzeug aus Schwäche herunterfallen lässt, zu einem solchen Stoß in der Lage ist.

Passend zu dieser Situation, auch der unberechtigten Unterstellung und Anklage in die falsche Richtung, möchte ich einen Auszug aus meiner Biographie des 21. Jahrhunderts hier veranschaulichen: Eine vergleichende Analogie zu dem „Ausnahmezustand“ durch meinen Suizidwunsch lässt sich wiederum in der Geschichte finden: Ich werde durch das Medikament Tavor in einer Weise zugrunde gerichtet, dass meine Lebensfreude, meine Begeisterung für die Schönheit und den Reichtum dieser Welt, die jeder meiner Freunde umfassend bestätigen kann und bestätigt hat, auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum zusammenschrumpfte. Es wurde mir noch der Glaube an den letzten göttlichen Funken entrissen und mit ihm der Wunsch nach Erlösung, auf ein irdisches Ende der Qualen vermehrt, um ihn auf ein absolutes Maximum zu steigern. Für diesen Wunsch wurde ich anschließend angeklagt, ich habe nur Suizidgedanken gehabt, die jedes Verbrechen an mir rechtfertigen, jeden Mord, jeden Seelenmord. Denn ich hätte dadurch, durch jene Handhabung tatsächlich unschuldig zum Selbstmörder werden können.

So finden wir auch im Schicksal von Kaspar Hauser dieselbe paradoxe Handhabung in Form von Gewalt und anschließender Anklage: Er wird mit fast 18 Jahren das Opfer eines Mordversuches, als er nach 12 - jähriger Gefangenschaft zu lernen, zu lesen, schreiben, sprechen und zu begreifen beginnt, um immer deutlichere Tatsachen seiner Vergangenheit im Kerker im Gedächtnis aufzuspüren und zu erfassen, aufzugreifen. Um sie, wie er es vorhatte, in einer Autobiographie nieder zu schreiben. Der Mordanschlag, den er überlebte, erzeugte in ihm begründetermaßen eine tiefe Angst vor derlei Gewaltausübungen. – Diese Mörder versuchten ihn anschließend, vor allem nach seinem Tode anzuklagen, er habe jene Gewalt gegen sich selber gerichtet, also einen Suizid begangen, - um ihre eigenen Gräueltaten zu verwischen, sie hinter der Anklage gegen ihn – und seiner offensichtlichen Unschuld zu verstecken.


219 Wie durchschaubar und armselig, weil unlogisch, unklug und unterbelichtet, wie ich es einst schon beschrieb, muten diese beiden sehr kongruenten Vorgehensweisen an. Irgendeine Gefahr, so wurde es allen deutlich, muss ich für diese Handlanger darstellen, wie auch K. Hauser für die im Hintergrund wirkenden Verbrecher eine Gefahr darstellte, als er beschloss, alles Erinnernde in seiner Autobiographie niederzulegen. Verbrechen wider den Geist wurden hier begangen. – Und so schreibt Castellio gegen jene Verbrechen wider den Geist: „Gib jedem, wie der heilige Paulus es verlangt, das Recht zu reden und zu schreiben und bald wirst du erkennen, wie viel die Freiheit, einmal vom Zwange erlöst, auf Erden vermag!“

Weiterer Auszug aus meiner Biographie. Und wieder findet sich auch an dieser Stelle eine Analogie zum erwähnten Kaspar Hauser Schicksal: Um ihn als möglichen Betrüger und Lügner, er habe seine Kerkerzeit nur erfunden, um sich wichtig zu machen, anklagen zu können, ihn vor der Welt unschädlich zu machen, unglaubwürdig in seinen Erinnerungen, welche er in seiner Autobiographie niederlegen wollte, wurde er aus der wunderbaren menschlichen Konstellation seiner fünf Trabanten, bei denen er sich annähernd frei entfalten durfte, nicht nur im Intellektuellen, sondern im Seelisch- Geistigen, herausgerissen. Er kam in die Obhut eines Lehrers, der ihn in seiner Seele nicht verstand und verstehen wollte. Er arbeitete wohl ganz bewusst mit den Gegenkräften zusammen, die ihm unentwegt Lügen unterstellten, Kaspar rein auf der intellektuellen Ebene förderten, um ihn fast barbarisch zu fordert und zu foltern. Auf diese Weise verkümmerte seine Seele. Nun hatte Kaspar nicht nur eine physische Einkerkerung ertragen zu müssen, nicht nur einen Mordanschlag, also reale Lebensgefahren, sondern auch eine seelisch – geistige Einkerkerung, um dann von Seiten seiner Feinde die Folgen jener, im tiefsten Sinne unpädagogischen Misshandlung gegen ihn zu richten, der Welt seine Verderbtheit scheinbar zu beweisen, ihn auf den einzigen und einsamen Nenner eines Lügners und Betrügers herabzustufen. Natürlich musste er unter diesen Umständen immer wieder lügen, um seine Seele zu retten.

Man manipuliert die Ursachen in negativer Richtung, erzeugt damit ebensolche Wirkungen und bekämpft und dämpft sie mit Schimpf und Schande. Wie auch in meinem Fall: „Sie waren aggressiv, suizidal, haben sich unentwegt geschnitten...“ Aber warum? Ich wünschte, ich könnte in diesem Zusammenhang an die „Trägheit des Herzens“ glauben, wie sie auch Jakob Wassermann als Titel für seinen Roman über das Verbrechen an dem Findelkind Kaspar Hauser gefunden und geprägt hat. Es würde mir die Zerstörung an meinem Seelenleben und damit auch an meinem Körper, an meinem ganzen Leben erleichtern.


220 Denn eine Trägheit des Herzens geht immer mit Unwissenheit und Unvermögen, im Grunde auch Ignoranz und Willenlosigkeit einher und auch wenn ein Verbrechen oder eine Tat dadurch nicht entschuldbar wird, so entsteht in der eigenen Seele ein leise Regung, die ich „Verständnis oder Verzeihen“ nennen könnte, auch und gerade als Opfer. Darin liegt eine Kraft, eine große seelische Qualität. Doch weder das Verbrechen an Kaspar Hauser, noch das Verbrechen an meinem Seelenleben entstand aus Unvermögen, Unwissenheit und der Trägheit des Herzens, wie ich es fühle und denkend zu durchdringen versuche, sondern genau aus dem Gegenteil. Eine hohe Intelligenz, sei es durch die Einwirkung und Fremdbestimmung eines geistigen Wesens, oder eigener menschlicher Abgründe, verfolgte einen gut durchdachten Plan der systematischen Zerstörung, unter Missachtung der Menschenrechte, der Menschenwürde, unter Missachtung aller Regeln und Gesetze im Menschlichen und Medikamentösen… Wie verhielt es sich nun mit dem möglichen „Leid- und Sorgenorganismus“ in Kaspars kurzer Kindheit, wohl auf Schloss Beuggen in wahrscheinlich liebevoller Obhut der Familie Blochmann? Sie hatten ihr eigenes Kind vermutlich geopfert, um einer höherer Stellung wegen. Sind solche Menschen Liebe zu verschenken in der Lage, oder zeigte es sich, dass Unwahrhaftigkeit der Umgebung im Organismus eines kleinen Kindes in späteren Jahren Nervosität erzeugt, krankhafte Überreizung der Nerven?


221 Kapitel: Die Lunge- das Kommunikationsorgan –die fast tödliche Lungenentzündung Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; jenes bedrängt, dieses erfrischt; so wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich preßt, und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt! Johann Wolfgang von Goethe

Eine weitere, für meine Begriffe sehr interessante Folgeübereinstimmung mit dem Schicksal von Kaspar und meinem, ist die Lunge. Die Lunge ist das Kommunikationsorgan sagte mir ein weiser chinesischer Arzt vor einigen Jahren und ich möchte darauf nochmals umfassend Bezug nehmen. Als ich genau 3 ½ Jahre alt war, bekam ich Anfang März eine schwere Lungenentzündung, die über drei Wochen weder in einer Klinik, noch von meinem Hausarzt erkannt wurde. Meine Mutter wurde unentwegt mit dem Ratschlag: „Geben Sie ihr Kamillentee“, wieder nach Hause geschickt um mit Erschrecken festzustellen, dass ich zunehmend höheres Fieber bekam, nur noch röchelte, nichts mehr trank und aß, um im allerletzten Moment die Praxis des Kinderarztes zu betreten mit der Aussage: „Ich verlasse diese Praxis nicht eher, als bis Sie mir sagen, was mit meinem Kind los ist!“ Panisch schickte der Arzt alle Menschen im Wartezimmer nach Hause, wie mir meine Mutter berichtete, schloss die Praxis, er hatte wohl erkannt, dass es sich um eine „Lungenentzündung im Endstadium“ handelte. Und so war es auch. Am 17. März 1978 holte er mich aus der Unterwelt, dem Hades wieder zu den Lebenden, genau 12 Tage vor unserem schweren Autounfall, der mich nochmals weit zurückwerfen und mir auf einen Schlag alles entreißen sollte: Meine Familie, mein zu Hause, meine inneren und äußeren Entwicklungsschritte, alles.

Kürzlich las ich einen sehr interessanten Vergleich: Jemand verglich die Beschreibung einer Krankheit mit der Beschreibung eines Theaterstück bei der nur die Maße der Bühne, die Beleuchtungsstärke, die Menge des Stoffes für die Kostüme usw. beachtet wurden, nichts weiter.

Man pflegt heute auch weitgehend die Beschreibung einer Krankheit ihren äußeren Symptomen nach unter mehr oder weniger quantitativen Gesichtspunkten zu erstellen. So bekämpft man heute auch nur die Symptome, ohne zu ihren Ursachen vorzudringen und diese zu heilen. Allerdings um diese Ursachen heilen zu können, muss man sogar noch weiter vordringen, durch die körperlich- physische Schicht hindurch in die geistig – seelische Ebene. Hier befinden wir uns in einer Welt, in der unser wahres menschliches Wesen lebt, aus der das Physisch – Körperliche sich erst heranbildet, die Plato zum Beispiel die Welt der Ideen nennt, die hinter allem sichtbaren Sein sich verbirgt.


222 So bilden sich die Krankheiten des Menschen da heraus, wo das Seelisch – Geistige in Einseitigkeiten und Defizite gedrängt ist. Bewusstseinsarbeit ist dann der erste Schritt zur Heilung. Und das wird mit der esoterischen Medizin angestrebt. Die Krankheit als „Sprache der Seele“ zu verstehen ist ihr Ansatzpunkt. Das Problem eines kranken Organs findet seine Lösung in der Heilung der Seele. Dann hat es auch Sinn, auf der Ebene des Körperlichen medikamentös tätig zu werden so wie das Theaterstück dann eben auf einer Bühne mit Kostümen aufgeführt werden muss. –

Ob ein 3 ½ jähriges Kind diese, seine Körper und Seelensprache versteht, ist mehr als fraglich. Auch hier gilt: Die Umwelt, die Umgebung muss begreifen, das Schicksal des Kindes tief erfassen und damit das eigene, Schicksalszusammenhänge verstehen lernen. Und wenn der rote Faden in meinen Horoskopen erkennbar wird, so ist es die Kommunikation in Wahrhaftigkeit, der verbale Austausch, auch der nonverbale, der einem Kind gerecht wird, der für mich im Speziellen die essentielle Grundlage meines Lebens bildet. Meine Eltern hatten sich getrennt, ich habe in meinem dritten Lebensjahr den tiefen Schmerz meines leiblichen Vaters wahrgenommen. Ich habe erlebt, wie meine Mutter mit meinem zweiten Vater von einem Kaufhausparkplatz wegfuhr und meinen leiblichen Vater dort in Tränen zurückließ. Ich wusste auch da, dass ich ihn nie mehr wiedersehen würde. Es fand kein Austausch statt, meine Kinderseele schrie und weinte, ohne dass es meine Umwelt wahrnahm. Nach dieser Trennung sank meine Mutter in eine tiefe Depression und war nicht mehr in der Lage, uns zu versorgen, auch mit menschlicher - mütterlicher Wärme. Sie träumte ihren Unfall drei Mal, wie ich es bereits beschrieb. Ich sah ihn in hellsichtiger, hellfühlender Vorausschau Anfang März 1978: Im Jahr des sich wiederholenden 33 Jahres Rhythmus nach Kaspar Hausers Geburtsjahr, in meinem 3 ½ Lebensjahr. Meine Seele versuchte zu schreien, ein Hilfeschrei vor dem Untergang, aber er wurde überhört, übergangen, ignoriert.

Das Thema der Lunge ist also Kontakt und Kommunikation. Sie ist für Gasaustausch und die Sprachbildung verantwortlich, die auf der Modulation des Ausatemstromes beruht. In der Entzündung somatisiert sich das Thema Konflikt. Meine Mutter hatte Augen und Ohren verschlossen, obwohl sie mich immer als einen Seismographen bezeichnet hat, der alles schon von vorneherein wahrzunehmen in der Lage war. Obwohl sie mir sagte, dass sie nach meiner Geburt, als sie mich in den Armen hielt, wahrzunehmen glaubte, sie habe einen „Menschheitsführer“ geboren und müsse selber wachsen und reifen, um mir gerecht, um mit mir Schritt halten zu können. Vielleicht fühlte sie auch, dass sie „nicht Schritt halten konnte“, denn eine Depression spricht auch ihre eigene Sprache und Seelensprache. Und damals überhörte sie alle Anzeichen, die auf fehlende Kommunikation in jeder Hinsicht deuteten. Um auch ihre eigene Depression, die auf eine Verkrampfung der Seele weist, gewissermaßen auf eine Unterversorgung des Geistig – Seelischen mit wichtigen Nährstoffen wie Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit im


223 Umgang mit den eigenen Gefühlen und Fehlern, ebenfalls auszublenden. Um sich nicht mit der Trennung von meinem leiblichen Vater wirklich und wahrhaftig auseinander zu setzen.

Ich spreche hier nicht von einer Depression, die durch einen Mangel im Gehirnstoffwechsel entsteht, oder durch äußere Zerstörung, wie ich sie beim Tavor erleben musste, oder seinen Folgeerscheinungen, wenn die eigenen Kräfte, das Potential, die Energien nicht mehr zur Verfügung stehen oder ausgebremst werden und ebenfalls mit zerstört wurden, aus dem Gleichgewicht geraten. Ich spreche hier auch nicht von Verlust und Schicksalsschlägen, Traumatisierungen, die die Seele ins tiefste Mark erschüttern, sondern aus eigenen Fehlern inaugurierte Depression, in völliger Bewusstseinsklarheit und Wachheit, die, wenn sie nicht als solche erkannt und korrigiert werden, sich einen eigenen Weg zur Seele bahnen, sie lähmen und ausschalten. Meine Mutter war immerhin so ehrlich zu sich selber, dass sie sich eingestehen musste, ihr Leben selber durch eigene Fehler aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben. Ihr Unterbewusstsein, ihre Seele wollte Aufmerksamkeit der Umgebung, wollte die Schreie ihrer Seele hörbar werden lassen, die sich eingekerkert fühlte und sie war sich sicher, ihre Seele habe sich den Unfall selber ausgesucht, um unbewusst dieses Ziel zu erreichen. Dabei hörte sie meine inneren Kinderschreie nicht, die sie vor dem anstehenden Unglück warnten. Sie hörte nicht die Sprache meiner schweren, fast tödlichen Lungenentzündung unmittelbar vor unserem Unfall. Sie hörte nur noch das Schluchzen ihrer eigenen Seele, die in schwerer Depression auch im Ungewissen zwischen Leben und Tod hing. Um meinen eigenen inneren Erkenntnisweg hinsichtlich der Lunge und seiner Funktion weiter auszubauen, um den Beginn der Kerkerjahre von Kaspar im selben Lebensalter meiner sehr schweren, fast tödlichen Lungenentzündung mit 3 ½ Jahren, besser zu verstehen - muss ich einen kleinen, aber bedeutenden Abstecher in die anthroposophische Weltanschauung Rudolf Steiners wagen. Es ist notwendig, die Lungenfunktion auch in Anbindung an den Kosmos, den Planet Merkur und seine Aufgabe zu verstehen. Die Lunge, die sich im Austausch mit der Welt als das verbale und nonverbale Kommunikationsorgan zu interagieren darstellt :

Die anthroposophisch orientierte Menschenkunde und somit die Medizin basiert auf der Einsicht, dass der sichtbare, physische Mensch durchdrungen ist von einer ätherischen Hülle, einer seelischen Hülle und einem bewussten Wesenszentrum, dem Ich. Diese durchdringen sich, bildend, ergänzend und aneinander schaffend. Erklärung zu den Begriffen physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich:

Der physische Leib ist unser sichtbarer Körper aus irdischen Substanzen, wie er im Mutterleib gebildet und nach dem Tode zu Grabe getragen wird und sich mit der Mutter Erde zu Erde verbindet.


224 Der Ätherleib, auch Lebensleib genannt, ist der Träger der Lebenskräfte, die den physischen Leib lebendig machen. Er gestaltet auch als „Baumeister“ den Körper in seinen Formen, bewirkt Wandlungen und Entwicklungen, chemische Prozesse und somit auch Heilungen. Er hält die Erinnerungen fest und die erworbenen Fähigkeiten. Möglicherweise könnte man ihn als die unsichtbaren 21 g bezeichnen, um die ein Mensch leichter wird, wenn er über die Schwelle des Todes gegangen ist. Diese 21g werden als

sogenannte

„Gravitationsanomalien“ bezeichnet, wie ich es noch in meiner Ausführung über „Bewusstsein“ beschreiben möchte mithilfe des Physikers und Chemikers Klaus Volkamer. Der Astralleib ist der „Sternenleib“, er trägt die menschliche Seele in sich mit ihren Gefühlen, Wünschen, Begabungen in das Licht und die Finsternis, in die Liebe und oder in den Hass. Das Ich wird von den drei Leibern getragen und es kann sie auch wiederum von oben regieren, wie der Wagenlenker. Er ist Geist, der sich im Denken erlebt.

Die physischen Organe sind deshalb auch speziell geprägt im ätherischen, astralischen und im Dienste des Ich. Weitere Gesichtspunkte ergeben, dass, mit dem Kosmos und speziell den Planeten des Sonnensystems, ätherisch- astralische Kräfte mit denen des Menschen in Verbindung stehen. Auch irdische Substanzen, wie z.B. die Metalle haben einen Wesensbezug zu den Planeten und den Tierkreisregionen und somit werden sie in der Medizin zur Heilung der spezifischen Organe angewendet.

Die Lunge Mit dem ersten Atemzug zieht der Mensch in seinen Körper ein. Das ist der eigentliche Geburtsmoment. Intensiver als bei der Nahrungsaufnahme der Magen, lässt die Lunge die Außenwelt in den menschlichen Körper herein. Das zeichnet sie vor allen anderen Organen aus. Wie alle Organe des Körpers prinzipiell Beziehungen zu den Kräften im Kosmos – Planetenspezifische Kräfte – haben, die sowohl im Seelischen wirken, als auch durch die Metalle, die den einzelnen Planeten und einzelnen Organen verwandt sind, auch im Physischen Erscheinungsformen haben, so hat auch die Lunge ihre ganz bestimmten Kräftebeziehungen zu den Planeten, zu den anderen Organen des Menschen, zu den verschiedenen Schichten der menschlichen Leiblichkeit, speziell zu den Astralkräften der Seele. Man könnte sagen das sind die Kräfte, die die Seele und die Sternenkräfte gemeinsam haben. Es lassen sich die Menschen direkt daraufhin ansehen, bei welchen Fähigkeiten und Tätigkeiten sie mit welchem Organ als Lebenszentrum leben und wirken. So kann man den „jungen Menschen“ folgendermaßen kennzeichnen:


225 Feingliedrigkeit und Sensibilität zeichnen ihn aus; mit der Leichtigkeit der Luft können diese Menschen schwärmen und träumen, aber wie im Wechsel von Ein -und Ausatmen können sie sich in übertriebener Gewissenhaftigkeit versteifen und in die Schwere der Resignation und Depression sinken. Eben noch in der Leichtigkeit lebend, fällt ihre Seele in die Schwere.

So wie die Lunge den ganz besonderen Kontakt zur Außenwelt hat, in dem sie Außenwelt in Form von Luft in sich hereinsaugt, so ist der Lungenmensch geprägt von bewusstem Erleben der Außenwelt und damit hängt zusammen, dass Umweltangst ihn tief ergreifen kann. Die Luft ist sein Element, das polare Element ist die Erde. Diese Schwere und Festigkeit des Erdelementes ist seine negative Herausforderung. Im Prinzip kann man sagen, der Lungen- Atemprozess, ist der Prozess des Ineinanderschwingens von Verdichten und Auflösen und im Großen gesehen ist er der Prozess des Schwingens zwischen dem geistigen Menschenwesen und seiner stofflichen Körperlichkeit. Interessanterweise kann der Rhythmus des Atems, der in der Regel ganz unbewusst verläuft, wie eigentlich jedes Arbeiten eines unserer Organe, doch bewusst und willkürlich vollzogen werden. In das harmonische Schwingen greift man dann ein und es kommt zum störenden Festhalten und gleichzeitig zum Zerreißen des großen Zusammenhanges. Andererseits kann bei einer zum Beispiel gefühlsbedingten Disharmonie des Atems ein bewusstes, ruhiges, tiefes Atmen die Harmonie wieder herstellen. Sehr stark und jeden Moment lebendig, wirkt das Gefühl in den Atem hinein. Jede Gefühlsnuance verändert den Rhythmus des Atems und Atmens. Aber man weiß ja auch, dass das Gefühl auf den Herzschlag wirkt. Es haben Herzschlag und Atemrhythmus eine starke Beziehung zueinander. Aus dieser Beziehung kann der Gesundheitszustand eines Menschen ermittelt werden. Das reguläre Verhältnis zwischen Herzschlag und Atmung ist 1:4. Die Lunge ist das Organ, durch das sich der Astralleib mit dem mittleren, rhythmischen Menschen verbindet. (Durch die Niere verbindet er sich mit dem unteren Stoffwechselpol, durch die Nerven und Sinnesorgane mit dem oberen Bewusstseinspol). Der Astralleib wirkt hier eine Stufe weniger abhängig bzw. freier von organischen Prozessen als bei der Niere. Sympathie und Antipathie werden hier bewusster erlebt und übertragen sich sofort auf die Atmung. Der Atemrhythmus bildet die physiologische Basis unserer Gefühle. Und jedes Gefühl verändert die Atmung. Während das innere, unbewusste Erleben von der Niere stammt, kommt das mehr bewusste Erleben der Außenwelt über die Lunge.


226 Der Atemrhythmus vermittelt seine Eindrücke durch die Schwankungen der Rückenmarksflüssigkeit bis ins Gehirn. Eine letzte Steigerung der äußeren Sinneseindrücke sind die oberen Sinnesorgane, die auch als ein verfeinerter Atmungsprozess verstanden werden können.

Der Lungenmensch hat ein feingegliedertes Seelenleben und reagiert sehr sensitiv. Es ist empfindsam wie die Schleimhäute seiner Atemwege. Er steht in der Polarität zwischen Außenwelt bzw. Auflösung und Schwere bzw. Verdichtung. Mit übertriebener Ordentlichkeit und Gewissenhaftigkeit reagiert er oft auf die Anforderungen der Außenwelt. Dies bildet dann die Basis für depressive Verstimmungen und die Grundlage eines melancholischen Temperaments. Dabei senkt sich auch eine Art Verdunklung der Gemütslage bis in das Lebersystem. Dieses dominiert hier aber erst, wenn es zu der ausgewachsenen Krankheit Melancholie kommt.

Bei

Melancholie

(schwarze

Galle)

dominiert

das

Feste

das

Seelenleben.

Die Angst des Lungenmenschen ist eine Umweltangst, die vielen Einwirkungen der Umwelt gegenüber empfunden wird. (Beispiel Heuschnupfen, Asthma) Grübeln und Reflektieren können in Schwärmerei und Wunschträume umschlagen. Das kann sanguinische Züge haben, woran dann die Niere beteiligt sein dürfte. Dabei fehlt beim Lungenmenschen aber der elementare (Luft-) Charakter, während beim Nierenmenschen nicht die ausgeprägte Überempfindlichkeit da ist. Krankhafte Neigungen hier bestehen zu Überempfindlichkeit, Abstraktion und einem Zurückziehen von der Welt

(sensitiver

Autismus).

Vorstellungen

sind

entweder

sehr

konturiert

oder

zerfließend.

Die Angst des Asthmatikers entsteht durch eine Verkrampfung des Astralleibes beim Ausatmen. Mehr noch als beim Nierenmenschen ist eine Polarisierung möglich, da es hier um die Polarität Luft-Erde geht.

Kaspar wurde ungefähr, wie ich es erwähnte, in seinem 3 ½ Lebensjahr in einem dunklen Kerker alleine gelassen, eingesperrt und somit ausgesperrt vom Weltgeschehen, als sich seine Sprachfähigkeit und damit die Kommunikation, die Kontaktfähigkeit zu seiner Umwelt zu entwickeln begann und damit die Lungentätigkeit sich nicht nur atmend, sondern in jeder Hinsicht mit der Umwelt, den Menschen, dem Luftäther kommunikativ entwickelnd, entfalten durfte.

Da die Lunge ja selber keine Muskulatur hat, sondern nur aus den Alveolen besteht, übernimmt die Muskulatur des Brustkorbes die Bewegung des Atmens. Der Brustkorb weitet sich, dann strömt die Luft ein, er zieht sich zusammen und wir atmen aus! Wir haben 5 Lungenlappen, drei auf der rechten Seite und zwei auf der linken, denn da wird ja der Platz noch für das Herz gebraucht. Im Prinzip haben alle Säugetiere eine solche Lunge. Ähnlich ist auch die der Reptilien. Die Amphibien haben nur ganz einfache sackähnliche Lungen. Aber die Vögel haben zwar sehr kleine aber kompliziertere Lungen mit zusätzlichen Luftsäcken. Fische haben keine Lungen, sie atmen mit Kiemen. -


227 Ich glaube, dass das Zurückdrängen der Kommunikation, des verbalen und nonverbalen Austausches Kaspars mit seiner Umwelt, mit seinen Mitmenschen und damit dem Austausch von Gasen und Sauerstoff durch seine Lunge dazu geführt hat, dass sein wichtigstes Atmungsorgan ab seinem 4. Lebensjahr verkümmern musste, sich zusammenziehen, zurückziehen gewissermaßen, wie auch seine Sprache, seine Begriffe von der Welt sich auf ein Minimum reduzierten, um schließlich vollkommen abzusterben. Ich behaupte, dass Kaspar an einer Lungenkrankheit, an einem Lungenemphysems litt. Ich sehe bei Kaspar eine besondere, individuelle Form einer Lungenrückbildung, wie auch immer sie medizinisch bezeichnet werden kann.

Die Lunge ist, wie oben schon einmal beschrieben, ein Organ, das ganz besonders in Kontakt zur Außenwelt steht. Sie ist ein einziges Weben zwischen außen und innen, sie nimmt die Luft, den Sauerstoff auf, erfüllt damit im Blut den ganzen Menschen und gibt das Stoffwechselprodukt, das Kohlendioxyd im Ausatmen der Welt ab. Weil sie aus lauter kleinen Bläschen, den Alveolen besteht, bildet sie durch diese eine enorme Oberfläche, an der Blut und Luft sich berühren können. Wenn es zu krankhaften Abbauvorgängen kommt, verschmelzen die kleinen Bläschen zu größeren Blasen und damit verringert sich die Oberfläche und die Lunge kann den Körper nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgen, man spricht hier von einem Lungenemphysem. Fehlende Bewegung, sitzende Haltung, eingeschlossen in einem nur in sich selber luftzirkulierenden Raum, der kaum neuen, angereicherten Sauerstoff Eintritt gewährte, musste sich seine Lunge als Organ physisch und in seiner Funktion zurückbilden. –

Es kreuzten immer wieder Menschen meinen Weg, hellsichtige, hellfühlende, Therapeuten, Ärzte und Schamanen, die ein Wissen, vielleicht auch intuitive Kenntnis des Kaspar Hauser Schicksal hatten und es, ohne dass mir diese Tragweite damals bewusst war, in einem unmittelbaren Zusammenhang mit mir, mit meinem Wesen, meiner Anwesenheit auf dieser Welt, meinen Aufgaben brachten. So auch zwei Menschen, die ich unmittelbar vor meiner Flucht aufsuchte: Einen deutschlandweit bekannten Handlinienleser, der auch vielen Prominenten erfolgreich und nachweisbar zutreffend die Zukunft aus der Hand las - und einige Monate später einen für meine Begriffe genialen Hellseher, dessen Prognosen für das Jupiterjahr 2015, meinem Jahr der Flucht im 40. Lebensjahr, ohne Ausnahme eingetroffen sind. Beide sprachen unter anderem davon, dass ich im letzten Leben an einem unerkannten Lungenleiden gelitten habe und dieses mit in mein jetziges Leben gezogen habe. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass es schon in der griechischen Mythologie und im alten Griechenland Menschen gab, wie auch Kassandra, die seherische Fähigkeiten hatten. Wegen ihrer Schönheit gab ihr der Gott Apollon die Gabe der Weissagung. So warnte Kassandra vergebens gegen Ende des Trojanischen Krieges die Trojaner vor dem Trojanischen Pferd und der Hinterlist der Griechen, sodass Troja unterging.


