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De Psycho-lo DI EENZEG ZEITUNG DEI EN ECK EWECH HUET! No. 51


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Inhaltsverzeichnis Virwuert

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Berichter iwwert eis lescht Evenementer

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Soirée d`Information „Neugierig auf Psychologie?“ 5 „EFPSA-Congress“ in Malta 7 Visite revisited - SAVVD„Gewalt ass kengLéisung.“ 9

Wat gëtt et Neits?

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Die DGPPN-APP

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Themenberäich - Psychologie am Fokus Extentialism within the humanistic psychology Bewusstseinsstörungen : Anosognosie

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Virwuert Léiw Lieserinnen an Lieser, An schonn erëm sinn puer Méint vergaangen, an et ass erëm Zäit fir den Psycho-lo ze liesen! An dëser Ausgab wëllen mir iech fir d`eicht vun eisen dräi flotten Evenementer vun der ALEP erzielen, villäicht kritt dir och Loscht nächst Joer bei deenen dobäi ze sinn? Soirée d` Information huet zukünftegen Psychologie-Studenten erkläert, wat mir als Psychologen fir Zukunfts-Perspektiven hunn, den EFPSA-Congress zu Malta huet eis vill iwwert Konzepter vun der PerséinlechkeetsPsychologie nobruecht, an fir d`lescht huet d`Visitt am Service d`Assistance aux Victimes de Violence Domestique eis en klengen Abléck an déi interessant Institutiounen ginn . Dono kennt dir noliesen, wat et fir nei Applikatiounen et fir den Handy ginn, déi fir eis Psychologen hëllefreich kéinten sinn. Am leschten Deel, presentéieren mir iech Lieser erëm en Themeberäich mat gesammelten Aarbechten an Artikelen, déi iech ärem Thema méi no bréngen sollen an dir nei interessant Abléck an déi Vilfalt vun den Psychologie-Themen kréien sollt. Mir wënschen iech vill Freed beim Liesen an mir soen Merci un all eis léif Kollegen, déi eis beim Design gehollef hunn, souwéi den léiwen Auteuren, déi eis déi Zeitung erëm erméiglecht hunn an iech en Abléck an déi verschidden Beräicher ginn! Anne-Catherine Ewen Chef-Redactrice Naomi Michelis Co-Redactrice


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BERICHTER IWWERT EIS LESCHT EVENEMENTER

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Soirée d`Information „Neugierig auf Psychologie?“ Die „Soiree d’Information sur la Psychologie“ (SI) bietet neugierigen SchülerInnen jedes Jahr die Möglichkeit, Einblick in die unterschiedlichen Berufsfelder der Psychologie, sowie einen ersten Eindruck vom Studium zu bekommen. Fast 70 Interessierte fanden am 20. April ihren Weg in den Hauptsitz der BGL BNP Paribas am Kirchberg.

Zusammenhang, die Tätigkeiten eines Studenten sowie eines Forschenden. Frau Lisa Schmitz-Clees, die erst nach verschiedenen Fortbildungen zum Psychologiestudium kam, ist heute in der Kinder- und JugendPsychatrie im Centre-Hospitalier Neuro-Psychiatrique in Ettelbrück tätig. Sehr eindrücklich schilderte Sie zudem ihre Arbeit mit Jugendlichen im Gefängnis, zu denen ihr Hund sie häufig begleitet und half, Brücken zu den jungen Menschen aufzubauen.

Nach der einer kleinen Einführung von unserem Präsidenten Sam Bernard und von Thierry Schumann, Direktionsmitglied der BGL, der übrigens selbst Psychologie studiert Der Tätigkeitsbereich von Frau Dr. hat und, so sagte er, diese Wahl nie Duveau ist ein ganz anderer. Sie ist bereut hat, bekamen Arbeitspsychologin im „Endlich haben wir berufstätige Psycho„Service de Santé au Maturanten die logInnen das Wort, um Travail Multisectoriel“ Gelegenheit die interessierten Mit- bekommen, die Vielfalt (STM) im Département glieder in das spannende Psychologie du Travail der Psychologie und diverste Berufsfeld kennenzulernen, vor tätig. Unter anderem bietet der Psychologie ein- allem weil wir uns das das STM-Unternehmen zuführen. unter dem Studium nicht Schulungen für Personal, sowie Gespräche mit Miterwartet hätten.“ – Besucher Lena Ewen. arbeitern zu Stress oder Belästigung an. Herr Dr. Prof. Melzer, Dozent der Uni Luxemburg, führte in das Fach Frau Wohlgenannt erzählte schließlich Psychologie ein und verschaffte den von ihrer Arbeit im Haus Omega 90. Teilnehmern ein Überblick über den Das Hospiz soll Sterbenden die Studienverlauf an der Universität Möglichkeit geben, ihre letzten Luxemburg. Herr Dr. Prof. Melzer Lebenstage oder Wochen in einem beschäftigt sich derzeit in seiner geschützten Rahmen so selbstständig Forschung viel mit Mediennutzung, wie möglich zu gestalten. Trotz des Einflusseffekte von Videospielen und nahenden Todes soll das Leben im der vermittelnden Rolle der Eltern. Mittelpunkt stehen. Zusätzlich zu ihrer Aus diesem Bereich präsentierte er Arbeit im Haus Omega 90 ist Frau kurz die Ergebnisse einer Wohlgenannt als Psychotherapeutin


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in einer Praxis tätig. Im Anschluss an die Vorträge war genügend Zeit, mit den vier Vortragenden, Teilnehmenden und Studenten ins Gespräch zu kommen, eine Kleinigkeit zu essen oder durch die Bücher am Stand des SpringerVerlags zu blättern. Die SI bietet nicht nur zukünftigen Studierenden eine Möglichkeit, sich weiter über ihre Studienwahl zu informieren, sondern ist auch während

des Studiums eine Chance, weitere Einblick in das Berufsfeld zu erlangen und Kontakte zu Psychologen in Luxemburg zu knüpfen. Einen grossen Dank geht an die Organisatoren der ALEP, sowie an alle Vortragende und Teilnehmer, mithilfe dessen, dieser Abend zum Erfolg wurde. Wibke Eickmann Student Université du Luxembourg wibke.eickmann@alep.lu


