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TOMORROW TODAY DIGITALISIERUNG UND SECURITY

HIGHTECH AUS ÖSTERREICH ALUMINIUM EISKALT VERFORMEN // Projekt „KryoAlu“ revolutioniert die Autoindustrie KULTURELLES ERBE SICHERN // Methoden zur Verwaltung extrem großer Datensätze INTEROPERABILITÄT VON NETZEN // Flexible ­Forschungsinfrastruktur für E-Mobilität

Head of Department Helmut Leopold und Petra Thanner, Digital Safety & Security Department

02 16


TOMORROWTODAY II

ES MUSS NICHT IMMER SILICON

Arbeiten an Lösungen für die Zukunft: Manfred Gruber, Andreas Vrabl, Petra Thanner, Helmut Leopold, Andrea Nowak (v.l.n.r.)

Florian Skopik, Yegor Shovgenya, Roman Fiedler im Expertentalk (v.l.n.r.)

Andreas Köberl, Manfred Hülber, Atos IT Solutions and Services (v.l.n.r.)


Top-Story

VALLEY SEIN Walter Huemer, Geschäftsführer Huemer iT-Solutions,

Österreich hat sich eine Spitzenposition in der internationalen Sicherheitstechnologie-Szene erarbeitet. AIT hat daran maßgeblichen Anteil.

Und plötzlich ist es finster. Das Stromnetz wurde gehackt, die Lichter gehen aus. Blackout. Ein Alptraum. Denn systemkritische Infrastrukturen – gleich, ob von Staaten, Energieunternehmen, Banken, Versicherungen, Krankenkassen oder Spitälern – müssen ohne Wenn und Aber vor unberechtigtem Zugriff gesichert werden.

SEHEN UND VERSTEHEN AIT Expertin für ICT Security

Fotos & Coverbild: Johannes Zinner

Maria Leitner

Einen Eindruck über das, woran in diesem Zusammenhang in Österreich geforscht und entwickelt wird, bot die Technologieausstellung „Sehen und Verstehen – Sicherheit für unsere Digitalgesellschaft“, die vom AIT Austrian Institute of Technology und dem VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung in Kooperation mit der Initiative Digital City Wien und der Wirtschaftsagentur Wien organisiert wurde. Hier konnte man neueste Sicherheitstechnologien im Echtbetrieb erleben – von Strategien zur Erkennung von Cyberangriffen über modernste Verschlüsselungsmethoden für sicheren Datenaustausch bis hin zu innovativen Kommunikationssystemen für ein effizientes Krisen- und Katastrophenmanagement der Zukunft sowie Sicherheitstechnologien für den Schutz kritischer Infrastrukturen.

WELTWEITE BEDEUTUNG

Großer Andrang bei der zweiten „Sehen und Verstehen“ Technologieausstellung.

Helmut Leopold, Head of Digital Safety & Security Department am AIT, ist begeistert von der Vielfalt der präsentierten Lösungen: „Wir zeigten in dieser Ausstellung nicht nur Konzepte und Visionen, sondern vor allem konkrete Entwicklungen mit


TOMORROWTODAY IV

Reges Publikumsinteresse bei der ExpertInnen-Podiumsdiskussion.

NUTZEN FÜR ALLE STIFTEN Denn vom Wissen, das am IKT-Standort Österreich mit maßgeblicher Unterstützung des AIT entwickelt wird, profitiert letzten Endes die Gesellschaft. So meint Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien: „Wien hat im internationalen City-Innovation-Index Rang drei hinter London und San Francisco erreicht. Wir haben daher eine ausgezeichnete Ausgangsbasis dafür,

innovative Ideen mit Kooperationspartnern aus der Industrie oder Forschungseinrichtungen weiterzuentwickeln.“ So setzt sich die Initiative DigitalCity.Wien für noch bessere Rahmenbedingungen ein. Das zieht neue Ideen an, ermöglicht die Chance auf Unternehmensgründungen und sichert somit letzten Endes den Wirtschaftsstandort.

