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#18 – Mai 2017

Glanz und Glamour bei der 11. AIDS-Gala in Wittenberg

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Die PrEP kommt nicht – die PrEP ist da! →→ Seite 13

DISKUSSION: ZULASSUNG VON TRUVADA ALS PREP • SPEICHERUNG HIV-POSITIVER IN POLIZEIDATENBANKEN WAHL EINES NEUEN VORSTANDES • VORSTELLUNG DES NEUEN TEAMS • RÜCKBLICK AUF DIE ELFTE AIDSGALA • AUFRUF ZUM PROTEST GEGEN RECHTS AM 1. MAI • VORSTELLUNG UNSERES BEARATUNGSANGEBOTS


BERATUNG

Beratungsstelle Halle (1. Obergeschoss) Information – Beratung – Betreuung Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) Öffnungszeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Mi.: Termine nach Vereinbarung

Beratungstelefon Halle: 0345 - 19411

Universitätsklinikum Halle HIV-Sprechstunde Ernst-Grube-Straße 40, HIV-Ambulanz – Innere IV 06120 Halle (Saale) Sprechzeiten: Di.: 14–16 Uhr

(max. 9 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/ Min. aus den dt. Mobilfunknetzen)

(Ortstarif)

Sprechzeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Bundesweites Beratungstelefon: 0180 - 3319411

Sprechzeiten: Mo.–Fr.: 9–21 Uhr Sa., So.: 12–14 Uhr Onlineberatung der Aidshilfen: www.aidshilfe-beratung.de

Naumburg Beratungsangebot Am Markt 12, Raum 305 06618 Naumburg (Saale) Sprechzeiten: Jeden 4. Do., 15–18 Uhr BEGEGNUNG

Infothek Halle (Erdgeschoss) Galerie – Café – Bibliothek 0345 - 68165791

Öffnungszeiten: Di., Do.: 14–20 Uhr Sa.: 11–14:30 Uhr – Brunch im Erdgeschoss

LoveAgents kreatHIV – präventHIV in der Szene Jeden 2. und 4. Mi., 18–20 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG) Email: loveagents@halle.aidshilfe.de

Treffen der Berater_innen Jeden 1. Do., 17–18 Uhr Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1. OG)

YoungStars kreatHIV – präventHIV in der Schule Jeden 1. und 3. Fr., 14–16 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Infoabend für Neue Jeden letzten Mi., ab 18 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Positiventreffen Treffen für Menschen mit HIV Geschlossene Veranstaltung Jeden 3. Mittwoch, ab 18 Uhr Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (Infothek EG) Email: positivleben@halle.aidshilfe.de

hetero.aidshilfe.de jes-bundesverband.de jungundpositiv.de angehoerige.org positiv-ev.de positHIV.info hiv-migration.de/netzwerke/afrolebenplus

AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) halle.aidshilfe.de

Spendenkonto Bank: Saalesparkasse IBAN: DE14800537620385311531 BIC: NOLADE21HAL

(Ortstarif)

EHRENAMT

SELBSTHILFE

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EDITORIAL Liebe Leser_innen des red.-Magazins, liebe Freund_innen der Aidshilfe Halle, der Frühling steht vor der Tür. Und damit auch viele Veränderungen für die hallesche Aidshilfe. Im März diesen Jahres wurde ein neuer Vorstand gewählt. Außerdem hat Anfang April die langjährige Geschäftsführerin Petra Becker die Geschäftsstelle verlassen und ist in ihren wohlverdienten Ruhestand gegangen. Seit Beginn des Jahres hat sowohl der Arbeitsbereich der Primärprävention Migration und Haft als auch unsere Infothek eine_n neue_n Mitarbeiter_in. Damit Ihr wisst, wer hinter der Aidshilfe steht und wer für die verschiedenen Aufgabenbereiche zuständig ist, soll Euch der neue Vorstand und das neue Team daher in dieser Ausgabe des Magazins vorgestellt werden. Neben den Informationen zum Verein und zur Beratungsstelle haben wir natürlich auch wieder Artikel zu verschiedensten aktuellen Themen aus dem Aidshilfekontext vorbereitet. Unser Coverthema ist diesmal die sogenannte PrEP – die Präexpositionsprophylaxe. Neuere Studienergebnisse und die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die vorbeugende Einnahme von HIV-Medikamenten eine wirksame Methode der Prävention darstellt.

Diese Chance für Aidshilfe- und Präventionsarbeit gilt es zu nutzen. Sie muss nur politisch ergriffen werden. Zudem berichten wir über das Bekanntwerden der Speicherung HIV-positiver Menschen in Polizeidatenbanken und die damit verbundenen ethischen Probleme. Gesondert hinweisen möchten wir zudem auf die Kampagne „Naziaufmarsch in Halle? Ma1. #läuft nicht“ vom Bündnis „Halle gegen Rechts“. Diese ruft dazu auf, die Proteste gegen die geplante Nazidemo am 1. Mai zu unterstützen. Da es zur gängigen Strategie der neuen Rechten gehört, die Zielgruppen von Aidshilfearbeit verbal und körperlich zu attackieren, und Aidshilfe für eine demokratische Gesellschaft steht, in der Menschen ohne Angst verschieden sein können, haben wir den Aufruf des Bündnisses selbstverständlich mitgezeichnet. Daher möchten wir natürlich auch Euch dazu ermutigen, Euch an der Gegendemonstration zu beteiligen und zu zeigen, dass eine Nazidemo in Halle nicht läuft. Martin Thiele, Geschäftsführer

INHALT AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd.............................. 2

Diskussion der PrEP........................................................ 14–15

Editorial / Inhalt......................................................................... 3

ANST: Speicherung HIV-Positiver

Der neue Vorstand stellt sich vor.....................................4–5

in Polizeidatenbanken..................................................... 16–17

Vorstellung des neuen Teams der Beratungsstelle........... 6

Aktion zum Valentinstag................................................ 18–19

Vorstellung des neuen Mitarbeiters

Rückblick auf die Wittenberger AIDS-Gala...............20–21

im Migrations- und Haftbereich............................................ 8

Frauen und HIV....................................................................... 22

Vorstellung der neuen Mitarbeiterin der Infothek............ 9

Interview mit Denis Leutloff

Abschied von Petra Becker

zu den Positiven Gesichtern................................................. 23

als Geschäftsführerin...................................................... 10–11

Praktikum in der Aidshilfe..................................................... 24

Ausstellung Yvette Cruz / IDAHIT 2017:

Rückblick auf die Etablierung als

Europa in Bewegung..............................................................12

Antidiskriminierungsstelle..................................................... 25

Zulassung von Truvada als PrEP.......................................... 13

Veranstaltungen .............................................................. 26–27 3


Der neue Vorstand stellt sich vor Wie heißt du? Michael Smolka

L E A H C I M OLKA SM

Was machst du beruflich? Ich bin examinierter Altenpfleger, Pflegedienstleiter und seit 2007 Eigentümer und Geschäftsführer des AGNES-Gemeindepflegedienstes in Halle.

Wie ist deine Verbindung zum Verein, seit wann bist du schon Mitglied? Ich betreue seit 2009 Klient_innen der Aidshilfe als Pflegekraft und seit 2015 das Test-Projekt. Seit einigen Jahren unterstütze ich die Tätigkeit der Aidshilfe auch als Sponsor für Projekte unter anderem mit einem Vereinsfahrzeug für die bessere Mobilität der Mitarbeiter bei der Klienten Versorgung und Projektarbeit. Vereinsmitglied bin ich seit Februar 2017. Was sind deine Wünsche und Ziele für die Arbeit im Vorstand der Aidshilfe Halle? Die Aidshilfe Halle begleite ich als Besucher seit über 20 Jahren, in dieser Zeit habe ich viele Höhen und Tiefen miterlebt und gerade in den letzten Jahren viel mir immer bewusster auf welche Probleme sich entwickelt haben. Ich sehe sehr viel Potential in den Mitarbeitern, Mitglieder und Ehrenamtlichen der

Aidshilfe diese wieder bekannter zu machen. Besonders ist es mir persönlich wichtig die Grundlagen mehr nach außen darzustellen, da ich feststellen musste das viele Bevölkerungsschichten uns nicht mehr wahrnehmen und keinerlei Kenntnisse zum Thema HIV und AIDS und anderen sexuell Übertragbaren Infektionen haben. Das Bewusstsein zum Thema war in den 90er Jahren besser entwickelt. Ich möchte dem Verein mit meiner Tätigkeit im Vorstand unterstützen sich selbst wieder zu finden und mit positiver Energie alte Projekte fort zu führen und neue zu entwickeln.

Wie heißt du? Ines Winkler

S E IN L K N I W

Was machst du beruflich? Sachbearbeiterin im Landesverwaltungsamt Ref. 402 (Immissionsschutz, Chemikaliensicherheit, Gentechnik, Umweltverträglichkeitsprüfung)

Wie ist deine Verbindung zum Verein, seit wann bist du schon Mitglied? Ehrenamtlich bin ich schon sehr lange tätig und Mitglied seit März 2017 Was sind deine Wünsche und Ziele für die Arbeit im Vorstand der Aidshilfe Halle? Ich möchte helfen den Verein neu aufzustellen und neue Ziele zu finden. Das Ganze vielleicht über neue Wege erreichen. Der Verein hat es verdient, bekannter zu werden und vor allem wieder sehr viel lebendiger. In den Jahren seit ich dabei bin, habe ich immer mehr beobachten müssen, wie die eingefahrenen Gleise nicht mehr verlassen wurden, der Mut (Elan) neue oder auch nur andere Wege zu bestreiten nicht vorhanden war. Es soll wieder

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frischer Wind in allen Strukturen der Aidshilfe Halle wehen. Sicher werden wir möglicherweise den ein oder anderen Fehler begehen, sicher werden wir uns den ein oder anderen blauen Fleck holen. Aber das ist eben der ganz


halle.aidshilfe.de

LER normale (Wahnsinn?) Lernprozess. Das ist wie im „richtigen“ Leben.

