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Das kritische Sch端ler_innenmagazin

Ausgabe 03/2010

Power to the pupils Interview mit Helga Hofstadler

klipp & klar 03/2010, zul.nr.GZ02Z033576M, verlagspostamt 4020 Linz

16 Tage gegen Gewalt an Frauen

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ist das – und nun mmerferien So ie Geen d ar it w noch ge. Dam Gerade eben vollem Gan in r fällt, te ts h ei ic er le b ljahr ag etwas llt la u h neue Schu Sc Theuen teressante an den gra al wieder in wöhnung sm ie at. d ar ch p p&Klar au ulstunden ssante Sch hat das Klip re zeit te er d in so m z ht gan Schulsyste im as men für nic w nd auf, . Dazu passe tion zeigt ern könnte d än Die Redak eias w d ie im Interv und wie sich Hofstadler falsch läuft ga el H n ri ule. et Direkto e Mittelsch beantwort it den um die Neu d n ru Ausgabe m ie en d nige Frag äftigt sich d der ch n u es b r en te au Fr Wei ewalt an G n ge rouilge at in Linz p 16 Tagen it kurzem se ie Hind n e, o h ti Stadtwac die Redak beleuchtet USA em d en d er ß in u n liert. A gresswahle n o K en . d zu Spanien tergründe derheit in kischen Min as b er d d n u n lar mitwirke

Philipp Stadler

Klipp & K selbst beim Wer einmal ügt möchte: linz.at gen office@aksEine Mail an

MHV: aktion kritischer schüler_innen Kaisergasse 14 a, 4020 Linz

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Chef_innenredaktion: Philipp Stadler Redaktion: Lisa Rastic, Johanna Mayr, Jahn Brüggemann, Martin Schobesberger, Moritz Ablinger, Stefan Schütz, Tarek Elsherif, Sandra Hochmary, Carina Steiner, Carina Strasser Layout: muis, carlo Druck: Druck 2000 Prokop GmbH

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Bildungspolitik

Power to the pupils

Über das österreichische Schulsystem Zerrissene Freundschaften, unfähige Lehrer_innen, versteckte Schulgelder und ungerechte Beurteilungen. Die Liste der Mankos im österreichischen Schulsystem ließe sich noch um viele Punkte ergänzen. Für Hunderttausende Schüler_innen ist der tägliche Schulbesuch alles andere als einfach, darum muss sich dringend etwas ändern! Ziffernnoten sind wenig aussagekräftig

Ziffernnoten abschaffen! Notendruck beginnt schon in der Volksschule. Manche Bezirksschulinspektor_innen beobachten, dass Eltern nicht nur ihre Kinder, sondern auch Lehrer_innen wegen Noten unter Druck setzen, vor allem, wenn es um den Wechsel von der Volksschule ins Gymnasium geht. Dass Schulnoten teilweise nicht die Kompetenzen der Schüler_innen bewerten, sondern eher willkürlich vergeben werden, beweisen auch internationale Bildungstests wie Pisa oder Pirls. Mit zunehmendem Leistungsdruck wird außerdem der Zusammenhalt zwischen den Schü-

ler_innen zerstört und fördert stattdessen Rivalität und Wettstreit unter Schüler_innen. Viel aussagekräftiger als Ziffernnoten, die Schüler_innen in die Stufen „Sehr gut“ bis „Nicht genügend“ einordnen, wäre eine verbale Beurteilung durch die Lehrperson Was können unsere Lehrer_innen wirklich? Nicht zu selten verteilen Lehrkörper ungerechtfertigte Noten, führen keinen brauchbaren Unterricht oder wissen gar selbst nicht, wovon sie eigentlich sprechen. Oftmals werden nicht gemochte Schüler_innen einfach ungerecht beur-

teilt, Noten bereits im Vorhinein festgelegt. Doch es wird nichts dagegen unternommen, denn Lehrkräfte werden selten kontrolliert und sind teilweise auch unkündbar. Wir fordern Lehrer_innen, die ihrem Job gewachsen sind, unterrichten können und alle Schüler_innen gleich behandeln. Unterstützen würde diese Forderung beispielsweise ein verpflichtendes Lehrer_innen-Feedback durch die Schüler_innen.

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Bildungspolitik

15000 Schüler_innen in Linz demonstrieren 2009 für bessere Bildung

Sitzenbleiben abschaffen, sofort! Fast eine Milliarde Euro kostet es Jahr für Jahr, Schüler_innen sitzenbleiben zu lassen. Jährlich werden Klassengemeinschaften und Freundschaften auseinander gerissen. Studien belegen zusätzlich, dass Klassen zu wiederholen wenig bringt, besonders wenn man wegen nur einem „Nicht genügend“ nicht aufsteigen darf. Ist es also wirklich sinnvoll wegen einer oder zwei negativen Beurteilungen gleich ein ganzes Jahr zu wiederholen? Die Aufstiegsklausel bringt hier auch nur bedingt etwas: Sie erfordert nämlich in allen anderen Fächern mehr

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In Österreich ist Bildung und Religion nicht klar getrennt

als nur positive Ergebnisse und ist auch immer vom Willen der Lehrer_innen abhängig. Eine mögliche Alternative wäre ein Modulsystem, in dem man nur die negativ abgeschlossene Kurse wiederholen muss. Kreuze raus aus den Klassen! In den meisten Industrieländern der Welt gibt es einen gesellschaftlichen Konsens was die Trennung von Religion und Staat betrifft. In Österreich ist das nicht ganz so einfach. Vor allem die katholische Kirche hat in der Schule noch immer einen enormen Einfluss, wie die

