Issuu on Google+


vorwort Interview des mag-Teams mit dem Fachsbereichsleiter Prof. Benedikt Stahl

Anstelle eines Vorwortes möchten

Damit ist vielleicht auch schon ein guter Teil eurer

bauen, malen, plastizieren, schau-

wir mit dir, Bene, gerne ein kleines

Frage beantwortet: das Spannendste an der Arbeit

spielern, tanzen, wirtschaften, bil-

Interview führen und dir vorab

in der Fachbereichsleitung seid doch eigentlich

den, geht das eigentlich zusammen?

ein paar Fragen stellen. Zunächst

ihr Studenten. Mit euch gemeinsam an Projekten

Benedikt Stahl Da würde ich zurück fragen:

würden wir gerne wissen, was dich

und Zukunftsideen zu arbeiten, zu lehren und

Geht das etwa anders? Wenn ich dieses Heft

antreibt unseren Fachbereich zu

voneinander zu lernen macht einfach riesig viel

durchsehe, ist doch von allem was dabei. Sogar

leiten.

Spaß und ist die Energiequelle für diesen Job.

das Musizieren habt ihr nicht ausgelassen. Das ist

Benedikt Stahl Oh, da gibt es natürlich gleich

Natürlich gibt es auch eine ganze Menge anderer

eben Alanus.

einiges zu sagen. Aber zunächst einmal möchte

Dinge, die motivieren. Die Zusammenarbeit im

ich euch Dreien, und allen anderen, die an dieser

Kollegium, aber auch die Berührungspunkte

Die letzten beiden Semester in einer

Ausgabe beteiligt sind, an dieser Stelle ganz herz-

mit den anderen Fachbereichen der Hochschule,

Skizze...

lich dafür danken, dass ihr es auf euch genommen

Gespräche, Abstimmungen, Kooperationen, der

Benedikt Stahl Genau das zeigt das neue mag.

habt, das neue mag zusammenzustellen und ihr

besondere Ort hier, gemeinsame Reisen, das alles

das mit viel Freude, vielen Stunden Arbeit und

ist sehr lebendig und formt unsere Gemeinschaft.

wir bedanken uns für das kurze Ge-

Engagement rechtzeitig zum „Blickwechsel“,

Daran mitzuwirken, dass sich das ständig bewegt,

spräch und wünschen unseren Lesern

unseren Tagen der offenen Tür, geschafft habt.

das treibt einfach an.

viel SpaSS beim Eintauchen!


3

Vorwort

5

Inhaltsverzeichnis

7

Projekte – Frühjahrssemester 2011

8

Mittwochsforum – Low Tech Low Budget

10

Interview: Das letzte Haus

14

Interview: Studentenwohnen Alfter

18

Interview: Bilder der Stadt

22

Interview: Naturparkzentrum Siebengebirge

28

Bachelorarbeit: Paloma Park

32

Bachelorbarbeit: Kunibertshöfe

37

Drumherum – Frühjahrssemester 2011

38

Musik- und Kompositionslehre – „Architektur ist gefrorene Musik“

40

Feldenkrais – Körper, Bewegung und Raum

42

Eurythmie – Was ist das?

43

Schauspiel – Wer ist Schuld?

44

See! Colour! Architektur und Farbe

46

Exkursion: New York City

49

Projekte – Herbstsemester 2011

50

Mittwochsforum Der Stoff aus dem die Häuser sind

52

White Cubes Bildhauer + Architekten

56

Laacher See „(T)Räume am See“

62

Flender – Grafenstaden Elsässer Haus

72

Hin & Weg Eine variable Platzüberdachung

84

Zweiter Bauabschnitt Der Campus II wächst!

92

S M L XL

96

Wohnen am Rand: Wohnquatiere in Dnipropetrowsk, Ukraine

100

Modernisierung Universität Paderborn

103

Drumherum – Herbstsemester 2011

104

Neuschnee Schneesymposium

106

Freihandzeichnen Architektur frei zeichnen

108

Formenlehre Material World

110

Studierende und Mitarbeitende

114

Impressum


inhalt mag 05


PROJEKTE Fr端hjahrssemester 2011


8


Mittwochsforum low Tech low Budget Text: Söhnke Schröder // ringvorlesung // Prof. Nikolaus von Kaisenberg + gäste

Unter dem Oberbegriff der einfachen

Form des menschlichen Wohnens. So lassen sich in Ballungsgebie-

Technik und des kleinen Geldbeutels

ten für Baugruppen deutlich größere Chancen zum Grundstückser-

wurde im Rahmen des Lehrgebiets

werb ausmachen. Baukosteneinsparungen von bis zu 20 % sind ein

Architektur und Gesellschaft im

weiterer Vorteil dieses Konzeptes. Außerdem kann man als Bewoh-

letztjährigen Frühjahrssemester das

ner einer Baugemeinschaft weiterhin individuell wohnen. Neben

Mittwochsforum veranstaltet.

dem Einfluss auf die eigene Wohnung hat man auch noch Einfluss

D

ipl.-Ing. Michael Danke gab den Studenten

auf die Hausgestalt und den Städtebau. Ein Privileg, welches den wenigsten privaten Bauherren von Einfamilienhäusern zuteil wird. Thomas Rau legte in seinem Vortrag dar, dass die Welt, in der

wertvolle Informationen über das kostengüns-

tige Bauen. Gerade im Bau von Einfamilienhäu-

wir heute leben, kein Energieproblem sondern ein Ressourcen-

sern für Bauträger sei es entscheidend, dass der

problem habe. Nach seiner Auffassung müssen wir uns heute fragen

Städtebau gut und effizient funktioniere.

welchen Mehrwert wir aus der aufgewendeten Energie ziehen.

Dipl.-Ing. Winfried Schneider führte uns in

Außerdem stehen uns nach seinem Dafürhalten genug Energie-

die Baubiologie ein. Baubiologie ist die Lehre

quellen zur Verfügung. „Optimierung“ sei das Schlagwort, mit dem

von der ganzheitlichen Beziehung zwischen den

wir an unsere Probleme herangehen sollten. Um der aufziehenden

Menschen und ihrer Wohn- und Arbeitswelt. Um

Rohstoffkrise zu begegnen, stellte er den Studenten kurz das Cradle-

preiswert baubiologisch zu bauen, sollte man nach

to-Cradle-Konzept vor sowie sein daraus entwickeltes Unternehmen

Schneiders Auffassung natürliche und einfach

turntoo, dessen Basis das Thema „performance based consumption“

zu verarbeitende Baustoffe verwenden.Weiterhin

ist.

sind kompakte und einfache Bauformen emp-

Prof. Dominique Gauzin-Müller stellte in ihrem Vortrag fest,

fehlenswert, eine optimierte Wohnfläche, Statik

dass sich die Menschheit grundlegend gewandelt hat. So leben heute

und Konstruktion. Auch eine Reduzierung der

immer mehr Menschen in den Städten. Auch die Zahl der Weltbe-

Gewerke am Bau kann nach seiner Einschätzung

völkerung steigt immer weiter. Daraus resultieren viele Probleme

zur Kostenreduktion führen. Die Eigenleistung

auf kultureller und sprachlicher Ebene, sowie Diversitätsverluste.

durch den Bauherrn ist ebenso ein Mittel, um

Gerade im Bauen hat man die meisten Möglichkeiten in den

zu niedrigeren Kosten zu kommen, genauso wie

Problemfeldern schonender zu agieren, da das Bauen die meisten

gemeinschaftliches Bauen und eine gute Planung.

Ressourcen auf unserem Erdball verbraucht.

Gerade auf die Planung von gemeinschaft-

Weitere Referenten im Mittwochsforum waren: Hermann Pohl-

lichen Wohnprojekten hat sich das Büro Post

mann, Prof. Dr.-Ing. Evelin Rottke, Dipl.-Ing. Axel Ritter, Dipl.-Ing.

und Welters spezialisiert. Dipl.-Ing. Dirk Becker

Elke Reichel, Dipl.-Ing. (FH) Ludger Dederich, Dipl.-Ing. Vera

informierte die Studenten über die Vorzüge dieser

Rottes sowie Thomas Weyland.

9


interview: Das letzte Haus Claudius Bäuml, Avila Dietrich, Elias Schley // BA 4.2 Einführung in das Entwerfen - Projekt 2 // Prof. Benedikt Stahl // 2. Semester Erzählt mal, was Eure Aufgabe war

eigenen Körper, dessen Proportionen und Maß-

schöne Geste ergibt. Ich habe einige junge Leute

im Frühjahrssemster 2011.

lichkeit. Bei der zweiten Haut ging es im weitesten

dazu befragt, welche Qualität sie erleben, wenn

Avila Dietrich Unsere Aufgabe im Kurs „Einfüh-

Sinne um Kleidung. Hier haben wir Masken

man die Hände zu einer Schale formt. Sie nannten

rung in das Entwerfen“ war es, „das letzte Haus“

gebaut. Die dritte Haut ist dann „wirkliche“

Begriffe wie beschützend und haltend, offen,

zu entwerfen. Franka van de Kerkhof, eine nieder-

Architektur gewesen, aber eben aufbauend auf

harmonisch, opfernd. In diese Qualitäten würde

ländische Bestattungsunternehmerin, fragte uns

dem Hintergrund der ersten und zweiten Haut.

ich einen Toten legen. Und dann kam die Frage,

Alanus-Studenten, ob wir nicht Interesse hätten,

Das führte dazu, dass sich die dritte Haut sehr eng

wie man diese Qualitäten in Architektur umsetzen

ein sogenanntes letztes Haus zu entwerfen, zum

anschloss an die menschliche Proportion.

kann, ohne sie formal nachzubilden. Das hat mir

Abschied-Nehmen von Verstorbenen. In den Nie-

Für uns als Gruppe war es wichtig, dass wir

derlanden ist es Brauch, dass man den Verstorbe-

uns über alles ausgetauscht haben, da wir sehr

nen zu Hause aufbahrt und sich die Angehörigen

unterschiedliche Werte und Vorstellungen haben.

in Ruhe von ihm verabschieden.

Schon alleine deshalb, weil wir aus unterschied-

Es sollte ein mobiles Haus werden, ein Haus,

lichen Kulturkreisen kommen. So hatten wir

»zwischen dem Jenseits und dem Diesseits.«

das man beliebig in unterschiedlichen Gärten auf-

jemanden aus Korea, aus den Niederlanden, aus

und abbauen kann. Es war keine einfache Aufgabe

Bayern, aus Deutschland und der Türkei in der

für uns alle, da wir uns auch mit dem Thema Tod

Gruppe. Da sprechen sich die verschiedenen

auseinandersetzten mussten, was anfangs etwas

Traditionen mit aus, wie man mit dem Thema

ungewohnt war. Auch wenn man familiär schon

umgeht und wie und ob ein Toter überhaupt

eigentlich die größten Schwierigkeiten bereitet.

Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat, ist es et-

aufgebahrt werden soll.

Wie übersetzt man eine Schale in Architektur so, dass man z.B. auch ein Dach hat. Herausgekom-

was ganz anderes, wenn man einen Raum schaffen muss, in dem man sich selber auch wohlfühlen

Und was ist entstanden?

men ist ein ovaler Grundriss mit einer ovalen

möchte, ob als Toter oder Angehöriger.

Elias Schley Gerade die Thematik hat uns

Umhüllung, transluzent, sehr leicht, sehr filigran

Elias Schley Nicht einfach war, dass wir uns

bewogen, sehr persönliche Formen zu kreieren,

und trotzdem abgetrennt von der Umgebung.

einerseits mit einem „schweren“ Thema wie Tod

Formen, die einem selbst entsprechen. So war

Avila Dietrich Ich hab einfach ein bisschen skiz-

beschäftigen und andererseits ein mobiles Haus

es bei vielen, wie Moritz, Claudius, Ido und mir

ziert und versucht, über die Form herauszufinden,

schaffen mussten, in dem der Tote liegen sollte.

etwas Schützendes, bei Avila Endlichkeit und

was eigentlich das Richtige ist. Ich hatte ein Buch

Die Unsicherheit im Bezug auf den Tod war

Unendlichkeit.

zur Containerarchitektur und dachte, das wäre es

auch gerade etwas Spannendes für uns, weil wir

Ich wollte etwas sehr Verschlossenes aber nicht

doch. Man könnte die Seiten aufklappen. Doch

nicht genau wussten wie wir damit umgehen

Einengendes gestalten. Für mich war der Moment

dann dachte ich das ist viel zu kalt und bin noch

sollten, und weil wir im Entwerfen noch nicht

des Abschied-Nehmens sehr wichtig und der

mal über die Form gegangen und habe einfach

viel Erfahrung hatten – andererseits gingen wir

sollte auch sehr intensiv sein und nicht von außen

Formen in die Landschaft gemalt und bin dann

dadurch vielleicht auch ganz unbefangen mit dem

beeinflusst werden.

letztendlich auch zu meiner Form gekommen.

Thema um.

Avila Dietrich Einigen war auch der Weg zum To-

Claudius Bäuml Das Spannende daran war auch,

ten hin sehr wichtig. Man sollte nicht direkt zum

schönsten lag, besser als ein Kreis, besser als ein

dass wir gleich einen „echten“ Auftrag hatten, ein

Toten schreiten, sondern eine Vorbereitungszone

Oval. Von dem Gedanken des Offenen wollte ich

Projekt, das nicht für die Schublade geplant wird.

haben, z.B. durch eine Türe, einen Vorraum oder

nicht ganz abkommen und habe dann die Seiten

Ein schönes Wortspiel: Unser erstes Haus, war

einfach ein paar Stufen oder, wie bei Ido, durch

des Hauses transluzent gemacht, so dass man

unser letztes Haus.

einen kleinen Weg, der einer Spirale nachemp-

drinnen immer noch ein Gefühl von Tag und

funden ist.

Nacht und Hell und Dunkel hat. Ich habe mich

Ich fand, dass sie in der Landschaft am

für eine weiße Außenhaut entschieden. Mir war

Wie seiD Ihr vorgegangen? Elias Schley Es gab verschiedene Vorgehenswei-

Wie sehen Eure einzelnen Entwürfe

das Zurückhaltende dabei wichtig. Für mich war

sen. Wir haben viel -auch zusammen- im Raumla-

aus?

auch der Weg wichtig, der nicht lang ist, aber ein

bor experimentiert. Dort haben wir verschiedene

Claudius Bäuml Ich habe es ganz explizit über den

paar Treppenstufen nach oben geht. Im Innern

Raumstudien durchgeführt, um zu schauen, wie

Weg versucht, dass ich mir erst Qualitäten klar

habe ich auf eine richtige Bahre verzichtet, weil

viel Platz wir in dem Häuschen wirklich brauchen.

gemacht habe, die mit dem Tod zusammenhängen

ich wollte, dass sich alles am Boden abspielt. So

Claudius Bäuml Dieses Projekt muss man auch im

und dann hab ich versucht diese in eine Geste und

habe ich ein Fell auf dem Boden ausgelegt. Dazu

Semesterkontext betrachten, denn es war für uns

eine Form zu gießen. Irgendwann, während des

soll man auch die Schuhe ausziehen, um am

die sogenannte „dritte Haut“. Nach der ersten und

Skizzierens, bin ich darauf gekommen, dass wenn

Boden sitzend dem Verstorbenen noch mal ganz

der zweiten. Bei der ersten ging es um unseren

man die Hände zusammennimmt, dies eine sehr

nah zu sein.

10


Simon Lucas

Frauke Zahl

Elias Schley

Moritz Kasulke

Ido de Baat

11


Klara Esch

Niklas Gesthuisen

Claudius B채uml

Avila Dietrich

12


Elias Schley Bei mir war der Entwurfsprozess

regt zu puristischeren Entwürfen, was eigentlich

Thema, das da hineingespielt hat. Das finde ich

ähnlich wie bei Claudius. Ich war auch von

auch ganz gut zum Thema passt, schlicht, zurück-

großartig, wenn sich Architektur immer auch mit

Anfang an sehr auf der Suche nach der Form,

haltend und filigran.

einer tiefergehenden Frage beschäftigt. Genau das erlebe ich auch als Aufgabe bei

wollte aber trotzdem sehr viel Inhalt mit einbringen. So war mir ebenfalls wichtig, wie der

Claudius, Du hast zu Beginn schon er-

weiteren Projekten, genau so einen tieferen Bezug

Weg ist, wie der Raum sein sollte, schützend und

wähnt, wie das Projekt in einer Reihe

dazu zu finden. Dieser führt einen vielleicht auch

trotzdem offen, welches Material verwendet wird.

der 1., 2., und 3. Haut steht. wenn Ihr

weg von einer gewissen Beliebigkeit.

Irgendwann war ich an einem Punkt angelangt,

zurückblickt – ihr seid ja jetzt ein

an dem mir nicht mehr klar war, was für mich

Semester weiter – welchen Stellen-

wesentlich war, ich hatte keinen Bezug mehr dazu.

wert würdet Ihr dem Projekt beimes-

Entwerfen gegangen?

Zu diesem Zeitpunkt verstarb jemand aus meinem

sen in Eurer Ausbildungsbiographie?

Elias Schley Bei Jakob war z.B. die Materia-

nahen Verwandtenkreis und ich reflektierte und

Avila Dietrich Man denkt ganzheitlicher und

lität sehr wichtig. Er war inspiriert durch ein

hinterfragte mit dieser Erfahrung noch mehr das

nicht so kleinteilig. Man baut nicht einfach nur so

Mittwochsforum, in dem ein Architektin von

Projekt. Wie viel Inhalt muss wirklich in das Haus

ein Haus mit irgendwelchen Merkmalen, sondern

einer Garage berichtete, deren Wände aus Altholz

einfließen? So kam ich auf eine Reduktion, das

man überlegt wirklich, wie sich der Mensch in

geschichtet waren.

wichtigste Merkmal war für mich die schützende

diesem Raum fühlt.

Claudius Bäuml Moritz sagte, da draußen stünden

Form. Dadurch kam ich zur Parabel, einer Form

Claudius Bäuml Ich finde ja, dass die drei The-

diese Gewächshäuser. Kann man das letzte Haus

die Wand und Decke vereint, etwas sehr Erdge-

men, 1. Haut, 2. Haut, 3. Haut in ihrer speziellen

nicht in dieser Machart gestalten? Er ist stark

bundenes und gleichzeitig etwas zum Himmel

Ausprägung ein ganz besonderes Potenzial hatten.

von der Konstruktion ausgegangen und hat dann

Strebendes hat. Da wir in den Raumstudien erlebt

Es war bei allen Themen so, dass wir über das

eine recht organische Form gebaut mit einem

hatten, dass es unterschiedliche Vorstellungen

fachliche hinaus immer tiefergehende Themen

Tragwerk aus Metall.

über die Raumgröße gibt, habe ich das Haus nicht

besprochen haben.

Elias Schley Niklas ist sehr stark über das Thema

nur mobil sondern zudem individuell verstellbar in einer modularen Bauweise geplant. Was mir all-

Bei der 1. Haut war es das Vermessen des eigenen Körpers und das Wahrnehmen der Pro-

Sind denn alle über die Form an das

zu seinem Entwurf gekommen. Avila Dietrich Aber schon auch sehr stark über

gemein auffiel ist, dass viele Studenten das Thema

die Form.

des Transluzenten in ihren Projekten hatten.

Elias Schley Ja, aber erst später! Klara hatte zum

Einerseits offen, aber geleichzeitig schützend. Viele wollten kein direktes, sondern eher sanft einfließendes Licht. Claudius Bäuml Mir war der Aspekt wichtig, dass die Wand nicht transparent ist, dass man einfach durchschauen kann und die Welt draußen sieht,

»Ein schönes Wortspiel: Unser erstes Haus, war unser letztes Haus.«

Beispiel auch stark die Flexibilität zum Motiv. Adem ist auch über die Konstruktion gegangen. Er hatte die Idee eines geschlossenen aber zu öffnenden Raums und hat so die Form gefunden. Er hatte also die Frage, wie kann ich offen und geschlossen gestalten.

wie sie ist, sondern dass man dadurch, dass sie Es ist immer sehr interessant zu be-

transluzent ist, ein bisschen wegkommt von der Erde, dass das Licht vielleicht nur leicht hineinfällt

portion aber gleichzeitig hatten wir irgendwann

obachten, die einen haben immer das

und man mehr das Innere erlebt.

eine Diskussion über Kunst und Wissenschaft und

Problem, dass sie sich so mit Vorstel-

Elias Schley Es hatte auch mit dem Thema zu

Architektur. Das fand ich total spannend, denn

lungen anreichern, dass sie dann

tun, dass es einen Ort des Zwischenstadiums gibt,

man merkte, in welchem Kontext wir uns mit

blockiert sind, die anderen produ-

zwischen dem Jenseits und dem Diesseits.

Architektur bewegen.

zieren lauter Dinge und können sich

Ähnlich war es auch bei der 2. Haut, wo wir ja

nicht entscheiden.

Wie seid ihr mit dem Thema der Mobi-

Masken gebaut haben. Dort fand ich es sehr spre-

Elias Schley Kann man dann sagen, es gibt zwei

lität umgegangen, denn das ist schon

chend, welche Maske jeder von uns gemacht hat.

oder drei grundlegende Entwurfsentwicklungen?

eine groSSe Herausforderung?

Die Masken habe fast von alleine ein Theaterstück

Avila Dietrich Am Anfang waren wir etwas

zu spielen begonnen, was auch wieder eine sehr

Marek bezeichnet das ja immer als

erschrocken und fragten uns, wie das überhaupt

grundsätzliche Aussage ergeben hat, etwas, das

Formfindung und Formsetzung. Das

funktionieren sollte, da wir ja auch noch nicht

über den Maskenbau hinausgewiesen hat.

sind zwei ganz polare Entwurfsan-

Tragwerkslehre hatten, da half uns dann unsere

Dann kam bei der 3. Haut nicht einfach nur

sätze.

TWL-Professorin.

ein Häuschen, sondern ein Haus das sich mit dem

Claudius Bäuml Aber können diese beiden Wege

Claudius Bäuml Die Mobilität hat uns auch ange-

Tod beschäftig, also wieder ein übergeordnetes

nicht zum gleichen Ergebnis führen?

13


interview: Studentenwohnen alfter Martin Böttcher, Eliot Livingston Wilson, Dominique Buchmaier // BA 4.4 Gebäudelehre - Projekt 4 // Prof. Nikolaus von Kaisenberg, Prof. Willem-Jan Beeren // 4. Semester Hallo, schön dass ihr zum Interview

hatten alle verschiedene Ansätze, wie man das

Zuhause werden kann und nicht so’n Regal wird,

gekommen seid. Was war euer groSSes

angehen oder interpretieren sollte. Wir haben im

so ein „Profit Regal“ für einen Investor.

Projekt im 4. Semester?

Nachhinein die Entdeckung gemacht, dass wir

Eliot Wilson Wir hatten ein Studentenwohnheim

uns in unserem Jahrgang darüber eigentlich viel

zum Projekt, das wir für den Campus II entwerfen

zu wenige Gedanken gemacht haben, was das

dort ein bestimmtes Leben schaffen

sollten. Die Gemeinde hat in Kooperation mit der

wirklich heißen könnte. Ich glaube, viele sind

will. Wie sieht das aus? Wie sieht der

Alanus Hochschule ein Konzept entwickelt, das

davon ausgegangen, dass man es möglichst billig

Alltag dort aus?

nicht ein Industriegelände sondern einen Kultur-

planen sollte.

Eliot Wilson Also diese Frage spiegelt sich in al-

park vorsieht, neben Wohnungen, Werkstätten,

Doch Low Budget bedeutet, dass man die Kre-

Ihr habt davon geredet, dass man

len Ebenen des Entwurfs wider. Wie funktioniert

Ausstellungsräumen, einem Kindergarten und

ativität steigern muss, um effektivere Lösungen zu

der Städtebau? Fördert er positive Außenräume,

Büroräumen.

finden. Es heißt aber nicht, dass man deshalb eine

wo man auch bleiben will? Gibt es Pflanzen, ist da

schäbige, weniger großzügige Kiste ohne Gemein-

auch ein Garten für die Gemeinschaft, den man

Wie seid ihr vorgegangen, wie habt

schaftsraum da hinstellt. Das ist nicht der Sinn.

auch nutzen kann? Und wie fühlt es sich an, da zu

ihr gearbeitet?

