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Das Mitgliedermagazin der Akademischen Sektion Wien des Österreichischen Alpenvereins 01¡2018 // 117. Jahrgang


Unser Bergmoment In Augenblicken wie diesen wird es ganz still im Kopf und eine tiefe Dankbarkeit für bloßes Sein erfüllt mich. Alle Anstrengung ist ­vergessen, nichts ist mehr wichtig. Außer diesem Moment. Danke an Sunla Mahn für die wunderbaren Fotos dieser Ausgabe!

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Sunla Mahn hat ihr eigenes ­Fotostudio in Wien und ist auf Porträt­ fotografie spezialisiert. www.sunlamahn.com

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Foto: Larisa Birta

Inhalt

01·2018 // 117. Jahrgang

06 Meine letzte Fernsicht von Hannes Offenbacher

08 Wir stellen vor:

das Vorstandsteam 2018/2019

09 Klettern als Methode

Die Wände hoch mit ­ psychischen ­Beeinträchtigungen

10 Jugend und Verantwortung Kinder brauchen Abenteuer

22 #specktiger

auf der Körner-Hütte

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Nachhaltigkeit auf Schutzhütten

Statement zur Podiumsdiskussion vom 6.12.2017

24 Nachhaltigkeit in nuce

Ganz oben und auf engstem Raum

28 131 Jahre Akademische Sektion Wien

12 Alpen-Littering und Zivilcourage

Ein Blick zurück in die Vergangenheit

14 Mit dem Kajak in Albanien

im 131. Bestandsjahr

Was können wir tun?

32 Unser ASW-Archiv

Die Vajosa mit dem Paddel entlang

18 Gipfelbuch

Ein Fotorundblick auf die A ­ ktivitäten unserer Mitglieder

Impressum Herausgeber: Akademische Sektion Wien, Teil des Österreichischen Alpenvereins, Maria-Theresien-Straße 3/2, 1090 Wien Chefredaktion: Angela Hirsch Autoren dieser Ausgabe: Anja Christanell, Anna Heinzle, Fritz Hintermayer, Angela Hirsch, Martin Krake, Monika Melcher, Michael Merstallinger, Hannes Offenbacher, Elisabeth Ott, Günther Schlicker, Wolfgang Steffanides, Matthias Vigl Art-Direktion, Grafik und Illustration: Barbara Veit Lektorat: Franz Neruda, Christoph Baumgartner Druck: Druckerei Janetschek GmbH Erscheinungsweise: zwei Ausgaben im Jahr, Auflage: 2.500 Stück

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editorial

Grüß euch! Angela Hirsch, Vereinsmanagement

Grafikerin dieser Ausgabe

Barbara Veit Grafikdesignerin in Wien. Entwicklung/Konzeption der neuen Gestaltungslinie des oben° seit 2015. www.veitdesign.at

Fotografin dieser Ausgabe

Cover, Bergmoment, Rücken

Erstmals wollen wir euch verraten, was es denn mit dem Ringerl beim oben° auf sich hat. Ganz einfach, es steht symbolisch für die Angabe von geografischen Graden. So hat unsere Adresse in Wien z. B. die K ­ oordinaten N48°12‘54.5“, E16°21‘44.7“. Das ist das ganze Geheimnis hinter dem Ringerl. In dieser Ausgabe von oben° erwarten euch wieder ein paar interessante Informatio­ nen: Wie z. B. geht man mit dem Verhältnis ­zwischen Risiko und Abenteuer bei Kindern und Jugend­lichen um? Wir waren am „Tag der Zivilcourage“ im Gymnasium Kundmanngasse eingeladen und haben uns mit Müll auf den Bergen aus­einandergesetzt. Außerdem gibt es einen kurzen Überblick über eine spannende Podiumsdiskussion zum Thema Nachhaltig­ keit auf Schutzhütten und eine Darstellung der Geschichte der Akademischen Sektion Wien. Neben einem kleinen Einblick in u ­ nsere Bergmomente und einer Schilderung, wie die Vorbereitungen auf der Körner-Hütte laufen, wollen wir auch eine herzliche Dank­ sagung an Hannes Offenbacher richten, der in den letzten Jahren den Vorstandsvorsitz in ­unserer Sektion innehatte und seine A ­ ufgabe nun an Andreas Wiederin weitergibt. Viel Vergnügen mit der ­ neuen Ausgabe von oben°! Angela redaktion@akademischesektion.at

Sunla Mahn hat ihr eigenes Fotostudio in Wien und ist auf Porträtfotografie spezialisiert. www.sunlamahn.com

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Meine letzte Fernsicht Text: Hannes Offenbacher Foto: Jure Vukadin

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10 Jahre ist es her, dass mich meine Sehnsucht nach warmem Fels dazu bewegte, Mitglied in einem Wiener Alpenverein zu ­werden und mich auf den Aufruf von Fritz H ­ intermayer nach junger ­Verstärkung zu m ­ elden. Er war es auch, der mich zur ersten Vorstands­ sitzung mitnahm. Wir kamen direkt von einer Kletterpartie von der Hohen Wand und kurz bevor wir in das Büro hinein­ gingen, hielt er inne, sah mich an und forderte mich b ­ eherzt auf, mich bitte nicht abschrecken zu lassen. Und klar, für einen ­Mittzwanziger, der sich neben dem Studium ­gerade selbstständig gemacht hatte, gab es in den Augen der Meisten wohl andere, ­attraktivere Tätigkeitsfelder als den damals sehr honorigen Vorstand einer der ä ­ ltesten Sektionen des Alpenvereins, die mit großen Nachwuchs­problemen zu kämpfen hatte.

ist, Alt und Jung zusammenzuhalten – trotz oder gerade wegen so mancher Kämpfe. Es war wie der Durchstieg einer schweren Route, herausfordernd und an manchen S ­ tellen am Limit. Am Ende ist es aber gerade der ­gemeinsame Schweiß, der den Gipfelsieg zu etwas B ­ esonderem macht.

Doch wo andere Probleme sahen, erkannte ich wunderbare Chancen, um mein junges Wissen und meine Ideen für Branding, Eventmarketing und den Aufbau einer (digitalen) Community auszuprobieren. Innovationsthemen, mit denen sich damals gerade einmal große Unternehmen beschäftigten, fanden Raum in einem 1887 gegründeten Verein. Was für eine grandiose Mischung und gleichzeitig menschliche Grat­ wanderung für ein rein ehrenamtliches Team, das teilweise 50 Lebensjahre trennte. M ­ anche waren froh, dass frischer Wind kam, viele habe ich mit der Geschwindigkeit überfordert, für einige war ich schlicht ein Zerstörer ohne Wertschätzung für Traditionen. Doch gerade in der Geschichte, der DNA des Vereins, fand ich Bestärkung, war doch seine Gründung für sich ein rebellisches Projekt. Und grundsätzlich war und ist Tradition für mich nie das A ­ n­beten der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers. Wirklich einzigartig bleibt, dass es uns gelungen

Ich wünsche meinem Nachfolger Andreas ­Wiederin und dem großartigen Team ­spannende Jahre und ziehe mich vollständig aus dem Vorstand zurück. Nicht nur, weil mir ­beruflich die Zeit fehlt, sondern weil es nun Zeit für ein neues Kapitel in der Akademischen Sektion ist, das andere ohne Einschränkungen, rebellisch und phantasievoll schreiben sollen.

10 Jahre später hat unser Verein eine ­fulminante Verwandlung hinter sich gebracht, gilt im gesamten Alpenverein als Vorbild, und es erfüllt mich mit Stolz, dass uns das GEMEINSAM gelungen ist. Noch mehr, dass mein schritt­ weiser Rückzug zeigte, dass in der nächsten Reihe neue, junge und alte Talente bereit­ stehen, die gemeinsam etwas bewegen wollen und dafür auch Raum finden. Eine K ­ ultur des Miteinanders, der Offenheit für Neues und dem Respekt vor fachlichen Argumenten, statt ­persönlicher Meinung, die es gilt, stetig zu ­stärken.

Und zum Ende ein Dank an ALLE, die mich auf dieser herausfordernden Route begleitet haben! Es war mir eine Freude, mit Euch in einer Seilschaft gewesen zu sein! Insbesondere: Angela Hirsch, Günther und Gerti Schlicker, Gerhard Fechter, Nicole Arnitz und Valentin Heppner. PS: Für weiteren Kontakt findet ihr mich auf Facebook, linkedIn oder via E-Mail unter ­ ho@mehrblick.at


statistik

Newsletter und Informationen Einladungen zu unseren Veranstaltungen wie oben°wissen, Touren, Camps und vieles mehr versenden wir nur mehr über unseren Newsletter. Du hast ihn bis jetzt noch nicht bekommen? Dann sende uns deine Emailadresse an office@akademischesektion.at mit dem Betreff „Newsletter“. Du bist umgezogen und hast eine neue Adresse – ändere deine Daten selbst auf www.mein.alpenverein.at .

nach Kontinenten

Aktuelle Zahlen

Die Entwicklung unserer Sektion (Stand: März 2018) Text: Redaktion Infografik: Barbara Veit

81,8 %

0,6 %

Österreich

Rest Welt

Durchschnittsalter

17,6 %

Rest Europa

41 die häuftigsten Eintittsmotive 12 % 21 % 4 % 3 % 32  % 23  % 1 % 2 % 1 % 1 %

14 Personen Nordamerika

Förderung und/oder Vorteile auf Hütten Gemeinschaft Angebote der Sektion Nutzung von Kletterhallen Sonstiges Versicherung Wohnortwechsel Förderung Natur- und Umweltschutz Förderung des Vereins Engagement in der Sektion

5 Personen

Asien (Japan, VAE)

2 Personen Australien

1 Person

Afrika (Südafrika)

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team

Wir stellen vor: das Team 2018/2019

Andreas Wiederin Vorstandsvorsitzender

Günther Schlicker VorstandsvorsitzenderStellvertreter

Jürgen Minichmayr Alpinreferent

Christoph Baumgartner Finanzreferent

Eva Bauer FinanzreferentStellvertreterin

Oliver Wana Jugendteamleiter

Anja Christanell Naturschutzreferentin

Hermann Gruber Hüttenreferent

Angela Hirsch Schriftführung

Beiräte Erich Wetzer, Rechts- und Vereinsangelegenheiten Ulrike Pistotnik, Umwelt- und Naturschutz Johann Pichler, Hütte und Immobilien Egon Ostermann, Teamentwicklung und ­Organisation

Rechnungsprüfer/in Heidi Kaschik Helmut Steindl

Sowie viele weitere ehren­ amtliche ­Tourenführer/Innen und ­engagierte ­Mitglieder. Besonders freuen wir uns über Verstärkung in den Referaten Wege, Naturschutz und im ­Jugendteam.

