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Das Mitgliedermagazin der Akademischen Sektion Wien des Ă–sterreichischen Alpenvereins 01¡2019 // 118. Jahrgang


Unser Bergmoment Kurz nach Sonnenaufgang auf dem Gipfel! Ein eisiger Wind weht hier oben. Obwohl es Juli ist, fallen vereinzelt Schneeflocken vom Himmel. Das Licht, das durch die Wolken bricht, zaubert eine magische ­Stimmung und taucht die umliegenden Berggipfel in sattes Gold. Das sind die Momente, in denen wir wirklich leben, das sind die Augenblicke, die wir selbst im hohen Alter noch in unseren Köpfen haben werden.

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Inhalt

01·2019 // 118. Jahrgang

06 Fernsicht

Von Andreas Wiederin

08 Wir stellen vor Neu im Team

09 Wachseln, bügeln, powdern!

Das war der letzte Winter – ein Kurzüberblick

10 Bergfieber | Bike Afterworks mit dem MTB

11 Haute Route

Mit Skiern von Chamonix bis Zermatt

12 GR 20: Zu Fuß durch Korsika 7 exklusive Tipps für den GR 20

14 Ein Königreich für ein Lama In 7 Wochen die 7 höchsten Gipfel von 7 Ländern

16 Eis und Palmen:

Von Süddeutschland bis Nizza mit Rad und Skiern

Im Gespräch mit dem Freeski-Athleten und Big-Mountain-Fahrer Jochen Mesle

18 Gipfelbuch

Ein Fotorundblick auf die Aktivitäten unserer Mitglieder

22 Der persönliche Wert des Berges Kurz nachgerechnet, was uns unsere ­Leidenschaft am Berg zirka kostet

24 Esche in Not – Ski in Not?

Ein Blick auf die Esche und ihre Bedeutung

26 100 Jahre Alpenvereinsjugend Wer bist du und was machst du?

28 risk'n'fun

Interview mit Tom Grail, MTB-Trainer

29 berg:rausch Wie es begann

30 Die ASW-Alpenvereinsjugend Ein Rückblick – Teil 1

32 Tag der Zivilcourage

Mit dem GRG Kundmanngasse klettern und diskutieren

33 Danke!

An alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer

Impressum Herausgeber: Akademische Sektion Wien, Teil des Österreichischen Alpenvereins, Maria-Theresien-Straße 3 / 2, 1090 Wien Chefredaktion: Angela Hirsch Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe: Samuel Felder, Richard Franz, Angela Hirsch, Mariella Martinz, Wilfried Nebenführ, Egon Ostermann, Pia Payer, Bernhard Stecher, Christian Steiner, Daniela Tollinger, Matthias Vigl, Oliver Wana, Andreas Wiederin, Peter Wirthumer Art-Direktion, Grafik und Illustration: Barbara Veit Lektorat: Franz Neruda, Christoph Baumgartner Druck: Druckerei Janetschek GmbH Erscheinungsweise: zwei Ausgaben im Jahr, Auflage: 2.500 Stück

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editorial

Ein- und Ausblick Angela Hirsch

Grafikerin dieser Ausgabe

Barbara Veit Grafikdesignerin in Wien. Entwicklung / Konzeption der neuen Gestaltungslinie des oben° seit 2015. veitdesign.at

Grüß´ euch! Spannende Abenteuerberichte erwarten euch in diesem oben°! Z. B.: Wie man in 7 Wochen die höchsten 7 Gipfel von 7 Ländern schafft oder Tipps für den GR 20 in Korsika sowie ein Interview mit dem Big-Mountain-Fahrer und Freeski-Athleten Jochen Mesle, der mit seinem Freund Max Kroneck von Süddeutschland bis Nizza geradelt ist und dabei ein paar 4000er mit Skiern mitgenommen hat. Und was uns eine Skitour im Schnitt kosten könnte, hat Richard, unser neuer Referent für Alpinsport, beleuchtet. Die Alpenvereinsjugend ist 100 Jahre alt, deshalb gibt es jede Menge Infos dazu. Von berg:rausch über risk'n'fun bis zu unserem Mitmachen beim Tag der Zivilcourage des GRG Kundmanngasse sowie einen Rückblick auf die ASW-Jugend, findet ihr in dieser Ausgabe. Einen Einblick ins Eschensterben gibt ­unsere neue Referentin für Naturschutz und Nachhaltigkeit. Wer noch neu im Team ist, findet ihr auf Seite 8. Viel V ­ ergnügen beim Lesen des neuen oben°! Angela

P. S.: Wer Ideen fürs oben° hat, schreibt bitte an redaktion@akademischesektion.at.

Fotografin dieser Ausgabe

Wir bitten um Verständnis, dass wir Artikel nur nach vorheriger Absprache veröffentlichen.

Barbara Marko-Bartilla Cover, Bergmoment, Editorial, Danke!, Rücken

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fernsicht

Fernsicht Text und Foto: Andreas Wiederin

Alpinismus und Bergsport sind absurd. Es b ­ eginnt schon beim Bergwandern. Warum müht man sich zu Fuß irgendwo rauf? ­Spätestens am übernächsten Berg gibt es eine Passstraße oder eine Gondel. Runterfallen oder sich versteigen kann man auch noch, und dann wartet am Ende kein ausgewiesener ­Aussichtspunkt mit Souvenierstandl.

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Bei jeder weiteren Disziplin wird es dann ­eigentlich nur schlimmer. Mountainbiken: Radfahren auf möglichst schlechten Wegen. Klettern: Den schwierigsten Weg irgendwo rauf finden. Alpinismus: Das absurdeste irgendwo finden, um raufzukommen. Wir reduzieren den Komfort, suchen Strapazen und gehen – ­hoffentlich wohlüberlegte – Risiken ein. Wozu das Ganze?

ein Labyrinth aus Eistürmen und Gletscher­ spalten, beim Legen einer Aufstiegsspur in einer ­verzauberten W ­ interlandschaft oder bei der Begegnung mit einer Gams auf einem ­einsamen Steig können wir für einen Augenblick ausbrechen aus einer Welt, in der fast alles ­vorgegeben, konsumierbar und austauschbar ist. In diesen Augenblicken finden wir uns in einer anderen Welt wieder, mit eigenen Spiel­ regeln, und in einer ganz e ­ igentümlichen ­Freiheit trotz vordergründig drückender Zwänge durch die Naturgewalten und mit einer Ästhetik, bei der mir regelmäßig die Luft wegbleibt. Eine Welt, in der wir zwischen dem Erleben unmittel­ barer Selbstwirksamkeit und dem Gefühl, ein ebenso unwichtiger wie unwürdiger Eindringling in einem erhabenen Raum zu sein, hin und her schwanken.

Wenn wir von einem sonnigen Platzerl vor der Hütte auf die gerade geschaffte Tour zurück­ blicken, wirkt diese Frage auf uns so absurd wie auf Außenstehende unser Tun. Die E ­ uphorie ersetzt jede Begründung, aber vielleicht ­sollten wir uns doch von Zeit zu Zeit Gedanken ­darüber machen. Beantworten kann man sie nur für sich selbst.

Jeder dieser Augenblicke berührt mich tief, genauso wie die Verbindung zwischen mir und den Menschen, mit denen ich ihn erleben darf. Wir nehmen immer etwas mit ins Tal, ­hoffentlich auch ein Stück weit die Solidarität mit unseren Mitmenschen, die im Angesicht der ­ungezähmten Natur noch so selbstverständlich ist.

Für mich ist die Bergwelt einer der ganz ­wenigen Räume, in denen Erfahrung noch nicht völlig zur Ware geworden ist. Zwischen Himmel und Erde in einer Wand, am Weg durch

Um es mit den Worten des im April 2019 ­tödlich verunglückten Alpinisten Hansjörg Auer zu sagen: „Ich werde nie aufhören zu suchen, weil das, was ich finde, mich jedes Mal aufs Neue fasziniert.“ Während die Wände, in denen ein Hansjörg Auer gesucht hat, nur wenigen ­vorbehalten bleiben, steht die Suche selbst uns allen offen.


statistik

Gut zu wissen, … … dass ab September wieder die Herbstaktion gilt! Beitrag für 2020 einzahlen und für den Rest von 2019 gratis alle Vorteile der ­Alpenvereins-Mitgliedschaft nutzen! … dass du auf alpenverein.at um eine Prämie ansuchen kannst, wenn du ein neues Mitglied geworben hast. … dass du deine Inskriptionsbestätigung ab September auf mein.alpenverein.at hochladen kannst, um dir den Studententarif fürs nächste Jahr zu sichern. … dass du deine Daten, wie z. B. deine E-Mail-Adresse, auch auf mein.alpenverein.at aktualisieren kannst.

Durchschnittsalter

Aktuelle Zahlen

Die Entwicklung unserer Sektion (Stand: Mai 2019)

42

10

24

76

Allgemein

Kind / Jugend

Junior /  Studenten

(ab 65 Jahre)

Text: Redaktion Infografik: Barbara Veit

Jahre

Jahre

(0 – 18 Jahre)

Jahre

Jahre

Senioren

(19 – 27 Jahre)

Familienverbund

40  %

In Familienverbund lebend

60 %

Nicht in Familienverbund lebend

davon:

davon:

5 % Alleinerziehend

5 % Junior und Studenten

63 % In Partnerschaft

7 % Junior und Studenten

22 % Kind / Jugend

ohne Familie 1 % Kind / Jugend ohne Familie

3 % Sonstige

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team

Neu im Vorstand

Richard Franz Leitung Alpinreferat

Mariella Martinz Leitung Referat Naturschutz und Nachhaltigkeit

Matthias Vigl Leitung Hüttenreferat

Heidi Leonhardt Beirat Jugendteam

Neu im Alpinteam

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Dorit Aschauer Übungsleiterin Schifahren

Lena Lepuschütz Übungsleiterin Skitouren

Florian Schmid Übungsleiter Sportklettern

Johannes Schrems Übungsleiter Alpinklettern

Florian Steinbauer Übungsleiter Sportklettern und Hochtouren

Marvin Steinböck Übungsleiter Alpinklettern


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Wachseln, bügeln, powdern! Text: Angela Hirsch Fotos: Jürgen Minichmayr und Andrea Zefferer

Am Weg zum ­Sonnleitenkogel

Nach der LVS-Übung ist die Freude groß …

Bestens vorbereitet sind wir in den Winter ­gestartet! Bei feuchtkaltem Wetter führte die Adventwanderung mit Gerti und G ­ ünther und mehr als 30 Wanderlustigen von ­Wien-Hadersdorf zum Restaurant Sophienalpe, wo gemeinsam mit ASW-Chorchef Fritz bei bester Stimmung Adventlieder gesungen ­wurden. Stirnlampen erhellten uns die n ­ ächtlich stimmungsvolle Wanderung durch den Wald zurück. Das war nur der erste Schritt der ­Vorbereitungen für die anstehende Saison. Den Winterspeck mit Keksen aufgerüstet, ging es mit einem Stop-or-Go-Abend, dem Risikomanagement-Konzept des Alpenvereins zur ­Vermeidung von Lawinenunfällen, mit ­unserem Profi Herbert weiter. Und da wir einen o ­ rdentlichen Eindruck am Berg machen wollen, hat uns Margit noch gezeigt, wie wir unsere Skier auf Vordermann bringen: Also einmal wachseln, bügeln, schleifen und dann nichts wie raus mit den gut gepflegten Skiern und Fellen. Dazu gab es auch gleich Anfang Jänner ­Gelegenheit beim Get-Ready-for-Off-Piste-­ Wochenende mit Stefan und Angela. Aufgrund der Schneesituation hätten wir fast gar nicht fahren können, weder ­off-piste, noch on-piste, noch mit den Autos zu den Skigebieten. Nicht, weil es zu wenig Schnee gab, nein, es gab zu viel! ­Off-piste fahren war leider nicht möglich, da ­Lawinenwarnstufe 4 uns auf den Pisten ­festgehalten hat, was uns aber nicht störte, da aufgrund der Schnee­massen auch dort beste Pulverbedingungen vorzufinden waren.

