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THE 2020–2021 PROFILE & HIGHLIGHTS


Innovation Powerhouse Wir sind Österreichs größte Research and Technology Organisation (RTO) und spielen bei vielen Infrastruktur-Themen weltweit in der ersten Liga. Das macht uns zum leistungsstarken Entwicklungspartner der Industrie und zum Top-Arbeitgeber in der internationalen Wissenschaftsszene.

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AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


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Mission Statement

05 Exzellenzanspruch des AIT sicherstellen Geleitwort von AIT-Aufsichtsratsvor– sitzendem Hannes Androsch 06 Innovating Infrastructure System AIT als Entwickler neuer Technologien 08 Antworten auf die „Grand Challenges “ AIT Managing Directors Anton Plimon und ­ Wolfgang Knoll im Interview 10 Focus of the Centers Schwerpunkte des AIT 12 Auf dem Weg in die klimaneutrale Zukunft Geleitwort von Bundesministerin Leonore Gewessler (BMK) 13 AIT – strategischer Partner im Innovationszeitalter    Geleitwort von Isabella Meran-Waldstein, IV 14

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Tomorrow Today  Das AIT sichert als Veranstalter und (Mit)Organisator internationaler F&E-Events Wissensvorsprung für Kunden und Partner.

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Center for Mobility Systems

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Center for Digital Safety & Security

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Center for Health & Bioresources

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Center for Low-Emission Transport

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Center for Vision, Automation & Control

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Center for Technology Experience

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Center for Innovation Systems & Policy

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Center for Energy

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Stay in Contact

Forschung auf höchstem Niveau Die Large Research Infrastructure zählt zu den großen AIT-Alleinstellungsmerkmalen.

22 Tomorrow today with you Work @ AIT bedeutet eine Vielzahl an Chancen für individuelle Karrierepfade. 26 Committed to excellence Aktuelle Scientific Papers belegen die hohe Forschungskompetenz am AIT. 30

Vor den Vorhang Die Forschungsleistungen des AIT für unsere Kunden und Partner finden international große Anerkennung.

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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MISSION STATEMENT Das AIT Austrian Institute of Technology ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung, nimmt eine führende Position bei Innovationen ein und spielt auf europäischer Ebene eine Schlüsselrolle als jene Forschungs- und Technologie– einrichtung, die sich mit den zentralen Infrastrukturthemen der Zukunft befasst. Acht spezialisierte Center forschen in den Bereichen Energy, Mobility Systems, Low-Emission Transport, Health & Bio– resources, Digital Safety & Security, Vision Automation & Control und Technology Experience. Ergänzt werden diese Forschungsgebiete um Kompetenzen im Bereich Innovation Systems & Policy. Als nationaler und internationaler Knotenpunkt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Industrie macht das AIT dank seiner wissenschaftlich-technologischen Kompetenzen, Erfahrung auf Märkten, enger Kundenbindung und einer hervor– ragenden Forschungsinfrastruktur Innovationen möglich. Als Ingenious Partner für Industrie und öffentliche Hand nimmt das AIT eine zentrale Rolle in der Beratung künftiger Herausforderungen sowie Entwicklung disruptiver Technologien ein. Dabei verfolgt das AIT einen Forschungsansatz, der auf umfassenden Kenntnissen auf Systemebene basiert. Wir wollen Systeme nicht nur verstehen, sondern sie aktiv gestalten. Rund 1.400 Mitarbeitende forschen in ganz Österreich an der Entwicklung jener Tools, Technologien und Lösungen für Österreichs Wirtschaft, die sie gemäß unseres Mottos Tomorrow Today zukunftsfit hält.

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AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


Hannes Androsch, Vorsitzender des Aufsichtsrats des AIT

Photo Simonis

Exzellenzanspruch des AIT auch in Zukunft sicherstellen Die Corona-Krise hat weltweit alle Gesellschaften, Wirtschaftssysteme und unser Alltagsleben verändert. Wir werden nicht so bald zum bisher Gewohnten zurückkehren, gefragt sind viele neue Ideen und Lösungen. Wie wenn man es nicht schon gewusst hätte, so wird spätestens jetzt klar: Forschung, Innovation und Bildung sind von größter Bedeutung für ein gedeihliches Weiterleben der Menschen auf diesem Planeten. Damit erweist sich auch die Arbeit am AIT Austrian Institute of Technology als wichtiger denn je. Allen Bereichen, auf die in den vergangenen zehn Jahren der Fokus der Infrastrukturforschung gelegt wurde, kommt bei der Gestaltung der Zukunft eminente Bedeutung zu – von Artificial Intelligence und Robotik über Energieversorgung und Mobilität bis hin zu Life Sciences. Insbesondere Mikro- und Systems-Biologie werden immer wichtiger, nicht nur zur Verhinderung und Bekämpfung von Epidemien. Und stärker denn je gefragt ist ein interdisziplinärer Blick auf die zunehmend komplexen Problemstellungen. Wir brauchen all diese Technologien, um gestärkt in die Zukunft blicken zu können. Daran werden wir auch die Politik noch stärker erinnern müssen, damit die versprochenen Maßnahmen wie ein Forschungsfinanzierungs– gesetz und ein deutlich rascher steiPROFILE UND HIGHLIGHTS

gender Budgetpfad für Wissenschaft, Forschung und Innovation endlich langfristig umgesetzt werden und damit Planungssicherheit gegeben wird. In der Corona-Krise zeigte sich einmal mehr, wie zentral die Forschungsarbeiten am AIT sind und wie rasch daraus Lösungen für konkrete Pro– bleme erwachsen können – sei es für das Management von Hilfseinsätzen, sei es für die Lenkung von Personenströmen (um erforderliche Mindestabstände einzuhalten), sei es für die Gestaltung hilfreicher Apps z. B. für das Gesundheits-Monitoring von Menschen in Corona-Quarantäne. Das AIT beweist auch in der schwierigen Zeit der Ausgangsbeschränkungen, Kongressabsagen, Betriebsschließungen usw., dass es gut aufgestellt und voll funktionstüchtig für seine Kunden und Partner da ist! Danke dafür an das Management und an alle Mitarbeiter*innen! Der weitere Weg in die Zukunft wird von mehreren zentralen Entwicklungen geprägt: Zum einen ist die Digitale Transformation allgegenwärtig, und sie wird sich durch die globalen Umwälzungen noch weiter beschleunigen. Wie sich auch in der Corona-Krise zeigte, sind wir als Gesellschaft nur unzureichend darauf vorbereitet. Zum anderen bleibt der Kampf gegen den Klimawandel ein zentrales Thema. Der nötige Umbau und Wiederaufbau

der Wirtschaft sollte daher mit Weichenstellungen hin zu einem Ressourcen-schonenderen System verknüpft werden. Bei beiden großen Zukunftsthemen ist die Arbeit des AIT als starkem Partner von Unternehmen und der öffentlichen Hand sehr wertvoll. Um den Exzellenzanspruch des AIT auch in Zukunft sicherzustellen, wird die Weiterentwicklung des Unternehmens stetig vorangetrieben. Ein Beispiel sind weitreichende Vorschläge, die Synergien zwischen den verschiedenen Organisationen am Standort rund um die Giefinggasse – neben dem AIT u. a. auch Siemens, das A1 Next Generation Datacenter oder die FH Technikum – zu stärken und im Rahmen einer „Vienna Innovation Area“ in Floridsdorf um zusätzliche Partner und einen Scientific Park zu erweitern. Mit Siemens Healthineers wurde bereits eine engere Kooperation im Bereich von E-Health-Lösungen vereinbart. Und auch bundesweit gibt es Überlegungen, die Aktivitäten des AIT auszuweiten. Etwa in Vorarlberg, wo eine Kooperation mit der FH Vor– arlberg und mit den dort angesiedelten innovationsstarken Unternehmen in Diskussion ist. Das AIT Austrian Institute of Technology wird damit weiterhin seinem Grundsatz „Empowering Innovation – Tomorrow Today“ für seine Kunden und Partner gerecht.

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INNOVATING INFRASTRUCTURE SYSTEMS Sectoral Development Global influencing Factors

Sectoral Structure and Stakeholders

Policy targets e.g. Grand Challenges

Innovation needs of Infrastructure Systems

System Scenarios & Strategies Providing Scenarios and Strategies based on sectoral Knowledge, System Needs and technological Options

Key Enabling Technologies (KET)

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System Knowledge Scientific Methods Technology Expertise Research Infrastructure

Advanced Technologies & Processes

R&D for Next Generation Goods

Public Stakeholders Infrastructure Providers Lead Industry RDI-Policy

Enabling innovative Services & Business

Industry, Service Provider, SME & Start-ups

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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ANTWORTEN AUF DIE „GRAND CHALLENGES“ Die AIT-Managing Directors Anton Plimon und Wolfgang Knoll zur strategischen Ausrichtung und aktuellen Forschungsthemen des AIT. Die Corona-Krise fordert natürlich auch das AIT. Wie gehen die rund 1.400 Mitarbeiter*innen damit um? Anton Plimon: Zwei wichtige Ziele haben wir erreicht: Das AIT funktioniert auch unter herausfordernden Bedingungen. Forschungsprojekte liefen im Homeoffice bestmöglich weiter, Kommunikation und Kollaboration wurden virtuell vorangetrieben. Zweitens sind viele Themen, an denen wir arbeiten, zur Bewältigung der Krise essenziell – etwa TelegesundheitsLösungen, mit denen Personen in Quarantäne medizinisch betreut werden können, ein Symptomtracking mit Hilfe einer anonymisierten Online-Umfrage oder Systeme zur Optimierung der Logistik von Hilfsmaßnahmen. Auch Simulationstools zum Management von Personenflüssen in Supermärkten oder in Einrichtungen des öffentlichen Verkehrs sind bedeutend. Wolfgang Knoll: Auch unsere Forschung im Bereich von Biosensoren ist ein wichtiger Beitrag: So zum Beispiel die Entwicklung eines Geruchstests, der eine Art „Frühindikator“ einer Covid-19-Infektion werden könnte. Durch die anerkannte Erfahrung mit Tools zum Management von Krisen und Katastrophen zählt das AIT auch zu den führenden Partnern im EU-Projekt STAMINA. Darin soll ein neues System zur Bewältigung künftiger Pandemien entwickelt werden. 38 Partner aus mehr als einem Dutzend Länder erarbeiten gemeinsam ein intelligentes System zur Unterstützung von Entscheidungen bei der Vorhersage und beim Management von 8

Pandemien. Dieses System soll Ersthelfer, Praktiker, Personal in Krankenhäusern sowie Pandemie-Krisenmanager in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Da spielen wir ganz vorne mit. Zur strategischen Ausrichtung des AIT bei der Infrastrukturforschung ist neben der Digitalisierung die Dekarbonisierung essenziell. Wie geht es hier weiter? WK: Projekte in diese Richtung verfolgen wir seit Gründung des AIT. Wir sehen darin eine unbedingte Notwendigkeit, um die Welt der nächsten Generation in einem zumindest gleich guten Zustand übergeben zu können. Das bietet auch Chancen für die österreichische Wirtschaft: Mit neuen, effizienteren und zukunftsweisenden Technologien wächst unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Das sichert Wertschöpfung und Arbeitsplätze. AP: Ein großer Schwerpunkt ist die Dekarbonisierung der Industrie: Das AIT ist federführend an der österreichischen „Vorzeigeregion Energie“ zum Thema „New Energy for Industry NEFI“ beteiligt, einem einzigartigen Innovationsverbund, der Lösungen zur vollständigen Dekarbonisierung der österreichischen Industrie entwickelt. Diese Innovationen werden wesentlich zur Standortsicherung der Industrie in Österreich beitragen und die Basis für klimafreundliche Technologien „made in Austria“ legen. Große Bedeutung kommt der Nutzung der Abwärme in der Industrie selbst,

aber auch außerhalb, etwa in Fernwärmenetzen in der Umgebung, zu – Stichwort: Sektorkopplung. In diesem Zusammenhang wird auch das Thema Wasserstoff immer wichtiger: Vor allem in Bereichen, wo Wasserstoff sowohl stofflich als auch energetisch genutzt wird, sehen wir viel Potenzial. Welche Schwerpunkte verfolgt das AIT im Bereich der Energieforschung? WK: Energiesysteme sind hochkomplex. Eine Transformation in Richtung Klimaneutralität erfordert neben neuen Einzeltechnologien eine Sicht auf das Gesamtsystem. Nur der Blick auf die gesamte Wertschöpfungs- und Wirkungskette ermöglicht es, das volle Innovationspotenzial im Sinne ganzheitlichen Klimaschutzes abzurufen. Diese Systemkompetenz ist ein Alleinstellungsmerkmal des AIT. So können wir etwa in vielen Simulationssystemen und mehreren speziellen Labors Komponenten in reale Netze integrieren und dort unter Bedingungen nahe an der Praxis testen und weiterentwickeln. In unserem SmartEST-Labor bieten wir realitätsnahe Forschung etwa für flexible „Smart Grids“. AP: Die Energiewende erfordert die Integration aller Sektoren. Wir forschen z. B. für eine klimafreundliche, nutzergerechte und multimodale Mobilität. Das beginnt bei Simulationen zur Optimierung der Verkehrsinfrastruktur und der Interoperabilität verschiedener Verkehrsmittel und reicht bis zu Forschungen zur E-Mobilität. Unser Batterie-Labor verfügt über AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


AIT Managing Directors Anton Plimon (r.) und Wolfgang Knoll

Peter Rigaud/Shotview

eine eigene Produktionslinie, in der wir Lithium-Ionen-Batterien weiterentwickeln können. Wir sind hier auf Zell-, Modul- und Systemebene aktiv. Für hocheffiziente Antriebsstränge von Elektrofahrzeigen entwickeln wir auch neue Komponenten und Leistungselektronik. WK: Auch der Leichtbau von Fahrzeugen zählt zu unseren Kernkompetenzen. Am Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen (LKR) arbeiten wir an innovativen Methoden zur Konstruktion von leichten Fahrzeugen sowie an der Verbesserung der Materialeigenschaften und der Verarbeitung von Leichtbaumaterialien wie Aluminium und Magnesium. Forschungsthemen werden immer komplexer. Wie stellt sich das AIT auf diese Herausforderung ein? AP: Wir verfolgen einen systemischen und interdisziplinären Ansatz und denken über herkömmliche Fachdisziplinen hinaus. Ein gutes Beispiel dafür ist das „City Intelligence Lab“ (CIL), das wir im Herbst 2019 eröffnet haben. Das CIL ermöglicht es erstmals, während eines Planungsprozesses von Stadtteilen in Echtzeit Auswirkungen von Planänderungen auf Umwelt, Energieverbrauch, Verkehr oder ­Behaglichkeit darzustellen. ­Genutzt werden dabei Simulationen, M ­ ethoden der Artificial Intelligence (AI) und in­ novative Formen der Darstellung. Das erlaubt nicht nur einen raschen, umfassenden und effizienten Planungsprozess, sondern auch eine bislang unbekannte Qualität bei der EinPROFILE UND HIGHLIGHTS

bindung künftiger Nutzer und der Bürgerbeteiligung. WK: Das CIL ist auch der Beweis dafür, dass bei vielen Maßnahmen zur Dekarbonisierung digitale Technologien massiv an Bedeutung gewinnen werden. Wir machen uns am AIT nicht nur Gedanken, wie Rechenzenten der Zukunft energiesparender werden und wie „Blockchains“ in der Energiewirtschaft eingesetzt werden können, sondern insbesondere über die digitale Sicherheit von smarten Stromnetzen durch geeignete Systeminfrastruktur und Verschlüsselungsmethoden. Schutz vor Cyber-Bedrohungen und Hackerangriffen ist da ebenso ein Thema wie Datenschutz und Privacy. Wie weit sind wir auf dem Weg der „digitalen Fabrik“ bzw. Industrie 4.0? AP: Innovative Robotersysteme eröffnen neue Wege zu effizienterer Produktion. Damit kann die Ressourceneffizienz im Produktionssektor gesteigert werden. Überdies können mit autonomen Produktionssystemen in Zukunft auch wieder mehr Güter in Europa hergestellt werden, was nicht nur die Industrielandschaft in Europa unterstützt, sondern auch dabei hilft, allzu weite Transportwege und die Abhängigkeit von Lieferketten zu vermeiden. Hier könnte die Corona-Krise zu einer klaren Trendumkehr führen. Wo stehen wir in der Frage der Bioökonomie aus Ihrer Sicht? WK: Hier sind spannende Entwicklungen im Werden. So arbeiten wir etwa

an neuen biologischen Prozessen, die für eine Bioökonomie der Zukunft essenziell sein werden. Durch Nutzen von Symbiosen zwischen Pflanzen und Mikroorganismen soll z. B. eine ressourcenschonendere Landwirtschaft möglich werden. Überdies ist in den Life Sciences die Anpassung an den Klimawandel wichtig: Das Wissen aus der Erforschung von Stressreaktionen von Pflanzen, zum Beispiel auf Hitze oder Dürre, lässt sich für die Züchtung von widerstandsfähigeren Pflanzensorten nutzen – etwa auch für Baumarten, die den steigenden Temperaturen standhalten können. AP: Wobei uns eines ganz wichtig ist: Das AIT steht für Entwicklung neuer Technologien in den InfrastrukturBereichen. Aber das allein reicht nicht, um die „Grand Challenges“ bewältigen zu können. Daher geben wir auch sozialen Innovationen breiten Raum und untersuchen beispielsweise, wie Menschen mit neuen Technologien umgehen und wie man sie gestalten sollte, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Oder wie Menschen ihr Verhalten auf geänderte Rahmenbedingungen anpassen und wie sich Gesellschaften bei der Transformation im Zuge des technologischen Wandels und der Energiewende verändern. Dazu werden unter anderem im Auftrag der Europäischen Kommission große Foresight-Untersuchungen durchgeführt. Das AIT ist auch auf dieser Ebene in der europäischen Forschungslandschaft ein bedeutender Player. 9


FOCUS OF THE CENTERS Energy

Health & Bioresources

• Electric Energy Systems • Integrated Energy Systems

• Biomedical Systems • Bioresources

• Photovoltaic Systems • Digital Resilient Cities

• Digital Health Information Systems • Molecular Diagnostics

• Sustainable Thermal Energy Systems

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Mobility Systems

Low-­Emission Transport

• Dynamic Transportation Systems • Transportation Infrastructure Technologies

• Electric Drive Technologies • Light Metals Technologies Ranshofen

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Digital Safety & Security

Vision, Automation & Control

• Information Management • Security & Communication Technologies

• High-Performance Vision Systems • Assistive and Autonomous Systems

• Sensing & Vision Solutions

• Complex Dynamical Systems

Technology Experience

Innovation S ­ ystems & Policy

• Experience Contexts and Tools • Experience Business Transformations

• Digital Innovation • Foresight & Institutional Change • Policies for Change

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)

leisten. Für die Klimaneutralität 2040 werden wir die Verbrennung von Heiz– öl, Kohle und fossilem Gas für die Bereitstellung von Wärme und Kälte durch klimafreundliche Alternativen ersetzen. Die Energieeffizienz wird deutlich besser werden. Mobilitätssysteme verändern sich, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs wird eine zentrolle Rolle spielen. Immer mehr Menschen leben in Städten, die damit auch mit neuen Herausforderungen in Bezug auf die Stadt- und Infrastrukturplanung konfrontiert werden. Die Digitalisierung erschließt neue Handlungsfelder und Themenstellungen, deren Chancen, aber auch Risiken wir gerade erst kennenlernen.

