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Agrar forschung schweiz 2 0 1 3

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H e f t

Agroscope | BLW | HAFL | AGRIDEA | ETH Zürich

A p r i l

Agrarwirtschaft

Serie AlpFutur: Infrastruktur im Sömmerungsgebiet Seite 164

Gesellschaft

Wie sähe ein Bioland Schweiz aus? Seite 178

Pflanzenbau

Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz Seite 192

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Anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung soll Wirkung zeigen. Ohne Praxiswissen kann die Forschung keine Probleme ­lösen, und ohne Wissenstransfer nützt die beste Erfindung nichts. Am 7. und 8. Juni gibt Agroscope Einblick in ihre faszinierenden ­Tätigkeiten in Wädenswil. Obst-, Wein- und ­Gemüsebau, Lebens­mittel und ganz allgemein die A ­ nalytik sind besondere Stärken von Agroscope in Wädenswil. (Foto: idfx, Agroscope) Impressum Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse ist die Zeitschrift der landwirtschaftlichen Forschung von Agroscope und ihren Partnern. Die Zeitschrift erscheint auf Deutsch und Französisch. Sie richtet sich an Fachpersonen aus Forschung, Industrie, Lehre, Beratung und Politik, an kantonale und eidgenös­sische Ämter und weitere Fachinteressierte. Herausgeberin Agroscope Partner b Agroscope (Forschungsanstalten Agroscope Changins-Wädenswil ACW; Agroscope Liebefeld-Posieux und Schweizerisches Nationalgestüt ALP-Haras; Agroscope Reckenholz-Tänikon ART), www.agroscope.ch b Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Bern, www.blw.ch b Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, ­Zollikofen, www.hafl.ch b Beratungszentrale AGRIDEA, Lindau und Lausanne, www.agridea.ch b Eidgenössische Technische Hochschule ETH Zürich, Departement für Umweltsystemwissenschaften, www.usys.ethz.ch Redaktion Andrea Leuenberger-Minger, Agrarforschung Schweiz / ­Recherche Agro­nomique ­Suisse, Forschungs­anstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP Postfach 64, 1725 Posieux, Tel. +41 26 407 72 21 Fax +41 26 407 73 00, E-Mail: info@agrarforschungschweiz.ch Judith Auer, Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse, Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW Postfach 1012, 1260 Nyon 1, E-Mail: info@agrarforschungschweiz.ch Redaktionsteam Vorsitz: Jean-Philippe Mayor (Direktor ACW), Sibylle Willi (ACW), Evelyne Fasnacht (ALP-Haras), Etel Keller-Doroszlai (ART), Karin Bovigny-Ackermann (BLW), Beat Huber-Eicher (HAFL), Esther Weiss (AGRIDEA), Brigitte Dorn (ETH Zürich).

Inhalt April 2013 | Heft 4 163 Editorial 164

Agrarwirtschaft – Serie AlpFutur

Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: ­Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen Stefan Lauber und Benno Furrer

Umwelt – Serie AlpFutur Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von 172 

­verbuschten Alpweiden Bärbel Koch und Sarah Schmid Gesellschaft Wie sähe ein Bioland Schweiz aus? 178  Stefan Mann et al. Nutztiere Die Zusammensetzung der Futterration in 184

der Milchviehhaltung der Schweiz Dierk Schmid und Simon Lanz Pflanzenbau Indikatoren für den Einsatz von Pflanzen­ 192 

schutzmitteln in der Schweiz Simon Spycher, Ruth Badertscher und Otto Daniel

Abonnement Preise Zeitschrift: CHF 61.–* (Ausland + CHF 20.– Portokosten), inkl. MWSt. und Versandkosten, Online: CHF 61.–* *reduzierter Tarif siehe: www.agrarforschungschweiz.ch

Kurzbericht Wo steht die Schweizer Bioforschung? 200  Markus Kellerhals et al.

Adresse Nicole Boschung, Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse, ­Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP Postfach 64, 1725 Posieux, Tel. +41 26 407 72 21 Fax +41 26 407 73 00, E-Mail: info@agrarforschungschweiz.ch

Kurzbericht Die Pferdekutsche mit elektrischer 204

Adressänderungen E-Mail: verkauf.zivil@bbl.admin.ch, Fax +41 31 325 50 58

Unter­stützung, ein innovatives Projekt von ALP-Haras Ruedi von Niederhäusern

Internet www.agrarforschungschweiz.ch www.rechercheagronomiquesuisse.ch

208 Porträt

ISSN infos ISSN 1663-7852 (Print) ISSN 1663-7909 (Internet) Schlüsseltitel: Agrarforschung Schweiz Abgekürzter Schlüsseltitel: Agrarforsch. Schweiz

211 Veranstaltungen

© Copyright Agroscope. Nachdruck von Artikeln gestattet, bei Quellenangabe und Zustellung eines Belegexemplars an die Redaktion. Erfasst in: Web of Science, CAB Abstracts, AGRIS

209 Aktuell Beilage Kundenumfrage


Editorial

Forschung erleben: Landwirt­ schaft – Lebensmittel – Umwelt Liebe Leserin, lieber Leser

Lukas Bertschinger, Vizedirektor – Fachbereichsleiter Forschung und Entwicklung Agroscope ChanginsWädenswil ACW

Anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung von Agroscope soll Wir­ kung zeigen. Dazu müssen sich Forschende, direkte Nutzniesser und Gesell­ schaft austauschen. Ohne Praxiswissen kann die Forschung keine Probleme lösen, und ohne Wissenstransfer nützt die beste Erfindung nichts. Agroscope pflegt täglich einen aktiven Austausch und Transfer von Wis­ sen. Laufender Dialog – keine geschützte Werkstatt – für eine nachhaltige Bio- und IP-Land- und Ernährungswirtschaft. Agroscope entwickelt darum Problemlösungen mit Blick in die Zukunft und geht auch in der Kommunika­ tion mit der Zeit. Zur Kommunikation: Neben Print (Publikationen in Zeitschriften) nutzt Agroscope auch YouTube, Facebook, Apps und Webplattformen (zum Bei­ spiel Foodle.ch im Bereich Lebensmittel). Die Agroscope-Zeitschriften wer­ den laufend verbessert. Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, machen das möglich, indem Sie die beilegende Kundenumfrage beantworten. Und zur Forschung und Entwicklung: Sie will durch Verschmelzung von bewährtem Praxiswissen mit neusten Technologien und Methoden nachhal­ tigen Fortschritt ermöglichen. Diese spannende Aufgabe zeigt Agroscope jedes Jahr der Öffentlichkeit, wenn sie ihre Türen an einem Ihrer Standorte öffnet. Vergewissern Sie sich selbst: Am 7. und 8. Juni gibt Agroscope Einblick in ihre faszinierende Tätigkeit in Wädenswil. Hortikultur (insbesondere Obst-, Wein- und Gemüsebau), Lebensmittel und ganz allgemein die Analytik sind Agroscopes besondere Stärken am Standort Wädenswil. Das Motto lautet: Forschung erleben! Land­ wirtschaft – Lebensmittel – Umwelt. Ein Rundgang wartet auf mit Erlebnis­ sen für Augen, Nase und Gaumen. Und erstmals in diesem Rahmen werden die interessierten Vertreterinnen und Vertreter des Obst-, Wein- und Gemü­ sebaus zu speziellen Branchentreffen erwartet. Verschiedene Events laden zur vertieften Auseinandersetzung mit einem aus dem Leben gegriffenen Thema ein, zum Beispiel der Workshop «Pflanzenzüchtung» in Zusammenarbeit mit den Plant Science Expeditions des Zürich-Basel Plant Science Centers oder ein moderiertes Podium, an dem Agroscope-Fachleute mit einem Gastro-Spezialisten und einem Historiker über die pflanzliche Ernährung debattieren. Wahres Wissen beruht auf Erfahrung, alles andere ist nur Information Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Agroscope freuen sich, Ihnen, in Anlehnung an dieses Albert Einstein zugeschriebene Zitat, Einblick zu geben in ihre Erfahrungen im Umgang mit Pflanzen, Lebensmitteln und neuen Technologien. Es lohnt sich. Für einen Vorgeschmack schauen Sie rein unter www.agroscope-forschung-erleben.ch Es freut uns besonders, wenn Sie Ihre Familie, Freunde und Bekannte persönlich an diese Erlebnistage einladen. Ganz einfach: obigen Weblink weiterleiten, oder: Veranstaltungsflyer bei der Gruppe Marketing von Agroscope in Wädenswil anfordern. Erleben Sie For­ schung!

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A g r a r w i r t s c h a f t

Serie AlpFUTUR

Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen Stefan Lauber1 und Benno Furrer2 1 Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, 8903 Birmensdorf, Schweiz 2 Schweizerische Bauernhausforschung, 6300 Zug, Schweiz Auskünfte: Stefan Lauber, E-Mail: stefan.lauber@wsl.ch, Tel. +41 44 739 24 83

Jänzimatt, Gemeinde Giswil OW. Arbeits- und Aufenthaltsraum in Einem. Russgeschwärzter Sennereiraum der Herrenhütte, erbaut 1837. Das jüngere Chromstahlbesteck befindet sich an derselben Stelle wie die alten, handgeschnitzten Holzlöffel. (Foto: Benno Furrer)

Einleitung Für eine rentable Bewirtschaftung von Alpbetrieben braucht es angemessene Infrastrukturen. Wegen der bis 2013 laufenden Übergangsbestimmungen des Tier­ schutzgesetzes und den 2009 verschärften Hygienebe­ stimmungen haben heute viele Alpgebäude Anpas­ sungsbedarf. Hinzu kommen die Ansprüche des Alppersonals an die Alpgebäude (Mann und Calabrese 2012). Diesen entgegenzukommen, wird auf dem Arbeitsmarkt, wo erfahrene Kräfte fehlen, zunehmend wichtiger. Durch Sanierungen und den anhaltenden Struktur­ wandel in Land- und Alpwirtschaft kommen gerade die älteren Alpgebäude unter Druck. Sie zu erhalten, ist oft schwierig. Traditionelle Bauten und Anlagen sind aber neben der alpwirtschaftlichen (Rest-) Nutzung auch als

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prägende Elemente der Kulturlandschaft von Bedeu­ tung. Sie können daher auch nicht-agrarisch genutzt werden. Allerdings bestehen zurzeit kaum Grundlagen für ihre kulturhistorische Bewertung. Das Teilprojekt 17 «Gebäude», das im Rahmen des Verbundprojektes AlpFUTUR1 durchgeführt wurde, befasst sich daher mit Methoden und Kriterien zur Beur­ teilung der kulturhistorischen Zeugenschaft von Alpge­ bäuden, ihrer Erhaltung, und vor allem mit möglichen angemessenen, neuen Nutzungskonzepten. Dabei stellt sich die Frage, wie komplexe wirtschafts- und bauge­ schichtliche Zusammenhänge dargestellt und vermittelt werden, und in welcher Form diese Erkenntnisse in neue Wertschöpfungen eingehen können (Furrer 2012a-c, Glauser 2012). siehe www.alpfutur.ch

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Die für Infrastrukturprojekte massgebenden Rahmen­ bedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten wurden im AlpFUTUR-Teilprojekt 18 «Infrastruktur» untersucht. Dieses befasste sich schwerpunktmässig mit der heuti­ gen und möglichen künftigen Alp-Infrastruktur (Lauber et al. 2012).

Methoden In vier Fallstudienregionen (Unterengadin GR, Kanton St. Gallen, Gemeinde Giswil OW und Vallée de Joux VD) wurden in mehreren Schritten historische Baustrukturen mit Methoden der Bauernhausforschung dokumentiert (Furrer 1985, Furrer 1994, Furrer 2011a-c): ••Inventarisierung von Sennhütten, Vielzweckbauten, Alpställen, Speichern, Käsereien, Milchkellern, Wasser­ leitungen, Alperschliessungswegen, Bewässerungsan­ lagen, Einfriedungen. Dokumentation der Objekte mit Fotos, Planskizzen und Beschreibungen. Hinzu kommt eine kurze Würdigung. ••Archivrecherchen und Analysen zur Holzaltersbestim­ mung beziehungsweise Datierung von Bauten. Archäologische Grabungen zur Einordnung der Baustrukturen auf der Zeitachse und in ihrer ursprünglichen Nutzung (Abb. 1). Auswertung von Funden von Gerätschaften im Hinblick auf Hinweise auf die Lebens- und Arbeitsverhältnisse sowie Alp­ nutzung und Produkte. ••Literaturrecherchen, insbesondere Auswertung von Alpkatastern ••Befragungen, Gespräche mit Alpbewirtschaftenden und Alpbesitzern Aus dieser Dokumentation entstand ein Kriterienka­ talog zur Bemessung der kulturhistorischen Qualität, der als Basis für eine Inwertsetzung der Bauten und Anlagen dient. Ausschlaggebend für die kulturhistori­ sche Bedeutung von Alpgebäuden sind in Bezug auf die Bauzeit und Eigentumsverhältnisse beispielsweise der Grad der Originalität von Baumaterial, Raum­ struktur, Funktion und Ausstattung, aber auch die personenbezogene Nutzungsgeschichte. Die Wahl der Materialien (Holz, Stein), die handwerkliche Umsetzung, die Funktion von Bauten und Bauteilen stehen in einem spezifischen Verhältnis zur topografi­ schen Lage, den Besitzverhältnissen und den herge­ stellten Produkten. Explizit nicht in den Katalog eingeflossen ist der Zustand der Infrastruktur, der zwar für die weitere Nutzung von Bedeutung ist, nicht aber für die kultur­ historische Einordnung.

Zusammenfassung

Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen | Agrarwirtschaft

Traditionelle Alpgebäude prägen die Kulturlandschaft im Sömmerungsgebiet. Durch notwendige Sanierungen und den Agrarstrukturwandel geraten diese kulturhistorischen Zeugen unter Druck. Ein Kriterienkatalog zur Bemessung der kulturhistorischen Qualität dient als Grundlage für eine alptouristische Inwertsetzung dieser Bauten und Anlagen, das heisst für die Gestaltung von marktfähigen touristischen Angeboten, wo diese Bauten eine wichtige Rolle spielen. Der Katalog baut auf Ergebnissen der Wüstungsund Bauernhausforschung auf, die die Entwicklung der Alpwirtschaft seit dem Mittelalter nachzeichnen können. Erfordert eine agrotouristische Inwertsetzung von Gebäuden bauliche Anpassungen, gelten im Sömmerungsgebiet einige spezielle Regeln. Bund und Kantone spielen bei solchen Erneuerungen und Ergänzungen der Alp­ infrastruktur eine zentrale Rolle. Alptourismus ist aber auch ohne bauliche Massnahmen möglich, z. B. durch Themenwanderungen.

Abb. 1 | Blumenhüttenboden, Gemeinde Hospental UR. Zerfallene, einräumige Sennhütte, welche im 10. Jahrhundert n. Chr. im Schutze eines Felsblocks genutzt worden war. Ausgrabung Werner Meyer. Die Foto stammt aus dem Jahr 1983. (Foto: Benno Furrer)

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Agrarwirtschaft | Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen

Abb. 2 | Holenbalm, Gemeinde Silenen UR. Diese einfache «Sennhütte» (Balmhütte) unter einem Felsblock mit Feuerstelle, Milchkeller und Schlafstelle wurde noch 1975 von Älplern benutzt. Die Foto stammt aus dem Jahr 1982. (Foto: Benno Furrer)

Die jüngere bauliche Entwicklung der Alpinfrastruk­ tur konnte hingegen nicht verlässlich erfasst und bezif­ fert werden, weil es kein schweizweites Register der Gebäude ausserhalb der Bauzonen gibt und die verfüg­ baren digitalen Karten keine solchen Auswertungen zulassen. Darum wurden für zwei Bündner Fallstudienre­ gionen (alle 17 Gemeinden des Bezirks Moesa sowie sie­ ben Gemeinden im Unterengadin) exemplarisch alle Bauausschreibungen von Bauten ausserhalb der Bauzo­ nen (BAB) der Jahre 2001 bis 2010 ausgewertet. Zur Einordnung dieser Fallbeispiele wurden Experten­ interviews mit Vertretern aus anderen wichtigen Alp­ regionen (Diemtigtal BE, Kanton Obwalden, Oberwallis) geführt und die finanzielle Unterstützung von Alpinfra­ strukturvorhaben durch Kantone und Bund ausgewer­ tet. Nicht möglich war die Aufschlüsselung nach Mass­ nahmenart und zeitlichem Verlauf, weil die Daten in jedem Kanton anders erfasst werden, sofern überhaupt zwischen Ausgaben für die Bergzonen und das Sömme­ rungsgebiet unterschieden wird. Eine Literaturanalyse bildete Grundlage für die Untersuchung der raumplanerischen Rahmenbedin­ gungen, die die Zukunft der Alpinfrastruktur mitprä­ gen werden. Ergänzende Interviews mit Mitarbeiten­ den von Bundes- und kantonalen Ämtern ermöglichten es, den Vollzug des Raumplanungsgesetzes in den Kan­ tonen Bern, Graubünden, Obwalden und Wallis ver­ tiefter zu untersuchen.

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Resultate und Diskussion Mittelalterliche Zeugen Die Untersuchungen von ausgegrabenen und bestehen­ den Bauten durch Wüstungs2- und Bauernhausforschung widerspiegeln die chronologische Entwicklung einer weitgehend schriftlosen Alpwirtschaft und ihrer Pro­ dukte. Balmen (Abb. 2), Halbhöhlen unter Felsvorsprün­ gen, und quadratnahe, einräumige Hütten mit Pferch­ anlagen stellen die Infrastruktur des Mittelalters dar. Gealpt wurden vorwiegend Schafe, Ziegen, wenig Rind­ vieh und Pferde. Die Produkte wie Wolle, Tierhäute oder Sauerkäse deckten den Eigenbedarf von Klöstern, Grundherrschaften und Bauern. Zweiräumige Bauten mit Sennereiraum und Milch­ keller belegen, dass sich die Tierhaltung seit dem 15./16. Jh. von Schafen zu Rindvieh mit «exportorientiertem» Charakter verlagert hat. Die gealpten Tiere und der Käse wurden in aufstrebende Städte des schweizerischen Mittellandes und Norditaliens verkauft. In der Zent­ ­

2 Wüstungen sind «[...] verlassene [...] Siedlungsplätze. Fassbare Zeugnisse [...] sind im Gelände Ruinen in unterschiedlichen Zerfallsstadien, auffallende Bodenformationen oder das Auftreten von Pflanzen, die typisch für Siedlungsnähe sind ([...], Lägerflora in den Alpen), sowie [...] Flur- und Ortsnamen, die auf eine einstige Siedlung hinweisen [...]» (Meyer 2012).


Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen | Agrarwirtschaft

Abb. 3 | Alp Sura, Gemeinde Guarda GR. Die Bauten entstanden 1921 nach Plänen des Meliorationsamtes Graubünden. Der Kanton Graubünden gehörte zu den Regionen, die mit Oscar Good, Leiter des kantonalen Meliorationsamtes, traditionelle Alpgebäude am konsequentesten durch einheitliche Meliorationsbauten ersetzten. (Foto: Gabriela Brändle, Agroscope)

ralschweiz gelangt ein Teil der hergestellten Milchpro­ dukte, etwa Butter, Magerkäse oder Ziger, auf die lokalen Märkte der Talschaftshauptorte. In Verlauf des 15. Jh. gelingt es in der Westschweiz mittels Lab einen exportfähigen Fettkäse herzustellen. Die Sennhütten bilden hier grössere Vielzweckbauten mit Sennereiraum und Stall unter einem Dach. Sie bieten Platz für die gros­ sen Herden von eigentlichen Sennunternehmern (Küher) auf den privaten Alpen städtischer Patrizier. Vielfalt der Bauformen im 17. bis 19. Jahrhundert Im Verlauf des 17. bis 19. Jahrhunderts entsteht eine Viel­ falt an Bauformen, die Resultat der privat- und öffent­ lich-rechtlichen Besitz- und Nutzungsstrukturen sind. Auf Einzelalpen, wo Bauern ihr eigenes oder gepachtetes Vieh alpen, finden sich auf der Alpennordseite einfache, in Blockbauweise erstellte Sennhütten. Einräumige, mit Bruchsteinen mörtellos gemauerte Hütten werden in Regionen mit Genossenschaftsalpung, auf der Alpensüd­ seite und generell auf Alpen oder Stafeln oberhalb der Baumgrenze bis ins 20. Jahrhundert genutzt. Frei ste­ hende Alpställe sind selten bis nie zu finden. Solche wer­ den erst im 19. Jahrhundert gebaut, als der Futter­ertrag durch gezielte Düngung erhöht werden soll. Während auf Privatalpen des westlichen Berner Oberlandes die Sennhütten bereits im 17. Jh. mit einer Stube ausgestattet sind (Affolter 1990), geschieht dies in der Zentralschweiz erst um 1800. Nicht selten erfolgt im frühen 19. Jahrhundert eine nachträgliche «Aufrüstung» älterer Bauten mit einem Stubenanbau beziehungs­

weise vor die Sennhütte frei gestelltem Stubenblock. Die Erfindung der Schiffsschraube erlaubt in Kombi­ nation mit Dampfantrieb den Einsatz grosser, leistungs­ fähiger Frachtschiffe, die zusammen mit dem Auf- und Ausbau des Strassen- und Bahnnetzes im 19. Jahrhundert die Einfuhr bedeutender Getreidemengen zu tiefen Preisen in die Schweiz ermöglicht. Das führt im Mittel­ land eine Vielzahl an Landwirtschaftsbetrieben in den Konkurs und bewegt andere zur Umstellung auf Vieh­ zucht und Milchwirtschaft. Die Berglandwirtschaft wird dadurch konkurrenziert, die Alpweiden aber erfahren eine stärkere Nachfrage und Nutzung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts initiiert der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) ­Inspektionen, wo Ertrag und Baubestand der Alpen kri­ tisch beurteilt werden. Die akademisch ausgebildeten Agraringenieure stellen in ihren Berichten vor allem die fehlende Leistung beziehungsweise die gewünschte Ertragssteigerung in den Vordergrund, die sie durch kon­ sequentes Sammeln und Ausbringen von Dünger und Verbesserungen bei der Milchverarbeitung forderten. Standardisierung und Wachstum im 20. Jahrhundert Seit 1893 stehen Bundesgelder für Alpverbesserungen und den Bau von Ställen zur Verfügung. Das führt zu einer beachtlichen Zahl neuer Alpställe. Die Unterkunft für das Personal hingegen war weniger im Blickfeld der Inspektoren. Diesen Zeitabschnitt markieren neue Bau­ materialen wie Beton, Eternit, Eisen oder Blech sowie grössere Bauvolumen. Ab 1926 werden auch Baumass­ 

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Agrarwirtschaft | Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen

Was wurde innerhalb der letzten 10 Jahre auf der Alp saniert oder neu gebaut? Zufahrt (Weg, Strasse)

231

Wasserversorgung

229

Wohnung

183

Stall

171

Weiden (Sanierung, Melioration, Entwässerung)

138 116

Melkanlage/Melkstand Anderes

108

Hofdüngeranlage

107

Energieversorgung

100

Sennerei-Einrichtung

85

Milchleitung/-pipeline

15

Keine wesentlichen Sanierungen

153

0

5

10

15

20

25

30

35

Antworten (%) Abb. 4 | Sanierungen und Neubauten auf Schweizer Alpen in den letzten 10 Jahren (Befragungszeitpunkt: Dezember 2009 bis Februar 2010). n=667 Personen beantworteten die Frage (19 gaben keine Antwort). Es wurden viele Mehrfachantworten gegeben (Antworten insgesamt: 1636). Die Anzahl Nennungen wird innerhalb der Balken angegeben. Quelle: Gesamtschweizerische Umfrage bei 964 Bewirtschaftern von Sömmerungsbetrieben mit einem Rücklauf von 686 Fragebögen (von Felten 2011).

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nahmen an Sennhütten subventioniert. Auf Initiative des SAV entsteht 1939 eine Normaliensammlung für Alp­ gebäude, die kostengünstiges und standardisiertes Bauen ermöglichte (Abb. 3). Umfassende Alpmeliorationen prägen die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Besitz- und Nutzungsstrukturen verändern sich markant, etwa durch Ausscheidung oder Zusammenlegung von Weiden. Es entstehen grosse Alp­ gebäude, die sieben bis zehn Mal so viel Fläche wie tra­ ditionelle Bauten umfassen.

fache Sanierungs- und Verbesserungsarbeiten. Zu Neuer­ schliessungen mit Strassen kam es nicht, allerdings flossen Forststrassen nicht in die Untersuchungen ein. Im Sömme­ rungsgebiet beider Regionen ist aber eine rege Bautätig­ keit ohne direkten Bezug zur Alpwirtschaft feststellbar. Ökologisch und landschaftlich bedeutende Bauten ausser­ halb der Bauzonen (BAB) gibt es dabei insbesondere in der Fallstudienregion Unterengadin, wo touristische Infra­ strukturanpassungen, -erweiterungen und -neubauten den Grossteil der Baugesuche ausmachen.