­ uchfeldes (Niederrollen des Schnees) oder S auch grandiose schauspielerische Talente in den einzelnen Szenarien konnten entdeckt werden sowie viele Fehler, die es im Ernstfall zu vermeiden gilt. Ein weiteres Highlight des Winters war das Schneeschuh- und Skitouren-Wochenende im Gesäuse. Während Egon sich der Heraus­ forderung, mehr als 50 Teilnehmer und ­Teilnehmerinnen in ganz Johnsbach unter­ zubringen, stellte, sorgte Hermann wieder für Partystimmung am Faschingssamstag. Über den Abend mit Kostümen gibt es nur G ­ erüchte, Beweisfotos gibt es nur von den vielen ­Tagestouren und den Powder-Abfahrten. Was in Johnsbach passierte, bleibt in Johnsbach ;-) Nur so viel: Bergfieber und ­berg:rausch haben ihren Namen jedenfalls alle Ehre e ­ rwiesen. Ende März ging es noch mit Thomas für ein paar Tage auf die Rudolfshütte für weitere ­Skitouren und Powderabfahrten, wie man hört, bei bestem Wetter und guter Laune. Alle 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Höhenluft in vollen Zügen genossen. Das waren ein paar der offiziellen Highlights des Winters. Wie wir vernommen haben, gab es noch viele Skitouren, Winterwanderungen, ja sogar Kettersteigtouren und Outdoor-­ Übernachtungen, Großglockner-Begehungen, Durchschreitungen und Skihochtouren. Wir freuen uns auf den Sommer und auch darauf, wieder im Schnee spielen zu können!

Wegen der anhaltenden Lawinensituation fand auch eine gut besuchte Lawinenverschütteten-­ Suchübung beim Peilstein statt. Großartigen Ganzkörpereinsatz beim Präparieren des

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draußen

Bergfieber-AfterWork-Mountainbike Bergfieber | Bike Seit einigen Jahren hat der Österreichische Alpenverein Mountainbiken als ­Kernsportart aufgenommen. Dies ist nicht nur getrieben von Transalp-Routen und Bike-Parks im Westen. Nein! Im Stadtgebiet von Wien befinden sich die ­vielleicht besten Routen im Nordosten des Landes. Text und Fotos: Peter Wirthumer

Im Wienerwald erstreckt sich ein Netz von Möglichkeiten vom Kahlenberg und dem Schreiberbach bis nach Mauerbach mit dem Augustiner-Trail. Dazwischen finden sich ­weitere Gustostückerl wie der Roan-Trail oder der S ­ auberg-Trail und kleine Trailparks wie ­Weidlingbach oder die Hohe-Wand-Wiese. ­Südlich davon befindet sich der Anninger bei Mödling mit abwechslungsreichen Touren in seinem dichten Föhrenwald. Die Ausfahrten von Bergfieber-After-WorkMountainbike erkunden die verschiedenen Strecken. Sie starten in der Regel um 17.30 Uhr an einem gut erreichbaren Ausgangspunkt und dauern so lange die Sonne es erlaubt – und das auch bei Regen. Nutzer der GPS-Tracks werden eine Gemeinsamkeit aller Touren erkennen: ein Lokal am Ende der Route für das verdiente ­After-Bike-After-Work.

Afterworks @sunset Von links nach rechts: Kurzer Fotostopp, Downhill in Jamnica

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Wann und wo findet das nächste statt? »» Aktuelle Informationen findest du in der ­Facebook-Gruppe Bergfieber | Bike Gibt es längere Wochenendausflüge? »» Sind in Planung: stay tuned on facebook Alle ASW-Mitglieder sind willkommen! Für allgemeine Fragen hierzu steht auch unser MTB-Übungsleiter Peter Wirthumer zur ­Verfügung.


draußen

Haute Route – ­Skihochtour in den ­Walliser Alpen In sechs Tagen von Argentière nach Zermatt – 7000 Höhenmeter und 100 Kilometer mit Skiern Text: Egon Ostermann Fotos: Rene Baumgartner und Egon Ostermann

Teilnehmer: Herbert ­Brandner, David Beck, Rene Baumgartner, ­Hermann Gruber und Egon Ostermann; ­Bergführer: Martin ­Unterberger

Endlich ist es so weit! Nach einer mehr­ stündigen Autofahrt quer durch Österreich und die Schweiz erreichen wir unser Ziel Argentière in Frankreich. Dort ist der Startpunkt unseres Abenteuers Haute Route. Rasch erledigen wir noch die letzten Optimierungen am Rucksack, denn nur jetzt noch gibt es die Möglichkeit, das Gepäck zu reduzieren. Mit minimalster ­Skihochtouren-Ausrüstung und schlechtem Wetter brechen wir Richtung Refugio Argentière auf und spüren erstmals die dünne Luft in den Bergen. Am nächsten Tag können wir in strahlendem Sonnenschein die imposante Bergkulisse der Westalpen genießen. Nach dem Anstieg auf den Col du Chardonnet (3323 m) geht es mit Seilsicherung durch eine Rinne wieder 200 Meter hinunter. Den geplanten Übergang über die Saleina (3216 m) und die Ecandies (2796 m) können wir aufgrund der extrem warmen ­Verhältnisse nicht mehr machen, zu hoch wäre das Lawinenrisiko. So beschließen wir, direkt über den Saleina-Gletscher nach Bourg-­SaintPierre zu fahren. Hier erwarten uns ein Hotel, Dusche und ein köstliches Abendessen.

Abfahrt vom Saliner Gletscher

Am dritten Tag geht es durch das Valsorey-Tal zur Cabane de Valsorey. Die starke Sonnen­ einstrahlung macht sich erstmals bemerkbar, regelmäßig wird die 50iger-Piz-Buin-­ Sonnencreme ausgepackt. Die ­Cabane

de ­Valsorey ist ein wahrer Geheimtipp. Isabel, die Hüttenwirtin, serviert am Abend leckeres Couscous mit Huhn, und für uns wichtig: Es gibt eine zweite Portion. Der 1. Mai startet gleich mit dem alpinistischen Highlight der Woche: Für den Aufstieg auf das Plateau du Couloir (3605 m) dürfen endlich ­Steigeisen und Pickel für die 45-Grad-Flanke ausgepackt werden. Anschließend nützen wir noch das Kaiserwetter und gehen auf den Grand-Tête-de-By-Gipfel (3586 m). Der ­Ausblick von hier ist atemberaubend: Mont Blanc, M ­ atterhorn und Dufourspitze auf einen Blick. Erschöpft aber glücklich erreichen wir die ­Cabane Chanrion. Für die nächsten Tage ist schlechteres W ­ etter angesagt, und so beschließen wir, direkt über den Glacier d‘Otemma die Cabane des ­Vignettes (3158 m) anzusteuern. Den g ­ eplanten höchsten Punkt der Runde (Pigne d´Arolla, 3796 m) k­ önnen wir aufgrund des Nebels nicht mehr machen. Wir versuchen, das Gefühl von ­verfehltem Gipfelglück mit einer Portion ­Schweizer Rösti und Rotwein kulinarisch zu ­besänftigen. Den vorgesehenen Übergang nach Zermatt über die Pässe Col de I´Evêque, 3392 m, Col du Mont Brulé, 3213 m, und Col de Valpelline, 3586 m, am letzten Tag können wir leider nicht ­verwirklichen. Eine Kaltfront hat Nebel und Schnee mitgebracht, und so müssen wir uns mit der Abfahrt nach Arolla begnügen. Das war unser Haute-Route-Erlebnis 2019, wir sehen einander 2020 wieder!

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draußen

GR 20: Zu Fuß durch Korsika Von Süd nach Nord durch die Mittelmeerinsel. Auf 200 Kilometern und 15.000 Höhenmetern erlebt man den vielleicht anspruchsvollsten ­Weitwanderweg Europas. Text: Bernhard Stecher Fotos: Bernhard Stecher und Markus Berger

Der GR 20 (sprich ­Scharwä) erstreckt sich über rund 200 Kilometer

Am 18. Mai 2018 war es endlich so weit! Markus und ich fliegen über Nizza nach Calvi auf die französische Insel Korsika. Wirklich über­trieben haben wir es mit der Detail­ planung d ­ iesmal nicht, aber Erfahrung mit Weit­wanderungen haben wir ja. Mehr als uns das im Vorhinein b ­ ewusst war, sollte diese auch wirklich hilfreich sein.

und 15.000 Höhen-­ meter von Calenzana im Norden nach Conca im Süden. Das mag wenig erscheinen für die offiziell sechzehn Tagesetappen, doch der alpine Weg verlangt auch erfahrensten Wanderern alles ab!

Der Lac de Nielluccio ist nur wenige Monate im Jahr komplett eisfrei. In ihm spiegelt sich die ­Ostflanke des Monte ­Renoso (2352 m).

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Die Wandersaison startet hier eigentlich erst Anfang Juni, und der Weg zeigt schon bevor wir ihn betreten, dass das hier kein Spaziergang für Anfänger ist. Die nördlichen Passagen sind wegen des Altschnees an vielen Stellen ohne Gletscherausrüstung noch kaum passierbar. Deshalb geht’s mit Zug und Bus nach Conca, und wir gehen den GR 20 quasi von hinten nach vorn. An dreizehn anspruchsvollen Wander­ tagen erleben wir die Mittelmeerinsel intensiv und unerwartet facettenreich: einzigartige ­Gesteinsformationen aus Granit und S ­ andstein, mediterrane Pfade und alpine Steige, steile Schneefeldquerungen sowie wilde K ­ raxlereien auf ausgesetzte Gipfel. Wir begegnen frei ­laufenden Pferdeherden, durchwandern ­unberührte Wälder und übernachten in einfach bewirtschafteten Hütten, den Refuges, wie es sie in den Alpen nicht mehr gibt. Das ist viel mehr, als man in einem kurzen Text und wenig Bildern zu beschreiben vermag.

