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#17 – Dezember 2016

WELT-AIDS-TAGS-KAMPAGNE 2016: „POSITIV ZUSAMMEN LEBEN“ • AKTUELLE HIV-DIAGNOSEZAHLEN • DISKRIMINIERUNG AUFGRUND VON HIV: SETZT EUCH ZUR WEHR! • STELLUNGNAHME ZUM PROSTITIONSSCHUTZGESETZ • DIE POSITIVEN BEGEGNUNGEN IM NOVEMBER • VORSTELLUNG UNSERES HIV-TESTANGEBOTS


BERATUNG

Beratungsstelle Halle (1. Obergeschoss) Information – Beratung – Betreuung Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) Öffnungszeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Mi.: Termine nach Vereinbarung

Beratungstelefon Halle: 0345 - 19411

Universitätsklinikum Halle HIV-Sprechstunde Ernst-Grube-Straße 40, HIV-Ambulanz – Innere IV 06120 Halle (Saale) Sprechzeiten: Di.: 14–16 Uhr

(max. 9 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/ Min. aus den dt. Mobilfunknetzen)

(Ortstarif)

Sprechzeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Bundesweites Beratungstelefon: 0180 - 3319411

Sprechzeiten: Mo.–Fr.: 9–21 Uhr Sa., So.: 12–14 Uhr Onlineberatung der Aidshilfen: www.aidshilfe-beratung.de

Naumburg Beratungsangebot Am Markt 12, Raum 305 06618 Naumburg (Saale) Sprechzeiten: Jeden 4. Di., 15–18 Uhr BEGEGNUNG

Infothek Halle (Erdgeschoss) Galerie – Café – Bibliothek 0345 - 68165791

Öffnungszeiten: Di., Do.: 14–20 Uhr Sa.: 11–14:30 Uhr – Brunch im Erdgeschoss

(Ortstarif)

EHRENAMT

SELBSTHILFE

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LoveAgents kreatHIV – präventHIV in der Szene Jeden 2. und 4. Mi., 18–20 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG) Email: loveagents@halle.aidshilfe.de

Treffen der Berater_innen Jeden 1. Do., 17–18 Uhr Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1. OG)

YoungStars kreatHIV – präventHIV in der Schule Jeden 1. und 3. Fr., 14-16 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Infoabend für Neue Jeden letzten Mi., ab 18 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Positiventreffen Treffen für Menschen mit HIV Geschlossene Veranstaltung Jeden 3. Mittwoch, ab 18 Uhr Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (Infothek EG) Email: positivleben@halle.aidshilfe.de

hetero.aidshilfe.de jes-bundesverband.de jungundpositiv.de angehoerige.org positiv-ev.de positHIV.info hiv-migration.de/netzwerke/afrolebenplus

AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) halle.aidshilfe.de

Spendenkonto Bank: Saalesparkasse IBAN: DE14800537620385311531 BIC: NOLADE21HAL


EDITORIAL Liebe Leser_innen des red.-Magazins, liebe Freund_innen der Aidshilfe Halle, das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu, der Winter und die Weihnachtszeit stehen vor der Tür. Und damit auch der Welt-AIDS-Tag, der international am ersten Dezember begangen wird, um Solidarität mit HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen zu bekunden und an die zu erinnern, die an den Folgen der Infektion in den vergangenen Jahrzehnten gestorben sind. Ein bedeutender Tag also, natürlich auch für uns in der halleschen Aidshilfe. Daher widmen wir einen großen Teil der vorliegenden Ausgabe diesem Gedenktag. Wir stellen die diesjährige Welt-AIDS-Tag-Kampagne „positiv zusammen leben“ vor, die – auch vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtspopulistischer Strömungen in der Gesellschaft – ein erneutes Zeichen gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung HIV-positiver Menschen setzen möchte. Dass es immer noch und auch hierzulande von Nöten ist, für HIV und AIDS Aufmerksamkeit zu schaffen, zeigen die HIV-Neudiagnosezahlen des Robert-Koch-Instituts, die wir zusammenfassend für Euch aufgearbeitet haben.

Bewegt und beschäftigt haben uns in den letzten Monaten noch jede Menge andere Fragen und Themen. Auch das wollen wir Euch selbstverständlich nicht vorenthalten. So wurde beispielsweise im Sommer das sogenannte „Prostitutionsschutzgesetz“ verabschiedet. Dass dieses letztlich nur mehr Repression und keineswegs Schutz für Sexarbeiter_innen und Prostituierte bedeutet und auch die Präventionsbemühungen in diesem Bereich zurückwirft, wollen wir in unserer Einschätzung hierzu darstellen. Im August fanden in Hamburg die „Positiven Begegnungen“ statt. Unser Gastautor Florian macht deutlich, welchen Stellenwert dieses deutschlandweite Treffen für die Bewegung HIV-Positiver besitzt. Auch in die alltägliche Vereinsarbeit wollen wir einen Einblick geben. In diesem Heft findet Ihr daher Berichte über unser Testangebot und unsere Infothek. Genug Lektüre für die kalte Jahreszeit also. Einem gemütlichen Leseabend auf dem Sofa mit einer Tasse heißer Schokolade oder Glühwein steht damit nichts mehr im Weg! Martin Thiele

WEIHNACHTSGRÜSSE Werte Leser_innen, liebe Freund_innen, das Weihnachtsfest und der bevorstehende Jahreswechsel geben uns Anlass, um gesondert Dankeschön zu sagen und gute Wünsche auszusprechen. Diese Gelegenheit ergreifen wir nun hier in der Dezemberausgabe unserer Vereinszeitschrift. Der Vorstand und das Team der Aidshilfe Halle bedanken sich herzlich für das seit Jahren entgegengebrachte Vertrauen in unsere Arbeit und für die hervorragende Zusammenarbeit. Dafür, dass unsere Aufgaben und Ideen von vielen Seiten un-

terstützt und gefördert werden. Ganz besonderer Dank gilt unseren Fördermittelgeber_innen, Sponsor_innen und Spender_innen und natürlich den vielen ehrenamtlichen Helfer_innen. Ohne sie wäre die Aidshilfe nicht das, was sie ist. Wir wünschen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr! Vorstand und Geschäftsführung

INHALT AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd.............................. 2

Weihnachtskonzert durch TonArt /

Editorial / Inhalt......................................................................... 3

Der neue Aidshilfe-Teddy..................................................... 15

Welt-AIDS-Tags-Kampagne 2016.....................................4–5

Interview mit Kerstin Mörsch....................................... 16–18

Welt-AIDS-Tags-Botschafter Björn..................................6–7

Erfahrungsbericht zum

Aktuelle HIV-Diagnosezahlen des RKI................................. 8

Antidiskriminierungsworkshop............................................ 19

Verabschiedung des neuen

Die Positiven Begegnungen

Prostitutionsschutzgesetzes......................................... 10–11

im November....................................................................20–21

Unser HIV-Schnelltestangebot..................................... 12–13

Veranstaltungen...................................................................... 22

Begegnungsraum Infothek.................................................... 14

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Die Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2016: Gemeinsam gegen Ausgrenzung Am 1. Dezember 1988 wurde international der erste Welt-AIDS-Tag begangen, um die Bedrohung zu benennen, dem sich die Welt durch HIV und AIDS gegenübersah, und all denen zu gedenken, die an den Folgen der AIDS-Erkrankung starben. Seit in den 1980er Jahren die zerstörerische AIDS-Epidemie um sich griff, in der sich das HI-Virus rasant und nahezu unaufhaltsam verbreitete und zahlreiche Menschen durch AIDS dahingerafft wurden, hat sich ohne Zweifel glücklicherweise einiges getan. Heute ist eine HIV-Infektion kein Todesurteil mehr. Vielmehr haben wissenschaftliche Erkenntnisse und medizinischer Fortschritt dafür gesorgt, dass HIV zwar noch nicht heilbar, dafür aber medikamentös wirksam therapierbar ist. Jahrzehnte nach der tödlichen Epidemie ist eine behandelte HIV-Infektion damit zu einer chronischen Erkrankung geworden, mit der die Betroffenen ein gesundheitlich beinah problemloses Leben führen können.

