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TOMORROW TODAY

WOLFGANG HRIBERNIK HEAD OF CENTER FOR ENERGY

Andreas Vrabl, Head of Center for Vision, Automation & Control, Nicole Brosch, Junior Scientist und Petra Thanner, Research Engineer (r.).

10. RANSHOFENER LEICHTMETALLTAGE // DIE ZUKUNFT GEHÖRT ALUMINIUM QUALITÄTSKONTROLLE // AIT AUF DER BANKNOTE CONFERENCE LEISTUNGSFÄHIGERE 5G-NETZE // ERC STARTING GRANT FÜR AIT-FORSCHER

ENERGIEFORSCHUNG

PROFITIEREN VOM WANDEL IM ENERGIESYSTEM


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WO ENERGIE SMART & ZUKUNFTSSICHER WIRD

Wolfgang Hribernik, neuer Leiter des AIT Center for Energy, und AIT-Scientists der Unit Electric Energy Systems im SmartEST L ­ abor v. l. n. r.: Antony Zegers, Johanna Spreitzhofer, Helfried Brunner, Friederich Kupzog, Wolfgang Hribernik, Johannes Kathan, Ksenia Poplavskaya und Tara Esterl. Friederich Kupzog (4. v. l.) übernimmt als Nachfolger von Wolfgang Hribernik die Leitung der Competence Unit Electric Energy Systems.


Fotos und Coverfoto: PicturePeople

Am AIT Center for Energy forschen mehr als 220 MitarbeiterInnen unter der Leitung von Wolfgang Hribernik an der nachhaltigen Energieerzeugung und -versorgung von morgen. Langjährige Erfahrung, wissenschaftliche Exzellenz sowie hochwertige Laborinfrastruktur und weltweite Vernetzung bieten Unternehmen innovative und angewandte Forschungsservices – und schaffen klare Wettbewerbsvorteile.

Seit Juni 2018 leitet Wolfgang Hribernik das Center for Energy am AIT Austrian Institute of Technology. Damit ist er für die wissenschaftliche, wirtschaftliche und strategische Entwicklung des Centers verantwortlich. Eine Aufgabe, die den erfahrenen Energie-Experten und Manager durchaus mit Stolz erfüllt: „Die Energiebranche ist einem tiefgreifenden Wandlungsprozess unterworfen. Die Transformation des Energiesystems erzeugt ganz neue Möglichkeiten, wie sich arrivierte Marktteilnehmer positionieren können, und schafft zugleich völlig neue Chancen für Produkte und Angebote.“ Der Paradigmenwechsel hin zu einem intelligenten Netzbetrieb prägt unseren Energiekonsum zunehmend. Für Wirtschaft und Industrie ist dabei die Versorgungssicherheit ein wesentlicher Faktor, um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu agieren. Hier setzt das Center for Energy – mit mehr als 220 EnergieforscherInnen das größte Center am AIT – an. „Wir arbeiten daran, unsere Leistungen für unsere Kunden weiterzuentwickeln und können dabei auf sehr hohe Forschungs- und Anwendungskompetenz verweisen“, so Hribernik. „Wir wollen die Umgestaltung des Energiesystems und die Entwicklung und Integration der dafür notwendigen Technologien gemeinsam mit Forschung und Industrie weiter vorantreiben.“ Das Themenportfolio des Center for Energy orientiert sich an drei zentralen Systemen: Nachhaltige Energieinfrastruktur, Dekarbonisierung von industriellen Prozessen und Anlagen sowie innovative Technologien und Lösungen für urbane Transformation (Gebäude, Städte). Dabei spielt das AIT SmartEST Labor – eine in Europa einzigartige Entwicklungsplattform für Smart-Grids-Techno­ logien und Systemarchitekturen – eine bedeutende Rolle: für Lösungen und Produkte von Industriepartnern, aber auch für AIT-Innovationen, d ­ ie später in den Markt übergeleitet werden. Damit unterstützt das AIT die Entwicklungsprozesse österreichischer Akteure, schafft einen Wettbewerbsvorteil und ist


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Die AIT-EnergieforscherInnen arbeiten u. a. an Netzplanungs-Studien zu Netzverstärkung, Spannungsband-Management sowie optimierter Lastflussberechnung.

Das AIT ist auf die Präqualifizierung von Systemkomponenten spezialisiert.


Top-Story

Der interdisziplinäre Ansatz wird am AIT Center for Energy konsequent verfolgt.

Bedeutend ist neben der fachlichen Kompetenz auch ein interdisziplinärer Ansatz, denn Energiesysteme bestehen neben Technologien aus Systemarchitekturen und Regeln. Letztere können technischer Art sein, aber auch Rahmenbedingungen für die Teilnahme an Märkten definieren. „Nur integrierte Systembetrachtungen, die all diese Ebenen adressieren können, werden in der Lage sein, die Transformation des Energiesystems nachhaltig zu unterstützen“, weiß Wolfgang Hribernik. Das AIT beschäftigt sich daher beispielsweise auch mit Themen wie Datennutzung.

Fotos: PicturePeople

In einem aktuellen Projekt arbeiten die AIT-Teams mit dem Nikola Tesla Labor der TU Graz zusammen. „Das Projekt DC Lab hat zum Ziel, Entwicklungswerkzeuge und Testverfahren für zukünftige DC-Systeme und DC-Technologien zu entwickeln“, sagt Hribernik, „auf der Ebene der Verteilsysteme – also z. B. im Anwendungsbereich von gleichstromversorgten Gebäuden – bieten das AIT SmartEST Labor und die in dem Zusammenhang stehenden Erweiterungen eine ideale Entwicklungsplattform.“ Auf der Ebene der Übertragungs- und Höchstspannungsnetze müssen Technologien auf die Anforderungen an die Insolationssysteme im Höchstspannungsbereich getestet werden. Das AIT positioniert sich hier global als bedeutender Kooperationspartner mit interdisziplinärem Know-how.

zugleich mit AIT-Technologien auf internationaler Ebene sichtbar. Elektrische Energiespeichersysteme und deren aktuelle und zukünftige Aufgaben im Energiesystem zählen gegenwärtig zu den am meisten nachgefragten Technologien. „Wir unterstützen durch hardware-in-the-loop (HIL)-Methoden Systembetreiber und Hersteller in praktisch allen signifikanten Demonstrationsprojekten für utility-scale-Batteriesysteme“, erklärt Hribernik. „Im Bereich der von uns entwickelten Technologien bildet der AIT Smart Grid Converter (ASGC) den Schwerpunkt im Bereich der leistungselektronischen Systeme.“ Das AIT ist auch seit vielen Jahren ein international aktiver Hub in der Smart-Grids-Forschung. Als Gründungsmitglied von DERLab bringt sich das AIT aktiv in der European Energy Research Alliance (EERA) sowie in Technologieplattformen im Zusammenhang mit der SET-Plan-Umsetzung ein. „Das Ziel dieser Aktivitäten ist die gemeinsame Gestaltung von Forschungsprioritäten auf europäischer Ebene, die effiziente Nutzung und Entwicklung von Forschungsinfrastruktur und auch die Unterstützung der Mobilität von Forschern im Smart-Grids-Thema“, betont Hribernik. Letzteres unterstützt die Attraktivität des Forschungsstandortes und bringt wesentliche Wettbewerbsvorteile bei der hochkompetitiven Jagd nach den besten Köpfen.