228 Viele Menschen und Männer, die politische Verantwortung tragen, sichern sich durch herausragende Hellseher ab, durch göttliche Seher, zu denen ich mich keineswegs zähle, weil ich selber den Rat dieser Seher einhole. Das wurde von Cäsar behauptet, von Alexander dem Großen, von Adenauer, amerikanischen Präsidenten und französischen Politikern - um vorbereitet zu sein, denn wenn sogenannte „Experten“ Ratschläge geben, sind das bestenfalls Schläge, statt wirkliche Hilfestellungen. Prophezeiungen sind auch Warnungen - und Vorsicht ist immer besser als Nachsicht, um wach, bewusst und achtsam durchs Leben zu gehen. Denn bekanntlich ist eine Warnung für den „Weisen ein Segen“, für den „Narren eine Beleidigung“. -

Der Handlinienleser bestätigte mir die realen Gefahren in meiner Heimatstadt und riet mir dringend, mich aus diesem menschlichen Rahmen zu lösen. Er teilte mir mit, dass ich im letzten Leben durch einen gewaltsamen Mord durch Fremdeinwirkung gestorben sei und dass meine Einsichten in das Kaspar Hauser Schicksal richtig seien, auch finden sich Bestätigungen in meinen Handlinien. Er hoffe, dass mein Leben dieses Mal nicht so enden wird, als im letzten Leben. Ferner teilte er mir mit, dass mein Nervensystem sehr angeschlagen sei und dass ich im Nervenfieber möglicherweise mein Leben abermals vorzeitig verlieren könnte, wenn keine Änderung eintrete, wenn mein menschlicher Umkreis mir nicht in Liebe, Sicherheit und Wahrhaftigkeit begegne. –

Der Hellseher, den ich in meiner Verzweiflung während meiner Flucht Monate später in Frankfurt aufsuchte, nahm sich fast drei Stunden Zeit, studierte meine Hände, legte Karten, sah in eine unsichtbare Sphäre und teilte mir unter anderem mit, dass ich in meinem vorherigen Leben sehr viel Widerstandskraft gehabt habe. Ich sei eine männliche Person mit einer unerkannten unheilbaren Erkrankung gewesen. Ich hätte an einem Lungenleiden gelitten, einer Lungenerkrankung. Ich habe diese Lungenerkrankung aus dem letzten Leben mit in dieses Leben gezogen.

Deshalb bekam ich wohl auch die fast tödliche, unerkannte Lungenentzündung mit 3 ½ Jahren im Jahr 1978. Durch einen gewaltsamen Eingriff sei ich gestorben, es war ein Mord, der an mir begangen wurde. Mein letztes Leben hatte mit Gewalttaten zu tun im umfassenden Ausmaß von anderen Menschen. Die Vergangenheit wurde nicht aufgearbeitet. Gewalt habe auch in meiner neuen Inkarnation wieder eine große Bedeutung: Die Art, wie ich gestorben sei ziehe sich in mein jetziges Leben! Das nur in Kurzform mit den wichtigsten Pfeilern, die Lunge betreffend. –


229 Doch welche Rolle spielte die Lunge und die Kommunikation in diesem Zusammenhang einer möglichen Erlösung?! (…) „Die Dominanten Ihrer Konstellation zeigen ein großes Bedürfnis nach Kommunikation mit der Umwelt und viel Interesse für konkrete, materielle Dinge“. (...) „Im geselligen Umgang halten Sie sich an gängige Umgangsformen, es ist Ihnen auch wichtig, Ihre Mitmenschen zu verstehen. (...) Sie beweisen im Gespräch viel Humor und Witz… (...) Die stark ausgeprägte Jungfraubesetzung weist auf das jungfräuliche Prinzip hin: Alles Seelische muss durch das Geistige geklärt, gereinigt werden. Die Jungfrau hat die Sehnsucht nach Seelenreinigung, nach Verbalisieren, nach Kommunikation mit der Umwelt.“


230 Kapitel: Feinstofflichkeit – Leben fast ohne Nahrung- weiterer Beweis für die Kerkertheorie

Pflanzen, Lebewesen, Menschen, Tiere und Materie, ja auch die riesigen Himmelskörper emittieren feinstoffliche Strahlung. So ist jeder Mensch, jedes Wesen über diese Schwingung mit dem ganzen Universum verbunden und Eins. Dr. Klaus Volkamer

Auszug aus meiner Biographie des 21. Jahrhunderts über die Feinstofflichkeit, Platons Anamnesis und eine andere Sichtweise unserer Schulwissenschaft:

Was ist Bewusstsein? Wodurch entsteht Bewusstsein und gibt es eine biologische Basis für Bewusstsein, oder kann es sich nur entfalten in einem Resonanzkörper und sich ansonsten nicht lokal, Zeit und Ort ungebunden anderswo aufhalten, wie auch ein Transistorradio nur ein Empfangsgerät für verschiedene Rundfunkwellen ist, eine technische Einrichtung, die zur drahtlosen oder drahtgebundenen, nicht zeitversetzten Hör- oder Sichtbarmachung oder Aufzeichnung von Rundfunk-Darbietungen eingesetzt wird? Kann Bewusstsein gemessen werden und ebenso unsere Gedankentätigkeit? Gibt es ein sogenanntes Kollektivbewusstsein wirklich, oder sind unsere Gedanken gebunden an unsere Hirnfunktionen, sodass wir nur das Opfer dieser biochemischen Prozesse in unserem Gehirn sind auch hinsichtlich unserer Gedanken, aber vor allem unserer Handlungen?! Der Hirnforscher Gerhard Roth „plädierte für die Abschaffung des Strafrechts und die Einweisung von Gesetzesübertretern in Dressuranstalten“, schreibt Manfred Lütz, weil er der Meinung war, dass nicht wir, der angeblich freie und mündige, vernunftbegabte Mensch für seine Schandtaten verantwortlich sei, sondern die biochemischen Prozess in seinem Gehirn! Und dafür sind wir wiederum angeblich nachweislich nicht verantwortlich und vor allem zuständig, wenn „die Neurotransmitter in meinem Vorderhirn verrückt spielen und meine Moral durcheinanderbringen“. Schon im Jahr 1720 erklärte ein Herr Toland das Gehirn für eine Maschine, welche für die Produktion unserer Gedanken verantwortlich sei und nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und Belieben fungiere. Natürlich ist nicht abzuleugnen, dass unsere Gedanken, oder schon die Vorbereitung und Erwartung eines Gedankens messbare Neurotransmitteraktionen in unserem Gehirn bewirken und umgekehrt, dass unseren Gedanken „irgendwelche materiellen Veränderungen im Gehirn“ entsprechen. Und doch bleibt zum einen der Freiheitsgedanke außen vor, der auch damit zusammenhängt, nicht zu sagen, „es denkt in mir“ und ich bin diesem Geschehen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, sondern ich gestalte meine Gedanken, ich bin mein Wagenlenker und meine Gehirn- und Gedankenprozesse bilde ich ganz bewusst, ebenso entspringen


231 meine Handlungen einer klaren und bewussten Entscheidung und nicht einem Konglomerat aus dem Auswurf einer „Maschine“ mit Namen Gehirn. „Doch wer das Klavier mit dem Komponisten verwechselt, der würde einem ähnlichen Irrtum aufsitzen wie der Gast im Restaurant, der die Speisekarte mit dem wirklichen Essen verwechselt und herzhaft in den Karton beißt. Kathegoriefehler nennt das die Philosophie,“ folgert Lütz weiter und wir erleben auch an ihm, dem Bestsellerautoren und Psychiater einen Menschen, der des wahren Denkens und Differenzierens mächtig ist, eine Seltenheit, eine Rarität in unserer immer mehr verblödeten Gesellschaft, die auch vor Psychiatern und gerade vor ihnen keinen Halt macht, wie wir es auch über ein Fehlurteil eines Psychiater erleben, der zu Zeiten Kaspar Hausers sein Portrait vor dem Hintergrund beurteilt, rein als Ferndiagnose, ob sich evidente Ähnlichkeiten zum Badischen Königshaus und seinen Repräsentanten zeigen, - das uns nahezu endgültig den Glauben an die Glaubwürdigkeit und Denkfähigkeit dieser Berufsgruppe zu rauben gedenkt: Ein gewisser Karlsruher Neurologe und Psychiater, Dr. Günter Hesse stellte keine Ähnlichkeiten Hausers zu seinen potentiellen Eltern aus dem Geschlecht der Zähringer fest, sondern Ähnlichkeit zu einem Tiroler Priester aus dem Grunde, weil er folgerte, Hauser habe eine sehr empfindliche Haut gezeigt, die zu Blasenbildung neigte. „Eine entsprechende Erkrankung war bei den Zähringern nicht festgestellt worden, folglich konnte Hauser kein Nachkomme Karls von Baden sein.“ Wie bitte?! Die Tatsache seiner Kerkerhaft und der Möglichkeit, 12 Jahre im Stroh zu liegen, ohne Sonne und nährende Nahrung, wird außen vor gelassen bei der möglichen Beurteilung einer Hauterkrankung. In meiner Familie leidet niemand an einer angeblich genetischen Gesichtsakne, welche sich bei mir immer wieder über Jahre hartnäckig zeigte. Ist das der schlagkräftige „Beweis“, dass ich nicht das Kind meiner Eltern bin, obwohl unzählige und eindeutige Beweise dafür bürgen? Ist das unser Verständnis von Wissenschaftlichkeit? Ist folgende irre Ausführung eines Irrenarztes ebenfalls Evangelium und eine „sichere Quelle“ der wahren Erkenntnis? (…) „In einer ausführlichen Widerlegung weist Peter Josef Keuler die eine Zeitlang für möglich gehaltenen Anfallstheorien Günter Hesses zurück, wonach Kaspar Hauser an diversen Krampfleiden als Folge von Hirnmissbildungen und zugleich an einer seltenen Hauterkrankung (Epidermolysis bullosa-Syndrom mit Mikroenzephalie) gelitten habe. Seine Kritik „betrifft vor allem Hesses Methode, Symptome und Befunde, die Kaspar Hauser bot, nur im Sinne seiner Anfallstheorie zu interpretieren und Fakten, die seiner Theorie entgegenstehen, außer Acht zu lassen oder sie aufgrund mangelnder Recherchen innerhalb der Hauserliteratur nicht zu berücksichtigen.“ Schon Leonhard hatte Hesse vorgeworfen, er verwechsele hysterische mit epileptischen Erscheinungen bei Kaspar Hauser.“(Wiki)


232 Wenn das Wort unserer „Götter in Weiß“ , explizit unserer Psychiater und Neurologen, wie es sich auch im dritten Reich zeigte, Evangelium ist, der Urteilsspruch über Leben und Tod, über die Vernichtung einer Persönlichkeit durch unsachgerechte, vor allem einseitige, unlogische, teilweise irre Aussagen, dann stellt sich tatsächlich die Frage, welcher Weg aus diesem Labyrinth der Irrtümer herausführt, denn wenn Irrenärzte so gewaltig irren durch irrwitzige Irrtümer, im Irrgarten ihrer Gehirnwindungen, dann muss ein neues Menschenbild, eine neue, erweiterte Wissenschaft, ein neues Weltbild neue Grundlagen schaffen und die überholten und falschen Grundsätze endgültig über Bord werfen, die unzählige Menschenleben kosten. Eine solche „Erweiterung“ unseres Weltbildes gibt uns ein herausragender Wissenschaftler, Doktor der Physik und Chemie, der seit dreißig Jahren im Bereich von Bewusstsein und Materie forscht. „Er trägt mit seinem revolutionären, wissenschaftlichen Ansatz zu neuen Aspekten in den beiden großen Richtungen der Physik bei: die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik. Dabei arbeitet er streng nach wissenschaftlichen Methoden. Seine daraus entstandenen Ergebnisse und insbesondere die unanfechtbare Beweisführung sind der herrschenden Wissenschaft allerdings nicht willkommen, zwingt es sie doch, ihre Dogmen zu überdenken.“

Ich möchte nun ein näheres Licht und eine genauere Erklärung auf seine Arbeit werfen und feststellen, dass ich nicht nur daran glaube, sondern dass ich von der Richtigkeit weiß und selber das beste lebende Beispiel für seine Wissenschaft bin, zum einen durch die Tatsache unserer „Verbundenheit mit dem Universum“, in der ich mein „ungeheuerliches Wissen“ hole, ohne jemals studiert zu haben, zum anderen aus dem Grunde, weil ich eine gewaltige medikamentöse Zerstörung nicht nur überleben konnte, sondern auch in diesem Stadium nicht durch meine „Neurotransmitter“ geleitet wurde, welche die meisten Menschen unter derlei schrecklicher Einwirkungen zum Mord, zum Selbstmord, zum Amoklauf „überreden“ wie es auch eine amerikanische

Studie

beweist,

die

besagt,

dass

95%

aller

Amokläufe

während

derlei

Medikamenteneinnahme und in Entzügen geschehen. Und nicht zuletzt die unter Zeugen belegte und bewiesene Tatsache, dass ich fast vier lange Jahre nahezu ohne Nahrung lebte, wie ich es beschrieb, einschließlich einer Muskelerkrankung, die mit großen Nährstoffmängeln einhergeht und es eigentlich nicht „erlaubt“ zu fasten, oder in dieser Weise ohne Nahrung auszukommen, ohne möglicher Todesfolge. Wie erklären sich also diese beschriebenen Faktoren, wenn wir ausschließlich das Opfer unserer Neurotransmitter sind, deren Aufbau sich in jedem Menschen mehr oder weniger gleicht?!

Diese Frage möchte ich im Laufe des Kapitels erörtern Mithilfe von Platon, Mithilfe einiger Menschen, die sich der Wahrheit und der wahrhaftigen Wissenschaft verpflichtet fühlen und nicht einem Trugbild, das sie sich zurecht zimmern und dann in einem Sturm der Entrüstung losstürmen, sich in ihrem Stolz und ihrer „Autorität und Macht“ zurecht gestutzt fühlen, keinen Sinn für Humor zeigen, wenn ihre vermeintlich wissenschaftlichen Werke die „Spiegel“ Titelgeschichte schmücken, weil ein gewisser Klaus Grawe, -


233 nachdem es kein Qualitätsmanagement im Medizinischen, schon gar nicht im psychiatrischen Bereich gibt, 1994 im „Auftrag der Bundesregierung die Effizienz der verschiedenen Psychotherapiemethoden untersucht und zu spektakulären Ergebnissen“ kam. „Insbesondere die psychoanalytischen Methoden kamen bei ihm eher schlecht weg“… (…) Die Psychoanalyse hatte zu wenig wissenschaftlich sauber durchgeführte Effizienzprüfungen vorzuweisen.“ Gibt es die Möglichkeit, unsere Gedanken und das Kollektivbewusstsein zu messen und graphisch darzustellen, nämlich auch das, was ich über die Wissenschaft Anton Mesmers beschrieb?! Wie kommt es, dass die heutige Wissenschaft und Physik von „verborgenen Variablen in der Quantenmechanik“ spricht und wie kann erklärt und beschrieben werden, dass der sichtbare Teil des Universums gerade einmal 4 % gegenüber dem unsichtbaren beträgt?!

Wodurch erklärt sich die Tatsache, dass ein Mensch in der Lage ist, vier Jahre nahezu ohne Nahrung zu leben und ein anderer stirbt nach wenigen Wochen oder Monaten, obgleich die Prozesse des Körpers, die Aufnahme der Nahrung und ihre Verwertung gleichermaßen ablaufen und die These, wie sie auch über Kaspar Hausers einseitige Ernährung von ärztlicher Seite verlautete, um ihn als Betrüger zu entlarven, ad absurdum führt: (…)“Kein Mensch, schon gar kein Heranwachsender überlebt so viele Jahre in Dunkelhaft bei Wasser und Brot! Seit der Zeit der großen Entdeckungsreisen war bekannt, dass einseitige Ernährung zum Tod führt.“ (…)“Vasco da Gama verlor auf einer Reise hundert von 160 Mann seiner Besatzung. Es gab Pökelfleisch und Schiffszwieback. Seine Leute starben am Skorbut, also an einer Avitaminose, ausgelöst durch den Mangel an Ascorbinsäure. Und dass Vitamin C Mangel die Ursache für die Todesfälle war, wussten die Biedermeierlichen Bildungsbürger natürlich nicht. Dass eine reine Brotkost zu Mangelerscheinungen und schließlich zum Tod führen kann, hätte aber zumindest den Ärzten klar sein müssen.“ Doch was ist „den Ärzten“ und gerade ihnen schon „klar“? Was ist der Wissenschaft noch unklar, die von „verborgenen Variablen“ spricht, die für 125 essentiell und existentiell wichtige Fragen bis heute keine Antwort weiß, nicht zuletzt, woraus Bewusstsein besteht, entsteht, und welchen Träger es hat? Gerade einer Wissenschaft, die doch nicht an die unsichtbare Verborgenheit von Dingen und Tatsachen glaubt, die alles beweisen muss, der Unsichtbares suspekt, oder schlichtweg nicht glaubwürdig erscheint, um reale, materielle Vorgänge als ausschließliche Wahrheit unter das unmündige Volk zu streuen und sich doch mit „verborgenen Variablen“ herumschlagen muss?! Ist an diesem, meinem unbegreiflichen Überleben das Bewusstsein beteiligt, das sich die Kräfte aus einer anderen, unsichtbaren Materie oder Sphäre holt, die unserem physischen Auge nicht zugänglich ist, die wir möglicherweise als „Feinstofflichkeit“ bezeichnen können, eine Substanz, die uns alle umgibt, mit der wir


234 alle zusammenhängen und die es auch erklärt, warum meine hellsichtige Großmutter nach Mitternacht durch ein herabfallendes Bild erwacht, in einen Art Schock- zustand verfällt, der ihr sogar mit den richtigen und wahren Begriffen zu erkennen geben möchte, dass ihrer Enkeltochter ein lebensbedrohlicher Unfall geschehen sei, um am folgenden Tag durch den Besuch der Polizei von der Richtigkeit, auch der genauen Uhrzeit des Geschehens, zu erfahren? Oder dass ich eines Tages in mir einen Telefonklingelton höre, den es objektiv nicht gab und ich, intuitiv die Worte in mir bilde: „Bitte sag, dass es nicht wahr ist“, ohne zu wissen, wer mich da möglicherweise auf diesem morphogenetischen Feld im Geistigen angerufen hat, um wenige Tage später zu erfahren, dass zur nämlichen Stunde an jenem Tag ein guter Freund sich das Leben genommen hat?! Diese Liste ist gerade in meinem Leben stark erweiterbar durch viele weitere belegte Beispiele.

Wie erklären sich ferner derlei Bewusstseinsphänomene, in dem beschriebenen Zustand des Verhungerns, ohne die Zuführung von Vitaminen und Spurenelementen, dass jener Mensch, wie es sich bei Kaspar Hauser und auch bei mir zeigte, auf Gedächtnisinhalte zurückgreifen kann, die dem „gewöhnlichen Bewusstsein“ nicht zugänglich sind, dass er sich nahezu an jeden Tag seiner Vergangenheit präzise zu erinnern vermag, dass er in der Lage ist, über Jahrhunderte bei genanntem Datum die betreffenden Wochentag zu errechnen, dass er auf Fragen seiner Mitmenschen wie in eine andere Sphäre blickt und jedes Mal, bis auf wenige Ausnahmen, die richtigen Antworten gibt von Tatsachen, die er nicht wissen kann, oder dass sich seine hellfühlenden, hellsichtigen Wahrnehmungen, welche wohl auch in dieser unsichtbaren Materie angesiedelt sind, als richtig und wahr erweisen, sofern sie nachzuprüfen waren, wenn versucht wurde, mit schwersten Medikamenten über viele Jahre seinen Gehirnstoffwechsel durcheinander zu bringen oder vielmehr zu zerstören, - wenn Bewusstsein angeblich mit der Hirnfunktion zusammenhängt und, wie es die Wissenschaft ausdrückt, „nur“ ein intaktes Gehirn „Bewusstseinsauswürfe“ hervorbringen kann? Wie erklären sich sogenannten „Nahtoderfahrungen“ bei bewiesenem und diagnostiziertem Hirntod durch Herzstillstand? Ganz sicher nicht durch Halluzinationen und letzter Augenfunktion, denn Halluzinationen würden eine gesteigerte Hirnaktivität voraussetzen, ausgelöst auch durch den Einfluss von Drogen. –

Erklärt uns nicht schon der große Philosoph Platon derlei Bewusstseinszustände und regt er nicht in seinen fiktiven fragenden Gesprächen mit Sokrates zu derlei Erinnerungen an, die weit über das sogenannte Tagesbewusstsein hinausreichen und deren Tatsache er in seiner Erkenntnistheorie mit dem Begriff „Anamnesis“ betitelt, das nichts anderes als „Erinnerung“ bedeutet und in dieser Seelenlehre geht er von der Erkenntnis aus, dass alles Wissen in der unsterblichen Seele immer schon vorhanden ist, aber bei der Geburt vergessen wird, alle Erkenntnis, alles Wissen beruht dem zur Folge für ihn auf Erinnerung. „Dieser Auffassung zufolge ist die menschliche Seele unsterblich, sie existiert sowohl vor der Entstehung des Körpers als auch nach dessen Tod“.


235 Auf dieser Erkenntnisbasis erklären sich auch die Nahtoderfahrungen, die von allen Betroffenen in ähnlicher Weise beschrieben werden. Ich möchte darauf nochmals zurückkommen. Nach Platons Seelenwanderungslehre ist die Seele eines Menschen nicht von Natur aus mit einem bestimmten Körper verbunden, sondern bewohnt und beseelt nacheinander viele Körper unterschiedlicher Art, durchwandert also zahlreiche irdische Leben. „In der Zeit zwischen zwei irdischen Leben ist sie körperlos und hält sich in einem jenseitigen Bereich auf.“ Wenn es also die Feinstofflichkeit gibt und unser Bewusstsein nicht lokal gebunden ist, wie es auch Menschen beschreiben, die einen Herzstillstand überlebten und zurückkamen in ihren Körper, wenn alles, wirklich alles und jedes einzelne unsere Worte, Taten in einer anderen Sphäre gespeichert sind, wie es auch die beiden Doktoren (Dr. Imhof und Dr. Eisenbeiss) beschrieben, so kann unser Bewusstsein und somit auch unsere Seele in der Lage sein, bei einer Form der Bewusstseinserweiterung, nicht nur alle Begebenheiten, Worte und Taten aus ihrem aktuellen Leben als menschliches Wesen auf der Erde zu erinnern, sondern sich möglicherweise auch an eine vergangene Inkarnation zu erinnern!? Und das ganz selbstverständlich, ohne mit der psychiatrischen Diagnose einer „Histrionischen Persönlichkeitsstörung, einer Schizophrenie, einer paranoiden Psychose“, oder schlichtweg mit „Omnipotenz“ betitelt zu werden, das soviel wie Größenwahn bedeutet, wie es auch der Psychiater in der Klinik, welcher mit einem Schlag im Medikamentösen, auf den noch unzählige weitere folgten leichtfertig, leicht fertig mein Leben zerstörte, um auch im Verbalen meine zitternde Aussage, ich könne mich an mein zweites Lebensjahr erinnern, mit diesem Begriff in aggressiver, anklagender Weise meine Ausführungen ad absurdum zu führen. Er wollte nichts von den Worten meiner Mutter wissen, welche mir meine schmerzhaften Erinnerungen bestätigte, die schlichtweg auch aus dem Umstand resultierten, dass ich mit einer schweren Muskelerkrankung geboren wurde, die in den meisten Fällen zum plötzlichen Kindstod führt und in mir mein Bewusstsein durch Schmerz verschärfte und verstärkte für die ungeheuren Schmerzzustände und Verkrampfungen der Muskeln, die damit einhergingen, gerade beim Schreien. Und er wollte ferner nichts davon wissen, dass sich auch Tolstoi an sein zweites Lebensjahr zurück zu erinnern vermochte, im Übrigen auch ein Jungfrau Geborener.

Wir alle kennen derlei Begebenheiten, wie ich sie auch über meine Großmutter beschrieb und sie lassen uns nicht nur den Atem des Schicksals fühlend erkennen, sondern dass wir aufgerufen sind, diesem Schicksalsatem auf den Grund zu gehen. Und auf dieses „Mehr“ möchte ich, mithilfe von einigen Professoren und Doktoren eingehen, um aufzuzeigen und aufzuzeichnen, dass es tatsächlich mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir es mit unseren gewöhnlichen physischen Augen wahrnehmen können.


236 Was sind - und wie erklären sich die scheinbar unerklärlichen und unerklärbaren physikalischen Gravitationsanomalien, welche uns unsere begrenzte Wissenschaft auch im Medizinischen nicht zu erläutern weiß? „Etwa ab der um 1700 einsetzenden „Aufklärung“, die letztlich zu dem heutigen materialistischen – atheistischen Wissenschaftsverständnis geführt hat, wurden Effekte einer realen Feinstofflichkeit als nicht existent angesehen. Dies führte wegen der (…) alles durchdringenden feinstofflichen Ebene und ihrer realen Wirkungen bei den heute gegebenen Messgenauigkeiten zu einer Vielzahl derzeit unverstandener physikalischer Anomaliefelder. Alle diese Anomalien lassen sich in einer feinstofflich erweiterten Physik auf reale feinstoffliche Wirkungen zurückführen. Dies führt letztlich zu der Konsequenz, dass sich das Verständnis der „Aufklärung“ für eine vollständige wissenschaftliche Beschreibung der Natur als ungenügend erweist und durch eine „feinstofflich erweiterte Aufklärung“ (…) als eine „feinstoffliche Aufklärung der Aufklärung“ ergänzt werden muss.“ (Dr. Volkamer).

Dass der Komplex menschlicher Gesundheit und Krankheit von Faktoren beeinflusst wird, die über die Struktur und Funktion des rein materiellen menschlichen Körpers hinausgeht. Schon Antike Philosophen beschrieben eine Substanz, einen unsichtbaren Stoff, der von der Schulwissenschaft abgelehnt, als nicht existent abgestritten wird, weil es sie zwingen würde, ihre Dogmen und starren Grundsätze zu überdenken und zu überarbeiten und möglicherweise würden völlig andere Konsequenzen auch für die Medizin daraus gezogen werden müssen, vermutlich würden ganze Konzerne darunter leiden, wie auch die Pharmaindustrien. Das mag auch der Grund sein, warum sich diese herausragenden Erkenntnisse von Volkamer, Pim van Lommel, Walter Laak und vielen anderen Professoren bisher noch nicht durchsetzen konnten. Es gibt zwei verschiedene Formen von Materie, sagt Demokrit, die sichtbare, Atomos und die unsichtbare. Aber die unsichtbare Materie ist für Bewusstsein, Emotionen und Gedächtnis zuständig. Die eine, die sichtbare, ist elektromagnetischer Natur und sie ist von der heutigen Wissenschaft bis ins Detail quantenmechanisch und relativistisch experimentell untersucht worden. „Es sind sehr gut experimentell bestätigte Theorien“. Die zweite Materie eine raumartige, feldförmige die ist bisher noch nicht bekannt, weil man eben die Versuche nicht mehr aufgegriffen hat von Landold, denn vor 100 Jahren hat Professor Landold an der Kaiser Karl Universität diese Anomalien erforscht, die jedoch erst aufgriffen werden konnten, als man die drei Methoden hatte, die im Sekundentakt genaue Daten liefern. Die Daten müssen auf einem Computer im Mega und Gigabereich gespeichert werden, man braucht Grafikprogramme, um diese Menge an Daten sichtbar zu machen. Diese Möglichkeit gibt es erst seit 15 Jahren. Die Schulwissenschaft wird sich herbei lassen müssen, ihr Weltbild zu korrigieren und zu erweitern. Denn was von anderen Kulturen und großen Menschen vor uns postuliert wurde, es ist heute so beweisbar


237 geworden ist, dass es wissenschaftlichen Maximen standhält. Doktor Klaus Volkamer hat Verfahren entwickelt, durch die sich fein stoffliche Materie nachweisen lässt. Wenn in der vedischen Wissenschaft von Somar gesprochen wird, als feinstoffliches Bewusstsein, wenn Dalai Lama von einer unsichtbaren Materie als Parallelwelt zur sichtbaren Materie spricht, wenn Leibniz auf die Monaden im Zusammenhang mit Feinstofflichkeit hingewiesen hat, so ist es nur ein kleiner, wenn auch bedeutender Schritt, den Volkamer und andere Wissenschaftler in unserer Zeit vollführt haben. Da wo man erkannte, dass auf Quantenebene feinstoffliche Materie als elementare Träger des Bewusstseins anzusehen ist, wird es für die Medizin eine wichtige Tatsache, dass das Nervensystem und der Körper nur Resonanzinstrumente (Pim van Lommel) sind eines feinstofflichen Feldkörpers. Das Universum stellt sich dar als feinstoffliches Lebewesen, aus dem letztendlich alles entspringt. Da im Zuge der Messungen und Wägungen der Existenznachweis von individuellen Feinstofffeldern und vom Kollektivfeld erbracht ist, wird in Zukunft die Möglichkeit zur Erfassung und dann wohl auch zur Beeinflussung der menschlichen Person und des Kollektivs möglich sein. Möge es zum Nutzen für eine kreative menschliche Entwicklung sein. Soviele großartige Menschen und Philosophen können also nicht irren. „Hat diese Materie keine elektromagnetische Wechselwirkung, ist sie feinstofflich. Dagegen hat sie dennoch makroskopischen Masseinhalt, den man mit der Wägetechnik wiegen kann, jederzeit, reproduzierbar …sie wird als Graviationsanomalien bezeichnet.“

Klaus Volkamer ist selber Doktor der Physik und Chemie und forscht seit 30 Jahren zusätzlich in eine andere Richtung, um den beiden Strömungen der Physik, nämlich der Relativitätstheorie und der Quantenphysik mit einem erweiterten Ansatz zu begegnen und stößt dabei auf einen phänomenalen Stoff, der viele sogenannte „Gravitationsanomalien“ der Physik zu erklären weiß, nämlich den „Feinstoff“, um unser begrenztes Bewusstseinsfeld zu erweitern und angebliche paranormale Phänomene damit zu erklären, wie auch die Reinkarnation, die Telepathie, die Skalarwellen, die Überlichtgeschwindigkeit, morphogenetische Felder, Meditation, Karma und meditative Phänomene. In der Astrophysik zieht man heute den bisher rätselhaften Zusammenhalt des Universums damit erklärt, dass man von einer unsichtbaren „Dunklen Masse“ feinstofflicher Materie spricht, die 96 Prozent des Universums ausmacht, die aus bislang unmessbarer Energie besteht, die sich als den bisherigen Messmethoden vollständig entzieht, die aber auf Quantenebene sich als Träger von Bewusstsein anzusehen ist. Volkamer geht davon aus, und er ist in seinen Forschungen soweit, dass er diesen feinstofflichen Masseinhalt sogar mit neuesten Detektoren messen und auf dem Computer auswerten kann, dass jede unbelebte Materie, die von der Physik zu messen ist, wie die Elementarteilchen, die Moleküle und Atome und weitere Elemente ihre Entsprechung auch in einer feinstofflichen „Hintergrundstuktur“ hat, „die in Wellen schwingt, die unterhalb des Lichtes angesiedelt sind“.


