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und die Verarmung immer breiterer Schichten zu verhindern. Wer rettet also wen? Die Reichen die Armen? Die Troika die europäischen Staaten? Die Politiker den Euro? Die Rettungsschirme Europa? Oder die Steuerzahler die Banken? Die erhellende toppaktuelle Filmdoku von Leslie Franke und Herdolor Lorenz beleuchtet die fatalen Folgen der Bankenrettung nach der globalen Finanzkrise von 2008 und stellt den Sinn der Rettungsschirme infrage. Im Anschluss laden die Veranstalter zu einer offenen Diskussion zu Griechenland und Bankenkrise mit Aktivisten und Engagierten ein. Ort: Veranstalter: Kontakt:

einewelt haus Magdeburg, Schellingstraße 3-4, 39104 Magdeburg attac Ortsgruppe Magdeburg Konstantin Müller, E-Mail: konstantin.mueller@email.de

Dienstag, 29. September, 15.30-18.00 Uhr

MD-Geocaching-Stadt-Safari Beschreibung und Kontakt siehe 22. September

Mittwoch, 30. September, 14.00-18.00 Uhr

Bewusst spazieren und konsumieren Globalisierungskritischer Spaziergang durch Magdeburgs City Der Spaziergang dient der alltagsnahen Auseinandersetzung mit den Themen verantwortungsbewusste Beschaffung und Ernährung und veranschaulicht alternative Konsumoptionen in den Lebensbereichen Essen, Kleidung und Elektronikartikeln wie Handys und Smartphones. Orte alternativer Konsum- und Beschaffungsmöglichkeiten werden besucht, vorgestellt und thematisiert. Der Spaziergang endet mit einer leckeren Schokoladen- oder Kaffeeverkostung im einewelt haus. Der Globalisierungskritische Spaziergang ist ein Beitrag im Rahmen des Europäischen Jahres für Entwicklung, koordiniert durch das Eine-Welt-Netzwerk Sachsen-Anhalt und gefördert durch Engagement Global, das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt und das Sozial- und Wohnungsamt der Stadt Magdeburg. Da die Teilnehmer_innenzahl begrenzt ist, wird um eine vorherige Anmeldung gebeten. Ort: Veranstalter: Anmeldung:

Magdeburger City, Treff Teufelsbrunnen, Leiterstraße, 39104 Magdeburg Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. & Weltladen Magdeburg / Magletan e.V. Manja Lorenz, E-Mail: ewh@agsa.de, Tel. 0391-5371-207

Donnerstag, 01. Oktober, 13.00-16.00 Uhr

Kurzfilme für Toleranz und Verständigung

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen preisgekrönte Kinderkurzfilme, die auf Filmfestivals liefen. Die Kurzfilme „Lämmer“, „Das Mädchen Gori“, „Bhavi“ u.a. thematisieren das Anderssein, Ausgrenzung, Zusammenleben von Kindern unterschiedlicher Kulturen und Nationen sowie Mobbing und Freundschaft. Die

Kinder werden durch den Einsatz unterschiedlichster Methoden dazu angeregt, sich mit den Themen und Inhalten auseinanderzusetzen. Ort: Veranstalter: Kontakt:

Kinderförderwerk – integrativer Hort Hopfengarten, Am Hopfengarten 6, 39120 Magdeburg LAG Jugend u. Film ST e.V. Juliane Epp, E-Mail: julianeepp@web.de, Tel.: 0176-20419704

Donnerstag, 01. bis Samstag, 3. Oktober

Multimediale Interaktion zu den Themen Asyl-Flucht-Rassismus

„DIE WÄHLERISCHEN“ ist ein journalistischer Webblog, in dem die Leser selbst über die Themen mitbestimmen können, neue Diskussionen starten und in Offline-Aktionen partizipieren können. Zum Thema Asyl-Flucht-Rassismus sind im vergangenen Semester mit Artikeln, Storytellings und Filmbeiträgen viele Medienprodukte entstanden, die in einer transmedialen Ausstellung präsentiert werden. 1. Oktober 14 - 16 Uhr - Sind wir als Ansprechpartner auf unserer Ausstellung vor Ort. Die Leute können uns Fragen zu den Wählerischen, der Arbeit im Web und den Artikeln stellen. 16 - 19 Uhr - Medienworkshop - Basics für Crossmediale (Foto, Video, Text, Audio) Arbeit im Netz. Wie erstelle ich eine Internetseite? Wie nutze ich die sozial-media Kanäle? Wie sorge ich dafür, dass Leser nicht sofort abspringen? 2. Oktober 14 - 16 Uhr - Sind wir als Ansprechpartner auf unserer Ausstellung vor Ort. Die Leute können uns Fragen zu den Wählerischen, der Arbeit im Web und den Artikeln stellen. 16 - 19 Uhr - offene Gesprächsrunde mit eingeladenen Medienvertretern zum Thema: „ Öffentliche Berichterstattung zu den Themen Asyl & Flucht“. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen sich an der Diskussion, die von uns moderiert wird, zu beteiligen. 3. Oktober: 14 - 16 Uhr - Sind wir als Ansprechpartner auf unserer Ausstellung vor Ort. Die Leute können uns Fragen zu den Wählerischen, der Arbeit im Web und den Artikeln stellen. 16 - 19 Uhr - Medienworkshop - Basics für Crossmediale (Foto, Video, Text, Audio) Arbeit im Netz. (Wie oben) Ort: Veranstalter: Kontakt:

einewelt haus Magdeburg, Schellingstraße 3-4, 39104 Magdeburg Projekt „DIE WÄHLERISCHEN“ vom Studiengang Journalistik- & Medienmanage ment der Hochschule Magdeburg-Stendal Andreas Bales, E-Mail: Andreas.Bales@ student.km.hs-magdeburg.de

Freitag, 02. Oktober, 09.30-16.00 Uhr

Engagiert für Flüchtlinge Willkommenskultur in Sachsen Anhalt

Landesweite Fachkonferenz zum Tag des Flüchtlings in der IKW Mit dem Ziel einer lebendigen Willkommenskultur engagieren sich in Sachsen-Anhalt zahlreiche Bürgerinnen und Bürger für Geflüchtete. Hauptanliegen der Fachkonferenz ist es, dieses wichtige gesellschaftliche Engagement zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft werden ebenso anwesend sein wie haupt- und ehrenamtlich Engagierte aus den zahlreichen Willkommensinitiativen, Partnerschaften für Demokratie, Migrantenorganisationen und Trägern der Integrationsarbeit. Der Fachtag „Engagiert für Flüchtlinge – Willkommenskultur in Sachsen-Anhalt“ ist eine gemeinsame Initiative der Integrationsbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt, des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) und der Landesarbeitsgemeinschaft der FreiwilligenAgenturen in Sachsen-Anhalt (lagfa). Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt, der Stadt Halle und der Landeszentrale für politische Bildung statt und wird unterstützt vom BMFSFJ aus dem Programm „Demokratie leben“. Ort: Anmeldung:

Händelhaus, Große Nikolaistraße 5, 06108 Halle www.lagfa-lsa.de

Freitag, 02. Oktober, 19.00-22.00 Uhr

Sea Watch – Seenotrettung auf dem Mittelmeer – Erfahrungsberichte Die Situation von Menschen, der Tod von Menschen, die in desolaten Booten über das Mittelmeer flüchten müssen, ist durch die Medien gegangen und politischen Entscheidungsträger_innen bekannt. Doch „Schaut die Öffentlichkeit nicht mehr hin, sterben sofort wieder Menschen.“, Hagen Kopp (Watch the Med-Aktivist, taz 13.07.15.) Seit Mitte Juni diesen Jahres organisieren private, ehrenamtliche Aktivist_innen im Rahmen des Projektes „Sea Watch“ Seenotrettung auf dem zentralen Mittelmeer. Die Besatzung des Schiffes sorgt für medizinische Hilfe und Erstversorgung, dokumentiert die Seenotfälle und arbeitet eng mit anderen NGOs, Initiativen, wie „Watch the med“ zusammen. Sie haben damit entscheidend zur Rettung von Hunderten geflüchteter Menschen beigetragen. An diesem Abend soll den konkreten Erfahrungen der Aktivist_innen zu den Notsituationen und Rettungseinsätzen mit einer grundsätzlichen Kritik an der EU-Politik Raum gegeben werden. Dazu sind eingeladen: Hr. Wolf, der im Juli 2015 für zwei Wochen Kapitän auf der „MS Sea Watch“ war und weitere Aktivist_innen von Watch the Med – AlarmPhone, Verein „SOS Mediterranee“ (angefragt). Ort: Veranstalter: Kontakt:

einewelt haus Magdeburg, Schellingstraße 3-4, 39104 Magdeburg Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V. Cynthia Zimmermann, E-Mail: cyn.zimmermann@fluechtlingsrat-lsa. de, Tel.: 0391-5371-281

Samstag, 03. Oktober, 14.00-17.00 Uhr

Internationales Herbstfest für Kinder

Zu einem vielseitigen Programm mit Kinderspielen, Sport, Puppentheater, Basteln, Schminken sowie Tänzen und Musik lädt der Verein Harmonia e.V. alle interessierten Kinder und Familien ein. Das Fest soll insbesondere Kindern aus Flüchtlingsfamilien ein herzliches Willkommen bieten.

einewelt haus Magdeburg, Schellingstraße 3-4, 39104 Magdeburg Veranstalter: Harmonia e.V. Kontakt: Olga Melnykova, E-Mail: harmonia-rok@gmx.de, Tel.: 0176-45327522 ----------------------------------------------------------------------------------------

Ort:

ANGABEN ZUM TRÄGER

Die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) ist der Dachverband, in dem Vertreter_innen der Mehrheits- und der Einwanderungsgesellschaft strukturell zusammenwirken. Sie ist professionelle Akteurin und zivilgesellschaftliche Interessenvertreterin für Einwanderung und Integration, Europäische Zusammenarbeit und globales Lernen. Die AGSA ist Interessenvertreterin ihrer 40 Mitgliedsorganisationen und fachliche Akteurin in den vier Arbeitsbereichen „Geschäftsführung / Netzwerke / Gremien“, „Öffentlichkeitsarbeit / Programme / Projekte“, „Internationale Zusammenarbeit / Europäische Projekte“ sowie „Integration / Kooperation / Kompetenzerwerb“. Sie wirbt für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft, an deren Ausgestaltung alle Einwohnerinnen und Einwohner unabhängig von ihrer Herkunft aktiv mitwirken. Seit 1996 ist die AGSA Trägerin des einewelt haus Magdeburg. Sie fördert mithilfe der Infrastruktur des Hauses Beratung, Qualifizierung sowie gesellschaftliche Partizipation ehrenamtlicher Vereine und Initiativen. FOTONACHWEIS „Klingelschilder“ // Bundesweites Plakatmotiv der IKW 2015 // interkulturellewoche.de Silhouette Kopfzeile // Sklyine Magdeburg // © JiSign - Fotolia.com Weitere Fotos (IKW 2014 in Magdeburg) // AGSA e.V. KONTAKT Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. Manja Lorenz (Koordinatorin IKW in Magdeburg) Schellingstraße 3-4 //39104 Magdeburg E-Mail: ewh@agsa.de/ / Telefon: 0391/5371207 Web: www.agsa.de V.i.S.d.P.: Michael Marquardt // Änderungen und Irrtümer vorbehalten. FÖRDERER & KOOPERATIONSPARTNER Finanzielle Unterstützung erfahren die Magdeburger Interkulturellen Wochen vom Landesverwaltungsamt und dem Sozial- und Wohnungsamt der Stadt Magdeburg. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper übernimmt bereits im 15. Jahr die Schirmherrschaft über die jährlichen Aktionswochen in Magdeburg. Die AGSA arbeitet in Konzeption und Koordinierung der Veranstaltungen eng mit dem Netzwerk für Integrations- und Ausländerarbeit der Stadt Magdeburg zusammen. Sie informiert und berät in den Sitzungen der AG Interkultur & Soziales zu den empfohlenen Themenschwerpunkten, vermittelt potenzielle Kooperationspartner und steht für fachliche wie auch organisatorische Hinweise zur Verfügung. Bundesweit bereitet seit 40 Jahren der Ökumenische Vorbereitungsausschuss (ÖVA) die Interkulturellen Wochen vor. Er empfiehlt eine inhaltliche Schwerpunktsetzung, führt jährlich eine bundesweite Vorbereitungstagung durch, stellt Materialien für die Vorbereitungsgruppen vor Ort zur Verfügung und organisiert eine zentrale bundesweite Veranstaltung. agsa.de (IKW-Programm Magdeburg) integriert-in-sachsen-anhalt.de (IKW-Programm landesweit) interkulturellewoche.de (IKW-Programm bundesweit)

19. September bis 04. Oktober in Magdeburg Dokumentation

Koordination

Programm Online

agsa.de

Unterstützung & Kooperation

agsa.einewelthaus


Heute, in den schwierigen Zeiten der Flüchtlingskrise, sind Verbundenheit und Zusammenhalt keine bloßen Worte. Während Politiker über die bürokratischen Regelungen und Folgen der Flüchtlingskrise debattieren, zeigen die deutschen Bürger Unterstützungsbereitschaft und heißen die Vertreter anderer Kulturen willkommen. Um einen Raum für die interkulturellen Begegnungen zu schaffen und Menschen aus anderen Kulturen zusammenzubringen fanden in Magdeburg vom 19. September bis 3. Oktober 2015 die 19. Interkulturellen Wochen (IKW) statt. Unter dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.“ wurden 21 Veranstaltungen an 11 unterschiedlichen Orten von insgesamt 17 Veranstaltern durchgeführt, die Workshops, Feste, Filme, interaktive Spaziergänge, Lesung, Konzert u.v.m. umfassten. Das bunte Veranstaltungsprogramm, das von der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. koordiniert wurde, wurde von zahlreichen Bündnissen, Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Stiftungen und kommunalen Institutionen vorbereitet. Die Magdeburger IKW wurde in Kooperation mit dem Magdeburger Netzwerk für Integrations- und Ausländerarbeit und unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Herr Dr. Lutz Trümper organisiert und finanziell von der Integrationsbeauftragten der Landesregierung und dem Sozial- und Wohnungsamt der Stadt Magdeburg unterstützt.

