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De Psycho-lo No. 50

DI EENZEG ZEITUNG DÉI EN ECK EWECH HUET!


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Dë Psycho-lo, di eenzeg Zeitung déi en Eck ewech huet

Nr.48


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De Psycho-lo, di eenzeg Zeitung déi en Eck ewech huet

Liebe Psycho-lo'gsche Leserschaft, fühlt euch ganz herzlich zu einer neuen Ausgabe des Psycho-los begrüßt. Es freut uns ganz besonders, dass ihr beim goldenen Jubiläum der Zeitschrift dabei seid. Ihr haltet nämlich bereits die 50. Ausgabe des Psycho-los in euren Händen. Auch dieses Mal haben wir wieder ein buntgemischtes Repertoire an Artikeln bereitgestellt, das nur darauf wartet, von euch verschlungen zu werden. Die aktuelle Ausgabe gliedert sich grob in vier Bereiche: Zunächst möchte sich das neue Comité der ALEP bei euch vorstellen. Dazu wurden sorgsam Steckbriefe der Vorstandsmitglieder gesammelt. In der Rubrik "Thoughts and Innovations" werden Artikel abgedruckt, die einerseits Innovatives aus dem psychologischen Bereich vorstellen, was in diesem Fall anhand einer Zusammenstellung von hilfreichen und interessanten Apps geschieht. Zudem wird ein reflektierender Artikel zum Thema Forschung veröffentlicht, der auch so manchen Leser oder so manche Leserin nachdenklich stimmen könnte. Im dritten Bereich werden psychologische Fachbeiträge erscheinen. In diesem Sinne ist es auch eine Neuerung des Psycho-los, dass ab sofort mindestens ein Fachartikel pro Ausgabe veröffentlicht wird. In dieser Ausgabe wird eine Zusammenfassung der Masterarbeit der ehemaligen ALEP-

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Präsidentin Joëlle Hoffmann zu lesen sein. Im Anschluss daran findet ihr einen Fachartikel über hohe Begabung im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeit, der bereits in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Darauf, dass wir ihn nun auch im Psycho-lo präsentieren dürfen, sind wir ganz besonders stolz. Für die letzte Rubrik wurden Beiträge gesammelt, die einen Einblick in psychologische Institutionen in Luxemburg bieten. Einige davon sind bei den Visiten entstanden, welche durch die ALEP organisiert werden. Am Ende des Psycho-los wartet zudem ein kleines Rätsel darauf, gelöst zu werden. Dabei gibt es psychologische Fachbücher zu gewinnen! An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei den Autoren der Artikel bedanken, ohne welche mir die Zusammenstellung dieser Zeitschrift unmöglich gewesen wäre. Vielen lieben Dank daher an Simone Wagener, Shiwa Ghassabei, Joëlle Hoffmann, AnneCatherine Ewen, Dr. Letizia Gauck und an Cara Ströbel! Die Redaktion freut sich übrigens immer über psychologisch orientierte Artikel von ALEP-Mitgliedern. Auch Feedback von eurer Seite ist jederzeit herzlich willkommen. Nun bleibt uns nur noch, euch Leserinnen und Lesern viel Vergnügen beim Durchforsten der 50. Ausgabe des Psycholos zu wünschen! Sandra Gigl Redakteurin des Psycho-los


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Léiw Psycho-logesch Lieser an Lieserinnen, Fillt iech ganz häerzlech zu dëser neier Psycho-los Ausgab begréisst! Eis freet et besonnesch, dass dir bei eisem goldegen Jubiläum dobäi sidd, well dir haalt déi 50. Ausgab vum Psycho-lo an ären Hänn! Eis nei Ausgab gliddert sech folgendermoossen: Fir éischt gëtt den néien Comité vun der ALEP mat Hëllef vun gesammelten Steckbréiwer virgestallt. Dono, an der Rubrik "Thoughts and Innovations", ginn verschidden innovativ Beräicher aus der Psychologie virgestallt, an dësem Fall ginn e puer hëllefräich an interessant Handy-Appe presentéiert. Ausserdeem ass hei en Artikel iwwert Fuerschung verëffentlecht, deen sécherlech deen een oder aneren zum Nodenken bréngt! Am drëtten Beräich fannt dir verschidden fachspezifesch Artikelen. Iwwer des nei Iddi, Fach-Artikelen am Psycho-lo ze verëffentlechen, sinn mir ganz stolz iech an der Zukunft aktuell Fuerschung an Konzepter virstellen ze kennen. An dëser Ausgab fannt dir eng Zesummefaassung vun enger Masteraarbecht mat dem Thema "Self-Regulation in Alcohol", geschriwwen vun der fréierer ALEP-Presidentin Joëlle Hoffmann. Zousätzlech stellen mir iech en Artikel iwwer "Hohe Begabung und Verhaltensauffälligkeit" fir, deen schonn emol an enger Fachzäitschrëft verëffentlecht gouf. Dass mir deen elo och am Psycho-lo iech Lieser bereet stëllen dierfen, sinn mir extra stolz. Zum Schluss goufen Beiträg gesammelt, déi

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iech en Abléck an d`psychologesch Institutiounen vun Lëtzebuerg ginn sollen. Puer vun deenen sinn während Visitten, déi vun der ALEP organiséiert goufen, entstanen. Zum Schluss vum Psycho-lo waart ausserdeem en klengt Rätsel dorop geléist ze ginn. Doduerch kennt dir psychologesch Fachbicher gewannen! Un dëser Stell well ech en groussen Merci un d`Auteuren vun den Artikelen ausspriechen, ouni déi ech déi Zeitung net zesummegestallt kritt hätt. Dofir Villmools Merci un Simone Wagner, Shiwa Ghassabei, Joëlle Hoffmann, Anne-Catherine Ewen, Dr. Letizia Gauck und un Cara Ströbel! Wann dir eng gutt Iddi oder en fachpsychologeschen Artikel am Psycho-lo verëffentlechen wëllt oder dir eis konstruktiven Feedback iwwert Zeitung ginn wëllt, géifen mir eis feeën! Elo bleift mir näischt aneres méi iwwereg, wéi iech Lieser an Lieserinnen ganz vill Spaass beim duerchbliederen vun eiser 50. Ausgab vum Psycho-lo ze wënschen! Sandra Gigl Redaktioun Psycho-lo (Iwwersetzung vum Anne-Catherine Ewen)


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ALEP-Comité: Vorstand 201 7/1 8 - Steckbrief Sam Bernard ­ Präsident Studiert an der Universität: Universität Luxemburg Mein Lieblingsfach im Studium: Qualitative

Methods

Das möchte ich unbedingt mal lernen:

Sprachen

Research

Andere exotische

Der beste Tipp den ich jemals gelesen habe: "This

above all: to thine own self be true. And it follows, as the night the day, thou canst not then be false to any man." Ich bin in der ALEP weil... ich

finde, dass es unterhalb Psychologiestudenten mehr Zusammenarbeit geben darf, aber auch weil ich gerne künftigen Studenten auf ihrem Weg helfen mag. Simone Wagener ­ Kassenwartin Studiert an der Universität: Maastricht University

(Niederlande)

Mein Lieblingsfach im Studium: Brain

Damage

Das möchte ich unbedingt mal lernen: Nähen

und Stricken

Der beste Tipp den ich jemals bekommen habe: Wie

man den Shortcut für Copy & Paste auf meiner Tastatur macht. Ich bin in der ALEP weil... der Austausch

zwischen Psychologiestudierenden und später auch PsychologInnen meiner Meinung nach enorm wichtig und fördernd für das Berufs- und Forschungsfeld Psychologie ist.


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Joé Miller ­ Sekretär Studiert an der Universität: Universität Basel Mein Lieblingsfach im Studium: Klinische

Neurobiologie

(Schweiz)

Psychologie und

Das möchte ich unbedingt mal lernen: Geduld

zu haben!

Der beste Tipp den ich jemals bekommen habe: Es

zu spät nochmal zur Schule zu gehen :

ist nie

Ich bin in der ALEP weil...es

eine tolle Erfahrung ist, sich außerhalb Uni-Alltags in einer Studentenvereinigung mit Gleichgesinnten zu betätigen und sich für andere Studierende und zukünftige Studierende einzusetzen. Die ALEP bietet außerdem eine super Möglichkeit, sich bereits während des Studiums intensiv mit der späteren Berufswelt auseinanderzusetzen, wichtige Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.

Cara Ströbel ­ Event Manager Studiert an der Universität: Universität Luxemburg Mein Lieblingsfach im Studium: Klinische

Psychologie

Das möchte ich unbedingt mal lernen: Reittherapien

durchführen

Der beste Tipp den ich jemals bekommen habe: "Geduld

ist ein Baum, dessen Wurzel bitter, dessen Frucht aber sehr süß ist" Ich bin in der ALEP weil... ich

sie als PsychoStudentenorganisation sehr wichtig finde und die "Arbeit" im Vorstandsteam viel Spaß macht.