238 Diese ist jedoch eine reale Masse mit Energie und Informationsinhalten. Die Quanten einer feinstofflichen Materieform mit makroskopischem Masseinhalt haben „keine mikroskopische punkt-förmige (…) Struktur wie die bekannten Elementarteilchen der grobstofflichen Materie.“ Sie sind vielmehr durch eine raumartige Feld- Struktur gekennzeichnet.“ Und diese Materieart sind an verschiedenen Zell- Gewebe und Organmembranen des menschlichen Körpers, wie auch bei Tieren, Pflanzen, sogar Mineralien mittels einer „formspezifischen“ wirkenden physikalischen Wechselwirkung gebunden und es stellte sich heraus, dass sich diese „makroskopischen Quantenfelder von Lebewesen als die eigentlichen Träger von individuellen Bewusstsein und Kollektivbewusstsein“, auch von Emotionen darstellen. Und die Quanten feinstofflicher Materie sind als „elementare Träger von Bewusstsein“ anzusehen.

Dass wir das heutige Weltbild der Wissenschaft in seiner radikalen und prinzipiellen, nur scheinbaren Vollständigkeit einfach so hinnehmen, welches ganz objektiv so, wie es jetzt besteht, nicht korrekt ist, weil sich darin eine rein materiell orienteierte aufgeklärte Wissenschaft und Technik in ihrer Begrenzung am deutlichsten im Medizinischen Bereich zeigt und damit verehrenden Schaden anrichtet und dass daraus, aus dieser Einseitigkeit und seinem Mangel, schwerwiegende Konsequenzen folgen, wie sie sich auch in meinem Leben am allerdeutlichsten herauskristallisierten, gerade für unsere Gesundheit, resultiert wohl aus dem Umstand, dass uns die richtige Bildung und die Erfahrung damit fehlen. Denn die heutige Wissenschaft und Physik spricht von „verborgenen Variablen in der Quantenmechanik“, und diese „Variablen“ scheinen nichts anderes zu sein als die Feinstofflichkeit. Es wäre gut, meint Volkamer, wenn die Physik die Einseitigkeit überwinden könnte, denn das könnte eine Erweiterung des Weltbildes nach sich ziehen, das bitter nötig wäre. Volkamer wendet eine Messmethode an, die voll und ganz im „bestehenden Weltbild der Physik verankert ist,

während

die

damit

erhaltenden

Ergebnisse

weit

über

die

Grenzen

des

heutigen

Wissenschaftsparadigmas hinausführen.“ Beide Wissenschaftler, Volkamer und der Kardiologe Pim van Lommel weisen darauf hin, dass das Universum ein feinstoffliches Lebewesen ist, aus dieser universellen Lebenskraft entspringt alles, so liegt unserem Körper ein feinstofflicher „Feldkörper“ zugrunde. Eine Weltbild- Erweiterung bahnt sich an, die über das heutige in der Physik verankerte Weltbild in umwerfender Weise hinausgeht. Nicht nur wird eine vielfältige Nutzung feinstofflicher Feld Energien bei der freien Energiegewinnung im großtechnischen Maßstab möglich werden, sondern gerade in der Medizin. Die Forschungen in der sogenannten „Energy Medizin“, in der interaktiven oder komplementären Medizin zeigen neue Möglichkeiten des Verständnisses und der berechenbaren Anwendung der bislang im Erkenntnis – Dunkel liegenden alten Heilmethoden wie die chinesische Medizin, die tibetische Medizin, die Medizin der Schamanen, denn dort arbeitet man mit Bewusstseins- Feldern, die der Wissenschaft bislang nebulös und fragwürdig erschienen. Neue Heilmethoden ergeben sich daraus.


239 Volkamer stellt dar, dass die Quanten mit Plus Vorzeichen dunkle Materie sind, die Gesundheits- und System zerstörende Eigenschaften haben, wie wir es auch an bestimmten Orten erleben, an denen viele Handymasten stehen, die Bauern klagen, weil die Kühe krank werden und weniger Milch geben oder gar keine, an denen Menschen ebenfalls erkranken, vor allem auch Kinder am Blutkrebs. Die Quanten aber mit negativem Vorzeichen stellen dunkle Energie dar, die heilende Eigenschaften haben, wie wir es auch an sogenannten Kraftorten erleben, gerade an jenen keltischen Ursprungs. „Neben solchen „objektiven“ Einsatz – und Erklärungsmöglichkeiten von Energien und Wirkungen bislang unbekannten feinstofflicher, aber dennoch realer Felder begründet das neue „feinstoffliche Weltbild des Lebendigen“ auch vielfältige nützliche individuell subjektive und kollektive Anwendungsmöglichkeiten als eigentliche Basis für ein harmonisches und kreatives Zusammenleben der Menschen, wobei der Existenznachweis von Kollektivbewusstsein erstmals durch Wägeversuche gelang.“ Von grobstofflicher Materie unabhängige Bewusstseinsfelder lassen sich direkt messen.

Ich habe in meinem Kapitel über den Freitod die bayrische Handhabung mit der Suizidprävention beschrieben, ferner die Tatsache, dass im Bundesland Bayern die häufigsten Suizide begangen werden, ohne dass es eine wissenschaftliche, kausale Erklärung dafür gibt. Denn dieses Land ist wirtschaftlich gesehen, und hinsichtlich der Arbeitslosigkeit, gerade gegenüber den ostdeutschen Bundesländern, noch am allerbesten von allen 16 Bundesländern gestellt. Ich habe mir diese Frage oft vor Augen geführt und vermochte sie weder zu erforschen, noch durch andere Möglichkeiten zu erklären. Dr. Volkamer gibt zumindest einen Einblick in ein solches Phänomen und es erscheint mir plausibel. Immer wieder erwähnt er das sogenannte „Kollektivbewusstsein“, ein soziologischer Begriff, der nichts anderes bedeutet, als eine besondere Form der moralischen und geistigen Einheit einer Gruppierung oder einer Gesellschaft. „Das kollektive Bewusstsein ist demnach die „Gesamtheit der Anschauungen und Gefühle, die der Durchschnitt der Mitglieder derselben Gesellschaft hegt.“ (É. Durkheim)

Wie ich es zu Anfang dieses Kapitels beschrieb, dass durch unsere Gedanken messbare Veränderungen im Gehirn stattfinden, in unseren „Neurotransmittern“, so beweisen unabhängige Versuche, dass das menschliche Denken einen dynamischen Schwung in unserem ganz persönlichen, zu uns gehörigen Feldkörper bewirken und dass diese Bewegungen mit den von mir unabhängig und eigenständig stattfindenden mentalen, also geistigen Prozessen in den Feldkörpern sich unterhaltenden Menschen in Wechselwirkung stehen. Das bedeutet – und das hat Volkamer ebenfalls durch eindeutige Wägeversuche anhand einer graphischen Darstellung messen können -, dass wir in unserer Interaktion und Kommunikation mit anderen Menschen in einer großen Verantwortung stehen was wir sagen und wie wir es sagen, weil es den feinstofflichen Bereich ganz stark tangiert in positiver und negativer Ausrichtung.


240 Möglicherweise basiert darauf auch die These der Beeinflussung durch unsere Spiegelneuronen, die im anderen Menschen Heilung oder Zerstörung hervorrufen können, nur durch unsere Bewegungen, unsere Handlungen und Worte.

Man kann schlussfolgern, dass der einzelne Mensch einerseits unter dem Einfluss eines feinstofflichen Feldes steht, das durch seine individuellen Lebenserfahrungen gebildet ist, andererseits steht er unter dem feinstofflichen Einfluss eines sozialen Gruppenfeldes. Ich würde sagen, dass der einzelne Mensch einerseits ein feinstoffliches Feld auch eigenständig bildet durch seine individuellen Lebenserfahrungen, andererseits formt er im sozialen Miteinander ein feinstoffliches Gruppenfeld. Volkamer berichtet von seinen Messmethoden während eines „kollektiven“ gruppendynamischen Prozesses, in dem ein Seminarleiter zu seinem Publikum sprach und ihm zunächst leicht verständlich etwas erläuterte, währenddessen die Messungen auf der Graphik einen harmonischen Schwingungsverlauf zeigten. Die harmonische Gruppenfeldschwingung brach zusammen und ging in ein eher wildes Rauschen über, als der Seminarleiter der Gruppe durch seine anspruchsvolle Rede intellektuelle Konzentration jedes einzelnen Zuhörers nötig machte. Vor diesem Erkenntnishintergrund kann davon ausgegangen werden, dass auf der Basis, ohne die Übertragung materieller, „grobstofflicher Informationsträger“ wie Fernsehen, allgemein Medien oder Gesprächen sich auf diesem Kollektivfeld „sowohl positive Verhaltens Trends, als auch gesundheits- und verhaltensschädigende Einflüsse gesellschaftlich ausbreiten können.“ Und somit würde sich dann hinsichtlich Bayern die Frage stellen, ob es einen Selbstmord oder vermehrte Verbrechen durch sexuellem Missbrauch oder Einbrüchen durch Ansteckung über das beschriebene Feld gibt mit den sogenannten „Kollektiv - Viren“? „Die durch infektiöse feinstoffliche Viren (…) vom Kollektivfeld auf prädisponierte Individualfelder einzelner Menschen übertragen und damit verbreitet werden.“

Doch in welcher Weise hat dieses erweiterte Weltbild der Feinstofflichkeit Konsequenzen auf den medizinischen Bereich?! Es sieht so aus, als ob die Quanten mit Plus Vorzeichen nichts anderes sind als eine dunkle Materie während die Quanten mit negativen Vorzeichen wohl die dunkle Energie darstellen und man erkennt, dass die Quanten mit positiven Vorzeichen eine Gesundheits- und System zerstörende Eigenschaft haben, die anderen umgekehrt eine System heilende Eigenschaft, wie ich es auch bereits über die Skalarwellen und den Mobilfunk beschrieb. So wird in der Komplementärmedizin mit der Feldwirkung gearbeitet. Im Gegensatz dazu steht die Medizin der Schamanen, Dort arbeitet man medizinisch mit Bewusstseinsfeldern.


241 Kapitel: „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ – oder gute Gedächtniskräfte Das seltenste Ding auf Erden ist ein gut gelungenes Ende. Das schlimmste Ende ist das Elende. Billy und Ulrich Bänzinger

Konnte hinter diesem, meinem unermesslichen Leiden ein geheimer Sinn verborgen sein, der mich der Vorstellung, dem Mitleiden mit den Qualen unseres lieben Herrn, wie es auch Johann Sebastian Bach ausdrückte, näher brachte?! Und wieder nehme ich Bezug auf das Kaspar Hauser Schicksal, mit folgender Aussage seines Lehrers: (…) „Im Gegensatz zu Feuerbach (der, wie Kaspar Hauser selbst anscheinend auch, annahm, das Leben im Gefängnis seiner Kindheit sei nicht unangenehm gewesen), glaubte Daumer deutlich zu erkennen, wie tief Kaspar verletzt worden sei und nahm anscheinend auch an, dass ihm dies einen Zugang zu besonderen Kräften gewährte. Wir kennen das Motiv aus der Mythologie: der Verletzte entwickelt außergewöhnliche Fähigkeiten. Im Falle Kaspar Hausers waren dies vor allem körperliche Fähigkeiten: scharfes Gehör, scharfer Blick, ausgeprägter Geruchssinn. Daumer sah in ihm keine Wunderkräfte, sondern ein direktes Resultat der Gefangenschaft, eine Kompensation für den Mangel an anderen, gewöhnlichen Fertigkeiten.“ Auf diese „besonderen Fähigkeiten“, die sich bei mir in geballter Form zeigen sollten, den „außergewöhnlichen“ Zugang zu Geistigem, wie es Dr. Reiner in seinem Vorwort beschreibt, möchte ich abschließend eingehen, allerdings waren sie offensichtlich keine „Kompensation für den Mangel an anderen, gewöhnlichen Fertigkeiten“, wie ich es schon beschrieb. Der Mangel zeigte sich darin, dass sich meine Gesundheit dadurch anfälliger erwies, wobei auch dort ein Unterschied zu vollziehen ist zwischen einer angelegten Disposition und mitgebrachten Erkrankung, wie die meiner Muskelerkrankung und einer Zerstörung von außen, wie es sich im Medikamentösen offenbarte, mit weitreichenden Folgen in die Zukunft. Denn mein Gesundheitszustand zeigte sich bis zum 33. Lebensjahr nicht besonders anfällig und auffällig, mit Ausnahme der umfangreichen Begleitsymptomatik meines genetischen Defektes, einschließlich eines labilen Nervensystems. Ich wurde häufig zum „Jahrhunderträtsel“ erklärt und als „seltenes Phänomen“ bezeichnet, auch von wildfremden Menschen im Zug, die mich beim Telefonieren beobachteten, oder beim Tagebuchschreiben, um mir dann zu offenbaren, sie „hätten heute auf ihre alten Tage noch etwas dazugelernt“. Und manchmal wurde ich gefragt, woher ich all diese Kräfte nehme, auch im Gedanklichen, in den Gedächtnisinhalten, in meiner Arbeitsweise, der inneren und äußeren Struktur, vor allem der Gleichzeitigkeit, nahezu ohne Nahrung und Schlaf, in einer äußeren Hölle.


242 Ich vermag diese Frage nicht wirklich zu beantworten und ich weiß auch nicht, ob es sinnvoll ist, wenn ich hier zu beschreiben versuche, wie ich immer wieder in meine innere Ordnung zurückfinde, auch wenn mich unbeschreibliche Vernichtungsimpulse immer wieder aus der Bahn werfen wollten. Auf die immer wieder fallende Aussage: „Ja, du hast es gut, du kannst dich an alles erinnern, du bist hochbegabt, dir fliegt alles zu und du hast eben die Kraft, solche Dinge auszuhalten, an denen andere zerbrechen würden,“ kann ich nur mit einer Anekdote über Rudolf Steiner antworten, als eine Frau zu ihm kam und ihm sagte: „Ja, Sie haben es gut, Sie müssen nur ein wenig hellsehen und schon wissen Sie es…“ Darauf antwortete er ihr: „Ja, warum können Sie es nicht?“ Begabungen fliegen dem einen Menschen nicht einfach so zu, während ein anderer benachteiligt wurde, weil er sich vor Gottes Thron nicht vordrängte, um sie zu erhalten. Nein, so ist es leider oder gottseidank nicht. Es ist dasjenige, was Platon die „Seelenwanderung“ nennt und die „Anamnesis“. Je bewusster wir unser Leben gestalten, das bedeutet, dass wir jede Aufgabe mit ganzer innerer Teilnahme vollziehen, um in dieser Bewusstheit das Gedächtnis so weit zu stärken, dass alle Taten jederzeit abrufbar werden, je wahrhaftiger wir versuchen zu werden, wie es auch Börne ausdrückt in seinem Satz: „Wahrhaftigkeit ist die Quelle aller Genialität“, vor allem zu uns selber, je ordentlicher wir unseren äußeren Lebensrahmen gestalten, desto mehr wirkt sich diese Ordnung auch auf unser Seelenleben aus, unsere Gedanken, unsere Taten und unsere innere Struktur. Rhythmus ist auch eine wichtige Komponente, denn Rhythmus ersetzt Kraft. Wenn ich etwas immer zur selben Zeit und Stunde vollziehe, werden enorme Kräfte gespart, die sonst in eine gewisse Fahrigkeit, Verzettelung und auch Überforderung münden können, die sich dann auch negativ auf die Erinnerungsfähigkeit auswirken. Sich und sein Leben nur nach dem Lustprinzip einzurichten, ob man etwas leistet oder nicht, oder wichtigen Aufgaben dadurch aus dem Weg zu gehen, schwächt ebenfalls die Lebens - und vor allem Willenskraft in einer Weise, die ebendiese „Gedanken und Erinnerungslücken“ hervorbringen. Die in Depressionen münden können, in körperliche und oder seelische Kraftlosigkeit, in ein Gefühl der Sinnlosigkeit. Natürlich mag es zunächst als erleichternd erlebt werden, wenn der Vorsatz, ein Buch zu lesen, oder sich sonst einer schwierigen Aufgabe zuzuwenden, durch eine leichtere Sache ohne Anstrengung durchkreuzt wurde. Übergeordnet und langfristig entstehen Risse im menschlichen Tempel der Seele, die immer größer und gewaltiger und dadurch auch gewalttätiger werden, sodass nicht mehr der Mensch, sein Geist der Wagenlenker seiner Seele und des Körpers ist, sondern irgendein Doppelgänger, der sich durch diese Ritzen in die Seele zwängt, sodass viele Menschen oftmals das Gefühl haben, „von ihren Gefühlen überrollt zu werden“, oder einen „Toten in sich zu tragen“, der sie lähmt und ausbremst. Zu den immer wiederkehrenden Fragen, woher ich meine „Genialitäten“ geschenkt bekam und wie ich mein Leben gestalte, damit ich auf sie zurückgreifen kann, möchte ich drei Antworten geben. Die erste betrifft die sogenannte Seelenwanderung: Ich bin der Überzeugung, dass wir uns unser Karma selber schaffen, dass angelegte Fähigkeiten, Willensschulungen, Überwindungen der Trägheit, Verzicht,


243 Lerninhalte, Bewusstseinsübungen, Achtsamkeitsübungen im Sinne von „im Hier und Jetzt“ bewusst zu leben, Aufrichtigkeit, Wahrheitsliebe, Lernbereitschaft und Liebe zu allem was lebt die Voraussetzungen schaffen für eine folgende Inkarnation, um all diese angelegten Tugenden, Fertigkeiten und auch Wissensinhalte weiter auszubauen, darauf aufzubauen. Um sie schließlich zu einer schöpferischen Blüte zu bringen, sogar dann, wenn Schicksalsorkane wüten und die ganze Welt unter den Füßen zusammenbricht, kurz, wenn man seinem Stern folgt und seine Bahn nicht verlässt.

Die zweite Antwort betrifft den Rahmen, in den ich hineingeboren wurde. Die Medaille hat immer zwei Seiten und so schrecklich die Tatsache meines Startes ins Leben anmuten mag, dass ich mit einer schweren Muskelerkrankung geboren wurde, die Aufrichtekraft lange Zeit nicht finden konnte, weil meine Muskeln mich nicht trugen, dass ich an Atemnot litt und einer zeitweisen Schluckstörung, um schließlich fast an einer Lungenentzündung zu sterben. Einen schweren Autounfall zu überleben, meine Familie für ein Jahr zu verlieren, meinen zweiten Vater ganz, eine Mutter im Rollstuhl zurückzuerhalten – all das birgt nicht gerade einen vertrauensvollen Ausblick ins Leben in sich. Und doch erwies sich diese Konstellation im Rückblick als ungeheuer sinnvoll und sinnesreich im wahrsten Sinne des Wortes. Denn durch die frühe Konfrontation mit unbeschreiblichen Schmerzen und Krämpfen wurden mein Bewusstsein und mein Gedächtnis in der Weise geschärft, dass ich mich bis in mein zweites Lebensjahr zurückerinnern kann. Ferner habe ich durch meine motorische Langsamkeit viel mehr wahrgenommen, wahrnehmen müssen oder dürfen, als Kinder, die über alle Besonderheiten hinwegspringen. Mit einer Mutter im Rollstuhl praktisch aufzuwachsen, die kleinen Geschwister mit zu versorgen, lässt die Möglichkeit von vorneherein gar nicht aufkommen, nach dem „Lustprinzip“ zu handeln. Es bestand bei mir eine Schicksalskonstellation, die ungünstig erschien, sich aber offensichtlich günstig auf meinen Lebensweg ausübte, weil ich diese Gunst bewusst erkannt und ergriffen habe und das ist wohl das Entscheidende.

Durch die Gabe der Intuition, der Imagination und Inspiration, durch eine gewisse Hellsichtigkeit fühlte, hörte und sah ich immer den für mich richtigen Weg, wusste ich, welche Lernaufgabe anstand, dass Verzicht nicht schwächt, sondern stärkt, dass Überwindung der Angst, der Unsicherheit und der körperlichen Kraftlosigkeit letztendlich neue Kräfte und Stärken hervorbringen, dass es sich damit wie mit der Liebe verhält: Sie wird mehr, je mehr wir von ihr verschenken.

Wie verhält es sich mit diesen inneren Schulungen, die ich seit meinem 7. Lebensjahr unentwegt vollzog und dessen Früchte in späteren Jahren aufgehen und sogar schwerste Verstümmelungen meines Seelenlebens überleben und überwinden sollten? Damit komme ich zur dritten Frage und Antwort und werde beschreiben, als eine Art „Rezeptvorschlag“, wie ich mir diese „ungeheuerlichen inneren Kräfte und Begabungen“ aneignete.


244 Mit den Hausaufgaben nahm ich es, zugegeben, als Kind nicht so genau. Ich zählte wohl zu den Hochbegabten, wie es der Hellseher sagte, die in späteren Jahren nicht mehr erkannt werden, weil sie irgendwann aufgeben und abschalten. Zudem waren mir andere Dinge wichtiger und darin schulte ich mich unentwegt: Da ich sehr viel im Haushalt mithelfen musste, teilte ich mir meine Zeit genau ein, im Grunde immer in Halbe Stunden. Eine halbe Stunde Abwaschen, bügeln, Wäsche zusammenlegen, mit dem Hund spazieren gehen. Fahrrad fahren, indess ich versuchte, jeden Tag einige Zentimeter länger auf dem Sattel auszuhalten, auch wenn meine Muskeln wie Feuer brannten und krampften, dass mir Hören und Sehen verging. Ich habe diese Anstrengungen keinen einzigen Tag ausgelassen. Fühlte ich Hunger der Durst, ging ich dem Bedürfnis nicht sofort nach, sondern gab mir ebenfalls eine zeitliche und günstige Richtung vor für dessen Befriedigung. Dann ging es weiter mit dem Portraitieren, dem Kalligraphieren, dem Schreinern, dem Malen und lesen. Ich neigte leider dazu, vieles zu beginnen und nichts wirklich zu vollenden und legte mir deshalb auch diese Willensschulung auf, kein Buch aus der Hand zu legen, ehe ich es nicht bis zur letzten Seite durchgelesen hatte, alle meine Vorhaben zu einem guten Ende zu bringen. Meine Wünsche waren sehr begrenzt, ich hatte im Grunde kaum welche, weil ich mir alle meine Begehrungen selber schaffen wollte, nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel.“ Dadurch wiederholte sich mein einziger Wunsch in jedem neuen Jahr: Einmal mit meiner Mutter außerhalb essen zu gehen. Auf meine Gesundheit achtete ich im Besonderen und ernährte mich vegetarisch und biologisch, worin mir meine Familie sehr entgegenkam, weil mein dritter Vater einige Jahre einen Naturkostladen besaß. Alle halbe Jahre legte ich eine 1-2 wöchige Fastenkur ein. Meine körperlichen Leiden behandelte ich selber mit Homöopathie, in der ich mir schon im zwölften Lebensjahr große Kenntnisse erwarb.

In meiner Kindheit und Jugend legte ich selbständig den Keim, der dann wachsen sollte und im Erwachsenenalter zu folgendem sichtbaren Ergebnis führte, das sich jedoch nicht unbedingt zur Nachahmung eignet, weil da Komponenten mit hineinspielen, die eben als „Anomalien“ gelten und bei manchen Menschen zu einer Bewusstseinsspaltung führen könnten: Ich habe von „Achtsamkeit“ gesprochen, die allgemein in der Weise verstanden wird, sich mit einer Sache ganz bewusst und intensiv zu beschäftigen, sich nicht zu verzetteln und im Hier und Jetzt zu leben und zu wirken. Wenn diese Dinge der Betätigung dann erinnert werden können in späteren Jahren, ist es gut.

Ich habe schon davon geschrieben, dass alle meine Sinne überdimensional stark ausgebildet sind, dass ich oft, trotz zugestopfter Ohren jedes Wort verstehen kann was meine Nachbarn unter mir sprechen, obwohl die Wohnungen nicht hellhörig sind. Dass meine Augen die Seite eines Buches einfach so schnell „scannen“ können, um sie im Gedächtnis zu behalten, zumindest große Teile daraus und ich sie innerlich einfach nur nochmals ablese. Dass mein Geruchssinn auch viele subtile Unterscheidungen macht, die anderen verborgen


245 bleiben und dass mein Bewusstsein alles um mich herum wahrnimmt und eigentlich nie wieder vergisst. Kaum ein Gesicht in der U -Bahn, kein Gespräch, keine Klamotte, die jemand trug, weder das Wetter an jenem Tag, noch meine eigenen Tätigkeiten, sogar die meiner Mitmenschen. So bin ich oftmals in der Lage gewesen einem Freund genau zu sagen, wann er welchen Gegenstand in seiner Wohnung wo abgelegt hat. Ich musste es einfach in meiner Erinnerung rückwärts scannen, auch wenn es Jahre zurück lag und konnte und kann es so in meinem Geiste wieder auffinden.

Doch ein essentieller Bestandteil dieser Fähigkeiten setzt bei mir selber eine Ordnungs- und Sauberkeitsliebe voraus, fast bis zur Pedanterie, ohne die ich meine innere und damit äußere Struktur und Systematik nicht in dieser Weise aufrecht erhalten könnte.