Kreuze in den Klassen, der Religionsunterricht oder auch die Schulgottesdienste an besonders hohen katholischen Feiertagen beweisen. Es ist jedoch bei Weitem nicht in allen Ländern der Welt so, dass die Kirche oder Religion so massiven Einfluss auf Bildungsinstitutionen ausübt. So ist es zum Beispiel in der Türkei verboten an der Uni ein Kopftuch zu tragen. Darüber hinaus ist es in Deutschland sogar per Weisung vom obersten Verfassungsgerichtshof verboten, dass ein Kreuz in der Klasse hängt. Weiter ist nicht nur in Frankreich ein Religionsunterricht, wie er hierzulande praktiziert wird, völlig fremd. (lr/ms)

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Bildungspolitik

Wenn zwei streiten Wohin nur mit den Leher_innen

Die Bundesländer haben sie, die Bundesregierung will sie: die Kompetenz über die 76 800 Lehrkräfte an Österreichs Pflichtschulen. Zur Zeit sind diese Angestellte der Länder. Die Personalkosten, also die Gehälter der Pflichtschullehrer_innen, zahlt allerdings der Bund. Macht über Lehrkräfte ist nicht das dringendste Problem im Bildungssystem

Volks-, Haupt-, Sonder-, Polytechnische- und Berufsschulen fallen unter den Begriff Pflichtschulen. Lehrkörper, die an diesen Schulen unterrichten, sind den jeweiligen Bundesländern unterstellt. Über alle anderen Lehrer_innen bestimmt die Bundesregierung. Das soll sich nun ändern, fordert Erwin Pröll (Landeshauptmann von Niederösterreich, ÖVP). Er und sechs weitere Bundesländer wollen die Macht über alle Lehrpersonen in Österreich. Das würde Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich bringen, so Pröll. Bund zahlt, Länder schaffen an

Bestimmen neun verschiedene Bundesländer über alle Lehrer_innen, würde es auch neun verschiedene Gesetzeslagen in der Bildungspolitik geben. Nicht nur aus diesem Grund spricht sich Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) dafür aus, dass alle Lehrkräfte in Bundeskompetenz übergehen. Finanziert werden die Lehrkörper ohnehin bereits vom Bund. Gier nach Macht Es ergibt keinen Sinn, das Bildungssystem in neun Teile in Form der Bundesländer aufzuspalten. Deshalb sollten alle Lehrer_innen vom Bund

angestellt werden. Noch weniger Sinn ergibt es allerdings, sich um Machtverhältnisse zu streiten und darauf zu bestehen, die Kontrolle über die Lehrpersonen zu erhalten. Das Bildungssystem wird dadurch nicht reformiert – egal in welche Richtung das Ergebnis führt. Wenn sich zwei streiten, bleiben bildungspolitisch weitaus wichtigere Reformen auf der Strecke. So wäre es beispielsweise dringend notwendig, die gemeinsame Schule der zehn bis 14-jährigen zu verwirklichen, um allen dieselben Chancen zu ermöglichen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder dem Bildungsgrad der Eltern. (ps)

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Bildungspolitik

Trennt uns bitte. Bitte nicht? Koedukation in der Kritik

Seit Mitte der 60er Jahre ist Koedukation, der gemeinsame Unterricht von Mädchen und Buben, üblich. Durch diese frauenpolitische Errungenschaft sollten Frauen dieselben Bildungswege und Chancen erhalten, die auch ihre männlichen Altersgenossen hatten.

Mädchen als Gewinnerinnen Zu Beginn zeigte die Reform ihre Wirkung, Frauen haben heute die höheren Schulabschlüsse und bleiben seltener sitzen. Doch weiterhin bleiben Probleme bestehen: der Zusammenhang zwischen beruflichem und schulischem Erfolg besteht nicht. Immer noch hängt die Berufswahl vom Geschlecht ab. HTLs werden hauptsächlich von Männern besucht, HBLAs von Frauen. Nimmt man Koedukation genauer unter die Lupe, werden einige Problemfelder aufgedeckt. So verstärkt der gemeinsame Unterricht die Vorurteile zwischen den Geschlechtern und

Koedukation ist eine frauenpolitische Errungenschaft

führt dazu, dass Mädchen oft übersehen oder wenig beachtet werden, da Jungen „dominanter“ sind und beispielsweise öfter aufzeigen. Zurück zum getrennten Unterricht? Dazu gibt es auch schon einige Überlegungen. Eine dieser Ideen ist die so genannte Reflexive Koedukation. Dabei soll die koedukative Praxis reflektiert, weiterentwickelt und neu gestaltet werden. Reflexive Koedukation berücksichtigt, dass Jungen und Mädchen verschieden lernen und unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Eine aktuelle Studie fand heraus, dass Mäd-

chen eher technische Schulen und Berufe wählen, wenn sie in naturwissenschaftlichen Unterrichtsgegenständen mit vielen anderen Mädchen und wenigen Jungen unterrichtet werden. Mögliche Erklärungen dafür sind, dass Mädchen selbstbewusster agieren, wenn sie in Klassen mit hohem Frauenanteil sind. Weiter wird vermutet, dass Schülerinnen in technischen Gebieten nicht ausreichend gefördert werden. Die Autorinnen der Studie schlagen deshalb vor, in naturwissenschaftlichen Fächern geschlechtergetrennt zu unterrichten. (sh)