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Sandra Gigl ­ Redakteurin "Dë Psycho­Lo" Studiert an der Universität: Universität Luxemburg Meine Lieblingsfächer im Studium: Psychobiologie

Sozialpsychologie

Das möchte ich unbedingt mal lernen: Einen

fliegen

und

Helikopter zu

Der beste Tipp den ich jemals bekommen habe: Es

schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung! (:

gibt kein

Ich bin in der ALEP weil... ich

ursprünglich über das Artikelschreiben dazu kam, die Redaktion des Psycho-Los zu übernehmen und weil ich es gut finde, Psychologie-Studenten auf vielfältige Weise mit studien- und berufsbezogenen Informationen zu unterstützen.

Anne­Catherine (Kitty) Ewen ­ Praktikumsbörse & Journalistin "Dë Psycho­Lo" Studiert an der Universität: Universität Basel Mein Lieblingsfach im Studium: Klinische

Neuropsychologie

(Schweiz)

Psychologie/

Das möchte ich unbedingt mal lernen: Psychotherapie Der beste Tipp den ich jemals bekommen habe:

das, was du gerne machst.

Mache

Ich bin in der ALEP weil... Gegenseitiger Austausch

gemeinsames Arbeiten Fortschritt bringt :)

und


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Katia Carvalho ­ Externe Vertretung Studiert an der Universität: Universität Luxemburg Mein Lieblingsfach im Studium: Allgemeine

Psychologie

Das möchte ich unbedingt mal lernen: Gebärdensprache Der beste Tipp den ich jemals bekommen habe: Lerne

Moment zu genießen und darin glücklich zu sein! Ich bin in der ALEP, weil… sie

Leidenschaft teilen.

den

Menschen verbindet, die dieselbe


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Thoughts and Innovations...

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Was bedeutet Forschung für mich? von Shiwa Ghassabei

Für mich bedeutet Forschung Fortschritt. Zu so gut wie jeder Fragestellung wurde bereits geforscht und es wird stetig weiter untersucht, was z.B. Einflussfaktoren von globaler Erwärmung sind und wie man diese am besten angehen kann, damit die Umwelt und wir Menschen nicht davon Schaden nehmen oder zumindest nicht allzu sehr darunter leiden. Dem Menschen scheint es unwichtig, wie es der Natur ergeht. Als Mensch, das Säugetier über allen anderen, das Einzige mit ausgewachsenem Gehirn, herrscht schließlich ganz automatisch über der Natur. Der Mensch sieht sich nicht als Teil der Natur an, sondern ist dieser überlegen. Wir entfernen uns also immer mehr von der Natur, von unserem Ursprung. Die Welt hat Milliarden von Jahren gebraucht um sich zu etablieren, zu halten, und was machen wir ? Wir brauchen vermutlich nicht einmal 1 00

Jahre um diese Welt wieder zu vernichten ! Der Mensch ist nur bei Naturgewalten machtlos. Ansonsten wird alles bis zum letzten Sandkorn kontrolliert. Big Brother is watching. Von der Freiheit der Privatsphäre, die einst so heilig gesprochen wurde, ist vermutlich in ein paar Jahren nicht mehr viel übrig. Genauso wenig wie von der Natur. Eigentlich lustig, dass die Menschen alles von ihr replizieren und abschauen, sich den innovativen Geist aber auf sich selbst übertragen. So wird aber auch in anderen Bereichen geforscht, wie z.B. in der Erziehung, welche der Frage nachgehen, welche Erziehungsform für das Kind wohl am besten sei. In der Medizin gibt es wohl am meisten Forschung, was die Testung von neuen Medikamenten betrifft oder welche Behandlungsform ausgeübt werden sollte. Auch in der Technik wird viel geforscht


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und untersucht, wie man diese verbessern kann. Geupdated, Neu installieren. Das sind Folgen von neuen Forschungsergebnissen in der Technik. Stetig muss man updaten, etwas neu installieren. Macht man das nicht, muss man sich ein neues Gerät aneignen, da die alte Version unbrauchbar wird. Ferner kommt immer ein neues, der aktuellen Zeit entsprechendes Gerät oder Produkt auf den Markt. Der darf nämlich nicht einschlafen. Diese neuen Produkte sind dann meistens besser, schneller, handlicher als die Vorgängerversion. Produkt 2.0 wird das genannt. Irgendwann gibt es so viele verschiedene Versionen, eine 1 5.0, doch das wird dann nicht mehr als solche bezeichnet. Man denkt sich andere kreative Zahlenabfolgen aus, kombiniert mit ein paar Buchstaben, um möglichst viel Abwechslung hereinzubringen. Man muss schließlich auch den Vorgaben der Zeit entsprechen und den damit verbundenen Anforderungen und Erwartungen. Natürlich bedeuten solche Neuerungen auch immer einen Fortschritt, da man sich und Medikamente, Gesetze, Erziehungsformen etc. immer weiterentwickelt und nicht stagnieren oder sich gar rückentwickeln lassen kann und will. Und das ist auch gut so ! Wäre es nicht verfehlt heutzutage noch die Todesstrafe für einfache Vergehen zu verhängen oder Schüler und Schülerinnen immer noch mit dem Lineal auf die Finger zu schlagen, wenn diese eine andere Meinung als

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der Lehrer, die Autoritätsperson schlechthin, vertreten ? Fortschritt heißt sich fortwährend neue Kompetenzen anzueignen, um mit bestimmten Situationen besser und effektiver umgehen zu können. Rückstand oder sogar Stillstand wird mit mangelnder Kompetenz und Realitätsverweigerung verbunden. Mit einem stimmt also etwas nicht. Man hat ja zu funktionieren und in Anbetracht der Zeitnot und Hektik muss man sich auch schnell wieder auf den richtigen Pfad begeben. Jemand der zu lange braucht, ist unbrauchbar. Jedoch ist Weiterentwicklung wichtig. Vor allem in der Medizin und Technik fällt es auf, wie wichtig Fortschritt ist. Ohne sich stetig entwickelte Technik wären wir wohl noch bei den Pferdekutschen als Transportmittel hängen geblieben, was vermutlich gut für den Klimawandel wäre, aber wir könnten nur unter schweren und unsicheren Bedingungen Reisen anstellen. Natürlich mag das jetzt nicht wirklich dramatisch sein, denn wenn wir keinen Fortschritt gekannt hätten, wäre es uns auch nicht als Nachteil vorgekommen. Jedoch liegt es in der Natur des Menschen neugierig zu sein und unerforschte Gebiete zu betreten. Wir wären auch nicht möglich uns ungehindert mit anderen Nationen über moderne Kommunikationsmittel auszutauschen. Überall und zu jeder Zeit werden Waren, Meinungen und Dienstleitungen ausgetauscht, wobei man dabei auch selbst immer erreichbar sein muss. Schon lästig manchmal. Erwartet wird es zumindest. Wenn man mal nicht sofort antwortet und die andere Person zu lange warten lässt, ja wir


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werden wohl alle etwas ungeduldiger, hat man kostbare Zeit vergeudet. Und wer will schon etwas von der Blüte der Kostbarkeit verschwenden ? Dafür muss man schon richtig egoistisch sein. Ohne Fortschritt wären wir überdies vermutlich alle bei weiteren Pesten oder Epidemien ohne die Weiterentwicklung des Gesundheits- und Bildungswesens gestorben. Auch nicht allzu dramatisch, weil wir dann nicht mehr leben würden und unsere Gehirne nicht in Rage bringen müssten. Von dem ganzen Drama hier würden wir nämlich dann nichts mehr mitbekommen. Nun muss man aber anmerken, dass wir noch leben, und dank erhöhter Lebenserwartung auch noch lange leben werden. Perfekt, oder ? Man muss jedoch einmal darauf hinweisen, dass Fortschritte in der Medizin und Technik auch Gefahren mit sich bringen kann, denkt man einmal an den Streben der Gesellschaft nach Perfektion. So wollen Forscher das Klonen, also Replizieren ein und derselben Person, legal machen. Mich muss man jedenfalls nicht zwei- oder dreimal auf der Welt haben und ich finde es besser, wenn berühmte oder sehr intelligente Persönlichkeiten, die vermutlich das Klonen bevorzugen, weil sie sehr von sich überzeugt sind, ihre ach so "geniale" Person der Nachwelt auf natürlichem Fortpflanzungsweg zur Verfügung stellen. Also ganz normale Kinder zur Welt bringen. Andernfalls verlieren wir uns in der Welt der Massen. Wir, sind wir jetzt noch einzelne Individuen, distanzieren uns immer mehr von uns selbst und von den anderen.

