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#21 – Juli 2018

HIV 2018: Die Zeit der Scham ist vorbei!

UMZUG DER HALLESCHEN AIDSHILFE • 12. WITTENBERGER AIDSGALA • PREP-BERATUNG IN DER AIDSHILFE • MITGLIEDSCHAFT BEI HALLE GEGEN RECHTS • SCHUTZ DURCH THERAPIE • CONCHITA WURST: DIE ZEIT DER SCHAM IST VORBEI • WEG MIT PARAGRAF 219A • KUKU KOLUMNAS LETZTE WORTE


DIE AIDSHILFE HALLE IST:

BERATUNG

Martin Thiele

Denis Leutloff

Maarten Bedert

Ronja Abhalter

Geschäftsführung, Referat Primärprävention MSM

Stellv. Geschäftsführung, Referat Sekundär-, Tertiärprävention & Beratung

Referat Migration, Antidiskriminierung, Haft

Referat Sexualpädagogik Multiplikator_innenschulungen

Beratungsstelle Halle Information – Beratung – Betreuung Leipziger Straße 32 06108 Halle (Saale) Öffnungszeiten: Mo.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–19 Uhr Und nach Vereinbarung

Beratungstelefon Halle: 0345 - 19411

Universitätsklinikum Halle HIV-Sprechstunde Ernst-Grube-Straße 40, HIV-Ambulanz – Innere IV 06120 Halle (Saale) Sprechzeiten: Di.: 14–16 Uhr

(max. 9 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/ Min. aus den dt. Mobilfunknetzen)

(Ortstarif)

Sprechzeiten: Mo.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–19 Uhr Bundesweites Beratungstelefon: 0180 - 3319411

Sprechzeiten: Mo.–Fr.: 9–21 Uhr Sa., So.: 12–14 Uhr Onlineberatung der Aidshilfen: www.aidshilfe-beratung.de

Naumburg Beratungsangebot Am Markt 12, Raum 305 06618 Naumburg (Saale) Sprechzeiten: Jeden 4. Do., 15–18 Uhr EHRENAMT

SELBSTHILFE

LINKS

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LoveAgents kreatHIV – präventHIV in der Szene Jeden 2. und 4. Mi., 18–20 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe Email: loveagents@halle.aidshilfe.de

Treffen der Berater_innen Jeden 1. Do., 17–18 Uhr Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe

Positiventreffen Treffen für Menschen mit HIV Geschlossene Veranstaltung

Jeden 3. Mittwoch, ab 18 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe Email: positivleben@halle.aidshilfe.de

hetero.aidshilfe.de jungundpositiv.de angehoerige.org positiv-ev.de AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Leipziger Straße 32 06108 Halle (Saale halle.aidshilfe.de

positHIV.info hiv-migration.de/netzwerke/afrolebenplus jes-bundesverband.de

Spendenkonto Bank: Saalesparkasse IBAN: DE14800537620385311531 BIC: NOLADE21HAL


EDITORIAL Liebe Leser_innen des red.-Magazins, liebe Freund_innen der Aidshilfe Halle, lange hat das neue Heft der red. auf sich warten lassen.

Neuwirth – alias Conchita Wurst – zudem ihr mutiges

Sicherlich habt ihr euch bereits gewundert, wo denn die

positives Coming Out. Unser Autor Marcel Dams nimmt

Frühjahrsausgabe nur geblieben ist. Nicht wenige haben

dies zum Anlass, um über seine eigenen Coming Out-Er-

tatsächlich schon gemutmaßt, dass wir die red. stillschwei-

fahrungen nachzudenken. Er macht dabei deutlich, wie

gend eingestellt haben. Mit der 21. Ausgabe, die ihr gera-

entscheidend es für HIV-positive Menschen ist, aus der

de in euren Händen haltet, habt ihr nun die Gewissheit.

Opferrolle herauszutreten und selbstbewusst zu ihrer In-

Unser Vereinsmagazin existiert selbstverständlich noch

fektion zu stehen.

und wird es auch in Zukunft auch weiterhin geben. Der Grund für die Verzögerung ist zugleich die aufregendste

Darüber hinaus beschäftigte uns im Team auch die De-

Neuerung bei der halleschen Aidshilfe. Einige von euch

batte um den §219a, der die Bewerbung von Schwanger-

werden es vermutlich bereits erfahren haben: Wir sind

schaftsabbrüchen unter Strafe stellt. Als Agentur für se-

umgezogen! Seit dem 1. Juni 2018 befindet sich unsere

xuelle Gesundheit, für die sexuelle Selbstbestimmung und

Geschäfts- und Beratungsstelle nicht mehr im Böllberger

das Verfügungsrecht über den eigenen Körper wesentli-

Weg, sondern in der Leipziger Straße unweit des Leipziger

che Leitprinzipien ausmachen, stellen wir uns hinter die

Turms. Von nun gibt es Aufklärung und Beratung zu sexu-

Forderung zur Abschaffung des §219a. In ihrem Artikel

eller Gesundheit sowie HIV-Schnelltestungen also direkt

zum Thema erklärt euch unsere Gastautorin Clara Fied-

im Herzen der Händelstadt.

ler, weshalb es diesen Paragrafen nicht nur entscheidend zu kritisieren, sondern weshalb es sich für dessen Strei-

Neben dem ganzen Umzugsstress der letzten Mona-

chung einzusetzen gilt. Selbstverständlich hat auch Be-

te haben uns natürlich noch allerhand andere Ereignisse

wegungstunte Kuku Kolumna wieder etwas zum Besten

und Themen im HIV-Bereich beschäftigt, von denen wir

zu geben. Diesmal zur Prä-Expositions-Prophylaxe, zum

euch in dieser Ausgabe berichten wollen. Anfang des Jah-

schwulen Autor Ronald Schernikau und ganz allgemein

res feierte beispielsweise das sogenannte EKAF-Statem-

zum Ficken.

ent sein mittlerweile 10-jähriges Jubiläum. 2008 hat die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen der Schweiz

Das Warten hat sich also durchaus gelohnt! Wie immer

also bekanntgegeben, was bis dahin viele wussten, jedoch

bietet das Magazin eine bunte Mischung aus all dem, was

nicht öffentlich kommuniziert haben. Nämlich, dass Men-

uns in der Aidshilfe aktuell beschäftigt und bewegt. Mit

schen mit einer HIV-Infektion unter wirksamer Therapie

der Lektüre müsst ihr euch aber diesmal ein wenig spu-

nicht mehr infektiös sind. Welche fundamentale Tragwei-

ten, denn die nächste Ausgabe wird nicht so lang auf sich

te diese Feststellung hat, erzählen uns Holger Wicht in

warten lassen.

seinem Artikel zum Thema sowie Vlad und Stephan in einem Interview über ihre Beziehung. Im April hatte Tom

Martin Thiele, Geschäftsführer

INHALT AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd..................................... 2

Wir sind umgezogen!......................................................................16

Editorial / Inhalt.................................................................................. 3

Mitgliedschaft „Halle gegen Rechts“..........................................17

12. Wittenberger AIDS-Gala................................................. 4 – 5

WAT-Aktion in der GiG /

10 Jahre EKAF-Statement: Es geht nicht nur um Sex!.. 6 – 8

PrEP-Beratung in der Aidshilfe...................................................18

Schutz durch Therapie.........................................................10 – 11