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Nichtsdestotrotz gehören HIV und AIDS damit keineswegs der Vergangenheit an. So sind aktuell fast 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Jedes Jahr erhöht sich diese Zahl um mehr als 2 Millionen Neuinfektionen. Mit 70% der HIV-Übertragungen findet die große

Mehrheit davon auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara statt. Doch auch in Ost-Europa und Zentralasien sind die Neuinfektionszahlen in den letzten Jahren wieder gravierend in die Höhe geschnellt. Nicht einmal die Hälfte der weltweit Betroffenen hat demgegenüber allerdings uneingeschränkten Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten. In Deutschland, dem Land mit einer der stabilsten und niedrigsten Neuinfektionsraten in Europa, leben heute rund 85.000 Menschen mit HIV. Der Kampf gegen die Infektion kann auch in Zeiten seiner Therapierbarkeit und Chronifizierung demnach noch lang nicht als erfolgreich beendet erklärt werden, wie die zunehmende private, öffentliche und mediale Dethematisierung es hierzulande womöglich vermuten lassen. Darauf, dass das Vorgehen gegen HIV nach wie vor einen unabdingbaren gesellschaftlichen Auftrag darstellt, macht der WeltAIDS-Tag in diesem Jahr daher zum 29. und sicher nicht zum letzten Mal aufmerksam. Der Gedenktag wird von zahlreichen internationalen Initiativen, Organisationen und Vereinen erneut dazu genutzt, Sensibilität für das Thema HIV und AIDS zu wecken, dazu aufzuru-


Hierzulande finden sich das Bundesministerium für Gesundheit, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche AIDS-Hilfe und die Deutsche AIDS-Stiftung alljährlich zusammen, um mit einer gemeinsamen Kampagne zum Welt-AIDS-Tag Aufmerksamkeit für die Thematik zu schaffen. In diesem Jahr steht die Kampagne unter dem Motto „Positiv zusammen leben“ und fokussiert die Benachteiligung HIV-Positiver. Die zentrale Botschaft der Aktion lautet: „Mit HIV kann man heute leben. Mit Diskriminierung nicht.“ Damit soll verdeutlicht werden, dass es weniger die gesundheitlichen Folgen der HIV-Infektion sind, die den Betroffenen am meisten Probleme bereiten und den Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe erschweren. Vielmehr sind es die beständige Diskriminierung, Benachteiligung und Stigmatisierung, die ihnen das Leben schwer machen und die Lebensqualität, das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden der Betroffenen beeinträchtigen. Denn noch immer kommt es vor, dass Menschen mit HIV moralisch verurteilt werden, die ärztliche Behandlung verweigert wird oder ihr Arbeitsplatz in Gefahr ist, wenn die Diagnose bekannt wird. Verdeutlicht wird dies durch die Kampagnenfotos, die im Rahmen des Welt-AIDS-Tages überall in Deutschland auf Plakaten zu sehen sind. Diese zeigen HIV-positive Personen, die durch prägnante Botschaften klar machen, dass es nicht die Infektion, sondern die Ausgrenzung ist, die ihnen den Alltag schwer machen. Björn aus Frankfurt sagt: „Gegen HIV habe ich Medikamente. Gegen dumme Sprüche nicht.“ Alexandra aus Aachen erklärt: „Mit HIV komm

ich klar. Mit Ablehnung nicht.“ Wolfgang (Name geändert) meint verborgen hinter einem Schild: „Mit HIV kann ich leben. Mit dem ewigen Verstecken nicht.“

halle.aidshilfe.de

fen, gegen das Virus vorzugehen, und sich solidarisch mit Menschen zu zeigen, die von den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen der HIV-Infektion betroffen sind. Vor allem geht es um den beständigen Appell an die Entscheidungsträger_innen in Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft, sich auch weiterhin der Verantwortung für die Bekämpfung der Ausbreitung von HIV bewusst zu sein und entsprechend überall die notwendigen Mittel bereitzustellen, um allen Menschen Vorbeugung, Aufklärung und Behandlung zugänglich zu machen.

Die Ursachen für die Zurückweisung und die Diskriminierung sind häufig in den verbreiteten Vorurteilen über HIV, dem Unwissen über dessen Übertragung und die daraus resultierenden Ängste und der Verunsicherung bezüglich einer Ansteckung zu suchen. Anspruch der Kampagne ist es daher, dazu zu motivieren, aufeinander zuzugehen, frei und unbefangen über Sexualität und HIV zu sprechen und so voneinander zu lernen. Es ist notwendig über die aktuellen Erkenntnisse über HIV zu informieren und deutlich zu machen, wie das Leben mit der Infektion heute ausschaut. Nur dadurch können Menschen erfahren, dass HIV im Beruf und in Alltagssituationen nicht übertragen werden kann und damit eben keine Ansteckungsgefahr besteht. Ja, selbst in der Liebe und Sexualität ist das Risiko einer Übertragung heute ein anderes als noch vor einigen Jahren, denn mittlerweile ist bekannt, dass die erfolgreiche antiretrovirale Therapie von HIV-Positiven die Viruslast im Blut so weit senkt, dass eine Weitergabe selbst bei kondomlosen Sex so gut wie ausgeschlossen ist. Die Kampagne zielt darauf ab, darüber aufzuklären, dass von HIV-positiven Menschen keine Gefahr ausgeht, und so ein diskriminierungsfreies Miteinander zu ermöglichen, in dem wir „positiv zusammen leben“ können. Autor: MaTh Bild: DAH

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Ein langer, kurzweiliger Weg Björn Beck, 38 Jahre, lebt mit seinem Mann in Frankfurt am Main und leitet das Präventionsprojekt “HESSEN IST GEIL!” der hessischen AIDS-Hilfen. Er engagiert sich seit über 20 Jahren für Gleichberechtigung von LSBT*I und gegen Diskriminierung und Stigmatisierung besonders auch von Menschen mit HIV. Außerdem arbeitet er im Netzwerk von Menschen mit HIV “PRO+ Hessen” mit, ist im Verein Positiv e.V. aktiv, der die bundesweiten Positiventreffen in der Akademie Waldschlößchen organisiert und ist seit 2014 Sprecher des Verbandsorgans “PositHIVe Gesichter” der Deutschen AIDS-Hilfe. In seinem Blog “Björn Posit.HIV” berichtet er über sein vielseitiges Engagement. Im Folgenden berichtet er von seinen Erfahrungen als Botschafter für die diesjährige Welt-AIDs-Tags-Kampagne. Der Schritt nach meiner Diagnose aktiv zu werden, war für mich schnell klar. Jedoch schien mir lange ein öffentliches Outing als HIV-positiver Mann ausgeschlossen. Ich begann schnell mich im hessischen Netzwerk von Menschen mit HIV „PRO+ Hessen“ zu engagieren und in der Zusammenarbeit mit anderen schnell Mut und Selbstbewusstsein. Der nächste Schritt waren dann die Positiven Begegnungen und die Wahl zu den „PositiHIVen Gesichtern“. Wieder lernte ich viele engagierte, tolle Menschen kennen und als Sprecher der Gesichter wollte ich auch denen eine Stimme geben, die noch nicht den Mut fassen können, laut zu werden. Das tat ich schließlich mit einem Fernseh-Interview. Die Reaktionen überraschten mich. In wenigen Minuten nach der Ausstrahlung erhielt ich unzählige Nachrichten auf Facebook - und alle ausschließlich positiv und unterstützend. Damit war für mich das Eis gebrochen.

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Als ich in New York beim High-Level-Meeting zu HIV und AIDS gefragt wurde, ob ich mir vorstellen kann für die Kampagne zum WeltAIDS-Tag zur Verfügung zu stehen, sagte ich sofort zu. Beim Fotoshooting in Hamburg

war ich aufgeregt, aber eher in Erwartung des Settings und der Ergebnisse. Mich erwartete eine unglaublich freundliche Crew von der Agentur, dem Fotografen, eine Mitarbeiterin der BZgA, die Statisten für die Motive und natürlich Kollegen der DAS und DAH. Es war ein sonniger Tag, die Stimmung am Set war super und wir hatten wirklich eine Menge Spaß. So stand ich doch einige Stunden mal mit meinem Schild „GEGEN HIV HAB’ ICH MEDIKAMENTE. GEGEN DUMME SPRÜCHE NICHT.“ in der Hand und mal ohne in dieser schönen Neubausiedlung in Hamburg und konnte die Passanten beobachten, wie sie darauf reagierten. Die meisten nahmen nur das Shooting wahr, die Botschaft auf dem Schild ging unter. Nur ein paar wenige schauten genauer hin und fragten nach. Das waren tatsächlich spannende Momente. „Wichtiges Thema!“ sagte eine Dame, ging dann aber ohne weiteren Kommentar weiter. Das bestätigt meinen Eindruck, dass HIV auch abseits vom WAT wieder mehr Thema werden muss. AIDS macht betroffen, aber HIV gerät aus dem Blick. Deshalb habe ich mich entschieden aktiv zu werden und hier mitzumachen, um HIV ein Gesicht zu geben. Auf dem Rechner konnte ich schon einige Bilder sehen und irgendwie war ich schon ganz kribbelig Teil dieser Kampagne „positiv zusammen leben“ zu sein. Die Kampagne 2015 hatte ich scharf kritisiert, weil sie falschen Vorstellungen in der Allgemeinbevölkerung gar nicht, oder nicht entschieden genug widersprach. Es gab danach ein sehr konstruktives Gespräch, wie diese Kampagnen verbessert werden können. In Hamburg drehten wir dann noch einen kurzen Video-Clip und dann ging es für mich zurück nach Frankfurt. Der nächste Schritt war der Video-Dreh. In Köln verbrachten wir zwei Tage mit dem Dreh der Clips. Ich freute mich riesig die beiden anderen Menschen der Motive zu treffen. Wieder waren Wetter und Stimmung super und wir haben viel gelacht, aber auch ganz ernsthafte Gespräche rund um das Thema ge-


halle.aidshilfe.de führt. Die Agentur hat die Kernbotschaften wirklich verstanden und versucht ein authentisches Bild von uns in den Clips festzuhalten und die Botschaft der Kampagne deutlich zu machen: Es darf keine Diskriminierung mehr von Menschen mit HIV geben, denn es ist die Diskriminierung, die uns heute krank macht. Gegen HIV haben wir Medikamente, gegen Diskriminierung leider nicht. Sowohl beim Fotoshooting als auch beim Dreh der Clips stand im Vordergrund welche persönlichen Erfahrungen ich mit meiner Infektion gemacht habe und was mir im Alltag geschieht. Von der enormen Unterstützung meiner Familie und Freunden über die Verweigerung von Terminen bei Zahnärzten zu ganz unterschiedlichen Reaktionen auf Dating-Portalen im Netz habe ich meine ganz persönliche Geschichte von ‚meinem HIV’ erzählen können und wie ich mir vorstelle, wie wir alle ‚positiv zusammen leben’ können. Menschen, die sich aus Angst verstecken, werden wir mit unserer Prävention nicht erreichen. Mir war wichtig zu zeigen, dass HIV mein Leben nicht zerstört hat, dass ich gut damit lebe und mich absolut gesund fühle.