2 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Den Auftakt der Interkulturellen Wochen in

Ralf Weigt vom Spielwagen e.V., der

diesem Jahr bilden das Willkommensfest

Mitveranstalter

und Trödelmarkt auf dem Schellheimer Platz

teilte in einem persönlichen Gespräch mit,

in Magdeburg-­‐Stadtfeld, zu denen das

dass

Willkommensbündnis Stadtfeld und Kinder-

„alteingesessene“ Magdeburger, sondern

und

des

auch für die Menschen, die hier seit Kurzem

und

wohnen und aus anderen Ländern kommen,

Flüchtlinge jeden Alters eingeladen haben.

gedacht sei. „Wir wollen „Willkommen“

„Seid

Botschaft

sagen an alle Menschen, die flüchten

richtete sich an alle Menschen in Not, die

mussten. Wir wollen eine Brücke schlagen

auf dieses schöne Fest gekommen waren,

zwischen den Bürgern aus Magdeburg und

um einander und andere kennenzulernen,

denen, die hierher gekommen sind, damit

das warmherzige menschliche Miteinander

man sich kennenlernt.“

Familienzentrum

Spielwagen

e.V.

Willkommen“

„EMMA“

Magdeburger

-

diese

zu erleben und zusammen zu feiern.

Die

dieses

Besucher

des

Fest

des

Willkommensfestes,

nicht

nur

für

Willkommensfestes

konnten mehr über die Tätigkeit der Vereine


und Stiftungen der interkulturellen Szene an

mehreren Künstlern präsentiert wurde - die

den

Martin Rühmann Band, Foyal, Ralph Großer

von

ihnen

aufgebauten

Informationsständen

erfahren.

waren

die

darunter

Vertreten

Arbeitsgruppe

Gemeinwesenarbeit (GWA) in Stadtfeld-Ost,

und Uwe Schmidt, Break Grenzen Crew, Stephan

Michme

Band,

Neben

Magdeburg e.V.,

Trödelmarkt, wo

Sachsen-Anhalt und

einem großen

und

Jugendring

e.V.

Kubon,

jayfizymusic und Magdeburger Klinikclowns.

Medinetz

Kinder-

Jan

man

Kindersachen

das

und

Projekt

Spiele,

über die sich Familien

„JugendInformationsZentrum“ Magdeburg,

die

(JIZ)

Magdeburger

Bahá'í-

Gemeinde und ihr Projekt „Kinderklasse“, Evangelische Grundschule Magdeburg, die AGSA, Stadtteilprojekt „KiA“ - Kind und Arbeit. Manche von Ihnen verantalteten auch

Mitmachaktionen,

besonders konnten

kleine -

Haarflechten

die

Festbesucher

Verteilung mit

über

von

farbigen

sich

freuen

Luftballons, Strähnen,

mit

Nachwuchs sehr freuten, bis hin zu Büchern und Geschirr kaufen konnte, gab es einen Spendenstand, Babykleidung

wo

Kinder-

sowie

Kleidung

und für

erwachsene Flüchtlinge gespendet werden konnte, und zugleich sich die Geflüchteten die Kleidung auswählen konnten. Außerdem konnten Projekts

Fahrräder

am

SoliRADisch

Infostand für

des

Flüchtlinge

gespendet werden.

pressen,

Es wurde auch für das leibliche Wohl der

Kinderschminken, Tischspiele, Malen und

Festbesucher gut gesorgt worden, am Stand

Basteln.

des Kinder- & Familienzentrums EMMA

Souvenir-Münzen

Für die gute Lauen sorgte auch das musikalische und Show-Programm, das von

wurden Getränke und Speisen ausgegeben sowie kostenloses Obst für alle Gäste.

4 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Der Moderator des Willkommensfestes Lars

Menschen sich „Ängste nicht einreden

Johansen begrüßte herzlich die Besucher im

lassen wollen“ und sich nicht vor Menschen

Namen

e.V.,

fürchten, die vor Krieg flüchten und nach

Willkomensbündnis Stadtfeld und der GWA

Deutschland kommen. „Wir wissen, diese

Stadtfeld Ost und wünschte den Gästen viel

Menschen können für uns eine Bereicherung

von

Spielwagen

Spaß auf dem

sein“,

schönen Fest.

Gallert.

„Wir

wollen

Auf

willkommen heißen“,

die

der

Frage,

was in dem Land

so

fehlt und was die

Lars

Partei

Johansen und

so

verändern

könnte, falls sie

hat

den

diesen Gedanken untermauert mit dem Englischen „a warm welcome“ an alle Flüchtlinge.

Wahlkampf

nächstes Jahr gewinnen würde, antwortete Wulf

Gallert,

erzählen,

die

„das

Politik

Boot

sei

könne

nicht

voll“.

Die

Wulf Gallert, Vorsitzender der Linksfraktion

Staatsbeamten sollten sich darum kümmern,

im Landtag, der nachher das Wort ergriff,

dass

bedankte sich seitens des Landtages

bei

ehrenamtlichen

allen Helfern,

die den Flüchtlingen Hilfe leisten und unterstützen. Er

erwähnte

widersprüchlichen

die

die

Geflüchteten

vernünftig

untergebracht würden und dass es

„Wir wissen , genug Geld für Helfer und diese Menschen diejenigen gibt, die Deutschkurse könn en für anbieten. Außerdem betonte er uns ein e die Möglichkeit, die Flüchtlinge, Bereicherung die keine Zeugnisse auf die Flucht sein...“ mitgenommen

hatten

und

in

Ansichten bezüglich der Flüchtlingspolitik,

Deutschland studieren möchten, mit einem

die

normalen

in

manchen

politischen

und

gesellschaftlichen Kreisen herrschen, aber

Bewerbungsgespräch

an

Hochschulen aufzunehmen. Seine Worte

musste das Gegenteil feststellen, wenn 5 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


wurden mit einem stürmischen Applaus

die an diesem Tag auf dem „Schelli“

empfangen.

herrschte, wozu auch das sonnige Wetter

Das

Willkommensfest

in

Magdeburg-

beigetragen hat.

Stadtfeld war nicht nur eine nette Geste der

Das Ziel dieser Veranstaltung war den

Willkommenskultur,

die

Gästen auch bewusst - das Verständnis für

Deutschen lernen die Neuankömmlingen in

geflüchtete Menschen öffnen, Begegnung

ihrer Stadt gern kennen, und bekräftigte

und Akzeptanz ihnen gegenüber schaffen

damit Gallerts Worte. Es war auch ein

und den Magdeburgern ermöglichen, neue

die

zeigte,

schöner

Bekanntschaften

Zeitvertreib,

mit

wovon

knüpfen.

die

Äußerungen

Das

der Festbesucher

fanden Fest

zu

war

eine

gelungene

Feier,

die

zeugten. Sie

ihnen

allen

viele

positive

das

Emotionen

bunt

und vielfältig. Besonders gefiel den meisten

gebracht hat.

die Musik, der Trödelmarkt, wo sie Sachen

Unser

für kleines Geld erstehen konnten, und

Veranstalter, Künstler und Helfer, die die

Mitmachaktionen für Kinder. Hinzu kommt

Durchführung des Willkommensfestes in

natürlich

Magdeburg ermöglicht haben.

die

warmherzige,

offene

und

großes

fröhliche Atmosphäre,

-­‐    

6 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Danke

richten

wir

an


Die Unterhaltung für Jung und Alt gab es

Um

am 19. September auch auf dem Kinder-

meisten Spaß machte, hatte das Netzwerk

und Familienfest "Magdeburg trifft die

für Integration und Ausländerarbeit der

Welt" in AMO Kultur- und Kongresshaus

Landeshauptstadt

Magdeburg. Das Fest wurde von der Stadt

Wettbewerb angekündigt. Der richtete

Magdeburg Netzwerk

gemeinsam für

Ausländerarbeit

festzustellen,

an

alle

welches

Spiel

Magdeburg

Kinder

mit

am

einen

mit

dem

sich

Integrations-

und

Migrationshintergrund unter 14 Jahren in

anlässlich

des

Gemeinschaftsunterkünften,

ohne

KiTas,

Weltkindertages organisiert.

Schulen,

Die Veranstalter dieses Festes meinen,

Bildungsinstitutionen und Einrichtungen.

Spiele seien das, was Kinder und ihre

Eine Kinderjury bewertete die Spielideen

Familien überall in der Welt und in jeder

und wählte die besten aus, um die

Kultur vereinigt und ihnen helfen könnte,

Gewinner

miteinander in Kontakt zu kommen, sich

Kulturhaus zu prämieren.

darüber auszutauschen und zusammen

Die Moderatoren der Veranstaltung Polina

schön die Zeit zu verbringen.

Ivanova,

7 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

und

und

auf

dem

anderen

Fest

in

Integrationsbeauftragte

AMO

der


Landeshauptstadt

Magdeburg,

und

Amidou Traore, Sozialpädagoge für die

Kulturhaus)

vor

Ort

zeigen,

dass

Magdeburg eine weltoffene Stadt sei. Die

Caritas

Sprecherin

Magdeburg,

bedankte

sich

begrüßten

die

bei

Besucher

auf

Sponsoren des

Deutsch,

allen

Festes

Englisch

und

und

erzählte

über

Französisch.

den

„Wir

feiern

Wettbewerb.

heute

bunte

Mit

Welt. Wir feiern

dem Gedicht

heute unsere Kinderwelt. Wir feiern heute,

„September“ von Erich Kästner, das von

dass wir heute alle zusammen sind,“ - mit

Polina Ivanova vorgelesen wurde, und

diesen Worten machte Polina Ivanova klar,

Danksagungen an allen Unterstützern,

dass die Deutschen, die auf dieses Fest

beendeten

gekommen

einleitende Rede, und die Gäste konnten

waren,

offen

Begegnungen waren und keine

Angst

Flüchtlingen

vor hatten.

Nachher übergaben sie das Wort Simone Borris, der Sozialbeigeordneten der

Landeshauptstadt

Magdeburg.

für

neue

„Wir feiern heute bunte Welt. Wir feiern heute unsere Kinderwelt. Wir feiern heute, dass wir heute alle zusammen sind!“

die

Moderatoren

die

nun die schöne Zeit auf dem Kinder-

und

Familienfest

genießen. Neben

zahlreichen

Mitmachaktionen, Basteln, Malen, Tanzen, sportlichen Darbietungen und Spielen mit Gewinnpreisen, an denen kleine Gäste gern

Sie ging kurz auf die Situation mit

teilnahmen, gab es mehrere Infostände

Flüchtlingen ein und betonte, sie wollten

von Vereinen und Initiativen, die einen

da (in AMO

Beitrag zur Integration von MigrantInnen leisten. Das alles widerspiegelte sich in

8 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


dem

Motto

dieses

und von den Kindern aus

Festes:

„Integration

der

Trilingualen

durch

Information,

Magdeburg

Kita

mit

ihrer

Bewegung und Spaß“.

Trommelaufführung

Die

In

Besucher

konnten

den

Pausen

sich nach der Tätigkeit

amüsierten die Besucher

und

solcher

der Clown Wuschel, der

wie

Spatz „Wobi“ von der

Zielen

Initiativen, Kinderförderwerk Magdeburg Krähe

Wohnungsgesellschaft

e.V., von

Cafe

Magdeburg Wobau und

der

„der

Eiermann“

aus

Hoffnungsgemeinde

Kapstadt

Magdeburg,

Silva. Ihre Darbietungen

Arbeitsgruppe

„Dialog

Generationen“, Russische

der

Inturia e.V. - Deutsch-

Gesellschaft,

Gregory

Da

schufen freudige und warme Atmosphäre und begeisterten die Kinder.

