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#16 – September 2016

CSD HALLE 2016: „VIELFALT FÜR (H)ALLE – MENSCHEN FORMEN RÄUME“ • QUEERE KÄMPFE HEUTE: ANPASSUNG ODER REVOLUTION? • HIV UND MUTTERSCHAFT: EINE GANZ „NORMALE“ SCHWANGERSCHAFT • ALTERNATIVER DROGEN- UND SUCHTBERICHT 2016 • AIDS-KONFERENZEN IN NEW YORK UND DURBAN


BERATUNG

Beratungsstelle Halle (1. Obergeschoss) Information – Beratung – Betreuung Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) Öffnungszeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Mi.: Termine nach Vereinbarung

Beratungstelefon Halle: 0345 - 19411

Universitätsklinikum Halle HIV-Sprechstunde Ernst-Grube-Straße 40, HIV-Ambulanz – Innere IV 06120 Halle (Saale) Sprechzeiten: Di.: 14–16 Uhr

(max. 9 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/ Min. aus den dt. Mobilfunknetzen)

(Ortstarif)

Sprechzeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Bundesweites Beratungstelefon: 0180 - 3319411

Sprechzeiten: Mo.–Fr.: 9–21 Uhr Sa., So.: 12–14 Uhr Onlineberatung der Aidshilfen: www.aidshilfe-beratung.de

Naumburg Beratungsangebot Am Markt 12, Raum 305 06618 Naumburg (Saale) Sprechzeiten: Jeden 4. Di., 15–18 Uhr BEGEGNUNG

Infothek Halle (Erdgeschoss) Galerie – Café – Bibliothek 0345 - 68165791

Öffnungszeiten: Di., Do.: 14–20 Uhr Sa.: 11–14:30 Uhr – Brunch im Erdgeschoss

(Ortstarif)

EHRENAMT

SELBSTHILFE

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LoveAgents kreatHIV – präventHIV in der Szene Jeden 2. und 4. Mi., 18–20 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG) Email: loveagents@halle.aidshilfe.de

Treffen der Berater_innen Jeden 1. Do., 17–18 Uhr Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1. OG)

YoungStars kreatHIV – präventHIV in der Schule Jeden 1. und 3. Fr., 14-16 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Infoabend für Neue Jeden letzten Mi., ab 18 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Positiventreffen Treffen für Menschen mit HIV Geschlossene Veranstaltung Jeden 3. Mittwoch, ab 18 Uhr Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (Infothek EG) Email: positivleben@halle.aidshilfe.de

hetero.aidshilfe.de jes-bundesverband.de jungundpositiv.de angehoerige.org positiv-ev.de positHIV.info hiv-migration.de/netzwerke/afrolebenplus

AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) halle.aidshilfe.de

Spendenkonto Bank: Saalesparkasse IBAN: DE14800537620385311531 BIC: NOLADE21HAL


Liebe Leser_innen des red.-Magazins, liebe Freund_innen der Aidshilfe Halle, bei uns im Verein geht es im Moment drunter und drüber, denn der CSD Halle steht vor der Tür und die Vorbereitungen für unsere Veranstaltung im Rahmen der CSD-Woche, unser Tagesprogramm auf dem CSD-Straßenfest und die anschließende Abschlussparty sind im vollen Gange. Wir haben uns viel vorgenommen und viel vor mit Euch, also auch Einiges zu tun. Ein paar Seiten weitergeblättert und Ihr könnt Euch ausführlich darüber informieren, was wir alles geplant haben. Sicher wird für jede_n etwas von Interesse dabei sein! Am 10. September wollen wir ohne Zweifel all die Erfolge und Errungenschaften der LSBTI-Bewegungen feiern. Zugleich wollen wir als Aidshilfe darauf aufmerksam machen, dass queere und HIV-positive Menschen hierzulande und weltweit immer noch einer frappierenden Benachteiligung und Stigmatisierung ausgesetzt sind. Deshalb werden wir auch diesmal wieder lautstark für ein selbstbestimmtes und repressionsfreies Leben unserer Zielgruppen einstehen. In diesem Jahr wird dabei unser politischer Schwerpunkt auf der Diskriminierung und Kriminalisierung HIV-Positiver liegen.

halle.aidshilfe.de

Editorial

Und doch dreht sich bei uns im Verein und in dieser Ausgabe unseres Vereinsmagazins selbstverständlich nicht alles um den CSD. Auch abseits davon hat die red. wieder viele lesenswerte Artikel zu bieten. So fanden im Sommer diesen Jahres zwei entscheidende und folgenreiche internationale Zusammenkünfte statt, auf deren Agenda der Umgang mit HIV und AIDS stand – die UN-AIDS-Versammlung in New York und die Welt-AIDS-Konferenz in Durban. Zwei Selbsthilfevertreter, die das Glück hatten, an diesen Treffen teilnehmen zu können, berichten Euch von Ihren Erfahrungen und geben eine Einschätzung zu deren Ergebnissen ab. Außerdem informieren wir Euch über den alternativen Drogen- und Suchtbericht, über HIV und Schwangerschaft und all die Neuigkeiten, die sich bei uns in den letzten Monaten ereignet haben und die in den kommenden Monaten anstehen werden. Wir wünschen viel Freude beim Lesen und einen ganz zauberhaften sowie politischen Christopher Street Day am 10. September 2016! Martin Thiele

INHALT AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd.........2

HIV und Mutterschaft: „Einfach eine

Editorial / Inhalt....................................................3

ganz ‚normale‘ Schwangerschaft“........... 16–18

CSD Halle (Saale) 2016................................. 4–5

Nachtschwärmer / AfroLebenVoice............. 20

CSD heute:

Ein Puzzle voller männlich_er

Anpassung oder Revolution?.............................6

Lebenswelten /

Die Folgen der Kriminalisierung.................. 8–9

Medizinische Rundreise 2016........................ 21

Alternativer Drogen- &

FAQ „Schule ohne Rassismus –

Suchtbericht 2016 /

Schule mit Courage“.................................. 22–23

Neue Kooperationen im

4. Mitteldeutsches Positiventreffen /

Drogenbereich............................................ 10–11

Workshop für Lehrkräfte

UN High Level Meeting

zum Welt-Aids-Tag............................................24

zu HIV/AIDS.................................................12–13

Der neue Mitarbeiter stellt sich vor............. 25

Welt-AIDS-Konferenz in Durban........... 14–15

Veranstaltungen ........................................ 26–27

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Christopher Street Day Halle am 10. September 2016 „Vielfalt für (H)alle – MENSCHEN FORMEN RÄUME“

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Der Sommer geht zur Neige und die CSD-Saison 2016 nähert sich damit bald ihrem Ende. Und auch diesmal ist der Christopher Street Day Halle hierzulande einer der letzten des Jahres. Umso unübersehbarer wollen wir uns zeigen, umso lauter wollen wir uns feiern und umso entschiedener wollen wir unsere politischen Forderungen vorbringen. Das gemeinsam vom Begegnungs- und Beratungszentrum „lebensart“ e.V. und der AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. organisierte queere Straßenfest wird am 10. September 2016 stattfinden. Unter dem Motto „Vielfalt für (H)alle – MENSCHEN FORMEN RÄUME“ wollen wir für einen Tag lang den halleschen Marktplatz im Sinne der Wertschätzung der Verschiedenheit geschlechtlicher und sexueller Identitäten, Lebensentwürfe und Beziehungsformen gestalten. Doch die Veranstaltung ist keineswegs nur als Begegnungsort,

Schutzraum und politische Demonstration für die Menschen der LSBTI-Community aus Halle und Umgebung gedacht. Angesprochen sind selbstverständlich alle Menschen, die die Akzeptanz queerer L(i)ebensweisen und ein demokratisches Miteinander leben und politisch zum Ausdruck bringen wollen. Wie in jedem Jahr beschränkt sich der Einsatz für die rechtliche Gleichstellung und die gesellschaftliche Anerkennung im Rahmen des CSD nicht nur auf den Samstag des Straßenfestes. Schon in der Woche zuvor laden verschiedenste Vereine, Initiativen und Parteien zu Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen und Aspekten von LSBTI ein. In einem Veranstaltungskalender, der von fachlichen Diskussionen über Speeddating bis hin zu einem queeren Zoobesuch einiges zu bieten hat, wird sicher für jede_n Interessierte_n


punkt der Aidshilfe Halle beim diesjährigen

dabei sein. Auch die Aidshilfe Halle beteiligt

CSD-Straßenfest ist die Entkriminalisierung

sich wieder an der CSD-Woche. Diesmal la-

HIV-positiver Menschen. Denn auch heute

den wir Euch am Mittwoch, den 07. Septem-

noch werden HIV-Positive in der Gesellschaft

ber 2016 zu einem Podiumsgespräch über

nicht nur moralisch verurteilt, sondern ganz

die Diskriminierung und Kriminalisierung

schnell tatsächlich zu Kriminellen gemacht.