Eine ambitionierte und umfassende Klima- und Energiepolitik wird dazu beitragen, den Forschungs- und Innovationsstandort Europa zu stärken. Österreich soll dabei eine Schlüsselrolle einnehmen und zum Klimaschutzvorreiter werden: Wir haben mit der Klimaneutralität 2040 einen ambitionierten Plan und arbeiten auch konsequent daran, die entsprechenden Weichenstellungen vorzunehmen.

Wir brauchen Innovationen, die neue Wirtschaftsmodelle ermöglichen. Die Sicht auf Systeme und nicht auf einzelne, kleinteilige Lösungen nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) sieht im AIT Austrian Institute of Technology einen wesentlichen Partner zur Erreichung der Klimaziele.

Der Einsatz für eine klimaneutrale Zukunft nimmt uns alle in Verantwortung. Unternehmen unterschiedlichster Größenordnungen, vom Start-up bis zum multinationalen Konzern, werden einen Beitrag

Als wesentlicher Knotenpunkt im internationalen und nationalen FTI-System übernimmt das AIT eine wichtige Funktion, die bei der Bewältigung der großen Herausforderungen wie Klimaschutz, Energiewende, Zu-

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kunft der Mobilität, Urbanisierung und Smart City unterstützt. Denn das Ziel ist es, für Österreichs Industrie und Gewerbe einen „Green Deal“ zu ermöglichen. Mit dem AIT Austrian Institute of Technology können wir dabei auf einen Verbündeten vertrauen.

BKA/Andy Wenzel

Auf dem Weg in die klimaneutrale Zukunft Klimaschutz und die Energiewende sind notwendig, damit auch künftige Generationen eine lebenswerte Welt vorfinden. Beides ist eng verwoben mit Fragen der Infrastruktur der Zukunft und einer Innovations- und Forschungspolitik, die das Umfeld für Green Innovation schafft. Sie berühren die Chancen der Digitalisierung, die sichere Kommunikation, den Schutz vor Cyberangriffen oder die „smart production“. Alle diese Themenfelder stehen im Fokus der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten am AIT Austrian Institute of Technology.

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Isabella Meran-Waldstein Bereichsleiterin Forschung, Technologie & Innovation Industriellenvereinigung (IV)

AIT: Strategischer Partner im Innovationszeitalter – vor, während und nach Corona

IV/Karl Michalski

Forschung, Technologie, Innovation können uns aus der Krise führen – nun muss eine Technologieoffensive folgen. Österreich steht – wie weltweit fast alle anderen Staaten – im Bann einer globalen Pandemie. Aktuell ist weder absehbar, wie lange die Coronakrise andauern wird, noch wie stark die Volkswirtschaften insgesamt belastet werden. Bereits jetzt ist aber klar, dass Forschung, Technologie und Innovation maßgeblich dazu beitragen werden, diese Ausnahmesituation zu beenden und die Gesellschaft besser auf ähnliche Ereignisse in der Zukunft vorzubereiten. Hochinnovative, technologiebasierte Unternehmen haben das Potenzial, ihre Wettbewerbsfähigkeit über diese Krise hinaus zu stärken. Mit technologisch anspruchsvollen Produkten, Prozessen, innovativen Dienstleistungen und neuen Geschäftsmodellen bieten diese Unternehmen Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen an, insbesondere auch jetzt – beim Kampf gegen die Covid-19-Pandemie. Auch die Digitalisierung unterstreicht in der Krise ihre Bedeutung für den Standort. Sie ist entscheidend für den Erhalt der PROFILE UND HIGHLIGHTS

wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit und ermöglicht die Aufrechterhaltung globaler wirtschaftlicher und sozialer Beziehungen. Um das volle Potenzial von Forschung, Technologie, Innovation und Digitalisierung zu mobilisieren, ist entschlossenes Handeln erforderlich. Um mehr Krisenresilienz aufzubauen und gleichzeitig eine rasche Wiederbelebung der Wirtschaft zu erzielen, ist gerade in der Rebound-Phase auf die angewandte Forschung zu fokussieren. Sie steht im Zentrum von innovativen Problemlösungen der Zukunft und der Wertschöpfungsketten von morgen. Durch die Verbindung von Forschung und Produktion in Österreich und Europa kann die Re-Industrialisierung in strategisch wichtigen Bereichen vorangetrieben werden. Gleichzeitig entsteht die Chance, potenzielle Engstellen in Wertschöpfungsketten zu überbrücken, Schlüsseltechnologien auszubauen und Ressourceneffizienz zu steigern. Von politischer Seite muss daher ein Frontrunner-Kurs beim Ausbau des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizon Europe und der Teilnahme Österreichs an transeuropäischen IPCEI-Projekten eingeschlagen sowie die nachhaltige Absicherung und der Ausbau der FTI-Finanzierung als Investition in unsere Zukunft energisch verfolgt werden. Wir brauchen eine schlagkräftige „Technologieoffensive“,

die Österreich gestärkt aus der Krise herausführen kann. Das AIT Austrian Institute of Technology ist seit vielen Jahren strategischer Schlüsselpartner der österreichischen innovativen Indus– trie. Durch seine vielfältigen Brückenfunktionen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Forschung und Ausbildung ist das AIT in Österreich wie auch in Europa ein unverzichtbarer Leadpartner. Insbesondere wenn es darum geht, den FTI-Standort in ein neues „Zeitalter nach Corona“ zu führen – auf einen Weg Richtung mehr Krisenresilienz, mehr Wettbewerbsfähigkeit und mehr Innovation.

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FORSCHUNG AUF HÖCHSTEM NIVEAU

Biomaterials Characterization Lab Unsere Biomaterial-Labore sind mit Einrichtungen zur quantitativen Charakterisierung geeigneter Materialien sowie zur Entwicklung und Anwendung innovativer und validierbarer Prozesstechnologien ausgestattet. Zudem sind Korrosionsmessungen an degradierbaren Implantat-Materialien und Umformung mittels „Equal Channel Angular Pressing" (ECAP) möglich, durch das die mechanischen Eigenschaften metallischer Materialien und Nicht-Biomaterialien wie Härte, Druck- und Zugfestigkeit sowie Dauerwechselfestigkeit deutlich verbessert werden. Im hochmodernen Laser-Labor werden Synthesen hochreiner kolloidaler Nanopartikel zur Biofunktionalisierung und Beschichtung erforscht und weiterentwickelt, etwa zur Bildung antibakterieller und antithormbotischer Oberflächen sowie als Beimengung als Nanoadditive.

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City Intelligence Lab (CIL) – digitale Stadtplanung Das City Intelligence Lab am Center for Energy erweitert die AIT-Kompetenz im Bereich „Digital Resilient Cities“. Das Labor ist eine interaktive Plattform zur Erforschung neuer Formen und Technologien für die Stadtplanungspraxis der Zukunft und verfolgt den Ansatz einer ko-kreativen Entwicklung – gemeinsames Erschaffen von neuem Wissen. Die Plattform wird von den neuesten digitalen Planungswerkzeugen unter Verwendung von Big Data und Artificial Intelligence (AI) unterstützt. Es ermöglicht mithilfe digitaler Technologien komplexe Zusammenhänge greifbar zu machen und die Bewohner*innen direkt in die Planung miteinzubeziehen. Das CIL ist nicht nur ein internationales Vorzeigelabor, sondern auch eine wertvolle Entscheidungshilfe, um Antworten auf die zentralen Herausforderungen der Urbanisierung, wie den Klimawandel, zu entwickeln.

AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY

AIT, APA-Fotoservice/Hinterramskogler

Die AIT-Laboratorien sind auf dem neuesten technologischen Stand und stellen eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche angewandte Forschung und Entwicklung dar. Hier werden Produkte, Services und Lösungen für morgen begründet, getestet und zur Serienreife gebracht. Die sogenannte „Large Research Infrastructure" zählt zu den großen Alleinstellungsmerkmalen des AIT.


Batterietesting Im Batterietestlabor werden Batterien auf Zell-, Modul- und Systemebene untersucht. Dazu gehören elektrische Prüfungen ebenso wie eine Bewertung der Sicherheit durch Missbrauchsprüfungen. So werden etwa elektrische Tests durch Unterstützung bei Auswahl der Zell-Technologie, Funktionsüberprüfungen, Simulationen von Fahrzyklen sowie Untersuchungen zu Lebensdauer oder Alterung durchgeführt. Auch Sicherheitstests zu Fragen der thermischen Stabilität, erhöhte Lagerungstemperatur und mechanische Analysen zu zellinternen Kurzschlüssen oder Falltests werden hier gemacht.

Horizontal-­Stranggießanlage Die semi-industrielle Versuchsanlage für horizontales Stranggießen von Aluminiumlegierungen mit Echtzeitsteuerung dient zur kontinuierlichen Herstellung maßgeschneiderter Formate sowie Sonderlegierungen im Bereich der Schweißdrahtherstellung. Das AIT unterstützt in Verfahren zur Prozesstechnik zur Herstellung von qualitativ hochwertigen, endabmessungsnahen Formaten, die für direkte Weiterverarbeitung des hergestellten Halbzeugs ohne Zwischenschritte (z. B. Schälen) geeignet sind und bietet eine Top-Infrastruktur für erweiterte Gießversuche.

AIT/Mürling, AIT/Lang, AIT/LKR/Lang

Radio Frequency Lab Hier werden u. a. neue Methoden analysiert, um die physikalischen Eigenschaften von ­Funk­kommuni­kation für den zuverlässigen Datenaustausch mit M ­ aschinen zu nutzen. Im Funkbereich entwickeln wir z. B. neuartige ­Verfahren für äußerst zuverlässige Kommunikationsverbindungen mit g ­ eringer Latenz. Kabel können so in Produktions­umgebungen durch Funksysteme ersetzt oder a ­ utonome Fahrzeuge zuverlässig vernetzt werden.

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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Akkreditierte Erschütterungsmessungen Erschütterungsintensive Bautätigkeiten (Abbruch­ arbeiten, Sprengungen, Bodenverdichtung etc.), aber auch Einwirkungen aus dem Straßen- und ­Schienenverkehr verursachen in Bauwerken oft erhebliche Vibrationen. Das AIT verfügt über das ­notwendige Know-how zur Erfassung und ­ Bewertung der Erschütterungseinwirkung und ist in diesem ­Bereich nach ISO 9001 zertifiziert.

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AIT, AIT/LKR/Lang

Kaltkammer-Druckgieß­maschine DAK1100-112 Beim Druckgießverfahren wird das flüssige Gieß– metall (Aluminium- oder Magnesiumlegierungen) durch einen Kolben mit sehr hoher Geschwindigkeit und unter sehr hohem Druck in eine Stahlform gepresst. In gekühlter Form erstarrt das Metall sehr rasch und das fertige Gussteil kann nach kurzer Kühlzeit entnommen werden. Mit dieser vollautomatisierten Versuchsanlage im Industriemaßstab können hochkomplexe Druckgussbauteilen aus Aluminiumund Magnesiumwerkstoffen hergestellt werden. Das Ziel sind ganzheitliche Lösungsansätze von der Idee bis zum serientauglichen Bauteil.

Molecular Diagnostics Lab Das Labor der Competence Unit Molecular Diagnos– tics besteht aus zwei spezialisierten Einheiten. So ist das molekularbiologische Labor für Detektion und Validierung von Biomarkern und die Assayentwicklung ausgestattet. In diesem Labor sind alle Schritte von der Zellkultur bis zur Isolierung, Prozessierung, Detektion und Quantifizierung von diversen Biomolekülen (Nukleinsäuren und Proteine) aus unterschiedlichsten biologischen Proben (Gewebe, Blut und Speichel) durchführbar. Wohingegen das Sensoriklabor auf die Etablierung von Biosensoren und deren Integration in hochsensitive Point-of-Care-Diagnostiksysteme ausgelegt ist. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung von elektrochemischen, magnetischen und optischen Detektionsverfahren und der Erstellung von mit „Biotinten“ gedruckten Prototypen.

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Machine Vision Lab Für robuste Hochleistungs-Vision-Systeme müssen Bildaufnahme, Beleuchtung und Algorithmen stets gut aufeinander abgestimmt sein. Im Machine Vision Lab werden dazu aus einer Vielzahl verfügbarer Komponenten in kurzer Zeit Testaufbauten realisiert, um die Eignung unterschiedlicher Lösungsideen zu prüfen. Auf diese Weise können sowohl die neuesten Forschungsideen erstmalig umgesetzt als auch die Entwicklung von Prototypen für die Industrie realisiert werden.

RoadSTAR Das fahrende Labor „RoadSTAR“ erfasst in einer einzigen Überfahrt alle für den Straßenerhalter oder Sachverständigen wesentlichen Parameter der Straße, ohne den Fließverkehr zu behindern. Das erhöht die Langlebigkeit des Straßenkörpers und erhöht zugleich die Sicherheit im Straßenverkehr. Oberflächenschäden und Risse der Fahrbahn werden vom fahrenden Labor „RoadSTAR“ visuell erfasst. Gemessen und analysiert werden die Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche, die Makrotextur, die Querebenheit sowie die Längsebenheit. Die Prüfung aller verkehrssicherheitsrelevanter Zustandsmerkmale erfolgt im Rahmen der (Norm)-Akkreditierung. Diese ermöglicht zum Beispiel die unabhängige Prüfung von bauvertraglichen Bestimmungen zum Zeitpunkt der Abnahme bzw. vor Ablauf des Gewährleistungszeitraumes.

AIT/Zinner (2), AIT

Schock- und Vibrationsprüfung von Bauteilen Das AIT verfügt über langjähriges Know-how als unabhängige, nach ÖVE/ÖNORM EN ISO/IEC 17025 akkreditierte Prüfstelle für Schock- und Vibrationsprüfungen und Umweltsimulationen. Mittels zweier elektrodynamischer Shaker werden in Kombination mit oder ohne Klimakammer Tests für elektronische und elektrische Bauteile, Geräte, Maschinen und Anlagen sowie Aufbauten für Fahrzeugteile durchgeführt. Wir beraten Kunden bei der Auswahl der Prüfverfahren, bieten eine kompetente und kundenorientierte Durchführung der Prüfungen und stellen akkreditierte Prüfzeugnisse aus. Seit 2018 sind Schockprüfungen bis 100 g mittels Shaker möglich.

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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SmartEST-Lab Mit dem SmartEST-Lab (Smart Electricity Systems and Technologies) und dem High Power Laboratory des AIT steht eine europaweit einzigartige Laborinfrastruktur für Komponenten der elektrischen Energietechnik von leistungselektronischen Umrichtern für Photovoltaik (PV)- und Speichersysteme, über Ladesäulen für Elektrofahrzeuge bis hin zu Hochleistungs-Schaltgeräten und -Sicherungen zur Verfügung. Das Labor bietet der Industrie maßgeschneiderte Testmöglichkeiten für ihre Entwicklungen und Produkte im Leistungsbereich bis 1 MVA für den Betrieb von Niederspannungskomponenten und -Systemen (SmartEST) bzw. 120 MVA für Kurzschluss- und Belastungsprüfungen und bis zu 1200 kV für Hochspannungsprüfungen (High Power Laboratory). Das AIT unterstützt Netzbetreiber und Hersteller von Komponenten mit einer idealen experimentellen Entwicklungsumgebung bei der Transformation der E-Wirtschaft.

Umgebungslärm, ­Rollgeräusch und ­Vorbeifahrts- und ­Immissionsmessungen Dies beschreibt die Messung von Schalldruckpegeln, die für die Bewertung des Umgebungslärms maß­ geblich sind, und umfasst die Schallemissionen von Straßen- und Schienenverkehr. Unsere Leistungen: • Rollgeräuschmessungen (CPX-Methode) nach ISO 11819-2, • Vorbeifahrtsmessungen (SPB-Methode) nach ISO 11819-1.