„EFPSA-Congress“ in Malta Wie bereits seit einigen Jahren, nahm auch 201 8 die ALEP wieder am Kongress der EFPSA* (European Federation of Psychology Student Associations) teil. Dieses Jahr ging es in das sonnige Malta, direkt an den Strand von Cirkewwa. PsychologieStudierende aus ganz Europa treffen sich in diesem Rahmen jedes Jahr und können sich untereinander austauschen, weiterbilden und inspirieren lassen. Unter dem Thema ,,Exploring Personality – Diversity & Individual Differences‘‘ besuchten unsere vier ALEP-Vertreter, Kitty, Sam, Wibke und Simone, die verschiedensten Vorlesungen, Workshops, Seminare und PosterPräsentationen. Durch Fallvorstellungen konnten wir etwas über die therapeutische Arbeit mit Persönlichkeitsstörungen lernen, StatistikInteressierte konnten theoretische sowie praktische Seminare über R und Netzwerkanalysen belegen und Dozierende stellten ihre Forschungsprojekte im Rahmen von Persönlichkeit Unterschiede vor. Auch Studierende hatten die Möglichkeit Seminare oder eigene Forschungsarbeiten wie zum Beispiel Masterarbeiten über dieses Thema

vorzustellen. Diese Heterogenität und Vielfältigkeit der Vortragenden, ermöglichte einen Einblick in verschiedenste Vertiefungsrichtungen über verschiedene Nationalitäten und Universitäten hinweg. Auch das sogenannte ,,social program‘‘ war reichlich gefüllt und hielt die rund 300 Kongressteilnehmer zwischendurch auf Trapp. Alle Teilnehmer wurden auf vier Häuser aufgeteilt: die Vikings, die Wizards, die Knights und die Gozitonians. Bei Spiel und Sport konnten die Häuser über die Woche hinweg gegeneinander antreten um am Ende den Siegerpokal abzustauben. Das Abendprogramm bot jeden Tag eine andere Themenparty; sowie PowderParty oder Lagerfeuerabend, welche für lange und unvergessliche Nächte sorgten. Zu dem „social program“ zählte auch der eintägige Ausflug nach Valletta, bei dem die Malteser den Teilnehmern ihr Zuhause näherbrachten. Ganz stolz war das Organisationsteam der maltesischen Psychologiestudierenden als die Teilnehmer während der Rundfahrt auf Malta das traditionelle ,,We love you Org.com.‘‘-Lied vortrug.


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Nachdem am letzten Kongress-tag die zweite Generalversammlung abgehalten wurde konnte schlussendlich das neue EFPSA-Mandat, mit neuem Vorstand, Teammitgliedern, Projekten und Ideen, eingeläutet werden. Auch für die ALEP tat sich hier eine Veränderung. Nachdem Simone nun einige Jahre sich um den Kontakt zwischen der EFPSA und der ALEP erfolgreich und gewissenhaft gekümmert hat, wurde Wibke als neue „Member Representative“ unter Simones Hilfe und Unterstützung eingestellt. Auf der glamourösen und doch ausgelassenen Galanacht verabschiedeten sich abschließend die Teilnehmer von dem maltischen OrgaTeam, aber auch von neuen und alten Freunden. Ein letztes Mal stieß man auf den gelungenen Kongress an und verabredete sich bereits für de n

nächsten Kongress im Jahr 201 9 in Dänemark. * Die EFPSA verbindet 33 europäische Studierendenverbindungen aus dem Fach Psychologie. Die ALEP ist seit mehreren Jahren Mitglied und vertritt somit Luxemburg auf europäischem Niveau. ALEP-Mitglieder können Teil einer Vielzahl an Projekten und Services der EFPSA werden und somit zu einem positiven Einfluss auf die Gesellschaft und deren Auffassung von Psychologie, sowie zur Unterstützung der psychologischen Forschung beitragen. Der Austausch zwischen Studierenden, AkademikerInnen und Berufstätigen steht dabei, wie auch bei der ALEP, im Fokus.

Simone Wagener Student Maastricht University simone.wagener@alep.lu

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Visite revisited - SAVVD „Gewalt ass keng Léisung.“ Falls et awer sollt virkommen, dass sech eng Persoun dëser Form vu Verhale bedéngt an d’Police gerouff gëtt, da kann et sinn, dass de Gaascht vun eiser leschter Visitt an d’Spill kënnt: de „Service d’Assistance aux Victimes de Violence Domestique“ (SAVVD). De SAVVD ass e „Service vu femmes en détresse“ a setzt sech säit 2003 fir den Afferschutz an d’Kriseninterventioun vu Persounen an, déi haisslecher Gewalt erlieft hunn. De SAVVD agéiert nom Gesetz géint haislech Gewalt (waat 2003 gestëmmt, an 201 3 modifizéiert gouf) a kënnt dann an d’Spill, wa bei enger polizeilecher Interventioun vum Parquet eng Expulsioun geschwat gëtt. Dëst bedeit konkret, dass wann d’Police op der Platz mat Ëmstänn konfrontéiert gëtt déi op haislech Gewalt hindeiten, de Parquet informéiert gëtt, den dann innerhalb vun e puer Stonnen eng Decisioun hëlt. Am Fall vun enger Decisioun déi den Täter aus dem Haus eraus hëlt, kréie béid Parti’en (Affer wéi Täter) jeeweils Ulafstelle wou si sech mëlle kënnen. Sollt dëst antreffen, sou mellt sech de SAVVD och selwer beim Affer – fir den éischte Schrëtt zum Kontakt ze vereinfachen – a freet no, op de Wonsch no Betreiung an Ënnerstëtzung do ass; dës Servicer sinn nämlech keng Obligatioun. Dësen Dossier gëtt aus Transparenzgrënn an der Vereinfachung fir all weideren Oflaf dem SAVVD zoukomme gelooss.

Wärend eiser Visitt hate mir d’Méiglechkeet, eis ënner anerem mat enger Psychologin vum Service iwwert den Aarbechtsalldag auszetauschen. De SAVVD ass en pluridisziplinär Equipe vu 6 Leit a sëtzt sech ënner anerem aus Educateuren, Assistant Social an Psycholog zesummen, wat bedeit, dass de Poste vum Psycholog sech och mat deenen aneren Aspekter vum Service sollt auskennen, well nëmmen esou eng optimal Betreiung vu Persounen an enger Krisesituatioun ka garantéiert ginn. Sollt en Affer eng Betrieung wënschen, sou gëtt gekuckt, schonn innerhalb enger Woch eng éischt Sëtzung kënne festzeleeën. Wichteg ass hei deene Betraffene fréi genuch ze verstoen ze ginn, dass dëst keng laangfristeg therapeutesch Interventioun ass, mä wärend e puer méint éischter ee kuerz- bis mëttelfristege Krisemanagement ass. Konkret steet dann d’Stabiliséierung vun der Persoun am Fokus: Protektioun, Ecoute, mä och d’Aarbecht um direkte sozialen Netzwierk oder awer betreffend opkommenden Scholdgefiller a Selbstwäertzweifel. „Mir mussen de Leit ze verstoe ginn, dass mir do sinn, fir un dem akute Virfall ze schaffen; et ass wéi e Wollball, mer këmmeren eis Stéck fir Stéck ëmmer nëmmen em ee Fuedem. Eist Ziel ass et, d’Affer ze stabiliséieren, aus dem Grond gi mir net weider an d’Vergaangenheet