Dominique Buchmaier Low Budget heißt ja auch,

sitzen? Ist das so ein Raum, wo man das Gefühl

Dominique Buchmaier Wir haben mit der Stand-

dass man nachhaltig baut, dass es keine billige

hat, man sitzt wie auf einem Präsentierteller oder

ortanalyse angefangen, und dann das Raum-

Konstruktion gibt, die in der Anschaffung und

ist man geschützt?

programm bekommen, in dem stand, wie viele

im Aufbau billig ist, sondern dass man einen

Studenten untergebracht werden sollen, ob es

nachhaltigen Nutzen davon hat, weil das Gebäude

lien, wie sind die Farben, haben die eine Qualität

Gemeinschaftsräume geben soll oder nicht.

dann zum Beispiel viel länger steht.

die ansprechend ist? Wie sind die Gemeinschafts-

Die Analyse war der Anfang. Als es zum konkre-

Eliot Wilson Wir haben auch viel mehr auf das

räume von der Erschließung bis zum tatsächli-

ten Entwerfen ging, musste man gucken, wie man

„Low Budget“ geschaut und nicht soviel auf das

chen Gemeinschaftsraum? Wie können wir es

die Massenverteilung macht, was für Gebäu-

„Low Tech“. Ein gutes Beispiel, wo man am An-

uns auch leisten, mit dem geringen Budget mehr

demassen unterzubringen waren, auch auf die

fang mehr investieren kann, ist die Energieeffizi-

Gemeinschaftsfläche zu schaffen ohne mehr

Baugrenzen mussten wir achten.

enz und die Materialauswahl. Es geht darum, dass

Kosten aufzuwenden? Kann man die Erschlie-

man ein Gebäude schafft, das in seinem Betrieb

ßung so gestalten, dass man Orte hat, wo man

Dann im Inneren: Was sind dort für Materia-

Wie sieht für euch das ideale Stu-

entschleunigt wird, dass man nicht so durchge-

dentenwohnheim aus?

schleust wird, sondern dass man da vielleicht ins

Martin Böttcher Da muss man sich fragen, wie das Studentenleben heute aussieht und wie man es gerne verbessern würde. Und dann muss man überlegen, wie man das so schön und großzügig gestalten kann, dass man da auch tagsüber Zeit verbringen möchte, und dass es eine gemeinschaftliche Komponente gibt, dass man nicht alleine da als Student vor sich hinvegetiert, sondern dass man dort auch andere Studenten trifft. Eliot Wilson Es war auch eine Überlegung, wie das Studentenleben heute ist, aber auch, wie es

»Da war das Gemeinschaftsthema mehr im Vordergrund, als bei anderen StudentenwohnheimProjekten.«

speziell hier an der Alanus Hochschule ist, da

Gespräch tritt? Martin Böttcher Die sozialen Begegnungsflächen gehen vom Städtebau bis in den Innenraum. Bei uns im Entwurf waren jetzt auch Balkone vorgesehen. Das ist dann so, dass immer zwei Zimmer sich einen Balkon teilen. Das geht also vom Städtebau über die Erschließung, über die Flure bis in den Innenraum rein. Wie und für wen war das Raumprogramm vorgesehen? Dominique Buchmaier Das Raumprogramm hat

die Alanus Hochschule so klein ist. Man kennt

weniger kostet, dadurch dass man im Voraus

drei 4er-WGs, sechs 2er-WGs, und 20 Einzel-

ja viele von der Studentenschaft. Da war das Ge-

mehr investiert.

zimmer vorgesehen. Jede Wohneinheit hatte

meinschaftsthema mehr im Vordergrund, als bei anderen Studentenwohnheim-Projekten.

In unserem Projekt (Martins, Raphaels und

einen Abstellraum. Es war vorgegeben, wie groß

meines) haben wir die Materialität des Cam-

ungefähr die WGs sein müssen und daraus hat

pus‘ aufgegriffen, auch weil die Bauweise der

sich alles zusammengesetzt.

Und speziell auf eure Projekte bezo-

Ateliergebäude kostengünstig und nachhaltig ist.

gen, gab es da verschiedene Schwer-

Wir haben auch Lehmwände eingesetzt, die als

mer, die Zimmer der Studenten sind 20 m² groß,

Dazu kamen noch sechs größere Einzelzim-

punkte?

Energiespeicher dienen usw., da muss man ein

die größeren Zimmer sind 30 m². Diese haben

Eliot Wilson Wir hatten das übergeordnete

bisschen umdenken. Besonders weil unser Anlie-

zwei Nutzungen. Einmal für die Professoren, die

Semesterthema „Low Tech – Low Budget“. Wir

gen das der Gemeinschaft ist, dass es wirklich ein

auch außerhalb der Hochschule berufstätig sind,

14


sie aber auch behindertengerecht ausgestattet sind, genau wie die komplette Erschließung.

von der kleinen Kiste auf ca. 1000–2000 m². Da war man erst mal von dem Raumprogramm total erschlagen, und fragte sich, was mache ich jetzt damit? Mir hat da noch die

Welche unterschiedlichen Lebens-

Vorstellung gefehlt, wie ich damit überhaupt umzugehen habe.

entwürfe spiegeln sich eurer Mei-

Eliot Wilson Der Maßstabssprung war wirklich enorm. Und auch

nung nach in den unterschiedlichen

die Auseinandersetzung mit dem Baugesetz, das hatten wir bisher in

Konzepten der Studenten wider?

unserem Studienverlauf noch nicht. Davor war das kein Thema mit

Martin Böttcher Es gab unterschiedliche Heran-

Geschosshöhen, Gesamtgebäudehöhen, wie viel Flächen darf man

gehensweisen. So wie ich es beobachtet habe war

bebauen, wie viel Fläche darf man versiegeln, wie viele Parkplätze

es bei Florian und Tibo vor allem eine ganzheit-

muss man haben, wo geht der Müll hin, das war auf jeden Fall viel

liche Geste, die sie gestaltet haben. Sie haben viel

größer und komplizierter, aber auch eigentlich ganz schön weil es

Wert auf die Außenform gelegt und es ist auch

viel realitätsnäher war, sich mit diesen Gesetzen auseinanderzuset-

ein sehr starkes Bild geworden, denke ich. Andere

zen. Das müssen wir ja auch im Alltag machen, im Beruf.

haben mehr Wert auf Individualität bzw. Diversität gelegt. Jan hat dieses Thema der Diversität so ausgelegt, dass er zwar jedes einzelne Zimmer gleich gestaltet, aber unterschiedlich geschachtelt hat und so teilweise Auskragungen gehabt hat und Terrassen. So hat er die Diversität der einzelnen Studenten ganz gut dargestellt, indem er jeden Studenten in eine andere Richtung schauen ließ, sein Zimmer sozusagen freistellt. Eliot Wilson Einige haben sich sehr stark auf das

» Doch Low Budget bedeutet, dass man die Kreativität steigern muss, um effektivere Lösungen zu finden.«

Thema Individualität konzentriert. Das hängt damit zusammen, dass die gesamte Menschheitsentwicklung sich immer mehr dahin entwickelt,

Was hättet ihr noch vertiefen können, wenn ihr

dass wir immer individueller werden. Das ist

mehr Zeit gehabt hättet?

besonders an einer Hochschule wie der Alanus

Eliot Wilson Auf jeden Fall die Auseinandersetzung mit der Idee

so, das ist echt ein bunter Haufen, das war, glaube

„Low Budget“, das haben wir noch nicht gemacht, vor allem als Ge-

ich, für viele hier ein starker Impuls. Andere

samtgruppe. Manche haben das für sich gemacht, aber damit hätten

haben mehr auf das Gemeinschaftliche geschaut,

wir viel kreativer umgehen können.

Hannah zum Beispiel mit ihrer Erschließungs-

Martin Böttcher Ich hätte noch gerne mehr an der äußeren

form, die mehr einen großen Raum geschaffen

Gestalt gearbeitet. Bei unserem Entwurf hätte ich das noch gerne

hat. Alle glaube ich, haben auch sehr viel Wert auf

weiter vertieft. Unser Konzept fand ich ziemlich gut, vor allem die

den Bezug zur Sonne gelegt, also Tageslicht im

Aufteilung und die Gliederung. Und so ein Entwurf ist dann am

Sinne von Nachhaltigkeit, aber auch im Sinne von

Ende des Semesters da wo er ist. Und das muss man dann auch mal

Raumqualität.

akzeptieren, das ist ein Arbeitsprozess. Wie viele Dinge passieren

Dominique Buchmaier Auch die Verbindung nach

noch, nachdem der Architekt seinen Entwurf eingereicht hat? So

draußen war wichtig, jeder hat auch was platzarti-

ähnlich muss man das vielleicht sehen.

ges gestaltet, was natürlich auch Qualität schafft.

Eliot Wilson Von unserem ganzen Jahrgang hat sich die Qualität

Es war wichtig, dass nicht jeder anonymisiert in

der Arbeiten enorm gesteigert, das fand ich echt schön.

seinem Räumchen wohnt, in irgendeinem großen

Martin Böttcher Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Erfahrung

Klotz sondern, dass man weiß, das ist mein Raum,

gesammelt habe, was die Teamarbeit angeht, als was das Entwerfen

da kann ich mich zurückziehen. Aber wenn ich

angeht. Man stößt da echt an seine Grenzen, man ist dann am Ende

dahin gehe, auf den Flur, auf den Laubengang,

ziemlich stolz darauf, dass man es dann doch gepackt hat. Ich war

unten auf den Platz, da treffe ich meine Freunde,

eher stolz darauf, dass wir es zusammen geschafft haben, nicht

da treffe ich die Anderen.

unbedingt darauf, dass das Gebäude so oder so aussieht.

Haben sich allgemein in diesem Semes-

Ihr seid also als Gruppe weitergekommen, aber

ter neue Gesichtspunkte ergeben?

auch vom Architektonischen von der Lehre her.

Dominique Buchmaier Der Sprung war auf jeden

Das war also ein groSSer Schritt für euch?

Fall riesig. Bei Herrn Nowak, da haben wir den

Martin Böttcher Ja, auf jeden Fall! Die Treppenstufen kamen nur

kleinen Café-Pavillon geplant. Jetzt kommen wir

manchmal schneller, als man laufen konnte …

15


Jan Henning Eggers

Hanna Kosche

Raphael Fuss, Martin Bรถttcher, Eliot L. Wilson

16


Dominique Buchmaier

Florian Komescher, Tibo Stephan Tabsoba

Ina Willemsen

17


interview: bilder der stadt Max Ulrich, Thomas Postma // BA 4.6 Stadtplanung // Prof. Benedikt Stahl // 6. Semester Was habt ihr im Rahmen des Moduls „Stadt-

Hat nicht auch jemand das Bonner

planung“ gemacht?

Loch unter Wasser gesetzt?

Max Ulrich Wir sollten uns zunächst einen Unort in der Nähe

Max Ulrich Ja, das war Thomas Schauff! Auf An-

aussuchen, ihn analysieren und eine Intervention oder architek-

regung von Benedikt Stahl, das Bonner Loch (Die

tonische Maßnahme darauf entwickeln, um diesen Unort wieder

Unterführung vor dem Bonner Hauptbahnhof,

lebenswert zu machen. Ich hatte mir zunächst ein großes brachlie-

die seit Jahrzehnten auf eine städtebauliche Neu-

gendes Gelände am Bonner Hauptbahnhof ausgesucht, im weiteren

ordnung wartet, Anmerk. d. Red.) doch „einfach

Verlauf der Analyse aber dann doch eine kleine Baulücke in der

mal mit Sinn zu füllen“, hat er es dann mit Wasser

Innenstadt gewählt, die mir als unfertig, nicht zu Ende gedacht und

gefüllt, sozusagen als Sinnbild der momentanen

gebaut vorkam.

(auswegslosen) Situation und zugleich als Beispiel

Thomas Postma Ich habe einen (Un-)Ort in Bonn-West gefun-

einer ganz anderen Idee.

den, das ein Potential birgt: Es handelt sich dabei um einen alten stillgelegten Bunker in einem Umfeld, wo das Thema günstiger

Und jetzt? Was hat Euch das jetzt

Wohnraum für Studenten und Künstler aktuell ist. Inspiriert von

gebracht im Zusammenhang mit dem

der Ausstellung über Container-Architektur im NRW-Kunstforum

bisherigen Studium?

in Düsseldorf ist ein Low-Budget-Entwurf enstanden mit einfachen

Max Ulrich Stadtplanung ist für mich durch die

Wohn-/Arbeitsmöglichkeiten und einem kleinen Aufführungsraum.

Beschäftigung im letzten Semester keine Frage des Maßstabes, also: Stadtplanung heißt, große

Wie seid Ihr grundsätzlich an das Thema Stadt

Dinge planen, sondern es kommt auf die Qualität

herangegangen?

des Eingriffes an. Dieser kann ganz klein sein und

Thomas Postma Wenn man sich mit Stadt beschäftigt, ist es logisch,

trotzdem im Stadtraum wirken.

dass man Städte besucht und vergleicht. Wir haben uns zu zweit

Thomas Postma Mir ist auch klargeworden, dass

oder zu dritt mit Referaten vorbereitet und waren gemeinsam

wir es im Städtebau mit ganz anderen Zeiträumen

unterwegs. Zunächst haben wir Köln und eine Ausstellung dort zur

zu tun haben.

Entwicklung der Städte am Rhein besucht. Anschließend haben wir in Düsseldorf die Rheinuferpromenade sowie eine Siedlung in

Was macht nun Eurem geschärften

Gerresheim angeschaut. Zum Vergleich waren wir dann auch in den

Blick nach eine Stadt interessant?

Niederlanden und haben Maastricht und Amsterdam besucht.

Max Ulrich Für mich auf jedem Fall die Fußläu-

Max Ulrich Dabei haben wir die Städte unter verschiedenen Ge-

figkeit! Das haben wir z.B. in Maastricht schön

sichtspunkten betrachtet, wie z.B. Stadtmöblierung, Nutzungsarten

erleben können, wo sie eine große Stadtautobahn

und –verteilung, die Dichte der Stadt, Materialien und Oberflächen.

unterirdisch verlegt haben, um größere Park-

Thomas Postma Gerade die Einschränkung des eigenen Blickes auf

flächen zu erhalten. Auch die Einrichtung einer

einen Aspekt brachte eine Vielzahl der Wahrnehmungen, als wir sie

„Welstandscomissie“ (Gestaltungsbeirat) finde

dann für die Abschlussausstellung zusammengefasst und dokumen-

ich interessant und hilfreich, um eine einheitliche

tiert haben.

Gestaltung zu bekommen.

Max Ulrich Meine Blickhöhe hat sich nach dem Modul geändert,

Thomas Postma Man kann das Interessante einer

da ich vorher nur auf Augenhöhe unterwegs war, jetzt auch die

Stadt erst durch den Vergleich feststellen. Dabei

Dachkonturen, den ganzen Stadtraum wahrnehme.

spielt der Maßstab eine große Rolle. Kann man eine große Hauptstadt wie Amsterdam mit einer

Was ist in den Projekten entstanden?

mittelgroßen Stadt wie Maastricht vergleichen?

Max Ulrich Das Projekt von Söhne Schröder untersucht die Po-

Da spielen die Geschichte, aber vor allem auch

tentiale eines sehr lange schon ungenutzten Grundstückes an der

die Geografie eine große Rolle. Es kommt auch

Viktoriabrücke in Bonn-West und schlägt dort eine multifunktio-

darauf an, wie man eine Stadt erlebt. Amsterdam

nale Hotel- und Arbeitsnutzung für die modernen Arbeitsnomaden

z.B. haben wir mit dem Fahrrad „erfahren“ und

vor. Anna Kaspercyk hat untersucht, wie ein Großteil der Erschlie-

gemerkt, wie die Stadt durch das Fahrradfahren

ßungsflächen in Bonn entsiegelt und als Parkflächen vielfältig

mitgeprägt wird.

nutzbar gemacht werden könnte.

Max Ulrich An Amsterdam gefiel mir, dass die

Thomas Postma Sebastian Heck hat in Wuppertal eine alte Gü-

Stadt sich teilweise selbst nicht so ernst nimmt.

terbahnanlage für Jugendliche nutzbar gemacht und Max Ruff die

Da sind wir durch Straßen gefahren, wo man sich

Resträume unter einer Brückenanlage in Stuttgart für Sport- und

wundert über die vielen Maseratis, Ferarris und

Kulturevents neu arrangiert.

Mercedes …

18


Thomas Postma … ah-a, das habe ich gerade in Düsseldorf gemerkt!

Thomas Postma Das sind natürlich sehr große Eingriffe, die jede

Max Ulrich … Nein, das war speziell diese Straße, der man das

Menge Geld kosten und eine lange Zeit brauchen. Kleine Ände-

nicht angesehen hat, daß sie jede Menge „Nobel-Läden“ enthielt, alles war ganz dezent und nicht zur Schau gestellt. Die Straße funktioniert auch ohne diese Läden gut und sie zwingen sich nicht auf. Wie sieht die Zukunft der Stadt für Euch aus? Max Ulrich Bjarke Ingels von BIG hat letztens in einem Interview darauf hingewiesen, daß in Peking bisher 3 Mio. Menschen ein

»Das kann ganz klein sein und trotzdem im Stadtraum wirken.«

Fahrrad und damit alles fahrradläufig erreicht haben – das, was heute für uns ein Ideal ist – Umgekehrt haben wir jede Menge Autos, haben unsere Städte danach gebaut. Jetzt dreht sich alles

rungen sind auch wichtig. Als ich in der Nähe von Basel Praktikum

um: Die wollen alle Autos haben und wir Fahrräder! Das kann

gemacht habe, habe ich mich gefragt, inwiefern diese Stadt auch

sich in zehn Jahren wieder anders darstellen. Für meinen jetzigen

eine Widerspiegelung der in ihr wohnenden Kultur ist oder ob es da

persönlichen Anspruch würde ich sagen: Autos raus aus der Stadt,

noch weitere Möglichkeiten geben sollte, damit sich alle einbringen

unter die Erde legen und mehr Grün herein! Das wird ja auch schon

können, wie z.B. die Jugendlichen durch Street-Art oder derglei-

vielerorts gemacht, in Madrid und Barcelona.

chen.

Pe r s p e k t i ve M a c k e Towe r vo n d e r Vi c to r i a b r ü c k e aus gesehen Söhnke Schröder

19


20


21


interview: naturparkzentrum Siebengebirge FLorian Bruning, Julian fischer // groSSes projekt, hauptstudium, diplom // Prof. Dr.-ing. Evelin Rottke, Prof. Marek Nowak, dipl.-ing. Ulrike Platz Was war die Aufgabe letztes Semes-

Hat der Wettbewerb Eure Arbeitsweise beeinflusst?

ter?

Florian Bruning Wir haben uns ziemlich regelmäßig und zuverläs-

Julian Fischer Die Aufgabenstellung war, für das

sig donnerstags getroffen. Der Wettbewerb war für mich schon ein

Wildniszentrum bzw. den Verschönerungsverein

Extra-Anreiz, um für mich die Latte hoch zu legen. Im Rückblick

Siebengebirge, eine Art Ausstellungsgebäude

habe ich auch gemerkt, dass ich da innerlich einige Schritte wei-

zu entwickeln. Fakt war, dass der Verein einen

tergekommen bin, zum Beispiel dahingehend, dass ich mehrere

Ausstellungspavillon hat auf der Margaretenhöhe,

Ebenen gleichzeitig berücksichtigen und durcharbeiten kann.

das Grundstück gehört ihm aber nicht, deshalb haben die Mitglieder das Jägerhaus ins Visier genommen, dort sollte der neue Ausstellungsraum entstehen. Florian Bruning Das Jägerhaus hat eine viel exponiertere Lage und ist für die Ausstellungsgebäude ein viel besserer Ort. Das Jägerhaus sollte dann zum Bürogebäude und für Lagerräume umgenutzt

»Also ich habe gelernt, dass ich die Pläne so gestalten muss, dass ich durch sie eine Geschichte erzähle .«

werden. Im Moment wohnen da Menschen drin, die sollen sich jetzt ein anderes Heim suchen. Julian Fischer Sehr interessant war, dass der

Jetzt bei diesem Projekt konnte ich meinen Landschaftsplan

Verschönerungsverein der erste Naturschutzver-

gut durcharbeiten und auch den Grundriss und die Fassade. Ich

ein Deutschlands ist. In den 1870er Jahren hat er

habe bemerkt, dass jeder Betrachtungsteil öfter durch die Mangel

angefangen das Siebengebirge aufzukaufen, um

genommen werden muss, damit er in sich und auch mit dem Rest

die Zerstörung durch den Bergbau zu verhindern.

stimmig wird.

Mittlerweile besitzt er 500 ha Land. Neben verschiedenen anderen Aspekten der Geologie, der Geographie und der Pflanzen- und

Wollt ihr was zu euern eigenen Entwurfskonzepten sagen? Was war das Charakteristische eures

Tierwelt des Siebengebirges sollte das Haus dazu

Entwurfs?

dienen die Geschichte darzustellen.

Julian Fischer Mir war von Anfang an wichtig, dass ich mich

Florian Bruning Es gab schon ein Ausstellungs-

ganz genau an die Vorstellungen des Verschönerungsvereins halte,

konzept von einer Firma. Da war vorgesehen, dass

z.B. daran, dass die überbaute Fläche von ca. 200 m2 nicht größer

die Ausstellung auf zwei Ebenen stattfinden, aber

wird. Ich wollte den Standort der Garagen beibehalten. So habe ich

auch barrierefrei sein sollte.

fünf Finger geschaffen, die aus dem Wald kommen, die sich dem Besucher entgegenstrecken und den Blick auf das Tal richten. Dieses

Das Ganze war als Wettbewerb an-

Gebäude habe ich auf die Garagen platziert. Wesentlich für mich

gelegt. Von Anfang an oder erst ab

waren noch die Zusatzfunktionen Werkstatt und Schulungsräume,

einem bestimmten Punkt?

die ich als halbprivate Zone für die Mitarbeiter und Freiwilligen, die

Julian Fischer Von Anfang an für unseren

beim Verschönerungsverein arbeiten, angelegt habe.

Diplomstudiengang und dann gleichzeitig noch

Im oberen Bereich ist eine Art Amphitheater in den Hang eingear-

als Stegreifwettbewerb für die Uni Bochum mit 30

beitet, dort sollen Schulklassen und Besucher empfangen werden

Studenten.

und auch das Gebäude von dort aus begehen können.

Für uns war es jedenfalls der größere Wettbewerb bzgl. der Leistung, die zu erbringen war.

Das Ausstellungskonzept sollte relativ simpel sein. Im ersten Finger des Gebäudes hatte ich den Empfang, die Bibliothek und eine kleine Bewirtschaftung vorgesehen. Im zweiten Finger die Geologie

Hattet ihr zwischendurch Kontakt

und Geographie, im dritten Finger die Tiere und Pflanzen und im

zum Verschönerungsverein und ein

vierten sollte eine Art Attraktion stattfinden, ein Heißluftballon an

Feedback bekommen oder nur am An-

einem riesengroßen Relief inspiriert von den „Spiderkameras“ aus

fang und am Ende des Projektes?

großen Fussballstadien.

Julian Fischer Wir waren sehr gut betreut, durch

Die Zwischenräume zwischen den Fingern sollten großen

Marek Novak, Evelin Rottke und Ulrike Platz –

Exponaten vorbehalten sein, die man allseitig umgehen kann. Sehr

sechs Teilnehmer und drei Dozenten.

wichtig war mir, dass das Gebäude dem Jägerhaus keine Konkur-

22


renz macht, sondern sich der gegebenen Situation

Julian Fischer Es war sehr interessant, dass sich

Florian Bruning Ich finde beide Ansätze gut,

unterordnet, deshalb sollte es nur wie Finger aus

alle Entwürfe grundlegend unterschieden haben.

aber ich fand es auch mal gut, den Punkt der Auf-

dem Wald ragen und durch die großen Glas-

Katrin hat eher eine elliptische Form gewählt,

gabenstellung nicht aufarbeiten zu müssen und

scheiben sollte auch der Fokus auf die Landschaft

Sonja eher eine quadratisch-geometrische Form,

dass ich mich daran entlangarbeiten konnte, um

gerichtet sein.

Sebastian auch eher eine elliptische, ähnlich wie

zum Entwurf zu kommen. Ich weiß nicht, ob es

Florian Bruning Mir war es auch wichtig, mich

Katrin, aber mit einer ganz anderen Materialkon-

sinnvoller wäre, das Eine oder das Andere früher

an die Größe und an die Vorgaben zuhalten. Ir-

zeption.

oder später im Studium zu haben. Für mich war

gendwann bin ich aber an einen Punkt in meinem

das jetzt gut so. Auch wenn ich anfangs nicht

Konzept gekommen, wo ich vor der Entscheidung

Wie habt ihr die Jurysitzung erlebt

wusste wie der Entwurf mal aussehen würde, hatte

stand, ob ich entweder größer werde oder das

und die Reaktion der Leute? ihr seid

ich doch ein Thema, mit dem ich arbeiten konnte.

