Page 55

KulturGut | Editorial | Inhalt | Titelthema | Bühne | Musik | Kunst | Literatur | Film | Stadt | Wissenschaft | Interkultur | Service

Jungen helfen beim Wiederaufbau in der aktuellen Ausstellung „Kindheit in der Nachkriegszeit. Fotografien amerikanischer Beobachter 1945 - 1955“ im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim. Aus der Sammlung Dr. John Provan / Michael Wahle, siehe Seite 44.

„Die Räuberbande“ gelang ihm besser Sie selbst habe es schon damals als fiktiven Text gelesen, einen Roman eben, der nicht Tatsachen abbildet, sondern Wahrhaftigkeit auf einer anderen, verdichteten Ebene herzustellen versucht. Beeindruckt hat sie die Liebesgeschichte zwischen Johanna und dem amerikanischen Soldaten Steve, eine Art von Beziehung, die in der Realität verpönt und mit Vorurteilen behaftet war. Literarisch schätzte sie das Buch nicht so hoch ein wie „Die Räuberbande“, und auch das wird, wenn man ehrlich ist, bei der Rezeption eine Rolle gespielt haben. Die geradezu prophetische Kraft dieses Werks, etwa in der Schilderung wiedererstarkender rechter Strömungen, macht einen großen Teil seiner Wirkung aus, da sind wir uns einig. Das ist aber eben erst aus heutiger Sicht erkennbar. KulturGut 14 | Seite

Und noch etwas hat Frank vom fernen Amerika aus gut getroffen: „Nach dem Krieg hat man seine Freunde kennengelernt“, sagt Hildegard Poschet. Die einen hätten das Letzte geklaut, was in den Kellern zu finden war, die anderen das Wenige mit einem geteilt, was sie hatten. Insofern ist es durchaus schmeichelhaft für die Stadt, dass Frank seine „Jünger Jesu“, die in Robin-Hood-Manier den Reichen nehmen und den Armen geben, gerade in Würzburg ihr segensreiches Unwesen treiben lässt.

INFO: Hildegard Poschet: Leonhard Frank und die Stadtbücherei. In: Schriftenreihe der Leonhard-FrankGesellschaft, Heft 10, 2002.

55 | Würzburg

Profile for MorgenWelt Media

Ebook kulturgut 14  

KulturGut Würzburg N°14

Ebook kulturgut 14  

KulturGut Würzburg N°14

Advertisement