Page 1

#15 – Juli 2016

WE STAND WITH ORLANDO

10 Jahre AIDS-Gala Wittenberg Zum Jubiläum setzen wieder zahlreiche Prominente ein Zeichen gegen AIDS

Seht die Infektion als Chance! Barbie Breakout spricht mit uns über ihre Erfahrung mit HIV und Diskriminierung.

INTERNATIONALER TAG GEGEN HOMO-, INTER- UND TRANS*PHOBIE • DIE AIDSHILFE HALLE POSITIONIERT SICH ALS ANTIDISKRIMINIERUNGSSTELLE • VERANSTALTUNGSREIHE „DISKRIMINIERUNG – NICHT MIT MIR!“ NEUES VON DEN TESTHELDEN • EHRENAMT UND PRAKTIKUM IN DER AIDSHILFE • SCHUTZ DURCH THERAPIE


BERATUNG

Beratungsstelle Halle (1. Obergeschoss) Information – Beratung – Betreuung Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) Öffnungszeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Mi.: Termine nach Vereinbarung

Beratungstelefon Halle: 0345 - 19411

Universitätsklinikum Halle HIV-Sprechstunde Ernst-Grube-Straße 40, HIV-Ambulanz – Innere IV 06120 Halle (Saale) Sprechzeiten: Di.: 14–16 Uhr

(max. 9 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/ Min. aus den dt. Mobilfunknetzen)

(Ortstarif)

Sprechzeiten: Mo., Fr.: 10–13 Uhr, 14–16 Uhr Di., Do.: 14–20 Uhr Bundesweites Beratungstelefon: 0180 - 33194111

Sprechzeiten: Mo.–Fr.: 9–21 Uhr Sa., So.: 12–14 Uhr Onlineberatung der Aidshilfen: www.aidshilfe-beratung.de

Naumburg Beratungsangebot Am Markt 12, Raum 305 06618 Naumburg (Saale) Sprechzeiten: Jeden 4. Di., 15–18 Uhr BEGEGNUNG

Infothek Halle (Erdgeschoss) Galerie – Café – Bibliothek 0345 - 68165791

Öffnungszeiten: Di., Do.: 14–20 Uhr Sa.: 11–14:30 Uhr – Brunch im Erdgeschoss

(Ortstarif)

EHRENAMT

SELBSTHILFE

2

LoveAgents kreatHIV – präventHIV in der Szene Jeden 2. Und 4. Mi., 18–20 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG) Email: loveagents@halle.aidshilfe.de

Treffen der Berater_innen Jeden 1. Do., 17–18 Uhr Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1. OG)

YoungStars kreatHIV – präventHIV in der Schule Jeden 1. Und 3. Fr., 14-16 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Infoabend für Neue Jeden letzten Mi., ab 18 Uhr Ort: Seminarraum der Aidshilfe (Infothek EG)

Positiventreffen Treffen für Menschen mit HIV Geschlossene Veranstaltung Jeden 3. Mittwoch, ab 18 Uhr Ort: Galeriecafé der Aidshilfe (Infothek EG) Email: positivleben@halle.aidshilfe.de

hetero.aidshilfe.de jes-bundesverband.de jungundpositiv.de angehoerige.org positiv-ev.de positHIV.info hiv-migration.de/netzwerke/afrolebenplus

AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189 06110 Halle (Saale) halle.aidshilfe.de

Spendenkonto Bank: Saalesparkasse IBAN: DE14800537620385311531 BIC: NOLADE21HAL


Liebe Leser_innen, mit dem vorliegenden Heft haltet Ihr eine ganz besondere Ausgabe unseres Vereinsmagazins in Euren Händen. Seit dem September 2011 sind nun schon sage und schreibe 15 Ausgaben der „red.“ erschienen und informieren über all das, was die AIDS-Hilfe Halle/ Sachsen-Anhalt Süd bewegt und leistet. Als Jubiläumsausgabe erscheint das aktuelle Heft daher – den alteingesessenen Leser_innen wird dies vermutlich schon beim ersten neugierigen Blättern aufgefallen sein – in einem neuen Gewand. Und es ist noch ein weiteres Jubiläum zu verzeichnen, das an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben darf. Die AIDS-Gala in Wittenberg, bei der dutzende Künstler_innen unterschiedlichster Couleur alljährlich eine glamouröse Show zu Ehren unseres Vereins auf die Beine stellen und auf die Bühne bringen, fand am 24. März diesen Jahres nun schon zum zehnten Male statt. Ebenso wie in den Vorjahren wurden die Zuschauer_innen aus dem gesamten Sachsen-Anhalt nicht nur bestens unterhalten, sondern leisteten mit dem Erwerb ihrer Eintrittskarte einen wohltätigen Beitrag zu unserer Vereinsarbeit, für den wir uns an dieser Stelle nochmals recht herzlich bedanken wollen!

Thematisch steht unsere Jubiläumsausgabe ganz unter dem Vorzeichen des Internationalen Tages gegen Homo-, Inter- und Trans*feindlichkeit (IDAHIT) und damit des kämpferischen Einsatzes gegen die Diskriminierung, Ausgrenzung und Benachteiligung queerer und HIV-positiver Menschen. Dabei wollen wir nicht nur davon berichten, wie wir den IDAHIT in Halle erlebt haben und wie sich die Aidshilfe Halle in Zukunft gegen die Diskriminierung ihrer Zielgruppen einsetzen möchte, sondern zudem auch die grundlegende Akzeptanzfrage innerhalb der schwulen Szene aufwerfen. Dazu haben wir keine Geringere als Barbie Breakout im Boot, die sich auch als ein Gesicht der IWWIT-Kampagne beständig für eine bunte Vielfalt in schwulen Räumen stark macht. Sie wird uns von ihren Erfahrungen über erlebte Diskriminierung und davon berichten, weshalb gerade effeminierte schwule Männer es oftmals besonders schwer haben, sich in der vermeintlich vorurteilsfreien Szene selbst zu verwirklichen.

halle.aidshilfe.de

Editorial

Wir wünschen unseren alten wie neu gewonnenen Leser_innen mit unserer 15. Ausgabe des „red.“-Magazins eine informative und unterhaltsame Lektüre! Martin Thiele

INHALT AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd........... 2 Editorial / Inhalt...................................................... 3 Massaker in Orlando............................................. 4 Neues von den Testhelden.................................. 5 10. Aids-Gala in Wittenberg............................6–7 Internationaler Tag gegen Homo-, Inter- und Trans*phobie................................... 8–9 „Diskriminierung – Nicht mit mir!“............10–11 Infektion als Chance – Interview mit Barbie Breakout......................................12–13 Diskriminierung schwuler Männer erhöht HIV-Risiko................................................. 14

Internationaler Frauentag / Fortbildung im Universitätsklinikum...............15 Schulprävention an lokalen Schulen / Beratungsangebot in Naumburg...................... 16 Nacht der Solidarität / Aidshilfe Halle als Antidiskriminierungsstelle............................ 17 Der Alltag als Buddy..................................... 18–19 Schutz durch Therapie................................ 20–21 GROSSE FREIHEIT – liebe.lust.leben.............22 Onlineberatung im Ehrenamt............................ 23 Bericht zum Praktikum in der Aidshilfe.......... 24 Veranstaltungen............................................26–27

3


Massaker in Orlando Mit Bestürzung, Fassungslosigkeit und tiefer

Unsere Gedanken, unser Beileid und unsere

Trauer haben wir die Ereignisse aufgenom-

Solidarität gelten den zahlreichen Opfern und

men, die sich in der Nacht zum Sonntag den

ihren Angehörigen sowie den Überlebenden

12. Juni 2016 in Orlando, Florida zugetragen

dieser schrecklichen Nacht.

haben. Zugleich wollen wir deutlich machen, dass Bei einem brutalen Anschlag auf den Nacht-

die Reaktion auf ein solches Ereignis keines-

club „Pulse“ tötete ein 29-jähriger Mann mit

wegs sein kann und sein darf, sich von Grau-

einem Sturmgewehr bewaffnet mindestens

en, Hass und Gewalt einschüchtern zu lassen.

50 Menschen und verletzte etliche schwer.

Die Stärke der LGBT-Community bestand

Laut Medienberichten besaß der Täter Sym-

seit jeher darin, der ihr entgegengebrach-

pathie für die menschenverachtende Wel-

ten Feindseligkeit kämpferisch zu begegnen.

tanschauung des sogenannten „Islamischen

Dass sie auch aus einem solch abscheulichen

Staat“ und äußerte sich in der Vergangen-

Angriff gestärkt hervorgeht, hat sie durch die

heit immer wieder feindlich gegenüber Les-

zahlreichen Anteilsbekundungen für die Op-

ben und Schwulen. Dass es einen bekann-

fer des Anschlags und auf den Pride-Paraden

ten Treffpunkt und Schutzraum für lesbische,

der letzten Wochen deutlich gemacht. So lan-

schwule, bisexuelle und transidente Men-

ge wir weiterhin solidarisch zusammenstehen

schen traf, war also mitnichten ein Zufall. Das

und gemeinsam unsere Werte der Selbstbe-

Massaker war insofern nicht nur ein Anschlag

stimmung und der Anerkennung menschli-

auf eine offene und demokratische Gesell-

cher Vielfalt leben und verteidigen, wird der

schaft, sondern wird uns allen als der ent-

Terror niemals siegreich sein.

setzlichste homo- und trans*phobe Terrorakt gegen die LGBT-Community der letzten Jahrzehnte im Gedächtnis bleiben.