Konzept noch mal ändere. Eigentlich war das bei

natürlich auch gut weggekommen,

Das konnte ich immer wieder ins Gespräch mit

mir auch eine Ausgangsidee, barrierefrei zu bauen

aber War das nachvollziehbar, habt

der Aufgabe bringen und danach prüfen.

und trotzdem nicht nur ein Geschoss zu haben.

ihr euch verstanden gefühlt an der

Julian Fischer Das was ich noch dabei gelernt

Ich habe mich gefragt, was es heißen würde, wenn

Stelle?

habe ist, dass ja doch der erste Gedanke immer

ich mit Rampen arbeite, nicht nur wegen der Bar-

Julian Fischer Was ich daraus gelernt hab ist, dass

der beste ist und dass es wichtig ist, dass man

rierefreiheit, sondern auch um zu sehen, was für

man seine Plakate viel plakativer gestalten muss.

den Gedanken weiter verfolgt und durch alle

eine Raumqualität ich damit schaffen kann. Dafür

Bei mir haben sie zum Beispiel nicht erkannt,

Widerstände verteidigt. Was ich bei meinen Kom-

habe ich auch viel im Modell gearbeitet.

dass da Fenster sind, obwohl das ja eigentlich das

militonen gesehen habe, was ich nicht so ganz

Wesentlichste meines Entwurfes war, der Ausblick

verstanden habe, die hatten gleich am Anfang

bung richte, dann sind 6% Steigung für Rampen

aus dem Gebäude. Das hat mich dann doch sehr

schöne Konzepte entwickelt, die sie dann aber

maximal vorgesehen, das würde heißen, wenn

erstaunt. Und selbst beim Modell, was ich relativ

über den Haufen geschmissen haben, weil die Kri-

ich eine Höhe von 3 m überwinden muss, dann

reduziert gehalten habe, kam es wohl auch nicht

tik manchmal von den Professoren nicht positiv

habe ich 50 m Rampe. Dann kommen alle sechs

raus, erst durch die Erläuterungen der Fachjury

ausfiel oder es ihnen selber nicht gefallen hat.

Meter Zwischenpodeste dazu mit 1,50 m Länge.

wurde es verständlich.

Florian Bruning Ich glaube, wir beide sind im

So erhalte ich ungefähr 70 m Rampen für 3 m

Florian Bruning Also ich habe gelernt, dass ich

letzten Semester unseren ersten Gedanken sehr

Höhenunterschied. Das habe ich auf die Grund-

die Pläne so gestalten muss, dass ich durch sie eine

treu geblieben und haben am Anfang einen klaren

fläche gelegt und das Resultat war, dass ich ⅔ der

Geschichte erzähle. Die muss ich aber auch so

Leitgedanken gehabt, den weiterverfolgt und

Grundfläche Rampe hatte und ⅓ der Grundfläche

abbilden, dass ich mich während der Präsentation

vertieft und ausgearbeitet.

Ausstellungsfläche waren. Da wurde mir klar,

daran orientieren kann. Dann brauche ich eigent-

dass die Ausstellungsfläche in die Rampenebene

lich auch nichts in der Hand. Dazu gab es noch

Man kann auch verschiedene Ent-

integriert werden musste. Es ergab sich dann ein

einen sehr klaren Rahmen, wie wir präsentierten

werfertypen unterscheiden. Es gibt

doppelter Rampenlauf von 2 mal 6 Metern mit

durften, also jeder hatte zehn Minuten. Für mich

andere, die das brauchen, die nicht

Zwischenpodesten und Zwischenplateaus, wo die

war das ziemlich schwierig, weil ich einen kom-

durch Tiefe zu Qualität zu kommen,

eigentlichen Ausstellungen stattfinden. Durch

plizierten Entwurf hatte. Diesen den Leuten dann

sondern durch Breite und Fülle.

dieses Konzept habe ich eine Landschaft im

in zehn Minuten so begreifbar zu machen, dass

Florian Bruning Aber eine gewisse Tiefe braucht

Innenraum geschaffen. Am Ende habe ich dann

sie da was mit anfangen können oder auch davon

man, glaube ich immer, oder?

vier Ausstellungsplateaus gehabt, denen die vier

begeistert werden, war nicht leicht.

Wenn ich mich nach der deutschen Gesetzge-

unterschiedlichen, von Julian schon erwähnten

Ja, schon. Aber es gibt Leute, die sich

Bereiche angeordnet sind.

erst einmal vergewissern müssen,

Und dann bin ich auf einer Höhe von 2,40 m angelangt und kann nach hinten auf die Wiese rausgehen, die dann durch den Wald umsäumt ist. Man kann aber auch eine Rampe weiter in die andere Richtung hochgehen zu einem Schulungsraum, der dann wieder im Eingangsbereich ist, sodass ich einmal durch das Gebäude gehen kann.

» Durch dieses Konzept habe ich eine Landschaft im Innenraum geschaffen.«

Ausstellungsstücke könnten frei auf den Aus-

bevor sie eine Entscheidung treffen, aus welcher Bandbreite sie entscheiden können, die Angst haben, wenn sie sich entscheiden, sich für das Falsche entschieden zu haben. Florian Bruning Jetzt im Hauptstudium habe ich versucht, bestimmte Fragen, an denen ich arbeiten wollte, einzubringen. Ich hatte einige davon am

stellungsplateaus stehen und das Prinzip könnte

Anfang des Semesters zu Leitgedanken gemacht.

dann draußen auch so weitergehen. Dort führt ein

Wie seid ihr damit zurechtgekom-

Am Ende ist etwas ganz anderes rausgekommen

Weg am Haus entlang und zurück an die Straße,

men, dass die Aufgabenstellung ziem-

in der Materialität oder in der Gestalt, aber der

wo ich dann unterschiedliche Zonen in meinem

lich klar vorgegeben war? Bei Eurem

Leitgedanke, mit Rampen und fertigen Fassaden-

Landschaftsentwurf einplanen wollte, sodass ein

Diplom ist es ja ganz anders, dort ist

elementen etwas zu machen, ist am Ende auch im

gestaffelter Übergang stattfindet zwischen Kultur,

es eure eigene Sache, erst mal eine

endgültigen Entwurf zu finden. Das finde ich das

was das Haus wäre und Natur, was der Waldsaum

Aufgabe zu formulieren.

Schöne am Diplomstudiengang, dass ich das noch

ist.

Julian Fischer Ich fand es sehr gut. Pläne waren

so machen kann. Die zwei Jahre nach dem Prak-

da und alles hat funktioniert. Im Großen und

tikum sind noch mal eine richtige Bereicherung.

Gab es dann noch andere, die noch

Ganzen stelle ich mir das so vor. Die Alanus sollte

Das sind noch zwei Jahre, die ich richtig auskosten

ein anderes, eigenständiges Konzept

sich daran ein Beispiel nehmen, an der Betreuung

konnte, im Bezug darauf, was es heißt zu studie-

entwickelt haben?

und der Ausformulierung …

ren und an einem Thema dran zubleiben.

23


1. platz – ideenwettbewerb naturparkzentrum Siebengebirge Julian fischer // groSSes projekt, hauptstudium, diplom // Prof. Dr.-ing. Evelin Rottke, Prof. Marek Nowak, dipl.-ing. Ulrike Platz

24


2. platz – ideenwettbewerb naturparkzentrum Siebengebirge florian bruning // groSSes projekt, hauptstudium, diplom // Prof. dr.-ing. Evelin Rottke, Prof. Marek Nowak, dipl.-ing. Ulrike Platz

26


27


Bachelorarbeit: Paloma-Park Filip Voss // Bachelorarbeit // Prof. Nikolaus von Kaisenberg // 8. Semester

Mit dem letzten Semester hast du deine Bachelor-

dort eintraf, erwartete mich eine wunderschöne

Arbeit abgeschlossen. Herzlichen Glückwunsch!

Landschaft. Ich besichtigte das Grundstück und

Was für ein Projekt hast du bearbeitet?

versuchte zu ergründen, was diesen Ort besonders

Filip VoSS Vielen Dank. Ich habe mich in diesem Semester mit dem

macht. Der Standpunkt für das Projekt war ideal,

Paloma Park beschäftigt. Über Professor Nikolaus von Kaisen-

weil er nicht sehr touristisch ist, das Angebot an

berg bin ich auf die Stiftung und deren Paloma-Projekt gestoßen.

Aktivitäten aber trotzdem nicht fehlt.

Sie möchte ein Projekt verwirklichen, in welchem Jugendliche Friedenskommunikation lernen können, indem sie in Austausch

Wie hast Du Dein Konzept mit der Ar-

mit anderen Kulturen treten. Es soll den Jugendlichen ermöglichen,

chitektur zusammengeführt?

andere Lebenskulturen kennen zu lernen, Denkblockaden sowie

Filip VoSS Wichtig war zunächst, das Konzept

Konflikte verbal zu lösen. Das gewünschte Konzept beinhaltete viele

wirklich zu verstehen. Danach begann ich mit

verschiedene Angebote, wie Schwimmpark, Konzerte, Work-

einem Massenmodel, um ein erstes Raumpro-

shops aller Art, Theater, Kunst und Kino. Meine Aufgabe war es

gramm erschließen zu können, sowie ein Gefühl

zu Beginn, dieses Konzept in ein architektonisches Programm zu

zu erhalten, wie viel Raum für die verschiedenen

übersetzen und genau zu überlegen, welche Angebote wichtig und

Nutzungen gebraucht wird.

welche eher überflüssig sind. Als für mich klar war, dass ich dieses Projekt realisieren möchte,

Und wie alt sind die Jugendlichen?

musste ich als erste Aufgabe die Grundstücksanalyse durchführen.

Filip VoSS Das Konzept ist gedacht für Jugend-

Das bedeutete einen Ort zu finden, an dem dieses Projekt gebaut

liche im Alter von ungefähr 10–18 Jahren. Sie

werden könnte. Das Land sollte wirtschaftlich einigermaßen stabil,

sollen aus verschiedenen Teilen Europas oder von

sowie touristisch attraktiv und sicher sein. Auch eine wärmere Re-

noch weiter weg kommen.

gion war gewünscht. Mögliche Orte waren Saudi Arabien, Ägypten,

Ziel war es, Gruppen unterzubringen, die

Marokko, Portugal und schließlich auch Mallorca. Ich entschloss

normalerweise keinen Kontakt zueinander haben,

mich für letzteres.

wie zum Beispiel Jugendliche aus Israel und Palästina, die im Paloma Park dann den Menschen

Wo liegt das Grundstück genau?

ohne Vorurteile kennenlernen können. Das ist

Filip VoSS Das Grundstück befindet sich in der Nähe von Selva, im

zwar ein extremes Beispiel, aber in diese Richtung

Zentrum der Insel, direkt an der Gebirgskette Serra Tramuntana.

ist das Konzept gedacht. Ich finde das ein sehr

Ich bin für einen Tag dorthin geflogen, um mir die Gegebenhei-

erstrebenswertes Konzept, weil es interkulturelles

ten und das Grundstück anzuschauen. Als ich nach langer Suche

Verständnis schaffen kann.

28


Wie hat sich das Konzept architekto-

Die Lehmwände dienen zusätzlich als Feuchtigkeitsregulator. Bei

nisch ausgewirkt?

hoher Feuchtigkeit nimmt die Wand diese auf und gibt sie bei tro-

Filip VoSS In der Phase des Städtebaus hieß es den

ckener Luft wieder ab. Die Heizung ist in die Wände integriert, sie

analytischen Bereich zu formen und ins Grund-

wärmt oder kühlt die Räume.

stück zu bringen. Ich habe das Grundstück in drei

Trotz der Auseinandersetzung mit den regionalen Materialien

Zonen eingeteilt. Die öffentliche Zone, in der es

möchte ich eine Architektur schaffen, die modern ist, damit die

Sportangebote, wie Fußball und Volleyball gibt.

Jugendlichen in eine neue und interessante Umgebung kommen.

Öffentlich, weil sie auch die Möglichkeit offen lassen soll, dass eine Verbindung zur Nachbarschaft

Das Projekt war ja das letzte in deinem Bachelor-

und vielleicht ein direkter Kontakt zur Umgebung

Studium. Gab es für dich neue architektonische

entstehen kann.

Gesichtspunkte?

Die zweiten Zone ist der „isolierte“ Bereich.

Filip VoSS Ich habe mich zum ersten Mal alleine mit dem Auf-

Hier können Workshops stattfinden, wie Musik,

traggeber beschäftigt. Wir mussten die unterschiedliche Bilder,

Theater, Bildhauerei etc. In der letzten und dritten

Vorstellungen und Fantasien auf einen gemeinsamen Nenner

Zone, die am weitesten von der Erschließung weg

bringen. Hier ist Kommunikation extrem wichtig. Ich denke, der

ist, ist das Refugium der Jugendlichen. Hier kön-

Job des Architekten ist es eigentlich, die Wünsche des Auftraggebers

nen sie schlafen und wohnen, sich zurückziehen,

so umzusetzen, dass dieser sich im Projekt wiederfindet und auch

aber gleichzeitig auch einen gemeinsamen Ort

selber Entscheidungen treffen kann. Der Auftraggeber soll sich mit

zum Austausch in ihrer Gruppe haben.

dem Projekt identifizieren.

Und wie wirkte sich die Umgebung

Wie war dieses Projekt in Arbeitsphasen aufgeteilt?

auf die Architektur aus?

Filip VoSS Es war so aufgebaut, dass wir zwei Zwischenprüfungen

Filip VoSS Mit der Umgebung und den Gege-

und eine Endprüfung mit Präsentation hatten. Man konnte sich

benheiten beschäftigte ich mich schon, als ich

ganz gut nach drei Blöcken richten. Als erstes war es der analytische

den Städtebau und den Genius Loci bearbeitete.

Teil, zu Grundstück, Umgebung und Bevölkerung.

Dadurch, dass das Grundstück keine wirkliche

In der zweiten Phase haben wir uns mit dem Städtebau ausein-

Randbebauung hatte, an der ich mich orientieren

andergesetzt, zusammen mit dem, was wir uns aus der vorherigen

konnte, habe ich die vor Ort stehende Kulturplan-

Phase erarbeitet hatten.

tage genommen. Mir gefiel das Bild der Kultur-

In der dritten Phase ging es dann schließlich um den Hochbau,

landschaft, dieses wollte ich als ein Kultivieren der

also darum, genau auf den Bau einzugehen und im Maßstab 1:50 zu

Jugendlichen mit aufnehmen.

planen.

Das Raster der Bäume auf dem Grundstück diente mir als Vorlage für den Städtebau. Um

Konntest du gut mit dieser Struktur arbeiten?

dem Ort aber noch näher zu sein, habe ich mich

Filip VoSS Ja, ich konnte damit sehr gut arbeiten, weil es bestimmte

mit den regionalen Materialien beschäftigt. So

Eckdaten gab, nach denen ich mich richten konnte. Die Zwi-

dient der Naturstein als Verbindung zu den nahe

schenpräsentationen halfen mir dadurch, dass ich immer wieder

gelegenen Dörfern, oder die rötlichen Lehmwände

Feedbacks erhielt auch von Gästen, Studenten und Professoren, die

als Anlehnung an die rote Erde in der Umgebung.

das Projekt zum ersten Mal gesehen hatten.

29


Wie zeigt sich euch Bachelor-Pionieren rückblickend das Bachelor Studium? Filip VoSS Ich fühl mich erstmal wirklich wohl hier. Für mich ist das Studium ein Erfolg in dem Sinne, dass ich eine Entwicklung durchgemacht habe. Ich gehe nicht mit dem gleichen Stand heraus mit dem ich hinein gegangen bin. Was natürlich auch Sinn und Zweck des Studiums sein sollte. Ich war zu Beginn auch skeptisch, ob denn alles so funktioniert bei einem neu entwickelten Studiengang, bin aber sehr zufrieden mit meinem Werdegang und mit dem ganzen Studium hier an der Alanus Hochschule. Hat sich für dich ein Schwerpunkt entwickelt? Eine Richtung in die du als Architekt gehen möchtest? Gerade weil du nun den Master in Prozessarchitektur an unserer Hochschule machst. Filip VoSS Ich hab mich für den Master der Prozessarchitektur entschieden, weil ich wirklich Interesse an der Projektentwicklung habe. Die Qualität, dass man sich mit dem Stadtraum auseinan-

» Mögliche Orte waren Saudi Arabien, Ägypten, Marokko, Portugal und schlieSSlich auch Mallorca.« dersetzt, erschien mir hier sehr wichtig. Sich nicht nur auf die Architektur zu versteifen und nur auf sein Grundstück und seinen Bau zu schauen, das war auch das, was mich gereizt hat. Ich möchte ein Projekt wirklich entwickeln und nicht nur ein Produkt schaffen. Ich sehe eine große Chance im Beruf des Architekten im Bereich der Projektentwicklung, weil wir im Endeffekt die sind, die den Entwurf abliefern und versuchen alle Dinge, die zu einem Projekt gehören mit einzubeziehen. Gerade zu Beginn eines Projektes wird vieles entschieden, was später Folgen hat, deswegen ist es wichtig, auch bei diesen Phasen dabei zu sein. Es interessiert mich also, wie ein Projekt entsteht und das ist auch das, was ich im Master-Studiengang lernen möchte. Hast du Erfahrungen gemacht wie sich die AlanusArchitekturstudenten in der Praxis behaupten? Filip VoSS Gerade die Herangehensweise an Projekte, auch mit dem künstlerischen Querdenken, das Einbeziehen des Stadtraumes und damit im größeren Kontext zu denken, ist meines Erachtens eine hohe Qualität an dieser Hochschule. Diese lerne ich mittlerweile auch immer mehr zu schätzen, gerade wenn ich in ein neues Büro komme und mal andere Architekturstudenten mitbekomme. Vielleicht lernen wir eigenständiger zu arbeiten und zu erarbeiten und keine Angst vor neuen Aufgaben zu haben. Natürlich ist das, was wir hier lernen, alles richtig und wichtig, aber schlussendlich kommt es - denke ich - immer auf den eigenen Mut an, inwiefern man sich etwas zutraut. Ja, sagen und nicht versagen und auch scheitern können. Diese Einsicht hab ich mitbekommen. Auch einfach mal machen, sich zu trauen und dabei Vertrauen zu haben, dass schon etwas entstehen wird. Ich denke, dass die künstlerische Ausbildung einen die Architektur mit anderen Blicken sehen und verstehen lässt. Es ist wichtig in unserer heutigen Gesellschaft, gerade im schnellen Wandel der Zeit, dass man auf die aktuellen Gegebenheiten eingeht.

30


31


Bachelorarbeit: Kunibertshรถfe Maren Brixius, Benjamin Maria Bauske // Bachelorarbeit // Prof. Swen Geiss, Prof. Benedikt Stahl // 8. Semester

32


Kunibertshöfe - Möglichkeiten der Nachverdichtung zwischen Vergangenheit und Zukunft

E

inführung in die Thematik Das Themenfeld der Nachverdichtung ist im gegenwärtigen Ar-

chitekturdiskurs hochaktuell und in aller Munde. Nachverdichtung findet meist in dicht besiedelten Gebieten und boomenden Ballungsräumen statt. Während in wachsenden Städten jeder Flecken Bauland revitalisiert, saniert und umstrukturiert wird, entsteht in schrumpfenden Regionen und im ländlichen Raum immer mehr Leerstand. Der Rhein-Sieg-Kreis hingegen wird aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Wirtschafts- und Dienstleistungsstandort Bonn und zur Rheinmetropole Köln immer mehr zu einer stadträumlichen Zwischenlage mit Wachstumspotenzial. Das kleinteilige Dorf Alfter-Witterschlick steht exemplarisch für diese gegenwärtige Entwicklung. In der Nähe zum unmittelbar angrenzenden Bonn, wird Witterschlick in Zukunft ein interessanter und begehrter Standort mit großer Wohnqualität. Analyse & Konzepte Die Deutsche Steinzeug, ein Keramik und Fliesen produzierendes Unternehmen ist seit der Nachkriegszeit in Alfter-Witterschlick der größte Arbeitgeber. In unmittelbarer Nachbarschaft des Werksgeländes – in interessanter Lage, als Bindeglied zwischen Ort und Industrie – steht der Kunibertshof, ein Fachwerkhof aus dem 17. Jahrhundert. Der Zahn der Zeit und ein durch Blitzeinschlag verursachter Brand haben dem einst vierseitig umschlossenen Hof so stark zugesetzt, dass lediglich das unter Denkmalschutz stehende Haupthaus an der Duisdorfer Straße bis heute erhalten werden konnte. Der einstige Obst- und Blumengarten ist verwildert und zugewuchert, der Hof verlassen. Gleichwohl hat das gut 7500 m2 große Grundstück großes Entwicklungspotenzial – aber verschiedene Einflussfaktoren wie Lärmemissionen der Industrie, Denkmalpflege und Bürgerbegehren behinderten bisher die Entwicklung. Diese Herausforderungen waren zugleich Motivation und Schwierigkeit der selbstgewählten Thesis. Das viermonatige Projekt wurde als fortlaufender und ergebnisorientierter Prozess entwickelt. Die Ergebnisse der vierwöchigen Analyse vor Ort waren Ausgangspunkt für zwei unabhängige Entwicklungsszenarien, die es gegeneinander abzuwägen galt: 1) „Stadtrandleben 2.0“ fokussiert hauptsächlich eine zukunftsfähige Entwicklung einer Stadtrandlage, die ihre ortstypische Kleinteiligkeit und dörfliche Struktur als prägendes Element bewahren soll, aber sich dennoch modernen Tendenzen wie z.B. einem Ort für junge, flexible Start-up-Unternehmer nicht verschließen soll. 2) „These Antithese Synthese!“ behandelt das

33


34


Thema der Vernetzung von Ort und Industrie. In diesem Konzept steht weniger eine dörfliche Durchmischung im Fokus der Betrachtung, hier würde die Steinzeug ein Forum schaffen, in dem der Austausch zwischen den Bürgern und den Gewerbetreibenden ermöglicht würde. Städtebau Für die daraus jeweils zu entwickelnde städtebauliche Figur wurden, basierend auf der Analyse, vielfältige Gestaltungsziele und Leitideen definiert, die die Grundlage für den Entwurf darstellen, wie z.B. eine attraktive Verbindung zwischen Industrie und Dorfkern, Immissionsschutz durch Anordnung der Gebäude, Schaffung von Plätzen und Grünflächen mit Aufenthaltsqualität für Erwachsene und Spielmöglichkeiten für Kinder, Gestaltung der Freiraumbeziehungen zwischen und innerhalb der Gebäudekomplexe, Zuordnung aller Bereiche für klare Zuständigkeiten, Unterbringung des ruhenden Verkehrs. Die Abwägung der beiden alternativen Szenarien untereinander lässt erkennen, dass Konzept 1 den höheren Mehrwert für Ort und Bewohner hat. Dies führt schließlich zu einem multistrukturellen Nutzungs- und Bebauungsvorschlag, der die Interessen aller Akteure berücksichtigt. Demnach wird der Deutschen Steinzeug im selben Maße wie allen anderen Raum zur Verfügung gestellt. Hochbau & Energiekonzept Der Entwurf orientiert sich an der Kleinteiligkeit und ortstypischen Materialität der Umgebung. Die zweigeschossigen, giebelständigen Satteldachgebäude schieben sich in unterschiedlichen Tiefen in den durch Plätze und Wege gestalteten Außenraum. Jeder Gebäudeabschnitt greift das Motiv des Hofes auf. Herzstück ist der revitalisierte Kunibertshof, der mit seinem Biergarten an den neuen Dorfplatz angrenzt. Ein nachhaltiges Energiekonzept macht die konfliktgeladene Schnittstelle zwischen Ort und Industrie zum Potenzial. Symbioseeffekte aus sinnvoller Abwärmenutzung, Brauchwasserverwertung und der Einsatz von regenerativen Energien zum Heizen und Kühlen lässt beide „Nachbarn“ voneinander profitieren. Das ganzheitlich gedachte Konzept greift die spezifischen Potenziale des Ortes auf, wägt unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten ab und entwickelt zukunftsfähige räumliche Perspektiven. Damit schlägt es eine Brücke zwischen Ort und Industrie – zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Arbeit wurde im November mit dem BDA Masters 2011 ausgezeichnet.

35


drumherum Fr端hjahrssemester 2011


Musik- und Kompositionslehre – „Architektur ist gefrorene Musik“ Text: Florian Komescher, partitur: benjamin m. bauske // BA 1.8 Musik- und Kompositionslehre // David Graham // Jahrgangsübergreifend

Als Architekturstudent ein komplettes Musikstück komponieren!