Jetzt freue ich mich auf die Präsentation der Kampagne und bin gespannt auf die Reaktionen der Menschen. Es ist ein schönes Motiv mit einer wichtigen Botschaft, die hoffentlich viele Menschen erreicht und zum Nachdenken anregt. Diskriminierung und Angst schaden uns allen - positiv, oder negativ - viel mehr als HIV, denn sie nehmen uns Kraft und beeinträchtigen unser Urteilsvermögen und damit auch die Gesundheit. Angst ist niemals ein guter Ratgeber. Ich hoffe, dass ich mit dieser Kampagne Menschen Angst nehmen kann. Angst vor Menschen mit HIV, aber auch Angst vor der Infektion. Denn diese Angst ist dafür verantwortlich, dass Menschen sich nicht testen lassen. Mir hat der Test meine Gesundheit gerettet, denn ich konnte früh mit der Therapie beginnen und war auch schnell unter der Nachweisgrenze und seitdem nicht mehr infektiös. Für mich ein wunderbarer Nebeneffekt und die endgültige Verbannung der Angst vor HIV aus meinem Schlafzimmer.

Autor: Björn Beck Bild: DAH

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Kein nennenswerter Rückgang der HIV-Neudiagnosezahlen Das Robert Koch-Institut (RKI) ist das zuständige Bundesinstitut zur Krankheitsüberwachung und -prävention. Als solches zeichnet es sich für die wissenschaftliche Erforschung und statistischen Datenerhebung im Bereich der Infektionskrankheiten verantwortlich. Da jede HIV-Neudiagnose an das RKI weitergeleitet werden muss, verfügt die Einrichtung über die aktuellsten Zahlen zur bundesweiten Entwicklung des HIV-Infektionsgeschehen, die für die Aidshilfearbeit ein unerlässliches Instrument der Beurteilung der zurückliegenden Präventionsbemühungen darstellen. Seit September nun liegen die gemeldeten Daten für das Jahr 2015 vor. Für dieses wurden dem Forschungsinstitut insgesamt 3.674 HIV-Neudiagnosen gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr, für das insgesamt 3.500 Neudiagnosen eingegangen sind, bedeutet dies einen nicht unerheblichen Anstieg von 5%. 1.851 und damit der größte Anteil der Meldungen entfiel dabei erwartungsgemäß auf die Transmissionsgruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Positiv zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass damit 43 Neudiagnosen bei MSM weniger vorgenommen wurden als im Jahr 2014. Dies entspricht einem Abfall von 2%. Vor allem in den Regionen, in denen fortgesetzte Präventionsarbeit, flächendeckende Testmöglichkeiten und frühzeitiger Therapiebeginn nach Diagnosestellung zusammenwirken, ist dieser Rückgang ganz besonders deutlich. Als beunruhigend zu werten sind demgegenüber die Zahlen heterosexueller Neuinfektionen. Mit absolut 954 neuen HIV-Diagnosen kann ein Anstieg von 24% im Vergleich zum Vorjahr festgestellt werden. Hierin schlagen sich vor allem, so das RKI, die steigenden Migrationszahlen aus Ländern mit einer hohen HIV-Prävalenz nieder. Auch im Kontext der Neudiagnosen durch intravenösen Drogengebrauch ist ein erheblicher Anstieg von 22% zu verzeichnen. Dieser ist umso bemerkenswerter, als dass die Zahlen in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind.

Werden die Daten hinsichtlich der regionalen Verteilung genauer betrachtet, so können ähnliche Tendenzen für das Land Sachsen-Anhalt festgehalten werden. Im Jahr 2015 wurden für das gesamte Bundesland 84 gesicherte Diagnosen an das RKI weitergegeben. Im Gegensatz zum bundesdeutschen Durchschnitt ist dabei zum Jahr 2014 glücklicherweise kein Anstieg, sondern immerhin eine Stagnation der Neudiagnosen zu vermelden. Auch in Sachsen-Anhalt prägen MSM nach wie vor das Infektionsgeschehen deutlich, fallen doch mit 30 Meldungen der umfangreichste Anteil auf diese Transmissionsgruppe. Nichtsdestotrotz ist hier sogar ein entscheidender Rückgang von 25% zum Vorjahr erkennbar. Die professionelle wie kontinuierliche Präventionsarbeit in enger Verzahnung mit niedrigschwelligen Beratungs- und Testangeboten durch die beiden Sachsen-Anhaltinischen Aidshilfen scheinen also vor allem im Bereich MSM Wirkung zu zeigen. Leider ist bei den HIV-Neudiagnosezahlen bei Heterosexuellen mit Migrationserfahrung mit 25 Meldungen ein Anstieg von 25% zu verzeichnen. Hier kann und muss ein entsprechend dringlicher Handlungsbedarf herausgelesen werden. Zusammenfassend bewertet das RKI die vorgelegten Ergebnisse vor dem Hintergrund der mittlerweile guten Therapierbarkeit von HIV als wenig erfreulich. Trotz der hohen Zahlen HIV-positiver Menschen, die antiretroviral behandelt werden und damit nicht mehr infektiös sind, bleibt der zu erwartende Rückgang der HIV-Neudiagnosen aus. Der RKI-Bericht macht damit deutlich, dass der Kampf gegen HIV auch in Zeiten hoch wirksamer HIV-Medikamente noch keineswegs als beendet erklärt werden kann. Bund, Länder und Kommunen sind durch die aktuellen Ergebnisse des RKI erneut dazu aufgefordert, die Präventionsbemühungen der Aidshilfen weiterhin entsprechend strukturell zu unterstützen und vor allem finanziell abzusichern. Besser wäre noch, die Anstrengungen in diesem Bereich zu verstärken. Autor: MaTh

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Gartenweg 32 06179 Teutschenthal OT Zscherben Tel.: 0345 - 690 29 56 Fax: 0345 - 977 28 37

Mit unseren überdurchschnittlich hohen Investitionen in die Entwicklung neuer Therapiekonzepte schaffen wir die Voraussetzung, um innovative Medikamente, Impfstoffe und Biologika auf den Weg zu bringen. MSD ist ein internationales Gesundheitsunternehmen mit zwei Namen: In den USA und Kanada sind wir Merck & Co., Inc., mit Sitz in Kenilworth, NJ, USA. Erfahren Sie mehr über uns auf: www.msd.de © 2016 MSD SHARP & DOHME GMBH, Lindenplatz 1, 85540 Haar

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Für Ihre Gesundheit haben wir etwas: Forschung.


Bringt das Prostituiertenschutzgesetz mehr Schaden als Nutzen?