KKH

Aber auch die Erwachsenen waren von der

Krankenkasse,

Veranstaltung positiv überrascht. Deren

Freiwilligenagentur Magdeburg und VHS-

Ziel - Verständigung zwischen einzelnen

Bildungswerk GmbH erkundigen.

Kulturen

Kaufmännische

Das

Bühnenprogramm

umfasste

die

aufwecken,

Menschen

unterschiedlicher Herkunft kennenlernen

Auftritte von dem Clown

Wuschel

und verstehen

und seiner Crew,

können

von

fand

der

argentinischen

bei

vielen

Tango-

Anklang.

Tanzgruppe "Con

Am späten

Corazón"

Nachmittag

Magdeburg

e.V.

9 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

konnten die


Wettbewerbsteilnehmer, deren Spiele von

Sowohl Kinder, als auch Erwachsene

der Kinderjury gewählt worden waren,

hatten an diesem Tag viel zu erleben. Das

eigene Spiele auf der Bühne präsentieren.

Schöne

Darunter

Kinderförderwerk

Flüchtlingen zusammen machen konnten

Magdeburg e.V., Kita "Bertis Biberburg",

und ihnen dadurch zu verstehen geben

Stadtbibliothek Magdeburg, Grundschule

konnten, dass sie in der Stadt willkommen

am Umfassungsweg. Die Sieger gewannen

sind, und dass alle Besucher des Festes,

Gutscheine

und

unabhängig von dem Geschlecht, Alter,

Bastelmaterialien für die Einrichtungen,

Religion oder Kultur viel mehr gemeinsam

die von den teilnehmenden Kindern

haben, als manche denken.

besucht

waren

für

werden,

Spiel-

und

dazu

eine

Überraschung für jedes Kind.

10 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

ist,

dass

sie

das

mit

den


Am Sonntag 20. September fand im

Lebenserfahrung

Gesellschaftshaus

2.

neugebackenen deutschen Bürgern aus

Einbürgerungsfest statt, veranstaltet von

der ersten Hand hören wollten und sich

dem Ministerium für Inneres und Sport

über die Einzelheiten der Einbürgerung

des Landes Sachsen-Anhalt gemeinsam

und

mit

Infoständen informieren wollten.

dem

Magdeburg

das

Landesnetzwerk

in

Integration

Deutschland

an

von

zahlreichen

Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt

So formulierte den Gedanken hinter der

(LAMSA) e. V. und F.C. Flick Stiftung als

Veranstaltung Herr Dr. Rode, der Referent

Partner

Motto

des Innenministeriums Sachsen-Anhalt,:

„Einbürgerungsfest, lebendig, vielfältig,

„Das Fest ist an die Staatsangehörigen

sei dabei!“. Dieses Fest richtete sich nicht

dritter Staaten ausgerichtet, die in der

nur an die Zuwanderer, die an diesem Tag

Bundesrepublik Deutschland schon lange

ihre Einbürgerungsurkunde bekommen

leben und sich integriert haben, Interesse

sollten, ihre Familie und Freunde, sondern

an der deutschen Kultur haben und

auch an die Mehrheitsgesellschaft und alle

dadurch angesprochen werden sollen und

Migranten und Migrantinnen, die über die

ermuntert

unter

dem

11 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

werden

sollen,

sich

zu


überlegen, ob sie nicht vielleicht den

Ereignis für diese Menschen, was aber

letzten Schritt tun, um die deutsche

gleichzeitig den Verlust der eigentlichen

Staatsangehörigkeit anzunehmen. Das ist

angestandenen

eine feierliche Einbürgerung und auch

bedeuten würde.

eine

Weiter unterstrich er die Bedeutung der

Werbeveranstaltung,

die

die

Staatsangehörigkeit

Möglichkeit

Heimat,

gibt, in der

obwohl

ein

Presse,

neuer

Ort

der

kann

„ein

Bevölkerung

leben lag das

in

darauf

zuhause

aufmerksam

bleiben,

zu machen,

auch

dass es eine

die

wenn Heimat

Einbürgerung gibt und dass Menschen

am Ende möglicherweise woanders ist“.

willkommen sind.“

„Ich freue mich, wenn unsere Städte in

Das

Einbürgerungsfest

Grußworten

von

wurde

Holger

mit

Sachsen-Anhalt durchaus etwas bunter

Stahlknecht,

werden“, so Holger Stahlknecht. Seine

Minister für Inneres und Sport des Landes

Worte wurden mit Applaus empfangen.

Sachsen-Anhalt,

In Anlehnung an seine Worte betonte der

eröffnet.

Er

drückte

Freude aus über die Tatsachen, dass diese

Moderator

Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit

Traore Amidou, Menschlichkeit sei die

unterschiedlichen

Berufen

und Lebensgeschichten sich dafür entschieden hatten, die

deutsche

Staatsangehörigkeit bekommen.

Der

zu Minister

des

Einbürgerungsfestes

„Ich freue mich, wenn beste Politik. Nachdem er unsere Städte in einige einleitende Worte Sachsen-Anhalt etwas über Einwanderung bunter werden.“ gesagt hatte, die sich auf -Holger Stahlk necht

betonte, es sei ein sehr emotionales 12 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

die

neuen

Bürger

bezogen, übergab er

das Wort an Susanne Krause-Hinrichs,


Geschäftsführerin der F.C. Flick Stiftung,

Die

die

offiziellen

über

Verhinderung

Verunsicherung

und

der

Fremdenhasses

gegenüber MigrantInnen sprach. „Sie,

diejenigen,

die

heute

Einbürgerungsurkunden

musikalische Teils

Akustikband

Untermalung

des

gewährleistete

die

des

Polizeiorchesters

Sachsen-Anhalts. ihre

Das Festprogramm war sehr vielfältig:

bekommen

Erfahrungsberichte von den Menschen,

haben,

setzen

ein

echtes

Jahren

der

eingebürgert

Hoffnung, dass

worden waren -

es

gelingen

Prof.

kann

mit

Zeichen

die

paar

Zümrüt

der

Gülbay-

Integration.“ Noch

vor

Peischard,

eine

Dozentin an der

Begrüßung

Hochschule

ging von dem LAMSA e.V. aus, dessen

Anhalt, Siawash Ebadi, Polizeibeamter und

Vertretung auf der feierlichen Zeremonie

Konstandin

Mika Kaiyama war. Sie teilte mit, dass

Künstlerauftritte von der Band Les Soleils,

LAMSA e.V. in diesem Jahr zum ersten

der Tanzgruppe Dance Komplex, dem

Mal mit dem Innenministerium und F.C.

Ensemble

Flick Stiftung kooperierte und das Fest

„Bulgarische Rose“, den Musikern Cenk

mitgestalten durfte. Der Verein hatte

Erbiner und Pooyan Azadeh.

Geschenke

Aber der Höhepunkt des Festes war

vorbereitet,

für

die

Eingebürgerten

darunter

auch

natürlich

Arguirov,

Shoshana,

die

Opernsänger;

der

Tanzgruppe

Überreichung

der

Gummibärchen, die eine symbolische

Einbürgerungsurkunden. Nachdem die 12

Bedeutung

wie

erwachsenen Neu-Bürger den Eid auf die

Gummibärchen soll Sachsen-Anhalt sein,“

Verfassung Deutschlands geleistet hatten,

- sagte Mika Kaiyama.

erhielten sie ihre Einbürgerungsurkunden

hatten.

„So

bunt

aus den Händen von dem Innenminister 13 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Holger Stahlknecht und dem Präsidenten

Einbürgerungsprozess durch Vertreter der

des Landtages Detlef Gürth. Man konnte

Einbürgerungsbehörden beraten lassen

ihnen

oder

ansehen,

die

dass es ein

sich

über

Tätigkeit verschiedener

sehr

Vereine,

aufregender

Bündnisse

Moment für

Initiative an den

sie alle war,

Infoständen

aber

ihre

und

zur

Einbürgerung,

Gesichter

und

Öffnung

der

strahlten vor Freude.

zur

In der Pause zwischen der offiziellen

öffentlichen

Zeremonie und dem Unterhaltungsteil des

Vertreten waren der Infostand der Polizei

Einbürgerungsfestes

Sachsen-Anhalts, LAMSA e.V., Deutscher

konnten

die

interkulturellen

Integration

Verwaltung

Besucher internationale und regionale

Olympischer

Leckerbissen

genießen,

Jugendfeuerwehr

afrikanische

Modenshau

Zauberkunst

von

sich

Semjon

durch

und

informieren.

Sportbund, Sachsen-Anhalt,

die

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge,

Sidanov

AGSA e.V., LAGFA Sachsen-Anhalt e.V.,

beeindrucken lassen, sportliche Übungen

Deutsch-Bulgarische

soziokulturelle

auf

der

Vereinigung e.V.,

Spiel-

und

Landeszentrale für

Sportinsel „Integration

politische Bildung Sachsen-Anhalt,

durch

der

Sport“

Caritasverband

machen,

für

sich

Magdeburg e. V.

über

den 14 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

das

Bistum

mit dem Projekt


IQ Netzwerk Sachsen-Anhalt.

dass sie wirklich erfahren, dass es ein

Der Künstler Semjon Sidanov teilte uns

Privileg

seine Eindrücke von der Veranstaltung

Verantwortung.“ Auf die Frage, was ihm

mit: „Das Ziel dieses Festes besteht darin,

besonders gefiel, antwortete er, er würde

dass

besonders

die

eingebürgert

Menschen, werden,

die das

heute Gefühl

bekommen, dass es was besonderes ist,

ist

die

aber

Rede

auch

von

eine

dem

Innenminister sehr inspirierend finden und die Vereinsstände seien sehr informativ.

15 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Für die Menschen, die sich ehrenamtlich

durchgeführt und sind in drei Module

engagieren möchten und in sich Bedürfnis

unterteilt:

spüren, den Flüchtlingen helfen ihren

Zusammenleben in Vielfalt, Einleben in

Alltag zu regeln und sie bei ihrem

der Nachbarschaft.

Aufenthalt in Deutschland zu unterstützen,

Der eine der Workshops aus dem Modul 2

finden in Magdeburg eine Reihe von

fand am 21. September statt. Er war den

Workshops statt. Sie stellen das Ergebnis

Kultur- und Religionsaspekten bei dem

der

Umgang mit Menschen aus verschiedenen

Kooperation

von

den

drei

Ankommen

in

Magdeburg,

Organisationen in der Landeshauptstadt

Herkunftsregionen

Magdeburg

Freiwilligenagentur

Freiwilligen sollten daneben Einblicke in

Magdeburg, Volkshochschule Magdeburg

deren Familiensysteme und Praktiken der

und Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt

Alltagskommunikation gewinnen.

e.V.

Ralf Liebe, der Leiter der Volkshochschule

Die Workshops werden in September,

und

Oktober und November im Gebäude der

Gesellschaft“ an der Volkshochschule,

Volkshochschule

sagte paar einleitende Worte über die

dar:

Magdeburg

16 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

des

gewidmet.

Fachbereichs

„Mensch

Die

und


Workshopreihe, deren Ziel und teilte kurz

unterstützen

organisatorische Information mit.

erfahren.

Den ersten Teil des Workshops übernahm

In Bezug auf sprachliche Aspekte bei der

Herr Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Leiter des

Begegnung mit Geflüchteten, unterstrich

Instituts

und

für

über

sie

mehr

zu

der Referent die

Caucasica-,

Sprachenvielfalt

Tatarica- und

in

Turkestan-

Ländern

des

Studien

nahen

und

(ICATAT)

mittleren Ostens

Magdeburg/

und die Rolle der

Berlin.

Bilingualität

Als

mehreren

Einstieg

und der

sprach er über interkulturelle Kompetenz

Mehrsprachigkeit. Das beschrieb er auch

und wies darauf hin, dass interkulturelle

als Wissenslücke bei manchen modernen

Kompetenz bei den freiwilligen Helfern

Schulen, was darunter zur Fremdenangst

eine wichtige Rolle spiele, damit die

beiträgt.