4

Der Vorstand und das Team der AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V.


In der Altersgruppe der 20-29-jährigen Schwulen haben 64 Prozent noch nie bzw. nicht in den vergangenen 12 Monaten einem HIV-Test machen lassen. Um das zu ändern, hat ICH WEISS WAS ICH TU 2015 www.testhelden.info an den Start gebracht. Ab Juli hilft ein neues Kapitel mit Videoclip zum Thema Scham dabei, Hemmnisse vor dem Test weiter abzubauen. Viele (junge) schwule Männer trauen sich nicht zum HIV-Test – nicht zuletzt, weil es ihnen peinlich ist, über ihre Sexualität oder Sexpraktiken zu sprechen. Das hat Konsequenzen: Laut Robert-Koch-Institut wissen mehr als 40 Prozent der schwulen HIV-Positiven unter 30 Jahren nichts von ihrer Infektion. Um das zu ändern, ermutigt www.testhelden.info bereits seit einem Jahr schwule Jungs und Männer, sich auf HIV checken zu lassen. In einem neuen Kapitel berichten ab Juli die Testhelden über eigene Erfahrungen und Erlebnisse rund um das Thema Scham: Was war ihnen selbst schon mal peinlich und worüber reden sie wirklich nur mit dem Partner oder besten Freund? Ist ihnen der HIVTest selbst peinlich oder das Beratungsgespräch vorher? Und wie motivieren sie sich dennoch, regelmäßig zum Test zu gehen? Das neue Kapitel ergänzt die Seite mit ihren bereits bestehenden Themen sowie der einmaligen Service-Karte mit mehr als 300 Adressen zu anonymen Teststellen deutschlandweit.

halle.aidshilfe.de

Neues von den Testhelden www.testhelden.info geht in die 2. Runde

Tim Schomann, Kampagnenleiter von ICH WEISS WAS ICH TU: „Mit dem neuen Thema sprechen wir einen zentralen Hindernisgrund an, zum HIV-Test zu gehen. Dabei machen wir auch klar, dass es O.K. ist, wenn einem mal etwas peinlich ist. Wenn’s um den HIVTest in einer anonymen Teststelle geht, ist Scham aber unbegründet. Denn die dortigen Beraterinnen und Berater sind in der Regel offen und entspannt und bewerten niemanden hinsichtlich Sexualität oder möglichen Risiken.“ Zum bisherigen Erfolg der Seite Schomann weiter: „Mit den Testhelden haben wir viel erreicht, dass lässt sich nicht nur an den kontinuierlich hohen Zugriffszahlen ablesen. Auch, dass uns Teststellen berichten, dass sie mehr HIV-Tests bei jungen schwulen Männern durchführen, ist eine Entwicklung, die uns natürlich gefällt.“ Die weiteren Kapitel der Seite, die informieren, auf Ängste eingehen und ermutigen, regelmäßig zum Test zu gehen sind ‚Mein erster HIV-Test‘, bei dem Tim auf den Weg zum HIVTest begleitet wird; ‚Ich sollte man wieder zum Test‘, in dem die Testhelden sich über die Häufigkeit und die notwendige Kommunikation über den HIV-Test austauschen sowie ‚Ich geh positiv durchs Leben‘, in dem Christian von seiner HIV-Infektion spricht. Quelle: Pressemitteilung der DAH (redaktionell gekürzt)

5


10. AIDS-Gala in Wittenberg Am Ende des spektakulären Programms erhoben sich die begeisterten Gäste in der Phönix Theaterwelt von ihren Sitzen: Standing Ovations sowohl für Künstler als auch Organisatoren, die mit der zehnten Auflage der Wittenberger AIDS-Gala dem Publikum einen vergnüglichen Abend bereitet und zugleich der guten Sache gedient hatten. Bei der Premiere vor zehn Jahren waren noch Plätze frei im Haus. Heute ist die Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten der AIDS-Hilfe Halle weit über die Region hinaus bekannt und die Tickets sind sehr begehrt: Seit Monaten war die Gala restlos ausverkauft, sie ist eine künstlerische Marke geworden, die sich nicht nur beim Publikum, sondern auch bei

6

den Künstlern eines guten Rufes erfreut. „138 Künstlerinnen und Künstler sind in den vergangenen zehn Jahren ohne Gage aufgetreten“, informierte Sweety (Stefan Schneegaß), der die Jubiläumsgala gemeinsam mit Dauergast Tatjana Meissner und dem als Philip Höfer aus GZSZ bekannten Schauspieler Jörn Schlönvoigt moderierte. Mindestens so glamourös wie der Abend waren auch die Kostüme von Sweety. Mit den Spenden der letzten 10 Jahre konnte das Beratungsangebot auf den Bereich Naumburg erweitert werden, geplant ist auch eine Beratungsstelle in Dessau. Mit dem Geld habe man zudem eine gemeinnützige GmbH


gegründet, um HIV-Erkrankte in Arbeit zu integrieren. Der Erlös aus der Tombola – sämtliche Lose waren rasch verkauft – kommt stets regionalen Projekten zugute, in diesem Jahr der Wittenberger Diakonie. Die Kult-Diva „Lilo Wanders“ ist regelmäßig zu Gast in Wittenberg und setzte natürlich bei Jubiläumsgala ihre Akzente. „Öffnet die Herzen, herzt die Öffnungen“, lautet das Motto der Expertin für Liebe, Sex und Partnerschaft, für die „Verliebtheit ein akuter Anfall geistiger Umnachtung“ ist. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern sei kompliziert. Aus der großen Liebe kann in wenigen Jahren ein Mitbewohner werden, der nur noch nervt. Obwohl Trennungen und unglückliche Beziehungen normal zu sein scheinen, torkelt der Mensch freiwillig von einer Katastrophe in die nächste. Die Ratgeberin für alle Liebesund Lebenslagen outete sich während der Gala leicht ironisch als harmoniesüchtig. Zur guten Tradition der AIDS-Gala gehört die Artistik auf hohem Niveau. 2008 war Tigris zum ersten Mal bei der Gala, heuer zum dritten Mal. Kannte ihn das Publikum in der Vergangenheit vor allem als Herrn der Ringe, so bot er diesmal eine Solo-Kontorsions-Performance, bei der sein Körper perfekte Höchstleistung vollbrachte. Der Termin für die elfte Wittenberger AIDS-Gala steht bereits fest: Sie steigt am 31. März 2017. Quelle: Wittenberger Sonntag vom 25.03.2016 (redaktionell gekürzt und geändert) Fotos: AHH

7


Internationaler Tag gegen Homo-, Inter- und Trans*phobie Seit Mai 2005 findet jedes Jahr am 17.5. der Internationale Tag gegen Homophobie (IDAHO) statt. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Personengruppen aufgenommen, die aufgrund verschiedener Merkmalzugehörigkeit diskriminiert werden. Auch wir sind seit Jahren an diesem Aktionstag hier in Halle beteiligt und engagieren uns insbesondere für Menschen aus einer unserer Hauptzielgruppen, der Männer, die Sex mit Männern haben. Warum ist es uns nun wichtig, an diesem Tag deutlich Flagge zu zeigen und entschieden gegen die Diskriminierung von Menschen vorzugehen? Diskriminierung kann man nicht schönreden. Es ist Gewalt an Menschen aufgrund von Merkmalen, die nicht in die Werte von Menschen passen, die aufgrund ihrer privilegierten Stellung die Möglichkeit haben, zu definieren, was „normal“ und akzeptiert ist und was nicht in die Gesellschaft passt.

