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KulturGut

Ausgabe

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Oktober 2012

Magazin für die Kulturregion Würzburg

Meins! Über die Freiheit des Urheberrechts | Tanzen ohne Ton? Was die GEMA Gebühren für Würzburg bedeuten | Sampling: Wir falten große Architektur zusammen

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KulturGut | Editorial | Inhalt | Titelthema | Bühne | Musik | Kunst | Literatur | Film | Stadt | Wissenschaft | Interkultur | Service

Editorial

Wem gehört, was wir schaffen: und wer bezahlt dafür? 4, 3 Millionen Deutsche wurden im letzten Jahr wegen Urheberrechtsverletzungen gerügt. Die GEMA erhöht ihre Gebühren. Clubbesitzer rechnen schon die Lasten aus, währenddessen fließt der Datenstrom ungemindert weiter. Der Ruf nach Kontrolle wird lauter, der Widerstand dagegen wächst parallel. Die Zahl der legalen wie illegalen Downloads steigt – und die Parteien stehen sich unversöhnlich gegenüber. Zwischendurch wird das Recht der Künstler auf das eigene Werk in Frage gestellt und auch schon mal die Neiddebatte um diejenigen geführt, die es mit ihrer Kunst zu beträchtlichem Vermögen gebracht haben. Die anderen, die noch am Anfang der Karriere stehen oder nicht so erfolgreich sind, haben von der GEMA nichts zu erwarten, dürfen aber auch nicht mitreden und fürchten um ihre Chancen im Wettbewerb - sie haben nichts zu verlieren.

sengruppen stehen sich gegenüber. Die Debatte um Urheberrechte ist aber nur dann zu lösen, wenn die Komplexe einzeln angegangen werden. Die Reform der GEMA beispielsweise, die überfällig wäre. Die Frage nach legalen Sharing-Modellen, und die Frage danach, wie Künstler gerecht entlohnt werden können einer Welt, die ihre Werke immer schneller kopiert, verteilt, sampelt. Mit diesen Fragen haben wir uns in der aktuellen Ausgabe beschäftigt. Illustriert haben wir unsere Titelstrecke diesmal mit gewagten Spiegelungen – das ungewöhnliche Titelbild zeigt die von Zaha Hadid geplante Erweiterung des Fraunhofer Instituts.

Das klingt nach? Genau dem Dilemma, das es ist: Zu viele Themen werden gleichzeitig diskutiert, zu viele Interes-

Iris Wrede Chefredakteurin

Wir wünschen Ihnen wie immer eine interessante und auch vergnügliche Lektüre und laden wir Sie wie immer auf unsere Website www.kulturgut-wuerzburg.de

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KulturGut | Editorial | Inhalt | Titelthema | B端hne | Musik | Kunst | Literatur | Film | Stadt | Wissenschaft | Interkultur | Service

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KulturGut | Editorial | Inhalt | Titelthema | Bühne | Musik | Kunst | Literatur | Film | Stadt | Wissenschaft | Interkultur | Service

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Editorial

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Inhalt

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Titelthema | Originalität 2.0: Kunst aus zweiter Hand

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Titelthema | Freibeutergedanken. Die seltsame Logik der Abgreif-Kunstfreunde

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Titelthema | Der Anwalt rät: Richtiges Verhalten beim Download

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14 Titelthema / Open Access? Auf zum Wettbewerb der Publikationssysteme! 17

Titelthema | Vom Hörer betrachtet wird alles recht einfach

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Titelthema | GEMA-Wirkungen auf das kulturelle Leben von Würzburg

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Theater | Mainfränkische Theaterwerkstatt: Behindertenarbeit in der Frankenhalle?

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Theater | Höchster Feinsinn im Kunstkeller

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Theater | Termine

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Musik | Konzerte statt Platten: So lebt es sich von Popmusik

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Musik | Chöre für die deutschen Cowboys. Interdisziplinäre Musikforschung in Würzburg

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Musik | Termine

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Kunst | Klangmetze: Die Autoinduktive musiziert dreidimensional

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Kunst | Kultur-Förderpreisträgerin Katrin Heyer: Das Büro leuchtet wie eine Bühne

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Kunst | Termine

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Literatur | Am Anfang stand der Rhythmus: Die Lyrikerin Kornelia Koepsell

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Literatur | Die Ethik des Kommunikationsdesigns

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Literatur | Termine

50 Film | Michael Dees komponiert für Dokus und Thriller 52

Film | Termine

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Stadt | Termine

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Stadt | Frischer Wind für das Mainfränkische Museum

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Stadt | 2012: 40 Jahre Europastadt. Was heißt das?

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Stadt | Hier fängt der Skulpturenweg an

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Wissenschaft | Termine

60 Wissenschaft | Open Access II: Digitales Publizieren und Studieren an der Würzburger Uni 62

Interkultur | Schon wieder Holocaust? Zur Uraufführung „Refidim Junction“

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Interkultur | Termine

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Zum Schluss | Impressum KulturGut 10 | Seite

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Originalität 2.0: Kunst aus zweiter Hand Die Kulturtechnik des Sampling stellt die Frage nach künstlerischer Originalität auf den Kopf von Christian Neubert

+ Clyde Stubblefield ist einer der bekanntesten Musiker der Welt. Allerdings kennt ihn kaum jemand namentlich. Der US-Amerikaner war lange Zeit Drummer der James Brown Band und gilt als der meistgesampelte Musiker überhaupt. Sampling bedeutet, aus einem bestehenden Werk einen Teil herauszunehmen, um es auf kreative Weise weiter zu verarbeiten, einzubinden, Neues zu schaffen. Es ist eine Methode, die vorrangig in der Musik eine Rolle spielt, aber auch in anderen Gattungen, z. B. gleich bei Woody Allens Regiedebüt. Bei Auftritten des gefeierten Pianisten Francesco Tristano. In Herta Müllers Buch „Die blassen Herren mit den Mokkatassen“, das ausschließlich aus Textzitaten besteht. In der bildenden Kunst bei Ursus Wehrli, der das Inventar populärer Gemälde „in Ordnung“ bringt – er sortiert das Gemalte nach Form, Größe und Farbe und nennt das auf diese Weise entstandene Werk „aufgeräumte Kunst“. Als Kulturtechnik ist Sampling etabliert und geachtet, aber auch umstritten. Wer seine Samples nicht aus dem öffentlichen Raum in Form von Vogelstimmen o. ä. zieht, sondern aus den Werken Dritter, verletzt Urheberrechte. Das Thema wird nicht erst seit Sven Regeners WutInterview im März 2012 mit dem Bayerischen Rundfunk, sondern seit der technischen Möglichkeit des verlustfreien Reproduzierens heiß diskutiert. Und das vollkommen zu Recht: Selbstverständlich haben Kulturprodukte, egal ob physisch greifbar oder nicht, einen Wert. Es ist traurig, dass mit der Loslösung künstlerischer Produkte von ihrem Träger, wie es heute möglich ist, die Achtung vor Kunst und Kultur verloren geht.

Diffizile Fragen Entsprechend verlangt die technische Reproduzierbarkeit nach Regeln. Regeln, die auch über die Methode des Sampling entscheiden. So müssen Künstler, die Versatzstücke aus anderen Werken für die eigene Weiterverarbeitung nutzen wollen, sich das Recht dafür einholen. Das ist im Allgemeinen mit der Zahlung eines gewissen Betrags verbunden. Klingt logisch. Doch so einfach, wie es sich hier darstellt, ist es im Zweifelsfall nicht. Was ist z. B. mit einem Turntablism-Künstler, der einen einzelnen Ton hernimmt, um ihn mit seinen Instrumenten – Plattenspielern und Mixer – zu variieren und zu verfremden? Es ist müßig, diesen Ton einem bestimmten Künstler zuordnen zu wollen – zahllose andere Musiker haben mit demselben Instrument dieselbe Note gespielt und irgendwo festgehalten, was allein schon

Indiz dafür ist, dass wir uns in einer Referenzkultur befinden, in der alles Bestehende auf bereits Geschaffenem aufbaut. Dieser Aspekt ist bei Sample-Künstlern zwar offensichtlich, er gilt allerdings universell. Nicht umsonst können wir manche Gitarrenriffs als funky identifizieren oder einem Song Blues zusprechen. Dies sind jedoch nicht vorrangig die Fragen, die viele Künstler – insbesondere solche mit kleinem Publikum – davon abhalten, die Verwendung von Sample-Material auch anzumelden. Vielmehr sind es Fragen des Geldes. Etablierte Plattenfirmen verlangen für die Verwendung von Auszügen aus den Stücken der Künstler, die bei ihnen unter Vertrag stehen, horrende Summen – Beträge, die von vielen Weiterverarbeitern niemals umgesetzt werden. Der eigentliche Künstler, um dessen Werk es geht, bleibt bei solchen Verhandlungen oft außen vor. Die entscheidende Frage für die Praxis lautet: Wann verliert ein gesampeltes Element innerhalb eines neuen Sinnzusammenhangs seinen Eigenwert? Oder: Wann gewinnt eine Collage einen so großen eigenen Wert, dass sie den ästhetischen Reiz der verwendeten Einzelemente verblassen lässt? Solange das Neue vom Alten substanziell profitiert, sollte das Sampeln lizenzpflichtig sein. Fragt sich, wie gutachtende Kunstexperten ihre Grenzziehungen begründen sollen. Hier könnten die Kulturwissenschaften mal wirklich Gutes für die Kulturproduzenten und -verteiler leisten, wenn sie Kriterien für Originalität 2.0 erarbeiteten.