Begegnungen

Nachher erzählte er ausführlich über

mit

Flüchtlingen

ohne

Vorurteile und falsche Annahmen erfolgen würden: „Nicht jeder, der aus

Syrien

kommt

ist

Muslim, nicht jeder, der aus

dem

Irak

kommt,

spricht Arabisch.“ Alles hängt

davon

ab,

mit

einzelne

„Nicht jeder, der aus Syrien kommt ist Muslim, nicht jeder, der aus dem Iran kommt, spricht Arabisch.“

Völker,

um

für

die

Workshopteilnehmer einen Überblick und Verständnis für Völkerunterschiede zu verschaffen. Es war sehr spannend zu hören, wie Herr Dr. Mieste Hotopp-

welchem Klientel der Helfer zu tun haben

Riecke über die Kultur-, Sprachen-, Politik,

möchte, aber das Wichtigste ist Empathie,

Alltags- und Religionsbesonderheiten von

Bedürfnis,

Jesiden, türkischen Alewiten, arabischen

die

Asylsuchenden

zu

Alewiten (Alawiten), Kurden in historischer 17 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Hinsicht

und

aus

der

modernen

Perspektive erzählte. Außerdem ging er auf

sollten und was dabei beachtet werden müsse.

solche

Aspekte,

Bei

wie

ihrem

Vortrag

ging

geografische

die

Lage, Ursachen

auf ein breites

für

Spektrum

von

Auswanderung

Themen

ein,

und

die

für

die

gesellschaftliche

Ordnung

des

Zentren

Alltages

und

in

Deutschland von diesen Völkern ein.

des

Am Ende seines Vortrags erwähnte er die

Deutschland

Möglichkeiten, sich darüber mehr zu

Wohnungssuche

informieren, die für jeden Freiwilligen sehr

Kostenträgerschaft,

nützlich waren.

Zuständigkeit der Behörden, Ausbildung

Im zweiten Teil des Workshops übernahm

und

Bianka Mopita aus dem Flüchtlingsrat

standesamtliche

Sachsen-Anhalt

Sie

Informationsquellen für Freiwillige. Am

die

Ende des Workshops gab es genug Zeit

berichtete

e.V.

das

darüber,

ehrenamtlichen

Wort. was

Integrationshelfer

Aufenthalts

von

Referentin

Flüchtlingen

wichtig

sein

und

Gesundheit

in

könnten:

-einrichtung, Sozialleistungen,

von

Flüchtlingen,

Angelegenheiten,

für Fragen seitens der Teilnehmer.

beachten sollten, wenn sie Flüchtlinge in

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass

ihrem Alltag begleiten möchten.

durch den Workshop „Integrationslotsen“

Frau

Mopita

erzählte

über

die Teilnehmer viel Wissen und Tipps

Ansprechpartner und Beratungsstellen in

vermittelt bekommen haben, die ihre

Magdeburg,

erwähnte,

ehrenamtliche Arbeit erleichtern soll. Aber

bürokratischen

Hürden

welche überwunden

das

Wichtigste

ist,

es

ist

dadurch

werden sollten, welche Anträge und bei

deutlicher geworden, wie vielfältig die

welchen Einrichtungen gestellt werden

Kultur der Geflüchteten ist, was sie

18 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


bewegt hat, auf die Flucht zu gehen, und dass das breite Publikum gar nicht so viel darüber weiß, was auch zum Fremdenhass beitragen kann. Die Teilnehmer fühlten sich durch den Workshop gut aufgeklärt und gaben an, er hätte viele neue Erkenntnisse für sie geliefert.

19 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Gleich an zwei Tagen im Rahmen der Interkulturellen Wochen, am 22. und 29. September,

hatten

junge

und

alte

Magdeburger eine Möglichkeit zusammen mit EinwanderInnen einen digitalen und interaktiven

Spaziergang

durch

die

Altstadt Magdeburg zu machen, der von dem Herrn Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Leiter

des

Instituts

für

Caucasica-,

Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT) Magdeburg/ Berlin, und Janine Weidanz, Projektmitarbeiterin

in

dem

Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung

Sachsen-Anhalt

e.V.,

durchgeführt wurde. Die Spazierfreudigen versammelten

sich

Nachmittags

im

20 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

einewelt haus in der Schellingstraße in Magdeburg, um auf einer folgenden Erkundungstour die Stadt für sich neu zu erschließen und die Ecken der reichen interkulturellen Geschichte Magdeburgs zu entdecken. Am Anfang der Stadttour teilte Janine Weidanz an die Teilnehmer die GPSGeräte und Tablets aus, mit denen sie sich auf die spannende Schnitzeljagd, die durch verschiedene thematische Stationen verlief, machen konnten. Auf jeder von sechs

Stationen,

deren

Orte

eine

historische Bedeutung hatten, erzählte Herr

Dr.

Mieste

Hotopp-Riecke


interessante

kurdischer

Geschichten

aus

der

Herkunft

fragen, was dieses Wort

Geschichte

bedeutete.

Magdeburgs,

zu

Das

weist

danach

darauf hin, dass die Stadt

sollten die Teilnehmer

von der Multikulturalität

Fragen

dazu

geprägt ist, und mehrere

auf

Kulturkreise innerhalb der

beantworten,

die

den Tablets erschienen.

Stadt

Das waren die Fragen,

existieren.

die

Der

Aufmerksamkeit,

Rechnen

oder

nebeneinander

Spaziergang

ging

weiter

zum

Mitmachen forderten.

Domgymnasium,

das

Die erste Station befand

einen Bezug zu Mehmed

sich

Ali

in

der

Pascha

hatte.

Die

Harnackstraße neben dem General-von-

Teilnehmer hörten eine Geschichte über

Steuben-Denkmal.

das

Die

Teilnehmer

merkwürdige

Leben

von

dem

erfuhren über die militärische Karriere von

berühmten Feldmarschal.

Friedrich

Die nächste Station lag neben dem

Wilhelm

Ludolf

Gerhard

Augustin von Steuben in Amerika und

Tatarenturm,

über seinen gegenwärtigen Ruhm.

Stadtbefestigung in der Nähe vom Dom.

Weiter lief die

einem

Wehrturm

Nach

Gruppe zu Fuß zu

dem

der

der

historischen Auskunft, sollte

kurdischen

die Frage über

Laden

den

„Sipan“, die

und

Aufgabe

Turm beantwortet

werden.

bestand darin,

Im

den Verkäufer

vom

21 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Innenhof Dom


machte

Mieste

Hotopp-Riecke

die

alle die türkischen Spezialitäten kosten

Anwesenden auf die Sandsteinfiguren von

konnten.

zwei Türken aufmerksam und erzählte eine

In einem persönlichen Gespräch teilte

damit

Mieste

verbundene

Johann

von

Geschichte

Lossow,

der

im

über

Hotopp-Riecke

mit,

die

16.

gemischten

Stadtführungen

Jahrhundert gegen Türken kämpfte. Eine

Geocaching

andere Geschichte handelte von dem

durchgeführt worden, aber das Projekt

Schicksal von zwei Beutetürken, einem

„MD-Geocaching-Stadt-Safari“

Mann und einer Frau, die am Ende ihr

ganz neues Projekt, das im Rahmen von

seien

seit

ohne

drei

Jahren

sei

Glück fanden.

ein

den

Eine

interkulturellen

anschließende

Wochen

Frage war für

in

Magdeburg

besonders

getestet würde.

aufmerksame

„Die Idee kam

Zuhörer

vor drei Jahren,

gedacht.

dass man die

Die Station

letzte der

historischen historischen

Stadttour

Mosaiksteinchen

auflockert

mit

beschäftigte sich mit der Sage über das

gastronomischen Sachen. Dass man die

goldene Zelt, das für einen Sohn eines

heutige

osmanischen Paschas von Magdeburgern

Magdeburg - die verschiedenen Afro-,

aufgebaut worden war, und lag in der

Asialäden, persische Konditoreien oder

Regierungsstraße ganz neben dem Allee

Dönerläden, zwischen die interkulturellen

Center Einkaufszentrum.

historischen Stationen packt, sodass man

Der letzte Punkt des Spaziergangs war das

ein abwechslungsreiches Programm hat,

gemeinsame Spätmittagessen in einem

was sich mit der Vergangenheit aber auch

Bistro „Acar Food“ in Allee Center, wo

mit der Gegenwart von der Migration beschäftigt“.

22 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Migrationslandschaft

in


Das Ziel des Spaziergangs sei, laut Herrn

Für die Teilnehmer war es eine schöne

Hotopp-Riecke,

Entdeckungstour voller Offenbarungen.

Migration

zu

Richtung

zeigen,

dass

Deutschland

es und

Sie

meinten,

diese

Tour

trage

zum

Immigration aus Deutschland heraus in

kulturellen Austausch bei und mache die

Länder

vielfältige interkulturelle Geschichte der

des

islamischen

Kulturkreises

schon immer gegeben habe, dass es

Stadt sichtbar.

nichts Neues oder Gefährliches sei.

23 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Ein Live Hangout zum Thema „Asylpolitik“

Internet stellen, die, wenn man Glück

mit eingeladenen Gästen führten die

hatte,

Mitglieder

beantwortet wurden.

des

Medienprojekts

„Die

im

Laufe

der

Diskussion

Wählerischen“ am 22. September im

Laut Janos Varga aus dem Projekt „Die

einewelt haus durch. Eingeladen wurden

Wählerischen“, der die Diskussionsrunde

Wulf Gallert (Die Linke), Sebastian Striegel

auch moderierte, umfasse die Zielgruppe

(Bündnis 90/Die Grünen), Rüdiger Erben

der Veranstaltung Jugendliche und Kinder

(SPD) und André Schröder (CDU).

aus Sachsen-Anhalt,

die sich für Politik

Die Zuschauer konnten entweder vor Ort

interessieren

die

die Diskussion beobachten und daran

engagieren, sich einbringen und Politik

teilnehmen oder vom eigenen Computer

gestalten möchten.

oder Smartphone irgendwo anders, dafür

„Sie sollen verstehen, dass es dann noch

wurde

Auswirkung hat, dass die Politiker ihre

ein

Stream-Kanal

geöffnet.

und

selber

Außerdem konnte jeder eigene Fragen an

Fragen

die Politiker zum Thema „Asylpolitik“ im

antworten,“ - sagte er im Gespräch.

24 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

noch

hören

und

sich

darauf


Der Moderator fing mit den Fragen an,

einem Zelt leben müssen und zweitens ein

die das Stimmungsbild der Gefragten

Puffer schaffen für die Kommunen“.

widerspiegeln sollten: Ob Deutschland

Zu

die

Unterbringungsmöglichkeiten

Obergrenze

für

die

Zahl

von

der

Situation

mit

den in

aufgenommenen Flüchtlingen braucht?

Kommunen und der Lage der Flüchtlingen

Soll Deutschland wieder Grenzkontrolle

in den Unterkünften äußerte sich Wulf

einführen?

Gallert und sagte, man habe an den

Ist

das

Dublin-Abkommen

noch

verschiedenen

sinnvoll?

Stellen des Landes

Soll

die Situation, dass

Sachsen-

die

Anhlat

nicht in der Lage

mehr

gewesen

Flüchtlinge

die

annehmen,

Kommunen

waren,

Leute

sofort

ordentlich

als vorher?

unterzubringen.

Dadurch bildeten sich zwei politische

„Wenn Menschen denken, dass es den

„Lager“

der

Flüchtlingen gut geht, sollen sie sich die

Sachsen-Anhlat

Bilder von der zentralen Aufnahmestelle in

-

Vertreter

Regierungsparteien

in

Erben und Schröder auf einer Seite und

Halberstadt anschauen“.

Gallert und Striegel als Opposition.

Das

Danach gingen die Gäste zur Diskussion

leerstehenden Wohnungen in Sachsen-

über.

der

Anhalt wurde ebenfalls angesprochen.

Unterbringung der Flüchtlinge gewidmet

Während hunderttausende Wohnungen in

und

den

Der

der

erste

aktuellen

Teil

war

Situation

in

den

Thema

Städten

der

des

Kapazitäten

Bundeslandes

der

leer

Aufnahmestellen. In Bezug auf das Thema

stehen und die Räumlichkeiten für die

meinte Rüdiger Erben: „Es müssen zwei

Unterbringung der Flüchtlinge theoretisch

Dinge jetzt geregelt werden: erstens bis

vorhanden

zum Wintereinbruch darf niemand in

Vergaberechtlinien außer Kraft gesetzt

25 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

sind,

müssen


werden.

Zudem

werden

Neubauten

angestrebt. Das

es

nicht.

Dort

wird

auch

ein

Einwanderungsgesetz nicht die Lösung

nächste

war

sein.“

Rechtextremismus und Gewalt gegen die

André

Geflüchteten. Es wurden folgende Fragen

politischen

gestellt: Was hat die Regierung vor für die

können nach verschiedenen Kriterien die

Bekämpfung des Rechtextremismus? Wie

Zuwanderung einordnen und annehmen.

kann

Das

man

große

diese

Thema

Prozesse

in

der

Schröder:

„Wir

Anspruch,

Bleiberecht

für

haben das

Alle

einen

heißt,

ist

wir

eine

Gesellschaft beschleunigen? Was wird für

gefährliche Illusion.“

die Demokratieförderung gemacht?