U

nter Leitung des Komponisten David Graham erprobten sich acht Studenten verschiedener

Jahrgänge darin, kleine Kompositionen zu schreiben. Nach einer Einführung in den Umgang mit und die Analyse von moderner Musik und nach einigen experimentellen Versuchen ließen sich im Selbstversuch und gemeinsam mit Anderen schnell Erfahrungen sammeln, was es braucht, um eine Partitur anzufertigen. Ziel der Veranstaltung war es, die kleinen Werke in einem Konzert im Glashaus des Johannishofs in Alfter aufführen zu lassen gespielt von Herrn Graham und zwei anderen professionellen Musikern (Rebekka Ankenbrand an der Klarinette und Bernhard Zapp am Violoncello). Dafür demonstrierten die Musiker ihre Instrumente und gaben einen Einblick in das Repertoire an Spielweisen, sodass eine gute Umsetzung der Intentionen möglich war. Genau wie in der Architektur dreht es sich also anfangs um eine Idee, die Wirklichkeit werden soll. Lediglich die Medien und das Handwerkszeug unterscheiden sich: Der Architekt ist der Komponist, der unter Rücksprache mit den Handwerkern oder Musikern sein Werk vollbringt und versucht, es so verständlich und harmonisch wie möglich auszuführen!

38


Feldenkrais – Körper, Bewegung und raum Text: Claudius Bäuml // BA 1.2 Feldenkrais // Andrea KlaSSen // Jahrgangsübergreifend Feldenkrais ist ein sehr sprechender Name und

der Universität in Tel Aviv, durch Vorträge in

vielleicht hat er mit dem, was sich hinter diesem

Europa und den USA und durch viele Kurse und

Namen verbirgt, einiges zu tun. Und da Felden-

Seminare.

krais-Übungen im Rahmen unseres Architekturstu-

Die zuletzt beschriebene Arbeit scheint im

diums veranstaltet werden, darf man annehmen,

letzten großen Abschnitt seiner Biographie

dass sich auch hier Zusammenhänge auftun.

aufzublühen und alleiniger Lebensinhalt zu

Es soll im Weiteren ein kleiner Überblick gegeben

werden. Davor zeigen sich zwei Stränge in seinem

werden, aus meiner Sicht als Feldenkrais-Neuein-

Leben, einer der eher äußeren Professionen und

steiger, über Moshé Feldenkrais als Person, über

Berufe und ein zweiter mehr innerer, der immer

seine Methode, über begleitende Texte über Raum-

wieder aufleuchtet und mehr und mehr zum

theorie und eigene Erfahrungen.

Lebensinhalt wird. Da ist zum Beispiel die schon

M

früh ausgeübte Tätigkeit als Lehrer „schwieriger“

oshé Feldenkrais Das Lesen der Biographie Moshé Feldenkrais’

Kinder, die seine pädagogischen Ambitionen

führt dem Leser ein Panorama mannigfaltiger Tätigkeiten,

ausdrückt. Dazu kommt die Arbeit am eigenen

Studien, Veröffentlichungen, Bemühungen, wichtiger Ämter – ein

Körper, namentlich in der Jiu-Jitsu-Ausbildung.

reiches Leben vor Augen.

Das Studieren der Mechanik erweckt in ihm das

Mit 14 Jahren wandert er, in der Ukraine geboren, nach Paläs-

Interesse für die Mechanik des menschlichen

tina aus. Er beschreitet einen Lebensweg, der ein wenig nach „vom

Körpers, was sehr stark in seiner Methode zum

Tellerwäscher zum Millionär“ klingt. In Palästina arbeitet er zu-

Ausdruck kommt. Auch sein Weg zum schwarzen

nächst im Straßenbau und wird schließlich Landvermesser. Er holt

Gürtel in Judo bringt ihn in dieser Hinsicht weiter.

das Abitur nach und geht nach Paris, um sich dort zum Ingenieur

Mit den Vorlesungen vor einem kleinen Wissen-

auszubilden. Darauf folgt ein Physikstudium. Während des 2. Welt-

schaftlerkreis in Schottland beschreitet er einen

kriegs hält er Vorträge vor einigen Wissenschaftlern in Schottland.

akademischen Weg, seine Methode durch Theorie

Nach seiner Umsiedlung 1949 nach Israel arbeitet er für drei Jahre

zu stützen und wagt sich zu Themen vor, die unter

im Verteidigungsministerium. Danach widmet er sich ganz der

anderem das Menschsein und die Entwicklung

Verbreitung und Lehre seiner Methode. Das tut er als Dozent an

des Menschen in den Blick nehmen. So erscheint

40


zum Beispiel ein Buch von ihm, das den Namen trägt „Der Weg

wahrzunehmen, kann nur übend erlernt und

zum reifen Selbst, eine Studie zu Angst, Sex, Schwerkraft und dem

langsam verfeinert werden und auch insofern ist

Prozess des Lernens“.

die Feldenkrais-Methode ein Lernweg.

Die Feldenkrais-Methode „Feldenkrais ist eine Lernmethode“, sagte

Eigene Erfahrungen In sehr unspektakulärer Weise

Feldenkrais selbst einmal ganz schlicht. Es stellt sich die Frage,

erlebte ich die Feldenkrais-Arbeit. Einen Großteil

was mit „Lernen“ gemeint ist. Es wird über den Körper gearbeitet,

der Zeit lagen wir auf dem Boden und führten

indem verschiedene gewohnte, aber auch sehr viele unorthodoxe

zum Teil gewöhnliche, zum Teil ungewohnte Be-

Bewegungsabläufe ausgeführt werden. Dies geschieht durch verbale

wegungen aus. Ich benötigte einige Zeit, um mich

Anleitung.

in diese Art des Lernens einzufinden. Schleichend

Wichtig dabei ist es, immer und immer wieder die Wahrneh-

stellten sich dann jedoch einige Feststellungen,

mungen zu schärfen für den eigenen Körper, seine Lage im Raum,

Fragen, Erkenntnisse ein, von denen einige hier

seine Proportionen, seine lokalen Verhältnisse innerhalb seiner

festgehalten seien.

selbst und seine Auf-Lagen. Die Wahrnehmung bleibt aber nicht

Ich schlafe ein. Das mag die horizontale Lage

auf den physischen Körper beschränkt (wobei hier „beschränkt“

mit sich bringen, aber dennoch ist mir das in weit

das falsche Wort ist, eine schier unerfassbare Wahrnehmungswelt

langweiligeren Seminaren weit weniger gelungen.

liegt in unserem Körper), sondern geht weiter und nimmt zunächst

Die Arbeit am eigenen Körper verschaffte mir

den durch den Körper „überbrückten“ oder vom Körper gebildeten

offensichtlich so viel Freiraum von allem Alltag,

(Hohl-) Räume in den Blick, um sich schließlich auf Bewegung und

dass ich „loslassen“ konnte. Ich merkte nie

die Richtung derselben zu fokussieren.

einen Unterschied zwischen rechter und linker Körperhälfte, wohl zwischen der Qualität „links“

Feldenkrais und Architektur Körper- und Raumwahrnehmung sind

und „rechts“, aber die zugehörigen Körperhälften

wohl die wichtigsten Säulen der Feldenkrais-Methode. Und eigent-

waren gleich. Die Bewegungsabläufe ließen sich

lich sind genau diese Qualitäten nötig, um architektonisch tätig sein

von beiden Seiten gleich gut ausführen. Ich fühlte

zu können. Konrad Wiesendanger, ein Feldenkraislehrer, fasst die

mich insgesamt in meinem Bewegungsapparat

darin liegende Problematik so in Worte: „Allerdings, und das ist

wenig eingeschränkt. Das bezieht sich natürlich

meine Überzeugung, tun wir uns in der Diskussion der Qualität von

auf meine subjektive Wahrnehmung, vielleicht

Raum so schwer, weil wir nicht über eine ausgebildete Körper- und

war der äußere Anblick ein anderer …?

Raumwahrnehmung verfügen. In diesem Sinne kann die Felden-

Die Fragen und Erkenntnisse bezüglich Felden-

krais, die die Selbstwahrnehmung thematisiert, einen positiven

krais gingen immer eng verknüpft nebeneinander

Einfluss auf die Gestaltung unserer Umwelt ausüben.“

her. Einiges geht vielleicht schon aus meiner

Alles, was architektonisch sinnvoll und angemessen konzipiert ist, orientiert sich am menschlichen Maß. Oder, falls nicht, dann

vorangegangenen Darstellung hervor. Es war für mich spannend, Aspekte von Schu-

ganz bewusst. Insofern ist die Körperwahrnehmung, im doppelten

lungsweg, von Therapie, von Entwicklung und

Sinne, von großer Bedeutung.

von „Arbeit an sich selbst“ zu entdecken. Dabei

Die Raumwahrnehmung nun nimmt Bezug auf unseren Körper.

fragte ich mich, was unter „Körper“ verstanden

Aber wie? Raum scheint zunächst außerhalb von uns zu sein.

werden kann, und welche Möglichkeiten es gibt,

Alle Elemente, die den Raum prägen, die ihn bewegen, erstarren,

über ihn auf das Innere des Menschen zu wirken.

beschwingen, durchdringen, durchlüften, befinden sich außer uns

Die seelische Befindlichkeit des Menschen

und sind meist architektonischer Natur. Beginne ich nun, eben

drückt sich, zumindest nach einiger Zeit, im

angeführten Raum zu betrachten, wahrzunehmen, beginne ich, im

Körperlichen aus, man denke an vom Leben

Geiste das nachzutun, was der Raum mir zeigt. Dieses Nachahmen

gezeichnete Menschen. Durch Feldenkrais kann

der Gesten, Formen, Gebärden und Motive der Raumerscheinun-

also, zunächst auf ganz körperlicher Ebene, alles

gen schlägt sich oft bis ins Körperliche nieder. Dabei befinden sich

was Blockade, Verspannung, Verkrampfung,

die Vorgänge der Wahrnehmung und Wahrnehmungsauslösung

(Bewegungs-)Muster ist, nach und nach erkannt

in ständigem Wechselspiel und erzeugen in dauernder Wechsel-

und günstigstenfalls aufgelöst werden. Durch das

wirkung das Wesen eines Ortes im Menschen. Einem Außenraum

Erüben neuartiger, unkonventioneller Bewe-

gehört also immer auch ein Innenraum im Menschen an, der auf

gungsabläufe, kann sich diese neue Sicht der Din-

einen Ort räsonieren kann. Was das konkret in einem städtebau-

ge auf die seelisch-geistige Ebene übertragen. Den

lichen Kontext bedeutet, formuliert Bernhard Hoesli 1989 so:

Gedanken, dass sich das Geistige in das Physische

„Architektonisch-städtebauliche Urbanität entsteht dank der gestal-

im Menschen einprägt, führt zum Beispiel Rudolf

teten Beziehungen zwischen Baukörpern und Raumkörpern. Man

Steiner aus, er spricht sogar davon, dass dieser

muss sich das Städtische räumlich als ein Kontinuum vorstellen,

Vorgang sich immer weiter fortsetzt.

in welchem Baumassen und der Raum zwischen den Baumassen

Wenn Feldenkrais sagt, es handle sich bei

komplementäre Erscheinungsformen sind. Masse und Hohlraum

seiner Methode um Lernen, dann steht dieses

bedingen sich gegenseitig, sie ergänzen sich zum Ganzen; sie sind

Lernen nach meinen Erfahrungen mit Feldenkrais

gleichwertig und ebenbürtig. Sie kommunizieren.“

in einem sehr umfassenden, die Entwicklung des

Das Urteil darüber, dass Baumassen kommunizieren, schöpft der Mensch aus oben genanntem Innenraum, der das Wesentliche des Kommunizierens erkannt hat. Die Fähigkeit, Raum und Körper

Menschen in den Blick nehmenden Kontext. In diesem Sinne möchte ich Feldenkrais auf jeden Fall im Hinterkopf behalten …

41


Eurythmie – was ist das? Text: Raphael Fuss // BA 1.4 Eurythmie // prof. Melaine MacDonald // Jahrgangsübergreifend Das ist doch die Bühnenkunst, bei der fast nur

eine Übung

Frauen in wallenden Kleidern über die Bühne

▶ Herumgehen im Raum mit Fokus auf den Füßen und die Art

huschen und dabei tolle Bewegungen vollfüh-

wie man abrollt, auftritt , gibt es Unterschiede zwischen den

ren. Dazu wird meist ein Text gesprochen oder ein

Füßen? Abrollen von der Ferse zu Zehenspitze.

Musikstück gespielt.

▶ Beschleunigtes Gehen mit Fokus auf die Füße sowie den Bewegungsablauf der Arme, das beim Gehen von selbst entsteht. Das

S

o in etwa ist mir Eurythmie immer begegnet. Es war mir dabei

Zusammenspiel wahrnehmen.

klar, dass dabei etwas Wesentliches kommuniziert wird. Nur

▶ Steigern der Geschwindigkeit bis hin zum Rennen. Hierbei

was? Bewegung und Sprache sind in einem ständigen Zusammen-

ebenfalls die Bewegungsabläufe wahrnehmen, Druckverlauf in den Beinen, Spannung im Körper. Abrollen von der Zehenspitze

spiel. Die Aussage des Gesagten findet sich in der Geste wieder.

zur Ferse zur Zehenspitze.

Die Geste, die ein Wort begleitet, bestimmt im Wesentlichen seine

▶ In der Gruppe spontan vom Gehen ins Rennen übergehen. Der

Aussage, es heißt nicht um sonst Körpersprache.

Moment des Geschwindigkeitswechsels gleicht einer Spontanzün-

Es gab zu Beginn des 20Jh. Mehrere Bewegungsformen mit

dung.

Namen Eurythmie, mindestens drei. Die von Rudolf Steiner

▶ Nebeneinander her gehen. Wie beeinflusst man sich gegenseitig

ausgehende Bewegungsform der Eurythmie hat ihren beginn ca.

z.B. im Schritttakt etc.?

1911. Es ist der Versuch, aus der Bewegung heraus zur Heilung und

▶ Verlangsamen des Tempos bis hin zum sehr gemächlichen

zum Ausdruck zu gelangen. Früher war die Eurythmie als Tanz

Spazieren und verschiedene Gehweisen durchspüren.

und Bewegungsform für sich stehend. In der heutigen Zeit ist die

▶ Stehen.

Eurythmie individueller geworden und steht je nach Interpret in einem anderen Zusammenhang, wie z.B. Kultur, Tanzform... Es ist also die Frage wo beginnt Eurythmie und wo beginnt die „normale“

Meine Beobachtungen

Bewegung. Die Tanzform der Eurythmie hat gewissermaßen das

▶ Verschiedenes Wahrnehmen der Füße.

Gefühl als Verständnisgrundlage.

▶ Auftritt auf Ferse ist unangenehm, Impuls geht durch den

Um dieses Gefühl zu entwickeln zu können braucht es eine

ganzen Körper.

gezielte Beschäftigung mit unserer Körperbewegung und den damit

▶ So gemächlich zu spazieren kommt fast nie vor evtl. beim

einhergehenden Gefühlen. Um eine Sprache zu verstehen müssen

Telefonieren, beim Warten auf die Bahn.

wir uns mit der Sprache beschäftigen, sie durch sprechen und

▶ Die anderen sind am Bewegungsfluss maßgeblich beteiligt.

spielen durchdringen. Wie fühlt es sich an wenn eine Bewegung bis in die Fingerspitzen erspürt wird? Die Gesten werden bewusst und dadurch auch bei dem Gegenüber erkennbar und lesbar. Es ist z.B.

Diese Übungen sind meiner Meinung nach vergleichbar mit dem

möglich, sich durch zuschauen in die Bewegungen und dadurch in

Brabbeln beim Sprechen lernen. Die Beschäftigung mit Eurythmie

die Wahrnehmung des anderen zu versetzen. Je besser wir unsere

ist in Hinblick auf die Architektur wertvoll, weil es mir die Mög-

Bewegungen durchdringen desto klarer können wir den gegenüber

lichkeit gibt z.B. die Bezüge in einem Raum klarer zu erfassen

verstehen, auch ohne Worte. Unser Einstieg in die Eurythmie war

und durch das klarere Erspüren der Zusammenhänge mit dem

experimentell, wir wurden nicht geschult, sondern studierten selbst.

Entwurf der Bestandssituation etwas Sinnvolles hinzuzufügen.

42


Schauspiel – Wer ist schuld? Text: Annett Hillebrand // BA 1.6 Schauspiel // Bernd DreSSen // Jahrgangsübergreifend Schuld war eigentlich Wolfgang M.!

Und langsam wurde aus dem anfangs bruchstückhaft gebrabbelten, von stereotypen Bewegungen der Arme und starrem Blick begleiteten, in weiten Teilen

A

ls er in seinem Vortrag, in der ihm eigenen, sehr überzeugenden

sehr lückenhaft hervorgebrachten Text, ein zusammenhängendes, lebendiges und

Art und Weise zum Ausdruck brachte, dass Architekten „mehr

emotionsgeladenes Theaterstück, in dem die Stühle flogen, sich die einst introvertierte

als nur planen sollten, dass sie sich selbstverstääändlich auch dem

Studentin durch den südländischen Charme des Salvatore Dali von einer ganz neuen

Schönen zuwenden sollten, der Kunst, der Musik, dem Schauspiel…

Seite zeigte und sich die niederländische Starrheit auf zauberhafte Art und Weise löste.

nich wah, sie verstehen was ich meine …“ hatte ich eigentlich keine

Wir alle haben die Aufführung überlebt, das Publikum übrigens auch. Bei Un-

andere Wahl mehr und ließ mich auf das Experiment Schauspiel

mutsbekundungen von dessen Seite hätten wir unser Selbstbewusstsein sowieso mit

ein. Immerhin hatte ich ja schon mit Ulrike P. während eines Schau-

Fritz Kortners Spruch „Die Premiere litt unter Fehlbesetzungen im Zuschauerraum.“

spiel-Workshops innerhalb des Hochschulgesprächs am eigenen

wieder in angemessene Höhen getrieben.

Leib erfahren dürfen, was es heißt, ungehemmt, mit voller Hingabe

Apropos Bewusstsein: Wenn man erst mal die Hemmungen und die Zurückhal-

und unter Aufgabe der eigenen Identität (ich glaub ich war ’ne

tung abgelegt hat, ist Schauspiel eine wunderbare Möglichkeit der Bewusstseinserwei-

Schildkröte, oder doch der Hund? Nee, irgend ’n Fabelwesen) durch

terung.

den Mozartsaal zu kriechen. (Ben B. sei an dieser Stelle gesagt, dass

Da capo! Bernd und danke Wolfgang M. Ich würd’s immer wieder machen!

diese Erfahrung fast so schön ist wie dat härrrliche Lebensjeföhl in unser beider Lieblingsstadt). Derart positiv vorbelastet begann dann im FS 11 mit zehn weiteren Architekturstudenten die wunderbare Reise in die unbekannten Tiefen der eigenen Ausdruckskraft. Wir modellierten, wir flogen, flossen und strahlten. Innerlich kreischten, fluchten, schmunzelten wir, während wir als Speere durch Semi 9 schossen, uns wie ein U-Boot durch die Gewässer schoben, als zwitschernde Vöglein die Grenzen der eigenen Beweglichkeit erfuhren. Irgendwann war uns nichts mehr peinlich, die Hemmungen fielen ab und machten einer befreienden Ausgelassenheit Platz … Dann kam der Text: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden (H. v. Kleist) Eine gewisse Affinität zur Komplexität der deutschen Sprache und der Ausdrucksweise des Herrn von Kleist, sollte man schon mitbringen, wollte man das Modul erfolgreich abschließen und vor allem die angekündigte Aufführung am Ende des Semesters überleben. Die tief in sich verschachtelten, sich dem direkten Verständnis eines normal begabten Studenten verschließenden, unendlich lang erscheinenden Sätze in diesem 200 Jahre alten Kleist-Brief an Rühle von Lilienstern forderten schon eine gewisse Geduld, vor allem die des Dozenten Bernd Dreßen, bei dem Versuch uns den Text nahe zu bringen. Als kluger Schachzug erwies sich da seine Vorgabe, dass wir uns in die Rolle mehr oder weniger bekannter Personen aus der Öffentlichkeit hineindenken sollten, um deren Ausdrucksweisen, ihre Art sich zu bewegen und zu reden zu übernehmen. Und so rezitierten plötzlich Angela Merkel, Stefan Raab, Gülcan … wer?, Alfred Biolek, Salvador Dalí, Günter Netzer den alten Kleist!

dass Architekten … „ mehr als nur planen sollten, dass sie sich selbstverstääändlich auch dem Schönen zuwenden sollten, der Kunst, der Musik, dem Schauspiel...nich wah, sie verstehen was ich meine …“

43


See! colour! architektur und farbe Text: hanna kosche // Exkursion zur Farb-Tagung nach Järna (SE) // Prof. Pieter v.d. Ree, IONA-Stiftungsprofessur für Organische Architektur // Jahrgangsübergreifend Es geht darum Räume mit Farbe zu veredeln. Farbakzente setzen in neutralem (grauem) Wenn die Farbe selbsterklärend ist, haben wir die

Hintergrund.

Dinge richtig gemacht. So wenig Farbe wie notwendig und die einfachste Wenn man eine konkrete Farbgestaltungsaufgabe

Art ihrer Anwendung.

hat, soll man sich in den Raum hinein fühlen, welchen Freund man hier hinein holt und welchen

Wir können unterschiedliche Farben wählen,

besser nicht. Wichtig für Farbgestalter ist ein

aber die Farben sind bestimmte Wesen und haben

präzises Gefühl wie viel Ausdehnung und wie viel

bestimmte Eigenschaften.

Zusammenziehen ein Raum braucht. Durch diese objektive Beziehung haben wir Wenn man die Farbe verändert, verändert man

die Möglichkeit, etwas für die Gemeinschaft zu

das Formgefühl.

erschaffen.

Für verschiedene Menschen braucht es unter-

Es geht darum, eine Beziehung aufzubauen mit

schiedliche Wege und unterschiedliche Farben.

allen Farben, eine persönliche Freundschaft zu

Wenn ich purpurrot angezogen bin und da ist

entwickeln, jedoch keine Lieblingsfarbe zu haben.

eine blaue Wand, entsteht ein Klang. Wenn ich es verstehe, kann ich mit der Wirkung umgehen.

Um die Form zu verstehen brauchen wir die Farbe.

Man solle die Farbe fragen: „Meine Liebe, könntest du dir vorstellen dich an dieser Wand wohl

Das Haus in einer Farbe zu streichen schafft,

zu fühlen?“

Probleme. Erholsam sind viele Farbtöne mit unterschiedlicher Lichtfrequenz. Monoton

Eine Farbe tut mir nichts, der Übergang von Farbe

langweilige Raumgestaltung erzeugt Müdigkeit,

zu Farbe ist das, was wirkt.

Desinteresse und bei Veranlagung Antriebslosigkeit und Depression.

Der Beginn einer objektiven Beziehung ist möglich, indem wir die Farben immer wieder neu

Architektur ist eigentlich nur Farbe.

erleben, sie teilen uns dann mit, was sie sind. Wir sehen erst die Farbe und dann die Form. Wenn der Mensch die Farbe braucht, nimmt er das an, wenn er sie nicht braucht, lässt er sie

Architektur kann durch Farbe komplett verändert

stehen.

werden.

Farbe kann sich auf verschiedene Weise manifes-

Versuche den Farbton zu treffen, der zur Aufgabe

tieren. Es müssen nicht immer die Wände sein,

passt.

der ganze Raum soll mit einbezogen werden. Farben haben eine ordnende Funktion und dienen

Nicht die Wand als Leinwand sehen, sondern

der Orientierung.

die Übertragung einer Bildkomposition auf den ganzen Raum ist die Kunst der Farbgestaltung.

Nicht alle Räume vertragen alle Farben.

44


45


Exkursion New York city Text: Prof. Benedikt Stahl // Exkursion // Jahrgangsübergreifend Wolkenkratzer, belebte StraSSen und der weitläufige Central Park - Mitte September besuchten Architekturstudenten der Alanus Hochschule gemeinsam mit ihren Dozenten New York.