So viel sei zur Planung gesagt: Das Einfachste ist die Anreise. Nach Korsika führen viele Wege, und sogar der öffentliche Verkehr ist besser, als man vielleicht erwarten mag. Für die wirklich wichtigen Dinge gibt’s hier ein paar Tipps. Tipp 1: Reisezeit Die Hütten sind von Juni bis September ­geöffnet, und in dieser Zeit sind auch die ­meisten Wanderer unterwegs. Da kann es aber tatsächlich zugehen wie auf dem Jakobsweg kurz vor Santiago oder an der Glocknerscharte bei Schönwetter am Wochenende, denn der GR 20 ist kein Geheimtipp mehr. Für uns war es die perfekte Entscheidung, bereits Mitte Mai zu starten. An manchen Tagen waren wir noch fast allein unterwegs, die Hütten waren gerade erst beim Auswintern, und wir konnten die Natur und die Stille in vollsten Zügen genießen. Aber auch die Kehrseite mag erwähnt sein. Ohne alpine Bergerfahrung hat man bei langen und steilen Querungen über Altschneefelder dort nichts verloren. An heiklen Stellen bleibt der Schnee in manchen Jahren noch bis Ende Juni liegen. Nur weiß man das leider noch nicht, wenn man im Herbst davor den Flug bucht. Tipp 2: Der frühe Vogel … Um fünf Uhr früh aufstehen, Zelt packen und frühstücken lohnt sich hier mehr als auf ­anderen Weitwanderwegen. Die Morgen­ stimmung in den Bergen ist fantastisch, und man entgeht der drückenden Nachmittagshitze. So weit, so gut. Der Ratschlag gilt ja beinahe immer. Wer aber am GR 20 um 15 Uhr sein ­Tagespensum schon erreicht hat, der hat in der Umgebung des Refuges seiner Wahl noch gute Chancen auf einen ordentlichen Zeltplatz.


draußen Nach dem Regen ist vor dem Trocknen

Das Bergpanorama im Süden lässt sogar die Nachbarinsel Sardinien erahnen

Wer hingegen bei Anbruch der Dämmerung sein Zelt über Gestein und Gebüsch aufstellen muss, wird’s am nächsten Tag erst wieder nicht ­ausgeruht um fünf aus den Federn schaffen.

Monte Cinto (2706 m), Monte Rotondo (2622 m), Paglia Orba (2525 m),

Tipp 3: Gipfeljäger Nicht nur der Weg ist das Ziel, am GR 20 sind es für die begeisterten Bergsteiger vor allem auch die Gipfel, die mehr oder weniger entlang des Weges liegen. Rund 45 Berge über 2000 Meter (je nach Zählweise) hat die Insel zu bieten.

Monte d‘Oro (2389 m) oder Monte Renoso (2352 m) heißen einige der tollen Gipfel, die für versierte Bergsteiger vom GR 20 aus erreichbar sind.

Manche davon, darunter auch der Monte Cinto, der höchste Gipfel Korsikas, sind vom Weg aus gut erreichbar. Die Schwierigkeiten reichen von normaler Wanderung bis zu einfachem Klettern. Aber Vorsicht: Vor allem im Frühsommer macht der Altschnee viele Gipfel ohne Steigeisen und Pickel unerreichbar. Tipp 4: Verpflegung Die vielen Hütten entlang des GR 20 kann man gut mit einem Wort beschreiben: rustikal. Keine „Hotels“, wie sie bei uns in den Alpen stehen. Auch die Schlafplätze sind rar, weswegen man oft auf das eigene Zelt angewiesen ist. Aber die Essentials bekommt man fast immer: Wurst, Käse, Schokolade, Cola und manchmal Brot. Trotzdem dürfen der Gaskocher und das Grundwissen der effizienten Weitwanderküche nicht fehlen. Wasser gibt es am Weg, jedenfalls außerhalb der heißen Sommermonate, mehr als ausreichend.

Tipp 5: Die Franzosen Korsen und das E ­ nglisch … Drei, vier Lektionen Französisch auf Duolingo, und man ist gut vorbereitet, denn außerhalb der Restaurants und Hotels spricht man hier wirklich nicht gern Englisch. Wer sich richtig beliebt machen will, lernt am besten gleich Korsisch, denn Französisch mögen die ­Einheimischen irgendwie auch nicht so gern. Tipp 6: Weniger ist mehr Bei jedem Ding, das man mitnehmen möchte, wirklich dreimal überlegen, ob man es u ­ nbedingt braucht. Bei den Sachen, die man dann tatsächlich mitnimmt, z­ weimal ­nach­denken, ob es nicht eine leichtere ­Alternative gibt. Wir waren beim Trinkwasser oft ü ­ bervorsichtig und standen dann mit ­gefüllten Flaschen bei der nächsten Quelle. Hier hätten wir oft noch ein Kilogramm pro ­Person sparen können. Tipp 7: Abseits des Grande Randonnée 20 Die Geburtsinsel Napoleon B ­ onapartes hat noch viel mehr zu bieten, als den ­beeindruckenden Wanderweg durch die Berge. Tolle Kletterspots, authentische Weinanbau­ gebiete oder einfach ein bisschen Strandurlaub lassen sich auch ganz gut mit zwei Wochen Weitwandern kombinieren.

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draußen

Ein Königreich für ein Lama Ein kurzer Auszug über den Versuch, 7 Gipfel in 7 Ländern in 7 Wochen vom Talort aus zu besteigen Text und Fotos: Christian Steiner

Gran Paradiso, 4061 m, Italien, Grajische Alpen Mont Blanc, 4810 m, Frankreich, Mont-Blanc-Massiv Triglav, 2864 m, S­ lowenien, Julische Alpen Vorderer Grauspitz, 2599 m, Liechtenstein, Rätikon Großglockner, 3798 m, Österreich, Hohe Tauern Zugspitze, 2962 m, Deutschland, Wettersteingebirge Dufourspitze, 4634 m, Schweiz,

Da saßen wir nun, erledigt aber überglücklich. Wir haben es geschafft, dachte ich mir. Beim zweiten Anlauf gelang es uns doch, die Dufourspitze zu besteigen. Mein zweiter Gedanke: Mir ist so übel! Vermutlich aufgrund einer Mischung aus Überanstrengung, der Höhe und vor allem diesem Porridge von zwei Uhr morgens. Angefangen hat es mit: „Kommst mit zum Gran Paradiso? Anschließend vielleicht noch auf den Mont Blanc?“ Das sind Worte, die ein Alpinist von seiner neuen Freundin hören will. Gesagt, getan! Am nächsten Wochenende ging‘s zu dritt mit dem Auto ins Aostatal. ­Belindas Vater durfte ich sogleich bei unserer ersten Tour kennenlernen. Da Bergsteiger sowieso coole Typen sind, geht das schon. Aber die Packliste war ewig lang: „Machen wir eine H ­ ochtour, oder wird das eine Himalaya-­ Expedition?“ Ich packe so wie immer: Leicht und schnell ist meine Devise. „Du hast ja noch Platz im Rucksack. Kannst du das Essen n ­ ehmen?“, sagte Belinda zu mir am Parkplatz. Jause für vier Tage: Brot, Käse, Wurst, Paradeiser?! „Drei ­Salat­gurken auch noch!?“, fragte ich. „Die isst d ­ aheim keiner, und im Auto werden sie schlecht.“ Ich hielt eine 10-minütige Brandrede mit ­Dutzenden Argumenten, warum man ­Paradeiser und Gurken nicht auf den Berg mitnimmt. Es half nichts, das Gemüse kam mit.

Monte-Rosa-Massiv

Das Wetter war herrlich, laut Prognose sollte es jedoch zunehmend schlechter werden. Also entschieden wir, gleich am zweiten Tag auf den Gipfel zu steigen. Mein erster 4000er: Geiles ­Gefühl! Schnell noch Fotos gemacht und runter. Im Abstieg machten wir eine Pause. Normalerweise tun‘s zwei Balisto über den Tag verteilt auch. Aber wenn sie schon da ist, dann eben auch die Gurke…

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Beim Abendessen trafen wir Nadja, die von ihrem Tourenführer verstoßen wurde, da sie zu schwach für den höchsten Berg Italiens sei, aber dank Papa in unserer Gruppe landete. Zu viert bestiegen wir ohne Probleme die La ­Tresenta und den Becca di Monciair – sehr schöne Schuttkogeln. Also ging es auch zu viert weiter zum Monte Bianco. Talort war Les ­Houches, in vier Stunden ging es zum Tête Rousse. Um drei Uhr war Tagwache. Leider hatten wir den A ­ nschluss zur Hauptgruppe verloren und so mussten wir uns den Weg über den Goûter-Grat selbst suchen, was einige ­falsche Abbiegungen beinhaltete. Nachdem wir ­unnötiges Zeug in der Goûter-Hütte abgeladen hatten, ging es weiter über den Gletscher zum Bosses-Grat. Der Grat war nicht anspruchsvoll, aber übersät mit Bergtouristen am „kurzen Seil“. Und auf dem Mont-Blanc-Gipfel war sie wieder da: die Gurke. Hatte B ­ elinda das Stück grünes W ­ asser echt ohne mein W ­ issen ­mitgeschmuggelt! Der Eispickel zerteilte die Gurke präzise in mundgerechte Stücke. ­Gipfelschnaps mal anders! Was tun mit den zwei Bergen?, dachte ich mir zurück zu Hause. Da hat mir doch jemand von den „Seven Summits of the Alps“ erzählt. Passt, mach´ ich! Wer kommt sonst noch mit? Viele Kandidaten gab‘s ja nicht zur Auswahl. Übrig blieb meine Freundin. Schon bald stellte sich diese Seilschaft als sehr effizient heraus. ­Belinda war fürs Fahren, Organisieren und ­Planen z­ uständig. Ich… also, ich kann irrsinnig gut ­Sachen den Berg hinaufschleppen. Nächster Berg: Triglav, nicht einmal 3000 Meter, was soll da schon schiefgehen. Sachen gepackt, Wetter gecheckt. Gewittergefahr ab Mittag. Wie jeden Tag in diesem Sommer.


draußen

­ eider kam das Wetter doch etwas früher, und L wir waren ­gerade auf dem Gipfel. Wir hätten doch ­umdrehen sollen. Belinda hielt sich bei unserer Flucht bei Hagel und Regen leider am dort m ­ ontierten Stahlseil an. Es blieb nach einem Blitzeinschlag in ebendieses zum Glück bei einer tauben Hand und völlig durchnässter Kleidung. Dafür gab‘s auf der Schutzhütte kaltes Gulasch und warmes Bier!

Dufourspitze und Vorderer Grauspitz im Nebel

Schlechte Bedingungen: genau meins! Dufourspitze bei Schneesturm muss man auch mal erlebt haben. Auf 4200 Meter war dann Schluss, da aus 7 Zentimetern laut Prognose über den ganzen Tag 20 Zentimeter Niederschlag bereits am Vormittag wurden. Dann macht es auch keinen Spaß mehr! Zumindest nahmen wir am Rückweg noch schnell den Vorderen Grauspitz mit – wie gewohnt bei schlechtem Wetter. Danach wurde es schwierig. Belinda war eine Woche surfen, und ich hatte Freiwilligendienst bei der Kletter-WM in Innsbruck. Zwischendurch gab es einen freien Tag, und da ging sich doch leicht der Großglockner aus. Belinda kam aus Graz, ich aus Innsbruck. Ich ging um 19 Uhr aus Kals los, Schlafplatz war im Auto beim L ­ ucknerhaus. Vier Uhr Tagwache, am Abend waren wir wieder unten und zurück in Innsbruck und Graz. Am nächsten Tag hieß es ja wieder zurück an die Arbeit.