Gutes Ende Clyde Stubblefield hat für die Zweitverwendung seiner Musik übrigens nie etwas gesehen – sein Schlagzeugspiel gehört den Nachlassverwaltern von James Brown. Dieser Umstand hat gewisse Vertreter für eine freie Sampling-Kultur, die sich Copyright Criminals nennen, dazu veranlasst, ihn ins Studio zu bitten, um seine alten Patterns neu einzuspielen. Nun können Sample-Künstler auf ihn und nicht auf James Brown als Quelle ihrer Inspiration verweisen. Stubblefield freut sich darüber sehr, obwohl er kein Interesse an Profit bezeugt. Ihm geht es um respektvollen Umgang mit seinem Werk.

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Info: Illustrationen

Die Foto-Arbeiten zum Schwerpunktthema schuf Benjamin Brückner.

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Foto: Benjamin Br端ckner


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Freibeutergedanken Die seltsame Logik der Abgreif-Kunstfreunde von Joachim Fildhaut

+ Im Sommer ließen sich die unterfränkischen Piraten vom Urheberrechtsbeauftragten ihrer Partei, Bruno Kramm, coachen. Von der Informationsflut, die der talentierte Performer im Congress Centrum Würzburg auf die Nachwuchspolitiker niedergehen ließ, rückte die Bezirksgruppe anschließend zwei Aspekte besonders – und besonders waghalsig – in den Vordergrund. Den unterfränkischen Piraten gefällt die so genannte Hammond-Studie, „nach der der Kauf von CDs und DVDs bei höherer FilesharingRate“ zunehme. Das Argument plädiert zunächst einmal für Harmonie zwischen den Tauschbörsen und der Kulturgüter-Industrie, indem es beide begütigt: Wenn Fans Musikstücke und Filme im Netz gratis beschnuppern können, dann kaufen sie auch. Eine Lockerung von Nutzungsrechten schadet den Rechtsinhabern also gar nicht – sondern im Gegenteil! Allerdings kann man diese Schlussfolgerung nicht ernsthaft aus dem Material ziehen, das Robert Hammond von der North Caroline State University im Mai dieses Jahres veröffentlichte. Der untersuchte nämlich nicht das freie Lauschen freier www-Bürger in Napster-Nachfolge-Netzen, sondern einen absolut kontrollierten und daher legalen Datentausch, nämlich die gezielten Vorabveröffentlichungen von Musikalben zu Marketingzwecken. Und Hammond fand heraus, dass solches funktioniere. Mehr noch: Begünstigt würden dabei „etablierte und beliebte Künstler, nicht jüngere und kleinere“.

Anders steht es um die zweite Beobachtung, die sich die Piraten zueigen machten. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2008 habe herausgefunden, dass „aktuell nur grob fünf bis zehn Prozent der Schöpfungen kommerziell erhältlich sind. Die restlichen 90 Prozent sind nicht zugänglich, nicht einmal für die Erschaffer, da sich ein kommerzieller Absatz nicht mehr lohnen würde, die Rechte jedoch weiterhin bei den Verwertern liegen“.

Bessere Chancen für teure Stars

Mit nur noch etwas weniger Recht kann der virtuelle Raubkopierer von z. Z. nicht vermarkteten Werken dann eigentlich auch gleich Finderlohn verlangen. Man versetze sich in die Lage eines Fotografen, dessen Bilder plötzlich auf Gratis-Postkarten auftauchen und unter Liebhabern kursieren. Würde ein Verlag daran verdienen, könnte der Urheber sich an ihm schadlos zu halten versuchen; er bekäme wieder einen Marktwert, kann ein Comeback planen… Nicht so bei Kunstpiraterie, die den materiellen Wert ihrer Vorlagen grundsätzlich in Frage stellt. Emotionen wie Hilflosigkeit und Wut wären dem Fotografen leicht nachzusehen. Und vielleicht auch der Griff zum Enterhaken.

Wenn unsere Piraten in der deutschen Urheberrechtsdebatte mit der Hammond-Studie winken, dann empfehlen sie der Musikindustrie, sie sollten verstärkt Werke ihrer Umsatzträger vor der offiziellen Veröffentlichung gratis ins Netz setzen, Neulinge, Kroppzeug und Gedöns aber weiterhin so stiefmütterlich behandeln wie gewohnt, denn denen nützt auch Reklame in legalen Tauschbörsen nichts. Dazu kann man nun stehen, wie man will, juristische Fragen werden von diesen Einsichten schlicht nicht berührt.

Verschleudern der Vergessenen Angesichts der Möglichkeiten im Netz sollte der Kunstfreund aus diesem Fakt schließen: Weil digitale Veröffentlichungen nicht von Auflagenhöhen abhängen, bieten sie den Rechteinhabern völlig neue Kalkulationen, die auch für die Urheber eine Handvoll Dollar abwerfen können. So wohl klingt Zukunftsmusik. Der Pirat denkt anders. Wenn es keine radikale Fehlinterpretation ist, besagt der unterfränkische Verweis auf die vier Jahre junge US-amerikanische Statistik: Ladet rauf, runter, tauscht und kopiert: Es wird ja niemand geschädigt! Vor allem deswegen nicht, weil die Kultur-Freibeuter doch keinerlei finanzielle Interessen hegen! Es ist ja eh im Prinzip fast alles gratis.

Warun nicht gleich Finderlohn?

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Foto: Benjamin Br端ckner


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Internet und geistiges Eigentum Download aus dem Internet – was ist erlaubt, was verboten? von Werner Nied KulturGut 10 | Seite

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Senioren - Domizil GmbH

Dank und Freude 2012

Wir sind für unsere Nächsten da. Hier finden Sie ein zeitgemäßes Wohnen Hier erleben Sie Qualität und Individualität Für Jedermann – mit und ohne Handicap Sie sind bei uns im Mittelpunkt In einer zwischenmenschlichen Atmosphäre Genießen Sie unser tägliches Angebot an frischen Speisen und Getränken Ein Wohlfühleffekt mit vielen Ereignissen Foto: Benjamin Brückner

Wir freuen uns auf das Zusammensein Ihr ALTERA - Team

+ Das Internet bietet unzählige Möglichkeiten zum Download von Dateien, aber auch Gefahren, weil nicht alles aus dem Internet legal und umsonst heruntergeladen werden kann. Welche Filme, Musiktitel oder Fotos legal herunter- oder welche ins Internet gestellt, d. h. hochgeladen, werden dürfen, ist nicht einfach zu beantworten. Generell gilt, dass fremde Filme, Musiktitel oder Fotos, ohne die entsprechenden Rechte zu haben, nicht ins Internet gestellt werden dürfen, auch nicht, wenn diese selbst zuvor legal oder über sogenannte Tauschprogramme (dann illegal) heruntergeladen worden sind. Wie schnell diese Grenze überschritten werden kann, zeigt ein weit verbreitetes Alltagsbeispiel. Wer über Internetplattformen wie ebay oder amazon ein Handy o. dgl. privat zum Verkauf anbietet und ein

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Foto dieses Handytyps, das ein anderer ins Netz gestellt hat, einfach übernimmt, verletzt dessen Rechte. Dieses „fremde“ Foto darf nicht für den privaten Verkauf übernommen und ins Internet gestellt werden. Fremde Fotos dürfen auch nicht einfach auf die eigene Homepage gestellt werden.

Was könnte eine rechtswidrige Datei sein? Der Download (nicht aber der Upload) fremder Fotos, Lieder oder Filme für ausschließlich private Zwecke ist dann nicht verboten, wenn er keinerlei Erwerbszwecken dient und die ins Internet gestellte Vorlage nicht offensichtlich rechtswidrig hergestellt worden ist. Wenn die Vorlage, die man selbst aus dem Internet runterladen möchte, offensichtlich rechtswidrig ins Internet gestellt worden ist, darf man diese nicht – auch nicht für private Zwecke – herunterladen. Hat man über eine Tauschbörse z. B. ein Lied oder ein Film auf seinen Rechner heruntergeladen, stellt man oft schon während des Downloads dieses Lied oder den Film über die Tauschbörse anderen gleichzeitig wieder zur Verfügung (Upload), ohne dass man hiervon Kenntnis hat. Da das Hochladen mittels Tauschbörse ins Internet gestellter fremder Dateien absolut verboten ist – es liegt eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte Vorlage vor –, ist das Herunterladen dieser Datei auch nicht erlaubt, selbst wenn es rein privaten Zwecken dient. Oft ist es nicht eindeutig, wann was erlaubt oder offensichtlich rechtswidrig ins Internet gestellt worden ist, so dass es sich empfiehlt, auf Nummer Sicher zu gehen und Filme, Fotos oder Musiktitel von legalen Anbietern gegen Entgelt aus dem Internet zu beziehen. Ein Musiktitel kostet zirka 90 Cent. Diese Investition sollte schon möglich sein, anstatt sich der Gefahr des illegalen Downloads/Uploads mit den damit zusammenhängenden teuren Abmahnkosten von Rechtsanwälten auseinandersetzen zu müssen.