WERTSCHÖPFUNG IM LAND HALTEN Auch führende Branchenunterehmen wie Fabasoft setzen auf Know-how aus Österreich. Andreas Dangl, Geschäftsführer Fabasoft Cloud: „Die Fabasoft Cloud nutzt österreichische Sicherheits-Technologie wie zum Beispiel eine echte End-2-End-Verschlüsselung mit Secomo, die den internationalen Standard übertrifft und zuletzt als erster Cloud-Dienst weltweit mit der Top-Marke von 5 Sternen beim EuroCloud StarAudit ausgezeichnet wurde.“ Von Österreich für Österreich und in die Welt hinaus – das ist der richtige Spirit auch für Walter Huemer, Huemer iT-Solutions: „Ich beschäftige mich seit langem schon mit Lösungen aus Österreich und ich bin überzeugt, dass sie dem Vergleich standhalten. Wir sollten unsere Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich halten.“ Worte, die bei Helmut Leopold auf großen Widerhall stoßen. „Die auf der ‚Sehen und Verstehen‘ präsentierten IT-Lösungen zeigen auf einfache und praxisnahe Weise, dass Hightech nicht immer aus dem Silicon Valley oder aus C ­ hina kommen muss, sondern auch bei uns entwickelt werden kann.“

Sicherheit für morgen Das AIT Digital Safety & Security Department entwickelt zukunftsweisende Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), um kritische Infrastrukturen sicher und zuverlässig zu gestalten. Dies betrifft Bereiche wie z.B. Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrzeuge, Technologien für die optische Qualitätskontrolle im Industrie 4.0-Bereich, neuartige Sicherheitstechnologien zur Abwehr von Cyberangriffen oder neue Lösungen für den Einsatz im Krisen- und Katastrophenmanagement für die Unterstützung von Einsatzorganisationen.

Foto: Joahnnes Zinner

sehr hohem Reifegrad. Um diese österreichischen Sicherheitstechnologien am internationalen Markt zu positionieren, braucht es enge Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und Industrie.“ Der große Wert der „Sehen und Verstehen“ liegt im Austausch von Ideen und Produkten, aber vor allem in der Technologievermarktung – also darin, Innovationen und Lösungen im Demo- oder auch gleich im Echtbetrieb hautnah erleben zu können. Aus diesen Lösungen entstehen essenzielle Bausteine und Grundlagen für die weitere angewandte Forschung, und daraus wiederum ganz neue industrielle Ansätze, die den Standort Österreich weiter bringen und im internationalen Wettbewerb stärken sollen. Das sieht auch Georg Stonawski, Geschäftsführer VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung, so: „Damit unsere TopExper­tInnen Lösungen für Industrie erarbeiten können, braucht es Gespräche mit Industrievertretern über deren Herausforderungen und Aufgabenstellungen. Unsere Veranstaltung diente dazu, diese Gespräche zu initiieren, damit Innovationen möglich werden.“ Und da gibt es noch einiges zu tun, weiß Helmut Leopold: „Wir haben sehr gescheite Leute in Österreich und eine gut funktionierende Innovationsförderung auch aus der öffentlichen Hand. Wir müssen es aber noch besser schaffen, die Entwicklungen, die hier passieren, in Produkte zu gießen und international zu vermarkten.“