B

enedikt Stahl, Leiter des Fachbereichs Architektur erzählt an dieser Stelle von seinen

Eindrücken: „Mensch, erzähl mal, war´s denn schön in New York?“ Zurück auf dem bunten Flur am Campus II und doch noch mit einem Ohr oder sagen wir mal mit einer Hälfte immer noch irgendwie in dieser wahnsinnigen Stadt. Ob es schön war kann ich nicht sagen. Wohl, dass es intensiv war, superhoch, total sicher, voll warm, echt cool und unheimlich laut. Die Geschichte der Stadt kennenlernen, den Ground Zero besuchen, die

Stadtsilhouette von Staten Island aus skizzieren. Kollegen an der Cooper Union begegnen, Ellie´s Cheese-Cake essen, den Jazz hören. Richard Meyer besuchen, den Sound der Stadt aufspüren, durch den Central Park biken, die High-Line erkunden. Filmschauplätze bestaunen, bei Katz Deli Pastramibrote frühstücken, über die Brooklyn Bridge laufen, auf Coney Island den Rand der Stadt suchen. Dann natürlich noch MOMA, Guggenheim, MET, Empire State, Rockefeller, Chrysler, 5th Avenue, Greenwich Village, Soho,

46


Chelsea, Brooklyn, Queens, Burger King, Coca Cola, Shoppen, Shoppen, Shoppen, Subway, Air Train, Hudson, Eliot´s Birthplace und natürlich jede Menge Fotos. Wer Lust hat auf mehr davon, kann uns gerne im Fachbereich besuchen, die „sky-scraper-Bilderwand“ ansehen und die Mitreisenden auch heute noch von dieser unvergesslichen Reise in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten schwärmen hören.

47


PROJEKTE Herbstsemester 2011


Mittwochsforum der stoff aus dem die häuser sind Text: Söhnke Schröder // ringvorlesung // Prof. Nikolaus v. Kaisenberg + Gäste Im letztjährigen Herbstsemester wurde im Rah-

entsprechende Baustoff für dieses Motiv könnte

men des Lehrgebiets für Architektur und Gesell-

Glas sein. Aus dessen Logik entsteht dann wieder-

schaft das Mittwochsforum unter das Thema

um die Gebäudegestalt.

Materialität gestellt. Hierzu wurden wieder Gäste aus verschiedensten Lebensbereichen eingeladen, um den Studenten einen möglichst breiten Zugang zum Thema zu ermöglichen.

Eine andere Möglichkeit ist es, die Materialität dem Bauort zu entnehmen, z.B. Backstein in Norddeutschland oder Schiefer im Harz etc. Auch aus der Konzeptidee lassen sich nach Aldingers Worten Rückschlüsse auf die Materialität ziehen. So kann man beispielsweise bei

D

r. Sascha Peters erläuterte den Studenten in seinem Vortrag „Na-

einem Hospiz versuchen, mit der entsprechenden

turnahe Materialinnovationen“ die Ressourcenknappheit der

Materialität, einen Krankenhauseindruck zu

heutigen Zeit und äußerte die Auffassung, dass es neuer Werkstoffprinzipien bedürfe, um dieser Herausforderung zu begegnen.

vermeiden. Für Prof. Peter Hübner ist die Einbeziehung

Während seines Vortrags präsentierte er außerdem einige

des Nutzers in den Entwurf von entscheiden-

Muster dieser neuen Werkstoffe, die unsere Zukunft maßgeblich

der Bedeutung. Er machte in seinem Vortrag

gestalten werden.

„Hand und Auge“ darüber hinaus deutlich, wie

Prof. Jörg Aldinger führte uns in das Material unter dem Blick-

er auch immer wieder durch Improvisation bei

winkel des Entwurfsprozesses ein. Hierbei stellte er in seinem Werk-

der Beschaffung von Baumaterialien zu neuen

bericht den unterschiedlichen Stellenwert des Materials im Entwurf

Konstruktionsformen aus dem Material heraus

unter Berücksichtigung der jeweiligen Bauaufgabe dar.

gekommen ist.

Die Gestalt eines Gebäudes kann nach Aldingers Auffassung z.B.

9° Architecten legte ebenfalls einen Werkbe-

maßgeblich durch die Konstruktionslogik des Werkstoffes bestimmt

richt ab. Peter Breidenbach informierte über den

sein.

Baustoff Lehm und seine zahllosen Eigenschaften.

Die Gestalt kann aber auch aus der Orientierung eines Gebäudes entstehen. Hierbei muss das Material aber „leise sprechen“. Ein weiterer Weg zur Gebäudegestalt kann ein metaphorischer sein, hierbei ergibt sich die Materialität durch das Entwurfsthema

Prof. Marek Nowak von Gerkan Marg und Partner informierte die Studenten über die Eigenschaften von freitragenden Membrandächern. Weitere Gäste waren: Dipl. –Ing. Klaus Stö-

als inneres Bild. Ein Beispiel: Zu dem Begriff Medienlassen sich

cker, Dr. Ing. Hans Löfflad, Freie Planungsgruppe

Glätte, Transparenz und Flüchtigkeit assoziieren. Der diesem Motiv

7 sowie Dipl. –Ing. Karl Schmidt.

50


White Cubes bildhauer + architekten Text: Peter Baumgardt // BA 4.1 Einführung in das Bauen // Prof. Benedikt Stahl // 1. Semester

E

Entwurf geeinigt hatten, wurde es konkret. Auf-

Semesters im Raumlabor am Campus II, um sich von Beginn an

stellungsorte mussten gefunden und Baumate-

in Interdisziplinarität zu üben. Dazu aufgerufen wurden sie von

rialien beschafft werden. Die erste Frage wurde

Andreas Kienlin und Benedikt Stahl, die beschlossen hatten, dass es

durch einen gemeinsamen Erkundungsgang über

an der Zeit wäre für ein gemeinsames Projekt, das sich um die Be-

die beiden Campus und durch Alfter geklärt, die

ziehung von Raum und Kunst in der Ausstellung drehen sollte. Die

zweite durch gemeinsamen Einfallsreichtum und

Auseinandersetzung würde aber nicht theoretisch bleiben, sondern

Organisationsfähigkeit: Eine Gruppe lieh sich

zu praktischen Ergebnissen führen. Die Studenten sollten “White

hunderte Plastikkisten, von einem Zelteherstel-

Cubes” bauen, transportable “begehbare Volumen”, die sich auf dem

ler erhielten wir Schnittreste von PVC-Planen,

Hochschulgelände aufstellen lassen, und in denen Kunst ausgestellt

außerdem organisiert wurde Verpackungssperr-

werden kann.

holz, weiterhin Schleiernessel als Stoff für die

nde September 2011 versammelten sich an einem Dienstagmorgen die angehenden Architekten und Bildhauer des ersten

Nachdem Bene und Andreas den Projektrahmen vorgestellt hat-

Nachdem alle Gruppen sich auf jeweils einen

Außenhaut, im nahen Wäldchen fanden sich

ten, wurde bis zum Mittag geklärt, welche Kriterien für unser Un-

junge Kiefern, die gefällt werden durften, und

terfangen wichtig sein könnten. Es wurde gemeinsam eine Liste mit

was noch fehlte – hauptsächlich Dachlatten und

folgenden Aspekten erstellt: Material, Ort, Größe, Licht, Transpa-

Schrauben – wurde im Baumarkt besorgt. Das

renz, Atmosphäre, Bewegung, Leichtigkeit, Innen, Außen, Eingang,

Bauen selbst verlief ebenso unterschiedlich wie

die Beziehung zwischen Raum und Kunst und einiges Weitere.

die Planungen. Während in einer Gruppe der

Damit ausgestattet machten wir uns in den einzelnen, aus Architek-

Entwurf 1:1 umgesetzt wurde, ergaben sich in

ten und Bildhauern zusammengewürfelten Gruppen an die Arbeit.

anderen Gruppen aus der Begegnung mit dem Ort

Dabei ergaben sich schnell einige Fragen: Wo fangen wir überhaupt

und den Baumaterialien unerwartete Hindernisse

an? Was ist uns wichtig? Wie geht das eigentlich? Welche Form soll

oder neue Möglichkeiten, die die endgültige Form

unser White Cube haben? Und warum diese? Aus was bauen wir

deutlich veränderten.

eigentlich? Und wo? Sollen wir nicht einfach anfangen? Oder doch

Bei der gemeinsamen Begehung unserer Bau-

erst planen? Es wurde munter diskutiert, es wurden Modelle aus

ten wurde deutlich, dass die zu Beginn formulier-

Ton, Holz und Pappe gebaut, Zeichnungen angefertigt, Aufgaben

ten Ansprüche auf verschiedene Weise eingelöst

verteilt, und Entscheidungen getroffen. Es stellte sich heraus, dass

wurden. Bilder wettergeschützt ausstellen, ließen

die minimalen Vorgaben, die wir hatten, dazu führten, dass wir uns

sich genau in einem White Cube, Skulpturen

über alle oben genannten Fragen in der Gruppe einig werden muss-

konnten immerhin in drei White Cubes ausgestellt

ten, da im Prinzip so ziemlich alles möglich war. Die Diskussionen

werden. Zwei Bauwerke, eine Spirale aus blauen

liefen, abhängig von den Vorstellungen und der Kompromissbereit-

Kisten und eine zwischen zwei Bäumen hängende

schaft der Gruppenmitglieder, mal mehr und mal weniger kontro-

Glocke, schienen jedoch als Ausstellungsräu-

vers, harmonisch oder zielführend ab. Der jeweilige Arbeitsstand,

me völlig ungeeignet. Die Entwürfe hatten sich

also die Modelle, Zeichnungen und Ideen, wurden am Ende des

zwischendurch verselbstständigt und waren mehr

Tages im Plenum gemeinsam mit Andreas und Bene besprochen,

selbst zur Skulptur geworden. Insgesamt war die

kommentiert und ausgewertet. Der Anfang war gemacht.

Veranstaltung genau das, was sie sein sollte: Eine

Unserer Road-Map folgend, die vorsah, vier Wochen zu planen,

“Einführung in das Bauen.” Wenn auch im kleinen

vier Wochen zu bauen und zwei Wochen zu genießen (bzw. doch

Maßstab, so doch mit allem Drum und Dran. Und

noch weiterzubauen, zu fotografieren und zu zeichnen), arbeiteten

ein weiterer, nicht zu unterschätzender Neben-

wir jeden Dienstag an unseren Räumen, und bei Bedarf auch mal

effekt: Wenn man auf dem Johannishof bei den

montags oder freitags oder zwischendurch.

Bildhauern ist, fühlt man sich fast wie zuhause.

52


Ruben Sommer, Peter Baumgardt, Mia Idstad (B), Milena Volke (B), Laura Ries (B)

Isabella Di Prima, Luca Bangrazi, Oliver Ewy, Tobias Löblich (B), Heidi Hildebrand (B), Tom Waldbillig (B)

Julius Heek, Florian Höger, Sebastian Stahl (B), Frieder Falk (B)

Lars Daigger, Johanna Schäfer, Argia Wehner (B), Christiane Wien (B), Uta Bieber (B)

Georg Kreuer, Uwe Hugendick, Saskia Nettekoven, Cedric Müller (B), Jörn Friedrich (B)

53


54


55


Laacher See „(T)Räume am see“ Text: Marek NoWak // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester

56


D

ie mittelalterliche Klosteranlage Maria Laach

ständig verändern. Die Wasserfläche des Sees mit seinen etwa zwei

in der Eifel zählt zu den schönsten roma-

Kilometern Breite und drei Kilometern Länge zieht viele Menschen

nischen Baudenkmälern Deutschlands. Die ab 1093 erbaute Klosterkirche der Abtei Maria Laach

magisch an. Das Thema der Semesterarbeit Projekt 3 -„T-Räume am See“ ist

geht auf eine Stiftung des Pfalzgrafen Heinrich

die Entwicklung eines Gebäudekonzeptes für Bootsverleih und Café

II. von Laach zurück. Sie befindet sich an der

am Ufer des Laacher See. Dieses soll inhaltlichen, funktionellen,

Westseite des Laacher Sees, der um 10.000 v.

architektonischen und landschaftlichen Bedürfnissen des Ortes

Chr. durch Vulkanismus entstand und heute mit

gerecht werden. Ziel dieser Semesteraufgabe ist eine verstärkte Aus-

seinen Uferrundwegen ein beliebtes Ausflugsziel

einandersetzung mit der Wechselwirkung zwischen Entwurf und

für Wanderer und Radfahrer ist. Der Laacher See

gestaltgebender Konstruktion. Es kommt darauf an, die Prägung

wirkt wie ein großes Auge, das sich im Wandel

und den Charakter des Orts zu erkennen, um diese Bedingungen in

der Jahreszeiten und bei wechselnder Witterung

den Entwurf einzubeziehen.

57


Laacher See „(T)Räume am see“ Klara Esch // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester

D

ie Aufgabe, ein Café mit Bootsverleih am Ufer des Laacher Sees zu entwerfen, gestaltet sich

insofern schwierig, als dass ein solcher Ort umso schöner wird, je naturbelassener er bleibt. Daher sollte ein dort gelegenes Gebäude möglichst zurückhaltend sein und der Natur Raum lassen. Der Entwurf versucht diesen Grundsatz zu befolgen, indem das Café mit einer Fläche von ca. 35 m2 möglichst klein belassen wird und durch seine Positionierung am Rande der Bebauungsfläche den Besuchern möglichst viel freien Raum lässt. Durch seine Orientierung Richtung See und der zunehmenden Einbindung in die Natur nach hinten soll dem ankommenden Besucher zunächst ein möglichst ungestörter Blick auf den See ermöglicht werden. Erst wenn sich dieser nach einer Rast, einer Sitzmöglichkeit, einem Kaffee, einem Toilettengang, oder auch einer Bootsfahrt sehnt, soll das Gebäude in den Vordergrund treten. Der einzige Moment, in dem das Gebäude nicht möglichst zurückhaltend sein muss, sondern Aufsehen erregen kann, ist derjenige, in dem der Betrachter vom Wasser aus zurückblickt. Hier kann ein Akzent in der Landschaft durchaus wünschenswert und spannend sein. Der Entwurf versucht durch einen strahlend weißen Rahmen diese Ansicht interessant werden zu lassen. Die Materialen Holz und Glas bieten sich insofern an, als dass ersteres sich nicht störend aus dem Wald hervorhebt und letzteres die nötige Transparenz bietet, die zum genießen der Aussicht erste Priorität ist. Um die Orientierung Richtung See zu unterstützen, nimmt der Glasanteil von hinten nach vorne immer mehr zu, gipfelnd in der 3x6m großen Glasfront.

58


Laacher See „(T)Räume am see“ Moritz Kasulke // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester

A

m Fuße des Klosters entsteht direkt am Wasser das malerisch gelegene Café mit angeschlos-

senem Bootsverleih. Es lädt den Besucher mit seinem großangelegten hölzernen Steg mit integrierter Sitzmöglichkeit zum Verweilen ein und bietet für sportlich Interessierte die Möglichkeit des Ruderbootfahrens. Das futuristisch anmutende Café, mit einer Abmessung von 14,7 x 7,5m, besteht aus einer Cortenstahl-Rippenkonstruktion, welche sich farblich in die natürliche Umgebung einpasst. Großzügig angelegte punktgehaltene Glaselemente, sowie eine begehbare Verglasung sorgen zudem für eine der Landschaft würdig werdende Transparenz und erlauben, die Natur zu genießen.

59


Laacher See „(T)Räume am see“ Elias Schley // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester

D

er Entwurf des Cafés mit Bootsverleih, am Ufer des Laacher Sees, versucht den

vernachlässigten Platz zu einem Ort zu machen. Die Natur um den Steg soll wieder belebt werden, damit die Besucher das Naturschutzgebiet als solches auch erleben. Die erste Maßnahme: Die Begrünung des Platzes. Anstatt des Kieselbodens soll eine Wiese dazu einladen länger zu Verweilen, dass Kinder spielen können, oder man ein nettes Picknick machen kann. Der Platz soll zu einem Ort werden, an dem junge wie alte Menschen Lust haben sich aufzuhalten. Weg und Platz möchte ich voneinander sichtbar trennen, um Ruhe entstehen zu lassen. Durch die gemeinsamen Form der angelegten Hügel und des Steges wird der Platz umarmt und es erschließt sich ein neuer Raum. Sitzplätze auf dem Steg, sowie am Hügel sollen vielfältige Aussichtsqualitäten schaffen. Neben der Nutzung als gemütliches Café soll dieses auch als Bootsverleih dienen. Das Gebäude entspringt aus der geformten Umgebung und ist Teil des schwungvollen Steges, aber noch auf dem Land liegend. Ob am Land auf der Wiese liegend, auf dem Steg in die Weite schauend, auf dem Wasser rudernd, oder im Café sitzend, der Bezug zur Natur soll niemals verlorengehen. Aus diesem Grund wählte ich eine rippenartige, filigrane Holzkonstruktion, deren einzelne Felder mit Glasflächen versehen werden. Außen und Innen gehen ineinander über. Keine Fassade, nur die natürlichen Materialien Holz und Glas sind sichtbar und sollen über die Jahre ihre Vergänglichkeit nach außen zeigen. Die Form des Gebäudes entsteht aus dem Schwung des Steges, baut sich in seiner filigranen Konstruktion sichtbar in die Höhe auf und wieder ab. Eine leichte Neigung der Holzrahmen zum Wasser hin soll den Schwung des Steges verstärken.

60


Laacher See „(T)Räume am see“ Claudius Bäuml // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester

M

aria Laach ist Kulturstätte seit der Erbauung der Klosterkirche im Jahr 1093.

Unseren Projektstandort, unweit des Klosters, wollte ich durch eine kleine Landmarke, eine Art Sonnenuhr, die an bestimmten Tagen im Jahreslauf Bezüge zur Sonnenbahn schafft, markieren. Auf diese ist die Geometrie der Platzgestaltung, einschließlich des Cafés ausgerichtet. Das Café öffnet sich mit einer Glasfassade zum See hin und schließt mit einer wuchtigen Basaltstein-Wand zum Platzrand ab.

61


62


Flender – graffenstaden elsässer Haus Text: Benedikt stahl // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester Die Geschichte vom Elsässer Haus beginnt mit

für Aufregung, indem sie eine große gewölbte Stahl-Glas-Hülle um

einem Anruf aus Illkirch bei StraSSburg und der

das alte Häuschen stellen. So entsteht ein neues, kräftiges Symbol

Anfrage, ob wir Interesse daran hätten, kleine

und das denkmalgeschützte Relikt aus vergangenen Tagen wird

Entwürfe für die Umnutzung eines alten und in

gegen Wind und Wetter geschützt. Avila Dietrich und Klara Esch

die Jahre gekommenen Fachwerkhäuschens auf

mögen es „cool“. Sie schlagen vor, das Haus um einen Eingangspa-

dem Werksgelände der Firma Flender Graffenst-

villon zu ergänzen und nutzen die Raumhöhe der Halle, um mit

aden zu erarbeiten. Der Initiator des Projektes,

Podesten verschiedene Raumzonen und Nutzungsmöglichkeiten

Herr Uwe Bierwirth, Geschäftsführer der groSSen,

zu erzeugen. Schwarz-weiße Raumteile kontrastieren mit fröhlich

weltweit vernetzten Stahlbaufirma, kennt die

bunter Möblierung. David Richardoz und Frauke Zahl erfinden ein

Alanus Hochschule über seine Tochter, die hier

dreidimensionales Labyrinth mit vielen Treppen und Ebenen und

BWL studiert hat. Auf dem Weg zu neuen und unge-

schaffen somit unterschiedlich große Räume und Plätze für Gesprä-

wöhnlichen Innenraumideen für die Nutzung des

che, Verhandlungen und Versammlungen. Simon Lucas nimmt die

alten Hauses als Kunden- und Firmentreffpunkt

Vorgabe, alles möglichst einfach und preisgünstig zu machen ernst

war er sich sicher, mit unserer Hochschule einen

und stellt mit wenigen Eingriffen ein brauchbares Konzept auf die

Ort gefunden zu haben, an dem sein Vorhaben

Beine. Niklas Gesthuisen und Matthias Welter fügen dem ebenfalls

gut aufgehoben wäre. Mit der spürbaren Neugier,

einfachen Innenausbau einen etwas aufwendigeren aber gut pro-

dem Interesse an der Erfindung eigener Welten

portionierten Anbau hinzu. Auch hier vermählt sich Alt und Neu

und der Unbefangenheit der Studenten sollte es

auf ansprechende Weise. Shehrazade Mahassini steckt ein rundes,

gelingen, eine Vielzahl unvermuteter Vorschläge

großes Betonrohr in die Flanke des Hauses und hinterlässt damit

zu (er)finden.

einen Raumeindruck, der sicher in Erinnerung bleiben würde. Der

N

spielerische und leichte Umgang mit der Raumaufteilung im Innern

ach einigen Vorgesprächen und der Vereinbarung eines Rah-

verspricht eine angenehme Stimmung. Julian Meissner schließlich

menprogramms, waren wir eingeladen, den Ort des Geschehens

denkt außer Konkurrenz mit und spinnt die Gedanken hin zu

selber in Augenschein zu nehmen. Zur Bestandsaufnahme gehörten

einem Raum mit großem Feuer in der Mitte, wo „alle sich treffen“.

ebenso die sehr aufschlussreichen Gespräche und Begegnungen in

Seine Arbeit bekommt später einen „Poesiepreis“.

Illkirch mit Herrn Bierwirth und seiner Kollegin Frau Riedel wie

Sehr gerne haben wir dann im Februar 2012 Herrn Bierwirth

auch die notwendigen Aufmaßskizzen, Fotos, und Beobachtungen

und Frau Riedel bei uns im Haus der Architekten empfangen, um

vor Ort. Ein Kurzbesuch mit Besichtigung der Stadt Straßburg

die Ergebnisse gemeinsam mit dem frischgebackenen Professor

rundete den Besuch ab und hinterließ ein stimmungsvolles Bild

Willem-Jan Beeren als weiteren Preisrichter zu sichten und mit

vom typischen „Elsässer-Flair“. Damit waren genügend Informati-

kleinen Anerkennungspreisen zu prämieren.

onen und Eindrücke gesammelt, um in Alfter in den Ateliers an die Arbeit zu gehen. Die Verschiedenartigkeit der Ergebnisse, die in einer hochmotivierten Gruppe entstanden sind, sprechen für sich. So gelingt es Ido de Baat und Elias Schley mit einer zurückhal-

Herzlichen Dank an dieser Stelle den Studierenden und allen beteiligten Mit-machern im Hintergrund, vor allem aber Herrn Bierwirth, Frau Riedel und der Firma Flender Graffenstaden, die uns mit der Aufgabe betraut haben. Mit dieser Dokumentation wollen wir gerne dazu beitragen, aus der Fülle von Ideen

tenden baulichen Ergänzung des Fachwerkhauses, neuen Raum zu

so weit zu

generieren, den Außenraum mit einzubeziehen und ein wechselvol-

kommen, eines Tages ein neues altes „Elsässer-Haus“ besuchen zu

les Interieur zu entwerfen, in dem das Programm des Kundencen-

dürfen. Im Sommer dieses Jahres soll es auf jeden Fall schon einmal

ters gelebt werden könnte. Sehr atmosphärische Zeichnungen, aus-

eine Ausstellung der Projekte in Illkirch geben. Wer weiß, vielleicht

führliche Materialangaben sowie ein Möblierungskonzept runden

ist das ja der Startschuss für eine weitere

die Ideensammlung ab. Claudius Bäuml und Moritz Kasulke sorgen

Zusammenarbeit …

63


Flender – graffenstaden elsässer Haus ido de baat , Elias Schley // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester

D

urch seinen Baustil und seine Geschichte zeigt das Haus seine

schieden wir uns einen markanten Kubus seitlich

Verbundenheit zum Elsass. Damit das weiterhin so bleibt,

in das Haus hineinzuschieben.

Das Haus soll weiterhin als Fachwerkhaus erlebbar sein.

Inneren des Hauses geöffnet werden, damit dieser

möchten wir so wenig wie möglich in die Bausubstanz eingreifen. In der Mitte des Hauses entsteht ein offenes Zentrum, ein Innenhof, ein Treffpunkt für Mitarbeiter, damit das Haus neben der Hauptnutzung auch als Gemeinschaftshaus dienen kann.

Der Kubus generiert Raum. Er kann zum sich mit dem Innenhof, wiederum zu einem größeren Raum verbindet. Firmenfeiern, Versammlungen, oder die

Die unterschiedlichen Raumeinteilungen in den anderen Seminar-

Mittagspausen könnten nun in diesem Haus

räumen, ermöglichen vielfältige Besprechungsqualitäten. Der Vor-

stattfinden. Die „Familie Flender“ bekommt ihr

teil davon ist, dass die Firma individuell auf Besucher und Kunden

(zu)Haus(e).

eingehen kann. Um das Vorhaben der Bauherren garantieren zu können und gleichzeitig qualitativ hochwertige Räume entstehen zu lassen, ent-

64

Qualität durch natürliche und ehrliche Materialien, nachhaltig und zeitlos – unsere Auffassung von Moderne.


65


66


Flender – graffenstaden elsässer Haus claudius bäuml, Moritz kasulke // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester

Innenraum oder AuSSenraum, Tradition oder Innovation – das Projekt upstream kann beides.