Furkapass, am nächsten Abend im Winterraum der Monte-­Rosa-Hütte. „Mit P ­ orridge kannst du ein Pferd füttern und das ackert den ganzen Tag“, war Richards B ­ egründung für die Auswahl des Frühstücks. Mir genügten zwei Löffel. ­Gewürzt mit Kaffee, Salz und Curry schmeckte es auch ganz besonders. Um vier Uhr b ­ rachen wir zum Gipfel auf. Es ging über besch… ­Blockgelände und stark zerklüfteten Gletscher zum 20 Zenti­meter hohen Bruchharsch. Jetzt wurde mir klar, warum wir bei „Traumwetter“ die Einzigen am Berg waren. Eine Variante mit 45-Grad-­Firnflanke, ein schmaler Grat aus Firn, Fels und Eis, eine Eisrinne und eine kurze, aber knackige Kletterstelle… und irgendwie bereute ich es, dass ich statt Gurke das Kraft-Porridge auf dem Dufourgipfel im Magen hatte. An dieser Stelle möchte ich mich noch bei allen Begleitern (Wolfgang, Belinda, Nadja und Richard), die ich gequält habe, herzlich ­bedanken. Ohne euch hätte ich (oder wir) ­dieses Vorhaben nie geschafft!

Gran Paradiso und Mont Blanc mit Gurke

Zugspitze: der kastrierte Berg. Da kommen wir vom alpinen Gelände endlich zum Gipfel. Was heißt hier Gipfel? Wir mussten eine riesige ­Betonplattform queren, über ein Baugerüst absteigen, um dann zum Gipfel zu gelangen. Zumindest spielte gut hörbar für uns eine Liveband im Haubenlokal. „Ich habe eine gute und eine schlechte ­Nachricht für dich. Ich hab´ das letzte ­September-Wochenende frei, aber die Hütte hat ab Mitte des Monats ­geschlossen“, meinte Belinda zu mir. „Was war jetzt die schlechte?“, dachte ich mir. Endlich eine Winterraum-Übernachtung. Ich konnte es kaum erwarten, vor allem, weil wir auch Richard für dieses A ­ benteuer g ­ ewinnen konnten. Donnerstag, 16 Uhr, ging‘s von Wien aus los. Zur besseren Akklimatisation ­übernachteten wir zu dritt im Auto am

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interview

Eis und Palmen Mit Jochen Mesle und Max Kroneck. In sechs Wochen von Süddeutschland über die Westalpen bis nach Nizza mit dem Rad und dabei noch die schönsten Gipfel mit Skiern erklimmen und unberührte Hänge abfahren: Das haben sich Jochen Mesle und Max Kroneck vorgenommen und dabei einen Film gedreht. Interview: mit Jochen Mesle, von Angela Hirsch Fotos: Jochen Mesle, Max Kroneck, Philipp Becker

­ ir haben mit dem Freeski-Athleten W und Big-Mountain-Fahrer Jochen Mesle ­geplaudert über 1800 Kilometer am Rad, zirka 35.000 Höhen­meter, 7000 Kalorien pro Tag und 50 Kilo Gepäck. Angela: Drei Wörter, die den Trip am besten beschreiben? Jochen: Wunderschön, anstrengend und ­abwechslungsreich.

Mehr Infos zu

Gleich zu Beginn des Films sagt Max, dass es sein kann, dass ihr so lange weiterfahren müsst bis eine runde Zahl erreicht ist, wie z. B. 1000 Höhenmeter. Wie oft ist das passiert? Wir haben eine Uhr mitgehabt, mit der wir die Höhenmeter und Kilometer getrackt haben. Am Anfang hatte die Max, aber ich habe sie sehr schnell erobert. Ich mag es gerne, wenn ich die Statistik habe, und ich habe mich immer sehr gefreut, wenn wir bei einer runden Zahl oder einer Schnapszahl angehalten haben.

„Eis und ­Palmen“ und der ganze Film auf eisundpalmen.de

Umgekehrt, gab es eine spezielle Eigenheit bei Max? Worauf ich sehr neidisch bin, ist, dass Max ­innerhalb von Sekunden einschlafen kann. ­Innerhalb einer Minute war Max eingeschlafen, und ich musste mir die Zeit vertreiben. Was war das Wichtigste in der Vorbereitung? Im Endeffekt war es das Packen. Die Routen­ planung und die Berge, die wir machen ­wollten, das ging recht flott. Wir hatten die Berge und Regionen schon im Kopf, daher konnten wir die Fahrtroute schnell ­festlegen. Aber das Zusammen­suchen des Materials und das P ­ acken, so wenig wie möglich und so leicht wie möglich, das hat Wochen gedauert. Als wir zum

16 oben°

Schluss alles aufs Rad gepackt hatten, sind wir draufgekommen, dass die Gänge nicht klein genug sind, um mit 50 Kilogramm Gepäck auf die Berge hinaufzukommen. Wie habt ihr das Problem gelöst? Von Rose-Bike-Store in München haben wir ein spezielles Ritzel bekommen und zusätzlich ­eingebaut. Wir mussten allerdings aufpassen, dass wir nicht vorne und hinten gleichzeitig in den großen Ritzeln fahren, dafür war die Kette zu kurz. Musstet ihr etwas erfinden oder extra für euer Vorhaben basteln, z. B. für die ­Aufhängung der Skier? Bei der Vortour haben wir die Skier einfach am Oberrohr festgemacht. Schlussendlich war die spontane Lösung von damals die beste und sie hat sich auch für diese Tour bewährt. Wir hatten Lenker- und Satteltaschen und die Skier mit Straps an den Rahmen befestigt. A ­ nfangs hat das so geschlingert, dass wir mit einer Hand die Taschen festhalten mussten, wenn wir bergab gefahren sind. Was waren die größten Hindernisse? Der Schlafmangel und die fehlenden Ruhetage. Wir sind Schönwetterfenstern hinterher ­gefahren und wollten zwei Tage später 500 Kilometer weiter sein, darum gab es wenige Ruhetage, bzw. nur dann, wenn wir krank waren. Gab es einen Moment, an dem ihr ans ­Aufhören gedacht habt? Wir hatten beide kurz vor dem Start der Tour Verletzungen. Nach dem ersten Skitag hatte ich Probleme mit dem Knie, und ich war mir nicht sicher, ob ich die Tour schaffen würde. Da ist mir ein wenig das Kartenhäuschen zusammen-


interview

gefallen, aber es war kein Grund aufzugeben. Die Tour war die beste Reha!

Der Film hat weltweit­ Preise auf ­verschiedensten ­Filmfestivals gewonnen.

„Eis und Palmen“

Man sieht im Film, dass ihr unter ­anderem auch an „außergewöhnlichen“ Orten ­übernachtet habt. Was war euer kuriosester Schlafplatz bzw. Weckruf? Einmal haben wir bei Regen in einer Höhle auf einem Kinderspielplatz geschlafen. Der Unter­grund hat sich wie eine Leichtathletikbahn angefühlt und gut gefedert, das war recht ­gemütlich. Ein anderes Mal haben wir bei einer ­Nahrungsmittel-Anlieferungsstelle ü ­ bernachtet. Auch da hat es geregnet. Um halb sechs Uhr morgens hat man uns freundlich gebeten, einen a ­ nderen Liegeplatz zu suchen, damit sie ­anliefern k­ önnen.

wurde unter anderem auch auf der BANFF­ Filmtour 2019 gezeigt.

Was war der lustigste Moment, bzw. gab es einen Running Gag? Schwierig zu sagen. Die Nahrungsaufnahme war immer spannend und lustig, weil wir zirka 7000 Kalorien pro Tag gebraucht haben. Wir haben bei den Kellnern immer das ­Drei­fache des Üblichen bestellt. Wir hatten auch die C ­ hallenge laufen, wer mehr Nudeln essen kann. Den Rekord hält Max mit 600 Gramm Nudeln – allein. Was ist eure lustigste Essensanekdote? Einmal haben wir gemeinsam eine ganze Nusstorte als Nachspeise verdrückt. Davor ­hatten wir aber vom Nahrhaftesten auf der Speisekarte bereits das Doppelte bestellt!

schwach war. Als ich oben angekommen war, kam er plötzlich über die Kuppe, und wir konnten den schönen Moment auf dem Gipfel teilen. Es war unser letzter Berg. Von dort aus konnten wir die gesamte Route überblicken: auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die 4000er der Alpen. Ihr habt ja viele Teile des Films selbst gedreht und das ganze Equipment mitgeschleppt. Wie viele Leiberln und wie viele Unterhosen hatten da noch Platz im Gepäck? Wir haben uns täglich im Bergbach gewaschen. Am Ende musste ich Max ein T-Shirt leihen und er mir ein Paar Socken. Aber wir hatten jeweils eine kurze und eine lange mit und zwei Shirts. Kannst du mir die Top-3-Dinge nennen, die unverzichtbar sind? Unromantisch! Unsere Kamera, der Gaskocher und die Zahnbürste. Was wäre dein heißester Tipp oder Ratschlag für ein solches Abenteuer? Spontan zu sein, lohnt sich immer. Die Route grob planen, aber nicht zu viele Fixpunkte ­festlegen. Auch beim Zeitraum sollte man ­flexibel sein. Was steht als nächstes Projekt an? Es wird bald einen etwas künstlerischen Film geben: nur nachts bei Vollmond – ohne ­künstliches Licht. Wir hoffen, dass ihr den ­Kurzfilm bald sehen könnt.

Gab es einen ganz besonderen Moment auf eurer Tour? Am Barre des Écrins, am südlichsten 4000er. Max war kurz davor krank und wollte unter dem Gipfel warten, da er körperlich noch

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Gipfelbuch Ein Rundblick auf die Aktivitäten der Akademischen Sektion Wien seit Herbst 2018

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Mehr Fotos von unterwegs findest du auf akademischesektion.at / unterwegs-2019 Schicke uns auch du deinen Bergmoment an kommunikation@akademischesektion.at

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thema

Der persönliche Wert des Berges Es gibt viele Perspektiven, um den Wert einer Sache zu betrachten. Ein Auszug aus dem Vortrag von oben°wissen im Februar. Text: Richard Franz Fotos: Martina Halmdienst und Christian Steiner Grafik: Barbara Veit

Wie viel z. B. der ­Großglockner wert ist und

„Pfffft“... ertönt es am Ende der Skitour. Ich drehe mich um und sehe meinen Touren­ partner mit einem großen orangefarbenen Ballon rund um den Rucksack. Josef hat seinen Lawinenrucksack ausprobiert. Was der denn kostet, will ich wissen. 799 Euro, bekomme ich als Antwort. Ich schlucke. Immerhin ist die Nachfüllung gratis dabei.

ob sich der Ankauf lohnen würde, auch diesen Fragen haben wir uns im letzten oben°wissen gestellt.