Praktikum in der Aidshilfe.............................................................19

Die Zeit der Scham ist vorbei........................................... 12 – 13

Kuku Kolumna....................................................................... 20 – 21

Weg mit §219a!......................................................................14 – 15

HIV-Schnelltest-Termine / Impressum..................................... 23

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12. AIDS-Gala in Wittenberg Am Abend des 23. März 2018 war es wieder einmal soweit: das Ensemble des CLACK Theaters rund um Stefan Schneegaß und Mario Welker lud zur mittlerweile zwölften alljährlichen AIDS-Gala in die Phoenix Theaterwelt der Lutherstadt Wittenberg. Die Wohltätigkeitsveranstaltung, die der Aidshilfe in Halle zu Gute kommt, war auch in diesem Jahr ein großer Erfolg. Die zahlreichen Künstler_innen, die sich bereit erklärten, ihre Talente nicht gegen eine Gage oder ein Honorar, dafür aber für einen guten Zweck zu zeigen, konnten sich über ein begeistertes Publikum freuen. Unter Moderation von CLACK-Star Sweety (Stefan Scheegaß), Tatjana Meissner vom MDR, die die Veranstaltung schon seit einigen Jahren tatkräftig und wortgewandt unterstützt, sowie Vera Int-Veen, die als Moderatorin schon vielfach ausgezeichnet und weithin bekannt ist, öffnete sich der Vorhang zu einem reichhaltigen Programm: von Gesang über Kabarett, Comedy bis hin zur Akrobatik war für jeden etwas dabei – und alles spektakulär.

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Musikkabarettist Nepo Fitz überzeugte nicht nur am Piano, Kabarettisten Kay Ray und Ralph Richter brachten das Publikum mit cleverem Witz rund um Themen der Gleichberechtigung, Solidarität, und natürlich der großen Bedeutung sozialer Arbeit zum Lachen. Schlagersängerin Dagmar Frederic kritisierte die mangelnde Unterstützung, die vielen sozialen Einrichtungen und Projekten zu Teil wird, und lobte zugleich diejenigen Menschen, die sich ehren- oder hauptamtlich für ebendiese engagieren. Eine Künstlerin, die bereits mehrfach bei der Gala auftrat, zeigte auch diesmal wieder Grazie und Agilität: Akrobatin Samira versetzte das Publikum mit Beweglichkeit und Körperbeherrschung ins Staunen und erntete reichlich wohlverdienten Applaus. Auch zu Gast war die „Gräfin des Deutschen Pop-Schlagers“ und gebürtige Wittenbergerin Bianca Graf, die vom heimatlichen Publikum herzlich begrüßt wurden ist.

Wie in jedem Jahr werden die Spenden dafür genutzt, das Präventions- und Beratungsangebot zum Thema HIV, Geschlechtskrankheiten und sexueller Gesundheit zu unterstützen, aber auch zur Finanzierung des Umzugs der halleschen Aidshilfe in die neuen Räumlichkeiten in der Leipziger Straße. Auch im nächsten Jahr wird die Wittenbergische AIDS-Gala erneut stattfinden. Das LineUp ist bereits in der Planung – auch wenn die Details noch streng geheim gehalten werden. Übrigens, die Tickets sind mittlerweile oft bereits Monate im Voraus vergeben, aber der diesjährige Vorverkauf schlug alle Rekorde. Nach nur vierzig Minuten waren alle Tickets restlos ausverkauft, und das aus gutem Grund: alle Stars waren mit ganzem Herzen beider Sache und lieferten eine unglaubliche Show. Also gilt: man sollte sich sputen, wenn man Teil des nächsten, unvergesslichen Abends sein möchte. Die dreizehnte AIDS-Gala wird am 29. März 2019 steigen. Text: AdMü Bilder: AHH


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halle.aidshilfe.de


10 Jahre EKAF-Statement: Es geht nicht nur um Sex! Nach 10 Jahren wissen nur 10 Prozent der Bevölkerung, dass HIV unter wirksamer Therapie nicht mehr übertragbar ist. Dabei sollte diese gute Nachricht heute zur Allgemeinbildung gehören: Sie kann Angst und Stigmatisierung entgegenwirken. Ein Plädoyer für klare Worte Hatten Sie schon einmal EKAF-Sex? – Wer heute unter 30 ist und nicht der HIV-Fachwelt angehört, versteht vermutlich nicht einmal die Frage.

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Es ist ja auch zu kurios: Einen Akt des Beischlafes nach einer staatlichen Institution zu benennen, dürfte in der Weltgeschichte einmalig sein. Gelungen ist dieses Kunststück 2008 der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen, kurz EKAF. Ihr öffentliches Statement, nach dem HIV unter gut wirksamer Therapie beim Sex nicht mehr übertragbar ist, war ein pionierhafter Vorstoß: Die EKAF brachte da-

mit einen weltweiten Prozess in Bewegung. Der noch lange nicht abgeschlossen ist. Zwar sind „Schutz durch Therapie“ beziehungsweise „Therapy as Prevention“ heute in beeindruckender Weise bewiesen und in Fachkreisen weltweit als wichtige Präventionsmethode akzeptiert. Doch wenn man Menschen im Alltag erzählt, dass HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar ist, lautet die häufigste Antwort: „Das ist ja großartig! Wieso weiß das denn niemand?“ Was für eine Nachricht: HIV nicht mehr übertragbar Der geringe Bekanntheitsgrad ist höchst bedauerlich. Denn es geht um weit mehr als um eine Möglichkeit, HIV-Infektionen zu verhindern. Die Nachricht ist ja tatsächlich großartig: HIV ist bei den meisten infizierten Menschen nicht mehr übertragbar! Nicht einmal beim Sex


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ohne Kondom. Dieses Wissen hat das Potenzial, Ängste vor Menschen mit HIV drastisch zu reduzieren – auch im Alltag. Wenn selbst beim Sex nichts mehr passieren kann, wie soll man sich dann noch vorm alltäglichen Kontakt in der Kantine, der gemeinsamen Benutzung einer Toilette oder einer freundschaftlichen Umarmung fürchten? Die EKAF hat damals beherzt veröffentlicht, worüber viele in gut informierten Kreisen bereits munkelten. Dies verknüpft mit der solidarischen Botschaft: Darauf darf man sich beim Sex dann auch verlassen. Das EKAF-Statement sollte Menschen mit HIV ausdrücklich „ein weitgehend ,normales‘ Sexualleben ermöglichen.“ Und es sollte Ängste nehmen. schreckend weit verbreitet. Das würde sich Das Potenzial, das in dieser Information steckt,

ändern, wäre die Bevölkerung besser über die

ist bis heute höchstens ansatzweise realisiert.

Nicht-Übertragbarkeit aufgeklärt.

