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Mit Luna um die Welt

Reise

s d i k h t i w t s e w Go

Der „Icefields Parkway“ Traumstraße durch die Rockies Mit dem Wohnmobil Naturextreme erleben: Sommeridylle am Honeymoon-Lake und Winterflair auf dem Athabasca Gletscher

Mountains und eine Tour Kanada, Vancouver Island, die Rocky urlaub ... und einer Reise mit dem Wohnmobil – klingt nach Traum geht das auch mit für abenteuerlustige Erwachsene. Aber hat den Test gemacht und zwei Kindern im Gepäck? Unsere Autorin West-Kanada erkundet. mit ihrer Familie in den Sommerferien Text und Fotos: Alexa Iwan

Transatlantik-Flug mit zwei Kindern. „Wann bringt die Frau endlich meine Doch dank eines dicken Nie-WiederKopfhörer!?“ fragt Lilly (6) nun schon Langeweile-Rätsel-Blockes, der Aussicht zum vierten Mal. Mit „die Frau“ ist die auf den echten Nordpol und eines fluggut h Stewardess gemeint, die eigentlic erfahrenen Vaters neben uns, der auf Start dem mitgedacht und gleich nach seinem Laptop lustige Zeichentrickfilf(Buntsti te gungstü die Kinderbeschäfti me abspielt, kriegen wir die Zeit ganz vorbeiieger) Papierfl Jo-Jo, h, te, Malbuc gut rum. gebracht hatte. Doch all das interessiert Landung Vancouver: 14.05 Uhr OrtsLilly nicht. Sie will wissen, ob aus der zeit. Für uns ist es 23 Uhr nachts … Armlehne ihres Sitzes tatsächlich Kinund natürlich hat kein Kind im Flugderprogramm zu hören ist, wenn man zeug auch nur ein Äuglein zugetan. Was es Kopfhörer reinsteckt. Und findet tun? Wir entscheiden, dass jetzt alle (9) Nick Bruder total ungerecht, dass ihr noch ein paar Stunden länger wach bleiunbeeinem mit o bereits via Nintend ben – O-Ton Nick: „Cool, das ist wie an kannten Mädchen einige Reihen weiter Silvester!” - und liegen um 19 Uhr allevorne chattet. Zugegeben, es gibt Entsamt platt im Hotelbett. Trotzdem spannenderes als einen 10-stündigen

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schlafen wir sehr unruhig, Beide Kinder wachen immer wieder auf. „Das war die schlimmste Nacht meines Lebens! ”, konstatiert Nick am nächsten Morgen. Ein paar Stunden später ist der Jetlag aber schon kein Thema mehr. Wir spazieren bei strahlendem Sonnenschein zwischen Vancouvers Wolkenkratzern herum (die Innenstadt ist zum Glück sehr überschaubar) und als wir am Nachmittag im Stanley Park auf ein Rudel freilebender Waschbären stoßen, ist das Urlaubsgefühl plötzlich da. Ja, wir sind wirklich in einem fernen Land – denn bei uns trifft man schließlich keine normalen Waschbären im Park!

Ein Urlaubs-Zuhause auf Rädern Zwei Tage später übernehmen wir „unser“ Wohnmobil: fast neun Meter lang – ein riesiges Gefährt! Die Kinder nehmen das Bett über der Fahrerkabine in Beschlag, für Mama und Papa gibt es ein richtiges Doppelbett im Heck des Wagens. Außerdem eine kleine Küche, Dusche und Toilette. Das alles auf knapp 20 qm. Wohnmobile heißen in Kanda übrigens „RVs“ (= recreation vehicles, sprich: „Ar-wis“). Wir scheinen beim richtigen Verleiher gelandet zu sein, denn Fraserway liefert nicht nur alle Bedienungsanleitungen auf deutsch, sondern hat den Wagen auch vorbildlich mit wichtigen Details ausgestattet: Campingstühle, Axt, Schere, Taschenlampe, Fliegenklatsche, Wäscheleine und -klammern, Pflaster u.ä. Nachdem wir vor Jahren schon einmal in Neuseeland im Wohnmobil unterwegs waren

