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Ausgabe 4/2010

Nicht aus Gläschen füttern Seit Jahrzehnten tun Eltern es. Sie füttern ihre Kinder – direkt aus dem Gläschen, was gerade unterwegs praktisch sein kann. Den Kleinen schmeckt es. Doch das sollen junge Väter und Mütter lassen – sagt die IG-kikra, die Interessengemeinschaft freiberuflicher Kinderkrankenschwestern. Mechthild Hoehl von der IG-ki-

kra mahnt, dass schwer abzuschätzen sei, wie viel kleine Kinder schaffen. Werde das ganze Gläschen erwärmt, müsse deshalb möglicherweise viel weggeworfen werden. Das Umfüllen habe außerdem einen weiteren Vorteil: Das Kind gewöhne sich schneller daran, von einem Teller zu essen, so die Kinderkrankenschwester.

Hagebutten-Samen raus Wer frische Hagebutten verarbeiten will, sollte nicht nur Blütenansatz und Stiele entfernen. Auch die Samen im Inneren der Fruchtkapsel gehören herausgenommen. Denn sie reizen Haut und Schleimhäute und sind nicht zum rohen Verzehr geeignet. Um sich diese Arbeit zu ersparen, kann man die rundlichen

Früchte auch in Wasser weich garen und sie durch ein Passiersieb streichen. Hagebutten sind von September an reif. Sie können geerntet werden, wenn ihre Schale auf leichten Fingerdruck etwas nachgibt. Hagebuttenmark verfeinert pikante und süße Soßen zu Fleisch- und Schmorgerichten, Gebäck oder Nachspeisen. aid

Alexa Iwan: Neulich… Blaue Chips

dungen als UV-Schutz (Farbstoffe), als Schutzstoffe gegen Schädlinge oder zur Festigung. Und auch für uns Menschen Neulich beim Einkaufen in der Lebensmittel-Abteilung eines großen scheinen sie eine Reihe segensreiche Kaufhauses fiel mein Blick auf einen Eigenschaften mitzubringen. So haungewöhnlichen, neuen Artikel. Im ben Studien gezeigt, dass nach dem Regal mit den Knabberartikeln Verzehr eines Tellers Zwiebelsuppe standen Tüten mit blauen und roten die Zusammenballung der BlutKartoffelchips. Laut Zutatenliste plättchen so sehr gemindert wird, sind sie aus blauen Kartoffeln so- dass man von einer echSenkung des wie roten Süßkartoffeln hergestellt. ten Natürlich habe ich direkt eine Pa- T h r o m b o s e r i s i k o s ckung gekauft. Nicht nur, weil diese sprechen kann. DarüChips lustig aussehen und ich wis- ber hinaus scheint das sen wollte, wie sie schmecken. Son- Quercetin aus Zwiebeln dern auch, weil sie ein hochaktuel- blutdrucksenkend zu wirles Thema in der Ernährungswis- ken. Den gleichen Effekt hasenschaft beinhalten: sekundäre Pflanzenstoffe nämlich. „Sekundä- ben auch die Flavanole aus re was...?“ So die Reaktion meiner dunkler Schokolade. Eben Freundin, als ich ihr von meinem diese Flavanole erhöhen außerdem die Geschmeidigkeit Einkauf erzählte. Tatsächlich kann heutzutage fast der Haut – um ein sichtbares jeder etwas mit den Begriffen „Vita- Ergebnis zu erzielen, müsste mine“, „Mineralstoffe“ oder „Spu- man allerdings jeden Tag eirenelemente“ anfangen. Sekundäre ne ganze Tafel Bitter-SchokoPflanzenstoffe (SPS) dagegen ken- lade essen… Dann doch lieber grünen nen nur wenige. Dabei kommen sie Tee: Wer drei oder mehr in allen pflanzlichen LebensTassen pro Tag mitteln vor. Bekanntester trinkt, der senkt sein Vertreter ist das BetaSchlaganfallrisiko um Carotin aus Möhren 20 Prozent. Und und gelb-fleischigem auch vor verschieObst. Lycopin, denen Krebserebenfalls ein SPS krankungen und zwar aus Toscheinen SPS zu maten, haben Sie schützen. In Ratvielleicht auch tenversuchen schon einmal gewurden zuminhört. Oder Querdest weniger cetin, welches in Krebsvorstufen im Zwiebeln vorDarm gefunden, kommt. Der blaue wenn die Tiere regelFarbstoff in den Karmäßig naturtrüben Aptoffeln gehört übrigens felmost bekamen. zur Gruppe der Interessant bei Anthocyane. Alexa Iwan Insgesamt ha- ist Fernsehmoderatorin, Buchautorin und Er- der ganzen Sache ben Forscher bis- nährungswissenschaftlerin. Foto: Mans ist, dass nur ein lang rund 30.000 sehr geringer Teil verschiedene sekundäre Pflanzen- der, mit der Nahrung aufgenommestoffe entdeckt. Wahrscheinlich gibt nen, SPS tatsächlich im Blut aufes noch eine ganze Menge mehr. taucht. Unser Körper betrachtet die Den Pflanzen dienen diese Verbin- SPS nämlich offensichtlich als

Fremdstoffe und ist bemüht, sie so schnell wie möglich wieder los zu werden. Und zwar, in dem er sie umbaut und rasch ausscheidet. Doch genau dies scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein: SPS wirken quasi wie eine Art Impfung. Der Körper wird durch sie angeregt, die Immunabwehr hoch zu fahren und immer genügend Abwehrstoffe bereit zu halten. Insofern ist es dann auch wieder logisch, dass eine Überdosis SPS (beispielsweise in Form von Tabletten) ins Gegenteil umschlagen kann. Raucher, die Beta-Carotin in hohen Dosen zu sich nehmen, haben ein erhöhtes Krebsrisiko. Und es gibt einzelne Menschen, die auf hohe Dosen an Phytosterinen (diese werden Margarine zugesetzt, um den Cholesterinspiegel zu senken) mit Arteriosklerose reagieren. Wenn Sie also gefahrlos in den Genuss der gesunden Eigenschaften der SPS kommen möchten, dann verwenden Sie frische, unverarbeitete Lebensmittel. Auf diese Weise können Sie nichts überdosieren. Essen Sie Obst und Gemüse möglichst ungeschält, denn der Großteil der SPS sitzt in der Schale. Und kaufen Sie Farbe: blaue, violette, rote, orange oder gelbe Früchte strotzen nicht nur vor Vitaminen, sondern auch vor sekundären Pflanzenstoffen. Für die Verarbeitung gilt: SPS mögen in der Regel keine Hitze und kein Licht. Die Lebensmittel also nicht lange angeschnitten rumliegen lassen und nur kurz und schonend garen. Die blauen und roten Kartoffelchips (Foto) sind übrigens eine nette Alternative zu herkömmlichen Chips. Sie sind etwas dicker, haben einen zum Teil süßlichen Eigengeschmack und eignen sich gut zum Dippen in Kräuterquark.


Man ist, was man isst Nr. 5