10 Jahre nach dem berühmten EKAF-Statement kennen nur 10 Prozent der Bevölkerung

Schließlich sind heute 86% der wissentlich

die gute Nachricht. In einer repräsentativen

HIV-Positiven in Deutschland unter Therapie,

Umfrage der BZgA zum Welt-Aids-Tag 2017

93% davon unter der Nachweisgrenze. Ten-

stimmen gerade einmal 3% der Aussage voll

denz: steigend. Dass HIV nicht mehr übertrag-

und ganz zu, 7% trauen sich, sie „eher“ zu be-

bar ist, ist also der Regelfall.

jahen. Zwei Paar Schuhe: Schutz vor HIV und vor Kein Küsschen in Ehren

Stigmatisierung

Zugleich fürchtet sich ein Drittel der Bevölke-

Während „Schutz durch Therapie“ als Präven-

rung davor, mit HIV-positiven Menschen Ge-

tionsmethode nur für Menschen in bestimm-

schirr zu teilen, rund ein Viertel scheut die Be-

ten Situationen in Frage kommt, ist das Wissen

nutzung derselben Toilette. 15 % hätten sogar

von der Nicht-Übertragbarkeit ein Thema für

Bedenken, einen HIV-positiven Menschen zu

alle, weil es eben auch vor Ängsten und Stig-

umarmen. Ganz zu schweigen von einer sat-

matisierung schützt. Deswegen sollte das Wis-

ten Hälfte der Menschen in Deutschland, die

sen, dass die HIV-Therapie die Übertragung

einen HIV-positiven Menschen lieber nicht

verhindert, zur Allgemeinbildung gehören.

küssen würde (wobei ausdrücklich nach einem Kuss aus Sympathie gefragt wurde, nicht nach

Diese beiden Aspekte des Themas – Schutz

einer intimen Annäherung).

und Entängstigung im Alltag – sind zwei Paar Schuhe. Im öffentlichen Diskurs wer-

Spricht man gar von Sexualität, betritt man

den sie aber oft vermischt. Das liegt auch da-

den Bereich des Unvorstellbaren: Nur 14 % al-

ran, dass Sex nun einmal der Indikator ist, der

ler Befragten würden mit einer HIV-positiven

Nicht-Übertragbarkeit zum Ausdruck bringt.

Person „sicher“ oder „vielleicht“ Sex mit Kon-

So kam es in den Studien PARTNER und Op-

dom haben; drei Viertel wollen das nicht (16 %

posites Attract bei zigtausenden kondomlosen

„wahrscheinlich“, 59 % „sicher“).

Kontakten in gemischt HIV-positiv-negativen Paarbeziehungen zu keiner HIV-Übertragung.

Kurz: Unwissenheit und irrationale Ängste vor einer HIV-Übertragung sind noch immer er-

Und in der Präventionsarbeit erzählen wir Ge-

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schaft“ geeignet und verdaulich ist.

schichten von Menschen, die Schutz durch Therapie beim Sex nutzen. Die Bedeutung dieser Geschichten reicht aber über Sexualität weit hinaus, weil mit der HIV-Therapie eben nicht nur HIV-Übertragungen, sondern auch Angst und Zurückweisung verhütet werden können. Sex hat den Beweis der Nicht-Übertragbarkeit erbracht und transportiert die Geschichte. Die Moral von der Geschicht‘ hingegen spielt nicht im Bett, sondern an Arbeitsplätzen, in Arzt- und Zahnarztpraxen, in Sportvereinen. Um diese zweigleisige Botschaft zu verdeutlichen, sollten wir von „Schutz durch Therapie“ sprechen, wenn wir Prävention meinen und von „Nicht-Übertragbarkeit“, wenn die weiter reichenden Aspekte angesprochen werden. Sonst landen wir immer in Diskussionen darüber, für welche Zielgruppe die „Schutzbot-

Gefühltes Wissen braucht Engagement Wenn wir Ängsten und Diskriminierung entgegentreten wollen, muss unser Ziel für die nächsten zehn Jahre sein, das Wissen der Bevölkerung über die Nicht-Übertragbarkeit zu verzehnfachen und über öffentlich kommunizierte Geschichten aus dem echten Leben erfahrbar zu machen. Das geht nicht von heute auf morgen: Fakten müssen in die Köpfe und von dort in den Bauch rutschen, damit auch gefühltes Wissen daraus wird. Bei dieser Aufgabe sind alle Akteure im HIV-Bereich gefordert. Der Abbau von Diskriminierung ist nicht umsonst ein zentraler Baustein der BIS2030-Strategie der Bundesregierung: Er ist essenziell für die Lebensqualität von Menschen mit HIV und wirkt sich zudem auf das Testverhalten und den Erfolg der Prävention insgesamt aus. In diesem Sinne: Lassen Sie uns alle gemeinsam an die Pionierleistung der EKAF anknüpfen. Text: Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe Bilder: Adobe Stock (merla, christopher-oliver)

Gartenweg 32 06179 Teutschenthal OT Zscherben Tel.: 0345 - 690 29 56 Fax: 0345 - 977 28 37 8


Positive Konferenz zum Leben mit HIV

23. – 26.8.2018 Stuttgart Maritim Hotel und Liederhalle


„Mir war gleich klar, dass er mich liebt“ am ersten Abend keinen Sex hat, wenn man es ernst meint. Am zweiten Tag habe ich ihn zum Abendessen eingeladen und gesagt, er kann auch bei mir schlafen. Vlad: Das wollte ich dann aber nicht. Stephan: Am dritten Tag war er schon bei der Begrüßung irgendwie bedrückt und hat gesagt, er müsse mir noch was erzählen, bevor wir weiter machen. Er hat dann seine Tabletten rausgeholt und mir erzählt, dass er positiv ist. Vlad: Und er hat dann gesagt: „Ja, und? Was ändert das jetzt?“ Vlad (30) ist HIV-positiv, Stephan (40) HIV-negativ. Seit fast zwei Jahren sind sie ein Paar. Kondome benutzen sie nicht: Vlads Medikamente schützen Stephan. Uns erzählen die beiden Berliner, wie sie über HIV und Sex geredet haben – und über die Liebe. Mittlerweile ist wissenschaftlich bewiesen: Eine gut wirksame HIV-Therapie verhindert auch die Übertragung von HIV beim Sex. Voraussetzung für diese Schutzmethode ist, dass der HIV-positive Partner seine Medikamente regelmäßig einnimmt, dass seit sechs Monaten kein HIV mehr im Blut des HIV-positiven Partners nachweisbar ist und die Blutwerte regelmäßig überprüft werden. In groß angelegten Studien mit Hunderten gemischt positiv-negativen Paaren kam es zu keiner Infektion.

Vlad: Einerseits schon, denn man weiß ja nie, was dann passiert. Auf der anderen Seite hatte ich aber irgendwie im Gefühl, dass Stephan entspannt und sachlich reagieren würde und mich nicht nach Hause schickt. Habt ihr denn dann miteinander geschlafen? Vlad: Nicht in dieser Nacht, nein. Das war ein paar Tage später. Für wen von euch beiden war das aufregender? Stephan: Für mich, denke ich. Vlad: Woher willst Du das denn wissen?

Stephan: Am dritten Tag, an dem wir uns kannten. Das war der erste Abend, an dem er bei mir schlafen wollte.

Stephan: Weil ich derjenige von uns beiden war, der lange mit niemandem geschlafen hatte. Für mich gehören Sex und Gefühl zusammen, ich mag keine One-Night-Stands. Es war für mich etwas ganz Besonderes, und deswegen war ich nervös.

Wie dramatisch war dieser Moment?

Und wie ist es dann gelaufen?

Stephan: Der war eigentlich eher informativ. Das Ganze war so: Nach dem Kennenlernen habe ich ihn nach Hause geschickt, weil man

Stephan: Er hat seit der dritten Nacht immer bei mir geschlafen. Er ist einfach nie wieder ausgezogen.