Als Mitgliedsorganisation der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. gehört die HIV- und STI-Prävention im Bereich der Sexarbeit und Prostitution auch zu den Aufgabenfeldern der Aidshilfe Halle. So verfolgen auch wir die Entwicklungen hinsichtlich des geplanten umstrittenen Prostituiertenschutzgesetzes (im Folgenden ProstSchG):

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Im Jahr 2015 wurde der Gesetzesentwurf des „Gesetzes zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen“ vorgelegt und gut ein Jahr später, am 23. September 2016 wurden die neuen Bestimmungen für das ProstSchG in dritter Lesung verabschiedet, um am 01. Juli 2017 in Kraft treten zu können. Obwohl sich seit dem Entwurf etliche Vereine, Verbände und Organisationen wie Amnesty International, die Deutsche AIDS-Hilfe oder auch der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen mit begründeten Argumenten ge-

gen das geplante Gesetz ausgesprochen haben, wurden diese Einwände nicht gehört oder schlichtweg abgetan. Auch Empfehlungen, das fragwürdige Gesetz etwas später in Kraft treten zu lassen, damit Länder und Kommunen mehr Zeit für die Umsetzung der bevorstehenden Herausforderungen bekommen, wurden vom Bundesrat nicht beachtet. Nun stehen Länder und Kommunen vor der Aufgabe, passende Angebote zu schaffen sowie Zuständigkeiten für die vorgegebenen bürokratischen Akte, wie die im Gesetz beschriebene Anmelde- und Beratungspflicht zu klären. Der Anmeldepflicht nach sollen Prostituierte vor Aufnahme ihrer Tätigkeit bei der „zugehörigen“ Behörde vorsprechen und die Tätigkeit registrieren, mit Angabe genau definierter Personendaten und Lichtbilder. Die Ziele des ProstSchG, die beispielsweise durch genannte Pflichten erreicht werden sollen, sind der Schutz der Prostituierten vor


Problematisch an diesem Gesetz ist hierbei auch, dass die verschiedenen Formen der Sexarbeit und Prostitution vermengt und nicht differenziert betrachtet werden. Denn so verschieden die Prostitution und Sexarbeit sind, so verschieden sind die Lebenswelten und Lebenslagen derer, die sich in diesen Strukturen befinden. Sie reichen von selbstbestimmter Ausübung bis hin zur gezwungener Prostitution oder Beschaffungsprostitution. Somit sind auch die Vulernabilitätsfaktoren, also die Verletzlichkeit der betroffenen Menschen, unterschiedlich stark ausgeprägt. Das geplante Gesetz wird daher nicht nur zur Folge haben, dass diejenigen Personen, die unfreiwillig und gezwungen der Prostitution nachgehen müssen, weiterhin ausgebeutet werden, sondern auch, dass die Ausübung der professionellen Sexarbeit stark erschwert wird. Ihre Grundrechte, wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung oder die Be-

halle.aidshilfe.de

Ausbeutung und die klare Regelung und Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Die sogenannte Zwangsprostitution soll erkannt und verhindert sowie eine gute gesundheitliche Gesundheitsvorsorge ermöglicht werden. Die Kritiker_innen dieses Gesetzes sehen diese Zielsetzungen durch die hohen bürokratischen Hürden und die damit verbundenen immensen Kosten für Länder und Kommunen in Gefahr. Dieser hohe Verwaltungsaufwand muss beispielsweise durch Gebühren der Anmeldung kompensiert werden, die für die in der Sexarbeit und Prostitution Tätigen teilweise kaum zu bezahlen sein werden. Es können Schulden entstehen, wodurch die Abhängigkeit von mittellosen Prostituierten gegenüber Schlepper_ innen und Zuhälter_innen deutlich ansteigen und sie weiterhin in die Zwangsprostitution zwingen wird. Auch das Nichtanmelden aufgrund einer fehlenden Meldeadresse, die dafür notwendig ist, kann wiederum dazu führen, dass die Sexarbeitenden im Notfall nicht die Polizei rufen, aus Angst, selbst belangt zu werden, weil sie nicht gemeldet sind. Durch die Verdrängung in den illegalen Bereich der Prostitution werden die Betroffenen noch weniger von Hilfsangeboten erreicht, so auch weniger von sehr wichtigen und gesundheitsfördernden Angeboten der HIV- und STI-Prävention.

rufsfreiheit werden durch die übermäßige Kontrolle und Überwachung regelrecht beschnitten. Sexarbeitende werden seit jeher stark marginalisiert und mehrfach diskriminiert, sodass die Registrierung derer auch aus dieser Perspektive unverhältnismäßig hoch ist. Die Deutsche AIDS-Hilfe, die langjährige Präventionsarbeit mit und für Sexarbeiter_innen und Prostituierten nachweisen kann, verfolgt zwar dieselben Ziele wie das Gesetz, also den Schutz der Prostituierten, spricht sich allerdings deutlich für eine andere Umsetzung der Ziele aus als es im Gesetzesentwurf bestimmt wird. Freiwillige Angebote werden gerne angenommen, wohingegen Kontrolle und Repression die Menschen in illegale Bereiche drängen, wo sie nicht mehr erreichbar sind. Das bedeutet, dass sie nicht über medizinische oder soziale Unterstützungsangebote informiert werden können. Der ewig währende Kreislauf der Tabuisierung, der Gewalt und Diskriminierung kann sich so immer mehr verdichten und hat unter anderem HIV-Neuinfektionen zur Folge, die durch weniger Kontrolle verhindert werden könnten. Sinnvoll wären die Stärkung der Lebenssituation und der Rechte von Sexarbeiter_innen und Prostituierten, sowie die Aufklärung auf Seiten der Sexarbeiter_innen wie auch der Freier. Autorin: KaJa Bild: DAH

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Das HIV-Schnelltestangebot mit Präventionsberatung in der Aidshilfe Halle Jeden ersten und dritten Donnerstag des Monats besteht die Möglichkeit zu einem HIV-Schnelltest in unserer Beratungsstelle im Böllberger Weg 189. Unser Test- und Beratungsangebot steht dabei grundsätzlichen allen offen und wird anonym durchgeführt. Im Folgenden findet Ihr eine Antwort auf all die Fragen, die uns in diesem Zusammenhang am häufigsten begegnen.

Wie sinnvoll ist ein HIV-Test für mich eigentlich? Ob nun als Partner_innenschaftstest, um auf das Kondom verzichten zu können oder zur eigenen Gewissheit nach einer Risikosituation. Der Beweggrund ist egal, wichtig ist, dass nur eine frühzeitig erkannte Infektion die besten Behandlungsmöglichkeiten bietet. Eine nicht entdeckte HIV-Infektion kann das Immunsystem so nachhaltig schädigen, dass dies dann trotz medikamentöser Behandlung nicht mehr funktionsfähig ist. Dann können Krankheitserreger nicht mehr abgewehrt werden und es kommt zu schwersten Erkrankungen. Daher ist es sinnvoll, möglichst früh über seine HIV-Infektion informiert zu sein. Ist die Blutabnahme schmerzhaft? Nein! Ein kleiner Piekser in die Fingerkuppe sorgt für wenige Tropfen Blut, mit einer speziellen Nadel gemacht, die natürlich nach Gebrauch entsorgt wird.

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Warum ist ein Schnelltest schnell? Die Testverfahren sind in den letzten Jahren soweit verbessert worden, dass es nun auch

möglich ist, nach einer kurzen Wartezeit ein sicheres Ergebnis zu bekommen. Achtung: “Schnell” bedeutet nicht, dass man sich nach einem “Risikokontakt” früher testen lassen kann, sondern nur, dass man nach dem Test auf das Ergebnis nur ca. 30min warten muss. Ist der Schnelltest denn auch sicher? Ja, der HIV-Schnelltest ist genauso sicher, wie die herkömmlichen Verfahren auch. Wenn die drei Monate Wartezeit nach einem Risikokontakt eingehalten worden sind und das Ergebnis negativ ist, ist es sicher. In ganz seltenen Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass der Schnelltest (wie die herkömmlichen Tests auch) ein falsch-positives Ergebnis zeigt. Falsch positive Ergebnisse können vorkommen, weil der Test so hochsensibel ist, dass er beispielsweise auf eine gerade durchgeführte Impfung oder Rheumafaktoren im Blut reagieren kann. Aber wie gesagt, dies kommt wirklich nur sehr selten vor. Wer führt die Schnelltests durch? Der Schnelltest wird von einem Arzt oder durch ihn befähigte Personen durchgeführt. Für die Beratungen sind Mitarbeiter_innen und Berater_innen zuständig. Unsere ehrenamtlichen Helfer nehmen dich in Empfang, erklären dir den Ablauf und sind bei Fragen kompetente Ansprechpartner_innen. Warum soll ich an einem Beratungsgespräch teilnehmen? Der_die Berater_in klärt mit dir eventuell noch offene Fragen und stellt fest, ob für dich ein Test zu diesem Zeitpunkt richtig und sinnvoll ist. In einem persönlichen Beratungsgespräch helfen wir Dir, mögliche Risikosituationen bezüglich HIV und anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) besser einschätzen zu können. Gemeinsam erörtern wir, welche Wege der Prävention für Dich am geeignetsten erscheinen.