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Saache sichen fir opzeschaffen, dat kéint ënner Ëmstänn bei enger Persoun déi an dem Zoustand méi empfindlech ass éischter negativ Effekter hunn.“ En anere Punkt, den eis als Studente vermëttelt gouf, war den, dass et och an deem heite Beruffsfeld wichteg ass, seng eege Grenzen ze kennen, „keng Aarbecht mat heem ze huelen“ an allgemeng op sech selwer opzepassen. D’Supervisioun an d’Méiglechkeet sech am Team ze ënnerstëtzen ass immens wichteg fir eng gutt Psycho-Hygiène an engem Beruff an dem en deeglech mat schwierege Situatioune konfrontéiert gëtt. Och wann et net zwangsleefeg déi einfachst Aarbecht ass, déi en als Psycholog kann hunn, sou krute mir awer en Abléck doranner, wéi villsäiteg an interessant dëse Posten ass. Haislech Gewalt ass e kloert TabuThema an do hänkt hannendrun, dass vill Leit net wëssen dass et esou Servicer ginn oder Angscht hunn, dass d’Benotzung vun dësen mat enger Stigmatiséierung verbonnen kéint sinn. Laut den Zuele vum

SAVVD ass d’Unzuel un Interventioune vun der Police an d’Unzuehl vun den Expulsionen déi läscht Joeren zereck gaangen währendem awer d’Zuel vun den Rendez-vous’en déi d‘Affer am service psychologique vum SAVVD an Usproch huelen an d’Lut gangen ass. Dëst si béid Saachen déi weisen, dass souwuel aktiv um Thema vun der Gewalt an der Gesellschaft geschafft gëtt, mä awer och d’Aarbecht vu Psychologen an d’Betreiung vu Persounen a Krisesituatiounen ëmmer méi u Bedeitung gewënnt an aller Usiicht no fir déi Betraffe manner d’Iddi vun engem Stempel huet. Eng positiv Entwécklung, zu där och d’Aarbecht vum Service d’Assistance aux Victimes de Violence Domestique en Deel bäidréit. Mir soen dem SAVVD gären nach eng Kéier Merci fir den Abléck den si eis erméiglecht hunn! Aus Diskretiounsgrënn an dem Schutz vun Clienten wéi och Betréier, gouf bei dësem Artikel op Nimm a Fotoe verzicht.

Sam Bernard Student Université du Luxembourg sam.bernard@alep.lu

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WAT GETT ET NEITS?


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Die „DGPPN-App“ Zum 1 7. Weltkongress der Psychiatrie im Oktober 201 7 brachte die DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde), Deutschlands größte und älteste medizinische Fachgesellschaft für Fragen rund um psychische Erkrankungen, eine neue Anwendung in die App-Stores (iOS und Android). Die kostenlose App soll durch ihr leitliniengerechtes Expertenwissen als praktischer Begleiter für den klinischen Alltag fungieren. Inhaltlich bietet die App z.B. Praxiswissen für Notfallsituationen, dabei sind im Register von Abhängigkeitssyndrom bis Zwangsbehandlung alle Definitionen, Sofortmaßnahmen, diagnostische Leitlinien, Differenzialdiagnosen, Therapieempfehlungen und weiterführende Literatur schnell und offline abrufbar. Des Weiteren umfasst die App einen umfangreichen Wissensteil zu Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen, evidenzbasierte Leitlinienempfehlungen, eine Übersicht über berufliche Integrationsmaßnahmen und aktuelle Informationen von der DGPPN. Kurze Wissenstests und Extras wie BMIKalkulator oder Promillerechner ergänzen das Angebot. Die Anwendung funktioniert praktischerweise überall, unabhängig von einem Internetzugang.

Akute Alltagssituationen in der Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen stellen Behandler häufig vor Situationen mit hohen Anforderungen. Für solche Fälle ist die App als tragbarer Fachwissensspeicher ein optimales Tool für Psychiater, Therapeuten, Ärzte anderer Fachrichtungen die Menschen mit psychischen Erkrankungen behandeln. Auch für Studierende ist die App ganz nützlich und kann einen Überblick über die wichtigsten Bereiche der Psychiatrie und Psychotherapie verschaffen. „Mit der App ist nun praktisches Expertenwissen gebündelt und immer zugänglich. Das erleichtert nicht nur uns Psychologen und Psychiatern den Alltag enorm, sondern unterstützt auch andere Berufsgruppen, die mit der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen betraut sind. Wir erweitern die Anwendung nun sukzessive und geben Fachkräften damit ein neues Standardwerkzeug an die Hand“, sagt Dr. med. Isabella Schneider, AppEntwicklerin. Simone Wagener Student Maastricht University simone.wagener@alep.lu


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THEMENBERAICH PSYCHOLOGIE AM FOKUS

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Existentialism Within the Humanistic Psychology “[M]an is nothing but which he makes of himself” (Sartre, 1 948, p.28) is a condensed phrase, which summarizes in very few words, the central ideas of the existentialist current. In this essay, the writer will first present the core concepts of the psychotherapeutic approach that emerged from this philosophical view. Later, he will also reflect on both its practicality as well as restriction in regards to its application in a therapeutic setting between a practitioner/counselor and a client/patient. Furthermore, the terms of “practitioner” and “counselor”, as well as “patient” and “client” can be used and interpreted interchangeably as synonyms; the emphasize shall be put on their respective role, not their title. The conceptual focus of the therapeutic application will be more on the humanistic-existential approach that emerged in the United States around therapists such as Rollo May or Irvin Yalom (Deurzen, 201 2; May, 1 960, Yalom 1 980), rather than the European approach, which is more closely derived from the philosophical ideology (Hough, 201 4). Existentialism, starting as a philosophical current, is largely founded on the works of Sartre, Nietzsche and Kierkegaard (Hough, 201 4). Kierkegaard, under the pseudonym of Victor Eremita, published the oeuvre “Either/Or” (Kierkegaard, 1 992), narrating of two different possible choices of life. These two opposing styles reflect either the aesthetic life - a more

hedonistic and emotionally focused path of choices – or the ethical life – a path focusing on rational choices. Both these paths eventually lead to a despair for the depicting character, resulting in the open-ended conclusion by Kierkegaard, that neither choice is “correct” per se, but that it comes down to one’s own deliberately made choices, by which we define our self, which in return gives us the potential, to shape our own existence (Claringbull, 201 0; Spinelli, 2007). Furthermore, existentialists see both, the choice of human existence itself, as well as other events surrounding us, as our own responsibility, thus putting emphasis on the importance of both our inner workings and the outside world (Sartre, 1 965). This responsibility has two reasons at the same time: not only is God to be considered dead (Nietzsche, 2009), which means no one else can be held responsible for the occurrences in the world, but also, we as humans should be responsible for our own values (Deurzen, 201 2; Kierkegaard, 1 992). Internal and personal change is supposed to happen through struggle, which demands for strength and courage, strongly promoting the idea of inner freedom (May, 1 981 ; Sartre, 1 965) and intrinsic motivation (Ryan & Deci, 2000); core concepts of existentialism, which are also represented in therapeutic approaches following this current (Spinelli 2007; McLeod, 201 3).