Stephan, wann hat Vlad dir gesagt, dass er HIV-positiv ist?

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Hat dich das überrascht?


Vermutlich gab es dann irgendwann ein ausführliches Gespräch über HIV? Stephan: Nein, lange gesprochen haben wir darüber eigentlich gar nicht. Da ich nicht so oft Sex gehabt hatte und nie ohne Kondom, war klar, dass ich negativ bin. Vlad: Ich hab ihn trotzdem zu meiner Ärztin geschickt. Er hatte seit fünf Jahren keinen Test mehr gemacht und es wurde Zeit. Und wann habt ihr die Kondome weggelassen? Stephan: Gleich von Anfang an. Wir wussten beide, dass nichts passieren kann, weil Vlad auf Therapie ist. Keiner von uns hat da gezögert. Ist Sex ohne Kondom für euch schöner? Vlad: Für mich schon. Da ist mehr Nähe. Man muss sich zum Beispiel auch keine Gedanken machen, ob das Gummi reißt und auf kein Haltbarkeitsdatum achten. Stephan, hast du in den letzten anderthalb Jahren mal einen HIV-Test gemacht? Stephan: Nein. Vlads Ärztin hat mir gesagt, ein weiterer Test wäre nicht nötig, so lange wir monogam sind. Andere sexuell übertragbare Infektionen sind dann natürlich auch kein Problem. Vlads Ärztin überprüft regelmäßig, ob seine Therapie weiterhin gut funktioniert – und damit auch die Schutzwirkung für mich. Ihr fühlt euch sicher mit dem Schutz durch die Therapie. Wie reagieren Familie und Freunde darauf, dass ihr die Kondome weglasst? Vlad: Wer redet denn mit seinen Eltern über seinen Sex? Wir erzählen ihnen nichts davon, sie würden sich nur unnötig sorgen.

Stephan: Ich habe da auch keinen Gesprächsbedarf. Meine Familie würde sich vermutlich auch bloß Sorgen machen oder fragen, worauf ich mich da eingelassen habe. Aber wir haben mal mit einer Freundin drüber gesprochen. Die war dann einfach sehr traurig wegen Vlads Infektion.

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Vlad: Ich hab meine Wohnung nach sechs Monaten aufgegeben. Ich war da ohnehin seit vier Monaten nicht gewesen. (lacht)

Vlad: Dabei brauche ich Mitleid nun wirklich nicht. Ich denke eher: Bitte alle mal entspannt bleiben! Es ist alles in Ordnung und alles ganz normal. Das Virus ist einfach ein Teil von mir, wie meine Augen, Haare oder Fingernägel. Ich kann daran genauso wenig ändern und mache mir nicht mehr viele Gedanken darüber. Wann habt ihr beide das letzte Mal miteinander über HIV gesprochen? Vlad: In letzter Zeit gar nicht. Das ist einfach ein Teil unseres Lebens. Stephan: Nur am Anfang habe ich viel gelesen und mich einfach gut informiert. Vlads Ärztin hat mich dabei unterstützt. Ich weiß gut Bescheid, deswegen fühle ich mich nicht bedroht. Letzte Frage: Wann habt ihr einander eigentlich zum ersten Mal gesagt: „Ich liebe dich!“ Stephan: Das war schon in den ersten Tagen, abends im Bad. Vlad putzte sich gerade die Zähne, da ist mir das dann einfach rausgerutscht. Vlad: Er hat sich dann fast entschuldigt und gesagt, dass er mir das nicht im Bad zum ersten Mal sagen wollte. Aber eigentlich hätte er mir das überhaupt nicht sagen müssen. Warum das denn nicht? Vlad: Wenn einer dich sofort so nimmt wie du nun mal bist, HIV inklusive, und dann auch noch ganz angstfrei tollen Sex mit dir haben kann, dann ist doch schon klar, dass der dich liebt. Text: Paul Schulz Bilder: Dragan Visual Arts

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Die Zeit der Scham ist vorbei

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Conchita, ich und viele andere haben HIV und kรถnnen dank des medizinischen Fortschritts weiterhin normal leben, arbeiten, Kinder kriegen und das Virus bei gut funktionierender Therapie sogar beim Sex ohne Kondom nicht

weitergeben. Dennoch macht das Leben mit dem HI-Virus immer noch angreifbar und manche denken es sei ein Makel der sich zur Erpressung eigne, wie die aktuellen Geschehnisse rund um Conchita Wurst zeigen.


Es ist 2018. Die Zeit der Scham ist vorbei. Ich habe seit meiner HIV-Diagnose, die ich 2009 mit 20 Jahren bekam, viele miese Situationen erlebt. Eine damalige Freundin wollte mich nicht mehr berühren. Mein langjähriger Zahnarzt verweigerte mir die Behandlung, weil ich für andere Patient*innen angeblich gefährlich werden könnte. Ein früherer Kumpel ohrfeigte mich und sagte ich hätte es verdient, da ich dumm sei. Männer, die ich datete fanden mich „wirklich nett und hübsch“, konnten sich jedoch keine Beziehung vorstellen, weil sie Angst hatten was andere denken oder mich als „gesundheitliches Risiko“ für sich sahen. Einer wollte mich sogar anzeigen, obwohl wir in einer Bierlaune nur rumgeknutscht hatten und ich ihn nicht vorher über meinen Status aufklärte. Lange glaubte ich, dass mit mir wirklich etwas nicht stimmt. Dafür wertete ich mich ab und verinnerlichte die Stigmatisierung von außen. Dies war so schwer erträglich, dass ich irgendwann etwas verändern musste. Und mir wurde klar, die Scham konnte nur durch eine Person durchbrochen werden: Mich! Mein Engagement ist kein Aktivismus aus einer Opferrolle heraus. Ich bitte nicht mehr darum, normal behandelt zu werden. Ich verlange es! Es ist nichts falsch an uns, die mit HIV leben. Eine Freundin, die mich nicht berühren will, ist keine richtige Freundin. Ein Zahnarzt, der mich nicht behandeln will, versteht nichts von seinem Job. Ein Typ, der mich wegen des Virus ablehnt, hat mich nicht verdient. Wer mich ohrfeigt hat kein Recht dazu, sondern sich selbst nicht unter Kontrolle. Deren Unsicherheit, deren Scham, deren Vorurteile oder Unwissen sind das Problem. Nicht meine Infektion. Denn ich habe nicht gesündigt, muss Buße tun, mich entschuldigen oder um Solidarität bet-

teln. Ich empfinde keine Scham oder Schuld aufgrund meiner HIV-Infektion. Also möchte ich auch nicht, dass man mir oder einem anderen Menschen diese von außen überstülpt.

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Dahinter stecken Scham und Angst. Denn erpressbar ist man nur, wenn etwas sichtbar würde, welches so unangenehm ist, dass man vieles dafür tut es geheim zu halten. Conchitas Ex-Freund ist genau hiervon ausgegangen. Leider hat er etwas wichtiges vergessen.