Weitere Teammitglieder Manfred Mehl, Wegewart Heidi Leonhard, Jugendteam Wolfgang Steffanides, Archiv

Willst auch du dich einbringen? Dann schreib’ uns an office@akademischesektion.at.

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miteinander

Die Wände hoch – mit psychischen ­Beeinträchtigungen In der praktischen Arbeit mit Jugendlichen, die durch eine psychische ­Beeinträchtigung betroffen sind, setzen wir Klettern als Methode ein. Text: Anna Heinzle Fotos: Lev Wilke

Eine Gruppe von Jugendlichen zwischen 14 und 24 mit psychischen Beeinträchtigungen geht im Rahmen des Gruppenangebotes von WUK CoachingPlus klettern. Fördergeber von WUK CoachingPlus sind der Europäische Sozialfonds und das Sozialministeriumsservice. Als eine der Übungsleiterinnen Sportklettern für das Jugendteam der Akademischen Sektion vom ÖAV und als Jugendcoach für Jugendliche mit psychischer Beeinträchtigung bei WUK CoachingPlus, habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Lev Wilke eine Klettergruppe ins Leben gerufen. Dabei wird Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren mit einer psychischen Beein­ trächtigung, einmal im Monat die Möglichkeit gegeben sich beim Klettern auszuprobieren. Zu Beginn wird in der Gruppe gemeinsam ­aufgewärmt und gebouldert und wir tasten uns an Materialkunde und Sicherheits­technik heran. Danach geht es zum Seilklettern, wobei es vom Niveau der Gruppenteilnehmer­Innen abhängt, wie das Programm an d ­ iesem Tag aus­ sieht. S ­ tellen am Anfang noch 2, 3 Meter beim ­Bouldern und der Sprung auf die Matte eine Überwindung da, werden zu einem s­ päteren Zeitpunkt schon ganze Routen durchge­ klettert. Gemeinsam geht es in immer schwindel­erregendere Höhen. Gegen Ende schaffen einige schon anspruchs­ volle ­Routen im Toprope bis auf über 10m Höhe. An den Klettertagen nehmen sowohl Mädchen als auch Jungen teil. Um jeden bestmöglich mit ihrer oder seiner Beeinträchtigung zu unter­ stützen und zu betreuen, achten wir auf eine kleine Gruppengröße.

Ziel der Klettergruppe ist nicht in erster Linie die Vermittlung von Kletter- und Sicherungs­ techniken, wie es in Kletter­ kursen üblich ist. Der Fokus liegt auf der Arbeit mit den Jugendlichen mit einer psy­ chischen Beeinträchtigung. Durch das Klettern können die Jugendlichen positive (Gruppen-) Erfahrungen sammeln, ein besseres Körper­ gefühl bekommen und dabei wird durch ­zeitnahe Erfolgs­erlebnisse ihr Selbstbewusst­ sein gestärkt. Sie lernen auch in einem sicheren Umfeld Ängste zu überwinden und sich auf ein Ziel zu konzentrieren. Beim Klettern lernt man, durch das gegen­seitige Sichern, Vertrauen zum Kletter- bzw. Sicherungspartner aufzubauen. Bewegung und Aktivierung sind, neben all dem was K ­ lettern an Positivem mit sich bringt, ein ­weiterer heilsamer Faktor für betroffene Jugendliche. Abgesehen davon, dass wir einen Tag mit viel Lachen und Spaß gemeinsam ­verbringen. Ein Großteil der Jugendlichen fragen uns immer nach den nächsten Terminen, um an weiteren Klettertagen und weiterführenden Kursen teilnehmen zu können. Wir freuen uns, dass wir durchs Klettern, den Jugendlichen eine Möglichkeit geben, die ihnen vielleicht ein wenig hilft, mit ihren Beeinträchtigungen besser ­umzugehen.

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jugend

Kinder brauchen Abenteuer Alpenverein plädiert für Natur für Entwicklungsspielraum und „Mut zum Risiko“ Text: Monika Melcher, Österreichischer Alpenverein

Weitere Informationen und Unterlagen zum Thema: www.alpenvereinsjugend.at/­ verantwortung

Früher war die Natur ein riesiger S ­ pielplatz, ­heute hat sich der Radius, in dem sich K ­ inder und Jugendliche unbeaufsichtigt bewegen ­dürfen, auf wenige Hunderte M ­ eter v­ er­ringert. Kinder werden an der Hand geführt und so nicht nur vor Risiken und Gefahren b ­ ewahrt, sondern auch vor der eigenen Weiter­ entwicklung. Die Alpenvereinsjugend geht ­bewusst a ­ ndere Wege und setzt nun mit einer augenzwinkernden Kampagne eine ­Diskussion in Gang. Freiräume ermöglichen Entwicklung „Kinder brauchen Abenteuer! Sie müssen die Möglichkeit haben, die eigenen Kräfte in der Natur zu erproben und ihre Grenzen aus­ zuloten. Wer ihnen diese Freiräume nimmt, nimmt ihnen auch die Chance, sich motorisch und koordinativ weiterzuentwickeln“, so Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin und Bundesjugend­ leiterin im Österreichischen Alpenverein. Dieser Effekt leuchtet schon bei den ersten Schritten im Kleinkindalter ein, verdeutlicht ­Jürgen Einwanger von der Alpenverein-­ Akademie: „Kinder erlernen das Gehen, indem sie sich wackelig auf zwei Beine stellen, stürzen und es gleich danach mit derselben Freude ­wieder versuchen. So lange, bis es klappt. Würde man sie dabei immer an der Hand ­nehmen und sie am Umfallen hindern, würde man ihre Fortschritte deutlich verzögern.“

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„Das größte Risiko ist offenbar, wenn es beim Spielen kein Risiko mehr gibt“, so ­Einwanger. Laut einer Studie hat eine allzu sichere S ­ piel­umgebung nicht nur negative ­Auswirkungen auf die körperliche Fitness, ­sondern auch auf die s­ oziale, emotionale und intellektuelle Entwicklung. Eltern mit ins Boot holen Die Alpenvereinsjugend hat sich bereits in den 90er-Jahren zum Ziel gesetzt, die Eigen­ ständigkeit von Kindern und Jugendlichen zu fördern und ihnen Wege ins Freie aufzuzeigen – die gesellschaftliche Entwicklung bietet aber ­zunehmend Reibungsflächen. „Es ist definitiv so, dass wir Veränderungen wahrnehmen. Von einem Absatz zu springen, auf einen Baum zu klettern, zu stolpern, ohne sich zu verletzen: Gewisse motorische Fähigkeiten scheinen für immer mehr Kinder zur Herausforderung zu werden“, so Hanna Moser, Leiterin der ­Alpenvereinsjugend. Auch die Eltern werden immer präsenter. „Wo früher die Kids sogar selbstständig zum ­Sommercamp angereist sind, erscheinen sie jetzt in Begleitung von Mama und Papa. Die löchern die BetreuerInnen mit Fragen und würden am liebsten einen Stundenplan aus­ gehändigt bekommen“, schmunzelt Moser. Man müsse die Eltern mit ins Boot holen und ihnen wieder beibringen, ihre Kinder loszulassen.


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Auf den Camps der Alpenvereinsjugend gibt es teils fixe Telefonzeiten – „eine Maßnahme, die wir nicht nur für die Kinder und Jugendlichen eingeführt haben, sondern auch für die Eltern. Außerhalb dieser Zeiten ist Abenteuer ­angesagt, da sollen sich die Kids austoben, ohne auf den Austausch mit Zuhause angewiesen zu sein“, so die Leiterin der Alpenvereinsjugend. Eigenständigkeit und Risikokompetenz ­f­ördern „In einer Gesellschaft, die zur Überbehütung ihrer Kinder neigt, werden Programme, die ­Eigenständigkeit und Risikokompetenz f­ ördern, immer wichtiger. Kinder und Jugendliche ­müssen wieder von der Leine gelassen werden“, betont der Sozialpädagoge Jürgen Einwanger. Es brauche wieder mehr „Mut zum Risiko“. Der Alpenverein bietet eine Vielzahl an ­Programmen an, die Freiräume geben und Verantwortung ermöglichen sollen. Ihnen liegt unter anderem das pädagogische Handlungs­ modell risflecting® zugrunde, das Kinder und Jugendliche an einen souveränen Umgang mit Rausch und Risiko heranführt.

Programme für Kinder und Jugendliche Sommercamps Rund 50 Camps pro Jahr organisiert die ­Alpenvereinsjugend gemeinsam mit Alpen­ vereinssektionen in ganz Österreich. Raus in die Natur, rein ins Abenteuer – beim Biken, Klettern, Paddeln, Wandern, am Lagerfeuer, im Gebirgssee, unterm Sternenhimmel oder im Hochseilgarten. Auch heuer im Plan: das „Mut zum Risiko“-Familiencamp. risk’n’fun für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Im Mittelpunkt stehen die B ­ egeisterung für das Biken, Snowboarden und Skifahren, Klettern und Bouldern, das Draußen­sein in der Natur und die gemeinsamen E ­ rlebnisse mit Freunden. Junge Alpinisten Bergsportausbildung für junge Bergfexe im Alter von 14 bis 20 Jahren („Youngsters“) und spezielle Nachwuchs­förderung über zwei Jahre für 18- bis 22-Jährige im „Team“.

Unsere Sektion bietet im Rahmen von berg:rausch (für Outdoorfans ab 18 Jahren) und dem ­Wolfsrudel (Familien­ gruppe) Kindern, Jugendlichen und jungen ­Erwachsenen die Möglichkeit, an diversen ­Unternehmungen draußen und drinnen dabei zu sein oder sie selbst zu gestalten.