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Kommentar

Wer Bildung mag, muss Schule verändern

der aks-linz-Vorsitzenden

Oft gehen Schüler_innen nicht gerne in die Schule und das, obwohl Bildung eigentlich Spaß machen sollte. Zu viele Sachen in der Schule sind von anderen bestimmt, Schüler_innen haben kaum Mitgestaltungsmöglichkeiten. Dabei verbringen Schüler_innen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule. Auch wenn Schüler_innen immer am kürzeren Ast sitzen, Möglichkeiten zur Veränderung gibt es viele, man muss sie nur ergreifen. Wusstest du zum Beispiel, dass Schüler_innen eigentlich das Recht haben 1/3 des Lehrplanes mitzubestim-

Montagmorgen fällt das Aufstehen besonders schwer, weil man nach einem freien Wochenende wieder in die Schule muss. Und dort wartet auch nicht gerade Erfreuliches: Graue Klassenzimmer, langweilige Schulstunden und Lehrer_innen, denen niemand zuhört. Aber so muss es nicht sein – Mach es zu deinem Projekt!

men? Der Klassenrat ist eine Möglichkeit dieses Recht auch einzufordern. Der Klassenrat findet in allen Fächern in der ersten Stunde im Semester statt. Er ist eine Plattform um die Beurteilungskriterien abzuklären, Konflikte innerhalb der Klasse zu schlichten und eben Schwerpunkte im Unterricht gemeinsam auszumachen. Oder wenn du gern Couchen in den Klassen hättest, um die Räume gemütlicher zu gestalten, das aber wegen der Brandschutzverordnung nicht geht, probier es mit coolen Sitzsäcken, die eine feuerfeste Hülle haben.

Lisa Rastic, Vorsitzende der aks-linz

Nervt es dich auch manchmal in den Bildungskasten Schule zu gehen, weil das Gebäude für Schüler_innen nicht gemütlich ist? Möchtest du dich in Freistunden einfach mal zurückziehen und irgendwo chillen? Oder nerven dich autoritäre Lehrer_innen, monotone Schulstunden und ein langweiliger Lehrplan? Dann mach es zu deinem Projekt! Egal ob Couchen in den Klassen, chillige Aufenthaltsräume, Lehrer_innenfeedback oder Mitgestaltung des Lehrplanes – die aks-Linz unterstützt dich bei der Umsetzung deiner Projekte.

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Wissen ist Macht

Wusstest du, dass ... ... es eine Creme, die Falten beseitigt, nicht gibt?

Was mache ich, wenn ... ...ich eine mündliche Prüfung habe bzw was muss ich beachten?

... der vor 1991 entstanden Zivilmüll auf Erden zu 70 % in den USA stammt?

Wesentlich bei einer mündlichen Prüfung ist, dass sie in Form eines Gesprächs abge-

... der durchschnittliche Mensch im Laufe seines Lebens 500g Insekten isst?

läutern musst. In der Volksschule sind mündliche Prüfungen jedoch gänzlich verboten.

... der kürzeste Linienflug der Welt 2 Minuten dauert und von Westray nach Papa Westray auf den Orkneyinseln durchgeführt wird? Der längste Linienflug der Welt dauert 18 Stunden und 35 Minuten für die Direktverbindung Singapur - New York ... sich ein Viertel aller Knochen in den Füßen befindet?

halten wird. Mündlich bedeutet aber nicht, dass alles Schriftliche verboten ist – so ist

es z.B. erlaubt, dass du die selbstgemachten schriftlichen Aufzeichnungen mündlich er-

Eine mündliche Prüfung besteht aus:

„mindestens 2 voneinander möglichst unabhängigen und an einen Schüler/in gerichteten Fragen, die dem/der Schüler/in die Möglichkeit bieten, seine/ihre Kenntnisse auf einem oder mehreren Stoffgebieten darzulegen oder anzuwenden“ (LB-VO §5 Abs 1)

f an, den MenEs kommt nicht darau mehr zu geben, lt schen der Dritten We zu stehlen. sondern ihnen weniger Jean Ziegler

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Internationales

From Paris with Love

oder: der Giftzwerg und das „fahrende Volk“ Vor kurzem ist – wieder einmal – Nicolas Sarkozy verhaltensauffällig geworden, indem er nun verstärkt gegen Roma-Lager vorgeht und deren Schließungen antreibt. Frankreichs umstrittener Regierungschef Nicolas Sarkozy

Business as usual Schon seit längerer Zeit geht Nicolas Sarkozy und seine konservative Regierung gegen Roma vor; so wurden letztes Jahr 10 000 in ihre Heimatländer abgeschoben, dieses Jahr sind es bis jetzt 11 000. Aber nachdem es im Juli zu Konflikten zwischen Polizei und Einwander_innen gekommen war, hatte Sarkozy die Schließung von hunderten von Roma-Lagern gefordert – und sie auch bekommen. Bis vor kurzem hatte die französische Regierung erklärt, dass sie nicht speziell Roma, sondern Rumän_innen und Bulgar_innen ausweise, und diese alle freiwillig mit einem Taschengeld von 300€ als Belohnung ausreisen würden. In diesem