Nachher diskutierten die Politiker über

„Wir haben einen enormen Einsatz öffentlicher Mittel, aber wir brauchen auch eine gesamtgesellschaftliche Debatte,

die

sich

zur

Schicksal der „Wir brauchen eine das gesamtgesellschaftliche abgelehnten Debatte, die sich zur Asylbewerber, Asylrecht Demokratie und und die Vorschläge von Weltoffenheit dessen Verschärfung beken nt.“ von Thomas de

Demokratie und Weltoffenheit bekennt,

Maizière und Flüchtlinge, die nicht aus

auch das System akzeptiert und seine

kriegerischen Gründen fliehen.

regeln...“, so André Schröder.

Die

Natürlich

kam

die

Diskussion

ohne

wirtschaftliche

Situation

in

Landkreisen wurde ebenfalls besprochen.

Meinungsverschiedenheiten bezüglich der

In dem letzten Teil der Diskussion ging es

Einwanderung

um Integration und Zukunftsperspektive.

nicht

aus.

Die

Integrationssysteme aus anderen Ländern,

Wulf Gallert ist der Meinung in Bezug auf

zum Beispiel kanadisches Punktesystem,

Integration, man müsse den Flüchtlingen

wurden besprochen.

ein Stück Sicherheit vermitteln, dass es

In Bezug auf Einwanderung äußerten sich

fast immer eine Voraussetzung dafür sei,

Politiker folgendermaßen:

dass es gut gehen könnte. „Zu uns

Wulf Gallert: „Entweder die Leute haben

kommen Menschen, keine Idealbilder, die

eine Perspektive vor Ort, oder sie haben

sind genauso unterschiedlich wie wir. Es

26 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


wird

Menschen

geben,

bei

denen

Es

war

eine

heiĂ&#x;e

und

spannende

Integration nicht gelingen wird, so wie bei

Diskussion zu einem brennenden Thema.

uns Deutschen die soziale Integration bei

Leider aus Zeitmangel konnten nicht alle

manchen nicht gelingt, und es wird

Fragen

Menschen geben, bei denen es ganz

werden, aber der Moderator Janos Varga

hervorragend sein wird. Wenn wir da

rief die anwesenden Politiker dazu auf, die

optimistisch rangehen, dann glaube ich

verbliebenen Fragen auf Facebook zu

wir haben wirklich einen Gewinn“.

beantworten.

27 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

von

Zuschauern

beantwortet


Die Landsmannschaft der Deutschen aus

irgendwann die Erlaubnis zu bekommen,

Russland/

in

OG

Magdeburg

und

SKV

das

Land

ihrer

Vorfahren

Meridian e.V. luden am Mittwoch 23.

zurückzukehren. Mit ihrem Roman wollte

September alle Interessenten zu einer

die Autorin das lange Schweigen brechen,

Lesung des Buches „Die Fische von

das in der Gesellschaft seit jener Zeit

Berlin“ von Eleonora Hummel. Die Autorin

herrscht, und die Tatsachen ins Licht

las

bringen,

die

Passagen

aus

ihrem

von

denen

die

jüngere

autobiografischen Roman den Zuhörern

Generation immer weniger hören möchte.

vor. Die meisten Anwesenden waren aus

Am Anfang der Lesung teilte Eleonora

der ukrainischen Saporischschja.

Hummel

Der Roman von der Eleonora Hummel

Lebensgeschichte mit. Sie stammt aus der

berührt

schwierigen

Familie von Russlanddeutschen, ist in

Schicksals der Russlanddeutschen, die

Kasachstan geboren und ist mit 12 Jahren

während und nach dem Zweiten Weltkrieg

nach Deutschland gekommen.

erpresst wurden, in den Repressionslagern

Die

arbeiten

Mädchen Alina, die Protagonistin des

das

Thema

mussten

des

und

träumten

28 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Autorin

den

Zuhörern

behauptete,

das

ihre

kleine


Romans, habe Gemeinsamkeiten mit ihr

Einheimischen in Deutschland sehr wenig

selbst

über

-

russlanddeutsche

Herkunft,

die

Geschichte

von

Geburtsdatum und -ort, der Umzug in den

Russlanddeutschen wussten.

Nordkaukasus.

Da Eleonora Hummel eine Weile in

Aber

sie

sei

eine

literarische Figur,

Kasachstan und

lebte, kann sie

Eleonora

ganz

gut

Hummel hätte sie

Russisch

so

sprechen,

geschaffen, wie

obwohl

sie selbst als

zugab, dass es

Kind

ihr

gern

gewesen wäre.

sie

manchmal

schwer

falle,

Der Roman „Die Fische von Berlin“ ist

passende Worte zu finden. Während der

sehr

Buch

Lesung redete sie auf Deutsch und

exemplarische

Russisch, damit alle Zuhörer sie verstehen

erzählt

wahrheitsgetreu.

„Dieses

eine

Familiengeschichte,

die

mehr

oder

weniger alle russlanddeutsche Familien in einer oder anderen Form erlebt haben, kaum eine ist verschont geblieben“, so Eleonora Hummel. Bezüglich der Motive, die die Autorin bewegt hatten, diesen Roman zu verfassen,

konnten. Die Autorin erklärte den Anwesenden

„Das Buch erzählt eine auch die Idee hinter dem Titel „Die Fische von exemplarische Geschichte, d ie alle Berlin“: das sei ein russlanddeutsch e Gedanken- und Wortspiel. Familien erlebt haben , Die Fische werden als kaum eine ist stumme Lebewesen verschont geblieben.“ wahrgenommen.

sagte sie, dass es sie als Betroffene sehr

Gleichzeitig

beschäftigt hätte. Außerdem war ihr Ziel,

russische

die Menschen aufzuklären, weil sie selbst

„stumm“ auf Russisch. So stumm ist einer

schon mehrmals erlebt hatte, dass die

der Hauptprotagonisten des Romans, der

29 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

bedeutet

Wort

für

„Nemets“ „der

(das

Deutsche“)


Großvater, der über seine Vergangenheit

In

in Sibirien schweigt. Sein Gegenpol im

tauschten sie Erinnerungen aus der selben

Buch ist seine Enkeltochter Alina, die ihren

Epoche, aus dem eigenen Leben, mit der

Großvater mit Fragen löchert. Sie möchte

Autorin und den anderen Anwesenden.

ihn

Sie dankten Eleonora Hummel dafür, dass

zum

Reden

bringen

und

seine

dem

die

anschließenden

Geschichte hören. Vielleicht bekommt sie

sie

in diesem Fall die Antworten auf die

Russlanddeutschen nicht vergessen lässt

Fragen, die sie ständig beschäftigen -

und sie in ihrem Buch weiterträgt.

Warum liegt ein Messer unter dem

Die Mitveranstalterin dieser Veranstaltung

Kopfkissen von ihrem Großvater? Warum

Elena Klein aus dem SKV Meridian e.V.

heizt er den Ofen so sehr auf, dass die

unterstrich in einem Gespräch, diese

anderen diese Hitze kaum aushalten

Lesung sei nicht nur an Russlanddeutsche

können? Was bedeutet „Igarka, 1956” auf

gerichtet, die die anderen persönlichen

dem alten Foto, das sie gefunden hat?

Geschichten nicht kennen, sondern auch

Das Buch fand Anklang bei den Zuhörern.

an

das

Leser

breite

Einheimischen

die

Gespräch

Geschichte

Publikum, die

30 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

damit

Geschichte

Minderheit erfahren würden.

von

die

dieser


Am 24. September veranstaltete das

die sich solidarisch zeigen, die in Kontakt

Willkommensnetzwerk Olvenstedt (WNO*)

gehen

in

wollten.

Kooperation

mit

dem

oder

ins

Gespräch

kommen

Stadtteilmanagement Neu Olvenstedt (IB)

Dieses Fest stellt die Möglichkeit für alle

ein Nachbarschaftsfest unter dem Motto

Menschen

„Willkommen Neu Olvenstedt - Refugees

Beratungsmöglichkeiten und über aktuelle

welcome!“

Themen - Integration und Bekämpfung

Stefan

Köder,

Stadtteilmanager

der Neu-

Olvenstedt, erzählte uns im Gespräch, das Fest sei für die Menschen gedacht, die da in den Unterkünften wohnen, für die Geflüchteten, aber auch

dar,

sich

über

die

„Es ist wichtig für des Rassismus - zu uns, d ass wir nicht für informieren, sich die Flüch tlinge etwas darüber auszutauschen, machen und nicht über dabei werden Probleme die Flüch tlinge reden , und Chancen sondern immer mit thematisiert. ihn en .“ „Es ist wichtig für uns,

für die Anwohner in der Nachbarschaft, für

für Willkommensnetzwerk, dass wir nicht

interessierte Menschen, oder Menschen,

für die Flüchtlinge etwas machen und

31 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


nicht über die Flüchtlinge reden, sondern

Erwachsene sich an Infoständen beraten

immer mit ihnen oder letztendlich sie

lassen, zum Beispiel von dem Arbeitskreis

soweit unterstützen, wie es nötig ist“,

Antirassismus

teilte Herr Köder im Gespräch mit.

Integrationshilfe Sachsen-Anhalt e.V., oder

Das vielfältige Festprogramm richtete sich

internationales Essen und Getränke in

an

einem

Menschen

besonders

jeden

froh

Alters,

waren

die

aber kleinen

Magdeburg

oder

„Begegnungs-Welt-Café“

genießen, wo es selbstgemachten Kuchen

Besucher der Verantsaltung.

und Spezialitäten aus unterschiedlichen

Circus Knopf, Parkour Workshop mit

Ländern gab. Dank Spenden war das

Senshi

Essen

Concepts,

kostenlos

Jonglage-

alle.

Mitmach-

Es

Workshop mit

war

für

ein

warmherziges

Clown Ringel,

und

AWO-

offenes

Miteinander

Spielmobil,

von Menschen

Fahrrad-

an

Werkstatt, Hüpfburg für Kinder, der Spatz

sonnigen

„WOBI“,

amüsierte,

Wetter mitgespielt hat. Ganz wichtig ist,

Kinderschminken, Tanzen, Basteln, Malen

dass solche Initiativen einen Raum für

-

Begegnungen

es

der

gab

die

genug

Gäste

Angebote

zum

Mitmachen, für einen aktiven Austausch, Feiern

und

Kennenlernen.

Musik,

Luftballons und Seifenblasen sorgten für die gute Laune. Während Kinder sich über die Clowns in dem

Circus-Zelt

amüsierten,

konnten

32 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Donnerstag,

und

wo

einem auch

Integration

das

für

Menschen schaffen, die es sehr brauchen.


Die Grundlagen der deutschen Sprache zu erlernen ist die vordringlichste Aufgabe von Flüchtlingen, wenn sie sich erfolgreich in Deutschland integrieren oder ihren zeitweiligen erleichtern

Aufenthalt und

erfolgreich

im

Land

gestalten

Workshop

wurde

Freiwilligenagentur Volkshochschule

von

der

Magdeburg,

Magdeburg

und

der der

Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. veranstaltet. Joachim

Grzega

sollte

sein

Konzept

wollen. Dabei helfen ihnen engagierte

„Sprach-Not-Arzt“ zum Erlernen einer

ehrenamtliche

Sprache den in einewelt haus Magdeburg

DeutschlehrerInnen

mit

versammelten

ihrer ganzen Kraft, Einsatz und Wissen. Gerade

an

diese

Klientel

war

der

zweitägige Workshop „Sprach-Not-Arzt“ von Prof. Dr. Joachim Grzega, dem Leiter des Europäischen Hauses Pappenheim (EHP) - des überparteilichen Zentrums für europabezogene Bildung, Forschung und Bürger-Aktivitäten,

gerichtet.

Der

ehrenamtlichen

Lehrern

präsentieren, weil es sich als eine sehr effiziente

Deutsch-Lehrmethode

für

Migranten und Flüchtlinge erwiesen hat. Diese

Methode

Sprachlernenden

ermöglicht die

den

wichtigsten

deutschen Wörter, Redewendungen und Grammatik innerhalb von nur drei Tagen

33 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


zu erlernen und sie in verschiedenen

Deutschland kommen. Nachher setzten

alltäglichen Situationen zu verwenden.

sich die Teilnehmer des Workshops mit

Der erste Tag des Workshops war den

den einzelnen Aspekten der Sprache

sprachwissenschaftlichen

auseinander:

Aspekten

der

Schrift,

Phonetik,

deutschen

Grammatik,

Sprache

Textlinguistik.

gewidmet.