Das klingt jetzt sehr einfach, war es aber nicht. Meine Selbstakzeptanz brauchte Zeit und war mit viel Schmerz verbunden, weil eine Trennung von jenen Personen, die mich nicht so nahmen wie ich bin, unvermeidbar war. Dazu gehörten Familie, Freund*innen und Partner*innen, also Menschen die ich eigentlich liebte, die mir aber nicht gut taten. Heute sehe ich diese Trennung als eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens. Nur so konnte ich mich denen hinzuwenden, die mich ohne Bedingungen lieben und schätzen. Meine Freund*innen, meine Community, meine aktivistischen Mitstreiter*innen und mein Partner sind meine Wahlfamilie. Ich bin aus sozialen Normen und meinem Umfeld ausgebrochen als es notwendig wurde und habe mir eine Alternative erarbeitet. Das ist für mich ein Kern von Emanzipation. Wenn wir über unseren HIV-Status sprechen und uns zeigen. Wenn wir uns nicht als hilfloses Opfer sehen, sondern uns aktiv gegen Stigma und Scham wehren. Wenn wir für selbstbestimmte Sexualität und vielfältige Lebensstile einstehen. Wenn wir das Bild vom Leben mit HIV verändern, verändern wir die Gesellschaft und die Bedingungen in denen wir leben. Das ist für mich der andere Kern von Emanzipation. Es gibt viele Gründe, warum man von der Gesellschaft oder den direkten Mitmenschen nicht akzeptiert wird. Mir ist egal welcher „euer“ Grund ist. Ich wünsche euch allen die Kraft und die Freude, die schwierigen Hürden des Lebens zu überwinden und es in vollen Zügen genießen zu können. Das geht nicht immer sofort, aber mit der Zeit wird es hoffentlich einfacher. Oder wie Conchita Wurst sagen würde: „We are unstoppable!“ Text: Marcel Dams Bild: Jansenberger Fotografie

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Weg mit §219a! Für eine liberale, westliche Demokratie hat Deutschland eines der restriktiveren Abtreibungsrechte: Paragraph 218 erklärt Abtreibung zur Straftat, die nur straffrei bleibt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. So müssen Frauen und andere Menschen, die abtreiben wollen, sich innerhalb von 12 Wochen einer Beratung in einer staatlich zertifizierten Beratungsstelle unterziehen und dann mindestens drei Tage warten, bevor sie einen Arzt aufsuchen können, um einen Termin zu vereinbaren. Ein weiterer Paragraph, der Abtreibung regelt, soll sicherstellen, dass dieser Ablauf auch tatsächlich eingehalten wird und Frauen nicht zuerst zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen, um einen Termin für eine Abtreibung zu vereinbaren: 219a, das sogenannte „Werbeverbot“. Dieser Paragraph besagt, dass Menschen, die öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften Dienste oder Mittel zum Abbruch einer Schwangerschaft des eigenen Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise anbietet, mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren bestraft wird.

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De facto führt dieser Paragraph jedoch zu einem massiven Informationsdefizit. So wurden mehrere Ärzte und Ärztinnen angeklagt und verurteilt, weil sie auf ihren Websites oder in Interviews klar machten, dass sie Abtreibungen vornehmen. Der wahrscheinlich bekannteste Fall dieser Art ist die Gießener Ärztin Kristina Hähnel, die zu 6000 Euro Strafe verurteilt wurde, weil sie auf der Website ihrer Praxis eine PDF anbot, die über die medizinischen und legalen Rahmenbedingungen für einen Schwangerschaftsabbruch informiert und weiterführende

persönliche Beratung anbietet. Die taz berichtet von zwei weiteren Ärztinnen aus Kassel, die im Laufe des letzten Jahres drei mal angezeigt und nun vor dem Kasseler Amtsgericht angeklagt wurden, weil sie ebenfalls auf ihrer Website darauf hinweisen, dass sie Abtreibungen vornehmen. Laut Recherchen der taz kommt der Großteil der Anzeigen von zwei Männern: Klaus-Günther Annen, einem überzeugten Abtreibungsgegner, der Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust gleichsetzt, und einem Mann, der sich im taz-Interview Markus Krause nennt und das Anzeigen von Ärzt_innen nach §219a als sein Hobby bezeichnet. De facto ist §219a also ein Informationsverbot. Denn der Paragraph führt dazu, dass viele Ärzt_innen aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen nicht mal in wenigen Worten öffentlich darüber informieren, ob sie Abtreibungen anbieten. Und das führt wiederum unter anderem dazu, dass die Beratungsstellen, deren Aufgabe es unter anderem ist, Frauen, die Abtreibungen wollen, und Ärzt_innen zusammen zu bringen, selbst nicht wissen, wer Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. In einem Interview mit Buzzfeed erklärte zum Beispiel Davina Höblich, Vorsitzende des Bundesvorstandes von ProFamilia, beschreibt die mühevolle Recherche und Aktualisierung dieser Listen als eine Herausforderung, vor der Beratungsstellen stehen. Während die Grünen, die Linke, die FDP, die SPD, mehrere Landesregierungen und Landesärztekammern den Paragraphen abschaffen oder zumindest reformieren wollen, sah die Union lange keinen Handlungsbedarf. §219a sei


An diesen Argumentationen werden zwei bedenkliche und diskussionswürdige Annahmen zum Thema Schwangerschaftsabbrüche offensichtlich: erstens, dass das Leben bei der Zeugung beginnt, weshalb eine Abtreibung immer eine Tötung sei und zweitens, dass schwangere Menschen, insbesondere schwangere Frauen, leicht zu beeinflussen und irrational wären, sobald es um Schwangerschaft geht. Wegen dieser Irrationalität müssten die Föten vor ihnen beschützt werden müssen, indem man Frauen in ihrer Selbstbestimmung einschränkt. Die Idee, dass Frauen inhärent weniger rational sein, ist dabei eine der ältesten patriarchalen Mythen,

der seit seiner Entstehung genutzt wurde, um Frauen von Macht aller Art fernzuhalten. Außerdem sind die beiden erwähnten Annahmen offensichtlicherweise miteinander verknüpft: das Einschränken von körperlicher Autonomie ließe sich kaum rechtfertigen, wenn Föten nicht als vollwertige, lebendige Menschen angesehen werden würden.

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Teil einer „ausgewogene[n] Regelung, die den Schutz des ungeborenen Kindes in den Mittelpunkt stellt und zugleich die Selbstbestimmung der Mutter wahrt“, erklärte die rechtspolitische Sprecherin der Union in einem taz-Interview. Wie bereits erwähnt ist der angebliche Sinn von des Paragraphen, den in §218 festgelegten Ablauf sicherzustellen. Frauen sollen die Information, wo eine Abtreibung vorgenommen werden kann, erst bekommen, wenn sie eine Beratungsstelle aufgesucht haben, deren expliziter Zweck es ist, sie von einer Abtreibung abzuhalten. Laut den Verteidigern von §219a würde die Möglichkeit, sich bereits vor der Beratung zu informieren, zum einen Frauen in ihrer Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch bestärken. Zum anderen würde das Aufzählen von Abbrüchen neben anderen ärztlichen und gynäkologischen Leistungen einen unnormalen, da mörderischen, Eingriff verharmlosen.