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Jeder will der perfekte Mensch sein. Klar gibt es den nicht, dennoch streben Milliarden von Menschen danach. In der Vergangenheit haben wir hart darum gekämpft, um als Individuen akzeptiert zu werden. Mit dem Klonen wird das alles von Bord geschmissen. Wir kreieren unsere eigene kleine Armee. Außerdem würde die Menschheit wegen Überbevölkerung nicht mehr lange leben können. Allerdings ermöglichen z.B. künstliche Befruchtungen bereits unfruchtbaren Personen eine Schwangerschaft und auch das "Social Freezing", also einfrieren von Eizellen, bis die Mutter ihre Karriere erreicht hat und nun Zeit für ein Kind hat, um dem Kind das ultimative perfekte Leben zu ermöglichen. Wenn die Mutter also so weit ist, erst dann, erlaubt sie sich, sich die Zeit zu nehmen. Schließlich gilt es nun das perfekte Musterkind vorzuführen. Zeit ist kostbar. Es ist Gold wert. Selbst wenn Klonen weiterhin nicht erlaubt wird, gibt es zahlreiche Möglichkeiten die Gesellschaft und die neuen Generationen abzustumpfen. Ihnen die eigene Meinung wieder wegzunehmen, immerhin dürfen sie die Familie ja nicht vor den Augen der anderen blamieren. Was sollen nur die anderen denken, wenn das Kind nicht sofort pariert ? Genau, was für unverschämte Eltern. Hätten ihre Eizellen noch ein paar Jahre länger in der Kühltruhe lassen sollen. Fortschritt bedeutet also auch immer einen Schritt in Richtung Perfektion, was gefährlich ist. Die Forschung versucht immer die perfekte Lösung an den Mann zu bringen. Was das für Gefahren haben kann, für manche allerdings auch als


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schönes abenteuerliches Erlebnis gesehen, würde eine unendliche Debatte auslösen. Nichtsdestotrotz ist Fortschritt auch für die Entwicklung des menschlichen Geistes erforderlich, ja sogar notwendig. Man sollte nur seine moralischen Grundeinstellungen und seiner selbst nicht vergessen, auch wenn immer alles schneller, besser und noch perfekter sein muss. Fehler sind normal und lassen einen Menschen wachsen, was man von Robotern nicht sagen kann, obwohl man ihnen vermutlich einen längeren Bauch bauen kann, damit es so aussieht, als wären sie "gewachsen" und "effektiver". Nur leider bekommen andere Länder wie die afrikanischen Staaten oder Länder, die wir mit vollem Bauch als "Krisenländer" bezeichnen, nichts von unserer entwickelten Technik mit. Was wir an korrupten Herrschaftsformen abgeschafft haben, herrscht in solchen Gebieten noch stark. Unterdrückung und Sklaverei, Zäsuren, werden offen praktiziert. Hauptsache einem selbst geht es gut. Von der riesigen Torte kann man ja nur einen Krümel abgeben. Lieber unterstützt man andere mit Geldern und subventionierten Produkten und Lebensmitteln, damit die heimische Industrie in solchen Ländern auch keine Überlebenschance mehr haben. Hier denken die Menschen sogar, sie würden ihnen einen Gefallen machen. Aber genug davon. Ich habe bestimmt schon zu viel meiner kostbaren Zeit damit verschwendet,

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mir über sowas überhaupt Gedanken zu machen. Irgendwann wird der Mensch wohl noch realisieren müssen, dass nicht die Zeit das Kostbarste ist, sondern die Natur. Back to the roots wäre angesagt. Zum Glück gibt es bei jeder neuen Forschung verschiedene Ansichten und Interpretationen. Man sollte sich selbst treu sein und an sich glauben. Es muss nicht alles schneller und besser sein. Nehmt euch eure Zeit, das Leben ist kurz. Also investiert in Dinge und Tätigkeiten, die euch erfüllen. Lebt euer Leben so, als wäre es jeden Augenblick vorbei. Aber bitte habt jetzt keine Angst vor dem Tod. Das Leben ist das, was kostbar ist, genauso wie die Natur, da sie uns das Leben erst ermöglicht, uns mit Sauerstoff versorgt. Fortschritt und Technik entstehen wie von selbst, man kann es nicht wirklich aufhören, da er sich aus der Veränderung von Umständen und Situationen ergibt. Man kann ihn also nicht aufhalten. Dennoch kann man für sich selbst entscheiden, ob man mitschwimmen mag, wann man sich doch mit den anderen Fischen trifft und wann man einfach im Teich bleiben mag. Jedem das Seine.


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App­Vorstellung von Joëlle Hoffmann Rootd ­ Panic Attack & Anxiety Relief

Rootd represents an app for conquering panic attacks and anxiety that blends a guided process for both immediate and long term relief. Learn changes you can make and exercises you can perform in the short term that provide relief, manage heightened anxiety, and instil a calm mind. The ultimate goal is to permanently change the relationship with anxiety, and live panic attack free.

A Walk Through Dementia

A Walk Through Dementia is an innovative virtual reality app developed by Alzheimer's Research UK, the UK's leading dementia research charity. With the help of virtual reality glasses you can experience how it feels in real life to have dementia. The app features three everyday situations. In each, symptoms that pose challenges to people with dementia are demonstrated.

Headspace: Guided Meditation & Mindfulness

Meditation has been shown to help people stress less, focus more and even sleep better. The Headspace meditation app will help you perform at your best through the life-changing skills of meditation and mindfulness. In just a few minutes a day, you'll learn how to train your mind and body for a healthier, happier life. (Source: Google Play Store)


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Fachbeiträge

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Self­Regulation in Alcohol Addiction Summary of Joëlle Hoffmann's Master­Thesis The aim of this work was to show the general problematic of the weakened selfregulatory capacities in a developed addiction. Generally, self-regulation is a very important capacity for a successful and healthy life. Self-regulatory capacities allow people to have a free will, it enables people to behave in the way that they want to. The aim of this study was to find out more about the self-regulatory impairments in addiction, with the idea that they may represent important obstacles in a successful withdrawal and therapy. In giving back the capacity to self-regulate, to restrain from drugs, we look forward to give people back their free will. As a matter of fact, aid and therapy for alcohol addicts, and more generally drug addicts, could be improved. The aim of this study was to include self-regulatory impairments to the current research in addiction, because it has not been in the centre of many studies yet. We however think that self-regulatory impairments play a central role in addiction and represent important obstacles in a successful withdrawal and therapy. This work and the proposed study therefore represent an important contribution to the actual research in addiction and to the whole society suffering under the various consequences of addiction problems. This study could guide to new findings about the underlying processes in the development and maintenance of addictive behaviors. This work analysed the theoretical background of self-regulation and implicit attitudes in the context of addiction. The

theoretical background of young adult alcohol consumption, and alcohol addiction are presented. The strength model of selfcontrol and a dual-process model are analysed. With this study, we aimed to contribute to a better understanding of the general problematic of the weakened selfregulatory capacities interacting with sensitized implicit cognitions in a developed addiction. Through the dualprocess model (Hofmann et al., 2009) and the incentive-sensitization theory (Robinson & Berridge, 2008), it is argued that self-regulatory and impulsive processes are complementary and that there are important changes in both processes during the addiction development. Wiers and Stacy (2006) argue that, as the addiction develops, there are important changes in the balance between the reflective and impulsive systems that make the addictive behavior more 'stimulus-driven' and difficult to consciously control. In line with those models, we predicted self-regulatory and impulsive processes to undergo important changes during the addiction development. Our goal was to test the predictive value of the dual-process model in order to show how alcohol addiction leads to a worsened self-regulation capacity. Hence, we wanted to test if the reflective precursors and the impulsive precursors predict the selfcontrol outcome in the context of alcohol consumption and addiction. To prove that behavior gets more 'stimulus-driven' and difficult to consciously control, we expected to find differences between different


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consumption pattern groups for selfregulatory capacities, and implicit and explicit expectancies. The reflective precursors were tested through explicit measures, namely self-regulation questionnaires. The impulsive precursors through an implicit measure, the Implicit Association Test (IAT) assessing the strength of associations between alcohol and their predicted outcome. The selfcontrol outcome was measured by a math exercise, where 3-digit x 3-digit multiplications had to be done. The same experiment was conducted in an at-riskdrinking, a heavy-drinking, as well as a control population. Thus, we wanted to compare the three populations' results and show how restrain standards as well as impulsive processes change during addiction development. More precisely, we predicted reflective processes to be weakened through heavy alcohol consumption. At the same time, implicit attitudes are predicted to get stronger through sensitization. Furthermore, we expected to prove an interaction effect between both processes in order to predict the self-control outcome. The first hypothesis predicted that selfregulatory capacities would weaken with the severity of alcohol consumption. This would mean that a higher alcohol consumption would lead to a worsened self-regulation. This assumption had been based on the Robinson and Berridge's incentive-sensitization theory (1 993) and on many findings (Everitt & Heberlein, 201 3; Fattore & Diana, 201 6; Lubman, Yucel, & Pantelis, 2004) claiming a destructive impact of heavy alcohol consumption on self-regulatory capacities. We tested this hypothesis by using an ANOVA in which we compared the three groups (control vs. at-risk vs. heavy drinker) regarding their results in the self-