Entwicklung in jüngerer Zeit In jüngerer Zeit haben sich die Veränderungen der Gebäudeinfrastruktur verlangsamt. Die Auswertung der Bauausschreibungen für die zwei Fallstudienregionen Moesa und Unterengadin zeigt dasselbe Bild wie die Befragung von von Felten (2011) (Abb. 4): Am häufigsten wird heute auf den Alpen in Erschliessung, Wasserversor­ gung und Wohn- sowie Ökonomiegebäude investiert. In den letzten zehn Jahren gibt es in den beiden Fallstudien­ regionen nur vereinzelt bedeutende alpwirtschaftliche Neubauten. Im Hochbau dominieren verhältnismässig ein­

Konzentration auf milchproduzierende Betriebe Bei der Unterstützung der Alp-Ökonomiegebäude kon­ zentrieren sich die Kantone heute meist auf milchprodu­ zierende Betriebe – wobei sie überbetriebliche Lösungen mit grösseren Verarbeitungskapazitäten bevorzugen –, weil sie dort eine höhere Wertschöpfung als auf Betrie­ ben mit anderen Tierkategorien erwarten. Die gute Erschliessung hat in Obwalden dazu geführt, dass heute rund zwei Drittel der Betriebe Pendelalpen sind und nur noch etwa ein Drittel der Alpmilch vor Ort verarbeitet wird, was die Wertschöpfung der Alpen schmälert.

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Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen | Agrarwirtschaft

Inwertsetzung bestehender Gebäudeinfrastruktur Aktuell führt ein deutlicher Rückgang bestossener Alpweiden zur Auflassung von Weiden, zur Konzentration der Milchverarbeitung in zentralen Käsereien und zu einer grossen Zahl an leerstehenden oder umgenutzten, älteren Alpgebäuden. Einige werden zerfallen, andere versucht man zum Teil der touristischen Nutzung zuzuführen. Da die raumplanerischen Vorgaben bauliche Massnahmen stark beschränken, kann die Inwertsetzung der bestehenden Substanz eine Alternative darstellen. Die Schweizerische Bauernhausforschung hat im Rahmen von AlpFUTUR in der Region Giswil / Jänzimatt OW eine Themenwanderung entwickelt, die anhand der besuchten alten Gebäude Zusammenhänge in der historischen Entwicklung der Alpwirtschaft, der Nutzung sowie den Lebens- und Arbeitsverhältnissen vermitteln will. Betriebsführung und Mittagessen finden auf einem Alpbetrieb statt, sodass sich der Älplerfamilie ein Nebenverdienst bietet. Damit die Familie ihr Tageswerk trotz Alptourismus erfüllen kann, werden die Besucherinnen und Besucher auf der Wanderung von ausgebildeten Wanderleiterinnen und Wanderleitern geführt, die auch auf andere Besonderheiten und Schönheiten am Wegrand hinweisen. Für die Erarbeitung der Hintergrundinformationen zu solchen Wanderungen, die Darstellung der baulichen

Entwicklungen und der historischen Zusammenhänge, wird der Kriterienkatalog der Bauernhausforschung herangezogen. Die Informationsdossiers sind mit aussagekräftigen Beispielen illustriert und stehen den Wanderleitenden und den Bewirtschaftenden zur Verfügung. Die Dossiers sind regionsspezifisch, d. h. jenes für Obwalden unterscheidet sich inhaltlich stark von jenem im Unterengadin, weil die Bau-, Besitz- und Nutzungsverhältnisse deutlich verschieden sind. Aus der Würdigung der einzelnen Objekte liesse sich zwar eine Bedeutungshierarchie ableiten. Das Spannende bei einer Themenwanderung ist jedoch, dass jedes Gebäude über den individuellen baulichen Aspekt hinaus Anlass bietet, einen oder mehrere Bereiche der historischen oder der aktuellen Alpwirtschaft zu erläutern. Hervorzuheben bleibt, dass gerade die Vielfalt intakter, zeittypischer Bauten die Basis für ein attraktives touristisches Angebot bildet. Grundsätzlich können Themenwanderungen damit in jeder Region der Alpen und des Jura und unabhängig vom Alter der Alpgebäude durchgeführt werden. Da Themenwanderungen darauf setzen, Bauten in ihrem originalen, historischen Bestand in den Vordergrund zu rücken, sind kaum baulichen Massnahmen notwendig. Konflikte mit der Raumplanung treten so nicht auf.

Der Grossteil der Milch stammt von Milchkühen, was dazu beiträgt, dass die alpwirtschaftlich gut geeigneten Regionen, auf die sich die Milchviehhaltung primär kon­ zentriert, eine höhere Bau- und Sanierungstätigkeit als die übrigen Regionen aufweisen. Auf Alpen mit übri­ gem Rindvieh und nicht gemolkenem Kleinvieh besteht nur selten Sanierungsbedarf. Diese Tiere werden prak­ tisch nur bei Schneeeinbruch und anderen widrigen Wetterbedingungen eingestallt. Auch bei der Erschliessung muss man einerseits zwi­ schen alpwirtschaftlich gut geeigneten, und dadurch intensiv genutzten Regionen, und anderseits stärker von Unterbestossung betroffenen Regionen mit eher ertrags­ schwachen Weiden unterscheiden. In Ersteren ist die Strassendichte hoch und werden weiterhin neue Stras­ sen projektiert. In Letzteren hingegen werden keine neuen Strassen gebaut, sondern bestehende saniert.

zahlbaren, zinsfreien Krediten regelt. Ringler (2009) schätzt die totalen Bundesbeiträge im Schweizer Söm­ merungsgebiet mangels detaillierterer Bundesstatistik für 2000 auf rund 30 Mio. Fr. Die Kantone müssen diese Beiträge um 80 bis 100 % ergänzen, so dass die Beitrags­ summe 50 Mio. Fr. übersteigen dürfte. Über diese Bei­ träge und Kredite sowie die Verteilung der Mittel aus den kantonalen Lotteriefonds spielt die öffentliche Hand bei der Entwicklung der Infrastruktur eine wich­ tige Rolle. Kantone, die ihre knappen finanziellen Mittel gezielt einsetzen wollen, erarbeiten regionale Alp-Nut­ zungsplanungen. Dadurch können sie die Sömmerungs­ beiträge und die Mitfinanzierung der Infrastruktur auf die zukunftsfähig(st)en Betriebe konzentrieren. Die drei grössten im Berggebiet tätigen Stiftungen (Schweizer Berghilfe, Coop Patenschaft und Schweizer Patenschaft für Berggemeinden) schütten heute total 

Finanzielle Bedeutung Wichtigstes Instrument zur Förderung der Alpinfrastruk­ tur ist die Strukturverbesserungsverordnung (SVV), die die Gewährung von à fonds perdu-Beiträgen und rück­

3 Der Begriff Standardarbeitskraft (SAK) umschreibt eine Einheit für die Erfassung des gesamtbetrieblichen Arbeitszeitbedarfs mit Hilfe standardisierter Faktoren. Im Bereich der LN können nur sogenannte „landwirtschaftliche Gewerbe“ Bewilligungen für bauliche Massnahmen für betriebsnahe nichtlandwirtschaftliche Nebentätigkeiten erhalten. Als Gewerbe gelten sie nur, wenn ihr Arbeitszeitbedarf mindestens 1 SAK ausmacht.

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Agrarwirtschaft | Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen

Zusammenfassung und Ausblick

Abb. 5 | Alpsiedlung L’A Vieille, Gemeinde St-Martin VS, mit baulichen Zeugen verschiedener Epochen. (Foto: Stefan Lauber)

rund 3 Mio. Fr. jährlich für alpwirtschaftliche Projekte aus. Damit können sie nur subsidiär in die Weiterent­ wicklung der Alpinfrastruktur eingreifen. Sie bieten ins­ besondere für Projekte, die ausserhalb der staatlichen Förderkriterien liegen (z. B. Projektsumme zu tief oder minimale Zahl an Standardarbeitskräften SAK3 nicht erreicht), eine wichtige Mitfinanzierungsquelle. Weder öffentliche Hand noch Stiftungen unterstützen die Betriebskosten von Infrastrukturvorhaben. Bei jedem Vorhaben müssen also Rentabilität und Abschreibungs­ möglichkeit nach der Ausfinanzierung gegeben sein. Bauen auf der Alp ist Bauen ausserhalb der Bauzone In der Regel gelten im Sömmerungsgebiet dieselben Bestimmungen des BAB-Verfahrens wie für die Ganzjah­ resbetriebe. Vorhaben, die direkt der Alpwirtschaft die­ nen, unterliegen damit grundsätzlich denselben Vor­ schriften wie solche für die Landwirtschaft im Tal. Zielen sie aber auf einen touristischen Nebenerwerb ab, sind die Vorschriften auf der Alp deutlich strenger als für Ganzjah­ resbetriebe: Bewirtung und Beherbergung sind auf jene Zeitspanne im Sommer begrenzt, während der Tiere auf der Alp sind. Auch werden keine baulichen Erweiterun­ gen oder Neubauten für den touristischen Erwerbszweig bewilligt (allerdings gibt es keine Regelung, die verhin­ dert, dass zunächst unter Vorgabe von landwirtschaftli­ chen Zielen das Bauvolumen auf der Alp vergrössert, die­ ses aber nach verhältnismässig kurzer Nutzungsdauer für alptouristische Zwecke umgenutzt wird). Erleichternd wirkt hingegen, dass auf der Alp im Gegensatz zu den Ganzjahresbetrieben die SAK-Untergrenze des Bäuerli­ chen Bodenrechts entfällt, wodurch sich auch kleine Alp­ betriebe touristisch engagieren können. Andere als tou­ ristische Nebentätigkeiten sind in diesen sogenannten «temporären Betriebszentren» nicht zulässig.

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Alpwirtschaftliche Bauten sind wichtige materielle Zeu­ gen vergangener Lebens-, Arbeits- und Nutzungsver­ hältnisse. Die Bauten und Anlagen erreichen aber irgendwann das Ende ihrer Lebensdauer. Viele zerfallen, werden umgenutzt oder abgebrochen. Dennoch bleiben zahlreiche ältere Alpgebäude weiterhin erhalten – oft ergänzt durch zusätzliche, aus betrieblichen und hygie­ nischen Gründen notwendig gewordene Neubauten (Abb. 5). Dadurch entsteht eine architektonische Vielfalt, die bisher meist nur am Rande wahrgenommen wurde. Verschiedene Studien zur Entwicklung von Regionalöko­ nomie und Tourismus zeigen, dass die Baukultur ein erhebliches Potenzial darstellt (Siegrist et al. 2002, Caminada 2008, Gantenbein et al. 2010, Schneider und Süess 2011, Furrer 2012b). Es geht dabei gerade nicht um Ikonen der Architektur, sondern um die Verbindung von Natur, Landschaft, Wirtschaftsweise, Lebensverhältnis­ sen und Familienstrukturen, die in ihrer Vielfalt baulich zum Ausdruck kommt. Anhand von historischen Gebäu­ den können damit wirtschafts- und baugeschichtliche Zusammenhänge anschaulich gezeigt und vermittelt werden. n

www.alpfutur.ch


Infrastrutture nelle zone di alpeggio: testimonianze storiche e assetto territoriale Gli edifici tradizionali delle malghe caratterizzano il paesaggio antropizzato nelle zone di alpeggio. Il necessario risanamento dei fabbricati e il cambiamento strutturale dell’agricoltura hanno creato una situazione difficile per queste costruzioni che sono delle testimonianze storico-culturali. Una lista di criteri per misurarne la qualità storico-culturale è il punto di partenza anche per valorizzare questi edifici e queste strutture in un’ottica di turismo in malga ed elaborare quindi delle offerte turistiche interessanti per il mercato, nel quadro delle quali tali fabbricati possano svolgere un ruolo importante. Tali criteri si basano sulla ricerca sulle case rurali e la ricerca archeologica che si occupa di insediamenti abbandonati che consentono di ripercorrere l’evoluzione dell’alpeggio dal Medioevo in poi. Se per valorizzare a fini agrituristici gli edifici sono necessari degli adeguamenti architettonici, nelle zone di alpeggio vigono specifiche regole. La Confederazione e i Cantoni svolgono un ruolo centrale nel quadro dei lavori di restauro e di integrazione delle strutture malghive. Il turismo in malga è possibile però anche senza interventi architettonici, ad esempio organizzando escursioni a tema.

Literatur ▪▪ Affolter H.C., 1990. Die Bauernhäuser des Kantons Bern, Band. 1, Das Berner Oberland. Die Bauernhäuser der Schweiz 27. ▪▪ Caminada, G. 2008. Werdet euch bewusst, was ihr seid und was ihr wollt. Stararchitekt Gion A. Caminada zu guter Architektur, zum Wallis und zum Goms. In: Walliser Bote, 31. Oktober 2008. ▪▪ Furrer B, 1985. Die Bauernhäuser des Kantons Uri. Die Bauernhäuser der Schweiz 12. ▪▪ Furrer B, 1994. Die Bauernhäuser der Kantone Schwyz und Zug. Die Bauernhäuser der Schweiz 21. ▪▪ Furrer B., 2012a. Alpen und Alpgebäude in Graubünden. In: Letzte Jäger, erste Hirten. Hochalpine Archäologie in der Silvretta (Ed. T. Reitmaier). Archäologie in Graubünden Sonderheft 1 (10), 259–285. ▪▪ Furrer B., 2012b. Kulturgebäude Alp: Ihr Nutzungspotenzial im Agrotourismus. Schweiz. Bauernhausforschung, Zug. 28 S. 4 ▪▪ Furrer B., 2012c. Zur Bautypologie und Entwicklung der Alpgebäude in Obwalden. Schweiz. Bauernhausforschung, Zug. 11 S. 4 ▪▪ Gantenbein K., Guetg M. & Feiner R. (Hrsg.), 2010. Himmelsleiter und Felsentherme. Architekturwandern in Gaubünden. 2. Auflage. Rotpunktverlag, Zürich. ▪▪ Glauser D., 2012. Chalets d’alpage du Parc naturel régional Jura vaudois, Ed. Favre, Lausanne. 168 S.

Summary

Riassunto

Infrastruktur im Sömmerungsgebiet: Historische Zeugen und raumplanerischer Rahmen | Agrarwirtschaft

Infrastructure for alpine summer farming: historical witnesses and spatial planning Traditional buildings are an important part of the cultural landscape in alpine pasturing areas, serving as historico-cultural witnesses. They are, however, under pressure from structural change in agriculture and often require renovation. To assess their historico-cultural quality, a list of criteria has been drawn up which provides a basis for their agro-touristic development, i.e. for generating market value through tourism, where such buildings may serve as tourist attractions. The list draws on research on abandoned settlements and farmhouses, which can trace alpine summer farming back to the Middle Ages. If buildings need to be modified, renovated or extended to develop such tourist attractions, several federal and cantonal regulations specific to alpine pasturing areas apply. It is, however, also possible to develop agro-tourism without constructional measures, e.g. by creating theme walks. Key words: alpine summer farming, agricultural infrastructure, historical buildings.

▪▪ Lauber S., Büchel J. & Beising E., 2012. Alp-Infrastruktur: Rahmenbe­ dingungen und Herausforderungen im Sömmerungsgebiet. Mit Leitfaden und Checkliste zur systematischen Abwicklung von Infrastrukturprojekten im Sömmerungsgebiet. WSL, Birmensdorf. 139 S. 4 ▪▪ Mann S. & Calabrese C., 2012. Treue ist auf der Alp ein wichtiger Faktor. Die Grüne 2012 (15), 36–37. 4 ▪▪ Meyer W., 2012: Wüstungen. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.12.2012. Zugang: www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D7954. php [21.12.2012] ▪▪ Ringler A., 2009. Almen und Alpen (Langfassung auf CD). Höhenkulturlandschaft der Alpen. Ökologie, Nutzung, Perspektiven. Verein zum Schutz der Bergwelt, München. ▪▪ Schneider H. & Süess C., 2011. Auf Kulturwegen zurück zu den Wurzeln. UniPress 148, 24–25. ▪▪ Siegrist D., Stuppäck, S., Mosler H.-J., Tobias R., Bröchin M., Schild P. & Tobler M., 2002. Naturnaher Tourismus in der Schweiz: Angebot, Nachfrage und Erfolgsfaktoren. FTL, Hochschule Rapperswil, und Abteilung Sozialpsychologie I, Universität Zürich. 123 S. ▪▪ von Felten S., 2011. Situation der Alpwirtschaftsbetriebe in der Schweiz. Resultate einer Befragung von Sömmerungsbetrieben. WSL, Birmensdorf. 84 S. 4 4

Diese Publikationen sind unter www.alpfutur.ch/publikationen verfügbar.

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 164–171, 2013

171


U m w e l t

Serie AlpFUTUR

Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von ­verbuschten Alpweiden Bärbel Koch und Sarah Schmid Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, 8046 Zürich, Schweiz Auskünfte: Bärbel Koch, E-Mail: baerbel.koch@agroscope.admin.ch, Tel. +41 44 377 74 73

Abb. 1 | Verbuschte Fläche mit Rostblättriger Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) auf der Alp Pian Doss beim Dorf San Bernardino GR. (Foto: ART)

Einleitung Jahrhunderte landwirtschaftlicher Nutzung haben die alpine Landschaft in Europa geprägt und zur Entstehung von Sömmerungsgebieten mit herausragender Biodiver­ sität beigetragen (Bätzing 2003). Alpweiden beher­ bergen dreimal so viele Arten wie der Wald, den sie ersetzen (Zoller und Bischof 1980). Aber viele Sömme­

172

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 172–177, 2013

rungsweiden sind heute nicht mehr rentabel und wer­ den nicht mehr bestossen. Umgekehrt erfahren günstig gelegene und ebene Flächen in der Nähe der Alpge­ bäude eine Intensivierung (Baur et al. 2007; Mack et al. 2008). Wenn der Weidedruck auf waldfähigen Flächen nachlässt, kommt über die Jahre wieder Wald auf. Über 60 Prozent der verbuschten Landwirtschaftsflächen der Schweiz liegen im Sömmerungsgebiet (Baur et al. 2006).


Die vorliegende Studie befasst sich mit dem Einfluss fort­ schreitender Verbuschung auf Artenvielfalt und Arten­ zusammensetzung von Pflanzen in zwei subalpinen Alp­ weiden (Pian Doss und Tällialp) beidseits des Passes San Bernardino (GR). Dabei wurde die pflanzliche Vielfalt in noch unverbuschten Kraut- und Grasflächen bei unter­ schiedlicher Deckung durch angrenzende Zwergsträu­ cher untersucht. Eine qualitative Beurteilung der Arten­ vielfalt in den Flächen erfolgte anhand der Ziel- und Leitarten der Umweltziele Landwirtschaft (BAFU & BLW 2008) und der Indikatorarten für Ökoqualität im Söm­ merungsgebiet (Lüscher und Walter 2009).

Material und Methoden Untersuchungsgebiete Die Alp Pian Doss liegt südöstlich des Dorfes San Bernar­ dino auf einer Höhe von 1731 m ü. M., die Tällialp nörd­ lich der Passhöhe des San Bernardino auf einer Höhe von 1926 m ü. M. (Abb. 2). Auf beiden Alpen wurde je eine nicht mehr beweidete Fläche mit fortgeschrittenem Zwergstrauch-Bewuchs von etwa 5 ha ausgewählt. Die beiden Flächen weisen eine ähnliche Exposition und Nei­ gung auf. Die Aufnahmeflächen der Tällialp liegen in einer Moorlandschaft, die der Alp Pian Doss am Fusse eines trockenen Schuttkegels.

Zusammenfassung

Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von ­v erbuschten Alpweiden | Umwelt

Die Alpwirtschaft hat in Europa eine lange Tradition. Sömmerungsweiden prägen die Kulturlandschaft und verfügen über eine hohe Biodiversität. Doch immer mehr Alpweiden werden aufgegeben und verbuschen. Damit verschwindet auch deren Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren. Ziel dieser Studie war es, im Rahmen des Verbundprojekts AlpFutur, den Einfluss von umliegenden Zwergsträuchern auf erhaltenswerte Kraut- und Grasarten in den noch vorhandenen Zwergstrauch-freien Flächen aufzuzeigen. Auf zwei Alpen beidseits des Passes San Bernardino, Alp Pian Doss und Tällialp, wurden zwei nicht mehr beweidete Hänge untersucht. Während die Zahl aller sowie die Zahl der qualitätszeigenden Pflanzenarten nur vom Standort beeinflusst wurden, hatten Standort und Verbuschungsgrad in der näheren Umgebung der Graslandflächen einen Einfluss auf deren Artenzusammensetzung. Die Resultate zeigen, dass auch kleine nicht verbuschte Stellen inmitten von Zwergsträuchern viele wertvolle Graslandarten beherbergen.

Vegetationskartierung Auf beiden Alpen wurden 15 Kreisflächen mit einem Radius von fünf Meter mit unterschiedlichem Verbu­ schungsanteil durch Zwergsträucher (20 bis 80 %) ausge­ sucht. Für jeden Kreis wurde die Verbuschung skizziert 

Abb. 2 | Untersuchungsgebiete beidseits des Passes San Bernardino: Tällialp (links) und Alp Pian Doss (rechts). (Fotos: Sarah Schmid)

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 172–177, 2013

173


Umwelt | Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von ­v erbuschten Alpweiden

Abb. 3 | Die kreisförmigen Untersuchungsflächen wurden im Feld in je acht Sektoren unterteilt, um die Deckung durch Zwergsträucher besser abschätzen zu können. Links: Beispiel einer verpflockten Fläche; rechts: Schematische Skizze einer Untersuchungsfläche mit fünf zufällig ausgewählten Graslandflächen (rote Kreise), in welchen die Vegetationsaufnahmen gemacht wurden. (Foto und Skizze: Sarah Schmid)

(Abb. 3) und für die Berechnung der Zwergstrauch­ deckung die Skizzen mit dem Programm ArcGIS 9.3.1 bearbeitet (ESRI 2009). In der offenen Kraut- und Grasfläche der Kreisflä­ chen wurden je fünf 0,5 m² grosse Teilflächen, fortan «Graslandflächen» genannt, zufällig festgelegt. In die­ sen wurde die Deckung aller Pflanzenarten nach BraunBlanquet aufgenommen und in Deckungsprozente umgewandelt. Je Graslandfläche wurden: 1) Artenzahl und Deckung aller Pflanzenarten, 2) Artenzahl und Deckung der Ziel- und Leitarten der Umweltziele Land­ wirtschaft (UZL-Arten) gemäss BAFU & BLW (2008) und 3) Artenzahl und Deckung der Sömmerungsindikatorar­ ten (SI-Arten) gemäss Lüscher & Walter (2009) ermittelt. Statistische Analysen Der Effekt der Deckung von Zwergsträuchern und des Standortes auf den Mittelwert aller Pflanzenarten, sowie der UZL-Arten und der SI-Arten der fünf Graslandflä­ chen wurde mittels generalisierter linearer Modelle geprüft. Der Einfluss der Zwergstrauchdeckung und der Standort auf die Artenzusammensetzung aller Arten, UZL-Arten und SI-Arten wurden mittels Redundanzana­ lyse (RDA) ermittelt. Dazu wurde der mittlere Deckungs­

prozent der Arten in den fünf Graslandflächen pro Kreis berechnet. Alle statistischen Auswertungen wurden mit dem Programm R (R Core Team 2012) durchgeführt.

Resultate und Diskussion Auf der Alp Pian Doss wurden 94 Pflanzenarten gefun­ den, davon sind 34 UZL-Arten und 30 SI-Arten. Auf der Tällialp waren es total 63 Arten, davon 23 UZL- und 27 SIArten (Tab. 1). Die tieferen Artenzahlen der Tällialp sind wahrscheinlich auf die feuchteren und saureren Bedin­ gungen des Standortes Tällialp im Vergleich zum eher trockenen Standort Alp Pian Doss zurückzuführen. Diese Beobachtungen stimmen mit den Ergebnissen von Mül­ ler (2002) überein, wo die Autorin einen positiven Zusammenhang zwischen der Artenzahl pro Quadrat­ meter und dem pH-Wert auf Glarner Alpweiden doku­ mentierte. Pflanzenartenzahl Der Einfluss des Standortes war für alle drei durch­ schnittlichen Artenzahlwerte signifikant (P-Wert < 0,05). Die durchschnittliche Artenzahl unterschied sich bei zunehmender Zwergstrauchdeckung jedoch nicht signi­

Tab. 1 | Anzahl aller Pflanzenarten, Anzahl Ziel- und Leitarten der Umweltziele Landwirtschaft (UZL-Arten) und Anzahl Sömmerungsgebietsindikatorarten (SI-Arten) für Alp Pian Doss (n = 15) und Tällialp (n = 15). SE = Standardfehler.