HIV-positiver Menschen in die Räume der

So wird die Übertragung des HI-Virus beim

halleschen Aidshilfe ein. Mit unserer Veran-

Sex juristisch häufig als ein Straftatbestand

staltung wollen wir darauf aufmerksam machen, dass HIV-Positive immer noch in wesentlichen Lebensbereichen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, aufgrund ihrer Infektion diskriminiert zu werden. Benachteiligung und Stigmatisierung im Gesundheitswesen, am Arbeitsplatz, vor Gericht oder in der Freizeit gehören daher für viele Betroffene nach wie vor zu ihrem Alltag. In unserer Podiumsdiskussion wollen wir gemeinsam mit Kerstin Mörsch, der Antidiskriminierungsbeauftragten der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., Susanne Wildner, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Halle, und zwei Betroffenen darüber diskutieren, welche Formen HIV-bezogene Diskriminierung annehmen und wie Antidiskriminierungsarbeit aussehen kann, die für HIV-positive Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben erstreitet. Es verspricht ein informativer wie spannender Abend zu werden. Selbstverständlich haben wir auch am 10. September 2016 auf dem Marktplatz einiges für Euch vorbereitet. Das Team der Bundeskampagne „ICH WEISS WAS ICH TU“ der Deutschen Aidshilfe wird euch über darüber aufklären, wie man sich eigentlich das Leben mit HIV vorstellen kann. Die Rollenmodelle der Kampagne werden ganztägig für Euch vor Ort sein und so für alle Fragen rund um das Thema zur Verfügung stehen. Außerdem werden Ihr Bekanntschaft mit dem Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz machen können. Hierzu werden die Schwestern vom Tempel der nordischen Freude im farbenfrohen wie provokanten Gewand über HIV und andere sexuell übertragbare Infekti-

halle.aidshilfe.de

etwas Unterhaltsames und Wissenswertes

der gefährlichen Körperverletzung interpretiert und vor Gericht entsprechend geahndet. Diese pauschale und einseitige Schuldzuweisung bürdet der_dem Positiven die volle Verantwortung für die Gesundheit und den Schutz aller Beteiligten auf und entspricht daher nicht im Geringsten einer modernen Vorstellung wechselseitiger Sexualität und der Realität sexueller Begegnungen, in denen alle Sexualpartner_innen dazu angehalten sind, sich selbst und ihr Gegenüber zu schützen. Unsere Forderung ist daher die Abschaffung der pauschalen Strafbarkeit der HIV-Übertragung und das Engagement für ein gesellschaftliches Klima, in dem offen und ohne staatlichen Zwang über Sexualität und die mit ihr einhergehenden gesundheitlichen Risiken gesprochen werden kann. Auf dem Marktplatz halten wir ausführliche Informationen hierzu bereit und würden gern mit Euch darüber in den Austausch treten. Es zeigt sich also, dass die Beiträge der Aidshilfe zum CSD Halle 2016 in erster Linie politische Themen ansprechen. Aber Christopher Street Day bedeutet heute nicht nur Politik, sondern immer auch Party. Schließlich geht es ebenso darum, uns und unsere Identitäten, Beziehungen und Leben stolz zu feiern. Und genau das wollen wir auf unserer CSD-Abschlussparty am Abend nach dem Straßenfest zusammen mit Euch tun. Im Studio Halle, Waisenhausring 8, könnt Ihr miteinander ins Gespräch kommen, tanzen und natürlich auch flirten, was das Zeug hält. Für die passenden musikalischen Rhythmen sorgen DJ Will Delight und Pete Harmony. Also kommt vorbei und lasst diesen besonderen Tag zauberhaft und bombastisch ausklingen!

onen aufklären, Frohsinn verbreiten und ihre Botschaft der Liebe und Akzeptanz verkün-

Autor: MaTh

den. Thematischer und politischer Schwer-

Bild: ETZ

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Anpassung oder Revolution? Radio Corax, das freie Radio im Raum Halle, widmet seine aktuelle Programmzeitschrift anlässlich des CSD Halle dem Thema der LSBTI-Bewegung. Unter der Überschrift „Anpassung oder Revolution – wo verortet sich die Szene 2016“ wurde verschiedenen Initiativen und Akteur_innen der Community die Gelegenheit gegeben, sich selbst, ihre Haltung und ihre Arbeit zu positionieren. Folgendes Statement hat die hallesche Aidshilfe hierzu beigetragen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Lebenssituation für queere Menschen hierzulande ohne Zweifel um ein Vielfaches verbessert. Heute stellt sich daher mehr denn je die Frage, ob damit alles erreicht wurde, was sich die LSBTI-Community in ihren kühnsten Träumen je auszumalen wagte. Unsere Antwort hierauf ist ein schlichtes, aber bestimmtes Nein. Unübersehbar werden queere Menschen auch weiterhin strukturell benachteiligt und einer beständigen Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt. Aufgrund des aktuellen Erstarkens demokratiefeindlicher und rechtspopulistischer Strömungen ist in der nahen Zukunft zudem eine Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas bezüglich sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zu befürchten und jetzt bereits zu spüren. Als ein sozialer Verein, der aus der politischen Schwulen- sowie der aktivistischen HIV/AIDS -Bewegung hervorgegangen ist und sich seit jeher für LSBTI-Belange stark gemacht hat, hält die hallesche Aidshilfe den politischen Einsatz für die Akzeptanz queerer L(i)ebensweisen vor diesem Hintergrund nicht nur für angebracht, sondern nach wie vor für unverzichtbar. Aidshilfearbeit beschränkt sich demnach nicht nur auf Gesund-

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heitsförderung, sondern beinhaltet immer auch das sozialpolitische Engagement für die Chancengleichheit auf ein selbstbestimmtes und repressionsfreies Leben aller Menschen unabhängig ihres Geschlechtes und ihrer Sexualität. Mitnichten bedeutet dieses Vorhaben aber Annäherung an die gesellschaftlich üblichen Vorstellungen von vermeintlich natürlicher Geschlechtlichkeit, gesunder Sexualität und angemessener Beziehungsführung. Es entspricht der akzeptierenden und lebensweltbezogenen Grundhaltung der Aidshilfe gegenüber ihren gesellschaftlich häufig marginalisierten und moralisch abgewerteten Hauptzielgruppen, dass der Wunsch nach Anerkennung keinesfalls mit vollkommener Anpassung einhergehen darf. Die politischen LSBTI-Bewegungen können sich nicht mit der bloßen Akzeptanz einiger bestimmter queerer Lebensentwürfe (bspw. monogame Beziehungsformen, Straight Acting, fetischfreie Sexualität) begnügen, die von der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft als normal und sozialverträglich angesehen und deshalb anerkannt werden. Queere Sexual- und Geschlechterpolitiken müssen auf den gelebten Differenzen innerhalb der Community bestehen und diese solidarisch verteidigen. Die Aidshilfe Halle steht daher für das kämpferische politische Streiten um einen gesellschaftlichen Zustand, in dem menschliche Vielfalt wertgeschätzt wird und in dem Menschen ohne Angst verschieden sein, leben und lieben können. Autor: MaTh Bild: ETZ Infos: 959.radiocorax.de


Verfolgt!

VERURTEILT!

100.000 Männer wurden wegen homosexueller Handlungen in Deutschland seit 1945 mit Ermittlungsverfahren verfolgt. Ermittlungsverfahren reichten bereits für Ausgrenzung, Stigmatisierung, Entlassungen und Berufsverbote aus. Die Kriminalisierung homosexueller Handlungen führte nicht zuletzt ]XU¸΍HQWOLFKHQ'HQXQ]LDWLRQVFKZXOHU Männer.

50.000 Männer wurden wegen homosexueller Handlungen in Deutschland seit 1945 mit Geldstrafen und Haft bestraft. Die Urteile wurden nie aufgehoben! 50.000 Männer waren fortan Kriminelle und vorbestraft. ErwerbsELRJUDȴHQZXUGHQXQWHUEURFKHQ'LH soziale Rehabilitierung, der Einstieg in ein neues Leben und einen neuen Beruf wurden schwulen Männern erschwert und verhindert.

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www.offene-rechnung.org

VERGESSEN! Bis heute hat die Bundesregierung die Opfer nach § 175 StGB nicht rehabilitiert oder entschädigt. Schwule Männer, die nach § 175 StGB verurteilt wurden, sind noch immer rechtskräftig verurteilt. Sie müssen sich noch immer schuldig fühlen, schwul gelebt und geliebt zu haben.


Die Folgen der Kriminalisierung Die Weitergabe oder gar die Möglichkeit der Übertragung des HI-Virus beim Geschlechtsverkehr wird hierzulande juristisch als Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung interpretiert und strafrechtlich verfolgt. Wie das Bewusstsein um ihre Kriminalisierung von HIV-Positiven erlebt wird und welchen Einfluss es auf den Umgang mit der eigenen Sexualität, Lust und Identität hat, möchten wir anhand einiger Erfahrungsberichte aufzeigen. Sie verdeutlichen eindrücklich, wie zwingend notwendig es für die Lebensqualität Betroffener ist, HIV moralisch zu entkriminalisieren und die Strafbarkeit der Ansteckung und Exposition aufzuheben.

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Gabriele, 50, Bayern: „Ich wurde 2002 durch meinen damaligen Partner mit HIV infiziert. Plötzlich war er verschwunden, aus Angst vor einer Anzeige, wie ich später erfahren habe. Einige Zeit nach der Infektion fühlte ich mich durch viele diskriminierende Ereignisse in Bezug auf HIV an den Rand gedrängt.