Der 200-Euro-Song Gerichte haben mittlerweile Personen, die mittels einer Tauschbörse Musiktitel illegal ins Internet gestellt haben, bis zu 150 Euro Schadenersatz pro Musiktitel (folglich das 150-Fache der Kosten, das ein Musiktitel beim legalen Erwerb gekostet hätte) verurteilt. Das OLG Köln hat in einem aktuellen Urteil vom 23. 3. 2012 sogar einen Betrag von 200 Euro Schadensersatz pro Musiktitel anerkannt. Hinzu kommen noch die Gerichts- und Rechtsanwaltskosten. Zwar hat der Gesetzgeber 2008 die anwaltlichen Abmahnkosten bei einer erstmaligen Abmahnung und bei einer nur unerheblichen Rechtsverletzung auf 100 Euro gedeckelt. Die Frage, was eine unerhebliche Rechtsverletzung ist, wird aber von den Gerichten höchst unterschiedlich bewertet. Die meisten Gerichte sind der Meinung, dass durch das Ins-Internet-Stellen fremder Dateien, z. B. eines Musiktitels, dieser dann weltweit zur Verfügung steht und schon deswegen keine unerhebliche Rechtsverletzung vorliegt. Die Abmahnkosten sind dann nicht auf 100 Euro begrenzt, sondern um ein Vielfaches höher. KulturGut 10 | Seite

Anti-Software-Software Ich empfehle keine Tauschbörsen-Software auf den PC zu installieren, weil die Gefahr des illegalen Uploadens fremder Inhalte einfach zu groß ist. Oft kann ein Song nur aus dem Internet downgeloadet werden, wenn zuvor die entsprechende Software installiert worden ist. Noch während des Installierens der Software und des Downloadens wird der Musiktitel wieder anderen zur Verfügung gestellt, ohne dass man es bemerkt. Die Musik- und Filmindustrie hat wiederum eine eigene Software entwickelt, die im Internet nur nach solchen illegalen Uploads über Tauschprogramme sucht – die Erfolgsquote, „erwischt“ zu werden, ist sehr hoch.

Warum das deutsche Urheberrecht in Ordnung ist Das Urheberrechtsgesetz versucht das Spannungsfeld zwischen dem Kulturschaffenden und dem Interessenten auszugleichen. Zu diesem Zweck hat sich das deutsche Urheberrecht im Prinzip bewährt, weil es insbesondere das geistige Eigentum des Urhebers schützt. An diesem Punkt ist eine Reform wenig sinnvoll. In der politischen Debatte werden letztlich vor allem populistische Parteieninteressen wie die der Piraten oder Interessen von Lobbyisten verfolgt, die immer zu Lasten der Urheber gehen. Es sollte jedem klar sein, dass derjenige, der z. B. einen Song geschrieben, und die Musikgruppe, die den Song eingespielt hat, dieses nicht für jedermann umsonst gemacht hat, sondern seinen Lebensunterhalt damit bestreiten will. Warum soll deshalb (wie es weit verbreitet ist) im Internet alles umsonst sein? Wenn Sie, verehrter Leser dieses Artikels, einen Film, einen Song, ein Buch geschrieben oder ein Foto ins Netz gestellt haben, möchten Sie doch auch nicht, dass Ihr Schaffensprodukt für jedermann zur Verfügung steht und jeder machen kann, was er will. Die Konsumenten müssten rechtlich mehr informiert sein – und auch eine einheitliche Rechtsprechung würde viele Probleme lösen. Wir warten sehnsüchtig auf ein BGH-Urteil, das Klarheit in Fällen schafft, wann z. B. ein Vater als PC-Anschlussinhaber für illegale Down- und Uploads seiner Kinder haftet oder in einer Studentenwohngemeinschaft, wo ein Student PC-Anschlussinhaber ist und die anderen Studenten über WLAN Zugriff zu diesem PC haben. Haftet dann der PC-Anschlussinhaber auch für das illegale Verhalten seines Studienkollegen? Das Urheberrechtsgesetz müsste dabei nicht völlig neu konzipiert oder sogar – wie manche wollen – ganz abgeschafft werden. Das bestehende Urheberrechtsgesetz sieht bereits ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Urhebern und den Nutzern vor.

Info: Der Würzburger Rechtsanwalt Werner Nied ist

u. a. spezialisiert auf Urheberrecht und Fragen der Vergütung von Nutzungsrechten, zum Beispiel an die GEMA.

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von Kurt Niederhausen KulturGut 10 | Seite

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Auf zum Wettbewerb der Publikationssysteme! Creative Commons und Open Access aus juristischer Sicht von Prof. Dr. Olaf Sosnitza KulturGut 10 | Seite

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Foto: Benjamin Brückner

+ Creative Commons (CC) wurde 2001 in den USA als gemeinnützige Organisation gegründet. Grundgedanke der Bewegung ist, einen größeren Bestand an frei verfügbaren Inhalten zum gegenseitigen Nutzen der Beteiligten gerade im Internet zu schaffen. Dazu werden vier Grundformen von Lizenzen zur Verfügung gestellt, zwischen denen der Urheber auswählen kann: Attribution: – Nutzungsrechteinräumung gegen Verpflichtung zur Namensnennung, – Share Alike: Nutzer verpflichtet sich, die Veröffentlichung von Bearbeitungen seinerseits nur unter CC-Bedingungen vorzunehmen, – Non Commercial: Keine Erlaubnis zur kommerziellen Weiterverwendung und KulturGut 10 | Seite

– No Derivative Works: Der Urheber behält sich das Bearbeitungsrecht vor. Einen besonderen Schub hat die internationale Entwicklung dadurch bekommen, dass man sich entschloss, die Lizenzbedingungen an das jeweilige nationale Recht anzupassen. Deutschland war das vierte Land, in dem die CC-Lizenzen in nationales Recht überführt wurden. – Parallel zu CC in den USA hat sich auch in Deutschland eine OpenAccess-Bewegung entwickelt. Im Oktober 2003 unterzeichneten namhafte Forschungsinstitutionen sowie die Hochschulrektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat die so genannte „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“. Ziel dieser Er-

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klärung ist die Förderung und Durchsetzung des Prinzips des offenen Zugangs. Open-Access-Veröffentlichungen sollten danach originäre wissenschaftliche Forschungsergebnisse ebenso umfassen wie Ursprungsdaten, Metadaten, Quellenmaterial und digitale Darstellungen von Bild- und Graphik-Material. Zum einen gewähren die Urheber und Rechteinhaber allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden „verantwortbaren“ Zweck – zu nutzen, zu kopieren sowie Bearbeitungen davon zu erstellen, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird. Zum andern ist Voraussetzung, dass eine vollständige Fassung der Veröffentlichung mindestens in einem wissenschaftlichen Archiv hinterlegt wird. Im Rahmen der Allianz-Aktivitäten sollen Anreizkonzepte entwickelt werden, um die einzelnen Wissenschaftler dazu zu bewegen, Publikationen als Erstveröffentlichungen unmittelbar frei zugänglich zu machen oder aber ihre Forschungsergebnisse zumindest nach einer Veröffentlichung in den klassischen Medien zusätzlich über Publikationsserver verfügbar zu machen. Dazu wollen die Wissenschaftsorganisationen im Zuge einer zukünftigen Novellierung des Urheberrechts darauf dringen, dass den Autoren eine Art unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht eingeräumt wird. In einer ergänzenden Erklärung wurde 2009 klargestellt, dass sich die Forderung nach entgeltfreier Publikation ausschließlich auf Forschungsergebnisse beziehe, die durch den Einsatz öffentlicher Mittel erarbeitet wurden, und daher keinesfalls etwa belletristische Schriften erfasse, aus deren Verwertung Autoren ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Vorteile und Kritikpunkte Open Access hat unbestreitbar eine Reihe von Vorteilen für die beteiligten Interessengruppen. Der einzelne Autor hat die Möglichkeit, seine Forschungsergebnisse schneller und kostengünstiger als über einen klassischen Verlag publik zu machen. Für die Nutzer ist die schnelle und kostenfreie Verfügbarkeit des Wissens ein erheblicher Vorteil. Damit einher geht ein gesellschaftlicher Nutzen für die Allgemeinheit insgesamt, da Wissen auf breiter Basis leichter zugänglich wird, doppelte Forschung und somit Ressourcenverschwendung vermieden werden kann und auf diese Weise der Fortschritt generell gefördert wird. Allerdings: Bevor frei zugängliche elektronische Archive und Zeitschriften keine wissenschaftliche Reputation erworben haben, werden renommierte Forscher eher davon absehen, ihre Forschungsergebnisse dort zu publizieren; umgekehrt wird es für solche Archive und Zeitschriften schwierig, sich einen entsprechenden Ruf aufzubauen, wenn keine renommierten Forscher gewonnen werden können. Gegen Open Access wird des Weiteren das Problem der Textverantwortung angeführt: Wissenschaftliche Veröffentlichungen verlangen nach einem Autor, der als Person die Verantwortung für seinen Text trägt. Ebenso wenig von der Hand zu weisen sind Fragen der Sicherheit und der Technik. Dies beginnt mit dem Problem der Langzeitarchivierung: Welche Folgen hat eventueller Datenverlust? Und wie wird das System gegen Datenangriffe von außen durch Hacker geschützt? Schließlich wird eine Entindividualisierung der Autorschaft befürchtet. Da Open Access im Sinne der CC-Lizenz Abwandlungen bzw. Bearbeitungen des Werkes erlaubt, solange nur die Urheberschaft korrekt angegeben wird, führe die Namensnennung womöglich dazu, dass dem KulturGut 10 | Seite