Anzahl Arten

174

Alp Pian Doss Min-Max

Tällialp

Mittelwert ± SE

Total

Min-Max

Mittelwert ± SE

Total

Alle Arten

25–49

37,5 ± 1,9

94

18–33

25,3 ± 1,7

63

UZL-Arten

6–17

12,7 ± 0,7

34

3–12

6,4 ± 0,6

23

SI-Arten

8–18

12,5 ± 0,7

30

5–15

9,5 ± 0,9

27

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 172–177, 2013


Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von ­v erbuschten Alpweiden | Umwelt

Pian Doss 25

Tällialp 20

Alle Arten Artenzahl 10 15

20

● ●

15

● ●

40

50

60

70

10

80

20

30

40

50

60

70

80

8

UZL−Arten Artenzahl 2 4 6

10

8

12

30

● ●

20

● ●

● ●

● ●

6

●● ●

● ●

● ● ●

4

0

2

30

40

50

60

70

80

20

30

40

50

60

70

80

8

SI−Arten Artenzahl 4 6 8

10

10

20

● ●

● ●

● ●

6

● ●

● ●

4

● ●

● ●

2

2

20

30

40 50 60 70 Deckung der Zwergsträucher

80

20

30 40 50 60 70 Deckung der Zwergsträucher

80

Abb. 4 | Mittelwerte (± Standardfehler) der 5 Graslandflächen pro Kreisfläche : 1) Anzahl aller Pflanzenarten (oben), 2) Anzahl UZL-Arten (Mitte) und 3) Anzahl SI-Arten (unten) in Abhängigkeit von der Zwergstrauchdeckung in den Kreisflächen.

fikant (Abb. 4), weder für alle Arten (P = 0,81), noch für UZL- (P = 0,69) oder SI-Arten (P = 0,06). Diese Resultate unterscheiden sich von Untersuchungen, die eine Abnahme der Artenzahl bei hohen Deckungsgraden durch Gehölze fanden (Anthelme et al. 2001; Freléchoux et al. 2007). In diesen Studien wurde die Abnahme der Graslandfläche bei zunehmender Deckung nicht berück­ sichtigt. Deshalb kann hier nicht unterscheiden werden zwischen einem Flächeneffekt (je mehr Fläche die

Zwergsträucher decken, umso weniger Graslandarten finden Platz) und einem Effekt des Verbuschungsgrades, der die Abnahme der Artenzahl bewirkte. Es ist nicht auszuschliessen, dass die in den zitierten Studien gefun­ denen Abnahmen der Pflanzenartenzahl auf die Flä­ chengrössen und nicht auf die Verbuschung selber zurückzuführen sind, da die Artenzahlen in unserer Stu­ die auch bei starker (50–80 %) Verbuschung nicht weiter  abnahmen.

Tab. 2 | Zerlegung der Varianz in der Artenzusammensetzung für alle Pflanzenarten, UZL-Arten und SI-Arten erhalten mittels Redundanzanalyse Alle Pflanzen

UZL-Arten

df1

%SQ2

Standort

1

Zwergstrauchdeckung

1

Residuum

27

SI-Arten

df1

%SQ2

df1

%SQ2

11,1***

1

4,6**

1

8,8***

1

10,5***

4,4*

1

5,7**

84,3

27

86,6

27

83,8

Freiheitsgrade 2 SQ = Summe der Quadrate; prozentueller Anteil der erklärte Varianz in den Abundanzdaten; Signifikanz in Beziehung auf 999 Monte Carlo Permutationstests: * P < 0,05, **P < 0,01 und ***P < 0,001 1

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 172–177, 2013

175


Umwelt | Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von ­v erbuschten Alpweiden

Pflanzenarten: Achillea millefolium (achmil), ­A grostis capillaris (agrcap), Agrostis schraderiana (agrsch), Androsace obtusifolia (andobt), Antho-

1

1,5

Deckung Zwergsträucher

1,0

Pian Doss

(caraca), Chaerophyllum villarsii (chavil), Dianthus superbus (diasup), Diphasiastrum alpinum (dipalp),

agrsch +

RDA2 0,0

Euphorbia cyparissias (eupcyp), Festuca rubra

narstr+

­(fesrub), Galium pumilum (galpul), Hieracium ­h oppeanum (hiehop), Homogyne alpina (homalp),

Standort

Laserpitium halleri (lashal), Leontodon helveticus

0

0,5

tripra++ carsem ++ + + ++ + ++ + + + chavil loipro + + ++ + ++ + leohel + + ++ ++ + + + lashal + potere + ● + + ++ lotcor antodo + homalp + + + ++ + + + + phlalp dipalp+ + arnmon ++ + + fesrub ++ ++ + + avefle phybet + + + + galpum + + + carfri + + hiehop + ligmut + + + ++ ++ + tricae + ++ + + + + diasup + +caraca+ + + achmil + + + andobt+ + potaur + + agrcap+ + + + poacha + + + +

−0,5

(carfri), Carex sempervirens (carsem), Carlina acaulis

vacmyr +

Tällialp

xanthum odoratum (antodo), Arnica montana ­(arnmon), Avenella flexuosa (avefle), Carex frigida

Alp

(leohel), Ligusticum mutellina (ligmut), Loiseleuria procumbens (loipro), Lotus corniculatus (lotcor), Nardus stricta (narstr), Phleum alpinum (phlalp), Phyteuma betonicifolium (phybet), Poa chaixii ­( poacha), Potentilla aurea (potaur), Potentilla erecta

eupcyp + troeur +

(potere), Trichophorum caespitosum (tricae), Trifoli-

−1,0

um pratense (tripra), Trollius europaeus (troeur), Vaccinium myrtillus (vacmyr).

−1,5

−1,0

−0,5

0,0 RDA1

0,5

1,0

1,5

Abb. 5 | Grafik (ermittelt mit Redundanzanalyse, RDA), welche die Zusammensetzung aller Pflanzenarten mit einer Deckung ≥ 10 % für Tällialp (n = 15) und Pian Doss (n = 15) zeigt. Die Grösse der Punkte entspricht der Deckung der Zwergsträucher in jedem Kreis.

Pflanzenartenzusammensetzung Auf der Tällialp dominierten Heidel- und Rauschbeeren (Vaccinium myrtillus, V. uliginosum), auf der Alp Pian Doss Zwerg-Wacholder (Juniperus communis ssp. alpina) und Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Sowohl die Zwergstrauchdeckung als auch die Standorte hatten einen signifikanten Einfluss auf die Artenzusammensetzung der Graslandflächen (alle Arten, UZL-Arten und SI-Arten; Tab. 2). Die Modelle erklären 15,7 % der Varianz in der Artenzusammensetzung aller Pflanzenarten, 13,2 % für die UZL-Arten und 16,2 % für die SI-Arten. Abbildung 5 veranschaulicht diese Befunde.

Schlussfolgerungen Der Flächenanteil von Zwergsträuchern hatte einen sig­ nifikanten Einfluss auf die Artenzusammensetzung, aber nicht auf die Artenzahl aller sowie qualitätszeigender Pflanzen. Das bedeutet, dass die Artenzusammenset­ zung sich ändert, aber die Artenzahl konstant bleibt. Wenn Arten verschwinden, werden sie durch andere ersetzt: zum Beispiel wurde auf der Alp Pian Doss die Zypressenblättrige Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) eher bei geringer und der Gewöhnlicher Rot-Klee (Trifo-

176

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 172–177, 2013

lium pratense) eher bei starker Verbuschung gefunden. Solange Gräser und Kräuter genügend Platz zum Wach­ sen haben, scheint die Grösse der offenen Fläche eine sekundäre Rolle zu spielen. Für eine erfolgreiche Rück­ führung total verbuschter Flächen zu artenreichen Wei­ den sind Graslandflächen als Samenspeicher sehr wichtig (Barbaro et al. 2001). Diese Aufgabe können auch kleine offene Flächen übernehmen, welche von Zwergsträu­ chern umgeben sind. Somit sind auch kleinere offene Graslandflächen noch wertvoll für den Erhalt einer hohen Pflanzenartenzahl in Alpweiden.  n Dank

Die Studie ist Teil des Teilprojektes 5 «Qualität von Biodiversität» von AlpFutur. Finanzielle Unterstützung wurde durch die Armasuisse, das Bundesamt für Umwelt BAFU, die Sophie und Karl Binding Stiftung, die Ricola AG, und den Kanton Graubünden gewährt.

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Preziosa biodiversità nelle superfici di prato di pascoli alpestri invasi da cespugli L'alpicoltura vanta una lunga tradizione in Europa. I pascoli d'estivazione caratterizzano il paesaggio coltivo e presentano un'elevata biodiversità. Eppure, un numero sempre più alto di pascoli alpestri viene abbandonato e invaso da cespugli. Con ciò sparisce anche la diversità di piante e animali che li contraddistingue. Il presente studio ha lo scopo di illustrare, nel quadro del progetto congiunto AlpFutur, l'effetto degli arbusti sulle piante erbacee e graminacee degne di preservazione che crescono sulle superfici non ancora invase dai cespugli. Due pendii non piú pascolati appartenenti a 2 alpi su versanti opposti del Passo del San Bernardino, Alp Pian Doss e Tällialp, sono stati esaminati. Mentre per il numero totale di piante come anche quello delle piante indicatrici di qualità è stato trovato soltanto un effetto dell'ubicazione, sia l’ubicazione che il grado di copertura dei cespugli hanno mostrato un effetto sulla composizione vegetale delle superfici di prato. I risultati indicano che anche piccole superfici di prato circondate da cespugli possono ospitare molte specie tipiche delle praterie.

Literatur ▪▪ Anthelme F., Grossi J., Brun J. & Didier L., 2001. Consequences of green alder expansion on vegetation changes and arthropod communities ­r emoval in the northern French Alps. F orest Ecology and Management 145, 57–65. ▪▪ BAFU & BLW, 2008. Umweltziele Landwirtschaft. Hergeleitet aus bestehenden rechtlichen Grundlagen. In Umwelt-Wissen, Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern. ▪▪ Barbaro L., Dutoit T. & Cozic P., 2001. A six-year experimental restoration of biodiversity by shrub-clearing and grazing in calcareous grasslands of the French Prealps. Biodiversity and Conservation 10, 119–135. ▪▪ Bätzing W., 2003. Die Alpen – Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft. C.H. Beck, München. ▪▪ Baur P., Müller P. & Herzog F., 2007. Alpweiden im Wandel. Agrar­ forschung 14 (6), 254–259. ▪▪ Baur P., Bebi P., Gellrich M. & Rutherford G., 2006. WaSAlp – Waldausdehnung im Schweizer Alpenraum. Eine quantitative Analyse naturräumlicher und sozio-ökonomischer Ursachen unter besonderer Berücksichtigung des Agrarstrukturwandels. Schlussbericht. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf, Schweiz. pp. 64. Zugang: http://www.wsl.ch/projects/ WaSAlp.

Summary

Riassunto

Wertvolle Artenvielfalt in Grasland von ­v erbuschten Alpweiden | Umwelt

Valuable biodiversity in grassland areas of encroached alpine pastures Europe has a long tradition of alpine grazing. Alpine pastures shape the cultivated landscape supporting a high biodiversity. However, more and more alpine pastures are abandoned and affected by shrub encroachment, leading to the disappearance of plant and animal biodiversity. As part of the «AlpFutur» collaborative project, the aim of this study was to highlight the influence of dwarf shrubs on valuable herb and grass species occurring in open grassland areas surrounded by dwarf shrubs. On two alps on both sides of the San Bernardino Pass, Alp Pian Doss and Tällialp, two abandoned slopes were investigated. Whereas the number of all plants as well as quality plant species were affected by site only, both site and degree of shrub encroachment in the vicinity of the grassland areas had a significant effect on species composition. The results show that even small open areas surrounded by dwarf shrubs harbour many valuable grassland species. Key words: AlpFutur, alpine agriculture, land abandonment, plant diversity, shrub encroachment.

▪▪ ESRI, 2009. Arc-Info Software Version 9.3.1 software program produced by the authors at the ESRI, Redlands, CA, USA. ▪▪ Freléchoux F., Meisser M. & Gillet F., 2007. Succession secondaire et perte de diversité végétale après réduction du broutage dans un pâturage boisé des Alpes centrales suisses. Botanica Helvetica 117, 37–56. ▪▪ Lüscher G. & Walter T., 2009. Indikatoren für Ökoqualität im Sömmerungsgebiet. Agrarforschung 16 (5), 145–151. ▪▪ Mack G., Walter T. & Flury C., 2008. Entwicklung der Alpung in der Schweiz: Ökonomische und ökologische Auswirkungen. In: Yearbook of Socioeconomics in Agriculture 2008, 259–300. ▪▪ Müller P., 2002. Einfluss von Standort und Nutzung auf die Alpweidvegetation und ihre Bedeutung für die nachhaltige Alpnutzung, Ph. D. Thesis, Swiss Federal Institute of Technology, Zürich. ▪▪ R Core Team, 2012. R: A language and environment for statistical computing software program produced by the authors at the R Foundation for Statistical Computing, Vienna, Austria. ISBN 3-900051-07-0. Zugang: http://www.R-project.org/. ▪▪ Zoller H. & Bischof N., 1980. Stufen der Kulturintensität und ihr Einfluss auf Artenzahl und Artengefüge der Vegetation. Phytocoenologia 7, 35–51.

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 172–177, 2013

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G e s e l l s c h a f t

Wie sähe ein Bioland Schweiz aus? Stefan Mann, Ali Ferjani, Albert Zimmermann, Gabriele Mack und Anke Möhring, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, 8046 Zürich, Schweiz Auskünfte: Stefan Mann, E-Mail: stefan.mann@agroscope.admin.ch, Tel. +41 52 368 32 38

schaft emittierten Treibhausgase. Schwieriger zu beant­ worten ist die Frage nach den ökonomischen Implikatio­ nen einer Totalumstellung. Acs et al. (2007) identifizieren zum Beispiel die fortlaufenden Abschreibungen über­ flüssig gewordener Maschinen als potenzielle Quelle fehlender Rentabilität umgestellter Betriebe. Auch der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage nach den ökonomischen Implikationen einer flächendeckenden Umstellung auf den biologischen Landbau.

Auch die Gründüngung würde im ‹Bioland Schweiz› eine wichtige Rolle spielen.

Einleitung Gelegentlich wird darüber nachgedacht, was für Konse­ quenzen es hätte, wenn bestimmte Landesteile (für Baden-Württemberg vgl. Weinschenck und Braun, 1996), ganze Länder (für Österreich vgl. Freyer und Dorninger, 2008) oder sogar die ganze Welt (Bechmann und MaierSchaidnagel, 1996) ihre Landwirtschaft flächendeckend auf Biolandbau umstellen würden. Dabei ist relativ unbestritten, dass solche grossflächigen Umstellungen eine ökologische Entlastung mit sich bringen würden (Weinschenck und Braun, 1996; Bechmann, 2003). Freyer und Dorninger (2008) sprechen für Österreich etwa von einer Reduktion von 30 Prozent der von der Landwirt­

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Agrarforschung Schweiz 4 (4): 178–183, 2013

Warum Totalumstellung in der Schweiz? Grundsätzlich gibt es gute Gründe, nicht nur einzelne Betriebe, sondern ganze Regionen auf den Biolandbau umzustellen. Verbraucherinnen und Verbraucher bezweifeln zum Teil, dass der Einsatz von Agrochemikalien am Feldrand haltmacht. Dieses Problem würde durch die Umstellung ganzer Regionen ebenso gelöst, wie die Kommunizierbarkeit von Bio-Regionen leicht zu hand­ haben wäre und als Verkaufsargument verwendet wer­ den könnte. Im internationalen Kontext gibt es darüber hinaus auch Argumente, weshalb die Schweiz für eine Tota­ lumstellung auf den Biolandbau bessere Voraussetzun­ gen hat als zahlreiche andere Länder: 1. Die im Vergleich zu konventionell erzeugten Lebens­ mitteln erhöhten Preise für Bioprodukte können nur in Ländern mit einem relativ hohen Wohlstandsni­ veau problemlos von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen werden. 2. In West- und Mitteleuropa ist die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied eines der wenigen Länder, in denen die staatliche Anordnung einer Totalum­ stellung aus wettbewerbsrechtlicher Sicht überhaupt zulässig wäre. 3. Im Berggebiet besteht ein geringerer ökonomischer Wettbewerbsnachteil für den Biolandbau als in Ackerbaugebieten, in denen Agrochemikalien eine wichtigere Rolle spielen. Durch ihren hohen Anteil der Berggebietslandwirtschaft wären die Kosten der Schweiz bei einer Totalumstellung begrenzt.


4. Das Gleiche trifft auch für die Schweizer Agrarstruk­ tur zu. Kleinräumige Landwirtschaftsbetriebe können die Umstellung auf den Biolandbau besser bewältigen als Grossbetriebe. 5. Schweizer Nahrungsmittel haben bereits heute ein hohes Qualitätsimage (Bolliger und Reviron 2008). Dies sind gute Voraussetzungen für den Aufbau eines Bio-Schweiz-Images. Trotz dieser Vorteile ist es unwahrscheinlich, dass es zu einer Totalumstellung in der Schweiz kommen wird. Hierfür ist insbesondere eine Abneigung aller Entschei­ dungstragenden gegenüber Zwangsmassnahmen ver­ antwortlich. Auf der einen Seite ist das freie Unterneh­ mertum in der Schweiz ohnehin ein hoher Wert. Auf der anderen Seite hat die Agrarpolitik in den letzten Jahr­ zehnten viel dafür getan, die Landwirtinnen und Land­ wirte mit zahlreichen Liberalisierungsschritten dieser Entscheidungsfreiheit näherzubringen. Daher stünde eine angeordnete Umstellung der Schweizer Landwirt­ schaft gegen den Zeitgeist.

Methoden Um ermessen zu können, welche Konsequenzen eine Totalumstellung der Schweiz auf den Biolandbau hätte, wird mit dem agentenbasierten Modell SWISSland gear­ beitet. Dieses Modell bildet rund 3000 landwirtschaftli­ che Betriebe ab, die einem jährlichen Optimierungspro­ zess unterzogen werden, und rechnet diese auf die gesamte Schweizer Landwirtschaft hoch. Da unter bestimmten Umständen auch Betriebsaufgaben im Modell vorgesehen sind und die freiwerdenden Flächen an Nachbarbetriebe weitergegeben werden, macht SWISSland auch Aussagen zur Strukturentwicklung. Während für eine detailliertere Darstellung des Prog­ nosetools SWISSland auf andere Publikationen verwie­ sen werden soll (Möhring et al. 2010), ist an dieser Stelle noch gezielt auf die Modellierung der Landbauform ein­ zugehen. Neu wurden Umstellungswahrscheinlichkeiten auf der Grundlage einer Umfrage unter Schweizer Betrie­ ben (Ferjani et al. 2010) in beide Richtungen (von ÖLN auf Bio und umgekehrt) in das Modell integriert. Diese freiwillige Umstellung unter den Bedingungen der Agrarpolitik 2014–17, die bis in das Jahr 2020 fortgeführt wird, wurde als Referenzszenario verwendet. Gegen­ übergestellt wurde ein Szenario, in dem ab dem Jahr 2018 die Landbauform Bio die einzig zulässige Bewirt­ schaftungsform für landwirtschaftliche Betriebe ist. Dass der Biolandbau andere Anforderungen an betriebseigene und betriebsfremde Ressourcen und ein anderes Ertragsniveau hat, konnte im Modell dabei

Zusammenfassung

Wie sähe ein Bioland Schweiz aus? | Gesellschaft

Setzt man sich für eine Totalumstellung ganzer Regionen auf den Biolandbau ein, so ist durch die hohe Kaufkraft, die natürlichen Standortbedingungen, die kleinräumige Agrarstruktur und die politische Eigenständigkeit kein Land dafür so geeignet wie die Schweiz. Das Prognosemodell SWISSland wird verwendet, um für den Zeitraum 2018–20 eine Totalumstellung auf den Biolandbau zu simulieren und diese mit einer Weiterführung der AP 2014–17 zu vergleichen. Durch eine Totalumstellung würde sich der Ackerbau zuungunsten der Tierhaltung leicht ausdehnen. Der Rückgang an Arbeitskräften würde gebremst, die Erzeugung von Lebensmitteln ginge um 17 (Getreide) bis 50 (Zuckerrüben) Prozent zurück. Diese Minderproduktion relativiert auch die ökologische Entlastung wie eine Einsparung der im Agrarsektor aufgewendeten Energie um 42 Prozent. Ökonomisch wäre eine Totalumstellung der Schweizer Landwirtschaft auf den Biolandbau nur dann trag­ fähig, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten diese durch Zahlen höherer Preise für Lebensmittel stützen und nicht heutige ÖLN-Produkte weitgehend durch den Konsum konventionell erzeugter Importware substituieren würden.

ohne weiteres abgebildet werden. Mit der Umstellung auf Bio gehen in der Regel Ertragseinbussen bei den Kul­ turen und Leistungsrückgänge bei den Tieren einher. Zudem ändern sich Produktionsmittelbedarf und Arbeitsaufwand. Vielfach erfolgt eine Verlagerung der variablen Kosten (Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Futtermittel) zu den fixen Kosten (Hofdüngerlagerstät­ ten, Angestelltenkosten). Die Preise für Produktionsmit­ tel sind häufig höher, demgegenüber erzielt der Biobe­ trieb höhere Produktpreise und erhält zusätzliche Direktzahlungen. Für die Modellrechnungen wurde eine Anpassung der Erträge, Preise und Kosten in der Pflan­ zen- und Tierproduktion angenommen (Tab. 1 und 2). Obwohl in dem Szenario nicht klar zwischen der staatlichen Bio-Verordnung und den Knospe-Richtlinien von Bio Suisse unterschieden wird, geht das Modell davon aus, dass der Platzbedarf der Tiere sich im BioSzenario an den Vorgaben von Bio Suisse orientiert. Dies würde bedeuten, dass heutige Stallkapazitäten erwei­ tert oder die Tierzahl eingeschränkt werden müssten. Ebenso wurde von der Annahme ausgegangen, dass 

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 178–183, 2013

179


Gesellschaft | Wie sähe ein Bioland Schweiz aus?

Tab. 1 | Modellannahmen Bio-Pflanzenbau: Erträge, Preise, Arbeitsbedarf und Direktkosten (% von ÖLN) Naturalertrag

Produktpreise

Arbeits­bedarf

Saatgut

Düngung

Pflanzenschutz

übrige direkte Kosten

Brotgetreide

81 %

179 %

133 %

166 %

13 %

155 %

Futtergetreide

83 %

239 %

118 %

151 %

12 %

78 %

Raps

68 %

236 %

167 %

109 %

87 %

106 %

Hülsenfrüchte

64 %

253 %

323 %

161 %

83 %

83 %

Körnermais

66 %

215 %

172 %

144 %

24 %

56 %

113 %

Silomais

85 %

128 %

136 %

15 %

56 %

187 %

78 %

Kartoffeln

72 %

196 %

156 %

119 %

143 %

Zuckerrüben

54 %

250 %

355 %

132 %

150 %

131 %

Obst

77 %

175 %

133 %

147 %

317 %

112 %

140 %

Gemüse

77 %

175 %

152 %

133 %

87 %

86 %

155 %

172 %

Quelle: nach Deckungsbeitragskatalog Agridea, Ausgabe 2012

Tab. 2 | Modellannahmen Bio-Tierhaltung: Leistungen, Preise und Futterbedarf (% von ÖLN) Naturalleistung

Produktpreis

Grundfutterbedarf

Kraftfutterbedarf

Kraftfutterpreis

Milchkühe

88 %

133 %

100 %

50 %

134 %

Mutterkühe

100 %

102 %

100 %

100 %

130 %

Mastkälber

77 %

107 %

100 %

97 %

106 %

Mastvieh

71 %

120 %

185 %

15 %

107 %

Mastschweine

90 %

214 %

141 %

108 %

Zuchtschweine

96 %

220 %

104 %

127 %

Legehennen

90 %

184 %

128 %

111 %

Mastpoulets

80 %

246 %

111 %

108 %

100 %

Quelle: nach Deckungsbeitragskatalog Agridea, Ausgabe 2012

auch das verwendete Tierfutter zu 100 % biologisch erzeugt sein muss. Eine der schwierigsten Fragestellungen bei einer flä­ chendeckenden Umstellung ist die Vorhersage des Preis­ niveaus. Einerseits ist möglich, dass die Konsumentinnen und Konsumenten kaum bereit wären, auf konventio­ nell erzeugte Importware umzusteigen. Gemeinsam mit der zu erwartenden zunehmenden Verknappung der Schweizer Produktion durch die Umstellung wäre denk­ bar, dass das heutige Niveau der Biopreise erhalten bleibt. Umgekehrt wäre aber auch vorstellbar, dass eine breite Mehrheit an Konsumentinnen und Konsumenten auf konventionell erzeugte Importware umsteigt. Für diesen Fall müssten die Landwirtinnen und Landwirte bei gleichbleibendem Aussenschutz mit einem Preisni­ veau zurechtkommen, das auf dem heutigen ÖLNNiveau läge. Dieser Spagat wurde im Modell so gelöst, dass für 2018 noch das Bio-Preisniveau angenommen wird, das aber bis 2020 auf ÖLN-Preisniveau sinkt. Auf diese Weise können beide Bedingungen ebenso wie ein (wahrscheinlichster) Mittelweg abgebildet werden.