Fall wäre das Vorgehen trotz des freien Personenverkehrs in der EU rechtlich gedeckt, da für Bulgarien und Rumänien Sonder-„Rechte“ gelten. Ein Schelm, wer böses dabei denkt Doch vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Rundschreiben des französischen Innenministeriums bekannt, in dem es heißt, „hauptsächlich RomaLager zu schleifen“. Auch soll der Bau neuer illegaler Lager „der Roma“ verhindert werden. Allerdings verbietet die französische Verfassung jede ethnische Unterscheidung, was bedeutet, dass dieses Gesetz absolut nicht verfassungskonform ist. Frankreichs Integrationsminister Eric Besson

sagt dazu nur, dass es keine „kollektiven Ausweisungen“ gebe. Das unheilvolle Treiben bleibt natürlich nicht unbemerkt. EU-Kommissionspräsident Barroso sprach darüber – aber ohne klare Worte zu finden. Erst die Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, wurde deutlich, bezeichnete die Roma-Abschiebungen als illegal und kündigte eine Klage gegen Frankreich an. Nach heftiger Kritik Frankreichs an ihr stellte sich der Herman van Rompuy, Präsident des Europäischen Rats, hinter sie. ( jm)

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Gleichberechtigung

Schlag dich doch selbst 16 internationale Tage gegen Gewalt an Frauen

Seit 1991 gibt es die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. Sie starten am 25. November und enden am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Diese internationale Kampagne soll klar machen, dass Frauenrechte als Menschenrechte begriffen werden müssen

Wieso 16 Tage? Zum ersten Mal begangen wurde der 25. November als „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ am lateinamerikanischen Frauenkongress 1981. Dies war ein Gedenken an die Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal, die an diesem Tag im Jahr 1960 wegen ihres Widerstandes gegen den dominikanischen Diktator Trujillo vom Geheimdienst ermordet wurden. Auch der Schlusstag der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen, der 10 Dezember, hat eine wichtige Bedeutung. An diesem Tag wurde 1984 die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ verabschiedet.

Es gibt Anlaufstellen für Opfer von Gewalt gegen Frauen

Während den 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen finden überall auf derWelt verschiedene Aktionen und Veranstaltungen statt, um auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Der 25. November selbst soll Bewusstsein dafür schaffen, dass die verschiedenen Formen von Gewalt, denen Frauen auf der ganzen Welt tagtäglich ausgesetzt sind, keine Privatsache sind, sondern ein gesellschaftliches Problem darstellen, welches uns alle etwas angeht. Die Tatsache, dass der 25. November und der 10. Dezember in diesem Zusammenhang stehen, verdeutlicht, dass Frauenrechte und Menschenrechte eng mit einander verbunden sind.

Gewalt auf allen Ebenen Gewalt gegen Frauen kann in unterschiedlichen Formen auftreten und wird auf physischer, sexueller, psychischer, ökonomischer und sozialer Ebene ausgeübt. Zu unterscheiden sind die personalelle Gewalt, die direkt von einem handelnden Täter ausgeübt wird, und die strukturelle Gewalt. Diese bezieht sich nicht auf ein handelndes Subjekt, sondern ist in das Gesellschaftssystem eingebaut. So sind Frauen beispielsweise in Führungspositionen unterrepräsentiert und verdienen um 30% weniger als Männer.

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Gleichberechtigung

Women fight back

Stop domestic violence Für eine Frau ist es 10 mal wahrscheinlicher in der Familie oder der Beziehung Opfer von Gewalt zu werden, als ihr auf der Straße zu begegnen. Studien zufolge wird eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens geschlagen, sexuell missbraucht, zum Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt. In Österreich wird jede fünfte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Jede siebte Frau wird Opfer von Vergewaltigung oder einer sexuellen Belästigung. Besonders deutlich geht aus den Zahlen hervor, dass Gewalt in der absoluten Mehrheit der Fälle nicht

Gewalt an Frauen findet oft in den einen vier Wänden statt

von Unbekannten, sondern von Partnern, Lebensgefährten oder Bekannten ausgeht. Ein Anfang Gewalt an Frauen zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten und kennt keine kulturellen, religiösen oder sozialen Grenzen. Von der erfolgreichen Geschäftsfrau bis hin zur jungen Migrantin kann jede von Gewalt betroffen sein. In den meisten Fallen bleibt Gewalt an Frauen unbestraft. Oft besteht das Problem darin, dass Frauen sich nicht trauen, gegen ihren Täter vorzugehen. Viele Frauen melden die Vorfälle nicht. Sie haben

Angst, ihnen könnte nicht geglaubt werden. Bis zu 75 % der Frauen, denen Gewalt angetan wird, bleiben weiterhin bei ihren Partner. Viele Menschen denken, dass sie selbst nichts gegen Gewalt ausrichten zu können. Natürlich ist es schwer etwas zu tun, wenn Gewalt in der eigenen Familie passiert. Doch da das Opfer in den meisten Fällen in starker Abhängigkeit zum Täter steht ist es umso wichtiger einzugreifen. Die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen sind ein Anfang. (lt)

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Interview

„Wir unterrichten Kinder, nicht Fächer“ Direktorin Helga Hofstadler will Noten abschaffen