8

Dieses Jahr hat sich die Aidshilfe vielseitig für die Rechte von Männern verschiedenster sexuell-geschlechtlicher Identitäten eingesetzt. Ein Schwerpunkt lag im sportlichen Bereich. Sport hat mit seiner hohen Popularität eine starke Ausstrahlungskraft in die Gesellschaft hinein; er verbindet Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Der mit Abstand populärste Sport in Deutschland ist der Fußball. Besonders in dieser als männlich wahrgenommenen Sportart ist diskriminierendes Verhalten sexuell-geschlechtlicher

Minderheiten verstärkt wahrzunehmen. Bis heute hat sich kein aktiver Fußballspieler in Deutschland geoutet; denn auch der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger outete sich erst nach seiner Spielerkarriere. Auf Initiative unserer Einrichtung und in Kooperation mit dem Fanprojekt Halle und dem Halleschen Fußballclub haben wir beim letzten Heimspiel der Saison, dem Spiel HFC gegen Aalen, im Stadion einen Banner gehangen. „Team Vielfalt. HFC“, unter diesem Motto stand unsere Aktion am 07.05. Um unserem gemeinsamen Anliegen anlässlich des IDAHIT Nachdruck zu verleihen, verlas der Stadionsprecher während der Pause zudem ein Statement zur Verantwortung des Sportes in unserer Gesellschaft. Wir freuen uns außerordentlich, dass der HFC für unsere Aktion gewonnen werden konnte und sind gespannt darauf, wie die gemeinsame Arbeit gegen Diskriminierung von sexuell-geschlechtlichen Minderheiten in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden kann. Zum erfreulichen Abschluss des Tages gehörte der verdiente Sieg des HFCs mit 3:1. Unser Engagement gegen Diskriminierung ging sportlich am folgenden Tag weiter. Am 08.05. spielten die Wildcats – Bundesliga Handball aus Halle – gegen FSG Mainz 05/ Budenheim. Auf Initiative der Wildcats aufgrund des lesbischen Coming Out der Spielerin Nadine Smit und in Kooperation mit uns


Am 17.05. versammelten wir uns mit anderen Vereinen auf dem Marktplatz vorm Ratshof. Wir waren mit zwei Aktionen vertreten. Zum einen gestalteten Schülerpraktikanten zum Boy´s Day Gipsmasken, die unsere LoveAgents kunterbunt angesprüht haben. Die Schülerpraktikanten haben den Gipsfiguren mit Spruchblasen Statements gegen Diskriminierung von Homosexuellen, Trans*und Interpersonen verliehen, zum Beispiel: „Frag uns lieber, statt uns zu diskriminieren.“ An anderer Stelle stand, für viele Passanten, die über den Markt liefen, aufsehenerregend, eine Schaufensterpuppe im Krankenpflegeoutfit, die auf einen Laptop verwies, in dem über einen Film das Outing eines HIV-Positiven im Gesundheitswesen thematisiert wurde. Um 17:05 Uhr ließen wir gemeinsam Luftballons in den Farben der Regenbogenflagge gen Himmel steigen. Aber warum engagiert sich die Aidshilfe eigentlich zum IDAHIT? Die Aidshilfe arbeitet unter anderem im Bereich der sexuellen Gesundheit. Laut Weltgesundheitsorganisation

ist Sexualität ein Grundbedürfnis des Menschen und prägt seine Persönlichkeit. Die Gesundheit ist in Minderheitengruppen besonders gefährdet, so dass Männer, die Sex mit Männern haben, ein insgesamt schlechteres Gesundheitsprofil aufweisen. Durch Homonegativität, also eine antihomosexuelle Einstellung in Bezug zur heterosexuellen Norm, wirken solche Belastungen permanent negativ auf die Männer, die Sex mit Männern haben, die sich nur schwer diesen Situationen entziehen können. Folge sind Selbstzweifel, Verlust an Selbstwertgefühl, der unkontrollierte und sehr unbewusste Drogengebrauch bis hin zu Depressionen und Selbstmord(-versuchen), aber auch tief verwurzelte Abwehr gegenüber der eigenen Wünsche und Bedürfnisse, eine verinnerlichte Homophobie, und damit eine Distanz zu anderen Männern, die Sex mit Männern haben, eine Scham vor der eigenen Sexualität und der Zwiespalt zwischen eigenen Gefühlen und gesellschaftlicher Akzeptanz. Es kann dazu führen, dass Gesundheitsinformationen, -dienstleistungen und spezielle Testangebote gemieden werden.

halle.aidshilfe.de

setze sie sich der Handballverein intensiv mit dem Thema Homophobie im Sport auseinander. Unter medialer Präsenz am Spieltag verlas Smit vor dem Spielstart einen Aufruf gegen Ausgrenzung und gab dem Thema Vielfalt im Sport ein Gesicht. Auch die Aidshilfe unterstützt dieses Engagement gerne und war am Spieltag mit einem Stand vertreten. Auch die Wildcats haben dieses Spiel gewonnen.

Auch im kommenden Jahr wird der IDAHIT wieder in Halle stattfinden, und zwar ebenfalls wieder am 17.05. Wer dieses Jahr nicht dabei war, hat auf jeden Fall nächstes Jahr die Chance dazu. Autor: PhPi Fotos: AHH E-Mail: antidiskriminierung@halle.aidshilfe.de

9


„Diskriminierung – Nicht mit mir!“

10

Obwohl Toleranz und Akzeptanz wesentliche Werte demokratischer Gesellschaften sind, kommt es immer wieder zu teils massiven diskriminierenden Äußerungen und Handlungen gegenüber Menschen bestimmter Gruppen. Dabei werden diese beispielsweise schlechter und herabwürdigend behandelt, verbesondert, mit Nichtachtung gestraft oder sexuell belästigt. Grund dafür sind Merkmale, die Personen zugeschrieben werden. Ein Merkmal kann der Gesundheitsstatus sein, ob jemand gesund oder krank ist, jemand HIV-positiv oder -negativ ist. Darüber hinaus zum Beispiel auch das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder die soziale Herkunft und der soziale Status. Mit unserer kommenden Veranstaltungsreihe wollen wir daher all jene Gruppen stärken, die besonders von Diskriminierung betroffen sind. Menschen, die Diskriminierung ausgesetzt sind, entwickeln meist negative Strategien, um mit belastenden Situationen umzugehen. Ein gutes Gesundheitsverhalten, auch der sexuellen Gesundheit, steht dabei nicht an erster Stelle. Auf der einen Seite wollen wir im Gesundheitswesen tätige Menschen für den akzeptierenden und vertrauensvollen Umgang mit HIV-positiven Personen sensibilisieren. Andererseits geht es uns um die Stärkung der betroffen Menschen. Wir bieten Ansätze, um Wege aus der Diskriminierung zu finden, für sich selbst einzustehen und das anzugehen, was für einen selber wichtig ist. Unser Ange-

bot ist in 3 Teile untergliedert, einmal in den Bereich Diskriminierung im Gesundheitswesen, dann das Aufbauen von Selbstwertgefühl und –sicherheit und im dritten Teil Entspannungsübungen. Die erste Veranstaltung, die sozusagen als Auftaktveranstaltung gesehen werden kann, findet im Bereich des Gesundheitswesens statt. Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal und wird von Referent_innen der Deutschen AIDS-Hilfe durchgeführt. Durch diesen fachlich fundierten Input soll das eigene Handeln und die eigene Haltung reflektiert sowie problematische Diskriminierungsmuster erkannt und alternative Handlungsvorschläge erarbeitet werden. Es mag zunächst als nicht notwendig erscheinen, eine derartige Veranstaltung im Gesundheitswesen durchzuführen, da oftmals davon ausgegangen wird, dass sich medizinisches Personal mit der Thematik HIV/AIDS auskennt und in diesen Bereichen daher kaum Diskriminierung stattfinden kann. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass ausgerechnet in diesem Bereich sehr viele Unsicherheiten und Ängste bestehen, so beispielsweise die Angst, sich im Umgang mit HIV-positiven Patient_innen selbst zu infizieren. Laut PLHIV Stigma Index in Deutschland geben 5% von 1148 Befragten an, dass ihnen eine medizinische Behandlung verweigert wurde und 18% eine Zurückweisung in medizinischen Praxen erlebt haben. Wir gehen davon aus, dass sich


Doch nicht nur im Gesundheitswesen kann es zur Diskriminierung kommen, sondern in jedem Bereich des menschlichen Zusammenlebens. Uns ist es wichtig, dass die erfahrene Diskriminierung nicht hingenommen wird und man sich nicht selber einschränkt. Wir bieten im 2. Teil ein Empowerment-Angebot in zwei Gruppen an, einerseits für Männer, die Sex mit Männern haben, und andererseits für Frauen. In drei aufeinander aufbauenden Modulen geht es zunächst um die Verhütung von Gewalt, also der Gewaltprävention, denn Diskriminierung ist Gewalt, sowohl körperlich, wie auch psychisch und strukturell. Durch die Trainer_innen wird man sensibilisiert, diskriminierende Situationen wahrzunehmen und an einem positiven Selbstbild zu arbeiten. Das folgende Modul beschäftigt sich mit Selbstbehauptung, also der Möglichkeit, in einer konkreten Situation erfolgreich seine Wünsche, Bedürfnisse und Rechte durchzusetzen. Den Teilnehmer_innen werden Möglichkeiten aufgezeigt, ihre persönlichen Grenzen deutlich zu machen. Im dritten Teil geht es um die Selbstverteidigung. Hier bieten wir das Ju-Jutsu als defensive Form an. An allen Veranstaltungen nehmen Mitarbeiter_innen

der Aidshilfe teil und begleiten den Trainingsprozess. Die dritte Säule unseres Angebotes besteht aus dem Stressreduktionstraining. Auch hier ist das Ziel, sich selbst nicht der Diskriminierung anzunehmen und sich von Selbstvorwürfen zu verabschieden. Diskriminierung kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben, sodass Verspannungen, körperliche Unruhe oder psychische Krankheiten auftreten können. Um zu sich selbst zu finden und sich entspannt den oftmals schwierigen Situationen stellen zu können, bedarf es nicht nur der oben genannten Säulen, sondern ebenso einer ausgleichenden Stressreduktion. Professionelle Trainer_innen werden uns unterstützen und den Teilnehmenden einen Einblick in die Kunst der Entspannung geben, um im Nachhinein auch weiterhin ein neugefundenes Hobby umzusetzen.

halle.aidshilfe.de

durch Wissensaufbau und durch die Sensibilisierung von Diskriminierungsmechanismen genannte Befürchtungen oder Unsicherheiten minimieren und auch neue Wege aufgezeigt werden können, wie in der Praxis mit der HIV-Thematik umgegangen werden kann, ohne Patient_innen zu stigmatisieren.