D

ie Aspekte von Tradition und Hightech hatten Einfluss auf upstream. Von der Zeit der Gründungsphase des Unternehmens

zeugt das kleine Elsässer Haus, das auf dem Betriebsgelände in gewissem Kontrast zur übrigen Architektur steht. Das Elsässer Haus soll, auch wegen des Denkmalschutzes, mit möglichst wenigen Eingriffen versehen werden. So wie sich ein Unternehmen auf seine Tradition und seine Erfindungen der Ver-

gangenheit stützt und diese bewahrt, so soll auch das Elsässer Haus geschützt und bewahrt werden und eine neue, moderne, innovative Außenhaut bekommen. Dynamik, Präzision, Hightech sind nur einige Links, die zu dem führen, was Flender heute tut und genau das möchte upstream zeigen. Corporate Identity gehört heutzutage zu jedem renommierten Unternehmen. Wir meinen, zur Corporate Identity gehört auch Architektur. Upstream könnte eine Landmarke werden, ein architektonisches Gesicht und ein Alleinstellungsmerkmal für Flender Graffenstaden.

67


Flender – graffenstaden elsässer Haus Avila Dietrich, Klara Esch // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester

68


U

ns war es wichtig, trotz des üppigen Raumprogramms, nicht zu viel zu verändern, den vorhandenen Charakter des Hauses

beizubehalten. Gleichzeitig war es uns wichtig, für ein modernes Unternehmen moderne Räume zu schaffen und so Altes mit Neuem zu verbinden. Um fehlenden Platz auszugleichen, haben wir uns dazu entschieden sowohl ein zweites Geschoss, um ein halbes Geschoss vertieft, als auch einen Vorbau zu integrieren. Als Eingangs- und Empfangsbereich dient ein Anbau auf der Südwestseite. Im Innenraum befinden sich drei variable Räume, welche je nach Bedarf zu größeren zusammengeschlossen werden können. Eine möblierte Empore vor den oberen, kleineren Seminarräumen, eine lange Bar, sowie eine weitere Sitzecke vor einer großen Glaswand, laden zum Verweilen ein. Wird der untere Konferenzraum für Seminare genutzt, kann er fast um das Doppelte erweitert werden. Die großzügige Sitztreppe im vorderen Bereich dieses erweiterten Raumes kann sowohl bei großen, als auch kleineren Veranstaltungen genutzt werden. Schwarz und weiß als Grundstruktur werden durch leuchtend bunte Farben in der Möblierung vervollständigt. Junge, frische Far-

ben, in Verbindung mit Möbeln der klassischen Moderne, spiegeln das Zusammenspiel von Alt und Neu wieder. Starke Farben für ein starkes Unternehmen.

69


Flender – graffenstaden elsässer Haus David richardoz, frauke zahl // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester

70


71


Hin & Weg eine variable Platz端berdachung text: vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // 5. Semester


TWL – Träume werden lebendig Die Rahmenbedingungen für die Tragwerkslehre an der Alanus Hochschule sind als einzigartig zu bezeichnen. Die kleine Zahl der Studierenden und die räumliche Ausstattung mit Werkstatt und studentischen Arbeitsräumen ermöglicht eine „hautnahe“ Lehre über den Verlauf der Kräfte, da die Studierenden vieles durch den Bau funktionsfähiger Tragwerksmodelle und die Durchführung von Experimenten selbst erfahren können. Im Modul BA 4.5 werden die Grundlagen der Tragwerkslehre aus dem 2. Studienjahr vertieft. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Kraftverlauf und Entwurf zu erkennen. Die Wissensvermittlung basiert auf folgenden Säulen 1. Das eigene Erleben durch „Tragwerksexperimente“ und das Transferieren der im Experiment gesammelten Erkenntnisse auf eine abstraktere theoretische Ebene. 2. Die Erläuterung der charakteristischen Eigenschaften verschiedener Tragsysteme. 3. Das Lernen an Beispielen durch die Analyse gebauter Tragwerke. 4. Das Umsetzen der gesammelten Erkenntnisse im Entwurf. Inhalte der von Tragwerksexperimenten begleiteten Vorlesungen waren ▶ Seiltragwerke ▶ Bögen, Gewölbe und Kuppeln ▶ Rahmen ▶ Unterspannte Träger, abgespannte Tragwerke ▶ Trägerroste, Raumfachwerke ▶ Faltwerke ▶ Membrantragwerke ▶ Aussteifung von Trag-Elementen, Aussteifung von Gebäuden ▶ Ertüchtigung von Tragwerken ▶ Eigenschaften der Materialien von Primärkonstruktionen, Brandschutz ▶ Verbindungsmittel

D

er konstruktive Entwurf im Modul 4.5 beschäftigte sich unter der Überschrift „hin &

weg“ mit der variablen Überdachung eines Platzes vor einem kirchlichen Gemeindehaus. Die auf den ersten Blick „kleine“ Entwurfsaufgabe wurde mit dieser Thematik stark auf das Tragwerk fokussiert. Damit konnte in der zur Verfügung stehenden Bearbeitungszeit eine konstruktive Ausarbeitung aller Details und das Entwickeln prototypischer Modelle erreicht werden.


Hin & Weg eine variable Platzüberdachung Martin böttcher // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester

Die Herausforderung, einen Platz flexibel zu überdachen, wo es keinen Platz gibt. Eine Gestaltung finden, die einen Zwischenraum zum Ort verwandelt. Eine Überdachung entwerfen, die sich in die Umgebung einpasst, gleichzeitig hervorsticht und einen Wiedererkennungswert schafft. Tradition mit Innovation verbinden. Viel SpaSS haben sehr viel auszuprobieren. Neue Wege gehen. Bis zur letzten Schraube?

B

lätterdach Dies sind Gedanken und Themen, die diesen Entwurf begleiteten.

Bei der Konstruktion handelt es sich um einen Trichterschirm, bestehend aus sechs aneinanderhängenden „Blättern“, welche über Spreizen und ein Zugseil einzeln geöffnet werden. Durch die Verbindung der sich auffaltenden Blätter und über die Spannung der Membran öffnet sich der Schirm. Die 3 cm starken Karbonstangen werden mit Stahlgelenken zusammengehalten und überspannen 6 Meter, was dem Durchmesser des Schirmes entspricht.

74


75


Hin & Weg eine variable Platz端berdachung Jan Henning eggers // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester

76


V

orgaben für diese Aufgabenstellung waren: Eine Dachkonstruktion, die leicht ist und den

Eingangsbereich nicht verschattet, die man auch einfach aufbauen kann, sogar alleine. Sie soll natürlich die Bauordnung einhalten, damit sich kein Nachbar beschwert. Und vor allem soll sie kostengünstig sein! Warum also nicht ein Dach aus Pneus? Dieser hat im Vergleich zum Volumen eine minimale Masse und wird aus ETFE-Folien (Ethylen-Tetrafluorethylen) hergestellt, die besonders lichtdurchlässig, schwer entflammbar sowie nicht gesundheitsschädlich sind. Weitere Pluspunkte: Dank der antiadhäsiven Oberfläche haftet nur sehr wenig Schmutz (Regen dient als Reinigung) und die Folien sind dank der chemischen Zusammensetzung sehr gut recycelbar. Man kann mit einer Kostenersparnis von bis zu 30-50% im Vergleich zu konventionellen transparenten Dachkonstruktionen rechnen. Die Bogenform der Überdachung steht als Symbol für die gute Gemeinschaft der Gemeinde und lehnt sich auch an ihr Logo an. Die geschwungene Form, die sich in den Bänken fortsetzt, belebt die Platzsituation ungemein und schafft variable Sitzmöglichkeiten. Diese entstehen auch um eine kleine Grillstelle außerhalb der Dachkonstruktion, sowie um die großen Pflanzbeete herum, die mehr Grün ins Geschehen bringen. Um das Verweilvergnügen zu komplettieren, sind im Sitzteil der Bänke weichere Gummieinlagen eingelassen. Die variable Bodenfärbung und -belichtung nimmt dem Platz seine statische Schwere und schafft stets neu erlebbare Situationen. Ähnlich wie die Sitzbänke besteht auch die Bodenfläche aus weißem Kunststoff, der jedoch transparent ist. Die einen Quadratmeter großen Platten bieten den Anwesenden bei Dämmerung und Dunkelheit ein besonderes Erlebnis: Beim Betreten und Überqueren des interaktiven Bodens bleiben die Fußspuren ungefähr eine Minute lang sichtbar. Bei Verlassen der Stelle verschwindet der helle Lichtfleck langsam wieder und hinterlässt erneut eine uniform gefärbte Fläche. So passt sich das Licht immer der momentanen Nutzung des Platzes an. Bei dem ETFE-Foliendach handelt es sich um zweilagige Kissen, die mit Stützluft (Innendruck) gefüllt sind; das System setzt sich aus einer gegenseitig gekrümmten antiklastischen Membranober- und Unterfolie mit einer jeweiligen Dicke von 0,2 mm zusammen. Natürlich bedarf es eines speziellen Formzuschnittes, damit die Bogenform erreicht werden kann. Die Konstruktion und die Form werden stark durch die Eigenspannungszustände der Membran bestimmt; die hohe Zugfestigkeit des Materials bedingt die Formerhaltung.

77


Hin & Weg eine variable Platzüberdachung ina willemsen // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester

I

dee/Entwurf In meinem Entwurf soll der Platz, der in seinem

man nur die Schirme aufstellt, welche eine Art

jetzigen Zustand sehr unspektakulär und trist wirkt, ganz neu

Tor vor dem Zugang bilden. Die Schirme an sich

definiert werden. Es soll ein Wiedererkennungswert geschaffen werden, mit dem

können in die auf dem Platzboden befindlichen Vorrichtungen eingelassen werden. So ist auch die

sich die Gemeinde identifizieren kann. Die Freie evangelische

Form des Daches flexibel, wobei es zu aufwändig

Gemeinde in Waldbröhl hat sowohl alte als auch junge Mitglieder.

wäre diese oft zu wechseln.

Durch die Neugestaltung des Vorplatzes soll auch das Dynamische dieser Gemeinde zum Ausdruck gebracht werden.

Schirmaufbau Der Schirm besteht aus einem stabilen, mittig angebrachten Rohr aus Aluminium,

Platzgestalt Über den Platz erstreckt sich ein Pflaster aus Rauten.

welches in den Boden eingelassen wird und für

Dieses Grundmuster bildet zugleich ein Modul für die neue

die Standfestigkeit sorgt. Über dieses Rohr kann

Überdachung. Diese Überdachung besteht aus ebenfalls rauten-

eine Zahnradschiene gleiten, an deren Kopfende

förmigen Schirmen, die durch ihre Gestalt kombinierbar sind

Stahlstangen befestigt sind, welche im Prozess des

und zu verschiedenen Anlässen auch unterschiedlich angeordnet

Hinausschiebens die an allen vier Seiten befindli-

werden können. So kann beispielsweise der Platz, welcher sich vor

chen flexiblen Carbonstangen nach außen beugen.

dem zweiten Zugang der FeG befindet, überdacht werden, wenn

Auf diese Stangen gespannt sitzt eine Membran,

ein Grillfest oder ähnliches stattfindet. Es kann jedoch auch der

die im aufgeklappten Zustand das Dach über dem

eigentliche Haupteingang in den Mittelpunkt gestellt werden, indem

Platz bildet.

78


79


Hin & Weg eine variable Platzüberdachung Dominique Buchmaier // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester

W

aldbröl liegt im Zentrum des Oberber-

den, außerdem sollte der Auf- und Abbau der Überdachung leicht

gischen Landes, zwischen Hügeln und

funktionieren und trotz der temporären Konstruktion dauerhaft

Tälern, Wiesen und Wäldern. Rund 20.000

sein. Zur Aufgabe des Entwurfes der variablen Überdachung gehört

Einwohner hat Waldbröl und seit 1911 gibt es dort

auch die Neugestaltung des Platzes zur Aufgabe.

die Freie Evangelische Gemeinde Waldbröl. Das

Die Tragkonstruktion meines Entwurfes besteht aus einem

Gemeindehaus der FeG Waldbröl liegt in der Ters-

fachwerkähnlichen Tragwerk, das die gekreuzten Druckstäbe als

teegenstraße 16, wo Gottesdienste und Gruppen-

zentrale Tragstruktur hat und durch drei oberhalb liegende Zugseile

treffen stattfinden und welches durch eine variable

auf den Boden abgespannt wird. Als zusätzliche Zugkonstruktion

Platzüberdachung ergänzt werden soll.

wirkt die Membran, die über das Tragwerk gespannt ist. Die leichte

Der Platz vor dem Gemeindehaus wird von

und flächige Überdachung ist anfällig für Wind und Sog. Gegen die

der Gemeinde zum Verweilen, für Gespräche und

Bewegung der Konstruktion werden die Zugseile in drei Richtungen

bei verschiedenen Anlässen auch zum Essen und

am Boden befestigt. Mehr Stabilität gewähren zwei seitlich ange-

Feiern genutzt. Für die Nutzung bei schlechtem

brachte Druckstäbe, die die Konstruktion an der Stütze aussteifen.

oder zu gutem Wetter soll eine variable Platz-

Die kleine Fläche des Platzes soll als solche bespielt werden können.

überdachung mit einem bestimmten Anforde-

Ein großzügiges und frei angelegtes Terrain mit nur einer Sitz-

rungsprofil entworfen werden. Neben dem Schutz

stufe, die die Hauskante aufgreift und den Höhenanstieg ausgleicht,

vor Regen und Wind, soll der Platz durch so

eröffnet eine ruhige Fläche. Die Treppe zum Haupteingang wurde

wenig Stützen wie möglich eingeschränkt und

begradigt und durch eine Brüstung zum Platz hin getrennt. An

der Eingangsbereich möglichst gering verschattet

dieser Brüstung, oberhalb der Sitzstufe, lädt eine dort angebrachte

werden. Die Bauordnung muss eingehalten wer-

Holzbank zum Verweilen ein. ■

80


81


Hin & Weg eine variable Platzüberdachung raphael fuss // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester ZIEL WAR ES, EINE LEICHTE UND FLEXIBLE PLATZÜBERDACHUNG IN SYMBIOSE MIT DEM ZU ÜBERDACHENDEN PLATZ ZU ENTWICKELN. HIERFÜR ENTSTAND EIN SCHIRMSYSTEM, WELCHES AUS DEN ZUG- UND DRUCKKRÄFTEN EINE SPIELERISCHE FORM ERZEUGT.

F

UNKTIONSPRINZIP Es gibt einen oberen und einen unteren Seilanschlussring, welche am Mast fixiert sind. Dazwischen ist

ein Schlitten installiert, an welchem die Arme, gelenkig gelagert, befestigt sind. In geschlossenem Zustand befindet sich der Schlitten am oberen Ende des Masts. Um den Schirm zu öffnen, wird der Schlitten mittels eines Seils heruntergezogen. Dadurch, dass die oberen Seile abwechselnd am Ende und in der Mitte der Schirmarme und die unteren Seile gegenläufig angeschlossen sind, werden die Schirmarme in geöffnetem Zustand gebogen. Die Schirmarme sind abwechselnd nach unten bzw. nach oben hin durchgebogen. Die Membran befindet sich immer auf der konvexen Seite der Schirmarme. Dadurch ergibt sich eine kontinuierliche Wellenbewegung. Die Schirmarme sind auf zwei Ebenen fixiert, wodurch die Membran um den Masten frei gespannt ist. An dieser Stelle ist der Kraftverlauf an der Membranform klar ablesbar. PLATZ Die Schirmform und die Platzform bilden ein Gesamtbild. Die Bewegung des Schirms wird von der Pflanzeinfassung und der Hecke gegenläufig aufgenommen, sodass auch hier ein Spannungsfeld aus Zug und Druck entsteht. Der Platzeingang ist von zwei skulptural geformten Mauerenden gefasst, wodurch eine klare Schwelle definiert wird. Der Raum, der sich hinter dem Durchgang öffnet, nimmt den Ankömmling in Empfang. Der auf der Treppenseite stehende Schirm überdeckt in aufgespanntem Zustand den Zugangsweg, somit ist es möglich, dass z.B. Senioren bei schlechtem Wetter am Nebeneingang abgesetzt werden und trockenen Fußes das Gebäude betreten können. Die Schirme sind in ihrer unterschiedlichen Form so aufeinander abgestimmt, dass sich aus dem Zusammenspiel der Formen eine gemeinsame Woge bildet. In zusammengeklapptem Zustand sind die zwei vertikal aufragenden Schirme aus dem Straßenraum klar sichtbar und somit ein Wiedererkennungsmerkmal. Die Schirme sind für sich eigenständige Baukörper, finden jedoch aus der Platzgestalt heraus eine Verbindung zu der vorhandenen Baustruktur. ■


Typ T von 3,00 m bis 6,00 m Außenmaß Mastdurchmesser: 80mm Materialdicke: 3mm oder 4mm Strebenprofile: 35x25x2mm oder 45x25x2mm Type TL von 6,00 m bis 8,00 m Außenmaß Mastdurchmesser: 106mm Materialdicke: 3mm Strebenprofile: 45x25x2mm Type TLX von 6,00 m bis 10,00 m Außenmaß Mastdurchmesser: 110mm Materialdicke: 5mm Strebenprofile: 56x31x2,5mm


Zweiter Bauabschnitt der campus II wächst! Text: willem-jan beeren // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Das Entwurfsprojekt im 7. Semester hat eine besondere Stellung im Studienverlauf: Einerseits stellt es die Generalprobe dar zur Abschluss-Arbeit, einem weitestgehend selbständig verfassten Entwurf mit eigener Themensetzung. Andererseits wird durch die Fokussierung auf das Thema „Ressourcenoptimiertes Planen und Bauen“ eine Entwurfshaltung erprobt, die die Themen (Bau-)Material, (Bau-)Konstruktion und Technik sowie Funktion in ihren wechselseitigen Abhängigkeiten untersucht und einer städtebaulich-architektonischen Gestalt zuführt.

A

usgehend von ausführlichen Materialrecherchen unter den Aspekten Herkunft, Herstellung, Verarbeitung und Eigenschaften haben die Studierende sich mit Nachhaltigkeitsstrategien in Materialkon-

zepten, Baukonstruktionen und technischen Komponenten beschäftigt. Dabei ging es immer wieder um die Frage, wie die Baugestalt durch diese Grössen beeinflusst und bestimmt wird, bzw. wie bestimmte Baugestaltungen technische und bauklimatische Konzepte zum Ausdruck bringen. Als konkrete Entwurfsaufgabe stand die Erweiterung des Campus II der Alanus Hochschule im Fokus. Hier entwickelten die Studierenden sowohl Nutzungskonzepte zur funktionalen Erweiterung z.B. um studentische Arbeits- und Atelierplätze, Mensaerweiterung, Bewegungsräume etc., aber auch Material- und Ressourcenkonzepte zur nachhaltigen Konstruktion und Bewirtschaftung. Herausgekommen sind vielfältige Denkansätze, wie die Alanus Hochschule sich in Zukunft noch weiter auf dem Campus II beheimaten und etwas von ihrem Geist an diesem Ort zum Ausdruck bringen kann.

84


Paula Kurz

Borja Frey Marquez

Sรถhnke Schrรถder

Florian Bruning

85


2. Bauabschnitt der campus II wächst! max Ullrich // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Dieses Semester ging es in der Aufgabenstellung

Um die Gebäude optisch miteinander zu

unter anderem darum, sich vor dem Entwurf für

verbinden und eins werden zu lassen, versah

ein Leitmaterial zu entscheiden, dessen Eigen-

ich jedes von ihnen zu beiden Seiten mit großen

schaften zu recherchieren und auf Grundlage

Glasflächen. Weiter war es mir ein Anliegen,

dieses Wissens einen für das Material stimmigen

zwischen den Gebäuden eine wohl durchdachte

Entwurf zu entwickeln. Für den Entwurf bekamen

Landschaftsplanung zu entwickeln, um so Aufent-

wir die Erweiterung – den Bauabschnitt 2 – des

haltsräume im Freien zu ermöglichen.

Campus II der Alanus Hochschule als Aufgabe. Als

Das Innere der Gebäude sollte so flexibel wie

Leitmaterialien wählte ich weiSSen Sichtbeton,

möglich gestaltbar sein, sodass man im Falle einer

Glas und Stahl.

Nachnutzung ohne viel Aufwand eine Umgestal-

W

tung vornehmen könnte.

eißen Sichtbeton wählte ich unter anderem wegen seiner

Aus diesem Grund entschied ich mich, einen gro-

Einsetzbarkeit für große Spannweiten, der Möglichkeit zur

ßen, über zwei Geschosse reichenden Hauptraum

Bauteilaktivierung, der guten Brandschutzeigenschaften, der Vorfa-

zu entwickeln, den man nach Bedarf mit einem

brizierbarkeit und der einfachen und schnellen Montage.

als Obergeschoss fungierenden Podest versehen

Für große Glasflächen entschied ich mich wegen meines Wunsches

könnte. Je nach Bedarf ließen sich auch Höhe und

nach möglichst viel natürlicher Belichtung, den entstehenden

Podestfläche anpassen.

Blickbeziehungen und der Offenheit, die ein Gebäude mit großen

Für das Gebäude der Master-Studenten des

Glasflächen vermittelt. Die Studierenden erhalten die Möglichkeit,

Fachbereichs Architektur würden ca. 30 Arbeits-

dem Geschehen vor dem Gebäude und in den Nachbargebäuden zu

plätze benötigt, darum entschied ich mich für ein

folgen.

möglichst großes Podest.

Mein drittes Leitmaterial, der Stahl, ermöglicht in der Konstruk-

Als besonderes „Schmankerl“ für die Sommer-

tion des Gebäudes, schlanke Stützen und Träger zu verwenden und

monate versah ich beide Fensterfronten jedes Ge-

unterstützt somit den lichten Charakter des Entwurfes.

bäudes mit Fensterelementen, die geöffnet werden

Neben den Leitmaterialien war mir zudem noch folgendes

können, so dass man, wenn es draußen wieder

wichtig: Das Gebäude sollte hell, großzügig, ruhig, zeitlos, einfach,

wärmer wird, alle Gebäude öffnen und zwischen

klar, freundlich, kommunikativ, formal stimmig wirken und flexibel

ihnen hin- und herlaufen kann um zu schauen,

nutzbar, vorfabrizierbar und schnell zu bauen sein.

was die anderen gerade machen.

86


87


2. Bauabschnitt der campus II wächst! Luisa Blug // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Das Thema für die Erweiterung des zweiten Bauabschnittes am Campus II war, ein aussagekräftiges Gebäude zu entwerfen, das sich sowohl von der bereits bestehenden Gebäudereihe trennt, sich jedoch auch mit ihr verbinden lässt. Das daraus entwickelte Thema war: Getrennt und doch zusammen!

D

araus entstanden sind drei einzelne Gebäudekomplexe, welche jeweils eine multifunktiona-

le Nutzung beinhalten. Ausgangsform dafür war ein Rechteck. Die einzelnen Komplexe werden durch Holzpaneele, die über den Eingangsbereichen der jeweiligen Gebäude befestigt sind, miteinander verbunden. Die daraus entstandenen Innenhöfe verstärken den Bezug zu den umliegenden Gebäuden. Das konstruktive Element ist eine BetonSandwichkonstruktion.

88


89


2. Bauabschnitt der campus II wächst! katrin lüneberg // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Mit ihrem Namen bezieht sich die Alanus Hochschule auf Alanus ab Insulis (ca. 1120 bis 1202), der bereits im Mittelalter eine humanistische Bildungsidee im Zusammenhang mit den Sieben Freien Künsten lehrte. Er hatte schon damals die Vorstellung, dass Studieren die Bildung des Menschen zum Menschen durch Interdisziplinarität bedeutet und über ein reines Fachstudium hinausgeht. In Anlehnung an Alanus ab Insulis ist ein wichtiger Teil des Konzepts der Alanus Hochschule, die Gemeinschaft und Begegnung der Künste. Das Studienangebot bietet die Chance des Dialogs und der gegenseitigen Inspiration der unterschiedlichen Fachrichtungen in interdisziplinären Projekten.