Autor solche Inhalte zugerechnet werden, die vom Bearbeiter stammen und mit denen der Autor nicht einverstanden ist. Ob es sich dabei um echte Gefahren oder vielleicht doch nur um unvermeidbare Schwierigkeiten bei der Etablierung eines neuen Systems im Sinne von „Kinderkrankheiten“ handelt, ist nicht einfach abzuschätzen. So kann man darauf vertrauen oder hoffen, dass sich die Technik etwa zur Langzeitarchivierung oder zur Erkennung von Plagiaten fortentwickeln wird, oder man kann dem pessimistisch gegenüberstehen. Da bietet sich als Ausweg nur ein Wettbewerb der Systeme an: Wer auf Open Access vertraut, der mag seine Publikationen entsprechend einstellen und freigeben, wer sich dem nicht anzuschließen vermag, der kann weiterhin dem klassischen Verlag die Treue halten. Um eine stärkere Nutzung von Open Access zu ermöglichen, sind eine Reihe von rechtspolitischen Vorschlägen gemacht worden. Diese reichen von der ausdrücklichen Aufnahme einer urheberrechtlichen Anbietungspflicht über ein zwingendes Zweitverwertungsrecht bis hin zur generellen Ausnahme von mit öffentlichen Geldern geförderten Publikationen vom Urheberrecht. Der dritte Vorschlag ist der radikalste Weg: Sollten öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse als öffentliche Güter definiert und damit von vornherein vom Urheberrecht ausgenommen werden? Allerdings dürfte dieser Weg kaum mit den bisherigen Grundsätzen des Urheberrechts und mit internationalen Vorgaben vereinbar sein.

Fazit Die digitale Revolution und das Internet bieten die Chance, Wissen in bisher nie dagewesenem Ausmaß zugänglich zu machen und dadurch wiederum zusätzliches Wissen zu generieren. Flächendeckend und zum Wohle aller kann dies aber nur mit und nicht gegen die beteiligten Akteure geschehen. Open Access steht vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen den Interessen der Allgemeinheit und der betroffenen Autoren und Verlage zu finden. Vor dem Hintergrund ungelöster technischer Probleme und der Entwicklungsoffenheit (wissenschafts-)kultureller Gewohnheiten sollte der Systemwettbewerb zwischen klassischer Publikation und Open Access die Zukunft bestimmen. Dabei wird das Urheberrecht seiner Rolle als Schutz und Motor des geistigen Eigentums auch in einer digitalen Welt grundsätzlich gerecht. Jedoch zeigt die Globalisierung der wirtschaftlichen Vorgänge stärker als bisher die Notwendigkeit auf, zu einer weiteren internationalen Vereinheitlichung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu gelangen.

Info: Prof. Dr. Olaf Sosnitza ist Lehrstuhlinhaber für

Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht an der Universität Würzburg. Der obenstehende Text vereint Auszüge aus seinem Aufsatz „Google Book Search, Creative Commons und Open Access – Neue Formen der Wissensvermittlung in der digitalen Welt?“, erschienen in „Rechtswissenschaft“ 3/2010, S. 225-246. Wir danken der Nomos Verlagsgesellschaft für die Abdruckgenehmigung.

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Vom Hörer betrachtet wird alles recht einfach KulturGut Mitarbeiter Christian Neubert und Joachim Fildhaut erörtern Restprobleme der Nutzung geschützter Kunstwerke + Herr S. aus Wü. untermalt sein Amateurvideo mit aktuellem Pop und stellt es auf einer sozialen Plattform ins Internet. K. aus Hö. macht seinen Web-Freunden per Soundfile Singles eines vergessenen Country-Sängers der 1960er Jahre zugänglich. Das Duo F. mixt Stadtgeräusche, selbstgenerierte Klänge und Zitate von Rock-CDs. Auch diese Klangcollagen kann jeder Mensch aus dem Netz fischen. Joachim Fildhaut: Wie kommen die Urheber an Geld, wenn ihre Werke von jedermann vervielfältigt werden können? Die derzeit oft gehörte Antwort, „Die kriegen kein Geld“, fährt bemerkenswerte Begründungen auf – nach kurzer Prüfung allesamt Unfug. Christian Neubert: Ja, das kann ich nur unterschreiben. Die Technik erlaubt nun mal praktisch kostenlose Verfielfältigung. Daraus abzuleiten, das Original sei nichts mehr wert, ist bedauerlicher Unsinn. Es ist aber gleichermaßen Unsinn, dass bloßes Kopieren juristisch auf gleiche Weise behandelt wird wie der kreative Prozess des Sampelns, bei dem man sich ein Stückchen aus einem vorhandenen Werk herauspickt, um unter Einbezug von etwas Altem Neues zu schaffen. Fildhaut: Solange man strikt von der Produktion aus urteilt, müssen Juristen und Interessengruppen wohl jegliches verwendete Material gleichermaßen schützen. Aus der Perspektive der Rezeption ist das viel einfacher: Wenn ein gesampeltes Musikelement nicht wiederzuerkennen ist, hat der Urheber kein Recht mehr dran. Dagegen: Wenn der Hörer seinen Spaß eher an den geremixten Originalen als am Remix hat, dann wird gelöhnt. Neubert: Dazu lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit: Mitte der Achtiger bis in die Neunziger hinein wurden Platten veröffentlicht, die aufgrund der Virtuosität im Umgang mit Zitaten als bahnbrechend gelten. Samples aus Musik, die bis dahin als unvereinbar galt, wurden zu etwas zusammengeführt, das es noch nicht gegeben hat und entsprechend Originalitätscharakter aufwies. Der Hauptreiz für den Hörer ist dabei der neue Kontext, in dem etwas Altbekanntes stattfindet – wenn das gesampelte Versatzstück überhaupt identifiziert werden kann. Sich sampletechnisch bei vielen Quellen zu bedienen war da-

mals ein Verkaufsargument. Heute ist dieser Praxis ein Riegel vorgeschoben. Platten, wie sie damals rausgebracht wurden, können heute rein rechtlich nicht mehr veröffentlicht werden. Trotzdem geschieht es im musikalischen Underground noch ständig. Fildhaut: Das klingt, als hättest du Angst, dass deine alten HipHopPlatten konfisziert würden, weil auf denen nicht alles urheberrechtskonform zugeht. Neubert: Sorgen mache ich mir eher wegen der Neuerscheinungen. Der US-amerikanische Musiker Jaime Meline sagt, dass er inzwischen sehr bedächtig mit dem Einsatz von Samples umgehe – wenn ihm jemand den Ursprung eines verwendeten Samples nachweisen könne, dann hätte er schlechte Arbeit geleistet. Ähnlich äußert sich auch Hank Shoklee, der an vielen Produktionen, die vor gut 20 Jahren für ihre Innovation gefeiert wurden, mitgewirkt hat. Wenn er heute Musik produziere, dann so, dass sich die Rechtsanwälte der großen Musikverlage die Zähne daran ausbeißen würden, wenn sie ihm die Quellen seiner Samples nachweisen wollten. Dies geschieht parallel zu dem Phänomen, dass Welthits schamlos ausgeschlachtet werden, um neue Welthits zu kreieren – kein Problem, wenn man als Band bei einem großen Label unter Vertrag ist, da man sich zum einen preiswert aus dem Back-Katalog des eigenen Verlags bedienen kann und zum anderen die Infrastruktur des Verlags es erlaubt, Musik wie einen Hollywood-Blockbuster zu produzieren: Man gibt Unmengen an Geld aus, um noch mehr Geld zu verdienen. Fildhaut: Das sind aber eher Ausnahmefälle: große Hits, viel Geld, geregelte Verträge. Demgegenüber sind Millionen Hobbykünstler im Web 2.0 unterwegs, basteln Filmchen zu ihrer Lieblingsmusik und zählen stolz, wie oft sie angeklickt werden. Tendenziell gerecht, dass die entsprechenden Plattformen mittlerweile Pauschalabgaben an Verwertungsgesellschaften abführen. Und technisch faszinierend, dass die betroffenen, verwerteten Künstler auch individuell lizensiert werden könnten: Der Videovertoner zahlt eine Gebühr gestaffelt nach der Höhe der Clickrate! Die künstlerischen Werkstoffe, die er verwendet, kosten eben genauso Geld, wie ein Maler für seine Ölfarben zu löhnen