Ich wollte mein Selbstbewusstsein zurückgewinnen und habe versucht, mich wieder einem Mann zu nähern. Das mit dem Selbstbewusstsein hat nicht geklappt, das Gegenteil war der Fall: Als ich endlich den Mut hatte und ihm von meiner HIV-Infektion erzählte, schlugen mir Reaktionen entgegen, die ich nie erwartet hätte: Ablehnung, Ekel und Abscheu. ‚Du bist das Letzte, dich müsste man bei der Polizei anzeigen.’ Es sei unverantwortlich von mir, Sex zu haben, selbst Safer Sex. Die Folge: Ich verurteilte mich selbst. Mir wurde bewusst, dass man mich wegen HIV anzeigen könnte. Nun hatte ich Angst, über meine Infektion zu sprechen, ich verlor mein Selbstwertgefühl und reagierte mit Rückzug. Seither habe ich es nicht mehr geschafft, eine Partnerschaft einzugehen oder Sex zu haben. Ich selbst hatte damals keine Sekunde daran gedacht, meinen Partner, der mich infiziert hat, anzuzeigen. Nun aber hatte ich die reale Angst, dass mir das passieren könnte. Inzwischen ist mir klar, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist und solche Ängste nicht sein müssten. Also lebe ich jetzt


Thomas, 38, Hamburg: „Für mich stand nie außer Frage, als HIV-Positiver nur Safer Sex zu haben. Das gilt in festen Bindungen genauso wie bei unverbindlichen One-Night-Stands. Ein Gummi zu benutzen, so hatte ich die ganze Aidsaufklärung verstanden, ist sicher und erspart bei Zufallsbekanntschaften die gegenseitige Abklärung des Immunstatus. Diese Sicherheit habe ich inzwischen verloren. Immer wieder hört man von Gerichtsverfahren. Selbst HIV-Positive unter der Nachweisgrenze werden trotz Einhaltung der Safer-Sex-Regeln angezeigt. Muss ich mich also vor jeder sexuellen Begegnung offenbaren? Und was ist, wenn mein Sexpartner das hinterher trotzdem verleugnet, vielleicht einfach nur, weil er mir eins auswischen will? Wer glaubt vor Gericht schon einem HIV-Positiven! Muss ich zu meiner eigenen Absicherung meine Sexpartner nun vorab immer unterschreiben lassen, dass ich sie über meinen HIV-Status informiert habe? Diese Unsicherheiten schwingen nun immer mit, und das Misstrauen und die Ängste, die ich mal überwunden glaubte, sind alle wieder da. Damals hatte ich Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung, heute vor der öffentlichen Demütigung, als Virenschleuder angeklagt und womöglich sogar ver-

Ungetesteten aber zu leicht. Sie wollen alle wieder ungezwungen vögeln können. Wer will das nicht? Das Ansteckungsrisiko besteht da draußen in der freien Wildbahn aber weiterhin. Die Aussicht, uns zu verklagen, wenn ihre unsafen Sex-Eskapaden schief gehen, gibt ihnen keine Sicherheit, sondern lediglich einen Schuldigen, um sich von ihrer eigenen Verantwortung zu befreien. Das aber ist einfach nicht fair.“

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und fange an, diese Ängste abzubauen. Und ich bin aktiv geworden, um mit vereinten Kräften Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung abzubauen. HIV ist ein Teil von mir geworden. Ich lasse mich nicht mehr unterdrücken und bin stolz auf mich, wieder ins Leben gefunden zu haben.“

Aayana, 27, Bremen: „Es ist schwierig für mich, in meiner afrikanischen Community offen über mein Positivsein zu reden. Wir sind aufeinander angewiesen, haben enge Kontakte, und alle tratschen natürlich über jeden. Ich weiß von Frauen wie mir, die Angst haben, es ihren Lovern zu sagen, das bringt sie in furchtbare Konflikte. Sind sie ehrlich, werden sie im Stich gelassen und müssen damit rechnen, dass bald alle wissen, warum. Leider habe ich immer wieder Sätze hören müssen wie: ‚Die gehören alle weggesperrt!’. Das nimmt jeglichen Mut zur Ehrlichkeit und Offenheit. Verschweigen wir es und bestehen auf Kondome, werden die Männer misstrauisch und fühlen sich beleidigt. Verschweigen wir es und lassen den Schutz weg, verzweifeln wir, weil wir uns strafbar machen – selbst wenn wir unter der Nachweisgrenze sind. Egal, wie wir uns verhalten, ist es falsch.“ Quelle: magazin.hiv/2013/07/11/diese-demutigung-sitzt-immer-noch-tief-in-mir-drin Bild: DAH

urteilt zu werden.“ Lars, 30, Berlin: „Der Satz ‚Aids kriegt man nicht, Aids holt man sich’ ist zwar dumm, aber auf mich trifft er zu. Ich wusste, was ich tun und was ich sein lassen sollte, aber ich hatte mich nicht daran gehalten. Ich kann für meine Infektion niemanden verantwortlich machen – auch nicht den Mann, bei dem ich mir das Virus geholt habe. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, ihn deshalb anzuzeigen. Verantwortung hat jeder zunächst für sich, man kann sie nicht einseitig auf den oder die HIV-Positiven abwälzen. Ich habe aber den Eindruck, dass die Gesellschaft zunehmend dahin tendiert. Damit machen es sich die HIV-Negativen und

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Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2016 Am 06.06.2016 wurde der Alternative Drogen- und Suchtbericht durch die Deutsche AIDS-Hilfe e.V., Akzept Bundesverband, den JES Bundesverband sowie einiger Experten herausgegeben. Dieser wurde bereits zum dritten Mal dem Drogenbericht der Bundesbeauftragten, Marlene Mörtler, gegenübergestellt. Es wird ein Kurswechsel durch die Politik gefordert, nicht nur von den Nichtregierungsorganisationen, sondern auch von Fachleuten aus Polizei und Justiz. Während wir doch mit den Alltagsdrogen Tabak und Alkohol an der Weltspitze liegen, beschäftigt sich die Politik in erster Linie mit ihrer Verbotspolitik gegenüber illegalisierten Drogen. Wissenschaftlich ist eine präventive Wirkung der Prohibition jedoch nicht belegt, müsste sie doch dazu beitragen, dass Konsument_innen möglichst spät konsumieren, Safer-Use betreiben und Bedingungen vorhanden sind, in denen Risiken minimiert werden können. Sie führt stattdessen lediglich zu Strafverfolgung, weil man Drogenkonsument_innen als kriminell ansieht. Erhebliche personelle Ressourcen sind dafür gebunden, die mit hohen finanziellen Ausgaben einhergehen. Dabei

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zielen 70% aller Drogendelikte auf die Konsument_innen ab. Auf Angebotsseite sind die polizeilich registrierten Straftaten zum Teil um zweistellige Prozentzahlen gesunken. Durch Kriminalisierung von Drogenkonsument_innen werden entgegen dem Anliegen kriminelle Strukturen wie zum Beispiel der Drogenhandel befördert. Das hat auch negative gesundheitliche Folgen für den_die Konsument_in. Neben den Wirkungen der gewählten Droge finden sich häufig Beimengungen, die vor allem zu den gesundheitlichen Schäden beitragen. Insgesamt ist mit 19% vom Jahr 2014 auf 2015 ein starker Anstieg an Drogentoten zu verzeichnen. Hinzu kommt die gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen, die Drogen konsumieren, so dass die Annahme medizinischer Versorgung erschwert wird. Die Herausgeber_innen des Alternativen Drogenberichtes fordern einen Kurswechsel weg von der Prohibition hin zu einer liberalen, menschenwürdigen Drogenpolitik. Dabei geht es keinesfalls um eine generelle Freigabe von Drogen, sondern um die Entkriminalisierung von Konsu-


und die Zahl der HIV-Neudiagnosen aufgrund des Drogenkonsums ist von 20% im Jahr 2007 auf 4% im Jahr 2014 gesunken. Die Diebsstähle zur Geldbeschaffung sind geringer geworden und die Polizei hat deutlich mehr Ressourcen zur Verfügung, Dealer zu verfolgen und festzunehmen. Auch in Portugal gibt es noch einiges zu tun und man kann es nicht exakt auf Deutschland übertragen.

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ment_innen und einen wirksamen Jugendund Verbraucher_innen-Schutz. Europäische Nachbarländer zeigen ein anderes Vorgehen auf, zum Beispiel Portugal. 2001 hat Europa wurde eines der liberalsten Drogengesetze Europas verabschiedet. Das Thema Drogen ist vom Justiz- ins Gesundheitsministerium gewechselt. So werden Drogenkonsument_innen nicht mehr als kriminell, sondern krank angesehen; eine aber immer noch kritisch zu beurteilende Einordnung. Der Drogenkonsum ist kein Straftatbestand mehr, sondern wird nur noch als Ordnungswidrigkeit geahndet. Portugiesen dürfen, zum Beispiel 25 g Cannabis oder 10 Pillen Ecstasy oder LSD mitführen; wer darüber hinaus erwischt wird, gilt als Dealer und wird dem Richter vorgeführt. Personen, die mit zulässiger Drogenmenge aufgegriffen werden, sind verpflichtet, an Aufklärungsgesprächen teilzunehmen und bei der zweiten Vorstellung müssen 30 bis 40 € Geldbuße bezahlt werden. Streetworker-Teams verteilen Hygienematerialien und Kondome und führen einen Spritzentausch durch. Ein staatlich gefördertes Methadon-Programm - Methadon, ein Ersatzstoff für Heroin - wird heroinabhängigen Menschen therapeutisch zur Verfügung gestellt. Die Maßnahmen sprechen für sich. So haben heute nur noch 8% statt 11 % der Jugendlichen illegale Drogen eingenommen

Die Verfasser_innen des Alternativen Drogen- und Suchtberichtes 2016 fordern eine wissenschaftliche Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes. Das eingesparte Geld durch Straffreiheit von kleinsten Mengen Drogen soll in die Prävention und Drogenhilfe fließen. Kontrollierte Abgabestellen sollen Drogen abgegeben, eingerichtete Drogenkonsumräume leisten Erste Hilfe, geben Hygieneartikel aus und beruhigen Wohnviertel, Druck-Checking soll die Zusammensetzung überprüfen und vor Überdosierung bewahren und Naloxon als Notfallmedikament eingeführt werden. Aufgrund des erhöhten HIVund Hepatitisrisiko wird darüber hinaus die Einführung der Spritzenvergabe in Haftanstalten gefordert. Es bleibt noch viel zu tun! Autor: PhPi Bild: DAH

Neue Kooperationen im Drogenbereich Dieses Jahr haben wir nicht nur eine Kooperation mit dem Netzwerk Couragierte Schule wieder belebt, sondern sind nun auch Mitglied im Koordinierungskreis Suchtprävention Saalekreis und in der AG Crystal Meth/Cannabis- Prävention. Uns ist es ein Anliegen, mehr im Bereich Sucht und Drogen mitzuwirken, um auch dort unsere Botschaften zu Safer Use im Hinblick auf die HIV-Prävention zu verbreiten. Nicht nur ungeschützter Geschlechtsverkehr kann zu einer Infektion führen, sondern auch das gemeinsame Benutzen von Spritzbesteck (Needle-Sharing). Mit unserer konsumakzeptierenden Haltung wollen wir Menschen dazu befähi-

gen, verantwortungsvoll mit dem Drogenkonsum umzugehen und sich dabei auch vor Infektionen zu schützen. Natürlich ist es in diesem Zuge ebenso wichtig, andere zu schützen. Als Beispiele für eine Zusammenarbeit mit den anderen Kooperationspartner_innen können gemeinsame Workshops oder die Teilnahme an Partypräventionen genannt werden. Letzteres wird seit Kurzem mit der Drobs Halle durchgeführt. Diese Kooperation entstand auch durch das Teilnehmen an den Arbeitskreisen zur Drogenarbeit. Autor: KaJa