Top-Experten am AIT Wolfgang Hribernik studierte an der TU Wien Elek­ trotechnik und wurde 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am AIT. Zuvor war er u. a. Doktorand und Universitätsassistent in der Fachgruppe Hochspannungstechnologie der ETH Zürich sowie Gastforscher an der Bonneville Power Administration (BPA) in Portland, USA. 2007 schloss er das Doktorat in den technischen Wissenschaften an der ETH ab. Seit 2009 leitete Hribernik die Competence Unit Electric Energy Systems und baute das SmartEST (Smart Electricity ­System & Technology) Labor auf. Hribernik ist in ­zahlreichen Gremien tätig. Friederich Kupzog ist seit August Leiter der Competence Unit Electric Energy Systems. Er studierte Elektrotechnik an der RWTH Aachen und trieb in den letzten Jahren als Senior Scientist am AIT das Thema Digitalisierung der elektrischen Energiesysteme durch viele Forschungs- und Umsetzungsprojekte voran. Kupzog wirkte zuvor u. a. am Institut für Computertechnik und bei Siemens Cooperate Research, wo er eine Testumgebung für intelligente Niederspannungsnetze aufbaute.


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Mitte Juni fanden bereits zum 10. Mal die Ranshofener Leichtmetalltage in Linz statt. Auf Einladung des LKR Leicht­ metallkompetenzzentrum Ranshofen trafen sich mehr als 120 Werkstoff­ wissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus der internationalen Leichtmetall­ branche zum zweitägigen Branchentref­ fen und Fachaustausch.

Als Tochterunternehmen des AIT Austrian Institute of Technology gehört die LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen GmbH als Geschäftsfeld „Light Metals Technologies Ranshofen“ zum AIT Center for Low-Emission Transport. Forschungsschwerpunkt ist die gesamtheitliche Betrachtung des Leichtbaus – vom Material über die Prozesstechnologie bis hin zum werkstoffbezogenen Strukturdesign. Das LKR kann auf mehr als 20 Jahre Kompetenz in Forschung und Innovation für den Leichtbau der Zukunft verweisen und forscht an wegweisenden Hochleistungsmetallen und Prozesstechnologien. Das 50-köpfige Team arbeitet an effizienten, sicheren und

Fotos: AIT/LKR/Wenter

20 JAHRE FORSCHUNG FÜR DEN INNOVATIVEN LEICHTBAU


Konferenz

des LKR, war die Jubiläumsveranstaltung jedenfalls ein voller Erfolg: „Eine einzigartige Bandbreite und ein hoher Qualitätsanspruch an die wissenschaftlichen Vorträge – das sind die Markenzeichen der Ranshofener Leichtmetalltage. Mit dieser 10. Tagung wird den aktuellen Ansprüchen an Hochleistungswerkstoffe und deren Verarbeitung zu Komponenten für den emissonsarmen Transport und damit der Dekarbonisierung umfassend Rechnung getragen. Wenngleich Folgendes festzuhalten ist: Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel!“ Künftige Trends und aktuelle Forschungsthemen wurden in drei Keynotes, insgesamt 19 Vorträgen, 12 Postern und einer Podiumsdiskussion sowie durch die aktive Einbindung der 16 Sponsoren aufgezeigt. Heuer drehte sich alles um „Hochleistungsmetalle und Prozesse für den Leichtbau der Zukunft“. Die stets ausgewogene Mischung von Vorträgen aus der universitären, außeruniversitären und industriellen Forschung lieferte einen aktuellen Überblick über die Themen: •

Werkstoffentwicklung und Materialcharakterisierung: Dazu bot die Keynote von Dr.-mont. Werner Fragner, AMAG Austria Metall GmbH, interessante Aspekte: „Ein richtiges Zusammenspiel von Zusammensetzung und Prozess vorausgesetzt, schaffen Al-Recyclinglegierungen den Sprung zu hochbeanspruchten Anwendungen, die bisher Primärlegierungen vorbehalten waren. Damit wird ein neuer Legierungstyp geschaffen“, meinte Fragner, „unser vertieftes, metallurgisches KnowDie spannende Podiums­ how und Prozessverständnis ermöglicht diskussion brachte manchen es, Legierungen mit hohem Recyclinganteil ­neuen Aspekt in die derzeiti­ zu entwickeln, die in die Eigenschaftsliga gen Forschungsthemen ein. von Primärlegierungen vordringen.“ • Prozessentwicklung – experimentell und numerisch: In seiner Keynote beleuchtete Prof. Jürgen Hirsch, umweltverträglichen Mobilitätslösungen und konzentriert Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, die Aussichten dabei seine Stärken auf die Leichtmetalle Aluminium und für Aluminium als Gebrauchsmetall: „Aluminium zählt Magnesium für den Leichtbau im Fahrzeugbereich. Aktuelheute nach Eisen und Stahl zu einem der wichtigsten le Forschungsthemen sind u. a. kryogene Blechumformung Gebrauchsmetalle – mit wachsender Tendenz: Denn es von Aluminium bei -150°C, Entwicklung von brandbeständigen bietet für viele Anwendungen die richtigen Eigenschaften Magnesiumlegierungen oder neuen, modifizierten Aluminifür optimale Lösungen in verschiedenen etablierten und umdrähten für die additive Fertigung.. innovativen Anwendungen, z. B. in Architektur, Elektrik, Verpackung und als Leichtbau-Werkstoff in der TransTRENDS UND MARKTENTWICKLUNGEN portindustrie – etwa im Automobilbau – im Wettstreit der Werkstoffe.“ Für Hirsch ist Aluminium daher „ein WerkDie Leichtmetalltage boten einerseits Gelegenheit, die Anstoff mit großer Zukunft“. wendungsmöglichkeiten und Fortschritte in den LKR-Kom• Zukunftstechnologien im Leichtbau: In ihrer Keynote ging petenzfeldern zu beleuchten. Andererseits zeigten sich klare Dr.-Ing. Blanka Lenczowski, Airbus, auf die größte HeTrends und auch Erwartungen seitens der Industrie, die es zu rausforderungen in der Luftfahrtindustrie ein: „Better berücksichtigen gilt. Für DI Andreas Kraly, Geschäftsführer


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Passend zum Thema Leicht­ metalle gab es ein kleines Andenken für die Gäste – made by LKR.