(damals noch ohne Kinder), wissen wir besonders die Unterstellböcke für die Räder zu schätzen – nichts schlimmer, als wenn der Wagen (und damit auch das Bett!) nachts schief stehen. Von Vancouver aus fahren wir zunächst Richtung Osten ins grüne Okanagan Tal. Gleich bei unserem ersten PicknickStopp im Naturschutzgebiet Manning Park begegnen wir Dutzenden kleinen Erdhörnchen, die um die Tische herumflitzen und unsere Sandwiches sehr lecker finden. Lilly verfüttert fast unsere ganzen Toast-Vorräte und würde am liebsten eins der Tierchen mitnehmen. Nachmittags erreichen wir Osoyoos, eine kleine Stadt in Sichtweite der USGrenze, und quartieren uns auf einem Campingplatz ein. Nick und Lilly finden beim Baden schnell Spielkameraden und wir bringen das Wohnmobil in Parkposition. Das bedeutet: Strom,

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Wasser- und Abwasserleitungen anschließen und vor allem das sogenannte „slide out“ raus fahren. Mit diesem elektrischen System wird die gesamte Sitz-/Eßgruppe des Wohmobils wie auf einer Bühne gut einen Meter seitlich herraus geschoben, was innen im Wagen für erheblichen Platzzuwachs sorgt. Sehr praktisch! Auf dem Trans Canada Highway Am nächsten Tag geht´s weiter durch das fruchtbare Okanagan-Gebiet – das Wetter ist herrlich und die Hügel um die vielen Seen stehen voller Obstbäume und Weinreben. An jeder Straßenecke werden frische Kirschen, Aprikosen, Blaubeeren, Himbeeren und Gemüse verkauft. Wir decken uns großzügig ein, denn der Reiseführer sagt, dass dieses Schlaraffenland in einigen Kilometern endet. Und genau so ist es


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Kanada von oben: mit dem Wasserflugzeug über Vancouver Islands Inselstrände und in der Gondelbahn über eine Schlucht des Fraser Rivers

Keine Zeit für Hektik: Der Weg ist das Ziel und viele Plätze sind eine Pause wert

auch. Ich fürchte inzwischen, dass ich doch häufiger als geplant die Bordküche in Betrieb nehmen muss, denn die kanadische Küche bietet hauptsächlich Pommes, Burger, Steaks und Maiskolben – das ist für die ernährungsbewusste Mutter nur bedingt zu tolerieren … Nach drei Tagen im RV haben wir inzwischen unseren Familien-ReiseRhythmus gefunden: vormittags eine Stunde fahren, dann eine Wander ung, Besichtigung, Bootstour oder was sich sonst gerade anbietet. Mittags ein Picknick (Picknickplätze gibt es überall) und danach noch mal 1-2 Stunden Weiterfahrt bis zum eigentlichen Tagesziel. 200 Kilometer pro Tag sind auf diese Weise zu schaffen. Manchmal schläft eines der Kinder nachmit tags im Auto ein, ansonsten spielen sie Karten, malen, hören Kassetten oder singen Lieder. Die Aussicht aus dem Fenster muss

dagegen mit guten Geschichten gespickt sein, damit die Kids sich ihr widmen. So wie der Okanagan See: Hier soll das Seeungeheuer „Ogopogo“ leben, eine schlangenähnliche Kreatur mit Pferdekopf und ganz vielen niedlichen Plüschverwandten in jedem ansässigen Geschäf t. Nick und Lilly haben schnell verstanden, dass es auf dieser Reise kein richtiges Ziel gibt - der Weg ist das Ziel, jeder Tag ein neues Abenteuer. Sobald der Wagen steht, hüpfen die beiden neugierig nach draußen. Und wandern mit großen Augen und ihren genauso beeindr uckten Eltern durch einen Wald voller Mammut-Zedern, fahren mit einer Gondel über eine reißende Schlucht des Fraser Rivers (hier schwimmen die Lachse zum Laichen flußaufwärts), machen river-floating (die entschä rfte und für Kinder taug­