Der Zugang zu Abtreibung musste in Deutschland genauso hart erkämpft werden wie in vielen anderen Teilen der Welt. Das berühmte „Wir haben abgetrieben“-Titelbild des Sterns, das 1971 erschien, sorgte für einen Skandal und eine hitzige Debatte. Vor den Türen einiger Frauen stand damals laut Alice Schwarzer die Polizei, die SZ warf den Frauen Exhibitionismus und die Frankfurter Rundschau Konsumwahn vor. Und selbst dann dauerte es noch fünf Jahre, bis die momentane Gesetzeslage in Stein gemeißelt wurde, die Abtreibung immer noch kriminalisiert und nur gnädigerweise Bedingungen festsetzt, unter denen sie nicht bestraft wird. Feministische Analysen, Theoretikerinnen und Aktivistinnen wie Emma Goldman, Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer oder Audre Lorde sehen die Unzugänglichkeit und das Verbot von Abtreibung schon lange als eine Art, wie Frauen kontrolliert werden. Indem Frauen untersagt wird, selbstbestimmt und unabhängig über ihre Körper zu entscheiden, wird ihnen auch verunmöglicht, über den weiteren Verlauf ihres Lebens völlig unabhängig zu entscheiden. An den Paragraphen 218 und 219a kann man sehen, wie versucht wird, diese Kontrolle aufrecht zu erhalten. Den meisten Frauen und anderen schwangeren Menschen in Deutschland wird nur ein Weg ermöglicht, eine sichere, legale Abtreibung zu erhalten. Wie unter anderem Mitglieder der CDU zugeben, soll über §219a sicher gestellt werden, dass Frauen genau diesen vorgegebenen Weg auch beschreiten. Dadurch, dass kontrolliert wird, zu welchen Informationen Frauen und andere schwangere Menschen Zugang haben, wird kontrolliert, was sie mit ihrem Körper tun. Text: Clara Fiedler | Bilder: Sarah Buddeberg, CC BY-NC-ND 2.0; Sabrina Gröschke / Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

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Wir sind Umgezogen! Seit Juni befindet sich unsere Geschäfts- und Beratungsstelle in der Leipziger Straße! Da die hallesche Aidshilfe ihre bisherigen Räume nicht freiwillig verlassen hat, sondern gezwungen war, diese zu räumen, blicken wir umso wehmütiger auf die Vergangenheit. Vielen Mitgliedern und Freund_innen des Vereins kommt es fast wie gestern vor, als die Beratungsstelle im Jahre 1997 ihre Türen im Böllberger Weg öffnete. Es fällt uns wahrlich nicht leicht, die Räumlichkeiten, in denen Mitarbeiter_innen, Klient_innen und Freund_innen des Vereins 20 Jahre lang gearbeitet, gedacht, gelacht und getrauert haben, hinter uns zu lassen.

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Zugleich sind wir aufgrund des Umzugs ungemein aufgeregt und gespannt auf die Neuerungen, die der jetzige Standort mit sich bringen wird. Nach dem Vorstandswechsel und den Veränderungen in der Teamzusammensetzung des letzten Jahres, fühlt sich unsere Situation jetzt noch ein Stück weit mehr nach Aufbruch und Neubeginn an. Wir sind zuversichtlich, dass sich auch der Standortwechsel positiv auf unsere Arbeit auswirken wird. Auf dem oberen Boulevard unweit des Leipziger Turms wird sich unsere Beratungsstelle in Zukunft in der Innen-

stadt und folglich im Herzen der Stadt Halle (Saale) befinden. Damit sind wir nicht nur besser erreichbar für Klient_innen und Kooperationspartner_innen, sondern auch präsenter im Stadtbild als bisher. Wir hoffen, dass unser Beratungs- und Testangebot nun noch zugänglicher wird und mit unserer Aufklärungs- und Präventionsarbeit so noch mehr Menschen ansprechen zu können als bisher. Unserem Vorhaben, als sozialpolitischer Akteur häufiger im Stadtgeschehen mit- und uns mehr in politische Debatten einzumischen, kommt dies ebenfalls zugute. Die letzten Wochen waren stressig für uns alle. Doch nun haben wir es geschafft und das Ergebnis lässt sich wirklich sehen! Wir sind ungemein stolz auf unsere neue Geschäftsstelle mit ihren modernen Büros, dem hellen Seminarraum und dem einladenden Test- und Beratungsraum. Falls ihr euch einen eigenen Eindruck verschaffen wollt, dann kommt doch einfach mal in der Leipziger Straße 32, 06108 Halle (Saale) vorbei! Ob zur Beratung, zum Schnelltest oder einfach nur zum geselligen Austausch, wir empfangen euch gern! Bild: AHH


weltoffenen Gesellschaft, für die „Halle gegen

halle.aidshilfe.de

Mitgliedschaft bei„Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage“ Rechts“ mit Entschiedenheit eintritt. Der Blick auf die Ereignisse der vergangenen Jahre in Halle (Saale) offenbart Eines: Nur auf öffentliche Aktionen der Rechten zu reagieren, reicht nicht aus. Ziel ist es daher, möglichst viele Einzelpersonen und Organisationen, die sich für ein demokratisches und tolerantes Miteinander engagieren, im Bündnis zusammenzuführen. So soll langfristiges Engagement gegen Rechtsextremismus gestärkt und weiterentwickelt werden. „Halle gegen Rechts“ sieht es als seine Aufgabe an, durch kontinuierliche Arbeit die Hallenser_innen für die demokratischen Grundwerte unserer In den letzten Jahren erleben wir eine von

Gesellschaft zu sensibilisieren und sie zum eige-

rechtspolitischen Bewegungen forcierte konser-

nen Engagement zu aktivieren. Nur durch sicht-

vative Revolution. Diese widerspricht nicht nur

bare Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und

den Werten einer pluralistischen Demokratie,

Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus in

in der Menschen ohne Angst verschieden sein

Halle und das Verhindern der Präsenz der Neo-

können. Die mit ihr einhergehende völkische,

nazis im öffentlichen Raum kann sich die Zivil-

heteronormative und moralinsaure Sexualpoli-

gesellschaft in unserer Stadt gegen die undemo-

tik bringt zudem eine Verschlechterung des ge-

kratischen ‚Rattenfänger’ dauerhaft verteidigen.

sellschaftlichen Klimas für unsere ohnehin schon

Als zivilgesellschaftliches Bündnis möchte „Hal-

stigmatisierten Hauptzielgruppen mit sich und

le gegen Rechts“ der_dem Oberbürgermeister_

die Errungenschaften der bundesdeutschen

in beziehungsweise der Stadtverwaltung sowie

HIV-Prävention maßgeblich in Gefahr. Um uns

den Stadträt_innen Ansprech- und Kooperati-

in Zukunft noch besser als bisher gegen rechts-

onspartner_in sowie Berater_in zugleich sein, um

radikale Strömungen in Politik und Gesellschaft

gemeinsam Handlungsstrategien abzustimmen

engagieren zu können, sind wir nun Mitglied bei

und umzusetzen.

„Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage“. In „Halle gegen Rechts – Bündnis für ZivilcouraBei „Halle gegen Rechts“ handelt es sich um ein

ge“ haben sich über 30 Organisationen und

Bündnis zahlreicher engagierter Einzelpersonen

100

und Organisationen aus Halle (Saale), die sich zu

Wir freuen uns über neue Unterstützer_innen!