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Alpen-Littering und Zivilcourage – was können wir tun? Gemeinsam mit den Schülern der 3A des GRG 3 Kundmanngasse diskutieren und überlegen wir im Rahmen ihres „Tages der Zivilcourage“ das Thema L ­ ittering, also Müll am Berg. Text und Fotos: Angela Hirsch

Du bist unterwegs und möchtest helfen, die Müllhotspots ausfindig zu machen, lade dir die Naturputzerapp herunter: www.global2000.at/ global-2000-naturputzer

Wir treffen einander an einem Morgen im Jänner vor dem Lainzer Tiergarten. Es läuft im Besucherzentrum gerade die A ­ usstellung „Neobiota“ des Südtiroler Alpenvereins, die sich mit Ironie des Themas Littering am Berg annimmt. „Fusulus Nicotianus“ z. B. ist eines der am häufigsten auftretenden Alpin-­ Neobiotas. Aufgrund seiner außerordentlichen Anpassungsfähigkeit besiedelt der „Gemeine Tschikstummel“ alle Lebensräume und kann mit seinen 4000 schädlichen I­nhaltsstoffen nicht nur bis zu 60 Liter G ­ rundwasser ­verunreinigen, sondern braucht auch je nach Höhen­lage bis zu sieben Jahre, um zu ­verrotten. Wir stehen bei der Bushaltestelle und bevor wir tiefer in das Thema eintauchen, machen wir einen Lokal­augenschein. Weg­ geworfene Dosen, F­ laschen, Papierln jeglicher Art uvm. sehen wir augenblicklich und das auf ­wenigen Quadratmetern. Es gibt nicht nur in der Stadt Hotspots wie Halte­stellen, an denen die Leute besonders gern achtlos ihren Müll wegwerfen, die gibt es auch auf dem Berg, wie z. B. an beliebten Aussichtsplätzen oder

auch, besonders p ­ roblematisch, auf Park­ plätzen. Aber dazu k­ ommen wir später. Zuerst reden wir noch d ­ arüber, was Z ­ ivilcourage für uns eigentlich bedeutet. N ­ achdem wir die verschiedenen p ­ sychologischen Wegwerf­ typen besprochen haben, klären wir, was der ­Broken-Window-Effekt ist, und arbeiten die ­Unterschiede zwischen ökologischen, ­hygienischen und ästhetischen Problemen von Littering heraus. Und schon widmen wir uns den Gefahren, die der ganze Müll für Tier, ­Landwirtschaft und Mensch mit sich bringt. Zum Beispiel werden Wildtiere zu leichter Beute, wenn sie sich an scharfen Kanten von Dosen oder Glas verletzen oder infizieren. Kleinere Tiere ersticken oder vergiften sich an dem oben genannten „Fusulus Nicotianus“. Menschen- und Hundekot können Krankheiten übertragen, was wieder bis weit in die Land­ wirtschaft hinein Auswirkungen haben kann. Wusstet ihr übrigens, dass ein Taschentuch, weil es meist imprägniert und beschichtet ist, viel länger braucht, um zu verrotten, als nicht behandeltes Klopapier? Nach all den georteten Problemen und Problem­stoffen machen wir uns daran, Lösungs­ansätze zu finden, und ü ­ berlegen, wie wir mit unserem Einsatz Mitmenschen dazu bringen können, mit ihrem Müll

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jugend Rubrik

verantwortungs­voller umzugehen. Wieder in Gruppen aufgeteilt, gilt es, verschiedene ­Ansätze zu erarbeiten, um Müll zu vermeiden. Unter anderem s­ chlagen die Schüler und Schülerinnen vor, g ­ ebrauchte Taschentücher und Klopapier ­wieder m ­ itzunehmen oder ­überhaupt schon vorab Müll zu vermeiden, z. B. durch wieder­verwendbare Trinkflaschen statt Dosen. Auch andere Ü ­ berlegungen, wie man Leute dazu bringen kann, weniger Müll ­achtlos w ­ egzu­werfen, werden angestellt. Das geht von Aufklärung, Hinweisschildern, mehr ­Mülleimern bis hin zu höheren Strafen und einer ­Müllpolizei. An dieser Stelle ein Danke an die Schülerinnen und Schüler der 3A für ihre Aufmerksamkeit und die aktive Mitarbeit an diesem Vormittag! Ihr habt wirklich gezeigt, was man tun kann, und dass ihr motiviert seid, dies auch in die Tat umzusetzen.

*) Aus dem Alpenvereinshandbuch Saubere Berge.

Littering Das Wort Littering hat seinen Ursprung in der englischen Sprache und bedeutet nichts ­anderes als das achtlose Wegwerfen, aber auch das Verlieren von Abfall bzw. von Gegenständen durch Unachtsamkeit.*)

Broken-Window-Effekt Beim Broken-Window-Effekt wird davon ­ausgegangen, dass es eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit von Littering gibt, wenn bereits relativ harmlose Beschädigungen oder Verschmutzungen im Umfeld vorgefunden ­werden.*) Wusstest du, dass . . . »» Styropor, wenn es weder Wind, Wasser bzw. Wetter ausgesetzt ist, praktisch ewig hält, zumindest 6000 Jahre lang? »» ein Papiertaschentuch bis zu 5 Jahre ­brauchen kann, bis es abgebaut ist? »» eine Bananenschale bis zu 2, eine ­Orangenschale sogar bis zu 3 Jahre braucht, um zu verrotten? »» ein Kaugummi zwischen 3 und 5 Jahre braucht und Glas 4000 Jahre oder mehr, je nachdem? Mehr Infos zur Aktion Saubere Berge des ­Österreichischen Alpenvereins findet ihr hier: www.alpenverein.at/saubereberge

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Rubrik

Mit dem Kajak in Albanien Text: Fritz Hintermayer Fotos: Grete Liebmann, Fritz Hintermayer

Mancher Alpinist will einmal das Matterhorn besteigen, manche Radfahrer die Glockner­ straße befahren und mancher Wildwasser­ paddler träumt von einer Fahrt durch einen tiefen Canyon in einem wildromantischen, kaum erforschten Land. Das alles bietet die Osum-Schlucht im Südosten von Albanien, wo die Schluchten des Balkan besonders wild sind (nachzulesen in Karl May: Durch das Land der Skipetaren etc.). Dieses Naturjuwel ist eine der längsten und schönsten Schluchten Europas. Auch hat Albanien als lange Zeit abgeriegeltes, maoistisch geführtes Land einen besonderen Reiz für Entdecker und Abenteurer. Solcherart vorgespannt, machten sich vier ­ASWler samt Kajak-Ausrüstung im Mai 2017 auf den Weg. Das waren: Grete und Günter Liebmann, Walter Pistulka und der Autor – eine schon bei vielen Kajakfahrten bewährte ­Wildwasser-Partie. Zunächst ging es per Fährschiff nach ­Igoumenitsa in Nordgriechenland. Dort konnten wir zum „Aufwärmen“ zwei uns bereits bekannte

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Flüsse befahren. Danach wechselten wir über die Grenze in das unbekannte, Abenteuer ­versprechende Albanien. Da floss gleich die Vjosa mit herrlich blauem, sauberem W ­ asser entlang unserer Straße nach Permet. Die Vjosa ist der letzte noch unverbaute Wildfluss ­Europas, wild umkämpft von Naturschützern und Kraftwerk-Erbauern. Und dieser schöne Fluss in grandioser Berglandschaft war unser erstes Ziel. Nachdem wir uns in der Kleinstadt Permet einquartiert hatten, befuhren wir eine Strecke von etwa 20 Kilometern. Nicht wirklich schwer (WW 2 bis 3), aber das weiß man erst nachher, denn die Angaben in den vorhandenen Beschreibungen sind sehr vom ­Wasserstand abhängig. Und dann die Osum-Schlucht, unser eigent­ liches Wunschziel. Um dorthin zu kommen, ­mieteten wir einen allradgetriebenen Pickup samt Fahrer. Auf der wilden Bergstraße wurden wir zwei Stunden lang grob durchgeschüttelt. Dann endlich die Einbootstelle zu Beginn der zirka 14 Kilometer langen Osum-Schlucht. ­Hinein in die Boote und in das prickelnde


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­ benteuer. Zunächst erlebten wir halbwegs A offenes Gelände, aber dann rückten die ­Felswände immer dichter an den Fluss, die Spannung steigt, denn ein Umkehren oder Aussteigen ist nicht mehr möglich. Wir müssen durch und wir sind völlig allein. Selbst Walter, unser Mutigster und Vorausfahrender gestand nachher, dass ihm etwas mulmig zumute war. Da führt einmal der Fluss (zugegeben Nieder­ wasser) direkt auf eine senkrechte Wand zu – das Weitere verliert sich in D ­ üsternis. Nach einer Links-rechts-Kombination, v­ orbei an einem aus senkrechter Höhe herab­ stürzenden Wasserfall, zieht es uns hinein in eine Schlucht, die allen Fantasien gerecht wird. Sie ist 100 Meter tief eingeschnitten und an einigen Stellen so schmal, dass oben die Bäume ­zusammenwachsen und unten ein Kajak gerade noch durchkommen kann.

Nach solchen Superlativen ist man wieder froh, wenn sich das Land weitet, wir nach vier ­Stunden das Neopren-Gewand ausziehen ­können. Die strapaziöse Rückfahrt beginnt, und wir kommen nach einem eindrucksvollen ­Paddelerlebnis sehr spät ins Hotel zurück. Albanien bietet natürlich noch viele weitere Sehenswürdigkeiten, landschaftliche und ­kulturelle. Einiges konnten wir auf der Rückfahrt noch besichtigen und erleben. Aber das Land bietet genug für weitere Besuche.

Einfach raus am Donnerstag Wanderungen, Bergtouren, Langlaufen, Ski fahren, Rad fahren etc., idealerweise k­ ombiniert mit ein bisschen Kultur und besonderen ­Sehenswürdigkeiten. Die Tagestouren finden in der Regel am 1. und 3. Donnerstag im Monat statt.

Wir freuen uns auf Mitarbeiter bei der ­Planung und Durchführung der Touren sowie über ­Anregungen! Wer in den Mailverteiler ­aufgenommen werden möchte, schreibt an: ulrike.pistotnik@gmail.com

Programm mit Treffpunkt und Tourendetails werden auf www.akademischesektion.at/­termine veröffentlicht.

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draußen

Im Herzen der grünen Berge Die „Königstour der Schladminger Tauern“ führt zu einem versteckten Schatz Text und Fotos: Martin Krake, Maremonto Reiseverlag Buchtipp: Die komplette ­Beschreibung dieser und noch 29 weiterer ­Wanderungen gibt es im Maremonto R ­ eiseund Wanderführer ­Obersteiermark und Pyhrn-Priel-Region.

Die Planai, Schladmings Hausberg, ist eine ­Wintersportlegende, und auch die benach­ barten Berge sind im Winter ausgesprochen ­beliebt. Im Sommer dagegen scheinen die Schladminger Tauern auf den ersten Blick nicht allzu viel zu bieten zu haben: Südlich der Enns erstreckt sich eine Reihe waldiger Hänge mit grasigen Kuppen, die sich vor der M ­ onumentalität der direkt gegenüber ­gelegenen Dachstein-Südwand bescheiden wegducken. Doch im Zentrum der Schladminger Tauern sieht es anders aus: In finsterem Schiefergrau ragen die Gipfel bis auf 2500, 2800 Meter empor, also gar nicht so viel weniger als der Dachstein. Das wasserundurchlässige Gestein des „Tauernfensters“ sorgt hier im Sommer für üppiges Grün, Bäche und Wasserfälle an jeder Ecke und Türkis leuchtende Seen, die kaum zu zählen sind.