Wie heißt du? Juliane Bärsch Was machst du beruflich? Im Moment studiere ich im vierten Semester Soziale Arbeit. Dabei liegt mein Schwerpunkt in der Sexualpädagogik. Zurzeit absolviere ich mein Praxissemster bei der Aidshilfe, was es mir im Moment glücklicherweise ermöglicht viel Zeit mit dem Verein zu verbringen. Wie ist deine Verbindung zum Verein, seit wann bist du schon Mitglied? Zu Beginn meines Studiums war ich auf der Suche nach einem ehrenamtlichen Engagement. Die Wahl viel dabei relativ schnell auf die Aidshilfe Halle. Vereinsmitglied bin ich seit Februar/März 2017.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Arbeit im Vorstand der Aidshilfe Halle? In den letzten zwei Jahren war die ehrenamtliche Tätigkeit in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung für mich. Ich weiß die Personen, welche hinter dem Verein stehen und das entgegengebrachte Vertrauen wirklich zu schätzen und umso mehr freue ich mich, mich zukünftig noch mehr für die Aidshilfe einbringen zu können.
Ich wünsche mir und dem Verein die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln, freier, vielfältiger und vernetzter arbeiten zu können und dies mehr miteinander als nebeneinander. Ich freue mich darauf gemeinsam alte Ideen und Kontakte aufleben, sowie neue entstehen zu lassen und ein Teil der Zukunft des Vereins zu sein.

E N A I L JU SCH BÄR

Text: M. Smolka, I. Winkle, J. Bärsch Bild: AHH 5


Das neue Team der Aidshilfe Halle Als stellvertretender Geschäftsführer übernimmt der Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen und langjährige Mitarbeiter Denis Leutloff die Verwaltungsverantwortlichkeiten der Geschäftsstelle. Die Begleitung unserer HIV-Positiven Klient_innen, das externe Beratungsangebot und der HIV-Schnelltest nehmen aber weiterhin einen festen Platz in seinem Terminkalender ein. Die anerkannte Sozialarbeiterin Katharina Janko ist verantwortlich für den Bereich Primärprävention Allgemeinbevölkerung. Ihr Arbeitsbereich beinhaltet die Aufklärungsarbeit für jugendliche Adressat_innen, für Frauen in besonderen Lebenslagen und im Gesundheitswesen. Sie führt regelmäßig Schulungs- und WeiterbildungsveranDas Team der Beratungsstelle der halleschen Aidshilfe hat sich in den letzten Monaten in der personellen Besetzung stark verändert. Grund genug, Euch die aktuellen Mitarbeiter_innen und ihre Arbeitsbereiche vorzustellen. Wir verstehen uns als Agentur für sexuelle Gesundheit. Damit ist unser vorrangiger Auftrag auch schon gut beschrieben: Uns geht es in erster Linie um die Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Darüber hinaus beraten und begleiten wir HIV-Positive Menschen in gesundheitlichen, medizinischen, psychologischen und juristischen Fragen. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, verfügen all unsere hauptamtlichen Mitarbeiter_innen über einen fachlichen Studienabschluss und sind als Berater_innen ausgebildet.

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Petra Becker, die seit mehr als zwölf Jahren als Geschäftsführerin beschäftigt war, ist am 31. März in ihren wohlverdienten Ruhestand gegangen. Ihre Position übernimmt der Diplom Erziehungswissenschaftler Martin Thiele. Darüber hinaus ist er verantwortlich für den Bereich der Primärprävention für Männer, die Sex mit Männern haben. Martins Präventionsarbeit besteht vor allem aus Vor-Ort-Arbeit an sozialen und sexuellen Begegnungsorten. Ihr werdet ihn also in Zukunft häufiger in Szenebars und auf Szenepartys antreffen können.

staltungen durch und ist in schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen der Stadt Halle unterwegs. Zu ihren Aufgaben gehören aber auch thematische Informationsstände und Aktionen im Rahmen besonderer Anlässe wie der Nacht der Solidarität und dem Welt-AIDS-Tag. Ganz neu zum Team hinzugestoßen ist der promovierte Ethnologe Maarten Bedert. Mit Beginn des Jahres hat er das Referat für die Prävention in den Bereichen Migration und Haft übernommen, um unsere Beratungs-, Informationsund Begleitungsangebote auf bisher schlecht erreichbare Zielgruppen auszuweiten. Darüber hinaus wird Maarten Bedert in Zukunft die HIV-bezogene Antidiskriminierungsarbeit des Vereins koordinieren. Neben den hauptamtlich Beschäftigten vertrauen wir auf die Kreativität und den Einsatz von unseren vielen treuen und geschätzten Ehrenämter_innen und Praktikant_innen. Ohne deren Engagement wäre es nicht möglich, unsere Arbeit in dem Umfang und in der Qualität zu leisten, in der wir es aktuell tun. Solltet Ihr also auch Lust haben, Euch mit Ideen und Tatkraft einzubringen und mit unserem Team zusammenzuarbeiten, kontaktiert uns oder kommt doch einfach mal vorbei! Text: MaBe Bild: DAH


Proteste gegen den Neonaziaufmarsch am 1. Mai in Halle

Am Ersten Mai, traditionell Tag der Gewerkschaften, kündigt sich in Halle (Saale) ein bundesweiter Neonaziaufmarsch an. Schon seit Monaten mobilisieren Rechtsextreme aus der ganzen Bundesrepublik nach Sachsen-Anhalt, der Aufmarsch soll der größte an diesem Tag in Deutschland werden. Doch in der Kampagne „Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht!“ formiert sich breiter Widerstand. Wenn Rechtsextreme aufmarschieren, wollen sie öffentliche Räume einnehmen, Macht demonstrieren. Nach mehr als zwei Jahren ungebrochener rassistischer und rechtsextremer Eskalation will die neonazistische Partei „Die Rechte“ nun in Halle (Saale) zum 1. Mai mit Neonazis aus der gesamten Bundesrepublik Stärke zeigen. Sie ruft ihre Anhänger*innen dazu auf, gegen „Kapitalismus, Ausbeutung und Überfremdung“ zu demonstrieren und für ihre völkischen, rassistischen Vorstellungen von Staat und Gesellschaft. Über einhundert Menschen und Organisationen haben dagegen den Aufruf „Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht“ unterzeichnet und rufen zu Gegenprotesten auf. Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Verbände und Vereine stehen hinter der Kampagne, aber auch Einzelpersonen wie der Präsident des Halleschen Fußballclubs, Professoren und Professorinnen der Hochschulen in Halle, die Landesministerin für Umwelt Claudia Dalbert, der Geschäftsführer des Steintor-Varieté Rudenz Schramm und die die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Hortensia Völckers. Auch die AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd gehört zu den Unterzeichner*innen.

halle.aidshilfe.de

Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht!

In dem von Halle gegen Rechts initiierten Aufruf heißt es: „Wir wollen entschlossen für eine plurale und solidarische Gesellschaft streiten, in der die Würde und die Menschenrechte jeder und jedes Einzelnen zählen und nicht von Herkunft, Religion, sexueller Identität, sozialem Status oder Staatsangehörigkeit abhängen. Mit klarer Haltung, vielfältigem Protest, kreativen Formaten und zivilem Ungehorsam wollen wir gemeinsam dem Rechtsextremismus entgegentreten.“ Dazu werden am 1. Mai verschiedene Demonstrationen und Kundgebungen rund um und in der Innenstadt Halles stattfinden. Bereits in den letzten Jahren gab es immer wieder erfolgreiche Proteste und Sitzblockaden gegen rechte Aufmärsche in der Stadt. Die aktuelle Kampagne wirbt dafür nicht nur mit deutlichen Argumenten, sondern auch einem possierlichen Känguru. Ob vom neuen theater oder der DGB-Kundgebung auf dem Marktplatz aus, Protest wird an unterschiedlichen Orten und auf verschiedene Weise möglich sein. Kreativ, entschlossen, gewaltfrei, kündigen die Organisierenden an. Gemeinsam ist allen Protesten, den Rechtsextremen nicht die Straße zu überlassen, sondern klare Haltung zu zeigen und sich dem Erstarken von völkischem Denken und Faschismus zu widersetzen. Mehr Informationen und Möglichkeiten sich an den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zu beteiligen finden sich unter www.erster-mai-halle.de Text & Bild: Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage

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Der neue Mitarbeiter im Interview integrieren oder zu diskriminieren und welche Logik steckt dahinter. Das ist eine wichtige Frage, die in meiner Forschung immer wieder auftauchte. Ich glaube, dass auch diese Frage in einer Aidshilfe immer wieder wichtig und relevant ist.

Maarten Bedert ist Doktor der Ethnologie und nun schon seit Beginn des Jahres in der halleschen Aidshilfe. Zu seinem Aufgabenbereich zählt die Primärprävention und Beratung im Kontext von Migration, HIV-bezogener Diskriminierung und Haft. Maarten, magst du kurz von deinem bisherigen Lebensweg berichten? Geboren und aufgewachsen bin ich in Belgien. Nach Abschluss meiner Sekundarschule habe ich erst an der Universität Gent Afrikanische Sprachen und Kulturen und nachher in den Niederlanden Afrika Studien studiert. Während meines Studiums hab ich auch meine ersten Erfahrungen in Afrika gemacht. So war ich als Praktikant 3 Monate in Südafrika, wegen meiner Masterarbeit 3 Monate in Liberia und während meines Studiums 6 Monate in Malawi. 2011 bin ich nach Halle gekommen, um meine Doktorarbeit zu schreiben. Für dieses Projekt hab ich erneut ungefähr zwei Jahre in Liberia verbracht und mich mit Fragen rund um die soziale Kontinuität und dem Wandel nach dem Liberianischen Bürgerkrieg beschäftigt.