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AIT/Zinner, AIT/PicturePeople Austria GmbH, AIT/Matthias Silveri

Technology Experience Lab Das AIT TX Lab (Technology Experience Laboratory) ist eine flexible Einrichtung für verschiedene Arten von Benutzerforschungs- und Demonstrationstätigkeiten im Laborbereich sowie für Feldversuche. Es bietet einen hochmodernen Rahmen für die Durchführung, Dokumentation und Analyse von Requirements Engineering, Fokusgruppen, Workshops, Usability, User Experience und Quality of Experience Studies sowie für das Prototyping von Advanced Interaction Designs und Zukunftskonzepten. Die AIT-Expert*innen untersuchen spezifische Faktoren wie unterschiedliche Messungen der Erlebnisqualität, die Schaffung von Erfahrungen in Schlüsseltechnologiebereichen und wichtigen Anwendungskontexten, basierend auf verbessertem fundamentalem Interaktionsdenken und dedizierten Methoden und Werkzeugen zur Unterstützung der Entwicklung hochwertiger Technologieerfahrungen. Dazu werden die Endanwender*innen im AIT TX Lab während des gesamten Entwicklungsprozesses stark miteinbezogen.


Additive Manufacturing Lab Bei Wire-AM (wire+arc additive manufacturing) wird herkömmliches Standardschweißequipment so adaptiert, dass eine Bauteilherstellung durch direkten Metallauftrag aus Schweißdrähten bei vergleichsweise hohen Aufbauraten und theoretisch unbegrenzter Bauteilgröße möglich wird. Am LKR werden sowohl Standardschweißzusätze auf Aluminium- und Magnesiumbasis als auch hauseigen hergestellte Sonderdrähte verarbeitet. Dabei können alle schmelzmetallurgisch herstellbaren Leicht­ metalllegierungen inhouse selbst hergestellt ­werden.

Molecular Biological Lab & DNA Bank In Tulln bietet das AIT eine umfassende Laborinfrastruktur – z. B. Molekularbiologielabore zur Entwicklung genetischer Markersystemen unter Verwendung modernster molekularer Technologien für Forschungsfragen in den Bereichen Genomik und Transkriptomik bis zu Marker-Anwendungen für Genotypisierungszwecke und DNA Fragmentanalyse basierend auf Technologien wie // KASP ™// qPCR // Genotypisierung durch Sequenzierung (z. B. RADseq) // Mikrosatelliten (STRs / SSRs). Highlight: die DNA Datenbank. Hochdurchsatz-DNA-Extraktion mit Liquid Handling Systeme (ISO 9001: 2008) zur Entwicklung und Anwendung maßgeschneiderter DNA-Extraktion, Protokolle für verschiedene Gewebe und Organismen, eine zentralisierte Einrichtung für Langzeitlagerung und Management von bio­logischem Material.

AIT, AIT/LKR/Lang, AIT/Lang

Battery Research Pilot Line Das AIT ist eine der wenigen Forschungseinrichtungen weltweit, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Batterieforschung bis zur Batterieproduktion unter einem Dach abbilden kann. Durch einen ­Trockenraum und eine hochmoderne Forschungs­ pilotlinie sind die AIT-Expert*innen in der Lage, ­Lithium-Ionen-Pouchzellen mit Blick auf industrie­ relevante Prozesse herzustellen. Damit schließt das AIT die Lücke zwischen Wissenschaft und Marktanwendung.

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Luftschalldämmung, Schallreflexion & Schallbeugung Im Rahmen der länderübergreifenden Entwicklung der akustischen in-situ Prüfung von Lärmschutzwänden wurden mit den Normen EN 1793-4, EN 1793-5 und EN 1793-6 Regelwerke geschaffen, um die relevanten akustischen Eigenschaften vor Ort oder im Labor zu bestimmen. Die drei genannten Normen regeln die Messung der Schallbeugung an der Oberkante, die Messung der Schallreflexion an der Lärmschutzwand und die Luftschalldämmung im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung. Das AIT stellt dabei durch ausgedehnte Prüftätigkeiten und Mitarbeit in nationalen sowie europäischen Normungsgremien regelmäßig seine hohe systemische Kompetenz unter Beweis.

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FH JOANNEUM/Stefan Leitner, AIT/Zinner, AIT/Mayr_Batko

Labor für unbemannte Fluggeräte Unbemannte Fluggeräte benötigen Sensoren zur ­Umfelderfassung, um Kollisionen zu vermeiden, aber auch zur Orientierung, um die Flugbahn sowie mögliche Landeplätze zu bestimmen. Wie bei allen autonomen Systemen ist darüber hinaus eine zuverlässige Positionsbestimmung bei der Durchführung von ­Flugmissionen unerlässlich. Im Labor werden entsprechende Technologiekomponenten ent­wickelt und integriert sowie die Fluggeräte für Outdoor-­Missionen vorbereitet. Bei den Fluggeräten handelt es sich einerseits um Quad/Hexacopter verschiedener Größe, aber auch Flächenflieger für großflächige und längerdauernde Flugmissionen in unterschiedlichen Anwendungen (Transport, Inspektion, Vermessung, Surveillance etc.). Die Technologiekomponenten werden auch in Assistenzsystemen bemannter Flugzeuge und zur Luftraumüberwachung eingesetzt.

DC Lab Schon heute wird erneuerbarer Strom aus Offshore-Windparks mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung über große Distanzen verlustarm aufs Festland geleitet. In Zukunft könnten DC (Direct Current)-Netze auch auf der Mittel- und Niederspannungsebene zum Einsatz kommen. Mit der Erweiterung der Labore für DC-Ströme in der Größenordnung von 80 kA schafft das AIT eine effiziente und leistungsstarke Validierungsplattform für die Hersteller von DC-Komponenten und DC-Systemen. Gleichstromnetze auf Mittel- und Niederspannungsebene, Photovoltaikanlagen, Speichersysteme, Batterien für Elektrofahrzeuge und neuartige Schaltgeräte werden im zukünftigen Energiesystem eine wichtige Rolle spielen. Das DC Lab im Center for Energy wird das größte Labor dieser Art in Österreich sein – der Start ist für 2021 geplant. Diese Labor-Infrastruktur ist speziell für europäische Entwickler und Hersteller von leistungselektronischen Komponenten von großer Bedeutung.


Abwärme aus industriellen Prozessen nutzen Der 11. Dezember 2019 könnte als Meilenstein in die österreichische Industriegeschichte eingehen: An diesem Tag wurde die erste industrielle Hochtemperatur-Wärmepumpe bei der Wienerberger Österreich GmbH am Standort Uttendorf (Oberösterreich) in den Demobetrieb genommen. Abwärme aus industriellen Prozessen wurde bisher meist völlig ungenutzt an die Umgebung abgegeben. Aktuell geht ein Großteil der Energie für Trocknungsprozesse in der Abluft verloren. Im Rahmen des EU-Projekts DryFiciency wurde unter Leitung des AIT eine neue Wärmepumpentechnologie entwickelt und ein Demonstrator im Trocknungsprozess integriert. Im Ziegelwerk Uttendorf wird die Hochtemperatur-Wärmepumpe nun in realer industrieller Umgebung getestet. „Um Ziegeln oder anderen Produkten wie etwa Nahrungsmitteln Wasser zu entziehen, muss dieses

bei 90 bis 160 °C verdampft werden", erklärt Veronika Wilk, wissenschaftliche Koordinatorin des DryFiciency-Projekts und Senior Research Engineer am AIT Center for Energy. Bei Wärmebedarf über 110 °C konnten Wärmepumpen zur Rückgewinnung der Abwärme bislang noch nicht eingesetzt werden. Im EU-Forschungsprojekt DryFiciency wurde ein Demonstrator entwickelt, der zeigt, dass die Wärmepumpentechnologie auch für industrielle Prozesse im Hochtemperaturbereich genutzt werden kann. „Seit fünf Jahren verbindet Wienerberger und das AIT eine strategische Partnerschaft. Mit DryFiciency wurde ein Meilenstein Richtung Dekarbonisierung der Ziegelindustrie gesetzt“, sagt Carlo Callegati, Head of R&D Operations and Engineering Wienerberger AG. Wärmepumpen werden künftig ein wesentliches Element der Energieinfrastruktur sein, auch im industriellen Kontext.

AIT/Schneeberger, AIT/Mürling

Photonics & Quantum Communication Lab Das Labor befasst sich mit Technologien, die auf der Verwendung von Licht basieren. Die Forschungsleistungen reichen von photonisch integrierten Schaltkreisen auf Chipebene über ­Systemintegration optischer und elektronischer Komponenten bis hin zur Demonstration neuer Anwendungen in Tele­ kommunikation, Quantenoptik und Sensor­ technologie.

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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TOMMOROW TODAY WITH YOU Work @ AIT bedeutet eine Vielzahl an Chancen und Möglichkeiten für unterschiedliche, individuelle Karrierepfade an Österreichs größter außeruniversitärer Forschungseinrichtung.

Thomas Zemen, Elektrotechniker, Senior Scientist, Center for Digital Safety & Security

AIT/Zinner

„In gemischten Teams wird ganz anders diskutiert. Ich investiere viel in die Team-Zusammenstellung. Dazu gehört es, Frauen frühzeitig in ihrer Karriere anzusprechen und gut einzubinden.“

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Carmina Coronel, Biomedical E ­ ngineer, Junior Research ­Engineer, Center for Digital Safety & Security: „Wir entwickeln neue Methoden zur Erkennung von Schlafapnoe mithilfe von 3D-KameraBildern. Die Arbeit ist intensiv, aber ich mag das sehr und bekomme hier jede Menge Unterstützung."

Die Mitarbeiter*innen sind für das AIT die wichtigste und wertvollste Ressource. Als Expert*innen- und Wissensorganisation strebt das AIT daher danach, die besten Köpfe zu gewinnen. „Das ist für uns eine große Herausforderung und Verantwortung zugleich“, erklärt Marie Theres Raberger, Re– cruiting & HR Development. Mit seinen technologischen Lösungen ist das AIT führend bei der zukunftsgerichteten Bewältigung von Diskontinuität. Die Strategie des AIT Austrian Institute of Technology basiert dabei auf Systemkompetenzen und Einzeltechnologien, aus denen Geschäftsmodelle entstehen. „Dies definiert auch unseren Anspruch an neue Ingenious Partner – die besten Köpfe in Hinblick auf wissenschaftliche Exzellenz, fundiertem Systemwissen und hohem Marktver-

ständnis, auch mit Bezug zu Entrepreneurship“, hält Raberger fest. Gemäß dem Motto: „Kluge Köpfe ziehen kluge Köpfe an“ werden High Potentials adressiert, die Wert auf moderne Forschungsinfrastruktur, exzellente Reputation sowie die Chance auf internationale Spitzenforschung legen. Unternehmenskultur als Basis und Anziehungspunkt Das AIT Austrian Institute of Technology ist ein Top-Arbeitgeber mit einer offenen Unternehmenskultur. „Wir bieten viel Gestaltungsfreiraum in der Arbeit und setzen auf kluge, kreative Köpfe, die sich auch gegenseitig herausfordern“, sagt Raberger. Mit seinem themenübergreifenden, interdisziplinären Portfolio bietet das AIT

viele Möglichkeiten der SelbstEntwicklung. Dank einer klaren strategischen Ausrichtung ist das AIT ein Arbeitgeber mit einem klaren und attraktiven Profil. „Am AIT gibt es viele Möglichkeiten, die Zukunft mitzugestalten“, ist Raberger überzeugt, „wir sind ein relevanter Faktor für den Wirtschafts- und Industriestandort Österreich, da wir Forschung betreiben und Lösungen entwickeln, die gebraucht werden.“ Karrieremodell nach internationalen Standards Der Erfolg des AIT – und somit der Erfolg für unsere Kunden und Partner – ist untrennbar mit der erfolgreichen Entwicklung der Mitarbeiter*innen verbunden. Mit einem Karrieremodell, das internationalen Standards entNicole Brosch, Informatikerin, Scientist, Center for Vision, Automation & Control: „Ich hatte immer die Freiheit, das zu machen, was ich wollte. Ich engagiere mich auch außerhalb des AIT im Verein ´IEEE - Women in Engineering´ für die Förderung von Frauen."

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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Anahid Naghibzadeh-Jalali, ­Datenwissenschafterin, ­ Scientist, Center for Digital Safety & Security: „Der Computer war für mich und meine Brüder ein Spielgerät. Als ich begriff, dass ich das Spiel ändern kann, ließ mich die Faszination nicht mehr los. Im AIT gehen diese ´Denkspiele´ für mich weiter."

spricht, ist eine zielgerichtete Entwicklung unser Mitarbeiter*innen möglich – und das in unterschiedlichen Berufsbildern und Stufen (siehe Kasten). „Transparente Karrierewege ermöglichen es uns, gezielt Kompetenzen zu entwickeln – etwa vom Junior Scientist bis zum Principal Scientist“, sagt Marie Theres Raberger. Dieses Karrieremodell mit seiner strategischen Ausrichtung bietet dem AIT ein Alleinstellungsmerkmal im internationalen Vergleich. Es ist strukturiert und bietet gleichzeitig viel Flexibilität und die Möglichkeit für Mitarbeiter*innen, neue Kompetenzen in technischer und persönlicher Hinsicht an sich zu entdecken und weiter zu entwickeln. Nicht lineare Karrierewege sind erwünscht:

Das AIT motiviert seine Mitarbeiter*innen, bewusst etwas auszuprobieren, temporär neue Rollen zu übernehmen oder auch aus einer Scientist-Position in eine stärker Business-orientierte Rolle zu wechseln. „Mit unseren darauf abgestimmten Qualifizierungsprogrammen begleiten wir unsere Mitarbeiter*innen dabei“, betont Marie Theres Raberger. Gelebte Vielfalt Auch im Bereich Gender & Diversity nimmt das AIT eine klare Position ein. Ein eigener Code of Conduct weist das AIT als Organisation aus, in der auf Chancengleichheit, Fairness, kommunikative Offenheit, Empowerment und engagierte Partizipation größter

Wert gelegt wird. „Im AIT streben wir den Erfolg durch gemeinsame Nutzung von Wissen, konstruktive Fehlerkultur, positives Arbeitsklima und vor allem die persönliche Entwicklung der Mitarbeiter*innen an“, betont Helmut Leopold, Genderbeauftragter am AIT und Head of Center for Digital Safety & Security. Vielfalt ist ein zentraler Bestandteil der AIT-Unternehmenskultur und stärkt die Position des AIT als Ingenious Partner für die Industrie und die öffentliche Hand. „Wir sehen Vielfalt als Bereicherung für unser Unternehmen und unsere Teams, von der wir alle profitieren. Unsere Mitarbeiter*innen kommen aus unterschiedlichen Disziplinen

„Wir arbeiten an der Forefront der Technologieentwicklung. Das hat eine ungeheure Dynamik und braucht die besten Köpfe.“

Marie Theres Raberger, ­ Recruiting & HR Development 24

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„Wir sehen Vielfalt als Bereicherung für unser Unternehmen und unsere Teams, von der wir alle profitieren.“

Helmut Leopold, Genderbeauftragter und Head of Center for Digital Safety & Security

und Kulturen. Ihre unterschiedlichen Sichtweisen, Erfahrungen und Kompetenzen helfen uns, unsere Forschungsund Geschäftspartner*innen besser zu verstehen und die besten Lösungen für sie zu entwickeln. Die internationalen Erfolge zeigen uns, dass es sich lohnt, Diversität inhärent in der Unternehmenskultur zu integrieren“, ist Leopold überzeugt. Gender Equality als Kernwert Als Österreichs größte Research and Technology Organisation ist die bunte Mischung verschiedenster Geschlechterperspektiven ein wichtiger Baustein des AIT-Erfolgs. „Wir streben für alle Karrieremodelle, Berufswege und Lebensphasen ein ausgewogenes Ver-

hältnis zwischen Frauen und Männern an“, betont Helmut Leopold. So unterstützt das AIT Bewerbungen von Frauen und nimmt an diversen Initiativen teil, um junge Frauen für eine Karriere in den Naturwissenschaften zu begeistern. Mit zielgerichteten Praktika für Studentinnen oder der Förderung von internen und externen Frauennetzwerken werden weitere Schritte gesetzt: „Wir verstehen unsere gesellschaftliche Verantwortung auch darin, die Sichtweise auf die typischen Frauenrollenbilder zu verändern. Dazu gehört es, die beeindruckenden Lebensläufe von Frauen am AIT und die von ihnen erzielten Erfolge in Wissenschaft und Technologie gebührend zu präsentieren.“

Ingenious Partner @ AIT

AIT/Zinner, PicturePeople Austria GmbH (2)

Die optimale Entwicklung von Talenten und Fähigkeiten unserer Mitarbeiter*innen nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Am AIT stehen individuelle Karrierewege in unterschiedlichen Berufsbildern und in mehreren Stufen offen:

Die Vereinbarkeit von Familie und Forschungskarriere wird mit vielschichtigen und flexiblen Arbeitszeitmodellen gefördert. Wobei auch hier individuelle Lösungen möglich sind: „Wie sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen, hängt stark davon ab, in welcher Karrierephase man sich gerade befindet. Aus Erfahrung wissen wir, dass daher auch nicht alle Modelle für alle Mitarbeiter*innen gleich gut passen“, meint Helmut Leopold. Entscheidend ist daher eine Unterstützung bei der Entwicklung der persönlichen Work-Life-Balance: AIT-Mitarbeiter*innen können aus verschiedenen flexiblen Teilzeit- und Telearbeitsmodellen wählen und unabhängig von ihren Arbeitszeiten Schulungsprogramme in Anspruch nehmen. „Wir bieten damit unseren Mitarbeiter*innen die Chance, ihr Arbeitsleben nach ihren individuellen Bedürfnissen zu gestalten und so eine optimale Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu erreichen“, betont Helmut Leopold.