Einzelpersonen

zusammengeschlossen.

einer lebendigen Demokratie und zum respektvollen Umgang miteinander sowie zur Weltoffen-

Kontakt:

heit und Vielfalt bekennen. Da die Unantastbar-

Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage

keit der Menschenwürde und die Universalität

Große Klausstraße 11, 06108 Halle

der Menschenrechte Ausgangspunkte seines

kontakt@halle-gegen-rechts.de

Handelns darstellen, distanziert sich das Bünd-

halle-gegen-rechts.de

nis grundsätzlich von jeglicher Art der Ausgren-

facebook.com/HallegegenRechts

zung, der Diskriminierung und des Rassismus im

twitter.com/halggr

Alltag, im öffentlichen Raum und in institutionellen Strukturen. Rechtsextremismus, Antisemitis-

Text: AHH/„Halle gegen Rechts –

mus und Gewalt in jeglicher Form unvereinbar

Bündnis für Zivilcourage“

mit den Grundsätzen einer demokratischen und

Bild: AHH

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Weltaidstag: Aktion der Gesamtschule im Gartenreich Die Rote Schleife ist wohl eines der bekanntesten Symbole überhaupt. Sie steht für Solidarität für und Akzeptanz von HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen sowie für Aufklärung über das Virus und die Entstigmatisierung der von ihm Betroffenen. Sie vereint aber auch diejenigen, die sich aktiv für gefährdete und betroffene Menschen einsetzen, als ein Zeichen des politischen Aktivismus und des gemeinsamen sozialen Engagements. Unter der Leitung von Lehrer Rocco Lehmann wurde von der Gesamtschule im Gartenreich anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember 2017 ein Zeichen gesetzt. Zunächst beschäftigen sich die Schüler_innen aller Klassenstufen in den Fächern Ethik, Biologie, und Kunst übergreifend mit dem Themenbreich HIV und AIDS. So wurde das Bewusstsein der Lernenden für die Problematik rund um Infektion und das Leben mit HIV erweitert. Die Schüler_Innen der Klasse 7a bastelten im Hauswirtschaftsun-

terricht sogar selbst Rote Schleifen. Diese wurden dann zum Tag der offenen Tür am 25. November 2017 sowie zum Weltaidstag gegen Spenden verteilt, deren Erlös der Aidshilfe Halle zu Gunsten kommen. Die engagierten Schüler_ innen leisteten mit dieser großartigen Aktion nicht nur finanzielle Unterstützung für unsere Arbeit, sondern trugen ihren Teil zu Aufklärung und Enttabuisierung des Themas HIV/AIDS bei. Wir danken allen beteiligten Lernenden und Lehrenden der Gesamtschule im Gartenreich für ihr Engagement! Text: AdMü Bild: Gesamtschule im Gartenreich

PrEP-Beratung in der Aidshilfe PrEP ist die Kurzform für Prä-Expositions-Pro-

Wir informieren und beraten daher zu:

phylaxe, also Vor-Risiko-Vorsorge. Dabei handelt

• Möglichkeiten der Verschreibung von PrEP

es sich um eine Safer Sex-Methode, bei der vor-

• Vorhergehende und begleitende Untersu-

sorglich HIV-Medikamente eingenommen werden. Die tägliche Einnahme der entsprechenden Tabletten kann nachweislich eine HIV-Infektion

chungen der PrEP-Einnahme • Risiken, Neben- und Wechselwirkungen der PrEP-Einnahme

beim Sex verhindern. Studien belegen, dass die Schutzwirkung der PrEP mit der des Kondoms

Die umfassende Erstberatung gemäß den Zu-

vergleichbar ist. Damit ergänzt die PrEP das Kon-

lassungsrichtlinien zu allen wesentlichen Aspek-

dom und den sogenannten „Schutz durch The-

ten einer HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe durch

rapie“ um eine weitere hoch wirksame Präven-

uns ist zudem Voraussetzung für eine Verschrei-

tionsmethode, die sich vor allem für Menschen

bung sowie Begleitung durch die lokale Schwer-

mit einem erhöhten Infektionsrisiko eignet. Seit

punktpraxis Dr. Frank Ackermann. Von gibt es

Herbst 2017 ist sie auch hierzulande zur Ver-

außerdem ein Begleitheft, in dem die Tabletten-

schreibung zugelassen.

einnahme und Begleituntersuchungen vermerkt werden können, um nicht den Überblick zu ver-

Bevor jedoch mit der PrEP-Nut-

lieren.

zung begonnen werden kann, ist eine eingehende Beratung 18

notwendig.

Erstberatungen zur PrEP finden nur zu vereinbarten Terminen statt. Bild: AHH


halle.aidshilfe.de Wir heißen Lucia und Xenia, sind 16 Jahre alt und Schülerinnen an der „BbS V für Gesundheit Körperpflege und Sozialpädagogik“. Im Dezember letzten Jahres startete unser gemeinsames Schülerpraktikum. Das ist aber kein „normales“ Praktikum wie zum Beispiel in einem Supermarkt oder beim Frisör. Es sollte ein Praktikum in der sozialen Arbeit werden, bei dem man mit Menschen zu tun hat. Dabei war es war gar nicht so einfach, einen Platz für unser Praktikum zu finden. Zwar gab es viele Angebote, doch keines von denen hat uns wirklich angesprochen. Wir fürchteten schon, keine Stelle für unser Praktikum zu finden. Glücklicherweise fand am 1. Dezember an unserer Schule ein Projekttag zum internationalen „Welt-AIDS-Tag“ statt. Es gab viele Stationen mit verschiedenen und sehr informativen Themen rund um HIV/AIDS. Wir fanden das so interessant, dass wir unser Praktikum gern in der Aidshilfe machen wollten. Also haben wir unsere Schulsozialarbeiterin um Hilfe gebeten, die daraufhin in der Aidshilfe angerufen hat, um sich zu erkundigen, ob wir dort unser Schülerpraktikum absolvieren können. Nach einem kurzen Vorstellungstermin beim Geschäftsführer Martin und nachdem alles geklärt und abgesprochen war, konnten wir noch im Dezember in der Aidshilfe anfangen.

Als wir zu unserem ersten Tag in die Geschäftsstelle gegangen sind, wurden wir dann auch sehr freundlich von den Mitarbeiter_innen Dennis, Ronja und Maarten empfangen. Als allererstes haben wir uns mit allen bekannt gemacht. Ronja kannten wir ja bereits vom Projekttag. Nachdem sich alle vorgestellt haben, durften wir erstmal überall rumstöbern und alles erkunden. Wir haben uns auch einige Zeitschriften und Dokumentationen über das Thema HIV/AIDS angesehen. Nach diesem ersten Tag wussten wir schon so viel mehr und haben uns auf die Praktikumszeit sehr gefreut. In den folgenden zwei Wochen haben wir eine schöne Zeit mit allen verbracht und auch viel Neues kennengelernt. Manche Arbeitsaufträge durften wir sogar selbstständig erledigen. Nach diesen Zwei Wochen dachten wir eigentlich, dass unser Praktikum vorbei wäre. Doch dann mussten wir eine weitere Woche absolvieren, um zu unserer Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Natürlich durften wir auch jetzt wieder ein Praktikum in der Aidshilfe machen und wurden wieder herzlichst von allen aufgenommen. Wir sind sehr dankbar für diese wundervolle gemeinsame Zeit hier in der Aidshilfe und können anderen Jugendlichen ein Praktikum in hier empfehlen. Text: LuJa, XeHa

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Kuku Kolumnas letzte Worte

Kuku Kolumna, die blasende Reporterin, fährt eine alte Vespa, von der aus sie ihre Ergüsse direkt in die Herzen der Leser*innen spritzt. Mit hunderten von km/h geht es tief durch die Kneipen dieser Gesellschaft, die Gärten der Lust und die Wälder des Geschlechts.