An den Leichtmetalltagen nahmen viele Frauen aus Forschung und Industrie teil, etwa Grazyna Mozdzen von AAC Aerospace & ­Advanced Composites.

Das Fachpublikum war von den Referaten und Keynotes, aber auch vom neuen Tagungskonzept begeistert.

– Faster – Cheaper – Lighter – Eco. Es ist unabdingbar für zukünftige Luft- und Raumfahrtprodukte, innovative Technologien unter den Aspekten ökonomisch und ökologisch zu entwickeln. Bei der zukünftigen Werkstofftechnologie liegt somit der wesentliche Schwerpunkt auf Gewichtseinsparung.“

VERANSTALTUNGS-HIGHLIGHTS Die Neuerungen im Konferenzkonzept kamen bei den TeilnehmerInnen sehr gut an. Um KonferenzteilnehmerInnen und Industrieaussteller ins Gespräch zu bringen, kamen dieses Jahr erstmals die Sponsoren – ALUWAG AG, AMAG Austria Metall AG, CEST Kompetenzzentrum für elektrochemische Oberflächentechnologie GmbH und Zwick GmbH & Co. KG – auf der Bühne zu Wort. Sie stellten ihr Unternehmen oder ihre Produkte in einer prägnanten 3-Minuten-Präsentation vor. Diese 3-Minuten-Pitches unter dem Motto: „Industrial excellence on stage“ waren spannend, informativ und abwechslungsreich. Mehr Publikumsinteraktion wurde durch ein digitales Konferenztool erzielt: Mit Smartphone oder Tablet konnten die TagungsteilnehmerInnen aktiv Fragen an die ReferentInnen oder den Moderator während der Session oder auch der Podiumsdiskussion stellen. Das Konzept wurde in der Feedback-Befragung als überdurchschnittlich gut bewertet.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich die spannende Podiumsdiskussion mit fünf Branchenexperten zum Thema „Magnesium – Nischenmaterial oder Hoffnungsträger?“. Moderator Andreas Jäger (ORF III) hakte bei einigen Diskkussionspunkten kritisch nach und entlockte den Diskutanten sehr konkrete Aussagen. So meinte Prof. Jürgen Hirsch, Hydro Aluminium Rolled Products GmbH: „Ausgefeilte Simulationsmodelle erlauben heute ein Through Process Modelling – Stichwort Industrie 4.0 – und helfen dabei, aufwendige Betriebsversuche einzusparen und entsprechende Entwicklungszeiten und -kosten drastisch zu verkürzen.“ Prof. Karl Ulrich Kainer, Helmholtz-Zentrum Geesthacht, betonte, dass es die „Ein-Werkstofflehre“ schlicht nicht gebe: „Es wird immer einen Wettbewerb der Werkstoffe geben. Magnesium findet seinen definierten Anwendungsbereich im Kreise von metallischen Werkstoffen und Verbundwerkstoffen umso besser, je weiter das Eigenschaftsspektrum der Guss- und Knetwerkstoffe weiterentwickelt wird.“ Kainer schloss damit auch an seinen Vortrag: „Magnesium: Problemkind oder Basiswerkstoff für moderne Herausforderungen in breiten Anwendungen“ an, in dem er meinte: „In den letzten Jahren haben sich Mg-Werkstoffe in Anwendungen in der Transportbranche etabliert. Das Leichtbaupotenzial dieser Werkstoffgruppe suggeriert ein verstärktes Interesse zur Anwendung. Obwohl sie seit Jahren in Betrieb sind, mangelt es immer noch an Wissen über das Potenzial von Magnesiumlegierungen.“ Eine wichtige Feststellung traf auch Univ.-Prof. Helmut Antrekowitsch, Montanuniversität Leoben: „Die wirtschaftliche Anwendung von Magnesium in Form großtechnischer Anwendungen ist dann wesentlich verbessert, wenn umfassende Recycling-Konzepte für Magnesiumwerkstoffe etabliert werden.“ Somit ist klar: Auch künftig wird der Forschungskompetenz des LKR-Teams höchste Bedeutung zukommen.

Fotos: AIT/LKR/Wenter

KLARE ANSAGEN


Performance & Success

FOCUS ON PERFORMANCE & SUCCESS DIGITALE STADTPLANUNG

AUSZEICHNUNG FÜR REINHARD KÖNIG Der Best Paper Award des Symposium on Simulation for Architecture and Urban Design (SimAUD) an der TU Delft geht an Dr. Reinhard König, Principal Scientist für Cognitive Urban Design Computing am AIT, Dr. Sven Schneider, Vertretungsprofessor, sowie Dipl.-Ing. Martin Bielik, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät Architektur und Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar. Ihr gemeinsamer Beitrag „System Dynamics for Modeling Metabolism Mechanisms for Urban Planning“ stellt einen neuen Simulationsansatz vor, mit dem während früher Phasen in der Stadtplanung komplexe Wechselwirkungen von Flächennutzung, Verkehrsnetz und -aufkommen ökonomischer und sozialer Potenziale analysiert werden können.

Principal Scientist Reinhard König gilt a ­ ls

Fotos: GettyImages/Just Super, AIT/Zinner

führender Experte im Bereich Urban Planning

Ziel des AIT ist es, modernste 5G-Technologien und neue ­A nwendungen zu entwickeln.