Der Greifenberg ist einer der

Besonders viele, von echten Seen bis zu ­winzigen Lacken, sind es im Klafferkessel, einem rund 2500 Meter hoch gelegenen Plateau i­nmitten der Schladminger Tauern. Die W ­ anderung dorthin, die man am besten vom Parkplatz Riesachfälle aus als Rundtour unternimmt, wird gerne als „Königstour der

höchsten Gipfel der Schladminger Tauern

Flache Lacken und kleine Seen bedecken das Plateau des Klafferkessels

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­ chladminger Tauern“ bezeichnet. Mit einer S Länge von 22 Kilometern und 1580 Höhen­ metern im Auf- und Abstieg ist sie nicht ganz ohne, mit etwas Kondition aber gut an einem Tag zu schaffen. Wer es entspannter angehen will, der hat mit Gollinghütte und Preintalerhütte gleich zwei Optionen für eine Übernachtung. Und es geht auch nicht nur um den ­Klafferkessel: Im Gesamtpaket der Tour ist noch der Gollingwinkel enthalten, ein stiller, fast mystisch anmutender Talschluss, und der Greifenberg, mit 2618 Metern einer der ­mächtigsten Gipfel der Schladminger Tauern. Er ist der höchste Punkt, von dort aus steigt man zum Klafferkessel hinunter, jetzt geht es nur noch bergab. Am Ende kommt man noch am hübschen Riesachsee und den Riesachfällen vorbei, wo man einen eventuell vorhandenen Rest des Zeitfensters bei einer der zahlreichen Jausenstationen verbummeln kann. Mit dem Wanderbus (ab Schladming) lässt sich die Tour auch ohne Auto machen!


Durch Wind und Wetter! Und wenn die Lawinensituation zu gefährlich ist, dann gehen wir eben langlaufen! Text: Angela Hirsch Foto: Johannes Vass

So oder so ähnlich hat es sich wohl am ­legendären Bergfieber-Skitouren-Wochenende, organisiert von Jürgen Minichmayr in ­Eisenerz, abgespielt. Da irgendwann das ­wiederholte Besteigen des Kragelschinken – bei den v­ orherrschenden Schneeverhältnis­ sen die e ­ inzige vertretbare Tour – von einigen ­verweigert wurde, hat man kurzerhand die ­Disziplin von Skitour auf Langlauf gewechselt oder ist mit Klaus Platzer und Michi Haider auf eine Schneeschuh-Tour gegangen. Wir sind ja flexibel!

Es war ein großartiger ­Winter! Im Gipfelbuch findet ihr ein paar ­Bergmomente unserer ­Aktivitäten.

Kein schlechtes Wetter oder u ­ ngünstige Schneebedingungen konnten unsere ­Outdoor-Abenteurer heuer abhalten, im Schnee zu spielen. Besonders nicht Hermann Gruber und alle, die mit ihm mit sind. Eine Gruppe, bei der Hermann dabei ist, kann sowieso kaum etwas aufhalten: nicht von 1700 Höhenmetern an einem Tag bei der Skihochtouren-Querung des Dachsteins, auch mit Richard Franz und Egon Ostermann, oder von der Faschingsparty beim Kölblwirt mit einer Skitour am Folgetag mit über 1200 Höhenmeter aufs Blaseneck. Da wurde zu später Stunde beim Wirten doch glatt noch mit der Trompete und dem ­Saxophon aufgetrumpft. Lustig war es auch beim Get-ReadyOff-­Piste-Kurs auf der Planneralm. Die ­Schneebedingungen waren, nun ja: lehrreich. Wenig weich, aber doch recht herausfordernd, was Herbert B ­ randner und den bunten H ­ aufen, der ihm folgte, nur zu weiteren Härtetests ­motiviert hat. Im Notfall haben wir nachgegeben und haben die weitere strategische Planung mit anderen in „The Rock“ diskutiert. Manche von uns auch durch Ausdruckstanz ;-)

Aber das war ja noch lange nicht alles! Bei den Freeride-Tagen in Obertauern mit Andi ­Wiederin und Angela Hirsch wurden die Wadln im Wellness-Bereich für den nächsten Tag hergerichtet und die Videoanalysen durchaus ernst genommen. Während Andis Gruppe auf der Suche nach dem besten Powder die Hänge ­abseits der Lifte durchsuchte, hat die Get-­readyGruppe mutigst jeden Hügel mit Schnee in Angriff genommen, sich durch Wälder gekämpft und Bäume stehen lassen und überhaupt den j­eweiligen Skistyle um einiges verbessert sowie jede noch so kleine Off-Piste-Möglichkeit ­ausgenutzt. Die kommen überall runter! Und dann war berg:rausch auch noch zum ­Iglubauen, Ski- und Schneetourengehen ­unterwegs. Laut gepostetem Höhenprofil haben sie einen Tag ausschließlich mit Power-Rodeln verbracht. Gerüchten zufolge konnten sie nur wenige Fotos machen, da sie so viel zu tun h ­ atten ;-) Unser Wolfsrudel mit Claus Schmidt und Alex Wiesböck ist sowieso immer unter­ wegs. Ob beim Rodeln oder Klettern, die Kleinen hält nichts auf. Genauso wie unsere etwas e ­ rfahrenere Generation. Die sind zu ­Redaktionsschluss noch immer auf dem Berg. Ob beim Eislaufen auf dem Neusiedlersee oder Skitourengehen in Südtirol, ob mit „Einfach raus am Donnerstag”, der Initiative von Uli Pistotnik, oder tagelang verschollen mit Walter Pistulka oder Norbert Huber – manchmal sehen wir sie, aber meistens nur ganz kurz, und dann freuen wir uns, wenn wir doch eine der raren ­Aufnahmen von ihnen bekommen. Sogar erste Skiballettversuche wurden unternommen und sofort von einheimischen T ­ alentescouts ­entdeckt.

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erung Ganslwand mit Norbert

Skihochtour Dachstein-Querung

Gipfelbuch Ein Rundblick auf die Aktivitäten der Akademischen Sektion Wien seit Herbst 2017

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Mehr Fotos von unterwegs findest du auf akademischesektion.at/unterwegs-2018

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#specktiger auf der Körner-Hütte Der Schnee schmilzt, friedlich und still ist es rund um die Körner-Hütte an der Bischofsmütze. Doch der Schein trügt: Die Vorbereitungen der neuen Pächter auf den Almsommer laufen bereits auf Hochtouren. Text: Elisabeth Ott Fotos: privat

Die neuen Pächter: Flo und Silvia mit Sohn Jakob

Auch wenn Natur und Hütte noch im Winter­ schlaf sind: Silvia Krallinger und Florian Kerfers freuen sich schon auf ihren ersten Sommer als Pächter auf der Körner-Hütte. Was Bergfexe und Sektionsmitglieder alles bei ihnen er­warten können, möchten sie noch nicht verraten. So viel vorab: „Wir bereiten euch ein sonniges Platzerl mit einer Wahnsinns-Brettljause und dem einen oder anderen flüssigen Schman­ kerl“, erzählt Florian. Die beiden, Silvia und Florian, kümmern sich mit Söhnchen Jakob bald um das Wohl von Besuchern auf der Körner-Hütte. Los geht’s, sobald das Wetter es zulässt! Leckere Schmankerln Flo und Silvia haben beide viel Erfah­ rung in Gastronomie und Hotellerie. „Bei Speisen und Getränken legen wir Wert auf Lieferanten aus der Gegend“, betont Flo, der in der Hütte auch am Herd stehen wird. Und das geht so: Das Brot, das künftig für Jausen, Schmalzbrot und Co. auf die Teller kommt, backt eine Bäurin aus Lungötz extra für die Körner-Hütte.

„Der Kas ist saugut und kommt von der Dorf­ käserei Pötzelsberger aus Adnet. Für das ­Verdauungsschnapserl haben wir eine Rarität für unsere Gäste von einem Brenner aus Eben, der regelmäßig Wettbewerbe gewinnt“, verrät Silvia, die gebürtig aus Annaberg stammt und sich in der Region bestens auskennt. Ihr Tipp: „Der ­Vogelbeer-Schnaps ist gewaltig!“ Aus Silvias Familie stammt auch das Rezept für den Speck. Nach Uromas Methode werden die Schinken in der heimischen Räucherkammer zubereitet. „Bei uns zu Hause duftet es seit ­Wochen nach Gselchtem“, erzählt sie lachend. Auf Instagram findet man die Körner-Hütte ­deshalb auch unter dem Hashtag #specktiger. Sonnige Aussichten Auch außen macht sich die Körner-Hütte bereits schön für den Almsommer. Die ersten Wochen des Almfrühlings werden für die Erneuerung der Terrasse genutzt. „Wir werden unsere Gäste auf einer neuen, größeren Terrasse begrüßen dürfen“, kündigt Florian an. Silvia und er sind sich einig: „Danke an die Akademische Sektion Wien, die uns das ermöglicht. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!“

Neues von der ­Körner-Hütte und von den Pächtern erfahrt ihr auf Instagram unter @koerner.huette und auf Facebook www.facebook. com/koerner.huette

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thema

Nachhaltigkeit auf Schutzhütten Statement im Rahmen der Podiumsdiskussion am 6. Dezember 2017 – WU Text und Fotos: Michael Merstallinger, Alpenverein Wien

Auf Schutzhütten gibt es unterschied­liche ­Interessen der Benutzer, Betreiber und E ­ rhalter. In diesem Interessendreieck m ­ üssen sich alle drei „Zielgruppen“ ein­bringen sonst funktioniert auch das ambitionierteste „Nachhaltigkeits­ konzept“ nicht. Zielgruppe und Interessen 1. Hüttenbesucher: meist Mitglieder in ­alpinen Vereinen, Bergsteiger, Wanderer: ­möchten Unterkunft und Verpflegung – mit ­unterschiedlichen Komfortansprüchen 2. Hüttenwirt: Pächter der Schutzhütte und selbständiger Unternehmer: möchte eine gut ausgestattete Hütte und viele Besucher 3. Hüttenerhalter: alpiner Verein, ehren­amtlich muss Hütte an behördliche A ­ nforderungen anpassen, die Hütte attraktiv für die ­Besucher/Mitglieder machen, aber auch für potentielle Hüttenwirte

Nur wenn alle drei Zielgruppen auch be­ reit sind für eine nach­ haltige Hütten­gestaltung etwas ­bei­zutragen kann diese nachhaltige Entwick­ lung gelebt werden: Hüttenerhalter soll bauliche und betriebliche Vorgaben ­machen und diese auch an den H ­ üttenwirt und die ­Besucher kommunizieren und einfordern! Hüttenwirt soll den Betrieb entsprechend vorgegebener Maßnahmen umweltgerecht führen, aber auch nach außen gegenüber den Gästen vorleben und kommunizieren (ist vor Ort der ­Repräsentant des Erhalters!) Hüttenbesucher soll sich entsprechend im Sinne der ­kommunizierten Vorgaben umweltfreundlich verhalten – es reicht nicht Mitglied in einem ­alpinen (umweltfreundlichen) Verein zu sein, man muss das auch aktiv leben!