180

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 178–183, 2013

Ein Punkt, der eine flächendeckende Umstellung sicher erschweren würde, ist die ökonomische Situation der Umstellungsbetriebe, die zwar die gleichen Auflagen zu erfüllen hätten wie Biobetriebe, aber nicht in den Genuss der gleichen Preise kämen. Um hier keine unbil­ ligen Härten zu schaffen, wurde angenommen, dass der Staat bei einer flächendeckenden Umstellung diesen Nachteil der Umstellungsbetriebe in der entsprechenden Phase finanziell ausgleichen würde. Im Übrigen wurde eine Fortführung des Direktzahlungsbudgets wie in der AP 2014–2017 angenommen. Es musste daher von linea­ ren Kürzungen bei den einzelnen Direktzahlungsarten ausgegangen werden. Da der Biolandbau heute mehr von Direktzahlungen profitiert, wäre andernfalls auch längerfristig mit erheblichen staatlichen Mehraufwen­ dungen zu rechnen. Zusätzlich zu der ökonomischen Analyse wurden mittels der in Zimmermann et al. (2011) beschriebe­ nen Methodik auch ökologische Auswirkungen der Totalumstellung im Vergleich zum Referenzszenario ermittelt.


Wie sähe ein Bioland Schweiz aus? | Gesellschaft

Ackerbrache

300 250

38 20

200

18

150

52

100 50

86

39

39

38

38

37

35

35

34

34

33 18

33 18

33 18

16

16

16

18

48

52

19

19

19

19

19

18

18

18

18

17

17

18

18

18

17

17

17

16

47

47

46

80

79

82

46 82

46 82

47 82

48

48

47

83

83

82

38

48

48

83

83

39

20

86

83

39

38

38

37

35

35

34

34

19

19

19

19

19

18

18

18

18

17

17

18

18

18

17

17

17

16

47

47

46

80

79

82

46

46

47

48

48

47

And. Kulturen

35 16

40 15

43

Silomais

13

Futterrüben

17

16

16

54

53

54

Zuckerrüben Kartoffeln Gemüse Hülsenfrüchte

82

83

82

83

82

82

85

82

Sonnenblumen

83

Soja

Ref ( -4,8%)

Raps

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

0

Körnermais Futtergetreide

100% Bio (-1,1%)

Brotgetreide

Abb. 1 | Modellresultate SWISSland: Entwicklung der offenen Ackerfläche.

Resultate

Weniger positiv als auf den Ackerbau wirkt die Totalum­ stellung auf Dauerkulturen. Während im Referenzszena­ rio bereits eine Abnahme um sechs Prozent der ange­ bauten Fläche erwartet wird, würde sich diese Abnahme im Bio-Szenario laut Modellprognose verdoppeln. Abbildung 2 verdeutlicht, dass eine Totalumstellung auch zu einer deutlichen Einschränkung der Tierhaltung führen würde. Die geringere Flächenproduktivität des Biolandbaus führt gemeinsam mit den strengeren Tier­ schutzvorschriften dazu, dass mit mehr Futterfläche weniger Tiere gehalten werden. Konkret sinken die Tier­ bestände durch eine Totalumstellung um knapp ein Viertel. Dieser Abbau findet relativ gleichmässig über sämtliche Tierkategorien statt, wenn auch in der Rinder­ haltung deutlicher als in der Veredelung. Dies wirkt sich auch deutlich auf den mittleren Tierbesatz aus, der etwa in der Talregion von heute 1,26 GVE/ha auf 0,98 sinkt. Es ist naheliegend, dass die Produktion bei einer Totalumstellung auf den Biolandbau deutlich zurückge­ hen würde. Ein Bioland Schweiz müsste laut Modeller­ gebnissen mit einem Sechstel weniger heimisch erzeug­ 

Zunächst kann festgehalten werden, dass sich die insge­ samt genutzte Fläche durch die Totalumstellung nicht deutlich verändern würde. Der Anteil offener Ackerfläche würde sich allerdings etwas zuungunsten der Kunstwiese erhöhen. In Abbildung 1 wird dies deutlich; zudem wird auch klar, welche Kulturen besonders von der Stärkung des Ackerbaus profitieren: Während weniger Zuckerrüben angebaut werden, dehnen sich die für Futtergetreide und für Silomais benötigten Flächen deutlich aus. Mit dieser Zunahme des Ackerfutterbaus werden die sinkenden Flä­ chenerträge teilweise kompensiert. Prozentual am mar­ kantesten fällt jedoch der Zuwachs bei den Hülsenfrüch­ ten aus, deren Anbaufläche auch bei ungünstiger Preisentwicklung um mindestens 50 Prozent zunimmt. Da Bioackerbau in Sachen Nährstoff-, Unkraut- und Schäd­ lingsmanagement besondere Anforderungen an den Bewirtschafter stellt, ist der modellierte Anstieg zulasten der Kunstwiese entweder überschätzt oder aber nur in Verbindung mit massiven Beratungsleistungen realistisch. 1400

Mastpoulets

1200

Legehennen Mastsauen

1000 800 600

Zuchtsauen 137 139 138 137 135 133 129

128 126 125 124 123 122 86 86 86 86 86 86 79 78 78 76 75 75 75

400 200

557 568 561 557 550 542 526 520 513 509 504 497 492

137 139 138 137 135 133 129

128 126 126 113 110 110 86 86 86 86 86 86 79 78 78 76 70 70 70

557 568 561 557 550 542 527 520 513 509

459 446 444

Ziegen Schafe Pferde Mastvieh Mastkälber Aufzucht

Ref (-12,0%)

100% Bio (-23,9%)

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2011

2012

2010

2009

2008

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

0

Jungvieh Mutterkühe Milchkühe

Abb. 2 | Modellresultate SWISSland: Entwicklung des Tierbestandes (in 1000 GVE).

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 178–183, 2013

181


Gesellschaft | Wie sähe ein Bioland Schweiz aus?

3206 2898 10288

3347 2984

3784 3137 12756

11186

3738 3041

3839 3136 10535

10316

3930 3191

4035 3290 11013

4333 3633

4241 3566

11746

11371

10717

4466 3881

4403 3768

12310

11981

4571 3970

4400 4021

12453

11568

3047 2843 9613

3308 2983

3122 2913 9830

10051

3738 3034

3846 3127 10538

11004

10720

5000

11568

10000

10317

4041 3281

4240 3570 11368

3939 3185

4401 3769

4330 3635

11984

11742

4571 3970

4463 3881

12454

15000

12311

20000

4400 4021

25000

Bergregion Hügelregion Talregion

Ref (-22,4%)

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2020

2019

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

0

100% Bio (-18,0%)

Abb. 3 | Modellresultate SWISSland: Entwicklung der Anzahl Fremdarbeitskräfte.

tem Getreide und Milch, einem Drittel weniger Ölsaaten, Obst und Gemüse und knapp der Hälfte weniger Kartof­ feln und Zuckerrüben auskommen. Insgesamt würde die produzierte Nahrungsenergie im Vergleich zur Referenz um knapp über 30 % sinken. Diese Minderproduktion muss natürlich auch berück­ sichtigt werden, wenn über die Umweltwirkung einer Totalumstellung nachgedacht wird. Der direkte und indi­ rekte Energiebedarf der Landwirtschaft im Bioland Schweiz liegt gemäss der Analyse um 42 Prozent niedri­ ger als im Referenzszenario. Pro erzeugter Einheit Nah­ rungsenergie ist die Einsparung geringer, beträgt aber immer noch rund 16 Prozent. Im Falle des Treibhauspo­ tenzials ändert sich die Rangfolge mit der Bezugsgrösse: Einer absoluten Einsparung von 23 Prozent stehen 12  Prozent mehr Treibhausgase pro erzeugter Kalorie gegenüber. Deutlich günstiger schneidet das Bio-Szena­ rio bei den Toxizitäts-Wirkungen ab, während die Umweltwirkungen Versauerung und Eutrophierung wenig ändern beziehungsweise je Kalorie deutlich stei­ gen. Hauptverantwortlich dafür sind die Ammoniak­ emissionen, die im Biolandbau vor allem durch den grös­ seren Oberflächenkontakt im Stall und die breitere Flächenverteilung bei der Ausbringung zunehmen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass der Bioland­ bau arbeitsintensiver ist als das heute vorherrschende Agrarsystem. Der im Modell allgemein prognostizierte Rückgang der Arbeitskräfte wird, wie in Abbildung 3 dargestellt, im Zuge einer Totalumstellung merklich geringer ausfallen. Wenig qualifizierte Aussagen kann das Modell in Bezug auf Strukturwandel und Einkommensentwick­ lung machen. Aus ökonomischer Sicht hat das Szenario der Totalumstellung keinen klaren Einfluss auf das Tempo des Strukturwandels. Gleichzeitig ist es aber durchaus denkbar, dass nicht alle heutigen Landwirtin­ nen und Landwirte bereit wären, die biologische Wirt­

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schaftsweise zu übernehmen und lieber die Bewirtschaf­ tung ihres Betriebs einstellen. Solche Faktoren kann das SWISSland-Modell natürlich nicht vorhersehen, ohne dass entsprechende Umfragedaten vorliegen. Eine ähn­ lich schwierige Prognose ist bei der Preis- und Einkom­ mensentwicklung zu konstatieren. Würden die Biopreise nach einer Totalumstellung stabil bleiben, würde das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen um etwa ein Viertel steigen. Dies würde allerdings voraus­ setzen, dass die Konsumenten eher auf Bioprodukte als auf importierte Lebensmittel umsteigen. Das umge­ kehrte Szenario wäre eine Verbraucherschaft, die nicht bereit ist, die heutigen Biopreise zu bezahlen, sondern eher auf Importware umsteigt. Dann würden die Bio­ preise auf das heutige ÖLN-Niveau fallen, was Einkom­ menseinbussen des Durchschnittsbetriebs von fast der Hälfte zur Folge hätte. Auch zwischen diesen Szenarien ist das Modell nicht in der Lage, eine Entscheidung zu fällen. Die Ergebnisse verdeutlichen jedoch, dass eine Totalumstellung ökonomisch nur dann sinnvoll wäre, wenn sie von einer breiten Schicht Konsumentinnen und Konsumenten mitgetragen würde.

Schlussfolgerung Ein Bioland Schweiz wäre der Ort für eine Landwirt­ schaft mit weniger Tieren und mehr Ackerfläche als heute. Der durch technischen Fortschritt bedingte Rück­ gang an Arbeitskräften würde durch die Umstellung auf Biolandbau etwas aufgehalten werden. Es würden deut­ lich weniger Lebensmittel als bisher produziert werden, was einen Rückgang der Selbstversorgungsquote zur Folge hätte. Schlüsselfaktor zum Erfolg eines Biolandes Schweiz wäre jedoch die Bereitschaft der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten, für Schweizer Lebensmittel höhere Preise als bislang zu zahlen. n


Immaginiamo la Svizzera bio Se si punta a una riconversione globale di intere regioni all'agricoltura biologica, nessun Paese risulta più adeguato della Svizzera che può contare su elevato potere d'acquisto, condizioni locali naturali, strutture agricole di piccole dimensioni e autonomia politica. Mediante il modello di previsione SWISSland si simula un passaggio all'agricoltura biologica sull'intero territorio nazionale negli anni 2018–20 e lo si mette a confronto con un proseguimento della PA 14–17. Se si realizzasse tale passaggio, la campicoltura si estenderebbe leggermente a scapito della detenzione di animali, il calo di manodopera subirebbe un rallentamento e la produzione di generi alimentari si ridurrebbe dal 17 (cereali) al 50 (barbabietole da zucchero) per cento. Tale flessione della produzione ridimensiona anche lo sgravio ecologico sotto forma di un risparmio del 42 per cento dell'energia utilizzata nel settore agricolo. Da un punto di vista economico, una riconversione totale dell'agricoltura svizzera al biologico risulterebbe sopportabile soltanto se i consumatori la sostenessero pagando prezzi più alti per i generi alimentari e non continuassero a consumare merce d'importazione prodotta in maniera convenzionale al posto degli attuali prodotti PER.

Literatur ▪▪ Acs S., Berentsen P.B.M. & Huirne R.B.M., 2007. Conversion to organic arable farming in The Netherlands: A dynamic linear programming ­a nalysis. Agricultural Systems 94 (2), 405–415. ▪▪ Bechmann A. & Maier-Schaidnagel R., 1996. Global organic farming: a realistic utopia? Ecology and farming 12, 29–32. ▪▪ Bechmann A., 2003. Ökologischer Landbau – die Landwirtschaft der ­Z ukunft. Barsinghausen: Edition Zukunft. ▪▪ Bolliger C. & Reviron S., 2008. Consumer willingness to pay for Swiss ­c hicken meat: an in-store survey to link stated and revealed buying behavior. Presentation at the 12th Congress of the European Association of Agricultural Economists, 24.–29.8., Ghent. ▪▪ Ferjani A., Reissig L. & Mann S., 2010. Ein- und Ausstieg im Biolandbau. ART-Schriftenreihe Bd. 13., Ettenhausen.

Summary

Riassunto

Wie sähe ein Bioland Schweiz aus? | Gesellschaft

What would an organic Switzerland look like? Switzerland‘s high purchasing power, natural site conditions, small-scale agricultural structure and political independence arguably make it more suitable than any other country for a conversion of entire regions to organic farming. The SWISSland forecast model is used to simulate a complete changeover to organic farming for the time period 2018–20, and to compare this with a continuation of Agricultural Policy 2014–17. A complete conversion to organic agriculture would cause a slight expansion in arable farming to the detriment of animal husbandry. The decline in the work force would be slowed, and the production of foodstuffs would drop by 17 per cent (grains) to 50 per cent (sugar beet). This lower production also puts in perspective the reduction of the environmental burden, such as a 42 % savings on energy expended in the agricultural sector. Switzerland’s total switchover to organic farming would only be economically sustainable if consumers supported it by paying higher prices for food rather than by largely replacing current PEP products with the consumption of conventionally produced imported goods. Key words: organic farming, Swiss agriculture, conversion, modeling.

▪▪ Freyer B. & Dorninger M., 2008. Bio-Landwirtschaft und Klimaschutz in Österreich. Wien: Institut für Ökologischen Landbau. ▪▪ Möhring A., Zimmermann A., Mack G., Mann S., Ferjani A. & Gennaio M.-P., 2010. Multidisziplinäre Agentendefinitionen für Optimierungs­ modelle. In J.-P. Loy und Müller R.A.E.: Agrar- und Ernährungsmärkte nach dem Boom. Münster: Landwirtschaftsverlag. ▪▪ Weinschenck G. & Braun J., 1996. Flächendeckender ökologischer Landbau löst Umwelt- und Marktprobleme. Ökologie und Landbau 24 (2), 25–28. ▪▪ Zimmermann A., Baumgartner D., Nemecek T. & Gaillard G., 2011. Are public payments for organic farming cost-effective? Combining a decision-support model with LCA. The International Journal of Life Cycle Assessment 16 (6), 548–560.

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N u t z t i e r e

Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz Dierk Schmid1 und Simon Lanz2 Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, 8356 Ettenhausen, Schweiz 2 Bundesamt für Landwirtschaft BLW, 3003 Bern, Schweiz Auskünfte: Dierk Schmid, E-Mail: dierk.schmid@agroscope.admin.ch, Tel. +41 52 638 33 18

1

Der Betriebstyp Verkehrsmilch hat mit rund 85 % den höchsten durchschnittlichen Grasanteil in der Futterration

Einleitung Die Schweiz ist ein Grasland. Fast drei Viertel der land­ wirtschaftlichen Nutzfläche von 1,05 Mio. Hektar wird als Grünland bewirtschaftet. Rund 610 000 ha sind Dau­ ergrünland (BLW 2012), das sich ausschliesslich als Wie­ sen oder Weiden nutzen lässt. Dazu kommen die Söm­ merungsweiden von noch einmal rund einer halben Million Hektar. Die futterbauliche Produktion dieser Flä­ chen wird über die Haltung raufutterverzehrender Nutz­ tiere zu Milch und Fleisch veredelt. Ein namhafter Teil der Fütterung von Wiederkäuern wird jedoch auch über den Einsatz von Ackerfutter und importiertem Kraftfut­ ter abgedeckt (Baur 2011). Im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017 schlägt der Bundesrat bei den sogenannten Produktionssystembei­ trägen einen Beitrag für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion vor. Damit soll der Einsatz von Kraft­ futter in der Wiederkäuerfütterung begrenzt und der

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Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013

Wettbewerbsvorteil, den die Schweizer Landwirtschaft mit ihrer raufutterbetonten Fütterung heute hat, lang­ fristig gesichert werden (Bundesrat 2012). Im Zusammenhang mit der Ausgestaltung dieses neuen Instruments und im Hinblick auf dessen künftige Evaluation, interessiert die Ist-Situation bezüglich Fütte­ rung von Wiederkäuern in der Schweiz. Futtermittel­ bilanzen geben auf Sektorebene Auskunft über die Zusammensetzung des Futters (Schweizerischer Bauern­ verband 2011). Auf einzelbetrieblicher Ebene gibt es Untersuchungen zu Fütterungssystemen, die bezüglich der Zusammensetzung des Futters von Standardnormen oder Modell-Betrieben ausgehen (z. B. Notz 2012). Es gibt aber keine systematische Untersuchung über die Verbreitung dieser Fütterungssysteme, insbesondere in der Milchviehhaltung. Im Rahmen des vorliegenden Artikels wird auf der Basis der Buchhaltungsbetriebe der Zentralen Auswertung von Agroscope untersucht, wie sich die Futterration der Schweizer Milchviehbetriebe heute zusammensetzt.

Methode Die Futtermenge, die in Form von Gras1 zu Verfügung steht, wird aus der Wiesen- und Weidefläche (basierend auf den Angaben der Zentralen Auswertung von Buch­ haltungsdaten) sowie einem spezifischen durchschnittli­ chen Flächenertrag berechnet. Da keine Angaben zur Nutzung des Grünlands vorliegen, müssen hierfür Annahmen getroffen werden. Zum Beispiel wird für sämtliche extensive Wiesen unterstellt, dass sie aus­ schliesslich Bodenheu produzieren. Bei anderen Flächen, wo mehrere Nutzungsarten möglich sind, wie beispiels­ weise bei Dauerwiesen, werden Annahmen über die Zusammensetzung der gewonnenen Futterarten getrof­ fen Im Vergleich zu anderen Datenquellen wie zum Bei­ spiel der Strukturdatenerhebung, liegen in den Daten der Buchhaltungsbetriebe neben den Angaben zu den

Der Begriff «Gras» wird im vorliegenden Artikel vereinfachend als synonym für ­f risches, siliertes oder getrocknetes Wiesen- und Weidefutter verwendet.

1


Futterflächen auch monetäre Angaben zum Zu- und Ver­ kauf von Raufutter vor. Diese werden verwendet, um daraus physischen Mengen abzuleiten, indem der mone­ täre Wert durch einen geschätzten durchschnittlichen Preis pro Dezitonne Futter dividiert wird. Die Futtermenge an Silomais, wird analog zur Vorge­ hensweise bei Gras respektive Heu aus der Silomaisflä­ che und einem durchschnittlichen zonenabhängigen Flächenertrag berechnet. Da der monetäre Wert des Zukaufs von Raufutter nicht nach Futterarten vorliegt, wird angenommen, dass er zur Hälfte aus Gras besteht, während die andere Hälfte auf Silomais entfällt. Es wurde für beide Futterarten ein Preis von 40 Fr./dt TS angenommen. Beim Kraftfutter für Rinder geht man von einem durchschnittlichen Preis von 70 Fr./dt und einem TS-Gehalt von 88 % aus. Bei Biobetrieben wird entsprechend dem Preisverhältnis zwischen Getreide aus konventioneller und biologischer Produktion für Kraft­ futter ein Preiszuschlag von 50 % angesetzt. Die Annahmen zum verfügbaren Futter der jeweili­ gen Futterflächen sind in Tabelle 1 für jede Zonen darge­ stellt. Die einzelbetrieblichen Daten werden für die Aus­ wertung zu Gruppen aggregiert und anschliessend deren Unterschiede analysiert. In der Analyse wurden alle Betriebstypen berücksichtigt, bei denen die Milch­ produktion zumindest einen Schwerpunkt bildet (zur Typeneinteilung siehe Mouron und Schmid 2012, S. 11): Verkehrsmilchbetriebe (Typ 21) und kombiniert Ver­ kehrsmilch-Ackerbau (Typ 51) sowie kombiniert Vered­ lung (Typ 53) und kombiniert andere mit Milchviehhal­ tung (Typ 54). Nicht analysiert wurden jene Betriebstypen mit Rindviehhaltung ohne Milchproduktion (Mutterkuh­  haltung, Grossviehmast).

Zusammenfassung

Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz | Nutztiere

Im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017 schlägt der Bundesrat bei den sogenannten Produktionssystembeiträgen einen Beitrag für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion vor. Im Hinblick auf die Ausgestaltung dieses neuen Instruments und auf dessen künftige Evaluation interessiert die Ist-Situation bezüglich der Fütterung von Wiederkäuern in der Schweiz. Mithilfe von Buchhaltungskennzahlen der Zentralen Auswertung der Agroscope wird untersucht, wie sich die Futterration der Schweizer Milchviehbetriebe zusammensetzt. Der Anteil des Futters aus Grünland bei den gemischten Betrieben ist niedriger als bei den spezialisierten Verkehrsmilchbetrieben. Bio-Betriebe, Betriebe mit niedrigerer Milchleistung und Betriebe in höheren Zonen weisen höhere Grasanteile in der Ration auf. Insgesamt ist die Zusammensetzung der Futteranteile zwischen den Betrieben heterogen. Die Voraussetzungen für die Erfüllung der Anforderungen des neuen Programms für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion sind bei einem Grossteil der Betriebe gegeben.

Tab. 1 | Annahmen für die Modellrechnungen. Verfügbares Futter in dt TS/ha Wiesenart Nutzung

Extensive Wiese

Wenig Intensive Wiese

Dauerwiesen

Extensive Weide

Weiden

Kunstwiese

Bodenheu extensiv

Bodenheu wenig intensiv

3/4 Heu, 1/4 Grassilage

Weidegras extensiv

2/3 Weidegras, 1/3 Heu

2/3 Grassilage, 1/3 Heu

Silomais

Talzone

29,0

59,9

94,1

24,0

91,5

94,7

102,0

Hügelzone

27,2

55,9

91,1

22,4

87,0

90,1

95,8

Bergzone 1

25,4

52,4

87,3

21,0

81,9

85,5

90,2

Bergzone 2

23,7

48,8

81,5

19,5

76,8

80,0

0,0

Bergzone 3

21,2

43,7

69,9

17,5

65,1

70,7

0,0

Bergzone 4

16,8

34,7

53,4

13,9

50,5

56,1

0,0

Annahmen: Lagerverluste Silo 15 %, Heu 6 %. Wirzhandbuch s. 678f Quellen: Erträge: Dietl 1986, Feldverluste: Agridea 2012 (1).

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013

185


Nutztiere | Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz

100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30%

Anteil Kraftfutter

20%

Anteil Silomais

10% 0%

Anteil Gras 21

51

53

54

Betriebstyp Abb. 1 | Durchschnittliche Anteile verfügbares Futter (Gras, Silomais, Kraftfutter) in TrockenQuelle: Agroscope, Referenzbetriebe der Zentralen Auswertung substanz der Betriebstypen Verkehrsmilch (21), Kombiniert Verkehrsmilch-Ackerbau (51), Kombiniert Veredlung (53) und Kombiniert Andere (54) im Jahr 2010.