DIGITALISIERUNG

ZUVERLÄSSIGE UND SICHERE 5G-FUNKTECHNOLOGIE Das AIT verstärkt seine Forschungstätigkeit im Bereich 5G und schafft in enger Kooperation mit international renommierten industriellen und wissenschaftlichen Partnern aus Österreich, Europa und den USA eine kritische Masse an Technologiekompetenz in Österreich. So arbeitet das AIT im Bereich autonome und vernetzte Fahrzeuge zusammen mit Nokia und AVL im Forschungsprojekt MARCONI im Rahmen des vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) geförderten FFG-Programms „IKT der Zukunft“ an der Entwicklung spezieller 5G-basierter Mehrfachantennen-Systeme, um eine zuverlässige Kommunikation auch bei höheren Geschwindigkeiten der Fahrzeuge sicherzustellen. Gemeinsam mit Siemens Österreich entwickelt das AIT im Projekt UNWIRE im Rahmen des vom BMVIT geförderten FFG-Programms „Produktion der Zukunft“ eine sehr robuste 5G-Funktechnologie für kürzeste Latenzzeiten, um eine höchst genaue und zuverlässige Steuerung von Produktionsmaschinen und Robotern über Funk zu ermöglichen. Beim „euro­ stars“ Projekt AGENT ist das AIT mit der österreichischen indoo.rs GmbH und der deutschen Heidelberg Mobil International GmbH in der Entwicklung einer funkbasierten Indoor-Lokalisierungslösung engagiert. Und in einer internationalen Forschungskooperation mit der TU Wien, der TU Brünn und der Viterbi School of Engineering an der University of Southern California bündelt das AIT seine 5G-Expertise mit dem Know-how internationaler Partner. So werden Modelle der Funkwellenausbreitung in Frequenzbereichen über 28 GHz untersucht und innovative Messtechnologien entwickelt. Durch zuverlässige Kommunikation zwischen Fahrzeugen soll unfallfreies autonomes Fahren sichergestellt werden.


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ENERGIEFORSCHUNG

BERNADETTE FINA GEWINNT SESWA NEXT GENERATION AWARD Ab wann rechnet sich der Stromverbrauch aus Erneuerbaren auch in Mietshäusern? Wie wirtschaftlich ist ein „Mieterstrommodell“? Mit der Antwort darauf holte sich Bernadette Fina, Jung-Forscherin am AIT, den „Smart Energy Systems Award“ in der Kategorie „Next Generation“ und somit einen von vier Preisen der Smart Energy Systems Week, der neben herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsprojekten auch konkrete Demonst-

Projektleiterin Tara Esterl: „Wir legen einen Fokus auf Eigeninteressen und Komfortbedürfnisse der Prosumer.“

ENERGIEWENDE

PRIVATE HAUSHALTE MISCHEN AM STROMMARKT MIT

Alfred Einfalt, Siemens AG Österreich; Robert Grüneis, Aspern Smart City Research GmbH; Ralf Gazda, InnoSense AG; Norbert Hofer, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie; Petra Busswald, akaryon GmbH; Vera Enzi, Roger Hackstock, Verband Austria Solar; Bernadette Fina, AIT Austrian Institute of Technology GmbH (v. l. n. r.)

rationsvorhaben und Start-ups auszeichnet. Die Dissertantin am AIT wurde für ihr innovatives Optimierungsmodell, das eine Wirtschaftlichkeitsbewertung von Investitionen in unterschiedliche Strom- und Wärmetechnologien in Mehrparteienhäusern ermöglicht, ausgezeichnet. Der Hintergrund: Bis Juli 2017 war die Nutzung von selbst erzeugtem Strom und eigens erzeugter Wärme rechtlich nur in Einfamilienhäusern möglich. Mit einer Gesetzesänderung (ElWOG Novellierung), die eine gemeinschaftliche Nutzung von Energieerzeugungsanlagen in Mehrfamilienhäusern ermöglicht, wurde die Grundlage für eine Erhöhung des Anteils an erneuerbarer, dezentraler Strom- und Wärmeerzeugung gelegt.

Fotos: photo simonis, AIT/Sophie Menegaldo

Komponenten wie Wärmepumpen, Boiler, PV-Speicher oder auch Elektroautos sind in der Lage, Energie zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben beziehungsweise den Zeitpunkt des Verbrauchs zu verschieben. Durch die gezielte Nutzung und Vermarktung dieser Flexibilität können fluktuierende erneuerbare Energien besser ins Stromsystem integriert werden. Im Projekt „Flex+“, gefördert vom Klima- und Energiefonds, entwickelt ein Konsortium aus Forschungsinstitutionen, Herstellern und Energielieferanten unter Leitung des AIT Konzepte für diese flexible und nachhaltige Energiezukunft. Flexible Komponenten wie Wärmepumpen, Boiler, PV-Speicher und Elektroautos lassen sich automatisiert ansteuern. „Dadurch lässt sich ihre Flexibilität für bestimmte Märkte wie etwa die Vermarktung an Spot- und Regel­ energiemärkten wirtschaftlich nutzen“, so Projektleiterin Tara Esterl vom AIT Center for Energy. „Private Haushalte werden von passiven Verbrauchern zu ‚Prosumern‘, also aktiven Teilnehmern, die entweder selber Strom in das Netz einspeisen oder Flexibilität anbieten. Die im Projekt „Flex+“ entwickelten Konzepte und Algorithmen sollen sicherstellen, dass die dafür benötigten Prozesse kostengünstig und automatisch ablaufen und damit die Vermarktung ihrer Flexibilität für private Haushalte attraktiver wird.


Performance & Success

EGU 2018

STUDIE ZU ERDRUTSCHGEFÄHRDUNG VON STRASSEN VORGESTELLT Vor kurzem präsentierte Matthias Schlögl, Dissertant am AIT Center for Mobility Systems, im Rahmen der European Geosciences Union (EGU) General Assembly 2018 eine Studie zur zukünftigen Entwicklung von Hangrutschungsereignissen mit Einfluss auf die Transportinfrastruktur in Mitteleuropa. Gravitative Naturgefahren stellen – vor allem im alpinen Raum – eine erhebliche natürliche Bedrohung für die Transportinfrastruktur dar. Im Zuge voranschreitender klimatischer Änderungen ist zu erwarten, dass Starkregenereignisse (als möglicher auslösender Faktor von Hangrutschungen) europaweit zunehmen. In einer gemeinsamen Studie haben ForscherInnen des AIT Austrian Institute of Technology und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) daher untersucht, wie sich hangrutschungsauslösende Regenereignisse in den nächsten Jahrzehnten in Mitteleuropa entwickeln könnten. Die Resultate zeigen, dass die Exposition von Straßen- und Schieneninfrastruktur gegenüber Starkregenereignissen, welche potenziell Hangrutschungen auslösen können, in ganz Mitteleuropa grundsätzlich zunehmen wird. Was das Ausmaß der Zunahme betrifft, treten dabei jedoch starke räumliche Unterschiede auf. Während flache, tiefgelegene Regionen nur geringe Zunahme aufweisen, sind höher gelegene, hügelige bis gebirgige Regionen deutlich stärker betroffen. Diese generelle räumliche Verteilung zeigt sich bereits in der nahen Zukunft (2021–2050), tritt in der ferneren Zukunft (2071–2100) jedoch noch deutlicher zutage. Matthias Schlögl: „Mit dieser Studie wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die Resilienz der Transportinfrastruktur gegenüber Naturereignissen zu erhöhen und gleichzeitig Entscheidungs– trägerInnen bei der Implementierung von Anpassungsmaßnahmen unterstützen.“