So kann ich sagen, dass es zu meiner

Lieblingsbeschäftigung gehört, zu ordnen, zu säubern, zu systematisieren und strukturieren in allen Lebensbereichen, auch im Leben meiner Mitmenschen und im Finanziellen. Begründet auch in der dreifachen Jungfraubesetzung dreier Planeten! Wenn ich morgens aufstehe – und das möglichst immer zur selben Zeit – beginne ich schon mit dem Ordnen und lege alles wieder an seinen Platz. Dann kommt die Körperhygiene, die sehr wichtig ist, weil alles „alte, Verbrauchte, Ungeordnete“ abgewaschen wird und ein neuer Mensch entsteht, der jeden Tag neu beginnen kann. Anschließend beginne ich mit meiner Gleichzeitigkeit: Ich schreibe ausführlich Tagebuch, höre dabei ein Hörbuch der Weltliteratur, oder sehe mir einen lehrreichen Film an. Nur zum Spaß mache ich nichts, alles dient der Bildung, der Bewusstseinserweiterung, des Lernens. Nebenbei fallen mir viele Dinge ein, entweder werden sie mir eingegeben, oder ich komme selber darauf, weil ich unentwegt in mindestens drei bis fünf verschiedenen Richtungen zeitgleich denke. Diese Stichpunkte schreibe ich nebenher auf und beginne Analogien dafür in der Geschichte, oder meinem Leben herzustellen, Zeitenrhythmen zu vergleichen, nachzurechnen, Wochentage auszurechnen, um auf verborgene Zusammenhänge oder Geheimnisse zu stoßen, um sie darauffolgend nachzuprüfen. Wenn ich mit dem Tagebuchschreiben bis zu sieben Seiten für einen Tag, das ich kontinuierlich durchhalte, ohne einen einzigen Tag auszulassen, fertig bin, versuche ich Dinge abzuarbeiten, um die ich von anderen gebeten werde, aber auch alles wieder zeitgleich mit vielen anderen Beschäftigungen. Entweder schreibe ich lange Briefe, gestalte Mappen oder schreibe für anderen Menschen, die mich darum baten, sogar für Therapeuten und Ärzte. Dann schreibe ich Bewerbungen, Ausarbeitungen, auch für die Nachhilfe, nebenher an meinen Büchern, beschäftige mich mit Horoskopen, stoße wieder auf verborgene Rhythmen und widme mich den Persönlichkeiten der Weltgeschichte, um anhand ihrer Horoskope zu verstehen, warum sie so handelten und wann sie ihren Weg verließen, um sich einem anderen Diktat zu unterwerfen und ihre Ideale zu missachten und zu verraten.. Daneben zeichne ich oft ein Portrait, wenn ich über etwas Schwieriges nachdenken muss.


246 Dann lese ich für mich interessante Bücher und bin doch während des Lesens immer damit beschäftigt, wieder Querverbindungen zu anderen Wissensgebieten herzustellen, um wieder auf verborgene Geheimnisse zu stoßen. Wenn ich denke, dann geschieht das immer in Gleichzeitigkeit mit verschiedenen Gebieten. Wenn ich mich beim Spazierengehen unterhalte, versuche ich mein Gegenüber ganz in mich aufzunehmen und sehe dabei Farben und Formen, sehe seine Schwierigkeiten und Stärken und zeitgleich erfasse ich mindestens sieben Autonummernschilder, die ich mir in Sekundenschnelle alle merke. Ich höre meinem Begleiter intensiv zu, denke aber trotzdem noch in verschiedenen Himmelsrichtungen weiter und registriere alles um mich herum, jede Blume, jede Regung der Menschen, die uns entgegenkommen, jeden Blick und auch die Worte, die sie sprechen, sodass ich sie oft abends noch wiedergeben könnte, wenn darin ein Sinn läge. Gleichzeitig sehe ich oft in einer anderen Sphäre, was mein Gegenüber jetzt benötigen würde, wenn er mich um Rat fragt, oder was der Grund seiner Schwierigkeiten ist, oder ganz simple Dinge, dass ihm der Name seiner Cousine nicht einfällt, die ich nicht kenne und dann den Namen dort, im Unsichtbaren, meistens richtig ablese, auch die Uhrzeit, oft auf die Minute genau. All das wurde immer wieder getestet durch meine Mitmenschen und es zeigte sich, dass ich mich nur ganz selten geirrt habe.

Mein Geist, mein Verstand, mein Gehirn können offensichtlich nicht leben, ohne ständig gefordert und vielleicht auch überfordert zu sein, auch wenn ich diesen Bereich nicht bewusst steuern kann, indem ich eben nicht mehr denke. Aber Bewusstsein und Gedächtnis entstehen aus Abbauprozessen, im Grunde unterliegen sie einem permanenten Sterbeprozess und in einem solchen erlebe ich mich seit Jahren, explizit seit den medikamentösen Vernichtungsimpulsen und Durchführungen, die wohl bestrebt waren, auch diese Genialität, meinen klaren Geist für immer auszulöschen.

Ich gedenke hier keine Lobeshymnen auf mich zu singen und doch erscheint es mir wichtig, diesen Fragen auch für mich selber einmal in der Weise nachzugehen, in dem ich sie aufschreibe, welche Qualitäten ich mir aneignete, um auch über dieses „gewaltige und phänomenale Gedächtnis“ zu verfügen, das sich an nahezu jeden einzelnen Tag seiner 41 jährigen, oder 39 jährigen Vergangenheit zu erinnern vermag und ich hoffe, es ist mir gelungen, einen kleinen Ausschnitt daraus aufzuzeichnen, möglicherweise auch als Hilfestellung für den einen oder anderen, sich daran zu orientieren.

Die andere Seite der Medaille ist die der totalen Überforderung und Überreizung, sodass ich natürlich auch deswegen nicht in den Schlaf finden und mich im Grunde niemals wirklich erholen kann. Woher ich Hilfe bekam, all das ohne Nahrung noch ebenso zu vollbringen, sogar unter dem Einfluss eines einjährigen Alkoholkonsums, ist mir zum Teil selber ein Rätsel, aber ich weiß, dass ich wirklichen Beistand aus der Geistigen Welt hatte von den Menschen, die mich liebten, oder die in anderer Weise an meinem


247 Schicksal teilhaben und meine ungeheuerlichen Kräfte wahrnahmen, die ich aufbrachte, um all das zu überleben, wovon ich schrieb. Unter dem „Spiritus“, sprich Branntwein verschärfte sich zwar nicht mein Gedächtnis, im Gegenteil, dafür trat jedoch eine weitere Qualität hervor, die mich sogar in die Lage versetzte, die Gedanken und Gefühle meiner Mitmenschen wie in einem Buch zu lesen, sogar in der Ferne und wenn ich dann unter Alkohol an sie Nachrichten schickte. Darin teilte ich ihnen oftmals präzise, womit sie sich zu gegebener Stunde beschäftigt hatten und sie waren sie über die Maßen verblüfft und bestätigten mir fast immer meine Eingebungen. Unter diesem Einfluss des Alkohols schrieb ich auch mein zweites Buch über Kaspar Hauer und bekam viele weitere Erkenntnisse eingegeben. – Für interessant halte ich auch die Tatsache, dass Spiritus (lateinisch für „Atem“) steht und nicht zuletzt für: Geist, - der sich bei mir unter dieser Substanz nochmals überdimensional weitete, auch wenn ich nur wenige Schlucke davon konsumieren konnte und mit 1,4 Promille bewusstlos auf der Intensivstation lag. -

Ob ich mich hier auf dieser Welt zu Hause fühlte? Nein. Nur in der Natur und unter den Tieren. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus...“ Diese Welt war mir von Anfang an fremd, das Denken der Menschen um mich herum, die kalte Distanz oftmals, die Verdrehungen und Lügen von vielen Menschen und das Streben nach „Glück, Wohlstand, Geld und Behaglichkeit.“ „Sie sind so anders“, pflegten meine Schüler oft zu sagen und sahen mich dabei an, fast kritisch, als käme ich von einem anderen Stern, wie „der kleine Prinz“. „Warum machen Sie das alles für uns, als seien wir Ihre Kinder? Die Lehrer vor Ihnen haben immer nur nach dem Geld gesehen und es war ihnen egal, ob wir etwas lernen.“ Ich fand darauf keine Antwort, versuchte in ihnen aber Keime zu einer anderen Sicht der Welt, zu einem vollkommeneren Menschentum, zur Humanität zu legen und manchmal reichte es, wenn ich „nur“ aus meinem Leben erzählte, wie eine alte, weißhaarige Dame, die auf eine 80 Jahre währende Lebenszeit zurückblickt, in die „gute alte Zeit,“ um große und strahlende Kinderaugen zu erleben, die mir sagten, dass sie verstanden hatten. Nein, die Zeit und vor allem die Menschen war zumeist nicht gut zu mir und doch darf ich jetzt behaupten, dass ich gut zu ihr gewesen bin und nun in all den Schmerzen und Qualen auch ungeheure Perlen entdecken darf, die in der Abendsonne glänzen und strahlen, weil ich sie suchte, für ihre „Ausbildung“ in der Muschel meine ganze Kraft legte, alles, was mir zur Verfügung stand, auch an Tugenden und Überwindungen, Verzicht und Schmerzen - und mir solche Perlen zutiefst wünschte. Denn mit dem Wünschen hat es seine ganz eigene Bewandtnis, wir kennen das aus den Märchen und den Kunstmärchen, wie „das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff. Es gibt „törichte“ Wünsche, die uns von unserem Weg abbringen und ins Verderben stürzten können, weil sie zu kurz gedacht wurden, um damit auch den Charakter zu kürzen, den Weg dagegen zu verlängern.


248 Und dann gibt es die sinnvollen und entwicklungsfördernden, die klugen Wünsche, auch im Sinne der Weltentwicklung und diese werden irgendwann in Erfüllung gehen, wenn die Zeit reif ist. Leider ist die Zeit meistens dann reif, wenn wir über diese Wünsche hinausgewachsen sind und sie im Grunde dann, scheinbar zur falschen Zeit, in Erfüllung gehen. Der Wunsch nach Gesundheit oder Heilung, den Wunsch, mein vorheriges Leben wieder zurückzuerobern, nach eigenen Kindern und einem Beruf, nach einem Ausgleich in Wahrheit und Gerechtigkeit, nach Frieden mit den Menschen, wurde mir nicht erfüllt. Bleibt abzuwarten, was die Geistige Welt damit vorhat. Ich habe mich mit meinen Träumen und Sehnsüchten nicht nur zurückgelehnt, sondern hart um ihre mögliche Erfüllung gearbeitet. – Zum Abschluss möchte ich mich noch meinen „Außergewöhnlichkeiten“, „Paradoxien“ und „Anomalien“ zuwenden, die eine solche Schicksalskonstellation hervorriefen, „Menschen vor entscheidende Prüfungen zu stellen“, gerade im Medizinischen Bereich und ebenfalls Bedingungen zu schaffen, an denen sich „die Wahrheit offenbaren und die Lüge entlarven“ musste.


249 Kapitel: Über das Trauma im Allgemeinen und im Hinblick auf Kaspar und Antje-Sophia

Schicksalsschläge und Umweltkatastrophen lassen sich ertragen - sie kommen von außen, sind zufällig. Aber durch fremde Schuld leiden – das sind die Tore zum schweren Trauma Antje-Sophia

(…) Mehr über Kaspars Hauser Vorleben in Erfahrung bringen heißt mehr darüber in Erfahrung zu bringen, was unter dem Einfluss von Traumata mit den Erinnerungen eines Menschen geschieht. (…) Wie er über sein Gefängnis gedacht hat. (…) Was er über die Außenwelt wusste. Aber es gibt keine Antwort. Es liegt auf der Hand, dass er viel gelitten hat. Wo ist dieses Leiden geblieben? Was ist daraus geworden? Wo steckt es? In seiner Unfähigkeit, wie ein normaler Mensch zu lernen? In seiner Wehmut, die alle Welt so sehr rührte? In seinem Mitgefühl für alle kleinen Lebewesen? Was wird aus den Erinnerungen eines Menschen, der massiv leidet? Werden sie ausgelöscht, verzerrt, wird es gefährlich sich auf sie zu besinnen (…) oder weil solche Rückbesinnung den Schmerz wieder aufleben ließe? Es gibt kaum Untersuchungen über die Erinnerungen von Kindern, die etwa den Holocaust überlebt haben. Man behauptet einfach, solche Erfahrungen könnten gar nicht verdrängt werden. (…) Ob Kinder, die sexuell missbraucht wurden, diese Erinnerungen jemals vergessen oder verdrängen können. Die Verfechter des Falls Memory Syndroms sagen nein und verweisen auf Studien an Kindern, die Unfälle erlitten oder traumatische Ereignisse wie einen Mord miterlebt haben. Die Gegenseite behauptet: Selbstverständlich! Aber eigentlich weiß man sehr wenig über diese Frage. (…) Und welche Unterschiede bewirken unterschiedliche Grade von Traumatisierungen? (…) Das es gar keine allgemeinen Regeln gibt, das verschiedene Menschen unterschiedlich reagieren. (…) Tauchte er … mit 16 Jahren aus einem Verlies auf. Nur wenige Tage vorher war er noch eingesperrt gewesen und hatte Dinge erlebt, die er in ein, zwei Tagen (…) nicht vergessen haben konnte – auch wenn er die sprachlichen Fähigkeiten, die nötig waren, um über sie zu sprechen, erst Wochen oder Monate später erwarb. Warum wissen wir über Kaspar Hauser so viel mehr als über jedes andere Kind seiner Zeit? Nur weil man vermutete, er sei der legitime badische Thronerbe? (…) Aber die weitreichenden dynastischen Konsequenzen (…) haben sich längst erledigt. Es vergeht jedoch kaum ein Jahr, indem nicht ein neues Buch über ihn erscheint.


250 Viele Betroffene leben nach dem Trauma in einem Gefühl anhaltender Bedrohung. Sie empfinden ihre Umwelt auf einmal als unsicher und gefährlich – ein ständiger Stress für Körper und Seele. Mögliche Folgen sind Ängste, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit oder Konzentrationsstörungen. Um die negativen Gefühle zu betäuben, greifen manche Betroffene zu Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Drogen. Das Risiko für eine Suchterkrankung steigt bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung stark an. Auch die Gefahr für einen Suizid wächst. Unbewältigte Traumen erhöhen zudem das Risiko für Depressionen, Angsterkrankungen und Zwangsstörungen.

Doch die wichtigste Erkenntnis aus den Ursachen einer schweren Traumatisierung ist diejenige, die ganz sicher auf mein Leben zutrifft: In Großbritannien im ersten Weltkrieg ergaben Klarheit in Posttraumatischen Phänomenen: Man ließ sowohl Kampfpiloten in Kampfballons aufsteigen, als auch Piloten in Aufklärungsballons. Beide Gruppen schwebten in gleicher Lebensgefahr und erhielten auch etwa gleich große Verluste. Aber die Piloten in den Aufklärungsballons hatten weit größere Schocks, als die Kampfpiloten. Letztere kämpften sozusagen um ihr Leben und es gelang ihnen mitunter auch, ihren Feind abzuschießen, während die Piloten in ihren Heißluftballons sitzen mussten und abwarten, was passiert – dem Geschehen völlig hilflos ausgeliefert. Man erkannte dadurch – und es bewahrheitete sich im Folgenden auch immer mehr, dass das Gefühl der Hilflosigkeit die Posttraumatische Stressreaktion erst zum Vorschein bringt, als zum Beispiel ein Schock bei Schwerstverletzungen im Kampf.

Die Posttraumatische Stressreaktion kann auch schon in einer milden und sanften Form großes Leid verursachen und unbehandelt auch zu Wutausbrüchen, Depressions - und Apathieschüben führen. Wenn Menschen schweren seelischen Traumata ausgesetzt wurden, bewirken sie eine Art dissoziativer Vergesslichkeit, eine Form der dissoziativen Störungen, zu denen Gedächtnis und Identitätsprobleme zählen. „In der Anfangsphase zielt die Behandlung der posttraumatischen Stressreaktion darauf ab, das Selbstvertrauen des Patienten zu stabilisieren und sein Dasein irgendwie auf festen Grund zu stellen.“ Die in Hollywood Filmen so oft darstellte Wiederbelebung und Auflebung des Traumas durch Konfrontation mit demselben oder ähnlichem, löst das Problem in der Wirklichkeit meistens nicht. (…) „Wohl kann sie Teil des Gesundungsprozesses sein, doch muss sie etliche Male und in Abstufung durchexerziert werden, und darf nur dann zur Anwendung kommen, wenn der Zustand des Patienten einigermaßen stabil ist und wenn ihm keine Gefahr droht, weder durch ihn selbst noch von anderer Seite. Vor einigen Jahren machte ich die schmerzliche Erfahrung, dass es grundsätzlich ratsam ist, sich behutsam vorzutasten…“ (…) Man sollte sich nicht auf die Schrecken der Vergangenheit konzentrieren, solange der Patient in einer traumatischen und gefährlichen Gegenwart lebt…“


251 Bis vor wenigen Jahren war es Gang und Gebe von einem Gegenwartstrauma abzulenken und sich auf Kindheitskonflikte zu konzentrieren. Manchmal erklärte man sogar ein Gegenwartstrauma mit verdrängten Wünschen aus frühester Kindheit. Aber es hat unter den Therapeuten eine Art Revolution gegeben. Neue Methoden der Traumatherapie wurden erarbeitet und die Definition der „masochistischen Störung“ für traumatisierte Leidende verlor ihre Bedeutung und wurde aus dem DSM IV herausgenommen ….“

Warum entwickeln manche Menschen eine Posttraumatische Stressreaktion und andere wiederum nicht, obwohl sie ähnlichen Situationen ausgesetzt waren?! Eine Erklärung geht davon aus, dass Betroffene möglicherweise schon latent seit ihrer Geburt an einer übergroßen Sensibilität litten, die sich aber erst in Notsituationen offenbart. Doch auch diese Sichtweise wurde vehement wiederlegt, weil auch kein Zweifel daran besteht, dass auch der stärkste und gesündeste Mensch eine posttraumatische Stressreaktion entwickelt, wenn er dem puren Schrecken zu lange ausgesetzt wurde. (…) „Die genaue Auswertung des statistischen Materials ergab, dass jeder Soldat der im Mittelmeerraum stationierten amerikanischen Infanterie nach nicht mehr als 240 Tagen harter Kämpfe einen Kampfschock davongetragen hatte. Damit war bewiesen, dass selbst der gesündeste und mutigste GI zusammenbrach, wenn er den Kriegsgräueln mehr als sieben Monate ausgesetzt war…

Doch die wichtigste und doch erschütterndste Erkenntnis mit der Beschäftigung von schweren Traumata war diejenige, dass sich ein Trauma dann in voller Größe und Stärke entwickelt, mit allen nur denkbaren Symptomen, wenn das Ereignis sinnlos, in seiner Folgerichtigkeit nicht einsehbar ist. Wenn ein Mensch durch einen Herzinfarkt stirbt, wenn ein anderer in den Bergen durch Unachtsamkeit einem schweren Unfall unterlag, sind die Ursachen einzuordnen und zu verstehen. Yoram Yovell schreibt über einen traumatisierten Menschen: „Du wusstest, dass der Tod deiner Kameraden völlig sinnlos war. Sie sind in einem Krieg, den du nicht gutheißen konntest, aufgrund eines tragischen Irrtums ums Leben gekommen. Dies sind Faktoren, die bei der Entwicklung eines posttraumatischen Syndroms den Ausschlag geben können.“ Wichtig ist auch folgendes: „Das Ereignis, dem wir ausgesetzt waren, kann nicht als Maßstab für die Angemessenheit oder Unangemessenheit unserer Reaktion gelten. Verschiedene Personen reagieren unterschiedlich auf ein und dasselbe Vorkommnis. Der preisgekrönte Sportjournalist Detlef Vetten wurde, weil er angeblich zu viel getrunken hatte, zwangseingewiesen in die Psychiatrie, man unterstellte ihm Suizidgedanken, die er weder gehabt, noch geäußert hatte und er kam als gebrochener Mensch wieder zurück in sein Leben: „Vetten verließ die Anstalt nicht nur in schlechtem Zustand, sondern auch schwer traumatisiert“…


252 „Ich war nach Haar erschrocken darüber, wie zerbrochen ich war. Und das war das nachhaltigste Gefühl. Ich war vor der Zeit wahrscheinlich der meistprämierte deutsche Sportjournalist. Ich war sehr erfolgreich gewesen. Nach meiner Zeit in Haar kannte mich kaum –wollte mich niemand mehr kennen“…Es gab dann, das wurde mir kolportiert, bei einer großen deutschen Illustrierten eine Konferenz. Da sollte das Schicksal des besten deutschen Torhüters beschrieben werden. Ein Teilnehmer sagt:“ Das könnte doch der Vetten machen.“ Was ich wirklich hätte machen können. Ich kannte diesen Torwart sehr, sehr gut. Die Chefredakteurin blickt auf und sagt:“ der Vetten? Der war doch in Haar. Der ist doch tot oder unter der Brücke oder verrückt ist er auf jeden Fall.“ Ich war weder tot, noch unter der Brücke und verrückt schien ich mir auch nicht zu sein, zu der Zeit. Aber ich war durch. Über mich, wenn über mich geredet wurde, dann war ich “der Idiot“. Der Idiot, der es nicht geschafft hatte.“ ( Detlef Vetten ) Dieser Satz der „Unangemessenheit“ kann sich auf alle nur denkbaren Reaktionen auf äußere Lebenseinflüsse beziehen und ebenso auf die Einwirkung von Tavor und allen weiteren schweren Medikamenten, ohne dass uns unsere jeweilige, möglicherweise unterschiedliche Reaktion darauf abgesprochen werden kann und darf, wie es in meinem Prozess in verbrecherischer Weise erfolgte.

J. Mason im Buch von Daumer: (…) „In dem Begriff „dysfunktionale Familie“ kommt nur eine Einsicht zum Ausdruck, die Tolstoi schon vor langer Zeit hatte: Glückliche Familien sind sich alle gleich, nur die unglücklichen Familien sind interessant. (…) Wir verdrängen nur, was unerträglich ist. Entgegen der Lehre Freuds glaube ich, dass es nicht die Phantasien sind, die uns krank machen, sondern Erinnerungen, an die man sich nicht erinnern kann oder nicht erinnern will. Jeder vergrabenen Erinnerung wohnt eine Sehnsucht nach Aufhebung der Verdrängung inne, ein Wunsch oder ein Verlangen nach Erinnerung, eine Art eingebauter Selbstheilungsmechanismus.


253 Kapitel: Paradoxien, Anomalien, scheinbare Widersprüche und Hochbegabungen, hoher IQ

Endet das Lied des Meeres an der Küste oder in den Herzen derer, die es vernehmen? Khalil Gibran

„Der präzise, exakte, klare Beobachter beschreibt und schildert sein Leben, der genaue und differenzierte Psychologe die ausgelösten Reflexe des Gefühls und darüber hinaus, als einheitliche gestalterische Synthese beider Komponenten aber betrachtet ein neues Element der Selbstschau und Beschauung unter dem Vorzeichen der Wahrhaftigkeit und Wahrheit, nämlich das unerbittliche Auge des Gewissens jedes Wort auf seinen Wahrheitsgehalt, jede Gesinnung, jede innere Einstellung und Motivation des Denkens und Handelns auf ihre Reinheit, jedes Gefühl auf seine fortwirkende Gewalt, denn die biographische Selbstdarstellung ist über die neugierige Selbstdurchforschung hinaus moralische Selbstprüfung, ein Selbstgericht geworden.“ Wie es mein Arzt, Dr. Reiner, ausdrückte, habe ich in diesem Leben die Voraussetzungen „außergewöhnlicher

Schicksalskonstellationen“

mitbekommen,

welche

vielseitige

Möglichkeiten,

Hochbegabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten mit einschließen, Kraft, Stärke im Seelisch- Geistigen und einen „unwiderstehlichen Zauber“, aber ebensoviele Unmöglichkeiten im Sinne von Anomalien und Paradoxien, die mich immer wieder vor gewaltige Menschheitsprüfungen stellten. Ich musste den Eindruck gewinnen und es zeigte sich auch objektiv, dass ich die Finsternisse der Menschen entlarven musste, die meine Komplexität nicht verstehen konnten, um das Unverstandene in ihrem Unverstand zu vernichten. „An deinem Leben offenbart sich die Wahrheit, wird die Lüge entlarvt.“ So ein Hellseher.

Ich war nicht kompatibel mit der Welt und es fiel mehrfach die Aussage von hellsichtigen Seiten, dass meine Konstitution zu hell, zu lichtvoll durchscheinend und zu fein – feinstofflich sei für diese raue, materialistische, harte Welt der Ellbogen, um fortzufahren mit der Vollendung ihrer Einsichten: „Das, was dir im Medizinischen, gerade im Medikamentösen geschehen ist, angetan wurde, war ein schweres menschliches Verbrechen auf höchstem Niveau und hätte gerade dir niemals passieren dürfen.“ (…) „Hochwichtigen und wunderbaren Wahrnehmungen in medizinischer und pathologischer Hinsicht als noch nicht gereift genug weglassen.“ (Feuerbach über Kaspar). Worin zeigten sich nun diese vielen „Außergewöhnlichkeiten“ eines „Ausnahmefalles“, oder „Sonderfalls“? Sie zeigten sich in vielfacher Hinsicht, beginnend mit meiner schweren Lungenentzündung als Kind, die bis zur vorletzten Stunde, wie es ein Arzt ausdrückte, nicht erkannt wurde, als ich schon fast meinen letzten Atemzug tat.


254 Auch bei Kaspar Hauser zeigte es sich in ähnlicher Weise, dessen tödliche Verletzung des Herzens, der Lunge, des Magens bis zum letzten Atemzug von keinem der Ärzte als solche in ihre medizinischen Überlegungen und Hilfeleistung mit einbezogen, weil nicht erkannt wurde, sodass sie ihn sogar noch in dieser Unkenntnis seines Zustandes unzähligen Polizeiverhören aussetzten.

Sie zeigten sich ferner in meiner schweren, seltenen Muskelerkrankung, der genetischen Mutation, die auch mit plötzlichem Kindstod assoziiert wird und in dieser Form wohl nur „drei bis fünf Menschen weltweit“ betrifft. Und doch bin ich auch nicht im Säuglingsalter gestorben, weil mich ein unbändiger Lebenswille auszeichnete, trotzdem ich von Anbeginn Schwierigkeiten beim Laufen, Schlucken, Atmen hatte, die sich mir tief in die Seele pflanzten und sich in Form früher Ängste zeigte, die ein Gedächtnis ausbildeten, das mich befähigte, die frühen Kinderjahre ab meinem zweiten Lebensjahr und sogar noch etwas davor, teilweise im Detail zu erinnern. Es war der Schmerz, der Krampf, die Angst, die das Gedächtnis in der Weise heraus formten zu einer kristallinen, präzisen seelisch- geistigen Gestalt.

Schon in früher Kindheit zeigten sich hellsichtige Anlagen, die unser schweres Unglück in meinem 3 ½ Lebensjahr voraussahen und mit der fast tödlichen Lungenentzündung darauf reagierte. Die Lunge ist das Organ der Kommunikation, die mir in diesem Lebensalter vollkommen abging und schließlich vollkommen versiegte, als ich auf einen Schlag beide Elternteile und meine Geschwister für lange Zeit verlieren sollte, meinen zweiten Vater für immer.

Weitere unverständliche Anomalien enthüllten sich in der Tatsache, dass ich nicht nur auf sämtliche schwere Psychopharmaka paradox reagierte, angeblich unüblich in meinem Lebensalter, weswegen die offenkundige paradoxe Wirkung von den Ärzten ad absurdum geführt wurde, sondern dass ich alle Geisteskräfte zusammennahm, wohl hielt sich mein Bewusstsein außerhalb meines Körpers auf zu jener Zeit, die es mir ermöglichten, unter durchschnittlich 8mg Tavor, wenn bei den meisten Menschen, so sie es erleben, von „Wortfindungsstörungen und Silbenschleifen“ gesprochen wird, dennoch stringent logische, geistig und hochwertige Briefe schreiben zu können. Dass ich ferner einem Intelligenztest in der Uniklinik München unterzogen wurde, weil eine Elektroschocktherapie angestrebt wurde und ich diesen Test weinend nach drei Stunden verließ, weil ich glaubte, vollkommen versagt zu haben. Ich konnte mich absolut nicht zu konzentrieren. Um doch wenige Tage später zu erfahren, ich habe in diesem Zustand noch einen IQ von 120 gezeigt, der in der allgemeinen Tabelle als „sehr hoch“ eingestuft wird. Somit zählte ich zu den wenigen 6,7% der Menschheit mit diesem Wert. (120 – 129 sehr hoch 6,7 %). Die Hälfte der Menschen haben, zur Orientierung, einen IQ von 90-110, das ist der Durchschnitt. Als hochbegabt gilt man, wenn der IQ über einen Wert von über 130 liegt. Diesen Wert und etwas höher, wies ich nach meinem schweren Tavorentzug auf.