Besucher

alpine Schutzhütte Wirt

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Nachhaltigkeit

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thema

Nachhaltigkeit in nuce: ganz oben und auf engstem Raum Im Fokus der Podiumsdiskussion: Berghütten Text: Anja Christanell, Naturschutzreferentin Fotos: Igor Ripak

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit der ­Wirtschaftsuniversität Wien statt.

Berghütten sind Orte, an denen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung aufeinandertreffen. Das Motto der aktuellen österreichischen ­Präsidentschaft der Alpenkonvention bringt auf den Punkt, worum es dabei geht: „Schützen und Nützen“. Wirtschaftliche Nutzung alpiner Landschaften, ihr Beitrag zur Lebensqualität, Ressourcennutzung und Abfallmanagement – das sind Herausforderungen, die Berghütten im Kleinen ebenso betreffen wie die Nachhaltigkeit im Ganzen. Zum Ende des „Internationalen Jahres des nachhaltigen Tourismus für Ent­ wicklung“ der Vereinten Nationen haben wir am 6. Dezember 2017 diese Themen mit Expert­ Innen und dem Publikum erörtert. Gemeinsam mit Fred Luks, dem Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der WU Wien, habe ich in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Veranstaltung zu einem alpinen Thema in Verbindung mit Nachhaltigkeit organisiert und moderiert. Fred bezeichnet sich selbst als Flachlandtiroler und kennt Berghütten nur von schönen Bildern, und ich selbst bin mitten in den Bergen aufgewachsen und kann mich noch an das erste Mal erinnern, als ich staunend Flachland gesehen habe. Sehr bewandert waren unsere Podiumsgäste in den Themenfeldern Naturschutz, Nachhaltiger Tourismus, Nachhaltiges Bauen, Schutzhütten und natürlich in den Bergen.

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Eröffnet wurde der Abend mit einem K ­ urzfilm, den Michael Merstallinger vom A ­ lpenverein Wien als Podiumsgast mitgebracht hat. Der Film zeigt sehr eindrücklich, wie der Zubau der Salmhütte im Spätsommer 2017 e ­ rfolgt ist. In der spektakulären Bergwelt des G ­ roßglockners haben Hubschrauber die G ­ ebäudeteile ­angeliefert; die Flüge sind aufgrund der ­Bestimmungen des Nationalparks Hohe Tauern auf gewisse Tage und Uhrzeiten beschränkt. Das B ­ esondere am neuen Zubau der Salm­ hütte: Nur Holz wurde eingesetzt. Darauf sind die beiden ­Architekten, die Hüttenwirtin und Michael als Hüttenreferent stolz. Sucht auf ­Youtube die Stichworte „Salmhütte, Baustelle auf 2600 m“, der Kurzfilm ist echt sehenswert. Nachhaltig wirtschaften, nachhaltig bauen, Verantwortung leben – auf so engem Raum und so hoch oben „Hubschrauberanlieferung und reiner Holz­ zubau, das ist nur eine der Kontroversen, mit der man sich als Hüttenreferent auseinander­ setzen muss, wenn einem Nachhaltigkeit ein Anliegen ist”, meint Michael. Ein Hüttenwirt im Publikum meldete sich dazu auch gleich zu Wort: „Für uns Hüttenwirte gibt es zu wenige Konzepte, wie wir Nachhaltigkeit in unseren Hütten umsetzen können. Bei notwendigen ­Renovierungen sind die strengen Vorschriften oft hinderlich. Ein nachhaltiges Bauen und ­Renovieren wird dadurch erschwert.“


Rubrik

Sektionen und Hüttenwirte, die ihre Hütten nachhaltig ausrichten möchten, stehen immer wieder vor Entscheidungen. „Nur Photovoltaik: Ja!“ kann zugleich „Geschirrspüler: Leider nein“ bedeuten, mehrere solche Beispiele werden sowohl vom Podium als auch vom Publikum angesprochen. Was Christian Baumgartner, der an der FH Krems zu Nachhaltigem Tourismus lehrt, dazu bewegt, die Frage zu stellen: „Brauchen wir den Komfort?“ Und die Frage wird von Liliana ­Dagostin, der Leiterin der Abteilung Raum­ planung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein, sogleich mit einem klaren Nein beantwortet. Es brauche aus ihrer Sicht keine Fritteuse und somit auch keine Pommes auf den Hütten. Einfache Speisen sind aus­ reichend und schmecken auch besser. Liliana

beruft sich dabei auf die „Tölzer Richtlinien“ des Öster­reichischen Alpenvereins aus dem Jahr 1923, die bis heute das Leben in den Alpen­vereinshütten prägen. Damals wurde ­beschlossen, dass der Bau von Hütten und Wegen weitestgehend gestoppt und die Hütten selbst auf spartanische Einfachheit reduziert werden sollten. Neue Hütten sollten nur gebaut werden und eine Förderung erhalten, wenn sie ein bergsteigerisches Bedürfnis erfüllten und nicht oder nur einfach bewirtschaftet waren. ­Zulässig waren bei Neubauten nur Matratzen­ lager mit Decken; Federbetten sollten auch in den alten Hütten schrittweise durch Decken ersetzt w ­ erden. Und das Essen? Das sollte laut den ­damaligen R ­ ichtlinien einfach sein.

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thema

Nicht gleich ein Widerspruch: smarte Lösungen und Einfachheit Karin Stildorf, die Leiterin des Universitäts­ lehrgangs Nachhaltiges Bauen an der ­Technischen Universität Wien, meint darauf, dass es mittlerweile smarte Lösungen gibt, mit denen zumindest ein wenig Komfort möglich ist. Es ist vor allem Aufgabe der ArchitektInnen hier kluge Lösungen zu entwickeln. Sie weiß, wovon sie redet, war sie selbst als Architektin für den Bau des Schiestl-Hauses am Hoch­ schwab ­verantwortlich, einem energieautarken Holzbau in Passivhausstandard mit biologischer ­Abwasseraufbereitung und Regenwasser­ nutzung. Wegen der exponierten Lage musste das G ­ ebäude nicht nur niedrigen Tempera­ turen, sondern auch Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h widerstehen. Auch hier mussten alle Baumaterialien und Geräte per Hubschrauber transportiert werden. Und da das Schiestl-Haus im Einzugsgebiet der II. W ­ iener Hochquellenwasserleitung liegt, ­wurden besonders hohe Anforderungen an die Abwasser­reinigung gestellt. Smarte, energie­ effiziente Technologien und Einfachheit sind für Karin kein Widerspruch: Die Berghütten laden ein zum „Gewöhnen an fehlende Dinge“ und erinnern an den Gewinn von Lebensqualität ­abseits des gewohnten Komforts. Soziale Verantwortung: auch da oben! Michael zeichnet anhand eines Bildes (siehe Seite 23) das Spannungsfeld auf, in dem wir uns an diesem Abend und viele alpine Vereine sich bewegen: Wie kriegen wir Soziales, Öko­ logisches und Wirtschaftliches unter einen Hut? Welcher dieser drei Punkte bleibt am meisten auf der Strecke? Für Christian sind vor allem ­soziale Themen unterbelichtet, wenn es um Nachhaltigkeit auf Hütten geht, bzw. werden diese selten thematisiert. Wie steht es um den sozialen Zusammenhalt und um soziale Inte­gration, wer geht auf die Berge und wer hat diese Möglichkeit nicht? Wie sieht es aus mit den Arbeitsbedingungen des Personals auf den Hütten, unter welchen schwierigen ­Bedingungen muss oft gearbeitet werden? Michael nimmt die letzte Frage auf: Es gibt so unterschiedliche Hütten, und daher muss man sich die Arbeits­bedingungen genauer anschauen. Teilweise sind diese unzumutbar, und hier besteht Bedarf, etwas zu ändern. Und:

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„Auch Hüttenwirte und -wirtinnen müssen ­duschen“, so Michael. Wobei wir wieder bei der Frage nach dem Komfort wären. Hütten als Wachstumstreiber Für Liliana sind Hütten „Wachstumstreiber“. Heute stelle man sich im Österreichischen ­Alpenverein Fragen, die an jene aus der Zeit der „Tölzer Richtlinien“ erinnern: Wie viel Wachstum tut uns gut, und wie gehen wir mit unserer ­gesellschaftlichen Verantwortung um, wenn wir weiterwachsen? Für Michael führt der Ausbau von Wegen und Hütten zu mehr TouristInnen und somit zum Wachstumskreislauf „mehr, mehr, mehr“. Hier wäre es wichtig, dass es mehr Abstimmung der Sektionen untereinander gäbe, meint Liliana. Würde eine Hütte am Karnischen Höhenweg ausgebaut werden, müssten die anderen Hütten auf diesem Weitwanderweg mitziehen. Sie hat hier starke Zweifel, ob dies der richtige Weg ist. Allerdings gibt es im Publikum dazu Meldungen, dass man als BergsteigerIn und Gast durchaus die vorhandenen Strukturen und auch ihren Ausbau zu schätzen weiß. Andere im Publikum meinen wiederum, dass sie die Problematik erkennen und hier die Sektionen untereinander mehr gefordert sind, gemeinsam im Netzwerk zu denken und sich auszutauschen, wie Spitzen ausgeglichen werden können. Die Besucher­ steuerung und eine realistische Kalkulation sind jedoch sehr schwer. Karin nimmt als gebürtige Tirolerin in den ­Bergen eine deutliche Zunahme an Bergsteiger­ Innen und TourengeherInnen wahr. Die Park­ plätze sind oft voll, und da stelle sie sich auch immer wieder die Frage: „Wie geht man mit dem stark steigenden Zustrom um?“ Christian bringt aber auch die positiven Seiten zur S ­ prache: Mehr Menschen gehen in die Natur. Und er beobachtet immer wieder, dass viele Menschen offen für mehr Naturschutz und Nachhaltigkeit in den Bergen sind und generell offen für mehr Angebote zu nachhaltigem Tourismus: „Die ­Kundinnen und Kunden und die Gesellschaft sind oft schon weiter, als manche denken.“


thema

Ein herzliches ­Dankeschön an alle für ­diesen ­inspirierenden Abend, an die ­tollen