• Management • Research Engineering & Expert Advice • Science • Support • Technical Services Mehr dazu: www.ait.ac.at/karriere/workait/

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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COMMITTED TO EXCELLENCE Aktuelle Scientific Papers zeigen die hohe Forschungskompetenz am AIT.

I. Wanzenböck, M. Neuländtner, T. Scherngell: "Impacts of EU funded R&D networks on the generation of Key Enabling Technologies: Empirical evidence from a regional perspective"; Papers in Regional Science, 99 (2019), 1; S. 3 - 24.

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Die Digitalisierung bewirkt einen vollständigen Paradigmenwechsel der Produktionsund Innovationsoptionen. Unter Digitalisierung versteht man den Einsatz digitaler Technologien, um ein Geschäftsmodell zu verändern und neue Einnahme- und Wertschöpfungsmöglichkeiten zu schaffen. Digitalisierung beschreibt den technologischen Wandel von „analoger Information in ein digitales Format" und ist die Umwandlung von Prozessen, Interaktionen, Kommunikation, Geschäftsfunktionen und Geschäftsmodellen in digitale. Digitale Transformation bezieht sich auf den Prozess organisatorischer und gesellschaftlicher Veränderungen, einschließlich der Fähigkeit, Technologien schnell zu übernehmen, was sich sowohl auf soziale als auch technische Elemente von Geschäftsmodellen, Prozessen, Produkten und der Organisationsstruktur auswirkt.

Bewegungsdaten sind allgegenwärtig. Ob per GPS oder via Mobilfunk, immer mehr Personen, Fahrzeuge und Güter sind anhand ihrer Datenspuren verfolgbar. Explorative Analysen von Bewegungsdaten stellen aufgrund der Heterogenität von Bewegungsdatensätzen und Analyseaufgaben eine erhebliche Herausforderung dar. Es mangelt an etablierten Tools für die explorative Analyse von Bewegungsdaten sowie an Leitfäden für die Umsetzung existierender Bewegungsdatenanalysekonzepte mithilfe allgemein verfügbarer Analysewerkzeuge. Um diese Lücke zu schließen, stellen wir drei Open-Source-Technologiepakete für die explorative Analyse von Bewegungsdaten vor und diskutieren deren Fähigkeiten und Grenzen. A. Graser, M. Dragaschnig: "Open Geospatial Tools for Movement Data Exploration"; KN - Journal of Cartography and Geographic Information, (2020), S. 1 - 8.

M. Hörlesberger: "Innovation management in a digital world"; Journal of Manufacturing Technology Management, 30 (2019), 8; 10 S.

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AIT/Bösendorfer (2), AIT/Zinner

Die Teilnahme an regionsübergreifenden F&E-Netzwerken gilt als zentral für die regionale Innovationskapazität. Die Studie erfasst Netzwerk-Effekte auf die regionale Wissensproduktionsintensität. Dazu wird ein räumliches Regressionsmodell geschätzt, dessen marginale Effekte Aufschluss über Richtung und Intensität der Netzwerk– effekte in verschiedenen Schlüsseltechnologien liefern. Es zeigt sich, dass die im Allgemeinen positiven Netzwerk– effekte sich im Ausmaß – je nach regionsspezifischer Ausstattung an Humankapital und F&E-Investitionen und Technologie-Charakteristika – unterscheiden. Aus FTI-politischer Perspektive interessant scheint, dass für technologisch weniger entwickelte Regionen die Netzwerkeffekte relativ größer sind, als für technologisch höher entwickelte Regionen.


AIT/Lang (2), Privat/Höllbacher

Von der Schlagbohrmaschine bis hin zu komplexen Fahrassistenzsystemen – intelligente mecha– tronische Systeme begleiten uns in unserem täglichen Leben. Für die Entwicklung moderner Regelungskonzepte ist die frühzeitige simulative Verifikation des gesamten Systemverhaltens essenziell, da die Entwicklungszyklen immer kürzer werden und die Qualitäts- und Sicherheitsbewertungen schon vor der Validierung am realen System stattfinden müssen. In diesem Zusammenhang sind Oszillationen häufig ein Maß für unzureichende Stabilität eines geschlossenen (nichtlinearen) Regelkreises. In diesem Beitrag wird gezeigt, wie mithilfe der Empirical Mode Decomposition (EMD) recheneffizient Oszillationen detektiert werden können. Für den geschlossenen Kreis eines mechatronischen Systems wird eine systematische Signalaufbereitung präsentiert und ein normierter Oszillationsindex vorgeschlagen. Den Abschluss bildet die Anwendung der vorgestellten Theorie auf einen komplexen mechatronischen Regelkreis der Robert Bosch GmbH.

Der Einsatz von Ersatzschaltungsmodellen zur Simulation des Betriebsverhaltens von Lithium-Ionen-Batterien ist etabliert. In diesem Manuskript wird eine Methodik zur Ermittlung der erforderlichen, temperaturabhängigen Simulationsparameter aus Batteriemessungen vorgeschlagen. Basierend auf einem spezifischen Laststrom und vorheriger Systemkenntnis analysiert ein Algorithmus die Korrelation zwischen Stromschritten und der gemessenen Klemmenspannung und passt dann mit einer Kombination aus Partikelschwarmoptimierung und Gauss-Newton-Algorithmus die ursprünglich geschätzten Parameter aus dem ersten Algorithmus an die Messdaten an. Schließlich wird die Abhängigkeit jedes Simulationsparameters sowohl vom Ladezustand als auch von der Batterietemperatur bestimmt. Alterungseffekte wurden in diesem Beitrag vernachlässigt. Der generierte Parametersatz ermöglicht es, das Betriebsverhalten der Batterie zu reproduzieren und zu untersuchen.

M. Gurtner, P. Zips, M. Atak, J. Ophey, A. Kugi: “Improved EMD-based Oscillation Detection for Mechatronic Closed-Loop Systems”; IFAC-PapersOnLine, Volume 52, Issue 15, 2019, Pages 370 - 375.

D. Dvorak, T. Bäuml, A. Holzinger, H. Popp: "A Comprehensive Algorithm for Estimating Lithium-Ion Battery Parameters From Measurements"; IEEE Transactions on Sustainable Energy, Volume 9 (2018), 2; S. 771 - 779.

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Monoclininc-Lithium-Vanadium-Phosphat, Li3V2(PO4)3, gilt als potenzielles Kathodenmaterial für die nächste Generation von Hochleistungs-LithiumIonen-Batterien. Die niedrige intrinsische elektronische Leitfähigkeit von Li3V2(PO4)3, die eine vorherrschende Herausforderung für olivinartige Verbindungen darstellt, hemmt aber in kommerziellen Anwendungen. Obwohl die Substitution von V3+ durch andere Kationenarten ein gängiges Verfahren zur Erhöhung der Leitfähigkeit und der elektrochemischen Leistung von Li3V2(PO4)3 ist, sind die zugrunde liegenden Mechanismen für die verbesserten Eigenschaften noch nicht gut verstanden. Wir verwenden einen thermodynamischen Ansatz, um den Einfluss des Dotierstoffs, d.h. Mg2+ sowie von Vakanzen auf der V3+-Stelle, auf die Stabilität der resultierenden Materialien zu untersuchen. Auf Grundlage gemessener partieller molarer Gibbs-Energien, Entropien und Enthalpien der elektrochemischen Reaktion wird eine Diskussion der Sub– stitutionsmechanismen und ihres Einflusses auf die elektrochemische Leistung präsentiert. A. Beutl, D. Cupid: "A thermodynamic investigation on the substitution mechanism of Mg-doped lithium vanadium phosphate"; Electrochimica Acta, 311 (2019), 311; S. 103 - 113.

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N. Winkler, R. A. Wibowo, W. Kautek, G. Ligorio, E. J. W. List-Kratochvil and T. Dimopoulos: “Nanocrystalline Ga2O3 films deposited by spray pyrolysis from water-based solutions on glass and TCO substrates”; Journal of Materials Chemistry C, 2019, 7, 69-77.

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Wien hat das fünftgrößte Straßenbahnnetz der Welt. Zur Instandhaltung dient ein In– spektionsfahrzeug mit optischen Sensoren, das die Schienenköpfe auf Verschleiß scannt. In den letzten Jahren wurde die Instrumentierung um ein Mikrophon erweitert. Die Datenanalyse wurde auch an fahrzeugseitigen Beschleunigungssensoren durchgeführt, die bis dahin nur dem Positionierungssystem der Straßenbahn dienten. Dank vibroakustischer Daten wird das Netz hinsichtlich der Immissions-Hotspots bewertet, an denen der Rad-SchieneKontakt zu Beeinträchtigungen wie Schienenquietschen oder Riffelbildung führen kann. Der Vortrag zeigte Ergebnisse der Forschungsarbeiten zur Erkennung und Klassifizierung von Schienenunregelmäßigkeiten sowie über die laufenden Arbeiten zur Analyse von Weichen. Karoline Alten: "Vibro-Acoustic ­Inspection of Vienna`s Tram ­Network"; Vortrag: WRI EU 2019 - Wheel Rail Interaction Conference EU, Wien; 29.10.2019 31.10.2019 (Vortrag).

Netzwerke und Computersysteme sind ständig ein Ziel von Cyber-Bedrohungen. Forensische System-Logdaten zeichnen fast alle auftretenden Ereignisse auf und eignen sich zur Erkennung von Cyberangriffen. Bei System-Logdaten handelt es sich jedoch um unstrukturierte Daten, die in großen Mengen erzeugt werden und komplexe inhärente Abhängigkeiten enthalten. Dementsprechend übersteigt die eingehende Analyse von Logdaten leicht die kognitiven Fähigkeiten von Menschen. Aus diesem Grund setzen Cyber-Sicherheitsexperten Clustering-Methoden aus dem maschinellen Lernen ein, um große Mengen von Logs zu repräsentativen Gruppen zu aggregieren und Muster abzuleiten, die komplexe Ereignisbeziehungen beschreiben. Unsere Studie überprüft bestehende Ansätze und diskutiert Ähnlichkeiten und Vorteile ausgewählter Merkmale. Das Paper bietet eine Einführung in die Log-Analyse für die Cyber-Sicherheit und dient als Nachschlagewerk für zukünftige Anwendungen des System-Log-Clustering. M. Landauer, F. Skopik, M. Wurzenberger, A. Rauber: „System log ­clustering approaches for cyber security applications: A survey“; Computers & Security, Volume 92, May 2020.

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AIT, Karoline Alten

Metalloxid-Halbleiter sind für die Energieumwandlung und -speicherung von großer Bedeutung. Ihre Multifunktionalität beruht auf ihren vielfältigen elektronischen und strukturellen Eigenschaften. Sie werden als transparente Elektroden oder Photonenabsorber in der Photovoltaik und Optoelektronik sowie als Katalysatoren für die elektrolytische Wasserspaltung eingesetzt. Am AIT entwickeln wir Metalloxide, die ein hohes Potenzial für Energieanwendungen aufweisen und auf skalierbaren, umweltfreundlichen Herstellungsprozessen basieren. Diese Publikation berichtet über die Herstellung von Galliumoxid mittels Sprühpyrolyse, einem kostengünstigen nasschemischen Verfahren. Im Gegensatz zum Stand der Technik, verwendet unser Ansatz wasserbasierte Lösungen und eine verringerte Abscheidungstemperatur, was die industrielle Produktion erleichtert.


AIT/Wolf, AIT

„Smart Home" ist ein stark technologiegetriebener Bereich. Es besteht eine beträchtliche Lücke bei der Gestaltung auf der Grundlage eines alltäglichen häuslichen Kontexts und der sozialen und emotionalen Natur des Heims. Wir identifzieren Hebelpunkte und Funktionalitäten für Energieeffizienz und intelligente Steuerung in drei Stufen mit Hilfe kultureller Sondierung, partizipativer Design-Fiktion und Fokusgruppen. Auf Grundlage empirischer, realer Nutzerdaten stellen wir Merkmale und Systemerwartungen vor, die diesem facettenreichen Gesamtbild Rechnung tragen. Das Paper berät den Designprozess zukünftiger Smart-Home-Lösungen. Wir weisen auf mehrere Designdimensionen – Zeit, Raum, Beziehungen, individuelle Faktoren und Werte – hin, die ein Design für eine Heterogenität von Nutzern und Situationen ermöglichen. Zweitens leiten wir spezifische Designziele ab, um die Richtungen des Designs von Smart Home-Systemen aufzuzeigen: Design für Kontrolle, geringer Aufwand, Integration, Entwicklungsfähigkeit, Identität, Geselligkeit und Nutzen. M. Reisinger, S. Prost, J. Schrammel, P. Fröhlich: "User Requirements for the Design of Smart Homes: Dimensions and Goals"; "Ambient Intelligence“, Springer International Publishing.

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Bildverarbeitende Systeme werden für unterschiedlichste Aufgaben bei autonomen Straßenfahrzeugen eingesetzt. In diesem Paper stellen wir RailSem19 vor, den ersten öffentlichen Datensatz für semantisches Szenenverständnis für Züge und Straßenbahnen. Der Datensatz besteht aus 8.500 annotierten kurzen Sequenzen aus Zug-Per– spektive mit über 1.000 Ausschnitten von Bahnübergängen und 1.200 Straßenbahnszenen. Dazu entwickelten wir eine neue Annotierungs-Vorschrift. Diese ist auf schienenrelevante Labels fokussiert, die nicht in anderen Datensätzen vorkommen. Zusätzlich zu den manuellen Annotierungen in geometrischer Form stellen wir dichte semantische Labels per Pixel zur Verfügung. Wir präsentieren Prototypen zur bildbasierten Klassifizierung von Zügen, Weichen, Weichenstellungen, Plattformen, Prellböcken, Schienenverkehrszeichen und Signalanlagen. Weiters wurde ein Prototyp für dichtes semantisches Szenenverständnis von Schienenszenen mittels maschinellem Lernen erstellt. O. Zendel, M. Murschitz, M. Zeilinger, D. Steininger, S. Abbasi, C. Beleznai: "RailSem19: A Dataset for Semantic Rail Scene Understanding"; Poster: CVPR 2019 Workshops, Long Beach, California; 16.06.2019 - 20.06.2019; in: "CVPR 2019", CVPR, (2019), 9 S.

Systeme, die auf die Zellmanipulation durch elektrische Felder ausgerichtet sind, werden durch Energiedissipation entlang der Elektroden-Elektrolyt-Grenzfläche inhärent herausgefordert. Eine vielversprechende Abhilfe ist die Einführung einer Elektrodenbeschichtung mit hoher Dielektrizitätskonstante, die eine effiziente, kapazitive Kopplung elektrischer Felder in biologische Proben ermöglicht. Wir stellen diese Strategie in einem wiederverwendbaren Pipettenspitzendesign mit einem Kammervolumen von 10 μl für biowissenschaftliche Anwendungen vor. Die Validierung von Prototypen und der Vergleich mit leitfähigen goldbeschichteten Elektroden zeigen einen konsistenten und kontrollierbaren biologischen Effekt, der die Reproduzierbarkeit von Lyse- Ereignissen deutlich erhöht. Das System liefert präzise Beschreibungen der Humanen Endothelzell-Lyse in Abhängigkeit von Feldstärke, Frequenz und Leitfähigkeit. Über 80 % der Zellen wurden bei minimaler elektrischer Lyse über einen breiten Bereich von Feldeinstellungen reversibel elektroporiert. T. Wimberger, J. R. Peham, E.-K. Ehmoser and K. J. Wassermann: „Controllable cell manipulation in a microfluidic pipette-tip design using capacitive coupling of electric fields”; Lab on a Chip 2019.

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VOR DEN VORHANG Die Forschungsleistungen der AIT-Expert*innen für unsere Kunden und Partner finden international große Anerkennung. Das belegen zahlreiche Awards und Auszeichnungen. Das trägt auch dazu bei, dass das AIT in großen multilateralen Projekten ein erster Ansprechpartner ist.

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HERMES 2019 Verkehrs.Logistik Preis für AIT-Projekt Das von der Stadt Graz eingereichte und vom AIT geleitete Projekt „GrazLog“ erhielt den HERMES 2019 Verkehrs.Logistik Preis in der Kategorie Nachhaltigkeit. AIT-Projektleiter Martin Reinthaler: „Der HERMES Verkehrs.Logistik Preis ist eine tolle Auszeichnung für unser Projekt und zeigt, dass unsere Arbeit für eine effiziente und nachhaltige City-Logistik sehr wertvoll ist.“ Im Mittelpunkt von GrazLog stehen kooperativ genutzte innerstädtische Logistik-Hubs. Installiert wird ein städtisches Logistikzentrum, ein sogenannter City Hub, in dem die Anlieferung und Manipulation von Waren sowie Abholung von Retouren in einem abgewickelt werden.