Resultate Durchschnittliche Futterzusammensetzung der Betriebs­ typen In Abbildung 1 sind die durchschnittlichen Anteile des verfügbaren Futters nach den Futterarten Gras, Silomais sowie nach Kraftfutter für die wichtigsten milchviehhal­ tenden Betriebstypen dargestellt. Die Betrachtung der durchschnittlichen Anteile des verfügbaren Futters stimmt mit den Fütterungsnormen (Agridea 2011) über­ ein. Das Grünland liefert bei allen Betriebstypen den Hauptbestandteil der Futterration. Die Zusammenset­ zung der Futterrationen spiegelt sich in der Ausrichtung der Betriebe bezüglich Pflanzenbau und Tierhaltung wie­

der. Der am weitesten verbreitete Betriebstyp Verkehrs­ milch (Typ 21; 32 % der Grundgesamtheit der Zentralen Auswertung) hat mit rund 85 % den höchsten durch­ schnittlichen Grasanteil in der Futterration. Silomais spielt bei diesen Betrieben eine untergeordnete Rolle (<5 %), der Kraftfutteranteil liegt bei rund 11 %. Demgegenüber ist bei den mit Ackerbau kombinierten Verkehrsmilchbe­ trieben (Typ 51; 7 % der ZA-Grundgesamtheit) der Futter­ anteil aus Gras mit 62 % am niedrigsten. Sowohl der Silo­ mais- als auch der Kraftfutteranteil sind bei diesen Betrieben mit 20 % beziehungsweise 18 % am höchsten. Die Betriebe mit einer kombinierten Ausrichtung von Ackerbau, Verkehrsmilch und Veredlung (Typ 53) und «kombiniert Anderen» (Typ 54) liegen bezüglich Futterzu­

100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30%

Anteil Gras > 90 %

20%

Anteil Gras 80-90 %

10%

Anteil Gras 70-80 %

0%

Anteil Gras < 70 % 21

51

53

54

Betriebstyp Abb. 2 |Agroscope, Verteilung der Betriebe Anteil verfügbarem Futter in TS (Gras) und Betriebstypen Verkehrsmilch Quelle: Referenzbetriebe der nach Zentralen Auswertung (21), Kombiniert Verkehrsmilch-Ackerbau (51), Kombiniert Veredlung (53) und Kombiniert Andere (54) im Jahr 2010.

186

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013


Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz | Nutztiere

100% 90% 80% 70% 60% Anteil Gras > 90 %

50% 40%

Anteil Gras 80-90 %

30% 20%

Anteil Gras 70-80 %

10% Anteil Gras < 70 %

0% Talzone

Hügelzone

Bergzone 1

Bergzone 2

Bergzone 3

Bergzone 4

Quelle: ART, der Referenzbetriebe der Zentralen Abb. 3 |Agroscope Verteilung Betriebe Typ 21 (ÖLNAuswertung und Bio) nach Anteil verfügbarem Futter in TS (Gras) und Zone im Jahr 2010.

sammensetzung zwischen den beiden erst genannten Betriebstypen. Der Kraftfutteranteil ist mit rund 15 % bei beiden Betriebstypen sehr ähnlich. Die Betriebe vom Typ 53 haben zwar mit rund 44 % einen höheren Anteil an offener Ackerfläche als die vom Typ 54 mit 37 %, letztere haben aber absolut die grösseren Silomaisflächen (Typ 53: 1,9 ha, Typ 54: 2,6 ha). Dementsprechend ist der Silomais­ anteil beim Betriebstyp 53 niedriger. Ausser beim Betrieb­ styp 51 besteht eine Korrelation zwischen dem Einsatz von Silomais und Kraftfutter, das heisst Betriebe mit hohem Silomaisanteil setzen auch mehr Kraftfutter ein.

Landbauform Hinsichtlich Landbauform zeigt sich, dass bei den BioVerkehrsmilchbetrieben rund 95 % der Betriebe einen Grasanteil von mehr als 80 % und 53 % der Betriebe einen Grasanteil von mehr als 90 % verfüttert. Dies ist kein Widerspruch zu den Biorichtlinien, die bei den Wiederkäuern mindestens 90 % TS Raufutter vorschrei­ ben, da unter Raufutter auch Silomais (Ganzpflanzensi­ lage) gezählt wird (Biosuisse 2011). Bei den ÖLN-Betrie­ ben ist eine Fütterung mit einem Grasanteil von 80 bis 90 % (40 % der Betriebe) am weitesten verbreitet.

Wie ist die Verteilung der Betriebe hinsichtlich des ­Grasanteils in der Ration? Hinter der Durchschnittsbetrachtung verbirgt sich die Heterogenität der einzelnen Betriebe mit unterschiedli­ cher Zusammensetzung der Futterration. In Abbildung 2 ist der Anteil der Betriebe nach den Kategorien Anteil Gras für die Betriebstypen Verkehrsmilch (21), Kombi­ niert Verkehrsmilch-Ackerbau (51), Kombiniert Vered­ lung (53) und Kombiniert Andere (54) dargestellt. Wäh­ rend rund 70 % der Betriebe des Typs 51 einen Grasanteil in der Ration von weniger als 70 % haben, sind es beim Typ 21 lediglich 23 %. Der Anteil Betriebe mit 70 bis 80 % Gras in der Ration ist mit rund 30 % bei den drei Betrieb­ stypen 21, 53 und 54 gleichgross. Der Anteil der Betriebe mit einem Grasanteil in der Ration von über 80 % nimmt vom Betriebstyp 21 über Typ 53 zu Typ 54 ab. Umgekehrt steigt der Anteil der Betriebe mit geringem Grasanteil (< 70 %) in derselben Reihenfolge an.

Landwirtschaftliche Zonen In der Abbildung 3 ist der Anteil der Betriebe nach den Kategorien Anteil Gras und landwirtschaftlichen Zone für den Betriebstyp Verkehrsmilch dargestellt. Die Unter­ schiede über alle Zonen gesehen, sind signifikant (Krus­ kal-Wallis-Test P  <  0,01). In allen Zonen stellen die Betriebe mit einem Grasanteil von 80 bis 90 % die grösste Gruppe. Der Betriebsanteil dieser Gruppe steigt von der Talzone bis zur Bergzone 4 von rund 30 % auf 58 % an. Der Anteil der Betriebe mit über 90 % Gras in der Ration steigt von der Talzone bis zur Bergzone 3 um das Dop­ pelte auf 33 % an. In der Bergzone 4 liegt der Anteil wie­ der bei 20 %. Die Anteile der Betriebe zwischen 70 und 80 % Gra­ santeil sind in der Talzone, Hügelzone und Bergzone 1 annähernd gleich bei rund 28 %. In den höherliegen­ den Bergzonen  2 bis 4 sind sie dann mit 15 bis 19 % niedriger. Umgekehrt verhält es sich bei den Betrieben 

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013

187


Nutztiere | Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz

100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30%

Anteil Gras > 90 %

20%

Anteil Gras 80-90 %

10%

Anteil Gras 70-80 % Anteil Gras < 70 %

0% < 6000 kg

6000 -

6500 -

7000 -

7500 -

6500 kg

7000 kg

7500 kg

8000 kg

> 8000 kg

Milchleistungsgruppen Abb. 4 | Verteilung der Betriebe nach Anteil verfügbarem Futter in TS (Gras) und durchschnittlicher Milchleistung pro Quelle: Agroscope, Referenzbetriebe der Zentralen Auswertung Kuh. Betriebstyp 21 im Jahr 2010.

mit Grasanteilen von unter 70 %, die am häufigsten in der Talzone mit rund 23 % vorkommen und in den Bergzonen eine sehr kleine Rolle spielen. Auffällig ist, dass die Bergzone 4 einen höheren Anteil von Betrie­ ben mit Grasanteil unter 70 % und weniger Betriebe mit einem Grasanteil über 90 % aufweist. Grundsätzlich ist die Zusammensetzung der Anteile jeweils in der Hügel- und Bergzone 1 sowie in der Bergzone 2 und 3 sehr ähnlich. Milchleistung Die Futterzusammensetzung in Zusammenhang mit der Milchleistung zeigt ein erwartetes Bild (Abb. 4). Je höher die Milchleistung, umso geringer der Anteil Betriebe mit einem hohen Grasinput (Spearmans Roh = –0,49). Wäh­ rend rund 80 % der Betriebe mit einer Milchleistung unter 6500 kg Milchleistung pro Kuh einen Grasanteil über 80 % aufweisen, sind dies nur bei 37 % bei den Betrieben mit einer Milchleistung von über 8000 kg pro Kuh. Dennoch zeigt dies, dass auch Betriebe mit einem hohen Grasanteil in der Fütterung hohe Milchleistungen erreichen können. Wirtschaftlichkeit In Abbildung 5 ist die Verteilung der Betriebe hinsichtlich der wirtschaftlichen Kenngrösse Arbeitsverdienst je Fami­

188

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013

lienarbeitskraft und dem Grasanteil in der Ration darge­ stellt. In allen Leistungsgruppen des Arbeitsverdienstes haben jeweils 50 % der Betriebe einen Futteranteil aus Grünland von über beziehungsweise unter 80 %. In der Gruppe mit den höchsten Arbeitsverdiensten fällt auf, dass diese den höchsten Anteil Betriebe mit einem klei­ nen (< 70 %) und mit einem hohen Grasanteil aufweisen, während die Betriebe mit Anteilen zwischen 70 und 90 % Gras am wenigsten vertreten sind. In der Bergregion kor­ reliert ein hoher Grasanteil positiv mit dem Arbeitsver­ dienst. Sonst kann kein Zusammenhang zwischen Grasan­ teil und Wirtschaftlichkeit festgestellt werden. Hochrechnung Zur Abschätzung der absoluten Futtermenge bezie­ hungsweise deren Gesamtverteilung werden die einzel­ betrieblich ermittelten Futterwerte (TS) hochgerechnet. Hierbei wird angenommen, dass die Referenzbetriebe für alle Betriebe in der Grundgesamtheit der Schweiz ste­ hen. Zur Berechnung, wie viele Betriebe von einem Refe­ renzbetrieb repräsentiert werden, werden die Referenz­ betriebe und die Betriebe Grundgesamtheit nach Schichten (Region, Betriebstyp, Grössenklasse) aufgeteilt und pro Schicht miteinander dividiert. Für die Gesamt­ menge des Futters wird die mittlere Futtermenge der Referenzbetriebe pro Schicht mit den vertretenen Betrie­


Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz | Nutztiere

100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30%

Anteil Gras > 90 %

20%

Anteil Gras 80-90 %

10%

Anteil Gras 70-80 % Anteil Gras < 70 %

0% V1

V2

V3

V4

Betriebsgruppen sortiert nach Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft Abb. 5 | Verteilung der Betriebe nach Anteil verfügbarem Futter in TS (Gras) und vier gleichgrossen Gruppen Quelle: Agroscope, Referenzbetriebe der Zentralen Auswertung eingeteilt nach aufsteigend sortiertem Arbeitsverdienst je Familienjahresarbeitseinheit. Betriebstyp 21 Tal­ region im Jahr 2010.

ben multipliziert. Eine gesamte Abdeckung der Schweiz wird damit nicht erreicht, da einerseits bei den Referenz­ betrieben kleinere Betriebe nicht berücksichtigt werden und andererseits in der Untersuchung nur ausgewählte Betriebstypen betrachtet werden. Milchvieh wird im klei­ neren Umfang auch in weiteren Betriebstypen gehalten. Somit können lediglich die Anteile der gesamten Futter­ mengen je Zone und Betriebstyp abgeschätzt werden. Die Betrachtung der Verteilung des hochgerechne­ ten Futtereinsatzes (Abb. 6) zeigt, dass in der Talzone

3%

mehr als die Hälfte des Kraftfutters eingesetzt wird. In der Hügel und Bergzone 1, die zusammen die Hügelre­ gion bilden, wird rund 30 % allen Kraftfutters verwen­ det. Der Einsatz von Kraftfutter in der Bergzone 3 und 4 ist mit 4 % weniger relevant. Die Verkehrsmilchbetriebe setzen knapp die Hälfte des in der Milchviehhaltung ver­ fütterten Kraftfutters ein, die drei anderen je zwischen einem Fünftel und einem Sechstel. Dieser Anteil ent­ spricht bis auf die Betriebstypen 21 und 51 deren anzahl­  mässiger Verteilung.

1%

11%

22% Talzone Hügelzone

14% 54%

Bergzone I

48% 15%

Kombiniert Verkehrsmilch Ackerbau

Bergzone II 17%

Bergzone III Bergzone IV

Verkehrsmilch

15%

Kombiniert Veredlung Kombiniert Andere

Abb. 6 | Verteilung des hochgerechneten Kraftfuttereinsatzes in TS in den landwirtschaftlichen Zonen und zwischen den untersuchten Betriebstypen im Jahr 2010.

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013

189


Nutztiere | Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz

190

Diskussion

Schlussfolgerungen

Die hier angewandte Methode führt zu einer Abschät­ zung der Futteranteile in der Milchviehhaltung der Schweiz auf der Basis einzelbetrieblicher Daten der zentralen Auswertung. Dadurch können Aussagen zur Verteilung der Fütterungssysteme hinsichtlich Betrieb­ stypen, Landwirtschaftszonen und weiterer Zusammen­ hänge wie Milchleistung und Wirtschaftlichkeit gemacht werden. In der Realität wird die Zusammensetzung für die meisten Betriebe etwas anders sein, da sowohl die Höhe der Naturalerträge als auch die Zusammensetzung des zugekauften Futters von den betriebsspezifischen Begebenheiten abhängig ist. Hinsichtlich der Betriebs­ ausrichtung ist der Anteil des Futters aus Grünland bei den gemischten Betrieben niedriger als bei den spezia­ lisierten Verkehrsmilchbetrieben. Bio-Betriebe, Betriebe mit niedrigerer Milchleistung und Betriebe in höheren Zonen weisen höhere Grasanteile in der Ration auf. Ins­ gesamt ist die Zusammensetzung der Futteranteile sehr heterogen. Innerhalb der Zonen (Hügelzone und Berg­ zone 1 sowie Bergzone  2 und  3) lässt sich jedoch eine gewisse Homogenität erkennen. Auffallend ist, dass in der Bergzone 4 weniger Betriebe einen höheren Gras­ anteil aufweisen. Hinsichtlich Milchleistung und Wirt­ schaftlichkeit sind zwar die oben genannten Tendenzen zu erkennen. Es gibt aber trotzdem Betriebe, die höhere Milchleistung und Wirtschaftlichkeit mit einem geringe­ ren Kraft- und Silomaisfutteranteil als andere Betriebe erzielen, wobei betont werden muss, dass die Milchleis­ tung und die Wirtschaftlichkeit natürlich nicht nur von der Futterzusammensetzung beeinflusst werden, son­ dern auch von vielen weiteren Faktoren.

Als Anforderung für die Teilnahme am neuen Programm für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion ist im Talgebiet ein Grasanteil von 80 % und im Berggebiet von 90 % vorgesehen (BLW 2012a). Die Analyse zeigt, dass aktuell rund die Hälfte der betrachteten Betriebe einen Grasanteil von mehr als 80 % aufweist. Diese Betriebe haben also günstige Voraussetzungen, um die Anforde­ rungen für das neue Programm für graslandbasierte Gras- und Fleischproduktion zu erfüllen. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass es aufgrund der Heterogenität der Betriebe nicht möglich sein wird, dass alle Betriebe vom Programm profitieren werden. Mit dem Programm wird jedoch insgesamt ein Anreiz geschaffen, dass die Betriebe ihren Kraftfuttereinsatz in der Wiederkäuerfüt­ terung reduzieren beziehungsweise nicht (weiter) aus­ n dehnen. 

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013


Composizione della razione foraggera nelle aziende detentrici di bestiame da latte in Svizzera Nel quadro della Politica agricola 2014-2017, il Consiglio federale propone, nell'ambito dei cosiddetti contributi per sistemi di produzione, un contributo per la produzione di carne e di latte basata sulla superficie inerbita. Al fine di impostare questo nuovo strumento e valutarlo in futuro è interessante conoscere la situazione effettiva relativa al foraggiamento dei ruminanti in Svizzera. Avvalendosi dei dati contabili dell'Analisi centralizzata di Agroscope si analizza la razione foraggera delle aziende svizzere detentrici di bestiame da latte. La quota di foraggio ottenuto da superfici inerbite è inferiore nelle aziende miste rispetto a quelle specializzate nella produzione di latte commerciale. Nella razione somministrata nelle aziende biologiche, in quelle dove la produzione lattiera è inferiore e in quelle ubicate in zone in altitudine si registra una quota di erba maggiore. Nel complesso la composizione della quota di foraggio è eterogenea. Per la gran parte delle aziende sono dati i presupposti per adempiere le esigenze del nuovo programma per la produzione di carne e di latte basata sulla superficie inerbita.

Literatur ▪▪ Agridea 2012 (1). Betriebsplanung. Lindau. ▪▪ Agridea 2012 (2). Wirz-Handbuch. Pflanze und Tier, Verlag Wirz, Basel. ▪▪ Baur P., 2011. Sojaimporte Schweiz: Möglichkeiten und Grenzen der ­Reduktion/Vermeidung von Sojaimporten in die Schweiz, Agrofutura AG, Frick. ▪▪ Biosuisse 2011. Richtlinien für die Erzeugung, Verarbeitung und den ­H andel von Knospe-Produkten, S. 21, Basel. ▪▪ BLW 2012. Agrarbericht 2012, Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Bern. ▪▪ BLW 2012a. Informationen des BLW an der Infotagung Viehwirtschaft 2012.

Summary

Riassunto

Die Zusammensetzung der Futterration in der Milchviehhaltung der Schweiz | Nutztiere

Feed-ration composition on Swiss dairy farms As part of the 2014-2017 agricultural policy, the Swiss Federal Council is proposing a contribution for grasslandbased milk and meat production in the form of the socalled «production-system contributions». With a view to the structuring of this new instrument and its future evaluation, the current situation as regards the feeding of ruminants in Switzerland is of interest. With the help of key bookkeeping figures from Agroscope’s Farm Accountancy Data Network, we are investigating the composition of the feed ration of Swiss dairy farms. The proportion of feed from grassland is lower for mixed farms than for the specialised commercial dairy farms. Organic farms, farms with a lower milk yield and farms in higher-altitude zones have a higher percentage of grass in their rations. All in all, the composition of the feed varies significantly from one farm to another, and a majority of the farms possess the necessary conditions for satisfying the requirements of the new programme for grassland-based milk and meat production. Key words: feed-ration composition, dairy farming, farm type.

▪▪ Bundesrat 2012. Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik in den Jahren 2014–2017. Bern. ▪▪ Dietl W., 1986. Pflanzenbestand, Bewirtschaftung und Ertragspotential von Dauerwiesen, Veröffentlichung Geobotanisches Institut ETH, ­Stiftung Rübel, Zürich 87, S. 260–274. ▪▪ Mouron P. & Schmid D., 2012. Grundlagenbericht 2011, Agroscope, ­Ettenhausen. ▪▪ Notz Ch. & Alföldi Th., 2012. «Feed no Food» – Den Kraftfuttereinsatz überdenken. bioaktuell 4/2012, S. 4–7. ▪▪ Schweizerischer Bauernverband SBV, 2011. Statistische Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung. Brugg.

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 184–191, 2013

191


P f l a n z e n b a u

Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutz­ mitteln in der Schweiz Simon Spycher1, Ruth Badertscher2 und Otto Daniel1 Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, 8820 Wädenswil, Schweiz 2 Bundesamt für Landwirtschaft BLW, 3003 Bern, Schweiz Auskünfte: Simon Spycher, E-Mail: simon.spycher@agroscope.admin.ch, Tel. + 41 44 783 62 96

1

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgt kulturspezifisch. Für die Indikatoren werden die Aufzeichnungen auf Betriebsebene verwendet. (Foto: ACW)

Einleitung Daten zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in den verschiedenen Kulturen sind von grossem Nutzen. Länder wie Grossbritannien und die USA erheben seit über dreissig Jahren solche Daten und nutzen sie für die Verbesserung der Pflanzenschutzberatung, die Zulas­ sung der PSM und den Gewässerschutz (Pesticides Forum 2011). Auch in der Schweiz wurden bereits verschiedene Erhebungen zum Einsatz von PSM durchgeführt (z.B.

192

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 192–199, 2013

Keller und Amaudruz 2005, Dugon et al. 2010), aber diese liegen mittlerweile gut zehn Jahre zurück. Aktu­ elle Zahlen und auch eine lange Zeitreihe von 1986 bis zur Gegenwart liegen für die 50 Parzellen des Nationa­ len Bodenbeobachtungsnetzes NABO vor (Keller et al. 2005). Im Rahmen des Projekts «Zentrale Auswertung – Agrarumweltindikatoren» (ZA-AUI) werden nun seit dem Erntejahr 2009 jährlich Daten zum Einsatz von PSM in über 2000 Schlägen von ungefähr 300 Betrieben, davon 230 mit PSM-Einsatz, erhoben und ausgewertet.


Ziel des vorliegenden Artikels ist es, nach den ersten bei­ den Erhebungsjahren der ZA-AUI zu beschreiben, wel­ che Aussagen in Bezug auf PSM möglich sind und wel­ che nicht. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund: ••Welche Aussagen sind mit einfachen Kennzahlen wie der Anzahl Interventionen oder Kilogramm PSM/ha möglich und welche nicht? Welche Kennzahlen sind am aussagekräftigsten? ••Lassen sich die Kennzahlen der ZA-AUI mit früheren Schweizer Erhebungen vergleichen? ••Die ZA-AUI deckt nur einen kleinen Teil der Schweizer Landwirtschaft ab. Gibt es systematische Abweichun­ gen zwischen der ZA-AUI-Erhebung und der ganzen Schweizer Landwirtschaft? ••Welche Kulturgruppen werden von der ZA-AUI-Erhe­ bung gut abgedeckt und wo gibt es Lücken? ••Welche Unterschiede gibt es zwischen der Schweiz und anderen Ländern mit verfügbaren Daten? Die in diesem Artikel verwendeten Daten entstammen einem gleichzeitig mit diesem Artikel veröffentlichten umfangreicheren Bericht (Spycher et al. 2013).

Material und Methode Die an der ZA-AUI beteiligten Betriebe erfassen ihre Pflanzenschutzmassnahmen mit der Software Agro-Tech. Erfasst werden sämtliche nachweisrelevanten, produkti­ onstechnischen Daten (ÖLN, SwissGAP, u.a.). Die Daten zum PSM-Verbrauch werden damit flächen- und kultur­ bezogen erhoben. Auch Aufwandmengen und der Zeit­ punkt der Anwendung werden erfasst, nicht aber die Art der Applikation. Im Jahr 2009 betrug die für den Pflanzenbau genutzte Fläche auf den an der ZA-AUI beteiligten Betrieben 2875 ha, Kunstwiesen, Wiesen und Weiden nicht mitgerechnet. Die gesamte Anbaufläche für den Pflanzenbau in der Schweiz betrug im gleichen Jahr 307 926 ha (BLW 2010). Das heisst, dass die ZA-AUI knapp ein Prozent der von der Schweizer Landwirtschaft im Jahr 2009 für den Pflanzenbau genutzten Fläche erfasst. Die an der ZA-AUI beteiligten Betriebe sind gleichmässig über das Schweizer Mittelland und damit die Regionen mit der grössten Bedeutung für den Acker­ bau verteilt (Abb. 1). Die prozentualen Flächenanteile mehrerer Kultur­ gruppen am Pflanzenbau auf den Betrieben der ZA-AUI entsprechen ungefähr denen der Schweizer Landwirt­ schaft (Tab. 1). Unterproportional vertreten sind Reben und Freilandgemüse. Die 143 Schläge der Kulturgruppe Freilandgemüse setzen sich aus 20 verschiedenen Kultu­ ren zusammen und die Kulturgruppe «Andere» setzt sich aus 45 sehr heterogenen Kulturen, beispielsweise Brombeeren und Ziersträuchern, zusammen. Bei unter­ 

Zusammenfassung

Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz | Pflanzenbau

Seit 2009 werden im Rahmen der «Zentralen Auswertung Agrarumweltindikatoren» (ZA-AUI) produktionstechnische Daten der am Projekt teilnehmenden Betriebe gesammelt. Der Indikator «Einsatz von PSM» besteht aus Kennzahlen, welche die agronomische Praxis im Bereich Pflanzenschutz beschreiben. Die Kennzahl «Anzahl Interventionen» gibt für jede Kulturgruppe an, wie viele Behandlungen insgesamt und gegliedert nach Wirkungsbereichen vorgenommen werden. Regional kann sich die Anzahl Interventionen deutlich unterscheiden, aber im Zeitverlauf scheint das Schweizerische Mittel ziemlich konstant. Beim Vergleich mit früheren Studien wurden mit Ausnahme von Raps kaum grössere Unterschiede beobachtet. Auch wenn die ZA-AUI derzeit erst ein Prozent der in der Schweiz für den Pflanzenbau genutzten Fläche abdeckt, hat der Vergleich mit Verkaufszahlen gezeigt, dass im Fall des Ackerbaus für häufig eingesetzte Wirkstoffe der PSM-Einsatz gut erfasst wird. Im Fall von Obst und Reben ist die Datenlage schwierig abzuschätzen und für Gemüsebau sind derzeit noch keine Aussagen möglich. Um die potenziellen Umweltwirkungen der eingesetzten PSM zu beurteilen, wird neben dem Indikator «Einsatz von PSM» ein Risikoindikator entwickelt.