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liche Variante des river-raf tings) auf eben diesem Fluss, erklimmen in einem riesen Schneemobil mitten im Sommer einen Gletscher und meckern noch nicht mal, als wir uns bei strömendem Regen neben Dutzenden Japanern vor dem berühmten Lake Louise für ein kitschiges Foto aufstellen. Im Land der wilden Bären Inzwischen haben wir nämlich, etwa 600 Kilometer nordöst lich von Vancouver, über den Rogers Pass die Rocky Mountains erreicht. Hier wird es kühler und Bären sind DAS Thema. Angeblich kann man überall und jederzeit einen treffen. Auf den Campingplätzen dürfen keine Lebensmittel im Freien gelagert werden und die Ranger verteilen Zettel mit Verhaltensregeln für den Ernstfall. Aber leider passiert nichts. Tagelang. Schließlich kaufen wir für

Lilly einen Grizzly-Teddy – wenigstens soll das Kind eine schöne Erinner ung an „bear country“ mit nach Hause nehmen. Und dann, mitten auf dem Icefields Parkway, der zu den zehn schönsten Straßen der Welt zählt und zwischen Banff und Jasper liegt, macht Lillys Papa plötzlich eine Vollbremsung: Im Gebüsch direkt neben der Straße lungert tatsächlich ein Schwarzbär. Seelenruhig dreht er Steine um, auf der Suche nach Futter. Innerha lb weniger Minuten halten fünf, sechs weitere Autos an. Der Bär wird aus den Wagen heraus fotograf iert, doch das stört ihn weniger. Aussteigen ist verboten, das wissen hier alle. Am Ende der Reise wird unsere „Tiersichtungs-Bilanz“ fünf Bären, einen Wolf, ein Rudel Berg-Antilopen, einige Waipiti-Hirsche, die Waschbären von Vancouver, jede Menge Erdhörnchen

und mehrere Buckelwale aufweisen.

Abschluß-Highlight! Fazit nach dreieinhalb Wochen und Ein ganz besonderer Flug knapp 3000 gefahrenen Kilometern: Eine Letztere erspähen wir von einem WasWohnmobiltour mit Kindern ist ein serflugzeug aus vor der Küste von Vanintensives Familienerlebnis und macht couver Island. Auf dieser Insel, mit wirklich Spaß, wenn man keine allzu groihren wunderschönen weiten Sandsträ n- ßen Tagesetappen fährt und zwischenden, verbringen wir am Ende der Reise durch zugunsten eines Spielplatzes oder noch ein paar entspannende Badetage. Strandes auch mal auf eine klassische Wasserf luzeuge sind hier ein gängiges Touristenattraktion verzichten kann. Verkehrsmittel. Wir buchen einen Wieder daheim hatten die Kinder Rundflug von Tofino aus – 300 Dollar natürlich unendlich viel zu erzählen, für eine halbe Stunde. Puh! Aber was aber auch eine Frage, die vor allem die soll´s: once in a lifetime... Die Aussicht kleine Lilly in regelmäßigen Abständen über die Inseln und die Strände ist immer wieder gestellt hat: „Wann fahatemberaubend. Unser Pilot erhält einen ren wir eigentlich mal wieder mit einem Funkspuch, in welcher Bucht die Wale Wohnmobil?” gesichtet wurden. Kurz darauf kreisen Inzwischen kennt sie die Antwor t: Im wir in etwa 300 Meter Höhe über den kommenden Sommer fliegen wir nach Tieren. Das Wasser ist glasklar, fasziNew York und fahren von dort aus niert beobachten wir, wie die Wale ihre durch die Neuenglandstaaten. Fontänen pusten. Ein echtes ReiseNatürlich in einem RV.

