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FUTUREFOODS

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4 MEN & WOMAN Die Zukunft des Essens

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4 MEN & WOMEN Die Zukunft des Essens

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INHALT Wünsche und Erwartungen an Essen Natürlichkeit – Was Lebensmittel können sollen Functional Food – Essen mit Zusatznutzen Neuartige Lebensmittel – Wie das „Mehr” ins Essen kommt Innovationen durch Lebensmittel-Technologien – Was kommt auf uns zu? Kulinarisches – Insekten auf dem Speiseplan? Nachhaltige Lebensmittelproduktion – Wozu wir sie brauchen Verschwendung von Lebensmitteln in Österreich – Was im Müll landet Gesund essen – So geht’s Das 1 x 1 der Ernährung Portionsgrößen Nahrungsergänzungsmittel – Brauchen wir sie für eine ausgewogene Ernährung? Kalorienbewusst – Auf die Energiebilanz kommt es an! Sichere Lebensmittel – Welche Risiken bestehen? Risikowahrnehmung – Tatsächliches und vermeintliches Risiko Lebensmittelsicherheit – Vielfältige Herausforderungen Kontakt und Impressum Weiterführende Informationen

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WÜNSCHE UND ERWARTUNGEN AN ESSEN FUTUREFOODS Vor rund 150 Jahren gründete der Zoologe Francis Trevelyan Buckland die sogenannte Acclimatisation Society, um die britische Küche mit Seidenraupe, Biber und Papagei zu bereichern. Ohrwürmer, so stellte er fest, schmecken „furchtbar bitter”, fast so schlimm wie Maulwurf oder Schmeißfliegen. Zu dieser Zeit begannen bereits einige Pioniere nach alternativen Nahrungsquellen zu suchen, um befürchtete Hungersnöte aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums zu überstehen.

4 MEN & WOMEN

Nahrungsmangel, Hunger und Entbehrung ist für … Ohrwürmer, die meisten Menschen in Österreich heutzutage kein so stellte er fest, Thema. Gut ein Drittel der Menschen in Die Österreich Zukunft des Essens schmecken achtet dennoch regelmäßig auf den Preis, doch gewinnen andere Trends an Bedeutung. Die Wünsche „furchtbar bitter”, und Erwartungen an Produkte sind vielfältig: schnell, fast so schlimm gesund, geschmackvoll, natürlich, saisonal und ethisch wie Maulwurf soll unser Essen sein.

oder Schmeißfliegen …

EDITORIAL Welche Innovationen im Lebensmittelbereich braucht es?

Wie sollen Lebensmittel künftig gekennzeichnet werden? Welche Innovationen im Lebensmittelbereich braucht es? Was erachten Frauen und Männer als besonders wichtig, wenn es um ihr Essen geht, und worin unterscheiden sie sich dabei? Solche und ähnliche Fragen sollen die TeilnehmerInnen des Projekts Future Foods 4 Men & Women anregen, über die Zukunft des Essens nachzudenken. Gemeinsam werden in Gruppendiskussionen Visionen und Ideen von BürgerInnen für die Zukunft der Ernährung und die Sicherheit unserer Lebensmittel entwickelt. In dem breit angelegten Forschungsprojekt werden die Ideen von BürgerInnen und Fachleuten zusammengeführt. So entsteht ein ganzheitliches Bild, das als Basis für Produktinnovationen und neue Dienstleistungen sowie bessere Informationen für VerbraucherInnen dient. Diese Broschüre liefert Hintergrundinformationen rund um die Themen Ernährung und Lebensmittelsicherheit und bietet Anregungen für die gemeinsame Entwicklung von Ideen und Visionen. Nach jedem Themenblock haben wir Fragen formuliert. Sie sollen Impulse für den Gruppendialog geben. Wir bedanken uns herzlich dafür, dass Sie uns bei diesem wichtigen Projekt mit Ihrer Teilnahme unterstützen und freuen uns, Sie beim ersten Workshop persönlich kennen zu lernen.

