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Das Ende aller moralischen Konflikte 120x170


After the climax, oder was wurde aus Actaeon Die Göttin Diana hatte sich in einem heiligen Hain eine Quelle eingerichtet, in der sie nach erfolgreicher Jagd zu baden pflegte. Sorglos durch den Wald streifend, betrat der Jäger Actaeon die Grotte und überraschte die Badende. Die Nyphen suchten die Blöße der Göttin mit ihren Leibern zu decken, die sie jedoch um Haupteslänge überragte und unter dem unkeuschen Blick des Sterblichen glühend errötete. Ihres Bogens beraubt, bespritze sie Actaeon mit dem Wasser der Quelle und rief:“Nun sag, wenn du kannst, du habest mich nackend gesehen!“. Daraufhin wuchs Aktaion ein Geweih, seine Ohren wurden läger und länger, Hände und Füße wandelten sich zu gespaltenen Hufen und ein Fell bedeckte seinen Leib. Er wurde zu einem Hirsch. Furcht ereilte ihn und er schritt von dannen. Als er schließlich sein Spiegelbild im Wasser erblickte, wollte er vor Erstaunen ausrufen, aber seine menschliche Stimme war geschwunden und nur ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Als einziges blieb sein Verstand unverändert. Während Tränen über sein pelziges Gesicht rannen und er sinnt, erspähen ihn seine Hunde und verfolgen ihn, bis der Verwandelte von seinen eigenen Hunden zerfleischt wurde. Gehen wir einen Schritt weiter, hinter die Kulissen: Manchmal bekommen Dinge erst ihre Schönheit, wenn der eigentliche Höhepunkt vorbei ist, wenn man hinter das Hauptevent oder die Kernaussage schaut.Was geschieht nach der Katastophe oder der interresanten Geschichte, nach dem Knall oder dem Happy End? Sehen die Gesichter nicht spanneder aus direkt nach dem Unbegreiflichen, als direkt während des Geschehens? Das Ergebnis eines Disasters z.B. macht mich neugirieger als die Situation selbst. Vielleicht der Moment der Hilflosigkeit, das Perplexe, das Neusortieren und die Chance auf etwas völlig Neues, faszinieren und reizen mich. Mit der Hinterlassenschaft Anderer zurechtkommen, das Weiterspinnen wo Andere aufgehört haben, birgt viele Möglichkeiten und schafft neue Konstellationen. Da hat man oft viel Handlungsspielraum. Den tiefsten Abgrund oder das höchste Highlight immer auch als Scheitelpunkt begreifen und als Möglichkeit des Neuentwurfes zu nutzen. Was wurde eigentlich aus Actaeon, was macht er im Jahre 3000 und gebe ich mich mit dem Ende zufrieden? War er ein tragischer Spanner? Ein Voyeur ohne Happy End? Ich gebe ihm eines.



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