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Anreise: von Direktflüge nach Vancouver gibt es in. Berl Air mit rf seldo Düs auch Flüge zu vernünftigen Preisen bieten und nes American Airlines, United Airli ZwiAir Canada an – allerdings nur mit schenlandung.

Wohnmobil (RV):

Ausflüge: • Stanley Park in Vancouver – eine komplett bewaldete Halbinsel mit schönem kleinem Jachthafen und Stadtstränden zum Spielen. Kostenlose Bustour um die Halbinsel herum. • Rogers Pass Centre – kleines Museum auf der Passhöhe zu den Rockies. Hier wird die Geschichte des Eisenbahnbaus in den Bergen erzählt. Sehr beeindruckend aufgrund der Schneemassen, die es bei uns so nicht gibt. • The Icefields Parkway – wunderschöne Nationalstrasse (ca. 350 km) in den Rocky Mountains zwischen Banff und Jasper mit Gletschern, romatischen Seen, wilden Wasserfällen. Hier dürfen keine LKW’s fahren. • River floating/River rafting auf dem Fraser River – dieser Fluss ist die Heimat der Lachse und fließt durch ganz West-Kanada. Die Tourguides in den Booten können unendlich viel erzählen. • Tofino & Long Beach auf Vancouver Island – niedlicher Urlaubsort mit “Surferflair”, riesiger, naturbelassener Sandstrand mit flachem Wellenauslauf • Whalewachting: mit dem Boot oder dem Wasserflugzeug von Vancouver Island aus

Weitere Kosten:

ar billiger als bei Benzin ist in Kanada zw auf der Reise insuns, trotzdem haben wir hren” (3000 km). gesamt 800 Euro „verfa s Milchprodukte Lebensmittel (besonder h teurer, ein Posten und Käse) sind deutlic werden sollte. der auch einkalkuliert tionalparks: 20 Na Durchfahrt durch die ilie Fam d Dollar pro Tag un ver Island: 180 Autofähre nach Vancou eine Fahrt bei Dollar (wenn möglich Inselwelt ist sehr Tageslicht buchen, die schön!) Luna 118

Es gibt verschiedene Anbieter, die einen Frühbucherrabatt für den nächsten Sommer gewähren: Fraserway, Cruise Canada, Tavelland, CanaDream Campers, Go West, Westcoast Mountain Campers. Da die deutschen Sommerferien (Juli/ August) auch in Kanada Hauptreisezeit sind, muss man für ein Wohnmobil pro Woche 800 - 1200 Euro kalkulieren (je nach Größe und Ausstattung). Tipp: mit Kindern kein zu kleines Wohnmobil buchen! Auto-Kindersitze können bei airberlin kostenlos mitgenommen werden, diese sind für Kinder über fünf Jahren aber nicht zwingend nötig, da die Kinder am Tisch sitzend fahren und dort mit Beckengurten gesichert werden.

! e y b d o Go

Spezialisten für die Organisation von Wohnmobiltouren durch Kanada sowie die Anmietung eines passenden Wagens: Canusa Touristik mit Büros in mehreren großen deutschen Städten (u.a. Hamburg, Berlin, Köln, München): www.canusa.de Ausschließlich via Internet und Telefon arbeitet die Trans Canada Touristik TCT GmbH: www.trans-canada-touristik.de Begleitete Wohnmobilreisen bietet z.B. der ADAC an: www.adac-reisebuero.de/reise-angebote.html

Campingplätze:

In der Hochsaison kann es jedoch schon mal eng werden. Am bes ten jeweils einige Tage vorher telefonisch reservieren. Die Ausstattung reicht von ein fach (Plumpsklo) bis hochwertig (inkl. W-lan und Swimming Pool). Eine Üb ernachtung kostet zwischen 17 und 60 Dollar. Ein gutes Campingplatzverzeichn is liegt dem Reiseführer „Kanada, der gan ze Westen mit Alaska“ bei (Reise- Know -How, Verlag Grundmann, 25 Euro).

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