Performance & Success

FOCUS ON PERFORMANCE & SUCCESS MOBILITÄT DER ZUKUNFT

E-MOBILE BRAUCHEN INTELLIGENTE STROMNETZE Mit zunehmender E-Mobilität sind die Stromnetze massiv gefordert, vor allem durch die erforderliche „Interoperabilität“, also die Fähigkeit unterschiedlichster Systeme zur Zusammenarbeit. Um involvierte Systeme kooperationsfähig zu machen, arbeiten führende Forschungs- und Entwicklungszentren im EU-Projekt COTEVOS zusammen. „Wir konnten eine flexible Forschungsinfrastruktur zur Integration von E-Mobilität in intelligente Netze schaffen und stellen diese nun der Industrie zur Verfügung“, berichtet Johannes Stöckl vom AIT Energy Department. Da die Netzanschlüsse vieler E-Mobile derzeit nur auf die lokalen Ladestellen einer Region ausgerichtet sind, gibt es in Europa individuelle ­Herausforderungen. Deshalb haben Stöckl und seine AIT-KollegInnen ermittelt, welche Netze es gibt und welche Asymmetrien Fahrzeughersteller und Netzbetreiber etwa in der Spannungsqualität berücksichtigen müssen. „Dieses Wissen ist für die Autoindustrie und die Netzplaner sehr wichtig“, betont Stöckl. Immerhin soll man künftig mit jedem E-Mobil in ganz Europa sicher Strom „tanken“ können. Im AIT SmartEST Labor kann das Zusammenspiel von Stromnetz und E-Mobil-Ladestationen realitätsnah getestet, analysiert und verbessert werden.

FORSCHUNGSBEDARF

FORSCHEN FÜR DIE NÄCHSTEN GENERATIONEN Wie gestalten sich gesellschaftliche Entwicklungen bis zum Jahr 2040, welche Herausforderungen und welche Einflüsse werden unser Leben prägen?

Fotos: Smatrics, Shutterstock. AIT

„In einer sich immer schneller

Und wie soll die europäische Forschungslandschaft darauf verändernden Gesellschaft reagieren? Diese und weitere zukunftsorientierte Fragebedarf es sensibler und flexibler stellungen stehen im Fokus des Projekts BOHEMIA (Beyond Entscheidungen mit Weitblick in the Horizon: Foresight in Support of the Preparation of the der Forschungspolitik.“ European Union‘s Future Policy in Research and Innovation), Matthias Weber, für das die Europäische Kommission das Innovation Systems AIT Innovation Systems Department beauftragt hat. Gemeinsam mit europäischen Forschungspartnern werden mithilfe von Foresight-Methoden Szenarien entwickelt und Bewertungen vorgenommen, die die Basis für zukünftige forschungspolitische Entscheidungen bilden: Denn die Ergebnisse dieses Foresight-Prozesses ­fließen in die Vorbereitung des kommenden Forschungsrahmenprogrammes der Europäischen Union, des Nachfolgers von ­Horizon 2020, ein.


TOMORROWTODAY VI

Das eigens entwickelte ECAP-Werkzeug eröffnet bisher ungeahnte Möglichkeiten in der Beeinflussung ­mechanischer Eigenschaften.

Die Wiener Hofburg war Schauplatz der CPS Week 2016.

MATERIALFORSCHUNG

WICHTIGER FORTSCHRITT BEI MAGNESIUMLEGIERUNGEN

DIGITALISIERUNG

VERWALTUNG EXTREM GROSSER DATENSÄTZE SICHERT KULTURELLES ERBE In Kooperation mit international führenden Universitäten ermöglichen AIT-ExpertInnen einen vereinfachten Zugang zu wertvollen historischen Quellen im Internet. Die Forschung wird im Rahmen des Projekts „Pelagios“ von der amerikanischen Andrew W. Mellon Foundation gefördert. Die vom AIT entwickelten innovativen Technologien für Datenaufbereitung, Annotation und Visualisierung erlauben den Projektpartnern eine effizientere Arbeit und rascheren Informationsgewinn aus historischen Quellen. Sie geben ihnen die Möglichkeit, die extrem großen Datensätze in Echtzeit zu durchsuchen und zu analysieren und so die komplexen Zusammenhänge zwischen den Datensätzen interaktiv zu erforschen. AIT hat mit dem Forschungsteam „Digital Insight“ im Management großer und komplexer Datenmengen internationalen Ruf erlangt. Das AIT-Team rund um Ross King arbeitet an Lösungen für einen offenen, einfachen und intuitiven Zugang zu großen Datenbanken, bestehend aus Bild-, Audio-, Video- und Textdateien.