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hat. Bei stümperhaften Urlaubsfilmen, von Pink Floyd vertont, mag unser Vergleich mit der bildenden Kunst darauf hinauslaufen, als ob der Maler mit sündteuren Kobalt-Pigmenten und Blattgold auf einem selbstlaubgesägten Schlüsselbrett pinselte. Wenn dem Hobbyregisseur ein paar Dollar Lizenzen zu viel sind, dann soll er die Finger davon lassen. Neubert: Vielleicht sollte er das wirklich. Wenn er allerdings nicht die Finger davon lässt, dann kann ich mich dennoch an dem Bild erfreuen, für dessen Entstehung der Maler das Risiko eingegangen ist, Kobalt und Blattgold zu klauen. Fildhaut: Du meinst, du bewunderst den, der aus Leidenschaft zum Verbrecher wird? Neubert: Kunst ist doch häufig ein doppelbödiges Spiel. Der StreetArtist Banksy war solange nur ein Verbrecher, ein Vandale, bis er auf einmal der weltberühmte Künstler war, der er heute ist – weil ihn die Rezeption dazu gemacht hat. Und Werner Herzog hat mal gesagt, dass du, wenn es dir wichtig ist, einen Film zu drehen, im Zweifelsfall eine Kamera klauen und an dem Ort, an dem du drehen willst, einbrechen sollst. Aber zurück zur Musik: Die meisten Künstler verdienen nur ein paar hundert Dollar durch Albumverkäufe und gehen einer nichtkünstlerischen Arbeit nach, um ihre Kunst zu finanzieren. Die fragen erst gar nicht nach, weil sie berechtigterweise von einer horrenden Forderung ausgehen, die sie nicht stemmen können – und weil gleichzeitig das Risiko, ertappt zu werden sehr gering ist. Dass diese Art von Vergehen sozusagen gang und gäbe ist, weist deutlich darauf, dass auf juristischer Ebene etwas schief läuft.

Neubert: Die Playlist-Überwacher können unmöglich nachträglich ein DJ-Set analysieren, in dem ständig mehrere Musikstücke parallel laufen, die ganze Nacht lang. Fildhaut: Die sind nur zu faul dazu oder finden die Verwaltungsarbeit uncool. Was die DJs von ihren Laptops verwenden, lässt sich doch am Ende der Nacht sogar automatisch auf einer Excel-Tabelle ausdrucken. Für eine punktgenaue Abrechnung kreativer Leistungen – auch und gerade im Internet – gibt es brauchbare Software in Hülle und Fülle. Neubert: Die Praxis hakt leider sehr: In Deutschland betrachtet die GEMA in 120 ausgewählten Locations die gespielte Musik als repräsentativ und führt entsprechend Geld an Verlage und Künstler ab. Dadurch werden millionenschwere Populärmusiker noch um weitere Millionen schwerer, wohingegen unbekannte Künstler, deren Musik in kleinen Szenelokalen gespielt wird, um ihr Geld gebracht werden. Fildhaut: Bei allem Reformbedarf der Abrechnungsmodi: Wenn wir eine „gerechte“ Lösung suchen, dürfen wir uns nicht davon beirren lassen, dass Millionäre anteilig mehr von ihr profitieren als arme Schlucker. Momentan gehen die Urheber bei vielen Grauzonen-Veröffentlichungen leer aus. Eine Änderung dieser Lage soll ja nicht gleich eine Robin-Hood-mäßige Umverteilung mit sich bringen. Neubert: Vielleicht ist die Frage ja auch eine andere, nämlich diese: Wie kann jemand Eigentümer eines Tones sein? Der Blues-Musiker Muddy Waters hat in einem Interview mal erklärt, er habe sich für einen Song soundtechnisch bei einem gewissen Robert Johnson bedient – und dieser habe den Sound von den Baumwollfeldern aufgegriffen.

Fildhaut: Dann bist du sicher dafür, dass Abgaben für Disk-Jockeys nicht pauschal entrichtet werden, sondern exakt nach dem, was der Knabe so zusammengemixt hat. KulturGut 10 | Seite

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Foto: Benjamin Br端ckner


Laden dicht? Die geplante GEMA-Reform und ihre möglichen Auswirkungen auf das kulturelle Leben in Würzburg von Daniel Staffen-Quandt

+ Allein beim Klang dieses Akronyms stellen sich bei vielen Diskobetreibern und Konzertveranstaltern schon die Zehennägel hoch: GEMA. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte sorgt mit ihrer geplanten Tarifreform, gelinde gesagt, für Verstimmung. Auch in Würzburg. Nur: Offen will kaum einer über die GEMA schimpfen, schließlich ist sie Monopolist, von Gerichten wird sie als quasistaatliche Institution betrachtet und sitzt so meist am längeren Hebel. Nur einer poltert richtig los. Wolfgang Weier, Sprecher der Diskothek Airport in der Gattinger Straße, lässt kein gutes Haar an der GEMA und ihrer Tarifreform und rechnet vor: Derzeit bezahle das Airport im Jahr rund 25.000 Euro GEMA-Gebühren, mehr als 2000 Euro im Monat. Nach geplanter Reform seien es zwischen 190.000 und 390.000 Euro jährlich, sagt Weier: „Je nachdem, welchen der vielen GEMARechner man verwendet.“ Doch selbst im besten Fall stehe das Airport vor dem Aus.

Colakisten aus der Großraumdisko Laut elektronischem Bundesanzeiger macht die Air Diskothekenbetriebs-GmbH zwar jedes Jahr ein ordentliches Plus. Bei 200.000 Euro plus X liegt der Überschuss seit vielen Jahren. „Damit könnten wir freilich die gestiegenen GEMA-Gebühren bezahlen“, sagt Weier – jedenfalls, wenn der „Worst-Case“ nicht eintrete. Von was dann allerdings Reparaturen oder auch neue Technik bezahlt werden sollen, ist unklar. „Das Dach muss gemacht werden, das kostet alleine 350.000 Euro“, rechnet Weier weiter. Ein Einzelschicksal, könnte man meinen. Eine Diskothek am Stadtrand, die nicht profitabel genug ist, um endlich GEMA-Gebühren in fairer Höhe zu bezahlen. So sieht es nämlich die Gesellschaft selbst. Im Zuge der Reform sollen aus derzeit elf Tarifen zwei werden, mit allerhand Ausnahmeregeln. Etwa 60 Prozent der gebührenpflichtigen Veranstaltungen werden „zum Teil erheblich günstiger oder kosten genauso viel wie bisher“. Teurer werde es für hochpreisige Events sowie für Clubs und Diskos. KulturGut 10 | Seite

Andreas Eder vom Zauberberg sagt, nach ersten Recherchen steige die GEMA-Gebühr für den Club um das Sechs- bis Siebenfache pro Jahr. „Das ist wirtschaftlich für uns kaum tragbar“, betont er. Die GEMA hingegen moniert, dass Clubs und Diskotheken bislang lächerlich wenig für die Musiknutzung bezahlen, ohne diese Musik aber gar keine Geschäftsgrundlage hätten: „Teilweise zahlen Diskos und Clubs nur 20 bis 30 Euro pro Nacht an die GEMA“ – den Gegenwert von zwei, drei Kisten Cola. Eine solche Einschätzung kommt bei Diskobetreibern nicht gut an. Eder kennt „keinen Club, wo das tatsächlich so ist“. Die GEMA nutze „ihre Monopolstellung rücksichtslos aus“. Und Wolfgang Weier vom Airport räumt ergänzend ein: „Klar, wir hätten auch bei einer Erhöhung von 50 Prozent arg gestöhnt – aber das jetzt ist ein letztes Japsen ums Überleben.“

36.000 Euro für Gratisfestival Beide fordern eine Konkurrenz für die GEMA, so wie in anderen Ländern. In den USA zum Beispiel hätten Musikunternehmer die Wahl zwischen mehreren Anbietern, die Gebühren für die Urheberrechte eintreiben. Mit der bisherigen GEMA-Diskopauschale habe man gut leben können, dass diese Praxis nun einseitig von der GEMA aufgekündigt werde und „so massive Mehrkosten“ mit sich bringe, sei vollkommen inakzeptabel. „Aber es ist typisch GEMA“, sagt Weier. Anders als die kommerziellen Anbieter halten sich die Festivalbetreiber in Würzburg mit Kritik zurück. Und auch das hängt mit der Monopolstellung der GEMA zusammen, sagen sie hinter vorgehaltener Hand – viele haben „Deals“ mit der GEMA. Das macht vorsichtig. Fast alle könnten sich weder ihren regulären aktuellen noch einen neuen Tarif leisten. Das „Umsonst & Draussen“ etwa bezahlt derzeit für vier Tage Festival rund 5000 Euro, aber auch nur, weil die Härtefallregelung angewendet wurde. Bis vor kurzem berechneten sich die GEMA-Tarife für Festivals nach der Zahl der Besucher und dem Eintritt. Weil das Würzburger U & D eintrittsfrei ist, wurde aus 60.000 Besuchern quasi „rückwärts“ eine Quadratmeterzahl errechnet, auf deren Grundlage dann wieder eine

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Foto: Benjamin Brückner

Summe X errechnet wurde – bisher eben rund 5000 Euro. Nach den neuen Tarifen würden daraus mindestens 20.000 Euro – und mehr, wenn die Härtefallklauseln plötzlich nicht mehr angewendet werden. Für den schlimmsten Fall haben die U & D-Macher 36.000 Euro GEMAGebühren ausgerechnet. Das würde dem Festival den Todesstoß versetzen – außer es fände sich ein Sponsor bereit, diese Summe für die GEMA aufzubringen. Doch daran glaubt beim Trägerverein des Umsonst & Draussen niemand.