Was ist der Unterschied zwischen einem HIV-Schnelltest und einem herkömmlichen HIV-Test? Beide Tests sind HIV-Antikörpersuchtests. “Schnelltest” bedeutet nicht, dass man sich nach einem “Risikokontakt” früher testen lassen kann, sondern nur, dass man nach dem Test auf das Ergebnis warten kann. Der Schnelltest kann individuelle Vorteile bieten. Da die Blutentnahme aus der Fingerkuppe erfolgt, kommt man mit wenigen Tropfen Blut aus. Des Weiteren wird die Wartezeit von bis zu 10 Tagen auf eine halbe Stunde verkürzt. Allerdings bietet auch der Kombinationstest Vorteile, die auf Grund der Weiterentwicklung des Testverfahrens für Labortests das diagnostische Fenster auf sechs Wochen vorverlegt. In bestimmten Notsituationen kann ein Test nach sechs Wochen natürlich von Vorteil sein.

halle.aidshilfe.de

Was passiert wenn mein Testergebnis reaktiv, d.h. positiv ist? Bei einem positiven Schnelltestergebnis spricht man erstmal von einem reaktiven Testergebnis, da es auf Antikörper im Blut reagiert hat. In dem Fall wird vom Arzt nochmals Blut abgenommen und die Blutprobe sofort in ein Labor geschickt. Dort wird ein Bestätigungstest (Westernblot) durchgeführt. Erst wenn dieser positiv ist, ist das Testergebnis bestätigt positiv. Bei Bedarf kann eine ausführliche Beratung und/oder Begleitung genutzt werden. Das bestätigte Testergebnis liegt dann in wenigen Tagen vor.

dung dieser Antikörper braucht der Körper allerdings Zeit. Bei HIV beträgt die Zeit ca. 3 Monate. Diese Zeitspanne nennt man “Diagnostisches Fenster”. Es bezeichnet in der Medizin den Zeitraum, der zwischen der Ansteckung und dem Zeitpunkt, ab dem die Krankheit durch einen spezifischen Test sicher nachgewiesen werden kann, vergangen sein muss. Termin für den HIV-Schnelltest: Die Präventionsberatung mit HIV-Schnelltest findet jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für den Test müssen wir einen Kostenbeitrag in Höhe von 15,00 € erheben. Autorin: PeBe Bilder: AHH

Welche Art der Testung man bevorzugt, muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden. Was ist ein diagnostisches Fenster? Es muss eine Zeit von etwa 3 Monaten nach dem Risikokontakt vergangen sein, bis das Ergebnis eines Tests wirklich aussagekräftig ist. Warum ist das so? Wenn jemand mit Krankheitserregern in Kontakt kommt, versucht das Immunsystem diese Erreger zu bekämpfen. Zu diesem Zweck werden Antikörper gebildet. Und nun kommen wir zum eigentlichen Thema: Schnelltests reagieren auf Antikörper im Blut, nicht auf die Viren selbst. Für die Bil-

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Willkommen in unserer Infothek Die hallesche Aidshilfe ist vielen Menschen in Halle in erster Linie als Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit bekannt. Neben der professionellen und verlässlichen Aufklärung über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen haben wir aber auch noch mehr zu bieten. Im Erdgeschoss unseres Hauses im Böllberger Weg 189 findet sich nämlich unsere Infothek. Diese ist der Begegnungsbereich der Aidshilfe Halle und beinhaltet das Galeriecafé, den Seminarraum und die Bibliothek und ist als öffentlicher Raum für alle zugänglich.

genbrunch ein, der jeden Samstag ab 11.00 Uhr zum gemeinsamen Schlemmen und Austausch einlädt. Ein ehrenamtliches Café-Team bereitet ein kaltes Buffet und ein wechselndes warmes Menü vor. Als Angebot für Klient_innen angedacht, ist es das schon lange nicht mehr nur, denn es besuchen den Brunch auch Angehörige, Mitglieder und Freund_innen der Aidshilfe und Menschen, die unseren Verein kennenlernen wollen.

Durch die gemütliche Bibliothek im englischen Caféhausstil im Eingangsbereich gelangt man in unser Café mit anschließendem Seminarraum. Die Nutzung ist vielfältig möglich und davon machen nicht nur die Besucher_innen der Aidshilfe Gebrauch, sondern auch Teilnehmer_innen anderer Veranstaltungen im Haus, wie z.B. die Senioren des Senioren-Kreativ-Vereins.

Das Galeriecafé und der Seminarraum bieten neben wechselnden Ausstellungseröffnungen der Malerei oder Fotografie von Künstler_innen der Burg Giebichenstein der Kunsthochschule Halle, von Laienkünstler_innen oder denen, die es werden wollen, einen Raum zur Präsentation ihrer kreativen Arbeiten. Hier finden auch immer wieder spannende und informative Buchlesungen, Themenabende oder Podiumsdiskussionen statt. Der Seminarraum wird zudem genutzt für Weiterbildungsveranstaltungen im Bereich HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen und Präventionsveranstaltungen für Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, für Bildungsträger, Pflegeeinrichtungen aber auch für Arbeitsgruppentreffen von Vereinen oder Verbänden, mit denen wir kooperieren.

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Einen besonderen Stellenwert der Angebote der Infothek nimmt der sogenannte Regenbo-

Jedes Jahr bieten wir ein Ernährungsprojekt rund um das Thema der gesunden Ernährung an. Dabei werden Kenntnisse darüber vermittelt, was gesundes Ernährungsverhalten eigentlich bedeutet und in welchem Zusammenhang dieses mit einer HIV-Infektion steht. Dabei werden auch die Wechselwirkungen mit Arzneimitteln einbezogen. Praktisch erprobt wird das erworbene Wissen dann gleich in unserer Küche. Da dieses Angebot in den Räumen der Infothek ausschließlich ehrenamtlich aufrechterhalten wird, suchen wir ständig engagierte Menschen, die Lust und Interesse haben, sich hier einzubringen. Dabei bietet die Infothek vielfältige Möglichkeiten, als Ehrenamtler_in eigene Projekte und Aktionen zu gestalten und zu organisieren. Öffnungszeiten der Infothek im Böllberger Weg 189 (EG): Montag, Mittwoch, Freitag geschlossen Dienstag und Donnerstag von 14.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Samstag von 11.00 Uhr bis 14.30 Uhr geöffnet. Veranstaltungen außerhalb der Öffnungszeiten sind möglich. Autorin: PeBe E-Mail: infothek@halle.aidshilfe.de Bilder: AHH


In diesem Jahr trägt der leuchtend-orangefarbene Bär neben der roten Schleife der Solidarität mit HIV-positiven Menschen zudem eine stilvolle Weste. Nun schon seit 1998 gibt es den Teddy zum Welt-AIDS-Tag in dieser Form. Zurück geht der Teddy auf die Anfangsjahre von AIDS, in denen der Bürgermeister von San Francisco als Reaktion auf die damals vorherrschende Diskriminierung und Ausgrenzung HIV-Patient_innen persönlich einen kleinen Teddybären überreichte. In Anlehnung an die Staatsflagge Kaliforniens, der sogenannten „Bear Flag“, sollte damit ausgedrückt werden, dass die Betroffenen noch immer Bürger_ innen der Stadt waren. Der Züricher Pfarrer und Hospizleiter Heiko Sobel brachte dann die

Damals wie heute wird das kuschelige Pelztier vom Bärenvater Sobel entworfen und von Clemens Spieltiere GmbH produziert. In über 100 deutschen und europäischen Städten dient er jedes Jahr um den Welt-AIDS-Tag der Spendengewinnung, der Unterstützung der HIVund AIDS-Prävention und der Solidarisierung mit den Betroffenen.

halle.aidshilfe.de

Der neue Aidshilfe-Teddy ist da!

Den halleschen Aidshilfe-Teddy bekommst Du ab sofort für nur 6 Euro in der Aidshilfe und zu unseren Aktionen und Veranstaltungen in den kommenden Wochen. Der kleine Gewinn fließt direkt in die örtliche Aidshilfearbeit.

Idee 1992 mit nach Europa und etablierte den Teddy auch hier als Symbol der Solidarität mit Menschen mit HIV und AIDS. Infos: aids-teddy.com

A Festival Of Nine Lessons And Carols

Es ist mittlerweile eine alljährliche Tradition, dass der Kammerchor TonArt e.V. Halle im Vorfeld der Weihnachtstage ein Benefizkonzert zu Ehren und zur Unterstützung der Aidshilfe Halle und ihrer Arbeit veranstaltet. In diesem Jahr werden die rund 30 Chorist_innen am Sonntag, den 18.12.1016 im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen die Weihnachtszeit unter dem Titel „A Festival Of Nine Lessons And Carols“ a cappella besingen. Die Veranstaltung ist damit als eine moderne Interpretati-

on des „Festes der neun Lesungen und Lieder“ konzipiert, bei dem es sich um einen traditionellen Gottesdienst handelt, der in Großbritannien in kirchlichen Gemeinden am Heiligen Abend gefeiert wird. Beim englischen Original werden neun weihnachtliche Bibelverse von einem jeweils passenden Weihnachtslied begleitet. TonArt übernimmt diese englische Kirchentradition und präsentiert sie in ihrem eigenen Stil. Statt Bibelstellen zu rezitieren, wurden unterschiedliche Weihnachtsgedichte und -geschichten aus der Weltliteratur gewählt, die von Student_innen der Sprechwissenschaft der Martin-Luther-Universität vorgetragen werden. Es verspricht ein besinnlicher und heiterer Abend zu werden, bei dem sicher auch all jene in Weihnachtsstimmung kommen, denen dies im vorweihnachtlichen Stress noch nicht möglich war. Infos: kammerchor-tonart.de

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Bild: Shutterstock (Lightspring)

HIV-bezogene Diskriminierung: Es lohnt sich, sich zu wehren!