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UN High Level Meeting zu HIV/AIDS Wie man AIDS bis 2030 „auf der Überholspur“ beenden will. Björn Beck, 38 Jahre, lebt mit seinem Mann in Frankfurt am Main und leitet das Präventionsprojekt „HESSEN IST GEIL!“ der hessischen AIDS-Hilfen. Er engagiert sich seit über 20 Jahren für Gleichberechtigung von LSBT*I und gegen Diskriminierung und Stigmatisierung besonders auch von Menschen mit HIV. Außerdem arbeitet er im Netzwerk von Menschen mit HIV „PRO+ Hessen“ mit, ist im Verein Positiv e.V. aktiv, der die bundesweiten Positiventreffen in der Akademie Waldschlößchen organisiert und ist seit 2014 Sprecher des Verbandsorgans „PositHIVe Gesichter“ der Deutschen AIDS-Hilfe. In seinem Blog „Björn Posit.HIV“ berichtet er über sein vielseitiges Engagement.  Im Juni 2016 habe ich als Teil der offiziellen deutschen Delegation unter Führung des Bundesgesundheitsministers am HLM2016AIDS teilgenommen. Bereits im Vorfeld gab es Ärger, da einige Staaten LGBT*IQOrganisationen ausschließen wollten. Staaten, die Minderheiten diskriminieren und damit auch die Hauptbetroffengruppen der Epidemie. Dennoch gelang es eine politische Absichtserklärung zu verabschieden, die allerdings ein Minimalkonsens blieb. Die Hauptbetroffenengruppen nicht, oder nur teilweise zu benennen, ist ein Fehler, aber zum Glück haben nicht nur einzelne Staaten sehr deutlich gemacht, dass sie ihr Engagement im Kampf gegen die weltweite Epidemie ausweiten wollen und so ein gutes Beispiel geben. Dazu gehören unter anderem die USA, die Niederlande, die Schweiz, Frankreich und Deutschland. Sicher auch noch weitere, aber die genannten fanden klare und offene Worte.

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Deutschland hat schon mit der Zusammensetzung der offiziellen, sehr breit aufgestellten, Delegation ein deutliches Zeichen

gesetzt. Als Vertreter der positHIVen Community in der Delegation hatte ich die Ehre, die Eröffnung in der ersten Reihe mit dem Minister und dem Deutschen Botschafter mitzuerleben. Dafür hat sogar eine Bundestagsabgeordnete auf einen Sitzplatz im Plenarsaal der Vereinten Nationen verzichtet. Vielen Dank für diese große Ehre! Meine Rolle als „Selbsthilfe-Vertreter“ ließ mir große Freiräume in der Teilnahme an diesem High-Level-Meeting. Ich habe sehr viele Gespräche im Plenum und in den Side-Meetings und Panel-Discussions geführt und mich mit anderen Organisationen und auch nationalen Delegationen vernetzt. Ein Highlight war für mich, dass ich die Gelegenheit zu Gesprächen mit der Delegation Kubas hatte. Der Gesundheitsminister Roberto Morales Ojeda wurde von der Leiterin des Institutes für Sexualaufklärung und Antidiskriminierung Dr. Mariela Castro Espín begleitet. Bei meinen Besuchen in Kuba wurde mir schon von Frau Castro berichtet und ihre Arbeit gelobt. Ich bin sehr froh, dass ich mehrmals mit ihr sprechen konnte. Wir haben uns rasch auf einen inhaltlichen Austausch zu den Themen verständigt, auf den ich mich sehr freue. Die neue HIV und STI-Strategie (BIS 2030) war rechtzeitig zum HLM fertig und wurde mit großem Interesse gerade in Kuba und den Mittel- und Südamerikanischen/Karibischen Delegationen aufgenommen. Nach dem wirklich schon sehr beeindruckendem ersten Tag hatte ich die Möglichkeit zum Austausch mit dem Minister über die Arbeit der PositHIVen Gesichter, der einzelnen Landesnetzwerke, der Präventionskampagnen oder die Zusammenarbeit mit der DAH und IWWIT. Ich bin froh, dass wir mit der neuen HIV, STI und Hepatitis-Strategie ein neues, übergreifendes Konzept für


halle.aidshilfe.de die Prävention haben, um auf neue Herausforderungen zu reagieren. Dabei aber nicht vergessen, wie wichtig auch Selbsthilfe und Menschen mit HIV für die Prävention sind, denn Prävention ist nunmal nicht allein Infektionsvermeidung. Es ist sehr motivierend, den Minister nicht nur als „starken Mann“ im Hintergrund zu haben, sondern an unserer Seite zu wissen. Am Abend hatte ich die Ehre, bei einem Empfang auf Einladung des Ministers und der Schweizer Botschafterin im Deutschen Haus, der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen, eine Rede vor internationalen, hochkarärtigen Gästen zu halten. In meiner Rede war mir wichtig auf die Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV hinzuweisen, die auch heute noch Alltag für uns sind. Ich bedauere wirklich, dass nicht alle „Keypopulations“ in der Resolution benannt wurden. Schwule Männer und Männer, die Sex mit Männern haben. Sexarbeiter*innen. Trans*Menschen. Junge und heranwachsende Mädchen und Frauen. Menschen, die Drogen nutzen. (All diese) Menschen dürfen nicht länger diskriminiert, stigmatisiert und ausgegrenzt werden! Wir können nur dann einen erfolgreichen Kampf gegen AIDSErkrankungen und HIV-Infektionen führen, wenn wir Menschen die Möglichkeit geben, sich zu entfalten, zu leben, wie es ihnen entspricht. Frei und in voller Menschenwürde! Wir brauchen dazu überall Gesetze, die Diskriminierung ächten und wir müssen diese Gesetze auch durchsetzen.

Besonders gefreut habe ich mich auch über zwei Beiträge von Aktivist*innen in einer der Panel-Diskussionen: Sergio López aus Paraguay, Aktivist von SOMOSGAY und dem GayLatino-Netzwerk. Er machte uns allen sehr deutlich, wie sich die Situation eines jungen Mannes aus einem der homophobsten Ländern der Welt darstellt. Und er kritisierte die Resolution, weil „schwule Männer, Trans*Menschen und andere Hauptbetroffenengruppen nicht erwähnt, kriminalisisert und so unsichtbar gemacht wurden“. Gerade Trans*Menschen sind weltweit erheblich von HIV betroffen und werden ebenso weltweit ausgegrenzt, diskriminiert und misshandelt. Laxmi mahnte an, dass die 90-90-90 Ziele sicher ehrgeizige Ziele sind, aber dennoch bleiben auch so 10-10-10 zurück und wenn das Ziel „Leaving no one behind“ ist, dann dürfen wir auch nicht einhalten bis wir alle Menschen erreicht haben. „Das wahre Ziel muss lauten: 100-100-100!“ Dem kann ich mich nur anschließen. Wir brauchen mehr Respekt im Umgang miteinander, nur so kommen wir auch zu mehr Zusammenhalt. Und den werden wir brauchen, wenn wir diese Epidemie wirklich besiegen wollen. Denn, wenn wir mal ehrlich sind, erfahren wir doch auch gerade unter uns schwulen Männern, täglich Ausgrenzung, Ablehnung und Abwertung. Wenn wir uns sogar untereinander so behandeln, wie sollen wir erwarten, dass die Gesellschaft uns besser behandelt? Autor: Björn Beck (redaktionell gekürzt) Bild: DAH

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Welt-AIDS-Konferenz in Durban: „Wir schaffen das“ Florian Winkler-Ohm, 37 Jahre, ist Journalist

nung: Hier in Afrika endet HIV immer noch in

und lebt zusammen mit seinem Freund in Ber-

den meisten Fällen tödlich.

lin. Der gebürtige Augsburger setzt sich seit Jahren für HIV-Positive Menschen ein, arbei-

Zugang zu HIV-Medikamenten für jeden Men-

tet in Schulaufklärungsprojekten und für die

schen: Was in Deutschland für die allermeis-

Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU im The-

ten eine Selbstverständlichkeit ist, ist knapp

menschwerpunkt HIV & Drogen. Er betreibt

9000 km weiter noch ein rares Gut, dass

u.a. den Blog flosithiv.com und die Seite Posit-

wahrhaftig über Leben oder Tod entscheidet.

hiv Leben. Als Selbsthilfevertreter war er auf der

Und leider gewinnt hier der Tod in den meis-

Welt-AIDS-Konferenz und berichtet uns hier

ten Fällen. Nicht, weil Medikamente nicht

von seinen Eindrücken.

verfügbar wären. Nicht weil sie mit deutschen Therapiepreisen von rund 1500 – 2000 Euro im Monat fernab jeder Diskussionsmöglichkeit wären. Nein, sondern weil… • der Preis für die Medikation von rund einem Euro am Tag hier zu viel ist für die Menschen die im Durchschnitt 80 Cent pro Stunde verdienen. • hier immer noch die Hautfarbe über Einkommen,

medizinischen

Zugang

und somit über den Zugang der Therapie entscheiden. • fehlendes Wissen zu Therapiemöglichkeiten und dem Schutz vor einer Infektion immer noch die größten Herausforderung sind, die dieser Kontinent mit unserer Hilfe zu bewältigen hat.