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regulation questionnaire. We already saw at the first glance at the means that they showed the predicted trend; the analysis of variance however could not prove a significant difference between groups (although it was 'marginally' significant with F(2,82) = 2.75, p = .071 ., ω = .2). We could prove a significant linear trend, which means that our hypothesis has been partially proven, because indeed selfregulation decreased proportionally from light drinking to heavy drinking. The second hypothesis referred to the complementary process to self-regulation capacities, namely the implicit attitudes, which we accordingly to the previous hypothesis predicted to be more pronounced in a riskier drinking behavior than in a non-abusive drinking behavior. We therefore tested this hypothesis with the aid of variance analyses between the three groups too. In this hypothesis, compared to the previous, we predicted that the tendency shows in the opposite direction. The different patterns that were shown in the results were not in line with our hypotheses. We expected the control group to have weaker IAT effects for the 3 subtests than the at-risk and the heavy drinker group. However, excitation attitudes had been stronger in the first group compared to the two latter groups. Means of the at-risk group are showing the predicted pattern, they were all equally stronger than relaxation and negative attitudes of the control group. We predicted the heavy drinker population implicit attitudes for 'excitation' and 'negative' to be stronger than the control and the at-risk group's respective attitudes, but excitation attitudes were not stronger and negative attitudes were even weaker than in control and at-risk group. As predicted, 'excitation' attitudes were as strong as the control


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group's 'relaxation' attitudes. Neither ANOVA nor group comparisons could prove a significant difference between groups. Therefore, our second hypothesis could not be proven. As one of our aims in this study was to test the dual-process model (Hofmann et al., 2009), we created a linear regression model with an interaction term. We assumed that a lower self-control outcome could be predicted by a higher alcohol consumption, and as a consequence of hypotheses 1 and 2, a weakened selfregulation and stronger implicit attitudes. If we interpret our results strictly, no hypotheses have been proven, and if we look at betas, we can even see that results tend to propose the opposite of our hypotheses. These findings are most probably due to the fact that both of our first hypotheses could not be proven, therefore our independent variables were not capable in predicting the self-control outcome in this study. We mainly argued in this work in favour of the use of implicit measures to investigate the domain of drug use and its influence on cognitive processes due to the fact that researchers are convinced that explicit measures do not allow to validly measure the relevant cognitions that influence drug use. Implicit measures are thought to uncover unconscious processes that influence judgment and decision-taking. Hence, we assumed that results from explicit and implicit measures should differ. Moreover, previous findings (e.g. Schmits, Maurage, Thirion, & Quertemont, 201 4; Jajodia & Earleywine, 2003; Stacy, 1 997; Wiers et al., 2002) could claim a dissociation between implicit and explicit measures, which we therefore predicted finding in our study as well. Because we only measured positive expectancies through the brief version of the AEQ, we

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only did not take the negative IAT into account in these analyses. Like the mean relaxation and the excitation attitudes, the mean explicit positive expectancies could also be found to be significantly different in our total sample. In fact, we could find a significant difference between groups as well as a significant linear trend, so we could conclude that there is a proportional increase in positive expectancies through a higher alcohol consumption. Furthermore, we found that a riskier alcohol consumption is definitely affecting the expectancies compared to light drinking behavior and that explicit expectancies are significantly more positive in the heavy drinker group than in the control group. Hence, we could prove that even if there was no difference found with our implicit measure, we could prove with our explicit measure that expectancies change with alcohol consumption, which is in line with previous findings. Furthermore, we found no significant correlation between implicit and explicit measure, we can therefore assume that they are not measuring the same thing, as we predicted in this hypothesis. In conclusion, significant IAT effects could be found for the implicit expectancies of relaxation and excitation as well as for positive explicit expectancies through alcohol consumption. Negative implicit expectancies could not be showed to interact with alcohol consumption. This shows that young adults generally manifest more positive implicit associations with alcohol. Regarding group differences in expectancies, no significant difference could be found for self-regulatory capacities, nor for implicit measures, but for explicit measures, with more positive explicit expectancies in the heavy drinkers group. These findings were against our hypotheses, we expected implicit


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expectancies to be a better predictor. These findings however indicate that implicit and explicit expectancies play different and relevant roles in alcohol use among young adults. In contrast with our initial hypotheses, a higher alcohol consumption, self-regulation and implicit associations could not predict a reduced self-control outcome in our specific population. This research presented several limitations. Firstly, the sample size; we tested 85 participants, but we would have needed at least 1 29 participants for a significant regression analysis respectively 256 participants for the ANOVAs with a medium effect size. Moreover, limitations can be found in the characteristics of our sample. We did not have the opportunity to test a clinical population, as volunteers could not be found in institutions. Perhaps this has been influenced by another restriction of our study: the specific age. Because we explicitly searched for heavy drinkers between 1 8 and 30 years, it was extremely difficult to find institutions that have clients in that age span. We can also assume that factors like social desirability and the anxiety of being stigmatized play a big role in heavy drinkers that have this young age. We concluded that this study indicates that different measures and our models should be modified and replicated in future studies, because our results indicate that the predicted patterns do exist. Future studies should extend the present results to a clinical population, particularly in longitudinal designs exploring the changes in expectancies and self-control outcomes during the successive addiction stages. The 'Ad libitum consumption test' could be used to test the self-control outcome.

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References

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HOHE BEGABUNG UND VERHALTENSAUFFÄLLIGKEIT WIE SICH ADHS, AUTISMUS, DEPRESSION BEI BEGABTEN ÄUSSERN von B.Sc. Anne­Catherine Ewen und von Dr. Letizia Gauck

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HOHE BEGABUNGEN UND AUFMERKSAMKEITS­DEFIZIT­ (HYPERAKTIVITÄTS­)STÖRUNGEN (ADHD)

Luka (Namen geändert) war 1 0 Jahre alt, als sich seine Eltern beim ZEPP (Zentrum für Entwicklungsund Persönlichkeitspsychologie der Universität Basel) meldeten. Eine Abklärung der Intelligenz wurde schon vom Schulpsychologischen Dienst durchgeführt. Luka erreichte einen extrem hohen Intelligenzquotienten (IQ 1 37). Das erste Schuljahr hatte Luka schon übersprungen. Damals fühlte er sich wohl, war hochmotiviert, interessiert und zählte leistungsmäßig zu den Stärksten. Die Eltern lobten vor allem seine Sprachgewandtheit, schnelle Auffassungsgabe und seine Merkfähigkeit. Mittlerweile würde Luka zuhause Regeln nicht mehr befolgen, sei frech und respektlos. Lehrer/innen beurteilten ihn als sehr interessiert, aber er sei unruhig, störe häufig und brauche viel Aufmerksamkeit. Bei einer eins zu eins Betreuung sowie bei klar strukturierten Abläufen zeige Luka keine Auffälligkeiten. In der Schule würde er anderen Schülerinnen/Schülern helfen und sie korrigieren, auch wenn er nicht dazu aufgefordert wurde.


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WAS KENNZEICHNET AD(H)S?

Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitätsStörungen werden charakterisiert durch die Symptome Unaufmerksamkeit und Impulsivität; sie können ohne (ADS) oder mit Hyperaktivität (ADHS) auftreten. Demzufolge haben Kinder mit AD(H)S Schwierigkeiten sich über längere Zeit zu konzentrieren. Diese Kinder sind unruhig, zappeln oder reden viel und können nicht ruhig sitzen bleiben. Diese Merkmale sollen in zwei oder mehreren Settings vorhanden sein (z.B. Elternhaus und Schule). Eine Verminderung der sozialen und akademischen Funktionsfähigkeit lässt sich bei Personen mit AD(H)S beobachten (DSM-5; APA, 201 3). Kinder mit ADHS schneiden in einem Intelligenztest im Durchschnitt um etwa 9 Punkte schlechter ab (Frazier, Demaree & Youngstrom, 2004; Bridgett & Walker, 2006).

UNTERFORDERUNG ODER AD(H)S?