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AIT/Boesenkopf, VCO/Matthaeus Schmid

Gastprofessur in Paris Matthias Weber, Head of Center for Innovation Systems and Policy (Mitte, mit Martina Neuländtner und Christoph Brodnik), wurde zum 1. November 2019 für zunächst drei Jahre als Visiting Professor an das Laboratoire Interdisciplinaire Science, Innovation et Societé (LISIS) der Universität Paris Est Marne-la-Vallée (UPEM) berufen. Ein Ziel ist hier u. a. der weitere Ausbau der Europäischen Forschungsinfrastruktur RISIS (Research Infrastructure for Science and Innovation Policy Studies), aber auch die Weiterentwicklung von Konzepten für eine transformative Innovationspolitik. Webers Gastprofessur ist Teil des französischen ­Exzellenz- und Zukunftsinvestitionsprogramms zur Profilbildung von Universitätsverbünden. Es unterstützt die Fusion von UPEM mit fünf weiteren Universitäten im Südosten von Paris zur neuen Université Gustave Eiffel zum 1.1.2020. Diese zählt zur neuen ­Generation von französischen Universitäten, die gezielt interdisziplinäre thematische Schwerpunkte mit internationaler Sichtbarkeit aufbauen. Im Falle der Université Gustave Eiffel sind dies die Bereiche „Innovation“ und „Urban Transformation“. Mittelfristig ist eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit ­zwischen LISIS und dem AIT Center for Innovation Systems and Policy geplant.

VCÖ-Mobilitätspreis 2019 für Autonomous Ticketing Markus Ray, Leiter der Competence Unit Dynamic Transportation Systems am AIT Center for Mobility Systems, übernahm im Rahmen einer feierlichen Gala im Wiener Odeon Theater im Namen seines gesamten Teams den VCÖ-Mobilitätspreis 2019 in der Kategorie „Digitalisierung“: Gewonnen hat die Einreichung zum Thema „Autonomous Ticketing der nächsten Generation“. Mit der Technologie MODE legt das AIT die Grundlage für ein zukünftiges Smartphone-basiertes Ticketingsystem für den öffentlichen Verkehr. Autonomous Ticketing funktioniert über die zuverlässige Erhebung der Fahrtroute, der Umsteigepunkte und der benutzten Verkehrsmittel. Zusätzliche betreiberseitige Infrastruktur oder aktive Nutzer*innen-Interaktion sind somit hinfällig.


Hohe Würdigung für AIT-Team Der Förderpreis der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® für Sport und nicht-medikamentöse Therapie bei Bluthochdruck ging an die AIT-Forscher Martin Bachler (Bild) und Siegfried Wassertheurer zusammen mit ihren deutschen Kollegen Walter Sehnert und Thomas Mengden für ihre Arbeit „Non-Invasive Quantification of the Effect of Device-Guided Slow Breathing with Direct Feedback to the Patient to Reduce Blood Pressure“.

AIT-Forscherin unter weltweit Meist-Zitierten Angela Sessitsch, Head of Competence Unit Bio– resources, wurde das zweite Jahr in Folge als eine der weltweit am häufigsten zitierten Forschenden gelistet. Für die Analyse des Datenkonzerns Clarivate Analytics wurden wissenschaftliche Arbeiten herangezogen, die zwischen 2008 und 2018 veröffentlicht und zitiert wurden. Unter den 6.216 gelisteten Wissenschaftler*innen forschen 44 Personen teilweise in Österreich. Neben ihrer Tätigkeit beim AIT ist Angela Sessitsch Vizepräsidentin der ÖGMBT - Austrian Association of Molecular Life Sciences and Biotechnology und unterrichtet an der Universität für Bodenkultur in Wien.

AIT/Lang, AIT/Zinner, Thomas Teskey

Preis für beste Dissertation Johannes Österreicher, Scientist am LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen, gewann den ersten Preis bei der PhD competition 2019 der International Society for Stereology and Image Analysis (ISSIA). Stereologie ist die räumliche Interpretation von Schnitten. In seiner Doktorarbeit „Characteri– zation of Al-Mg-Si Alloys for Automotive Safety Parts“ beschäftigte sich Österreicher mit der quantitativen Rasterelektronenmikroskopie nanoskaliger Teilchen, welche in festen Medien verteilt sind.

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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Neue Wege in der Cybersicherheit von Fahrzeugen Das AIT konnte beim eAward mehrfache Auszeichnungen erringen. So erhielten der österreichische Spezialist für modellbasierte Systementwicklung LieberLieber Software und das AIT den Preis für das neue Cyber-Security-Management-­System THREATGET. Mit der Einführung der neuen Europäischen Sicherheitsrichtlinie nach ECE Level wird Fahrzeugherstellern für die Zulassung ihrer Produkte vorgeschrieben, die Cybersicherheit ihrer Fahrzeug­systeme nachweislich zu überprüfen. Mit THREATGET wird „Security by Design“ Realität. Entwickler*innen erhalten damit ein Tool zur Hand, um Bedrohungen bereits während der Designphase neuer Systeme frühzeitig zu e ­ rkennen und die damit einhergehenden Risiken rasch abschätzen zu können.

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Best Poster Award für Konzept zur Energieeffizienz Mit dem Poster Award hat das AIT in den vergangenen zehn Jahren knapp 200 junge Talente gefördert. Der AIT Poster Award wird durch das Know-how der Partner tecnet und accent maßgeblich unterstützt. Die Gewinnerin des Poster Awards 2019 ist Ksenia Poplavskaya aus dem AIT Center for Energy mit ihrer Arbeit „inteGREATER: Integrate Congestion Management and Markets for Greater System Efficiency“. Poplavskaya erklärt, wie ein Netzwerkengpass im Energiesystem höhere Netzkosten und folglich höhere Netztarife verursacht. Um dieses Problem zu lösen, hat Poplavskaya einen Software-Algorithmus entwickelt, der den Energiemarkt und die Übertragungsnetze integriert und tagesaktuell die Entscheidungsfindung von Übertragungsnetzbetreibern ermöglicht. Die Energiemarktdynamik mit den verfügbaren Netzkapazitäten kann so optimal genutzt, Engpassmanagementkosten eingespart und so tatsächlich mehr Erneuerbare integriert werden. Den 2. Platz errang Sophie Knöttner aus dem Center for Energy mit ihrem Poster zu „Optimized Energy System Operation – A Contribution to Industry 4.0“. Mit ihren Überlegungen zur Optimierung von Energienutzung in der Industrie sollen Energiekosten und Umweltbelastung gesenkt sowie höhere Flexibilität der Stromversorgung und zunehmende Etablierung von erneuerbarer Energie gewährleistet werden. Platz 3 ging an Patrik Aspermair aus der Competence Unit BioSensor Technologies für „Smell Sensing 4.0: Organic Semiconductors for Biosensing“. Er befasst sich mit der Frage: „Wie können wir Geruch digital erfassen? und stellt Ansätze dar, die den Geruchssinn technologisch erfassen. Ziele sind etwa die automatische Erkennung von verdorbenem Essen in Supermärkten und die frühzeitige Entdeckung von Krankheiten in der Tierhaltung.

AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY

www.einstellungssache.at, AIT/Husar

Katastrophenschutz-Lösung erhielt eAWARD 2020 In der Kategorie „E-Government“ erhielt das AIT den eAward für die Realisierung des sogenannten P ­ ublic Safety Hub (PSH), der gemeinsam mit der Fachabteilung Katastrophenschutz und Landesverteidigung im Amt der Steiermärkischen Landesregierung entwickelt wurde. Vor dem Hintergrund, dass im Bereich des Krisen- und Katastrophenmanagement über die letzten Jahrzehnte IT-„Insellösungen“ in ­unterschiedlichen Organisationen entstanden sind, die einen Austausch zwischen den verschiedenen IT-Systemen erschweren, ermöglicht der PSH erstmals ­einen nahtlosen Informationsaustausch von sowohl militärischen als auch zivilen IT-Systemen. Dadurch befähigt der PSH die verantwortlichen Akteure zu ­verbesserter Einsatzplanung und schnellerer Hilfe im Krisenfall.


Staatspreis Mobilität 2019 für COMPAS Der Staatspreis ist die höchste Auszeichnung, die das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) an österreichische Unternehmen und Institutionen verleiht. Das Projekt COMPAS wurde mit dem Staatspreis Mobilität 2019 in der Kategorie „Forschen. Entwickeln. Neue Wege weisen." ausgezeichnet. COMPAS wurde vom AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit den Partnern Bombardier Transportation Austria GmbH und Mission Embedded GmbH eingereicht. Im Forschungsprojekt COMPAS werden neue wissenschaftliche Ansätze und rasche Innovationszyklen eingesetzt, um mithilfe bildgebender Systeme die Fahrsicherheit von Straßenbahnen wesentlich zu erhöhen. Ziel der gemeinsamen Initiative von österreichischer Forschung und Industrie ist eine „intelligente Straßenbahn“, welche laufend ihre Umgebung erfasst und analysiert und so Straßenbahn-Fahrer*innen für optimale Fahrsicherheit unterstützt.

Simone Kriglstein erhält Honourable Mention Award Simone Kriglstein vom Center for Technology Experience wurde im Rahmen der CHI-Konferenz mit einem Honourable Mention Award für ihr Paper „See, Feel, Move – Player Behaviour Analysis through Combined Visualization of Gaze, Emotions, and Movement“ ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis gemeinsam mit Daniel Kepplinger, G ­ ünter Wallner und Michael Lankes. Kriglstein forscht u. a. zu den Themen Mensch-Computer-Interaktion und Game Experience. Besonders der Bereich Gaming bzw. das Thema Gamification wird für die Competence Unit ­E xperience Business Transformation immer spannender – da es sich einerseits in den letzten ­Jahren um einen starken Wachstumsmarkt (mehr als 40 Mrd. Dollar im Jahr 2018) handelt und andererseits Erfahrungen aus dem Gaming Markt bzw. von Gamification-Mechaniken für andere Bereiche genutzt werden können (u. a. B2B- Platt– formen oder Kundenloyalitätsmaß­nahmen).

Privat, Create Connections, BMK/Husar

AIT-Forscher gewinnt 5G Red Arrow Award Auf dem Infrastruktursymposium 2019 der Future Business Austria erhielt Thomas Zemen den „Red Arrow 2019“. Die Funktechnologie 5G ist ein zentrales Thema für die Infrastruktur sowie die Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes Österreich. Das AIT arbeitet daher z. B. im Bereich autonomer und vernetzter Fahrzeuge mit Nokia und AVL im BMK-Forschungsprojekt MARCONI (Programm „IKT der Zukunft“) an der Entwicklung spezieller 5G-basierter Mehrfachantennen-Systeme.

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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TOMORROW TODAY Unsere Partner und Kunden profitieren von den Tagungen und Konferenzen, die das AIT (mit)organisiert und veranstaltet. So gelingt es, bei F&E-Themen den Wissensvorsprung auszubauen.

Wie Startups ticken Wo werden die meisten Startups gegründet? Wie werden sie finanziert? Wie setzt sich das Startup- Ökosystem in Österreich zusammen? Diese Fragen und viele mehr werden im Austrian Startup Monitor 2019 beantwortet. „Mit dem Austrian Startup Monitor werden Informationen zur Entwicklung österreichischer Startups erfasst und kontinuierlich analysiert“ so AIT-­ Projektleiter Karl-Heinz Leitner. Dazu werden Startups identifiziert und im Rahmen jährlicher ­Online-Surveys zum österreichischen Startup-­ Ökosystem und zu ihren Perspektiven befragt. Die Ergebnisse der Befragungen sind die z­ entrale Basis für die Erstellung des Austrian Startup ­Monitor 2018 und 2019. Am 20. Februar 2020 wurde die ­aktuelle Studie im Bundesministerium für ­Digitalisierung und Wirtschaft präsentiert, eröffnet wurde die Veranstaltung von Bundesministerin Margarete Schramböck.

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AustrianStartups, BOAnet

International Sustainability Transitions Conference Das AIT organisiert gemeinsam mit der WU Wien die 11. International Sustainability Transitions Conference. Diese findet aufgrund von COVID-19 zwischen 18.–21. August online statt. Die Konferenz setzt sich aus einer interdisziplinären Perspektive mit den ­Ursachen und strukturellen H ­ erausforderungen einer Transformation zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell auseinander. Internationale ­Forscher*innen, Praktiker*innen und andere Stakeholder diskutieren den Entwurf und die Umsetzung einer transformativen Steuerung und Politik für den systemischen Wandel. Auf diese Weise wird #IST2020_Vienna eine ausgezeichnete Gelegenheit für einen anregenden Austausch zwischen internationaler Wissenschaft und lokaler Praxis bieten.

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Gilbert Novy, AIT/Zinner

Klimafreundliche Mobilität der Zukunft Bereits zum 4. Mal fand im November 2019 der von der Technologie-Newsplattform futurezone.at organisierte futurezone Day statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Klimakrise und die Frage, wie Technologie dabei helfen kann, diese zu überwinden. Im Rahmen des vom AIT präsentierten Panels „Nachhaltige Mobilität der Zukunft“ diskutierte Arno Klamminger, Head of Center for Mobility Systems, mit Sabine Kühschelm (BMK), Bernd Datler (ASFINAG), Peter Malanik (Österreichischer Luftfahrtverband) und Wolfgang Grausenburger (Österreichische Post AG) über Trends und Herausforderungen im M ­ obilitätssystem. Das AIT hostete auch die Awardverleihung in der Kategorie ­„Mobilität" (Bild links).

Cybersecurity Innovation Challenge am AIT Im Dezember 2019 fand der Internationale Hackathon der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des digitalen Terrorismus am AIT Austrian Institute of Technology in Wien statt. Das Motto lautete „Countering Digital Terrorism“. Organisiert wurde die Veranstaltung vom United Nations Counter-Terrorism Centre (UNCCT) des United Nations Office of Counter-Terrorism (UNOCT), dem United Nations Office of Information Communication and Technology (OICT) und dem AIT Austrian Institute of Technology. Ziel der Innovation Challenge war es, das Bewusstsein der jungen ­Menschen für digitale terroristische Bedrohungen zu schärfen und sie für die Suche nach innovativen Lösungen gegen diese Bedrohungen zu motivieren. Die Finalistenteams wurden aus insgesamt 60 Teams ausgewählt, die im Zuge einer Ausschreibung Ideen eingereicht hatten. Host der Cybersecurity Innovation Challenge war das AIT, das mit dem Center for Digital Safety & Security einen starken Forschungsschwerpunkt im Bereich der digitalen Sicherheit besitzt. Anton Plimon, Managing Director des AIT, betonte die wichtige Bedeutung eines „weltweit funktionierenden digitalen Data Space“.

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Workshop von IAEA und AIT zu Cybersecurity Gemeinsam mit Vertreter*innen der IAEA ­veranstaltete das AIT zum zweiten Mal ein ­spezielles Computersicherheitstraining am AIT. Der Kursinhalt, der vom AIT Center for Digital ­S afety & Security mitgestaltet wurde, baut auf wichtigen IAEA-Anleitungen zur Computersicherheit in ­Nuklearanlagen auf, wobei die Teilnehmer*innen mehrere praktische Übungen mit repräsentativen industriellen Kontrollsystemen und physischen Schutzausrüstungen absolvieren, die in dieser Art von Umgebung zu finden sind. Themen sind u. a. das Verständnis der Art der Cyber-Bedrohung, die Anwendung eines abgestuften Ansatzes für die Computersicherheit und die Implementierung von Sicherheit unter Verwendung von „Defencein-Depth". Der Kursinhalt zeichnet sich durch eine starke praktische Komponente aus: Die Teilnehmer*innen absolvieren Übungen mit repräsentativen industriellen Kontrollsystemen und physischen Schutzausrüstungen, die in kerntechnischen Anlagen zu finden sind. Zusätzlich gibt es Übungen zur Analyse des Netzwerkverkehrs und zum ­Management von Sicherheitsereignissen.

AIT

International Digital Security Forum (IDSF) Vienna Wien hat sich in den letzten Jahren als Hotspot für das Thema Digital Security entwickelt. Das International Digital Security Forum (IDSF) ­V ienna vom 2.-4. Dezember 2020 befasst sich mit dem innovativen Charakter und den Risiken n ­ euer ­digitaler Technologien, indem es ihren Gebrauch durch bösartige Akteure ebenso untersucht wie ihr Potenzial für den Aufbau einer widerstands­ fähigeren und sichereren Welt. Ziel der Konferenz ist es u. a., Partnerschaften aufzubauen, die mit den Herausforderungen der D ­ igitalisierung Schritt h ­ alten und die Folgen des technologischen ­Umbruchs im Einklang mit unseren Vorstellungen von einer guten und zukunftsfähigen Gesellschaft kanalisieren kann.

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AIT/Matthias Silveri, AIT/Gneiger

AIT Digi-Network gestartet Das AIT Center for Technology Experience widmete sich am 13. Februar 2020 im Rahmen des ersten Digi-Networks den zukünftigen Herausforderungen, denen sich Digitalisierungs-Manager*innen stellen müssen. Gemeinsam mit Manger*innen aus unterschiedlichsten Branchen betrachtete Markus Murtinger (Head of Competence Unit Experience Business Transformation) Experience-Themen aus verschiedenen Blickwinkeln. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Trends und Potenziale zu erkennen, gemeinsam zu diskutieren und mögliche Lösungen für die digitale Zukunft zu entwickeln. Das erste AIT Digi-Network befasste sich mit den Themen Law und Experience im Konnex mit digitalen Erlebnissen und der Gestaltung von Prozessen.