Für

Sie

Muttersprachler ist

Lexik,

beantworteten

Deutsch

die Fragen und

ganz

diskutierten

Natürliches und

sie

etwas

viele

machen

anschließend

keine

ausführlich. Die

sich

Gedanken darüber, wie die Sprache

interessanten

funktioniert. Hiermit war das Ziel des

Aufgaben und Spiele, die Herr Grzega für

ersten Tages, dass die Teilnehmer einen

die Teilnehmer vorbereitet hatte, machten

entfremdeten

den Workshop sehr spannend und ließen

Blick

auf

eigene

linguistischen

Fakten,

Muttersprache werfen, in die Tiefe der

niemanden Langeweile haben.

Sprache

An dem zweiten Tag standen die Didaktik

Bausteine

schauen,

die

in

einzelne

„auseinandernehmen“

und

und Methodik des Sprachunterrichts im

dadurch das System besser verstehen

Mittelpunkt. Am Anfang demonstrierte

sollten. Der

Joachim Referent

Grzega seine

erzählte

Methode

einleitend darüber,

„Sprach-Notaus

welchen Ländern Flüchtlinge nach 34 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Arzt“

am

Beispiel

der

ungarischen Sprache, einer


Sprache, die fast für alle Teilnehmer

Während dieser Übung gab Herr Grzega

unbekannt war und eine absolut andere

den

im

Unterrichttipps, wies auf Unterschiede im

Unterschied

zum

Deutschen

Teilnehmern

Sprach-

schnell die Teilnehmer den Referenten

Deutschen und Menschen aus anderen

verstehen konnten, der die ganze Zeit

Ländern

eine unbekannte Sprache sprach, und

ziemliche

schon die ersten logischen Sätze selbst

geben würde, die aus der englischen

aussprechen konnten.

Sprache abgeleitet worden waren und die

an

dem

Tag

konnten

die

hin,

Weltbild

viele

Sprachsystem ist. Es war erstaunlich, wie

Später

und

ganz

und

viele

zwischen

betonte,

den

dass

internationale

es

Wörter

im Unterricht verwendet werden könnten,

ehrenamtlichen LehrerInnen sich selbst in

weil sie für viele Völker verständlich sind.

der Methode versuchen. Sie sollten ein

Die

Kapitel aus dem von Joachim Grzega in

abschließenden Tag des Workshops voller

Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern

Tipps und neuer Ideen, die von dem

des Europäischen Hauses Pappenheim

Referenten inspiriert worden waren und

verfassten Lehrheft nach seiner Methode

die

für eine Unterrichtsstunde vorbereiten und

Sprachunterricht für Flüchtlinge benutzen

den anderen Anwesenden präsentieren.

können.

35 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Teilnehmer

sie

gingen

zukünftig

in

aus

dem

eigenem


Seit der ersten Magdeburger IKW im Jahr

zarten und kraftvollen Passagen, die melodiös

1996

ist

das

Benefizkonzert

ausländerfreundliches Hoffnungskirche

Magdeburg

Magdeburg-Nord

für

ein

schwebend aber auch rhythmisch schwungvoll

in

der

sind, hat der Komponist es geschafft, ein

fester

faszinierend wirkungsvolles Stück zu dem

Bestandteil im jährlichen Programm. Das

Thema „Licht“ zu schreiben.

diesjährige Konzert wurde ausgestaltet von dem Organisten Christopher Lichtenstein und

„In diesem Jahr soll das bei den jetzigen

dem Kammerchor der Biederitzer Kantorei

Flüchtlingsbewegungen

unter der Leitung von Michael Scholl. Auf dem

Akzent für eine positive Willkommenskultur

Programm standen beeindruckende Werke für

setzen“, so Sabine Schmolke, die von der

Chor und Orgel – etwa von Johann Pachelbel, Christian Heinrich Rinck und Theodore Dubois. Das Hauptwerk des Abends „Lux Aeterna“ wurde von Morten Lauridsen (1943) komponiert, der zu den meist

aufgeführten

Gegenwartskomponisten Amerikas zählt. Mit einem kontrastreichen Wechsel von

36 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

einen

deutlichen


Hoffnungskirche durch das Programm führte. Der Schirmherr des Konzertes, Innenminister Holger Stahlknecht, wurde von Charlotte Kalthoff, Pastorin des Kirchenspiels Nord, vertreten.

Der

diesjährige

geflüchteten

Spendenerlös

traumatisierten

Jugendlichen

Kindern

aus

war und der

Gemeinschaftsunterkunft

Grusonstraße

gewidmet, um diesen in den Herbstferien die Teilnahme

an

einem

4

Tage

Erlebnispädagogik - Angebot zu ermöglichen. Nach dem Konzert sind noch alle Gäste zu einem

internationalen

Büfett

eingeladen

worden und durften sich an einer spontanen Dankeschön-Breakdanceeinlage der RefugeeKids erfreuen.

(Autorin: Manja Lorenz, AGSA e.V.)

37 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Schon seit sieben Jahren müssen Politiker,

Konstantin Müller, Mitglied der attac

Finanzinstitute

Ortsgruppe

und

ganz

normale

Magdeburg,

erzählte

Menschen in Europa mit den Folgen der

einleitend darüber, wie die Organisation

Finanzkrise von 2008 kämpfen. Woher

entstanden ist. Der Beweggrund dafür

kommt die Finanzkrise? Wie geht es

war, dass die Mitglieder spürten, man

Griechenland und anderen Ländern? Wer

kann „die Welt fairer oder gerechter

profitiert davon? Die Antwort auf diese

gestalten“. Umweltschutz, fair Handel,

und

Friedensbewegung sind die Themen, mit

viele

andere

Fragen

soll

der

Dokumentarfilm „Wer rettet wen?“ von

denen

Leslie Franke und Herdolor Lorenz liefern.

auseinandersetzen.

Um die Doku zusammen zu schauen und

Nach

über das Thema zu diskutieren, lud die

konnten sich die Besucher den Film

attac

Ortsgruppe

Interessierten

und

sich

der

die

Mitglieder

Organisationsvorstellung

Magdeburg

alle

anschauen.

Neugierigen

am

Der Film zeigt erschütternde Bilder aus

Montag dem 28. September in einewelt

dem

haus Magdeburg ein.

Europa, vor allem Griechenland und

38 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Leben

normaler

Menschen

in


Spanien, die unter der Finanzkrise leiden.

es besonders traurig für sie, die Willkür

Zwangsräumung,

von

Abbau

von

den

Banken

und

ihre

Sozialleistungen, Arbeitslosigkeit sind zur

Geschäftsmethoden zu sehen, während

Norm im Herzen Europas geworden. Die

die

Doku erklärt anschaulich und verständlich,

Gesetze halten musste. Die Szenen der

wie es zur Finanzkrise gekommen ist,

Zwangsräumung und der Kundgebungen

warum

gegen

die

Rettung

Griechenland

der

Euro

Wirklichkeit

und

den

Abbau

sich

an

von

die

sozialen

die

Leistungen waren auch erschütternd für

Rettung der Banken bedeutet. Politiker,

die Besucher. Zugleich waren sie positiv

Ex-Banker

in

von

Landesbevölkerung

und

davon

Finanzexperten

überrascht, wie

offenbaren

das

den

in

Interviews,

warum

Volk

Politiker

die

und in

Island den Weg

Banken die Krise

aus

der

verursachten,

Krise

gefunden

wie sie davon

hatten.

profitierten und

Die spannende

wie genau sieht ihr „Geschäftsmodell“

Diskussion

aussieht.

Einbeziehen von politischen, gesetzlichen

Im dem Film werden auch positive

und finanziellen Fakten ging weit über das

Beispiele der Krisenbewältigung gezeigt.

offizielle Veranstaltungsende hinaus, was

Die Isländer traten gemeinsam gegen die

zeigt,

Kürzung von Sozialleistungen und für eine

heutzutage ist.

gerechte Aufarbeitung der Krise und

„Diese Veranstaltung ist für alle, die sich

Untersuchungen ein.

interessieren

Nach der Schau tauschten sich die

Zusammenhänge, für die Ursachen der

Anwesenden ihre Eindrücke von dem Film

Finanzkrise und auch für die Zustände in

miteinander aus. Laut ihren Aussagen, sei

Griechenland - was man vielleicht tun

39 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

über

wie

die

Finanzkrise

brennend

für

das

mit

Thema

weltwirtschaftliche


könnte, um die Situation zu verstehen und

informieren und sich dadurch bilden

zu ändern“, sagte Konstantin Müller in

möchten, existiert eine Chance, diesen

einem persönlichen Gespräch.

wirtschaftlichen Teufelskreis zu brechen,

Es lässt sich denken, solange es Menschen

und die Hoffnung auf eine bessere

gibt,

Zukunft für die Menschen, die momentan

die

sich

mit

diesem

Thema

auseinandersetzen, sich darüber

unter den Folgen der Finanzkrise leiden müssen.

40 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Die Möglichkeit sich über das eigene

Kleidung

Konsumverhalten

Beschaffung von Elektronikartikeln, vor

und

verantwortungsbewusste

alternative Konsum-

und

Schuhe,

Ernährung,

und

allem Smartphones, - heutzutage in Bezug

Beschaffungsmöglichkeiten Gedanken zu

auf wirtschaftliche, ethische, ökologische

machen bekamen die Teilnehmer des

Aspekte aussieht, welchen Konsumweg

globalisierungskritischen

Spaziergangs

die meisten Menschen gehen, was sie

durch die Altstadt Magdeburgs am 30.

dadurch unterstützen und welche Folgen

September,

es für andere in der Welt und für sie selbst

veranstaltet

von

dem

Weltladen Magdeburgs und AGSA e.V. in

hat.

Kooperation mit dem Eine-Welt-Netzwerk

Die erste Station beschäftigte sich mit

Sachsen-Anhalt mit Unterstützung der

dem Bereich Kleidung und Schuhe. Die

BUNDjugend Sachsen-Anhalt.

Teilnehmer erfuhren, wie viel Prozent des

An thematischen Stationen erläuterten gut

Gewinns von dem Verkauf eines Schuhs

vorbereitete

den

ehrenamtliche

Stadtführer

bestimmten

Produktions-

und

Konstantin und Ina, wie die Situation in

Absatzschritten zugeteilt werden bis diese

verschiedenen

Schuhe in einem Laden im Einzelhandel

Lebensbereichen

-

41 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


erscheint. Die Tatsache ist, dass der

Anbauflächen von Getreide oder Soja, die

größte Teil des Geldes bei Einzelhändlern

im schlechtesten Fall genmanipuliert ist,

bleibt, und den kleinsten Teil bilden die

über Hunger von Bevölkerung in diesen

Löhne der NäherInnen, die einen Schuh

Ländern, die in Subsistenzwirtschaft leben

herstellen. Um so eine Ausbeutung der

und nichts von angebauten Lebensmitteln

Arbeitskräfte zu stoppen und ihnen eine

bekommen.

gerechte Bezahlung zu gewährleisten, soll

In der Diskussion darüber stellten die

man

unter

Teilnehmer fest, dass, wenn man eigene

welchen Bedingungen Schuhe hergestellt

Verantwortung für das Leben anderer

werden, und die Schuhe kaufen, die in

Menschen in der Welt erkennt und etwas

sich

Europa

danach

erkundigen,

und

zum

nach

Guten bewegen

europäischen

möchte,

Richtlinien

man

produziert werden, einfach

sollte Bio

Lebensmittel oder

kaufen,

die

Tierprodukte

Schuhe

bei

regionalen

reparieren

Händlern

oder

lassen, statt sie wegzuwerfen.

Bauern kaufen oder auf vegetarische oder

Die nächste Station war der Ernährung

fleischärmere Ernährung umsteigen.

und

Weiter ging es zu einer Station, deren

Fastfoodindustrie

gewidmet.

Anschaulich und gewürzt mit Fakten und

Thema

Statistiken,

erläuterte

erzählte

Ina

über

den

Smartphones manche

war.

Konstantin

Fakten

Teufelskreis des Fleischkonsums - über

Smartphone-Industrie,

ganz oft billige und widrige Tierhaltung

Materialien ein Handy besteht und wo und

und

unter

Fütterung,

Abholzung

des

welchen

aus

über welchen

Bedingungen

Regenwaldes in Brasilien, Argentinien und

gewonnen

Indien

herausgestellt, dass die Gewinnung von

für

die

Entstehung

der

42 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

werden.

Es

hat

sie sich


Metallen,

die

für

die

Herstellung

Nach diesem informativen Vortrag gingen

notwendig sind, zu Bürgerkriegen in

die Spazierfreudigen zum einewelt haus,

manchen Regionen der Welt führen, und

um

die Entsorgung von Elektronikschrott mit

genießen und mehr über Fair-Handel zu

Kriminalität

erfahren. Dabei erzählte Ina, wo es in

verbunden

Gesundheitsrisiko

für

ist die

und

ein

Menschen

eine

SchokoladenFAIRkostung

Magdeburg

Orte

zu

alternativer

darstellt, die versuchen, wertvolle Metalle

Konsummöglichkeiten gibt.

aus den kaputten Elektronikartikeln zu

Bei der Verkostung übernahm das Wort

gewinnen.