255

Die Hochbegabung lässt sich anhand einiger Symptome auch im Alltag bemerken: •

ausdrucksvolle Sprache

hohe Neugierde, Wissensdrang

schnelles Abspeichern und Verknüpfen allgemeiner und interessanter Fakten

zielstrebiges und eigenverantwortliches Arbeiten

hoher Gerechtigkeitssinn

In welchen Sphären musste ich mich nach meinem Tavorentzug aufhalten – und ich spreche von „musste“, weil es Hochstress war für meinen Geist, mein Gehirn, alles zu speichern und nichts vergessen zu können? Um zum einen die Schlaflosigkeit ansatzweise zu lindern, zum anderen aber, um mein „Phänomenales Gedächtnis“ und meine Schnelligkeit in allen Dingen, die den Kopf, den Geist betrafen, abzuschwächen, wandte ich mich dem Alkohol zu, den ich ein Jahr in Hochprozenten konsumierte, weil ich wenig schlucken konnte. Ich trank ihn, um nicht unentwegt fast durchzudrehen, wenn einer meiner Mitmenschen immer wieder „auf der Leitung stand“, sich nichts merken konnte, alles aufschreiben musste und es doch wieder vergaß, während mein Gehirn in vielen Richtungen gleichzeitig arbeitete, sich alles merkte, jeden Gesichtsausdruck, jede Aussage, jede Note eines ganzen Klavierstückes, um es dann in wenigen Minuten fast auswendig spielen zu können, ohne dass ich jemals das Klavierspielen gelernt hatte. Oder dass meine Augen einfach nur die Seite eines Buches in wenigen Minuten „scannen“ mussten, um es anschließend und noch Wochen später manchmal fast vollständig, zumindest aber mit Seitenzahl approximativ innerlich abzulesen. Um all das besser ertragen zu können, vor allem die Langsamkeit meiner Mitmenschen, habe ich mich mit dem Alkohol verheiratet und war morgens immer erstaunt, alle skurrilen Dinge, die ich mir abends leistete, vollkommen vergessen zu haben. Ich konnte vergessen, zumindest am Vormittag für einige Stunden und mich ansatzweise dem Tempo meiner Umwelt anpassen, ohne immer fast aus der Haut zu fahren, da Geduld nicht zu meinen Stärken gehört. Und leider habe ich es selten geschafft, mich darin zu üben.

Auch im Bereich der Intelligenz zeigten sich wieder außergewöhnliche Anomalien und Widersprüche, denn meine Genmutation, die Mitochondriale Myopathie kommt sowohl in der ersten Variante, als auch in der seltenen Signifikanz im homoplasmatischen Zustand vor, was bedeutet, dass hundert Prozent aller Zellen im Körper davon betroffen sind, das Gehirn aber offensichtlich dennoch verschont geblieben ist, ja, sogar wiederum „außergewöhnliche“ Phänomene der Intelligenz und Leistungsfähigkeit zeigt, trotzdem es auch durch massive äußere Fremdeinwirkung in Form von allen nur denkbaren Psychopharmaka in seiner Leistung beeinträchtigt wurde, dem Erdboden gleichgemacht werden sollte.


256 Und eben diese „Gravitationsanomalien“ in meinem Hirn hat wohl den Arzt und einige andere dazu veranlasst, mich zu prüfen, ein Experiment mit mir anzustellen, um die Reaktionen abzuwarten, weil es nach ihrem materialistischen Weltbild kein Dazwischen geben konnte. Es konnte keine Phänomene geben, die ihrer agnostischen Sicht der Welt nicht entsprechen. So musste sie meinen Geist, meinen Willen brechen, um all das „Außergewöhnliche“ ihres beschriebenen „Ausnahmefalles“ im Grunde zu eliminieren und alles über das Normalmaß Hinausgehende als krankhaft zu disqualifizieren.

Eine weitere Anomalie zeigte sich in der Gegebenheit, dass ich unter einer schweren Muskelerkrankung litt und mit schweren Krämpfen und später auch mit Gangstörungen mich auseinander zu setzen hatte, an denen ich auch ansatzweise Geduld üben konnte, allerdings zeigte es sich, dass ich alle Tätigkeiten in einer Schnelligkeit vollzog, auch die der umfangreichen Hausarbeit, des Bügelns, Spülens, Putzens, Kochens, an die meine Mitmenschen in keinster Weise heranreichen konnte. Und doch konnten sie ein Phänomen an sich selbst bemerkten, nämlich dass sie beim Zusehen während meiner Arbeitswut nicht nur „gesundeten, weil jeder Handgriff saß und sitzt in vollkommen harmonischen Bewegungen“, trotz dem Anschwellen meiner Muskeln, sondern dass sie Motivation bekamen, um selber schaffend ins Leben zu springen. Es mag sich hierbei wohl um die berühmten „Spiegelneuronen“ handeln, die uns zum einen intuitiv mitfühlen, beziehungsweise uns vorstellen lassen, was in einem anderen Mitmenschen vorgeht, wenn sie funktionieren und auf gut ausgebildete Neuronen treffen. Zum anderen scheint wissenschaftlich bestätigt, dass sich sogar Schlaganfallpatienten erholen, wenn sich die Struktur in ihrem Gehirn durch Nachahmung verändert und verbessert. Die Spiegelneuronen sind ein weit verzweigtes System von speziellen Nervenzellen in unserem Gehirn. Diese Nervenzellen werden durch die Gegenwart anderer Menschen aktiviert und rufen sozusagen spiegelbildlich die Gefühle oder Körperzustände des anderen in uns wach. Deshalb ist auch Lachen, sprich Frau Lachenmayr so ansteckend, umgekehrt aber auch eine gedrückte Stimmung. Die Forscher nennen dieses Verhalten, das in jedem von uns verankert ist, Resonanzverhalten. „Solche ausgelöste Resonanzreaktionen haben jedoch nicht nur psychologische, sondern auch biologische Effekte, denn alle Erfahrungen, die wir in unserer Umwelt machen, werden vom Gehirn in biologische Signale verwandelt. Durch diese Signale verändern sich nicht nur die Nervenzell- Verschaltungen des Gehirns, es verändert sich unser Körper insgesamt. Was wir erleben, was uns von Anderen widerfährt, beeinflusst und verändert uns – seelisch und auch körperlich.“ Die Beeinflussung meiner Spiegelneuronen auf andere Menschen mag in ihnen, neben meiner „heilenden Wirkung und meiner heilenden Hände“, wie es der Handlinienleser sagte, dazu geführt haben, dass sich meine Nachhilfeschüler alle, ohne Ausnahme, zu den Klassenbesten Schülern entwickelten, sich auch gleichzeitig in ihrem Wesen ungeheuer positiv veränderten. Doch wie kann derlei möglich sein, wenn man mein biochemisches Gleichgewicht im Gehirn durch unzählige verbrecherische Einwirkungen im Medikamentösen und in der Magnetstimulation, im


257 vernichtenden verbalen Austausch hinsichtlich Dr. Engel und der diffusen, undifferenzierten Kommunikation mit meinem Hausarzt Dr. Gabriel, die den Keim für alle weitere Zerstörung legte und ihn am Ende noch mit Wasser begoss, wenn alles zusammen mich im Grunde nicht nur brechen, sondern hätte töten müssen?! Hatten da andere Kräfte und Geistwesen mitgewirkt, mich in dieser Weise auferstehen zu lassen und meinen ganzen Umkreis noch, im Rahmen des Entzuges aller Existenzgrundlagen, einschließlich Nahrung und Schlaf, mitzuziehen und ihnen „ein neues Leben“ zu ermöglichen?

Alles ungeklärte Fragen im Rahmen meiner Paradoxien und Anomalien, welche die dunkle Seite der Menschheit, die mit Geld und vor allem falscher Macht verheiratet war dazu veranlasste, Ungewöhnlichkeiten keinen Glauben zu schenken, um sie zu vernichten, einschließlich meines „Lichtes“ und der „Helligkeit meiner Seele“. Und dieses Phänomen war ein weiteres in meinem Schicksal, nämlich dass sich an meinem Leben ganz deutlich die „Geister schieden“, zwei verschiedene Menschentypen. Dass jene „Menschen- Dunkelheiten“ versuchten, meinen Zugang zum Geistigen abzuschneiden, mich auszulöschen, ohne mich körperlich zu töten, dass sie jedoch alles versuchten, um mich in den Untergang zu stürzen, in dem ich mich wohl selber vernichten sollte, dass sie sich der geistigen Seite, der unsichtbaren Welt verschlossen, um die Welt weiter zu verfinstern und damit auch meine Mission, meinen Auftrag, von dem sie wohl unbewusst Kenntnis hatten: Denn wir wissen nun auch von Pim van Lommel und allen anderen angeführten Wissenschaftlern und Ärzten, dass es auch Verbundenheit ohne Zeit und Raum gibt. Dass alle Wesen miteinander kommunizieren, auch wenn sie ihren Mund verschließen und somit wurde deutlich, dass die unermesslichen Angriffe, verbunden auch mit Zeit und Geld, also einem teilweise großen Aufwand auf meine Person, auf meine Seele, mein Ich, in jedem Fall mehr beabsichtigten, als einfach nur der Pharmaindustrie einige poplige Gewinne einzufahren, oder dafür eine Reise, oder einen goldenen Kugelschreiber geschenkt zu bekommen. (…) „Ebenso bezeichnet Anselm Johann Ludwig Feuerbach diese Tatsache in seiner Vorbemerkung „Hinwegschaffung

von

Persönlichkeiten“

hinsichtlich

der

Ermordung

seines

Vaters,

dem

Gerichtspräsidenten im Fall Kaspar Hausers: “(…) Fest steht, dass von mehr oder weniger interessierter Seite immer wieder versucht wurde, Feuerbachs Hauser Ansichten auf alle Weise madig zu machen. Der tiefere psychologische Grund dafür ist mir auch klar: Es gibt zwei Sorten von Menschen auf der Welt: Die einen sind, wie Feuerbach, für die Abschaffung der Tortur (Und schaffen sie, wie Feuerbach, ab, wenn sie groß und leistungsfähig sind. Am 19. August 1804 erhielt Feuerbach den Auftrag zur Ausarbeitung eines bayerischen Strafgesetzentwurfes. Im Zuge der Strafrechtsreform wurde auf seinen Antrag hin am 7. Juli 1806 die „peinliche Befragung“ abgeschafft.), -


258 die anderen sind für Einführung derselben Tortur, wie Mittelstädt (Der Gefangene soll rücksichtslos angespannt und erbarmungslos angetrieben werden… (…) und er soll dies als grausame Pein empfinden, Körper und Seele sollen darunter leiden, aufstöhnen und zusammenbrechen, und jeder Mann soll wissen, dass dies die gerechte Ordnung dieser Welt sei.) (…) Die einen lieben den Mythos wie Feuerbach, Daumer usw., die anderen sehen in allem nur Lug und Trug!“

Anselm Feuerbach, möglicherweise der Maler: „Der Unverstand ist die unbesiegbarste Macht auf Erden“.


259 Kapitel: Klare Kommunikation – falscher Arzt und Spiegelneuronen Daß der Mensch, der doch die Wahrheit so flieht, den Spiegel erfunden hat, ist die größte historische Merkwürdigkeit. Christian Friedrich Hebbel

Ich habe bereits die Spiegelneuronen beschrieben und möchte noch anmerken, dass ich selber sehr stark auf Verhaltensweisen, auf nonverbale Kommunikation, auf Mimik, Gestik und die Sprache meiner Mitmenschen reagiere, so stark, dass ich in der Münchner Klinik, laut meinen Therapeuten und Ärzten, sogar in der Lage war, Gedanken, Gefühle der im Kreis Sitzenden genauestens zu analysieren, in Bruchteilen von Sekunden, um sie, als ich sie manchmal verbalisierte, auch als richtig und wahr bestätigt zu bekommen. Das ist als solches möglicherweise auch unheimlich für meine Mitmenschen, wenngleich ich mich darüber freuen würde, erleichtert wäre, wenn meine Umgebung meine Gefühle, Stimmungen, Zustände, möglicherweise auch Gedanken und vor allem meinen Gesundheitszustand erfühlen, erahnen und sogar präzise wissen würde, weil ich mich dann nicht mehr unentwegt beweisen müsste, wenn das normale, stupide Diagnoseverfahren diese Tatsachen nicht ausloten und vor allem sichtbar machen kann. Wer nichts zu verheimlichen, zu vertuschen hat, hat auch nichts zu befürchten.

Für mich selber ist diese Aufnahme und Verarbeitung nicht nur aller äußeren Begebenheiten, die wir alle mit unserem physischen Auge wahrnehmen können, ferner alle Erinnerungswerte, die mir minutiös im Gedächtnis bleiben, neben dieser weiteren, eher unsichtbaren Ebene eine große Anstrengung, weil mein Gehirn offenbar immer auf Hochtouren arbeitet, alles registriert, nichts vergisst und vergessen kann und sich gewissermaßen an die jeweilige Person angleicht. Wenn ich einen Menschen vor mir habe, der nicht richtig kommunizieren kann, wenn das gemeinsame Gespräch in einem diffusen Gestrüpp, in ein Gezerre abgleitet, so verschlägt es auch mir das Wort, ich gerate in seinem Strudel, werde haltlos, widersprüchlich, unkonzentriert und muss mich im Grunde sofort zurückziehen, - denken, analysieren, schreiben, mich wieder ins Lot bringen, ehe ich weitere Gedanken oder Handlungen vollziehen kann, weil ich sonst wirklichen Fehlerquellen unterliege, ihnen ausgesetzt werde. Und diese Problematik, das erkenne ich heute erst im Nachhinein, lag mit meiner Hausärztin vor. Sie war im Grunde für mich von Anfang an der falsche Arzt und mein bester Freund, der Priester und Musiker, sagte mir das schon vor Jahren in ganz feinfühliger Art und Weise: „Frau Dr. Gabriel und du ihr seid von so unterschiedlicher Wesensart, dass es da wohl kaum Berührungspunkte gibt.“


260 An mir selber konnte es schlecht liegen, weil ich bekannt dafür war, auch von meinen Ärzten und Therapeuten in München bestätigt, dass ich zu jedem Menschen eine Brücke finde und eine heilende Wirkung auf meine Umgebung ausstrahle. Ich hatte schon beschrieben, dass sie meinten, es sei meine einzige Lebensaufgabe, den Menschen „mein inneres Licht, Struktur, Mut und Kraft zu geben.“

Insofern war es im Grunde von vorneherein absehbar, dass mich gerade dieser Arzt, der mit der Wahrheit nicht gerade verheiratet war und ebenso wenig mit seinem inneren Gleichgewicht, der heute großspurige Versprechen gab, die er morgen brach, der mich in seine Abhängigkeit brachte, um sie in entscheidenden Momenten einfach zu durchtrennen, wenn ich gerade am Ertrinken war, der mir goldenen Schüsseln reichte, mich dick und rund fütterte in Zeiten seiner guten Laune, um dann zu beschließen, dass diese Nahrung genug sein muss für weitere drei Jahre, mich dann in dieser Zeit verhungern zu lassen. Dessen Kommunikation jeglicher stringenten Logik entbehrte, wie es auch Freunde von mir ausdrückten und der, wenn er einsehen musste, dass der Gesprächsverlauf abglitt, das eigenen Versagen nicht erkannte, den normalen, geraden Pfad verließ, sich verbal in einem Irrgarten verlief, schließlich aufstand, der hilfesuchenden Person ohne weitere Worte die Hand gab, und sie im Regen stehen ließ, um immer als vermeintlicher „Sieger“ auch des letzten Wortes daraus hervorzugehen, egal, ob es noch im Zusammenhang mit dem Anliegen stand, oder nicht. Gerade ein solcher Arzt war natürlich mit der Seltenheit und vielleicht auch Schwere meiner Erkrankung vollkommen überfordert, ebenso mit der eigentlich „logischen und analytischen Jungfrau“ und so konnte sie nur maßlos versagen in jeder Hinsicht, weil ihre Denkfähigkeit, zumindest in diesem Zusammenhang der Ausschlussdiagnostik und präzisen Analyse der Situation, offenbar nicht entfernt über den Tellerrand hinausreichte. In ihrem Strudel unausgewogener Seelenverfassungen und Doppelgängererscheinungen gefangen, hatte ich nach meiner Entlassung im schwersten Tavorentzug und dem Beginn einer für mich unbegreiflichen, sich weiter ausprägenden Sensibilität und Verletzlichkeit, kaum eine andere Wahl, die Situation in der Weise weitreichend zu überblicken und rechtzeitig zu handeln, oder die Notbremse zu ziehen.

Die Wahlmöglichkeit, so sehe ich es heute, hatte ich nur und ausschließlich in einer ersten Phase vor meiner Einweisung in die Hölle, als meine Mutter mir nach einem Telefonat mit ihr riet, mir sofort einen anderen Arzt zu suchen, sie sei eiskalt in dem Gespräch gewesen und habe ihr signalisiert, dass sie sich überhaupt nicht für meine Belange hinsichtlich der Augen Operation interessiere und nicht mithelfen würde, weil sie angeblich noch nie dahinterstand. Mir selber hatte sie das nicht gesagt, denn mit mir sprach sie selten, ich erfuhr entscheidende Dinge, die sie angeblich geäußert hatte, immer über Dritte, bei denen sie sich auch fast hinterlistig erkundigte, was ich unternommen habe, um die schwere Blasenentzündung meiner Pflegemutter zu lindern.


261 Sie hatte auch tatsächlich magische Kräfte im Zusammensein mit anderen Menschen, Patienten oder Angehörigen, gerade im Gesprächsverlauf und jeder hatte, ohne Ausnahme, immer wieder das Gefühl, ein vollkommener Verlierer zu sein, sich klein und unwichtig zu empfinden. Auf klare Fragen gab sie oftmals vollkommen unlogische, zusammenhangslose Antworten, - um hinterher, bei klarem Verstand und dem Rekonstruieren der Unterhaltung von unserer Seite festzustellen, dass sie die Fähigkeit hatte, nicht durch äußere Massivität oder Gewalt, durch laute Worte, sondern ganz subtil unterschwellig das Gegenüber in Grund und Boden zu reden, manchmal mit einem Satz, um dann abzubrechen, mit kaltem Ausdruck die Hand zu reichen, wenn es für sie eng werden konnte, oder das Wahrheitskind geboren werden wollte.

Laut meiner Mitmenschen habe ich die Fähigkeit beim Portraitieren die Wahrheit des Wesens und Charakters der gezeichneten Person herauszubringen, die Anlagen, die Fähigkeiten, aber auch die Schwächen und Dunkelheiten und nicht grundlos erzitterte meine Familie, einschließlich meiner Großeltern vor dem Portrait meiner Ärztin mit der Aussage: „Eine eiskalte Person, die auch über Leichen gehen kann“. Meine Nichten und Neffen meinten, sie würden nie wieder in die Schule gehen, wenn sie diese Frau als Lehrerin hätten. Das Bild war durchaus sehr gut getroffen, in der Praxis sagten mir die Mitarbeiter: „Ja, das ist Frau Dr. Gabriel (auch wenn sie keinen Doktortitel hat), es ist, als würde sie leibhaftig vor uns stehen.“ Es ist also unmöglich, dass ich sie nicht getroffen hätte, weil meine Seele vielleicht etwas sehen wollte, was nicht vorhanden war, wenngleich ich diesen Menschen zum damaligen Zeitpunkt gewissermaßen noch verblendet vergötterte, weil ich mir wohl wünschte, sie könnte sich zur „Königlichen Hoheit“ entwickeln, wie ich sie unter Alkohol und in seiner Nachwirkung immer bezeichnete, möglicherweise wollte ich sie so sehen, um mir selber nicht eingestehen zu müssen, einem gewaltigen Irrtum unterlegen gewesen zu sein, dem falschesten Menschen vertraut zu haben, der mein Leben gänzlich zerstörte, nachdem es ohnehin von Anfang an sehr fragil und schon in den ersten Lebensjahren fast am Zerbrechen war. –

Unser Aufeinandertreffen wurde für beide zur Marter und Folter, für mich, weil sie Macht ausübte, die mich in die wirkliche körperlich-seelisch-geistige Finsternis über viele Jahre trieb mit schweren gesundheitlichen Folgen, während sie sich für unsere Begriffe in einen gewissen Größenwahn verstrickte, anschließend nach der Vernichtung den großen Arzt zu spielen, der alles alleine zu stemmen vermag, der mir, wie sie es in ihrer Stellungnahme schrieb, „ein menschenwürdiges Leben zurückzugeben“ wünschte. Dabei spielte sie nicht nur den Architekten, sondern auch alle am Hausbau Beteiligten, während sie das Haus auf Sand setzte, weil sie die Kompetenzen für alle anderen Bereiche, die sie auch noch abdecken wollte, nicht besaß, die Bombe zu entzünden, welche das Haus immer wieder in die Luft sprengen sollte und alle Verantwortung, so es schief gegangen war, auf andere abzuwälzen. Als sich abzuzeichnen begann, dass mich ihr Verhalten, ihr seelisches Ungleichgewicht und damit ihre unlogische, auch zerstörerische Handhabung nicht nur auf dem Stand eines zertrümmerten Lebens belassen sollte, wie es sich nach der fast drei jährigen Klinikentlassung zeigte, sondern das ich weiterer Verwüstung


262 ohne eigene Schuld entgegenging, als ich nicht mehr in der Lage war, Nahrung zu mir zu nehmen, als sich meine muskuläre Situation immer weiter zu verschlechtern begann, da wurde ihr das Eisen zu heiß und plötzlich war sie nicht mehr der große Arzt. Sie schob alle Verantwortung von sich und verschwand, und mein ganzer Umkreis sollte mit in den Untergang gezogen werden. Sie war in ihren und nur in ihren Augen unschuldig, ich war der Sündenbock und vielleicht noch meine Freunde.

Es war offenkundig für alle, dass ihre ganze Anstrengung sich darauf zentrierte und konzentrierte, nicht in den Fokus der Schuldigkeit zu geraten, als es darum ging, den Prozess vorzubereiten, als ich mein Buch schreiben wollte und sie erst abweisend reagierte, um erleichtert nach den ersten zwanzig Seiten festzustellen, dass es mit „viel Güte“ geschrieben sei. Dass ich sie nicht anprangerte und somit ihre Verbrechen im Verborgenen bleiben würden, dass sich die Schuldfrage allein auf Dr. Engel konzentrierte. Und diese Anstrengung, alles von sich wegzuschieben, die Mauer aufzurichten, die niemand auch nur mit einem Finger berühren durfte, denn dahinter hielt sie sich versteckt, um doch festzustellen, dass immer wieder daran gerüttelt wurde, das war ihre Anstrengung, deren Auswirkungen sie dann auf meine Person projizierte, sie zumindest mit mir in Verbindung brachte. Ein einziges Wort der Wahrheit, der erlösenden Entschuldigung, der Aufrichtigkeit und Reue, der klaren Kommunikation hätten alle ihre Seelenqualen mit einem Mal beseitigt, denn vielleicht wäre es auch für mich die Erlösung gewesen, die Befreiung aus den Folgen der Vergangenheit. – Das Diffuse in ihrer Handhabung war es, was mein Leben, neben allen offenkundigen Beweisen, immer weiter dem Untergang entgegentrieb. Gebrochene Versprechen, gebrochene Verträge, ihr schwarz- weiß Denken und ihre undifferenzierte Kommunikation.

Um zu den Spiegelneuronen wieder den Anschluss zu finden ist folgende Faktizität bekannt, dass es auch in der Medizin Beispiele gibt, wie sie ganz offenkundig im Körperlichen zum Ausdruck kommen und heilende Wirkungen hervorrufen: So können Schlaganfallpatienten mit Lähmungen an den Extremitäten ganz offensichtlich durch Beobachten von Arm- oder Beinbewegungen das Wiedererlernen von verlorenen Fertigkeiten beschleunigen. Ich war zerstört, zertrümmert, am Ende in jeder Hinsicht und habe mein bestes gegeben, um meinem Leben und dem meiner Mitmenschen noch Form, Kraft und Sinn zurückzugeben und überhaupt zu geben. Mein Hausarzt hätte die fachliche und menschliche Kompetenz aufbringen müssen, entweder die Behandlung von Anfang an zu verweigern, oder in der richtigen Weise zu seinem Wort zu stehen und die heilende Wirkung des Wortes und der Taten zu verstehen, um den angerichteten unermesslichen Schaden und seine Folgen zumindest abzumildern. Mir persönlich macht es mehr Freude, Menschen zu verstehen, als sie zu richten. Und doch kann ich mich nur einem möglichen Verständnis nähern, indem ich die Situationen anschaue und analysiere und sie für mich natürlich auch be- und verurteile, ohne sie hinzurichten, um das Verschwiegene, und damit Ungesunde im Wort zu erlösen.


263 Und ich hoffe, dieser Arzt wird das nicht ganz verlieren, was wir mit einem sehr unsicheren Ausdruck „Gewissen“ nennen. Wenn es wirklich so ist, dass wir nach dem Tode die Schmerzen erleben, die wir anderen zugefügt haben, so weiß ich ohne Schadenfreude, dass dieser Arzt unermesslich leiden und erkennen wird, warum er den Arztberuf ergriffen hat: Ganz sicher nicht, um zu helfen, um zu verstehen im Sinne der Weisheit um den Menschen.


264 Kapitel: „Es gibt zwei Sorgen von Menschen“ – Finsternisse gegen Helligkeiten- Offenbarung der Lüge

Die Menge ist groß, aber der Menschen sind wenige. Diogenes von Sinope

Schließlich gab es neben der Dunkelheit noch die andere Seite von Menschen in meinem Leben, die mein Wesen erkannte und liebte, die meine „Bescheidenheit und Wahrhaftigkeit“, nicht ausnutzten. Welche auch meine Schönheit und die Begabungen nicht mit Argwohn oder Eifersucht vernichten mussten. Sie hatten es nicht nötig, das Licht in ihnen, das Wissen um wirkliche menschliche Größe und Reife konnten mir unvoreingenommen begegnen. Im Großen und Ganzen hatte ich in den Jahren bis zu meiner Entlassung aus der Münchner Klinik sehr viel Glück im Menschlichen und es waren oftmals gerade die Wissenschaftler, vor allem Physiker, Mathematiker, Chemiker, die mein Potential erkannten und es so anerkennen konnten, ohne mich durch Neid oder Dummheit zerstören zu wollen. Immer wieder fielen ähnliche Formulierungen, die mein Wesen auf diese helle, lichtvolle Menschenseite ausübte, wie „du wirkst königlich, im reinsten Sinne jungfräulich, hell, strahlend“. Und diese Menschen, die sich meinem Wesen nicht verschlossen, profitierten oftmals in „ungeheuerlicher Weise“ von meiner Gegenwart, auch den Spiegelneuronen, wie ich es beschrieb. Sie konnten sich meine Qualen und Leiden zwar nicht vorstellen, aber ihnen wurde unvoreingenommen Glauben geschenkt, weil in ihren Seelen auch wenig Falschheit und Unwahrheit lebte, insofern mussten sie aus eigenen Abgründen im Gegenüber auch nicht skeptisch alles hinterfragen und anzweifeln.

Ebenso bezeichnet Anselm Johann Ludwig Feuerbach diese Tatsache in seiner Vorbemerkung „Hinwegschaffung

von

Persönlichkeiten“

hinsichtlich

der

Ermordung

seines

Vaters,

dem

Gerichtspräsidenten im Fall Kaspar Hausers: „Es gibt zwei Sorten von Menschen auf der Welt: Die einen sind, wie Feuerbach, für die Abschaffung der Tortur (Und schaffen sie, wie Feuerbach, ab, wenn sie groß und leistungsfähig sind. Am 19. August 1804 erhielt Feuerbach den Auftrag zur Ausarbeitung eines bayerischen Strafgesetzentwurfes. Im Zuge der Strafrechtsreform wurde auf seinen Antrag hin am 7. Juli 1806 die „peinliche Befragung“ abgeschafft.), die anderen sind für Einführung derselben Tortur, wie Mittelstädt (Der Gefangene soll rücksichtslos angespannt und erbarmungslos angetrieben werden… (…) und er soll dies als grausame Pein empfinden, Körper und Seele sollen darunter leiden, aufstöhnen und zusammenbrechen, und jeder Mann soll wissen, dass dies die gerechte Ordnung dieser Welt sei.) (…) Die einen lieben den Mythos“ oder die Wahrheit „wie Feuerbach, Daumer usw., die anderen sehen in allem nur Lug und Trug!“


265 Mir selber erschien es leicht, mich in meine Mitmenschen hineinzufühlen und doch unterlag ich möglicherweise auch oftmals fatalen Irrtümern. Habe ich meine Umwelt überfordert, ihnen zuviel abgefordert?! Die Ärzte seien dabei ausgeschlossen, wenn sie diesen Beruf ergreifen, müssen sie wissen, auf was sie sich einlassen. Das war eine Frage, die ich mir sehr häufig stellte, denn ich glaubte zu wissen, dass das, was mir zugemutet wurde in einem seelisch und körperlich fragilen und labilen Zustand, auch durch eine schwere Muskelerkrankung, dass ich das auch meinen Mitmenschen in anderer Richtung zumuten kann und darf, oder wenigstens ansatzweise: Dass es jedem gelingen kann, sein Gedächtnis durch Struktur, Ordnung, Sauberkeit in allen Bereichen des Menschseins soweit zu schulen, dass es Zugriff hat auf die essentiellen Dinge des Alltags, dass die Kraft durch Überwindung und Verzicht ausreicht, das zu schaffen, was ich auch schaffe, auch wenn meine Mitmenschen sich ganz sicher nicht mit Krämpfen und Schmerzen dabei quälen müssen. Ich ging davon aus, dass es möglich sei, auch mit weniger Schlaf, aber geistiger Wachheit sein Pensum zu schaffen, mit etwas weniger Nahrung, es muss ja nicht gänzlich ohne sein. Ich habe es nicht gefordert, im Gegenteil, ich bereitete meinen Mitmenschen die köstlichsten Malzeiten und sorgte dafür, dass sie genug Schlaf erhielten, aber wenn sie zu jammern begannen wegen Lappalien, dass sie um 11 Uhr morgens noch nicht gefrühstückt hatten und nicht in der Lage seien, abzuspülen, fühlte ich nicht selten Wut in mir aufsteigen, nachdem sie mich nächtelang wachen gehört und jahrelang fast ohne Nahrung erlebten, nach einem Jahr der Folter neben dem anderen in allen nur denkbaren Lebensbereichen und ich stehe zu diesem Ärger, auch wenn er vielleicht nicht berechtigt war. Ich versuchte jedem seinen Raum zu lassen und seine Bedürfnisse zu wahren, aber wenn ich gestandene Männer oder Menschen als Weichei erlebte, die ihre seelischen und körperlichen Muskeln schonten und verhätschelten, so musste ich mich fragen, was sie in meiner Situation getan hätten, in der es keinen Ausweg gab und keine Wahl zwischen Loslassen, Fallenlassen, sich selbst nichts abzufordern und einer Grenzüberschreitung in unerträgliche Sphären des Seins.