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 192–199, 2013

193


Pflanzenbau | Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz

4 18 4 3

28

18

1

5

15 8

28

52

1

1 1 11 1

1 1

29

Pesticide Indicators sps

1

Abb. 1 | Anzahl in der Erhebung 2009 erfasste Betriebe mit Pflanzenschutzmittel-Einsatz pro Kanton (Kreisfläche proportional zur Anzahl Betriebe).

proportionalem Flächenanteil oder einer heterogenen Zusammensetzung der Kulturgruppen sind berechnete Kennzahlen schwer zu interpretieren, und es wurde des­ halb für «Andere» und für Freilandgemüse auf die Widergabe der Kennzahlen verzichtet. Kennzahlen Der Zweck von Kennzahlen ist es, die Information, wel­ che in grossen Datenmengen steckt, zu aussagekräfti­ gen Grössen zusammenzufassen. Dies ist nicht möglich ohne einen gewissen Informationsverlust, denn Infor­ mationen wie das lokale Klima, der Bodentyp und vor allem der Schaderregerdruck sowie der drohende Ernte­ verlust sind nicht bekannt und unterscheiden sich zwi­ schen jedem erhobenen Schlag. Dennoch zeigen sich für die verschiedenen Kulturgruppen gewisse Muster, die sich in Kennzahlen ausdrücken lassen. Während der Entwicklungsphase des Agrarumwelt­ indikators wurde eine Reihe von Kennzahlen evaluiert und im Rahmen eines Workshops bewertet. Beispiels­ weise lassen sich die Anzahl Produkt- oder Wirkstoff­ applikationen pro Parzelle oder pro Kultur einfach berechnen. Als aussagekräftigste Kennzahl für die ZAAUI wurde aber die bereits in früheren Studien und auch international verwendete Anzahl Interventionen einge­ stuft (Dugon et al. 2010, Garthwaite et al. 2011). Inter­ vention wird dabei als Synonym für Durchfahrt verwen­

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Agrarforschung Schweiz 4 (4): 192–199, 2013

det. Wird nur ein Teil der Fläche behandelt, wird die Intervention entsprechend gewichtet. Falls beispiels­ weise nur ein Drittel der Kulturfläche behandelt wird, wird auch nur ein Drittel einer Intervention gezählt. Eine weitere für die ZA-AUI berechnete Kennzahl ist die Menge ausgebrachter PSM-Wirkstoff in kg pro Hek­ tar. Die Gesamtmenge aller Wirkstoffe pro Fläche ist

Tab. 1 | Prozentualer Flächenanteil der Kulturgruppen an der für den Pflanzenbau genutzten Fläche. In Klammern ist die Anzahl ausgewerteter Schläge angegeben Prozentualer Flächenanteil am Pflanzenbau Kulturgruppe

Schweiz ­gesamt

ZA-AUI (Anzahl ausgewertete ­Schläge)

Getreide

44,5

49,8 (865)

Mais

20,6

18,4 (386)

Raps

7,0

8,5 (148)

Rüben

6,9

6,7 (121)

Andere

5,9

3,3 (154)

Reben

4,8

1,5 (126)

Kartoffeln

3,7

4,9 (129)

Freilandgemüse

3,1

2,2 (143)

Obst

2,2

2,1 (132)

Hülsenfrüchte

1,3

2,7 (58)


Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz | Pflanzenbau

Tab. 2 | Anzahl Interventionen pro Jahr nach Kulturgruppen. In Klammern die Anzahl ausgewerteter Schläge. F: Fungizide, H: Herbizide, I: Insektizide, PGR: Wachstums-regulatoren, M: Molluskizide, ZR: Andere PSM, q 0,25: unteres Quartil, q 0,75: oberes Quartil, Dugon et al . (2010): Anzahl Interventionen der Ehrhebungsperiode 2002-2004. Herkunft der Daten Dugon et al., 2010

ZA-AUI, 2009 Kulturgruppe

Hülsenfrüchte (58)

PSM-Wirkungsbereich H

F

I

PGR

M

ZR

Gesamt1 (q 0,25, q 0,75)

1,3

0,4

0,38

<0,01

1,9 (1, 3)

Gesamt

Kartoffeln (129)

1,9

5,4

0,44

0,2

0,5

7,4 (6, 10)

Kernobst (78)

2,5

12,2

3,4

1,1

0,04

0,6

16,1 (10,3, 21)

7,5

Mais (386)

1,0

<0,01

<0,01

0,03

0,03

1,0 (1, 1)

1,1

Raps (121)

1,1

0,8

2,20

0,7

0,02

4,4 (3, 5)

2,1

Reben (126)

1,2

9,3

0,37

0,06

10,6 (9, 13)

Steinobst (39)

0,9

4,5

2,08

0,01

0,1

5,3 (3, 7,8)

Übriges Getreide (147)

1,0

0,3

0,3

0,01

1,4 (1, 2)

Wintergerste (91)

1,1

1,5

1,4

0,03

2,8 (2, 3)

Wintergerste Extenso (94)

1,1

1,1 (1, 1)

1,6

Winterweizen (223)

1,1

1,4

0,08

1,0

0,02

0,03

2,8 (2, 3)

3,4

2,7

Winterweizen Extenso (310)

1,0

1,0 (1, 1)

1,4

Zuckerrüben (99)

3,8

1,1

0,07

0,3

0,3

5,1 (4, 6)

4,8

Werden Produkte mit unterschiedlichen Wirkungsbereichen gemischt, wird für die Gesamte Anzahl Interventionen trotzdem nur eine Applikation gezählt. Für die einzelnen Wirkungsbereiche wird aber je eine Applikation gezählt, was zur Folge hat, dass die Spalte «Gesamt» kleiner sein kann als die Summe der einzelnen Wirkungsbereiche (Rossberg, 2010).

1

aber weniger aussagekräftig als die Anzahl Interventio­ nen. Aus diesem Grund werden zum Beispiel in Deutsch­ land nur die Anzahl Interventionen und der damit ver­ wandte Behandlungsindex publiziert. Auf der Ebene der einzelnen Wirkstoffe ist die Kennzahl kg PSM/ha hinge­ gen interessant, und trägt sowohl zur Klärung agrono­ mischer als auch zur Klärung ökologischer Fragen bei. Die Unterteilung der Wirkstoffe in die PSM-Wir­ kungsbereiche wurde anhand der sechs Hauptgruppen des Annex III der EU-Verordnung über Statistiken zu Pes­ tiziden (1185/2009) vorgenommen. Im Annex III werden folgende Wirkungsbereiche unterschieden: Herbizide (H), Fungizide (F), Insektizide (I), Wachstumsregulatoren für Pflanzen (PGR), Molluskizide (M) und andere (ZR).

Resultate und Diskussion Anzahl Interventionen Die Anzahl und der Wirkungsbereich der Interventionen sind stark kulturabhängig (Tab. 2). Die Einteilung in Kul­ turgruppen wurde an die Publikation von Dugon et al. (2010) angelehnt. Getreide wurde in die fünf Gruppen Winterweizen ÖLN, Winterweizen Extenso, Winter­ gerste ÖLN, Wintergerste Extenso und übriges Getreide unterteilt. Beim Extenso-Anbau von Getreide und Raps ist der Herbizideinsatz möglich, während der Einsatz von

Fungiziden, Wachstumsregulatoren oder Insektiziden nicht möglich ist. Die Kulturgruppen in Tabelle 1 wurden in folgenden Fällen weiter verfeinert: Zuckerrüben, Raps ÖLN, Kernobst und Steinobst. Die Kulturgruppen Futter­ rüben, Raps Extenso und Hochstammobst wurden weg­ gelassen, weil nicht genug Schläge erfasst wurden. Generell weisen Spezialkulturen wie Obst, Reben und Gemüse die höchste Anzahl Interventionen auf, wobei für diese Kulturgruppen die Streuung und damit auch die Unsicherheit am höchsten ist. Im Ackerbau benötigen Kartoffeln die höchste Anzahl Interventio­ nen. Die hohe Streuung bei Kartoffeln – der Quartilsab­ stand q 0,75 - q  0,25 beträgt vier Interventionen – dürfte durch regionale Unterschiede des Schaderregerdrucks bedingt sein. Es wurden jedoch keine regionalen Aus­ wertungen vorgenommen, weil nur in Einzelfällen genügend Daten vorhanden sind. Vergleich mit früheren Studien Der Mittelwert der Anzahl Interventionen stimmt gut mit Werten früherer Studien überein (Tab. 2). Das ist überraschend, weil die Erhebungen geographisch auf die Romandie und das Tessin beschränkt waren. Die einzige Kulturgruppe, bei der massive Unterschiede zu den Schätzungen von Dugon et al. zu verzeichnen sind, ist der Raps mit einer deutlich höheren Anzahl Insekti­ 

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 192–199, 2013

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Pflanzenbau | Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz

zid-Interventionen. Das ist vermutlich darauf zurückzu­ führen, dass sich in den letzten zehn Jahren in der gan­ zen Schweiz pyrethroidresistente Rapsglanzkäfer ausgebreitet haben und deshalb mehr Insektizide ein­ gesetzt wurden. Die Kennzahlen für 2010 weichen um weniger als 20 % von 2009 ab (Details in Spycher et al. 2013). Bei Kul­ turgruppen wie Kartoffeln würden grössere witterungs­ bedingte jährliche Schwankungen nicht überraschen. Die Erfahrungen in den künftigen Erhebungsjahren wer­ den dazu Klarheit bringen. Vergleiche zwischen Regio­ nen wurden bisher nicht systematisch durchgeführt. Es zeigt sich aber, dass erhebliche Schwankungen möglich sind, die sich möglicherweise über die ganze Schweiz wieder ausgleichen. Generell ergibt die Kennzahl «Anzahl Interventio­ nen» ein grobes Bild darüber, welche Pflanzenschutz­ massnahmen in den verschiedenen Kulturen üblich sind. Der Vergleich mit der Studie von Dugon et al. zeigt, dass diese Kennzahl zumindest im Ackerbau auch über län­ gere Zeiträume konstant ist, ausser wenn neue Schader­ reger auftauchen oder bestimmte Anbaumethoden wie der Extenso-Anbau gezielt gefördert werden. Abschätzung systematischer Abweichungen Die an der ZA-AUI beteiligten Betriebe decken etwa ein Prozent der für den Pflanzenbau genutzten Fläche ab. Um zu beurteilen, wie repräsentativ die Schätzungen für die einzelnen Wirkstoffe sind, wurde folgendes Vor­ gehen gewählt: Es wurde für jeden Wirkstoff und jede Kulturgruppe die durchschnittliche pro Hektare einge­ setzte Menge geschätzt und diese mit der gesamten Anbaufläche der Schweiz multipliziert. Die Summe für alle Kulturgruppen ergibt für den entsprechenden Wirkstoff die geschätzte gesamthaft eingesetzte Menge, die im Bereich der verkauften Menge liegen sollte. Eine genaue Übereinstimmung ist aus verschiedenen Grün­ den nicht zu erwarten: Die verkauften Mengen bezie­ hen sich auf ein Kalenderjahr, der Feldkalender aber auf ein Erntejahr, PSM können gelagert werden und ver­ schiedene Wirkstoffe sind auch für die Verwendung ausserhalb der Landwirtschaft zugelassen (siehe «Lücken» im nächsten Abschnitt). Dennoch kann diese Art der Bilanzierung helfen, systematische Abweichun­ gen abzuschätzen. Um das Problem mit den von der ZA-AUI nicht erfass­ ten PSM-Nutzungen zu lösen, wurden systematisch die Wirkstoffe herausgesucht, die nur im Feld-, Obst- oder Rebbau zugelassen sind. Alle anderen Wirkstoffe wur­ den ausgeschlossen. Als zusätzliche Bedingung wurde eine verkaufte Menge von mindestens einer Tonne pro Jahr definiert. Für das Jahr 2009 erfüllten 22 Wirkstoffe

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Agrarforschung Schweiz 4 (4): 192–199, 2013

beiden Kriterien. Der Vergleich von geschätzter einge­ setzter und verkaufter Menge erlaubt folgende Aussa­ gen: ••Für die 13 Wirkstoffe, die häufig erfasst wurden (über 30 erfasste Behandlungen), stimmen die geschätzte eingesetzte Menge und die verkaufte Menge gut überein. Der Mittelwert der geschätzten eingesetzten Menge beträgt 79 % der verkauften Menge und weicht maximal um Faktor 3 ab. ••Für die neun Wirkstoffe, die selten erfasst wurden (bis zu 30 erfasste Behandlungen), stimmen die geschätzte eingesetzte Menge und die verkaufte Menge nicht gut überein. Der Mittelwert der geschätzten einge­ setzten Menge beträgt 34 % der verkauften Menge. Die maximale Abweichung von geschätzter zu verkaufter Menge kann bis 100 % betragen, weil im Extremfall der Wirkstoff gar nicht auf den ZA-AUIBetrieben eingesetzt wurde. Tendenziell ist die geschätzte eingesetzte Menge tie­ fer als die verkaufte Menge, was auch in anderen Län­ dern beobachtet wurde (Kruijne et al. 2012). Ein Teil der Abweichung dürfte auf Datenverluste bei der Auswer­ tung und der Rest auf Abweichungen vom Schweizer Durchschnitt zurückzuführen sein. Die Übereinstim­ mung ist jedoch besser als erwartet, vor allem wenn man bedenkt, dass die Mengen, je nach Wirkstoff, von einer bis über 100 Tonnen reichen. Es kann davon ausgegan­ gen werden, dass die Übereinstimmung besser wird, wenn in Zukunft die Daten mehrerer Erhebungsjahre zusammengefasst werden, weil so die zeitliche Verzöge­ rung durch Lagerbildung reduziert wird. Zudem soll die Anzahl Betriebe, die an der ZA-AUI teilnehmen, in den nächsten Jahren erhöht werden. Das wird zu einem grösseren Anteil Wirkstoffe führen, für die zuverlässige Schätzungen möglich sind. Gut abgedeckte Kulturgruppen und Lücken Die Ackerkulturen werden durch die ZA-AUI generell gut abgedeckt, vor allem wenn es sich um die üblichen PSM-Anwendungen und um häufig eingesetzte Wirk­ stoffe handelt. Für PSM-Anwendungen, die zeitlich oder regional eher selten vorgenommen werden, wie etwa der Insektizideinsatz im Getreidebau, sind dagegen nur grobe Schätzungen möglich. Bei Obst und Reben ist es mit den zurzeit vorhandenen Daten schwierig zu ermit­ teln, wie zuverlässig die Schätzungen für diese beiden Kulturen sind. Im Fall von Obst ist die Anzahl erfasster Schläge klein (78 für Kernobst und 39 für Steinobst). Bei den Daten zu den Reben bestehen noch regionale Lücken in der ZA-AUI.


Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz | Pflanzenbau

Tab. 3 | Anzahl Interventionen in der Schweiz, Grossbritannien und Deutschland für verschiedene Kulturgruppen (CH: 2009, GB 2010 bzw. 2008 für Äpfel, D: 2007, 2009 und 2011) Kulturgruppe

CH

GB

D

Bemerkungen elf Birnenschläge ausgeschlossen (Abweichung zu Tab. 2) 2 nur Tafelobst (Wirtschaftsobst: 11,5)

1

Äpfel

17,21

18,9

17,62

Kartoffeln

7,53

13,4

8,6

Raps

4,4 4

6,3

5,3

Reben

10,6

Wintergerste

2,05

4,4

3,4

5

für CH mit 50 % Flächenanteil Extenso gerechnet

Winterweizen

1,9 6

5,9

3,9

6

für CH mit 50 % Flächenanteil Extenso gerechnet

Zuckerrüben

5,1

6,6

4,7

3

ohne Saatkartoffeln (Abweichung zu Tab. 2) 4

ohne Extenso (zu wenig Schläge)

9,5

Beim Intensivgemüsebau, beim Hochstammobst und beim Beerenbau werden nur wenige oder gar keine Schläge erfasst. Eine wesentliche Lücke stellt der nicht­ landwirtschaftliche Einsatz dar. Für den Gartenbau bzw. für den Einsatz durch private Anwender gibt es erste Studien (Krebs et al. 2011, Wittwer und Gubser 2010). Die Schätzungen der gesamthaft eingesetzten Menge belaufen sich beim Gartenbau auf 29 bis 59 Tonnen (Erhebungen 2005 und 2009). Eine Auswertung des Ein­ satzes von PSM durch Private ergab allein für die acht wichtigsten Herbizide 97,5 Tonnen (Erhebung 2008). In Ländern wie Grossbritannien wird der nichtlandwirt­ schaftliche Einsatz auf 19  % der verkauften Menge geschätzt (Pesticides Forum 2011), was deutlich über den bisherigen Schätzungen für die Schweiz liegt. Eine bes­ sere Abschätzung des nichtlandwirtschaftlichen Einsat­ zes von PSM ist empfehlenswert, weil dadurch eine wich­ tige Lücke geschlossen wird. Sind alle Lücken geschlossen, ist es möglich, für jeden Wirkstoff grob anzugeben, in welchen Kulturen und zu welcher Jahreszeit er einge­ setzt wird. Vergleich ZA-AUI mit Erhebungen anderer Länder Die Anzahl Interventionen wird auch in Grossbritannien und Deutschland erhoben (Tab. 3). Im Fall von Grossbritannien wurde in allen Ackerkul­ turen eine klar höhere Anzahl Interventionen erhoben. Die Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland liegen im Rahmen der Unsicherheiten der Erhebungsme­ thode. Die klare Ausnahme ist der Getreidebau mit einer deutlich tieferen Anzahl Interventionen in der Schweiz. Der Hauptgrund ist, dass auf rund 50 % der Fläche Extenso-Getreide angebaut wird. Aber auch für den ÖLN-Getreidebau (Tab. 2) ist die Anzahl Interventionen leicht tiefer. Diese Ergebnisse sind auf den ersten Blick ein Widerspruch zu den von Maurer und Maissen (2009) festgestellten höheren verkauften Mengen pro Hektare

in der Schweiz. Die Ergebnisse schliessen einander aber nicht aus und lassen sich durch mehrere Faktoren erklä­ ren: 1. Unterschiede in der Landnutzung, 2. bevorzugter Einsatz von Wirkstoffen, die höhere Aufwandmengen benötigen, 3. höhere Dosierungen. Der quantitative Bei­ trag der einzelnen Faktoren wird noch genauer unter­ sucht (Spycher et al. 2013). Bereits ein Blick auf die Land­ nutzungsdaten und die aggregierten Verkaufszahlen aus Deutschland weist aber darauf hin, dass sich die ers­ ten beiden Faktoren stark auswirken. Was die Landnut­ zung betrifft, fällt auf, dass der Anteil der Spezialkultu­ ren in der Schweiz deutlich höher ist (z.B. Reben um Faktor 5). Was die Wirkstoffe betrifft, fällt auf, dass z.B. die Verkaufszahl für Öle (Summe aus Mineralölen und Pflanzenölen) im Jahr 2009 für Deutschland 182 Tonnen und für die Schweiz 286 Tonnen betrug. Offenbar gibt es eine Präferenz für diese Wirkstoffe in der Schweiz. Weil diese Wirkstoffe hohe Aufwandmengen benötigen, wirkt sich das stark auf die verkaufte Menge aus. Agronomische Indikatoren und Risikoindikatoren Der Indikator Einsatz von PSM ist ein agronomischer Indikator, der Informationen über die üblichen Behand­ lungsstrategien liefert. Erst wenn die Eigenschaften der eingesetzten Wirkstoffe berücksichtigt werden, sind auch Aussagen zum ökologischen Risiko möglich. Es kann durchaus sein, dass eine Behandlungsstrategie mehr Interventionen, aber ein tieferes ökologisches Risiko aufweist. In der Publikation von Dugon et al. (2010) wurde auf­ gezeigt, dass die Anzahl Interventionen in dem von den Autoren betreuten Betriebsnetz auch über längere Zeit­ räume weitgehend konstant blieb. Was sich aber erstaunlich schnell verändert hat, war die Palette der eingesetzten Wirkstoffe. So wurden zu Beginn der Erhe­ bung insgesamt 118 verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Bereits nach zehn Jahren waren nur noch 67 dieser 

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Pflanzenbau | Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz

118 Wirkstoffe im Einsatz, während 36 neue dazuge­ kommen sind. Mit Risikoindikatoren kann abgeschätzt werden, ob die neuen PSM-Wirkstoffe ein besseres Umweltprofil haben als die nicht mehr eingesetzten Wirkstoffe. Ein Risikoindikator sollte Abbau, Mobilität und Ökotoxizität der Wirkstoffe sowie im Rahmen der Zulassung verfügte risikomindernde Massnahmen berücksichtigen und Trendaussagen über die Zeit erlau­ ben. Derzeit sind Arbeiten im Gang, um aquatische Risi­ koindikatoren für die Schweiz einzuführen. Die OECD wird ab 2013 ihre Aktivitäten auf dem Gebiet ebenfalls verstärken.

Schlussfolgerungen Die Erhebungen zum Einsatz von PSM liefern wertvolle Informationen. Für die Erhebungsjahre 2009 und 2010 hat sich gezeigt, dass in der ZA-AUI die Anzahl Interven­ tionen in den verschiedenen Kulturgruppen gut mit frü­ heren Schweizer Erhebungen übereinstimmt. Die Anzahl Interventionen sind vergleichbar oder im Fall von Getreide tiefer als in anderen Ländern. Das bedeutet, dass in der Schweiz die Kulturgruppe mit dem grössten Anteil an der offenen Ackerfläche mit niedriger Pflan­ zenschutzintensität angebaut wird. Der Vergleich der Erhebungen zum Einsatz von PSM mit den Verkaufszah­ len hat im Fall des Ackerbaus gezeigt, dass für die häufig eingesetzten Wirkstoffe zuverlässige Schätzungen mög­ lich sind. Die geplante Steigerung der Anzahl der an der ZA-AUI beteiligten Betriebe wird die Anzahl der Wirk­ stoffe mit zuverlässigen Schätzungen erhöhen. Gewisse Kulturgruppen wie der Intensivgemüsebau, Hochstamm­ obst, Beeren oder auch der nichtlandwirtschaftliche Ein­ satz werden derzeit nicht durch die ZA-AUI abgedeckt. Um diese Lücken zu schliessen, sind gesonderte Erhebun­ gen nötig. n

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Indicatori per l’uso di prodotti fitosanitari in Svizzera Dal 2009 si procede alla raccolta di dati tecnici di produzione delle aziende che partecipano al progetto «Analisi centralizzata degli indicatori agro-ambientali» (AC-IAA). L’ indicatore «uso di prodotti fitosanitari» contiene indici che descrivono la prassi agronomica in ambito fitosanitario. L’indice «numero di interventi» indica per ogni coltura il numero totale di trattamenti e il numero suddiviso per campi d’azione. Il numero di trattamenti è variabile a livello regionale, ma lo sviluppo nel tempo della media svizzera sembra rimanere relativamente costante. Rispetto a studi precedenti si sono osservate solo piccole differenze, ad eccezione della colza. Malgrado il progetto AC-IAA copra al momento solo l’1 % dell’area coltivata in Svizzera, nell’ambito della campicoltura i dati raccolti collimano con i dati di vendita, almeno per le sostanze attive più frequenti. Per la frutticoltura e la viticoltura la stima dei dati risulta difficile, mentre per quellirelativi all’orticoltura non è, al momento, possibile esprimersi. Per valutare il potenziale impatto ambientale dei prodotti fitosanitari utilizzati, un secondo indicatore dirischio è attualmente in fase di sviluppo.

Literatur ▪▪ Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), 2010. Agrarbericht 2010. ▪▪ Dugon J., Favre G., Zimmermann A. & Charles R., 2010. Pflanzenschutzpraxis in einem Ackerbaubetriebsnetz von 1992 bis 2004, Agrarforschung Schweiz 1 (11–12), 416–423. ▪▪ Garthwaite D. G., Barker I., Parrish G., Smith L., Chippindale C. & Pietravalle S., 2011. Pesticide Usage Survey Report 235, Arable Crops in the United Kingdom 2010. Zugang: http://www.fera.defra.gov.uk/scienceResearch/science/lus/documents/arable2010.pdf. ▪▪ Keller A., Rossier N. & Desaules A., 2005. Schwermetallbilanzen von Landwirtschaftsparzellen der nationalen Bodenbeobachtung – NABO – Nationales Bodenbeobachtungsnetz der Schweiz, Schriftenreihe der FAL 54. ▪▪ Keller L. & Amaudruz M., 2005. Evaluation Ökomassnahmen Auswertung der Pflanzenschutzmittel-Verbrauchsdaten 1997 – 2003 in drei ausgewählten Seengebieten, Schlussbericht (Rev. 24.01.05). ▪▪ Krebs R., Hartmann F. & Wächter D., 2011. Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Schweizerischen Gartenbau: Datenübersicht – indikatorbasierte Risikobeurteilung – Monitoringkonzept, ZHAW Wädenswil, 17. März 2011. ▪▪ Kruijne R., van der Linden A.M.A., Deneer J.W., Groenwold J. G. & Wipfler E.L., 2012. Dutch Environmental Risk Indicator for Plant Protection Products. Wageningen, Alterra-Report 2250.1. Zugang: http://edepot. wur.nl/199114.