Seit 2008 laufen in Österreich Schulversuche, Kinder von sechs bis 14 Jahren gemeinsam zu unterrichten; in der Gesamtschule oder Neuen Mittelschule (NMS). Das soll verhindern, dass Schüler_innen bereits nach der Volksschule selektiert werden und in Hauptschule und Gymnasium getrennt werden. Klipp & Klar: Frau Helga Hofstadler, Sie sind Direktorin an einer Schule in Pregarten, die den Schulversuch „Neue Mittelschule“ gewagt hat. Was ist die neue Mittelschule und wie kam es zu dem Entschluss der Umgestaltung in eine Neue Mittelschule? Helga Hofstadler: Die NMS (Neue Mittelschule, Anm.) stellt einen Paradigmenwechsel dar, was Lehren und Lernen betrifft. Die Kinder sollen fähig gemacht werden, durch eigenverantwortliches Lernen selbständig Wissen zu erwerben. „Wie lerne ich“ ist wichtiger als „Was lerne ich“.

Dabei steht das Prinzip der Individualisierung an oberster Stelle. Das heißt jedes einzelne Kind wird seinen speziellen Begabungen gemäß gefördert und gefordert. „Wir unterrichten Kinder, nicht Fächer!“, steht als Leitspruch über dem System der NMS Pregarten. Förderung von Kompetenzen ist wichtiger als die Vermittlung von Faktenwissen. Hier ist allerdings das herkömmliche Notensystem der größte Hemmschuh. Portfolio, Pensenbuch, usw. Das sind die zu diesen Voraussetzungen passenden Beurteilungssysteme. Beweggründe für die Bewerbung um den Schulversuch waren: Lust auf Neues und Unzufrie-

Helga Hofstadler ist Direktorin der NMS Pregarten

denheit mit alten Lehr- und Lernmethoden. Klipp & Klar: Was unterscheidet nun ihre Schule von einer normalen Hauptschule? Inwiefern hat sich der Schulalltag für die Schulgemeinschaft insbesondere für die Schüler_innen verändert? Eigenverantwortung wird und wurde schon immer sehr groß geschrieben, nicht nur im Unterricht, sondern auch zum Beispiel in der Pausengestaltung durch Mieten des Turnsaals, Sammeln des Mülls auf Zeitausgleichsbasis, usw. Demokratieerziehung ist ein wichtiger

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Interview

Musikprojekt der Neuen Mittelschule

Pregarten ist Standort eines Schulversuchs zur NMS

Faktor. Mit den Klassenministerien übernimmt jedes Kind Verantwortung für die Gemeinschaft. Eine besondere Rolle haben die Klassensprecher/ innen als direkte Ansprechpartner der Direktorin. Im Unterricht wird sehr viel in Projekten gearbeitet und Stoffangebote in Absprache mit den Schüler/innen bearbeitet. Zweilehrersystem in Deutsch, Englisch und Mathematik. Durch den Einsatz so genannter flexibler Förderstunden können auch andere Fächer in Teamteaching unterrichtet werden. Teamteaching hat sich als bevorzugte Unterrichtsform herauskristallisiert.

Klipp & Klar: Inwiefern spielt die Schüler_innenvertretung eine Rolle in der Leitung der Schule? Können die Vorstellungen der Schüler_innen in ihrer Schule besser wahrgenommen und umgesetzt werden als in herkömmlichen Schulen? Helga Hofstadler: Schon immer wurde das Prinzip der Schüler/innenmitverwaltung sehr groß geschrieben. Klipp & Klar: Würden Sie eine flächendeckende Einführung einer Neue Mittelschule befürworten oder denken Sie, dass es Kon-

zepte gibt, die besser einer Schüler_innengerechten Schule entsprechen würden? Helga Hofstadler: Ich würde die flächendeckende Einführung der NMS sehr befürworten, allerdings mit zwei wesentlichen Voraussetzungen: Beibehaltung der zusätzlichen Stundenressourcen und Abschaffung des herkömmlichen Notensystems. Das Interview führte Marlene Brüggemann

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Universitätspolitik Innenpolitik

ROTE KARTE FÜR ASYLBEWERBER_INNEN Ein weiteres Versagen der Asylpolitik

Mitwirkungspflicht heißt sie jetzt, die Anwesenheitspflicht für Asylbewerber_innen, die ab 2011 in Kraft treten soll und Menschenrechte für Flüchtlinge weiter einschränkt.

Pünktlich vor den anstehenden Landtagswahlen erschwert die Bundesregierung neuerlich die Bedingungen für Flüchtlinge. Mithilfe einer roten Karte werden sie farblich markiert und dürfen in den ersten Tagen ihre Sammelstelle nicht verlassen. Ein kurzfristiger und wie so oft im Sommer auftretender Anstieg der Flüchtlingszahlen ließ Innenministerin Fekter (ÖVP) prompt mit einem neuen Gesetz reagieren. Dabei ist dieses schon die „gemilderte“ Variante, da die Innenministerin Flüchtlinge ursprünglich einen ganzen Monat lang im Erstaufnahmezentrum verweilen lassen wollte.