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Wie bist du als promovierter Ethnologe eigentlich zur Aidshilfe gekommen? Hattest du vorher schon Kontakt zum Thema HIV/AIDS? Als Ethnologe hab ich mich schon seit langem mit den Fragen zur Identität und Zugehörigkeit beschäftigt. Welche Mechanismen bestehen in einer Gesellschaft um Menschen entweder zu

Praktisch hatte ich während meiner Feldforschung schon mehrere Kontakte zum Thema HIV/AIDS. In vielen Afrikanischen Ländern ist HIV-Prävention Teil der internationalen Entwicklungshilfe. Noch interessanter aber fand ich die vielen lokalen Initiativen, die ich in Liberia kenngengelernt habe. Es geht dabei zum Beispiel um eine Jugendgruppe, die zusammen den „Aids Free Generation Club“ gegründet hatte, und jede Woche über eine lokale Radiostation eine Sendung mit Präventionsbotschaften organisiert. Du bist ja nun schon ein paar Monate im Verein tätig. Wie gefällt dir die Arbeit bisher? Die Arbeit gefällt mir bisher sehr gut. Ich freue mich wirklich in ein dynamisches Team einzusteigen und mit hochmotivierten Kolleg_innen zusammen zu arbeiten. Meine Arbeit war meistens individuell und ich glaube, dass es sehr wichtig ist die Zusammenarbeit und den Austausch in der Einarbeitungsphase zu nutzen. Ich freue mich wirklich über die ständige Reflektion, die innerhalb des Teams stattfindet. Gibt es ein Thema, das dir im Aidshilfezusammenhang besonders wichtig ist? Welchen Einfluss möchtest du als Teil des Teams auf die Arbeit des Vereins ausüben? Ich glaube, dass die Arbeit im Bereich HIV Prävention sehr vielschichtig ist und das es wenig bringt, die einzelnen Bereiche zu trennen. Es würde mich freuen, wenn unsere Arbeit nicht nur medizinisch oder sexualpädagogisch relevant ist, aber z.B. auch allgemein sozial relevant geschätzt wird. In meinen eigenen Bereichen Migration, Antidiskriminierung und Haft ist es mir sehr wichtig die Schnittpunkte verschiedener Lebenslagen anzuerkennen und mit zu berücksichtigen. Text: Das Interview wurde geführt von MaTh Bild: AHH


halle.aidshilfe.de

Bufdi 2017: Mein Weg in die Aidshilfe Halle Claudia Schmid leistet seit Februar 2017 ihren Bundesfreiwilligendienst in der Aidshilfe. Als „Bufdi“ wird sie im nächsten Jahr für die Organisation von Veranstaltungen und Bewirtung von Gästen der Infothek im Erdgeschoss der Aidshilfe verantwortlich sein. Claudia wird sich in nächster Zeit all denen widmen, die auf einen Kaffee und/oder eine angenehme Unterhaltung vorbeikommen werden.

nenlernen neuer Menschen, welche das Café besuchen würden. Vielleicht auch, um ein Zeichen zu setzen. Denn es gibt auch in meinem Alter noch sehr viele Leute, die nicht richtig aufgeklärt sind, was die Übertragungswege von HIV/AIDS angeht, bzw. so engstirnig und mit Vorurteilen behaftet sind. Im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes ist es mir möglich, meine mir für den Moment gesteckten Ziele zu verwirklichen.

Warum möchtest du den Bundesfreiwilligendienst in der Aidshilfe machen? Ich arbeitete seit einigen Jahren in der Kommunikationsbranche. In meiner Freizeit war ich ehrenamtlicher Mitarbeiter in einer caritativen Einrichtung. Des Weiteren engagiere ich mich schon sehr lange in der Selbsthilfegruppenarbeit. Nach langer Krankheit suchte ich einen neuen Wirkungskreis. Vollzeit kam da für mich noch nicht in Frage. Meine Suche erstreckte sich ausschließlich über den kommunikativen/ organisatorischen Bereich und schnell wurde ich beim Aidshilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e.V. fündig. Ich stellte mich dort vor. Bei bzw. nach dem aufschlussreichen Gespräch mit der Geschäftsführerin Frau Becker war mir sofort klar: „Ja, da will ich arbeiten.“ Es sollte eine Mischung zwischen Bürojob und Arbeit im Galeriecafé werden. Was waren deine Beweggründe, diese Stelle anzunehmen? Ich war neugierig – sowohl auf der Aufklärungsarbeit HIV/AIDS als auch auf das Ken-

Welche Erwartungen hast du an das Jahr bei uns? Was glaubst du, kannst du für deine persönliche Entwicklung aus der Zeit mitnehmen? Gern unterstütze ich das Team in seiner Arbeit und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit. Ich hoffe, ich kann die an mich gestellten Aufgaben erfüllen. Ich bin überzeugt, dass sich mein Wissenshorizont um Einiges erweitert haben wird, sowohl zum Thema HIV/AIDS sowohl auch menschlich. Wie sehen die Pläne nach dem Bundesfreiwilligendienst aus? Ich bin optimistisch, dass ich meine Leistungsfähigkeit wiedererlange. Eine neue persönliche Zielsetzung steht dann an. Ich kann mir vorstellen, weiterhin für die Aidshilfe tätig zu sein. Aber wie es nach dem Jahr des Bundesfreiwilligendienstes wirklich weitergehen wird, steht noch in den Sternen. Text: Das Interview wurde geführt durch KaJa Bild: AHH

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Abschied von Geschäftsführerin Petra Becker Fast 13 Jahre hat Petra Becker die Arbeit der Aidshilfe Halle als Geschäftsführerin geprägt. Seit März ist sie im wohlverdienten Ruhestand. Im Interview erzählt sie uns, wie sie zur Aidshilfe gekommen ist und wie sie die Zeit im Verein erlebt hat. Petra, 13 Jahre Arbeit als Geschäftsführerin der Aidshilfe Halle gehen zu Ende. Wie bist du 2004 zum Verein gekommen und was hast du davor gemacht? Eigentlich komme ich ja aus einer ganz anderen Richtung und war viele Jahre in einem Maschinenbaubetrieb als Geschäftsführerin tätig. 2002 habe ich dann bei Dornrosa e.V., einem Verein der sich für die Belange von Frauen und Geschlechtergerechtigkeit einsetzt, angefangen und war dort für die Finanzen zuständig. Daniela Suchantke, welche damals als Koordinatorin bei Dornrosa meine Kollegin und gleichzeitig im Vorstand der Aidshilfe Halle war, hat mich dann auf die freie Geschäftsführungsstelle bei der Aidshilfe Halle aufmerksam gemacht. Ich habe diese Chance ergriffen und mich beworben. Nach dem anscheinend erfolgreichen Vorstellungsgespräch gehen nun 13 Jahre als Geschäftsführerin zu Ende.

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Welche besonderen Erinnerungen sind dir im Kopf geblieben? Als ich in der Aidshilfe angefangen habe, war unsere räumliche Situation sehr beengt. Wir hatten damals nur die Räume im Parterre zur Verfügung. Bis zu acht Personen teilten sich ein Großraumbüro, den jetzigen Seminarraum. Da

war die Telefonberatung oder auch Onlineberatung eigentlich nicht möglich. Eines Tages viel uns dann auf, dass in den Räumlichkeiten eine Etage höher Ruhe eingekehrt war und fragten beim Eigentümer an, ob man auch diese Räume mieten könne. Trotz einer positiven Antwort wurde uns schnell klar, dass der Erweiterung noch ein kompletter Umbau der oberen Räume im Weg stand. Es gab weder Strom noch eine geeignete Raumstruktur für eine Beratungsstelle. Aber wir hatten Glück, über den damals noch existierenden Ausbildungsbetrieb des Jobcenters wurde der Umbau für uns kostenlos durchgeführt, wir mussten nur die Materialkosten tragen. Nach einem ganzen Jahr Umbau konnten wir unsere neuen und freundlichen Räume beziehen und eine andere Ära unserer Arbeit konnte beginnen. Welche Wünsche möchtest du dem Verein in der Zukunft mitgeben und wie schauen deine weiteren Pläne für eine Mitwirkung im Verein aus? Ich wünsche der Aidshilfe Halle, dass die Finanzierungen über die Stadt Halle und dem Land Sachsen-Anhalt weiter geführt oder sogar erhöht wird. Den Mitarbeiter*innen wünsche ich ein gutes Arbeitsklima untereinander, um besser miteinander zu arbeiten. Ich hoffe, dass unsere Ehrenamtlichen die Stellung behält und auch immer genügend Praktikant*innen da sind, die sich auch danach engagieren.


Ehrenamtliche Unterstützerin erhalten bleiben. Text: Das Interview wurde geführt von RoAb Bilder: AHH

halle.aidshilfe.de

Ich werde ehrenamtlich die Onlineberatung weiter betreuen und auch zu Veranstaltungen mithelfen. Wenn auch nicht mehr als Geschäftsführerin, so werde ich also dem Verein aber als

orstand nige Jahre als V ei n ho sc h ic be Halle ha eit und ter der Aidshilfe ei rb a it M r ie Zusammenarb d he ic ch tl si m e et ta lt up ta ha es t als amals g sehr „Vor meiner Zei rbeitet. Schon d Jahre durfte ich ea g en en eb m si m n sa te tz zu le mit Petra t enehm. Die der Saaleperlen gelernt. Das lieg ungen sehr ang lt en ta tz ns hä a sc er V hr en se Aidshilfe n gemeinsam privater h und Che fi n der sc Durchführung vo en M berufl icher oder ls a uf e a si ob be ig ha ng d ä un arbeiten nach h hatte unabh intensiv mit ihr anken, dass sie d ne s Ohr für mic fe be r of n fü a ei d s s et er st nz be sond ss n, dass Petra em nochmal ga estand und, da d uh er R be sonders dara uß a en h m a ic ls m ho h ic r einen er m Wege möchte r. Ich wünsche ih a w a d h Ebene . Auf die se ic m d rtner un , für meinen Pa erhalten bleibt.“ fe il sh id A er d meiner Diagnose und Mitglied Ehrenamtlerin ls Kollege) a e ng la s un sie f (Langjähriger of tl eu L is en D –