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Im Rahmen des diesjährigen CSD fand in unseren Räumen ein Podiumsgespräch zum Thema der HIV-bezogenen Diskriminierung statt, bei der wir gemeinsam mit Expert_innen debattiert haben, wie sich HIV-bezogene Diskriminierung äußert und wie Betroffene vorgehen können, wenn ihnen Unrecht aufgrund ihres HIV-Status widerfährt. Daran anschließend haben wir mit Kerstin Mörsch, der Antidiskriminierungsbeauftragten der Deutschen Aidshilfe und Teilnehmerin auf dem Podium, ein Interview zu den Schwerpunkten der Diskussion geführt.

verwiesen werden, ein großer Aufwand, und für die Fahrtkosten muss der Mensch dann selbst aufkommen. Auch im Gesundheitswesen gibt es irrationale Infektionsängste und es fehlt an aktuellen Informationen zu HIV. Das schockiert Menschen mit HIV, weil sie hier professionellen Umgang und medizinische Kompetenz erwarten. Hinzu kommt, dass sie von dieser Diskriminierung oft in einer Situation getroffen werden, in der sie auf Hilfe angewiesen sind und ihr eigenes, oft sehr gutes Wissen zu Übertagungswegen nicht ernst genommen wird.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat 2013 eine Kontaktstelle zu HIV bezogener Diskriminierung eingerichtet. An diese und damit an dich wenden sich Menschen, die wegen ihrer HIV Infektion benachteiligt wurden. Mit welchen Formen HIV-bezogener Diskriminierung hast du dabei in erster Linie zu tun? In welchen gesellschaftlichen Bereichen kommt sie demnach hauptsächlich vor? In den rund 180 bisher bearbeiteten Diskriminierungsfällen sind ca. Zweidrittel aus dem Gesundheitswesen: Menschen mit HIV bekommen nur den letzten Termin, weil nach ihnen angeblich spezielle Hygienemaßnahmen notwendig sind. Das geht von besonderer Sterilisierung der Instrumente bis zur Desinfektion des gesamten Behandlungsraums. Auch gibt es immer wieder Verletzung des Datenschutzes. Akten werden von außen mit HIV oder einem roten Punkt gekennzeichnet, mit der Begründung, dass nur wenn alle sofort Bescheid wissen, der Schutz des medizinischen Personals gewährleistet ist. Gerade im ambulanten Bereich kommt es vor, dass Menschen mit HIV die Behandlung verweigert wird und sie an Universitätskliniken

Neben dem Gesundheitswesen liegt ein zweiter großer Bereich die Diskriminierung im Erwerbsleben. Obwohl es in Deutschland kein Berufsverbot für Menschen mit HIV gibt, führen Einrichtungen wie Krankenhäuser, aber auch Fluggesellschaften HIV-Tests bei Einstellungsuntersuchungen durch. Häufig mit der Folge, dass HIV-positive Menschen nicht eingestellt werden. Da HIV in fast allen Berufen keinen Einfluss auf die ausgeübte Tätigkeit hat, hat der HIV-Test in betriebsärztlichen Untersuchungen nichts verloren. Kannst du eine Einschätzung darüber vornehmen, welche Ursachen für die Diskriminierung HIV-Positiver auszumachen sind? Ich glaube, es gibt ganz unterschiedliche Ursachen. Zum einen gibt es wenig Wissen zum Leben mit HIV. Viele Menschen haben immer noch die Vorstellung von der tödlichen Erkrankung aus den 80er Jahren. Dass Menschen mit HIV heute eine ganz normale Lebenserwartung haben, voll im Beruf stehen, Kinder kriegen können und eine medizinisch gut zu behandelnde Infektionserkrankung haben, ist in den Köpfen


Reaktion werden dann weitere Schritte, wie z.B. eine Beschwerde bei der Ärztekammer oder bei Datenschutzverletzungen der Kontakt mit dem Datenschutzbeauftragten geplant. Es ist wichtig, alle Schritte gemeinsam zu planen und immer mit der Zustimmung des Ratsuchenden zu handeln. Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, fühlen sich oft ohnmächtig und ausgeliefert. Indem sie sich gegen Diskriminierung wehren, werden sie wieder aktiv Handelnde und setzen sich für ihre Rechte ein. Viele haben großes Interesse, nicht nur für sich eine Verbesserung zu erreichen, sondern auch für andere Patienten, die nach ihnen kommen. Es geht darum, auf einen Missstand hinzuweisen und den Verantwortlichen die Möglichkeit zu geben, diesen zu beheben, ihr Verhalten zu überdenken oder zu verändern. Die Wege dahin sind verschieden.

Du erfasst HIV-bezogene Diskriminierungsfälle nicht nur statistisch, sondern wirst unter Umständen auch beratend und begleitend tätig. Was können die Betroffenen tun und an wen können sie sich wenden, um sich gegen erlebte Diskriminierung zur Wehr zu setzen? Oft haben Menschen schon viele Diskriminierungserfahrungen gemacht, aber irgendwann „platzt ihnen die Hutschnur“ und sie wollen sich das nicht mehr gefallen lassen. Wenn sich Leute bei mir melden und Beratung wünschen, überlegen wir gemeinsam, wie man vorgehen könnte.

In jedem Einzelfall stecken die strukturellen Probleme. Deswegen arbeitet die Kontaktstelle der Deutschen AIDS-Hilfe sowohl in der individuellen Beratung und Begleitung als auch durch Kooperation mit z.B. den Bundesärztekammern strukturell gegen Diskriminierung.

Bei Diskriminierung im Gesundheitswesen nehme ich z.B. Kontakt mit der Ärzt_in oder dem Krankenhaus auf, schildere die Situation und bitte um Stellungnahme, und ich weise z.B. darauf hin, dass bestimmte Hygienemaßnahmen laut Robert Koch Institut nicht nötig sind. Je nach

Seit dem Dezember 2013 besteht die Möglichkeit, unter Berufung auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gegen HIV-bezogene Benachteiligung juristisch vorzugehen. Welche Erfahrungen konntest du in deiner Praxis mit dem AGG sammeln? Wo liegen die Potentiale und Grenzen des AGG in diesem Kontext? Dass AGG bietet Schutz vor Diskriminierung in den Bereichen Arbeit und Dienstleistungen. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aufgrund bestimmter Merkmale wie Alter, Geschlecht, sexuelle Identität, Religion und Weltanschauung,

halle.aidshilfe.de

noch nicht angekommen. Viele haben noch nie gehört, dass Menschen, die erfolgreich behandelt sind, niemanden mehr anstecken können – nicht einmal beim Sex. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Aber neben dem rationalen Aspekt ist HIV, oft gleichgesetzt mit Aids, eine Erkrankung, die große Ängste auslöst, und Emotionen und Phantasien von einem ungezügelten Lebensstil mobilisiert. Das führt häufig zu einer Abwertung von Menschen mit HIV, die sich ja „selbstverschuldet“ diese Erkrankung „geholt“ haben und nun eine Gefahr für andere darstellen. Es ist die Kombination aus eigenen Ängsten, sexueller Übertragung, Zuschreibungen und Vorurteilen gegenüber Gruppen wie schwulen Männern, Drogengebrauchenden, Sexarbeiter_innen, die das Diskriminierungspotential ausmachen.

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ethnischer Herkunft und Behinderung zu ver-

ben können – auch beim Sex nicht. Das wird, so

hindern und zu beseitigen.

hoffe ich, mit vielen Mythen rund um HIV aufräumen. Zumindest wäre es ein Anfang.

Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts wurde festgehalten, dass auch die symptomlose

2 Mehr Wissen zum Leben mit HIV im Ge-

HIV-Infektion die Merkmale einer Behinderung

sundheitswesen ist dringend notwendig!

erfüllt und damit unter den Schutz des AGGs fällt. Das Gericht folgte hier dem Behinderten-

3 Der HIV-Test hat in Einstellungsuntersu-

begriff der UN Behindertenkonvention, in der

chungen nichts verloren. Er muss immer freiwil-

Behinderung nicht an der Person, sondern an

lig sein. Das ist er in diesem Kontext nicht.

den Barrieren der Umwelt festgemacht werden, die ihn von Teilhabe ausschließen.

4 Menschen mit HIV, die Sex ohne Kondom mit ihren Partner_innen haben, können nach

Für den Arbeitsbereich heißt das, dass Kündi-

wie vor dafür vor Gericht gebracht werden, so-

gungen aufgrund der HIV-Infektion eine Diskri-

gar wenn gar keine Übertragung stattgefunden

minierung darstellen, gegen die die Betroffenen

hat. Das ist für Menschen für HIV eine große

vorgehen können. Das ist ein Erfolg! Da die Frist,

Belastung. Die Rechtsprechung muss sich drin-

Ansprüche geltend zu machen, mit 2 Monaten

gend ändern und die Erkenntnisse über das Le-

im AGG sehr kurz ist, muss allerdings schnell ge-

ben mit HIV als chronischer Erkrankung und die

handelt werden.