NACHWUCHS

YEAR ANNUAL CONFERENCE 2018 IN WIEN Die diesjährige YEAR Annual Conference fand von 11. bis 12. Juni am neuen AIT-Standort in der Giefinggasse statt und wurde von Young AIT und dem YEAR Network organisiert. Bei dieser Veranstaltung können junge NachwuchswissenschaftlerInnen zusammenkommen, um ihre interdisziplinären Fähigkeiten zu verbessern, sich zu vernetzen und Projektideen zu entwickeln. Das interaktive Format bietet die Möglichkeit, mit ko-kreativen Methoden innovative Ideen im Team zu entwickeln und gleichzeitig Pitch-Techniken zu erlernen. Der Ideen-Workshop wurde von professionellen TrainerInnen moderiert und richtete sich thematisch auf die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung aus. Außerdem wurde die NGO „Sense about Science“ eingeladen, um die Projektideen in einen Workshop zum Thema „Public Engagement“ weiterzuentwickeln.

Das interaktive Format kam gut an bei den TeilnehmerInnen.

INSPIRE

Fotos: Vanessa Schuster

INNOVATIVER VEREISUNGSSCHUTZ FÜR FLUGZEUGE Das EU CleanSky 2-Projekt InSPIRe („Innovative Systems to Prevent Ice on Regional Aircraft“) hielt sein Kickoff-Meeting zusammen mit KollegInnen der CIRA Icing Wind Tunnel-Anlage in der Aircraft Division von Leonardo in Pomigliano d‘Arco, Neapel, Italien am 7. und 8 März 2018 ab. Im Rahmen des Projekts, das bis Februar 2021 laufen sollen, wird ein innovatives elektrothermisches Vereisungsschutzsystem mit niedrigem Energiebedarf für zukünftige Regionalflugzeuge entworfen, entwickelt und abschließend bei CIRA vorgestellt. Das InSPIRe-Konsortium besteht aus zwei österreichischen Hightech-KMUs, Villinger GmbH und Peak Technology GmbH, einem renommierten Vereisungsexperten, AeroTexUK, und zwei österreichischen RTOs: CEST und AIT. Das AIT Center for Low-Emission Transport fungiert im Projekt als Koordinator und kooperiert mit unterschiedlichen Stakeholdern der Luftfahrt-Branche.


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POINTS

TEAMBASIERTE BEWEGUNGSSPIELE Digitale Bewegungsspiele gewinnen an Beliebtheit. Bewegung und Sport erfordern die Koordination von visueller Wahrnehmung und Reaktion, was für blinde und sehschwache Personen eine Barriere darstellt. Im Projekt POINTS werden gemeinsam mit blinden und sehschwachen SchülerInnen teambasierte Bewegungsspiele gestaltet und die dafür notwendigen Spielgeräte entwickelt.

Das Forschungsprojekt „VR-Planning“ wird im Rahmen des Programms „Mobilität der Zukunft“ durch das BMVIT gefördert.

VIRTUAL REALITY

PLANUNG VON VERKEHRSUMGEBUNGEN

Prüflinge können ab sofort mit Kräften bis zu 160 kN für kurzzeitige Schocktests mit bis zu 100 G belastet werden.

SHAKERPRÜFUNGEN

SCHOCK- UND VIBRATIONSPRÜFUNGEN FÜR PRODUKTE UND KOMPONENTEN Das AIT Austrian Institute of Technology verfügt über langjähriges Know-how in der Durchführung von Messungen und Simulationen von Schwingungen sowie der Beurteilung von deren Auswirkungen. In diesem Zusammenhang führt das AIT zertifizierte Schock- und Vibrationsprüfungen für Produkte und Komponenten durch, welche einer dynamischen Belastung ausgesetzt sind. Prüflinge wie elektronische und elektrische Bauteile, Maschinen und Anlagen sowie Aufbauten für Fahrzeugteile werden mittels eines elektrodynamischen Shakers in Kombination mit oder ohne Temperatureinwirkung durch Schwingungen und Schocktests belastet und getestet. Die Prüfungen werden, falls erforderlich, auch im Rahmen einer nach ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Prüfstelle umgesetzt. Sie können sowohl als Kurzzeit- oder Dauertest durchgeführt werden, Umwelteinwirkung durch Temperatur und Luftfeuchte können mittels Klimakammer den Vibrationen überlagert werden. Auch haben KundInnen die Möglichkeit, die Funktionalität ihrer Prüflinge während der Tests direkt mitzuverfolgen und zu überwachen. Die AIT-ExpertInnen unterstützen beratend bei der Testauswahl sowie der Erstellung eines Prüfkonzepts und Prüfplans, bringen gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge für Produktentwicklung ein oder führen auch nur Abnahmetests zur Zertifizierung durch. Im Juli 2018 wurde die AIT-Prüfanlage um einen zusätzlicher Shaker erweitert: Somit wird die Prüfkapazität erhöht und gleichzeitig auch das Leistungsspektrum vergrößert.

Fotos: AIT, AIT/Johannes Zinner

Mit Virtual Reality (VR) ist es möglich, Verkehrsräume von morgen realitätsnah erlebbar zu machen. Im Forschungsprojekt VR-Planning wird VR als neue innovative Möglichkeit für eine verbesserte partizipative Planung erforscht und anhand realer Anwendungsbeispiele evaluiert. VR erlaubt es NutzerInnen, öffentliche Räume, Gebäude oder Mobilitätsknoten virtuell zu erkunden und unmittelbar Feedback innerhalb der virtuellen Umgebung zu geben. Dadurch werden Straßengestaltungen realitätsnah erlebbar und sowohl die Zusammenarbeit von PlanerInnen, Politik, als auch die Partizipation in BürgerInnenbeteiligungen verbessert. Die VR-Testumgebung wurde bereits in der Seestadt Aspern evaluiert und ermöglichte einen virtuellen Rundgang durch die zukünftigen Straßenräume im Quartier „Am Seebogen“. Dabei konnte man zwischen zwei unterschiedlichen Gestaltungs­ varianten wechseln, den Straßenraum aus der Perspektive eines Kindes erleben sowie unterschiedliche Sonnenstände und die Vegetation nach unterschiedlichen Zeiträumen betrachten.