Ein Konzerttag sind zehn Tanznächte Viele Kulturschaffende monieren, trotz neuer Tarifstruktur bleibe eine schreiende Unverhältnismäßigkeit: Eine gewerbliche Disko zahlt momentan 25.000 Euro jährlich – ein viertägiges Umsonst-Festival 5000. Künftig könnten daraus 390.000 gegenüber 36.000 Euro werden, statt einem Fünftel immerhin etwa ein Zehntel – eine Differenzierung zwischen kommerziellen oder ehrenamtlichen Veranstaltern fehlt jedoch weiterhin. Dass bei der GEMA nicht alles rund läuft, räumen auch Insider ein. Ein großes Ärgernis ist etwa seit jeher der Verteilungsschlüssel, also welcher Urheber welchen Anteil der eingetriebenen Gebühren erhält. Offen sagen will es niemand, aber das hochkomplexe Verteilungsverfahren begünstigt stets die großen Unterhaltungsmusiker, also die Bohlens und Siegels dieser Welt. Denn alle Gebühren, die sich nicht klar einem Urheber zuordnen lassen, kommen in einen großen Topf und werden verteilt.

Der Willkür Tür und Tor Das Problem sind aber nicht die neuen Tarife an sich, sondern die Macht der GEMA überhaupt, sagt Ralf Duggen, Vorsitzender des Dachverbandes der freien Kulturträger in Würzburg. Er kenne Klagen vieler Kulturschaffender, die der GEMA Beliebigkeit vorwerfen. „Heute sagen sie, die Härtefallklausel wird sicher angewendet, auch wenn die Mitarbeiter das offiziell gar nicht dürfen. Drei Monate später – kurz vor der Veranstaltung – weiß keiner was davon. Das ist das Gegenteil von Planungssicherheit“ KulturGut 10 | Seite

Duggen, der auch Vorsitzender des U & D-Vereins ist, prognostiziert, dass es mit den neuen Tarifen der GEMA „nur dann ein Umsonst & Draussen mehr geben wird, wenn die Härtefallregelung greift“. Nicht, weil man keine Lust habe, Geld für die Urheberrechte zu bezahlen, sondern weil man gar nicht könne. „Das Festival macht keinen Gewinn. Wenn wir mal 4000 Euro Plus pro Jahr machen, ist das toll, dann war super Wetter“, so Duggen. Damit könne man die GEMA-Mehrkosten nicht auffangen. Andere Veranstalter eintrittsfreier Festivals holen wegen der geplanten GEMA-Tarifreform zu einem Rundumschlag gegen die Organisation aus: „Wir machen das, was die GEMA laut Satzung eigentlich tun sollte: Nachwuchsförderung“, betont einer, der nicht genannt werden will. Kostenlose Festivals böten Nachwuchskünstlern eine Bühne, diese zerstöre man mit den geplanten neuen Tarifen. „Die GEMA sollte lieber mal ihre eigene Satzung erfüllen, da steht Nachwuchsförderung explizit drin.“ Dass gerade nicht-kommerziellen Veranstaltungen durch die geplante Tarifreform das Aus drohe, sei einfach nicht fair, findet Duggen. Von den Änderungen wären auch andere FreiluftEvents wie das STRAMU oder das Stadtfest betroffen. Auch bei den dortigen Veranstaltern ist das Verständnis über das Vorgehen der GEMA verhalten. Ob durch die neuen Tarife der Forstbestand der Veranstaltungen bedroht ist, kann noch niemand abschätzen. Die eine Wahrheit gibt es bei der Diskussion wahrscheinlich nicht, die GEMA – zu Beginn der Debatte noch sehr leise und zurückhaltend – schlägt inzwischen jedenfalls auch schrille Töne an. Sie wirft den Clubund Disco-Betreibern sowie deren Verbänden wie etwa dem DEHOGA vor, mit „falschen und extremen Rechenbeispielen“ Stimmung gegen die Tariflinearisierung zu machen. Fakt allerdings ist: Die neuen Tarife entstanden hinter verschlossenen Türen, Außenstehende waren nicht beteiligt. Und das sorgt – anders als die GEMA beteuert – nicht nur bei gewerblichen Musikunternehmern für Sorgenfalten, sondern auch bei Musik- und Schützenvereinen. Denn auch ein Volksfest mit Blasmusik unterliegt der Gebührenpflicht. Die Schützenvereine etwa fürchten, dass mit den neuen Tarifen Kostensteigerungen von bis zu 300 Prozent auf sie zukommen. Für viele Vereine würde das bei Schlechtwetter und wenigen Festbesuchern die Zahlungsunfähigkeit bedeuten.

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Mainfränkische Theaterwerkstatt Einzigartig: Frankenhalle als Modell für bundesweit einmalige Behindertenarbeit von Joachim Fildhaut / Fotos: Andreas Grasser

Schon für sich allein ist das Ensemble der Mainfränkischen Werkstätten – hier in Koproduktion mit dem Tanzraum – ein Unikum. Aus der Zusammenarbeit mit einem Kommunaltheater…

+ „Es wäre ein kleiner Schritt in Richtung auf eine große Vision“, sagt Werner Sendner, Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten. Seine Vision heißt Inklusion – Bedingungen schaffen, in denen kein Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gemacht werden muss. Als kleinen Schritt hierzu planen die Mainfränkischen Werkstätten eine Kooperation mit dem Mainfranken Theater. Doch was auf diesem Themenfeld klein und was groß ist, das changiert je nach Perspektive. Eine Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen schafft zwar keine ganze inkludierende Gesellschaft, setzt aber durchaus große Maßstäbe. „Einen bundesweit einmaligen Konzeptansatz“ nennt Sendner sein Angebot an die Stadt Würzburg. Und Stefan Merk, Leiter des Theater Augenblick und somit eines Teils der Mainfränkischen Werkstätten, begeistert sich: „Das würde überall Schlagzeilen machen!“ Für die Würzburger besonders interessant: Schauplatz des Geschehens ist die Frankenhalle, deren Baulast geringfügig, aber doch merklich erleichtert wird. KulturGut 10 | Seite

Erhebliche Erleichterung der Baulast Doch zunächst: Was ist das Einmalige an der Konstellation? Partner A, die Mainfränkischen Werkstätten mit dem Theater Augenblick, bringen als große Seltenheit auf deutschem Boden ein Ensemble von acht geistig behinderten hauptberuflichen Schauspielern und vier Tänzern mit. Das Theater Augenblick ist eins der wenigen Theater in Deutschland, das einzige in Bayern, bei denen Menschen mit geistiger Behinderung seit 14 Jahren dem Beruf als Schauspieler nachgehen können. Sie selbst entwickeln die Theaterstücke mit. Andere Truppen an Behindertenwerkstätten agieren meist nur im Freizeitbereich; dort wird die künstlerische Betätigung nicht als Arbeitszeit angerechnet. Und wenn Theatergruppen mit geistig behinderten Schauspielern mit anderen Bühnen kooperieren, dann seltenst mit Stadt- oder Staatstheatern, sondern mit Privatbühnen. Stefan Merk kennt einige solcher Konstellationen aus Berlin und Hamburg. Eine dauerhafte Kooperati-

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…könnten ganz neue Qualitäten von Interaktion erwachsen.

on mit einem Theater der öffentlichen Hand gibt es nicht, meist geht es über Gastspiele oder einzelne Projekte nicht hinaus. Die Würzburger hingegen denken auf mehreren Ebenen eine dauerhafte Kooperation mit Partner B an. Und die geht so: Die Mainfränkischen Werkstätten müssen erweitern. Von den 560 Beschäftigten in den Industriegebieten oberhalb der Nürnberger Straße (und in angemieteten Häusern wie in Gerbrunn) arbeiten 60 auf überbelegten Posten. Jetzt haben die Förderstellen diesen Bedarf bewilligt. Diplom-Kaufmann Sendner möchte aber nicht für alle fünf Dutzend Mitarbeiter neue Einsatzorte auf der Grünen Wiese schaffen. 20 Leute sieht er lieber in Ganztagsbetreuung an der Frankenhalle, wenn das Mainfranken Theater fertig saniert ist. Die Stadtbühne will nämlich für ihren Übergangsbetrieb auf den Platz der ehemaligen Stallungen hinter der Halle vier würfelförmige Werkstattgebäude zu setzen. Wenn sie ihren Hauptspielbetrieb wieder an die Ludwigstraße zurückverlegt, könnte einer dieser Kuben frei werden.


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Das Augenblick erprobt Tanztheater zur Talentförderung.