UNIV.-DOZ. MAG. DR. INGRID KIEFER Projektleiterin, Ernährungswissenschafterin und Leiterin der AGES Unternehmenskommunikation MAG. (FH) FELICE DROTT, M.A. Projektkoordination und AGES Unternehmenskommunikation 2

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NATÜRLICHKEIT – WAS LEBENSMITTEL KÖNNEN SOLLEN Butter wird ranzig, Milch sauer, Äpfel schrumpelig, etc.

Lebensmittel müssen vielen Erwartungen gerecht werden. Sie sollen möglichst lange haltbar sein, schön aussehen, ihre Farbe beibehalten bzw. ihre Konsistenz nicht verändern etc. Diese und andere gewünschte Eigenschaften stehen jedoch oft im Gegensatz zu den Veränderungsprozessen, die in einem Lebensmittel natürlicherweise vor sich gehen: Butter wird ranzig, Milch sauer, Äpfel schrumpelig, etc.

Um diese Prozesse zeitlich zu verzögern oder aufzuhalten werden so genannte „Stoffe zur Verbesserung von Lebensmitteln” in der Produktion von Lebensmitteln eingesetzt. Zu diesen Stoffen zählen: Lebensmittelzusatzstoffe, Enzyme und Aromen. Lebensmittelzusatzstoffe werden aber auch dazu verwendet, um Lebensmittel während der Produktion, Verpackung oder Lagerung haltbar zu machen, zu färben und zu stabilisieren.

IMPULSFRAGEN | Sind Konsumentinnen und Konsumenten über Zusatzstoffe in Lebensmitteln, z. B. über Angaben auf Verpackungen, ausreichend informiert? Wie sollte der Umgang mit Lebensmittelzusatzstoffen in Zukunft gestaltet werden?

FUNCTIONAL FOOD – ESSEN MIT ZUSATZNUTZEN Es gibt einen grundsätzlichen Trend zu funktionalen Lebensmitteln (Functional Food).

Frische Fertiggerichte mit weniger Zusatzstoffen und neue Lebensmittel mit zusätzlichem Nutzen für die Gesundheit sind die meist genannten Wünsche der KonsumentInnen, wenn es um Ernährung geht. Durch eine ausgewogene Ernährung und die richtige Zusammensetzung von Lebensmitteln kann der Bedarf an Nährstoffen ausreichend gedeckt werden. Nichtsdestotrotz gibt es einen grundsätzlichen Trend zu funktionalen Lebensmitteln (Functional Food), also zu Produkten mit Zusatznutzen, z. B. probiotische Joghurts, Säfte mit Vitaminzusätzen, mit Omega-3-Fett-

säuren angereicherte Produkte etc. Ebenso erleben Nahrungsergänzungsmittel einen regelrechten Boom. Damit das, was auf den Lebensmittelverpackungen als Gesundheits-Mehrwert versprochen wird, z. B. Vitamin C unterstützt den Zellschutz, Calcium ist gut für die Knochen etc. auch wissenschaftlich richtig ist, müssen gesundheitsbezogene Angaben genehmigt werden. Welche gesundheitsbezogenen Aussagen erlaubt sind regelt die EU Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel (EU) Nr. 1924/2006, auch bekannt als „Claims Verordnung”.

IMPULSFRAGEN | Was halten Sie von funktionalen Lebensmitteln? Achten Sie selbst darauf, welchen Mehrwert ein Produkt Ihnen bietet? Welchen Zusatznutzen würden Sie sich wünschen?

NEUARTIGE LEBENSMITTEL – WIE DAS „MEHR” INS ESSEN KOMMT Unter „neuartigen” Lebensmitteln oder „Novel Food” versteht man Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die vor dem 15. Mai 1997 noch nicht in nennenswertem Umfang in der EU für den menschlichen Verzehr verwendet wurden. Während herkömmliche Lebensmittel als sicher gelten, gibt es bei neuartigen Lebensmitteln oft keine ausreichende Erfahrung, ob sie tatsächlich unschädlich und verträglich sind. Um neuartige Lebensmittel auf den Markt zu bringen, muss daher nachgewiesen werden, dass ihr Verzehr gesundheitlich unbedenklich ist und nicht zu Ernährungsmängeln führt. Beispiele für Novel Food sind synthetische, kalorienfreie Fettersatzstoffe, Öl aus Mikroalgen, getrocknetes Fruchtfleisch des Baobab-Baumes, aus dem Antarktischen Krill gewonnenes Krillöl, mit UVCLicht behandelte Milch oder Lebensmittel, die mittels Hochdruck pasteurisiert werden.