Und von der Wachstumsrunde zur ­abschließenden Runde: Was ist zu tun? Und wie geht’s jetzt weiter? Darauf gibt es keine einfache Antwort, meint Michael in der Abschlussrunde. Für ihn wäre es wichtig, dass man sich stärker damit auseinandersetzt, was Menschen in die Berge zieht. Wichtig ist aus ­seiner Sicht, so wenig Ressourcen wie möglich in Anspruch zu nehmen und dass auch die Gäste nichts vor Ort zurücklassen und von der Tour nichts anderes mitnehmen als ihre ­Erinnerungen. Auch im Umgang mit Lebens­ mitteln sollte auf den Hütten wieder mehr darauf geachtet werden, dass selbst produziert wird und zum Beispiel selbst gebackenes Brot ­angeboten wird. Für alle – ob Gäste, Hütten­ wirte oder Sektionen – sollte Innehalten und Nachdenken gelten: „Brauche ich das wirklich?“

Als nachhaltig agierende Bäuerin wünscht sich Karin, dass es noch mehr Konzepte gibt, wie Einfachheit und Technik gut i­ntegriert werden können. Wichtig ist, dass bei Umbau oder ­Renovierung auf die lokalen G ­ egebenheiten ­geachtet wird. Es sollte weniger um Debatten zu Haftungs­fragen oder ähnliche Probleme gehen, sondern vielmehr um Wert­schätzung für neue Ansätze. Das abschließende Wort hat aber der ­Hüttenwirt im Publikum, der sich schon zu ­Beginn gemeldet hat: „Als Hütten­wirte sind wir es gewohnt, alles zu können. Und wir können gemeinsam Nachhaltigkeit mit Leben füllen.“

­Podiumsgäste, an das motivierte und ­engagierte ­Publikum, an Fred für die ­Co-­Moderation, an Laura und Angela fürs ­Mitorganisieren und ­Bekanntmachen, an

Liliana merkt abschließend an, dass wir eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Infrastruktur brauchen. Was benötigen wir? Welche erhalten wir? Und auch sie betont, dass der zukünftige Weg nur ein energie- und ­ressourcenschonender sein kann.

Igor, den Fotografen, und an den Vorstand der ­Akademischen Sektion Wien für die finanzielle ­Unterstützung dieses Abends!

Für Christian gibt es kein Patentrezept für ­Nachhaltigkeit auf allen Hütten. Schutz­hütten sind abhängig von den Gegebenheiten vor Ort, sie sind verschiedensten Wetter­ verhältnissen ausgesetzt und in sehr unter­ schiedlichen Lagen anzutreffen (nicht alle Hütten sind h ­ ochalpin, nicht alle müssen per H ­ ubschrauber ­beliefert werden etc.). Was aber für alle w ­ ertvoll sein kann, sind Kooperation, Ehrlichkeit, Mut und Kreativität. Diese seien die besten ­Voraus­setzungen dafür, auch mal was ­anders zu ­machen.

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131 Jahre ASW – Akademische Sektion Wien – ein Blick in die Vergangenheit Die ASW hat eine lange Geschichte und, um ein geläufiges Sprichwort anzuwenden: „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ Text: Matthias Vigl Quellen: Archiv der Akademischen Sektion Wien

131 Jahre Akademische Sektion Wien nehmen wir vonseiten des V ­ orstands zum Anlass, unsere Sektions­ geschichte kritisch aufzuarbeiten. Im Rahmen der Vortragsreihe oben°wissen fand im Jänner 2018 eine Veranstaltung über die Geschichte ­unserer Sektion „131 Jahre ASW“ mit dem Historiker Matthias Vigl statt, in der dieser auf die Entstehungsgeschichte der Sektion einging und insbesondere auch deren Rolle in und zwischen den Weltkriegen herausarbeitete. Die ­Erkenntnisse seiner Recherchen und seine wertvolle Aufarbeitung des ­historischen Materials diskutierte er im Anschluss an den Vortrag mit den ­Anwesenden.

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In unserer Sektion sind heute alle ­Interessierten willkommen, ­unabhängig von ihrer K ­ onfession, Hautfarbe, Geschlecht oder ­Herkunft. Wir leben mit unserer ­ehrenamtlichen Arbeit diese offene H ­ altung, Projekte mit ­Menschen mit Flucht­ geschichte oder J­ugendlichen mit psychischen Problemen sind ein ebenso selbst­ verständlicher Teil u ­ nserer Vereinsarbeit wie ein Hochtourenkurs. In unserer Sektion ist kein Platz für ­Ausgrenzung.

Die ASW wurde aus einem deutschnationalen Milieu geboren und war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine antisemitische und völkische Organisation, die ab spätestens den 30er Jahren personell und ideologisch in weiten Teilen im österreichischen National­sozialismus zu verorten war. Eine solche Geschichte will einerseits erklärt und a ­ ndererseits so gut wie möglich auf­gearbeitet sein. W ­ ichtig ist es in diesem Kontext zu erwähnen, dass Aufarbeitung weder meint, jemanden ­„anzupatzen“, noch einen „Schlussstrich“ zu ziehen. Aufge­arbeitet ist die Vergangen­ heit erst dann, um ein Zitat von Theodor W. Adorno abzuwandeln, „wenn man ihren Bann bricht durch helles Bewusstsein“. Diesem Prozess der Sichtbarmachung der e ­ igenen ­Geschichte, den der ÖAV und einzelne Sektionen bereits seit geraumer Zeit a ­ ngestoßen haben, möchte sich nun auch die ASW a ­ nschließen.


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Eine Geschichte über 131 Jahre der Sektion in einem Artikel zu schreiben, geht naturgemäß nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man die ­Aufgabe ernst nimmt. Insofern soll dieser Artikel den Auftakt bilden zu einer unregelmäßigen Serie von Beiträgen zur Vergangenheit und ­Gegenwart unserer Alpenvereinssektion. Den ersten Teil widmen wir heute zwei ­Aspekten: nämlich einerseits der Frage, warum die Akademische Sektion Wien so heißt. Schon der Name wirkt heute etwas antiquiert – „­ Akademische Sektion“, was soll das sein? Was hat es mit diesem „akademisch“ auf sich? Und warum überhaupt steht da nirgends ­Alpenverein? Und als zweiten Aspekt wird auf den Zusammen­hang zwischen der ASW und dem sogenannten Anschluss 1938 eingegangen. Ein Kapitel der Sektionsgeschichte, das hier nur ­angerissen werden kann, aber nichts­destotrotz im Jahr des 80. Jubiläums des A ­ nschlusses von großer Relevanz ist.

Cenzi v. Flicker-Sild 1. Schibegehung des Großvenedigers durch eine Frau 1896

Warum „Akademische Sektion Wien“? Nicht lange nach der Gründung des ­Österreichischen Alpenvereins 1862 schlossen sich 1873 die deutsche und die ­österreichische Vereinigung zum „Deutschen und Ö ­ ster­reichischen Alpenverein“ zusammen. Neben der touristischen Erschließung war die wissenschaftliche Erforschung der Alpen eines der Hauptziele des Vereins. Wenig überraschend, dass dieses Anliegen an den Universitäten auf offene Ohren traf und großes Interesse bei den Studenten (Frauen waren erst ab 1897 zum ordentlichen ­Studium an österreichischen Universitäten ­zugelassen) weckte: Bergsport war damals noch ein F ­ reizeitvergnügen, das fast aus­ schließlich von wohlhabenden, bürgerlichen Kreisen gepflegt wurde, denselben also, die den Großteil der Studenten stellten. Von Geographie-Studenten an der ­Universität Wien wurde unter der ­tätigen Mithilfe von U ­ niversitätsprofessor Albrecht Penck schließlich am 7. Dezember 1887 die „­ Akademische ­Sektion Wien des Deutschen und

­ sterreichischen Alpenvereins“ gegründet. Ö Zunächst zum einfacheren Teil: warum ­„Sektion“? Der Alpenverein war und ist bis heute in Sektionen gegliedert, die jeweils eigen­ständige Vereine – also Sektionen – sind. Einige Vereine, wie etwa der „Österreichische ­Gebirgsverein“ in Wien, wurden erst lange Zeit nach ihrer Gründung Mitglieder des ­Alpen­vereins. So erklärt sich, dass der Begriff Sektion bis heute in vielen Namen vorkommt. Aber warum „akademisch“? Dies erfordert eine längere Erklärung. Zunächst gab es formale Faktoren im österreichischen V ­ ereinsrecht, die eine solche Festlegung erforderten, der ­Zusammenschluss musste von den ­Universitäts­behörden genehmigt werden. Vom akademischen Segelklub bis zum ­akademischen Börsenverein war damals alles zu finden. Die Mitgliedschaft war auch bis weit in die zweite Hälfte des zwanzigsten J­ahr­hunderts nur ­aktiven Studenten und Studentinnen (dazu weiter unten mehr) vorbehalten, mit Abschluss des Studiums schied man aus der ASW aus und wurde in der Regel Mitglied einer „normalen“ Sektion. Bereits 1899 allerdings wurde diese S ­ ituation für manche unbefriedigend, offenbar wollte man weder auf liebgewordene Bekannt­schaften, noch auf die finanziellen Mittel v­ erzichten, die wegfielen, wenn die A ­ bsolventen regelmäßig ausschieden. Also wurde die Gruppe der „Alten Herren“ geschaffen; sie waren Mitglieder, die Beiträge zahlten, a ­ llerdings nur beratendes Stimmrecht in der Hauptversammlung hatten. Wer beim Begriff „Alte Herren“ jetzt hell­hörig geworden ist und sofort an s­ tudentische ­Korporationen gedacht hat, liegt r­ ichtig. Der zweite Grund für den Namenszusatz ­„akademisch“ liegt im s­ tudentischen M ­ ilieu, aus dem die ASW entstanden ist. Das l­iberale, deutschnationale, burschenschaftliche ­Umfeld, das damals an den Universitäten stark v­ ertreten war, war gleichzeitig auch jenes, aus dem sich viele Mitglieder der ASW ­rekrutierten. Viele burschenschaftliche B ­ räuche wurden ­über­nommen: etwa das Kneipen, vornehm aus­gedrückt, ein Zusammensitzen in ­kleinem Kreis mit der Möglichkeit zu reich­ lichem ­Alkoholkonsum, oder auch K ­ ommerse