Franziska, die auch bei vielen Projekten

Die Lösungsvorschläge, um die Situation

mitgewirkt

zu

hatte,

verbessern,

waren:

die

auf

Weltverbesserung

kein

orientiert

Handy besitzen,

In

Reparatur

mit

von

kaputten

waren.

Kooperation Weltladen

Magdeburg hatte

Handys,

statt

sie

eine

ein neues sofort

Präsentation über

zu

fairen Handel in

kaufen,

richtiges

der

Recycling, Handys

gebrauchte

kaufen

oder

oder sich

stabile für

eine

Schokoladenindustrie Anfang

hörten

vorbereitet. die

Am

Anwesenden

Alternative entscheiden - ein Fairphone.

erschütternde

Das ist zwar kein 100% faires Handy, aber

Arbeitsbedingungen und Einkommen der

bei seiner Herstellung werden sehr wenig

Menschen,

bis keine Rohstoffe verwendet, die aus

arbeiten. Die Lösung dafür ist Fairer

Grenz- oder Kriegsgebieten stammen, die

Handel, der mehr Prozent des Gewinns

Arbeiter haben gute Arbeitsbedingungen,

vom Schokoladenverkauf im Einzelhandel

das Handy ist stabil und kann schnell

den Arbeitern gibt und Kinderausbeutung

repariert werden.

ausschließt.

43 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Fakten

die

auf

über

Kakaoplantagen


Die Verkostung selbst war sehr spannend,

Diesen Gedanken bekräftigte Ina, eine der

weil die Gäste nicht wussten, ob das eine

MitveranstalterInnen des konsumkritischen

oder andere Stück Schokolade aus dem

Spaziergangs: „Man muss nicht alles auf

Fairen Handel stammte oder nicht. Dabei

einmal

konnten

sie

verschiedene

auch Fragen

zum Thema beantworten. Die

Gäste

empfanden

den Spaziergang und die anschließende FAIRkostung

als

sehr

informativ, betonten, dass alle

ReferentInnen

machen,

um

die

Welt

„Man muss nicht alles verbessern. Ich wünsche auf einmal mach en, mir, dass man klein um die Welt zu anfängt, dass aber verbessern. Ich trotzdem jeder eine wün sche mir, dass Verantwortung hat etwas zu man klein an fängt, machen, weil wir alle aber trotzdem jed er Verantwortung gegenüber Verantwortung hat.“

sehr

der

Welt, der Umwelt, unseren

gut vorbereitet wären und gaben zu, die

Mitmenschen,

Änderung des Konsumverhaltens sollte

haben, die wir wahrnehmen sollten.“

bei

zu

einem

Einzelnen anfangen.

44 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

unseren

Folgemenschen

.


Verständigung und Akzeptanz anderen

zu erreichen und ihre Weltanschauung zu

Kulturen gegenüber sollte schon seit der

formen.

Kindheit erzogen werden, wenn man eine

Im Gespräch gab Frau Epp die Details der

offene

Veranstaltung bekannt. Sie hatte drei

und

vorurteilslose

Gesellschaft

schaffen und aufrechterhalten möchte.

Filme

vorbereitet,

die

sich

Darauf war die Veranstaltung „Kurzfilme

Flüchtlingsproblematik beschäftigen und

für Toleranz und Verständigung“ am 1.

in

Oktober ausgerichtet, organisiert von LAG

„neuneinhalb“, „Schau in meine Welt“,

Jugend und Film Sachsen-Anhalt e.V. und

„Erde an Zukunft“. Leider werden solche

durchgeführt von Juliane Epp.

Filme von Kindern wenig wahrgenommen,

Im Interview sagte sie, die Veranstaltung

weil Fernsehen für Kinder immer noch nur

sei für Grundschulkinder gedacht, im Alter

ein Unterhaltungsmedium bleibt.

zwischen 8 und 10 Jahren, weil es noch

Mit

relativ leicht sei, die Kinder in diesem Alter

unterschiedlicher Menschen auf Flucht

Kinderfernsehsendungen

diesen

Filmen

über

mit

laufen

der

-

Schicksale

wollte die Referentin erreichen, dass die 45 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Kinder sich emotional mit dem Thema

und Freunde verlassen müssten, die nicht

auseinandersetzen

gleicht mitflüchten oder in eine andere

und

sich

darüber

informieren.

Richtung flüchten.

Um das Thema einzuleiten und Kinder

Genauso müssten sie die Heimatstadt

dafür zu sensibilisieren, fragte Juliane

verlassen,

Epp, was Kindern zu dem Wort „Flucht“

aussehen wird. Die Konversation ließ die

einfällt, was sie schon darüber wissen und

Kinder,

welche

Flüchtlingsfamilien Gedanken machen.

Sendungen

sie

darüber

die

sich

nie

über

informieren

wieder

das

genauso

Leiden

Leicht

der

und

können.

anschaulich

Anschließend

erklärte Frau Epp

zu

die

dieser

politischen

kurzen

und

Fragerunde

Religionsaspekte,

schauten die

die

Kinder einen

Völker

Ausschnitt

Nahen

der Sendung „neuneinhalb“ über Familie

manche in

dem und

Mittleren Osten zur Flucht zwingen.

Aldonani aus dem Irak, die seit 13 Jahren

In dem zweiten Film „Mohammed auf der

in Deutschland wohnen und Spenden

Flucht“ aus der Sendung „Schau in meine

sammeln für die Menschen, die vor dem IS

Welt“ ging es um ein syrisches Kind, das

fliehen mussten.

auf der Flucht war. Er erzählte, was es

Damit sich die Kinder vorstellen können,

erlebt hatte, traf auch andere Kinder, die

was eine Familie erlebt, die plötzlich aus

auch auf der Flucht waren und versuchte

eigenem Zuhause und Land fliehen muss,

sein

fragte

Szenen

sie

die

Die

schwierigen

zurückgelassen hätten. Manche Kinder

Mohammeds

und

seine

kamen

sie

bewegten die Kinder sehr. Nach der

wahrscheinlich auch eigene Verwandten

Reflexion und Diskussion darüber, was die

dass

sie

anzunehmen.

dem

Schluss,

was

Leben

aus

zum

Referentin,

neues

46 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Leben

Erzählungen


Kinder im Film gesehen hatten, versuchte

Gruppe von Menschen gehört, wie kann

Juliane Epp mit den Kindern in einer

ich denen offen entgegentreten, welche

Spielform festzustellen, wie man den

Gesten sind gut, wenn man sich sprachlich

Flüchtlingskindern helfen könnte, damit

noch nicht verstehen kann. Und dass wir

sie sich nicht so verloren und

einsam

Spielsachen

fühlten. mitbringen,

anlächeln,

seelische

Unterstützung leisten, Hand reichen, mit Gesten zum Spielen

oder

Spazieren

auch eine Verantwortung „Und dass wir ein e Verantwortung haben, haben, diejenigen zu diejenigen zu sein, die sein, die auf die Kinder auf Kin der zugehen zugehen und nicht drauf und nicht d arauf warten, bis die auf uns warten, bis die auf uns zugehen“, so Juliane gehen.“ Epp in dem Interview.

gehen einladen - diese und andere

Wir

Möglichkeiten nannten die Kinder.

Mitarbeitern

Abschließend sahen sie eine Sendung von

Aufklärungsarbeit

„Erde an Zukunft“, in der es um die

leisten,

Tanztruppe Urban Dance Crew Fanatix

Gesellschaftszukunft prägen, und es von

ging, die zwar aus unterschiedlichen

ihnen abhängt, ob unsere Nachfahren in

Ländern

der Friedenswelt und in bester Eintracht

stammten,

gemeinsame

Sprache

aber des

eine Tanzes

den

„Es geht darum das Bewusstsein zu erwecken, sie

jemanden treffen, der zu dieser

47 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Vereinen

dankbar,

weil

miteinander leben.

sprachen.

wenn

sind

und

die

unter

deren

so

eine

den

Kindern

Kinder

die


Im Rahmen der IKW 2015 in Magdeburg

geschrieben sind und eine schwierige

organisierten die Mitglieder des Projekts

Sprache haben.

„Die Wählerischen“ eine Ausstellung, die

Aber Information ist nicht das einzige Ziel

über die Tätigkeit des Projekts informiert

von den „Wählerischen“. Sie versuchen

und ihre Aktionen zu dem Thema „Flucht

die

und Asyl“ zeigt.

Entscheidungsträger

In

dem

persönlichen

und

mit

den

mit

Jugendlichen zu vernetzen, indem sie

Andreas Bales, der bei dem Projekt auch

Live-Hangouts zu den Themen, für die sich

mitwirkt, erfuhren wir etwas über die Ziele,

Jugendliche interessieren, veranstalten,

Werte

wo unterschiedliche Persönlichkeiten ihre

und

Gespräch

Verantwortlichen

Aktionen

von

den

„Wählerischen“.

Fragen

Das Projekt „Die Wählerischen“ ist ein

Hangouts kann man vor Ort beobachten,

Online-Plattform für Jugendliche, Schüler,

aber auch per Live-Stream.

Studenten, deren Mitglieder Nachrichten

Aufklärungs- und Unterstützungsarbeit ist

für die Zielgruppe machen, einfach und

sehr wichtig für Projektmitglieder. Sie sind

verständlich,

Ansprechpartner

Zeitungen,

als die

Gegenpol oft

sehr

zu

den

sachlich

48 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

beantworten

für

können.

Diese

Kinder

Jugendliche, wenn sie Fragen haben.

und


Das Projekt veranstaltet aber auch Offline-

„Wählerischen“

Aktionen, zum Beispiel Medienworkshops,

Magdeburg sehen - über 100 Postkarten,

wo solche Themen angesprochen werden,

die Menschen im Einkaufszentrum selbst

wie Online Redaktion, Blogging, richtiges

gemalt hatten. Die bunten Zeichnungen

Kommentieren, Bildersuche mit Rücksicht

auf

auf

Glückwünschen

Urheberrechte.

Es

gibt

auch

den

in

Allee

Postkarten

Center

mit

und

den

Aufschriften

Workshops,

„Refugees

bei

welcome!“

denen

erzählt

wird,

sollen

wie

später

die Flüchtlinge

Jugendliche

im

Videos, Fotos,

LorenzQuartier

Audio-Dateien

Magdeburg

erstellen

und

freuen

erfahren

wie

aufmuntern.

und

welchem

mit

Medium

sie

ihre

Außerdem

konnten

und

Besucher

der

Meinung und den Inhalt am besten zeigen

Ausstellung selbst eine Postkarte basteln

können, damit es möglichst viele Leute

oder auf Kärtchen schreiben, was für sie

erreicht.

Willkommenskultur bedeutet.

„Wir möchten Menschen anregen, sich

Es gab auch eine Wand mit den Artikeln

mit den Themen zu beschäftigen und

von

selbst

Jugendliche

Flüchtlingsthema und eine Zitatwand, wo

glauben oft, dass sie keinen Einfluss

Gäste schauen konnten, wer sich von den

haben mit ihrer Stimme, weil es in der

Medienpersonen und Politikern und wie

Schule auch nicht beigebracht wird, dass

zu

man selbst durch eigene Handlung viel

geäußert hatte. Sie waren gemischt und

bewegen kann“, so Andres Bales.

man sollte versuchen die richtigen Zitate

In der Ausstellung in einewelt haus konnte

den Persönlichkeiten zuzuordnen.

aktiv

zu

werden.

man das Ergebnis der Aktion von den 49 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Mitgliedern

dem

Thema

des

„Asyl

Projekts

und

zum

Flucht“


Auf

einem

Laptop

mit

dem

die

Aufklärungsarbeit

durchführen,

angeschlossenen Beamer konnte man

wichtige Information auf einfache und

Videos

verständliche

und

Berichte

von

den

Weise

„Wählerischen“ sehen. So, zeigten sie das

Menschen

Video über einen Flashmob in Stendal, bei

bleiben

dem sie dabei waren, wo Menschen auf

wissensdurstig

dem Marktplatz mit den bunten Tüchern

wieder versuchen die Welt zum besseren

zum Lied "Auf uns!" von Andreas Bourani

zu verändern.

schwenken, was die Geste der Willkommenskultur symbolisieren sollte. Es wird einem klar, dass solange solche Initiativen und Projekte existieren,

50 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

zum

Handeln

vermitteln,

Menschen und

bewegen, engagiert,

werden

immer


Am 02. Oktober, dem Tag des Flüchtlings,

Ziel ist den aktuellen Medien, die eine

lud der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V.

sehr schwierige Seite zeigen, ein Stück

alle nicht gleichgültigen Leute ins einewelt

andere Realität entgegenzusetzen durch

haus

die

die ReferentInnen, die vor Ort waren. Wir

Mittelmeer

würden gern die Menschen für die

ein,

die

sich

Flüchtlingsproblematik

im

über

Gedanken machen, durch gegenwärtige

Situation

Situation

die

sensibilisieren, aber auch für die EU-

Menschen auf der Flucht besorgt sind und

Politik, die momentan sehr stark zur

sich für private und zivilgesellschaftliche

Abschreckung dient.“

Initiativen interessieren.