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Die 21. Welt-Aids-Konferenz liegt hinter uns.

Als vor 16 Jahren schon einmal die Welt zu

Als einer von drei Community-Vertretern

Gast in Durban war, stand unser Kampf ge-

durfte ich in diesem Jahr zusammen mit der

gen diese Infektion noch am Anfang. An ei-

Deutschen Delegation nach Durban in Süd-

nem schrecklichen Anfang. Damals starb

afrika reisen. 8940 km entfernt von meiner

hier jede Minute ein Mensch an den Folgen

Heimat Berlin traf ich auf HIV- und Aids-Ak-

von AIDS. Jede Minute ein Leben. Und heu-

tivisten aus aller Welt, auf Pharmavertreter,

te? Heute leben in Südafrika rund 3,4 Milli-

spannende Politiker, Schauspieler und Welt-

onen Menschen mit HIV. Das sind so vie-

stars die sich für die gute Sache einsetzen.

le Menschen wie Berlin Einwohner hat! Und

Acht Tage Konferenz liegen hinter mir und mit

nicht genug: Weltweit haben sich zwischen-

ihr die Erkenntnis: Diese 21. Welt-Aids-Kon-

zeitlich rund 34 Millionen infiziert – in Zah-

ferenz fand am richtigen Ort statt. In Durban,

len: 34.000.000. Mehr als der Hälfte dieser

einer Stadt die auf einem ihrer größten in-

Menschen fehlt der Zugang zur Therapie.

nerstädtischen

rote

Und weil wir das vor lauter Statistiken und

Aids-Schleife als Denkmal errichtet hat: ein

Zahlen oft vergessen: Es geht um Menschen

starkes Zeichen – ein „Denk-mal“, eine Mah-

– es geht um 34.000.000 Menschen! Für je-

Plätze

eine

große


In Durban haben wir gemeinsam dafür gekämpft, gefordert und angeklagt dass… • Regierungen nicht die Mittel für die HIV-Arbeit kürzen • Menschen mit HIV mehr Rechte und weniger Stigmatisierung erfahren • Mediziner sich vernetzen, austauschen und gemeinsam arbeiten können • HIV-Aktivisten netzwerken konnten und in ihrer Arbeit bestärkt wurden • besonders von HIV betroffene Gruppen – wie Sexarbeiter*innen oder Drogengebraucher*innen bessere Gesetze und Sicherheit für ihr Leben bekommen • die Pharmaindustrie nicht auf Kosten von Menschenleben ihre Profitgier stillt

erinnerten die europäischen Länder mit Botschaften wie „Don´t Brexit the Aids response“ daran, gerade jetzt nicht die Finanzierung zum Global Fund zu kürzen. Fehlendes Geld ist nach wie vor das Hauptproblem in unserer Arbeit im Kampf gegen Aids und für die Rechte von HIV-Positiven.

halle.aidshilfe.de

den einzelnen lohnt sich unsere Anstrengung: Zusammen mit 18.000 Aktivisten, Wissenschaftlern, Ärzte, Pharma- und Regierungsvertretern haben wir in den acht Tagen daran gearbeitet die Welt ein kleines Stückchen lebenswerter zu machen.

Ein „Gänsehaut-Moment“ – der Vortrag von Prinz Harry & Elton John: Prinz Harry spricht rund acht Minuten und lässt in keiner Sekunde einen Zweifel daran, dass er in die Fußstapfen seiner großartigen Mutter getreten ist: „Keiner hat zu dem Zeitpunkt als meine Mutter einem Aids-Kranken die Hand gehalten hat geglaubt, dass wir diese Krankheit besiegen“ so der Prinz. Diana hat darum gekämpft, ihr Sohn führt ihre Arbeit nunmehr fort und unterstützt die Arbeit der Elton John Foundation. Die Stiftung des wunderbaren Musikers und Aids-Aktivisten unterstützt insbesondere an HIV-erkrankte Kinder, lädt Sie zu Trainingscamps ein, um sie über die Infektion und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und macht sie so zu Multiplikatoren.

Es war eine anstrengende Woche, es waren lange Tage und es waren berührende Gespräche. Aber es war auch ein Wir-Gefühl, eine unglaubliche Inspiration und Motivation. Am Stand der Deutschen Aids-Hilfe ließen sich zahlreiche Teilnehmer im Rahmen unserer Aktion „I am the key“ – zu deutsch: Ich bin der Schlüssel – fotografieren. Es ging um die so oft zitierten „key populations“ – die Hauptbetroffenengruppen – es ging darum laut und deutlich klar zu machen: Redet nicht über uns, redet mit uns. Es war die beste Woche in meiner Arbeit als HIV-Aktivist und die Bestätigung: Dieser Einsatz – den viele großartige Menschen haupt- und ehrenamtlich leisten ist unverzichtbar für diese Welt. Ein besonderer Moment war dabei ganz sicher die große Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern in Durban am ersten Kongresstag. „Gebt die Hoffnung nicht auf, Afrika“ & „Haltet die Versprechen für Afrika!“ stand auf den Plakaten, wieder andere

Bis 2030 soll die Welt eine aidsfreie sein – das war das große Ziel, das man sich in Durban gesetzt hat. Und wenn man das Engagement der 18.000 Teilnehmer, die Power die jeder einzelne für seine Arbeit mitbringt gesehen hat, dann kann man nur mit einem Zitat unserer Bundeskanzlerin antworten, an dass ich hier fest glaube: Wir schaffen das. Autor: Florian Winkler-Ohm (redaktionell gekürzt) Bild: DAH

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HIV und Mutterschaft: „Einfach eine ganz ‚normale‘ Schwangerschaft“

Franziska Borkel ist Geschäftsführerin der AIDS-Hilfe Baden-Württemberg. Sie ist HIV-positiv und Mutter von zwei Kindern. Mit uns spricht sie über die Möglichkeiten der Elternschaft HIV-positiver Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen als HIV-positive Mutter im Gesundheitssystem. Ein Kinderwunsch muss trotz HIV-Infektion nicht unerfüllt bleiben. Sowohl Zeugung, Schwangerschaft und Geburt sind inzwischen möglich. Welche Wege zur Zeugung für HIV-positive Menschen gibt es und welche Bedingungen müssen erfüllt werden? Für die meisten Menschen mit HIV ist eine ganz normale Zeugung – wie bei allen anderen Paaren auch - möglich. Unter wirksamer Therapie kann kein Virus beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Auch wenn einer der beiden Partner_innen noch keine Thera-

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pie bekommt, besteht die Möglichkeit, zuhause „unter der Bettdecke“ ein Kind zu zeugen. Wenn die Mutter HIV-positiv ist, aber noch keine Medikamente nimmt oder ihre Viruslast nicht unter der Nachweisgrenze ist, dann kann der Mann Sperma in ein Kondom spritzen und es danach umgedreht in die Vagina einführen. Auf diese Weise kommen die Spermien in die

Vagina, ohne dass sich der Mann mit HIV anstecken kann. Wenn der Mann HIV-positiv ist und gerne Kinder zeugen möchte, aber seine Viruslast nicht unter der Nachweisgrenze ist, besteht die Möglichkeit in einer Kinderwunschklinik die Spermien zu waschen und in die Gebärmutter einzuführen. Praktischer als ein Besuch in der Kinderwunschklinik ist natürlich, wenn der Mann eine wirksame Therapie einnimmt, so dass für seine Partnerin beim Geschlechtsverkehr kein HIV-Risiko besteht. Welche Maßnahmen braucht es, um die Übertragung auf das Kind zu verhindern? Wie werden die Neugeborenen nach der Geburt weiterbehandelt? Die wichtigste Maßnahme ist die Behandlung der HIV-Infektion der Mutter. Sie senkt die Viruslast im Blut der Mutter unter die Nachweisgrenze, so dass kein Virus auf das Kind übertragen werden kann. Grundsätzlich besteht ein HIV-Übertragungsrisiko überhaupt erst gegen Ende der Schwangerschaft, wenn das Kind durch den Geburtskanal in Kontakt mit Körperflüssigkeiten gelangt. Während der Schwangerschaft sind die Blutkreisläufe von Mutter und Kind getrennt. Das heißt Frauen können auch erst im Laufe ihrer Schwanger-


Studien belegen, dass nicht nur unter der Geburt, sondern auch danach über die Muttermilch HI-Viren von der Mutter auf das Kind übertragen werden können. Schätzungen beziffern, dass ohne Therapie etwa 20% der Übertragungen nach der Geburt durch das Stillen stattfinden. Bei wirksamer Therapie der Mutter, sinkt auch die Viruslast in der Muttermilch, so dass keine Übertragung beim Stillen stattfinden kann. Trotzdem wird Müttern in Europa und anderen Industrieländern geraten, auf das Stillen zu verzichten. Einfach deshalb, weil noch eine gewisse Unsicherheit besteht, wie sich die Medikamente über einen längeren Stillzeitraum auf die Kinder auswirken. In Ländern, in denen Säuglingsnahrung und sauberes Wasser schwerer verfügbar sind, ist das Stillen und die Therapie der Mutter die beste Option für gesunden Nachwuchs. Als dritte Maßnahme werden die Neugeborenen nach der Geburt für eine gewisse Zeit vorsorglich mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, die sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP). Früher wurde dies über einen längeren Zeitraum gemacht. Die aktuellen deutschen-österreichischen Leitlinien geben zwei bis vier Wochen vor. In diesem Zeitraum verabreichen die Eltern ihrem Baby einen süßlichen Saft, der HIV-Medikamente enthält, in der Regel Retrovir. In der Schweiz wird inzwischen ganz auf die PEP verzichtet, da die Experten davon ausgehen, dass diese Maßnahme durch die hochwirksameren Therapien, die für die Mütter zur Verfügung stehen,