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By this, the focus of the existentialist approach centers around the value and meaning of someone being alive, whilst leaving this question of meaning open for the client to respond and not forcing a pre-existing answer upon him (Deurzen, 2002). With existentialism being this philosophical approach, issues that it deals with revolve around personal experience, the meaning of human existence, and the free will (Hough 201 4); issues that are quite similar to the ones that occur in Carl Rogers humanistic approach (May, 1 982, 1 986; Rogers, 1 951 ). Nowadays, it is very hard to keep a clean cut between these two currents when it comes to the psychotherapeutic application. More often than not, it is referred to as “existential-humanistic” (Hough, 201 4; Jones-Smith, 201 2; Langdridge, 201 3), even when at its core, the work is done in the spirit of existentialism. This is mainly because both are so tightly in juxtaposition in the historical current of psychology: the psychoanalytic school is considered as the “First Force (in psychotherapy)”, the behavioristic and cognitive approaches as the “Second Force”, and the “Third Force” refers to the humanistic approach (Claringbull, 201 0; Hough, 201 4; Jones-Smith, 201 2). The latter includes both the person-centered humanistic approach that Carl Rogers is known for, as well as existential approaches (May, 1 982; McLeod, 201 3), making it all the more difficult to situate the humanisticexistential approach in an island position. Yalom himself named four “ultimate concerns” (Yalom, 1 980, p.8) that reflect existential threads, creating a dynamic to work on. These are Death,

Freedom, Existential Isolation, and Meaninglessness. Comparingly, Rollo May proposed six principles on the basis of which he worked on: (a) every person is centered within himself, (b) the thrive for self-affirmation and the perseverance of said centeredness, (c) the need and potentiality of leaving the centeredness to engage with others, (d) the subjective view of centeredness called awareness, (e) self-consciousness as a unique form of awareness exclusive to humans, and (f) the ability to know one’s self position and by that, realizing potential threats by the outside influences of the world (May, 1 960, 1 981 , 1 983). With these principles exposed, it should be more feasible to follow the writer’s reasoning, while discussing strengths and boundaries of this holistic approach (May, 1 986) of (humanistic)-existential counselling. When addressing assets of existentialism in psychotherapy, one should consider the centrality of the patient in treatment (Hough, 201 4; Wong, 201 0), more precisely the aspect that borders the idea that one creates one’s self (Claringbull, 201 0). The perspective of this notion can be understood by looking at the previously mentioned concerns by Irvin Yalom (1 980). He argues, that these four concerns are confrontations that humans have to face, furthermore, May (1 986) went as far as to view these existential resistances as inevitable occurrences that cannot simply be leaped over. Dealing with these crisis via the full potentiality of the patient, and seeing him in a light of optimism, is what defines the core of existential


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psychotherapy (Frankl, 2000; Ryan & Deci, 2004a; Wong 201 0). Ryan and Deci (2004b) illustrate how in a more modern interpretation and a somewhat evolved form of existentialism, the anxiety of these threats, is what generates intrinsic motivation. Only with a lack of said motivation, or with an unsurmountable anxiety patients start questioning their worth, meaning (May, 1 983), and become vulnerable to Yalom’s initially stated ultimate concerns. In his letter to Carl Rogers, Rollo May (1 982) emphasizes the usage of the word “daimonic” (May, 1 969, p. 1 22) and to not confound it with the similarsounding term demonic. With daimonic, he means that the potential to do constructive and destructive deeds is alike, all while pursuing the quest of meaning in one’s existence (Wong, 201 0). Simply put, by integrating this daimonic urge into the patient’s personality – which is done by psychotherapy – its impulses can be used for constructive tasks, such as creativity, if left unchecked though, it can potentially take over the personality, resulting in behavioral disorders, anxieties or paranoias (May, 1 969, 1 982). The specific outlook through which these views can really shine, is the way existentialists perceive the value of one’s personality. For them, personality is unique (Spinelli, 2007) and more importantly, its development is “unending” (Claringbull, 201 0, p. 92). In Contrast to Lady Macbeth’s famous line “What's / done cannot be undone” (Shakespeare, trans. 201 3, 5.1 .46-47), existentialists always see the option in a forward movement being the key to solving a problem (Frankl, 2000), without mentioning the

idea of a dead end, that would require the client to drastically change their path at once. In fact, the common perspective is that our substance, our existence, is defined by how we perceive our influence upon everything that surrounds us and by how we value what is happening to us (Claringbull, 201 0; Spinelli, 2007). Another aspect that has not yet been addressed, is how, in existential therapy, the client’s negative emotions should be treated authentically (James-Smith, 201 2; May, 1 960). On this topic, Rollo May made a particularly bold statement that he “find[s] it important in therapy that the patient is able to take a stand against [him], the therapist” (May, 1 982, p.1 6). With this, May does not intend on conveying the idea that therapy should be a rebellious act from the patient, but rather that the therapist shall be empathic (Rogers, 1 951 ), yet not take away any responsibility of the client when it comes to dealing with said emotions, such as anger, grief or anxiety. In other terms, if the patient feels anger, he shall be able to express that and not be hold back by too much of a nice attitude from the therapist. Also, according to May, therapists need to be able to feel, accept, and respect their own negative emotions, if they wish to help and guide their clients (May, 1 982). In essence, we define our existence by the very interpretation of the interaction between us and the outside world. For the counsellor, this means, that he can be capable to shape therapy and treatment to the individual problematic of his client, in unison with his client’s very own interpretation of his being (Deurzen, 2002; Langdridge, 201 3). Thus the


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therapist’s goal is help his client to understand life, be a potential medium to reflect, and, different from other therapeutic currents like behaviorism (McLeod, 201 3), convey the concept, that change can be done both internally and externally (Deurzen, 201 2). Additionally, regarding the importance of this approach, Wampold said “that an understanding of the principles of existential therapy is needed by all therapists, as it adds a perspective that might … form the basis of all effective treatments” (Wampold, 2008, p. 6). After having a closer look at the capacities of existential psychology in the applied field of counselling, attention should also be given to the weaknesses. The term of weakness is not to be seen in a pejorative light, but is supposed to cover those aspects that limit the practicality in counselling. Firstly, with its origins being of a philosophical nature (Hough, 201 4), demonstrating its empirical effectiveness and validity in counselling might prove difficult. In fact, Eckartsberg (1 998) and Schneider (2007) did a marvelous job at bringing together investigations and experiences on the more existentialistic spectrum of psychology, ranging from general human emotional traits all the way to highly spiritual concepts. Although, it ceases at this exact point: concepts and phenomenology; they were able to name concepts based on individual cases, that were analyzed qualitatively, not quantitatively. In their study – which uses and reports qualitative measurements – Niemiec et al. (201 0) addressed concepts from