LKR produzierte „Foto Challenge Awards“ im 3D-Druck Gemeinsam mit der Prager Fotoschule veranstaltete die Upper Austrian Research GmbH (UAR) im September 2019 erstmalig den Fotowettbewerb „FOTO CHALLENGE 2019“. Unter dem Motto „OÖ Forschung im Bild“ holte sie die herausragenden Forschungsleistungen in Oberösterreich vor den Vorhang und gab aufschlussreiche Einblicke in die Welt der Wissenschaft. Als langjähriger Netzwerkpartner und Forschungseinrichtung in OÖ beteiligte sich das LKR Leichtmetallkompetenzzentrum aktiv an dieser Kampagne. Die von den Fotograf*innen eingereichten Fotos wurden durch eine Fachjury aus der Forschung, eine Kreativjury und das Publikum bei der Preisverleihung bewertet. Die Fachjury wählte jeweils das beste Foto in den 3 Forschungsfeldern Digitalisierung, Industrielle Produktion und Mobilität & Logistik aus. Die langjährige LKR-Forscherin Maria Kühlein war eines von drei FachjuryMitgliedern. Für die Produktion der Sieger-Awards griff die UAR auf OÖ Kompetenzen im Bereich Wire-AM (wire+arc additive manufacturing) zurück: Im neu errichteten Additive Manufacturing Laboratory am LKR wurden die Awards hergestellt.

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CENTER FOR MOBILITY SYSTEMS

Mobilitätssysteme unterliegen grundlegenden Veränderungen. Ausschlaggebend dafür sind neben dem rasanten technologischen Fortschritt vor allem urbanes Wachstum und demographische Entwicklung, klar definierte ökologische Ziele sowie Veränderungen in der Arbeitswelt. Trends wie die Sharing Economy und der Wunsch nach einer sozial gerechten, sicheren und barrierefreien Mobilität für alle werden künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklungen erfor38

dern ganz neue Wege und Denkansätze in der Mobilität. Das Nebeneinander von Personenmobilität, Gütertransport und zugehöriger Verkehrsinfrastruktur wird immer mehr durch ein Zusammenspiel von bestehenden und zukünftigen Technologien und Stakeholdern abgelöst. Gleichzeitig soll das Mobilitätssystem den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Am AIT Center for Mobility Systems sind mehr als 100 hochqualifizierte und spezialisierte internationale Expert*innen

tätig. Unser interdisziplinäres Team forscht und entwickelt in den Themenfeldern Mobilitätsdatenerhebung und -analyse, Personenstromanalysen und Impact Assessment, Mobilitätsverhaltensforschung, Verkehrsplanung, Simulation und Vorhersagemodelle, Baudynamik und Akustik, Verkehrssicherheit, Verkehrsinfrastruktur sowie Logistik und Transportoptimierung. Entwicklungen und Trends wie Mobility as a Service, Synchromodalität, Automated Driving, Physical Internet oder AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY

AIT, AIT/Zinner

Mobilität ist ein Fundament unserer Gesellschaft. Die Expert*innen des Centers for Mobility Systems entwickeln effiziente, sichere und umweltfreundliche Lösungen für die Personenmobilität, den Gütertransport und die zugehörige Verkehrsinfrastruktur.


Intelligente Straßen bringen Herausforderungen mit sich. Verkehrssicherheit und Unfallforschung Verkehrssicherheit im gesamten Straßennetz ist ein vorrangiges Ziel der Straßenbetreiber. Diese stehen vor großen Herausforderungen, insbesondere weil bestimmte Verkehrssituationen wegen Verschiebungen im Modal Split immer komplexer werden und es folglich zu größeren Veränderungen in der anteiligen Nutzung des Straßenraums kommt. Vermehrte Interaktionen zwischen ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen und dem motorisierten Verkehr sowie die Anwendung neuer Technologien in allen Verkehrsmodi erfordern neue Sicherheitskonzepte und -strategien. Am AIT werden Analyse- und Simulationstools entwickelt, die Straßenzustandsdaten und Trassierungsparameter mit Unfalldaten kombinieren und eine zuverlässige Risikobewertung für bestehende und geplante Straßen erstellen. Mit diesen Messdaten können Straßen virtuell und realistisch modelliert, Straßennetze mit ihren potenziellen Gefahrenstellen mithilfe von Algorithmen numerisch abgebildet und komplexe Beziehungen zwischen Straße und Fahrzeug simuliert und untersucht werden. Lärmschutz: Reliable and Silent Transport Infrastructure Ein funktionierendes Transportsystem ist das Rückgrat der Wirtschaft

und des sozialen Lebens. Verkehr wirkt sich aber auch negativ auf die Umwelt aus, etwa durch Lärm, Erschütterungen oder Luftschadstoffe. Die Akustikexpert*innen des Centers for Mobility Systems verbinden hochgenaue Schallmessungen vor Ort mit Simulationen und Analysen, um verkehrsbedingte Lärmemissionen numerisch zu erfassen. Die Erkenntnisse aus Messungen, Simulationen und Modellierungen bilden die Basis für neue Technologien wie lärmarme Fahrbahnbeläge. Zudem unterstützen wir Hersteller in der Entwicklung und Optimierung von Infrastrukturkomponenten wie z. B. Lärmschutzwände für Straße und Schiene. Durch enge Zusammenarbeit mit Infrastrukturbetreibern werden Problemstellen in der Infrastruktur identifiziert und eine effizientere Umsetzung von hochwirksamen Lärmschutzmaßnahmen entlang besonders belasteter Strecken sichergestellt. Das AIT verwendet dabei maßgeschneiderte Verfahren, die vom Einsatz modernster Messtechnologie über die Entwicklung neuer Simulationsmethoden bis hin zur Berücksichtigung des subjektiven Lärmempfindens reichen. Unter anderem werden psychoakustische Modelle und Methoden in der Datenanalyse angewandt. Nachhaltige Mobilität durch Einsatz des Suffizienz-Prinzips Das Suffizienz-Prinzip verfolgt das Ziel einer ressourcenschonenden Lebensweise. Es fordert die Einschränkung des Ressourcenverbrauchs auf

ein „ausreichendes“ Maß und orientiert sich dabei an den natürlichen Grenzen. Suffizienz stellt daher auf eine Änderung des menschlichen Mobilitätsverhaltens ab. Maßnahmen nach dem Suffizienz-Prinzip sind gesellschaftlich mitunter schwer umzusetzen, da sie einen Verzicht bzw. die Änderung von Konsummustern bedingen. Andererseits erfährt Suffizienz vor dem Hintergrund der Klimadiskussion zunehmend auch eine positive Bewertung, da sie auf eine verantwortungsbewusste Ressourcennutzung abzielt. Ein individuelles Mobilitätskonto zum Beispiel könnte für jede Person die maximal verträgliche Menge an Emissionen anzeigen, die in einem gewissen Zeitraum „verbraucht" werden kann. Im Rahmen des Sondierungsprojekts „mobalance“ wurden Merkmale und Einsatzmöglichkeiten eines solchen Mobilitätskontos im österreichischen Kontext erarbeitet. Denn jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass technologische Lösungen einen wertvollen Beitrag leisten – aber bei weitem nicht ausreichend schnell und effektiv umgesetzt werden können, um die erforderlichen Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen. Dazu braucht es wirksame Maßnahmen, die ein maßvolleres Mobilitätsverhalten der Bevölkerung in Kombination mit Technologien unterstützen.

„Als Partner für Industrie und Gesellschaft entwickeln wir Lösungen für die Mobilität der Zukunft.“ Arno Klamminger, Head of Center for Mobility Systems PROFILE UND HIGHLIGHTS

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CENTER FOR DIGITAL SAFETY & SECURITY Am Center for Digital Safety & Security werden die Sicherheitstechnologien der Zukunft entwickelt: Neben innovativen Verschlüsselungsmethoden, Blockchain-Verfahren und Tools für den Katastrophenschutz wird auch an Quantentechnologien gearbeitet.

Im Center for Digital Safety & Security arbeiten über 200 Expert*innen an modernsten Informations- und Kommunikationstechnologien, um zukunftsweisende Lösungen im Kontext der umfassenden Digitalisierung und globalen Vernetzung unsere Systeme hochsicher und zuverlässig bauen sowie benutzen zu können. Starker Fokus auf Datenschutz und Privacy Der Schutz von Daten und die Wahrung der Privatsphäre sind nicht nur essen40

ziell für eine moderne Gesellschaft, sie stellen auch eine wesentlichen Kernkompetenz der AIT-Forschungsleistungen dar. So trägt das Center dazu bei, eine grundlegende Vertrauensbasis für eine kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen. Mit seiner Expertise in der Entwicklung von Methoden, Architekturen und Technologien leistet das Center for Digital Safety & Security einen wichtigen Beitrag, um durch Privacy by Design Ansätze einen höchstmöglichen Schutz von Daten in

Modernste Kryptographie-Methoden (Post Quantum Encryption) Über das vergangene Jahrzehnt hat sich das AIT international einen hervorragenden Ruf als Spezialist für Quantentechnologien und als Koordinator großer europäischer Projekte erworben. So unterzeichnete im Frühjahr 2020 Magnus Brunner, Staatssekretär im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) in Brüssel die „Europäische Quantum Communication Infrastructure Initiative“ („EuroQCI Declaration“). In dieser bekräftigen 24 EU-Mitgliedsländer die Absicht, in den nächsten 10 Jahren einen europäischen Cyber-Schutzschild auf Basis einer Quantenkommunikations-Infrastruktur zu errichten. Unter dem Titel „Open European Quantum Key Distribution Testbed“ (OPENQKD) leitet das AIT bereits seit September 2019 das erste europäische Pilotprojekt im Rahmen der EuroQCI-Initiative, das sich mit der Realisierung eines sicheren vernetzten Europas durch Quantenverschlüsselung beschäftigt. Gleichzeitig ist das AIT international führend in der Entwicklung von „Quantum-Computer Safe“-Technologien – also von Verschlüsselungsverfahren, die auch nach der Verfügbarkeit von Quantencomputern nicht entschlüsAIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY

GettyImages/Marco Piunti, GettyImages/NicoElNino, www.einstellungssache.at

technischen Lösungen grundlegend zu berücksichtigen und einzubauen.


„Sicherheit ist für das AIT ein Begriff, der sich über viele Lebens- und Wirtschaftsbereiche ausdehnen lässt.“

Helmut Leopold, Head of Center for Digital Safety & Security

PicturePeople Austria GmbH

selt werden können. Diese Kompetenz kommt z. B. beim „Quantum Flagship“ zum Tragen: Das Programm ist eine der EU-Initiativen, wurde 2018 mit einem Zeitrahmen von 10 Jahren und einem Fördervolumen von 1 Milliarde Euro gestartet und soll etwa die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen europäischen QuantentechnologieIndustrie und die Etablierung Europas als dynamische und attraktive Region für Quantenforschung forcieren. Mit seiner Highend-Kompetenz in den Bereichen Verschlüsselung, Quantentechnologie sowie Sichere Datenspeicherung (Cloud/Encryption) leistet das AIT Center for Digital Safety and Security somit einen maßgeblichen Beitrag zur technologischen Unabhängigkeit Europas und Österreichs. Artificial Intelligence @ AIT Auch das wesentliche Zukunftsfeld der Artificial Intelligence (AI) wird im AIT bereits heute auf unterschiedlichsten Ebenen Realität. Ob automatisiertes Fahren, Robotik, Industrie 4.0, Energie, öffentliche Sicherheit, Krisen- und Katastrophenmanagement, Cyber Security oder Anwendungen in Branchen wie Banken, Versicherungen und Rechtsanwälten, im Sozial-, Gesundheits- oder Bildungsbereich – die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Das Center for Digital Safety & Security besitzt umfassende Kernkompetenz für Data Science und AI und PROFILE UND HIGHLIGHTS

arbeitet an der Entwicklung modernster AI-basierter Services und Lösungen, die sich in Anwendungsgebieten wie Monitoring (z. B. im Bereich Cyber Security), wo in Echtzeit große Datenmengen analysiert und Muster sowie Abweichungen festgestellt werden können, manifestieren. Durch Einsatz selbstlernender Modelle eignen sich AI-Systeme auch gezielt für das Auffinden und Extrahieren von relevanten Informationen aus großen Datenmengen (Data Mining) und die Deutung von festgestellten, abstrakten Mustern. Von ganz zentraler Bedeutung ist das Interpretationsvermögen von AI-Systemen: So lassen sich etwa komplexe, unstrukturierte Daten aus Bildern, Videos, Audio- und Textdateien sowie Sensordaten analysieren und interpretieren. Die vielleicht wichtigste Funktion von AI betrifft aber die Interaktion mit ihrer physischen Umgebung wie z. B. mit Robotern oder mit Sensorik zur effizienten Steuerung und Navigation von hoch automatisierten Systemen im Zusammenspiel mit menschlicher Interaktion (über Gesten, Sprache, Gesichtsausdrücke) und der Interaktion von Maschinen untereinander in M2M-Konstellationen. Digitale Lösungen für Monitoring sowie Krisen- und Katastrophen­ management Sicherheit ist für das AIT ein Begriff, der sich über viele Lebens- und Wirt-

schaftsbereiche ausdehnen lässt. So zählt auch der Schutz der Umwelt – via Umweltmonitoring-Technologien für Lebensmittel, Wasser oder Gesundheitsanwendungen – sowie der Schutz von kritischen Infrastrukturen – über neue Tools zur Kommunikation, Information und Interaktion mit der Bevölkerung bei Krisen etc. – zu den Kernkompetenzen des AIT. Das Center for Digital Safety & Security entwickelt beispielsweise neue Technologien, die eine innovative und digitalisierte Einbindung der Bevölkerung im Krisenfall ermöglichen. Auch die direkte Kommunikation von Einsatzkräften mit der Bevölkerung und der gegenseitige Austausch werden so erheblich erleichtert. Zugleich integrieren die AIT-Lösungsansätze auch Rettungsorganisationen, Feuerwehren und Behörden. So entsteht ein zukunfts– sicheres, digitales Krisen- und Katastrophenmanagement. Eine wesentliche Basis dazu bildet die Entwicklung von intelligenten Sensor-Technologien, die Umwelt-, Klima- und Umgebungsvariable messbar, analysierbar und begreifbar machen, um daraus (automatisiert) geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit, Gesundheit, Umwelt oder des Klimas abzuleiten. Hier spielt das „Internet of Things“, wo Maschinen, Geräte und Sensoren automatisiert miteinander kommunizieren und Daten austauschen, eine wesentliche Rolle. 41


CENTER FOR HEALTH & BIORESOURCES Die Innovationen des Centers for Health & Bioresources verbessern unsere Gesundheit, steigern die Lebensqualität und helfen, die Umwelt zu schonen. Dafür werden moderne Sensortechnologien, molekularbiologische Methoden, innovative Materialien und Tools für die Telemedizin entwickelt. Das Center for Health & Bioresources adressiert mit den Kernkompetenzen − Nano- und Sensortechnologien, Systemintegration, molekularbiologische Omics-Technologien, Modellierung und Simulierung – Kunden aus dem Gesundheits-, Umwelt- und Agrarbereich. Dank jahrelanger Erfahrung und hervorragender Forschungsinfrastruktur lösen die interdisziplinär agierenden Teams Herausforderungen des demografischen Wandels und der Ressourcenknappheit. So setzt man etwa auf die Entwicklung von innovativen Lösungen, um Erkrankungen frühzei-

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tig zu erkennen und ein gesundes und aktives Altern zu unterstützen. Ermöglicht wird dies z. B. durch neue Wege in der nicht-invasiven Dia– gnostik, der Telegesundheit, der Entwicklung bioaktiver Werkstoffe für innovative Implantate und Prothesen sowie von patientenunterstützenden Medizinprodukten. Ein weiteres großes Themenfeld ist der nachhaltige und innovative Umgang mit biologischen Ressourcen und deren effizienter Nutzung. Das AIT forscht hier an der Erhöhung der Stresstoleranz von Pflanzen bei veränderten

Umweltbedingungen, der Interaktion von Pflanzen und Mikroorganismen, der raschen Erkennung von Schädlingen, Schimmelpilzen und allergenen Pilzen sowie der Bekämpfung von Pathogenen und invasiven Pflanzen. Health Information Systems Das AIT fokussiert im Research Service Health Information Systems auf integrierte eHealth-Lösungen für biomedizinische Forschung und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien er-

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„In der Bio­markerForschung zählt das AIT zu den führenden RTO´s in Europa." Elke Guenther, Head of Center for Health & Bioresources

Stephan Binder/PicturePeople, AIT/Zinner

möglichen neue Ansätze für digitale Gesundheitssysteme (dHealth) und patientenorientierte Assistenzsysteme. Therapieansätze der nächsten Generation basieren auf geschlossenen Regelkreisen (Closed Loop Healthcare), in denen der Gesundheitszustand der Patient*innen laufend überprüft und gegebenenfalls die Therapie angepasst wird. Entwickelt werden auch neue Ansätze für die intuitive und mobile Datenerfassung durch Patient*innen mittels der AIT-eigenen KeepInTouch-Technologie. SeedJection Pflanzliche Mikroorganismen haben das Potenzial, die Probleme der modernen Landwirtschaft zu überwinden. Durch die Besiedlung von Pflanzengewebe können sie das Pflanzenwachstum fördern, die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen widrige Klimabedingungen erhöhen oder Krankheitserreger bekämpfen. Mit der vom AIT entwickelten, patentierten Technologie „SeedJection“ ist es möglich, Mikro– organismen mechanisch in Samen zu implementieren. Die Folgen: höhere Stresstoleranz und verstärkte Ertragssicherheit der Pflanzen. Point of Care Diagnostics & Biosensors Die mobile molekulare Diagnostik erfordert miniaturisierte und automatisierte Geräte mit höchster analytischer Leistungsfähigkeit, die mit Hilfe PROFILE UND HIGHLIGHTS

diverser Körperflüssigkeiten Krankheiten schneller und genauer ermitteln. Das AIT verfügt über fundiertes Know-how in der Realisierung derartiger Messsysteme und deckt bei der Systemintegration das volle Spektrum – von Biomarkern, Mikrofluidik, molekularen Nachweisreaktionen und Biosensoren bis hin zur Ausleseelektronik und Prozessmanagement – ab. Einen Schwerpunkt nimmt der Speichel ein, der sich besonders gut für patientennahe Diagnostik eignet. Europäisches Gesundheitsnetzwerk EIT Health Seit 1. Jänner 2020 ist das AIT als erster österreichischer Partner zusammen mit Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna (RCV), Kapsch BusinessCom, UNIQA Insurance Group AG, WILD Gruppe sowie dem Wiener Start-up-Inkubator INiTS dem größten europäischen Gesundheitsnetzwerk EIT Health beigetreten. Ziel ist es, gemeinsam neue Produkte und Dienstleistungen schneller auf den europäischen Markt zu bringen, junge Unternehmen gezielt zu fördern und neue Bildungsangebote verfügbar zu machen. Die Mitgliedschaft des AIT wird auch dazu beitragen, den Life Science Sektor in Österreich – mit mehr als 1.000 Unternehmen und über 55.000 Beschäftigten ein signifikanter und zukunftsorientierter Treiber für wirt-

schaftliches Wachstum, Innovation und Talente – weiter zu stärken. Europaweite Innovationsgemeinschaft EIT Food Für nachhaltigere, gesündere und vertrauenswürdigere Lebensmittel setzt sich EIT Food, Europas führende Innovations- und Technologie-Initiative im Agrar- und Lebensmittelbereich ein. Auch hier ist das AIT seit 1. Jänner 2020 Mitglied. EIT Food ist eine von acht erfolgreichen Innovationsgemeinschaften auf EU-Ebene, mit insgesamt 50 Innovationszentren in ganz Europa mit über 1,5 Mrd. Euro externem Kapital durch EIT-unterstützte Unternehmen. Das AIT trägt durch seine hervorragende Vernetzung und seiner umfassenden Expertise in den Bereichen der Pflanzenproduktion und nützlichen Mikroorganismen, User & Technology Experience sowie Policy & Governance zum Erfolg des Netzwerks bei und profitiert von diesem durch langfristige Partnerschaften, marktnahen Projekten auf mittlerem Technologiereifegrad mit Business–plan und effizienten Projektanträgen. Ziel ist es, das EIT Food Netzwerk in Österreich noch besser zu verankern und gezielt durch nationale Partner zu erweitern.