E

in flexibles Raumangebot gehört zum Standard der Ateliernutzung. Dabei geht es in erster Linie um ein Angebot verschiede-

ner Raumsituationen für die Studenten. Es sollte die Möglichkeit gegeben sein Arbeiten im Stehen oder Sitzen, konzentriert oder dynamisch allein oder im Team auszuführen. Die Korrekturen finden teilweise ebenfalls im Atelierhaus statt und brauchen einen akustisch abgeschirmten Bereich. Der Störfaktor Nummer eins bei Gesprächen, Besprechungen oder Korrekturen im Atelier ist Lärm; deswegen wird dem Thema Raumakustik eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Um Störungen zu vermeiden oder zumindest einzugrenzen und die Qualität in der offenen Arbeitsumgebung zu fördern, ist eine Kontrolle der Schallausbreitung unabdingbar. Die Decke als größte zusammenhängende Fläche im Raum bietet dabei auch gestalterisch viele Möglichkeiten. Hinzu kommen noch flexible Stellwände, die sich je nach Gebrauch verschieben lassen, diese sind ebenfalls mit Stoff bezogen. An den Wänden lassen sich Schienen montieren, die sowohl Akustikpaneele als auch Pläne halten können. Leitidee stehen und flieSSen Stillstand ist wichtig; ehe der Geist nicht innehält, findet er keinen Frieden. Doch die Welt ist in ständigem Fluss, um uns herum ist alles in steter Bewegung. Der Geist im Zentrum all dieser Geschäftigkeit ist aber bewegungslos, hat Teil an der Unendlichkeit. So wie Wasser und Licht fließen, fließt auch der Raum selbst.

90


91


s m l xl Khd-werksgelände köln-deutz Benjamin M. Bauske // ma 4.1 Architektur 1 – ingenieurwissenschaftliche Rahmenbedingungen der Standort- und Projektentwicklung // prof. swen geiss // 1. Semester

I

m rechtsrheinischen Kölner Nord-Osten liegt

3 und 4 tangieren das Grundstück in südöstlicher und nordöstli-

das ca. 12 ha umfassende, ehemalige Werksge-

cher Richtung in einem Abstand von 600 bis 1000 Metern. Eine

lände der Firma Klöckner Humboldt Deutz, auf

Verlegung der Trasse ist politisch gewollt. Diese würde in Zukunft

dem bis Mitte der 1990er Jahre Schiffsmotoren

unmittelbar am Grundstück entlangführen.

und Gasturbinen produziert wurden. Heute ist

Umgeben von einem dichten, teils überregionalen Straßennetz

das Gelände eine der größten innerstädtischen

liegt das Grundstück dennoch etwas abseits der Auffahrten zu

Brachen Kölns. Der vormals stark industriell

diesen. Bis zur L 198 Pfälzischer Ring und der Hochbahn B 55a sind

geprägte Ortsteil Mülheim-Süd befindet sich

es etwa 4 Autominuten.

mitten im Strukturwandel zum postindustriellen

Die Bezirke Mülheim-Süd und Deutz-Messe sind städtebaulich

Dienstleistungsquartier in gewachsener, historisch

durch großflächige Industrie(-brach)gelände und trennende Bahn-

bedeutsamer Umgebung. Durchquert durch die

trassen geprägt. Arbeitersiedlungen aus der Nachkriegszeit wirken

ICE-Trasse grenzt das Grundstück südlich an die

inselhaft und angehängt an die Industrieflächen. Ein ordnendes

neu entstandenen Messehallen Nord. Nur 500 m

städtebauliches Konzept ist nicht erkennbar.

Luftlinie entfernt entwickelt sich seit etwa zehn

Fuß- und Radwege führten in der Vergangenheit kategorisch

Jahren einer der bedeutendsten Messestandorte

in größerem Abstand an den produzierenden Industrien vorbei,

Europas, das ehemalige Werksgelände der KHD,

jedoch nur selten darüber. Der Rat der Stadt Köln beschloss den

gegenwärtig im Besitz des LEG-Nachfolgers

zukünftigen Verlauf des „Rheinboulevards“ über die ehemaligen

NRWUrban, dieses scheint derweil jedoch noch

Flächen der KHD zu führen. Die industriegeschichtliche Vergan-

im „Dornröschenschlaf “ zu verharren.

genheit der Stadt Köln könnte anhand des erweiterten Fuß- und

Im Zuge der ersten Semesterarbeit im Masterstudiengang „Prozessarchitektur – Projektent-

Radwegenetzes erlebbar gemacht werden. Prominent liegende Grundstücke in unmittelbarer Rhein-

wicklung & ressourcenoptimiertes Bauen und

Nähe sind hochwassergefährdet. Ein Ereignisse wie die in jüngerer

Planen“ wurden im Anschluss an eine umfassende

Vergangenheit vorgekommenen Jahrhundertfluten würden etwa

Standortanalyse, fünf Konzepte umrissen, wie

ein Drittel des Geländes überspülen. Der aktive Hochwasserschutz

sich ein Grundstück in urbanem Umfeld mit zum

muss auf dem Gelände ausgebaut werden, um einen Pegelstand von

Teil erheblich sanierungsbedürftigen Industrie-

11,30 m in Köln gewährleisten zu können. Grünflächen sind im

baudenkmälern zu einem Standort unterschied-

Mülheimer Süden aufgrund der vormals stark industriell gepräg-

lichster Ausprägung und Inhalte entwickeln lassen

ten Struktur Mangelware. Die bestehenden Grünflächen sind mit

könnte.

Ausnahme des Rheinparks eher kleinflächige Punktstrukturen. Eine

Die Anbindung an das öffentliche Verkehrs-

bislang fehlende Vernetzung von Rheinufer und bestehenden Sied-

netz ist im Bereich der rechtsrheinischen Innen-

lungen soll im Zuge des Regionale-2010-Projekts „Rheinboulevard“

stadt generell durchschnittlich gut. Ehemalige

integriert werden.

Industrieflächen sind von Anbindungen jedoch meist ausgeschlossen. Die Straßenbahn Linien

92

Ein wesentlicher Zugang soll in Zukunft über das ehemalige Geländer der KHD führen.


93


s m l xl alter schlachthof – bonn west maren brixius // ma 4.1 Architektur 1 – ingenieurwissenschaftliche Rahmenbedingungen der Standort- und Projektentwicklung // prof. swen geiss // 1. Semester

Alter Schlachthof Bonn West Die Seminararbeit setzt sich im Rahmen des Moduls Architektur I mit dem Gelände des alten Schlachthofs in Bonn auseinander. Der alte Schlachthof befindet sich im nordwestlichen Bereich des Stadtteils Bonn West, welcher sein negatives Image u. a. durch Bordell, StraSSenstrich und Müllverwertungsanlage erhält. Momentan steht das Gelände jedoch im Fokus der Öffentlichkeit weil es zum einen im Bereich des neuen Masterplans der Stadt Bonn liegt und zum anderen, weil sich eine SchlieSSung aufgrund extremer Baumängel des dort befindlichen Gewerbe- und Gründungszentrums nicht vermeiden lieSS.

F

ür die Untersuchung des Standorts wurde eine ortsspezifische Analysematrix entwickelt, anhand derer die Maßstäbe XL (Stadt

Bonn) bis hin zu XS (Akteure und Nutzung der Gebäude) parallel beleuchtet wurden. Dabei war schnell festzustellen, dass die unterschiedlichen Zoomfaktoren nicht klar voneinander zu trennen sind und untereinander zahlreiche Verknüpfungen bestehen. Nach mehrwöchiger Standortanalyse wurde deutlich, dass das Grundstück viel mehr Potenziale bietet, als ursprünglich angenommen. Aus diesen lassen sich drei gleichwertigen Szenarien entwickeln, die mögliche Perspektiven für den Standort aufzeigen: Die vorhandene Nutzerschaft (vor allem Lebensmittelgrossisten) und die z.T. nutzbaren Bestandsgebäude mit über 100-jähriger Tradition bieten Potential für „Die Bonner Markthallen“, mit Angebot für Obst, Gemüse und Fleischwaren verschiedener Nationalitäten. Die gute KFZ-Erschließung, die geplante bessere ÖPNV-Anbindung und der frivole Kontext bilden das zweite Szenario Rouge West, ein nächtliches Vergnügungsviertel mit Großraumdiskothek, Kino und Bars. Die neue Campus-Achse des Masterplans, die überschaubaren Besitzverhältnisse und die ansässigen Stakeholder führen zum dritten Szenario Knauber-Campus-West. Hier erhält der Hobby- und Freizeitmarkt Knauber das Schlachthofgelände als Ausgleichsfläche zum Bau eines neuen nachhaltigen Baumarkts und übergibt im Gegenzug der Stadt Bonn seine alten Flächen im Masterplanbereich, damit dort Campus-affine Einrichtungen gebaut werden können. Die Analyse hat gezeigt, dass trotz zahlreicher Defizite große Potenziale vor Ort bestehen. Unmittelbar daran anknüpfend zeigen die drei Szenarien voneinander unabhängige Entwicklungsalternativen auf. Sie beinhalten dabei keine Reihenfolge: Im Sinne einer gemeinschaftsorientierten Projektentwicklung sind sie als Ausgangspunkt eines ergebnisoffenen Prozesses zu verstehen, der vom Architekten moderiert und gemeinsam mit den Betroffenen zur besten Entscheidung für Standort und Stakeholder führen soll.

94


95


wohnen am rand: wohnquatiere in dnipropetrowsk, ukraine anna Marchenko // ma 3.1 projektstudium und forschungsforum + ma 4.2 architektur 2 // prof. Swen geiss, prof. Dr.-ing. florian kluge // 3. Semester

D

ie Großsiedlungen der 60er, 70er und 80er Jahre, die in der

teten Wohnraumbestand, anderseits Mangel an Finanzierung und

UDSSR am Rande der Stadt als sogenannte „Schlafstädte“ mas-

unübersichtliche Rechtsverhältnisse. Außerdem wurde das Quartier

siv errichtet wurden, stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Diese Siedlungen sind ein typischer Ausdruck der post-sowje-

mit einer bestimmten Ideologie konzipiert, die schon lange nicht mehr existiert, deswegen scheinen die Quartiere keine Identität zu

tischen Zeit. Wie wirkt der gebaute Raum in solche Siedlungen auf

haben. Jede der drei Fallstudien wurde mit eigenem Schwerpunkt

die Gesellschaft? Warum entwickeln sie sich zu sozialen Brenn-

betrachtet. Das erste Quartier wurde mit dem Fokus auf die Freiräu-

punkten? Was bedeutet „Identität“ in solchen Quartieren? Das sind

me betrachtet, das zweite richtete den Fokus auf ein Stadtraum- und

die Kernfragen dieser Arbeit.

Verkehrskonzept, das letzte Quartier rückt die soziale Situation in

Drei Wohnquartiere in der Stadt Dnipropetrowsk, Ukraine habe ich für meine Fallstudien für eine weitere Bearbeitung ausgesucht.

den Mittelpunkt der Betrachtung. Die drei Fallstudien zusammen mit einer theoretischen Recher-

Diese Quartiere befinden sich in einer schwierigen Situation:

che sind eine Grundlage für die Entwicklung eines Werkzeugkastens

Einerseits haben sie ein schrumpfende Einwohnerzahl und veral-

von Handlungsempfehlungen.

Stadtraum und Mobilitäts - Tools 1. Verbindungsstrategie zwischen suburbanen Wohnquartieren und dem Stadtkern Durch stärkere räumliche Verbindung werden die suburbanen Räume nicht mehr sozial abgeschlossen und in das Stadtleben besser integriert. Vision Mehrere Verkehrsanbindungen, wie Fahrradwege, U-Bahn und/oder Seilbahn zwischen Stadtkern und Wohnquartieren anbieten; Stadtfunktionen und Freizeitangebote ins Quartier integrieren 2. Attraktive Erlebnisse im Stadt- und Verkehrsraum Mit der positiven Wahrnehmung der Umgebung wird ein Interesse für den Stadtraum ausgelöst und damit eine Identifikation mit derselben gefördert. Vision Kulturlandschaften ablesbar machen – künstlerische Betonung der Industrielandschaften, Stadtgeschichte und Naturerbe durch Beleuchtung, Aussichtspunkte, Info-Stationen, Kunstprojekte etc. 3. Schrumpfende Tendenzen - als Potenzial Eine Umnutzungsstrategie für leerstehende Gebäude oder brachliegende Flächen verbessert die Stadt- und Freiraumqualität, fördert soziale Prioritäten und löst Initiativen im Stadtraum aus. Vision Ein gestaffelter Rückbau von alten Plattenwohnungsbauten mit Platten-Wiederverwendung und Umnutzung der Fläche durch den Bedürfnissen der Gemeinschaft entsprechende Installationen, z.B. Dachgärten, Grill-Terrassen etc.; eine Umnutzung der Erdgeschosswohnungen und leerstehenden Gebäude zugunsten des Lokal-Business, wie Bäckerei, Werkstätten, Recycling-Management, Quartier-Veranstaltungshallen usw. 4. Quartier als Netzwerk Eine Master-Planung und Funktionstrennungsstrategie des Massenbaues der 50er-80er Jahre schafft besondere Freiräume und Fußwege, die sehr stark vom Autoverkehr geprägt sind. Die Strategie „Quartier als Netzwerk“ sieht eine Reorganisation des Quartiers vor. Vision Quartierinnenraum möglichst von Autoverkehr und RasterFußwegen befreien, Bau von Tiefgaragen; Rückbau des zentralen Fernwärmesystems zugunsten lokaler Heizungssysteme.

96


AuSSenraum-Tools 1. Verbindungsstrategie für geschlossene Freiraum Cluster Die Strategie sieht eine Schaffung von öffentlichem Raum vor, welcher mehrere halb-öffentliche Räume miteinander räumlich verbindet und damit ein gemeinsames soziales Netzwerk bildet. Vision Umgenutzter Transitraum wird in einen gemeinsamen öffentlichen Raum transformiert, mit vielfältigen Möglichkeiten für große Veranstaltungen wie Quartierkonzerte, Weihnachts- und Flohmärkte etc. 2. AuSSenraum ökologisieren Die Strategie der Planung von Schlafstädten neben dem Industriegebiet hat viele ökologische Probleme im Stadtraum verursacht. Heute sind viele Freiräume in suburbanen Quartieren unbenutzt wegen einer niedrigen Luft- und Bodenqualität. Die neue Strategie sieht eine Renaturierung und ökologische Förderung von Außenflächen vor. Vision Bodenrekultivierung, Schaffung eines gesunden Ökosystems, wie Fischteiche im Hof, Nutzpflanzen-Gärten, Dach- und Fassadengärten, Vogelvolieren etc. 3. Öffentlichen Raum qualifizieren Mit einer Qualifikation des öffentlichen Raums wird der ganze Stadtraum belebt. Außerdem wird diese Strategie den Sozialen Raum prägen – die hohe Kriminalität und der Vandalismus werden verringert. Vision Einen Spiel-Raum formen durch Gestaltungsinstrumente wie Geländer, Boden-Markierung, Bänke, Beleuchtung usw. 4. Nutzungsmischung und Vielfalt an Aktivitäten auslösen Ein vielfältiges Raumangebot gewinnt mehrere Nutzer und Akteure, die wiederum eine Initiative, den Raum zu verbessern mitbringen und ihn an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Vision Eine Vielzahl von Sport- und Spielaktivitäten wie Klettern an Hochhäusern, Aussichtsplattformen auf Dächern, Bungee-Jumping zwischen Plattenbauten, Skater-Parcours durch die Quartiere, Erlebnis-Wander-Wege usw. 5. Differenzierung von Flächen mit verschiedenen Eigentumsformen Diese Strategie wird das Eigentumsverhältnis zwischen Akteuren verdeutlichen. Dadurch wird eine Sensibilisierung und Verantwortung für den eigenen Lebensraum angestrebt. Vision Durch Höhenunterschiede, Hecken, Markierungen, Materialienunterschiede die private und halböffentliche Fläche voneinander unterscheiden. Gebäude-Tools 1. Energetische Modernisierung Eine höhere Energieeffizienz nach heutigen Standards wird nur durch eine Modernisierung oder eine Kernsanierung erreicht. Vision Modernisierung mit einer Hausgemeinschaft: Fassadendämmung oder zweite Gebäudehülle, Haustechnik- und Leitungsmodernisierung, Sonnenenergie zur Trinkwassererwärmung und Heizung nutzen. 2. Gestaltungsstrategie Vielfältige Fassaden schaffen eine freundliche Atmosphäre im Stadtraum, fördern eine Individualität jeder Wohnung und bilden eine starke Identifikation mit dem Ort. Vision Garten-Fassaden mit Nutzpflanzen, bunte künstlerische Fassadenbemalung, Belebung der Fassaden durch Beamer-Kino für Nachbarn oder Beleuchtungsinstallationen. 3. Nutzungsmischung Eine Vielfalt von Nutzungen in einem Haus schafft eine höhere Qualität des Lebensraums, neue Arbeitsplätze locken neue Einwohner. Vision Atelierräume im Dachgeschoss, Wintergärten im Dachgeschoss, Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss, Familienbusiness im Erdgeschoss – z.B. Bäckerei, Gemüsehandel, Schuhmacher, Gemeinschaftsgarten mit Kräuter-Handel o.ä.

97


Soziale Aktions-Tools 1. Imagekampagne Eine Image-Schaffung für ein suburbanes Wohnquartier ist eine wichtige Kommunikation nach außen: Je besser das Quartier in den Medien auftritt, desto attraktiver wird dieses für die Einwohner, und desto größer wird eine Identifikation mit dem Raum. Vision Ein Logo und Motto für das Quartier; Auftritt des Logos in allen QuartierVeranstaltungen, Broschüren und ein Programm für das Quartier 2. Bürgerbeteiligung Bewohnerbeteiligung erzeugt eine Verantwortung und ein Bewusstsein, macht jedes Quartier individuell und nutzerorientiert, bildet eine zusammengehörige soziale Gemeinschaft. Eigeninitiative fördern. Vision Planungsgemeinschaft mit Beratung für Quartiereinwohner; Umbaugesellschaft für Freiräume und gemeinschaftliche Flächen; Urban-Animateure; Umbau in Eigenleistung – Verein der Handwerker; Förderungsgeld für initiative Gemeinschaften – Wettbewerbsauslobung für Umnutzung und Rückbau. 3. Kulturelle Förderung Unterstützung der kulturellen Projekte durch Fördermittel, Umnutzung der brachliegenden Flächen zugunsten von Kulturlandschaften, Erweckung des Interesses an der Standortgeschichte. Vision Bibliothek in Eigeninitiative; eine Fahrradtour durch das Quartier mit Führung; Theaterstück auf dem Dach des Plattenbaus; Konzert in Container-Garagen usw. 4. Kommunikation nach auSSen Der negative Ruf des Quartiers in der Stadt kann zum Positiven gewendet werden. Kommunikation mit dem Rest der Stadt und gemeinsame Veranstaltungen wirken sich positiv auf die Quartierbewohner aus und verbessern die gemeinschaftliche soziale Situation. Vision Aktionen mit Einladung der Quartier-Gäste z.B. ein Fußballspiel Quartier S. gegen Quartier M., Kick-Boxing Wettkämpfe, Kunstausstellung unter freiem Himmel; Graffiti-Kurs usw.

Fallstudien Strategien Quartier L In der ersten Phase ist die Kommunikation mit den Bewohnern vorgesehen wie z.B. eine Imagekampagne mit

meinschaft mit Nutzpflanzengarten, Jugendcafé, Jugendsportschule. Maßnahmen z.B. Gründung der verschiedenen Gemeinschaften

Projektlogo und Motto, Broschüre, Bekanntmachung in Medien,

wie Quartier-Management, Umbaugesellschaft, Gewerbeverein,

Veranstaltungen, wo sich Initiativ-Gruppen bilden, z.B. eine Pla-

Planungsgesellschaft, soziale Arbeit für Arbeitslose und Rentner

nungswerkstatt, eine Stadteilzeitung etc.

(1-Euro-Job), Concierge und verschiedene Serviceleistungen, Reini-

In der zweiten Phase sind Prototypen innerhalb des Quartiers zu bauen. Die Prototypen teilen sich auf in: Temporäre Projekte z.B. Oster- oder Weihnachtsmarkt, Wett-

gung und Pflege des öffentlichen Raums usw. In der dritten Phase ist eine Organisation für Akteure vorgesehen, wie z.B. Unterstützung der Stadt bei der Bekanntmachung

bewerbe, Aufräumaktion, Gestaltung des öffentlichen Raums mit

des Projektes und Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens,

Kindern und Eltern, Umweltwerkstatt, usw.

Gründung der Umbaugemeinschaft: Umbau in Eigenleistung und

Dauerhafte Projekte z.B. Lern- und Kulturzentrum mit dem

gegenseitige Service-Leistungen, Gründung und Unterstützung

Leistungsaustausch, Frauentreffen, Kinderbauernhof, Recycling-

der lokalen Wirtschaft und des Handels, des Familienbusiness, der

Börse mit Sperrmüllumnutzung und Recycling-Laden, Gartenge-

Gartengemeinschaften usw.

98


Strategien Quartier P Für die zweite Fallstudie, ist ein Verkehrskonzept vorgesehen mit folgenden Maßnahmen: ▶ Gründung eines Verkehrsverbunds zwischen verschiedenen Verkehrsanbietern mit der Einführung von Monats- und Wochentickets ▶ Ersatz der vielen kleinen Taxibusse durch große Busse mit Haltestellenfahrplan ▶ Neue Haltestellen bauen ▶ Mehrere Verkehrsanbieter hinzuziehen ▶ Erlebnisse der Fahrgäste während der Fahrt gestalten: Wechselspiel zwischen dem Industriegebiet und der Naturlandschaft, der Geschichte und der Moderne ▶ Fahrradhighway entlang des Flusses auf dem existierenden Weg gestalten ▶ 3 Buslinien mit neuen 250-m-Radius-Haltestellen einführen anstelle mehrerer gleichwertiger Taxibus-Linien ▶ Schnelle Verbindung zum Hauptbahnhof durch Regionalbahn durch Nutzung bestehender Gleise schaffen ▶ 2 Linien-Wassertaxi bis zum linken Ufer als alternative Verkehrsmittel, auszuführen mit dem Neubau von 2 Anlegestellen ▶ Eine kostengünstige Seilbahn durch das Industriegebiet anbieten ▶ Eine Promenade durch das Industriegebiet als ein Kulturlandschafts-Erlebnis gestalten z.B. mit eine künstlerischen Beleuchtung, kleinen Kneipen, Sport-, Spiel- und Freizeit-Gelände

Strategien Quartier T Das Freiraumkonzept für Quartier T fängt mit der Projektinitiierung an. Das sind: öffentliche Verfahren für Freiraumplanung wie Veranstaltungen mit Planern, Stadtvertretern und Bewohnern; Kommunikation mit Bewohnern wie Umfragen und öffentliche Veranstaltungen; Unterstützung der Bürgerinitiative und einer Gründung von Planungs- und Baugemeinschaften; Organisation der Veranstaltungen im öffentlichen Raum (z.B. Feste, Konzerte, Gewinnspiele, usw.), um eine Kommunikation zwischen Bewohnern und eine Identifikation mit dem Quartier zu stärken Die zweite Phase ist die Projektorganisation. Dazu gehören: Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, Schaffung eines genehmigten Freiraum-Flächennutzungsplans, um den Umbauprozess besser zu gestalten, private Investoren anlocken (z.B. Parkplätze bauen, Kneipen und Läden kaufen), ein Pflichtbeitrag oder eine Pflichtleistung im öffentlichen Raum für private Unternehmer einführen, Umbaugesellschaften „Umbau in Eigenleistung“ von der Stadt fördern. Die Phase der Projektrealisierung ist mit folgenden Szenarien vorgesehen: Halböffentliche Räume in Innenhöfen miteinander verbinden durch Schaffung öffentlicher, verbindender Promenaden unterschiedlicher Form, je nach Raumtypologien; Promenaden gestalten mit vielfältigen Aktivitäten und Erholungsmöglichkeiten; alle öffentlichen Räume behindertengerecht gestalten; öffentliche Promenaden und halböffentliche Innenhöfe autofrei machen.