KULINARISCHES – INSEKTEN AUF DEM SPEISEPLAN? Etwa 1.900 der rund 1,5 Millionen Insektenarten sind essbar. WissenschafterInnen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind der Ansicht, dass Insekten sowohl als menschliche Nahrung, aber auch als Futtermittel für Tiere geeignet sind. Sie wären eine protein- und mineralstoffreiche Alternative zum Fleischkonsum. Es gibt jedoch auch Kritik, dass der Eiweißgehalt bei Insekten überbewertet wird. Darüber hinaus ergibt sich das Problem, dass bei industrieller Züchtung Insekten auch hochwertiges, hygienisch einwandfreies Futter brauchen, was wiederum die Frage nach den Kosten und der Lebensmittelsicherheit aufwirft. Bisher haben KonsumentInnen in Europa noch keine Leidenschaft für diese alternative Proteinquelle entwickelt.

Um neuartige Lebensmittel auf den Markt zu bringen, muss nachgewiesen werden, dass ihr Verzehr gesundheitlich unbedenklich ist.

INNOVATIONEN DURCH LEBENSMITTELTECHNOLOGIEN – WAS KOMMT AUF UNS ZU? „Neue Erkenntnisse und technologische Entwicklungen ermöglichen es, durch die Anwendung funktioneller Zutaten in der konventionellen Lebensmittelproduktion neue Produkte zu kreieren. Es werden aber auch Technologien wie das Elektroimpulsverfahren zur Konservierung von Lebensmitteln wie z. B. Fruchtsäften entwickelt, um unerwünschte Mikroorganismen ohne Qualitätsverlust zu eliminieren. Die Zulassung für Novel Food Produkte und Verfahren ist umfangreich. Für spezielle Anwendungen der Nanotechnologie bei Lebensmitteln beispielsweise müssen potenzielle Gesundheitsrisiken noch genauer untersucht werden. Ein weiterer Trend ist die Nutzung von verwertbaren Produktionsrückständen aus der Lebensmittelherstellung. So bleiben etwa bei der Rapsölproduktion Pressrückstände übrig. Aus dem Rapsölpresskuchen kann Rapsprotein als alternative Proteinquelle zu Soja gewonnen und genutzt werden. Bald wird Rapsprotein wohl europaweit zugelassen. Da davon auszugehen ist, dass Senfallergiker auf Rapsprotein allergische Reaktionen zeigen könnten, muss im Fall der Zulassung bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln, die Rapsprotein enthalten, darauf hingewiesen werden.”

IMPULSFRAGEN | Welche neuartigen Lebensmittel möchten Sie im Supermarkt der Zukunft vorfinden? Werden Insekten bei uns regelmäßig auf den Teller kommen?

DI KLAUS RIEDIGER Experte für neuartige Lebensmittel („Novel Foods”) am AGES Institut für Lebensmittelsicherheit Wien 4

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NACHHALTIGE LEBENSMITTELPRODUKTION – WOZU WIR SIE BRAUCHEN Heute leiden weltweit noch immer 842 Millionen Menschen an Hunger.

Gesunde Menschen brauchen ein gesundes Ernährungssystem. Heute leiden weltweit noch immer 842 Millionen Menschen an Hunger. Nicht nur die ausreichende Sicherung von gesunden Lebensmitteln, sondern auch die Nachhaltigkeit in der Erhaltung und Verbesserung der Produktionsgrundlagen und damit der natürlichen, sozialen und technologischen Umwelt, sind wesentliche Themen der Welternährung.

Nicht nachhaltige Entwicklungsmodelle bewirken eine Verschlechterung der natürlichen Umwelt und bedrohen die Ökosysteme und Biodiversität, die für unsere künftige Nahrungsmittelversorgung benötigt werden. Aufrufe zu tiefgreifenden Veränderungen in unseren Landwirtschafts- und Ernährungswirtschaft-Systemen werden immer eindringlicher.