Nicht-Übertragung unter Therapie berücksichtigen. Der Staatsanwalt hat im Bett nichts zu

Leider ist das AGG wenig bekannt. Es ist ein In-

suchen, erwachsene Menschen müssen selbst

strument gegen Diskriminierung vorzugehen.

Verantwortung für sich übernehmen.

Problematisch finde ich, dass immer der Einzelne klagen und mit den Nachteilen leben muss,

5 Alle Menschen in Deutschland brauchen

die er dadurch, z.B. durch seinen Arbeitgeber,

einen uneingeschränkten Zugang zur medizini-

erlebt. Hinzu kommen die Kosten. Das hält viele

schen Versorgung, egal, wie ihr Aufenthaltssta-

Menschen von einer Klage ab. Seit langem wird

tus ist.

deshalb die Möglichkeit eines Verbandsklagerechts diskutiert. Dann könnten Verbände auf

6 Wir müssen uns gegen den derzeit stattfin-

eigene Initiative klagen, eine echte Entlastung

denden gesellschaftlichen Rollback stellen und

für Menschen, die von Diskriminierung betrof-

dürfen uns auch in unserer eigenen Communi-

fen sind. Das halte ich für eine vielversprechen-

ty nicht auseinanderdividieren lassen, Migran_

de Neuerung, für die wir uns einsetzen müssen.

tinnen gegen Deutsche, Männer gegen Frauen, Drogengebrauchende gegen schwule Männer.

Was kann und müsste gesamtgesellschaftlich

Wir müssen unsere Vorstellungen von einer di-

und sozialpolitisch getan werden, um der Diskri-

versen Gesellschaft deutlich machen und dem

minierung HIV-Positiver entgegenzuwirken? 1 Es bedarf immer noch und vielleicht auch immer wieder mehr Aufklärung in der gesamten

schwarzbraunblauen Einheitsbrei entgegensetzen. Bunt ist sexy, und das ist auch gut so!

Bevölkerung: mit HIV kann man sich im Zusam-

Und zum Abschluss nochmal der Aufruf: Wenn

menleben nicht anstecken! Der Weltaidstag ist

Ihr Diskriminierung erfahren habt, unterstützen

eine gute Möglichkeit, um deutlich zu machen,

Euch die Aidshilfen vor Ort und die Kontaktstel-

dass Menschen mit HIV ein gutes Leben füh-

le in der Deutschen AIDS-Hilfe!

ren könnten, wenn ihnen offen und vorurteilsfrei begegnet wird. Da ist jeder gefragt und kann

Kerstin Mörsch

etwas tun. Als Freund_in, auf der Arbeitsstelle,

Tel. 030 – 69008767

im Beruf als Mediziner_in, als Arbeitgeber_in. Es

gegendiskriminierung@dah.aidshilfe.de

muss deutlicher darauf hingewiesen werden, 18

dass Menschen mit HIV, die erfolgreich thera-

Interview wurde von MaTh geführt

piert werden, in keiner Situation HIV weiterge-

und redaktionell gekürzt.


„Diskriminierung – nicht mit mir!“, so heißt die Veranstaltungsreihe der Aidshilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. und genau so empfinde ich auch. Ich will nicht diskriminiert werden, egal welches Geschlecht ich habe, welche sexuelle Orientierung, welche Hautfarbe, welche Religion, welches Alter oder sonstige Eigenschaft. Leider ist aber Diskriminierung – sei sie direkt oder strukturell – oft die Realität. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, an den drei Schnupper-Terminen des Selbstverteidigungskurses für Frauen teilzunehmen. Ich wollte lernen, wie ich mich im Ernstfall verteidigen kann. Die Ansätze dazu habe ich nach der Veranstaltung tatsächlich mit nach Hause nehmen können. Zunächst umrissen wir die Grundlagen der Täter*in-Opfer-Dynamik, d.h. wir lernten, wie wir durch Körpersprache, Mimik, Gestik und Stimme bereits Signale senden, die für potenzielle Täter*innen abschreckend wirken können. Mir gefiel besonders, dass der Fokus stets auf mir selbst als Person lag, d.h. wie ich selbst mich empowern kann, Stärke zeige, aktiv und offensiv werde. Allzu oft steht der*die Täter*in im Fokus, aber hier ging es vor allem um das selbstbestimmte Handeln eines Menschen. So übten wir zunächst durch unsere Stimme und Körperhaltung unserem Gegenüber unsere Grenze zu zeigen. Angefangen mit einem freundlichen, aber bestimmt distanzierenden Händedruck, bis hin zu einem lauten, eindeutigen „STOP!“, notfalls untermauert durch eine stoppende Geste mit der Hand. Grenzen setzen dürfen, selbst bestimmen, wo die eigenen Grenzen sind – das war die erste Lektion, und vermutlich auch die wichtigste, denn leider ist dies (gerade für Frauen), nicht immer selbstverständlich, ja manchmal sogar eher schambehaftet oder unerhört. Im nächsten Schritt lernten wir dann konkrete körperliche Techniken, um uns bei einem Angriff zu schützen und auch in die Offensive zu gehen (zumindest soweit, dass der*die

halle.aidshilfe.de

Erfahrungsbericht zum Antidiskriminierungsworkshop Täter*in kurz handlungsunfähig gemacht sind und wir so genügend Raum zur Flucht haben). Wir lernten, wie wir am wirkungsvollsten unseren Kopf schützen, da ein Großteil der Angriffe genau diesen zum Ziel hat. Gleichzeit kann man aus dieser Schutzposition heraus selbst gut angreifen, um danach fliehen zu können. Ich entdeckte einerseits, welche Kräfte in mir schlummerten, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte. Andererseits wurde mir durch viele Übungen auch klar, dass ich mich manchmal nicht richtig traute (oder nicht konnte?) meine eigenen Grenzen zu zeigen, z.B. durch ein lautes „Stop“. Es brauchte mehrere Anläufe um wirklich überzeugend und fest zu klingen – das war nicht nur bei mir der Fall gewesen. Letzten Endes habe ich durch diese Veranstaltungen neben einigen wirklich praktischen, konkreten Techniken also auch eine noch viel wichtigere Sache gewonnen: Mut, meine eigenen Grenzen zu setzen, zu zeigen und zu verteidigen – nicht nur abends allein im Park, sondern immer dann, wenn mir etwas zu weit geht, und sei es nur verbal. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch dazu befähigt wird dies tun zu können, damit wir endlich in einer Gesellschaft ankommen, in der persönliche Grenzen geachtet werden und jeder Mensch selbstbestimmt leben darf. Autorin: ChWi Bild: Shutterstock (Roland IJdema)

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PoBe 2016: Der Teil der Lösung waren wir Florian Winkler-Ohm ist 38 Jahre jung, lebt und arbeitet als Journalist in Berlin. Er ist offen HIV-positiv und betreibt den Blog flosithiv.com. Im Rahmen der Positiven Begegnungen wurde er in das Gremium PositHIVe Gesicher gewählt, einem besonderen Verbandsorgan der DAH, welches sich als Bindeglied zwischen Verband und Positiven Communities für mehr Mitspracherechte und die Stärkung der Kommunikation einsetzt. Diesmal berichtet er über das Come-together „Positive Begegnungen“ in Hamburg.

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Es ist so einfach und doch so schwer: Sei ein Teil der Lösung – mit diesem Motto fanden in diesem Jahr im August die Positiven Begegnungen (PoBe) in Hamburg statt. Auf der alle zwei Jahre durchgeführten Konferenz tagen, diskutieren und planen HIV-positive Menschen welche Prozesse notwendig sind, wenn es um das große Thema HIV geht. Rund 500 Menschen gingen auf der 19. Konferenz aufeinander zu: Perfekt vorbereitetet von der Deutschen AIDS-Hilfe und einem engagierten

zwölfköpfigen Vorbereitungsteam aus der Positiven-Selbsthilfe, sowie der Vor-Ort-Unterstützung der Aidshilfe Hamburg war klar: „Wir wollen gemeinsam dicke Bretter bohren!“ Redet nicht über uns, sondern mit uns: Menschen mit HIV wissen am besten, was sie wollen und brauchen. Deswegen ist die PoBe eine großartige, sinnvolle und erhaltenswerte Veranstaltung – da waren sich alle Teilnehmer*innen einig. Mit einem neuen Konzept, welches auf sechs Themenstränge setzte, statt auf vieler in sich abgeschlossener Einzelworkshops, gelang es den Machern die Teilnehmer*innen diesmal länger für ein Thema „am Ball“ zu behalten. Dass ein Ball, genauer Fußball, auch ein wichtiger Begleiter dieser PoBe war, lag an der Bereitschaft von Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli – dem Schirmherrn der Veranstaltung: Der Verein ist – um mal in der Fußballsprache zu bleiben – Tabellenführer im Profifußball in Sachen Engagement für Emanzipation in einer Welt, in