Wer Interesse hat, an unserer Veranstaltungsreihe teilzunehmen, kann sich telefonisch oder per E-Mail bei uns melden, um konkrete Termine zu erhalten und sich anzumelden. Oder schaut doch einfach auf unsere Homepage, um tagesaktuelle Informationen zu erhalten. Wir freuen uns auf Euch! Anmelden könnt Ihr Euch unter: antidiskriminierung@halle.aidshilfe.de Autor_innen: PhPi, KaJa Bild: Lightspring / Shutterstock

11


Infektion als Chance Interview mit Barbie Breakout Barbie Breakout ist eine in Berlin lebende und arbeitende Drag Queen.Als Djane, Autorin, YouTuberin und mit ihren Showacts unterhält sie seit Jahren ihr Publikum. 2014 wurde sie das Gesicht der IWWIT-Kampagne, denn Aufgeklärtheit sowie Toleranz und Akzeptanz sind ihr ein großes Anliegen. Für die IWWIT-Kampagne schmückst du Plakate und Flyer unter anderem mit dem Slogan: „Seid tuntig!“. Welche Wirkung willst du damit erzielen? Die Kampagne hatte ja mehrere Slogans, denen eins gemein war: wir wollten die Menschen ermutigen, zu sich selbst zu stehen und das abseits des bestehenden Männlichkeitsdiktats. Jeder soll eben genau so sein, wie er möchte, ohne von anderen innerhalb der Szene deswegen diskriminiert zu werden.

12

Was sind deiner Meinung nach Gründe dafür, dass eine solche Intoleranz von vielen in der Szene propagiert wird? Internalisierte Homophobie. Wir haben das verinnerlicht, was wir gelernt haben, wie unser Umfeld auf uns oder auf andere reagiert hat. Unsere Gesellschaft zelebriert ja Männlichkeit an jeder Ecke, ob im Sport, im Film, in der Werbung. Weiche oder feminine Männer kommen da nicht vor, zumindest nicht als Gewinner, sondern eher als Witzfiguren. Das verinnerlicht man als Kind. Man sucht nach Leitfiguren und orientiert sich an dem, was man von der Gesellschaft gespiegelt bekommt. Und das alles tragen wir, ob bewusst oder unbewusst, weiter mit uns herum. Ein Teil von mir schämt sich heute noch, wenn ich aufgetranst das Haus verlasse und außerhalb der Szene Menschen begegne. Das sind erlernte Muster, die man immer wieder auf’s neue angehen muss.

In der Öffentlichkeit hast du dich bereits vor Jahren als HIV-positiv geoutet. Wie geht es dir heute damit? Mir geht es super! Für mich war das eine ganz organische Entscheidung, meine Infektion nicht zu verstecken, ein „Outing“ gab es in dem Sinne gar nicht. Ich lebe seit 11 Jahren mit dem Virus, ich wünschte natürlich, es wäre anders. Aber ich wache schon seit langem nicht mehr jeden Tag auf und denke „Oh mein Gott, ich muss sterben.“. Viele HIV-Positive erleben tiefgreifende Veränderungen im Alltag und vor allem in Bezug auf ihr soziales Umfeld. Was waren deine Erfahrungen und wie siehst du die Dinge heute? Als ich von meiner HIV-Infektion erfahren habe, entschloss ich mich dazu, mich für einige Zeit zurückzuziehen. Ich habe mir die Zeit genommen, herauszufinden was mir wichtig ist, was in meinem Leben mir wirklich gut tut und was ich eher aus Verantwortungsgefühl gegenüber anderen mache, oder weil ich es so gewöhnt war. Als ich es meinen Freunden mitteilte, gab es keine Negativreaktionen, was vielleicht daran liegt, dass viele von ihnen selbst HIV-positiv sind. Schwierig war dann zum Beispiel, das erste Mal wieder Sex zu haben, weil mir mein Körper zu dieser Zeit so fremd geworden war. Dieses Virus, dieser Feind, der nun in mir, in meinem Blut, meinem Sperma wohnte, den musste ich erstmal als Gegebenheit akzeptieren lernen und kapieren, dass ich nicht plötzlich Fremde bei mir Zuhause geworden war, sondern dass mir das alles immer noch gehörte. Negative Reaktionen gab es dann leider vor allem auf Online Portalen, wo Typen sich plötzlich nicht mehr treffen wollten, nachdem ich meine Infektion erwähnte, oder Männer, die sich laut eigener Aussage Hals über Kopf in mich verliebt


halle.aidshilfe.de hatten, sich in Sekundenschnelle wieder entliebten, nachdem ich meinen HIV Status zur Sprache brachte. Wie ist deine Meinung über den Schutz durch Therapie? Ich finde es großartig, dass wir in Zeiten leben, in denen HIV soweit therapierbar ist, dass ein postitiver und ein negativer Mensch unter der Nachweisgrenze gemeinsam ungeschützten Sex haben können und eine Infektion (dank Therapie) so gut wie ausgeschlossen ist. Dadurch verlieren wir Positiven auch zunehmend dieses Stigma, dass man keine Beziehung mit uns eingehen könne, weil es zu gefährlich sei. Trotzdem schützt die Therapie nicht vor anderen Krankheiten, aus demselben Grund habe ich auch im Bezug auf die PrEP gemischte Gefühle. Kondome schützen sehr effektiv auch vor HepC und ähnlichem, man muss sie nur benutzen. Was kannst du unseren Klienten der AIDS-Hilfe Halle mit auf den Weg geben? Erlaubt euch selbst, Zeit zu brauchen, um mit der neuen Situation klar zu kommen. Alles wird gut, eine positive Diagnose ist heute kein Todesurteil mehr. Seid ruhig mal eine Weile ganz egoistisch und konzentriert euch darauf, was ihr jetzt braucht, um euch wieder gut zu fühlen. Seht die Infektion als Chance, euer Leben zu überdenken und zu schauen, was euch tatsächlich gut tut und welche Bereiche eures Lebens euch vielleicht nachhaltig unglücklich machen oder frustrieren. Wir alle haben nur dieses eine Leben, ihr schuldet niemandem eine Erklärung dafür, was ihr mit eurem anfangen wollt. Außer euch selbst. Interview im März 2016 von MaFi geführt Fotos: Chipster Boo Infos: barbiebreakout.de

13


Diskriminierung schwuler Männer erhöht HIV-Risiko Diskriminierung schadet der Gesundheit schwuler und bisexueller Männer und erhöht ihr Risiko, sich mit HIV zu infizieren und an Aids zu erkranken. Dies geht aus der Studie „Schwule Männer und HIV/Aids“ (SMHA) hervor, für die der Sozialwissenschaftler Jochen Drewes und der Psychologe Martin Kruspe knapp 17.000 Männer befragt haben. Die Deutsche AIDS-Hilfe hat die Ergebnisse dieses von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geförderten Forschungsprojektes anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) veröffentlicht. Dazu erklärt Ulf Hentschke-Kristal vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: „Die Untersuchung zeigt erstmals in Deutschland deutlich den Zusammenhang zwischen Diskriminierung, psychischen Erkrankungen und HIV-Risiken. Wenn wir über Homophobie sprechen, geht es um Chancengleichheit bei der Gesundheit. Politik und Gesellschaft stehen in der Pflicht, alles für Akzeptanz und Respekt gegenüber sexuellen Minderheiten zu tun, was in ihrer Macht steht.“ Homosexuelle Jugendliche und Männer müssen nach wie vor mit Diskriminierung rechnen. 15% der Studienteilnehmer hatten in den 12 Monaten vor der Befragung verbale oder körperliche Gewalt erfahren. Bei den 16-19-Jährigen waren es sogar 37 Prozent (SMHA, S.105). Die Abwertung, die mit Diskriminierungserfahrungen verbunden ist, wirkt sich negativ auf das Selbstwertgefühl aus. Drei Viertel der Befragten haben negative Einstellungen gegenüber Homosexualität verinnerlicht, mehr als ein Viertel in hohem Ausmaß. Je stärker dies der Fall ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie unter psychischen Problemen wie Depressionen und Angsterkrankungen leiden (S.93). 14