KONGRESS

­LEBEN VON MORGEN Cyber-physikalische Systeme bestehen aus physischen Objekten, die über Informationsund Kommunikationssysteme miteinander vernetzt sind und durch Softwareprogramme miteinander kommunizieren. Sie werden Grundlage für künftige intelligente Verkehrssysteme, Smart Grids oder moderne Gesundheitsdienste (eHealth), Umweltmanagement oder öffentliche Sicherheit sein. In Wien diskutierten dazu mehr als 1.000 internationale Delegierte auf der 9. „CPS Week“ in der Wiener Hofburg. AIT gelang es, diese einzigartige Veranstaltung gemeinsam mit TU Wien und IST Austria erstmals nach Wien zu holen.

Kartografien, aber auch auch Bild-, Video- und Textdateien können mit AIT-Methoden für künftige Generationen bewahrt werden.

Fotos: AIT, PID/Schaub-Walzer, Land OÖ/Schauer

Magnesiumlegierungen sind vielversprechende Materialien für bioresorbierbare medizinische Implantate. Neben hoher Biokompatibilität und geeigneter Degradationsrate sind auch exzellente mechanische Eigenschaften nötig. In den im K-Projekt OptiBioMat entwickelten Legierungen ist höchste Biokompatibilität durch Verwendung von nur geringen Anteilen an Zink und Calcium gewährleistet. Zur Optimierung der Festigkeit wurde die ECAP-Technologie (Equal Channel Angular Pressing) eingesetzt. „Das neu entwickelte ECAP-Werkzeug hat höchstes Potenzial, die mechanischen Eigenschaften auf ein bisher unerreichtes Niveau zu heben, indem es zylindrische Bolzen mehrfach unter sehr hohem Druck durch einen abgewinkelten Kanal presst und so durch die hochgradige Verformung eine ultrafeinkörnige Struktur mit außergewöhnlicher Festigkeit und Verformbarkeit erreicht“, weiß Manfred Bammer, AIT Health & Environment Department.


LEICHTBAU-PROJEKT

ALUMINIUM EISKALT VERFORMEN Aluminiumlegierungen bieten große Potenziale für wesentliche Gewichtseinsparungen und damit höhere Energieeffizienz im Automobilbereich. Die Umformbarkeit von Aluminiumblechen ist aber bei Raumtemperatur beschränkt. Im Rahmen des Forschungsprojekts „KryoAlu“ haben Daniel Vipavc, Leiter der Umformgruppe am LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen und KollegInnen einen neuen Ansatz verfolgt: „Bei tiefen Temperaturen verbessert sich die Umformbarkeit von Aluminium –diesen Effekt nutzen wir.“ Gemeinsam mit Unternehmen aus der Metall- und Maschinenbauindustrie wurde ein Verfahren entwickelt, das eine Umformung bei bis zu -150°C ermöglicht. „Die Blechplatinen werden in flüssigem Stickstoff vorgekühlt, von einem Roboter in die Umformpresse eingelegt und nach dem Tiefziehen wieder entnommen“, erklärt LKR-Geschäftsführer Andreas Kraly. Mit Hilfe der neuartigen kryogenen Blechumformung lassen sich komplexe Bauteile, die bisher aus Stahlblech gefertigt wurden, aus Aluminium herstellen. Das Projekt „KryoAlu“ erzielte 2015 den OÖ Landespreis für Innovation.

Werner Pamminger (Business Upper Austria), Preisträger Richard Kretz (LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen GmbH) und Karl Radlmayr (voestalpine Metal Forming GmbH), Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (v.l.)