Jedoch ist mit so einem Rucksack die ­Skitouren-Ausrüstung noch lange nicht ­komplett. Ich beginne zu rechnen, was so eine Skitour eigentlich kostet. Da wäre einerseits die Ausbildung zum Sport, zweitens die Ausrüstung und drittens die Kosten der Reise zur Skitour. Von den Ausbildungskosten sehe ich der Einfachheit halber ab. Weiters gehe ich von einem durchschnittlichen, jedoch s­ parsamen Wiener Skitourengeher aus. Tourenski, ­Skitourenschuhe, Skitourenstöcke und Sicherheitsausrüstung überschlage ich mit 1500 Euro, die n ­ otwendige Bekleidung mit 500 Euro. Damit liege ich sicherlich am untersten Rand der Schätzung. Diese Ausgaben fallen nicht jährlich an, weshalb ich eine durchschnittliche Nutzungs­dauer von rund 6,5 Jahren veranschlage. Das entspricht einer Ersatzrate

22 oben°

von 15 Prozent, was jährliche Ausrüstungskosten von 300 Euro ergibt. Gehe ich davon aus, dass unser Tourengeher im Schnitt 12 Skitourentage pro Jahr absolviert, entstehen Ausrüstungs­kosten in der Höhe von 25 Euro pro ­Skitourentag. Fehlen noch die Kosten, um zur Skitour zu ­gelangen. Hier nehme ich an, dass unser ­Skitourengeher die Hälfte der Tourentage im Umkreis von Wien verbringt und die andere Hälfte in den höheren Bergen im Westen. Bei Beachtung des amtlichen Kilometergeldes1), drei Personen im Auto und einer Übernacht­ ungs-­und Essenspauschale von 160 Euro pro Skitouren-Wochenende im Westen errechne ich 60 Euro pro Skitourentag im Umkreis von Wien und 161 Euro pro Weit-weit-weg-Skitourentag. Damit kommt die Erklimmung des Großglockners mit Skiern doch auf 350 Euro Vollkosten2). Zusätzlich könnte ich mich fragen, wie lange ich für mein Hobby im Büro sitzen muss. Hier gehe ich vom Netto-Medianeinkommen eines vollzeitbeschäftigten, unselbstständigen Erwerbs­tätigen aus, das heißt, 50 Prozent verdienen w ­ eniger, 50 Prozent mehr. Das waren 27.360 Euro im Jahr 20173). Abzüglich Feiertage


thema

und Urlaub verbringt man etwa 222 Tage im Jahr im Büro. Das heißt, dass es 10 Arbeitstage benötigt, um sich das Skitourenhobby zu ­finanzieren, wenn unser Modellmensch die Hälfte der Tourentage im Wiener Umkreis und die anderen im Westen verbringt. Wiederholt man diese Übung mit den vielen Annahmen für andere Bergsportarten (Tabelle), ist es wenig überraschend, dass Hochtouren und Skitouren am teuersten sind. Vergleichsweise günstig ist das gewöhnliche Bergwandern. Teuer wird es also mit erhöhter Reise- und Übernachtungstätigkeit sowie mit harschen ­Umweltbedingungen. Soweit die Habenseite des Konsumgutes Bergerlebnis.

partnern und Freunden redet. Konsum kann viel mehr sein, nämlich eine Investition in die ­eigene körperliche und geistige Gesundheit. Das ­belegen auch viele wissenschaftliche S ­ tudien: Erlebnisse sind langfristig viel nachhaltiger und zufriedenheits­stiftender als der Kauf von Gegen­ständen. Sport und s­ oziale Inter­aktionen sind zudem eine der b ­ esten – und günstigsten – Präventiv­maß­nahmen gegen so manche, später nur mehr teuer zu b ­ ehandelnde Erkrankung. Den Nutzen hieraus in einen Geldwert zu packen, geht über diesen kurzen Artikel weit hinaus. So betrachtet, lohnt sich allerdings die Investition in den Berg allemal. Es muss ja nicht immer gleich die Instagram-fähige 500-Euro-­ Jacke sein.

Doch was steht auf der Sollseite? Bewegung, Spaß, Erholung und schöne Erlebnisse, über die man auch noch Jahre später mit seinen Touren-

1)

0.42 Euro pro

Kilometer 2017 2)

Selbstständig o ­ rganisiert, zwei Nächte, zusätzliche Ausrüstung wie Steigeisen ausgeborgt. 3)

Statistik Austria:

statistik.at/web_de/ statistiken/menschen_ und_gesellschaft/soziales/ personen-einkommen/ nettomonatseinkommen/ index,

Hochtour

Wandern

1000 500 1500

300 300 600

1500 300 1800

1500 500 2000

600 300 900

300 300 600

225 8 28

90 15 6

270 15 18

300 12 25

135 15 9

90 10 9

Ausrüstung Bekleidung Summe Replacement (15  %) Tourentage p.a. Kosten  /  Tourentag

MTB Skitouren

Klettern Klettersteig

Kosten Anfahrt  /  Aufenthalt … um Wien (Tag) – 35 0 35 21 21 … weit weg (2 Nächte) 150 122 122 136 122 122 Kosten  /  Tourentag … um Wien 41 18 60 30 30 … weit weg 178 128 140 161 131 131

abgerufen am 9. März 2019.

Kosten pro Jahr bei 50  /  50

1425

1268

1185

1326

1208

805

Angaben in Euro Zurückgelegte Strecke in Kilometer (0,42 Euro Kilometergeld) … um Wien (Tag) 250 0 250 150 … weit weg (2 Nächte) 1000 600 600 800 600

150 600

… Übernachtung + Essen + Trinken pauschal 160 / Wochenende … Tagestouren: Kein Einkehrschwung – Jause & mitgebrachter Tee

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thema

Esche in Not – Ski in Not? Das Eschentriebsterben betrifft ganz Österreich. Der Baum hat nicht nur große ökologische Bedeutung in den Wäldern, sondern auch im Handwerk eine lange Tradition. Text: Mariella Martinz und Wilfried Nebenführ Fotos: Wilfried Nebenführ

Die Autorin mit der ­Baumschere beim ­Beproben von ­Eschensaatgut.

Das Holz der Esche ­zeichnet sich durch eine hohe Elastizität, Z ­ ähigkeit und ­Abriebfestigkeit aus. Verwendung findet es im Möbelbau, für ­Werkzeugstiele, Sport- und Turngeräte, wie Bögen, Skier und ­Sprossenwände sowie im Musik­ instrumentenbau.

Die Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior) aus der Familie der Ölbaumgewächse ist ein ­bestandsbildender Laubbaum in Nord-, Ost- und Mitteleuropa und ist somit auch in Österreich weit verbreitet. Sie liefert seit jeher wertvolles und vielseitig verwendbares Holz und ist durch ihre ökologische Bandbreite ein nicht wegzudenkender Baum heimischer ­Wälder. Vom Auwald bis in alpine Schlucht­ wälder gilt die Esche als Allrounder. An sehr nassen S ­ tandorten als Wasseresche, an sehr ­trockenen, karbonatreichen Standorten als ­Kalkesche bezeichnet, kommt die Esche mit diesen B ­ edingungen gut zurecht. Sie kommt in einer Seehöhe von bis zu 1500 Metern vor. Diese Lichtbaumart kann im Alter eine ­imposante Wuchshöhe von mehr als 40 M ­ etern ­erreichen und ist an den gegen­ständigen, ­unpaarig g ­ efiederten Laubblättern, den ­schwarzen W ­ interknospen und den h ­ ängenden, ­geflügelten Nussfrüchten, welche meist in dichten ­Büscheln am Baum hängen, leicht zu erkennen. Die Bedeutung der Esche für den Naturschutz ergibt sich vor allem aus dem umfangreichen Vorkommen in verschiedenen natürlichen und auch geschützten Waldlebensräumen und ­Sonderstandorten, wie Feuchtwaldtypen, Schlucht- und Trockenwäldern. Zwar sind nur wenige Tierarten an die Esche gebunden, ­besondere Erwähnung verdient aber als Art der FFH-Richtlinie der Eschen-Scheckenfalter oder Kleine Maivogel (Euphydryas maturna), dessen erstes Larvenstadium in Mitteleuropa nur an der Esche frisst. Das Falsche Weiße Stängelbecherchen Das derzeit viel diskutierte Eschentrieb­ sterben ist eine für diese Baumart tödliche

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Pilz­infektion. Es wird durch einen aus Ostasien ­eingeschleppten Schlauchpilz, dem Falschen Weißen Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), ausgelöst und hat sich seit 1992 vom Nordosten Polens ausgehend über b ­ einahe ganz Europa ausgebreitet. Es führt zum ­Absterben von einzelnen Ästen, Kronenteilen bis zum Ausfall ganzer Bestände und hat die Forst- und Holzwirtschaft mit dieser Baumart europaweit zum Erliegen gebracht. Aufgrund der Schwächung der Eschen durch diese Infektions­ krankheit treten zudem s­ ekundäre Infektionen, wie der Wurzelfäule erregende Hallimasch (Armillaria mellea) und andere Weißfäule verursachende Schadpilze, verstärkt auf. Sie schädigen das Wurzelsystem der b ­ efallenen Bäume so stark und rasch, dass die S ­ tandsicherheit der Bäume nicht mehr v­ erlässlich eingeschätzt werden kann und b ­ etroffene Bäume plötzlich umbrechen und umfallen können. Dies ist vor allem in B ­ ereichen von Wegen und Straßen ein e ­ rhebliches P ­ roblem und eine Herausforderung für W ­ aldbesitzer und Forst­ behörden. Erkennen kann man den Befall durch das Pathogen und die Erkrankung des Baumes unter anderem am Absterben von Blättern, deren frühzeitiges W ­ elken und an V ­ erfärbungen in der Baumkrone, Ersatz­trieben und Wasserreisern aber auch an einer auffällig büscheligen Belaubung. Ein weiteres e ­ indeutiges Indiz sind zungen­förmige Rindennekrosen am Wurzelhals, welche leicht mit einem Messer identifiziert ­werden können. Durch Abschaben der Rinde kommen dort morsches Holz sowie weiße Pilzhyphen des Hallimasch zum Vorschein. Ist der Pilz erstmals im Stamm, so erleidet das Edelholz eine enorme Qualitäts­minderung und kann zum Teil nur noch als Brennholz ­verwendet werden.


wissen

Als Handwerkzeug nicht wegzudenken Wer von uns hat nicht schon einmal ein ­Handwerkzeug verwendet, dessen Stiel aus Eschenholz gefertigt war? Hammer, Axt, S ­ paten: Die Liste an möglichen Verwendungen ist lang. Die vorzüglichen Eigenschaften des sehr zähen, harten und auch optisch a ­ nsprechenden Holzes suchen seinesgleichen. Für den ­Alpenverein hat die Esche seit jeher eine große ­Bedeutung: sei es als Baumaterial für Tische und Sessel in den Alm-, Schutz- und Berghütten oder als c­ harakteristisches Element unserer ­Natu­rlandschaft.

Die Autoren haben im ­Rahmen des ­Projektes „Esche in Not“ am

Die Esche und der Ski Das Wort Ski kommt aus dem Norwegischen und bedeutet so viel wie Scheit oder ­gespaltenes Holz. Wo die Skier erfunden ­worden sind, weiß man nicht genau, ob in der heutigen Mongolei, China, Russland oder ­Norwegen, ist unklar, in Österreich war es jedoch nicht. Skibau hat jedoch eine lange Tradition in Österreich und unzählige Erfolge in Skirennen und -wettbewerben gehören zur österreichischen Ski-Alpin-Geschichte.