Erst einsperren um mitzuwirken? Eine gesetzliche Anwesenheitspflicht wird schon lange ausgeführt. Bei Nichteinhaltung führt das zur Einstellung des Asylverfahrens, Entzug jeglicher Unterstützung und/oder zur Schubhaft. Durch die Verschärfung und Umbenennung in Mitwirkungspflicht assoziiert die Bevölkerung Flüchtlinge mit bereits bestehenden Vorurteilen. Nun werden Flüchtlinge und Verbrecher_innen wieder gleichgesetzt. Das Einsperren in das Erstaufnahmezentrum erschwert die Integration, die Kontaktaufnahme mit Vertrauenspersonen und den legalen Zugang zu unabhängiger Rechtsberatung, so-

There are no limits but Fekter

wie ärztliche und psychologische Betreuung. Rote Karte Laut Befürworter_innen der neuen Regelung soll es den „Untergetauchten“ mithilfe der roten Karte schwerer gemacht werden. Es ist unbestritten, dass ein gewisser Prozentsatz der Flüchtlinge aus der Erstbetreuung verschwindet. Doch das neue Gesetz trifft die Falschen. Das Untertauchen ist auch weiterhin möglich und schafft erst Anreize zu boykottieren. Keine Frage, durch solche Gesetze wird lediglich Fremdenfeindlichkeit geschürt. (cs)

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Universitätspolitik Internationales

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Midterm elections Der Tag der Abrechnung

In den ersten anderthalb Jahren lief es nicht zu gut für US-Präsident Barack Obama. Zu oft ließ er sich auf halbgare Kompromisse ein, aber auch der Afghanistankrieg wird mehr und mehr zu einer echten Belastungsprobe. Gerade recht kommt ihm so eine Offensive von republikanischen Fundamentlist_innen. Um was es geht Am 2. November wählen die USA und obwohl Barack Obama nicht direkt zur Wahl steht, kann der Ausgang entscheidenden Einfluss auf seine Präsidentschaft nehmen. So werden ein gutes Drittel der Mandate im Senat und alle Sitze im Repräsentant_innenhaus zur Wahl stehen. Die Mehrheit in beiden Kammern, welche die Demokrat_innen bis jetzt halten, gilt als Vorraussetzung für die Fortsetzung des eingeschlagenen Reformkurs’ der Obama Administration. Gerade diese Reformen werden zuletzt allerdings immer mehr von fortschrittlichen Kräften

Fox News kümmert sich hinreißend um den Tea Party-Protest

in den USA kritisiert, weil Obama für jene zuviel auf republikanische Einwände eingeht. Preiset den Herren Die viel präsentere Kritik kommt allerdings von rechts. Allerdings nicht aus der ersten Reihe der republikanischen Partei, als vielmehr einer Allianz, die am rechten Rand der Partei entstanden ist, kurz der Teapartybewegung um Sarah Palin. Diese treibt nun, mit Hilfe der Medien und inszenierter Volksnähe, den politischen Mächten den Schweiß auf die Stirn. Denn mittlerweile schadet den Republikaner_innen der enorme

Erfolg dieser extremen Rechten innerhalb der eigenen Partei sogar. Anders lässt sich die Kandidatur für den Kongress einiger dieser Fundamentalist_innen auf republikanisches Ticket nicht umschreiben. So kommt es wenig überraschend, dass die Demokrat_innen mittlerweile sogar die Teaparty insgeheim unterstützen. Das alte Dilemma aber bleibt: Es bräuchte politische Dynamik abseits der viel zu etablierten Großparteien in den USA, eine Bewegung um Sarah Palin und anderer Evolutionsleugner_innen hilft dabei allerdings äußerst wenig. (ma)

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Internationales

Unterdrückung pur

Geschichte & Qualen des baskischen Volkes in Spanien Das Bask_innenland, ein Gebiet im Norden Spaniens und Süden Frankreichs, ist kein autonomer Staat. Obwohl Baskisch die älteste Sprache Europas ist und die Bewohner_innen für ihre Unabhängigkeit kämpfen, werden sie unterdrückt. Das Bask_innenland hat landschaftlich einiges zu bieten

Links, rechts, Nationalismus? Der Linksnationalismus zählt einen Menschen zu der jeweiligen Nation, wenn sie_er die Sprache beherrscht und sich in ihr_sein Umfeld eingelebt hat. Laut Rechtsnationalismus hingegen muss man in der betreffenden Nation geboren sein, die Sprache beherrschen und die „typischen“ äußerlichen Merkmale der Bevölkerung besitzen, um ein vollwertiges Mitglied der Nation zu sein. Basken_innen sind nicht altmodisch und wollen keine Bräuche und Traditionen wahren. Sie sind lediglich stolz auf ihren „Schatz“, auf die baskische Sprache, die sie um jeden Preis sprechen und weitergeben wollen. Würde bei-

spielsweise eine Westafrikanerin im Baskenland Glühbirnen vollkommen unprofessionell verkaufen, aber mit seiner Kund_innenschaft baskisch sprechen, so wird sie wesentlich mehr Akzeptanz erfahren als eine baskische Geschäftsfrau, die zwar eine große Glühbirnenfirma besitzt, aber ausschließlich Spanisch spricht.

von ihnen und ermordete rund 800 politische Gefangene. Das ganze baskische Volk musste seine Namen „einspanischen“. So wurde aus Exteberria Ernesto. Außerdem wurden die Fueros gestrichen (Sonderrechte des baskischen Volkes, die es um 1500 vom spanischen König zugestanden bekam).