Die Mainfränkischen Werkstätten bieten sich hier als Nutzer an. „Aus der räumlichen Nähe kann sich Inklusion entwickeln“, sagt Werner Sendner. So kann er sich vorstellen, dass seine Leute die Pausenbewirtung, den Garderobendienst oder die Reinigung übernehmen. Stefan Merk weiß aus dem „Augenblick“: „Das ist für unsere Besucher eine wichtige Erfahrung, dass Menschen mit geistiger Behinderung ganz selbstverständlich als Kartenabreißer arbeiten und in der Pause Getränke ausschenken.“ Im Unterschied zu seinem 99-Sitze-Haus würden in der Frankenhalle aber gleich mehrere Hundert Gäste am Abend solche Eindrücke sammeln.

Kunst kennt keine Behinderung Die Groß-Klein-Frage ist auch hier Teil des Problems – und Teil der Lösung. Das Theater Augenblick hat einen schnuckeligen Saal im Industriegebiet Ost, aber wenn nur knapp 100 Tickets verkauft werden können, lassen sich Gast-Ensembles kaum finanzieren. Außerdem brauchen auswärtige Künstler Platz und wollen sich nicht ständig an den Bühnenaufbauten aus der laufenden „Augenblick“-Produktion stoßen. Und noch einen Nachteil der gegenwärtigen Adresse führt Merk an: Die Straße Im Kreuz liegt nicht gerade an einer Kulturmeile der Stadt Würzburg. Das sind alles gute Gründe um den Finger zu heben: Wäre in der Frankenhalle nicht auch Platz für eine Probebühne des „Augenblick“-Ensembles? Wenn das Mainfranken Theater nach der Renovierung des Stammhauses nämlich auch einen Dauerbetrieb an der Veitshöchheimer Straße genehmigt bekommt, dann könnte diese Raumkapazität in der Frankenhalle als Nebenspielstätte, als Kammer dienen. „Ein Foyer, zwei Bühnen“, erwärmt sich Stefan Merk bei dem Gedanken, dass das Theater Augenblick in dieser Konstellation nicht mehr als Behindertenbühne, als Teil der Mainfränkischen KulturGut 10 | Seite

Werkstätten, sondern als inklusiver Bestand der Frankenhalle wahrgenommen würde. Sein Chef Sendner fürchtet dabei nicht ums Image: „Es ist okay, wenn ‚Werkstatt’ als eigenständig sichtbarer Bereich aufgelöst wird“, sieht er diese Dynamik ganz auf Linie der Inklusion. Am meisten erfreut den künstlerischen Leiter die Aussicht, dass seine Spieler und das Kommunal-Ensemble ja im selben Haus eine gleiche Arbeit machen und es auch zu einem Austausch von Regisseuren, Schauspielern und Handwerkern kommen kann. Bisweilen arbeitet das Theater „Augenblick“ schon heute mit externem Personal. So wird die kleine Kompanie für Tanztheater ebenso wie die Clownsgruppe von Gästen trainiert. Ein Merk-Satz bündelt die Aktiva: „Kunst kennt keine Behinderung.“

Die drei Vorteile für die Stadt und ihr Theater Als Gewinn des Mainfranken Theaters und der Kommune summieren die beiden: 1.) Die Stadt hat einen Nachnutzer für den vierten Pavillonbau hinter der Frankenhalle. 2.) Die Mainfränkischen Werkstätten beteiligen sich an den laufenden Betriebskosten der Frankenhalle, falls das Mainfranken Theater diese Immobilie nach der Renovierung des Stammhauses dauernd bespielt. 3.) Würzburg hat ein Vorzeigeprojekt, mit dem es im ganzen deutschsprachigen Raum Furore machen kann.

Eine Idee entstand Eine Kooperatioin fügt sich in den kommunalen Aktionsplan Inklusion, mit dem Würzburg laut Pressesprecherin Claudia Penning-Lother „als eine der ersten Kommunen in Bayern auch eine Vorreiterrolle ein-

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nehmen“ könnte. Die allererste Idee sah noch nicht so weittragend aus. Stefan Merk hatte sie: Wie wäre es, wenn das Mainfranken Theater während seiner Sanierung einen Teil des Kammer-Programms in das Theater Augenblick auslagerte? Eine günstige Stunde, diesen Vorschlag zu unterbreiten, kam im November 2011, als Merk und seine Truppe im Großen Haus an der Ludwigstraße die Kulturmedaille der Stadt erhielten. Merk kam ins Gespräch mit dem Intendanten Hermann Schneider, der zwar nicht davon angetan war, sein Publikum in die Gewerbezone auszusiedeln, aber mit der Gegenfrage konterte: Was könnte man denn gemeinsam in der Frankenhalle auf die Beine stellen? Inzwischen reiften nicht nur die Detailüberlegungen. Freistaat und Bund genehmigten auch bereits die Förderung von 60 Betreuungsplätzen, von denen 20 an der Frankenhalle angesiedelt werden könnten. Was genau hier gearbeitet werden soll, wird sich auch am Bedarf des Mainfranken Theaters ausrichten.

Etwas anders wollen die Mitarbeiterplätze des künstlerischen Personals kalkuliert werden. Hintergrund: Für einen Arbeitsplatz wird tatsächlich ein Platzbedarf errechnet. Ein geistig behindertes Werkstattmitglied braucht im Schnitt zwischen 20 und 25 Quadratmeter. Ist seine Tätigkeit jedoch schauspielerisch, so entfällt auf jeden Mimen auch ein Platzbedarf von mehreren Quadratmetern für den Zuschauerraum, für Erschließungswege des Publikums etc. Diese Flächen sind nicht förderfähig. Bei den Mainfränkischen Werkstätten ist man sich jedoch sicher, Spender und Sponsoren für die Einrichtung zu finden. Zudem bringen die Werkstätten – nicht zuletzt durch den Betrieb Im Kreuz – viel Expertise mit, wie Räumlichkeiten beispielsweise durch bewegliche Wände multifunktional so eingesetzt werden können, dass sie dank einer ihrer Nutzungen wieder zuschussfähig sind.

LINK: | www.theater-augenblick.de

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Höchster Feinsinn im Parterre Ein Besuch im Kunstkeller der Petrichevs von Manfred Kunz / Foto: Benjamin Brückner

Gründerpaar mit Sohn Evgeni und Technik-Allrounder Braumandl.

+ Ein Theater im innerstädtischen Niemandsland zwischen Semmelstrasse und der Verkehrsdrehscheibe Berliner Ring: In der Kroatengasse 20 ist mit dem Kunstkeller ein Zimmertheater zuhause, das nicht nur wegen seiner intimen Größe zu den außergewöhnlichsten Bühnen Würzburgs gehört. Vom ersten Augenblick an, mit dem Betreten des knapp 30 Quadratmeter kleinen Bühnen- und Zuschauerzimmers ist der Besucher gepackt von der Aura dieses Raums. Annäherungsweise lässt sie sich durch die Worte freundlich, herzlich, offen, harmonisch, familiär umschreiben – der Besucher ist nicht zahlender Kulturkonsument, sondern Gast, die Neugier und das gemeinsame Interesse an Theater und künstlerischem Austausch schlagen sofort die Brücke zwischen Darstellern und Zuschauern: In den Sinn kommen einem solche nahezu aus der Zeit gefallenen Begriffe wie Leidenschaft, Begeisterungsfähigkeit und Enthusiasmus für die Verbindung von darstellender, bildender und akustischer Kunst. Man muss nicht regelmäßiger PremierenGast sein, um zu spüren, dass dieser Anspruch im Kunstkeller gelebte Wirklichkeit über den Vorstellungsabend hinaus ist. KulturGut 10 | Seite

Ein Ensemblename wird Programm Kopf und Herz, Seele und Motor der Bühne sind die studierte Slawistin Lilia Petrichev als Regisseurin und ihr Mann Wladimir, der für die Bühnenbilder und die Gestaltung der Plakate und Programmhefte verantwortlich ist. Nach ihrer Arbeit mit dem Studentenensemble der Slawisten war Petrichev einige Jahre als Regieassistentin am Mainfrankentheater engagiert. Mit einer bunt zusammen gewürfelten Truppe des dortigen Uni-Clubs, Mitgliedern der Slawisten-Bühne und freien Amateuren startete sie im Mai 2004 ihre erste eigene Inszenierung in Norbert Bertheaus Theater Ensemble: Vaclav Havels „Die Versuchung“, die auch zum Namen des Ensembles wurde: Theater als Versuchung, als Herausforderung für Körper und Geist. Nach einigen weiteren Gastproduktionen war der logische nächste Schritt eine eigene Bühne für „Die Versuchung“: Der Kunstkeller war geboren. Zunächst für ein Jahr in tatsächlichen Kellerräumen am Röntgenring 4, nach einem Hochwasserschaden und einem heimatlosen Jahr dann