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und Kränzchen, studentische Feierlichkeiten, ­ebenfalls in feucht-fröhlichem Rahmen. Dass sich auf den abgebildeten C ­ ouleur-Karten jeweils Bierkrüge finden, ist kein Zufall. Die ­Mitgliedschaft in Burschenschaften dürfte ­damals durchaus üblich für Mitglieder der ASW gewesen sein. Übrigens in dieser frühen Phase auch für jüdische Mitglieder, das jüdische ­Bürgertum war damals in vielen F­ ällen Teil der liberalen, antiklerikalen Elite. Der a ­ ntisemitisch begründete Ausschluss von j­üdischen ­Mitgliedern war in der Zeit vor 1900 noch nicht die Regel. Wo waren die Frauen? Sie waren überhaupt erst ab 1897 zum ordentlichen Studium an öster­reichischen Universitäten zugelassen. Bereits 1904 scheint die erste Frau als Mitglied der A ­ ktivitas auf, zehn Jahre später sind es bereits zwölf. Heute lässt sich natürlich nicht mehr feststellen, was die Beweggründe waren, dass bereits so früh Frauen aufgenommen wurden. Allerdings scheint es, dass es sich bei der d ­ amaligen ASW zumindest formal nicht um einen reinen M ­ ännerbund gehandelt hat. 1938 Ein wichtiger Jahrestag, der im Gedenkjahr 2018 begangen wird, ist die Erinnerung an den ­„Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im Frühjahr 1938. Was hat das jetzt mit der ASW zu tun? Viel mehr, als man vielleicht d ­ enken möchte. Der Begriff des „Anschlusses“ ist ja, wie h ­ istorisch ­interessierte Leser und L ­ eserinnen vielleicht wissen, ein höchst um­strittener. S ­ uggeriert er doch, dass es sich um einen Akt der ­Gewalt von außen gehandelt habe, dem die ­Österreicher schutzlos aus­geliefert gewesen wären. Oft w ­ erden die Bilder von jubelnden

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Menschenmassen damit erklärt, dass die ­wirtschaftliche Ausweglosigkeit, die Wut über die austro­faschistische Diktatur und – das kommt a ­ llerdings seltener vor – die F ­ rustration über das kleine Österreich nach 1919 und ­großdeutsches Gedankengut die Menschen in die Arme des National­sozialismus getrieben hätten. Und hier liegt der sprichwörtliche Hund begraben. Es gab in Österreich b ­ ekannterweise eine große und höchst um­triebige deutsch­ nationale Bewegung, die für den Anschluss an D ­ eutschland arbeitete. Und das bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht immer als Nationalsozialisten, sondern in ­ver­schiedensten Ausprägungen und Formen. Und der Alpenverein und besonders die ASW waren wichtige Akteure. Die ASW war bereits seit ihrer Gründung im deutsch-nationalen und völkischen Milieu in Wien verankert. Bereits 1896 war man etwa M ­ itglied des „Schutzvereins Südmark“ ­geworden, eines Verbandes, der sich den Schutz der deutschen Minderheiten e ­ inerseits und die Germanisierung von nicht deutschen Grenzgebieten andererseits auf die Fahnen geschrieben hatte. Dieser Verein war ein ­Sammelbecken der Anhänger von Georg Ritter von Schönerer, dem Wortführer des deutschen Nationalismus und A ­ ntisemitismus in ­Österreich. Auch auf folkloristischer Ebene fühlte sich die ASW dem Deutschtum ­verpflichtet. So wurde etwa beschlossen, um „den ­deutschen Standpunkt noch äußerlich [...] mehr zu b ­ etonen“, nur mehr altdeutsche Monatsnamen, wie etwa „Eismond“ für Jänner, „Hornung“ für Februar usw. zu verwenden. Ein Arierparagraf, also der Ausschluss von jüdischen Mitgliedern, ist für die ASW erst


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Anmerkung der Redaktion Wie schon vom Verfasser des Artikels angeführt,

ab 1921 nachweisbar, allerdings führte die ­„Wintersportvereinigung der Akademischen Sektion Wien“ bereits 1907 einen solchen ein: Nur „deutsch-arische Hochschüler“ konnten ­außerordentliche Mitglieder werden, ordent­ liche Mitglieder aber ausschließlich M ­ it­glieder der ASW, eine Regelung, die nahelegt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt nur mehr „deutsch-arische“ Studenten und Studentinnen Mitglieder der ASW werden konnten. Auch wenn es möglicherweise zu diesem Zeitpunkt noch keinen formalen Ausschluss von Juden gab, wurden so Fakten geschaffen.

bietet der Rahmen des Magazins oben° nicht die Möglichkeit, die schwierige Materie detailreicher zu erfassen. Für alle an der ­Geschichte und Ent­wicklung des Alpenvereins und seiner Sektionen in der Zwischenkriegszeit ­Interessierten wird daher die Lektüre des umfassenden Buches „Berg Heil! ­Alpenverein und ­Bergsteigen 1918 bis 1945“ empfohlen, herausgegeben

Diese nationale Fahrtrichtung wurde auch in der Zwischenkriegszeit konsequent weiter­verfolgt. Liest man heute die damaligen M ­ itteilungen, fällt auf, dass immer wieder von Repressionen durch das austrofaschistische R ­ egime die Rede ist – etwa Einschränkungen beim Besuch des Vereinslokals im Universitätsgebäude oder ­Schikanen für Mitglieder. Nicht von ungefähr: Viele Mitglieder und Ehrenmitglieder der ASW waren prominente illegale N ­ ationalsozialisten, eine Entwicklung, die die ASW mit dem ­gesamten Alpenverein teilt. Im Falle der ASW stechen etwa Karl Prusik, ein hervorragender Bergsteiger, der später Hauptsturmführer in der Waffen-SS werden sollte.

vom ­Österreichischen ­Alpenverein, vom ­Deutschen ­Alpenverein und vom Alpenverein ­Südtirol, erschienen 2011 im ­Böhlau-Verlag. Erhältlich auf www.alpenverein.at/shop

Das bei weitem prominenteste Mitglied der ASW, das im Nationalsozialismus K ­ arriere ­machen sollte, war allerdings Arthur ­Seyß-­Inquart. Der NS-Politiker, der im März 1938 Reichsstatthalter wurde und 1946 in Nürnberg für seine Verbrechen hingerichtet wurde, war Alter Herr der ASW und ab 1938 „Führer des Deutschen Alpenvereins“. Was im Zusammenhang mit der ASW besonders ­hervorsticht, ist, dass Seyß-Inquart offen­ bar auch seine Mitarbeiter aus der Sektion ­rekrutierte: insbesondere Meinhard Sild, ­Sekretär von Seyß-Inquart und Schulungsleiter der NSDAP für Wien. Letztlich dürfte es sich aber um einen viel größeren P ­ ersonenkreis gehandelt haben, wenn im B ­ ericht zur ­außer­ordentlichen Hauptversammlung vom 30. November 1938 zu lesen ist, dass „eine ­Anzahl junger Kräfte aus der Vereins­führung ausscheiden musste, da diese durch ihre ­Tätigkeit in den Gliederungen der Partei an der Mitarbeit in den Sektionsgeschäften v­ erhindert

sind“. Ein besonderes S ­ chmankerl in diesem Kontext ist wohl, dass es für nötig befunden wurde, in die Festschrift zum 5 ­ 0-jährigen ­Bestehen eine Voraber­klärung zu drucken (heute würde man es wohl einen D ­ isclaimer nennen), in der sinngemäß betont wird, dass die Texte vor dem Anschluss e ­ ntstanden seien und deswegen als Zeugnisse des illegalen Kampfes zu lesen seien. Abschließend lässt sich wohl sagen, dass es ein konsequenter Weg war, den die ASW von ihrer Gründung bis 1938 gegangen ist. Deutsch­ nationales Gedankengut, Antisemitismus und der elitäre Gedanke ganz generell, der dem Bergsteigen damals innewohnte, waren eine Voraussetzung für eine Entwicklung, die die ASW im Besonderen und den Alpenverein im Allgemeinen zu einem wichtigen Akteur auf dem Weg zum Anschluss und im österreichischen Nationalsozialismus machten. Ausblick Wie bereits erwähnt, soll dieser Artikel ein ­Auftakt zu Aufsätzen zu historischen Themen im Rahmen von oben° sein. Wir wollen uns ganz bewusst mit der Vergangenheit der ASW aus­ einandersetzen. Sie ist ein Teil unserer Sektion, der nicht unter den Tisch gekehrt werden darf. Natürlich werden nicht alle Artikel historisch „schwere“ Themen behandeln – Themen wie etwa die Entwicklung des Naturschutz- und Umweltgedankens im Rahmen der ASW oder zu Expeditions- und Leistungsbergsteigen ­werden folgen, aber vergangene Heldentaten und ­Errungenschaften müssen im Kontext ­be­trachtet werden. Ein Anfang ist gemacht, und ich danke allen, die mir geholfen haben, mich mit der Geschichte der Sektion vertraut zu ­machen und mich durch Zugang zum A ­ rchiv und ihren reichen Erfahrungsschatz beim ­Verfassen dieses Artikels unterstützt haben. Und dieser Umgang mit dem Thema zeigt ­letztlich auch, was die ASW heute ausmacht: Sie ist ein Verein, der für ein offenes Mitein­ ander steht und in dem jeder und jede dabei sein kann.

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archiv

Unser ASW-Archiv im 131. Bestandsjahr Text: Wolfgang Steffanides Fotos: Archiv Akademische Sektion Wien

Wir haben erfreuliche Bestände! Das ist ein erstes Ergebnis der Bestandsaufnahme unserer gesammelten Dokumente. Wir suchen: Jahrgang 1 fehlt komplett, aus dem Jahr 1976 die Ausgaben 4 und 5, aus dem Jahr 1977 Nr. 1,

Angefangen mit „Mitteihlungen“, Jahrgang 2, Nummer 1, Jänner 1897, damals noch mit Sektionssitz in der Wallnerstraße 18, in Wien 1, gedruckt in der noch viel älteren Mechitaristen-­ Buchdruckerei (1811–1998), Wien 7.

aus dem Jahr 1978 Nr. 3, aus dem Jahr 1979 ab Nr. 3. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr diese

Und da wird auch schon beeindruckend deutlich: Einerseits, was doch alles die vie­ len Übersiedlungen und zeitgeschichtlichen ­Verwerfungen überlebt hat, zum anderen, was uns trotzdem fehlt: z. B. der Jahrgang 1.

fehlenden Hefte zu Hause findet und uns zur ­Verfügung stellt!