Besonders begabte Kinder weisen häufig ähnliche Symptome auf, vor allem in unterfordernden Umgebungen: "Inattention in the classroom may also occur when children with high intelligence are placed in academically understimulating environments" (APA, DSM-IV, 2000, p. 91 ). Verschiedene Theorien besagen, dass diese Symptome durch eine asynchrone Entwicklung (Silverman, 1 997), Langeweile (Gallagher, Harradine & Coleman, 1 997) oder Übererregbarkeit (nach Dabrowski, 1 964) ausgelöst werden können. Dabrowsky (1 964) beschreibt psychomotorische, sensorische, intellektuelle, imaginäre und emotionale Bereiche, in denen Menschen

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regelmäßig mit Überreaktionen auf verschiedene Stimuli reagieren können. Jedoch hat sich vor allem die Langeweile bei sehr begabten Kindern als Erklärung für das Auftreten AD(H)S-ähnlicher Symptome durchgesetzt (Webb et al., 201 5). Durch diese Überlappung der Symptome besteht die Gefahr der Fehldiagnosen, welche aktuell in der Literatur ausführlich diskutiert werden. Auch wenn die Ursache der Symptomatik bei besonders begabten Kindern eine andere ist, wird bei einem unruhigen, aktiven Kind schneller auf eine AD(H)S-Diagnose geschlossen als auf eine mögliche Hochbegabung mit Unterforderung (Hartnett, Nelson & Rinn, 2004). Im Unterschied zu unterforderten, besonders begabten Kindern zeigen Kinder mit AD(H)S die Verhaltensprobleme nicht nur in der Schule, sondern in verschiedenen Settings. Weiter wird vermutet, dass Kinder mit AD(H)S Aufgaben eher vergessen zu erledigen, während sehr begabte Kinder sich bewusst dazu entscheiden, Aufgaben nicht zu bearbeiten. Regeln nicht zu befolgen, scheint ein weiterer Punkt zu sein, in dem sich beide Gruppen ähnlich sind. Doch auch hier werden Unterschiede diskutiert: Kinder mit AD(H)S sollen Regeln oft nicht wahrnehmen oder ihre Impulsivität hindert sie daran, sich an Anweisungen und Konventionen zu halten. Besonders Begabte dagegen hinterfragen oft Regeln und Konventionen (Webb, 201 2). In sozialen Situationen kann Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit bei AD(H)S-Kindern zu Problemen mit Peers führen. Wenn Hochbegabte soziale Schwierigkeiten haben, liegt dies in der Regel daran, dass sie andere unterbrechen oder belehren wollen. Die Themeninteressen und das Niveau des Gespräches stimmen oft nicht mit Gleichaltrigen überein (Webb, 201 2).


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Wichtige differentialdiagnostische Fragen zur Unterscheidung zwischen AD(H)S und hoher Begabung werden von Webb und Kollegen (201 5) wie folgt vorgeschlagen: 1 . Sind die AD(H)S-Verhaltensweisen in den meisten oder in fast allen Funktionsbereichen vorhanden? 2. Sind die großen Leistungsschwankungen des Kindes in fast allen Funktionsbereichen vorhanden? 3. Verändert sich das Verhalten des Kindes signifikant, wenn eine Situation nicht mehr neu ist? 4. Verbessert sich das Verhalten des Kindes wenn man ihm mehr Struktur gibt? 5. Wie rasch kann das Kind nach einer Ablenkung zu einer Aufgabe zurückkehren, beziehungsweise wie rasch kann es zu einer anderen Aufgabe wechseln? Kann sich das Kind über längere Zeit allein und ruhig beschäftigen?

HOHE BEGABUNGEN UND AD(H)S?

Wenn eine doppelte Auffälligkeit besteht, ein besonders begabtes Kind also AD(H)S hat, ist das Risiko groß, dass beides nicht erkannt wird: Die AD(H)S-Symptome führen dazu, dass diese Kinder schlechter in Intelligenztests abschneiden, weshalb die Störung die hohe Intelligenz verdeckt. Dadurch, dass begabte Kinder umgekehrt die Symptome der AD(H)S mit ihrer hohen Begabung kompensieren können, wird die AD(H)S oft nicht oder zu spät erkannt. Intelligente Kinder zeigen im Allgemeinen bessere Aufmerksamkeitsfähigkeiten und bessere Impulskontrolle und somit scheinen die Probleme der Aufmerksamkeit weniger ersichtlich (Rommelse et al., 201 6). Bei

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besonders begabten Mädchen mit AD(H)S spielt die schulische und motivationale Unterstützung der Eltern und Lehrer/innen eine besonders wichtige Rolle. Junge Mädchen können die Schule mit Gefühlen von Verwirrtheit, Druck und Scham assoziieren, wodurch ein niedriger Selbstwert entsteht. Auch zu hohe Erwartungen der Eltern können die Leistungsmotivation der Mädchen schwächen. Jedoch scheinen familiäre Unterstützung, Anpassung der Lehrpersonen und Fähigkeiten, mit den Defiziten umzugehen, Mädchen zu motivieren, Leistung zu erbringen (Fugate & Gentry, 201 5). Bei Luka wurde neben der hohen intellektuellen Begabung ADHS diagnostiziert, da Luka die Unruhe, Hyperaktivität und Impulsivität nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause und bei Freizeitaktivitäten zeigte. Seine Familie, die Klasse und er selbst litten darunter, dass er sich oft schwer kontrollieren und seine Fähigkeiten somit nicht optimal entwickeln konnte. Luka nahm an einem Konzentrationstraining teil, die Eltern kamen in die Erziehungsberatung und in der Klasse erhielt Luka nicht nur an sein Leistungsniveau angepasste Aufgaben, sondern konnte auch an einem Vormittag ein regionales Schülerlabor zur Begabungsförderung besuchen. Luka lernte mit Unterstützung der Eltern und Lehrpersonen, sich besser zu kontrollieren, freute sich, dass er seine Stärken jetzt besser einbringen konnte und blieb weiterhin ein sehr aktiver Schüler mit vielen Redebeiträgen.


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INTERVENTION UND HILFESTELLUNGEN FÜR DIE PRAXIS

Verschiedene Maßnahmen können im Schulalltag bei sehr begabten Kindern mit AD(H)S helfen: Dazu gehören eine angemessene Situationsgestaltung wie z.B. die Sitzordnung im Klassenzimmer. Weiter kann die Arbeit mit Konsequenzen (z.B. mit Smileys) v.a. bei jüngeren Kindern mit AD(H)S hilfreich sein, damit die Kinder Arbeiten zu Ende bringen. Hier muss jedoch auf die Beziehung zum Kind geachtet werden, damit sich dieses nicht manipuliert fühlt. Am besten werden besonders begabte Kinder mit AD(H)S in die Planung der Maßnahmen mit einbezogen. Wesentlich ist, die Ressourcen der Kinder zu beachten und im besten Fall zu nutzen: Wenn das Anforderungsniveau an die überdurchschnittlichen Fähigkeiten des Kindes angepasst wird, entsteht weniger Leerlauf und das Risiko von Langeweile und Unterforderung wird minimiert. Strukturierung, Visualisierung (z.B. Bilder mit PLAY oder PAUSE) und Techniken wie inneres Sprechen helfen dem Kind sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren oder Aufgaben richtig zu lösen.

HOHE BEGABUNGEN UND AUTISMUS­SPEKTRUM­STÖRUNGEN (ASS)

Ben (Name geändert) war 9 Jahre alt, als er im ZEPP vorgestellt wurde. Ben hatte große Schwierigkeiten bei Planänderungen oder mit von ihm erlebter Ungenauigkeit bzw. Ungerechtigkeit. Er zeigte anderen gegenüber aggressives Verhalten, weshalb er die Schule wechseln musste. Anhand diagnostischer

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Verfahren wurden hohe Schwierigkeiten bei Verhaltensänderungen, in der Aufmerksamkeit sowie im sozialen Bereich festgestellt. Zudem zeigte Ben einen Intelligenzquotienten im deutlich überdurchschnittlichen Bereich (IQ 1 26) und eine besondere Begabung im Sprachverständnis. WAS KENNZEICHNET ASS?

Das Asperger-Syndrom nach der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-1 0; Dilling, Mombour & Schmidt, 2000) ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich vor allem durch die Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktionen und durch ein Repertoire eingeschränkter, stereotyper, sich wiederholender Interessen und Aktivitäten auszeichnet. Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus ist beim Asperger-Syndrom keine allgemeine Entwicklungsverzögerung zu beobachten. Im DSM-5 (APA, 201 3) werden atypischer Autismus, Asperger-Syndrom und frühkindlicher Autismus unter AutismusSpektrum-Störungen (ASS) zusammengefasst. Die zwei Kernmerkmale der ASS sind Auffälligkeiten in der sozialen Kommunikation sowie repetitive Verhaltensweisen und eingeschränkte Interessen. Sprachstörungen und Intelligenzminderung werden separat kodiert.


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HOHE BEGABUNG ODER ASS?

HOHE BEGABUNGEN UND ASS?