Befragungsteilnehmer mit einer ängstlich-depressiven Symptomatik berichten deutlich häufiger von ungeschütztem Analverkehr als andere (rund 50% gegenüber 40 %, S.142) und informierten sich auch sehr viel seltener über das Thema (S.330). Die psychische Belastung durch Diskriminierung führt außerdem bei nicht wenigen Männern zu Drogenkonsum, der das Schutzverhalten ebenfalls schwächen kann. Zugleich beeinflusst Diskriminierung das Testverhalten: Von den Befragten, die in hohem Maße negative Einstellungen gegenüber ihrer Sexualität verinnerlicht hatten, hatten sich 69% noch nie oder nur vor längerer Zeit testen lassen (im Vergleich zu 54% bei denen mit wenig negativen Einstellungen). Das führt zu unerkannten und damit unbehandelten HIV-Infektionen mit dem Risiko schwerer Erkrankungen bis hin zu Aids. Das Risiko einer ungewollten Weitergabe des Virus wird dadurch ebenfalls erhöht. „Diese Studie unterstreicht, dass man Gesundheit nur ganzheitlich verstehen kann. Die Zahlen belegen eine alte Weisheit der Prävention: Ausgrenzung macht krank. Prävention hingegen muss Menschen stark und selbstbewusst machen!“, sagt Hentschke-Kristal. Quelle: aidshilfe.de/meldung/studie-diskriminierung-schwuler-maenner-erhoeht-hiv-risiko (redaktionell gekürzt)


Alljährlich machen Frauen am 8. März durch Demonstrationen, Kundgebungen oder andere Aktionen auf ihre Benachteiligung im privaten und öffentlichen Leben aufmerksam. Historisch geht dies auf die spontanen Streiks von New Yorker Textilarbeiterinnen im Jahr 1857 zurück, mit denen diese gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen protestierten und den gleichen Lohn wie ihre männlichen Mitarbeiter forderten. Erst die zweite Frauenbewegung der 1960er Jahre führte jedoch dazu, dass die UNO den 8. März ab dem Jahr 1975 offiziell zum Internationalen Frauentag ernannte. Fast 50 % der HIV-Positiven und an AIDS erkrankten Menschen weltweit sind Frauen, in

ternationalen Frauentag zum Anlass, um die Thematik „Frauen und HIV/AIDS“ zu enttabuisieren und HIV-positiven und an AIDS erkrankten Frauen mehr Sichtbarkeit und Solidarität in der Gesellschaft zu verschaffen. Noch immer fühlen sich Frauen maßgeblich für das Wohlergehen ihrer Partner_innen verantwortlich. Aus Angst vor Diskriminierung wird die HIV-Infektion daher oftmals verschwiegen. Kurz- und langfristig ist diese Verheimlichung äußerst belastend. Um auf diese Benachteiligung aufmerksam zu machen, beteiligte sich auch die hallesche Aidshilfe am 08. März 2016 mit einem Aktionsstand auf dem Marktplatz an einer öffentlichkeitswirksamen Gemeinschaftsaktion.

Deutschland selbst sind es etwa 20%. Daher machte sich die Deutsche AIDS-Hilfe den In-

halle.aidshilfe.de

Internationaler Frauentag

Autorin: SvWa

Fortbildung im Universitätsklinikum In Kooperation mit dem Universitätsklinikum findet seit Anfang 2016 eine Veranstaltungsreihe zur HIV-bezogenen Diskriminierung statt. Etwa einmal monatlich referieren der Berater Denis Leutloff und die Sozialarbeiterin Katharina Janko von der Aidshilfe Halle und Julia Franke, Belegungsmanagerin der Universitätsklinik, vor Personal des Klinikums. Dank der Unterstützung des Pharmaunternehmens MSD ist es zudem möglich, fachkundige Referent_innen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens für einzelne Veranstaltungen zu gewinnen. Neben dem Pflegepersonal und den Ärzt_innen finden auch Weiterbildungen für Mitarbeiter_innen des Belegungsmanagements sowie Sozialarbeiter_innen statt. Auf dem Plan stehen dabei Themengebiete wie Übertragungswege und Behandlungsmöglichkeiten von HIV, sowie Stigmatisierung und Benachteiligung

hauspersonals bezüglich HIV/AIDS entgegen-

HIV-Positiver im medizinischen Bereich. Zu-

zuwirken und so die Diskriminierung von Pa-

dem werden wichtige Hinweise zu Hygiene-

tient_innen zu verhindern.

maßnahmen und dem Umgang mit Erkrankten gegeben. Ziel der Veranstaltungsreihe ist

Autor: DeLe

es, den Mythen und Ängsten des Kranken-

Foto: AHH

15


Beratungsangebot in Naumburg

Die Aidshilfe Halle erweitert ihr Beratungsangebot ab sofort auch auf den Bereich Naumburg/Saale. In Kooperation mit der Naumburger Gleichstellungsbeauftragten Frau Schickor entstand eine Nebenstelle, in der erstmalig am 25.02.2016 eine Beratungsstunde angeboten wurde. Alle vier Wochen im Zeitraum von 15 bis 18 Uhr wird diese Be-

ratungsstunde am Markt 12, Raum 305 wiederholt und bietet den Naumburger_innen so die Möglichkeit, in privater Atmosphäre auf Verständnis zu stoßen und bezüglich HIV und AIDS beraten zu werden. Autorin: PeBe Foto: AHH

Präventionsarbeit an lokalen Schulen Einer der Schwerpunkte der Aidshilfe Halle ist die Arbeit mit Jugendlichen. Der Fachbereich Primärprävention mit der dazugehörigen Ehrenamtsgruppe YoungStars führt regelmäßige Veranstaltungen an Schulen, in Jugendclubs oder in anderen Einrichtungen der Jugendhilfe und -bildung durch. Vor allem vor den Schulferien und um den Welt-Aids-Tag sind unsere Angebote sehr gefragt.

16

Die Inhalte der Veranstaltungen passen wir stets den jeweiligen Zielgruppen entsprechend an, mit dem Ziel die Jugendlichen auf dem Weg ihrer eigenen, individuellen Sexualität zu unterstützen und sie dazu zu befähigen, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst ihre Sexualität leben zu können. Vor allem der Aspekt der sexuellen Gesundheitsförderung steht im Mittelpunkt unserer Bemühungen vor Ort. Dies bedeutet, dass wir zielgruppenspezifische Methoden anwenden, um Wissen über HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) zu vermit-

teln. Doch nicht nur das Wissen darüber, sondern beispielsweise auch die Fähigkeit über Safer Sex und Sexualität zu kommunizieren, möchten wir fördern. Neben der individuellen Gesundheitsförderung kommt die Antidiskriminierungsarbeit nicht zu kurz, denn wir sprechen über unsere Zielgruppen oder über Menschen, die HIV-positiv sind, legen Diskriminierungsmechanismen offen und sensibilisieren Jugendliche dahingehend, eigene Vorurteile und Ausgrenzungsmuster zu erkennen und zu verändern. Unsere Präventionsangebote für diesen Bereich können das ganze Jahr über gebucht werden und sind auch Lehrer_innen und Eltern zugänglich. Wir stehen jederzeit Projektanmeldungen sowie anderen offen Fragen zur Verfügung und freuen uns über weitere Angebote, die wir gemeinsam mit Euch durchführen können. Autorin: KaJa


Nacht der Solidarität „Ein Ende von Aids ist möglich, wenn…“ – Mit diesem Motto rief das Aktionsbündnis gegen AIDS dieses Jahr zur Nacht der Solidarität auf. Dieses fordert von Deutschland einen angemessenen Beitrag zur Bewältigung von HIV und AIDS. Ziel soll sein, allen Menschen den Zugang zur Prävention, Behandlung, Betreuung und Pflege möglich zu machen. Auch der Diskriminierung von Menschen, die einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind, soll entgegengewirkt werden, um beispielsweise aus Vermeidungsstrategien, wie die Vermeidung des Tests aus Scham, ausbrechen zu können. Die Aidshilfe Halle war dieses Jahr auf dem Universitätsplatz präsent, wo sie ihre Solidarität für die Menschen, die von HIV und Aids betroffen sind, symbolisch durch eine große rote Stoffschleife und Kerzenlicht darstellte. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit erweckte dieses Bild einen „beeindruckenden Anblick“, so eine Besucherin unserer Veranstaltung. Musikalisch untermalt wurde die Aktion durch den Chor Miss Klang, der mit viel Motivation und Engage-

ment den Abend begleitete. Interessierte konnten zudem bei unserem Gewinnspiel ihr Wissen testen und attraktive Preise, wie z.B. Gutscheine von The Light Cinema und vom Bioladen am Reileck gewinnen. Danke an alle Helfer_innen und Unterstützer_ innen, ohne die die Umsetzung so nicht funktioniert hätte! Wir freuen uns, weiterhin gemeinsame Aktionen mit Euch planen zu dürfen! Autorin: KaJa Foto: AHH