Summary

Riassunto

Indikatoren für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz | Pflanzenbau

Indicators for pesticide usage in Switzerland Since 2009 agricultural data are collected within the framework of the project Farm Accountancy Data Network Agro-Environmental Indicators (AEI FADN). The indicator «pesticide usage» consists of key figures characterizing the practice of chemical plant protection. The crop specific number of spray rounds quantifies both the total number of times a crop has been treated, and also the number of treatments according to the major pesticide group. While there is a substantial regional variability, the mean number of spray rounds seems relatively stable. Differences to earlier surveys are minor, except in the case of oilseed rape. Although the survey currently covers only 1% of the area used for crop production in Switzerland, there is a fair agreement between the projected usage and the sales in the case of frequently used active ingredients. The estimates are uncertain for orchards and vines. In the case of vegetables there are not sufficient data available. In order to assess the potential environmental impacts, an ecotoxicological risk indicator based on the pesticide usage data is currently developed. Key words: plant protection products, usage surveys, estimation of bias, agri-environmental indicators.

▪▪ Maurer H. & Maissen V., 2009. Vergleich der Umweltbestimmungen im Landwirtschaftsrecht der EU und ausgewählter Mitgliedstaaten sowie der Schweiz – Bericht vom 24. Februar 2009. ▪▪ Rossberg D., 2010. NEPTUN 2009 – Weinbau, Berichte aus dem Julius Kühn-Institut, 151. Zugang: http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_veroeff/berichte/151_NEPTUN_Weinbau_2009.pdf. ▪▪ Pesticides Forum, 2010. Pesticides in the UK – The 2010 report on the impacts and sustainable use of pesticides. Zugang: http://www.pesticides. gov.uk/Resources/CRD/Migrated-Resources/Documents/F/FINALPFAR2010pdfforwebsite.pdf. ▪▪ Spycher S., Baur R. & Daniel O., 2013. Agrarumweltindikatoren für Pflanzenschutzmittel Auswertungen Agrarumweltmonitoring 2009 – 2010 für den Indikator «Einsatz von Pflanzenschutzmitteln». Zugang: http://www. agroscope.admin.ch/pflanzenschutzmittel/06096/index.html?lang=de. ▪▪ Wittwer A. & Gubser C., 2010. Umsetzung des Verbots von Pflanzenschutzmitteln. Untersuchung zum Stand der Umsetzung des Anwendungsverbots von Unkrautvertilgungsmitteln auf und an Strassen, Wegen und Plätzen. Umwelt-Wissen 1014. Bundesamt für Umwelt, Bern.

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K u r z b e r i c h t

Wo steht die Schweizer Bioforschung? Markus Kellerhals1, Stephan Pfefferli2, Fredy Schori3, Ueli Bütikofer4, Raphaël Charles5, Thomas Alföldi6 und Fredi Strasser2 1 Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, 8820 Wädenswil 2 Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, 8046 Zürich 3 Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-Haras, 1725 Posieux 4 Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-Haras, 3003 Bern-Liebefeld 5 Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, 1260 Nyon 1 6 Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, 5070 Frick Auskünfte: Stephan Pfefferli, E-Mail stephan.pfefferli@agroscope.admin.ch, Tel. +41 52 368 32 02

Stephan Pfefferli (Agroscope) leitet das Koordinationsgremium Bioforschung.

Was hat die Bioforschung seit 2006 geleistet, wo steht sie heute und wo besteht Forschungsbedarf in den nächsten Jahren? Dies waren die zentralen Fragen der 7. Bioforschungstagung vom 15. November 2012 am Inforama Rütti Zollikofen. Organisiert wurde der Anlass vom Koordinationsgremium Bioforschung, das seit 1995 im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft die Bioforschung in der Schweiz koordiniert. Darin vertreten sind Agroscope und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau

200

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(FiBL). Thematisch gegliedert war die Tagung in vier Blöcke: Acker- und Futterbau, Spezialkulturen, Tiere und tierische Lebensmittel sowie Sozioökonomie. Inputreferate, eine Postersession, Workshops und eine Zusammenfassung im Plenum waren die Stationen einer intensiven Themenbearbeitung. Rund 90 Personen aus Forschung, Bildung, Beratung und Praxis nahmen an der Tagung teil. Sie zeigte, dass hohe Erwartungen an die Forschung vorhanden, die Forschungskapazitäten aber limitiert sind.


Wo steht die Schweizer Bioforschung? | Kurzbericht

Die Ziele der Tagung waren folgende: 1. Was wurde von den Vorschlägen der 3. Biofor­ schungstagung in Frick im Jahr 2006 erreicht? 2. Welches sind die aktuellen Herausforderungen für die Bioforschung? 3. Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Planung der Arbeitsprogramme 2014 – 2017 von Agroscope und FiBL Die Inputreferate zu den einzelnen Themenblöcken wur­ den von Forschenden von Agroscope und FiBL gehalten. Sie veranschaulichten die grosse Fülle an Themen, wel­ che bearbeitet werden und zeigten den künftigen Bedarf auf. Marcel van der Heijden (ART) präsentierte Arbeiten bei geeigneten alternativen Kulturpflanzen wie Rispen­ hirse, Lein, Ölmohn und Linsen, zum ökologischen Pflan­ zenschutz und zur Bodenbearbeitung. Für Paul Mäder (FiBL) sind im Bereich Mischkulturen, N-Fixierung auf dem Betrieb, Bodenfruchtbarkeit, Prüfung biotauglicher Züchtungsmethoden und bei der Prüfung des Potenzials der Gentechnik die Ziele sehr gut erreicht worden. And­ reas Lüscher (ART) analysierte die Futterbauforschung. Aus der Bio-Futterpflanzenzüchtung an ART sind die ers­ ten Sorten zugelassen und weitere Kandidaten stehen bereit. Die Regulierung der giftigen Kreuzkrautarten mit biologischen Massnahmen ist zielführend, während die Bekämpfung der Blacke mit thermischen Methoden und mit Nützlingen noch weiter entwickelt werden muss. Benno Graf (ACW) stellte die 2006 in Frick priorisierten Themen mit Bezug zu Spezialkulturen vor: Lebensmittel­ qualität und -sicherheit, nachhaltige Bodenforschung, Einbezug Leistungsbezüger, Low Input, Biosaatgut und Qualität Wurzelfrüchte und erläuterte diese mit Ergeb­ nissen aus aktuellen Forschungsarbeiten. Er zeigte den künftigen Forschungsbedarf auf bei Krankheiten, Schäd­ lingen, Begleitflora und Unkraut, Lebensmittelqualität und -sicherheit und bei der Züchtung. Gemäss Franco Weibel (FiBL) wurden die meisten 2006 im Bereich der Spezialkulturen identifizierten Forschungsdefizite aufge­ griffen. Er listete Forschungsschwerpunkte als Basis für den Workshop Spezialkulturen am Nachmittag auf. Neue Schlüsselprobleme wie z.B. Feuerbrand seien aufgetre­ ten. Die Forschenden stünden häufig im Spannungsfeld zwischen sich verändernden Praxisbedürfnissen und der Finanzierbarkeit dieses Forschungsbedarfs. Christophe Notz (FiBL) und Fredy Schori (ALP) versuchten die biorele­ vante Forschung der letzten fünf Jahre im Bereich Tiere zu charakterisieren. Sie analysierten 181 themenrele­ vante Publikationen von Agroscope, ETH, HAFL und FiBL und erstellten mit 498 Stichwörtern zwei Wortwolken. Das dominante Wort war «Milchkuh», wichtig auch «Fettsäurenprofil», «Weide», «Schwein», «Fütterung»

und «Tannine». Viele Arbeiten befassten sich mit der Eutergesundheit beim Milchvieh, mit Tiergesundheit, Parasiten und Geflügel. Als künftige Forschungsthemen wurde ein ganzer Katalog genannt, darunter die Auto­ nomie der Schweiz in der Proteinversorgung (Ersatz von Sojaimporten). Die Sozioökonomie beleuchteten Stefan Mann (ART) und Matthias Stolze (FiBL). Bei der Betriebs­ wirtschaft wurden wesentliche Ziele erreicht, bei «Rural Sociology» hingegen seien alle Ziele nicht oder nur teil­ weise erreicht worden. Bei der Politikfolgeabschätzung wurden die Ziele bei Kosteneffizienz Bio-Förderung und Politiknetzwerke Bio-Landbau erreicht, bei der Nachhal­ tigkeitsbewertung der Agrarpolitik und bei der Nachhal­ tigkeitsanalyse hingegen nicht. Marketingkonzepte wur­ den erfolgreich erstellt, beim nachhaltigen Konsum besteht noch sehr viel Forschungsbedarf. Workshop Acker- und Futterbau Rund dreissig Personen beteiligten sich an der Zusam­ menstellung und Priorisierung der künftigen Themen, geleitet von Josy Taramarcaz (Agridea), Niklaus Messerli (Inforama Rütti) und Niklaus Steiner (Biofarm). Mit Abstand die höchste Priorität erhielt das Thema Dün­ gung (Stickstoff, Phosphor, Fruchtfolge, Hof- und Bio­ dünger, Gründüngung, Kleegraswiesen). Im zweiten Rang folgte die Anpassung der Biorichtlinien für eine Weiterentwicklung des Bioackerbaus in ein dynami­ sches, effizientes System mit hoher Ökologisierung im Tal- und Berggebiet. Als sehr wichtig wurde auch die Pflanzenzüchtung für den Bioacker- und Biofutterbau eingestuft, damit Sorten bei tiefem Nährstoffniveau unter effizienter Nutzung von Symbiosen mit Bodenle­ bewesen hohe Erträge und beste Qualität erzeugen. Weiterhin hohe Bedeutung hat der biologische Pflan­ zenschutz (Rapsglanzkäfer, Phytophtora, Krähen, Mäuse, gesamtheitliche Wirkungen von Biomethoden). In den Vordergrund gerückt sind Systemfragen, wie Effi­ zienzsteigerung innerhalb der Kette Acker-Wiese-Rind­ vieh, viehlose Systeme, Agroforstsysteme, Eigenversor­ gung mit Protein. Ebenfalls hoch gewichtet wurden die Themen Unkrautregulierung (Distel, Blacke, Winden, Quecke, Flughafer, Windhalm) und Bodenfruchtbarkeit (Humuserhaltung, Wurzelausscheidungen, Bodenlebe­ wesen, schonende und minimale Bodenbearbeitung, Reduktion von Treibhausgasen und Klimawandel). Beim Naturfutterbau wurde die grosse Bedeutung der ökolo­ gischen Wiesenpflege im Berggebiet herausgestrichen. Workshop Spezialkulturen Der Workshop Spezialkulturen wurde von Jakob Rohrer (BBZ Arenenberg), Andi Häseli (FiBL) und Walter Koch (Strickhof) geleitet und von rund dreissig Personen

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Kurzbericht | Wo steht die Schweizer Bioforschung?

Vorgelagerte Stufen

Landwirtschaftliche Produktion

Verarbeitung

Handel und Verteilung

Konsum

Recycling

Abb. 1 | Wertschöpfungskette (BLW 2010, S. 33, angepasst).

besucht. Ein Schwerpunkt der Diskussion bildete die Züchtung. Unter Bio-Bedingungen gebe es spezifische Anforderungen an die Züchtungsforschung. Bio-Züch­ tung und Bio-Sortenprüfung wurden im Obst- (inklusive Beeren), Gemüse- und Rebbau als sehr wichtig erachtet (Abb. 2). Dabei könnten auch interaktive Foren eine Rolle spielen. Allerdings wurde die Züchtung beim Gemüse eher als Wunschbedarf bezeichnet, angesichts der grossen Vielfalt an Gemüsearten. Krankheiten stellen in den Spezialkulturen ein zentrales Dauerproblem dar. Molekulare Diagnostik und Prognosewesen könnten Hil­ festellung bieten. Als neuer Forschungsschwerpunkt wurde die Entwicklung moderner Technik wie Robotik sowie Geräte mit geringem Energiebedarf und viel intel­ ligenter Erkennungs- und Steuertechnik erwähnt. Dies ist ein Signal, dass man auch im Bio-Landbau topmoderne Technologie nutzen und damit arbeiten will. Im Gemüse­ bau ist die Unkrautregulierung nach wie vor ein grosses Problem, welches engergieeffizient gelöst werden sollte. Wichtig wurde der Einbezug der Stakeholder inklusive Praxis bei der Forschungstätigkeit erachtet. Als neuer Partner war die ZHAW beim Workshop stark vertreten. Neben der praxisbezogenen Bioforschung wurde die Finanzierung einer strategischen Forschung als wichtig erachtet. Workshop Tiere und tierische Lebensmittel Kompetent durch den Workshop führten Beat Bapst (Qualitas), Urs Brändli (BioSuisse) und Bettina Springer (Strickhof). Viele Forschungsthemen wurden durch zirka fünfzehn Workshop-Teilnehmer aus verschiedenen Insti­ tutionen andiskutiert. Zum Beispiel stellt die Proteinver­ sorgung mit einheimischen, lokalen Rohstoffen aus bio­ logischem Anbau eine Herausforderung bei allen Nutztierarten dar. Die Problematik verschärft sich bei den Monogastriern, wie z.B. beim Geflügel, unter Berücksichtigung der vorgesehenen 100 % Biofütterung.

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Ein innovativer Ansatz wäre die Verfütterung von Insek­ ten, die mit organischen, unproblematischen Abfällen ernährt würden. Mit steigender Nachfrage und reduzier­ ten Fischbeständen wird Grundlagenforschung zur Zucht, Haltung und Fütterung von Fischen notwendig, um u.a. den Hilfsstoffeinsatz zu reduzieren. Die Ursachenfor­ schung und das Erarbeiten von griffigen Massnahmen bezüglich dem nicht neuen, aber immer noch sehr aktu­ ellen Bienensterben sind dringend notwendig. Die Umsetzung sowie die Schwierigkeiten von alternativen Produktionsformen, wie das Zweinutzungs-Huhn oder die Ebermast, wurden thematisiert. Beim Rind wurde der Forschungsbedarf besprochen, um die Lebensleistung der Kühe zu verbessern, die effiziente Nutzung des Wei­ degrases zu ermöglichen und die Emissionen von Treib­ hausgasen zu reduzieren. Der Einbezug der genomischen Selektion in der Rindviehzucht wurde ebenfalls disku­ tiert. Nicht zuletzt wurde über die Bündelung und Umsetzung der Erkenntnisse in der Parasitenbekämp­ fung (Haltung, Fütterung und Zucht) beim Kleinwieder­ käuer gesprochen. Allgemein müssen Anstrengungen unternommen werden, damit vorhandenes Wissen in der Praxis ankommt und umgesetzt wird. Workshop Sozioökonomie Am Workshop Soziökonomie, geleitet von Bernadette Oehen (FiBL) und Christine Rudmann (Strickhof), nah­ men elf Personen teil. Forschungsbedarf im Bereich der Soziökonomie besteht bei Betriebswirtschaft, Wert­ schöpfungsketten, Politikevaluation und Soziales. Die Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen For­ schung liefern gute Grundlagen für die Diskussion mit Handelspartnern und Behörden. Erweiterungen sind bei neuen Betriebsformen, beim Nebenerwerb (inner-/­aus­ serbetrieblich) und bei den Optimierungsansätzen erwünscht. Über die Produktion einerseits und den Kon­ sum andererseits besteht ein breites, gut abgesichertes


Wo steht die Schweizer Bioforschung? | Kurzbericht

Abb. 2 | Bio-Züchtung wurde am Workshop Spezialkulturen als sehr wichtig erachtet.

Wissen. Bei der Betrachtung ganzer Wertschöpfungsket­ ten gibt es aber Lücken. Insbesondere ist nicht bekannt, wie die Gesellschaft und die Ökologie die Ausgestaltung der Wertschöpfungsketten beeinflussen und welches die Biolandbau-spezifischen Herausforderungen sind. Bei der ex ante-Evaluation von agrarpolitischen Massnah­ men stossen die heute verwendeten Sektormodelle1 an ihre Grenzen, wenn sich die Rahmenbedingungen stark verändern. Bei den Marktmodellen2 fehlen die Elastizitä­ ten für Bioprodukte. Ethische und soziale Aspekte werden tendenziell unterbewertet. Umfassende Ansätze (Systembetrach­ tung) und soziale Fragestellungen gewinnen an Bedeutung.

Literatur ▪▪ Alföldi Th., Bütikofer U., Charles R., Pfefferli S., Samietz J., Schori F. & Strasser A., 2010. Übersicht zur Bioforschung von Agroscope und FiBL 2008-2011. Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, CH-8046 Zürich. 18 S. ▪▪ BLW, 2010. Land- und Ernährungswirtschaft 2025. Diskussionspapier des Bundesamtes für Landwirtschaft zur strategischen Ausrichtung der ­A grarpolitik. Zugang: www.blw.admin.ch/themen/00005/01170/index. html?lang=de.

Fazit Die Bioforschungstagung 2012 ermöglichte eine inten­ sive Auseinandersetzung mit den seit 2006 erzielten Ergebnissen der Forschung, dem aktuellen Stand und dem Forschungsbedarf für die nächsten Jahre. Die Inter­ aktionen zwischen Forschung, Beratung, Lehre und Pra­ xis war bereichernd und ermöglichte die Themenformu­ lierung für den künftigen Forschungsbedarf.  n

Mathematisch-ökonomische Modelle wie FARMIS (Sanders et al. 2008) und SILAS (Mack und Flury 2006), welche den Schweizer Agrarsektor abbilden. 2 Mathematisch-ökonomische Modelle, welche die Märkte einzelner oder der wichtigsten Agrarprodukte für einzelne Länder oder Ländergruppen abbilden (z.B. Ferjani 2008). 1

▪▪ Ferjani A., 2008. Agricultural policy (AP-2011) Reform and the WTO: ­P otential Impacts on Swiss Agriculture. 107th EAAE Seminar «Modelling of Agricultural and Rural Development Policies». Seville, Spain, January 29th-Februrary 1st, 2008. ▪▪ Mack G. & Flury C., 2006. Auswirkungen der Agrarpolitik 2011. Zugang: http://www.srva.ch/files/bericht.pdf. ▪▪ Sanders J., Stolze M. & Offermann F., 2008. Das Schweizer Agrarsektormodell CH-FARMIS. Agrarforschung 15 (03), 138–143

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K u r z b e r i c h t

Die Pferdekutsche mit elektrischer Unter­ stützung, ein innovatives Projekt von ALP-Haras Ruedi von Niederhäusern, Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-Haras, 1580 Avenches, Schweiz Auskünfte: E-Mail: ruedi.vonniederhaeusern@agroscope.admin.ch, Tel. +41 26 676 62 39

Die Pferdekutsche mit elektrischer Unterstützung im Einsatz vor dem Rathaus in Avenches. (Foto: ALP-Haras)

In einer Zeit, in der in Entwicklungsländern die klassischen Zugtiere mehr und mehr durch motorgetriebene Lösungen ersetzt werden, feiert das Zugpferd in industrialisierten Ländern sein Comeback als moderner Helfer in Gemeinden. Als Zeichen der nachhaltigen Entwicklung der urbanen Räume findet das Pferd somit eine neue Bestimmung. Dabei handelt es sich nicht um einen traditionalistischen Ansatz, sondern um die Suche nach innovativen Lösungsansätzen, die auch ökologischen, ökonomischen und tierschutzrelevanten Fragestellungen standhalten. Bei der Suche nach innovativen Lösungsansätzen kommt Frankreich eine Pionierrolle zu. Seit Jahren setzen meh­ rere Städte und Gemeinden auf diese Art der tierischen Energie. Abfallentsorgung, Unterhalt von Grünflächen, Bewässerung von Blumen, Transport von Schülern etc. – viele innovative, pferdezugtaugliche und an die Anfor­ derungen der zu erledigenden Arbeiten angepasste Geräte wurden bereits entwickelt. Die Technik ist dabei den Gegebenheiten heutiger Städte angepasst, spielen doch Faktoren wie Fahrzeugbreite, Bereifung, Beleuch­

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tung und arbeitsergonomische Parameter eine entschei­ dende Rolle im praktischen Einsatz. Aus Sicherheits- und Ressourcengründen ist es angezeigt, mit nur einem Pferd vor der Kutsche in städtischen Gebieten hinein zu fahren. Schwere Lasten in Kombination mit steilen Pas­ sagen verunmöglichen dies in Kommunen mit steilem Gelände.

Abb. 1 | Ermittlung der Zugkraft über im Ortsscheit eingebaute Zugkraftsensoren. (Quelle: www.equishop.ch)


Die Pferdekutsche mit elektrischer Unter­s tützung, ein innovatives Projekt von ALP-Haras | Kurzbericht

Versuchsthema 1: Praxistest der E-Kutsche: Testen sämtlicher Funktionali­ täten des Systems. Hypothese: Die E-Kutsche erweist sich als praxistauglich. Versuchsthema 2: Wohlergehen des Fahrpferdes: Definition von Parame­ tern zur Bestimmung des Wohlergehens des Fahrpferdes während der Arbeit. Hypothese: Das Wohlergehen des Fahrpferdes während der Arbeit ist messbar. Abb. 2 | Blick auf den zentralen Rechner der E-Kutsche. (Quelle: www.equishop.ch)

E-Kutsche unterstützt Pferd bei Bedarf Es sind genau diese Überlegungen, die zur Entwicklung der E-Kutsche durch die Firma Meterus Sàrl aus Estavayerle-Gibloux FR führten. Die E-Kutsche unterstützt das Pferd bei Bedarf mittels eines manuell oder automatisch gesteuerten elektrischen Hilfsmotors. Die Funktions­ weise kann wie folgt erklärt werden: Das Pferd hat – in Abhängigkeit der Last und der topographischen Gege­ benheiten – eine gewisse Last zu ziehen. Die Zugkraft wird anhand von im Ortsscheit eingebauten Zugkraftsen­ soren (Abb. 1) ermittelt und an einen zentralen Rechner (Abb. 2) weitergeleitet. Überschreitet die Last die vom Fahrer vorgängig eingegebene maximale Belastung, so gibt der Rechner das Signal an den Elektromotor. Bei der Talfahrt gibt der Rechner nach demselben Prinzip dem Motor den Befehl zu bremsen. Die anfal­ lende Bremsenergie wird in der Lithium-Ionen-Batterie (48 V) gespeichert. Somit hat das Pferd über den gesam­ ten Parcours hinweg immer dieselbe Last zu ziehen – egal ob bergauf, bergab oder auf ebener Strasse. Fragestellungen und Versuchsanlage Die heutige, hauptsächlich urban geprägte Gesellschaft der industrialisierten Welt hat eine sehr hohe Sensibilität betreffend Tierschutz und Tierwohl. Im Fokus stehen dabei auch die Arbeitstiere, insbesondere die Kutsch­ pferde in Tourismusgebieten. Fuhrhaltereien geraten schnell ins Visier der Tierschutzorganisationen; wissen­ schaftliche Standards zur Messung des Wohlergehens von Arbeitspferden bestehen jedoch bis anhin nicht. Die E-Kutsche kann zur Lösung dieser Fragestellung einen wichtigen Beitrag leisten: Zum einen bietet die technische Ausrüstung viele Möglichkeiten zur Messung verschiedenster physikalischer Parameter; zum anderen kann sie – im Sinne ihrer Gesamtkonzeption –, ein Lösungsansatz sein, um dem Pferd die Arbeit stark zu erleichtern. In diesem Sinne stellten wir folgende Hypo­ thesen für einen ersten Pilotversuch auf:

Die Gemeinde Avenches stellte ihre Mitarbeiter sowie die Aufgabe für das Gespann zur Verfügung. Die Planung sah vor, über den Zeitraum von einem Monat in Avenches dreimal pro Woche die öffentlichen Abfallbehälter zu entleeren. In dem vor Versuchsbeginn festgelegten, stan­ dardisierten Parcours wurden sechs Hengste der Freiber­ gerrasse im Kreuzversuch eingesetzt. Beim ersten Einsatz fuhren sie ohne, beim zweiten mit elektrischer Unterstüt­ zung (Abb. 3). Die Firma Meterus Sàrl stellte die E-Kutsche inklusive Transportanhänger für Container (900 kg inklu­ sive Personal) zur Verfügung; ALP-Haras organsierte die Pferde, die Fahrer und die wissenschaftlichen Mitarbeiter zur Datenerhebung. Um das optimale Zuggewicht berech­ nen zu können, bedienten wir uns der Methode von E. Lavalard1 (1839–1916). Anhand von Brustumfang und Grösse errechneten wir für die sechs Hengste einen Durch­ schnitt von rund 73 momentane Zugkraft (kgF). Für die Grundeinstellung des Rechners der E-Kutsche wurde des­ halb 40kgF gewählt. Erhobene Parameter Physikalische Erhebungen Die momentane Zugkraft (kgF) sowie die Gesamtleis­ tung (KJ) der durch das Pferd geleisteten Arbeit über die Gesamtdauer des Parcours wurde durch den in der E-Kutsche integrierten Rechner erfasst. Ethologische Erhebungen Das Verhalten der Pferde wurde jeweils beim Anfahren, während der Fahrt und während der Fahrpausen des Parcours erfasst. Während der Fahrt wurden alle 30  Sekunden die Körperspannung, die Ohrenposition, die Schweifhaltung sowie die Zusammenarbeit mit dem Fahrer quantifiziert. Während der Fahrpausen wurde ebenfalls alle 30 Sekunden das ruhige Stehen beurteilt. Schliesslich erfolgte bei jedem Vorgang des Anfah­ rens nach einem Stopp eine Einschätzung der Motiva­ tion zum Anziehen. Während der gesamten Dauer der  http://www.france-trait.fr/fr/materiel-traction-animale/preambule.html

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Kurzbericht | Die Pferdekutsche mit elektrischer Unter­s tützung, ein innovatives Projekt von ALP-Haras

geleistete Arbeit des Pferdes über eine Zeitspanne mit und ohne elektrische Unterstützung vom 13. und 18. September 2012 Arbeitsleistung des Pferdes mit elektrischer Unterstützung [KJ]

Arbeitsleistung des Pferdes ohne elektrische Unterstützung[KJ]

1400 Arbeit in Kilojoule [KJ]

1200 1000 800 600 400 200 0 00:00:00

00:08:38

00:17:17

00:25:55

00:34:34

00:43:12 00:51:50 01:00:29 Zeit [Stunde:Minute:Sekunde]

01:09:07

01:17:46

01:26:24

01:35:02

Abb. 3 | Zugleistung Hengst Lordon.