INNOVATION CALENDAR QUALITÄTSKONTROLLE

AIT ERSTMALS AM PODIUM BEI DER BANKNOTE CONFERENCE IN TEXAS Die Banknote Conference ist die internationale Plattform für VertreterInnen aus Politik und Industrie, die sich alle zwei Jahre über die neuesten Technologietrends der Branche austauschen. Die größten Banken weltweit sind ebenso vertreten wie internationale Unternehmen wie PayPal. Die Zusammensetzung der Panels erfolgt nach strengsten Kriterien, nur das Who-is-Who der Branche wird eingeladen. Umso erfreulicher, dass in diesem Jahr erstmals das AIT einen Speaker entsendet hat. Head of Center for Vision, Automation & Control Andreas Vrabl hat zum Thema „Sensor Development and How is it Evolving?” mit VertreterInnen der Reserve Bank of Australia, Authentix, G&D Currency Technology und Cash Processing Solutions diskutiert. Wie verändern sich die Anforderungen der Zentralbanken und wie beeinflusst die Weiterentwicklung von Banknoten die notwendige Weiterentwicklung von Sensoren? „Wir verfügen über 30 Jahre Erfahrung und haben Mitte der 1990er Jahre mit dem ´ABCS Austrian Banknote Checking System´ ein System etabliert, das in vielen Banknotendruckereien weltweit eingesetzt wird“, so Vrabl.

26.-31.8.2018 // CIGRE SESSION Führende Veranstaltung zum Thema Energiesysteme. Ort: Palais de Congrès, Paris AIT-Kontakt: Wolfgang Hribernik Infos: cigre.org/

04.10.2018 // VÖSI SOFTWARE DAY Neueste Trends und Entwicklungen aus der IT-Branche. Ort: Wien, Wirtschaftskammer AIT-Kontakt: Michael Mürling Infos: softwareday.voesi.or.at/

03.-06.09.2018 // MOBILE HCI 20. Internationale Konferenz für Human-Computer Interaction. Ort: Barcelona AIT-Kontakt: Raimund Schatz Infos: mobilehci.acm.org/2018/

05.10.2018 // GIRLS! TECHUP OVE-Plattform für Frauen in der Technik. Ort: Wien AIT Kontakt: Michael Mürling Infos: ove.at/femOVE/GirlsTechUp

04.09.-05.09.2018 // DACH SECURITY Event zum Thema Sicherheit mit Präsentationen aktueller Arbeiten. Ort: Gelsenkirchen AIT-Kontakt: Stefan Schauer Infos: syssec.at/de/veranstaltungen/ dachsecurity2018

09. – 11.10.2018 // ALUMINIUM 2018 Die gesamte Bandbreite der Aluminiumproduktion in einem Event. Ort: Düsseldorf AIT Kontakt: Stefan Gneiger Infos: aluminium-messe.com/de/

12.09.-14.09.2018 // STI CONGRESS Das AIT ist Mitorganisator des Science, Technology and Innovation Indicators Congress. Ort: Leiden, Niederlande AIT-Kontakt: Thomas Scherngell Infos: sti2018.cwts.nl/ 18.09.-21.09 // INNOTRANS BERLIN Internationale Fachmesse für Bahnund Verkehrstechnik. Ort: Berlin AIT-Kontakt: Florian Hainz Infos: innotrans.de

Foto: Currency Research

19.09.-20.09.2018 // OESTERREICHS ENERGIEKONGRESS 2018 Branchenevent der E-Wirtschaft, Zentrale Themen: Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Ort: Pamhagen, Burgenland AIT-Kontakt: Wolfgang Hribernik Infos: energiekongress.at

Auf der Banknote Conference präsentierte sich das AIT als wichtiger Player im Bereich Banknoteninspektion.

24.-26.09.2018 // AAL FORUM Europas größtes Networking Event der Active and Assisted Living Community Ort: Bilbao AIT-Kontakt: Angelika Rzepka Infos: www.aalforum.eu

11.10.2018 // FH-KARRIEREMESSE WELS Messe für Jobs und Praktika im Bereich Technik und Umweltwissenschaften. Ort: FH Oberösterreich, Wels AIT KONTAKT: Richard Kretz Infos: fh-ooe.at/campus-wels/alumni-karriere/fh-karrieremesse-wels/ 16.10.-17.10.2018 // IKT SICHERHEITSKONFERENZ Themen sind u. a. Man-in-the-Machine, Hacking, Spionageabwehr und Drohnen. Ort: Alpbach AIT Kontakt: Michael Mürling Infos: seminar.bundesheer.at/index.php 17.10.2018 // EARPA FORM FORUM Fachkonferenz „Future Of Road Mobility Forum“, organisiert von EARPA. Ort: Brüssel AIT Kontakt: H.Oberguggenberger Infos: earpa.eu/earpa/formforum 19.10.2018 // POST BITCOIN CRYPTOCURRENCIES SYMPOSIUM Fachveranstaltung rund um das Thema Bitcoin und Kryptowährungen. Ort: Wien, Museumsquartier AIT-Kontakt: Bernhard Haslhofer Infos: ait.ac.at/postbitcoin-symposium/


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ERC STARTING GRANT FÜR AIT-FORSCHER Der ERC Starting Grant unterstützt exzellente junge ForscherInnen beim Aufbau eines Forschungsteams. AIT-Forscher Bernhard Schrenk erhielt einen der hochbegehrten Grants für die Erforschung einer Methode, mit der sich unabhängige optische Signale präzise aufeinander abstimmen lassen, um stets auf derselben Wellenlänge und kohärent zu sein. Damit sollen 5G-Netze leistungsfähiger werden.