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CENTER FOR LOW-­ EMISSION TRANSPORT Das Center for Low-Emission Transport entwickelt effizientere Fahrzeuge. Der Fokus liegt dabei auf zwei Schlüsseltechnologien für eine nachhaltige Mobilität: auf der Elektrifizierung von Fahrzeugen und auf neuen Materialien für den Leichtbau.

In beiden Bereichen bilden die Werkstoffentwicklung, die semi-industrielle Verarbeitungstechnologie und das Komponentendesign die Säulen für den integrierten Einsatz von innovativen Fahrzeugsystemkomponenten. F ­ orschungsschwerpunkte sind die Weiterentwicklung von Batterietechnologien und Managementsystemen, Leistungselektronik und der elektrische Antrieb, Fahrzeugsimulationen, hochwertige Leichtmetalllegierungen und nachhaltige Verarbeitungs44

prozesse sowie funktional integrierte Leichtbaukomponenten. In der Competence Unit Electric Drive Technologies dreht sich alles um die Elektrifizierung in Fahrzeugen und Flugzeugen. 55 Forschende arbeiten an der Verbesserung von elektrischen Energiespeichern und dem elektrischen Antriebsstrang. Im Bereich Battery Technologies wird die aktuelle und nächste Generation von Batterien erforscht, mit dem Ziel, den Energieinhalt

der Batterien zu erhöhen, die Kosten zu senken und die Batterien umweltschonend herzustellen. Der Forschungsbereich Propulsion Technologies umfasst die Leistungselektronik samt Elektromotorregelung, das Thermomanagement inkl. Komfort, die Fahrdynamik, das Thema Vereisung und Fahrzeugintegrationsthemen. Federführend in der Entwicklung und Charakterisierung neuer Materialien ist das LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen. Das Tochterunternehmen AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


„In unserer Batterieforschung decken wir die gesamte Systemkette von der Batterieentwicklung über die Materialforschung bis zur Batterieproduktion ab." Christian Chimani, Head of Center for Low-Emission Transport & Managing Director LKR

AIT/Lang, AIT/LKR/Lang

des AIT feierte 2019 sein 25-jähriges Jubiläum. In diesem Vierteljahrhundert hat sich das LKR umfangreiche Expertise und Know-how in der Entwicklung von hochwertigen Leichtmetalllegierungen, nachhaltigen Verarbeitungsprozessen, funktional integrierten Leichtbaukomponenten sowie neuen Technologien wie dem drahtbasierten Additive Manufacturing von Aluminium und Magnesium aufgebaut. Das 50-köpfige LKR-Team erforscht die Leichtmetalle Aluminium und Magnesium, um effiziente, sichere und umweltverträgliche Mobilitätslösungen zu entwickeln. Comet-Projekt AMALFI Um Leichtmetalle für zukünftige industrielle Anwendungen fit zu machen, bündelt das LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen sein Know-how mit 12 Projektpartnern aus Industrie und Wissenschaft. Die LKR-Forschungsteams werden neuartige Aluminium- und Magnesiumlegierungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Herstell- und Verarbeitungsketten erforschen und weiterentwickeln. Außerdem widmet sich das AMALFI-Konsortium der Entwicklung neuartiger Mikrostruktur- und Gefügemodelle für Aluminium- und Magnesiumlegierungen. Diese Modelle haben das Potenzial, die Entwicklung von zukünftigen Al- und Mg-Legierungen, vor allem durch PROFILE UND HIGHLIGHTS

virtuelle, numerischen Simulation, entscheidend voranzutreiben. Top-Kompetenz in Wire-AM Um der drahtbasierten Additiven Fertigung Wire-AM (wire+arc additive manufacturing) als Schlüsseltechnologie in der Industrie zum Durchbruch zu verhelfen, erforschen LKR Wissenschaftler*innen bereits seit mehreren Jahren diese robuste Fertigungstechnologie sowie die notwendigen Sonderdrähte. In der LKR-hauseigenen smarten Drahtfertigungsroute werden neue, Wire-AM-taugliche Aluminium- und Magnesiummaterialen zu Schweißdrähten gepresst und aufgespult. Im neu errichteten Additive Manufacturing Laboratory können diese Sonderdrähte mittels werkstoffspezifischer Prozessführung, einem mehrachsigen Robotiksystem und modernsten Brennertechnologien zu einem komplexen 3D-Bauteil aufgebaut werden. Zusätzlich zu den experimentellen Schweiß- und Wire– AM-Entwicklungen werden im LKR die verwandten Themen FEM-basierte Werkstoff- und Prozesssimulation, Online-Monitoring, Data Management, CAD-CAM-Schnittstelle sowie Inline-Prozessregelung erforscht.

intensivster Vorbereitungsarbeit hat sich der Einsatz ausgezahlt: Das Projekt „3beLiEVe“ wurde bewilligt und ist mit 10,8 Mio. Euro (davon 1,6 Mio. Euro für AIT) eines der größten vom AIT koordinierten Horizon-2020-Projekte. Das Konsortium besteht aus 21 Forschungseinrichtungen, Industrie– unternehmen und KMU aus 10 verschiedenen europäischen Ländern. Am AIT sind das Center for Low- Emission Transport und das Center for Vision, Automation and Control beteiligt. Das Projekt wird von der LET Competence Unit Electric Drive Technologies koordiniert und läuft bis Juni 2023. Batterieforschung Die Entwicklung von Batterien als Herzstück moderner, elektrischer Antriebskonzepte erfährt derzeit besonders große Aufmerksamkeit. Weltweit werden große Anstrengungen unternommen, um diesen elektrischen Energiespeicher möglichst effizient, leistungsfähig, kostengünstig und sicher zu gestalten. Die Expert*innen am AIT treiben den Fortschritt dieser Technologien rasant voran und bauen dabei auf einem ganzheitlichen Forschungsund Entwicklungsansatz auf.

Großes HORIZON-2020-Projekt „3beLiEVe" nimmt Fahrt auf Batterien ohne Kobalt und mit Sensortechnologie sind ein wesentliches Projektziel. Nach über einem Jahr 45


CENTER FOR VISION, AUTOMATION & CONTROL Die Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen sowie die Entwicklung von Assistenzsystemen und autonomen Maschinen stehen im Fokus des Centers for Vision, Automation & Control. Erforscht werden unter anderem ultraschnelle Sensoren, flexible Roboter und Kamerasysteme, mit denen sich autonome Fahrzeuge orientieren können.

High-Performance-Vision-Systeme – Prüfen, Erkennen, Messen Zahlreiche Aufgabenstellungen aus der Industrie, oft gepaart mit hoher Prozessgeschwindigkeit und der Forderung nach einer durchgängigen Online-Erfassung der Produktion, verlangen nach neuen Ideen und Ansätzen im Bereich der Sensorik. Der Forschungsfokus liegt auf Einsatz und Weiterentwicklung ultraschneller

Getty Images, AIT/Zinner

Systeme und Prozesse. Ausgehend Laufend steigt auf die Industrie der von einer gesamtheitlichen SystembeDruck, vermehrt in Digitalisierung und trachtung und einem domänenspeziAutomatisierung zu investieren. Am fischen Systemverständnis erarbeiten Center forschen 90 Expert*innen auf wir Lösungen von der Einzelkompoden Gebieten Bildverarbeitung, Fusion nente – z. B. spezifische Kamerakonvon Sensordaten, maschinelles Lerfigurationen zur Qualitätsinspektion nen, Data Analytics, mathematische – bis zu komplexen Gesamtsystemen, Modellierung für Echtzeitanwendungen, Prozessautomatisierung, System– wie einer autonomen Arbeitsmaschine oder der optimierten Steuerung eines analyse, Steuerung, Regelung und komplexen Produktionsprozesses. Optimierung komplexer dynamischer

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AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


Kamera- und Beleuchtungstechnologien, skalierbaren Embedded Vision Systemen sowie Computational Imaging und maschinellem Lernen. Die Echtzeitfähigkeit der Systeme, auch bei extremen Datenraten, ist essenziell, um eine effektive Steuerung des Produktionsprozesses auf Basis der Sensordaten sicherzustellen. Dies erfordert den Einsatz schneller Einzelkomponenten sowie eine sorgfältig ausbalancierte Gesamtarchitektur von Hardware, Software und Algorithmen („Hardware-Software-Co-Design“). Typische Industrieanwendungen sind Klassifikations-, Mess- und Inspektionsaufgaben von Produkten mit komplexen Oberflächeneigenschaften. Die im Center entwickelten intelligenten Prüfsysteme werden in bestehende Produktionsanlagen integriert, oft in rauer Industrieumgebung. Der Einsatz der AIT High-Performance-Vision-Technologien setzt Maßstäbe im Banknotendruck oder bei der Oberflächeninspektion von Gussteilen sowie Schienen- und Straßenoberflächen. Complex Dynamical Systems – Intelligente Komponenten und Systeme Jüngste Entwicklungen in den Bereichen Elektronik, Sensorik und Algorithmik ermöglichen neue Lösungen im Produktdesign sowie in der Gestaltung von Wertschöpfungsketten bzw. intelligenten Produktionssystemen. In Kooperation mit der Industrie entwickeln wir maßgeschneiderte Lösungen

zur Echtzeitoptimierung von Produktionsprozessen, basierend auf einer Kombination aus physikalisch-basierten und datengetriebenen mathematischen Modellen (digital twin). Ziel ist es, alle vorhandenen Informationen (Prozesswissen, Daten, Modelle, Messungen) systematisch zu nutzen, um den Durchsatz zu optimieren, Ausschuss zu reduzieren und Ressourcen zu sparen. Mit unseren Modellen und den generierten Daten können wir Fehler frühzeitig erkennen bzw. sogar vermeiden, Flexibilität erhöhen und die Mensch-Maschine-Interaktion verbessern. Neben der Entwicklung echtzeitfähiger Optimierungs-, Regelungs- und Schätzverfahren, Diagnosesystemen und adaptiven Lern– algorithmen beschäftigen wir uns mit der optimalen Auswahl und Integration von Sensoren und Aktoren im Gesamtsystem. Unser Team verfügt über Know-how in verschiedenen Bereichen der Antriebstechnik und in der Fusion unterschiedlicher Sensoren. Die Anwendungen reichen von pneumatischen Ventilen über Robotersysteme bis hin zu Bandglühöfen bei der Stahlproduktion. Autonome Systeme – Fahren, Transportieren, Arbeiten Erfolge mit Assistenzsystemen und ersten Versuchen zum autonomen Fahren im Straßenverkehr erhöhen Interesse und Bedarf an Assistenzfunktionen und Autonomisierung in

unterschiedlichsten Anwendungsbereichen. Öffentlicher Verkehr, Baubranche, Landwirtschaft, Sondermaschinen und Robotikanwendungen sowie Luftfahrt stehen bei unseren Kunden im Fokus. Neben autonomem Fahren oder Fliegen werden auch Lade- und Transportvorgänge, z. B. auf Flughäfen oder zwischen mehreren Werksstandorten, analysiert und neue Lösungen für den autonomen Betrieb entwickelt. Arbeitsvorgänge durch mobile Arbeitsmaschinen wie Bagger, Traktoren, Kehr- oder Mähmaschinen bieten weitere Chancen zur Automatisierung und Effizienzsteigerung. Auch wenn aufgrund der Vielfalt an möglichen Szenarien bisher ein vollautonomer Betrieb eines Straßenfahrzeugs unter allen Wetter- und Umgebungsbedingungen noch nicht möglich ist, erlauben die verfügbaren Technologien schon real einsetzbare autonome Systeme unter bestimmten Randbedingungen, etwa auf Werksgeländen. Dazu werden Technologiekomponenten zur 3D-Umgebungserfassung, Objektklassifizierung, Szenenverständnis und Lokalisierung sowie Pfadplanung entwickelt und in Kooperation mit Industriepartnern in Prototypensystemen integriert. Sicherheits- und Verfügbarkeits– aspekte sind hier wesentlich. Zur Objekt-Klassifizierung und zum Szenenverständnis werden zunehmend AI-Ansätze eingesetzt.

„Die Lösungen des Centers for Vision, Automation & Control arbeiten 24/7, auch in rauen Industrieumgebungen. Sie steuern die Effizienz und sichern die Qualität der Produktion." Andreas Kugi, Andreas Vrabl (r.) Heads of Center for Vision, Automation and Control

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CENTER FOR TECH­NOLOGY EXPERIENCE

Wir verwenden nicht nur Technologie, vielmehr leben wir mit ihr. Mehr als jemals zuvor berührt sie uns auf emotionaler, intellektueller und sinnlicher Ebene. Auf interdisziplinärem Weg untersucht das Center for Technology Experience mögliche Qualitäten und Formen der Interaktion sowie neuartige Methoden und Werkzeuge zur Untersuchung dieser. User Experience-Forschung, durch Experience ge48

leitete Innovation sowie neue Wege der Interaktion gelten zunehmend als zentrale Bausteine innovativer und somit auch erfolgreicher Technologien, Anwendungen und Services. Am Center for Technology Experience beschäftigt sich ein erfahrenes und interdisziplinäres Forschungsteam in zwei Competence Units mit dem Themenbereich User Experience und den entsprechenden Faktoren, die im Umgang

mit innovativen Technologien, Produkten und Services unterschiedliche Erlebnisse und Erfahrungen auslösen. Ziel dieser Forschung ist es, auf Basis grundsätzlicher Überlegungen zu zukünftigen Interaktionsformen zielgerichtete Experiences in speziellen technologischen Gebieten bzw. speziellen Anwendungskontexten zu kreieren, um künftige Technologien optimal an unterschiedliche Nutzer*innenAIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY

AIT/Wolf (2)

Die Nutzer*innen digitaler Technologien stehen im Mittelpunkt: Das Center for Technology Experience beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen der Interaktion zwischen Mensch und Technologie.


gruppen und kontextuelle Gegebenheiten anzupassen und somit Akzeptanz technologischer Innovationen zu erreichen und zu fördern. Experience Business Transformation Die Digitalisierung schreitet rasant voran, verändert die Arbeits- und Lebenswelten und eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten. Digitalisierung heißt Wandel – nicht nur der Technologie, sondern auch der Strukturen und des Denkens in einer Organisation. Der Erfolg eines Unternehmens hängt dabei von seiner Fähigkeit ab, seine Geschäftsmodelle und Prozesse so zu digitalisieren, dass die Anforderungen und Erwartungen aller Stakeholder zufriedenstellend berücksichtigt werden. Um diesen Wandel zielführend zu gestalten, entwickeln wir passende Strategien, die es erlauben, zukunftsträchtige Sichtweisen und Modelle zu etablieren. Die im Jänner 2020 gegründete Competence Unit „Experience Business Transformation" unterstützt Unternehmen bei der Verankerung von Customer Centricity & Experience Thinking Strategien, denn erst eine umfassende Experience-Strategie ermöglicht es, mit digitalen Lösungen bei Kund*innen und Anwender*innen nachhaltig positive Erlebnisse zu erzeugen. Ein

weiterer Fokus liegt in der Kreation und Entwicklung von innovativen Interaktionen in Experience-Welten, wie zum Beispiel B2B-Plattformen, Shopping Experiences oder dem Design von komplexen Industrieanwendungen. Dabei verknüpfen wir wissenschaftlich fundiertes Know-how mit langjähriger Markt-Erfahrung. Die entwickelten Lösungen folgen dabei immer einem klaren Businessziel und unterstützen den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Experience Contexts & Tools Die Competence Unit Experience Contexts & Tools vereint die Expertise aus den beiden Research Fields Capturing Experience und Experience Measurement. Capturing Experience-Forschung beinhaltet die Entwicklung und Verwertung spezifischer situationsabhängiger Methoden und Werkzeuge. Das Verstehen eines spezifischen Kontextes ist die Grundlage für die Entwicklung zukünftiger technologischer Lösungen, daher führen wir Studien durch, die Einblicke in die Nutzer*innen-Perspektive verschiedener Technologien in unterschiedlichen Kontexten geben. Unser Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf neuartigen kontextbezogenen Technologien (z. B. Sensortechnik) sowohl aus Experience-Perspektive (der Mensch im

Vordergrund) als auch aus der Perspektive der Datengewinnung durch Experience. Daten und ihre Messung spielen auch bei Experience Measurement eine wichtige Rolle: Denn die Fähigkeit, Experience-bezogene Daten (auch in großen Mengen) auf verlässlichem, validem und objektivierbarem Wege zu gewinnen, zu verarbeiten und zu verstehen, ist zu einer wesentlichen Voraussetzung für die Verbesserung und Experience-Optimierung von Technologien geworden. Wir befassen uns daher mit Experience sowohl aus methodologischer Sicht als auch auf der Basis faktorieller Messungen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Analyse von digitalen Applikationen, Systemen und Infrastrukturen. Mit unseren Experience-Modellen versuchen wir, Userverhalten vorherzusagen und die End User-Experience zu optimieren. Des Weiteren werden auch Fragen und Ansätze rund um Social Experience und Diversität von Menschen behandelt.