INNOVATION CALENDAR 10.5.2016 // THE DIGITAL ENTERPRISE „The Digital Enterprise“ ist ein Fachund Networking-Event, das auf die praktische Diskussion und Analyse aktuellster Digitalisierungsthemen abzielt. AIT-Experten halten einen Vortrag zum Thema „Industrie 4.0.“ Ort: Novomatic Forum, Wien Infos: www.lsz-consulting.at/events/­ digital-enterprise_185/ // 10.-12.5.2016 // PCIM EUROPE 2016 Europas führende Fachmesse für Leistungselektronik, Intelligente Antriebstechnik, Erneuerbare Energie und Energiemanagement präsentiert neueste Branchenentwicklungen hautnah. Ort: Nürnberg AIT-Kontakt: Johannes Gragger Infos: www.mesago.de/de/PCIM/ home.htm // 19.5.2016 // CMG-AG TAGUNG Lösungsansätze, Standardisierung und Praxisbeispiele zu Kommunikationsaspekten rund um Industrie 4.0 stehen im Fokus der CMG-AG Tagung, die gemeinsam mit der Business Unit Technology Experience (Innovation Systems) veranstaltet wird. Ort: AIT Technology Experience Lab, Wien AIT-Kontakt: Marc Busch Infos: www.cmg-ae.at/ // 23.5.2016 // COOP 2016 Im Rahmen der COOP 2016 veranstaltet AIT ein Symposium zu den Design-Anforderungen an eine alternde Gesellschaft. Ort: Trento (Italien) AIT-Kontakt: Markus Garschall Infos: www.coop2016.tech-experience.at/ //

5.-10.6.2016 // ESA SYMPOSIUM Beim ESA-Symposium „Life in Space for Life on Earth“ sind AIT-ExpertInnen mit einem Vortrag über PWA in der Schwerelosigkeit vertreten. Ort: Toulouse Infos: www.congrexprojects.com/2016events/16a13 // 7.-10.6.2016 // 2016 EUSPRI KONFERENZ Unter dem Motto „Exploring New Avenues for Innovation and Research Policies“ werden wissenschaftliche Analysen von FTI-Politik behandelt. Ort: Lund AIT-Kontakt: Matthias Weber Infos: www.euspri-circle2016.org // 9.6.2016 // FSV VERKEHRSTAG Jahrestagung der Österreichischen Forschungsgesellschaft Straße - Schiene Verkehr (FSV). Ort: Wien AIT-Kontakt: Manfred Haider Infos: www.fsv.at // 10.-13.6.2016 // ESH KONFERENZ Beim 26. „European Meeting on Hypertension and Cardioviscolar Protection“ ist AIT ist mit Fachvorträgen vertreten. Ort: Paris Infos: www.esh2016.org/ // 13.-14.6.2016 // M2M/IOT FORUM CEE 2016 Internationales Jahresforum für das Internet der Dinge und der Digitalen Revolution. AIT ist mit Vorträgen zu den Themen Industrie 4.0 und Smart Health präsent. Ort: Rathaus, Wien Infos: www.m2m-forum.eu/ //


AIT Top Journal Papers

F&E-NETZWERKANALYSE

GENOMFORSCHUNG BEI TRICHODERMA-ARTEN

Der Fokus dieser Studie liegt auf der Modellierung von Integrationsprozessen in F&E in Europa. Hierzu wird die raum-zeitliche Entwicklung von drei verschiedenen F&E-Netzwerken, projekt-basierte Netzwerke in den EU Rahmenprogrammen, Ko-publikations- und Ko-patent-Netzwerken empirisch erfasst und analysiert. Die Integration von F&E-Aktivitäten ist eine der Hauptzielsetzungen der EU-FTI-Politik, wobei die barrierefreie Übertragung von Wissen und Bewegung von ForscherInnen in Europa sowie eine Harmonisierung fragmentierter nationaler F&E-Systeme im Mittelpunkt stehen. Um Integrationseffekte zu erfassen, werden Methoden der räumlichen Interaktionsmodellierung für die drei Netzwerke angewendet. Panel Negativ-­ Binomial Modellversionen werden zur ökonometrischen Spezifikation herangezogen. Schätzprobleme durch räumliche Autokorrelation der Interaktionen werden mit Hilfe neuer Methoden der räumlichen Filterung berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass geographische Barrieren, wie etwa geographische Distanz oder Ländergrenzen, in den projektbasierten F&E-Netzwerken am geringsten sind und über die Zeit signifikant abnehmen. Ko-patent- und Ko-publikations- Netzwerke sind in deutlich gerin­gerem Ausmaß integriert; auch die Integrationsgeschwindigkeit in diesen ist weitaus niedriger.