Zwischen hoher Begabung und AutismusSpektrum-Störungen gibt es jedoch verschiedene Überschneidungen, welche die Unterscheidung zwischen beiden schwierig macht (Webb et al., 2005, 201 5):

Die Überlappung von ASS und einer hohen Begabung macht die Diagnose der Austismus-Spektrum-Störungen schwierig (Assouline, Nicpon & Doobay, 2009). Kinder mit hoher Intelligenz (IQ > 1 30) und zusätzlicher ASS weisen im Vergleich zu gesunden hochintelligenten Kindern signifikant häufiger eine relative Schwäche in der Verarbeitungsgeschwindigkeit auf. Zudem zeigen begabte Kinder mit ASS signifikante Defizite in den Anpassungsfähigkeiten gegenüber gesunden, hochintelligenten Kindern (Kommunikation, Alltagsfähigkeiten und Sozialisation; Doobay, Foley-Nicpon, Ali & Assouline, 201 4).

- Ausgezeichnetes Gedächtnis - Großer Wortschatz - Besorgt um Gerechtigkeit - Mühe mit Veränderungen - Ungewöhnlicher Humor - Hypersensitivität - Asynchrone, unausgewogene Entwicklung - Starke Fokussierung auf eigene Interessensgebiete Wichtige Unterschiede sind zu beachten: Besonders begabte Kinder sind meist unauffällig im Sozialkontakt, vor allem mit anderen Begabten, und verlieren ihre Scheu bei zunehmender Vertrautheit. Zudem zeigen sie Empathie und angemessene, situationsangepasste Emotionen. Ein begabtes Kind erkennt meist, wie es auf andere wirkt und wie sein Verhalten von anderen wahrgenommen wird. Weiter ähneln die Wortwahl und der Humor begabter Kinder derjenigen von Erwachsenen. Mit Spezialinteressen zeigen sie einen kreativen, komplexen Umgang, während Kinder mit ASS nicht erklären können, wieso sie sich für etwas Bestimmtes begeistern können; sie fokussieren häufig auf Details und stellen wenig weiterführende Fragen. Auch sollte darauf geachtet werden, ob soziale Beeinträchtigungen in den meisten Situationen oder nur in bestimmten Umwelten auftreten (Webb, 201 2). Weiter weisen begabte Kinder höhere sozialadaptive Fähigkeiten auf: Der Schweregrad autistischer Symptome bei Kindern mit Asperger-Syndrom ist höher als bei begabten Kindern (Boschi, Planche, Hemimou, Demily & Vaivre-Douret, 201 6).

Bei Ben wurde auf der Basis von Video-Aufnahmen sowie einer Unterrichtsbeobachtung eine ASS ausgeschlossen. Ben war zwar Genauigkeit und Widerspruchsfreiheit sehr wichtig ("Gilt eine Rechtschreibregel oder gilt sie nicht?"), aber er zeigte sich äußerst vielseitig interessiert. Er zeigte auch sozial kompetentes Verhalten seinem Freund gegenüber. Was ihm aber noch fehlte, war das Einfühlungsvermögen gegenüber ihm nicht vertrauten Kindern, dort unterstellte er ihnen oft vorschnell böse Absichten und wurde dann aggressiv. In der Klasse zeigte sich, dass Ben leider v.a. dann Aufmerksamkeit von der Lehrerin erhielt, wenn er Problemverhalten zeigte, was zur einer Verstärkung der Problematik führte.


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INTERVENTIONEN UND HILFESTELLUNGEN FÜR DIE PRAXIS

Bei einer Doppelauffälligkeit sollte bei den Fördermaßnahmen auf die Stärken des Kindes eingegangen werden, damit es lernt, seine Schwächen zu kompensieren. Realistische Lernziele sollen formuliert werden, um Über- oder Unterforderungen zu vermeiden. In der Schule kann auf folgende Aspekte achtgegeben werden. Als Erstes ist es wichtig, Reize von Außen zu reduzieren. Dies kann z.B. durch die Verwendung von Kopfhörern geschehen. Weiter kann dem Kind ein Rückzugraum zur Verfügung gestellt oder ihm eine individuelle Pausenregelung angeboten werden. Zudem sollte Körperkontakt vermieden und eine eindeutige, Metaphern-freie Sprache verwendet werden. Des Weiteren sind feste Strukturen hilfreich. Anhand transparenter und konsequent eingehaltener Regeln kann sich das Kind orientieren. Visualisierungen können dem Kind das Verstehen der Regeln vereinfachen. Rituale, Pläne sowie Änderungen sollen demzufolge angekündigt werden. Als Letztes sollen schwierige Situationen vor- und nachbesprochen werden. Ein Bespiel hierfür bieten Wutanfälle: In solchen Situationen sollte Ruhe bewahrt und die emotionsgeladene Situation verlassen werden (z.B. aus dem Raum gehen). Dadurch soll dem Kind Gelegenheit gegeben werden, seine Emotionen zu regulieren, bevor die Situation mit dem Kind nochmals angeschaut werden kann, um zu verstehen, was es wütend gemacht hat. Anschließend können alternative Verhaltensweisen vorgeschlagen und eingeübt werden (u.a. Knorr, 201 0).

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HOCHBEGABUNG UND DEPRESSION

Als sich die Eltern von Tom (Name geändert) an das ZEPP wandten, war er 8 Jahre alt. Die Eltern erzählten von Toms hohen kognitiven Fähigkeiten und rascher Auffassungsgabe. Vor allem im logischen Denken und Rechnen sei er Gleichaltrigen weit voraus. Er sei bereits vom Schulpsychologischen Dienst getestet worden mit dem Ergebnis eines extrem hohen Intelligenzquotienten (IQ 1 32). In letzter Zeit habe sich Tom stark verändert; er wirke zunehmend gelangweilt, unkonzentriert und habe das Interesse an seinen Hobbys vollständig verloren. Er komme frustriert nach Hause und beschwere sich, dass er nichts in der Schule lerne und das eigentlich nicht normal sei, weil er doch dorthin gehe, um etwas zu lernen.

WAS KENNZEICHNET EINE DEPRESSION?

Eine Depression ist gekennzeichnet durch eine gedrückte Verstimmung und Verlust an Freude und Interesse. Die depressive Verstimmung kann sich bei Kindern auch als gereizte Verstimmung äußern. Weitere Merkmale können Veränderungen des Schlaf- und Essverhaltens, Energieverlust, geringere Konzentrationsfähigkeit oder suizidales Verhalten sein. Ein weiterer Aspekt ist das Grübeln: Es wurde gezeigt, dass ausgeprägtes Grübeln mit depressiver Symptomatik zusammenhängt (Rood, Roelofs, Bögels, Nolen-Hoeksema & Schouten, 2009).


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DEPRESSION UND HOHE BEGABUNG?

Beim Thema hoher Begabung und Depression gehen Forscher der Frage nach, ob sehr hohe Begabungen mit Depression zusammenhängen oder nicht. Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Besonderheiten stehen hier nicht so stark im Fokus wie bei den anderen Störungsbildern. Hochbegabte Kinder leiden aber nicht häufiger an einer Depression als durchschnittlich begabte Kinder (Cross, Cassady, Dixon & Adams, 2008). Jedoch gibt es Hinweise darauf, dass sehr Begabte ihre Depression (noch) besser verstecken können (Jackson & Peterson, 2003). Die Gefahr einer Depressionsentwicklung besteht u.a. dann, wenn die schulischen Anforderungen nicht an die jeweiligen Begabungen angepasst sind (Webb et al., 2005). Nach Neihart (1 999) ist die schulische Passung einer der wichtigsten Faktoren, die einen Einfluss auf die kindliche Anpassung haben. Einige Psychologinnen/Psychologen sprechen von existenzialistischen Depressionen, welche meistens im frühen Erwachsenenalter auftreten, bei Hochbegabten kann der Beginn schon in der Kindheit sein (Webb et al., 2005). Existenzialistische Depressionen sind charakterisiert durch das Nachdenken über Probleme in Verbindung mit der menschlichen Existenz. Zudem entwickeln besonders begabte Kinder relativ früh metakognitive Fähigkeiten (d.h. das Nachdenken über das eigene Denken), was zum Gefühl der Entfremdung beitragen kann. Diese Personen sehen, wie die Welt idealerweise sein könnte, fühlen sich aber mit ihren Gedankengängen alleine. In der Forschung wurden verschiedene Risikofaktoren gefunden, die in Einzelfällen bei sehr begabten Depressiven beobachtet wurden. Unrealistische Erwartungen können