Die Tatsache meiner geistigen Klarheit, meines phänomenalen Gedächtnisses, sprich Erinnerungsfähigkeit, meiner vielen Hochbegabungen und Kompetenzen auch im Sozialen stand wiederum im krassen Gegensatz zu den Bereichen, die mir dann oftmals doch verwehrt waren, gerade in den schweren Entzugsjahren, als ich teilweise über Wochen nur falsch sprechen, oder gar nicht mehr sprechen konnte, dass ich in jedes schwache oder starke Verb das „Vergangenheits - T“ einbaute, wie zum Beispiel „ich sprachte“, oder „er sagtete, er schriebte“.


266 Dass ich nicht in der Lage war, eine diffuse Situation zu meistern, wenn sich Änderungen einstellten, wie zum Beispiel das Taxi anzurufen, um es an einen anderen Ort zu bestellen, an den ich wieder einmal flüchten musste, um dann doch in der Lage zu sein, ein Fax, oder einen Brief zu schreiben. Aber auch das versuchte ich schon zu entschlüsseln und zu erklären, nämlich dass ich mich aus einer schweren Situation, die unklar und diffus wurde nur heraus retten konnte, indem ich schreibend für mich die Sache wieder ins Gleichgewicht, in eine mögliche Klarheit brachte, was von einigen Menschen in meinem Umkreis nicht verstanden werden konnte und wollte, weil sie meinen „Skill“, die Rettung des Schreibens nicht schätzten, sondern unterschätzten. Dass ich es aber nicht vermochte, einen Anruf zu tätigen.

Auch dem Handlinienleser war dieses Paradoxon, die Anomalie ein Rätsel: Er erklärte mir gleich im ersten Satz, dass mein Nervensystem „total kaputt“ sei, und ich untergehen werde im Nervenfieber, wenn sich die Situation nicht ändert, wenn die Bedingungen weiterhin schlecht bleiben und dass ich doch eine geistige Klarheit und Wachheit zeige, auch meine Handlinien, die mit vielen Dingen keine Übereinstimmung bilden. Wem oder was hatte ich all dies in der ganzen Zerstörung zu verdanken?! Wohl auch meinen „Geistigen Führern“, denn er sagte: „Sie sind nicht allein.“

Desweiteren sollten sich noch andere Paradoxien zeigen, nicht zuletzt, dass ich unter einer sehr schweren Kiefergelenksarthrose leide, einschließlich einer Trigeminusneuralgie und anderen Nervenschmerzen im Kiefer- Kopfbereich, ferner unter einem Dauertinitus und doch gehöre ich angeblich zu den wenigen 10 000 Menschen weltweit, die ein „absolutes Gehör“ aufweisen und nicht nur in der rein physischen Funktion, sondern auch in der perfekte Tonerkennung, demnach ist es eine erweiterte Gehirnfunktion und hat nicht nur mit dem normalen Hören zu tun. Eine weitere logische Unvereinbarkeit mehrerer gegensätzlicher Informationen hinsichtlich meines absoluten Gehöres zeigt sich darin, dass sich sowohl bei Kiefergelenksdegenerationen, als auch bei der Cranio Mandibulären Dysfunktion und nicht zuletzt bei meiner Muskelerkrankung, der Mitochondrialen Myopathie Hörschädigungen, schlechtes Hören, bis zum Hörverlust zeigen können, die sich bei mir nicht im Geringsten zeigten, im Gegenteil: durch den Tavorentzug wurde mein Gehör noch feiner und sensibler, ich höre hohe Frequenzen und Dinge in weiter Entfernung, die andere Menschen auch nicht einmal ansatzweise in der Nähe hören würden, sodass ich seit Jahren permanent mit zugestopften Ohren herumlaufe und immer noch besser höre, weil ja nicht nur das Ohr hört, sondern auch der ganze Kopf, weil das Hören auch wie gesagt an eine hohe Gehirnleistung gebunden ist. Ich höre also sehr viel besser als meine Umgebung ohne diese Ohrstöpsel. Jedes Geräusch ist für mich seither Folter und manchmal muss ich mir die Ohren zusätzlich zuhalten, oder Kopfhörer aufsetzen um einzusehen, dass mein Tinitus immer noch etwas angenehmer zu ertragen ist, als diese unendlich laute Welt um mich herum, auch wenn jemand nur, in seinen Ohren, leise mit der Tüte raschelt. -


267 Kapitel: Weitere Paradoxien – oder Übereinstimmungen der linken Körperhälfte Der Mensch hat zwei Augen; eins sieht nur, was sich in flüchtiger Zeit bewegt, das andere, was ewig ist und göttlich. Angelus Silesius

Daneben liegen auch wieder Seltsamkeiten hinsichtlich meiner Augen vor, die einen Augenarzt sehr faszinierten, denn ich bin auf dem rechten Auge fast weitsichtig, auf dem linken Auge kurzsichtig, verbunden mit einer Hornhautverkrümmung, auch Stabsichtigkeit. Diese bezeichnet in der Optik einen besonderen Brechungsfehler des Auges. Hierbei werden die von einem betrachteten Objekt ausgehenden Lichtstrahlen nicht in einem Punkt auf der Netzhautebene gebündelt, sondern in einer Brennlinie abgebildet, was zu der Bezeichnung Stab-sichtigkeit geführt hat. Und trotzdem sich in meinen Augen diese seltsame Konstellation und Unausgewogenheit zeigt, wobei sich auch noch die Muskelerkrankung negativ auf die Augenmuskeln auswirkt, sodass ich immer wieder von Augenärzten gefragt wurde, ob ich in diesem Zusammenhang auch Legastheniker sei, also unter einer Leseund Rechtschreibstörung leide, ob ich perspektivisch sehen könne, denn diese Menschen haben auch Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, - lag nichts dergleichen bei mir vor, wieder ein Paradoxon.

Meine linke Körperhälfte ist ohnehin die am meisten gequälte und drangsalierte Seite, beginnend mit einer Beinverkürzung, erhielt sie auch am Schienbein in meinem 9. Lebensjahr eine zehn Zentimeter lange und sehr tiefe Narbe, die als harmlos dargestellt und notdürftig verbunden wurde, bis ich fast verblutet wäre. Ich war in einem großen Gärtnerbetrieb aus dem Fenster in eine große Glasscheibe gesprungen und anschließend eingebunden einfach liegen gelassen, bis sowohl der Verband durchtränkt war, als auch der Holzboden blutrot zu schimmern begann, als würde das letzte Abendrot, das durch das Fenster drang, sich mit ihm vereinigen. An meiner linken Körperhälfte sollten sowohl am Oberschenkel, als auch am Oberarm zwei Muskelbiopsien durchgeführt werden. Links verlor ich nahezu alle Backenzähne im Ober- und Unterkiefer, allerdings blieben mir dort die Weisheitszähne erhalten, während sie auf der rechten Seite schon im 19. Lebensjahr entfernt wurden. (…) „Die linke Seite war die um vieles reizbarere und krankhaftere. Sehr heftig wirkten hier animalische und mineralische Reize und zwar den ganzen Arm auch bis in die Augen, was sonst nur bis an den Ellenbogen reichte.“ (Daumer über Kaspar)


268 Mein linkes Auge ist, wie gesagt, sowohl kurzsichtig, als auch hornhautverkrümmt und nicht zuletzt schielte es etwas nach außen mit einem „leichten und betörenden Silberblick“, den mein Gehirn mit 8 Grad noch einigermaßen zu kompensieren wusste, bis ich in zwei Operationen den Schielwinkel verkleinern ließ. Und nicht zuletzt ist mein linkes Kieferköpfchen so „platt wie ein Pfannekuchen“, es existiert praktisch nicht mehr, eine schwere Arthrose mit Zystenbildung lässt mir das Leben zusätzlich zur Bürde und Pein werden, jedes Öffnen des Mundes ist verbunden mit den Geräuschen, als würden Knochen zersplittern und sie splittern wirklich, denn bei dem Durchspülen kamen Knorpel und Knochenteilchen mit heraus.

Im Jahr 2013 stellte eine Hals- Nasen- Ohren Ärztin ein seltenes Zungenbakterium nach einem Abstrich bei mir fest, welches, „nach langen Recherchen bis Mitternacht im Internet“, angeblich nur in Gewässern vorkommt. Sie hatte das bislang noch bei keinem anderen Patienten diagnostizieren können, weshalb sie sich zuerst einmal „schlau“ machen musste. Natürlich gab es auch in dieser Hinsicht keine therapeutische Konsequenz, die mir wenigstens mein Leben etwas erleichtert hätte und ich stellte mir schon die Frage, ob ich nicht ein versprengter Atlantier aus der Limuris sei, obwohl erst nach der lemurischen Zeit das atlantische Zeitalter begann, das spielt auch keine Rolle, in jedem Fall ein wässriger Mensch aus den Tiefen des Meeres kommend, der sich in dieser materiellen Welt verirrt hatte und in keiner Richtung eingeordnet werden konnte. Und nicht zuletzt teilte mir die Ärztin der Humangenetik mit, dass meine genetische Mutation auch in der „unklaren Signifikanz, auf genau den bezeichneten Genen vielleicht drei bis fünf Menschen weltweit aufweisen.

Was bleibt noch? Dass ich wohl einer von den 50 weltweit als „Savant“ bezeichneter, vielleicht auch deswegen als „außergewöhnlicher“ Mensch gelten soll, habe ich bereits im ersten Teil meiner Biographie beschrieben. Unlängst wohnte ich einem Vortrag eines Gehirnforschers bei, dem ich am Ende im kleinen Kreis noch die Frage stellte, ob er mit sogenannten „Savants“ Erfahrungen gemacht habe. Er kannte den Begriff nicht, wohl aber das bekannteste Beispiel des jungen Mannes, der über London flog und anschließend jedes Haus aus der Erinnerung auf Papier zeichnen konnte. Herr Hüther antwortete mir auf diese Phänomene dahingehend, was man denn davon habe, sich alles merken zu können, denn das seien ja nur einfach Inselbegabungen und von Albert Einstein wisse man ja auch, dass er zwar einen gewaltig hohen IQ gehabt habe, dass er aber nicht in der Lage gewesen sei, sich ein Butterbrot selbst zu bestreichen… Ich war fast wütend über seine undifferenzierte Stellungnahme aus Unkenntnis, denn gerade die Hirnforschung beschäftigt sich doch interessiert mit solchen Phänomenen. Wer mich kennt und meine Biographie gelesen hat, der weiß, dass es sich bei meinen Hochbegabungen nicht um „einsame Inselbegabungen“, ähnlich die eines Autisten handelt und dass ich auch im praktischen Leben


269 über alle nur denkbaren Fähigkeiten verfüge, „die man selten in diesem Umfang und in der Vielfalt bei einem Menschen antrifft“, wie es mir immer wieder gesagt wurde und wie ich mich selber erlebe.

Ich vermag es, fast jedes Instrument auf Anhieb zu spielen und darauf nicht nur zu improvisieren, sondern kann Klavierstücke spielen, deren Noten ich nur wenige Male angesehen habe. Ich bin angeblich sozialkompetent, einer der besten Lehrer dieser Erde, zumindest beweisen es nicht nur die Noten meiner Schüler, sondern auch ihr Wesen, die positiven Veränderungen ihres Charakters. Ich vermag es einen Tanz in wenigen Minuten zu lernen, für den andere „Tage und Wochen“ benötigen. Ich bin ein „guter Arzt, der beste Therapeut und Psychologe“, ein Organisationsgenie, finde aus jeder Sackgasse heraus und eine Lösung, vermag es, zweistöckige Gartenhäuser abzubauen, meilenweit zu transportieren und wieder aufzubauen mit Hilfe von anderen. Ich bin in der Lage, jemandem die exotischsten und seltensten Dinge vor die Türe zu stellen, jedes Lied auf Anhieb zu lernen und eigenständig eine Stimme halten, einen „astreinen Sopran“ vorweisen zu können. Vielleicht bin ich nicht einer der besten, aber doch einer genialsten Portrait-Zeichner, der das Wesen, den Charakter, das Potential herausarbeiten kann, sogar aus dem Gedächtnis, der Erinnerung. Ich kann malen, sodass mich die Porzellanmanufaktur in Meißen von 70 Bewerbern heraussuchte, die Kalligraphie beherrsche ich mittelprächtig, ich vermag es die Wochentage errechnen über sieben Jahrhunderte und mich an jedem Tag meiner Vergangenheit zu erinnern.

Und nicht zuletzt kann ich die Aussage des Gehirnforschers der Lüge strafen, denn im Haushalt vermag ich alles zu bewältigen, von Bügelarbeiten bis kochen, Backen, putzen, Gartenarbeiten, Holzarbeiten, töpfern, Geigen bauen, ordnen, systematisieren, organisieren und perfekt mit Geld umgehen. Ich gab erfolgreiche Lebensberatungen, Berufsberatungen, Gesundheitsberatung, Bewerbungsschreiben mit Erfolgsgarantien, ich kann massieren, Kranke liebevollst pflegen und nicht zuletzt soll ich einer der besten Autofahrer sein, der sich in „Bruchteilen von Sekunden“ über Dinge in seinem Umkreis auch orientieren kann, die andere entweder nicht wahrnehmen, oder nur sehr zeitverzögert. Ich kann mir auf Anhieb an die zehn Nummernschilder merken und registriere noch, wenn ich auf den Boden sehe und mit Krämpfen kämpfe, fast am Umkippen bin, das Auto eines Arztes am Nummernschild in weiter Ferne. Ich bin ansatzweise hellsichtig und empfange mein Wissen aus anderen Sphären und ich bin wohl einer der wenigen Menschen weltweit, der in der Lage war, fast vier Jahre nahezu gänzlich ohne Nahrung auszukommen und 2-3 Jahre Tavorüberdosis zu überleben. Vermutlich ein gefundenes Fressen für einen Gehirnforscher, für einen wissenden und fähigen Arzt, wenn er in der Lage ist zu lauschen, auch auf die leisen Zwischentöne.


270 Und doch war ich nicht in der Lage, diese Welt zu verstehen, mich ihr anzupassen hinsichtlich der Denkweise, des Umgangs mit der Wahrheit oder Lüge. In jedes Fettnäpfchen bin ich dadurch hineingetreten, keine Dummheit habe ich ausgelassen, die nach irdischen Maßstäben als solche gekennzeichnet werden. Denn oftmals wusste ich, dass ich mich nicht offenbaren darf, oder nicht vertrauen und doch fühlte ich, dass es nach göttlichen, geistigen Grundsätzen richtig war. Damit lag ich im ewigen Widerstreit zwischen den beiden Welten, die ich durch eine goldene Brücke verbinden wollte.

Immer wieder musste ich hinab in die dunklen Tiefen, wurde ich von fremder Menschenhand in das Purgatorium gestoßen. Nach dem Blick in den Abgrund ziehen die Menschen unterschiedliche Schlüsse und Konsequenzen daraus, bewusst oder unbewusst. In der Gegenüberstellung einiger großer Gestalten unserer Geschichte, ist auffallend, dass Goethe, nach dem erschreckenden Blick in das Auge des Düsteren, sein Schaffen und seinen Lebensmoment in eine radikale Unbedingtheit und umfassende Universalität verwandelte, während bei Menschen wie Hölderlin, Kleist und Nietzsche ein solcher Blick genügte, um, wie es von außen scheint und erscheinen mag, zu straucheln und schließlich zu fallen. Sie geben sich hin dem feurigen Element, ihre Sprache wird Rhythmus, ihr Geist und Verstand löst sich in Ekstase und immer stehen sie nahe am Abgrund, nahe am Einsturz des dämonischen Geistes. Musik, der Tolstoi und Goethe nur mit Vorsicht begegnen, hilft ihnen in den Zustand der Auflösung und Weltverneinung zu gelangen. Alles wird zur Gefahr, zur gewaltsamen Selbstverweigerung und Selbstvernichtung und am Ende ihres Lebens verlassen sie weltfremder und einsamer ihr Dasein, als sie es zu Beginn vorgefunden haben, während Goethe bis zur letzten Stunde seines Lebens innerlich aus unsagbarem Reichtum schöpfen darf. So hat jeder seine Entscheidung bewusst oder unbewusst getroffen, die Verantwortung für das eigene Leben in die Hand genommen, oder dem Dämon, einer anderen Macht übergeben, der ihn als Spielball seines Übermaßes gegen die Lebensklippen schlägt. Es ist dennoch die Armut an Leben in ihrer unbestrittenen Schönheit und der Schönheit in ihrer Armut an Glück, welche diese am Leben gescheiterten Naturen ausmacht. Trotzdem würde ich einräumen, dass auch dieser äußere Niedergang eine wichtige Station war für einen gewaltigen Aufstieg in das Licht.


271 Kapitel: Über die Liebe in meinem Leben Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen. Albert Schweitzer

Und wie ist es mit der Liebe in meinem Leben?! Ich habe in fünf Teilen meiner Biographie kaum meinen Blick auf diesen Bereich in meinem Leben geworfen, den unsere Menschheit als einen der wichtigsten erlebt, denn die ganze Weltliteratur ist voll und übersättigt von diesem Thema und selbst Goethe erkrankt in seinem Leben als 71 jähriger Greis körperlich schwer am Liebeskummer, den er in seiner „Marienbader Elegie“ künstlerisch verarbeitet. Und so finden sich überall in unserer Menschheitsgeschichte tragische Selbstmorde aus Liebe. „Die Leiden des jungen Werthers“ sei nur ein Beispiel daraus, das durchaus eine Welle von Freitoden unter den jungen Lesern nach sich zog. Nun, in diesem Bereich ist die Wahrheit nicht immer am Platze und dahin gehört wohl auch das Sprichwort nur „Kinder und Narren sagen die Wahrheit“. Und da wir nun schon einmal bei den Kindern angekommen sind, möchte ich bekennen, dass mich die Liebe, auch die zu meinem Körper, schon im frühen Kindesalter sehr interessierte, denn wenn ich auch sonst ein Spätzünder war, so war ich in diesem Bereich neugierig und in jedem Fall das Gegenteil davon und das zeigte sich wenige Jahre später auch in der Neugierde zum anderen Geschlecht, nämlich in meinem achten Lebensjahr zu meinem Phillip, mit dem ich nicht nur in der Natur auf Forschungsreisen ging, sondern auch auf dem Heuboden in einem engeren und kleineren Radius. Was meine Mutter nicht wirklich wusste und miterlebte war, dass ich zwar in meiner Seele „verschlafen“ war und heute betrachte ich dies als großes Glück und Geschenk, weil ich die Kräfte sammeln konnte, um dieser Hölle und dem Mord, die in meinem 33. Lebensjahr beginnen sollten, gewachsen zu sein, aber offensichtlich wusste sie kaum etwas davon, dass ich ab meinem 8. Lebensjahr einen lieben, festen Freund hatte, mit dem ich gemeinsam in die Pubertät hineinwuchs. Ich war das erste Mädchen in diesem Lebensalter in meiner Klasse, das einen zuckersüßen, strohblonden Freund hatte über viele Jahre. Unsere Klassenlehrerin nannte uns „Romeo und Julia“ und wenn wir händchenhaltend auf Ausflügen heimliche Küsschen auf die Lippen austauschten, wie zwei Schmetterlinge so zart, so lachte kein Kind uns aus, es war selbstverständlich für alle. Wir waren das „Traumpaar“. Ich glaube, ich habe in meinem Leben nie wieder ein männliches Wesen so rein und umfassend geliebt als meinen Philipp. Und manchmal lag ich mit 12 Jahren abends in meinem Bett und in meinem Bauch tanzten die Schmetterlinge, in meinem Herzen floss ein warmer Lavastrom und ich fühlte eine so tiefe Liebe, dass ich mir nur wünschte, schnell groß zu werden und meinen lieben Schatz heiraten zu dürfen. –


272 Unsere Liebe war ungeheuer zart und sanft, sie war rein und brauchte keine Worte, schon gar keine ordinären, um zu beschreiben, dass es für uns auch noch mehr gab, als nur die leisen Küsse. Das Eigentliche und Größte, das niemals für meine Begriffe die tatsächliche und endgültige Erfüllung ist, wollten wir uns noch aufsparen, wir sprachen nicht darüber, aber es war ein stilles Übereinkommen. Und doch haben wir uns gegenseitig erkundet, während wir uns auf einem Heuschober versteckt hielten. Heute weiß ich, dass diese Vorfreude auf das Eigentliche die immer wahre Freude bleibt, weil sie immer das Wörtchen „vor“ mit einbezieht und für meine Begriffe das Schönste und die tatsächliche, echte Erfüllung zwischen Mädchen und Jungen, zwischen Mann und Frau ist. Ja, diese Nachmittage im Stroh und Heu werde ich nie vergessen. Sie haben vieles wieder geheilt, was in diesem Bereich zerstört wurde. Und ich bin dankbar für diese lange, liebevolle Freundschaft mit Philipp. Etwas später gab es dann einen Sebastian, der schon ein rechter Draufgänger war. Und so verliebte ich mich nach der unausgesprochenen Trennung mit Philipp, - unsere Wege haben sich einfach getrennt - immer wieder in irgendeinen Mann, ohne konkrete Absichten. Meine Mutter wusste von alledem nichts. Nichts von meinen heimlichen Phantasien, nichts davon, dass ich in diesem Bereich im Grunde schon sehr frühreif war, ohne es selber bewusst wahrzunehmen. – Und trotzdem ich intuitiv schon sehr viel wusste und offensichtlich auch eine „Göttin“ in diesem Bereich (gewesen) bin, so holte ich auch diese Kenntnisse und Fähigkeiten mehr aus anderen Welten, als aus meiner Erfahrung, denn außer meinem Phillip konnte ich bis zu meinem 18. Lebensjahr nicht aus dem Vollen schöpfen, was die Erfahrungen mit der Männlichkeit betraf. Ich hatte immer einen Freund, war nahezu chronisch verliebt, aber die platonische Seite faszinierte mich ebenso als die subtile Erotik und ich wollte mich nicht vorab verschwenden, ehe ich im richtigen Hafen angekommen war. Das Verliebtsein verschwand nach meiner Beziehung zu Odysseus. Zudem war ich unendlich naiv und verträumt. Die Bezeichnung „du bis so rein und jungfräulich“ traf zwar ab meinem 18. Lebensjahr nicht mehr im Physischen zu und doch hatte ich mir wohl etwas von dieser Reinheit bewahrt und einige Missbräuche meines Körpers, auch in meiner Kindheit durch den katholischen Priester, konnten dieser Unbedarftheit keinen Abbruch tun. –

Immerhin kann ich und darf ich bekennen, dass ich in diesem Bereich keinen Anomalien und Paradoxien ausgesetzt wurde und vollkommen „normal“ gestrickt war und bin, mit der Ausnahme, „reich begnadet“ zu sein in jeder Hinsicht und dem konnten auch keine Zerstörungen in medikamentöser Richtung, oder im Zustand des Verhungerns und Verdurstens auch nur im Geringsten etwas anhaben, oder eine Beeinträchtigung darstellen. Leider traf das Gegenteil zu: Die unendlich vielen Medikamente, die in den Nebenwirkungen das Ausschalten des Geschlechtstriebes bei Männlein und Weiblein prophezeiten, schlugen bei mir wieder einmal in die paradoxe, entgegengesetzte Richtung aus, sodass ich manchmal ernsthafte Probleme bekam.


273 Aber ich gestehe offen und ehrlich, dass mir, trotz früher Neugierde und Besonderheiten, dieser Bereich der „Liebe“ im Geschlechtlichen niemals sonderlich wichtig war und große Bedeutung gehabt hätte. Mein Interesse galt dem Menschen und - wie es Stefan Zweig ausdrückt: „Rätselhafte psychologische Dinge haben über mich eine geradezu beunruhigende Macht.“ Und nicht nur derlei rätselhafter psychologischer Dinge, sondern der ganze Mensch, sein umfangreiches Konglomerat aus Verhalten, Charakter, Physiognomie, der Form der Ohren, der Chiromantie, weil sich der Mensch überall noch verschweigen kann, das Gesicht als das Sichtbarste seines Wesens zu bemeistern vermag, seine Hände kann er vergessen, die ihn am meisten verraten können. Denn es gibt Menschen, die nur diese Hände beobachten und von ihnen alles erraten, was oben die lächelnd gekräuselte Lippe, die absichtlich indifferenten Blicke verschweigen wollen. Aber die Hand tut indess ihr Geheimstes ganz schamlos auf. Ein Augenblick kommt unweigerlich, der alle diese mühsam beherrschten, scheinbar schlafenden Finger aus ihrer vornehmen Nachlässigkeit aufreißt und dann greifen sie zu und aus ihren Bewegungen kann ein ganzes Charakterbild erstellt werden. Der Menschen ist an seinen Händen zu erkennen, an der Art, wie sie warten, wie sie greifen und stocken, den Habsüchtigen an der krallenden, den Verschwender an der lockeren Hand, den Berechnenden am ruhigen, den Verzweifelten am zitternden Gelenk. Die Geste des Geldanfassens spricht ihre eigene Sprache und die streichelnde Hand verrät ihr ganzes Innenleben. Der geistig- seelisch und auch physisch Lauschende ist der Wissenden und ich erkenne an der Art, wie mich ein Mensch massiert, wie er sich innerlich fühlt, wie ausgeglichen oder unausgeglichen, fahrig, nervös, oder in sich ruhend er ist, einzig aus der Bewegung und Intensität seiner Finger, seiner Hand. Das sind die wahren Werte, die mich interessieren, und so führt meine Venus im Grunde ein Schattendasein, auch in meinem Horoskop, trotzdem sich auch in meinen Händen der sehr seltene „Venusgürtel“ zeigt, der auf eine „ungeheure magische und erotische Anziehungskraft“ hinweist und ich muss bekennen, dass sich kaum ein Mann in meinem Leben dieser Ausstrahlung entziehen konnte. Vielleicht hat bei mir deshalb dieser Bereich so wenig Bedeutung, denn alles, was im Überfluss vorhanden ist und keinen Seltenheitswert mehr besitzt, bekommt irgendwann den Beigeschmack von Langeweile, zumal es auch wirkliche Einbrüche in mein Vertrauen in dem speziellen Lebensbereich schon in der Kindheit bei mir gab.

An einer prägnanten Begebenheit zeigte sich mein andauernder Dornröschenschlaf: Meine beste Freundin besuchte mich im Jahr 2013 in Stuttgart und begleitete mich zu meinem Arzt und Psychiater zur Infusion. Als wir seine Praxis verließen, teilte sie mir mit, dass dieser Arzt wirklich sehr gut aussieht, ganz so nach ihrem Geschmack. Ich fiel aus allen Wolken und nicht deshalb, weil ich das Gegenteil behaupten wollte, sondern weil ich mir niemals darüber irgendwelche Gedanken gemacht hatte. Mein Nachsinnen über Menschen bezieht sich vornehmlich auf ihr Verhalten, ihren Charakter, ihre Augen, die Gesten, den Händedruck, die Handformen, alles, was auch einen „Kriminalisten“ interessieren würde.