Diktatorische Verbote Zur Zeit der faschistischen Diktatur unter Franco wurden das baskische Volk brutal unterdrückt. Ein Ziel von Franco war es, das baskische Selbstverständnis auszurotten. Er ließ ihre Sprache und ihre Symbole verbieten, exekutierte Tausende

Basken_innen sind Menschen, welche die Demokratie und Selbstbestimmung lieben und deren Freiheitsgefühl einzigartig ist. Dafür betrachten sie Ordnung und hierarchische Strukturen als weniger wichtig.

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Internationales

Die baskische Flagge ist ein Symbol der Minderheit

Der ehemalige Diktator Franco unterdrückte die baskische Minderheit

Aktuelle Situation Momentan werden natürlich keine Menschen mehr auf freier Straße exekutiert und die Sprache ist auch wieder erlaubt. Aber viele baskische Parteien werden kriminalisiert und Herri Batasunda, die linksnationale Partei, wurde verboten. Bis dahin hielt die Partei konstant bei 15% im Baskenland. Herri Batasunda wurde nachgesagt, Kontakte zur ETA zu haben. Die ETA ist eine Gruppe, die ein sozialistisches und unabhängiges baskisches Land will. Sie wurde im spanischen Bürger_innenkrieg gegründet und will ihre Ziele im Notfall auch mit Waffen verteidigen. Spanien schloss Zeitungsredaktionen, Jungendorga-

nisationen sowie baskische Schulen, da diese Einrichtungen als Brutstätten der ETA galten. Im Moment gibt es immer noch 800 politische Gefangene aus dem Basken_innenland in Spanien. Die aktuelle Rechtslage sieht vor, dass politisch Inhaftierte in den ersten fünf Tagen keinen Kontakt zu Verwandten oder Anwält_innen aufnehmen dürfen. Spanien schafft damit einen rechtsfreien Zeitraum, in dem die Verdächtigen so lange gefoltert und sexuell missbraucht werden, bis sie gestehen. Friedliche Lösung Es gibt einerseits die „technische“ Lösung von

der spanischen Regierung und andererseits die „politische“ der baskischen Mehrheit. Die technische Lösung sieht vor, dass sich die ETA auflöst und alle politisch Gefangenen freigelassen werden. Die politische Lösung des Konflikts meint ein Selbstbestimmungsrecht des baskischen Volkes und fordert erweiterte Autonomierechte, den Abzug der spanischen Polizei sowie das Aufheben aller Verbote. Da die technische Lösung nur eine auf Zeit ist, muss endlich die Vernunft siegen und es zu einem Ende der Unterdrückung kommen. ( jb)

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Stadtpolitik

Stadtwache Linz

Als ob alle Verbrecher_innen wären Seit wenigen Wochen ist die Stadtwache, offiziell Ordnungsdienst genannt, in Linz aktiv. Und schon herrscht große Aufregung um die 16 Wächter_innen, durch welche die Stadt sicherer werden soll.

Lautstarker Protest gegen die Stadtwache in Linz

Wie viel Sinn die Stadtwache? Sie darf zu uns kommen, darf uns auf unsere Fehler hinweisen und uns bitten, uns anders zu benehmen. Sie darf uns beobachten und die Polizei rufen. Ihnen ist es sogar erlaubt Personen festzuhalten bis die Polizei eintrifft. Allerdings ist keine_r verpflichtet, dem Ordnungsdienst den Ausweis vorzuzeigen. Im Grunde hat sie also nicht mehr Erlaubnisse als alle anderen Bürger_ innen. Und doch werden die Wächter_innen dafür bezahlt und nehmen ihren Job sehr ernst. Mit ihrer schwarzen Hose und dem dazugehörigen roten Hemd machen sie durchaus einen bedrohlichen Eindruck, doch da jede_r über ihre kaum

vorhandenen Kompetenzen bescheid weiß, ist der Respekt vor ihnen mangelhaft. Schon nach ihrem ersten Tag im Einsatz kam Unmut unter den Linzer_innen auf. Einige beschrieben sie als lächerlich, andere waren erzürnt, da dieser private Sicherheitsdienst, der nichts darf, auch noch Geld kostet. Die nächsten fragten sich, warum man anstatt der Stattwache nicht einfach die Polizei aufstockt. Pfeffersprays Zur Zeit ist die Stadtwache ausgerüstet mit Handy, Taschenlampe und Kamera. Die FPÖ fordert, ihr auch Pfeffersprays zur Verfügung zu

stellen. Nun kommt die Frage auf, ob man sich durch Menschen mit Pfeffersprays bewaffnet, beschützt oder bedroht fühlt. Man sollte sich folgendes Bild vorstellen: In jeder Stadt laufen schwarz-rot gekleidete, stark aussehende Wächter_innen umher, mit Pfeffersprays in der Tasche, um ja jede_n Bürger_in in Zaum zu halten. Das Stattleben würde weniger nach Freiheit sondern eher nach Gefängnis aussehen. Als ob alle Menschen Verbrecher_innen wären. (ge)

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Film: Women without Men

Der Spielfilm von Shirin Neshat erzählt von vier iranischen Frauen, die aus ihrer Lebenssituation ausbrechen und einen neuen Anfang suchen. Die Handlung spielt zur Zeit des Militärputsches im Iran im Jahr 1953. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Shahrnush Parsipur, welche im Film die Prostituierte Zarin spielt. Neben Zarin sind Munis, Fakhri und Faezeh die Hauptfiguren der Geschichte. Munis ist eine 30-jährige Frau, die unverheiratet bei ihrem Bruder wohnt. Er will sie immer wieder verheiraten, Munis lehnt diese Hochzeiten jedoch ab. Viel lieber hört sie sich die Nachrichten im Radio an. Als eines Tages ihr Bruder den Radio kaputtmacht und ihr droht, ihr die Beine zu brechen, falls sie das Haus verlässt, stürzt sie sich vom Dach des Hauses, in dem sie wohnt. Die Geschichten der Frauen verstricken sich im Laufe des Films zu einer Geschichte. Ein sehenswerter Film! (cg)