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zu einem negativen Selbstbild führen, fehlende Passung und Ungerechtigkeit zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und Freundschaft mit älteren zu einer frühen Konfrontation mit Erwachsenenkonflikten. Zudem können Reflektiertheit, asynchrone Entwicklung und soziale Isolation eine Depression begünstigen. Besonders begabte Kinder langweilen sich oft in der Schule, wodurch Ungeduld und Unruhe aufkommen können. Die Kinder stecken in einer Situation, aus welcher sie das Beste machen müssen. Dadurch kann das Gefühl des Gefangenseins oder das Gefühl, nichts ändern zu können, verstärkt werden und eine erlernte Hilflosigkeit (welche die Depression verstärkt) kann entstehen. Außerdem scheint es, dass hohe verbale Intelligenz mit der Tendenz zur Sorge und Grübeln zusammenhängt (Penney, Miedema & Mazmanian, 201 5). Mit Absprache des Lehrers wurden Tom schwierigere Aufgaben im Unterricht bereitgestellt. Basisaufgaben musste er nicht mehr lösen und er durfte Bücher lesen, wenn er schneller mit den Aufgaben fertig war. Zudem war eine genaue Beobachtung seines Verhaltens und mögliche Veränderungen in seiner Stimmung ein wichtiger Bestandteil, um die ungünstige Entwicklung in Richtung einer depressiven Stimmung zu stoppen. Tom selbst lernte, ungesunde Gedanken durch gesunde Gedanken zu ersetzen. Die Eltern motivierten ihn, weiterhin seine Hobbys zu verfolgen und Freunde zu treffen, um dem Rückzug entgegenzuwirken und Möglichkeiten zu schaffen, gute Erfahrungen zu machen.


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INTERVENTION UND HILFESTELLUNGEN IN DER PRAXIS.

SCHLUSSFOLGERUNG:

Im Allgemeinen helfen oft die gleichen Interventionen wie bei durchschnittlich begabten depressiven Kindern (Gauck & Reimann, 201 5). Bei Kindern mit einer Depression sollte ein gesundes Selbstbild mit einer realistischen Weltansicht gefördert werden. Genaues Beobachten und "stille" Anzeichen wie Rückzug und Interessenlosigkeit sollten erkannt werden. Bei depressiven Symptomen und Suizidankündigungen ist es wichtig, das Gespräch zu suchen und das Kind im Zweifelsfall z.B. direkt zu fragen, ob es schon einmal gedacht hat, es wäre besser, nicht mehr zu leben. Zudem ist es essentiell, dem Kind klar zu machen, dass es nicht alleine ist und es andere Menschen gibt, die Ähnliches empfinden. Bei der existenzialistischen Depression sind folgende Punkte für eine Behandlung wichtig (Webb et al., 2005):

Dadurch, dass Symptome der Unterforderung durch hohe Begabungen und verschiedene Störungssymptome nicht immer klar auseinanderzuhalten sind, ist es wichtig, eine vollständige und genaue Diagnostik durchzuführen. Im Allgemeinen sollte bei Verhaltensauffälligkeiten eines Kindes aufmerksam beobachtet werden. Eine klare Unterscheidung zwischen einer psychischen Störung und einer Unterforderung aufgrund einer sehr hohen Begabung muss beachtet werden, um passende und wirksame Interventionen einleiten zu können. Wenn eine Symptomatik sich nicht primär durch Unterforderung erklären lässt, sollten die Problemverhaltensweisen auf jeden Fall behandelt werden. Wenn jedoch die Symptome auf eine Unterforderung zurückgehen, sollte zunächst eine geeignetere Passung angestrebt werden (Gyseler, 201 4). Bei einer doppelten Auffälligkeit sollen beide Besonderheiten des Kindes berücksichtigt und auf diese eingegangen werden. Wichtig ist es, den Fokus von: "Was hat das Kind?" auf "Was braucht das Kind?" zu wechseln. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man an das Kind glaubt, dass es etwas schaffen kann, denn dann wird das Kind auch anfangen, an sich zu glauben. Es sollen hohe, aber realistische Erwartungen an die Kinder gestellt werden. Schwächen sowie auch Stärken sollen bei Kindern gefördert werden. Individualisierte Interventionen können hilfreich sein und ein Klassenstufenwechsel kann auch eine gute Lösung sein (Assouline & Whiteman, 2011 ). Außerdem kann eine Erklärung seiner Verhaltensweisen dem Kind helfen. Bei einem Verdacht eines zweifach außergewöhnlichen Kindes sollen folgende Schritte in Betracht gezogen werden (Webb, 201 2):

- Verständnis gegenüber Gefühlen vermitteln - Ideen und Idealvorstellungen der betroffenen Person werden von anderen Menschen geteilt, um das Gefühl des Alleinseins zu reduzieren - Bewusstmachen, dass die betroffene Person verschiedene Gruppen beitreten kann, um etwas beizutragen und zu bewirken


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1 . vollständige Untersuchung des Kindes durch Fachpersonen 2. Profil kognitiver und Verhaltensstärken und Schwächen aufstellen 3. mit Fachpersonen, Lehrer/innen und Eltern Förder-, Therapie- und Spielprogramme ausarbeiten, welche in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden können Schlussfolgernd sollte das Wissen über die doppelte Auffälligkeit weiterhin erweitert werden, um den Stereotypisierungen entgegenwirken. Relevant ist, dass Kinder in ihren Fertigkeiten ihres Entwicklungsstandes unterrichtet werden. Das Kind soll lernen, seine Stärken einzusetzen, um Schwächen zu kompensieren und auszugleichen.

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Artikel bereits veröffentlicht: Ewen, A. & Gauck, L. (2017). Hohe Begabung und Verhaltensauffälligkeit, news&science (özbf), 44(2), 4­10.


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Verhaltenstherapie und die AVM Luxemburg Was ist Verhaltenstherapie?

von Cara Ströbel

Verhaltenstherapie ist ein möglicher Therapieansatz im Bereich der Psychotherapie. Als Basis dient das Modell der klassischen Konditionierung. Ein grundlegender Gedanke der daraus folgt ist, dass (problematisches) Verhalten, welches erlernt wurde auch wieder verlernt bzw. "überlernt" werden kann. Einsicht in Ursachen und Entstehungsgeschichte der Probleme stehen im Fokus und dem Patienten sollen Methoden vermittelt werden welche insbesondere zur Hilfe zur Selbsthilfe dienen sollen. Entwicklungen haben dazu geführt, dass auch kognitive Aspekte, wie Gedanken und Emotionen, Berücksichtigung finden. Zudem zeichnet sich der Ansatz der Verhaltenstherapie durch eine weitestgehend direkte Umsetzung therapeutischer Methoden und eine somit rasche Modifikation der Symptomatik mit Symptomveränderung aus.

Was ist die AVM?

Die AVM ist die Arbeitsgemeinschaft für Verhatensmodifikation, welche Psychotherapeuten in kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) ausbildet. Zusätzlich werden psychotherapeutische Weiterund Zusatzausbildungen angeboten. Die AVM wurde 1 976 in Österreich gegründet und gibt es mittlerweile auch in Deutschland und Luxemburg. Die Zugangsvoraussetzung für eine Ausbildung im Bereich der Verhaltenstherapie wird unter anderem von diplomierten Psychologen erfüllt. Was lerne ich?

Vermittelt werden Fragestellungen der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) und deren fachspezifische Therapiemethoden wie beispielsweise die Schematherapie, Bio- und Neurofeedback, sowie EMDR. Im Allgemeinen werden Falldokumentationen und -vorträge, Theorie und Methodik der Verhaltenstherapie sowie verhaltenstherapiespezifische Störungsbilder thematisiert. In einem praktischen Teil nehmen Selbsterfahrung, Supervisionen und die psychotherapeutische Tätigkeit selbst eine zentrale Position ein. Was hilft einem die Ausbildung bei der AVM­Luxemburg?