existentialism itself, as well as traits from existential psychology, but did not enter in the psychotherapy’s realm of effectiveness. Breitbart (2002), Dale (1 996), Hein & Austin (2001 ), and Hoffman (2009) share this similarity. All of them explain and describe – this in a very elaborate and exhaustive way – how these concepts can be applied and how they are perceived by patients or other clients, i.e. athletes in Dale’s study, yet they do so by means of a qualitative assessment. Again, this is based on individual cases and does not really allow the attempt of generalization. The latter could open the possibility to formulate concrete and applicable psychological concepts, that have a validated empirical base, which then could be tested for quantitative results. Secondly, the existential approach is subjectively unsuitable for people who are looking for an immediate relief of their symptoms and concerns (Deurzen, 2002). Objectively, a therapist using this approach will reach his limits once he is confronted with a patient showing complaints with a physiological and biological underlying condition (Hough, 201 4). In fact, in existential therapy, counsellors will often go beyond the medical condition and use their approach as a support when their clients subjective meaning of life is endangered. This is especially helpful at instances when the physiological imbalance is created by this perception. However, this same treatment will have close to no effect, when the primary complaints are indeed purely biological (JonesSmith, 201 2). Thirdly, people who do not have many choices that they can rely on, will face personal limits in existential therapy


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(Hough, 201 4). Clients may eventually find themselves in situations, in which they cannot be held responsible, nor find the responsibility within themselves. This will render them unable to reflect insofar as responsibility (May, 1 982) is concerned and limit their capacities to initiate a change, as both their inner and outer world are limited and for them, in a way, out of reach: “these [people do not] feel they have the type of choices the existential focus suggests� (Hough, 201 4, p.1 71 ). Even if their potential is limitless (Claringbull, 201 0; May, 1 981 ; Spinelli, 2007), it has little use when their choices are comparably narrow. Additionally, the effect a client can have on himself is heavily dependent on the capability and competence the counsellor himself brings into therapy (Deurzen, 201 2; Langdridge, 201 3). If the therapist lacks the ability to convey the concepts in a way that every patient understands them individually, acts in a way as to blame the patient for his situation, or takes too much control and responsibility away from his client, he risks to do more harm than good (Deurzen, 2002). In conclusion, existential psychotherapy, even though coming from a quite waste philosophical field, has clear psychological concepts to work on. Surely, every approach has clear and unique strengths, but at the same time, these very same approaches also show their own flaws and shortcomings. If it were not for these limits, maybe the development of new psychological interventions would come to an eventual halt with the introduction of one final perfect

approach. Goals that are clearly defined in behavioral therapy and achieved with specific interventions, may find their way in existential therapy via emotional honesty, authenticity (Deurzen, 2002; JonesSmith, 201 2), and being true to one another (May, 1 960; Schneider, 2007). Personally, I think that existentialism has to be understood, felt and experienced and that it cannot be simply learned from a book. To me, one of the many appeals of this approach is the manner, in which every patient and every problem is regarded individually and seen with the seemingly endless optimism that change is not only possible but achievable. In appreciation of the work of Rollo May, Irvin Yalom, and many others, I would like to leave you with the same words that Polonius gave his parting son Laertes: "[t]his above all: to thine own self be true, / and it must follow, as the night the day, / thou canst not then be false to any man." (Shakespeare, trans. 1 992, 1 .3.79-81 ). References Breitbart, W. (2002). Spirituality and meaning in supportive care: spiritualityand meaning centered group psychotherapy interventions in advanced cancer. Supportive Care in Cancer, 1 0(4), 272-280. doi: 1 0.1 007/s0052001 00289 Claringbull, N. (201 0). What is Counselling and Psychotherapy? Thousand Oaks, CA: Sage Publications. Dale, G. A. (1 996). Existential Phenomenology: Emphasizing the Experience of the Athlete in Sport Psychology Research. The Sport Psychologist, 1 0, 307-321 .


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Sam Bernard Student UniversitĂŠ du Luxembourg sam.bernard@alep.lu


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Bewusstseinsstörungen: Gestörte Krankheitseinsicht mit dem Fokus auf die Anosognosie bei Halbseitenlähmung 1 . Definition: Was ist Anosognosie? Babinski prägte den Begriff Anosognosie (griechisch: a-nosognosia „kein Krankheits- Wissen“) erstmals 1 91 4, um das Fehlen des Bewusstseins eines motorischen Defizites nach einem Hirninfarkt zu beschreiben. Unter Anosognosie wird heute die fehlende Krankheitseinsicht sensorischer, perzeptueller, kognitiver, affektiver oder motorischer Dysfunktionen nach einer Hirnschädigung bezeichnet. Hierzu werden vor allem die Hemiplegie (=Halbseitenlähmung ohne Restaktivität oder Hemiparese = Halbseitenlähmung mit Restaktivität), die kortikale Blindheit (auch AntonSyndrom), die Hemianopsie und die kortikale Taubheit gezählt. Sie kann aber auch bei Amnesien, Aphasien oder Demenzen auftreten. Daraufhin interpretieren Patienten mit Anosognosie die körperlichen Defizite anders als Patienten ohne Anosognosie. Sie kann sich verbal (bewusst, explizit) oder aber auch behavioral (implizit) äussern (bspw. Ofrei et al., 2007; Karnath, 2006; Jenkinson et al., 2011 ). „Anosognosie ist das mit einer umschriebenen Hirnschädigung einhergehende, pathologische Nichterkennen einer offensichtlich bestehenden Halbseitenlähmung, kortikalen Blindheit, Hemianopsie oder Taubheit.“ (Karnath, 2006).

Bei Patienten die mehrere Funktionsstörungen aufzeigen wie zum Beispiel eine Hemiparese und eine Hemianopsie, können eine Anosognosie entwickeln für beispielsweise die Hemiparese aber nicht für die Hemianopsie. Demzufolge ist die Anosognosie selektiv oder modalitätsspezifisch und kann bei mehreren gleichzeitig bestehenden funktionellen Beeinträchtigungen nur für eine bestehen. Der Verlauf der Anosognosie ist je nach Patient sehr unterschiedlich. Sie kann nur einige Tage bestehen, bis es zu einem Bewusstsein der Krankheit kommt, sie kann aber auch über Monate oder Jahre bis hin zu lebenslang fortbestehen (Karnath, 2006). Eine Unterform der Anosognosie bei Halbseitenlähmung ist die Asomatognosie, wobei die Patienten sogar leugnen, dass die Extremitäten zu ihnen gehören. Als Somatoparaphrenie wird das Zuschreiben der gelähmten Extremität einer anderen Person verstanden. Diese beiden Formen treten jedoch eher selten auf und sind meist mit einer allgemeinen Desorientiertheit verbunden. Andere Manifestationen, die die fehlende Krankheitseinsicht einschliessen, sind die Ano-sodiaphorie (Gleichgültigkeit gegen-über einer Krankheit) und Misoplegie (Menschen hassen krankhaft die gelähmten Gliedmassen). (bspw. Karnath, 2006; Jenkinson et al., 2011 )