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Buch:

Gender Feelings Im klassischen Geschlechterdiskurs ist Männlichkeit mit Vernunft und Weiblichkeit mit Gefühl deklariert. Diese und viele andere Stereotypen tauchen auch immer wieder im Alltag auf. In den letzten Jahrzehnten wurde auch vermehrt versucht, diese Thesen durch „biologische“ Unterschiede zwischen den Geschlechtern wissenschaftlich zu beweisen. In „Gender Feelings“ wird diesen und vielen anderen Thesen auf den Grund gegangen. Es wird hinterfragt, ob zwischen dem „weiblichen“ und dem „männlichem“ Gehirn wirklich Unterschiede bestehen, oder ob nicht doch soziale Konstrukte dazu führen, dass Männer und Frauen angeblich „anders ticken“. Durch die Vielzahl an Autor_innen werden viele verschiedene Zugänge zum Thema gesucht und so ein möglichst objektives Bild geschaffen. Das Buch gibt auf keinen Fall antworten auf die Frage: „Denken Männer und Frauen unterschiedlich?“ oder „Warum ist das so?“. Aber es regt zum Denken an und lässt die Leser_innen selbst entscheiden. (sh)

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Satire

Politik, baba

Mehr ballern, weniger denken Nachdem die FPÖ von Wahlkampf zu Wahlkampf bessere Werbemethoden entwickelt, und die Elefantenrunden unerkannte Niveauhöhepunkte erreichen, war es für die Satireredaktion des Klipp und Klars Zeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen um herauszufinden, was uns noch alles erwartet. Die Realität? Man will sie nicht mehr glauben.

Der EU-Wahlkampf Sommer 2014: Der Wahlkampf zu den Europwahlen steht ins Haus. Die FPÖ erweitert ihren Fokus und wirbt mit den Slogans „Peru nicht in die EU“ und „Iran brauch ma’ kan“. Gleichzeitig versenden die Freiheitlichen Comics in denen sie vor einer Invasion der Außerirdischen warnen. Strache erklärt in der ZiB 2 dazu, dass nur ein toter Marsmensch Österreich sicherer mache. Das BZÖ ist indes dazu übergegangen Wahlrecht für Jörg Haider einzufordern, um zumindest eine Stimme sicher zu haben. Das einzige Parteimitglied sieht sich gezwungen per Pressemitteilung

zu informieren, dass es an der Wahl unmöglich teilnehmen könne, da in Solarien noch nicht gewählt werden dürfe. Die Nationalratswahlen Noch davor, im Herbst 2013, muss für den Nationalrat wahlgekämpft werden. Die Diskussionsrunde zwischen Werner Faymann (SPÖ) und Eva Glawischnig muss nach einer halben Stunde abgebrochen werden, da der SPÖ-Kanzler nur lächelnd nickte, sonst aber keinen Ton von sich gab. Laura Rudas, Geschäftsführerin der SP, erklärt am folgenden Tag in einem In-

terview, dass alles andere als eine Heiligsprechung Faymanns einem Skandal gleichkäme. Die ÖVP-Plakate erweisen sich indes als sehr innovativ. Auf schwarzem Hintergrund steht in weißen, fetten Lettern „Konzepte? Es reicht“. Dazu gibt’s eine Imagekampagne, bei der vor allem Zuckerl unter dem Motto „Saure Drops für die Unterschicht? Jetzt erst recht“ verteilt werden. Schweißgebadet werde ich munter und stelle beruhigt fest, dass das alles nur ein Traum war. Ich schalte den Fernseher ein um auf andere Gedanken zu kommen. Plötzlich grinst mich Werner Faymann an. (ma)

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aks-Schüler_innenkalender 2010/11 Grenzen aufbrechen - Plakat/ Pickerl/ Folder Frei Bildnung für alle - Plakat/ Pickerl/ Folder Nicht genügend Mitbestimmung – Plakat/Pickerl/Folder Erase Discrimination! – Plakat/Pickerl/ Folder Reiche Eltern für alle – Plakat/Pickerl/Folder Mein Körper meine Lust – Pickerl/Broschüre Hass macht häßlich – Plakat/Pickerl/Folder Rassismus geht uns alle an – Plakat/Pickerl/Folder Jugend ohne Arbeit - Plakat/ Pickerl/ Folder Rufseminar- Folder Sozialbroschüre Get-active Broschüre geschlechtergerechte Sprache Folder Das Toolbook für Schüler_innenvertreter_innen Anti-Homophobie Materialien Plakat,/ Pickerl/Folder Stundenplanpickerl Wandkalender ich will euch beim verteilen vom Klipp und Klar helfen mich interessieren eure Aktionen/Projekte ja, ich will bei der aks mitmachen ja, ich will beim Klipp und Klar mitschreiben

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Klipp & Klar Ausgabe 03/11  

Das Magazin für kritische Schüler_innen in Linz und Oberösterreich.