IMPULSFRAGEN | Wie würde eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion Ihrer Meinung nach aussehen? Ist es möglich, dies zu erreichen? Was müsste sich ändern, um uns in diese Richtung zu bewegen?

GESUND ESSEN – SO GEHT’S In Österreich sind die größten gesundheitlichen Gefahren, die von Lebensmitteln und Ernährung ausgehen, Folgeerscheinungen von falschem Essverhalten. Fehlund Überernährung sind wesentlich für die Entstehung von Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs oder Diabetes. Dennoch hält es nur jede vierte in Österreich lebende Person für sehr bzw. ziemlich wahrscheinlich, dass Essen ihre Gesundheit schädigen kann, so eine europaweite Studie (Eurobarometer 2010). Die Folgen von Übergewicht und Adipositas werden unterschätzt. Die Risiken, die im Zusammenhang mit dem eigenen Essverhalten stehen, wie eine Gewichtszunahme und Fehlernährung sowie daraus resultierende Erkrankungen, werden laut Prognosen in Zukunft steigen.

DAS 1 x 1 DER ERNÄHRUNG Durch eine ausgewogene Ernährung wird der Körper mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt. Das richtige Verhältnis von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß, angemessene Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie Wasser spielt eine wichtige Rolle. Jeder einzelne Nährstoff erfüllt lebenswichtige Funktionen im Organismus. Mit welchen Lebensmitteln Sie eine optimale Versorgung sicherstellen können und welchen Anteil die verschiedenen Lebensmittelgruppen in der täglichen Ernährung einnehmen sollen, zeigen die lebensmittelbasierten Empfehlungen in Form der österreichischen Ernährungspyramide. Bei den Empfehlungen werden die Tagesmengen in Portionen angegeben:

Die Risiken, die im Zusammenhang mit dem Ernährungsverhalten stehen, werden laut Prognosen in Zukunft steigen.

1 PORTION =

SELTEN

werden so Lebensmittel im Wert von durchschnittlich rund 300 Euro weggeworfen. Am häufigsten entsorgt werden Brot, Süß- und Backwaren (28 Prozent). Auf Platz zwei der Lebensmittelabfälle kommen Obst und Gemüse (27 Prozent). Milchprodukte und Eier rangieren auf Platz drei (12 Prozent) gefolgt von Fleisch, Wurstwaren und Fisch (11 Prozent).

TÄGLICH TÄGLICH

1 Glas (250 ml)

GEMÜSE, OBST

1 Faust

BROT, GEBÄCK

1 Handfläche*

GETREIDEFLOCKEN

1 Handvoll

REIS (GEKOCHT)

2 Fäuste

KARTOFFELN

2 Fäuste

NUDELN (GEKOCHT)

2 Fäuste

MILCH, JOGHURT

1 Glas (ca. 200 ml)

KÄSE

2 handflächengroße*,

dünne Scheiben

HÜTTENKÄSE

1 Faust

FLEISCH, FISCH

1 handtellergroßes**,

fingerdickes Stück

WURST BIS ZU

3 handtellergroße**

Scheiben TÄGLICH

In Österreich landen jährlich rund 157.000 Tonnen an essbaren Lebensmitteln im Wert von über einer Milliarde Euro im Restmüll. Das sind 15 Prozent des Restmülls in Österreich. Diese Menge an Lebensmitteln (ohne Getränke und Milch) konsumieren etwa eine halbe Million Menschen in einem Jahr zu Hause. Jede/r Österreicher/ in wirft jährlich 19 kg weg. 19 kg entsprechen rund 380 Semmeln pro Person/Jahr. Pro Haushalt und Jahr

TÄGLICH

Pro Haushalt und Jahr werden Lebensmittel im Wert von durchschnittlich rund 300 Euro weggeworfen.