e .V. / a s o r Dorn T TI t be i i e r L SB b r ü f A r s nt ine in geme n me a e g m n rtner h E a a p s R h e . c in nspre - bzw ohl im h me s A c w h o u c e s a ä d ls pr ic h re n ahren n Ges habe haft a entie J e c r r s m n t h e u i r e k i g c t is ar rw ll d a Be Petra . In a We ib e ra chlich h . a „Petr t c s m i n l u r r s r s e e it Pet l ä nt e m l m e r g t z m e i i n n v e e e ra und ätz und narb Frau - Pet h sch tente mme andt n c e a e u w p s b e a u e m g l e zu rZ zuh nel als ko enehm en de s voll eraus d sch g t t i h n n e e u t t a s h z t n d n e un nen !“ e je kenne Geleg e r * in eiche spekt shilfe e n r i d A t i g d r l e A f a o n f tsp er ze l der s au A rbe i r, ein nach ür die h stet e f c e i w r k h h m n c Ja Da ic h le)
 hr s ie l e n ür die habe ist se e Hal f V f s l . i e E . t h . s u . id sG hlen ut. . der A , alle c h fe ge fr e n s i a e f r l l n e i n dA art mir e ionsp i t! U n t e w i rd a b r r e a n oop mme und K n Zusa i d eun z (Fr n i r P e „Ich danke Petra für ih – Elk r langjähri die Dienstz ge s Engage eit be schrä ment, welc n k te . Ich dan he s sich nic hat und mit k ht nur auf e Ihr, dass si Stolz heute e si c h e in fe st d stellen kan icke s Fell z danke ihr fü n, dass sie ugelegt r die vielen a m lä n G g e st sp e rä n im c mit ihrer A he , ihre me Amt war. Ic rbeit unterst nschliche W h ü ä tz rm e , e ohne e s vie und das sie vermissen u ll e m ic ich nd Wünsche ht zu wisse n. Ich werd ihr einen w e sie sehr undervollen (Un)Ruhe st and.“ – Sven Wa rminsky (G e schäftsfüh rer der Aid shilfe Sachse n-Anhalt e 11 .V. )


Bild: AHH

IDAHIT 2017: Europa in Bewegung Der 17. Mai ist der internationale Tag gegen Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHIT). Zurück geht der Tag auf die Streichung der Homosexualität von der Liste psychischer Erkrankungen durch die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 17. Mai des Jahres 1990. Seitdem wird der IDAHIT von Vereinen, Organisationen und politisch bewegten Queers genutzt, um auf die nach wie vor von Benachteiligung, Ausgrenzung und Stigmatisierung geprägte Lebenssituation von Menschen hinzuweisen, die nicht den gängigen Normen der Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit entsprechen. Denn auch wenn sich die gesellschaftliche Lage für LSBTIQ in den letzten Jahrzehnten fundamental verbessert hat, so ist unsere demokratische Gesellschaft nach wie vor eine heteronormativ geprägte. Von Rechtsgleichheit, Anerkennung und materieller Absicherung verschiedenster geschlechtlicher und sexueller Lebensweisen und Identitäten sind wir noch weit entfernt. Auf diesen Missstand möchte der IDAHIT mit Nachdruck aufmerksam machen.

Auch auf dem halleschen Marktplatz wird es in diesem Jahr wieder eine gemeinsame Protestaktion des AK Queer, des Zusammenschlusses queerpolitischer Vereine der Region, geben. Der thematische Fokus ist dabei diesmal ein internationalerer. Nicht nur die gesellschaftlichen Verhältnisse hierzulande, sondern die Situationen in ganz Europa sollen Betrachtung finden. Das Motto des IDAHIT in Halle lautet demnach „Europa in Bewegung“ und soll sowohl die positiven als auch negativen Entwicklungen im europäischen Raum einschließen. Der Fokus wird hierbei jedoch vor allem darauf liegen, wie das politische Erstarken rechtspopulistischer und rechtsradikaler Bewegungen und Kräfte das Leben queerer Menschen in Europa beeinflusst. Als Aidshilfe wird unser Fokus in diesem Zusammenhang auf sexueller Gesundheit und HIV-Politik in verschiedenen europäischen Ländern liegen. Den Abschluss der gemeinsamen Aktion des AK Queer wird erneut der Rainbowflash darstellen, bei dem zum Zeichen queerer Vielfalt, queeren Stolzes und queerer Solidarität hunderte bunte Luftballons in den Himmel aufsteigen werden.

Ausstellung „Ceiba“ im Galleriecafé

Bild: „Poldi“ © Yvette Cruz, 2016

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Am 23. März fand in unserem Galleriecafé die Ausstellungseröffnung der Arbeit „Ceiba“ von Yvette Cruz statt. Cruz kommt ursprünglich aus Mexiko Stadt, beendete im Januar dieses Jah-

res ihr Studium der Fotografie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und arbeitet als freischaffende Fotografin. Das Bildprojekt „Ceiba“, das die nächsten Monate in unserer Infothek bewundert werden kann, besteht aus einer Serie farbiger Fotografien und zeigt nackte Menschen aufgebahrt liegend auf unterschiedlich strukturierten Naturböden. „Ceiba“ ist inspiriert durch Mythen unterschiedlicher mexikanischer indigener Völker und stellt einen Teil des Projektes Yggdrasil-Ceiba dar, das 2016 in der Galerie Burg2 ausgestellt wurde. Weitere Informationen zur Künstlerin und ihren Werken findet Ihr unter: yvettecruz.com


Vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), ist in letzter Zeit viel von der blauen Pille Truvada die Rede, die als PrEP vor HIV schützen soll. Bei der PrEP – kurz für Prä-Expositions-Prophylaxe – handelt es sich um die vorsorgliche Einnahme von HIV-Medikamenten, um einer HIV-Infektion vorzubeugen. Genau wie bei der regulären HIV-Therapie sollen die Tabletten die Vermehrung des HI-Virus in den Zellen unterbinden und dafür Sorge tragen, dass dieser sich nicht im Körper einnisten kann. Dass so das Infektionsrisiko drastisch gesenkt werden kann, belegen die aktuellen Studien zur prophylaktischen Nutzung von Truvada. Die britische PROUD-Studie zeigt die Wirksamkeit der täglichen PrEP und kommt zum Ergebnis, dass die PrEP das HIV-Übertragungsrisiko um bis zu 86% senkt. Dass die gleiche Schutzwirkung selbst dann besteht, wenn Truvada nur anlassbezogen vor einem Risikokontakt eingenommen wird, kann anhand der Ipergay-Studie nachvollzogen werden. Korrekt angewendet bietet die PrEP demnach eine nahezu ähnlich große Schutzwirkung wie der Gebrauch von Kondomen. Seit Anfang Oktober letzten Jahres ist das HIV-Medikament Truvada nun auch hierzulande für diesen Zweck zugelassen. Jedoch ist die Verschreibung in Deutschland bisher nur auf Privatrezept möglich. Die horrenden Kosten von rund 800€ für eine Monatsration der blauen Pille werden also nicht von Krankenkassen erstattet. Medikamentöse Prävention stellt damit nur für all jene eine Alternative dar, die sie sich auch leisten können. Anders sieht die Situation in Ländern wie beispielsweise den USA, Frankreich oder Israel aus. Diese haben erkannt, dass die PrEP eine wirksame Präventionsmethode darstellt, mit der sich HIV-Infektionszahlen in besonders gefährdeten Gruppen wie MSM, Sexarbeiter_innen oder Menschen mit häufig

wechselnden ungeschützten Sexualkontakten nachhaltig verringern lassen. Folglich ist die PrEP in diesen Ländern für alle Personen kostenfrei, die aufgrund ihrer Lebenssituation einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Hierzulande gestaltet sich eine derartige Vorgehensweise äußerst schwierig, da es für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen der Anpassung des Infektionsschutzgesetzes oder der Schutzimpfrichtlinien bedarf. Aufgefordert sind an dieser Stelle die Bundesregierung und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Ärzt_innen und Krankenkassen in Deutschland, in deren Verantwortungsbereich diese Fragen fallen.

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Alternative und Chance PrEP

Dass die entscheidenden Institutionen vor dem Hintergrund jährlicher Neuinfektionszahlen von rund 3000 Menschen in Deutschland hier jedoch keinen Handlungsbedarf zu sehen scheinen, kann nur als grob fahrlässig verstanden werden. HIV und AIDS zu besiegen ist bereits heute möglich. Die Infektion und den nun schon seit Jahrzehnten andauernden Kampf gegen sie auch ernst zu nehmen heißt, dass auch alle uns zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt werden müssen. In diesem Sinne bietet die PrEP eine neue Chance. Sie gehört selbstverständlich ebenso wie die seit jeher propagierte Kondomnutzung zu einer zielgruppenorientierten und damit nachhaltigen Präventionsstrategie. Text: MaTh Bild: AHH

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Die PrEP kommt nicht - die PrEP ist da! Björn Beck, 39 Jahre, lebt mit seinem Mann in Frankfurt am Main und leitet das Präventionsprojekt „HESSEN IST GEIL!“ der hessischen AIDS-Hilfen. Seit letztem Jahr ist er Mitglied des Vorstandes der Deutschen AIDS-Hilfe. Er engagiert sich seit über 20 Jahren für Gleichberechtigung von LSBT*I und gegen Diskriminierung und Stigmatisierung - besonders auch von Menschen mit HIV. Außerdem arbeitet er im Netzwerk von Menschen mit HIV „PRO+ Hessen“ mit, ist im Verein Positiv e.V. aktiv, der die bundesweiten Positiventreffen in der Akademie Waldschlößchen organisiert. In seinem Blog „Björn Posit. HIV“ berichtet er über sein vielseitiges Engagement. Im Folgenden plädiert er dafür, die Chance zu nutzen, die die PrEP für die HIV-Prävention darstellt. Es ist ein hochaktuelles Thema und auch ein Medienhype: „Die Zeit“ titelte schon: „Die Pille, die Aids keine Chance gibt“ und die „Männer“ fragte: „Das blaue Wunder?“ Immer wieder hieß es: „Die PrEP kann Aids beenden.“ Es wird schnell klar, dass mit diesem Thema viele Emotionen und hohe Erwartungen verknüpft sind. Für uns in Aidshilfen stellen sich dazu einige Fragen: Was können wir tun, um die HIV-Prophylaxe den Menschen zugänglich zu machen? Wie kann ein Kontext aussehen, der Beratung ermöglicht, Stigmatisierung von Menschen mit HIV abbaut, Kommunikation über Sex und STIs ermöglicht und verbessert?