Aidshilfe Halle als Antidiskriminierungsstelle HIV-positive Menschen sind in wesentlichen Lebensbereichen einem erhöhten Risiko ausgesetzt, aufgrund ihrer HIV-Infektion diskriminiert zu werden. Benachteiligung und Stigmatisierung im Gesundheitswesen (bspw. Verweigerung der Behandlung, letzter Termin in zahnärztlichen Praxen, usw.), am Arbeitsplatz (bspw. Zwang zum HIV-Test, unrechtmäßige Kündigungen, usw.) oder in der Freizeit (bspw. Zurückweisungen, Anfeindungen, Fremdoutings als HIV-positiv, usw.) gehören daher für viele Betroffene nach wie vor zu ihrem Alltag. Die hallesche Aidshilfe ist nicht nur für die gesundheitsbezogene Prävention, Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV zuständig. Da sich fortwährende Diskriminierungserfahrungen belastend auf das Selbstwertgefühl, die Lebensqualität wie das gesundheitliche Wohlbefinden auswirken, sehen wir als Selbsthilfeverein und Interessensvertretung es auch als

unsere Aufgabe an, uns gegen HIV-bezogene Diskriminierung stark zu machen. Wir sind daher ein kompetenter Ansprechpartner in Diskriminierungsfällen. In enger Zusammenarbeit mit der „Kontaktstelle HIV-bezogene Diskriminierung“ der Deutschen AIDS-Hilfe bieten wir Unterstützung und stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn sich Betroffene gegen erlebte Benachteiligung zur Wehr zu setzen wollen. Hierzu informieren und beraten wir über bestehende Beschwerde- und Klagemöglichkeiten und begleiten Ratsuchende während des gesamten Beschwerdeverfahrens. Wenn Du aufgrund deines HIV-Status konkret benachteiligt wirst und dies nicht mehr einfach so hinnehmen möchtest, bist Du bei uns an der richtigen Adresse! Autorin: MaTh E-Mail: antidiskriminierung@halle.aidshilfe.de

17


Der Alltag als Buddy

18

Ziel des bundesweiten Buddy-Projekts „Sprungbrett“ der Deutschen AIDS-Hilfe ist es, Frauen und Männer, die schon länger mit HIV leben, an Menschen zu vermitteln, die gerade erst eine HIV-Diagnose erhalten haben. Durch den persönlichen Erfahrungsaustausch und die Begleitung im Alltag soll diesen so ein realistisches und authentisches Bild eines Lebens mit dem HI-Virus nähergebracht und damit Unterstützung bei alltäglichen Fragen und Problemen geboten werden. Im Folgenden berichtet Tobias, der nun schon länger dabei ist, aus seinem Alltag als Buddy.

Was hat dich dazu bewogen mitzumachen? Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Geschichte mit HIV. Ich habe mal zurück geschaut, wie es mir ging, in den ersten Tagen und Wochen mit der Diagnose. Zum Glück stand ich nicht alleine da mit der neuen Situation. Aber das war wirklich Glück. Wie wäre es gewesen, niemanden gehabt zu haben, dem ich mich anvertrauen kann, der mir zeigen kann, wie es sich mit HIV durchaus gut leben kann? Der Gedanke hat mich bedrückt. Niemand sollte alleine in die Welt hinausgehen müssen, wenn er die Diagnose HIV+ bekommt.

Wie bist du auf das Buddy-Projekt aufmerksam geworden? Ein guter Freund hat mir berichtet, dass er jetzt Buddy sei. Ich kannte Das Projekt gar nicht, habe es mir erklären lassen. Die Idee, die hinter dem Projekt steht aber auch die Schulungsinhalte haben mich dann innerhalb ganz weniger Tage den Entschluss fassen lassen, auch Buddy zu werden.

In wie weit belasten dich, die Anfragen des Ratsuchenden? Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass das Thema HIV nur ein Bruchteil von dem ist, was den Ratsuchenden in seiner aktuellen Situation bewegt. Sicherlich, es ist der Aufhänger, der Grund für das Treffen. Aber im Gespräch zeigt sich oft, dass diese neue Lebenssituation noch viele andere „Baustellen“ oder belastende Situationen, unabhän-


Hilft auch dir, das Buddy-Projekt beim Umgang mit deiner HIV Infektion? Meine HI-Infektion habe ich inzwischen sehr gut in mein Leben integrieren können. Es ist ein Teil von mir, es gehört zu mir. Ändern kann ich es nicht, wieso nicht auch die Diagnose annehmen und MIT ihr Leben und nicht gegen sie?! Was hat dir im Umgang mit HIV geholfen, so dass du heute so gestärkt bist, dass du andere unterstützen kannst? Ein hohes Maß an Akzeptanz im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis. Das habe ich als wirklich wertvoll und hilfreich empfunden. Nicht zuletzt aber auch mein stabiler und guter Gesundheitszustand sowie die Fähigkeit, mir selber ehrlich und freundschaftlich zu begegnen. Das ist wirklich ein großes Geschenk.

Was sind die ersten Schritte, die du mit einem Ratsuchenden in Angriff nimmst? Ihn in seiner ihn belastenden Situation wahrnehmen, verstehen und ihm zuhören. Das, denke ich, ist das wichtigste. Alles muss mal raus. Dann klärt sich vielleicht schon der Blick des Ratsuchenden und konkrete Problemfelder können angesprochen werden. Gemeinsam schauen wir dann, wie die nächsten Schritte im neuen positiven Leben aussehen könnten. Wird konkrete Hilfeleistung (Rechtsbeistand, psychosoziale Begleitung etc.) benötigt, kann ich an gute, vertrauenswürde Stellen weiter verweisen. Alleine muss der Ratsuchende seine ersten Schritte so oder so auf keinen Fall gehen.

halle.aidshilfe.de

gig von der Diagnose, an Bedeutung gewinnen lässt. Die Diagnose öffnet manchmal nur eine Tür zu ganz anderen Problemen. Da wird schon ein großer Teil Lebensgeschichte auf den Tisch „gepackt“, was für mich nicht immer leicht zu verdauen ist. Da ich jedoch all dies gut für mich annehmen kann, belastet es mich nicht wirklich. Eine gesunde Distanz trotz menschlicher Nähe ist dabei allerdings wichtig und entscheidend.

Hast du im Buddy-Projekt auch schon negative Erfahrungen machen müssen? Bisher nicht. Ich bin mir sicher, dass wird eines Tages auch mal passieren. Aber ich denke, auch in so einer Situation so handeln zu können, dass sie zu einem annehmbaren Schluss gebracht werden kann. Angenehme und interessante Erfahrungen, wie ich sie bisher machen durfte, sind mir aber auf jeden Fall lieber. Interview geführt von DeLe E-Mail: sprungbrett@halle.aidshilfe.de

19


Schutz durch Therapie

Mit ihrer Verlautbarung über die Nichtinfektiösität HIV-positiver Menschen unter bestimmten Voraussetzungen stieß die EKAF (Eidgenössische Kommission für AIDS) 2008 eine hitzige Debatte an, die bis heute andauert. Nach wie vor bestehen viele Unsicherheiten zum sogenannten „Schutz durch Therapie“. Dabei lassen sich viele Unklarheiten ausräumen und berechtigte Fragen beantworten. Im Folgenden möchten wir über Wirksamkeit, Voraussetzungen und Restrisiken informieren. Wie funktioniert der Schutz durch Therapie, also durch HIV-Medikamente? Die HIV-Medikamente verhindern im Körper eines HIV-positiven Menschen die Vermehrung des Virus. Nach einiger Zeit ist bei einer gut wirksamen Therapie im Blut kein HIV mehr nachweisbar. Man spricht dann von einer „Viruslast unter der Nachweisgrenze“. Kurz darauf sind dann auch in Sperma, der Scheidenflüssigkeit, in anderen Körperflüssigkeiten und in den Schleimhäuten keine oder nur noch sehr wenige HI-Viren nachweisbar. Eine Übertragung von HIV auf Sex-Partnerinnen und -Partner ist dann extrem unwahrscheinlich. Wie sicher ist der Schutz durch Medikamente und wie groß ist das Restrisiko? Studien haben ergeben, dass eine gut wirksame HIV-Therapie mindestens genauso zuverlässig vor der Übertragung von HIV schützt wie Kondome. In diesem Fall ist also auch Sex ohne Kondom Safer Sex. Absolute Sicherheit gibt es in beiden Fällen nicht, denn auch beim Kondomgebrauch kann etwas schief gehen. Aber beide Methoden haben eine sehr hohe Schutzwirkung. Das Restrisiko ist schwer zu beziffern, auf jeden Fall aber sehr gering. Weltweit ist bisher nur ein Fall wissenschaftlich dokumentiert, in dem HIV trotz wirksamer Therapie übertragen wurde. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Die Viruslast muss seit mindestens einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze liegen und der oder die HIV-Positive muss die Medikamente regelmäßig einnehmen. Ob die Bedingungen erfüllt sind, muss alle drei Monate durch Bluttests in einer auf HIV spezialisierten Praxis oder Ambulanz überprüft werden. Die Wirksamkeit