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1.1. Erklärungsansätze zur Entstehung der Anosognosie (Karnath, 2006)

Eine eindeutige Erklärung des Auftretens einer Anosognosie wurde bislang nicht gefunden. Jedoch wurden verschiedene Erklärungshypothesen verschiedener Wissenschaftler aufgestellt. Keine dieser Hypothesen bringt eine vollständige Erklärung des Auftretens einer Anosognosie. Es wird heute eher von einer Kombination von multiplen Faktoren, als von einem bestimmten Defizit in einem bestimmten Bereich, ausgegangen, welche die Heterogenität des Syndroms erklären. Im Allgemeinen lassen sich die Theorien in folgende Kategorien einteilen: Störungen der Informationsaufnahme und Weiterleitung, psychologisch - psychodynamische Theorien, die Entdeckungstheorie und Störungen neuronaler Bewusstseinssysteme. Störungen der Informationsaufnahme und Weiterleitung befassen sich mit der Sensibilität (Babinski, 1 91 8; Levine et al., 1 991 ), dem Neglect und der Diskonnektion (Anton, 1 896; Geschwind, 1 965). Demzufolge wird angenommen, dass die Anosognosie durch den Verlust der Sensibilität hervorgerufen wird (Sensibilitätsstörung). Fehlende afferente Informationen der gelähmten Extremitäten oder Defizite tragen zu einem nicht Erkennen dieser bei. Zusätzlich tritt durch die Hirnschädigung die Unfähigkeit auf, die Aufmerksamkeit auf die gelähmte Extremität zu richten. Der Patient beachtet demzufolge die gelähmte Extremität nicht und die Funktionsbeeinträchtigung wird nicht

erkannt („Feedback-Hypothese“). Eine ähnliche Erklärung bietet das Vorhandensein eines Neglects. Durch ein gleichzeitiges Vorhandensein eines Neglects wird das ipsiläsionale Explorationsfeld nicht richtig erkannt und die gelähmte Seite bleibt unbemerkt. Vertreter der Diskonnektion sehen Unterbrechungen verschiedener interoder intrahemisphärischen Verbindungen des Gehirns als Ursache der Anosognosie. Geschwind (1 965) ging davon aus, dass eine Unterbrechung der Verbindung zwischen den Hemisphären die Ursache der Symptomatik darstellt. Somit werden die Informationen der linkseitigen Körperhälfte (verarbeitet in der rechten Hirnhälfte) nicht zur linken, sprachdominanten Hemisphäre, übermittelt, wodurch dann über die linke Körperhälfte nur konfabuliert werden kann. Psychologisch psychodynamische Theorien gehen davon aus, dass die Anosognosie eine mentale Schädigung einhergehend mit Konfusionen und/oder intellektueller Beeinträchtigung darstellt (Redlich & Dorsey 1 945; Nathanson et al. 1 952). Zusätzlich seien psychodynamische Faktoren ursächlich für die Symptomatik. Verschiedene Autoren beschreiben die Anosognosie als ein Abwehrmechanismus (Weinstein & Kahn, 1 955), andere gehen von einer Persönlichkeitseigenschaft mit ausgeprägter Verweigerungshaltung bei Konfrontation mit der Realität aus (Guthrie & Grossman, 1 952). Die Entdeckungstheorie nach Levine (1 990) vermutet ein Defizit der Selbstbeobachtung und der Selbstdiagnose.Das „Entdecken“ des Defizits wird durch einen zusätzlichen


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Neglect und/ oder eine zusätzliche kognitive Leistungsminderung, vor allem des schlussfolgernden Denkens und des Gedächtnisses, verschoben oder gar verhindert. Unter Störungen neuronaler Bewusstseinssysteme können verschiedene Theorien zusammengefasst werden. McGlynn und Schacter (1 989) behaupteten, dass das bewusste Erleben eine Aktivierung eines neuronalen Systems, „conscious awareness system (CAS)“, voraussetzt. Die Autoren lokalisierten die CAS im posterioren parietalen Kortex mit Projektionen zum Frontalkortex, um den Einfluss auf die exekutiven Funktionen zu gewährleisten. Die Schädigung der CAS selbst, sollte zu einer globalen Anosognosie führen und Schädigungen von Verbindungen zu Subsystemen wie Sprache oder Wahrnehmung zu Anosognosie spezifischer Defizite. Bisiach und Geminiani (1 991 ) vermuten eine Störung des neuronalen Netzwerkes, welches für die mentale Abbildung der Aussenwelt zuständig ist. Ramachandran (1 995) postulierte die Theorie der Selbsttäuschung. Er geht davon aus, dass die linke Gehirnhälfte für die Kontinuität und Kohärenz des Verhaltens des Individuums verantwortlich ist und die rechte Hemisphäre hat die Aufgabe eines „Anomaliedetektors“. Dabei ist die rechte Hemisphäre bei Patienten mit Anosognosie gestört und kohärente Paradigmen (linke Hemisphäre) werden nicht mehr an die aktuelle Situation angepasst. Die Feedfoward-Hypothese von Heilman (1 991 ) postuliert, dass eine Lähmung nur dann erkannt werden kann, wenn eine Initiierung der

der Bewegung vorhanden ist. Eine gelähmte Extremität wird durch Planung, sie zu bewegen, erkannt, wenn keine Bewegung zu beobachten ist („mismatch“). Dieses Missverhältnis zwischen Ausführung und Erwartung der Bewegung führt somit zum Erkennen der Lähmung. Bei den Anosognosie-Patienten fehlt die Initiierung der Bewegung und somit können sie die Lähmung der Extremität nicht erkennen.

2. klinische Beschreibung Ungefähr 1 0% der Patienten, die aufgrund eines Schlaganfalls halbseitig gelähmt sind, weisen eine Anosognosie auf (Karnath, 2006). Patienten mit einer Anosognosie der Halbseitenlähmung verhalten sich so, als ob sie nicht wüssten, dass sie halbseitig gelähmt sind. Sie verneinen die bestimmten Defizite und überschätzen ihre Fähigkeiten. Diese Personen behaupten, dass beide Arme und/oder Beine normal funktionieren und sie diese normal bewegen/ benutzen können. Die Konfrontation mit dem Defizit, führt nicht dazu, dass die Patienten die Behinderung erkennen. Durch Konfabulationen versuchen sie Erklärungen für das Defizit zu finden (z.B. Das Bein ist zu müde) oder sie ignorieren die Tatsache. Demzufolge zeigen sie weniger Verzweiflung, depressive und Angst-symptome und sind übermässig optimistisch gegenüber einer Heilung. Über längere Zeit hindert das fehlende Bewusstsein den Patienten jedoch daran, adaptive Coping-Strategien gegenüber der Krankheit zu entwickeln (Orfei et al., 2007). Wie in der Definition schon an-