Bernhard Schrenk: „Diese neue Methode zur Signaldetektion verspricht deutliche Fortschritte für viele Bereiche der optischen ­Signalübertragung und Signalverarbeitung.“

Der renommierte ERC Starting Grant ist eine besondere Anerkennung für Bernhard Schrenks langjährige Forschung, die zur absoluten Spitze in Europa zählt. Gleichzeitig kann Schrenk, unterstützt durch das fünfjährige Exzellenzstipendium des Europäischen Forschungsrates für Jungforscher in der Grundlagenforschung, nun sein Team in der AIT Competence Unit Security & Communication Technologies ausbauen – und so wichtige Impulse zur Weiterentwicklung von Basistechnologien im Bereich der Telekommunikation und Informationsverarbeitung setzen. Auch für das AIT Austrian Institute of Technology selbst ist dieser europäische Förderpreis als anwendungsorientierte Research und Technology Organisation eine besondere Auszeichnung. Schrenk beschäftigt sich am AIT Center for Digital Safety & Security schon seit 2013 mit der Photonik: unter anderem mit Themen zur optischen Telekommunikation, integrierten

opto-elektronischen Schaltungen, Quantentechnologie und Sensorik. Kohärente Detektion, die für die optische Signalerfassung angedacht ist, ist etwa in der Funktechnologie längst etabliert. Jedes UKW-Radio bedient sich zur Selektion des zu empfangenden Senders dieser Detektionsmethode, bei der ein entfernt erzeugtes Signal und ein lokales Referenzsignal sich auf exakt derselben Wellenlänge befinden. Dies erlaubt nicht nur die filterlose Selektion eines von mehreren gleichzeitig übertragenen Signalen, sondern bringt auch eine zumindest um den Faktor 100 höhere Empfangsempfindlichkeit und Zugang zu zusätzlichen Signaleigenschaften mit sich. „In der Photonik ist das Verfahren der kohärenten Signaldetektion aber eine sehr komplexe Angelegenheit“, so Schrenk. Er geht in seiner Forschung der Frage nach, inwieweit sich ebenfalls unabhängige optische Signale präzise aufeinander abstimmen lassen. Um diese Herausforderung zu meistern, erhielt er das


ERC Starting Grant

fünfjährige ERC-Exzellenzstipendium COYOTE – „Coherent Optics Everywhere: a New Dawn for Photonic Networks“.

Fotos: AIT/Michael Mürling, Peter Rigaud c/o Shotview Photographers

WEITAUS EFFIZIENTER Die Nutzung von Licht als Informationsträger für elektrische Signale ermöglicht eine um den Faktor 10.000 höhere Frequenz der optischen Trägerwelle. Dadurch kann jede Sekunde die unvorstellbare Menge von bis zu 10 Petabit an Daten über eine einzelne Glasfaser übertragen werden. Das funktioniert allerdings nur mittels kohärenter Signaldetektion. Diese zu erreichen, bedeutet in der Photonik eine enorme Komplexität. Trotz der flächendeckenden Präsenz photonischer Netze, die unscheinbar rund 90 Prozent der Daten über Distanzen von bis zu 10.000 km transportieren, bedienen sich viele der eingesetzten Systeme daher der direkten Signaldetektion. „Diese erfasst aber lediglich die Intensität des Lichtsignals und ist blind für andere Eigenschaften wie die Phase oder Polarisation. Die direkte Signaldetektion stellt somit eine Barriere für die Energie- und Kosteneffizienz der Telekommunikationsinfrastruktur und Datenzentren dar“, erklärt Schrenk. Mit seinem rein optischen Ansatz, der die Schwächen elektronischer Methoden vermeidet, können nun Signale direkt auf optischer Ebene synchronisiert werden. Selbst bei extrem hohen Trägerfrequenzen im Bereich um die 190 Terahertz kommt es zu keinen Frequenzabweichungen. Da die Informationsübertragung trotz kohärenter Transmission ohne zusätzliche Korrekturen auskommt, ist keine energiehungrige digitale Signalverarbeitung erforderlich, die noch dazu einiges an Bandbreite benötigen würde. Das erhöht die Energieeffizienz deutlich. Ein weiterer Vorteil gegenüber der direkten Signalübertragung ist, dass nebst der Lichtintensität die Dimensionen der Phase und Polarisation analysiert werden können, um so die Skalierbarkeit in Bezug auf die Datenrate zu gewährleisten. So kann auch das optische Spektrum bestmöglich genutzt werden. GLEICHZEITIG SENDEN UND EMPFANGEN Schrenk geht aber noch einen Schritt weiter in Richtung einer photonischen Kommunikationstechnologie, die nicht an eine bestimmte Transmissionsrichtung gebunden ist. Sie kann also simultan senden und empfangen. „Das ist ähnlich, als würde man mit dem Mund auch gleichzeitig hören können – sogar besser als mit dem Ohr“, erklärt Schrenk. Diese bahnbrechenden Innovationen helfen nicht nur in klassischen leitungsgebundenen und drahtlosen Telekommunikationsnetzen. Auch Cloud-Datenzentren und High-Performance Computing profitieren von der einmaligen Gelegenheit, kohärente Detektion in einfachster und dennoch effizienter Weise zu realisieren. Die innovative kohärente Umsetzung von Signalen zwischen elektrischer und optischer Ebene bei gleichzeitiger Bewahrung der Signalintegrität ohne weitere digitale Verarbeitung ist ebenso für Anwendungen im Bereich der faseropti-

Der ERC Starting Grant für Bernhard Schrenk ist genau die wissenschaftliche Flughöhe, auf der wir uns bewegen wollen. Wolfgang Knoll, Managing Director AIT

schen Sensorik von Bedeutung, wie etwa im Bereich der Verkehrsinfrastruktur. Sie kann aber beispielsweise genauso zur informationstheoretisch sicheren Erzeugung von Schlüsseln in der Quantenkommunikation dienen. Mit einem frühen Proof-of-Concept-Experiment im Forschungsbereich des ERC Grants erzielte Bernhard Schrenk bereits Anfang 2018 große Anerkennung: Es gelang ihm die weltweit erste Demonstration einer einfachen Laser-Lichtquelle, die einen Datenstrom von 10 Gb/s gleichzeitig emittieren und empfangen kann. Bei der OFC Conference (Optical Fiber Communication Conference and Exposition) in San Diego mit mehr als 15.000 Teilnehmern landete das Experiment als bester Beitrag zu opto-elektronischen Systemen für optische Telekommunikation unter den Top 3 der insgesamt 800 wissenschaftlichen Beiträge.