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schaft mit der HIV-Therapie beginnen. Wichtig ist, dass die Viruslast am Ende der Schwangerschaft unter der Nachweisgrenze liegt. Da Schwangerschaften viele Überraschungen bergen können, ist es aus meiner Sicht gut, so früh wie möglich mit der Therapie zu beginnen. Das muss jede Frau natürlich für sich selbst entscheiden, aber die Medikamente haben heute in der Regel kaum Nebenwirkungen und ihre Vorteile überwiegen. So kann sich die werdende Mama einfach über ihre Schwangerschaft freuen und sich auf das Baby einlassen. Denn unter Therapie ist es einfach eine ganz „normale“ Schwangerschaft wie jede andere auch.

praktisch überflüssig geworden ist und ihr Beitrag zur Risikominimierung vernachlässigt werden kann. Dies gilt natürlich nur für die Kinder deren Mutter bei der Geburt wirksam behandelt wurde. Ich bin überzeugt, dass es auch in Deutschland nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die PEP für HIV-exponierte Neugeborene aus den Leitlinien gestrichen wird. Oft heißt es, dass die Entbindung durch einen Kaiserschnitt geschieht und nur in Spezialkliniken eine vaginale Entbindung möglich ist. Ist das noch aktuell oder kann inzwischen die vaginale Entbindung empfohlen werden? Wenn die Therapie der Mutter gut wirkt und keine gynäkologischen Aspekte dagegen sprechen, empfehlen die deutsch-österreichischen Leitlinien für HIV-positive Schwangere die vaginale Geburt. Es ist aus medizinischer Sicht die bessere Variante gegenüber dem Kaiserschnitt, weil der Kaiserschnitt eine Operation ist, die gewisse Risiken mit sich bringt. Die HIV-Infektion der Mutter ist kein Grund dafür, einen Kaiserschnitt zu machen, aber natürlich können andere Gründe dafür sprechen. Die große Schwierigkeit für Mütter mit HIV ist, dass viele Gynäkolog_innen nicht wissen, dass durch die wirksamen Medikamenten die Empfehlung bei HIV per Kaiserschnitt zu entbinden, schon länger nicht mehr gilt. Sie glauben, dass die Entbindung per Kaiserschnitt die einzige sichere Möglichkeit ist, das Kind gesund auf die Welt zu bringen. Kliniken ohne Erfahrung im Bereich HIV lassen sich deshalb öfter nicht darauf ein, wenn eine Mutter mit HIV vaginal entbinden möchte. Einige Ärzt_innen bevorzugen auch deshalb den Kaiserschnitt, weil sie im Operationssaal besser kontrollierbare Bedingungen haben als im Kreißsaal. Leider gibt es im Gesundheitssystem immer noch viele Ärzt_innen und Fachkräfte die un-

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nötige Infektionsängste bei der Behandlung von Patient_innen mit HIV haben. HIV-positive Schwangere sollten deshalb unbedingt frühzeitig eine Geburtsklinik suchen, in der das Personal auf dem neusten medizinischen Stand ist und keine Probleme im Umgang mit HIV hat. Das lässt sich sehr schnell mit einem Termin in der Schwangerensprechstunde herausfinden. Mit welchen Problemen haben HIV-positive Frauen mit Kinderwunsch heute zu kämpfen? Hast du diesbezüglich Diskriminierungserfahrungen sammeln müssen? Und wie reagierst Du auf diese? Ich persönlich habe keine schlechten Erfahrungen damit gemacht, meinen Kinderwunsch zu thematisieren. Ich bin bei einer ganz normalen Gynäkologin ohne HIV-Schwerpunkt in Behandlung. Für sie ist meine HIV-Infektion nie ein Problem gewesen. Für mich war es schwierig eine passende Entbindungsklinik zu finden. An meinem Wohnort wurde mir nur eine Geburt per Kaiserschnitt angeboten. Deshalb habe ich meine Kinder relativ weit von meinem Wohnort entfernt zur Welt gebracht. Das war eine organisatorische Herausforderung, denn hochschwanger und mit Wehen wollte ich nicht auch noch 200km über die Autobahn fahren. Einige Ärzt_innen hatten wenig Verständnis dafür, dass ich mir und den Kindern diesen Stress zumuten möchte. Ich habe das aber ganz anders wahrgenommen. In einer Klinik zu entbinden, die völlig grundlos einen Kaiserschnitt macht, war unvorstellbar für mich. Die vaginale Geburt bedeutet für mich und meine Kinder Normalität im Leben mit HIV – alles andere wäre Stress.

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Es gibt immer wieder Mütter, die davon berichten, dass ihre HIV-Infektion für ihre Kinder in der Kita oder Schule ein großes Problem sei. Sie berichten, dass sobald ihre HIV-Infektion bekannt wurde, ihre Kinder, die Einrichtung nicht mehr besuchen durften. Mir ist so etwas noch nicht passiert. Unspektakuläre Geschichten verbreiten sich vielleicht auch nicht so schnell wie Dramen. Für mich gehören die irgendwie auch der Vergangenheit an. Ich bin überzeugt, dass Menschen auch weniger Diskriminierungserfahrungen machen, wenn sie

heute offen, direkt und unaufgeregt mit ihrer HIV-Infektion umgehen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Menschen mit HIV ihren Mund aufmachen und ihren Weg auch gegen Wiederstände gehen. Niemand muss Diskriminierungen einfach so hinnehmen, denn es gibt viele Möglichkeiten sich zu wehren. Oft bewegen sich Menschen mit HIV aber ausschließlich in ihrem „HIV-Gesundheitssystem“. Hier gibt es verständnisvolle Zahnärzt_innen, geschulte Hebammen oder wissende Orthopäd_innen, die problemlos mit HIV oder Hepatitis umgehen. Das sind Strukturen, die so gewachsen sind, aber eigentlich noch aus einer anderen Zeit stammen. Wir Menschen mit HIV nutzen und pflegen diese, weil es bequem ist, aber niemand braucht einen HIV-Schwerpunktzahnarzt. Das ist medizinischer Blödsinn. Wenn wir Menschen mit HIV dieses System am Leben erhalten, wird sich wenig ändern. Wir müssen auch mal ein paar unwissende Ärzt_innen herausfordern, sonst werden diese in ihrem Beruf nicht mit HIV konfrontiert und haben gar keine Chance dazuzulernen. Interview wurde von DeLe geführt und redaktionell gekürzt und bearbeitet. Bild: DAH Infos und Film: positiv-schwanger.de


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Mehr als Medikamente. Es geht um Gesundheit. Im Mittelpunkt stehen die

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Nachtschwärmer: Das individuelle Testangebot am Abend – nur für den Mann*

Lust und Sex sind zwei Begriffe, die eng miteinander verbunden sind. Aus vielen unterschiedlichen Gründen kann dabei das Schutzverhalten vor sexuell übertragbaren Infektionen nicht günstig sein oder im Rausch der Gefühle übergangen werden. In solch einem Fall kann ein Test Klarheit schaffen. Daher werden wir ab Mitte September einen zusätzlichen Testservice nur für Männer* anbieten, die mit Männern* Sex haben. Über unsere Homepage kannst Du dann ganz anonym deinen Testtermin zwischen 21:00 und 23:00 Uhr buchen – nur für Dich allein. Dir stehen zwei Berater_innen zur Seite, von denen mindestens einer ein Mann* ist, so dass immer eine Zweitmeinung ermöglicht wird.

Es gibt keinen weiteren Kundenverkehr in unserer Einrichtung und die Zeitfenster sind so gelegt, dass du komplett unerkannt bleibst. Was zeichnet unser Berater_innenteam aus? Egal, wer Du bist, wie Du lebst oder welche Lebensgeschichte Du mitbringst – wir nehmen Dich an und urteilen nicht. Zudem sind wir zur strengsten Verschwiegenheit verpflichtet. Der Schnelltest umfasst Beratung, Testung und Auswertungsgespräch. Das Ergebnis erfährst Du dabei bereit nach etwa 20 Min. Also los, traue Dich zu Deinem Test! Autor: PhPi Infos und Termine unter: halle.aidshilfe.de

AfroLebenVoice: Eine Ausstellung zur Interkulturelle Woche Die 23. Interkulturelle Woche beginnt wie die Jahre zuvor mit der Eröffnungsfeier am 26.09. ab 14 Uhr auf dem Marktplatz in Halle. Wie immer gibt es ein buntes Bühnenprogramm und jede Menge Gelegenheit mit den Mitwirkenden ins Gespräch zu kommen. Es ist die Auftaktveranstaltung für eine spannende Woche voller interessanter Veranstaltungen, denn nicht nur die Eröffnung lädt zum Besuchen ein, sondern auch wir laden Euch herzlich ein, am 27.09 ab 18 Uhr zu uns in die Aidshilfe zu kommen. Wir eröffnen die mobile Fotoausstellung „AfroLebenVoice – unsere Stimmen gegen Diskriminie-

schen AIDS-Hilfe und dem Selbsthilfenetzwerk AfroLebenPlus umgesetzt. Es geht hierbei vor allem um die Diskriminierung und Stigmatisierung im Kontext von HIV, aber auch um andere Diskriminierungsformen wie beispielsweise Rassismus oder Islamophobie. Die Idee dahinter ist, dass Menschen, die sonst wenig Gehör finden, sich selbst Gehör verschaffen. Kommt

rung“, die für zwei Wochen bei uns zu sehen ist.

vorbei und lauscht gespannt dem, was die Men-

Diese aussagekräftige Ausstellung präsentiert

schen hinter den Bildern über ihre Erfahrungen

die Lebenswelten HIV-positiver Menschen mit

in Deutschland zu sagen haben!