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Und auch in Aidshilfe gibt es Bedenken zur PrEP. Die DAH hat sich mit den vielseitigen Fragestellungen und Bedenken rund um die PrEP in den letzten Jahren sehr intensiv befasst. Wir haben viel und oft diskutiert, erläutert und beleuchtet - ob in der Wissenschaft, der Prävention, oder in der politischen Arbeit: Kein Thema hat in all den Jahren so viel Staub aufgewirbelt und zu so kontroversen Diskussionen geführt. Im Kern geht es wieder darum, dass HIV-Medikamente auch Infektionen verhindern und auch Sex ohne Kondom „safer sex“ sein kann, denn die PrEP schützt mindestens so zuverlässig vor HIV wie das Kondom. Seit letztem Jahr ist Truvada in Europa als Prophylaxe zugelassen und die Wirksamkeit durch Studien ausreichend belegt. Das klingt erstmal gut, aber leider ist damit diese Option noch nicht verfügbar, denn noch übernehmen die Kassen die Kosten nicht. Und 840 Euro im Monat sind für die meisten Nutzer zu teuer. Aber gehen wir einen Schritt zurück. Für wen ist die PrEP zugelassen? Es geht um Menschen mit einem besonders hohen Risiko und so steht es auch in der Zulassung. Das sind vor allem schwule Männer, denen der Schutz mit Kondomen (aus verschiedenen Gründen) nicht immer gelingt.


Aber sie sind eben auch nicht für jeden eine Option: Für manche klappt Sex mit Kondom nicht gut, es kommt zu Erektionsstörungen, das Verhalten beim Sex ist nicht immer rational steuerbar und jede*r kennt das, wenn es eine*n mal „überkommt“. Auch kann es eine Rolle spielen, dass es einen starken Wunsch nach Nähe gibt, Drogen, Alkohol, oder psychische Probleme, auch aufgrund von Diskriminierungserfahren, eine Rolle spielen. Und wir wissen, dass Diskriminierung Menschen im Schutzverhalten beeinträchtigt. Oder auch dass der empfangende („passive“) Partner beim Analverkehr nicht immer die volle Kontrolle über den Schutz hat. Damit ist dann auch klar, dass nicht alle auf Medikamente gesetzt werden sollen - oft wird das überspitzt dargestellt, oder es werden dramatische Szenarien an die Wand gemalt; besonders was die Kosten für die Allgemeinheit anbelangt. Es geht einzig und allein darum, Menschen, die sich schützen wollen, aber bei denen die bisherigen Optionen nicht funktionieren, zu ermöglichen eine HIV-Infektion und das damit verbundene Stigma zu vermeiden. Denn die PrEP kann Menschen vor einer HIV-Infektion bewahren, die sich sonst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit infizieren würden.

Diese Menschen brauchen PrEP und gerade keine moralischen Vorhaltungen, denn ihnen wird oft unterstellt, sie seien „Schlampen“, die sich nicht schützen wollen. Das ist herabwürdigend und trifft sachlich nicht zu. Es sind Menschen, die sich schützen wollen, es mit den bisher verfügbaren Mitteln aber nicht hinkriegen. Für manche Menschen ist die PrEP also die einzige Möglichkeit, HIV-negativ zu bleiben!

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Das macht auch klar, dass die PrEP das Kondom NICHT ersetzen soll und wird. Kondome haben ja auch noch andere Vorzüge, wie wir wissen: sie schützen bis zu einem gewissen Grade auch vor anderen Infektionen und sind vor allem fast überall kostengünstig verfügbar. Der Schutz vor anderen Geschlechtskrankheiten ist ein echter Vorzug der Kondome, wenn auch sie keinen vollständigen Schutz bieten, aber immerhin bis zu knapp 60%. Denn es sind bakterielle Infektionen, die sich schnell über Schleimhautkontakt übertragen, schon bevor zum Kondom gegriffen wird.

Deshalb sage ich: Diese Menschen müssen die PrEP deswegen auch bekommen, denn sie schützt ihre Gesundheit.Und: Wenn die PrEP endlich verfügbar gemacht wird, spart das am Ende auch Therapiekosten, denn im Schnitt kostet die antiretrovirale Therapie 20.000 pro Jahr und das lebenslang. Die PrEP wird hingegen oft nur für eine bestimmte Lebensphase benutzt. International zeigt die PrEP bereits beachtliche Erfolge, dass es funktioniert, hat man kürzlich in England gesehen, wo die Infektionszahlen im letzten Jahr drastisch gesunken sind. Die Alternative zur Verfügbarkeit der PrEP ist auch klar. Denn wir sehen, was schon begonnen hat: • Schwarzmarkt • unsachgemäße Anwendung ohne ärztliche Begleitung • gesundheitliche Risiken für die Anwender • Resistenzbildungen aufgrund mangelnder diagnostischer Begleitung Kurz: Die PrEP kommt sowieso! – sie ist sogar schon da. Sie wird zu einem Teil der Prävention werden. Deutschland kann entscheiden: Nehmen wir die Chancen oder die Probleme? Ich bin dafür, nicht länger zu zögern und die Chance zu nutzen! Text: Björn Beck Bild: AHH

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Kennzeichnung HIV-Positiver in der sachsen-anhaltinischen Polizeidatenbank Aus einer Anfrage an das Innenministerium des Landes durch das Journalistenbüro „kevennau. press“ geht hervor, dass die sachsen-anhaltinische Polizei in ihrem bundesländerübergreifenden Informationssystem „INPOL“ 64 Menschen mit HIV, Hepatitis B und C mit dem Warnhinweis „ANST“ für „ansteckend“ gekennzeichnet hat. Derartige „personengebundene Hinweise“ (PHW) in der Polizeidatenbank werden im Rahmen der Ermittlung vergeben und sollen als Warnhinweise für Beamt_innen im Dienst dienen. Wenn der Polizei also während eines laufenden Verfahrens bekannt wird, dass die Person, gegen die ermittelt wird, eine HIV-, HBV- oder HCV-Infektion hat, wird diese Information in der Polizeidatenbank gespeichert. Bei weiteren Personenabfragen wird im Folgenden den Beamt_innen der Hinweis auf eine vermeintlich akute und bedrohliche Ansteckungsgefahr angezeigt. Bisher war eine solche Kennzeichnung nur aus Bundesländern wie Bayern, NWR und Niedersachsen bekannt. Seit November letzten Jahres gilt nun auch als gesichert, dass die Polizei in Sachsen-Anhalt ebenso verfährt.

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Einerseits ist dies nicht erstaunlich, da die Innenministerkonferenz erst vor zwei Jahren die unbedingte Notwendigkeit der Nutzung von personenbezogenen Markern zur Eigensiche-

rung von Polizist_innen erneut verteidigt hat. Sie sei – so wird beständig wiederholend beteuert - eben die einzige Möglichkeit, die potentielle Ansteckung von im Dienst befindlichen Polizeibeamt_innen verhindern zu können. Andererseits wird dieses Vorgehen seit Bekanntwerden von verschiedensten Fachverbänden fachlich und ethisch infrage gestellt und mit heftigem Widerstand bekämpft. Bereits 2015 hat die Deutsche AIDS-Hilfe diese polizeiliche Informationspraxis in ihrer Münchner Erklärung als kontraproduktiv sowie stigmatisierend verurteilt und sich rigoros gegen die polizeiliche Sammelwut ausgesprochen. Das Innenministerium unterstellt mit dem Festhalten an der Kennzeichnung in ihrer Datenbank ein hohes Risiko der Übertragung von HIV und Hepatitis im Polizeidienst und glaubt trotz aller dagegen sprechender Expert_innenmeinungen, ihre Beamt_innen so vor einer Infektion schützen zu können. Diese Vorstellung ist jedoch gesundheitspolitisch vollkommen unsinnig. Den behaupteten Zweck der Eigensicherung kann ANST aus vielerlei Gründen überhaupt nicht erfüllen. Zunächst einmal ist es höchst unwahrscheinlich, dass es im Rahmen gängiger polizeilicher Tätigkeiten zur Übertragung von HIV oder von Hepatitis kommen kann und demnach zwingende Präventionsbemü-


Nicht nur aus fachlicher Sicht ist ANST unhaltbar. Auch moralisch ist die Speicherung derartig gesundheitsbezogener Daten nicht legitimierbar. So verletzt der Vermerk in der Datenbank durch das vorgenommene Zwangsouting das Grundrecht einer jeden Person auf informelle Selbstbestimmung. Umso problematischer ist dieser Tatbestand, da für die Aufnahme des Vermerks in der Datenbank der bloße Verdacht auf eine Straftat ausreicht und dieser selbst dann bestehen bleibt, wenn das Verfahren eingestellt und mit einem Freispruch beendet wurde. Ferner schürt der mitschwingende kriminalisierende Generalverdacht gegen Menschen mit HIV und Hepatitis die gesellschaftlich nach

ständlich, an dieser überflüssigen und stigmatisierenden Praxis festzuhalten. Das Wissen um infizierte Menschen ist keine wirksame präventive Methode. Einzig das Wissen um mögliche Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten ist in diesem Zusammenhang sinnvoll. Präventive Maßnahmen sollten auch nicht nur getroffen werden, wenn der Vermerk ANST in den Akten auftaucht, sondern grundsätzlich bei jedem Einsatz. Sollte es dann zu Verletzungen oder Blutkontakt gekommen sein, muss folglich im Einzelfall geprüft werden, ob denn überhaupt ein Übertragungsrisiko bestand und welche Schritte (bspw. das Verschreiben einer präventiven Postexpositionsprophylaxe) eingeleitet werden müssen.

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hungen unvermeidlich seien. Unberücksichtigt bleibt in diesem Zusammenhang zudem die Tatsache, dass hierzulande die allermeisten Menschen mit HIV den Virus gar nicht weitergeben können, da sie aufgrund der medikamentösen Therapie nicht mehr infektiös sind. Auch HBV und HCV können heute vollständig ausgeheilt werden. Verbleibend auf dem Stand der Eintragung kann die Information von ANST nie den aktuellen Status wiedergeben. Da das Kürzel außerdem nicht einmal genau angibt, um welche Infektionskrankheit es sich handeln soll, hat es wenig bis gar keinen Aussagewert für präventive Maßnahmen. In Verbindung mit einem Unwissen über mögliche Übertragungswege trägt ANST in seiner Vagheit vielmehr dazu bei, dass Polizist_innen sich beim Umgang mit den Betroffenen eher von möglichen unbegründeten Ängsten leiten lassen.