­Bundesforschungszentrum für Wald nach ­möglichen resistenten Individuen ­gesucht. Mehr ­Informationen unter­ esche-in-not.at

Die ersten „Brettln“, Schlitten und Schneeschuhe hätten ohne das gespaltete und ­bearbeitete Eschenholz kaum den enormen Belastungen dieser Sportarten standhalten können. Tischlereien in Österreich erkannten schon am Beginn des aufkommenden Wintersportbooms die Notwendigkeit, Eschenholzski zu fertigen. Der Ansturm auf die Berge hatte begonnen. Sport im Winter war bis dahin kaum ein Thema, entwickelte sich aber rasant zur ­Leidenschaft der Alpennation.

verwendete er ein massives, gut auf der ­Werkbank fixiertes Eisen, das eine konvex nach oben ausgerichtete Krümmung in Form einer Skischaufel hatte. Das Eisen wurde mit einem Gasbrenner hoch erhitzt, das Holz wurde auf das Eisen gelegt und durch die Wärme und das Eigengewicht des Holzes begann sich der Ski langsam abzusenken und dessen vorderes Ende schmiegte sich ans Eisen. Die L ­ auffläche wurde zusätzlich befeuchtet. Durch die ­unterschiedliche Behandlung der beiden Seiten wurde eine gegensätzliche Holzfaserdehnung erreicht und es machte das Holz elastisch. Nach dem Abkühlen und Austrocknen blieb die Form erhalten, und der Ski wurde ausgespannt. Belag und Stahlkanten kamen erst viel später dazu, und zu den modernen Verbundmaterialien und Carvern war es ein noch längerer Weg. Die Zukunft der Esche Mit einem Rückgang des Pathogens, dem ­Falschen Weißen Stängelbecherchen, ist d ­ erzeit nicht zu rechnen. Daher wird am Bundes­ forschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft gezielt an der Aufklärung des Infektionsweges, dem Krankheitsverlauf und der Ausbreitung des ­Pilzes g ­ eforscht. Mittelfristiges Ziel ist zudem die Einrichtung von Samenplantagen mit hoch­ resistenten Eschen, die bereits in 20 Jahren erstes Saatgut zur Anzucht von Pflanzen mit ­höherer Resistenz gegenüber dem Eschentriebsterben erzeugen könnten. Ob eine ­Rettung dieser wichtigen Baumart gelingt, ist derzeit jedoch ungewiss.

Auch in Familienbetrieben, wie der Tischlerei des Autors in Wien-Mariahilf, wurden Skier vom Großvater noch eigens hergestellt. Dazu

Sieht man kaum noch auf der Piste: ­Traditionelle Skier aus Eschenholz

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jugend

Alpenvereinsjugend – wer bist du und was machst du so? Wir haben beim Hauptverein nachgefragt. Text: Pia Payer (arbeitet in der Bundesgeschäftsstelle in Innsbruck in der Abteilung Jugend und ist selbst als Jugendleiterin aktiv) Foto: Peter Kaiser

Die Alpenvereinsjugend ist die Jugendorganisation des Österreichischen Alpenvereins. Alle Mitglieder bis 30 zählen zur Alpenvereinsjugend und alle Ehrenamtlichen, die in der Jugend aktiv sind! Ja, bis 30 kann man bei der Jugend dabei sein, gut, oder? Was macht die Alpenvereinsjugend? Spielen, draußen sein, zelten, grillen am ­Lagerfeuer, biken, wandern und vor allem natürlich klettern – in der Halle und am Fels! Die Aktivitäten sind sehr unterschiedlich und reichen von anspruchsvollen Bergtouren, ­Hochtouren und Skitouren bis hin zum Spielen und Basteln. Naturschutz ist da natürlich auch ein Thema!

Alle Termine findet man auf ­­alpenvereinsjugend.at/ sommercamps Mehr Infos auf risk-fun.at

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Wer organisiert diese Aktivitäten? Die Aktionen werden vom Jugendteam in den Sektionen und Ortsgruppen geplant und ­ausgeschrieben. Kletterkurse finden meist ­regelmäßig statt, und dazwischen gibt es immer wieder Aktionen draußen, wie rodeln, wandern u.v.m. Momentan sind rund 3700 Ehren­­amt­ liche in der Alpenvereinsjugend aktiv und mit Kindern und Jugendlichen unterwegs. In fast allen Sektionen und Ortsgruppen in Ö ­ sterreich gibt es Jugendteams.

selbst organisiert, manche von Partnern, z. B. Nationalparks, andere vom Hauptverein in ­Innsbruck. Gewisse Camps werden direkt von den Sektionen nur für die eigenen Mitglieder angeboten. Die Info dazu findet man in den ­Sektionsprogrammen. Draußen schlafen, am Lagerfeuer singen, R ­ afting und Canyoning ­kennenlernen und viele neue Freund­schaften knüpfen, das sind E ­ rlebnisse, die Kinder und Jugendliche nach­haltig prägen. Es gibt auch Camps für Ältere, mit z. B. mehrtägigen ­Bergtouren und anspruchsvollen Klettereien. Wer kann da dabei sein? Bei den Camps kann jeder und jede dabei sein, solange er oder sie dem Alter entspricht, das beim Camp angegeben ist. Für Mitglieder des Alpenvereins gibt es einen vergünstigten Preis.

Sie machen die Alpen­vereinsjugend zu einer der aktivsten, v­ ielfältigsten und größten Jugend­ organisationen in Österreich!

Was ist risk'n'fun? risk'n'fun ist das Ausbildungsprogramm der ­Alpenvereinsjugend für die Bereiche Freeride Ski und Snowboard, Klettern und Biken. Alles dreht sich um den Leitsatz „Wahrnehmen-­ beurteilen-entscheiden“. Im Winter in den ­Freeride-Kursen entwickelt man eine eigene Freeride-Strategie: Wie verhalte ich mich im freien Gelände, wie beurteile ich die Lawinen­ situation, wie plane ich meine Tour, wie geht es mir in der Gruppe? risk'n'fun schafft Räume, in denen eigenverantwortliches Handeln und ­Entscheiden möglich ist.

Wir haben gehört, dass es Sommercamps gibt, wann und wo finden die heuer statt? Es gibt viele verschiedene Camps in allen Teilen Österreichs! Manche werden von den S ­ ektionen

Was machen die „Jungen Alpinisten“? Das Projekt „Junge Alpinisten“ gliedert sich in das Junge-Alpinisten-Team und die Junge-­ Alpinisten-Youngsters.


wissen

Wir waren dabei: Wolfsrudel: Schatzsuche mit der Familiengruppe der Sektion Reichenberg, berg:rausch: Sportklettern mit der JUMA der Sektion Austria und Fridays for ­Future ­Klimademonstration mit der Jugend der Sektion Wien Das kommt noch: Hol dir die Wiener ­Wandernadel an einem Tag! 100 Jahre Alpen­vereins­ jugend – 100 Seillängen an der ­Hohen Wand. Stay tuned auf alpenverein.at/jugend-wien

Mehr über ihre Touren lest ihr auf junge-alpinisten.at/blog

Das Junge-Alpinisten-Team sind Bergsteiger und Bergsteigerinnen zwischen 18 und 22, die zwei Jahre lang mit Weltklassealpinisten als M ­ entoren unterwegs sind. Es geht um das Lernen auf A ­ ugenhöhe, um Abenteuer, um das V ­ erschieben von Grenzen und ­selbständiges Bergsteigen auf hohem Niveau. Junge-Alpinisten-­Youngsters ist ein Ausbildungsprogramm für junge Bergfexe von 14 bis 20 Jahren in den Bereichen Eisklettern, Skitouren, ­Hochtouren und Alpinklettern. Hast du ein Beispiel einer Tour der „Jungen Alpinisten“ für uns? Das erste Junge-Alpinisten-Team war auf ­seiner Abschlussexpedition 2016 in K ­ irgistan. Im ­Kokshaal Too (Komorova-Gletscher) sind den Teilnehmern drei Erstbegehungen ­gelungen. Das aktuelle Team plant für seinen Abschluss, nach Nordindien zu reisen. Im Sangl-Tal, nahe der Ortschaft Raksham, liegt ein noch unbekannter Gebirgszug. Hier sollen ­Erstbegehungen gelingen.

über die Alpenvereins-Akademie angeboten, ­beinhaltet viele Tage draußen und man lernt dabei auch immer nette Leute kennen! alpenvereinsjugend.at/aus-und-weiterbildung Heuer wird 100 Jahre Alpenvereinsjugend gefeiert! Was passiert da? Im Rahmen unseres 100. Gründungsjubiläums wollen wir zeigen, wie die Alpenvereinsjugend heute tickt! Dazu fordern wir alle Jugend­ gruppen auf, sich mit einer Partnergruppe aus einer anderen Sektion bzw. Ortsgruppe eine Aktivität zu überlegen und uns davon ein Foto zu senden. Es haben sich schon mehr als 100 Gruppen aus ganz Österreich angemeldet, und es sind viele coole Aktionen dabei: Statuen beklettern, wandern wie vor 100 Jahren oder mit Alpakas... Die Aktivitäten sind so bunt und vielfältig wie die Alpenvereinsjugend!

Das T-Shirt zum­

Wie werde ich Teil des Jugendteams? Als ehrenamtliche Mitarbeiterin bzw. ­Mitarbeiter kann man jederzeit Teil des Jugendteams ­werden. Jugendleiter oder Jugendleiterin bzw. Familiengruppenleiter oder Familiengruppen­ leiterin ist man erst nach Abschluss der ­jeweiligen Ausbildung. Diese umfasst mehrere Module, ist qualitativ sehr hochwertig und vermittelt pädagogische und alpintechnische Kompetenzen. Sie wird in jedem Bundesland

Jubiläum gibt es auf ­alpenverein.at/shop

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risk'n'fun BIKE Tom Greil, risk'n'fun-Trainer und passionierter Mountainbiker, gibt einen ­Einblick, wie er sich auf die kommende Bike-Saison vorbereitet hat, und warum es sich lohnt, bei einem risk'n'fun-BIKE-Termin vorbeizuschauen. Interview: mit Tom Greil, von Dani Töllinger, risk'n'fun-Team Fotos: Franz Walter

Dani: Du bist beinahe täglich mit deinem Mountainbike unterwegs, ob im Ötztal, in Italien oder der Schweiz. Was gehört zu deiner Standardausrüstung für einen Bike-Tag ­immer dazu? Tom: Mein Transition-Patrol-Bike und ein ­Rucksack mit Erste-Hilfe-Packerl, Ersatzschlauch, Pickzeug, Reifenheber, Luftpumpe, Dämpfer­ pumpe, Ersatzbremsbeläge, Kabelbinder, ­Minitool (mit Inbusschlüsseln, Schraubenzieher, Zange), Clif Bar, Wasserflasche, Mobiltelefon, evtl. Kartenmaterial zur Orientierungshilfe, Helm, Brille, Handschuhe, Knieschützer, ­Bike-Schuhe (für Flatpedals), Wind- und / oder Regenjacke… und am besten ist es, wenn noch ein guter Buddy mit dabei ist!