Migrationserfahrung in Deutschland. Sie wur20

de gemeinsam mit Migrant_innen in dem so-

Autor: KaJa

genannten Photovoice-Pojekt von der Deut-

Bild: DAH


Unsere Veranstaltung zu den Hirschfeld-Tagen 2016

Wer kennt es nicht oder hat es zumindest schon einmal gehört: „Der schwule Mann ist ja… und die Schwulen machen ja…“. Häufig tauchen vor den Augen der Menschen Bilder auf, von hoch stilisierten Personen mit perfekten Körpern, nur derb, arm, ungepflegt und so richtig „männlich“ dürfen sie nicht sein. Männlichkeiten und ihre Lebenswirklichkeiten sind plural und werden mit unserer Veranstaltung zu den Hirschfeld-Tagen 2016 den Beweis antreten. Unterschiedlichste Perspektiven nehmen wir dabei ein, von den schwulen Männern und ihren Lebenswelten. Aber halt! Wir wollen uns nicht nur auf „schwul“ beschränken, sondern auch bisexuell und omnisexuell orientierte Menschen als Beispiele

halle.aidshilfe.de

Ein Puzzle voller männlich_er Lebenswelten:

für die häufig „vergessenen“ sexuellen Identitäten in unser Blickfeld rücken. Auch Menschen, die zwar nicht durch das körperliche Geschlecht als männlich klassifiziert werden, bekommen dabei einen Platz. Gemeinsam erarbeiten und diskutieren wir, wie vielfältig die Lebenskonzepte von Menschen sein können. Etwas tiefgründiger wird auf den Aspekt der Diskriminierung eingegangen und deren Auswirkung auf die Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Veranstaltungstag: Di, 15.11.2016 Uhrzeit: 17:00 Uhr Ort: Infothek der halleschen Aidshilfe Max. Teilnehmer_innenzahl: 20 Personen

Medizinische Rundreise 2016 Sex und Partydrogen bei MSM“ an. Das Seminar richtet sich an Mitarbeitende aus Aidshilfen oder kooperierender Institutionen und an schwule und andere Multiplikator_innen. Inhaltlich geht es um die Grundlagen von Sucht und Drogengebrauch, um Sex- und Auch dieses Jahr findet eine medizinische

Partydrogen im Kontext von HIV und der

Rundreise in unserem Seminarraum statt.

HIV-Prävention und um Settings für die Ver-

Die medizinische Rundreise ist eine Veran-

wendung von genannten Drogen. Außerdem

staltungsreihe der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

wird ein Blick auf die Risiken und Maßnahmen

und kann von DAH-Mitgliedsorganisationen

zur Risikominimierung geworfen sowie die

zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter*innen ge-

Neben- und Wechselwirkungen betrachtet.

bucht werden. Die Seminare vermitteln das

Neben all den Informationen ist es besonders

aktuelle Wissen um HIV, STI, Hepatitis und

wichtig, ins Gespräch über Drogen zu kom-

aktuelle Forschungsthemen. Jährlich gibt es

men, was auch einen Teil des Seminars ein-

festgelegte Themenschwerpunkte, die nach

nehmen wird.

Interesse von der jeweiligen Organisation ausgewählt werden können.

Falls Ihr Interesse haben solltet, so merkt Euch diesen Termin also unbedingt vor.

Wir laden ein: Am Freitag, den 11.November ist es wieder so weit. Von 10 bis 17 Uhr dau-

Autor: KaJa

ert das spannende Seminar zum Thema „HIV,

Bild: DAH

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FAQ „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ Rahel Ladwig (FSJ Politik) und Maria Wagner (Regionalkoordination Halle) beantworten Fragen zu ihrer Arbeit. Was verbirgt sich hinter dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“? „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt von Schüler_innen für Schüler_innen. Sie ergreifen die Initiative und setzen sich an ihrer Schule für ein solidarisches und friedliches Miteinander und für eine Gesellschaft ohne Rassismus und Diskriminierung ein. Um SoR-SmC-Titelschule zu werden, braucht man mindestens 70% Zustimmung aller an der Schule Tätigen zur Selbstverpflichtung, ein_e Pat_in und einen feierlichen Titelverleih.

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Welche Rolle spielt die Regionalkoordination für das Projekt? Wir beraten Titel- und am Thema interessierte Schulen bei der Projektumsetzung, führen Info-Workshops durch und helfen, Finanzierungsmöglichkeiten für Schulprojekte aufzutreiben. Weiterhin vernetzen wir die lokalen Akteure miteinander, initiieren Vernetzungstreffen und schulübergreifende Projekte oder gewinnen neue Kooperationspartner Außer-

dem veröffentlichen wir auf unserer Webseite www.couragierte-schule.de aktuelle Infos rund um die Themen Leben in Vielfalt und Diskriminierung. Was sind besonders schöne Momente eurer Arbeit? Rahel: Für mich ist es immer wieder besonders schön zu sehen, wie viel Wissen schon bei den Kindern besteht und wie groß ihr Interesse ist. Beim Netzwerktreffen habe ich gemerkt, wie lebendig und kooperativ das Netzwerk hier vor Ort ist. Und am schönsten sind die Titelverleihe mit den selbst organisierten Programmen der Schüler_innen und all ihrer Leidenschaft. Maria: Für mich war im letzten Schuljahr ein besonderer Höhepunkt, dass wir nach sechs Jahren Arbeit von der Bundeskoordination offiziell als Regionalkoordination für Halle benannt wurden. Und vollkommen überraschend fand in Halle dieses Schuljahr der zweitausendste Titelverleih in der BRD statt. Was waren die größten Herausforderungen? Rahel: Die Struktur der Schulen erschwert es, mit Schulen in Kontakt kommen und unsere Projektplanungen auf das abzustimmen, was


halle.aidshilfe.de die Schulen vorhaben – die Zeiten müssen richtig abgepasst werden.

mal überarbeitet und eine neue Phase der Zusammenarbeit konnte eingeleitet werden.

Maria: Fehlende Finanzmittel und die immer nur einjährige Projektförderung. Letztes Jahr standen wir vier Monate ohne Personalkosten da und konnten unsere Arbeit nur rudimentär – zum größten Teil auf ehrenamtlicher Basis – durchführen.

Mit welchem Angebot bereichert die Aidshilfe Halle das Netzwerk? Als Verein, der sich mit dem Thema sexuelle Gesundheit beschäftigt, liegt auch hier der Fokus unserer Angebote. Wir bieten an Schulen Seminare zum Thema HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen an, die ab 90 Minuten bis zu einem ganzen Projekttag andauern. Es geht hier immer darum, Wissen zu vermitteln, das eigene Handeln zu reflektieren oder auch darum, die HIV-bezogene Diskriminierung abzubauen. Unser Ziel ist es unter anderem, die Jugendlichen zu befähigen, eine verantwortungsvolle Sexualität leben zu können, durch die sie sich selbst und andere schützen. Verantwortungsvoll heißt auch, anderen Lebenswelten wertschätzend zu begegnen.

Welche Pläne habt ihr für das nächste Schuljahr? Rahel: Mein FSJ geht im August zu Ende. Danach werde ich studieren und nebenbei mit dem Friedenskreis und allen Leuten, die ich kennengelernt habe, in Kontakt bleiben. Maria: Ab September betreue ich einen neuen Menschen im FSJ Politik, wir werden endlich das Sportfest „100% Teamgeist“ durchführen, die Ausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ nach Halle holen und anlässlich des zehnjährigen Bestehens von SoR-SmC in Halle ein eigenes Ausstellungsprojekt starten. Das Angebot der Aidshilfe Halle für das Netzwerk Schon vor einiger Zeit engagierte sich die Aidshilfe Halle als Kooperationspartner der Regionalkoordination „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ für die Stadt Halle, doch in diesem Jahr wurde die Kooperation noch ein-

Wir sind sehr offen für Ideen und Wünsche von den Schulen oder den anderen Kooperationspartner_innen, was das gemeinsame Umsetzen von Projekten betrifft. Scheut Euch also nicht, den Kontakt zu suchen oder eigene Vorstellungen einzubringen. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit! Autor: KaJa Bild: Regionalkoordination Halle Infos: couragierte-schule.de

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4. Mitteldeutsches Positiventreffen vom 26.11. bis 27.11. Das Selbsthilfenetzwerk „PositHIV Mitteldeutschland“ ist ein Zusammenschluss von und für Menschen mit HIV unabhängig des sozialen, ethnischen, kulturellen und religiösen Hintergrundes sowie der sexuellen Identität und des Alters. Ziel der Initiative ist die gemeinsame Vernetzung HIV-positiver Menschen im mitteldeutschen Raum zur wechselseitigen Unterstützung und vereinten politischen Einflussnahme. Tatkräftigen Beistand erhält das Netzwerk hierbei durch die mitteldeutschen regionalen Aidshilfen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Über die aktuellen Geschehnisse und über anstehende Veranstaltungen informiert seit neuestem die Homepage posihiv.info. So auch über die jeweils im Frühjahr und Herbst stattfin-

denden mitteldeutschen Positiventreffen, bei denen sich über die regionalen Angebote vor Ort ausgetauscht und in Workshops zu aktuellen HIV-bezogenen Themen wie dem Leben mit HIV, dem Schutz durch Therapie oder der Kriminalisierung HIV-Positiver gearbeitet werden kann. Das nächste und damit bereits 4. organisierte Positiventreffen in Mitteldeutschland wird vom 26. bis 27. November stattfinden. Die Aidshilfe Halle freut sich besonders, diesmal der Gastgeber sein zu dürfen und das mitteldeutsche Selbsthilfeprojekt in ihren Seminarräumen begrüßen zu können. Alle Infos zum Treffen und zur Anmeldung für dieses erhaltet Ihr auf der Homepage sowie bei Facebook unter: facebook.de/PositHIV. info. Autor: MaTh

