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werden können, um die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern. Die Summer School, in der praxisorientiert an Fallbeispielen Faktoren wie Ressourcenverknappung, Bevölkerungswachstum, kulturelle Unterschiede, Machtkämpfe und vieles mehr in den Vorschauen berücksichtigt werden, ist eine der zahlreichen Aktivitäten im Rahmen der International Foresight Academy (IFA), die besonders auch den Austausch und die Vernetzung von WissenschaftlerInnen zum Ziel hat. Das vom AIT koordinierte, dreijährige EU-Projekt mit Partnern aus Argentinien, Brasilien, Kanada, Russland und Südkorea sowie Deutschland, Finnland, Lettland, Österreich, Rumänien und der Schweiz verbindet erstmals Foresight-Aktivitäten rund um die Welt zum Thema Partizipation. Foresight zeigt dabei nicht nur Trends und mögliche Szenarien, die Entscheidungsträger in Politik, Forschung und Wirtschaft unterstützen, sondern schafft zugleich auch Strukturen und Netzwerke. Im zentralen Blickpunkt der IFA steht die Frage, inwieweit Foresight ein Instrument sein kann, um demokratische Partizipationsprozesse in unterschiedlichen Demokratien zu fördern. Das dreijährige Austauschprojekt wird über das Marie-Curie-Programm im 7. Forschungsrahmenprogramm finanziert und hat im Mai 2012 begonnen.

Foresight & Policy Development

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notwendig. Nur so können etwa Themen wie die möglichen Auswirkungen der Klimaerwärmung, die Versorgung der stark steigenden Weltbevölkerung mit Nahrung oder auch die Überalterung der Gesellschaft in vielen Staaten erfasst werden. Gerade der internationale Austausch ermöglicht es dabei, einen externen Blick auf die eigene Gesellschaft zu bekommen. Demokratische Partizipation bei Zukunftsfragen

Foresight entwirft aber nicht nur Szenarien über mögliche künftige Entwicklungen, um beispielsweise Entscheidungsträger bei politischen und wirtschaftlichen Fragen zu unterstützen, sondern kann auch als Instrument dienen, die Öffentlichkeit bei politischen Entscheidungen stärker zu integrieren, um so zugleich schneller und besser informiert auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren zu können. Die Gestaltung von ZuPetra Schaper- Rinkel /// Senior Scientist, Foresight& Policy Development Department „Unter Partizipation wird international gesehen oft sehr Unterschiedliches verstanden.“

Foresight 2.0

In der Summer School werden die neuen Methoden für Foresight, die oft als „Foresight 2.0“ bezeichnet werden, gelehrt. Vor allem kulturelle und bewusstseinsbildende Faktoren sowie die unterschiedlichen Rollen und Funktionen aller relevanten Beteiligten finden nun stärkere Berücksichtigung. „Ziel ist es, vor allem jüngeren WissenschaftlerInnen die neuen Ansätze von Foresight zu vermitteln“, erklärt Susanne Giesecke, Senior Scientist im Foresight & Policy Development Department am AIT, die das IFA-Projekt leitet. Die Inhalte der Summer School hat der IFAPartner Foresight Canada zusammengestellt, der auf diesem Gebiet ein hohes Renommé genießt. Die selbst noch junge wissenschaftliche Disziplin Foresight hat ihre Methoden in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Bis vor kurzem wurden mit Foresight eher forschungs- und technologiepolitische Themen untersucht. Für die Erstellung von Szenarien komplexer gesellschaftlicher, politischer und technologischer Entwicklungen ist eine deutlich breitere Basis

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kunft ist ein zentraler Ansatzpunkt von ForesightProzessen. Dabei geht es nicht nur um Anpassung an neue Rahmenbedingungen, sondern um gesellschaftliche Gestaltungsoptionen. Mit der International Foresight Academy bekommen WissenschaftlerInnen der Partnerinstitutionen für einen Monat bis zu maximal zwölf Monaten die Möglichkeit, die Foresight-Aktivitäten in anderen Ländern zu studieren und zugleich wichtige Kontakte für künftige internationale Kooperationen aufzubauen. Susanne Giesecke hat beispielsweise schon einen dreimonatigen Besuch in Brasilien absolviert. Petra Schaper-Rinkel, Senior Scientist am AIT Foresight& Policy Development Department, konnte zweieinhalb Monate Erfahrungen in Argentinien sammeln. „Unter Partizipation wird oft sehr Unterschiedliches verstanden“, so Schaper-Rinkel, „in Argentinien geht es vor allem um Experten-Partizipation.“ Was in Argentinien derzeit als Neuheit unter Foresight initiiert wird, ist die Einführung von Prozessen, in

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Tomorrow Today, 07/2013  
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