Während

in

dem

Region

über

auf

dem

Mittelmeer

Flüchtlingsproblematik

im

dem

Mittelmeer in den Medien stark diskutiert

Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V. sagte

wird, europäische Politiker beunruhigt

dazu: „Die Veranstaltung ist gedacht für

wirken und versprechen, sich um die

Information über die Seenotrettung auf

Situation

dem zentralen Mittelmeer und ist für alle

Flüchtlinge jeden Tag im Meer, die

Leute die sich dafür interessieren. Deren

Rettungsaktionen werden eingestellt oder

Cynthia

Zimmermann

aus

51 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

zu

kümmern,

ertrinken


nur

in

einem

geringeren

Umfang

denen Menschen über das Meer fliehen

durchgeführt. Hinzu kommt, dass EU-

müssen.

Politiker die Todesfälle für Abschreckung

In

ausnutzen.

Adam Wolf darüber, was er erlebt hatte

Um Erfahrungsberichte der AktivistInnen

während seines Aufenthalts an Bord des

zu präsentieren und ein EU-kritisches

Schiffes „Sea Watch“ und während der

Gespräch zu führen, lud der Verein Adam

Rettungsaktionen.

seinem

Erfahrungsbericht

Wolf aus der

erzählte

Nach

Heinrich

dem aufwändigen

Böll Stiftung

Umbau

ein,

Kutters, den die

einen

politischen

des

Crew

Journalisten

in

den

Niederlanden

und

erworben

Fotografen,

bekamen sie ein

der

Schiff,

für

2

hatte,

das

den

Wochen im Juli 2015 der Schiffskapitän

Platz für 8 Menschen bot und eine

bei der Rettungsinitiative „MS Sea Watch“

Satellitenkommunikationsanlage

gewesen war, und Conni Gunßer aus dem

dessen Kondition aber nicht auf dem

Flüchtlingsrat Hamburg e.V. mit ihrem

besten

Bericht über „Watch the Med - Alarm

Voraussetzungen schlecht waren

Phone“. Diese zwei Initiativen haben die

„Wir hatten die meiste Zeit Angst, dass wir

gleichen

Seenotrettung,

selber abgeschleppt werden, was peinlich

Benachrichtigung von den zuständigen

gewesen wäre. Bei uns war es halt mehr

Behörden,

von

Enthusiasmus

der

logisches Denken“, - gab der Journalist

die

zu.

Ziele

Mitteilung

Bootskoordinaten öffentlichen

-

und

Lenkung

Aufmerksamkeit

auf

lebensbedrohlichen Bedingungen, unter

war

und

und

Energie

technische

da,

als

Weiter ging er auf die Situation in Libyen ein,

52 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Stand

besaß,

wer

die

„Schlepperlogistik“

da


organisiert und wer davon profitiert. Es

„Die Kriege haben nicht nur so einen

stellte sich heraus, dass das meiste Geld

unmittelbaren Effekt, sondern auch einen

von dem Geschäft die radikalen Gruppen

langfristigen größeren Effekt auf die

bekommen, zum Beispiel der IS oder Al-

gesamte wirtschaftliche Situation. Das

Qaida.

wird zu oft vergessen, als Fluchtursache...

Nachher berichtete der Referent über zwei

Fluchtursache prinzipiell ist immer Gewalt

Arten von Schiffen, auf denen Flüchtlinge

- kriegerische und wirtschaftliche Gewalt,

das

weil auch wirtschaftliche Not eine Form

Meer

überqueren

Holzschiffe

und

-

einfache

Gummischiffe

von

von

Gewalt

ist“,

so

der

Journalist.

niedriger

Dadurch kann

Qualität, deren

man

Zulieferung

warum sich die

industriell

Lage

organisiert ist.

letztes Jahr so

Die

zugespitzt hat,

Details

davon,

unter

dass

erklären,

gerade

plötzlich

welchen

so

viele

Bedingungen

Menschen auf

sich Menschen auf diesen Booten für

einmal kommen. Die Antwort ist laut Wolf:

mehrere

weil

aufhalten

Stunden

oder

müssen,

Zuhörer:

keine

sogar

schockierten

Tage die

funktionsfähigen

ökonomische

Grundlagen

weggefallen seien und alles was damit zusammenhängt.

Ortungsgeräte, Hitze, fehlende Hygiene,

In

Erkrankungen,

im

Berichts ging Adam Wolf auf das Thema

schlimmsten Fall Tod. Mit Einbeziehen

der Seenotrettung im Mittelmeer ein.

von

„Zivile Seenotrettung im Mittelmeer gibt’s

Gedränge

politischen,

und

wirtschaftlichen

und

dem

abschließenden

Teil

seines

sozialen Aspekten erzählte Adam Wolf

nicht“ war Wolfs Fazit.

über Fluchtgründe.

Er erwähnte manche Organisationen, die auf eigene Initiative die Flüchtlinge im

53 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


Meer retten

- Triton Kräfte, die illegal

zu sensibilisieren und den Druck auf

innerhalb der 24-Seemeilenzone Italiens

politische

die

auszuüben.

Geflüchteten

aus

dem

Meer

Entscheidungsträger

herausziehen oder Ärzte ohne Grenzen.

Am Ende zeigt Adam Wolf die von ihm an

Er

Board gemachten Fotos.

betonte

auch

Unterlassung

die

von

amerikanische internationalen

In dem zweiten Teil der Veranstaltung

Verordnungen von Seenotrettung, dabei

übernahm das Wort Conni Gunßer aus

wird vorausgesetzt, dass allen Menschen

dem Flüchtlingsrat Hamburg. Sie ließ die

in Seenot Hilfe geleistet werden muss.

Anwesenden

hinter

die

Kulissen

der

Somit ist „Sea Watch“

gegenwärtigen

eine Initiative, die in

Seenotrettungsaktionen

der

Lage

ist,

die

schauen und erzählte über

politischen

das

Machtspiele

und

als

Einzelpersonen

uns

begeben

in

deren

Einstellung

darüber,

Gefahr auf

Mare

Nostrum, über die Folgen

wir

selber

der

Rettungsaktion

Willkür zu beenden. „Wenn

Schicksal

welche

Maßnahmen

dem

getroffen

und

die

EU

hatte.

Sie

Boot, das nicht mal

betonte,

dass

seetüchtig ist, einfach

Seenotrettung

so nur aus dem reinen

Nähe von der italienischen

in

der

Gedanken raus die paar Leben zu retten,

Küste momentan nicht mehr von den

die wir retten könnten, was eigentlich die

Militärschiffen, sondern mit Hilfe der

Regierung machen muss, wozu brauchen

privaten Initiativen durchgeführt wird.

wir denn diese Regierung?“, so Wolf.

Weiter berichtete die Referentin über das

Durch

„Watch the Med“, ein transnationales

die

Dokumentation

von

Rettungsaktionen versucht „Sea Watch“

Netzwerk

Menschen für die Situation am Mittelmeer

MenschenrechtsaktivistInnen,

54 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

von und

über


sein Kartenprojekt, mit dem die Mitglieder

kümmern uns darum“, und wir kriegen

des Netzwerkes nachgewiesen hatten, wo

dann

und

Sterben

Bootpeople, dass nichts kommt, was auch

verurteilt und nicht gerettet wurden,

sein kann, weil es auch Stunden dauern

obwohl viele Schiffe in der Nähe waren.

kann. Aber wir wollen dann halt wissen,

Laut Conni Gunßer, versuchten sie auch

kommen sie wirklich oder haben sie schon

solche Fälle vor Gericht zu bringen. Um

wieder andere Fälle oder kümmern sie

das zu Ende zu bringen beschlossen sie,

sich gar nicht?“

das Alarm Telefon zu gründen.

Die Referentin erzählte auch von eigenen

Das ist eine Art Call-Center mit einer

Fällen, wo sie eine List anwenden musste,

Nummer. Die AktivistInnen versuchen das

weil es um Tod

Telefon in Schichten von 8 Stunden zu

Ende

zweit rund um die Uhr zu besetzen.

Anwesenden eigene Fragen an sie oder

Die Referentin gab zu, das sei eine

Adam Wolf stellen.

stressige Arbeit, die viele Schwierigkeiten

Diese sehr informative Veranstaltung mit

bereitet, den Einsatz von vielen Menschen

den Erfahrungsberichten aus erster Hand

und eigenen Kräften fordert.

bringt Licht in die Flüchtlingspolitik der

Das Ziel des Projekts wäre am Anfang

EU-Staaten und lässt das breite Publikum

Ausübung des Drucks auf Küstenwache,

über

um Flüchtlinge zu retten, sagte Frau

Initiativen erfahren. Wir richten unser

Gunßer.

großes Danke an die Veranstalter und alle

„Sie nehmen gern von uns Informationen

engagierten Menschen, die einen Beitrag

entgegen,

zur Seenotrettung leisten.

wann

die

Boote

also

zum

Position

und

Telefonnummern, und sagen „naja, wir

55 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

wieder

ihres

tapfere

Anrufen

von

den

oder Leben ging. Am

Berichtes

konnten

AktivistInnen

und

die

ihre


Um einen der letzten warmen Herbsttage

Veranstaltung waren begeistert von dem

mit der ganzen Familie zu genießen,

Theaterstück,

Menschen

applaudierten laut.

aus

anderen

Kulturen

lachten

viel

und

kennenzulernen und mit ihnen Zeit schön

Nachher konnten die Eltern bei einer

zu verbringen, konnten die Einheimischen

Tasse Tee oder Kaffee mit Kuchen und

in der Stadt Magdeburg, Kinder mit

Keksen miteinander plaudern, während

Migrationshintergrund,

ihre Kinder lustige Bewegungsübungen

und

ihre

Eltern

Flüchtlingskinder

das

internationale

zur Musik mit einer Moderatorin machten.

Herbstfest am 03. Oktober, dem letzten

Nach den Übungen folgten Spiele mit

Tag der Interkulturellen Wochen 2015, im

Kindern, eine sportliche Stafette, ein

einewelt haus besuchen, veranstaltet von

Rätselwettbewerb, bei dem alle kleinen

Harmonia e.V.

Besucher ein Kuscheltier bekamen.

Das

Fest

fing

an

mit

dem

Die

vielfältigen

Mitmachaktionen

-

Kater

Kinderschminken, Basteln, Malen, Tanzen

Hauptmann“ an, die Darbietung wurde

- ließen kein Kind sich langweilen, und die

von den Mitarbeiterinnen des Vereins

Eltern waren sehr zufrieden, die Kinder so

vorbereitet. Die kleinen Besucher der

fröhlich zu sehen.

Puppentheaterstück

„Der

56 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015


In dem persönlichen Gespräch sagte Olga

Willkommens- und Anerkennungskultur zu

Melnykova, das Herbstfest habe das Ziel,

leisten“, so Frau Melnykova.

ein gelingendes Miteinander

zwischen

Beim Anblick von lächelnden Kindern, die

Migranten oder Flüchtlingskinderkindern

miteinander spielen und keine Bedeutung

und

Einheimischen

fördern.

Im

zu

Rahmen

der

sollten

die

Veranstaltung Kinder

Einblicke

fremde

Kultur

bekommen,

womit

deren

Neugierde

geweckt

und

in

eine

Vielfalt

vermittelt werden sollte.

„Die Poten ziale von Migran ten kindern sollten erkann t und genutzt werd en, um einen Beitrag zur Stärkung einer Willkommensk ultur zu leisten.“

der

Herkunft,

der

Hautfarbe,

dem

Geschlecht,

der

kulturellen

oder

religiösen Prägung von anderen

Mitspielern

beimaßen, wurde es klar,

dass

die

„Die Potenziale von Migrantenkindern

gestellten Ziele erreicht worden waren,

sollten erkannt und genutzt werden, um

und auch dass Kinder manchmal viel

somit einen Beitrag zur Stärkung einer

weiser als Erwachsene sind und wir bei ihnen etwas lernen könnten.

Autorin: Maria Kernke, Linguistin aus Moskau, derzeit Bachelor-Studentin „Cultural Engineering“ und Deutsch-Lehrerin beim Verein Harmonia e.V. 57 | INTERKULTURELLE WOCHE MAGDEBURG 2015

Dokumentation der Interkulturellen Wochen 2015 in Magdeburg  
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