Die Aidshilfe Halle plädiert aus den genannten Gründen für die sofortige Abschaffung von ANST und der Löschung aller in diesem Kontext gespeicherten Daten. Stattdessen stehen wir für eine wissenschaftlich fundierte Aufklärung über Übertragungswege und –wahrscheinlichkeiten sowie Schutzmöglichkeiten und Risikomanagement im Polizeidienst. Die hallesche Aidshilfe bietet den regionalen Polizeistellen hierbei gern ihre Hilfe und Unterstützung an und ist bereit, entsprechende Weiterbildungsseminare für Polizeibeamt_innen durchzuführen. Text: MaTh Bild: MaHa

wie vor wirksamen irrationalen Vorurteile bezüglich sexuell übertragbaren Infektionen und bestärkt damit die bestehende Stigmatisierung und Diskriminierung. Nicht zuletzt stellt dies ein nicht unerhebliches Problem für die Präventionsbemühungen der Aidshilfen dar, da HIV-bezogene Diskriminierung Menschen von einem HIV-Test oder von einer notwendigen Therapie abhalten kann. Selbstverständlich geht es auch der halleschen Aidshilfe darum, eine potentielle Ansteckung mit HIV, HBV oder HCV zu vermeiden. Der personengebundene Hinweis ANST leistet hierzu jedoch keinen Beitrag. Sowohl aus Sicherheitsals auch ethischen Gründen erscheint es unver-

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Valentinstag meets „Schoko mit Gurke“ den Kontakt zu „Schoko mit Gurke“, einer Improvisationstheatergruppe aus Halle. Da Improvisationstheater immer im Dialog mit dem Publikum arbeitet und uns in Verbindung mit Valentinstag den direkten Bezug zum Thema ermöglichte, entschlossen wir uns dafür, mit „Schoko mit Gurke“ in Kontakt zu treten. Die Zusammenarbeit mit der jungen Theatergruppe gestaltete sich so gut, dass wir uns letztlich schnell darüber einig wurden einen gemeinsamen Abend auf die Beine zu stellen.

Der Valentinstag gilt allgemein als der Tag der Liebe. Daher beschenken sich Paare am 14. Februar als Liebesbeweis oder verbringen romantische Stunden miteinander. Dennoch gehen die Meinungen zum „Tag der Liebe“ weit auseinander. Während die Einen es kaum erwarten können den Tag mit ihren Liebsten zu verbringen, empfinden Andere den Valentinstag und die Pärchen-Glorifizierung als zu kommerziell und sogar überflüssig. Dass die Meinungen zum 14. Februar nicht unterschiedlicher sein könnten, bekamen auch wir zu spüren, als MitarbeiterInnen und Ehrenamtliche der AIDS-Hilfe in den Mensen Halles Einladungen für unsere diesjährige Veranstaltung verteilten. Doch bevor es überhaupt dazu kam, gab es für uns Einiges zu tun. Zunächst mussten Ideen her. Etwas Anderes sollte es diesmal sein. Wir wollten mit Menschen in Kontakt treten und die Möglichkeit bieten, einen ganz individuellen Blick auf den Valentinstag zu werfen. Es sollte eine Abendveranstaltung werden, die jedem den Raum gab, seinen Valentinsabend so zu gestalten, wie es ihm gefiel. Unabhängig vom eigenen Bezug zu Valentinstag und davon ob allein, mit Freunden oder PartnerIn.

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Über den Hinweis einer unserer ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, fanden wir schließlich

Dafür musste natürlich zunächst geworben werden. Also gestalteten wir einen Flyer, der nicht nur die wichtigsten Informationen vermitteln, sondern auch auf humorvolle Art verschiedene Valentinstypen ansprechen und zu unserer Veranstaltung einladen sollte. Unser Fokus, für die angestrebte Zielgruppe, lag diesmal besonders auf jüngerem Publikum. Weshalb wir uns bewusst für eine Werbeaktion in den Mensen Halles entschieden. Aus diesem Grund trafen sich MitarbeiterInnen und freiwillige HerferInnen eine Woche zuvor, um Valentins-Carepakete, mit all den nötigen Dingen vorzubereiten, die es für einen gelungenen Abend brauchte. Die Carepakete beinhalteten neben Schokolade, Kerzen und Kondomen auch den Flyern zu unserer Veranstaltung, sowie Infomaterialien zum Thema HIV. 150 Carepakete und vier Tage später, teilten wir uns auf und suchten unter anderem die Mensen der Frankeschen Stiftung und Heide auf, um zum Einen zu unserer Veranstaltung einzuladen und zum Anderen dabei das ein oder andere Gespräch zum Thema Valentinstag zu führen. Dabei stießen wir auf unterschiedlichste Re-


halle.aidshilfe.de aktionen, welche jedoch überwiegend positiv ausfielen und am Ende des Tages, konnten wir alle Einladungen unter die StudentInnen bringen. Einen Tag später war es dann soweit. Um unsere Veranstaltung noch ein weiteres Mal zu bewerben, trafen sich am Valentinsvormittag erneut MitarbeiterInnen und Ehrenamtliche auf dem halleschen Marktplatz. Über das Verteilen von Rosen und Flyern für unsere Abendveranstaltung, kamen wir auch hier mit verschiedensten Menschen ins Gespräch. Wenige Stunden später, befanden wir uns mitten in den Vorbereitungen für den Abend. Infothek und Galerie wurden dekoriert, Stühle gerückt und letzte Absprachen mit der Improvisationsgruppe getroffen, bevor kurz vor 19 Uhr die ersten Gäste eintrafen. Die Resonanz war groß, was nicht nur uns, sondern auch der Theatergruppe große Freude bereitete und es sogar nötig machte zusätzliche Sitzmöglichkeiten zu schaffen. Pünktlich gegen 19 Uhr waren es schließlich etwa 70 Gäste, die in unserem Seminarraum Platz fanden. „Schoko mit Gurke“ eröffneten den Abend mit einer kleinen Aufwärmübung, bei der die Zuschauer sich gegenseitig die Schultern massierten. So konnte das Publikum erste Hemmungen abbauen und sichtlich aufgelockert in das Theaterprogramm starten. Gut zwei Stunden füllten „Schoko mit Gurke“, ohne Drehbuch oder festen Text, mit Szenen zum Thema Valentinstag, was letztendlich auch durch das kreative Mitwirken des Publikums ermöglicht wurde.

Die DarstellerInnen verwendete dabei unterschiedliche Improvisationstechniken, die das Publikum über den ganzen Abend aktiv mitwirken ließen. So wurde durch die Zurufe des Publikums eine Beratungsszene kreiert, oder durch herantastendes Nachspielen das erste Date eines Zuschauerpärchens rekonstruiert. Das Paar selbst korrigierte und bestätigte dabei mit Hilfe von Hupe und Klingel die Szene. Gegen 21.30 Uhr endete schließlich das Programm, was jedoch noch lange nicht das Ende des Abends einläutete, denn viele der Gäste blieben auch über das Programm hinaus für ein Gespräch und das ein oder andere Getränk. Das Feedback, welches wir dadurch erhielten, hätte kaum besser sein können. Die Gäste hatten sichtlich Spaß und über den ganzen Abend hinweg wirkte die Stimmung gut und gelöst. Auch für uns war dies ein erfolgreicher Abend, den wir auch gern in dieser Form wiederholen würden. Eine weitere Zusammenarbeit mit „Schoko mit Gurke“ steht in jedem Fall fest. Denn Improvisationstheater gestaltet sich, wie eben auch der Valentinstag, jedes Mal anders und einzigartig. Daher gilt unser Dank besonders der jungen Improvisationstheatergruppe, den zahlreichen und kreativen Gästen sowie allen ehrenamtlichen HerlferInnen, die uns diesen schönen Abend ermöglicht haben. Text: JuBä Bilder: DAH

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Glanz und Glamour bei der 11. Wittenberger AIDS-Gala Während sich unser Verein in den letzten Monaten personell stark verändert hat, bleiben manche Dinge dann doch beim Alten. So auch die AIDS-Gala in Wittenberg zu Ehren und zu Gunsten der halleschen Aidshilfe. Am 31. März luden Stefan Schneegass und Mario Welker vom Wittenberger CLACK Theater erneut zum Genuss des abendfüllenden Galaerlebnisses in die Phönix Theaterwelt. Standen die beiden nach der Veranstaltung im letzten Jahr noch vor der Frage, ob das zehnte Jubiläum nicht ein krönender Abschluss darstellen könnte, überzeugte die nach wie vor anhaltende Begeisterung des Publikums sie rasch davon, die regional mittlerweile zu Berühmtheit gelangte Show weiterzuführen. Und so stand das diesjährige Bühnenprogramm den vorhergehenden Galaerlebnissen an glamourösen, gefühlvollen und atemberaubenden Momenten in nichts nach.