WÖCHENTLICH

SPARSAM

VERSCHWENDUNG VON LEBENSMITTELN IN ÖSTERREICH

WASSER

NÜSSE, SAMEN

2 EL

ÖL

1 EL

BUTTER, MARGARINE

1 EL

Handfläche: Hand mit Finger **Handteller: Hand ohne Finger

*

(c) BMG

IMPULSFRAGEN | Kann die Verschwendung von Lebensmitteln in Zukunft eingedämmt werden? Was können VerbraucherInnen und Industrie dazu beitragen? DIE 7 STUFEN ZUR GESUNDHEIT. Angaben für Erwachsene. WAS IN ÖSTERREICH JÄHRLICH IM MÜLL LANDET

157.000 TONNEN

19 kg je ÖsterreicherIn

=

300 EURO

Alkoholfreie Getränke

Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst

Getreide und Erdäpfel

Milch und Milchprodukte

Fisch, Fleisch, Wurst und Eier

Fette und Öle

Fettes, Süßes und Salziges

Täglich mindestens 1,5 Liter Wasser und alkoholfreie bzw. energiearme Getränke

Täglich 3 Portionen Gemüse und / oder Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst.

Täglich 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel (5 Portionen für sportlich Aktive und Kinder), vorzugsweise Vollkorn.

Täglich 3 Portionen Milchprodukte (fettärmere Varianten bevorzugen).

Wöchentlich 1 - 2 Portionen Fisch. Pro Woche maximal 3 Portionen mageres Fleisch oder magere Wurst. Pro Woche maximal 3 Eier.

Täglich 1 - 2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Streich-, Back- und Bratfette und fettreiche Milchprodukte sparsam.

Selten fett-, zuckerund salzreiche Lebensmittel und energiereiche Getränke.

(c) BMG

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Oft wird auf Verpackungen von Nahrungsergänzungsmitteln der Eindruck erweckt, dass eine gesunde Ernährung ohne Nahrungsergänzungsmittel nicht möglich ist.

NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL – BRAUCHEN WIR SIE FÜR EINE AUSGEWOGENE ERNÄHRUNG? Nahrungsergänzungsmittel dienen prinzipiell der Ergänzung der Ernährung. Sie können eine abwechslungsreiche Ernährung aber nicht ersetzen. In bestimmten Lebensphasen (z. B. für schwangere Frauen, HochleistungssportlerInnen) können sie vorübergehend sinnvoll sein (z. B. Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch). Oft wird auf Verpackungen von Nahrungsergänzungsmitteln der Eindruck erweckt, dass eine gesunde Ernährung ohne Nahrungsergänzungsmittel nicht möglich ist. Solche Angaben sind falsch und vom Gesetz her verboten. Vor allem sollten Nahrungsergänzungsmittel nicht im Internet erworben werden, da die Bezugsquellen mitunter nicht sicher sind. Nahrungsergänzungsmittel sind keine „Wundermittel”. Im Bedarfsfall ist eine individuelle Beratung durch entsprechendes Fachpersonal (ÄrztInnen, ApothekerInnen, DrogistInnen, Ernährungsfachkräfte) zu empfehlen. „Auf dem Markt der Nahrungsergänzungsmittel gibt es in letzter Zeit den Trend zu Produkten, die mit dem Zweck vermarktet werden, die Leistungsfähigkeit trotz Stress und Anstrengung im Beruf oder Studium zu steigern oder aufrecht zu erhalten. Gemäß dem Motto „krank werden kann ich mir nicht leisten” werden vitamin- und mineralstoffhaltige Präparate als Immunsystem stärkend beworben. Vermehrt zielen Werbemaßnahmen somit nun auch auf junge Erwachsene und Jugendliche ab. Fest steht jedoch, Nahrungsergänzungsmittel können Stress und Probleme im Alltag nicht beseitigen. Wer krank ist sollte ärztlichen Rat suchen und sich ordentlich auskurieren, um eine Erkrankung nicht zu verschleppen.” MAG. MARKUS ZSIVKOVITS Experte für Nahrungsergänzungsmittel am AGES Institut für Lebensmittelsicherheit