Workshop für Lehrkräfte zum Welt-Aids-Tag

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Am 26.10. findet von 14 bis 16 Uhr ein Workshop für Lehrkräfte im Seminarraum der Aidshilfe Halle statt. Der Workshop soll auf den Welt-Aids-Tag am 01.12. vorbereiten, an dem in einigen Schulen Projekttage stattfinden und auch der alljährliche Jugendfilmtag durchgeführt wird. Dieser wurde vom Bildungsserver Sachsen-Anhalt bestätigt, was bedeutet, dass die Teilnehmenden somit Fortbildungspunkte erhalten. Durchgeführt wird dieser von Mitgliedern des Koordinierungskreises HIV-/ STI-Prävention und Sexualpädagogik der Stadt Halle und Saalekreis. Inhaltlich geht es hierbei um die Themen HIV-/STI-Prävention, um die Schwangerschaftsverhütung und auch darum, Werte und Normen zu hinterfragen. Die Teilnehmenden sollen nicht nur ihr eigenes Wissen um die Themen erweitern, sondern vor

allem auch ihre eigenen Haltungen reflektieren. Gerade im Bereich der Schulbildung ist es von Bedeutung, dass sich auch das Lehrpersonal mit diesen sensiblen Themen auseinandersetzt. So kann eine gute Zusammenarbeit stattfinden, indem nicht nur wir als Expert_innen den Jugendlichen im Unterricht begegnen, sondern auch die Lehrer_innen, die täglich vor Ort sind, z.B. Werte wie Wertschätzung, respektvoller Umgang miteinander, offener Umgang mit anderen Lebenswelten, Enttabuisierung von Sexualität thematisieren können. Wir hoffen auf eine zahlreiche Teilnahme und einen offenen, interessierten Austausch miteinander. Autorin: KaJa


Martin Thiele (30) ist Diplompädagoge und seit April Assistent der Geschäftsführung. Im Interview erzählt er, wie er zu uns gekommen ist, wie er die Beschäftigung bisher erlebt hat und welche Schwerpunkte er sich mit seiner Tätigkeit im Verein setzt. Martin, wie würdest Du Deinen bisherigen Lebensweg beschreiben? So viel wahnsinnig Aufregendes gibt es da gar nicht zu berichten. Ursprünglich komme ich aus Chemnitz und bin nach Halle gezogen, um hier Erziehungswissenschaften zu studieren. Nach meinem Studium habe ich eine Zeit lang als Berufsschullehrer gearbeitet, habe aber schnell festgestellt, dass ich zwar Spaß am Unterrichten und am pädagogischen Umgang mit Schüler_innen habe, aber trotzdem nicht so recht glücklich werde im Lehrerberuf. In den letzten beiden Jahren habe ich dann an meiner Doktorarbeit über Fußball und Männlichkeit gewerkelt und versuche das neben meiner Tätigkeit in der Aidshilfe weiterzuführen. Wie bist Du dann letztendlich zur Aidshilfe gekommen? Eher durch Zufall, denn ich war ja gar nicht auf der Suche nach einer Anstellung. Ich habe von der Stellenausschreibung über den Newsletter der Aidshilfe erfahren. Da ich gegen Ende meines Studiums ehrenamtlich im Verein tätig war, die hauptamtlichen Mitarbeiter und die Einrichtung daher kannte und Aidshilfearbeit immer schon spannend fand, dachte ich mir, ich bewerbe mich einfach auf die Stelle. Als es dann geklappt hat, habe ich mich dann aber arg gefreut.

halle.aidshilfe.de

Der neue Mitarbeiter stellt sich vor

Was bist Du für ein Typ und woran hast Du Spaß? Am ehesten würde ich mich wohl als einen politischen Menschen beschreiben. Ich interessiere sehr mich dafür, wie Gesellschaft funktioniert und wie menschliches Miteinander gestaltet werden kann. Abgesehen davon lese ich viel. Für gewöhnlich gehe ich nie ohne ein Buch aus dem Haus. Deswegen bin ich aber kein unsozialer Mensch, sondern unterhalte mich gern. Ich liebe es, kontrovers zu diskutieren. Vor allem natürlich über Politik und Literatur. Welchen Eindruck hast du bisher von der Arbeit im Verein gewonnen und welchen Schwerpunkt würdest Du Dir in Zukunft setzen? Selbst nach so kurzer Zeit fühle ich mich dem Verein schon sehr verbunden. Die Arbeit in der Aidshilfe gefällt mir in jeder Hinsicht gut. Der Aufgabenbereich ist erwartungsgemäß vielfältig, das mag ich. Aber vor allem die Zusammenarbeit im Team bereitet mir große Freude. Wir kommen alle gut miteinander aus, erleben, denken und lachen viel miteinander und haben daher einen ausgeprägten Zusammenhalt. Schon bevor ich in der Aidshilfe angefangen habe, war für mich klar, dass Aidshilfearbeit nicht nur gesundheitliche Prävention bedeutet, sondern auch Antidiskriminierungsbemühungen und sozialpolitisches Engagement beinhaltet. Ich denke, dieses sozialpolitische Interesse wird auch in Zukunft mein Handeln im und für den Verein ganz entscheidend prägen. Interview von BeJu geführt Foto: AHH

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Veranstaltungskalender September 2016 – Dezember 2016 SEPTEMBER Mi., 07. September, 18 Uhr Podiumsgespräch Thema: Diskriminierung und Kriminalisierung HIV-positiver Menschen Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG)

Do., 06. Oktober & 20. Oktober, 18–20 Uhr HIV- und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

Sa., 10. September, 11–18 Uhr CSD-Straßenfest Ort: Marktplatz

NOVEMBER Di., 01. November, 19 Uhr Es ist Hochsaison für Hexen, Gespenster, Geister und alle, die sich gerne Gruseln, denn am 31. Oktober war Halloween. Halloween ist eine kommerziell erfolgreiche Horrorfilm-Reihe, die auf den Film Halloween – Die Nacht des Grauens (1978) von John Carpenter zurückgeht. Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG)

Sa., 10. September, ab 22 Uhr CSD-Abschlussveranstaltung Ort: Studio Halle, Waisenhausring 8, 06108 Halle Mi., 14. September, 14–15 Uhr Weiterbildung im UKH Themen sind aktueller Wissensstand HIV heute, Leben mit HIV und Diskriminierung im Gesundheitswesen Ort: Universitätsklinikum Halle (Saale), Ernst-Grube-Straße 40 Di., 20. September, 18 Uhr Positiventreffen Positiv, was nun? Gesprächsrunde für neue und gestandene positiv getestete Menschen. Information und Erfahrungsaustausch. Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Mi., 21. September, 18 Uhr Gesundheitstraining Wir experimentieren im Kochtopf mit allerlei verschiedenen Zutaten, um kreative Köstlichkeiten zu kreieren. Das Ganze wir mit einigen interessanten Informationen gespickt. Unkostenbeitrag : 4,00€ Anmeldung unter: gesundheitstraining@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

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Di., 27. September, 19 Uhr Eröffnung der Ausstellung „AFRO LEBEN VOICE“ anlässlich der Interkulturellen Woche 2016 Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Do., 01. September & 15. September, 18-20 Uhr HIV- und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) OKTOBER Do., 13. Oktober, 19 Uhr Ausstellungseröffnung „Stadtansichten von Halle - gestern und heute“ von dem Halleschen Fotografen Horst Fechner Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Di., 12. Oktober, 18 Uhr Gesundheitstraining Wir experimentieren im Kochtopf mit allerlei verschiedenen Zutaten, um kreative Köstlichkeiten zu kreieren. Das Ganze wir mit einigen interessanten Informationen gespickt. Unkostenbeitrag : 4,00€ Anmeldung unter: gesundheitstraining@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Sa., 22. Oktober, 11–15.30 Uhr Herbstbrunch Es werden typische Gerichte saisonal zubereitet. Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG)

Fr., 11. November, 10–17 Uhr Medizinische Rundreise „HIV, Sex- und Partydrogen bei MSM“ Referent Peter Wiesner Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG) Mi., 23. November, 18 Uhr Gesundheitstraining Wir experimentieren im Kochtopf mit allerlei verschiedenen Zutaten, um kreative Köstlichkeiten zu kreieren. Das Ganze wir mit einigen interessanten Informationen gespickt. Unkostenbeitrag : 4,00€ Anmeldung unter: gesundheitstraining@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)


Sa., 26. November – So., 27. November 4. Mitteldeutsches Positiventreffen Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Do., 03. November & 17. November, 18–20 Uhr HIV- und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

DEZEMBER Do., 01. Dezember, 9–14 Uhr Jugendfilmtag zu Sexualität, Liebe, Freundschaft, HIV/AIDS Kino-Aktion des Koordinierungskreises HIV/STI Prävention und Sexualpädagogik Halle und Saalekreis für Schüler_innen der Halleschen Schulen Ort: CinemaxX Halle, Charlottenstr. 8, 06108 Halle Sa., 03. Dezember, 22–05 Uhr „QUEER DANCE“ zum WAT Ort: Turm Halle oder Studio Halle Fr., 16. Dezember, ab 18 Uhr Weihnachtsfeier der Aidshilfe Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG)

Sa., 24. Dezember, 11–14.30 Uhr Heiligabend-Brunch Anmeldung erforderlich unter Tel.: 0345 5821270 Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG) Sa., 31. Dezember, 11–14.30 Uhr Silvester-Brunch Anmeldung erforderlich unter Tel.: 0345 5821270 Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (EG) Do., 01. Dezember & 15. Dezember, 18–20 Uhr HIV- und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

So., 18. Dezember, 18 Uhr Weihnachtliches Chorkonzert Mit dem Chor TonArt Der Eintritt ist frei. Ort: Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen, Franckeplatz 1, 06108 Halle

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Quellen: DAH

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bildete Personen können Models und nicht die im Beitrag genannten Personen sein. „Red.“ ist ein ehrenamtliches Projekt der AIDS-Hilfe Halle /Sachsen-Anhalt Süd e.V. und finanziert sich durch Anzeigeschaltungen selbst. Spenden sind möglich und steuerabzugsfähig. Anzeigelayout: Deutsche AIDS-Hilfe / IWWIT, MSD Sharp & Dohme GmbH, Mirko Riesche, Marcus Hamel Anzeigeleitung: red.anzeigen@halle.aidshilfe.de Magazinlayout: Marcus Hamel www.marcushamel.com

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