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Es ist ja gar nicht so einfach über HIVzu schreiben, wenn ich doch eigentlich die ganze Zeit über Sex schreiben will. Zum Glück gibt es da ja aber doch so einige Überschneidungen. Schreibt man aber in diesem Kontext über Sexualität, dann ist es doch meistens schwer, das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu tun. Es ist ja auch nicht falsch über Risiken aufzuklären, aber so richtig in Stimmung komm‘ ich dabei zumindest nicht. „Risikokontakt“ ist halt nicht so geil wie „One-Night-Stand“ oder „Und ich war eigentlich schon auf dem Weg nachhause, aber dachte mir, schaust du doch

nochmal im Darkroom vorbei und dann war der dieser Typ, ich sag dir, sowas hast du noch nicht gesehen, meine Güte, war der geil!“. Aber ist es denn möglich über das Geile am Sex und HIV zu schreiben? Klar! „Fickt weiter!“, schrieb der Autor, Schwulen-Aktivist und ab 1989 auch DDR-Bürger Roland M. Schernikau Mitte der 80er in der Siegessäule. Wer nach dieser kurzen Vorstellung schon glaubt, dass der Typ auf jeden Fall richtig einen an der Klatsche gehabt haben muss, hat wahrscheinlich Recht. Offensichtlich kann das jedoch nichts anderes als ein Argument für die alte Trümmertunte sein. Aber zurück zum Ficken.


Machen wir eine kleine Traumreise zurück in die 80er. Suchen Sie sich an dieser Stelle ein Räucherstäbchen oder rollen Sie mal wieder einen Joint, setzen Sie sich gemütlich hin, atmen Sie noch einmal tief durch, schnallen Sie sich an und los geht’s! Sie tauchen ein in eine Welt, die unserer erschreckend ähnlich sieht, aber doch ganz anders ist: Alle machen wieder Aerobic und hören Abba. Karate Kid 1-100 läuft in den Kinos, Lustige Frisuren und Madonna, dann aber auch Queen und Hip Hop auf der einen und Franz-Josef Strauß und Magaret Thatcher auf der anderen Seite. Und AIDS. Mit den ersten Berichten über diese mysteriöse Krankheit, die es scheinbar besonders auf Schwule, Prostituierte, Ausländer und Junkies abgesehen hatte, wuchs auch die Panik in er Gesellschaft. Die Strafe Gottes sei über die Sünder dieser Welt gekommen! So manches konservative Herz hat wahrscheinlich vor Freude einen Purzelbaum geschlagen, bei der Vorstellung, dass so ziemlich alles, was so fremd und pervers daher kommt, in einem Rutsch von der Erdoberfläche gefegt werden könnte. Gerade die CSU hatte scheinbar ein paar gute Abende sich einen Maßnahmenkatalog gegen die drohende Gefahr auszudenken und Heimat-Horsti, der es heute immerhin bis zum Innenminister gebracht hat, träumte von „speziellen Heimen“ in denen man Kranke und Infizierte „konzentrieren“ könne. Und das war nur die Nazi-Spitze des

Heute sieht die Lage schon ganz anders aus. Ein positiver HIV-Test ist schon längst kein sicheres Todesurteil mehr, und auch wenn sich einige Vorurteile noch immer hartnäckig halten, ist es schon lange kein Thema mehr, dass täglich die Medien bestimmt. Medizin und Pharmazie sind also schon lange so weit, dass HIV und AIDS eigentlich für niemanden mehr ein Thema sein müssten. Seit zwei Jahren gibt es sogar theoretisch schon die PrEP in der EU! Also die Möglichkeit, HIV-Medikamente einzunehmen bevor man HIV hat und dadurch kein HIV zu bekommen. Also die Verantwortung für den eigenen Schutz selbst zu übernehmen. Also rein theoretisch HIV schon besiegt ist und sich niemand mehr anstecken, geschweige denn an AIDS erkranken müsste. Also das wäre so, wenn die Scheiße nicht schweineteuer wäre oder von den Krankenkassen übernommen würde oder es überhaupt sowas wie eine globale flächendeckende Gesundheitsversorgung gäbe. Und da liegt dann auch schon wieder das Problem.

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Zusammengefasst sagt Schernikau ungefähr das Folgende: Wer in die Sauna geht, kriegt Fußpilz und wer fickt, kriegt AIDS. Aber ist das wirklich so einfach? Sex – AIDS – Tod?

Es gibt also viel zu tun: Medikamente für alle, die sie brauchen, ein öffentlicher Zugang zu ärztlicher Versorgung und die Sache mit dem Hunger und dem Krieg sieht gerade auch ziemlich beschissen aus. Aber während wir damit anfangen, sollten wir ruhig weiter ficken! Text: Kuku Kolumna Bild: Dragan Simicevic Visual Arts

rechten Eisberges. In dieser Stimmung schreibt also ein 24-jähriger Schwuler, dass doch alle lieber mal weiter ficken sollten. Was blieb denn auch sonst? Eine Therapie war noch lange nicht in Aussicht, aber die gerade erst erkämpften Rechte von Schwulen und Lesben schon wieder in Gefahr. Er stand also einer Naturkatastrophe gegenüber, gegen die kein Ankommen war und sagte sich: Solange man halt nichts gegen AIDS tun kann, tut man eben was gegen die Dinge, gegen die man dann halt eben was tun kann: Die vielen Selbstmorde unter queeren Jugendlichen, die Kriege, der Hunger. Ja, man tritt ein für etwas Gutes und etwas Schönes und eben auch für die Lust am Ficken.

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DIE ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG WEISEN AUF EINE KLUFT ZWISCHEN DER MEDIZINISCHEN REALITÄT UND DEN ERWARTUNGEN ANS LEBEN BEI MENSCHEN MIT HIV HIN. IM HINBLICK AUF IHRE LANGFRISTIGE GESUNDHEIT UND DAS ÜBERTRAGUNGSRISIKO GIBT ES NACH WIE VOR GROSSE UNSICHERHEITEN.


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2018 e n i m st-Ter 9. Juli / 16. August / ber / HIV-Te O k to li / 1

u 18. ni / 5. J r tob er / / 21. Ju zembe / 4. O k r e b 7. Juni m 20. De e / t r p e e b S / 20. Dezem e mb e r er / 6. – 6. Sept ovemb N . 5 20 Uhr 1 18 bis mb e r / n e o v v o s N il 1. – jewe

nac h ym und t anon lg fo r e st . hnellte r a t u ng D e r Sc iger Be r e h r ig. o v t we n d u ng n o ld e vor. m n ra inuten eine Vo a. 30 M c h Es ist k c a gen n ests lie e des T s is n b e Die Erg : beitrag Kosten Eu r o : 15,00 elltest n h c Eu r o -S HIV st: 5,00 hnellte c -S is il S yph

Impressum AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V.

Alle Inhalte dieses Magazins unterliegen dem Ur-

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heberrecht. Eine Weiterverwendung, auch aus-

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bildete Personen können Models und nicht die im „red.“ ist ein ehrenamtliches Projekt der AIDS-Hilfe Halle /Sachsen-Anhalt Süd e.V. und finanziert sich durch Anzeigeschaltungen selbst. Spenden sind möglich und steuerabzugsfähig.

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