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Als Gastgeberin durch den Abend geführt hat erneut die Travestiekünstlerin „Sweeti“. Der Unterhaltungskünstler Lars Redlich und die Moderatorin Tatjana Meissner standen ihr dabei mit jeder Menge Witz und Charme zur Seite. Sie hatten die Ehre, ein buntes und abwechslungsreiches Ensemble der Spitzenklasse präsentieren zu können. Während Mario Welker, Annemarie Eilfeld, Ricardo Marinello

und die Band Bell Book & Candle mit modernen wie klassischen Songs für die musikalische Unterhaltung des Abends sorgten, beeindruckten die Artist_innen Twin Spin, Jessica Savalla und Katharina Huber damit, die Schwergraft zu überlisten. Zum Durchatmen kamen die Gäste des ausverkauften Theatersaales trotzdem nicht, denn der Clown Joseph Collard und die Kabarettistin Frieda Braun ließen ihnen mit ihren zum Schreien komischen Auftritten gar keine Gelegenheit hierzu. Jedoch galt der Abend nicht nur der Kunst und der Zerstreuung, sondern stand selbstverständlich im Zeichen von HIV und AIDS. So machte Michael Smolka, der neue Vorstandvorsitzende der halleschen Aidshilfe, in einer Ansprache deutlich, dass die Beschäftigung mit dem Virus auch heute noch notwendig ist. Sicherlich können wir heute herausragende medizinische Erfolge vermelden, die seit der Entdeckung von HIV in den 1980er Jahren gemacht wurden. Mit ihnen haben die vier großen Buchstaben eben auch ihren Schrecken verloren. Der Umgang mit der Infektion ist heute entspannter. Das Leben mit HIV ein einfacheres. Und doch steht die Aidshilfe aktuell vor allzu bekannten alten und ungeahnten neuen Herausforderungen. So sind wir bei-


halle.aidshilfe.de spielsweise damit konfrontiert, dass Menschen

Dass auch die elfte Gala noch lang nicht die

mit HIV nach wie vor in nahezu allen Lebens-

letzte war, machte die Gastgeberin am Ende

bereichen Diskriminierung und Stigmatisierung

des Abends allein schon durch die Bekannt-

erfahren oder dass immer mehr Menschen an

gabe des Termins für die nächste AIDS-Gala

AIDS erkranken, da ihre HIV-Infektion zu spät

deutlich. Sie wird am … stattfinden. Der Kar-

diagnostiziert wurde. Um derartigen Proble-

tenvorverkauf beginnt am … Wer einen Platz

men gewachsen zu sein, bedarf die Aidshilfe

ergattern möchte, sollte sich dann jedoch spu-

jeder nur erdenklichen Unterstützung. Für ihr

ten. Die Show ist für gewöhnlich innerhalb we-

jahrelanges Engagement wurde Stefan „Swee-

niger Tage ausverkauft.

ti“ Schneegaß und Mario Welker daher unter tosendem Applaus des Publikums die Ehren-

Text: MaTh

mitgliedschaft in der Aidshilfe Halle verliehen.

Bilder: AHH 21


Frauen und HIV Am 8. März fand der internationale Frauenkampftag statt. Dieser geht ursprünglich darauf zurück, dass Frauen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg um ihr Wahlrecht und Gleichberechtigung kämpften.

für sie oft schwer fassbar. Auch Ärzt_innen unterschätzen das Risiko oder haben Hemmungen über die Sexualität ihrer Patientinnen zu sprechen, besonders da diese nicht zu den klassischen Betroffenengruppen gehören.

Das auch HIV-positive Frauen unter Diskriminierung und Benachteiligung leiden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und veröffentlichte aus diesem Grund vor kurzem Leitlinien dafür, wie die sexuelle Gesund-

Viele Ärzt_innen legen daher Frauen trotz deutlicher HIV-Symptome nicht häufig genug einen HIV-Test nahe, wodurch die Infektion bei diesen oft erst sehr spät erkannt wird. Viele leiden durch verspätete Diagnose bereits unter dem Vollbild AIDS, was die Behandlung weitaus schwerer gesaltet als in der Latenzphase der Infektion. Sogenannte „Late Presenter“, oder Spätdiagnosen, treten also vor allem unter Frauen immer häufiger auf. Das macht sich auch in unserer Beratungspraxis in den letzten Jahren bemerkbar. Ab wann man jedoch von einer Spätdiagnose spricht, ist bisher international nicht einheitlich festgelegt wurden. In Deutschland klassifiziert man einen „Late Presenter“ nach Anzahl der Helferzellen. Liegen diese bei unter 350 CD4-Zellen, spricht man demnach von einer späten Diagnose.

heit von Frauen mit HIV gefördert und ihre Rechte gestärkt werden können. Die WHO forderte außerdem, dass die Gleichstellung der Geschlechter und die Wahrung von Menschenrechten auch grundlegende Prinzipien aller Angebote für HIV-positive Frauen werden sollten. Um die Lebensqualität dieser Frauen zu verbessern sei es daher wichtig, ihnen soziale, rechtliche und medizinische Unterstützung zu ermöglichen. Allgemein gelten Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), zur Hauptzielgruppe der Präventionsarbeit in Deutschland. Dass Frauen in diesem Zusammenhang eher eine Minderheit bilden, beweisen die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Demnach lebten bis vor zwei Jahren ca. 84.700 Menschen mit HIV. Nur 15.200 davon sind Frauen. 
Dennoch steigen die Zahlen betroffener Frauen in den letzten Jahren stetig. Hierunter ist eine bemerkenswert hohe Zahl von Spätdiagnosen feststellbar.

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Viele Frauen erfahren von ihrer HIV-Infektion erst dann, wenn das Immunsystem bereits stark angegriffen ist und die wenigsten Ärzt_ innen denken trotz eindeutiger HIV-bezogener Symptome an eine HIV-Infektion. In der Regel werden Frauen nur während einer Schwangerschaft auf HIV getestet. Sonst ist das Thema

Dies verdeutlicht wie wichtig es auch für Frauen ist, regelmäßig einen HIV-Test zu machen, denn auch sie gehen selbstverständlich HIV-Risiken ein. Auch die Fortbildung von Medizinern ist von hoher Wichtigkeit. Die Deusche AIDS-Hilfe bietet dafür unter anderem die Fortbildung „Let´s talk about Sex“ an, welche zum Einen wichtige Informationen zu HIV und STIs vermittelt und zum Anderen die Kommunikation zwischen Ärzt_innen und ihren Patient_innen verbessern soll. Text: JuBä Bild: DAH


Denis Leutloff erneut zum PositHIVen Gesicht gewählt

Die Bildung dieses Gremiums wurde im Verband der Deutsche Aidshilfe (DAH) 2013 beschlossen. Aufgabe sollte nicht nur sein, die Partizipation der Selbsthilfe zu stärken und wieder mehr in den Verband zu integrieren, sondern auch als Ansprechpartner für die positive Community und bei sämtlichen Selbsthilfefragen in der Verbandsebene zu dienen. 2014 wurden dann zum ersten Mal die 12 Mitglieder des Gremiums auf der positHIVen Begegnung gewählt. Bei der positiven Begegnung handelt es sich um die größte Selbsthilfekonferenz Europas, welche alle zwei Jahre in Deutschland stattfindet. Interessierte positive Personen konnten sich für das Gremium bewerben und auf der Begegnung durch eine Wahl in das Gremium gewählt werden. Jede*r positive Teilnehmer*in hatte dafür eine Stimme. Unser hauptamtlicher Mitarbeiter Denis Leutloff stellte sich schon 2014 zur Wahl und wurde Mitglied des Gremiums, seine Wiederwahl 2016 diente mir zum Anlass ihn genauer zu fragen, wieso er sich für diesen ehrenamtlichen Posten beworben hat. Denis antwortete: „Nach meiner positiven Diagnose hatte ich den Wunsch, mich in dem Bereich der Aidshilfearbeit und Selbsthilfe zu engagieren. Bald war ich unzufrieden mit der Struktur der Arbeit und wollte etwas verändern. Und so bin ich erst zur Aidshil-

fe Halle gekommen, dann zur Selbsthilfe und am Schluss in die Verbandsebene gerutscht. Durch mein Engagement bin ich auf dieses neue Gremium aufmerksam geworden, wollte meinen Teil zur Sicherstellung der Partizipation der Selbsthilfe in der Verbandsebene beitragen und habe mich beworben. Anscheinend fanden auch andere positive Menschen mein Ansinnen gut und haben mich unterstützt und (wieder)gewählt.“ Weiterhin erklärt er mir, dass sein Ziel für dieses Engagement ist, die Position der Selbsthilfe im Verband zu stärken und ein Mitspracherecht im Selbsthilfekontext zu bekommen. Ein wichtiger Aufgabenbereich ist zum Beispiel, bei der Entwicklung neuer Kampagnen der DAH Kampagnen zu untersuchen, ob diese selbsthilfekonform sind. Das bedeutet zu überprüfen, ob durch neue Slogans HIV

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Denis Leutloff, stellvertretender Geschäftsführer der Aidshilfe Halle, ist unter anderem verantwortlich für die Sekundärprävention, also die Beratung und Begleitung HIV-positiver Menschen und deren Angehörigen. Seit acht Jahren lebt er selbst mit der positiven HIV Diagnose und engagiert sich in der Selbsthilfe. 2016 wurde er auf der positiven Begegnung in das Gremium der Positiven Gesichter wiedergewählt. Aber was ist das Gremium der positHIVen Gesichter überhaupt?

positive Menschen diffamiert, also abgewertet werden. Die positHIVen Gesichter sind somit ein wichtiges Gremium um die Diskriminierung von HIV positiven Menschen zu verhindern. Und auch bei unserer Arbeit sind wir froh von Denis mit seinem Blick aus der Selbsthilfe und seinen Erfahrungen unterstützt zu werden. Text: RoAb Bild: DAH

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Praktikum in der Aidshilfe Halle ein Valentinstagscarepaket (mit Einladung zum Improtheater, einer Kerze, Kondome, Infoma-

Die letzten zweieinhalb Monate waren besonders für mich. Spannend, abwechslungsreich, interessant, herausfordernd und lehrreich. Denn ich habe im Rahmen eines Praktikums Einblicke in die Arbeit der Aidshilfe Halle bekommen. Aber von Anfang an: Mein Name ist Ronja Abhalter, ich stehe am Ende meines Studiums der Sozialen Arbeit in Merseburg und wollte diese Zeit zur beruflichen Orientierung nutzen. Bisher hatte ich wenig Anknüpfungspunkte an das Thema HIV, beschäftigte mich aber während des Studiums mit Sexualpädagogik. Da in der Aidshilfe Halle unter anderem die sexuelle Bildung ein wichtiger Bestandteil ist, und ich auch sonst neugierig auf die Arbeit in der Aidshilfe war, habe ich mich für ein Praktikum beworben und konnte Anfang dieses Jahres beginnen.