Tom Greil ist seit vielen Jahren im risk'n'funTeam, begeisterter Biker, Freerider und Surfer und

Wie schaut es mit der Radwartung aus? Hast du ein paar einfache Tipps für uns? Nach einer Schlammschlacht sollte das Bike mit einem sanften Wasserstrahl und einer Bürste vorsichtig abgewaschen werden. Besonders achte ich dabei auf den Antrieb (Zahnkranz, Kassette, Kette) und ich öle nach dem Trocknen die Kette.

beruflich Headcoach des ­österreichischen Snowboardcross-Nationalteams Alle weiteren Infos finden sich unter ­risk-fun.com

Je nach Intensität des Einsatzes sollten ­regel­mäßig die Bremsbeläge bzw. die Brems­ scheiben kontrolliert werden. Es ist durchaus normal, dass die Scheiben einmal im Jahr getauscht w ­ erden müssen. Dasselbe gilt auch für die Mäntel, ein neuer Mantelsatz g ­ arantiert wieder ordentlichen Grip. Die Hydraulikbremsen b ­ enötigen evtl. dann und wann eine ­Entlüftung. Ansonsten ist es ratsam, zumindest alle zwei Jahre ein Gabel- und Dämpferservice zu ­machen. Du bist bei den risk'n'fun-BIKE-Terminen als Trainer im Einsatz. Welche Angebote gibt es? Für Sektionen interessant ist sicherlich, dass das risk'n'fun-Team angefordert werden kann und

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direkt mit den Jugendgruppen vor Ort arbeitet. Im Kinder- und Jugendbereich ist bike'n'climb auf der Ferienwiese in Weißbach bei Lofer für alle 12- bis 15-Jährigen empfehlenswert. Neu im Programm sind die Young Guns für alle 15- bis 18-jährigen Mountainbiker mit vier Tagen in Saalbach-Hinterglemm. Natürlich gibt es noch Bike-Sessions (ab 16 Jahren), an denen alle ­teilnehmen können, die bereits etwas Erfahrung am Bike haben (Tipp: Sölden). Was ist für dich das Besondere an dieser Arbeit? Wir erarbeiten mit den Teilnehmern ein ­Programm, das spezifisch den Erwartungen und Wünschen der Gruppen angepasst wird, in einem abgesteckten Rahmen und mit einem Konzept im Hintergrund. Teilnehmer und ­Teamer lernen voneinander in einem ­entspannten Umfeld. Veranstaltungsorte sind bike-technische Highlights, und die Trainer sind ein motiviertes und versiertes Team. Hardskills und Softskills greifen perfekt ineinander, ­natürlich ist auch die Frage „Wie verhalte ich mich als Biker meiner Umwelt und anderen Naturnutzern gegenüber?“ ein großes Thema. Ein respekt­volles Miteinander findet hier auf verschiedenen Ebenen statt. Danke für das Gespräch!


jugend

berg:rausch Text und Foto: Oliver Wana

Du bist zwischen 18 und 29 > schick uns eine Beitrittsanfrage an facebook.com/groups/ bergrausch

Wie es begann Die Idee lag schon länger in der Luft, dass in der ASW eine Jugendgruppe für berg- und natur­ interessierte Personen im Studentenalter fehlt und wir daher eine aufstellen wollten. Nachdem die Sektion an der Universität Wien gegründet worden war und wohl auch zu Beginn einen starken Fokus auf Studierende hatte, wollten wir an diese Anfänge anknüpfen. Denn etwas war für uns klar: Wien braucht eine Anlaufstelle für all jene, die einerseits bergaffin sind und neue Freunde für Touren suchen, aber auch für die, die früher mit den Eltern in den Bergen waren, aber im Freundeskreis keinerlei MitstreiterInnen für neue Abenteuer finden.

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Nachdem ich Anfang 2017 im Jugendteam begonnen hatte und dabei auf Heidi gestoßen bin, haben wir gemeinsam im Frühsommer die ersten konkreten Überlegungen angestellt. Bei einem unserer vielen Treffen in Wiener Cafés (fast wie bei einer Start-up-Gründung) wurde dann auch der Name festgelegt: „berg:rausch“ – auch in Anlehnung an unsere Schwestergruppe Bergfieber. Eine neue Gruppe war geboren Begonnen hat alles im Oktober 2017 im ­Café-Restaurant „Käuzchen“ mit einem Semester-­Opening. Wir haben eine Reihe von Plakaten in verschiedenen Unis aufgehängt und in einigen Facebook-­ Gruppen gepostet, trotzdem waren wir sprachlos, als zirka 3 ­ 5 Personen­ beim ersten Treffen a ­ nwesend waren.

1 Jahr später bis Frühling 2019 Nur 12 Monate später waren es bereits mehr als 15 Personen, die die u ­ nterschiedlichsten Touren und Aktivitäten für berg:rausch ­organisierten, und heute sind es mehr als 25 im Semester. Von Wanderungen durch den Wienerwald über Klettersteig- und Kletter-Wochenenden, Survival­camps im Sommer sowie Winter, bis hin zu Hochtouren hat bereits alles stattgefunden. Aber auch unsere monatlichen Stammtische, bei denen stets neue Abenteuer geplant ­werden, und die wöchentlichen Treffen u ­ nserer zwei Untergruppen kletter:rausch (auf der Marswiese) und boulder:rausch sind bereits fixe Bestandteile des Sektionslebens.

Du hast Interesse an unserer Gruppe bzw. kennst Interessierte? Viele Freundschaften sind bereits entstanden, und wir freuen uns stets über neue Leute, die Lust haben, die Gruppe mitzugestalten. Wenn du zwischen 18 und 29 bist und Lust hast, deine Freizeit in den Bergen bzw. in der Natur zu verbringen, dann bist du bei uns genau richtig. Ganz besonders freuen wir uns, wenn du bereits in der einen oder anderen Aktivität Erfahrung gesammelt hast und die mit anderen „berg:räuschen“ teilst. Vielleicht sogar bei einem Event.

oben° 29


jugend spezial

100 Jahre Alpenvereinsjugend – ­davon 96 Jahre Jugendgruppen der Akademischen Sektion Wien Die Alpenvereinsjugend wird 100 Jahre! Auch die ASW war von Anfang an dabei. In zwei Artikeln soll in diesem und im nächsten oben° ein kurzer Überblick über die Jugendgruppen der ASW geboten werden. Dieser Beitrag handelt von der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg. Der nächste Artikel wird sich um die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute drehen. Text: Matthias Vigl

Die ASW und ihre Geschichte ist ja bekanntlich ein heikles Thema. Vielleicht ist es also besser, wenn ich diesen Artikel mit einer Anekdote aus meiner eigenen Jugend beim Alpenverein ­Südtirol beginne.

1)

Zitate aus:

Schröckenfuchs, Friedl: Die ASW von 1923 bis 1945, in: Festschrift: 100 Jahre A ­ kademische Sektion Wien des ­Österreichischen ­Alpenvereins. Wien, 1988. 2) 3) 4)

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Ebd.

Irgendwann, es muss 1993 oder 1994 ­gewesen sein, war ich bei meinem ersten Hüttenlager dabei. Als ich nach einer Woche ­begeistert heimkam und von den Lieder­ abenden b ­ erichtete, fragte mein Vater besorgt nach, welche Lieder wir gesungen hätten. Ich konnte, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, nichts mit dieser Frage a ­ nfangen und habe wahrscheinlich begeistert von ­„Bergvagabunden" und „Riesige Berge, steile Felsenwand" und diversen, eigentlich nicht für Achtjährige geeigneten, Gstanzln berichtet. Erst als ich später, Anfang der 2000er-Jahre, selbst Jugendführer (sic!) wurde, verstand ich, was mein alter Herr gemeint hatte. Damals war es bei, nennen wir es, ­„betont ­volkstümlicheren Kameraden" durchaus üblich, einerseits das gesamte mehr oder weniger harmlose n ­ ationale Südtiroler Liedgut zu s­ ingen, ­andererseits aber auch, nach dem f­ ünften Bier, dem Refrain „Heil dir, mein Südtiroler Land" noch ein markiges „Sieg Heil" hinterher zu brüllen. Insofern muss ich heute wohl m ­ einen damaligen JugendbetreuerInnen dankbar sein, dass sie, allesamt „hippieske“ Kletterer aus der Gründungszeit des S ­ port­kletterns, mithin g ­ ewissermaßen Bergvagabunden im ­eigentlichen Sinne und nicht „toitsche“ ­Vereinsalpinisten waren. Andererseits hat diese Erfahrung auch mit dazu geführt, dass meine 25-jährige Zugehörigkeit zum Alpen­ verein immer von einem kritischen Blick auf die Vergangenheit geprägt war und ist.

Nun also ein paar Worte zur frühen Geschichte der Jugendgruppen in der Akademischen ­Sektion Wien. Zunächst muss allerdings g ­ eklärt werden, was eine Jugendgruppe ist. In der Gründungszeit des Alpenvereins waren die akademischen Sektionen in ihrem Selbst­ verständnis Gruppen, in denen sich die ­bergsteigerische Jugend versammelte. In den meisten Satzungen war geregelt, dass mit dem Abschluss des Studiums auch die aktive Zeit in der Sektion endete. Genauso verhielt es sich auch in der ASW. Insofern war wohl der Großteil der aktiven Mitglieder, ­wenigstens bis zur Mitte des letzten Jahr­ hunderts unter 30 Jahre alt, eine Altersgruppe, die auch heute Zielpublikum für die Alpenvereinsjugend ist. In diesem ersten Teil soll es um die Jugendgruppen der ASW, also jene für schulpflichtige Jugendliche, gehen. Einige Aspekte der Geschichte der ASW – also vor allem ihre studentischen Mitglieder – habe ich bereits in einem früheren oben° (01 / 2018) besprochen. Die ASW zählte auch in der Jugendarbeit zu den Pionieren innerhalb des Alpenvereins. Bereits 1922 wurde der Beschluss gefasst, eine eigene Jugendgruppe ins Leben zu rufen. Man wollte „Obermittelschüler“ (15- bis 18-Jährige) ansprechen und ihnen durch Wanderungen, Lager, Kletterkurse und Heimabende nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten, sondern sie langsam an die Ideen und Ziele der ASW heranführen. „Mut, Kraft und Glück" waren die Werte, die man vermitteln wollte1). Im Lichte, dass kurz zuvor der Arierparagraph eingeführt worden war, lässt sich allerdings nur mutmaßen, welche weiteren Werte


jugend spezial

v­ ermittelt werden sollten. Jedenfalls wurde 1923 eine eigene Jugendgruppe in der Satzung verankert, fünf Jahre bevor der damalige Hauptverein die Pflege des Jugendwanderns in seine allgemeinen Satzungen aufnahm. In der Zeit der wirtschaftlichen Not nach dem Ersten Weltkrieg war die Jugendarbeit davon geprägt, Jugendlichen zu ermöglichen, Bergfahrten und Ausflüge zu unternehmen. Der Gedanke, dass die Jugend aus den u ­ ngesunden S ­ tädten in die Natur gehen müsste, war damals in der ­gesamten Gesellschaft weit verbreitet und wurde von allen politischen Lagern ­vertreten. Möglich wurde dies vor allem durch die rege Spendentätigkeit der sogenannten „Alten ­Herren". Auch im damaligen Landesverband war die ASW tätig. Der Leiter der Jugendgruppe, Heinrich Polscher, stand der ­„Landesstelle für alpines Jugendwandern" vor. In Zahlen bemessen war die Jugendarbeit der kleinen ASW jedenfalls sehr erfolgreich. Nach einem schleppenden Start zählte die Jugendgruppe 1938 etwa 80 Mitglieder2). Ob dies wiederum damit zusammenhing, dass der Alpenverein damals als Tarnorganisation der verbotenen nationalsozialistischen Bewegung genutzt wurde und es in Österreich bis 1938 keine Hitlerjugend gab, sei dahingestellt. Dass Mitglieder der Jugendgruppe am Betreten der Vereinsräumlichkeiten in der Universität ­gehindert wurden 3) und Schwierigkeiten in der Schule bekamen 4), spricht wohl dafür. Das austrofaschistische Regime hatte s­ chließlich zwei Hauptfeinde: S ­ ozialdemokraten und ­Nationalsozialisten – und sozialistischer ­Umtriebe ist die damalige ASW mit Sicherheit unverdächtig. Bereits im Sommer 1938 zählt die Jugendgruppe nur noch 36 Mitglieder. ­Vermutlich, weil der Großteil der Mitglieder mehr oder weniger zwangsweise in die ­Hitlerjugend übergeführt wurde. Mit dem ­Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Arbeit der Jugendgruppe schließlich weitest­ gehend eingestellt.