20 Foto: Andreas Schöttke


Erhöhen andere sexuell übertragbare Infektionen das Risiko eine HIV-Infektion? Oft ist zu hören, dass Schutz durch Therapie nur dann funktioniere, wenn keine anderen sexuell übertragbaren Infektionen vorliegen. Davon sind Experten auch lange ausgegangen. Generell erhöhen sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Tripper oder Chlamydien das Risiko der HIV-Übertragung erheblich. Mittlerweile zeichnet sich in Studien aber immer mehr ab, dass dies angesichts einer gut wirksamen HIV-Therapie nur wenig Einfluss auf das Übertragungsrisiko hat. Das Restrisiko erhöht sich nur minimal. Besteht ein erhöhtes Infektions-Risiko mit HIV, wenn der oder die HIV-Negative eine andere sexuell übertragbare Infektion hat? Prinzipiell stimmt das. Die Infektionswahrscheinlichkeit steigt dann erheblich. Relevant ist dies, wenn Sex mit einer Person stattfindet, deren Körperflüssigkeiten infektiös sind, also eine hohe Menge an HI-Viren enthalten. Bei einem Partner mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze ist die höhere Anfälligkeit kaum von Bedeutung.

Das Entscheidende ist hier, zu wissen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. HIV-Positive Menschen können diese Fragen gemeinsam mit ihrem Arzt klären. HIV-Negative und Ungetestete müssen darüber mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin reden und sind darauf angewiesen zu vertrauen. Ob ein entsprechendes Vertrauensverhältnis besteht, muss jeder Mensch im Einzelfall für sich entscheiden. Bei flüchtigen sexuellen Begegnungen ist das sicher meist schwierig, bei engeren Bindungen ist es eher möglich.

halle.aidshilfe.de

der Therapien kann nachlassen, wenn die Medikamente nicht regelmäßig genommen werden. Dies kann auch aus anderen Gründen der Fall sein. Deswegen sind regelmäßige Kontrollen der Viruslast wichtig, in der Regel einmal pro Quartal.

Fazit: Die wenigsten Menschen möchten ihr Leben lang Kondome benutzen. Dass unter einer Therapie HIV nicht mehr übertragbar ist, eröffnet zudem vielen Paaren die Möglichkeit zu einem freieren Sexualleben – bis hin zur Zeugung von Kindern. Das Restrisiko ist so gering, dass es vernachlässigt werden kann – wenn alle Beteiligten sich wohl mit der gemeinsamen Entscheidung fühlen. Auch in anderen Bereichen des Lebens, zum Beispiel im Straßenverkehr oder beim Sport, akzeptieren wir alle Restrisiken. Die Entscheidung über den Umgang mit diesen Risiken muss jeder Mensch selbst treffen. Dabei ist nichts so wichtig wie solide Informationen. Nur wer gut Bescheid weiß, kann eine aufgeklärte und selbstbestimmte Entscheidung treffen. Quelle: ahnrw.de/aidshilfe-nrw/front_content.php?idcat=2045

Was ist, wenn der oder die HIV-Positive die Medikamente manchmal zu spät einnimmt oder einmal vergisst? Die Einnahme muss nicht minutengenau erfolgen, sondern verträgt durchaus gewisse Abweichungen vom Zeitplan. Wenn einzelne Einnahmen verzögert erfolgen oder vergessen werden, gefährdet das nicht gleich den Therapieerfolg und es entsteht auch kein höheres Übertragungsrisiko. Vergisst man die Einnahme aber häufiger, kann die Viruslast wieder steigen – und damit das Übertragungsrisiko. Im Zweifel sollte man darüber mit dem behandelnden Arzt sprechen. Kann ich mich wirklich sicher fühlen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind?

21


GROSSE FREIHEIT liebe.lust.leben.

Vom 15. bis zum 20. August findet die interaktive Ausstellung „GROßE FREIHEIT – liebe. lust.leben“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Dessau-Roßlau statt. Bei dieser Informationsveranstaltung rund um Sexualität und Gesundheit stehen insbesondere die Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) im Vordergrund. Während heutzutage den meisten Menschen HIV und AIDS ein Begriff ist, herrscht beim Thema STI leider noch immer große Unwissenheit vor. Syphilis, Chlamydien, Hepatitis B und C, Herpes genitalis oder Trichomonaden sind für viele nach wie vor Fremdwörter. Dabei können STI nicht nur das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen, sondern unentdeckt und unbehandelt die Gesundheit einer infizierten Person in hohem Maße schädigen.

22

So werden Themen wie die verschiedenen Aspekte von Sexualität, unterschiedliche sexuelle Verhaltensweisen und mögliche Ansteckungsrisiken beim Geschlechtsverkehr Teil

der Ausstellung sein. Die Darstellung des alltäglichen Lebens von acht fiktiven Protagonisten soll den Besucher_Innen ermöglichen, die erwähnten Themen multiperspektivisch zu betrachten, sodass auch Parallelen zum eigenen Leben gezogen werden können. Eine besonders wichtige Rolle innerhalb des Ausstellungskonzeptes nehmen dabei die örtlichen Fach- und Beratungsstellen zur HIVund STI-Prävention ein, die gemeinsam mit dem BZgA-Team den Besucher_innen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch die Aidshilfe Halle wird sich an der Durchführung dieser Veranstaltung beteiligen. Die Ausstellung ist kostenfrei und richtet sich an Jugendliche und Erwachsene ab 14 Jahren.

Mehr Informationen zur Veranstaltung unter: www.grosse-freiheit.de 15.–20. August 2016 Dessau-Roßlau, Zerbster Straße Süd/Markt Am Eröffnungstag: 14:00 bis 20:00 Uhr Alle weiteren Tage: 9:00 bis 20:00 Uhr Autorin: JuOs


Ich arbeite seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Aidshilfe Halle und habe mich in der Zeit zum Berater qualifiziert. Nachdem ich nun schon mehrere Jahre bei der Testberatung mitgemacht habe, wurde ich im vorigen Jahr gefragt, ob ich mir vorstellen könnte mit in die Onlineberatung einzusteigen. Ja klar konnte ich mir das vorstellen. Mir war allerdings nicht ganz bewusst, dass die Weiterbildung dahin dann doch ziemlich zeitaufwendig sein würde. Alles in Allem ging die Ausbildung über neun Monate. Aber es hat sich gelohnt. Nach drei Vor-Ort-Phasen in Hagen, mehreren Chats und vielen Hausaufgaben später, kann ich sagen, dass ich nicht nur viele interessante Leute kennengelernt habe, sondern dass ich wieder sehr viel Neues gelernt habe. Die Teilnehmer_innen der Schulung sind aus verschiedenen Bereichen zusammengekommen. Lediglich drei sind aus diversen Aidshilfen. Die anderen Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen, welche sich mit dem Thema Onlineberatung auseinandersetzen. Da wären zum Beispiel, eine Trauerberaterin, welche Jugendgruppen betreut, ein Pfarrer der „Chef“ der Telefonseelsorge ist und nun dieses auch als Onlineberatung anbieten möchte, jemand der als Selbstständiger Krisenberatung bei Ärzte ohne Grenzen macht und und und. Lauter spannende Menschen mit spannenden Geschichten. Die Mails mit und an denen wir lernen sollten, kamen aus dem Bereich der Telefonseelsorge/ Onlineberatung. Das war oft nicht einfach. Das ging mitunter schon sehr unter die Haut. Da reichte die Themenpalette vom Liebeskummer über psychische Störungen bis zur Androhung von Suizid. Manchmal fühlte ich mich beim ersten Lesen schon überfordert und es ging erst mit etwas zeitlichen Abstand weiter. Aber auch damit muss man umgehen lernen. Für mich war auch der Umgang miteinander in einem Chat ganz neu. Da auch die Onlineberatung über die Möglichkeit der Chatberatung verfügt, war auch das eine anspruchsvolle Erfahrung, sich daran zu versu-

chen. Eine unserer Hausaufgaben war, sich selber online zu einem selbst gewählten Thema beraten zu lassen. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Wie erlebt man so etwas „auf der anderen Seite“? Wie ist es sein eigenes Problem in Wort zu fassen? Gar nicht so einfach habe ich festgestellt.

halle.aidshilfe.de

Onlineberatung im Ehrenamt

Im April werde ich nun diese Weiterbildung mit einem Zertifikat beenden. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich mich darauf eingelassen hätte, wenn ich vorher gewusst hätte was da an zeitlichen Aufwand, aber vor allem emotional auf mich zukommt. Aber ich bin wirklich froh, es gemacht zu haben. Jede Minute war es wert. Im Moment bin ich in der Probephase bei der Onlineberatung hier in der Aidshilfe und ich freue mich wirklich auf das neue (zusätzliche) Aufgabengebiet.