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gesprochen, sollte berücksichtigt werden, dass sich die Anosognosie explizit (also verbal) aber auch implizit (also behavioral) äussern kann. Der Patient kann äussern, dass er nichts hat sich aber konsistent mit der Beeinträchtigung verhalten. Er kann aber auch verbal sagen, dass er das gelähmte Bein als solches wahrnimmt, aber behavioral sich inkonsistent verhalten, indem er versucht aufzustehen. Das implizite und explizite Krankheitsbewusstsein kann also getrennt betrachtet werden. Das Vorhandensein einer Anosognosie scheint sich negativ auf die Heilung oder Rehabilitation auszuüben. Zudem gehen rechtshemisphärische Schädigungen (wie z.B. Schlaganfälle), die zur Folge motorische Beeinträchtigungen und Anosognosie hervorrufen, oft mit visuellem und/ oder taktilem Neglect einher. Auch gestörte emotionale Aspekte wie Stimmung, Affekt oder Motivation scheinen häufiger mit einer Anosognosie einherzugehen, was höchstwahrscheinlich durch Schädigung subkortikaler Strukturen hervorgerufen wird (Jenkinson et al., 2011 ). 2.1. Lokalisation

Ganz grob, tritt die Anosognosie bei Schädigungen der fronto-diencephale und fronto-temporale Regionen auf und spiegelt somit vor allem eine Beeinträchtigung der Perzeption wieder. Die Anosognosie tritt deutlich häufiger bei rechts- als bei linkshemisphärischen Schädigungen auf. Auch die Literaturübersicht von Jehkonen und Kollegen (2006) berichten, dass das Auftreten einer Anosognosie bei rechts-

hemisphärischen Schlafanfällen zwischen 11 -60% liegt, während bei linkshemisphärischen Schlaganfällen die Anosognosie bei 6-24% der Patienten auftritt. Hierzu sollte aber berücksichtigt werden, dass eine linksseitige Hirnschädigung häufig mit einer Aphasie einhergeht und die Diagnostik dementsprechend eingeschränkter ist als bei Patienten ohne Sprechund/oder Sprachstörungen. Meist wird eine Anosognosie bei einer Hemiparese beobachtet, wenn ausgedehnte fronto-temporo-parietale Infarkte in der rechten Hemisphäre aufgetreten sind. Seltener werden Schädigungen der linksseitigen Hemisphäre oder subkortikaler Strukturen bei Patienten mit Anosognosie bei Hemiparese beobachtet. Zudem wird die posteriore Insel als wichtiger Teil unseres körperlichen Bewusstseins diskutiert (Karnath, 2006). Moro und Kollegen (201 6) haben mithilfe von voxel-basierten Analysen Patienten mit Anosognosie bei Hemiplegie nach einem Schlaganfall mit Patienten mit Hemiplegie aber ohne Anosognosie verglichen. Sie konnten verschiedene zerebrale Strukturen, welche verantwortlich für das motorische Bewusstsein sind, nachweisen. Als erstes bestätigt die Studie die Beteiligung des insularen Kortexes, sowie der laterale premotorische Kortex. Im Vergleich zu anderen Studien, haben Moro und Kollegen keine Assoziation zwischen der Anosognosie und isolierte Läsionen der Insula gefunden. Weiterhin identifizierten die Autoren breitere Netzwerkbereiche, welche vor allem perisylvischtische Strukturen des frontalen, temporalen und parietalen Regionen einschliessen


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(Heschl Gyrus, rolandisches Operculum and anteriorer temporal superiorer Gyrus), sowie die subkortikale Beteiligung der Basalganglien (siehe Abbildung 1 ). mit grösseren kortikalen Schädigungen einhergehen als es bei Patienten mit akuter Anosognosie der Fall ist.

Abbildung 1 . Vergleich der Läsionen zwischen Patienten mit Anosognosie (AHP) und ohne Anosognosie der Hemiplegie (HP). A = signifikante Regionen in den AHP vs. HP. B = Verschiedene Farben repräsentieren die ROC-Fläche. = sagittaler Schnitt mit 3 kortikalen Clusterbildungen im subzentralen Gyrus und um die Insula durch die blauen Kreise dargestellt, welche den Rolandischer Operculum (ventraler, prämotorischer Kortex) berühren. 1 =Insula, 2= Heschl Gyrus und 3 = superiorer temporaler Gyrus (Moro et al, 201 6).

Diese Resultate unterstützen multifaktorielle Theorien, welche behaupten, dass die Anosognosie durch heterogene Beeinträchtigungen hervorgerufen wird. Die Autoren schlagen als Erklärung eine mögliche funktionale Trennung zwischen TopDown (gelernte Vorhersage eigener Handlungen) und Bottom-UpProzesse (Vorhersagefehler zwischen gelernter Vorhersage und Realität) vor. Um Schlussfolgerungen ziehen zu können, welche Regionen bei diesen Prozessen genau involviert sind, müssen weitere Studien durchgeführt werden. Weiterhin haben Moro und Kollegen Patienten mit chronischer Anosognosie (>40 Tage) mit Patienten mit akuter Anosognosie (Erholung vor 40 Tagen) verglichen. Resultate zeigten, dass akute Phasen höher mit Läsionen der Insula, Nucleus Caudatus, Putamen internale und externale Kapsel und inferiorer okzipito-frontaler Fasiculus einhergehen. Patienten, welche länger unter Anosognosie litten, zeigten mehr Läsionen im ventralen prämotorischen Kortex, Thalamus, Heschl Gyrus, temporaler superiorer Kortex, Kortikospinaler Trakt, arcuares anteriores Segment und Coprus Callosum. Gemeinsam geschädigte Regionen beider Gruppen waren die Insula, externale und interale Kapsel und superiore Corona radiata. Demzufolge lässt sich erkennen, dass chronische Anosognosie bei Patienten mit Hemiplegie nach einem Schlaganfall mit grösseren kortikalen Schädigungen einhergehen als es bei Patienten mit akuter Anosognosie der Fall ist.


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3. Testverfahren Durch einfaches Erfragen des Untersuchers, kann schon eine Anosognosie festgestellt werden. Dadurch können aber keine Rückschlüsse auf die Schwere und das Ausmass der Symptome gezogen werden. Zu ihrer Erfassung können verschiedene Testverfahren benutzt werden. Es sollte berücksichtigt werden, dass die meisten Verfahren auf verbalen (explizit) Berichten über das subjektive Bewusstsein beruhen und das implizite Krankheitsbewusstsein standardisiert nur schwer zu erfassen ist. Zudem werden die meisten Testverfahren bei Patienten, die einen Hirnschlag erlitten haben, verwendet. Nur das strukturierte Interview von Anderson und Tranel (1 989) kann auch für eine Patientenpopulation mit Demenz oder einem Schädelhirntrauma benutzt werden. Die Artikel von Jehkonen (2006) und Orfei (2007) liefern verschiedene Diagnostikverfahren, die im Praxisalltag verwendet werden können.