Die Positiven Begegnungen boten und bieten hoffentlich auch zukünftig den Rahmen an derartigen Herausforderungen gemeinsam zu ar-

beiten: Auch deswegen, weil unsere Community so großartig bunt und vielfältig ist, dass der Austausch in bestimmten zeitlichen Abständen die notwendige Grundlage einer gemeinsamen strategischen Arbeit liefert. Einer Arbeit mit dem gemeinsamen Ziel: Die Ausgrenzung und Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen zu beenden. Vielfältigkeit bedeutet jedoch auch unterschiedliche Sichtweisen auf Dinge und Themen zu haben. Das wurde mir in meinem Themenstrang Drogen ganz deutlich. Zwar kämpfen Konsument*innen von Cannabis und chemischen Drogen – wie beispielsweise Crystal Meth – grundsätzlich beide um Akzeptanz: die Herangehensweisen können dabei aber grundsätzlich verschieden sein. Dies ist und sollte kein Hindernis darstellen, sondern eine unbedingt zu nutzende Chance für alle. Es geht bei all unseren Themen nicht darum,

halle.aidshilfe.de

der das nicht selbstverständlich ist. Ausgrenzung von Minderheiten ist im Fußball noch immer furchtbar präsent. Dieser Ausgrenzung eine Absage zu erteilen und Selbstverständlichkeit zu demonstrieren waren die Kernbotschaften der Eröffnungsrede des Schirmherrn: „Eine HIV-Infektion muss und sollte keine Rolle spielen im Alltag. Nicht im Stadion und nicht beim Zahnarzt. Nicht auf dem Spielfeld und nicht am Arbeitsplatz. Nicht am Stammtisch und nicht in der Familie.“ Es sind starke Worte die auf begeisterte Zuhörer*innen treffen im Audimax der Bucerius Law School – der Arena der Eröffnung – wie Holger Wicht, Moderator der Eröffnungsveranstaltung und Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe – sie in Erinnerung an die damals gerade zu Ende gegangen Olympischen Spiele getauft hat. Es war ein wichtiges Zeichen für einen selbstverständlicheren Umgang im Fußball, der hier gesetzt wurde – eine Punktlandung schon zum Auftakt der PoBe: “Wo Menschen Angst haben, müssen wir aufklären. Zu viele Leute wissen noch nicht, dass HIV durch eine Blutgrätsche nicht übertragen werden kann.“ Und Göttlich fuhr fort: „Diesen Menschen müssen wir erklären, dass man mit HIV ohne Problem Fußball spielen kann, so wie man alles tun kann: Alt werden, arbeiten, Sex haben, Sport treiben. Das müssen wir immer wieder deutlich sagen und vor allem zeigen.“ Und er hat Recht: Es ist Zeit das sich was dreht hat Herbert Grönemeyer zur vorletzten WM bereits gesungen: Wo wir Zurückweisung begegnen, müssen wir erst die gelbe und dann auch mal die rote Karte ziehen. Ausgrenzung ist nicht akzeptabel!

zu allem eine gemeinsame Lösung zu finden. Aber es geht darum als Community gemeinsame Werte – wie Zusammenhalt und Wertschätzung für andere Sichtweisen – nach außen zu tragen. Hierbei ist es besonders von Bedeutung, dass es uns gelingt auch über die Positiven Begegnungen hinaus unsere gemeinsamen Anliegen laut, mutig und entschlossen in die Welt zu tragen. Wir sind ein bunter Haufen: Männer die Sex mit Männern haben (MSM), Drogengebraucher*innen, Trans*Menschen, Frauen, Kinder & Jugendliche, Menschen die sich für einen Schutz durch Therapie entscheiden, PrEP-Nutzer*innen, Menschen in Haft, Menschen aus anderen Kulturkreisen oder anderen Ländern und viele weitere mehr. HIV ist zwar der kleinste gemeinsame Nenner, jedoch nicht Grund genug alle Bedarfe über einen Kamm zu scheren – wir müssen hinhören, verstehen, lernen wollen und wirkliches Interesse zeigen. Zu den Positiven Begegnungen in Hamburg trafen tolle, liebenswerte und engagierte Menschen in Hamburg aufeinander und einmal mehr wird mir klar: Jede*r von uns ist Teil der Lösung. Doch: Nur gemeinsam geht´s voran. Autor: Florian Winkler-Ohm Bilder: DAH

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Veranstaltungskalender Dezember 2016 Do., 01. Dezember, 09–14 UHR JUGENDFILMTAG ZU SEXUALITÄT, LIEBE, FREUNDSCHAFT, HIV/AIDS Kino-Aktion des Koordinierungskreises HIV/STI Prävention und Sexualpädagogik
Halle und Saalekreis für Schüler_innen der Halleschen Schulen Ort: CinemaxX Halle, Charlottenstraße 8, 06108 Halle

Do., 01. Dezember, 15–18 Uhr Bärenstark für Solidarität Präventionsstand und mobile Spendenaktion zum WAT Ort: Kunstraum „Rauschickermann“, Große Ulrichstraße 18-21, 06108 Halle (Saale) Do., 01.Dezember, 15–18 Uhr Präventionsstand im Einkaufscenter Ort: PEP- Halle Center Peißen, Saarbrücker Str. 1, 06188 Halle (Peißen)

Termine für den HIV- & Syphilisschnelltest 01. & 15. Dezember 2016 05. & 19. Januar 2017 / 02. & 16. Februar 2017 02. & 16. März 2017 / 06. & April 2017 04. & 18. Mai 2017 / 01. & 15. Juni 2017

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Sa., 17. Dezember, ab 16 Uhr WEIHNACHTSFEIER DER AIDSHILFE Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG) So., 18. Dezember, 18 Uhr WEIHNACHTLICHES CHORKONZERT mit dem Chor TonArt „A Festival Of Nine Lessons And Carols“ – Eine Interpretation des „Festes der neuen Lesungen und Lieder“ Weihnachtliche Gedichte und Geschichten aus der Weltliteratur, vorgetragen von Studenten der Sprechwissenschaften der MLU, werden mit dazu passenden Weihnachtsliedern begleitet. Der Eintritt ist frei. Ort: Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen, Franckeplatz 1, 06108 Halle

Sa., 24. Dezember, 11–14:30 Uhr HEILIGABEND-BRUNCH Anmeldung erforderlich unter Tel. 0345 5821270 Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG) Sa., 31. Dezember, 11–14:30 Uhr SILVESTER-BRUNCH Anmeldung erforderlich unter Tel. 0345 5821270 Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG) Do., 01. Dezember & 15. Dezember, 18–20 Uhr HIV-SCHNELLTEST UND SYPHILIS-SCHNELLTEST Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG)


Nachruf Wir nehmen Abschied von

Silvio S. * 17.05.1982

† 22.09.2016

Gemeinsam haben wir mit dir gekämpft und gehofft, doch die Krankheit war letztlich stärker. Vorstand, Mitglieder und Team der AIDS-Hilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e.V.

Impressum AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189, 06110 Halle (Saale) Geschäftsführung: Petra Becker Telefon: 0345 – 58 21 271 Fax: 0345 – 58 21 273 Email Redaktion: red.aktion@halle.aidshilfe.de Fotografie: DAH, AHH, Shutterstock (Lightspring, Roland IJdema)

Titelbild: DAH

nen können Models und nicht die im Beitrag genannten Personen sein.

Autoren: Autoren: Martin Thiele, Katharina Janko, Petra Becker, Björn Beck, Florian Winkler-Ohm, Christiane Winkler

„Red.“ ist ein ehrenamtliches Projekt der AIDS-Hilfe Halle /Sachsen-Anhalt Süd e.V. und finanziert sich durch Anzeigeschaltungen selbst. Spenden sind möglich und steuerabzugsfähig.

Alle Inhalte dieses Magazins unterliegen dem Urheberrecht. Eine Weiterverwendung, auch auszugsweise, bedarf der schriftlichen Genehmigung durch den Verein. Genehmigungen können jederzeit widerrufen werden. Die Nennung und Abbildung von Personen in diesem Magazin lässt nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf ihren HIV-Status und/oder deren sexuelle Orientierung zu. Abgebildete Perso-

Anzeigelayout: Deutsche AIDS-Hilfe/IWWIT, MSD Sharp & Dohme GmbH, Mirko Rische, Marcus Hamel Anzeigeleitung: red.anzeigen@halle.aidshilfe.de Magazinlayout: Marcus Hamel www.marcushamel.com

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h c i l d n ä t s r e Selbstv positiv !?

un d mit ten im V-posi ti v zu sein HI h, lic nd tä rs ve nd eskr eis, selbst e Szen e, der Fr eu den einen is t es di , r te Fü en r. m te ka ch di si Me Ge HI V ha t vi el e s nicht immer. HI Vss au f das Leben nega ti ven Einflu n an deren is t es da e de wi r n Fü ve . ti en si eh po st WE ISS WAS könn en Leben zu enseit e von ICH weit er e Fakt or en em e Th el ue vi d ne e un di he t yc ig di e eigene Ps HI V zu leben, ze heut e heiß t, mit es s Wa n. be ha mit HI V . v r für HI V-Posi ti ve ICH TU – nicht nu wwit.de/hiv-positi

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