KALORIENBEWUSST – AUF DIE ENERGIE-BILANZ KOMMT ES AN! Für eine optimale Ernährung spielt neben dem Nährstoffgehalt auch der Energiegehalt (Kalorien) eine wichtige Rolle. Deshalb sind auf verpackten Lebensmitteln neben Angaben zu Nährstoffen (Eiweiß, Kohlenhydrate, Fette, Ballaststoffe, Natrium, Vitamine und Mineralstoffe) auch Angaben zur Energie, in Kalorien oder Kilojoule, verpflichtend. Sie beziehen sich auf Mengen von 100 g oder 100 ml und gegebenenfalls zusätzlich auf Portionen. „Energie wird durch die energieliefernden Nährstoffe Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate über die tägliche Ernährung aufgenommen und durch diverse Stoffwechselaktivitäten des Körpers sowie durch Bewegung verbraucht. Um das Körpergewicht konstant zu halten, muss daher die Energiebilanz ausgeglichen sein. Ist die Energieaufnahme höher als der Verbrauch, wird Energie in Form von Fett gespeichert und lässt so den Körperfettanteil und damit das Körpergewicht ansteigen. Direkte Folgen davon sind Übergewicht und Adipositas. Begleit- und Folgeerkrankungen von chronischem Übergewicht sind beispielsweise Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Diabetes, Herz-KreislaufErkrankungen, Gicht, aber auch verschiedene Krebserkrankungen. Das Ernährungsverhalten spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit, aber auch für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.”

SICHERE LEBENSMITTEL – WELCHE RISIKEN BESTEHEN? In Österreich sind schwere Erkrankungen und Todesfälle, die aus der mangelnden Sicherheit von Lebensmitteln resultieren, seltener geworden. Die gesellschaftlichen Errungenschaften der vergangenen 150 Jahre, wie die Erfindung von Kühlschränken oder die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, haben wesentlich dazu beigetragen, dass heute nur wenige Menschen an Lebensmittelinfektionen wie zum Beispiel Salmonellenerkrankungen sterben. Die Sicherheit von Lebensmitteln in Österreich wird heute durch ein System der amtlichen Lebensmittelkontrolle gewährleistet. Regelmäßig werden Lebensmittel auf krankheitserregende Keime (z. B. Bakterien, Viren), Fremdkörper (z. B. Glassplitter), Verunreinigungen durch Fremdstoffe (z. B. Schwermetalle), Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Fäulnis, Verderb oder Zersetzung untersucht. Es wird aber auch geprüft, ob die Angaben auf den Produkten stimmen (z. B. Herkunft, Zusammensetzung, Menge). Die Ergebnisse der amtlichen Proben zeigen: Lebensmittel sind heutzutage so sicher wie nie zuvor. Im Schnitt werden in Österreich jedes Jahr nur 0,5 Prozent der Proben als gesundheitsschädlich beanstandet und das bei mehr als 30.000 untersuchten Proben.

LEBENSMITTELSICHERHEIT – VIELFÄLTIGE HERAUSFORDERUNGEN Die Vielfalt an Produkten nimmt zu: Internationaler Handel, moderne Lebensmittelverarbeitung und neue Technologien machen es möglich, aus einem reichlichen und bunten Angebot an Brot-Sorten, Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse und Wurst in allen Formen zu wählen. Da Vielfalt und Abwechslung auch neue Gefahren und Risiken bergen können, ist und bleibt die Weiterentwicklung der Lebensmittelkontrolle wichtig. „Die stetige Verbesserung analytischer Methoden führt dazu, dass Rückstände auch in kleinen Konzentrationen gefunden werden. Nicht immer sind diese Stoffe einem Produkt zugesetzt worden. Manche Stoffe wie Schwermetalle sind in geringen Mengen fast überall zu finden, z. B. weil sie natürlicher Bestandteil des Bodens und somit von Pflanzen sind. Außerdem haben Rückstände in Lebensmitteln nur in bestimmten Mengen nachteilige Auswirkungen auf den Menschen. Wie viel eines Stoffes für den Menschen bei einer normalen (allgemeinen) Ernährung unbedenklich ist, entscheiden Risikobewertungsgremien auf europäischer und nationaler Ebene. Der Fortschritt in der Analytik ist wichtig. Nur so können auch in Zukunft neue Risiken entdeckt und Menschen davor geschützt werden.”