Die AVM-Luxembourg ist eine vom luxemburgischen Ministerium anerkannte Ausbildungsstätte. Dementsprechend setzen sich die Ausbildungsstunden nach den Kriterien des Psychotherapiegesetzes Österreichs in Einklang mit dem luxemburgischen Psychotherapiegesetz zusammen. Bei einem Abschluss in Luxemburg ist es dementsprechend auch grundsätzlich möglich als Psychotherapeut in Luxemburg zu arbeiten. Für weitere Informationen:

https://www.facebook.com/avmluxembourg/ http://www.avm-luxembourg.lu/de/home.html


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Besichtigung des "SCAS" in Luxemburg Stadt am 11. Oktober 2017 von Joëlle Hoffmann Am 11 . Oktober durften wir uns, im Rahmen unserer zweiten Besichtigung dieses Wintersemesters, die Einrichtung des SCAS (Service Central d'Assistance Sociale) in Luxemburg Stadt ansehen. Dort wurden wir von berufstätigen Psychologinnen herzlich empfangen und uns wurden Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche gegeben. Zuerst wurde uns der Bereich des Jugendschutzes vorgestellt. Uns wurde erklärt, wie der Jugendschutz gesetzlich geregelt ist und wie, weshalb und wann der SCAS eine sogenannte "enquête sociale" einleitet. Hier muss der Psychologe einschätzen, in welchem Risiko sich der Minderjährige befindet und/oder welche psychischen Probleme beim Minderjährigen/bei den Eltern/in der Familie vorhanden sind. Jugendschutz bedeutet dann auch noch, dass Eltern in verschiedenen Fällen die Vormundschaft über ihre Kinder verlieren. Hierum kümmern sich die Psychologen des SCAS also auch. Nächstes Thema war die Bewährungshilfe des SCAS. Hier übernimmt der Psychologe die Rolle des Bewährungshelfers bei Straftätern mit psychischen Erkrankungen und in "harten" Fällen, wie Pedophilie, Sexualstraftaten, usw. Die Aufgaben des Psychologen sind es, die Straftäter zu begleiten in der Bewährung, Ansprechperson bei psychischen Problemen (Trauer, Trauer, Depression) darzustellen und auch das Rückfallrisiko einzuschätzen. Außerdem stellen sie Ansprechperson für Mitarbeiter dar und werten psychiatrische Gutachten aus. In der dritten Präsentation ging es um die Opferhilfe des SCAS. In der Opferhilfe arbeiten vier psychologische Psychotherapeuten, welche für Opfer von Straftaten (v.a. Gewalt- und Sexualstraftaten) zur Verfügung stehen. Hierbei geht es nicht nur darum auf psychologischer Ebene für die psychologische und therapeutische Hilfe zu sorgen, sondern auch auf juristischer Ebene den Opfern eine Hilfe anzubieten. So begleiten die Psychologen z.B. die Gerichtsverfahren oder helfen dabei Anzeige zu erstatten. Wir hatten die Möglichkeit all unsere Fragen zu stellen und wir konnten so zufrieden mit sehr vielen neuen Eindrücken das Gebäude des SCAS verlassen. Außerdem wurden dem Vorstand die Präsentationen zugesandt, wenn sich also jemand unter unseren Mitgliedern diese ansehen möchte, kann er/sie sich gerne bei uns melden (contact@alep.lu) . Wir möchten uns ganz herzlich bei den Verantwortlichen vom SCAS für diese Besichtigung bedanken! BTW: Momentan ist es nicht möglich ein Praktikum im SCAS zu machen, da den Psychologinnen die Zeit und Menpower dazu fehlt. Da das SCAS eine staatliche Institution ist, wurde uns auch erklärt, dass man erst das Staatsexamen schaffen muss, bevor man im SCAS als Psychologe/in arbeiten kann. Dies kann man zweimal im Jahr mitschreiben und man braucht einen Master in Psychologie


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Nr.50

Visite – Traumainstitut/Neuroacademy Luxemburg (Psylux GmbH) von Sandra Gigl Am 20.09.1 7 bekamen Mitglieder der ALEP die Chance das Traumainstitut und die Neuroacademy des Unternehmens Psylux GmbH in Mamer zu besuchen. Dabei gab es einen freundlichen Empfang durch Khashayar Pazooki, den Gründer des Instituts, und seine Mitarbeiter. Auf den Tischen im Vortragsraum wurde für jeden Besucher eine Mappe mit Infomaterial bereitgestellt. Zusätzlich konnte man sich mit Getränken und kleinen Häppchen vom nebenstehenden Tisch versorgen. Herr Pazooki, welcher vorwiegend die Visite leitete, informierte nach einer kleinen Vorstellungsrunde über seinen eigenen Werdegang und beschrieb anschließend, wie sich die einzelnen Bereiche des Unternehmens zusammensetzen und welche Hauptaufgaben diesen jeweils zugeschrieben sind. Es gliedert sich in die Neuroacademy und das Traumainstitut, welche beide 201 2 gegründet wurden. Die Neuroacademy übernimmt die Aufgaben der Weiterbildung für psychologische Psychotherapeuten/-innen, Psychiater und Ärzte mit einer psychotherapeutischen Ausbildung. Zudem beteiligt es sich an Forschungsarbeiten, wodurch es anstrebt auch für das eigene traumabezogene

Behandlungsprogramm immer auf neuestem wissenschaftlichen Stand zu sein. Die Neuroacademy ist für die akademische Lehre und Erforschung von Behandlungsmethoden sowie deren Umsetzung in der Behandlung zuständig. Die Haupteinsatzbereiche sind hierbei die Neuromodulation, die repetitivtranskraniale-Magnet-Stimulation (rTMS) und das Neurofeedback. Diese Techniken können für ein breites Feld an Krankheitsbildern, welches von ADHS und Depressionen über chronischen Schmerz bis hin zum Restless-Legs-Syndrom reicht, eingesetzt werden. Während des Vortrags gab es natürlich ausreichend Raum für Fragen.


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Im Anschluss an die etwa einstündige Informationsrunde wurden die ALEPMitglieder zu einer Führung durch die Räumlichkeiten des Instituts eingeladen. Dabei bekamen sie die Möglichkeit einen Blick in den Therapieraum für Einzel- und Familiengespräche zu werfen. Zudem besichtigten sie einen Raum, in dem Patienten kognitive Aufgaben an einem PC durchführen. Hierbei muss beispielsweise unter Zeitmessung vom Patienten entschieden werden, ob es sich bei zwei gezeigten Wörtern um dieselbe Rechtschreibung handelt. Während der Durchführung dieser Aufgabe werden die EEG-Daten der Patienten auf dem Therapeuten-Monitor registriert. Besonders eindrucksvoll war die Demonstration des rTMS-Geräts, für die sich eine der Mitarbeiterinnen bereiterklärte. Dabei konnten die Besucher beobachten, dass sich ihre Hand unter rTMS-Stimulation des Gehirns immer wieder krampfartig zusammenzog. Im letzten der besichtigten Räume erläuterten die Mitarbeiter die Funktionsweise des Neurofeedbacks, welche auf den Gesetzmäßigkeiten der operanten und klassischen Konditionierung basiert. So zeigte man den Monitor, vor dem der Patient platznahm. Auf diesem Monitor lief entweder ein Film, bei dem ein Puzzle zusammengesetzt wurde, oder ein bewegtes Bild ab, das mit Meeresrauschen hinterlegt war. Immer, wenn der Patient, der mithilfe des EEGSystems überwacht wurde, in inadäquate

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Denkmuster verfiel, stoppte die Bewegung des Bildes beziehungsweise die abgespielten Geräusche, sodass der Patient dazu angehalten war, sein Gehirnstrommuster so anzupassen, dass der Film und die Geräusche wieder abgespielt wurden. Es ist übrigens auch möglich seinen Lieblingsfilm während der Übung ablaufen zu lassen – es möchte ja schließlich niemand, dass dieser ständig gestoppt wird. Nach der Führung und einer letzten Fragenrunde verabschiedeten sich die Besucher von den Mitarbeitern des Instituts und nahmen eine ganze Reihe an neuen Wissenseindrücken mit nach Hause – oder mit an die Uni. Insgesamt war den ALEP-Mitgliedern eine sehr spannende Visite mit neuropsychologischem Hintergrund geboten, an dem sich der ein oder die andere sicher auch beruflich orientieren möchte.


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Sendet ganz einfach das Lösungswort an contact@alep.lu !

Es werden drei Gewinner gekürt, die sich jeweils ein Psychologie­Fachbuch vom Springer Verlag aus dem Kontigent der ALEP aussuchen dürfen. Wir wünschen euch viel Rätselspaß ! (:

1 . Anderer Name für den an einer Synapse wirkenden Botenstoff 2. Nachname des Psychologen, von welchem das Bobo DollExperiment stammt 3. Tier mithilfe dessen die klassische Konditionierung entdecktwurde 4. Wissenschaftlicher Ansatz der Psychologie, der sich aufmessbares und beobachtbares Verhalten beschränkt 5. Psychische Störung, die sich u.A. in gedrückter Stimmung undgehemmten Antrieb äußert 6. Grundemotion mit vier Buchstaben 7. Mit dem IQ gemessene Fähigkeit 8. Nachname des Begründers der Individualpsychologie 9. Anderer Name für ein primäres arterhaltendes und biogenesMotiv 1 0. Ion, das maßgeblich am Aktionspotential eines Neuronsbeteiligt ist 11 . Nützliche Reaktion des Körpers auf schädigende Reize


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Nr.48


LUXEMBOURG - 1 Port-payé PS/43o

ALEP ASSOCIATION LUXEMBOURGEOISE DES ETUDIANTS EN PSYCHOLOGIE ALEP ­ BP 1468 ­ L­1014 Luxembourg ­ contact@alep.lu

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Wanter 2017

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