Unser Archiv besteht also aus den früheren Mitteilungsheften, fast immer in der gleichen Größe, zirka 20 x 14 cm, schwarz/weiß, mit ­unterschiedlicher Anzahl von Seiten, bis hin zum aktuellen Farbmagazin oben°, weiter aus Jahres­ berichten, Ausschuss­protokollen, Licht- und Ölbildern und kleinen G ­ eschenken. E ­ DV-­mäßig erfasst sind derzeit 423 Aus­gaben der ­Mitteilungen, jeweils mit den b ­ iblio­grafischen Grund­daten sowie besonderen Inhalten einzelner Hefte, wie z. B. außerordentliche alpine Leistungen, erwähnenswerte Ehrungen oder Nachrufe, wichtige Hüttenereignisse (zeitweise waren bis zu fünf Hütten im Besitz der A ­ kademischen Sektion Wien) sowie den Alpinismus betreffende Hinweise oder diverse Kurzartikel. Die Geschichte unserer Sektion ist in ­mehreren Festschriften dargestellt, die zu den b ­ edeutenden Bestandsjubiläen, 25, 50, 100 und 125 Jahre ASW, gestaltet wurden. Sie sind alle mit besonderer Sorgfalt erstellt und enthalten auch künstlerische Beilagen bzw. Bilder. Die Sektion hatte immer wieder auch auf diesem Gebiet tüchtige Mitglieder. Davon zeugen auch handillustrierte Bücher zu

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gesellschaftlichen Anlässen: Es gab zeitweise ein reges V ­ eranstaltungswesen einschließlich Kränzchen, die zum Tanz luden. So spiegelt sich in den M ­ itteilungen sowohl das alpine als auch das Vereinsgeschehen vielfältig und spannend wider. Dazu kommen die zeitgeschichtlichen Verwerfungen, vor allem die beiden W ­ eltkriege mit den hohen Opferzahlen, auch unter ­unseren Mitgliedern. Damit verbunden sind mehrmalige Übersiedlungen. Ein Büro lag im Hauptgebäude der Universität Wien, 3. Hof, im 9. Bezirk, so wie unser jetziger Standort Maria-Theresien-Straße 3/2, ebenfalls in einem Gebäude der Universität Wien. Da ich seit 1962 in der ASW aktiv bin, u. a. mehrere Jahrzehnte als Hüttenwart, sind mir viele Personen und Ereignisse bekannt. Die Erfassung und Bearbeitung geschieht mit wichtiger Unterstützung durch Angela Hirsch und Mag. Matthias Vigl, Historiker. Er hat vor kurzem einen spannenden Abend zu unseren 130 Bestandsjahren seit der Gründung im Jahr 1887 gestaltet. Weitere ehrenamtliche Mithilfe wird hiermit erbeten für die Erfassung und ­Auswertung der restlichen Bestände, denn das Ziel ist die Erhaltung dieser Kulturgüter zum Wohle unserer Zivilgesellschaft. Mit schwingt Dank und Anerkennung für die erbrachten Leistungen und die Freude, dass unsere Sektion einer vitalen Zukunft entgegengeht. Abschließend noch eine Bitte: Einzelne ­Ausgaben der Mitteilungshefte fehlen uns. ­Vielleicht findet sich in dem einen oder anderen Privat­bestand eines dieser E ­ xemplare, dann hätten wir eine lückenlose Sammlung aller ­unserer Mitteilungen. Tipp: Eine kurze Besprechung zur Festschrift „125 Jahre A ­ kademische Sektion Graz” findet ihr auf www.akademischesektion.at/news


Rubrik

Danke! Dank an unseren Vorstandsvorsitzenden a. D. Hannes Offenbacher Text: Günther Schlicker Fotos: Jure Vukadin

Lieber Hannes! Du hast dein Vorstandsteam unlängst d ­ arüber informiert, dass du in der nächsten P ­ eriode ­leider nicht mehr für die Funktion des Vor­ standsvorsitzenden der ASW zur Verfügung ­stehen wirst. Neue berufliche Heraus­ forderungen und dein Umzug nach Innsbruck lassen dir wenig Zeit für diese Aufgabe. Uns bleibt die Erinnerung an eine äußerst ­erfolgreiche gemeinsame Zeit und Zusammen­ arbeit mit dir. Dafür und ganz besonders für deine Leistungen und deinen hohen ­persönlichen Einsatz für unseren Verein darf ich dir auch im Namen des Vorstandsteams und der ASW danken! Als du vor zehn J­ahren zu uns gekommen bist, gab es fast keine ­jüngeren Mitglieder. Der V ­ orstand und die Teil­ nehmer an den A ­ ktivitäten waren eine nahezu ­geschlossene Gruppe der älteren Generation, und es gab bereits b ­ erechtigte Sorge über den Weiterbestand u ­ nseres Vereins. Du hast mit deiner von dir gegründeten Gruppe „Bergfieber“ aktive jüngere Leute in die ASW gebracht und damit ein offenes und l­ebendiges Vereinsleben geschaffen. Der Clubraum wurde umgestaltet, es gab wieder Clubtreffen sowie ein v­ ielfältiges und attraktives Angebot an A ­ ktivitäten für ­jüngere Mitglieder. Zunächst warst du als 2. Vorsitzender im ­Vorstand aktiv und hast nicht nur deine ­Dynamik und neue Ideen eingebracht, s­ ondern auch engagierte jüngere Mitglieder in den ­Vorstand geholt, die zunehmend Vereins­ aufgaben in allen Bereichen übernommen haben. 2013 warst du auch bereit, den Vorsitz im Vorstand und damit Verantwortung für die Weiterentwicklung unserer ASW zu einem modernen Verein zu übernehmen. Deiner ­Kreativität und deinem Engagement ist es zu verdanken, dass die ASW einen beachtlichen Mitgliederzuwachs erfahren hat und vom

Hauptverein dafür auch mehrmals prämiert wurde. Es ist dir auch sehr rasch gelungen, schon seit vielen Jahren anstehende Probleme mit den damaligen Vereinshütten (Hofmanns­ hütte und Erich-Sulke-Hütte) durch Verkäufe zu lösen und bei unserer Körner-Hütte Impulse für Verbesserungen einzuleiten. Nach a ­ nfänglichen Schwierigkeiten ist dir die Neugestaltung ­unserer Vereinsmitteilungen gelungen, und heute halten wir ein attraktives Vereinsmagazin in unseren Händen. Mit deinen Visionen hast du laufend an der Gestaltung der Organisation, Information und Kommunikation gearbeitet. Heute leben wir eine gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Generationen, obwohl diese ­anfänglich, insbesondere aufgrund des Tempos der Veränderungen, nicht immer reibungslos war. Es ist besonders deinem engagierten Einsatz zu verdanken, dass nunmehr die ASW bestens aufgestellt und vor allem, dass sie wieder fit für die Zukunft ist. Du kannst somit stolz auf deine Leistungen sein! Wir vom Vorstandsteam haben die Zusammen­ arbeit mit dir sehr geschätzt und freuen uns, wenn du uns weiterhin deine kreativen Ideen zukommen lässt. Besonders freuen wir uns über jedes persönliche Treffen – am liebsten in den Bergen. Vielen Dank für die gemeinsame spannende Zeit in der ASW und alles Gute für deine ­Zukunft! Günther Schlicker, 2. Vorsitzender

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programm

Kommende Aktivitäten und Highlights Das vollständige Programm findet ihr laufend a ­ ktualisiert auf akademischesektion.at/termine

22. Mai 2018

berg:rausch > Meet-up im Mai

23. Mai 2018

Bergfieber > Meet-Up

19.00 Uhr, im Käuzchen, mit Oliver Wana und Heidi Leonhardt

ab 18.30 Uhr, im Podium

26. und 27. Mai 2018

Bergfieber-Wander-Wochenende am Hochschwab

30. und 31. Mai 2018

berg:rausch > Heidis „Hilfe,-wie-komme-ich-hier-raus?“-Tour

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mit Nicole Walch und Michi Haider

Tageswanderung in den Wiener Hausbergen (31. Mai), mit Einführung in die Tourenplanung (30. Mai, 18.00 Uhr), mit Heidi Leonhardt

13. Juni 2018

oben°wissen > Recht und Berge

16. Juni 2018

Klettersteig Haidsteig

21. Juni 2018

Einfach raus am Donnerstag

25. Juni 2018

ASW-Heuriger

mit Erich Wetzer

Anforderungen: Klettersteig D, insgesamt zirka 1000 Höhenmeter, mit Bernhard Stecher

Botanischer Garten: Spezialführung mit Christl Wolloch

ab 17.30 Uhr, in der Weinstube Josefstadt


programm

5. bis 8. Juli 2018

ASW-Hochtourenkurs 2018

Neue Prager Hütte am Großvenediger, Anmeldung bald auf der Homepage, mit Jürgen Minichmayr, Andreas Wiederin, Egon Ostermann & Co.

12. bis 24. Juli 2018

Der Weg der Landler Kulturreise mit Bus und Schiff

Reisten die Landler innerhalb der Grenzen der Österreichisch­Ungarischen Monarchie, so fährt man jetzt durch fünf Länder: Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien. Mit Ulrike Pistotnik

20. bis 22. Juli 2018

berg:rausch > Überquerung Höllengebirge

Zweitägige Hüttenwanderung vom Attersee zum Traunsee, Übernachtung im Hochleckenhaus, mit Bernie, Dorit und Heidi

15. August 2018

Wolfsrudel > Wanderung auf den Schneeberg Familiengruppe mit Kindern von 5 –11 Jahren, mit Claus Schmidt

28. bis 30. September 2018

Klettersteig-Camp im Dachsteingebirge Übernachtung im Guttenberghaus, mit Sabine Watzer, Michael Haider und Bernhard Stecher

Laufende Aktivitäten Nach Vereinbarung

Mountainbike-Touren im Wienerwald

UWZ_Vermerk_GmbH_4C_Umweltzeichen_Vermerk.qxd 31.05.13 08:02 Seite 1

mit Egon Ostermann. Bei Interesse bitte Mail an egonos@hotmail.com. Eigenes MTB und Grundkenntnisse erforderlich.

Nach Vereinbarung

gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637

Klettercoaching mit dem ASW-Kletterteam

Wir haben den richtigen Klettercoach für Dich, je nach Zeit und Ziel. Oder Du schließt Dich mit Freunden zu einem individuellen gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens Kletterkurs zusammen. Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637

gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens · Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637

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kompensiert Id-Nr. 1657588 www.druckmedien.at


Akademische Sektion Wien des Österreichischen Alpenvereins Maria-Theresien-Straße 3 / 2, 1090 Wien Öffnungszeiten: Do 17.00 – 19.00 Uhr Telefon: +43 / 1 / 319 78 37 E-Mail: office@akademischesektion.at www.akademischesektion.at www.facebook.com/ akademischesektion

„Wenn Berge da sind, weiß ich, dass ich da hinaufgehen kann, um mir von oben eine neue Perspektive vom Leben zu holen.“

© Sunla Mahn

Hubert von Goisern

Oben°01 2018  

Clubmagazin der Akademischen Sektion Wien, Teil des Österreichischen Alpenvereins www.akademischesektion.at

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