274 Das mag auch der Grund sein, warum mich eine ungeheure Naivität auszeichnet, die ebenso in einem paradoxen Kontrast steht mit meiner sonst hohen Intelligenz und „intellektuellen, geistigen Überlegenheit“, denn ich tappe in jede Falle, weil ich in jedem Menschen das Gute suche, den Geist, die Wahrheit, wie es auch in der Zauberflöte heißt: „Er ist Prinz, noch mehr noch, er ist Mensch.“

Manche sogenannte Fallen waren für mich absehbar und doch wusste ich: Nach irdischen Maßstäben mag es ein Fehler sein, gerade meine Ehrlichkeit, Offenheit und Wahrheitsliebe auch in meinen Briefen. Nach himmlischen, göttlichen Maßstäben waren meine Fehler keine solchen und ich wusste, irgendwann wird der Keim aufgehen, auch wenn ich jetzt dafür zertrümmert werde, in den Boden getreten, weil machthungrige Menschen in mir den Braten wittern, um entweder unerlöste eigene Kindheitstraumata an mir in negativer Ausrichtung auszuleben als sogenannte „Gegenübertragung“, oder Überlegenheit zu demonstrieren, weil es mir niemals ein Anliegen war, die meinige zu präsentieren oder auszuspielen. Es war eine Gradwanderung zwischen Bescheidenheit, Demut und Selbstbehauptung. Letzteres gelang mir selten, wie es sowohl immer wieder in meinen Horoskopen betont wurde, als auch im Freundeskreis und nicht zuletzt durch meine „Existenz- Zähne“, die gleichzeitig die der Selbstbehauptung sind, die ich alle vier verloren habe. In meiner Kindheit wurde ich auch von den Eltern meiner Mitschüler immer als „ungeheuer liebevoll und bescheiden“ beschrieben, auch in späteren Jahren. Ich habe damit nicht einen Teil in mir getötet, wie ich es fühle. Es war mir immer ein Anliegen, dass meine Geschwister, die eigentlich meine Kinder waren, oder meine geliebte Mutter den besseren Teil bekamen und es war für mich kein Opfergang, in dem ich mich selbst kasteien wollte, sondern ich verspürte erst ein wirkliches, wahrhaftiges Sättigungsgefühl, wenn ich wusste, dass die Menschen, die ich liebte, oder auch andere, die in Not waren, sich der besseren Gaumenfreuden erfreuten, oder im weicheren Bett schliefen, weil ich so in ihren Seelen lebte, dass ich es am eigenen Leib fühlen konnte, als läge ich selber im Federbett, oder äße selber den besten Pfannekuchen.

Aus diesem Grunde fühlte ich auch keinen Neid in der Zeit meiner Nahrungslosigkeit, wenn andere Menschen genussvoll ihren Schweinebraten, oder die Weihnachtsgans aßen, denn meine Vorstellungskraft reichte aus, gedanklich mitzuessen und mich an ihrem Genuss zu laben, was nicht heißt, dass ich nicht gelitten habe durch den Hunger und die damit verbundenen Qualen, auch wenn ich mit einer reichen Phantasie begabt wurde. Es war die Menschenliebe, die mich öffnete für die Nöte und Belange meiner Mitmenschen. Wie sieht es denn nun wirklich mit der „Liebe“, vornehmlich der geschlechtlichen Liebe aus? Ist sie nicht nur Egoismus, dass ich den anderen liebe, weil ich mich durch ihn liebe? Ich habe erst am Ende des Büchleins einen sanften Vorhang für diesen Bereich in meinem Leben geöffnet und möchte hier nur einen Brief aus einem Buch von Susanna Tamaro einfügen:


275 „In deinem Brief kommt sehr oft das Wort „Liebe“ vor. Hast du dich je wirklich gefragt, was sich hinter einem so abgedroschenen und missbrauchten Wort verbirgt? Ist dir nie der Zweifel gekommen, dass es sich um ein Bühnenbild handelt, eine Papierkulisse, um dem Stück den passenden Rahmen zu geben? Hauptmerkmal der Kulissen ist aber, dass sie sich bei jedem Szenenwechsel ändern. Das Wesen der Dramaturgie liegt nicht in diesem bemalten Pappmaché – die Illusion des Bildes hilft uns zu träumen, die Pille als etwas weniger bitter zu empfinden -, doch wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, können wir nicht abstreiten, dass wir ein einfaches Kunstmittel vor uns haben, eine Fiktion. Die Liebe – die deine Fantasie so angeheizt hat – ist nichts weiter als eine subtile Form von Gift. Es wirkt langsam, aber unerbittlich und kann mit seinen unsichtbaren Ausdünstungen jedes Leben zerstören. Warum?, - fragst du dich jetzt mit deinem verlorenen Blick. Weil man eine Sache erst kennen muss, um sie zu lieben. Kann es einem Menschen in seiner Komplexität je gelingen, die Komplexität eines anderen Menschen zu kennen? Die Antwort liegt auf der Hand: absolut nicht. Darum kann man nicht wirklich lieben, weil man nichts wirklich kennen kann. Du hast einen winzigen Bruchteil von mir kennenlernen können, so wie ich mit einem winzigen Bruchteil von dir in Berührung kommen konnte. Wir haben uns gegenseitig unser Bestes geschenkt, den Teil, von dem wir wussten, dass der andere nicht würde widerstehen können. Das Gleiche passiert mit den Blumen. Um zur Bestäubung Insekten anzulocken, zeigen sie sich in herrlichsten Farben, ist aber der Akt erst vollzogen, fallen die Blütenblätter ab, und von der verflossenen Pracht bleibt recht wenig übrig. Es ist ein Naturgesetz, es hat nichts Empörendes an sich. Alle Paarungen erfolgen durch verschiedene Formen der Verführung – jede Art hat ihre eigene -, von der Blume bis zum Menschen. Aber genauso kann „ich liebe dich“, können auch wir nicht schamlos lügen und behaupten, dass wir uns lieben. Im Zuge der neuen Ehrlichkeit ist das Einzige, was wir einander sagen können (wie die Biene zur Blume und umgekehrt): „Ich brauche dich.“ (Susanna Tamaro)

Die Liebe trägt uns und damit andere durch die Stürme, die unser sündiges Geschlecht auf diesen Planeten geführt hat. Ich spreche hier nicht von der geschlechtlichen, körperbezogenen Liebe, sondern von der Liebe zu allem was lebt. Die Liebesqualität wird nicht weniger, je mehr wir von ihr verschenken, sondern mehr und reicher, plastischer, gehaltvoller und gestaltvoller. Auch hier spreche ich aus meiner eigenen Erfahrung, weil ich die Verantwortung, diese Liebe ganz tief in mir fühle und zu leben versuche und sie auch widergespiegelt bekomme von meinen Mitmenschen.-

Wer einmal Toleranz und Achtsamkeit als Fahne auf den First der Kultur gehisst, der besitzt kein Herrenrecht mehr, sich in die Moralauffassung und den fremden, individuellen Lebensweg einzumischen, ihn auf unlauteren Wegen korrigieren und damit zerstören zu wollen.


276 Jeder einzelne Mensch ist wichtig und notwendig im Räderwerk unserer Zeit, wenn er den Mut zur Wahrheit hat um die Wahrhaftigkeit innerhalb des ganzen Weltalls zu vermehren. Dann gibt es keine Halbwahrscheinlichkeiten mehr, sondern gefühlte, bestätigte Wahrheit. Denn jede Verschwommenheit in den menschlichen Beziehungen, welche man auch Illusionen nennen kann – und nicht selten gehört der Bereich der sogenannten „Liebe“ auch in diese Illusion, fordert die Seele zur Korrektur heraus, zum Abgrenzen und Ordnen und sollte letztendlich mit der Schärfe ungebrochenen Lichtes auf den klaren, wahren Erscheinungen ruhen.

Die Venus, (die Göttin der Liebe) im Löwen bei Kaspar und Antje-Sophia in derselben Gradzahl:

Die Venus im Löwen braucht die Aufmerksamkeit ihrer menschlichen Umgebung. Sie will respektiert und um ihrer selbst willen geliebt werden. Sie weiß, dass sie schön ist und viele Fähigkeiten hat und dass ihr deshalb der Platz im Vordergrund gebührt. Erfährt sie keine Wertschätzung, ist sie in ihrem Stolz schwer verletzt. Dann kann sie ganz kleinlaut werden und sich minderwertig fühlen und sich zurückziehen.

Gelingt es ihr, diese Blockade zu überwinden durch ihr Gefühl für Echtheit und vielleicht auch mit Humor, kehren mit der Selbstbejahung Strahlkraft und Würde zurück. Die wiedergewonnene Herzlichkeit und ihr Sinn für Loyalität, stellt sie wieder auf den Platz, an dem sie Bewunderung und Beliebtheit reichlich erfährt. Ihre Neigungen und ihre Fähigkeiten machen sie herausragend wirkend auf dem pädagogischen Feld mit Kindern. „Die Venus steht sowohl bei Kaspar, als auch bei Antje-Sophia in gleicher Position, der gleichen Gradzahl im Löwen, sie, die Venus, wirke etwas verloren, wie sie meinte, was in Übereinstimmung bei Kaspar und Antje-Sophia bedeute, dass das Geschlechtliche reich und begnadet vorhanden sei, auch die erotisch anziehende Ausstrahlung auf die Umwelt, aber sich nicht richtig ausleben darf, kann oder möchte. Schüchternheit, als das wurde diese Zurückhaltung von ihr bezeichnet.“ – Niemals war mir die Liebe besonders wichtig und den Stellenwert, den die Welt ihr gab, konnte ich weder verstehen, noch teilen. Jakob Wassermann arbeitete diese Tatsache, wie sie sich auch im Leben von Kaspar zeigte, sehr feinfühlig und wohl treffend heraus. Kaspar ging offenbar leidenschaftlich ins Theater und in die Oper, auch diese Vorliebe habe ich wohl wieder aufgegriffen in meinem neuen Leben und als er zu Lehrer Mayer nach Hause kam, fragte ihn dieser, ob er sich gut amüsiert habe, Kaspar hingegen antwortete ärgerlich:


277 „Gar nicht, es war soviel von Liebe in dem Stück, (…) ich kann das Zeug nun einmal nicht ausstehen. Da schwätzen sie und jammern, dass einem ganz dumm wird und was ist am Ende? Da will ich lieber mein Geld einem Bettler schenken.“ –

In allen äußeren und damit auch inneren Unruhen folgte ich dennoch unbeirrt meinem Stern. Der 29. September war seit meiner Einweisung, neben meinen Geburtstagen immer ein Tag, an dem sich neue eine Richtung ankündigte, an dem mich meine Geistigen Führer in eine bestimmten Richtung drängten, um mich erkennen zu lassen. Es ist der Michaelstag, der Erzengel mit dem Schwert und der Waage, ein besonders großer und mutiger Kämpfer, der sich mit flammendem Schwert den Mächten des Bösen entgegenstellt.

Im Jahr meiner Flucht träumte ich immer wieder denselben Traum: Ich habe eine sehr schwere, knifflige Aufgabe, auch Mathematikaufgabe noch zu lösen und dafür nur noch sehr wenig Zeit habe. Einmal träumte ich von dem 19. eines Monats, an dem ich unbedingt bis zum nächsten Tag, dem zwanzigsten fertig werden muss. Im Juni 2015 träumte ich von der Zahl „42“ und hörte, dass ich mit 42 Jahren erlöst zu werde. In der Bibel wird die „42“ im 4. Buch Mose beim Zug durch die Wüste genannt, 42 Generationen sind es nach Matthäus bis zur Geburt Christi. Die 42 bezeichnet einen Weg mit Anfang und Ende. Wir kennen auch die Zahl 3 ½, zum Beispiel die 3 ½ Weltzeiten, die beim Propheten Daniel genannt werden. 3 ½ Jahre sind 42 Monate. Monat bedeutet im Hebräischen Erneuerung. 42 Generationen, 42 Erneuerungen: ein Zyklus - das meint die 42. Der Weg ist ein Zyklus, man kommt wieder an den Ausgangspunkt zurück. Der Auszug aus Ägypten wird der Überlieferung sowohl identisch mit der Geburt als auch mit dem Tod gesehen. Die 42 Monate haben in meinem Leben eine sehr große Bedeutung und erscheinen immer wieder in abgewandelter Form der äußeren Erscheinungen und Begebenheiten. Ich war 3 ½ Jahre als ich meine fast tödliche Lungenentzündung bekam und nach dem Autounfall über viele Wochen in einen Klinikkerker katapultiert wurde.

Mein Pendel hatte mir im Laufe des ganzen Jahres dasselbe bestätigt, dass die Zeit drängt und sich Ende September des Jahres 2016 etwas Entscheidendes ereignen und lösen wird. Bis dahin sollte ich die schwere Aufgabe gelöst und vollendet haben. Während ich mir im Jahr 2014 mit meinen Büchern sehr viel Zeit ließ, so fühlte ich im Juli 2016 eine drängende Kraft, die mich fast Tag und Nacht

arbeiten, schreiben,

korrigieren und neue Texte verfassen ließ. Ich habe im Grunde acht Bücher geschrieben, vier Teile meiner Autobiographie und vier Teile über Kaspar Hauser.


278 Ich lebte vollkommen zurückgezogen durch die beginnende Krebserkrankung und die große Furcht vor Lärm und menschlicher Vernichtungsimpulse. So war ich mit allen Aufgaben konfrontiert, die ein Lektor, die ein Designer und Graphiker übernimmt, was die Coverbilder betrifft, mit dem Verfassen von kurzen Klappentexten und der Veröffentlichung in einem Verlag, der Eigenständigkeit erforderte. So hatte ich nicht nur meine knifflige „mathematische“ Aufgabe alleine zu vollbringen und zu einem guten und gelungenen Resultat zu führen, sondern auch noch meine „Bandwürmer“ und labyrinthischen Gedankengänge zu entwirren, zu verkürzen, zu streichen, die sich in dem Jahr der Alkoholanhängigkeit eingeschlichen hatten. Erstaunlicherweise habe ich keine Wahrheit verdreht, verzerrt, oder eben ausgeblendet, der Alkohol brachte mich im Gegenteil noch näher zu meinem eigentlichen Wesenskern. Aber ich verirrte mich in tausend Abzweigungen und all dies musste ich in zwei Monaten, neben unzähligen anderen Aufgaben auch noch lesend korrigieren. Das waren vier Teile zu je knapp 400 Seiten.

So arbeitete ich an verschiedenen Fronten gleichzeitig, ich musste aus 180 Dokumenten jede Textzeile erinnern. Ich „scannte“ sie gewissermaßen in meinem Gedächtnis und fand sie dann tatsächlich, jedoch für mein Gehirn bedeutete es Hochstress und jede Minute volle Konzentration. Ich habe auch noch Hefte beklebt mit Buchauszügen, Briefe geschrieben, um sie Menschen zu schicken, die auch mit Schuld mit meinem Schicksal verbunden waren, wie zum Beispiel Dr. Engel und Dr. Albertrecht. Neben Tagebuchschreiben Portraitieren, sortieren, Traumdeutungen und lesen, neben Weiterbildungen durch Hörbücher und Filme waren das meine Tätigkeiten, die mich am Ende August 2016, kurz vor meinem Geburtstag fast in jeder einzelnen Minute, ohne eine Pause auf Trab hielten. Neben dem Aushalten meiner schweren Schmerzen durch Magenkrämpfe, Übelkeit, Kopfschmerzen, dem Verhungern und dem Kampf um die Infusionen. Ich denke, dass mein Schicksal und alles, was ich mir durch Verzicht und Willensschulungen erarbeitet habe, sich zu erkennen gibt gerade unter dem Einfluss von Tavor, weiteren schweren Medikamenten und dem Alkohol. Denn es heißt ja, dass sich gerade unter solchen Substanzen „der wahre Charakter, das wahre Wesen“ zeigt. Es hat sich bei mir gezeigt und es zeigte sich, dass ich sowohl unter Tavor, als auch im schweren Entzug und ebenso unter Alkohol, neben der Nahrungslosigkeit meinen Mitmenschen, gerade in München noch „Liebe, Kraft und Hoffnung“ war. Wie ist derlei möglich? Wie ist es möglich, dass selbst Pfleger, Ärzte und Therapeuten mit mir auswärts essen oder in die Oper gegangen sind, wenn andere Menschen unter dieser Medikation Amok laufen, wie es eine Studie besagt über 95% aller Amokläufe in den USA während und nach derlei Medikamenten?

Meine Konstitution war von jeher schwach. Es kann also schlecht möglich sein, dass ich, oder mein Wesen das „einfach so“ weggesteckt haben, ebenso wie die Nahrungslosigkeit und den Alkohol. Bewiesen ist, dass ich niemals Alkohol vertragen habe und sofort betrunken wurde mit schweren Muskelkrämpfen. Auch diesen Entzug habe ich alleine durchgestanden im Hause meines Bruders, um am folgenden Tag mich um


279 alle seine Kinder strukturiert zu kümmern und essen zu kochen. Niemand hat mir irgendetwas angemerkt, die schwere Nacht des Kreislaufkollaps und der zweiten Nahtoderfahrung. Jeder Mensch braucht Nahrung, um leben zu können und nicht verrückt zu werden, selbst Christus musste essen. Wie ist derlei möglich, frage ich nochmals? Wie ist es möglich, dass ich unter Alkohol ungeheuer liebevoll wurde und immer gesagt habe: „Alles muss sauber sein.“ Es sei denn, es war objektive Falschheit, Täuschung und Unwahrhaftigkeit im Zwischenmenschlichen der Begegnungen. Das hat meine Intuition gnadenlos entlarvt. Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann und konnte, denn unter Alkohol habe ich Dinge erfahren und erfahren dürfen, die alle, ohne Ausnahme richtig waren, wie es sich auch mit dem Dreieck durch Deutschland, der „Geistigen Gralsburg in Rottenburg zeigte und meinen Wahrnehmungen auch über wildfremde Menschen.

Meine Begierden, Leidenschaften und Sehnsüchte, denn das Wort birgt in sich auch die sogenannte Sucht, durfte ich alle abwerfen. Alle Medikamente, Alkohol, Nikotin, sogar die Nahrung. Meine Sehnsüchte ebenso. Im Jahr der Flucht sollten sich alle inneren Begierden noch kurz erfüllen und mich damit von ihnen lösen. Denn auch die sogenannte „Liebe“ ist in ihrer Sehnsucht eine Begierde. Im Jahr meiner Flucht teilte mir ein göttliches Wesen mit, dass ich vom heiligen Gral ernährt wurde und ihn finden würde, aber ich müsse mich von allem Fesselnden lösen und rein sein und bleiben. Ich konnte mir darauf keinen Reim machen und wollte einfach abwarten und selbst, als ich in meine „Geistige Gralsburg“ geführt wurde, den Mittelpunkt „Rottenburg am Neckar“, den ich ein Jahr zuvor vor Zeugen aufgezeichnet habe nach meiner Nahtoderfahrung, erkannte ich noch immer nicht Gottes Wege. Und doch löste ich mich intuitiv von allen Ketten und Fesseln, die mich von mir selber und meinen geistigen Führern entfernten.

Ich durfte meine Sehnsucht nach meiner Traumstadt Berlin, in die ich nochmals eintauchte, lösen, ich habe sogar im Umkreis meiner alten Schule ein Kind unterrichtet und allmählich trennte ich mich von den alten und schönen Erinnerungen, die meinen Geist immer wieder dorthin zurückfliegen ließen. Ich lebte am Meer, in Kiel für ein halbes Jahr und durfte nochmals in die Türkei fliegen. Der Wunsch, bei meinem Bruder zu leben, wurde Monate zuvor noch erkenntnisreich für mich ausgeschöpft und endgültig erlöst, um zu erkennen, dass dort ganz sicher nicht mein Platz sei, sodass ich während der Flucht auch noch auf der Intensivstation fühlte und wusste, ich habe nichts versäumt. Jede Bedrängnis der Natur ist besser, als menschliche Zerstörung durch Chaos in der Kommunikation und im wirklichen Leben. Ich durfte reisen, alles vollenden, was es für mich noch zu vollenden gab. Ich habe meinen Garten aufgelöst und all mein Hab und Gut auch aus meiner einst großen Wohnung verschenkt, mich von allem nur denkbaren Besitz getrennt.


280 Ich wünschte mir immer, neben einem Fluss und Bach zu leben, auch das wurde mir erfüllt und nicht zuletzt der Traum von einer Wohnung mit vielen Fenstern über Eck, mit Nachmittags und Abendsonne, mit einem Holzofen und einem Blick in den Wald. Zwei Tage vor meinem 41. Geburtstag und mit ihm meinen Traum der Zahl „42“ erlebte ich einen ungeheuerlichen Regenbogen über den ganzen Himmel mit einem Nebenbogen, der sich, für unser Empfinden, „Ewigkeiten“ am Himmel hielt und zeigte. Von jeher ein Symbol für Harmonie und Ganzheitlichkeit. Ich nahm es als ein gutes Omen für den Beginn meines neuen Lebensjahres in zwei Tagen. Schon immer habe ich mich intensiv auch mit der Symbolik von Zahlen befasst und weil ich am 26. August in mein 42. Lebensjahr eintreten würde, wollte ich die Bedeutung und die Ursache eines doppelten Regenbogens ergründen:

Ein Regenbogen erscheint immer in einem Winkelabstand von 42 Grad um den Punkt, der der Sonne genau gegenüber liegt. Lichtstrahlen, die in einen Wassertropfen eintreten, werden von der Grenzschicht zwischen Wasser und Luft in einem bestimmten Winkel zu ihrer ursprünglichen Einfallsrichtung reflektiert. Eine größere Ablenkung als 42 Grad ist jedoch aus physikalischen Gründen nicht möglich. Alle Lichtstrahlen, die eigentlich noch weiter als diese 42 Grad gebrochen werden müssten, konzentrieren sich an diesem Grenzwert und bilden dadurch den für uns sichtbaren Regenbogen. -

So kann ich bekennen, dass ich dieses Leben voll und ganz ausgeschöpft habe mit allen Licht und Schattenseiten und am Ende des Weges sagen kann: Es hat sich gelohnt und ich gehe ohne Begierden, unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte in eine andere Daseinsstufe, wann auch immer ich abgeholt werde.

Und doch weilte ich schon in zwei verschiedenen Welten, wie es mir schien, denn nur aus dem Geistigen und somit der Geistigen Welt schöpfte ich meine Kräfte, nicht mehr aus dem physischen, der materiellen Welt. Die ewige Dissonanz meines Lebens, die ich nicht in mir selber erlebte, aber in der Spiegelung zur Welt, zur Menschheit, löste sich auf in Harmonie, da aus tiefster Entfremdung die schmerzhaft auseinandergespannten Gegensätze ineinanderfließen und sich nur flüchtig mit den Lippen des letzten Wortes berühren: Danke. Danke für dieses Leben, für die Erkenntnisse in Klarheit und Wahrheit. Denn je grausamer und heftiger dieses Auseinanderreißen umso gütiger vollzieht sich der mögliche Einklang, der mein Wesen zum Ursprung zurückführt, der göttlichen Quelle, aus der ich entsprungen.

Ich gehe dem Sonnenaufgang entgegen.


281 (…) die an der Person Caspars begangenen Verbrechen, soweit dieselben angezeigt vorliegen, sind, nach bairischem Strafgesetzbuch beurteilt

1.

Das Verbrechen widerrechtlicher Gefangenhaltung (StGB. Thl.I.Art.192 bis 195) und zwar doppelt

ausgezeichnet, sowohl hinsichtlich der Dauer, so ferne wie Gefangenhaltung von der frühesten Kindheit an, wie es scheint, bis in das Jünglingsalter fortgesetzt worden ist, als auch hinsichtlich der Art, soferne dieselbe mit besonderen Misshandlungen verbunden war das, wo ihn nicht bloß das tierische, den Körper des unglücklichen verkrüppelnde Lager, die elende, kaum einem Hund genügende Kost, sondern auch, und zwar vor allem, die grausame Versagung jeder, auch der kleinsten Gaben, welche die Natur, selbst über den ärmsten mit freigiebig in Händen ausschüttet, die Entziehung aller Mittel geistiger Entwicklung und Ausbildung, dass widernatürliche Zurückhalten einer menschlichen Seele im Zustand vernunftloser Thierheit, unstreitig zu rechnen sind. Es trifft damit 2.

II. Objektiv zusammen das Verbrechen der Aussetzung, welches, nachdem StGB. Thl.I Art 174 nicht

bloß an Kindern, sondern auch an Erwachsenenpersonen begangen werden kann, wenn sie „Wegen Krankheit oder Gebrechlichkeit sich selbst zu helfen unvermögend sind“, unter welche Personen der damals noch thierischdumme, sehendblinde, kaum noch aufrecht gehende Caspar gewiss gehörte. Die Aussetzung Caspars war zugleich eine durch ihre Lebensgefährlichkeit ausgezeichnete Aussetzung. Dieser Mensch war, bei seinem damaligen geistigen und leiblichen zustande, in Gefahr, entweder in die dem Orte Aussetzung nahe Pegniz zu stürzen, oder überritten und überfahren zu werden. Wäre dem gemeinen Recht oder dem bairischen Strafgesetz Buche ein besonderes Verbrechen gegen die Geisteskräfte, oder, wie es richtiger zu bezeichnen wäre, ein Verbrechen am Seelenleben bekannt, so würde dieses in der rechtlichen Beurteilung, neben dem Verbrechen der Gefangenhaltung, den ersten Rang einnehmen, vielmehr jenes in diesem, als dem schwereren untergehen, (von demselben absorbiert werden) müssen. Die Entziehung äußerer Freiheit, wiewohl an sich schon ein unersetzliches Übel, steht gleichwohl in keinem Vergleich mit der nicht zu berechnenden Summe unschätzbarer, unersetzliche Güter, welche in jenem Raub an der Freiheit und durch die Art und Weise seiner Vollziehung dem Unglücklichen theils gänzlich entzogen, theils für seinen noch übrige Lebenszeit zerstört oder verkümmert worden sind und wo durch nicht bloß an dem Menschen in seiner äußeren leiblichen Erscheinung, sondern an seinem Innersten Wesen, an seinem geistigen Dasein, an dem Heiligthum seiner vernünftigen Natur selbst der raubmörderische Frevel vollbracht worden ist. Wenn unsere Schriftsteller solche Missethaten bloß als Verstandesberaubung (noochiria) bezeichnen und wie Tittman ( Handbuch der Strafrechts Wissenschaft, Thl.I §.179ff), zu dessen Tatbestand „Der Wirkung der Verstandlosigkeit oder des Wahnsinns“ als wesentliche Bedingung fordern.


282 So zeigt das Beispiel Caspar Hauser, dass jener Begriff bei weitem zu beschränkt gefasst sei und ein Gesetzgeber, welche durch Aufstellung einer solchen Gattung von Verbrechen sein System vervollständigen zu müssen glaubte, einen bei weitem hören, freieren Standpunkt würde zu nehmen haben. Caspar ist durch die während seiner Kindheit erlittene Einsperrung weder in Blödsinn, noch in Wahnsinn verfallen, er ist, wie wir in der Folge genauer erfahren werden, nach seiner Befreiung, aus dem Zustande der Tierheit herausgetreten und hat sich so weit entwickelt, dass er, mit gewissen Einschränkungen, als ein vernünftiger, verständiger, sittlicher, und gesitteter Mensch überall gelten kann.(…)“ Welche Motivationen stehen also hinter diesen Freiheitsberaubungen, hinter der „Einmaligkeit“ der seelenzerstörenden Maßnahmen hinsichtlich des Tavors, der Zerstörung an meinem Seelenleben und ferner hinter den Prozess, den es noch „vor keinem deutschen Gericht“ gegeben haben soll? Sind es dieselben Menschen, die sich im 19. Jahrhundert bei Kaspar in der Menschengruppe der Jesuiten zu erkennen gaben, um dunklen, sichtbaren oder unsichtbaren Mächten in die Hände zu spielen?

„Im Notfall darf kein Arzt eine Behandlung ablehnen, sonst macht er sich strafbar gemäß § 323 c Strafgesetzbuch (§ 323 c StGB) wegen unterlassener Hilfeleistung. Die Rechtsprechung geht von einem Notfall aus, wenn sich eine Erkrankung plötzlich und rasch verschlimmert. Die ärztliche Behandlungspflicht endet, wenn der Patient dies wünscht. In Ausnahmefällen darf sich ein Arzt damit aber nicht abfinden. Dies gilt dann, wenn das Unterlassen der Behandlung unweigerlich zum Tode des Patienten führen würde. In diesem Fall ist der behandelnde Arzt verpflichtet, erneut auf den Patienten zuzugehen und ihn von der Notwendigkeit der Behandlung zu überzeugen.“

Das ist für mich gleichbedeutend mit Suizid: Nicht nur sich selber, die eigene Person aufzugeben, sondern einen schwachen, kranken Menschen, der dennoch um sein Überleben und sein Gottesgeschenk kämpft, sein Lebenshaus immer wieder aufbaut, während es andere mit einem einzigen Fußtritt zum Einsturz bringen, ihn aufzugeben, zu ignorieren mit unterlassener Hilfeleistung und allen weiteren medizinischen Erleichterungen und sei es nur einer Infusion, die eine neue Laktatazidose abwehren könnte. Das ist gleichbedeutend mit den Begriffen von „aufgeben, Suizid, Freitod, Mord, Selbstmord“, denn „was du an einem meiner Brüder getan, das hast du an mir und möglicherweise dir getan.“


283 Kapitel: Auch die seelisch-geistige Einkerkerung- Wirkung Tavor und Opium

Die Verkleinerung der Möglichkeiten äußert sich im Leben als Verdoppelung der Energie Stefan Zweig

Entwicklung, Entfaltung, Metamorphose, Fortschritt, Reifezeit, Formung, Biographie, Bildung, Aufstieg, Werdegang, Laufbahn, Fluss, Neugestaltung, Ausweitung, Vergrößerung, Vorwärtskommen, Blüte, Hebung, Erhöhung, Wachstum, Ausdehnung, Vermehrung, Intensivierung, Steigerung, Progression, Prozess..