Trichoderma-Arten produzieren Enzyme für unterschiedliche Anwendungen und zählen zu den wichtigsten Pilzen für den Einsatz in der Biotechnologie oder in der Landwirtschaft. Um die Mechanismen hinter diesen Funktionen besser verstehen zu können, ist genaues Wissen über die entsprechenden Pilzgenome erforderlich. Ein internationales Konsortium um Monika Schmoll (AIT, Österreich) und Alfredo Herrera-Estrella (LANGEBIO, Mexico) bietet nun einen umfassenden Überblick über die Genome von Trichoderma reesei, Trichoderma atroviride und Trichoderma virens – drei wirksame Pilze, die häufig für die biologische Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft eingesetzt werden und das „Arbeitspferd“ in der biotechnologischen Produktion von Enzymen. Brandaktuelle Forschungsaspekte wie etwa kohlenhydrataktive Enzyme (CAZymes), Transport, Transkriptionsfaktoren und Entwicklung werden ebenso behandelt wie weniger erforschte Themen wie Signalübertragung, Genomintegrität, Chromatin, Photobiologie oder Lipid-, Schwefel- und Stickstoffstoffwechsel. Insgesamt beschreibt die Studie mehr als 2.000 der vorhergesagten 9.000 bis 11.000 Gene der einzelnen Trichoderma-Arten, also mehr als 20 % der jeweiligen Genome. Highlights der Ergebnisse sind neue Gene in vielen der behandelten Themen sowie eine Erweiterung bestimmter Signalwege in Trichoderma. Man fand man u. a. Hinweise darauf, dass Trichoderma spp. in der Lage sind, hybride galactosehaltige N-Glykane herzustellen oder die Duplizierung des alternativen Synthesepfads für schwefelhaltige Aminosäuren. Die vorliegende Studie eröffnet neue Perspektiven für die Forschung mit Trichoderma allgemein und ist ­eine wertvolle Unterstützung der Arbeit mit Pilzen diverser anderer Arten. M. Schmoll, C. Dattenböck, N. Carreras-Villaseñor, A. Mendoza-Mendoza, D. Tisch, M. I. Alemán, S. E. Baker, C. Brown, M. G. Cervantes-Badillo, J. Cetz, G. R. Cristobal-Mondragon, L. Delaye, E. U. Esquivel-Naranjo, A. Frischmann, J. J. Gallardo-­ Negrete, M. García-Esquivel, E. Y. Gomez-Rodriguez, D.R. Greenwood, M. Hernández-Oñate, J. S. Kruszewska, R. Lawry, H. M Mora-Montes, T. Muñoz-Centeno, ­ M. F. Nieto-Jacobo, G. N. Lopez, V. Olmedo-Monfil, M. Osorio-Concepcion, S. Piłsyk, K. Pomraning, A. Rodriguez-Iglesias, M. T. Rosales-Saavedra, J. A. Sánchez-Arreguín, V. Seidl-Seiboth, A. Stewart, E. E. Uresti-Rivera, C.L. Wang, T. F. Wang, S. Zeilinger, S. Casas-Flores, A. Herrera-Estrella (2016). „The genomes of three uneven siblings – footprints of the lifestyle of three Trichoderma species, Microbiol Mol Biol Reviews,

Lata, R., Scherngell, T. and Brenner, T. (2015)

Vol. 80, 1: 205-327

„Integration Processes in European R&D: A comparative spatial interaction approach using project based R&D networks, co-patent networks and co-publication networks, Geographical Analysis 47, 349-375.

Impressum: Redaktionsleitung: Michael H. Hlava, Produktionsleitung: Daniel Pepl, Redaktion: Michaela Jungbauer, Michael M ­ ürling, Fabian Purtscher, Katharina Sabetzer, Juliane Thoß. Feedback bitte an: presse@ait.ac.at

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Tomorrow Today 02/2016 (deutsch)  

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