Anerkennung für Spitzenforschung am AIT Bernhard Schrenk, 36, ist seit fünf Jahren Scientist am Center for Digital Safety & Security am AIT Austrian Insti­ tute of Technology und beschäftigt sich mit der Photonik, Opto-Elektronik und Hochfrequenztechnik. Schon in seiner Masterarbeit hat er 2007 in der Gruppe von Prof. Zeilinger an der Universität Wien an der Realisierung der ersten Netzwerkdemonstration eines Quantenschlüsselverteilsystems basierend auf verschränkten Photonen mitgewirkt. Vor seiner Karriere beim AIT war er Senior an der National Technical University of Athens. Während ­seiner beruflichen Laufbahn wurde Schrenk schon mit mehreren Grants und Preisen wie dem Marie Curie CIG Grant oder dem Student Innovation Award der Europäischen Technologieplattform Photonics21 ausgezeichnet und u. a. in das Board of Stakeholders von Photonics21 gewählt. Er hält gemeinsam mit Kollegen mehrere P ­ atente. Seine Masterarbeit absolvierte er an der Tech­nischen Universität Wien mit Auszeichnung. Sein Doktorat an der Universitat Politècnica de Catalunya in Barcelona meisterte er Cum Laude auf dem Gebiet der Signaltheorie und optischen Telekommunikation.


PUBLICATIONS

VERHALTEN VON LITHIUM-IONEN-BATTERIEN

WIRKUNG VON ETHANOL IN VR-ANWENDUNGEN

NEUE WEGE IN DER STADTPLANUNG

Die Verwendung von Ersatzschaltbildmodellen zur Simulation des Betriebsverhaltens von Lithium-Ionen-Batterien ist heute bereits etabliert. Die Bestimmung eines korrekten Parametersatzes für diese Modelle bleibt jedoch eine Herausforderung. Das Paper schlägt eine umfassende Methodologie zur Schätzung der notwendigen, temperaturabhängigen Simulationsparameter aus Batteriemessungen vor. Basierend auf einem spezifischen Laststrom und Vorwissen über das System analysiert ein Algorithmus zuerst die Korrelation zwischen Stromsprüngen und der gemessenen Klemmenspannung. Dann passt eine Kombination aus Partikelschwarm­ optimierung und Gauß-Newton-Algorithmus die eingangs geschätzten Parameter aus dem ersten Algorithmus an die Messdaten an. Abschließend wird die Abhängigkeit jedes Simulationsparameters sowohl vom Ladezustand als auch von der Batterietemperatur bestimmt, wobei die Alterungseffekte in diesem Beitrag bewusst vernachlässigt werden. Die Validierung anhand von Messdaten belegt, dass der erstellte Parametersatz das Betriebsverhalten der gewählten Batterie mit hoher Genauigkeit reproduzieren kann. Angewandt auf eine Lithium-Eisen-Phosphat-Zelle zeigt der Vergleich zwischen Messungen und Simulationen in standardisierten realen Fahrzyklen (Artemis, FTP75 und WLTC) eine Abweichung der Klemmenspannung von weniger als 1,09 % innerhalb des typischen Betriebsfensters des Ladezustandes zwischen 0,15 und 0,95.

Virtual Reality (VR) wird für eine Vielzahl von Anwendungen eingesetzt, die von der Unterhaltung bis zur psychologischen Medizin reichen. Da Ethanol allgegenwärtig und Teil des täglichen Lebens ist, ist es wichtig, seine Auswirkungen auf die Präsenz und die Benutzererfahrung, die Einstellungen und Emotionen bei der Verwendung von VR-Anwendungen zu verstehen. Es ist offensichtlich, dass die Gehirnfunktion durch Medikamente wie Ethanol beeinflusst wird, welche die kortikale Plastizität verwirren können, auch in der VR. Die explorative Studie untersucht, wie niedrig dosierte Ethanolzufuhr die Anwesenheit, die Benutzererfahrung und ihre Beziehung in einem validierten VR-Kontext beeinflusst. Dabei wurde festgestellt, dass ein niedriger Ethanolverbrauch die Präsenz und die Benutzererfahrung nur auf einem minimalen Niveau beeinflusst. Im Gegensatz dazu besteht eine starke Auswirkung auf das Verhältnis zwischen Anwesenheit und Benutzererfahrung. Der Ethanolkonsum kann folglich kognitive und Wahrnehmungsfunktionen im Zusammenhang zwischen Präsenz und Benutzererfahrung verändern.

Vor dem Hintergrund verschiedener Transformationskräfte und -prozesse, einer sich schnell verändernden Umwelt und starken Wettbewerbsspannungen stellt sich in Städten mit zunehmender Urgenz die Frage: Welche Instrumente und Möglichkeiten lassen sich für die städtepolitische Steuerung von Stadtstrukturen und -entwicklung identifizieren? Die derzeitige Verlagerung von einer top-down orientierten Stadtverwaltung und -planung hin zu einer partizipativen Governance legt nahe, dass Städte vor neuen Herausforderungen und Anforderungen stehen, die eng mit einer politischen Dimension verbunden sind. In dem Beitrag werden die Möglichkeiten der Beeinflussung und Steuerung der Stadtentwicklung durch Stadtplanung und -politik sowie Partizipation als ein Element dieser Steuerungsoptionen diskutiert. Weiters wird die Rolle und der Handlungsspielraum der „new urban governance“ betrachtet.

Dvorak Dominik, Bäuml Thomas, Holzinger Alexandra, Popp Hartmut: „A Comprehensive Algorithm for Estimating Lithium-Ion Battery Parameters From Measurements”. https://ieeexplore.ieee.org/document/8239853/

Haindlmaier, G.: Participation and urban policy-making in a network society - a theoretical outline on new urban governance. Public Philosophy & Democratic Education, 2017

M. Lorenz, J. Brade, L. Diamond, D. Sjölie, M. Busch, M. Tscheligi, P. Klimant, C. Heyde, N. Hammer: „Presence and User Experience in a Virtual Environment under the Influence of ­Ethanol: An Explorative Study“. Scientific Reports, 8 (2018), 6407; S. 1 - 16.

Impressum: Redaktionsleitung: Michael H. Hlava, Produktionsleitung: Daniel Pepl, Redaktion: Angela Balder, Florian Hainz, Silvia Haselhuhn, Michael Mürling, Fabian Purtscher, Vanessa Schuster, Pia Stangl, Juliane Thoß. Feedback bitte an: presse@ait.ac.at

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Tomorrow Today 02/2018 (deutsch)  

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