Autorin: InWi Foto: AHH Infos: aidshilfe-beratung.de E-Mail: freiwillige@halle.aidshilfe.de

23


Bericht zum Praktikum in der Aidshilfe Hast du dich schon mit dem Dj in Kontakt gesetzt?

Ich bin gerade noch mit dem Cover beschäftigt!

Wir brauchen dringend eine Antwort bezüglich Location!

Die Blätter wehen durch das Zimmer, Ideen fliegen durch die Luft, die Tastaturen klirren, der Kaffee kocht und mittendrin sind wir, Martin und Caro. Für unser Praktikum haben wir ein eigenes Zimmer bekommen, indem wir täglich mit allen möglichen Aufgaben beschäftigt sind und neue Konzepte entwickeln.

24

Eigentlich wurden wir in spezielle Bereiche eingeteilt, in Redaktion oder Primärprävention, tauchen aber wegen der fließenden Übergänge überall mit ein und können unserer Inspiration freien Lauf lassen, unsere Meinung laut sagen. Denn unter den Angestellten und den Ehrenämtler_innen besteht ein familiäres Miteinander, an dem wir direkt teilha-

ben konnten. Der Tages- bzw. Wochenplan wird beim gemeinsamen Zusammensitzen im Gruppenraum besprochen, neue Ideen werden vorgeschlagen und diskutiert, Informationen ausgetauscht und Veranstaltungshinweise kundgetan. Da man von Beginn an für gewisse Projekte/Aufgaben die Verantwortung übernehmen durfte, fühlte man sich als vollwertiges Mitglied. Wir spielen beide mit dem Gedanken, die Arbeit hier als Ehrenamtliche fortzuführen und weiter dabei zu bleiben. Autor_innen: MaFi, CaKl Foto: AHH E-Mail: freiwillige@halle.aidshilfe.de


Nachrufe Wir nehmen Abschied von

Thomas K. * 21.03.1963

† 15.02.2016

Ein Kämpfer, der immer Hoffnung hatte und es am Ende leider nicht schaffte.

Yvonne Deparade * 17.11.1953

† 05.05.2016

Mit Betroffenheit und Trauer haben wir die Nachricht aufgenommen, dass unsere langjährige Freundin plötzlich und unerwartet, für uns alle unfassbar, verstorben ist.

Wir werden Thomas und Yvonne in bleibender Erinnerung behalten. Vorstand, Mitglieder und Mitarbeiter_innen der AIDS-Hilfe Halle/Sachsen-Anhalt Süd e.V.

MSD ist ein weltweit führendes Gesundheitsunternehmen, das die Menschen und ihr Wohlbefinden in den Mittel­ punkt stellt.

Mehr als Medikamente. Es geht um Gesundheit. Im Mittelpunkt stehen die

Seit über 150 Jahren haben wir eine Mission: Unser Ziel ist die Entwicklung von innovativen Medikamenten in vielen verschiedenen Bereichen. Durch Informationen unterstützen wir Patienten und Betroffene im Umgang mit ihrer Erkrankung und durch nachhaltige Förder­ programme übernehmen wir Verantwortung für einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung weltweit.

www.msd.de | www.univadis.de MSD Sharp & DohMe GMBh Lindenplatz 1, 85540 haar, Tel. 0800 673 673 673, Fax 0800 673 673 329 Corp-1090108-0003 07/13

Weitere Informationen finden Sie unter www.msd.de 25


Veranstaltungskalender Juli 2016 – September 2016 JULI Do., 14. Juli, 18 Uhr Red.Aktionssitzung Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG) Mi., 20. Juli, 18 Uhr Gesundheitstraining Wir experimentieren im Kochtopf mit allerlei verschiedenen Zutaten, um kreative Köstlichkeiten zu kreieren. Das Ganze wir mit einigen interessanten Informationen gespickt. Unkostenbeitrag : 4,00€ Anmeldung unter: gesundheitstraining@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Di., 26. Juli, 19 Uhr Überraschungsvideo Ein gemütlicher Filmabend nicht nur für schwule Männer! Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Sa., 30. Juli – So., 31. Juli, 12 – 12 Uhr Präventionsaktion bei Gaystrandet Ort: Halle (Saale), Angersdorfer Teiche Do., 07. Juli und 21. Juli, 18 – 20 Uhr HIV-und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) AUGUST Mo., 15. August – 20. August, 9 – 20 Uhr GROSSE FREIHEIT – Erlebnisausstellung Ort: Dessau-Roßlau, Marktplatz/ Zerbster Straße

Mo., 15. August, 18 Uhr Großes Ehrenamtstreffen Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG)

Sa., 10. September, 11 – 18 Uhr CSD-Straßenfest Ort: Marktplatz

Di., 16. August, 18 Uhr Positiventreffen Positiv, was nun? Gesprächsrunde für neue und gestandene positiv getestete Menschen. Information und Erfahrungsaustausch. Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

Sa., 10. September, 22 Uhr CSD-Abschlussveranstaltung Ort: N.N.

Mi., 17. August, 18 Uhr Gesundheitstraining Wir experimentieren im Kochtopf mit allerlei verschiedenen Zutaten, um kreative Köstlichkeiten zu kreieren. Das Ganze wir mit einigen interessanten Informationen gespickt. Unkostenbeitrag : 4,00€ Anmeldung: gesundheitstraining@ halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

Di., 30. August, 19 Uhr Überraschungsvideo Ein gemütlicher Filmabend nicht nur für schwule Männer! Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Do., 04. August, 18. August, 18 – 20 Uhr HIV-und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG) SEPTEMBER Mi., 07. September, 18 Uhr Themenabend zum CSD Ort: Seminarraum der Aidshilfe (EG)

26

Mi., 14. September, 14 – 15 Uhr Weiterbildung im UKH Themen sind aktueller Wissensstand HIV heute, Leben mit HIV und Diskriminierung im Gesundheitswesen Ort: Universitätsklinikum Halle (Saale), Ernst-Grube-Straße 40 Di., 20. September, 18 Uhr Positiventreffen Positiv, was nun? Gesprächsrunde für neue und gestandene positiv getestete Menschen. Information und Erfahrungsaustausch. Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Mi., 21. September, 18 Uhr Gesundheitstraining Wir experimentieren im Kochtopf mit allerlei verschiedenen Zutaten, um kreative Köstlichkeiten zu kreieren. Das Ganze wir mit einigen interessanten Informationen gespickt. Unkostenbeitrag : 4,00€ Anmeldung unter: gesundheitstraining@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG) Di., 27. September, 19 Uhr Überraschungsvideo Ein gemütlicher Filmabend nicht nur für schwule Männer! Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)


Do., 01. September, 15. September, 18 – 20 Uhr HIV-und Syphilis-Schnelltest Ort: Beratungsstelle der Aidshilfe (1.OG)

AUSBLICK - NOVEMBER Sa., 26. Nov. – So., 27. Nov. 4. Mitteldeutsches Positiventreffen Anmeldung: positivleben@halle.aidshilfe.de Ort: Infothek der Aidshilfe (EG)

Gartenweg 32 06179 Teutschenthal OT Zscherben Tel.: 0345 - 690 29 56 Fax: 0345 - 977 28 37

Impressum AIDS-Hilfe Halle / Sachsen-Anhalt Süd e.V. Böllberger Weg 189, 06110 Halle (Saale) Geschäftsführung: Petra Becker Telefon: 0345 – 58 21 271 Fax: 0345 – 58 21 273 Email Redaktion: red.aktion@halle.aidshilfe.de Fotografie: Chipster Boo, Andreas Schöttke, DAH, AHH, Lightspring / Shutterstock Titelbild: Chipster Boo

Autoren: Petra Becker, Denis Leutloff, Philipp Pieloth, Katharina Janko, Martin Thiele, Martin Fischer, Carolin Klinkhammer, Julia Ostertag, Svenja Walter, Ines Winkler Quellen: DAH, Wittenberger Sonntag , AH NRW Alle Inhalte dieses Magazins unterliegen dem Urheberrecht. Eine Weiterverwendung, auch auszugsweise, bedarf der schriftlichen Genehmigung durch den Verein. Genehmigungen können jederzeit widerrufen werden. Die Nennung und Abbildung von Personen in diesem Magazin lässt nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf ihren HIV-Status und/oder deren sexuelle Orientierung zu. Abgebildete Personen können Models und nicht die im Beitrag genannten Personen sein.

„Red.“ ist ein ehrenamtliches Projekt der AIDS-Hilfe Halle /Sachsen-Anhalt Süd e.V. und finanziert sich durch Anzeigeschaltungen selbst. Spenden sind möglich und steuerabzugsfähig. Anzeigelayout: Deutsche AIDS-Hilfe / IWWIT, MSD Sharp & Dohme GmbH, Mirko Riesche, Marcus Hamel Anzeigeleitung: red.anzeigen@halle.aidshilfe.de Magazinlayout: Marcus Hamel www.marcushamel.com

27


Profile for AIDS-Hilfe Halle

red.15  

red.15  

Advertisement