Zwar sind Schummelschinken und Analogkäse nicht gesundheitsschädlich, allerdings erfüllen derartige Erzeugnisse häufig auch nicht die Erwartungen der VerbraucherInnen.

RISIKOWAHRNEHMUNG – TATSÄCHLICHES UND VERMEINTLICHES RISIKO

DR. BIRGIT DIEMINGER Ernährungswissenschafterin DSR Zentrum für Ernährung & Prävention

IMPULSFRAGEN | Wie wichtig ist Ihnen eine ausgewogene Ernährung? Wie können wir uns auch in 15-20 Jahren noch gesund ernähren? Welche Lebensmittelinnovationen oder andere Maßnahmen (z. B. Gesunde Schuljause) können eine ausgewogene Ernährung unterstützen?

Trotzdem nur wenige Lebensmittel in Österreich als gesundheitsschädlich beurteilt werden, sind viele Menschen in Österreich über die Sicherheit von Lebensmitteln besorgt. In der öffentlichen Wahrnehmung wird oft nicht unterschieden, ob es sich um einen Lebensmittelskandal ohne gesundheitliches Risiko, ein tatsächliches oder nur vermeintliches Risiko handelt. Ein vermeintliches Risiko wird genauso bedrohlich empfunden wie ein reales. Auch neue Technologien und Entwicklungen auf dem Lebensmittelsektor – Schlagwort „Schummelschinken”, „Analogkäse”, „Klebefleisch” oder „Sauerstofffleisch” – wecken Ängste vor unbekannten Gefahren. Zwar sind Schummelschinken und Analogkäse nicht gesundheitsschädlich, allerdings erfüllen derartige Erzeugnisse häufig auch nicht die Erwartungen der VerbraucherInnen oder man fühlt sich getäuscht, wie 2013 beim Pferdefleischskandal.

MAG. DR. FRIEDRICH SÖVEGJARTO Leiter des Geschäftsfeldes Lebensmittelsicherheit der AGES

IMPULSFRAGEN | Können Lebensmittelskandale in Zukunft verhindert werden? Was müsste dazu geschehen? 8

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KOOPERATIONSPARTNER

FÖRDERHINWEIS

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) berät die AGES bei der Implementierung der CIVISTI-Methode zur Identifikation von Wünschen und Erwartungen von BürgerInnen. CIVISTI steht für „Citizen Visions on Science, Technology and Innovation” und ist eine neue, vom ITA mitentwickelte Methode für vorausschauende Studien, die bereits in mehreren EU-Ländern getestet wurde. Die Stärken liegen darin, unterschiedliche Sichtweisen zu Problemen und gesellschaftlichen Spannungen aufzuzeigen und verschiedene Wissensbestände zu integrieren.

Dieses Projekt wird im Rahmen von FEMtech aus Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert

KONTAKT UND IMPRESSUM AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH Unternehmenskommunikation Spargelfeldstraße 191, A-1220 Wien Tel: +43 (0) 505 55-25000 E-Mail: presse@ages.at www.ages.at © AGES, April 2014 Redaktion: Mag. (FH) Felice Drott, M.A. Graphische Gestaltung: TINA GRAFIK STUDIO Fotos: Portraits von Peter Nemenz (AGES), restliche Bilder: Shutterstock

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ∏ www.fao.org Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ∏ www.efsa.europa.eu FEMtech - Frauen in Forschung und Technologie ∏ www.femtech.at Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ∏ http://www.oeaw.ac.at/ita/ Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ∏ www.ages.at ∏ www.futurefoods.ages.at Österreichisches Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ∏ www.bmg.gv.at Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) ∏ http://www.lebensministerium.at Österreichisches Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) ∏ www.bmvit.gv.at Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) ∏ http://www.ffg.at/ Weltgesundheitsorganisation ∏ www.who.int

Alle Rechte vorbehalten. Nachdrucke – auch auszugsweise – oder sonstige Vervielfältigung, Verarbeitung oder Verbreitung, auch unter Verwendung elektronischer Systeme, ist nur mit schriftlicher Zustimmung der AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH – zulässig.

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