„User Experience gewinnt im Innovationsprozess immer mehr an Bedeutung.“ Manfred Tscheligi, Head of Center for Technology Experience PROFILE UND HIGHLIGHTS

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CENTER FOR INNOVATION SYSTEMS & POLICY Wie entstehen Innovationen? Wie setzen sich neue Technologien durch? Wie werden Gesellschaften dadurch verändert? Das Center for Innovation Systems & Policy gibt Antworten auf dieses Fragen und entwirft Zukunftsszenarien – und ist dabei ein wichtiger Think Tank und Ratgeber für die österreichische und europäische Politik. Transformative Innovation Policy Forschung, Entwicklung sowie Innovation sind von zentraler Bedeutung für die Sicherung unseres wirtschaftlichen Wohlergehens und die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund befasst sich das AIT mit aktuellen und zukünftigen Anforderungen an Forschungsund Innovationssysteme sowie mit den Handlungsoptionen, die sich hieraus für die Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik (FTI-Politik) und ihre Akteure ergeben. Wir verwenden neueste Methoden zur Analyse von FTI-Prozessen und -Systemen sowie vorausschauende Ansätze, um öffentliche Verwaltung und Unternehmen bei der Formulierung von FTI-politischen Strategien zu unterstützen. Ein Schwerpunkt ist die transformative Innovationspolitik, die über etablierte FTI-Agenden hinausweist und auch institutionelle Bedingungen adressiert, die fur die Skalierung und Diffusion von Innovationen entscheidend sind. Bei unserer Forschungsarbeit konzentrieren wir uns einerseits auf Fragen des Systemwandels in Bereichen wie Energie, Mobilität, Ernährung und Stadt– entwicklung sowie andererseits auf die Auswirkungen potenziell disruptiver Technologien, v. a. im Rahmen der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Mit seinen Arbeiten im Research Field Innovation Systems & Digitalisation trägt das AIT zum Verständnis und 50

zur Entwicklung einer systemischen FTI-Politik und zukunftsfähigen Unternehmensstrategien bei. Dies erfolgt auf der Basis solider Kenntnisse von Forschungs- und Innovationspraktiken von Unternehmen und Forschungsorganisationen. Der empirischen Analyse von Innovationsystemen kommt dank steigender Komplexität und Dynamik immer größere Bedeutung zu. Im Research Field Innovation Dynamics & Modelling werden entsprechende quantitative Methoden – Daten, Indikatoren und Modelle – entwickelt und auf aktuelle Fragestellungen der Innovationsforschung angewandt. Mit Hilfe vorausschauender Methoden untersuchen wir im Research Field Societal Futures neue Signale und Muster in der technologischen und sozio-ökonomischen Entwicklung und ziehen diese für die Entwicklung von zukunftsfähigen Politikstrategien heran. Die Entwicklung, Bewertung und Evaluierung FTI-politischer Instrumente steht im Zentrum des Research Field Institutional Change & Policy Instruments. European Manufacturing Survey: Trends in der Produktion Der European Manufacturing Survey (EMS) erfasst die Nutzung technischer und organisatorischer Innovationen in der Produktion und die damit erzielten Verbesserungen der Leistungsfähigkeit in der Sach-

gütererzeugung. Das AIT führt als Teil eines internationalen Konsortiums die Erhebung in Österreich durch. Es zeigt sich z. B., dass bereits ein Drittel aller Großbetriebe kollaborierende Roboter nutzt und sich dieser Trend fortsetzen wird. Die Ergebnisse bieten eine solide Entscheidungsgrundlage für Politik, Industrie und Forschung. RISIS: Infrastrukturen für FTI-Politik RISIS („Research Infrastructure for Research and Innovation Policy Studies“) ist eine pan-europäische Forschungsinfrastruktur zur Unterstützung der empirischen Innovationsforschung. Durch eine radikal verbesserte Informationsbasis erhöht sie die Qualität des Designs und der Evaluierung von FTI-politischen Maßnahmen in Europa. Sie ist für Forschung, Design und Evaluierung von FTI-Politik in Europa sehr relevant. Das Center ist Kernpartner von RISIS, das im Jänner 2019 in eine zweite Entwicklungsphase eingetreten ist und erneut vom Forschungsrahmenprogramm der EU unterstützt wird. RISIS II legt den Schwerpunkt auf neue Funktionalitäten und Services in harmonisierten Datenbanken zu FTI-Aktivitäten, etwa durch adressbasierte Geokodierung oder die Möglichkeit, eigene thematische Klassifikationen durch semantische Techniken auf die Datensätze anzuwenden. AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


„Die Leistungen des AIT tragen dazu bei, strategische und visionäre Wege in die Zukunft zu verfolgen und Zukunft mitzugestalten.“ Matthias Weber, Head of Center for Innovation Systems and Policy

sen wurden Empfehlungen für die Weiterentwicklung der allgemeinen Förderstrategie des FWF für große Exzellenzzentren abgeleitet. Foresight on Demand Das AIT nimmt eine zentrale Rolle in der Ausgestaltung der Themenfelder des zukünftigen EU-Forschungsrahmenprogramms „Horizon Europe“ (2021-2027) ein. Auf Basis von fünf „mission areas“ werden gut sichtbare FTI-Missionen gemeinsam mit Bürger*innen, Stakeholdern, dem

Europäischen Parlament und Mitgliedsstaaten definiert. Zu den fünf Missionen in den Bereichen Krebs, Anpassung an den Klimawandel, gesunde Ozeane, klimaneutrale Städte sowie gesunde Böden und Ernährung führt das Team um Matthias Weber entsprechende Foresights durch. „Wir entwickeln verschiedene Zukunftsszenarien und wollen daraus mögliche Handlungsoptionen für die Politik ableiten. Unser Center arbeitet hier im Zuge eines Rahmenvertrags direkt für die Europäische Kommission.“

AIT/Bösendorfer (2)

Evaluierung von FWF-Programmen In diesem Projekt stand die Evaluierung der „Spezialforschungsbereiche" des FWF im Mittelpunkt. Sie sind die größten Förderaktivitäten des FWF und sollen die Herausbildung von Forschungsschwerpunkte an österreichischen Universitäten unterstützen. Ziel war eine Überprüfung des aktuellen SFB-Förderprogramms des FWF, um Stärken und Schwächen zu identifizieren sowie Ergebnis, Output und Wirkung zu quantifizieren. Aus den Ergebnis-

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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CENTER FOR ENERGY Die Expert*innen am Center for Energy forschen am Energiesystem der Zukunft und entwickeln Technologien und Systeme für eine sichere, saubere und nachhaltige Energieversorgung.

Die Energiebranche ist einem tiefgreifenden Wandlungsprozess unterworfen. Die Entwicklung der Technologien und Lösungen für die Transformation des Energiesystems zu einer nachhaltigen Energieversorgung haben sowohl national als international hohe Relevanz in der Forschung als auch für die Umsetzung bei Industriebetrieben und Infrastrukturbetreibern. Die verstärkte Integration erneuerbarer Energien, die Dekarbonisierung von industriellen Prozessen und Anlagen sowie innovative Technologien und Lösungen für resiliente Städte bzw. urbane Transformation sind gleichzeitig die Treiber und Herausforderungen für die zentralen Forschungsfragen. Am Center for Energy arbeiten an die 200 Expert*innen aus unterschiedlichen Nationen. Das interdisziplinäre Team forscht und entwickelt in den Themenfeldern Energieinfrastruktur, industrielle Energiesysteme und Städte & gebaute Umwelt. Die Stärken des Centers beruhen auf hoher Forschungs- und Anwendungskompetenz: Langjährige Erfahrung, wissenschaftliche Exzellenz und weltweite Vernetzung der Expert*innen sowie die hochwertige Laborinfrastruktur schaffen klare Wettbewerbsvorteile für unsere Kunden und Partner wie Industrieunternehmen, Energieversorger, Technologieanbieter, Städte und Gemeinden sowie Forschungseinrichtungen. 52

Hochwertige Laborinfrastruktur: SmartEST und City Intelligence Lab Mit dem SmartEST Labor verfügt das AIT über eine in Europa einzigartige Entwicklungsplattform für Smart-Grids-Technologien und Systemarchitekturen. Hier werden Lösungen und Produkte von Industriepartnern getestet, aber auch AIT-Innovationen entwickelt, die später in den Markt übergeleitet werden. Elektrische Energiespeichersysteme und deren aktuelle und zukünftige Aufgaben im Energiesystem zählen gegenwärtig zu nachgefragten Technologien. Durch Hardware-in-the- Loop (HIL)-Methoden unterstützt das AIT Center for Energy Systembetreiber und Hersteller in praktisch allen signifikanten Demonstrationsprojekten für Großspeichersysteme. Im Bereich der entwickelten Technologien bildet der AIT Smart Grid Converter den Schwerpunkt im Themenfeld leistungselektronische Systeme. Mit dem City Intelligence Lab eröffnete im Herbst 2019 ein internationales Vorzeigelabor für die Stadtplanungspraxis der Zukunft am AIT. Das Labor ist eine interaktive Plattform zur Erforschung neuer Formen und Technologien der Stadtentwicklung und verfolgt den Ansatz einer ko-kreativen Entwicklung, dem gemeinsamen Erschaffen von neuem Wissen. Es ermöglicht mithilfe digitaler Techno-

logien, die Benutzerperspektive in die Stadtplanung miteinzubeziehen. Dabei kommen Schlüsseltechnologien wie Augmented Reality sowie Artificial Intelligence zum Einsatz, um komplexe Simulationen und parametrische Planungen zu erstellen. Beispielsweise können Szenarien wie klimatische Veränderungen in Stadtteilen anschaulich simuliert und vielfältige Planungs– szenarien geschaffen werden. Dekarbonisierung und Digitalisierung Am AIT Center for Energy werden neuartige Technologien und Systemleistungen erforscht und entwickelt, um industrielle Prozesse und Anlagen nachhaltiger und deren Energieversorgung effizienter und klimafreundlicher zu gestalten. Beispiele hierfür sind digitale Technologien, die es ermöglichen, Prozesse zu optimieren, die Umstellung auf erneuerbare oder CO2-arme Energieträger, der Einsatz von Industriewärmepumpen sowie die Nutzung von Energiespeichern und aktivem Lastmanagement. Zudem ist das AIT Center for Energy führendes Mitglied der Verbundkoordination von NEFI – New Energy for Industry. NEFI ist ein einzigartiger Innovationsverbund aus zahlreichen Unternehmen, Forschungspartnern und öffentlichen Institutionen aus ganz Österreich, der in Form von Demonstrationsprojekten und begleitenden Forschungsaktivitäten an Lösungen zur Dekarbonisierung AIT AUSTRIAN INSTITUTE OF TECHNOLOGY


„Mit unserer hochwertigen und spezifischen Laborinfrastruktur bieten wir unseren Partnern innovative und angewandte Forschungsservices.“ Wolfgang Hribernik, Head of Center for Energy

der österreichischen Industrie arbeitet. NEFI ist Teil der Vorzeigeregionen Energie des Klima- und Energiefonds.

Domänen wie Strom und Wärme (Sektorenkopplung). Außerdem erfordern die Transformation und die Digitalisierung des Energiesystems nicht nur technologische Lösungen, sondern auch die Einführung neuer regulativer Rahmenbedingungen und Geschäftsmodelle. Daher evaluiert die IES vielversprechende Geschäftsmodelle sowie deren Auswirkungen auf Energiemärkte und analysiert die regulatorischen Rahmenbedingungen.

AIT/PicturePeople Austria, AIT/Wolf

Forschungsschwerpunkt Integrated Energy Systems Die neue Competence Unit Integrated Energy Systems (IES) am Center for Energy befasst sich mit den Fragestellungen rund um die Transformation des Energiesystems und die Integration von erneuerbaren Energieträgern in das bestehende Strom- sowie Wärmesystem. Vor allem das Zusammen-

spiel von technischen Möglichkeiten mit energiewirtschaftlichen Aspekten wird wesentlich zum wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb eines nachhaltigen Energiesystems beitragen. Die Kernkompetenzen der Integrated Energy Systems liegen in techno-ökonomischen Analysen, die sowohl länderübergreifend als auch für Portfolios, Energiegemeinschaften und Regionen durchgeführt werden. Dabei liegt ein großer Fokus auf der Nutzung von Flexibilität im Stromsystem sowie der Interaktion zwischen verschiedenen

PROFILE UND HIGHLIGHTS

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STAY IN CONTACT Das AIT Austrian Institute of Technology ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung und auf vielen Medienkanälen und Plattformen tagesaktuell präsent.

AIT-BLOG: FORSCHUNG FÜR ALLE ERKLÄRT Mit 13. Februar 2020 startete das AIT Austrian Institute of Technology seinen neuen Forschungs-Blog. Das AIT erweitert damit seinen Kommunikationsmix und richtet sich an eine breite Öffentlichkeit, um die Themen Forschung, Innovation und Technologieentwicklung auf spannende und verständliche Weise zu vermitteln. Aktuell erscheinen monatlich zwei bis vier Blogs, in denen die Arbeit und die Leistungen der hochqualifizierten AIT

Expert*innen konkret erfahrbar werden. Zudem soll der AIT- Forschungs-Blog den besonderen Nutzen von industrienaher Forschung für die Gesellschaft verdeutlichen. Das Themenspektrum reicht von Klimaschutz und Innovation über Digitalisierung bis hin zur D ­ ekarbonisierung.

DAS MAGAZIN FÜR PARTNER UND KUNDEN

THE PROFILE & HIGHLIGHTS

Das Magazin für Partner und Kunden des AIT erscheint dreimal jährlich und wendet sich an Entscheidungsträger*innen aus Forschung, Industrie und Bildung. Es adressiert alle wesentlichen Stakeholder des österreichischen Innovations- und Wissenssystems.

Das Jahrbuch des AIT, in dem Highlights und aktuelle Forschungs‑ fragen dargestellt werden, präsentiert in ­anschaulicher Weise einen repräsentativen Querschnitt der AIT-Forschungsthemen und Entwicklungsschwerpunkte.

Link zum AIT-Blog: www.ait.ac.at/blog

ALPBACHER TECHNOLOGIEGESPRÄCHE

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Das AIT Austrian Institute of Technology und ORF Radio ­Österreich 1 sind langjährige Veranstalter der Alpbacher Technologiegespräche. Die Nachlese „The Review“ fasst die wesent­lichen Statements, Vorträge, Breakout Sessions und Themenfelder der Alpbacher Technologiegespräche zusammen. Unter www.ait.ac.at/efatec finden Sie einen kompakten Rückblick auf die Technologiegespräche 2019 sowie das Jahrbuch 2019 „Discussing ­Technology“ mit dem Titel „Cyber Security“ zum Gratis-Download.

Auch in den Sozialen Medien zählt das AIT zu einer geschätzten Adresse für alle FTI-Interessierte. In populärwissenschaftlich aufbereiteten Informationen werden aktuelle Themen und die Forscher*innen, die am AIT an diesen Fragestellungen arbeiten, präsentiert. https://www.linkedin.com/company/526248/ https://de-de.facebook.com/AITtomorrow2day/ https://twitter.com/aittomorrow2day?lang=de https://www.youtube.com/user/AITTomorrowToday

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IMPRESSUM Herausgeber, Medieninhaber AIT Austrian Institute of Technology GmbH Giefinggasse 4, 1210 Wien cmc@ait.ac.at, www.ait.ac.at Erscheinungsort Wien, Juni 2020 Redaktionsleitung Michael H. Hlava Harald Hornacek (Verlag Holzhausen) Produktionsleitung Daniel Pepl Redaktion Beatrice Fröhlich-Rath Florian Hainz Susanne Kiefer Martin Kugler Michael Mürling Margit Özelt Daniel Pepl Fabian Purtscher Vanessa Schuster Juliane Thoß Gestaltung und Satz Repromedia/Sofia Deak, Stefan Vagner Cover, Design und Umschlag WHY Studio Druck Wograndl, Druckweg 1 7210 Mattersburg Verleger Verlag Holzhausen GmbH, A-1110 Wien, Leberstraße 122


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The Profile 2020/2021  

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