Parcoursabsolvierung wurden zudem als Einzelereig­ nisse die Frequenzen von Kopfschlagen, Bocken, Aus­ schlagen, Aufbäumen, Scharren, Gähnen, Koten und Harnen, Wiehern sowie besonderen Hilfegebungen durch den Fahrer erfasst. Physiologische Erhebungen Die Herzfrequenz (HF) wurde mittels Polar Equine RS 800 respektive RS 800 CX über den gesamten Parcours ermit­ telt. Diese Geräte erfassen gleichzeitig die genaue Position des Gespannes mittels GPS. Speichelcortisol gilt als verläss­ licher Indikator für Stress. Den Pferden wurde jeweils am Ende des Parcours eine Speichelprobe entnommen. Die Atemfrequenz wurde manuell erfasst; vor dem Start in Ruhephase, während der Arbeit (bei jedem Anhalten) sowie bei Ende der Arbeit (zeitgleich mit den Speichelproben). Die Körpertemperatur wurde vor dem Start im Ruhe­ zustand sowie am Ende des Parcours mittels Thermome­ ter rektal gemessen. Erste Resultate zeigen deutliche Tendenzen Sämtliche Daten wurden mittels der Software NCSS aus­ gewertet. Der insgesamt kleine Datenumfang im Pilot­ projekt erlaubte es in den meisten Fällen nicht, signifi­ kante Aussagen zu den einzelnen Parametern zu erhalten; hingegen sind Tendenzen in einigen Bereichen deutlich sichtbar. Physikalische Messresultate Bei sämtlichen Hengsten konnten deutliche Unter­ schiede zwischen der Arbeit mit und ohne elektrische Unterstützung festgestellt werden. Als Beispiel zeigt die Abbildung 3 die kumulierte Leistung (KJ) des Hengs­

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Agrarforschung Schweiz 4 (4): 204–207, 2013

tes Lordon über die Dauer des gesamten Parcours. Ohne Unterstützung leistete er rund 1360 KJ, mit Unterstützung reduziert sich die geforderte Leistung um 34 % auf 900 KJ. Resultate der ethologischen Erhebungen Die erhobenen Verhaltensparameter unterschieden sich nicht bei Fahrten mit oder ohne elektrische Unterstützung. Dies lässt darauf schliessen, dass der plötzliche Abfall des Zuggewichtes bei Einschalten der Elektrounterstützung weder Irritation noch Abwehrverhalten beim Pferd aus­ löst. Es konnten hingegen auch keine gesteigerte Motiva­ tion zum Ziehen, keine entspanntere Körperhaltung wäh­ rend der Arbeit noch erhöhte Kooperationsbereitschaft festgestellt werden. Offenbar löste die Elektrounterstüt­ zung keine messbaren Verhaltensreaktionen aus. Resultate physiologischer Parameter Die graphische Darstellung der Herzfrequenzdaten (Abb. 4) zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Modi mit und ohne elektrische Unterstützung. Als Bei­ spiel dient wiederum der Hengst Lordon; seine Durch­ schnittswerte (mit/ohne) liegen bei 80 respektive 90 bpm, die Maximalwerte bei 163 respektive 203 bpm. Die Auswertung der Daten der Atemfrequenz respek­ tive der Körpertemperatur zeigen ebenfalls deutliche Unterschiede, was auf eine reduzierte Körperaktivität bei der Arbeit mit elektrischer Unterstützung zurück zu führen ist. Die Cortisolwerte, als Indikator für die Stressbelas­ tung zeigen tendenziell Unterschiede zwischen der Absolvierung des Parcours ohne beziehungsweise mit Elektrounterstützung Allerdings erwiesen sich diese Unterschiede nicht als signifikant (Abb. 5).


Die Pferdekutsche mit elektrischer Unter­s tützung, ein innovatives Projekt von ALP-Haras | Kurzbericht

Herzfrequenz von Lordon mit und ohne elektrische Unterstützung in den Versuchen vom 13/09/12 und 18/09/12 HF ohne Unterstützung (bpm) HF mit Unterstützung (bpm)

durchschnittliche HF ohne Unterstützung (bpm) durchschnittliche HF mit Unterstützung (bpm)

maximale HF ohne Unterstützung (bpm) maximale HF mit Unterstützung (bpm)

200

Herzfrequenz [bpm]

180 160 140 120 100 80 60 40 20

Dauer Parcours [Stunde:Minute:Sekunde]

Abb. 4 | Herzfrequenz Hengst Lordon.

Bestätigung der Hypothesen Die Hypothese zur Praxistauglichkeit der E-Kutsche kann bestätigt werden; nach anfänglichen kleinen techni­ schen Problemen funktionierte die E-Kutsche zur Zufrie­ denheit der Benutzer. Die Hypothese zur Messbarkeit des Wohlergehens des Pferdes während der Arbeit kann nicht eindeutig bestätigt werden. Zum einen konnten aussagekräftige Parameter (Herz- und Atemfrequenz, Körpertemperatur, Speichelcortisol und Zugleistung) von nicht aussagekräf­ tigen Indikatoren (sämtliche Verhaltensparameter) getrennt werden. Die geringe Stichprobengrösse führte jedoch in den meisten Fällen zu statistisch nicht signifi­ kanten Resultaten.

Speichelkortisolkonzentration 8,0

nmol/l

6,0

Folgeprojekte ab Frühling 2013 Die vorliegende Arbeit ist als Einstieg und Basis für weitere Projekte im Bereich des Einsatzes von Arbeits­ pferden für Kommunalarbeiten zu verstehen. Geplant sind Folgeprojekte ab dem Frühjahr 2013. Die Gemeinde Avenches spielt dabei die Rolle einer Modell­ gemeinde. Die Versuchsplanung und das Versuchsde­ sign werden entsprechend den Erfahrungen aus der Pilotphase verfeinert, insbesondere was den Stichpro­ benumfang anbelangt. Da im Vergleich zur Pilotphase mehr Zeit zur Verfügung stehen wird, können im Bereich des Wohlbefindens des Pferdes mehr und zusätzliche Parameter erhoben werden (unter ande­ rem Herzfrequenzvariabilität). Zudem sollen bisher noch nicht bearbeitete Themenfelder wie die Wirt­ schaftlichkeit, die Ökobilanz sowie soziale Aspekte dieser für die Schweiz noch neuen Nutzungsform für Pferde untersucht werden. Letztlich besteht das Ziel darin, für interessierte Gemeinden ein Beratungstool n zu erstellen. 

4,0

2,0

0,0 Ohne_E_U

Mit_E_U

Testsituation Parcours Abb. 5 | Speichelkortisolkonzentration [nmol/l] der sechs Hengste nach Absolvierung des Parcours ohne beziehungsweise mit Elektro­ unterstützung (Ohne E U, Mit E U).

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 204–207, 2013

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P o r t r ä t

Irmi Seidl: Umweltökonomin an der ­Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL Beim Besuch an einem trübnassen Dezembertag steht die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL am ehesten für «Wald». Dieser ist in Birmensdorf noch präsent, auch wenn der Ort zur Agglomeration Zürich gehört. Auf dem Gelände der WSL befindet sich ein Arboretum mit 189 Baum- und Straucharten, und im Hauptgebäude selbst gibt es wunderbare Baumquer­ schnitte zu sehen. Wie Irmi Seidl erklärt, werden in den Jahrringen von Bäumen aus aller Welt Hinweise auf Wachstumsbedingungen gesucht, unter anderem um vergangene Klimaänderungen zu identifizieren. Irmi Seidl beschäftigt sich aber nicht direkt mit Wald, Schnee oder Landschaft sondern indirekt: Ihr Interesse gilt der Beziehung und dem Umgang des Menschen und der Gesellschaft mit Wald, Schnee und Landschaft im weiteren Sinne. Die Umweltökonomin aus Bayern begann ihr ­Studium der Wirtschaftswissenschaften in München; in ­Aix-en-Provence absolvierte sie die Licence, in Paris die Maîtrise (Master). Darauf folgte ein Doktorat an der Uni­ versität St. Gallen (HSG), wo sie ihr Interesse an Umwelt­ fragen zum Forschungsthema machte. Sie untersuchte in ihrer Doktorarbeit, welche Anreize und Unternehmens­ kultur es in einem Grossunternehmen braucht, damit umweltgerechte Produkte erforscht und hergestellt werden. Fallbeispiel war der Sektor Pflanzenbehand­ lungsmittel der Ciba in Basel. Nach der Dissertation ging sie für zwei Jahre nach Leipzig und München. Dort arbeitete sie zu Ökobilanzen, Regionalentwicklung und dem neu von ihr zusammen mit Kolleginnen entwickelten Ansatz «Vorsorgendes Wirtschaften». Zurück in der Schweiz habilitierte Irmi Seidl 2002 an der Universität Zürich; im selben Jahr fand sie eine Anstellung an der WSL. Seit 2006 leitet sie die Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Projekt AlpFUTUR «Seit einigen Jahren sind die Sozial- und Wirtschafts­ wissenschaften regelmässig an grösseren Umweltfor­ schungsprojekten beteiligt. Oft wird dies gar von den Geldgebern verlangt», erklärt Irmi Seidl ihren Beitrag zu fachübergreifenden Forschungsprojekten wie Alp­ FUTUR. Forschende von Agroscope und WSL haben in diesem Verbundprojekt gemeinsam mit 13 weiteren Forschungs-, Beratungs- und Umsetzungsinstitutionen die Zukunft der Sömmerungsweiden in der Schweiz

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Agrarforschung Schweiz 4 (4): 208, 2013

erforscht. AlpFUTUR zeigt Perspektiven für die zukünf­ tige Nutzung der Alpweiden auf und macht Aussagen zum politischen Handlungsbedarf. Das Projekt kommt 2013 zum Abschluss. Zu diversen Unterprojekten von AlpFUTUR publizierte und wird «Agrarforschung Schweiz» Beiträge publizieren. Postwachstumsgesellschaft Berufliche und persönliche Interessen trennt Irmi Seidl kaum: Alle paar Jahre unternimmt sie ausgedehnte Reisen. Dabei interessiert sie sich vor allem für den ­ Umgang der Gesellschaft mit der Natur und der Umwelt. Seit drei Jahren arbeitet sie zu einer ihrer grundsätzli­ chen Fragen: Müssen unsere Ökonomien und Gesell­ schaften ständig wachsen? Gibt es für die Gesellschaft keine Zukunft jenseits des Wirtschaftswachstums? «Doch!», lautet die engagierte Antwort von Irmi Seidl, die mit Angelika Zahrnt 2010 das Buch «Postwachstums­ gesellschaft» herausgegeben hat. Damit stösst sie auf grosses öffentliches Interesse und greift auf spannende Forschungsthemen wie Glück, Gemeingüter, Ressourcen­ verbrauch oder Geld zurück. Andrea Leuenberger-Minger, Redaktion Agrarforschung Schweiz, Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-Haras


A k t u e l l

Aktuell Pferdeforschung Schweiz: 40 neue Studien Forschende im Pferdesektor aus der Schweiz haben viele neue Erkenntnisse aus ihren Untersuchungen gewonnen. Sie werden an der 8. Tagung des Netzwerks Pferdefor­ schung am 25. April 2013 in Avenches darüber berichten. Ein Grossteil der Beiträge wird sich mit zukünftigen Tendenzen innerhalb der Pferdebranche auseinander­ setzen. Grosser Wert wird darauf gelegt, die Themen so aufzubereiten, dass sie im Alltag angewendet werden können. Ein Beispiel: Belastungsstudien zeigen die viel­ fältigen Ansprüche an Pferde auf. Eine Arbeit wird sich

mit der Frage beschäftigen, wie Pferde lernen und wie dies gemessen werden kann. Das Ziel ist es, die Erkennt­ nisse im Training umzusetzen. Die Pferdezüchter erfah­ ren Neues über Gene, deren Auswirkungen und wie die Zyklusaktivität von Stuten stimuliert werden kann, um die Chance auf eine Trächtigkeit zu steigern. Wer Pferde hält und davon leben muss, ist sicherlich auch an den arbeitswirtschaftlichen Resultaten interessiert, die prä­ sentiert werden. Das Pferd ist immer auch Kulturgut, weshalb auch kulturhistorische Themen nicht ausser Acht gelassen werden. Ariane Sotoudeh, Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-Haras, Avenches

Frauen am Land – Potentiale und Perspektiven Die Tagung «Frauen am Land – Potentiale und Perspekti­ ven» vom 7.2. – 9.2. 2013 in Wien war eine Weiterführung der Veranstaltung «Frauen in der Landwirtschaft» der Universität Bern im Jahre 2011. Das Konzept der Tagung, Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen, hat sich weiterhin bewährt und zu interessantem Austausch und spannenden Debatten geführt. Das Thema der Tagung war im Gegensatz zur Veranstaltung in der Schweiz dies­ mal breiter definiert. Einbezogen wurden neben den Bäuerinnen und Landwirtinnen auch weitere Frauen der ländlichen Regionen. Dies erlaubte eine vertiefte Diskus­ sion des Kontextes der Frauen auf dem Land. Teilgenom­ men haben 180 Frauen aus dem deutschsprachigen Raum. Neben Vorträgen gab es auch Podiumsdiskussionen und einen sogenannten «Marktplatz» bei dem Projekte aus

der Praxis vorgestellt wurden. Gender-Fragen wurden im Hinblick auf die Regionalentwicklung, Mobilität, den Arbeitsmarkt, die Landwirtschaft und Zukunftsperspekti­ ven auf dem Lande thematisiert. Ruth Rossier und Christine Jurt, Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Ettenhausen

Agrarforschung Schweiz 4 (4): 209–211, 2013

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Aktuell

Medienmitteilungen

www.agroscope.admin.ch/medienmitteilungen www.agroscope.admin.ch/medienmitteilungen 21.03.2013 Standardmischungen auf Luzerne-Basis: proteinreich und beständig In Gegenden mit geringen Niederschlagsmengen liefern Luzerne-Gras-Mischungen Futter mit einem hohen Pro­ teinertrag pro Hektare. Heute liegen drei Standardmi­ schungen (SM) mit Luzerne vor. Aufgrund von Feldexpe­ rimenten in Ackerstreifen und in Kleinparzellen hat Agroscope bei der letzten Revision der Standardmischun­ gen die Rezeptur der SM 325 geändert, um deren Eig­ nung für trockene Tallagen zu verbessern.

18.03.2013 Pferdeforschung Schweiz – 40 neue Studien und Gäste aus dem nahen Ausland Was kann ich machen, damit meine Stute leichter träch­ tig wird? Wie lernen Pferde? Wie messen wir es, um ihnen dann das Lernen zu erleichtern? Junge Forschende aus der Schweiz sind solchen Fragen nachgegangen und haben eine Menge herausgefunden. Sie werden an der

AGrAr ForSchUNG Schweiz recherche AGroNomiqUe SUiSSe

8. Tagung des Netzwerks Pferdeforschung am 25. April 2013 in Avenches darüber berichten. Prominente For­ scherinnen aus Frankreich und Deutschland werden die Tagung mit neuesten Highlights zur Pferdeforschung bereichern.

15.03.2013 Bodenkrankheiten – eine schleichende Bedrohung für den Beerenbau Der Ertrag im Beerenbau, insbesondere bei Erdbeeren und Himbeeren, kann durch Bodenkrankheiten stark gemindert werden. Aufgrund der fehlenden sichtbaren Symptome auf den oberirdischen Pflanzenteilen werden die Auswirkungen oft unterschätzt. Bei einem Feldver­ such hat Agroscope gezeigt, dass der Ertrag einer Erd­ beerkultur um die Hälfte zurückgehen kann, ohne dass dabei die geringsten Symptome auf Blättern, Blüten und Früchten auftreten. Um Bodenkrankheiten besser bekämpfen zu können, wird der Einsatz von Gründüngung vorgeschlagen.

Aktuelle Forschungsergebnisse für Beratung und Praxis: Agrarforschung Schweiz publiziert 10-mal im Jahr Forschungsergebnisse über Pflanzenbau, Nutztiere, Agrarwirtschaft, Landtechnik, Lebensmittel, Umwelt und Gesellschaft. Agrarforschung ist auch online verfügbar unter: www.agrarforschungschweiz.ch Bestellen Sie jetzt Ihre Gratisausgabe! Name/Firma

Agrarforschung Schweiz / Recherche Agronomique Suisse ist die zeitschrift der landwirtschaftlichen Forschung von Agroscope und ihren Partnern. Partner der zeitschrift sind das Bundesamt für Landwirtschaft, die hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaft hAFL, die Beratungszentralen AGriDeA, die eidgenössische Technische hochschule eTh zürich, Departement für Umweltsystemwissenschaften und Agroscope, die gleichzeitig herausgeberin der zeitschrift ist. Die zeitschrift erscheint in Deutsch und Französisch. Sie richtet sich an Fachpersonen aus Forschung, industrie, Lehre, Beratung und Politik, an kantonale und eidgenössische Ämter und an weitere Fachinteressierte.

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Vorname Strasse/Nr PLZ/Ort Beruf E-Mail Datum Unterschrift Talon einsenden an: redaktion Agrarforschung Schweiz, Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-haras, Postfach 64, 1725 Posieux Tel. +41 26 407 72 21, Fax +41 26 407 73 00 e-mail: info@agrarforschungschweiz.ch | www.agrarforschungschweiz.ch

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Aktuell

Internetlinks

Veranstaltungen

April 2013

Tage der offenen Türe, Agroscope in ­Wädenswil www.agroscope-forschung-erleben.ch Am 7. und 8. Juni 2013 finden bei Agroscope in Wädenswil zwei Tage der offenen Türe statt. Für die Praxis, Forschung und Beratung sowie die Öffentlichkeit sind diverse Anlässe geplant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Agroscope informieren Sie an 18 Infoständen über ihre Forschungsarbeiten, die der Schweizer Landwirtschaft und den Konsumentinnen und Konsumenten zugutekommen.

Vor schau Mai 2013 / Heft 5 Energieverbrauch der Schweizer Landwirtschaft. Forschende von Agroscope stellen in ihrem Beitrag den Umweltindikator «Energieverbrauch Landwirtschaft» vor. Dieser liefert Kennzahlen, mit denen sowohl die aktuelle Situation als auch Ent­ wicklungstrends im Energieverbrauch der Landwirtschaft übersichtlich dargestellt und bewertet werden können.

25. April 2013 8. Jahrestagung Netzwerk Pferdeforschung Schweiz Schweizerisches Nationalgestüt SNG Avenches 28.04. –  01.05.2013 GCIRC technical meeting 2013 Agroscope Changins-Wädenswil ACW Nyon Mai 2013 07.05.2013 Frühjahrstagung: Sind hohe Leistungen «Bio-kompatibel»? Herausforderungen für die Tierernährung Gemeinsame Veranstaltung der ETH Zürich, der ­Vetsuissefakultäten Zürich und Bern und Agroscope ETH Zentrum, Zürich 22. – 23.05.2013 Fachtagung Düngerkontrolle MARSEP-/ VBBo-­Ringversuche Agroscope Reckenholz-Tänikon ART und BLW Bern 30.05.2013 AGFF-Tagung AGFF / Agroscope / Inforama Innereriz BE

••Serie AlpFUTUR: Beweidungsintensität und Öko­ systemleistungen im Alpgebiet, Manuel Schneider et al., ART und Universität Freiburg im Breisgau

Juni 2013

••Serie AlpFUTUR: Nutztierhaltung auf der Alp – eine Literaturübersicht, Sabrina Imfeld-Mueller, ETH und WSL

07. – 08.06.2013 Tage der offenen Tür 2013 Agroscope Changins-Wädenswil ACW Wädenswil

••Vergleich der Ökobilanzen von stall- und weide­ basierter Milchproduktion, Michael Sutter et al., HAFL und ART ••Kupferfreie Bekämpfung der Kraut- und Knollen­ fäule im Bio-Kartoffelbau?, Heinz Krebs et al., ART

19. – 20.06.2013 Agrartechniktage Tänikon Agroscope Reckenholz-Tänikon ART Ettenhausen

••Sortenversuche mit Alexandrinerklee und Inkarnat­ klee, Rainer Frick, ACW ••Energieverbrauch der Schweizer Landwirtschaft – Graue Energie schlägt zunehmend zu Buche, Annett Latsch et al., ART ••Liste der empfohlenen Winterrapssorten für die Ernte 2014, Jürg Hiltbrunner und Didier Pellet, ART und ACW

Informationen: Informationen: www.agroscope.admin.ch/veranstaltungen www.agroscope.admin.ch/veranstaltungen

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harasnational.ch

8e réunion annuelle du Réseau de recherche équine en Suisse

Achte Jahrestagung Netzwerk Pferdeforschung Schweiz

25 avril 2013 9 h - 17 h, Théâtre du Château, Avenches -

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Journée ouverte à tout public avec exposés et posters Echange et transmission d’un savoir scientifique aux personnes qui détiennent, montent, mènent et élèvent des chevaux Thèmes: Prévention et maladies ; Elevage et génétique ; Bien-être et détention ; Définition des besoins Prix (y. c. les repas): Tarif normal CHF 120.- (€ 100.-) CHF 100.- (€ 85.-) Participant-e-s Equigarde® Etudiant-e-s et doctorant-e-s CHF 40.- (€ 35.-) Inscription* obligatoire

25. April 2013 9 - 17 Uhr, Théâtre du Château, Avenches - Öffentliche Tagung mit Vorträgen und Ausstellung - Wissenschaftlicher Austausch und Wissenstransfer zu Personen, die Pferde halten, reiten fahren und züchten - Themen: Prävention und Krankheiten; Zucht und Genetik; Wohlbefinden und Haltung; Definition der Bedürfnisse - Tagungsgebühren (inkl. Verpflegung): Normaltarif CHF 120.- (€ 100.-) CHF 100.- (€ 85.-) Equigarde®- Reduktion Studierende, Doktorierende CHF 40.- (€ 35.-) - Anmeldung* obligatorisch *Anmeldungen und Infos: / * Inscriptions et renseignements : Tel. 026 676 63 75 Fax: 026 676 63 05 katja.sprenger@haras.admin.ch

Dienstag, 7. Mai 2013

Sind hohe Leistungen „ Bio-kompatibel “ ? Herausforderungen für die Tierernährung

Themen:

Anmeldung:

• Wie können hohe Leistungen „ erfüttert “ werden ?

Bis spätestens Donnerstag, 25. April 2013 an die folgende Adresse:

• Hohe Leistungen – schlechte Fruchtbarkeit ? • Highlights aus der Forschung

Ort: Zürich, ETH Zentrum, Hauptgebäude, Rämistrasse 101 Auditorium Maximum (HG F 30)

ETH Zürich Institut für Agrarwissenschaften Sekretariat / LFW B 58.1 8092 Zürich Schweiz E-Mail: tiziana-lanzini@ethz.ch

Universität Zürich UZH

Afs 04 13 d