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Aufgenommen wurde ich in einer offenen und freundlichen Atmosphäre und viel Platz für Nachfragen und zum Ausprobieren. In verschiedene Bereiche habe ich einen Einblick erhalten und konnte eigene Ideen verwirklichen. So waren im Bereich der Primärprävention Ideen für Präventionsveranstaltungen gefragt. Zum Beispiel entwickelten wir gemeinsam mehrere Aktionen zum Valentinstag: verteilten

terial u. a.) in den Mensen von Halle, machten beim Blumenverteilen auf dem Marktplatz auf die Aidshilfe aufmerksam und konnten Abends viele Menschen zum Improtheater begrüßen. Im Bereich der Beratung HIV-positiver Menschen und deren Angehörigen hospitierte ich bei Beratungen in der Uniklinik und auch bei dem Testangebot in der Aidshilfe konnte ich dabei sein. Besonders erstaunt hat mich, dass immer wieder Menschen an AIDS erkranken, an den weit fortgeschrittenen Symptomen leiden oder gar sterben. Ein Krankheitsbild, welches mit einem kleinen HIV-Test viel leichter behandelbar wäre. Grund dafür ist vor allem, dass im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft HIV als Infektion bestimmter Gesellschaftsschichten gesehen wird und nicht auf dem Schirm möglicher Erkrankungen liegt. Dabei kann jede*r HIV bekommen und Statistiken belegen, dass Neuinfektionen in allen gesellschaftlichen Schichten und bei allen sexuellen Orientierungen gleichermaßen vorkommen. Bei verschiedenen Schulungen, zum Beispiel der medizinischen Rundreise zum Thema HIV-Infektion und -behandlung oder im Walschlösschen zur sexuellen Bildung habe ich viel Neues gelernt. Vor allem aber mein eigenes Interesse rund um das Thema HIV und sexuelle Bildung entdeckt. Der Schwerpunkt meines Praktikums lag im Bereich der Präventionsprojekte in Schulen. Dort konnte ich mein Wissen aus dem Studium anwenden, mich ausprobieren und von den Erfahrungen lernen. Nicht nur während meines Praktikums, sondern darüber hinaus möchte ich mich gerne in diesem Bereich engagieren und bin froh diese Möglichkeit des Praktikums bekommen zu haben. Und vor allem mit der Möglichkeit, eigene Projekte zu starten und mich als Teil des Teams zu fühlen. Vielen Dank an euch! Autor: Ronja Abhalter Bild: AHH


Da sich die HIV-bezogene Diskriminierung erheblich auf die psychische und physische Gesundheit der Betroffenen auswirken kann, sieht die Aidshilfe Halle es auch als ihre Aufgabe an, sich gegen die Benachteiligung aufgrund des positiven HIV-Status zu engagieren. Seit diesem Jahr begreifen wir uns daher explizit als Antidiskriminierungsstelle und verstärken unsere Bemühungen in diesem Bereich. Diese Positionierung hat dazu geführt, dass wir im Jahr 2016 häufiger als zuvor als solidarischer und verlässlicher Ansprechpartner in HIV-spezifischen Diskriminierungsfällen wahrgenommen und um professionellen Rat und Unterstützung gebeten wurden. Darüber hinaus haben wir versucht, für dieses oft vernachlässigte Thema zu sensibilisieren. Dies fängt schon bei den Betroffenen selbst an, die erlebte Diskriminierung häufig gar nicht als solche wahrnehmen oder diese als so alltäglich und selbstverständlich empfinden, dass sie dazu neigen, sie einfach hinzunehmen und sich damit abzufinden. Um das Problembewusstsein für derartige Benachteiligungserfahrungen zu schärfen, haben wir der Thematik daher eine Podiumsdiskussion im Rahmen des diesjährigen CSD gewidmet. Bei dieser Gelegenheit konnten wir nicht nur klären, wie sich HIV-bezogene Diskriminierung äußert. Ebenso haben wir Möglichkeiten aufgezeigt, wie Betroffene vor allem juristisch dagegen vorgehen können, wenn ihnen Unrecht aufgrund ihres HIV-Status widerfährt. Um Befähigung, sich selbst in diskriminierenden Situationen zur Wehr zu setzen, ging es auch bei dem von uns organisierten Workshop „Diskriminierung – nicht mit mir!“. In den Übungseinheiten zu Selbstbehauptung, Gewaltprävention, Selbstverteidigung und Stressbewältigung haben professionelle Trainer_innen Tipps und Tricks vermittelt, mit

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Die hallesche Aidshilfe als Antidiskriminierungsstelle: Ein Rückblick Konfliktsituationen umzugehen. Die Teilnehmer_innen sind vor allem bestärkt und ermutigt aus dem Workshop gegangen. Viele von ihnen werden auch weiterhin derartige Selbstverteidigungsangebote wahrnehmen, um in Zukunft auf mögliche gewaltvolle Begegnungen vorbereitet zu sein. Da die meisten HIV-bezogenen Diskriminierungserfahrungen im Bereich des Gesundheitswesens gemacht werden, haben wir es auch für nötig erachtet, unsere Anstrengungen in diesem Zusammenhang auszuweiten. Entsprechend haben wir in diesem Jahr zahlreiche Weiterbildungsseminare durchgeführt, so bspw. im Universitätsklinikum, im Diakoniewerk oder in der Christlichen Akademie. Da im Unwissen medizinischer Fachkräfte über HIV häufig die Ursache für die gravierende Benachteiligung gefunden werden kann, war es das Ziel dieser Veranstaltungen, durch die Aufklärung über HIV und dessen Übertragungswege die diesbezüglichen Mythen und Ängste zu beseitigen und so der Diskriminierung von Patient_innen entgegenzuwirken. Die hallesche Aidshilfe hat in den vergangenen Monaten also einiges im Kontext der HIV-bezogenen Antidiskriminierungsarbeit geleistet und erreicht. In Anbetracht der gesellschaftlich aber weit verbreiteten diskriminierenden und stigmatisierenden Überzeugungen bezüglich HIV/AIDS und HIV-positiven Menschen können und werden wir uns auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. Als Interessenvertretung unserer HIV-positiven Klientel werden wir dieser Problematik auch in Zukunft die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen und entsprechende Angebote organisieren. Autor: MaTH Bild: Shutterstock (Lightspring) E-Mail: antidiskriminierung@halle.aidshilfe.de

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Veranstaltungskalender Mai 2017 – Juli 2017 MAI

Mo., 01. Mai MA1. #LÄUFT NICHT Gegenproteste zum Naziaufmarsch. Organisiert von Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage Ort: Auf der Straße Do., 04. Mai und 18. Mai von 18 bis 20 Uhr HIV-SCHNELLTEST UND SYPHILIS-SCHNELLTEST Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) Fr., 05. Mai ab 13 Uhr FRÜHLINGSFEST DER AIDSHILFE Der neue Vorstand und das neue Team möchten sich vorstellen und laden zu Kunstauktion, Improvisationstheater und gemütlichem Grillnachmittag ein. Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG) Mi., 17. Mai ab 15:30 Uhr IDAHIT 2017: „EUROPA IN BEWEGUNG“ Ort: Hallescher Marktplatz Mi., 17. Mai um 18 Uhr POSITIVENTREFFEN Positiv, was nun? Gesprächsrunde für neue und gestandene positiv getestete Menschen.
Information und Erfahrungsaustausch. Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

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JUNI Do., 01. Juni und 15. Juni von 18 bis 20 Uhr HIV-SCHNELLTEST UND SYPHILIS-SCHNELLTEST Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) Mi., 21. Juni um 18 Uhr POSITIVENTREFFEN Positiv, was nun? Gesprächsrunde für neue und gestandene positiv getestete Menschen.
Information und Erfahrungsaustausch. Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) JULI Sa., 01. Juli NACHT DER SOLIDARITÄT Ort: N.N. Do., 06. Juli und 20. Juli von 18 bis 20 Uhr HIV-SCHNELLTEST UND SYPHILIS-SCHNELLTEST Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) Mi., 19. Juli um 18 Uhr POSITIVENTREFFEN Positiv, was nun? Gesprächsrunde für neue und gestandene positiv getestete Menschen.
Information und Erfahrungsaustausch. Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

Termine für den HIV- & Syphilisschnelltest 04. & 18. Mai 2017 / 01. & 15. Juni 2017 06. & 20. Juli 2017 / 03. & 17. August 2017 07. & 21. September 2017

AUSBLICK Fr., 31. August um 19 Uhr Vortrag von Dr. Klemens Ketelhut im Rahmen der CSD-Woche Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG) Sa., 01. September ab 14 Uhr CSD-Demo und Straßenfest „(H)alle in Bewegung: Für Solidarität, Selbstbestimmung und Vielfalt“ Ort: Hallescher Marktplatz


Gartenweg 32 06179 Teutschenthal OT Zscherben Tel.: 0345 - 690 29 56 Fax: 0345 - 977 28 37

Impressum AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189, 06110 Halle (Saale) Geschäftsführung: Martin Thiele Telefon: 0345 – 58 21 271

Titelbild: AHH Autoren: Björn Beck, Christiane Winkler, Claudia Schmidt, Juliane Bärsch, Maarten Bedert, Martin Thiele, Michael Smolka, Ronja Abhalter, Elke Prinz, Sven Warminsky

Orientierung zu. Abgebildete Personen können Models und nicht die im Beitrag genannten Personen sein. „Red.“ ist ein ehrenamtliches Projekt der AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. und finanziert sich durch Anzeigeschaltungen selbst. Spenden sind möglich und steuerabzugsfähig. Anzeigelayout: Deutsche AIDS-Hilfe/IWWIT, MSD Sharp & Dohme GmbH, Mirko Rische, Marcus Hamel

Email Redaktion: red.aktion@halle.aidshilfe.de

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Fotografie: DAH, AHH, Yvette Cruz, Halle gegen Rechts, Shutterstock (Lightspring)

Fax: 0345 – 58 21 273

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* al s tr an s Man n t, ß ei h es as W . el fält ig Szen e y is t b u n t u n d vi it n u m m Co e * Män n er in d er schw ule n er ns U s ule tr an Er fahr u ng en schw en e ch el w , en b le zu st du au f d er n eu hr fä er t, h ie ss au fe r Se x für si e mach en u n d w ie Sa . H WE ISS WAS ICH TU IC n vo e it se en Th em

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