Das war also der erste Teil der Geschichte der Jugendgruppen in der ASW. Nun wird auch der einleitende, persönliche Text nachvollziehbar. Die Geschichte der Jugendarbeit im Alpen­ verein ist ebenso zwiespältig. Besonders in der Zeit der Wirtschaftskrise wurden Jugendlichen Möglichkeiten geboten, von denen sie sonst nicht hätten träumen können. Gleichzeitig war sie stets auch ein Mittel zur Beeinflussung von Jugendlichen. Mehr zum Thema und zur ­Veränderung der Jugendarbeit nach dem ­Zweiten Weltkrieg bis heute im nächsten Heft.

Zeichnung aus dem­ ­Journalbuch der ­Akademischen Sektion Wien anlässlich der ­Hauptversammlung 1923

oben° 31


jugend

Tag der Zivilcourage Welche gesellschaftlichen Aufgaben erfüllt der Alpenverein? Diese Frage stellen wir uns immer wieder. Für die ASW steht nicht nur der Schutz der Alpen an erster Stelle, sondern auch das gemeinsame Miteinander, und dafür setzen wir uns ein. Text: Samuel Felder Foto: Shalom de León

Im Rahmen des Tages der Zivilcourage der GRG Kundmanngasse war ich mit den ­Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse in der ­Kletterhalle der Sektion Edelweiß. Die Frage, ob Z ­ ivilcourage eine Aufgabe des A ­ lpenvereins ist, war b ­ erechtigt. Für uns ist die Antwort ein ganz klares Ja! Aber warum? Ganz e ­ infach, ob am Berg oder nicht, man hilft sich. Dieser ­Grundsatz kennt keine Grenzen, kein G ­ eschlecht oder N ­ ationalität und sollte eine Selbstver­ ständlichkeit sein. Wie haben wir versucht, den ­ chülerinnen und Schülern den S ­Zusammenhang zu erklären? In der Kletterhalle haben wir den ­Jugendlichen gesagt, sie könnten ­klettern, wie sie wollen. Einige waren misstrauisch, a ­ ndere ließen sich kein zweites Mal bitten. Doch bevor schluss­endlich losgeklettert wurde, habe ich nachgefragt, ob j­emand von ihnen K ­ lettererfahrung hat? Die Antwort: Nein. Das war mein Einstieg zu e ­ rklären, dass ich hätte wegschauen können und alles ­Mögliche p ­ assieren hätte können, aber da wir ­aufeinander achten, warnen wir einander vor Gefahren. Aber warum sollten wir das nur in der Kletterhalle tun? Ich war positiv überrascht über das Feedback: Das sollte man immer tun.

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Danach haben wir einige Situationen ­durch­gespielt, in denen immer wieder die Frage a ­ ufkam, ob es sich dabei um Zivilcourage handelt oder nicht. Die Meinungen fielen ­unterschiedlich aus, und die Thematik wurde untereinander diskutiert. Ich stand lediglich als Moderator zur Seite: Dem Ausbildungskonzept des Alpenvereins entspricht, einen sicheren Rahmen zu bieten, in dem man Erfahrungen selbst machen kann. Am Ende der gemeinsamen Zeit stellte sich die Frage nach einem Ergebnis. Die Antworten waren gemischt, doch einig waren sich alle darin, dass es wichtig sei, nicht wegzuschauen, auch wenn die Mehrheit eine andere Meinung vertritt. Lieber einmal zu viel Hilfe anbieten, als einmal zu wenig! Mit diesem Fazit konnte ich die Jugendlichen guten Gewissens verabschieden. Die Sektion Edelweiß spendierte noch einen Gutschein zum Klettern, da der Sport an diesem Tag wegen ­unserer Diskussionen zu kurz gekommen war. Auch Wochen später bin ich mehr als glücklich darüber, dass die Akademische Sektion hier die Möglichkeit zum Gestalten übernommen hat. Für die Schülerinnen und Schüler der ­dritten Klasse werde ich wahrscheinlich nur ein ­Irgendjemand bleiben, aber der Mut zur ­Zivilcourage bleibt bestehen.


danke

Danke! Für jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz! Text: Angela Hirsch Foto: Barbara Marko-Bartilla

Wir nutzen wieder die Gelegenheit im oben°, um vielen Leuten zu danken, ohne die wir die Aktivitäten des Vereins gar nicht am Laufen halten könnten. So viele Stunden an ­ehrenamtlicher Arbeit stecken in unserem ­Vereinsleben, und darum danken wir den ­Tourenführerinnen und Tourenführern und den vielen M ­ itgliedern, die bei den v­ erschiedensten Aufgaben ­mithelfen, ob bei kleinen ­Reparaturen, mit ihren Initiativen, ihrer Expertise in der IT und anderen Bereichen. Und dann gibt es noch jene, die sich der ­zeitintensiveren Brocken annehmen, die ein wenig mehr Einsatz in Anspruch nehmen. Hier wollen wir ein besonders großes DANKE ­aussprechen, besonders dem Vorstands-, ­Beirats- und Rechnungsprüfungs-Team! DANKE Heidi und Helmut, dass ihr j­ahrelang die Rechnungsprüfung für den Verein ­übernommen und stets an der Qualitäts­ sicherung und -­ verbesserung unserer ­geschäftlichen A ­ ktivitäten mitgearbeitet habt! Diese verantwortungsvolle Aufgabe über­ nehmen im nächsten Jahr, auch mit Adleraugen, Alexander und Clemens. Anlässlich der diesjährigen H ­ auptversammlung gab es noch weitere Um- und N ­ eubesetzungen: Jürgen, unser langjähriger A ­ lpinreferent, ­übergibt an Richard, bleibt jedoch ­unterstützend im Beirat. DANKE, Jürgen, für die vielen legendären Skitouren-Wochenenden, Hochtourenkurse u. v. m. Wir sind froh, dass du

weiterhin dabei bist! DANKE auch an H ­ ermann, der gemeinsam mit Hans Meilensteine im Hüttenreferat gesetzt hat. Auch er steht uns dankenswerter Weise mit seiner Expertise bei den weiteren Herausforderungen zur Seite und übergibt das Hüttenreferat an Matthias. Und auch noch ein DANKE an Anja für die hoch­ karätigen Veranstaltungen im Bereich Naturschutz und Nachhaltigkeit. Dieses Referat wird nun Mariella gestalten. Unseren besonderen DANK richten wir mit der Vergabe des diesjährigen Olli für die Gründung der Jugendgruppe berg:rausch an Heidi. Du hast unser Vereinsleben mit deiner Initiative ­unglaublich bereichert! Und natürlich ein großes DANKE auch an ­Manfred, der sich gewissenhaft der Wege rund um die Körner-Hütte angenommen hat, an Steff, der seit Jahren unser Archiv mit größter Sorgfalt betreut und es zum Vorzeigearchiv gemacht hat. Franz, ohne dich wäre das oben° qualitativ bei Weitem nicht das, was es ist! Und Hermann unterstützt Sam im Hintergrund bei der Vereinsarbeit ganz still und leise. Der Verein sind wir alle, und darum euch allen ein DANKE, die ihr ehrenamtlich so viel ­Leidenschaft und Zeit investiert!

oben° 33


programm

Kommende Aktivitäten und Highlights Das vollständige Programm findet ihr laufend a ­ ktualisiert auf akademischesektion.at/termine

13. bis 20. Juli 2019

1. August 2019

29. August bis 1. September 2019

6. bis 8. September 2019

8. bis 15. September 2018

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Dolomitenwoche 2019 in St. Christina im Grödnertal

für Wanderer, Wanderinnen und KlettersteiggeherInnen mit Gerti und Günther Schlicker

Einfach raus am Donnerstag

mit Uli Pistotnik und Christl Wolch in den Dunkelsteinerwald

Alpinkletterwochenende in den Loferer Steinbergen

mit Johannes Schrems und Christian Steiner

Bergfieber | Bike in Jamnica mit Peter Wirthumer

berg:rausch Von Garmisch-Partenkirchen bis ins Ötztal einwöchige Hüttentour mit Heidi Leonhardt

9. September 2019

Bergfieber Meet-Up: September Edition

6. Oktober 2019

Wolfsrudel: Herbstwanderung in der Wachau

ab 17.30 Uhr, in der Weinstube Josefstadt

mit Claus Schmidt und Alexander Wiesböck


programm

19. bis 26. Oktober 2019

Wanderung rund um die Bucht von Kotor, Montenegro mit Uli Pistotnik

10. November 2019

Ganslwanderung mit Norbert Huber

1. Dezember 2019

Adventwanderung mit Günther Schlicker

Laufende Aktivitäten Spontan

MTB-Afterwork-Touren by Bergfieber | Bike boulder:rausch powered by berg:rausch Je nach Wetter geht es in die Halle oder zum Urban Bouldering. Viele unserer Touren werden kurzfristig, je nach Wetter, ausgeschrieben. In unseren Facebook-Gruppen halten wir dich auf dem Laufenden.

Regelmäßig

oben°wissen organisiert von Bibiane Kaufmann Eine Themenreihe der Akademischen Sektion Wien rund um den Berg kletter:rausch powered by berg:rausch Marswiese, donnerstags, ab 19.00 Uhr Einfach raus am Donnerstag von Uli Pistotnik Für Pensionisten und alle, die am Donnerstag Zeit haben Bergfieber Meet-Up

Für Outdoorfans von 30 bis zirka 45 Jahren UWZ_Vermerk_GmbH_4C_Umweltzeichen_Vermerk.qxd 31.05.13 08:02 Seite 1

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Akademische Sektion Wien des Österreichischen Alpenvereins Maria-Theresien-Straße 3 / 2, 1090 Wien Öffnungszeiten: Do 17.00 – 19.00 Uhr Telefon: +43 / 1 / 319 78 37 E-Mail: office@akademischesektion.at www.akademischesektion.at www.facebook.com/ akademischesektion

„Es geht nicht um die Leistung. Es geht ums Erlebnis.“ David Lama