Diese Aufzählungen sind fast in die Unendlichkeit erweiterbar und eben nicht nur ein Spiel, ein Gestalten mit der Sprache, sondern im Leben von Kaspar und mir bittere Unterlassungssünden durch die Einkerkerung des Körpers und damit der Seele in der Finsternis durch dunkle Mächte und Menschenhand.

Gerade diese Begriffe, von welchem ein jeder von ihnen eine ganze Welt der Bewegung, der Entwicklung, des möglichen Aufstieges in sich birgt,

zeigten sich in unserer Entwicklung blockiert, fielen einer

Stagnation anheim, wurden ausgebremst und beseitigt. Gerade Kaspar durfte sich nicht entfalten, in seiner wichtigsten Phase seiner Kindheit im vierten Lebensjahr, in der die Sprachentwicklung schon umfassend angelegt war, ebenso die Ausformung des Bewegungsapparates, wurden all diese wichtigen Prozesse auf dem Weg des Menschseins auf einen Schlag zu unterbunden. Er wurde eingekerkert, gefesselt. Er wurde teilweise an Händen und Füßen fixiert, oder hinten am Rücken, um Bewegungsfreiheit für die Arme zu haben, für das Hin - und Herfahren des Holzpferdchens, als einzige Form der lokalen Veränderung in Millimeterausrichtung, da der Gurt um den wachsenden Körper keinen weiten Radius zuließ. Und ebenso wurde auch Antje-Sophia in diesem Leben angekettet wie ein Tier. Zuerst über Wochen nach dem schweren Autounfall in einem Klinikkäfig und später in der psychiatrischen Klinik wie ein Schwerverbrecher über 2 ½ Jahre. Auch dort wurde sie angebunden, fixiert über viele Stunden. Möglicherweise aus dem Grunde, um sich an ihren Auftrag zu erinnern, mit dem sie hier auf die Welt kam, um das Schicksal von Kaspar Hauser buchstäblich zu entfesseln. Es waren in meinem Leben nur wenige Stunden, die in meiner Erinnerung und meinem Erleben einem ganzen Zeitalter gleichkamen.

Bei Kaspar bildeten sich seine Muskeln zurück und ebenso sein Verstand, die gelernten Begriffe, sein Gedächtnis, seine Erinnerungen an schöne Augenblicke in seinem Leben auf Schloss Beugen in Südbaden, im Umgang mit Tieren und Pflanzen, im Kontakt mit der Sonne und dem Licht. Erinnerungen an seine Sinneswahrnehmungen, die sich im Kerker auf ein Minimum reduzierten.


284 Ähnlich erlebte auch ich im 20. Jahrhundert, als kleine Antje-Sophia im vierten Lebensjahr, die Zeit nach unserem Autounfall, in der ich das Sprechen und das eben gelernte Aufrichten und Laufen wieder für Wochen verlernte. Als ich anschließend zu lispeln begann und sich meine Augen im Raum nicht mehr orientieren konnten, weil das linke Auge nach links herausgerutscht war.

Und wieder holte mich fast auf den Tag genau 30 Jahre später jene Stagnation der Entwicklung ein im Jahre 2008, in der meine Seele einfror, alle Bewegung im Geistigen, im Seelischen, im Körperlichen von wohl eben denselben Mächten eingemauert wurden, als ich gefangen gehalten wurde in einem Zwischenreich zwischen Schlafen und Wachen, Leben und Tod und ich möchte den Wirkungsmechanismus von dem Medikament, das mich in diesen Zustand brachte, hier einfügen zum besseren Verständnis. Es war kein dunkler Kerker in diesem Leben, aber ein äußeres Gefangengehaltenwerden in der Psychiatrie mit dem Zusatz einer winzigen, weißen Tablette, die das bewirkte, was Pfarrer Fuhrmann in tiefer Bitte und der Gewissheit meinem Tod hinterherschickte: Dass diese Mächte zwar in der Lage sind, den Körper zu töten, aber über die Seele ihre dunkle Gewalt nicht auszudehnen vermögen. Und doch konnten sie es und zwar umfassend und nachhaltig:

Wirkmechanismus Tavor

Der Ort und die Stelle im Gehirn, an denen Impulse aufgenommen und verarbeitet werden, sind die Synapsen, sie sind die Nervenendpunkte. Dort wird auch ein mögliches Gleichgewicht wieder hergestellt, wenn es sich verschoben hat. Dabei haben schwache Impulse eine andere Wirkung, als starke Impulse, vergleichbar mit der Homöopathie. Ein schwacher Impuls kann eine stärkere Wirkung hervorrufen, während ein Gift ins Gegenteil umschlägt und einen schwachen Nervenimpuls hervorruft. Ein schwacher Impuls wird dabei insgesamt auf ein höheres Niveau gehoben. – Das Tavor hängt sich an diese Endstellen, an die Gabarezeptoren, der sogenannten Gamma- AminoButtersäure an und macht schwache Impulse oft stärker, Stärkere schwächer, es bewirkt ein Gleichmaß, die Impulse werden ununterscheidbar und verlieren ihre Qualität und es erscheint wie ein „Trojanisches Pferd“, in dem sich etwas Unerkanntes, anderes darin versteckt, es wird dadurch indifferent. Das bewirkt nach außen eine Schwingungsunfähigkeit, eine Charakterlosigkeit in Sinne von Transparenz und Undurchschaubarkeit des wirklichen Wesens eines Menschen, eine Entwicklungsstagnation, ein Gleichmaß und Gleichförmigkeit im Verhalten durch Verdecken der eigentlichen Verhaltensmuster, ein Einfrieren der Erinnerung und der Gedächtnisleistung. Das sind meine Gedächtnisstichpunkte aus dem Gespräch mit meinem Arzt und Therapeuten und er erklärte mir, dass Tavor, über lange Zeit eingenommen, jegliche Entwicklungsmöglichkeiten stagnieren lässt.


285 „Tavor entzieht der Angst den Boden“… Spiegel Artikel 1987 - Es bildet den Nährböden für tausendfach potenzierte Angst und Panikzustände…

Tavor gehört der Gruppe der Benzodiazepine an, einem so genannten Tranquillanten. Neben psychosedativen und hypnotisch- narkotischen Effekten wirken sie anxiolytisch und muskelrelaxierend und antikonvulsiv. Der Hauptangriffsort ist das limbische System ( Regulation von Antrieb, Stimmung, Affektivität ). Benzodiazepine

werden

mit

unterschiedlicher

Affinität

stereospezifisch

an

sättigungsfähige

Bindungsproteine ( Benzodiazepin- Rezeptoren ) im Zentralnervensystem (untergeordnet in einzelnen peripheren Organen) gebunden. Diese Benzodiazepin- Rezeptoren sind an den GABA ( Gamma – Aminobuttersäure) ergen Synapsen lokalisiert. Lorazepam/Tavor, hat, wie alle Benzodiazepine, eine anxiolytische (angstlösend), antikonvulsive (epileptische Potentiale unterdrückend), sedierende (schlafherbeiführend) und muskelrelaxierende Wirkung; in dieser Reihenfolge von stark nach schwach ausgeprägt. Lorazepam hat eine verhältnismäßig lange Halbwertszeit. Deshalb wird es hauptsächlich als Beruhigungsmittel bei Angst und Panikstörungen eingesetzt, da hierbei die längere Wirkdauer (zum Beispiel einen ganzen Tag lang), erwünscht ist. In der Intensiv- und Notfallmedizin findet es Anwendung bei der Durchbrechung eines lang andauernden, lebensgefährlichen epileptischen Anfalles (Status epilepticus) sowie zur Prophylaxe epileptischer Anfälle. Selten findet sich eine Indikation zur Behandlung von Schlafstörungen.

Bei akuten Erkrankungen ist die Anwendung auf Einzelgaben oder wenige Tage zu beschränken. Bei chronischen Erkrankungen richtet sich die Anwendungsdauer nach dem Verlauf. Nach 2 Wochen sollte der Arzt durch schrittweise Dosisverringerung klären, ob die Therapie weiterhin angezeigt ist. Die Behandlungsdauer sollte 4 Wochen nicht überschreiten. Eine fortgesetzte Anwendung sollte nur bei zwingender Indikation, nach sorgfältiger Abwägung des therapeutischen Nutzens gegen das Risiko von Gewöhnung und Abhängigkeit erfolgen. Mit Vorsicht darf es nur angewendet werden, bei jeglicher Form von Muskelerkrankungen.

Bei depressiven, sowie Angstpatienten muss mit der Möglichkeit eines Hervortretens oder einer Verstärkung der depressiven Symptomatik gerechnet werden. Eine Behandlung mit Benzodiazepinen kann bei diesen Patienten suizidale Tendenzen demaskieren, sie sollte nicht ohne adäquate antidepressive Therapie erfolgen. Dieses Medikament darf nicht angewendet werden bei einer Abhängigkeitsanamnese. Auch bei Borderliner Patienten ist diese Behandlung nicht indiziert, weil es die bestehenden Symptome verstärken kann.


286 Zu Beginn der Therapie sollte der behandelnde Arzt die individuellen Reaktionen des Patienten auf das Medikament kontrollieren, um eine mögliche Überdosierung möglichst schnell erkennen zu können. Dies gilt insbesondere auch für Patienten in einem reduzierten Allgemeinzustand.

Nach längerer täglicher Einnahme von Tavor ( länger als 1 Woche ) können nach dem Absetzten der Therapie, besonders wenn diese plötzlich erfolgt, Schlafstörungen und vermehrtes Träumen, Schwitzen, Angst und Spannungszustände, Depressionen, Depersonalisationen, Zittern bis zu bedrohlichen körperlichen und seelischen Reaktionen, wie auch erhöhte Krampfbereitschaft und Atemstillstand auftreten. – Die Gefahr von Entzugserscheinungen steigt mit der Einnahmedauer und der Dosis. Bei mehrwöchiger täglicher Anwendung von Tavor besteht die Gefahr einer psychischen und physischen Abhängigkeitsentwicklung. Eine fortgesetzte Anwendung, länger als 2-3 Wochen, sollte nur bei zwingender Indikation, nach sorgfältiger Abwägung des therapeutischen Nutzens gegen das Risiko von Gewöhnung und Abhängigkeit erfolgen. Während der Therapie mit Benzodiazepinen besteht die Möglichkeit des Auftretens paradoxer Reaktionen, wie erhöhte Aggressivität, akute Erregungszustände, Angst, Halluzinationen, Suizidalität, vermehrte Muskelspasmen, Ein und Durchschlafstörungen. Beim Auftreten derartiger Reaktionen sollte die Behandlung mit Tavor sofort beendet werden. Neben ihrem Abhängigkeitspotential

beinhalten Benzodiazepine weitere Risiken wie die von

Residualeffekten ( Beeinträchtigung im Straßenverkehr ) Rebound- Effekten ( verstärktes Widerauftreten der ursprünglichen Symptomatik nach Absetzen ), Gedächtnisstörungen und anterograder Amnesie, paradoxer Reaktionen, ferner Änderung der Halbwertszeit bestimmter Stoffe.

Deshalb sind von den Ärzten unbedingt die folgenden Richtlinien zu beachten: 1)

Sorgfältige Indikationsstellung

2)

Bei Patienten mit einer Abhängigkeitsanamnese ist besondere Vorsicht geboten. In der Regel keine

Verschreibung! 3)

In der Regel kleinste Packungseinheit (o,5mg) verordnen

4)

In

möglichst

niedriger

Dosierung

verordnen;

Dosis

möglichst

schon

in

der

ersten

Behandlungswoche reduzieren bzw. Dosisintervall vergrößern 5)

Die maximale Dosierung von 5 -7,5 mg Tavor bei einmaliger Gabe und nur im stationären Rahmen,

sollte nicht überschritten werden. 6)

Therapiedauer

vor

Behandlungsbeginn

mit

dem

Patienten

vereinbaren

und

Behandlungsnotwendigkeit in kurzen Zeitabständen überprüfen. Es gibt Abhängigkeit auch nach Dosissteigerung sowie die so genannte Niedrigdosisabhängigkeit.


287 7)

Nach

längerfristiger

Anwendung

(über

eine

Woche)

schrittweise

Dosisreduktion,

um

Entzugssymptome, wie z.B. Unruhe, Angst, Schlafstörungen, delirante Syndrome oder Krampfanfälle zu vermeiden. Auch leichte Entzugssymptome können zu erneuter Einnahme führen.

Weitere Symptome, die nach Absetzten von Tavor berichtet wurden, umfassen Kopfschmerzen, Depression, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwitzen, Dysphorie, Schwindelgefühle, Realitätsverlust, Depersonalisation, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Verhaltensstörungen, übersteigerte Geräuschwahrnehmung, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Gliedmaßen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Berührung, Wahrnehmungsstörungen, unwillkürliche Bewegungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Halluzinationen, Delirium, Krampfanfälle, Krämpfe, Zittern, Bauchkrämpfe, Atemdepressionen bis zum Atemstillstand. Erregungszustände, Palpitationen, Tachykardie, Panikattacken, übersteigerte Reflexe, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und Hyperthermie.-

OPIUM Ich möchte noch einen Blick auf eine ähnliche Droge als das Tavor werfen, nämlich das Opium, das Kaspar bei einer similaren, sensiblen, hellfühlenden, feinfühlenden Konstitution als meiner, im Kerker in sein Wasser gegeben wurde, um die notwendige Körperpflege durchführen zu können, das Wechseln der Kleidung, um ihm Wasser und Brot hinzustellen und unerkannt zu bleiben.

Wenn schon in meiner Kindheit Träume oder Erinnerungen an mein letztes Leben meine Seele streiften, fühle ich nach meiner Befreiung aus dem Kerker immer wieder von tiefgreifende Anflügen von Schwermut heimgesucht, von latenter Antriebsschwäche, von Muskelzittern, insbesondere bei emotionaler Aufregung, worunter gerade, wie auch heute, meine linke Körperhälfte am meisten litt. Ich erlebte die Zuckungen, die mich immer wieder beeinträchtigen noch einmal, die Krämpfe und Fieberschübe, gerade bei geistiger Tätigkeit und Überanstrengung, nach körperlicher Anstrengung im Freien, nach Wind, den ich ganz schwer ertragen konnte, welcher mir Schwindel und ebenfalls Fieber erzeugte, ebenso wie heute in kongruenter Weise. Ich erlebe in meinem heutigen Leben durch die Multisystemerkrankung der genetischen Mutation, also meiner Muskelerkrankung alle schweren Symptome noch einmal in ähnlicher und gleicher Weise und bin davon überzeugt, dass vor allem auch das Opium meinen Körper und meiner Seele in dieser Weise beeinträchtigte, dass es den Nährboden für meine folgende Konstitution in einer neuen Inkarnation im Bereich des Feinstofflichen und nachtodlichen Daseins schuf, der sich dann in einer seltenen Muskelerkrankung zeigen sollte.


288 Die Seele ist der göttliche Schmetterling, das war mir bewusst und er war gefangen in einem engmaschigen Netz spinnendünner, vielfältiger Beobachtungen. Und doch vermochte meine Seele nicht zu fliegen, den Körper nicht zu bezwingen, oder sich mit ihm freundschaftlich zu vereinen. Sie konnte nicht einmal frei atmen, immer blieb schwer und mit harter, undurchdringbarer Schale der Körper um sie gehängt und immer wieder zerrte er sie nieder in das gnadenlose Gesetz der Gravitation, in das platonische Reich. Und wie Turgenjew in einem anderen Brief an Tolstoi schreibt: „Ich wünsche Ihnen mehr geistige Freiheit“, so fühlte ich die Weite meiner Freiheit des Geistes, welche jedoch in unsichtbaren Fesseln der Körperlichkeit gefangen war. Herbststimmung in meiner Seele, so fühlte ich sie oftmals und den bitteren Duft von Welken, Vergängnis und Verhängnis drängte von fahlen Wäldern in mein Gemüt und dieses gleichmütige Licht war anders, als das Licht des Frühlings, das seelisch immer begleitet war von leidenschaftlicher Hoffnung und baldigem Aufbruch, den des inneren Frühlings, den ich auch immer wieder erleben und erfahren durfte. Zumeist aus eigener Kraft geschaffen. Und aus diesem Nihilismus, wie ihn Turgenjew als festen Begriff einer vollkommenen Lebensverneinung prägte und wie ihn Tolstoi ein halbes Leben praktizierend empfand und fühlte, erwachte in ihm durch einen Blick in das Nichts die Sehnsucht nach einer Entkettung der Schwere des Daseins, nach einer Kunst, „die in den Menschen höhere und bessere Gefühle erweckt“. Er vermochte es nicht, das Leben sorglos und von tieferem Sinn durchdrungen zu betrachten. Das wirkliche, reale Leben konnte er nicht anders als tragisch zu sehen und so blieb ihm nur der eine Weg, „das Leben selbst zu ändern“, und den Menschen „Tröstung zu geben und ein sittliches Ideal“. Ein solches Ideal fühlte ich in mir als eine höhere Führung und Fügung. Und ich wollte ihm meine ganze seelische und körperliche Kraft, meine Bewusstseinskräfte, meine Liebe und all meine Empfindungen zur Verfügung stellen, trotz der lastenden Schwere und Verdüsterung in unserem Familienleben, trotz aller reichhaltigen Schicksalsschläge der vergangenen Jahre, die natürlich Spuren schwerer Traumata in meiner Seele zurückgelassen haben.


289 Nachwort von Dr. med. Johannes Reiner Dieses Buch schenkt uns ein außergewöhnlicher Mensch. Durch einen außergewöhnlichen Lebensweg und durch außergewöhnliche Schicksalskonstellationen hat Frau Lachenmayr außergewöhnliche menschliche Begegnungen, außergewöhnliche innerliche Erlebnisse und die außergewöhnliche Gabe zum Erfassen geistiger Zusammenhänge. Die Fähigkeit, geistige Zusammenhänge zu erfassen und geistige Erfahrungen zu machen, ist verbunden mit ihren Schwierigkeiten im irdischen Leben. Wir erfahren, wie die leibliche und seelische Existenz der Autorin immer wieder bedroht und gefährdet war, ihre leibliche Existenz unter anderem dadurch, dass sie extreme Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme hat, auch aufgrund einer Muskelerkrankung, die ebenso den Schluckakt betrifft. Aber nicht nur dadurch ist ihre leibliche irdische Existenz bedroht. Durch die Kräfte der Vernichtung und Verneinung, die in der Welt vorhanden sind, wird sie immer wieder angegriffen, ihr Leben ist immer wieder und auch dauerhaft in Gefahr, davon zeugt dieses Buch. So bedroht, gefährdet und fragil ihre irdische Existenz ist, so sicher und offen ist ihre geistige Existenz. Durch die Gabe der Sprache eröffnet die Autorin uns Zusammenhänge und Verbindungen erschütternder Art. Die Dunkelheit ihrer irdischen Existenz und die Lichtqualität ihrer geistigen Fähigkeiten stehen immer wieder im Kampf, dessen Ausgang ungewiss ist. Dieses Buch, das eine Lebensgeschichte mit Leidens- und Geisteserfahrungen darstellt, ein Dokument, das zum einen die dunklen Seiten ihrer und unserer irdischen Existenz beschreibt, zum anderen durch die Beleuchtung geistiger Zusammenhänge Hoffnung, Zuversicht und Sicherheit gibt, dass trotz der Bedrohtheit unserer leiblichen und geistigen Existenz eine Schicksalsführung vorhanden ist, die sie und uns zu Menschenbegegnungen führt, die uns aufrichten, halten und heben, heben im Hegelschen Sinne: bewahren, aufrichten und auferstehen lassen. Dieser erschütternde Lebensbericht beinhaltet den Kampf der Mächte der Dunkelheit gegen die Träger des Lichtes, der Finsternis gegen die Hoffnung und Liebe, ein Kampf, in dem wir alle stehen, der aber Frau Lachenmayr in außergewöhnlicher Weise erfasst. Trage die Sonne auf die Erde Du Mensch, bist zwischen Licht und Finsternis gestellt. Sei ein Kämpfer des Lichts, Liebe die Erde, In einen leuchtenden Edelstein. Verwandle die Pflanzen! Verwandle die Tiere! Verwandle Dich selbst! Altpersischer Spruch

Im Februar 2016

Dr. med. Johannes Reiner


290 Lebensweg von Antje-Sophia Lachenmayr

Antje-Sophia Lachenmayr wird 1974 in Augsburg geboren, durchlebt eine sehr schwere Kindheit, verliert zwei Väter durch Krankheit und Tod. Sie versorgt ab ihrem 5. Lebensjahr ihre Geschwister, weil ihre Mutter von da an durch einen gemeinsamen Autounfall zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt ist. Antje selber leidet unter einer seltenen Muskelerkrankung, die von den Medizinern nicht erkannt wird, ebenso ihre schwere Lungenentzündung im dritten Lebensjahr, durch die sie fast ihr Leben verloren hätte, weil ein Arzt versagt. Und doch fühlt sie sich von einer höheren Macht getragen, die sie durch die schweren Schicksalsstürme nahezu unversehrt führt. Nach dem Abitur studiert sie zunächst Kunstgeschichte, desweiteren an einem Priesterseminar und schließlich Pädagogik. Dem normalen Berufsalltag ist sie durch ihre Erkrankung nicht gewachsen, sodass sie aus der Not eine Tugend erwachsen lässt und ehrenamtlichen Nachhilfeunterricht, gibt, der sich ausweitet in Berufsberatung, Lebensberatung, Ernährungsberatung. Sie hilft vielen Schülern bei ihren Bewerbungsschreiben und der erfolgreichen Vermittlungen zur Erlangung von Ausbildungs- Studien- und Arbeitsplätzen. Nebenbei unterstützt sie einen Schriftsteller bei der Vollendung seines Buches über Musikgeschichte und bekommt Einblicke in die schriftstellerische Tätigkeit. Aufgrund ihrer komplexen Muskelerkrankung, die sich als Multisystemerkrankung zu erkennen gibt, wird sie Opfer einer Kette schwerer Ärztefehler, die das „Einzigartige ihres Wesens“ zu brechen bedrohen. Durch phänomenale Gedächtnisleistungen, durch die sie nahezu jeden Tag der Vergangenheit zu erinnern weiß und die sie mitunter befähigt, durch ein eigenes ausgedachtes System über viele Jahrhunderte bei genanntem Datum die Wochentage zu errechnen, hat sie begonnen, ihre Autobiographie und ihre Erfahrungen auch im medizinischen und pädagogischen Bereich niederzuschreiben. Sie kämpft derzeit mit den Folgen der Zerstörung um ihr Überleben.

Die Entwicklung der Wissenschaften steht niemals still, auch die Medizin, die Psychologie verändert sich fortwährend. Menschen und Ärzte können sich irren. Durch Irrtum entsteht Schaden. Es ist unmöglich, das Individuelle in der Welt zu retten, man kann nur das Individuum verteidigen in sich selbst. Die Kunst, das Potential des geistigen Menschen ist immer die Freiheit. Freiheit von den Menschen, von den Meinungen, der Mode, Freiheit zu sich selbst. Zu dieser Selbstbestimmung möchte ich anregen.


291 Quellenangaben Alpenparlament.TV antipsychiatrieverlag.de Apothekeninformation Frau Arbenz Film: Hannah Arendt astrodata.com astrologie-karlsruhe.blogspot.com astrologix.de bea.aero Die Bibel bibelwissenschaft.de Dr. Dr. Saskia Biskup Borderline-Erkrankungen (Beiträge zur Ausgestaltung einer anthroposophisch orientierten Psychotherapie) Dieter Beck, Henriette Dekkers, Ursula Langerhorst br.de Caspar Hauser: oder Die Trägheit des Herzens – Jakob Wassermann Citizens Commission on Human Rights das.de das.de/de/rechtsportal/Gesetzestexte/S/StGB David Copperfield & Oliver Twist - Charles Dickens de.eso.tv Das deutsche Kaiserreich - Golo Mann Marlene Dietrich Dr. Eisenbeiss Film: Die Eleganz der Madame Michel Film: Er kann's nicht lassen


292 Antoine de Saint-Exupéry facharzt24.com Der Fall Kaspar Hauser - Anna Schiener Familienschuld und Heilung - Kenneth McAll faz.net Flugunfälle: Ursachen - Untersuchungen - Christian-Heinz Schuberdt Focus.de friedergamm.de Furchtbare Ärzte - Till Bastian Film: Das Gelübde gesundheit.de gottliebtuns.com/mind_control.htm Film: Der Graf von Monte Christo (1998) Film: The Green Mile Der Großinquisitor - Fjodor Dostojewski gzfa.de/diagnostik-therapie/beschwerdebilder/tinnitus/detail/article/kiefergelenksarthrose heiligenlexikon.de herzvertrauen-derblog.de Hermann Hesse: Demian Harry J. Heutschi – alpenparlament.tv Prof. Dr. Dr.h.c. Frank Lehmann-Horn Dr. Beat Imhof Irre!. Wir behandeln die Falschen - Manfred Lütz karrierebibel.de karrierebibel.de/graphologie-handschrift Kaspar Hauser - von Georg Fr. Daumer und Anselm Feuerbach kaspar-hauser-infos.de


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kindernetzwerk.de Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach - Esther Meynell Klima der Angst – eine Dokumentation - antipsychiatrieverlag.de Richard Kuklinski Professor Walter van Laak (Sterbeforscher und Orthopäde) Film: little Tree Martin Luther Mein Recht als Patient - Susanne Schlichter axel-nitzschke.de Film: Patch Adams pendel-tipps.de Philosophie der Freiheit - Rudolf Steiner Dr. Pim van Lommel (Kardiologe) Platon John Boynton Priestley - Ein Inspektor kommt questico.de/magazin/spiritualitaet/zaehne-persoenlichkeit Radiologische Praxis Stuttgart – Kiefergelenk von Frau Lachenmayr Dr. med. Johannes Reiner (Psychiater) scinexx.de/wissenswert-76-1 Sky Dylan Spiegel Artikel 1987 – Professor Dr. Möbius spiegel.de sueddeutsche.de Frank Sunn – 666 Die Zahl des Tieres im Internet symptome.ch/wiki/Mitochondropathie tagesspiegel.de


294 Peter Tradowsky - „Aufs Neue nach so langer Frist soll ich beschimpft, zertreten werden". Kaspar Hauser im Geisteskampf der Gegenwart Peter Tradowsky - Kaspar Hauser Kurt Tucholsky Dr. Uriel Dr. Volkamer klaus-volkamer.de Die Wahlverwandtschaften - Johann Wolfgang von Goethe wasistwas.de/archiv-geschichte-details/erklaerung-der-menschenrechte-in-frankreich.html Was Ohren verraten. So erkennt man den Charakter - Walter Hartenbach web.de welt.de de.wikimannia.org de.wikipedia.org de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger de.wikipedia.org/wiki/Ölmalerei de.wikipedia.org/wiki/Qualitätssicherung_in_der_Medizin de.wikipedia.org/wiki/Rottenburg_am_Neckar de.wikipedia.org/wiki/Sechsundzwanzig de.wikipedia.org/wiki/Stimmritzenkrampf Winterreise - Franz Schubert wissen.de wissensmanufaktur.net Henning Witte youtube.com Yoram Yovell Yoram Yovell – Der Feind in meinem Zimmer: und andere Geschichten aus der Psychotherapie


295 zahnarztpraxisberthold.de/inhalt-zahnheilkunde Die Zauberflöte - Wolfgang Amadeus Mozart zeitundzahl.de Stefan Zweig - Drei Dichter ihres Lebens Stefan Zweig – Europäisches Erbe Stefan Zweig - Die Heilung durch den Geist Stefan Zweig - Der Kampf mit dem Dämon. Hölderlin - Kleist – Nietzsche Stefan Zweig - Marie Antoinette Stefan Zweig – Menschen und Schicksale Stefan Zweig – Sternstunden der Menschheit Stefan Zweig - Georg Friedrich Händels Auferstehung – Sternstunden der Menschheit Stefan Zweig – Trägheit des Herzens Stefan Zweig – drei Meister


296 Impressum Texte: © Copyright by Antje - Sophia Lachenmayr, Torweg 8, 72108 Rottenburg am Neckar, AntjeSophia26@web.de - Alle Rechte vorbehalten. Tag der Veröffentlichung: 24.09.2016 Bildmaterialien: Coverbild: © Copyright by Antje - Sophia Lachenmayr, Torweg 8, 72108 Rottenburg am Neckar - AntjeSophia26@web.de - Schriftart auf dem Coverbild: Times New Roman: Typeface © The Monotype Corporation plc. Data © The Monotype Corporation plc/Type Solutions Inc. 1990-1992. All Rights Reserved. Alle Rechte vorbehalten.

Lachenmayr, Antje-Sophia - Kaspar. Im Zeichen von Wahrheit und Gerechtigkeit. Bd2  

https://www.facebook.com/jobewusst Von antje-sophia: "Lieber Jo, es wäre schön, wenn du diese drei Videos spätestens in der Osterzeit in mei...

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