4. Therapieverfahren Zu den Therapiemöglichkeiten der Anosognosie gibt es nur sehr wenige bis keine Verfahren. Kontrollierte Behandlungsstudien zur Wirksamkeit einer bestimmten Therapie gibt es noch keine. Im Review von Ofrei und Kollegen (2007) wird eine Studie von Robinson (2004) beschrieben, welche Antidepressiva (Nortriptyline und Fluoxetine) bei Patienten mit Anosognosie verwendete, um Depressionssymptome und kognitive Erholung nach einem Hirninfarkt zu untersuchen. Die Placebogruppe

schien deutlich schwerere Anosgnosie-Symptome nach Behandlung aufzuzeigen als die behandelte Gruppe. Demnach schützen Antidepressiva vor einer Verschlimmerung der Symptomatik. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Behandlung des Neglects. Da die Anosognosie häufig mit einem Neglect einhergeht, scheint die Behandlung des Neglects einen Einfluss auf die Anosognosie haben. Hierzu gibt es verschiedene Techniken wie z.B. kognitive (Patienten trainieren, Informationen des vernachlässigten Sehfeldes zu sammeln usw.) und nicht-kognitive (Prismenbrille tragen) Methoden. Im Review von Jenkinson und Kollegen (2011 ) wird eine Fallbeschreibung von Fotopoulou und Kollegen (2009) erläutert, die eine Verbesserung der Anosognosie bei einem Patienten berichtete, indem die Forscher dem Patienten VideoFeedbacks zeigten. Daneben beschreiben Jenkinson und Kollegen (2011 ) Leitlinien von Prigatano und Morrone-Strupinsky (201 0) zur Hilfe der Behandlung und Rehabilitation von Patienten mit Anosognosie, die ein Hirninfarkt erlitten haben, sowie hierarchische Interventionsstrategien. Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit Anosognosie: 1 . Schwere und Ausmass des fehlenden Bewusstseins erfassen 2. Sind defensive Methoden zur Bewältigung vorhanden (v.a. bei gestörtem Selbst-Bewusstsein) 3. Ist eine Chronifizierung möglich? (Verlauf erfassen) 4. Neurologische und neuro-


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5. 6. 7. 8.

psychologische Störungen, welche zur Anosognosie betragen können, erfassen Arbeitsbeziehung mit Patient und seiner Familie aufbauen! Individualisierter neuropsychologischer Rehabilitationsplan erarbeiten Rehabilitation für den Patienten interessant gestalten Trainingsprogramm aufrechterhalten, solange die Möglichkeit auf eine Verbesserung besteht.

Hierarchische Interventionsstrategien für Ansosognosie bei motorischen Defiziten: 1 . Erfassung des Erkennens von warm und kalt, rechts und links 2. Vorhandensein taktiler Stimulation? (rechts und links) 3. Grad des Druckes bei taktiler Stimulation (weich vs. fest; rechts vs. links) 4. Lokalisation taktiler Stimulation, auch Fingererkennung und taktile Objekterkennung (rechts vs. links) 5. Rechte und linke Orientierung Körperteile und Lokalisationen im Raum 6. Erfassung des Vorhandenseins des Neglects (ja oder nein) 7. Behaviorale Strategien um Halbseitenunaufmerksamkeit zu behandeln 8. Traditionelle physische Therapien für Patienten mit Hemiplegie 9. Langzeitmonitoring des Bewusstseins eigener Einschränkungen und Einflüsse auf den Alltag 1 0. Emotionaler und motivationaler Zustand des Patienten

Zur Behandlung der motorischen Beeinträchtigungen bei Patienten mit Anosognosie werden verschiedene Techniken vorgeschlagen. Ein Verfahren ist die Spiegeltherapie, bei der ein Spiegel in die Körpermitte gestellt wird und ein falsches visuelles Feedback der kranken Seite durch das Sehen der gesunden Seite, hergestellt wird. Hierbei werden reorganisierende Prozesse im Gehirn zugrunde gelegt. Ein anderes, neues Verfahren ist die AktionsBeobachtungs-Therapie (action observation therapy), wobei Patienten Videos alltäglicher Aktivitäten anschauen, um motorische Prozesse einzuschalten. Visuelle Feedbackmethoden (AktionsBeobachtungs-Therapie) oder mentale Wiederholungen (Spiegeltherapie) gelten als Zusatz neben normaler Physiotherapie zur Verbesserung motorischer Beeinträchtigungen (Jenkinson et al., 2011 )

5. Schlussfolgerung Anosognosie ist ein sehr komplexes Phänomen, welches noch nicht ganz verstanden wird. Zwar wird eine neurologische Ursache zu Grunde gelegt, aber eine genaue Erklärung für das Auftreten der Anosognosie ist noch nicht bekannt. Die rechte Hemisphäre scheint für das Krankheitsbewusstsein wichtig zu sein. Zur Erfassung der Lokalisation der Anosognosie werden demnach häufig Patienten mit rechtshirnigen Infarkten untersucht. Auch Patienten mit Anosognosie der Halbseitenlähmung (Hemiplegie oder Hemiparese) scheinen am meisten untersucht zu sein. Berücksichtigt sollte jedoch werden, dass sich die


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Anosognosie auch auf anderen Krankheiten und nicht nur auf motorischen Defiziten bezieht und es muss nicht ausschliesslich ein Hirninfarkt zugrunde liegen. Es wurden schon viele verschiedene Testverfahren (vor allem Fragebögen oder Interviews) zur Erfassung der Anosognosie entwickelt. Doch auch hier sollten die diagnostischen Kriterien weiterentwickelt werden, aufgrund der Komplexität und Heterogenität des Phänomens. Vor allem das nonverbale (behaviorale; implizite) Krankheitsbewusstsein scheint eine weitere Barriere in der Diagnostik darzustellen. Zur Therapie der Anosognosie gibt es bisweilen leider nur sehr wenige bis keine Studien. Viele fokussieren sich spezifisch auf verschiedene Behandlungen verschiedener Krankheitsbilder mit Anosognosie, doch eine konkrete Behandlungsalternative für die Anosognosie selbst gibt es noch keine. Hierfür werden vor allem Wirksamkeitsstudien, sowie Langzeitund Verlaufsstudien benötigt, um eine gute und effektive Therapie den Patienten vorschlagen zu können. Literatur Karnath, H.O. (2006). Anosognosie. Karnath, H.O. & Thier, P. (Hrsg), Neuropsychologie (S. 565-576). Heidelberg: Springer. Jehkonen, M., Laihosalo, M. & Kettunen, J. (2006). Anosognosia after stroke: assessment, occurence, subtypes and impact on functional outcome reviewed. Acta Neurol Scand,11 4, 293–306. Moro, V., Pernigo, S., Tsakiris, M., Avesani, R., Edelstyn, N., Jenkinson, P.M. & Fotopoulou, A. (201 6). Motor versus

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Anne-Catherine Ewen Student Universiät Basel kitty.ewen@alep.lu


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