99


modernisierung universität paderborn daniel richter // ma 3.1 Projektstudium und Forschungsforum + ma 4.2 architektur 2// prof. Swen geiss, prof. Dr.-ing. florian kluge // 3. Semester Konzeption und Entscheidungsvorlage für die Modernisierung der Gebäude P1, P4, P5-7 der Universität Paderborn

T

hema und Ziel der Projektarbeit Die Gebäude P1, P4 und P5-7 der Universität Paderborn müssen modernisiert werden. In den

1968 errichteten Gebäuden studieren und forschen schwerpunktmäßig Maschinenbauer und Elektrotechniker. Die ehemalige Ingenieursschule besteht aus insgesamt 29.000 m² Bruttogeschoßfläche. Vor allem muss die Energiebilanz verbessert und die Gebäudestrukturen den heutigen bzw. zukünftigen Anforderungen angepasst werden. In dem gesamten Planungs- und Bauprozess sollen die Nutzer intensiv beteiligt werden. Der Nutzerbedarf soll so genau wie möglich ermittelt werden, um ein belastbares Raumprogramm aufzustellen. Die Gebäude sollen außerdem flexibel geplant werden, damit sie den zukünftigen Anforderungen der Universität Paderborn folgen können. Zu diesen formulierten Anforderungen sollen verschiedene Konzepte im Rahmen dieser Projektarbeit erarbeitet werden. Nach der fertig gestellten Modernisierung sollen die Gebäude den Fachbereichen Maschinenbau und Elektrotechnik perfekte Bedingungen für Lehre und Forschung bieten. Methodik Die Projektarbeit wurde einerseits chronologisch, andererseits aber auch zeitlich parallel bearbeitet. Zu Beginn wurden eine städtebauliche Analyse und die Untersuchung der einzelnen Gebäude durchgeführt, um die Bestandssituation zu erfassen und erste Probleme aufzuzeigen. Dann erfolgte die Vorstellung des selbst gesetzten, übergeordneten Projektzieles und der dazugehörigen Leitbilder und Handlungsfelder. Das Ziel, die Leitbilder und die Handlungsfelder einer nachhaltigen Konzeption wurden in einer selbst entwickelten Grafik anschaulich zusammengefasst. Ziel, Leitbilder und Handlungsfelder der Modernisierung Um das Ziel „nachhaltig modernisierte Gebäude“ genauer zu definieren wurden drei übergeordnete Leitbilder formuliert. Diese sind in der folgenden Grafik als ein das Ziel umgebender Ring dargestellt. Jedes Leitbild wirkt mit seiner eigenen Intention auf das Ziel. Die Grafik stellt das Ziel „nachhaltig modernisierte Gebäude“ umgeben von den drei Leitbildern „Energiekonzept“, „NutzungsFlexibilität“ und „Nutzerbeteiligung“ in das Zentrum. Die Handlungsfelder sind den Leitbildern entsprechen angeordnet. An der partiellen Überlappung einiger Handlungsfelder auf zwei Leitbilder lässt sich die enge Verknüpfung zwischen den Leitbildern erkennen. Die hellgrau dargestellten Handlungsfelder sind eher objektbezogene, die dunkelgrau dargestellten prozessbezogene Aktionen.

100

Infografik: Ziel, Leitbilder, Handlungsfelder einer nachhaltigen Entwicklung


Ein von Beginn an parallel gelaufener Prozess

binationen von Varianten. Abschließend erfolgte

ist das Thema der Nutzerbeteiligung. Hier wurden

aus allen zusammengetragenen Daten, Fakten,

zunächst einige Nutzerbeteiligungsmodelle vor-

Analysen und Bewertungen die Empfehlung zur

gestellt, die nach umfassender Recherche für das

weiteren Vorgehensweise.

Projekt interessant sind. Konkret umgesetzt wurden dann die Nutzer-

In der weiteren Bearbeitung wurden zwei ausgewählte, für das Projekt besonders interessan-

beteiligungsverfahren Fragebogen und Workshop.

te, inhaltliche Vertiefungen ausgearbeitet. Zum

Mitte Juni 2011 wurden insgesamt 240 Fragebö-

einen wurde der Fokus auf die Fassaden, deren

gen in Papierform innerhalb der Fachbereiche

bestehende Probleme und mögliche Lösungs-

Maschinenbau und Elektrotechnik verteilt. 134

vorschläge, zum anderen auf die notwendige

Personen haben den Fragebogen ausgefüllt zurück

Neustrukturierung des Gebäudes P4 gerichtet.

gegeben. Das Kernthema der Projektarbeit ist die ei-

Die Projektmanagement-Werkzeuge Zieldefinition, Projektstrukturplan, Stakeholder-

gentliche Konzepterstellung, mit Betrachtung der

analyse und die eigene Terminplanung wurden

Themenbereiche Baukosten, Termine, Energie-

permanent parallel zur eigentlichen Projektbe-

kennwerte und so genannter weicher Faktoren.

arbeitung gepflegt.

Zuerst wurden am Arbeitsmodell mögliche Vari-

Zum Schluss der Arbeit wurden die persön-

anten erarbeitet und mit Auflistung der Vor- und

lichen Erkenntnisse zusammengefasst und ein

Nachteile dokumentiert. Dabei erfolgte auch eine

Ausblick auf die weitere Projektbearbeitung

terminliche Betrachtung der verschiedenen Kom-

gegeben.

101


drumherum Herbstsemester 2011


Neuschnee Schneesymposium Text: Ulrike Platz // BA 1.7 Landart // dipl.-ing. Ulrike Platz, Paul Petry // Jahrgangsübergreifend „Das Reisen führt uns zu uns zurück“, stellte schon Albert

müdungserscheinungen hatten. Einzige Einschränkung: Skifahren

Camus (frz. Schriftsteller und Dramaturg, 1913–1960) fest. Das

war verboten! Für die Studierenden war das besonders hart, da der

Arbeiten an einem anderen Ort, der Fokus auf eine Tätigkeit und

Bauplatz direkt am „Sehnsuchtsort“ Skipiste lag.

ein Material war deshalb eine willkommene Abwechslung zum

Bauen bedeutet Veränderung eines Ortes – im Idealfall unter

Studienalltag. Neuschnee, so hieSS eine Gemeinschaftsveran-

Einbeziehung der Natur in die Architektur. Aber auch die Interpre-

staltung der beiden Fachbereiche Bildhauerei und Architektur

tation eines Ortes und das Zeigen der Natur desselben kann sich in

unter der Leitung von Paul Petry und Ulrike Platz, die Anfang

einem Objekt widerspiegeln. Doch wie lässt sich dieses Wechselspiel

des Jahres in die Alpen führte.

im Studium schulen? Im Rahmen des viertägigen Aufenthalts wurden die Fragen des menschlichen Eingriffs bzw. des Einklangs von Ort und Objekt im Maßstab 1:1 realisiert. Es galt herauszufinden, wie prägend der eigene Gestaltungswille auf den Ort sein kann, oder ob nicht umgekehrt, die Landschaft und das Material die Grenzen des eigenen Handels und damit den Maßstab des Objektes bestimmen. Zwei Meter hoch türmte sich der Schnee im Kleinwalsertal. Die Architektur- und Bildhauereistudenten ließen sich von der weißen Masse inspirieren. Aus diesem spielerischen Umgang entstanden verschiedene sinnliche Objekte in Einzel- oder Gruppen-

D

ie Idee dieser Veranstaltung stammt aus Aachen und wird bereits seit Jahren erfolgreich am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH angeboten.

arbeit: Zwei Studenten bauten ein U-Boot (U-Ski) von 24 m Länge und bewegten dabei insgesamt acht Tonnen Schnee. Es entstand

Unser Ziel war eine Weiterentwicklung des freien Arbeitens zweier raumwirksamer Studienrichtungen unter künstlerischen Aspekten, ohne Vorgabe eines festgelegten Themas. Die gemeinsame Exkursion bot den Studenten die Möglichkeit, in einem beeindruckenden Landschaftsraum im Freien zu arbeiten. Aus den Eindrücken der Landschaft und des reichlich vorhandenen Baumaterials sollte ein ganz persönliches Objekt vor Ort entstehen. Reiseziel war Hirschegg im Kleinwalsertal, ein österreichisches Schneeparadies. Der Ort beeindruckt durch sein Alpenpanorama – vor allem im Winter, wenn die charakteristischen Formen und Strukturen der Bergwelt durch Schnee und Eis besonders ausdrucksstark sind. Die ästhetische Kraft des Tals zieht mittlerweile als zweitgrößtes Skigebiet im Kleinwalsertal jährlich viele Besucher an. Dabei ist die wirtschaftliche Bedeutung des Wintertourismus nicht zu übersehen: Das Alpendorf, das lange Jahre vorwiegend durch die Einsamkeit und eine bäuerliche Lebensweise geprägt war, hat sein Aussehen im Zuge der Tourismusentwicklung stark verändert. Seilbahnanlagen, Straßen und Hotels prägen heute das ehemals ländliche Landschaftsbild. Sowohl die Charakteristik der Landnutzung, als auch die ursprüngliche Architektur der Dörfer ist heute durch die Auswirkungen des Tourismus nur noch schwer erkennbar.

eine kubisch geformte Eisbar mit Blick auf den Hohen Ifen. Eine andere Gruppe realisierte eine Schneekathedrale von mehr als drei Metern Höhe, die besonders nachts den Blick in den Sternenhimmel fokussierte. Einige Bildhauerstudenten bereicherten die winterliche Landschaft, ihren Assoziationen folgend, mit Schneehasen, einem Schneefisch und einer mehr als 5 m tiefen Schneehöhle. Eine weitere Gruppe berodelte den Bauplatz vier Tage lang und verknüpfte mit dieser „Erlebnisrodelbahn“ die einzelnen Objekte der anderen Teilnehmer. Um die großen Mengen an Schnee zu bewältigen, arbeiteten die Studenten mit Spaten, Schaufel, Maurerkelle, Mörtelbütt und Wok-Rodel. Die Erkenntnis, dass Schnee zwar ein leichtes Material ist, in der Bearbeitung jedoch enormen Körpereinsatzes bedarf, forderte täglich aufs Neue die Leistungs- und Leidensfähigkeit heraus. Eine weitere Herausforderung waren die Temperaturschwankungen im Laufe des Tages und die sich dadurch verändernde Festigkeit des Materials. Schnee scheint zunächst luftig zu sein. Leicht schwebten

Ausgangspunkt der Veranstaltung war der Schöntalhof, der, etwas außerhalb vom

die Flocken vom Himmel, einmal auf dem Boden angekommen,

touristisch geprägten Ort gelegen, einen grandiosen Blick auf die Alpen rund um den

veränderte sich die Konsistenz sofort und spielte in der Bearbeitung

Hohen Ifen gewährt. Der Bauplatz war in wenigen Minuten zu erreichen. So konnten

und Konzeption der Objekte ein große Rolle: Der meist pulvrige

sich alle zwischendurch zurückziehen, wenn sie, und nicht das Baumaterial (!) Er-

Schnee am Morgen lies sich leicht abtragen. Gegen Mittag, wenn die

104


Temperaturen gestiegen waren, musste der Schnee eher verdichtet und geschichtet werden. Am Abend wurde bei schwindenden Kräften verputzt und geglättet. Auch die Farbigkeit des Schnees bei verschiedenen Lichtverhältnissen musste im Schaffensprozess berücksichtigt werden. Die Konturen der Objekte veränderten sich je nach Wetterlage. Die nächtliche Illumination der Objekte zum Abschluss der Veranstaltung zauberte eine besondere Atmosphäre vor Ort und hinterließ am Hang nach Einbruch der Dunkelheit geheimnisvolle Spuren. Raum wahrnehmen, Eindrücke verarbeiten, ‚sehen‘ lernen, interpretieren und erkennen, sind elementare Prozesse, die es zu üben gilt. Die winterliche Weite des Alpenpanoramas und das ‚SichEinlassen‘ auf ein einziges und zudem schwer zu beherrschendes Baumaterial sowie die körperliche Arbeit führten zu unerwarteten Objekten. Das Schneeparadies als Experimentierfeld zur räumlichen Selbsterfahrung ermöglichte viele Gespräche mit Einheimischen und Touristen. Abschließend möchte ich nicht versäumen, mich bei Toni, dem Herbergsvater des Schöntalhofs, für tatkräftige Unterstützung, Sauna und Verpflegung zu bedanken. Und natürlich bei Paul Petry, der verlässlich jede Mahlzeit gut gelaunt mit den Worten „Boah – war das lecker!“ kommentierte.

105


Freihandzeichnen ARCHITEKTUR FREI ZEICHNEN text: Prof. Benedikt stahl // Darstellungsversuche zur anschaulichen Präsentation von Raumideen // Prof. Benedikt stahl + gäste // jahrgangsübergreifend Konrad Geyer ist bei uns im Fachbereich seit ein paar Jahren ein gern gesehener Gast. Zum wiederholten Male hat er sich im Januar 2012 im Rahmen der Projektwochen mit seiner Arbeit am Seminar „Freihandzeichnen“ beteiligt.

B

esonders beeindruckend sind dabei die Anleitungen und Anregungen des Ulmer Architekten und Malers aus Leidenschaft

mit Papier und Graphit kraftvolle Bilder zu erzeugen. Neben Herrn Geyer waren in diesem Jahr außerdem Prof. Hans Günter Hofmann und die Düsseldorfer Künstlerin Carol Pilars de Pilar für je einen Arbeitstag in unserem Atelier. Herr Hofmann ist Spezialist für fabelhafte atmosphärische Skizzen und konnte sowohl theoretisch als auch praktisch einen Einblick in die Entstehung dieser Wunderwerke vermitteln. Frau Pilars de Pilar hat die beteiligte Gruppe angeleitet, blind zu zeichnen, also nicht auf das Blatt sondern auf die zu zeichnende Person zu schauen. Die Einführung dieser Projektwoche übernimmt jedes Mal der Initiator Prof. Benedikt Stahl. Mit ihm entstanden in diesem Jahr Schnellentwurf-Skizzen. So gab es an jedem Werktag sehr verschiedene Zeichenergebnisse, die dazu anregen, sich selbstständig weiter in das Thema hineinzuarbeiten.

106


Lieber Konrad, du hast uns erzählt,

Bereich für die Ausführungszeichnungen, um den verschiedenen

dass du als Architekt und als Künst-

Leistungsphasen von Architekturzeichnungen bzw. der Weiterverar-

ler arbeitest. Warum ist das so und

beitung gerecht zu werden.

wie geht das? Konrad Geyer In der Architektur geschieht ja

Ist das Zeichnen mit dem Bleistift heute noch

die Artikulierung einer Idee über die Hand aufs

wichtig, gerade im Zeitalter der CAD-Technik?

Papier. In der Malerei verhält sich diese Vorge-

Konrad Geyer Gute Frage – wie gehe ich digital oder analog mit

hensweise bei mir ebenso. Die Ideenerweiterung

dem Kreativbereich um? Es ist ja naheliegend den CAD Bereich

und Intensivierung, oder auch als Verdichtung

zu integrieren. Klar habe ich die Möglichkeit mit dem Finger z.B.

zu bezeichnen, baut sich beim Entwerfen aus der

auf dem Smartphone oder sonst wo eine Zeichnung oder Skizze

Skizze auf. In der Malerei entstehen Übermalun-

digital zu erstellen. Es fehlt aber hier das haptische Erlebnis und der

gen und bilden dann mehrere Schichten.

Geruch von Graphit und Block. Für mich ist das CAD-Zeichnen die Konsequenz der weiterentwickelten freien Handzeichnung.

Was verstehst du unter Freihandzeichnen in der Architektur?

Kommst du nochmals wieder und zeichnest mit

Konrad Geyer Freihandzeichnen ist ja einerseits

uns?

die Darstellung von Gesehenem, andererseits ist

Konrad Geyer Ja klar, sehr gerne würde ich wiederkommen, um

es, wie vorher gesagt, unsere Methode zur Visua-

mit euch kreativ zu arbeiten. Aus meiner bisherigen Erfahrung hier

lisierung von Ideen, also von inneren Bildern und

spüre ich reges Interesse für diese Art von Grundlagenvertiefung.

Vorstellungen. Kannst du ganz kurz beschreiben, was du von der Wo arbeitest du und wie sieht dein

Alanus Hochschule hältst?

Arbeitsplatz aus?

Konrad Geyer Eure Hochschule ist mit den verschiedenen Fachbe-

Konrad Geyer Ich kann in meinem Atelier so ar-

reichen und in ihrer Ausrichtung eine unvergleichliche Gelegenheit

beiten, dass sich Zeichnungen und/oder Bilder der

genau das zu tun. Der richtige Ort, um aus dem Vollen zu schöpfen,

Bereiche Architektur und/oder Malerei/Graphik

sei es mit diesem Seminar oder anderen Veranstaltungen.

nicht überschneiden und räumlich blockieren. So bleibe ich immer parallel an den verschiedenen

Konrad, vielen Dank für das Interview und bis

Aufgaben dran. Und der CAD-Platz ist halt der

hoffentlich bald.

107


formenlehre material world text: ido de baat // BA 1.3 formenlehre // Prof. willem-jan beeren, paul jonas petry // jahrgangsübergreifend Het schrijven van een documentatie

lijkt al helemaal een makkelijke bezigheid, totdat je gaat nadenken

is weliswaar niet mijn sterkste punt,

over dat gene dat je doet. Vouwen met een papiertje is in feite het-

maar een zinnig onderwerp zoeken

zelfde als spelen met tweedegraadsvergelijkingen. In beide gevallen

om over te schrijven, tekenen, of

laat het je niet meer los, nadat je ermee begonnen bent. Maar dat is

iets dergelijks, is niet mijn grootste

niet alles. Een beetje nadenken, en in een grote massa klei slaan is

probleem. Echter een onderwerp

niet het enige dat ik van de Formenlehre Woche heb gemerkt.

zoeken voor een documentatie voor

Eén van de dingen die ik heb gemerkt is dat ik het warm kreeg

Formenlehre is me tot nu toe niet ge-

en claustrofobisch werd toen ik geblinddoekt in natte plakkende klei

lukt. Opmerkelijk, want na een hele

aan het wroeten was. Dat is op zich niet heel bijzonder. Daar heb ik

week intensief bezig te zijn geweest

wel vaker last van in massa‘s, zoals bij koninginnedag, of in extreem

met klei en papier moet je in ieder

massief aanvoelende gebouwen. Maar Formenlehre heeft me ook op

geval iets uit je mouw kunnen schud-

andere manieren te grazen genomen, die ik opmerkelijker vond.

den. Maar, je wilt je tijd niet verdoen

De laatste keer dat ik voor twaalven in bed lag, kan ik me niet

met iets dat onzinnig is, en oninter-

meer herinneren, meestal stap ik tussen één en drie in mijn bed. En

essant is. Maar iets dat ik wel zinnig

dit doe ik al een heel wat jaren. Maar woensdag, de derde dag van de

of interessant genoeg vond, kon ik

Formenlehre Woche (bij skiën helikopterdag), ben ik om elf uur al

niet bedenken. Dus ging ik bedenken

in me bed gestapt, en viel zowaar meteen in slaap. Om elf uur!! Het

waarom dit dan het geval is.

volgende dat ik me niet meer herinneren kan, is wanneer ik voor het

D

e Formenlehre week vond ik redelijk intensief.

laatst ziek was. En met ziek bedoel ik dat er een griepje voorbijkomt

Wat onder andere te maken heeft met het feit

waardoor mijn immuunsysteem bezwijkt op dusdanige wijze dat

dat we met enorme hoeveelheden klei gewerkt

ik niet meer kan ontkennen dat ik ziek ben. Waarschijnlijk was dat

hebben. Ik gok bijna een ton. Dat is een hoeveel-

rond m‘n veertiende. En op zaterdag, de week na Formenlehre krijg

heid waaraan ik niet zo zeer gewend ben. Een

ik plotseling ordinaire buikpijn, en koorts, dusdanig dat ik niet meer

bolletje, iets groter dan de helft van een brood is

kan verhuizen en nog vroeger in me bed stap. Ziek dus. Na zes jaar.

over het algemeen meer dan voldoende voor een

Al met al kun je makkelijk stellen dat het een vrij intensieve

maquette. En wat klei in deze hoeveelheid ver-

week is. Maar ik denk niet dat dit veel te maken heeft met het licha-

oorzaakt is kort gezegd, dat het Raumlabor naar

melijke aspect van de week. Vermoedelijk heeft het te maken met de

sportschool gaat ruiken. Vouwen met papiertjes

intensieve verbinding die je aangaat met de stof. Ik denk namelijk

108


dat je op de manier waarop je omgaat met vormen in Formenlehre Woche vrijwel precies de kern treft van datgene dat zich ‚vormen‘ noemt. Zonder omwegen. En dingen van dien aard, die de kerntreffen, geen ontkomen toelaten, en dat alles zonder omwegen, laten altijd een spoor achter van ervaringen. Ervaringen die ‚s nachts rondspoken voordat je in slaap valt, rondspoken in je dromen, rondspoken als je wakker wordt, en zelfs als je op het toilet zit. En dat kost energie omdat het graag verwerkt wil worden. Verwerkt worden, om vervolgens voor altijd rond te spoken in dat geen dat je doet, en maakt. Het probleem met het onderwerp voor een documentatie kan ik dus niet oplossen, maar ik heb wel ontleed wat het probleem is. Formenlehre is nou niet echt een week die iets aan m‘n verstand heeft gespijkerd, maar een week die het heeft voorzien van een pakketje ervaringen. Klaar om over te dromen, en de meimeren. Dus dat blijf ik dat nog maar een poosje doen. En ga ik ondertussen weer verder met het bedenken van onderwerpen voor andere documentaties met theoretische onderwerpen. Ik weet nu (na drie dagen tekst schrijven en tekst wissen) in ieder geval waarom het niet gelukt is met het onderwerp. Ik was gewoon verkeerd aan het denken.

109


Adem AkbuluT Luca Bangrazi Peter Baumgardt Claudius Bäuml Benjamin Bauske Luisa Blug Lilian Bohnenberger Martin Böttcher Maren Brixius Florian Helias Johannes Bruning Dominique Buchmaier Lars Daigger Ido de Baat Isabella Di Prima Marpessa Avila Dietrich Jan Henning Eggers Carolin Engels Klara Esch Oliver Ewy Sebastian Fest Julian Fischer Raphael Fuss Niklas Gesthuisen Amanda Goncalves Pomato de Souza Sebastian Heck Julius Heek Annett Hillebrand Max Hoff Florian Höger Uwe Hugendick Emma Juric Anna Kasperczyk Moritz Kasulke Sebastian Klaus Keller Juhyun Kim Florian Komescher Hanna Kosche Georg Kreuer Paula Kurz Young Yu Lee Simon Lucas Katrin Lüneberg Sherazade Mahassini Anna Marchenko Borja Frey Marquez Julian MeiSSner Andrej MenzE Denisse Mihai Saskia Nettekoven Thomas Postma David Richardoz Daniel Richter Sabine Röser Stefanie Rückrich Maximillian Ruff JohannaMaria Schäfer Thomas Schauff Elias Schley Clemens Schmitz-Michels Söhnke Schröder Gudrun Schröder Bettina Schuhmacher Sonja Siewert Ruben-Samuel Sommer Stephan Tibo Tapsoba Max Ullrich Filip Voss Mira Walcher Matthias Welter Ina Willemsen Eliot Wilson Frauke Albrig Zahl David Ziai Studierende im FB Architektur 2011/2012

110


Prof. Hannsjörg Ahrens, Lehrgebiet Bauökonomie und Baurecht Prof. WillemJan Beeren, Lehrgebiet Architektur und Kunst im Dialog Prof. Swen Geiss, Lehrgebiet Architektur und Ressourcen Prof. Nikolaus v. Kaisenberg, Lehrgebiet Architektur und Gesellschaft Prof. Dr.-Ing. Florian Kluge, Lehrgebiet Projektmanagement Prof. Marek Nowak, Lehrgebiet konstruktives Entwerfen Prof. Pieter v.d. Ree, IONA-Stiftungsprofessur für Organische Architektur Dipl.-Ing. Brigitte Scholz, Lehrgebiet Projektentwicklung Prof. Benedikt Stahl, Lehrgebiet Architektur und Stadtraum Vertr.-Prof. Dr.-Ing. Mathias Wirths, Lehrgebiet Ingenieurwissenschaften prof. frank-rüdiger hildebrandt, lehrgebiet gestaltlehre Cand.-Arch. Annett Hillebrand, petra meyer, fachbereichssekretariat Mitarbeitende im FB Architektur

111


Impressum mag05 HerausgebeR Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Fachbereich Architektur Prof. Willem-Jan Beeren Prof. Benedikt Stahl Villestr. 3 53347 Alfter www.alanus.edu mag@alanus.edu Redaktion und Koordination Elias Schley Cores Gestaltung und Layout Dominique Buchmaier Lektorat Claudius Bäuml Prof. Dr.-Ing. Florian Kluge Druck Köllen Druck & Verlag GmbH, Bonn

Auflage Limitierte Auflage: 1.000 Exemplare Papier RecyStar Natur, 80g/m2, Papyrus Schrift Minion Trade Gothic Hinweis Alle Inhalte (Texte, Bilder, Illustrationen, freie Arbeiten und Grafiken) sind urheberrechtlich geschützt. Die Rechte liegen bei den jeweiligen Autoren. Ohne die ausdrückliche Zustimmung der Autoren / Rechteinhaber ist der Abdruck und die sonstige Vervielfältigung auf analogem oder elektronischem Wege nicht gestattet. Danke allen Autoren und Illustratoren, die uns ihre Beiträge zur Verfügung gestellt haben!

März 2012 ISSN 2190-3565


mag05