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seit 2007 am jetzigen, ebenerdigen Standort in der Kroatengasse 20, wo je nach Produktion zwischen 20 und 40 Besucher Platz finden. Um die beiden und die dritte Säule, Johann Braumandl als technischen Allround-Meister, gruppiert sich eine Gemeinschaft von Bühnenenthusiasten, für die Lilia Petrichev im Gespräch wie selbstverständlich den Begriff „Familie“ verwendet: „Wir alle teilen nicht nur die Begeisterung für das Theater, sondern leben den Gedanken der Bühnenfamilie auch in unserem Alltag, etwa durch gemeinsame Vorstellungsbesuche in anderen Städten, Gesprächsrunden oder einfach nur, indem wir zusammen kochen oder grillen. Dieser im Alltag praktizierte Team-Geist ist die Basis für das gegenseitige Vertrauen, das wir bei den Proben und Aufführungen ineinander haben“, versucht Petrichev das Geheimnis der Versuchung zu erklären. „Und wir zahlen kein Geld, im Gegenteil; immer wieder legen die Darsteller zusammen, um aufwändigere Bühnenbilder oder technische Anschaffungen zu finanzieren.“

Die Würzburger Tschechow-Schule So entsteht bei nahezu jeder Inszenierung große Kunst. Bühnenkunst, die einem stringenten ästhetischen Konzept folgt, das sich um Anton Tschechow als Fixstern gruppiert. Bis auf den im November folgenden „Onkel Wanja“ hat „Die Versuchung“ bisher alle großen Stücke des Begründers der Dramatik des 20. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht. „Die inhaltliche Tiefe der Stücke, das Ausloten der Dimensionen menschlicher Beziehungen machen Tschechow zu meinem ab-

soluten Lieblingsautor, mit dem ich mich jeden Tag in irgendeiner Form beschäftige“, begründet die Regisseurin ihre Leidenschaft für den notorischen Wahrheitssucher und psychologischen Realisten. Von ihm ist es nicht weit zu den anderen „Hausautoren“, Strindberg, Ibsen, Sartre und Genet, oder zum Abstrusen und Abgründigen eines Daniil Charms oder Eugene Ionesco. Deren Bühnentexte, inszeniert mit penibler Genauigkeit im sprachlichen Ausdruck und Perfektion im szenischen Detail, gespielt von Theaterenthusiasten, denen der Teamgedanke allabendliche Selbstverständlichkeit ist, markieren auf jeden Fall die zukunftsfähigere Seite der Würzburger Theaterlandschaft. Denn höheres Niveau mit unbezahltem Engagement ist kaum vorstellbar.

InfoS: Aktuell im Spielplan: Anton Tschechow,

„Auf der großen Straße“. Letzte Vorstellungen am 4., 5. und 6. Oktober. Nächste Premiere: Anton Tschechow, „Onkel Wanja“, Mitte/Ende November. In Vorbereitung für das nächste Jahr sind Stücke von Ivan Bunin, Fjodor Dostojewski und Anton Tschechow. Kunstkeller Würzburg, Kroatengasse 20, 97070 Würzburg, Tel. (0931) 3590764, Mobil: (0162) 5634996. | www.kunstkeller-wuerzburg.de


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Fake it!

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Lachdichter

11. Improtheaterfestival

29. Oktober bis 4. November, Tanzspeicher u. a.

16 Shows in sechs Tagen auf sieben Bühnen verzeichnet das Programm auf der untenstehenden Website, über die dieses Jahr erstmals der komplette Vorverkauf abgewickelt wird. Andere Neuheiten stammen vorzugsweise aus Nordamerika, dem Schwerpunktland des Fests und der ganzen künstlerischen Bewegung. Ein neues Format aus New York ist zu begutachten (Formate sind die Rahmen, in denen die Improvisationen ablaufen) sowie Improkünstler Amy Shostak aus Kanada. Der gehört auch dem eigens zusammengestellten Festival-Ensemble an. Für neuen deutschen Input sorgt die Münchner Sängerin Karin Krug mit ihren „Songs from History“. Und dann gibt es noch einen Abend im Zeichen des Chansons. | www.improtheaterfestival.de

Die 7. Würzburger Biennale für zeitgenössischen Tanz, „Tanzlandschaft 2012“, geht wieder an ungewöhnliche Spielorte, um höchst niveauvolle Tanzund Performance-Kunst zu präsentieren. Das Motto „Fake it!“ gibt u. a. einen Hinweis auf das neue Werk von Thomas K. Kopp, “gegenwartsmoment work 5“. Außerdem geht das Festivalprojekt „room service“ nach dem großen überregionalen Erfolg 2008 und 2010 in die dritte Runde: In einem Hotel-Zimmer trifft der Zuschauer auf den/die PerformerIn und erlebt eine Vorstellung ganz für sich allein. Die “Lange Nacht des Würzburger Tanzes“ vereint Arbeiten der Compagnie des Mainfranken Theaters mit freien Choreographen. Gastspiele: Die Berliner Performerin Antonia Baehr bringt “Lachen“ auf die Bühne, „loops and breaks“ von Julia Schwarzbach aus Wien involviert die Zuschauer spielerisch in das Bühnengeschehen. | www.tanzspeicherwuerzburg.de

6. Oktober, 20.15 Uhr, Bockshorn Wie jeder Siegfried hat auch Zimmerschied eine verletzbare Stelle: Geschichten, für die es Bilder braucht, Film- und Fernsehideen. Immer wider besseres Wissen lässt er sich auf Redakteure und andere Quotenverwalter ein und schreibt Exposes, Treatments und Drehbücher. Riesenministranten entstehen, Derrickmutanten, triebgesteuerte Mofawallfahrten und geschichtsverlustige Schankkellner. Doch dann: „zu poetisch, zu aggressiv, zu mundsprachlich, zu wenig Lachdichte“. Dieses Geschick trieb das Programm hervor. | www.bockshorn.de ++++++++++++++++++++++++

Macbeth

ab 14. Oktober, 19.30 Uhr, Mainfranken Theater Giuseppe Verdis Oper unter Leitung von Enrico Calesso hat zwei bekannte Gäste für die optische Einrichtung, und im Genre des hochdramatischen, finsteren Musiktheaters sagen wir umso lauter Ja zu ihnen: Regisseur Stephan Suschke ließ seine Schauspieler schon zu oft die Text-Zeilenenden mitsprechen, verständniserschwerende Pausen machen. Bei den Arien dürfte ihm dieser Manierismus verwehrt sein. Und Momme Röhrbein lässt vielleicht allzu habituell Bühnenbilder aus teils blanken, teils schwarz gestrichenen Tischlerplatten sägen – zu Macbethens schottischen Hochländern dürfte das sehr gut passen. | www.theaterwuerzburg.de

23. bis 28. Oktober, verschiedene Spielstätten

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Gründe und Abgründe: Verdis „Macbeth“

27. Oktober, 15 bis 22 Uhr, Palliativ-Akademie des Juliusspitals Domschule und Mainfranken Theater bereiten gründlichst auf die abendliche Aufführung der Oper vor. Aspekte des Verhaltens von Individuen gegenüber Mächtigen diskutieren die Teilnehmer mit GMD Enrico Calesso, dem Philosophen am Würzburger Dirigentenpult, und Prof. Dr. Thomas Weißer, theologischer Ethiker aus Bamberg. Am Diskussionshorizont taucht die Frage der Rechtfertigung des Tyrannenmords auf. Anmeldung Tel. (0931) 38664500. | www.domschule-wuerzburg.de

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Die kleine Entführung aus dem Serail ab 2. November, 19 Uhr, Theater am Neunerplatz

Einiger Tiefsinn lässt sich in Mozarts „Entführung“ hineinlegen, aber viel Action herausholen. Das tun die Regisseure aus Spaß an der Geschichte. Erhard und Hermann Drexler haben ein großes Ensemble zusammengestellt – teilweise selbst produziert oder angeheiratet. Richtiger Operngesang wird erklingen, und dazu ein Orchester mit sage und schreibe drei (3) Musikern. | www.neunerplatz.de


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 weitere Informationen: www.kulturgut.wuerzburg.de

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Komm und geh ein Stück mit mir

ab 9. November, 19.30 Uhr, Theater Augenblick Ein Dreivierteljahr lang sammelten acht Tänzer und ihre Choreographin Lisa Kuttner Bühnenszenen, um den Alltag zu beschreiben. Das hat einen hohen Wiedererkennungswert. Vor allem aber wird bspw. der zweimaltägliche Vorgang des Zähneputzens durch den Zeit-Häcksler gedreht. Im Tanztheater hängt die Szenenfolge nicht mehr von der Frage ab: Wann müssen Essensreste entfernt werden? Jetzt kommt es beim Nacheinander der Bilder vielmehr darauf an, ob sich die Tänzer im Akt vorher harmonisch miteinander bewegten oder – ganz im Gegenteil – ob sie gegeneinander aufgestellt waren und losgezogen sind. Auf der Bühne werden Zähne dann geputzt, wenn Armbewegungen und gebleckte Gebisse am besten in die Gesamtkomposition passen. In Konsequenz enthebt eine solche Serialisierung das Geschehen der gleichmäßig linear verlaufenden Zeit und macht es zu Kunst. Denselben fundamentalen Effekt haben Leitmotive, die den Zuschauer fragen lassen: Machen die das jetzt, weil wir einen neuen Tag auf der Bühne haben, oder sind wir in eine Zeitschlaufe geraten, in der sich Vergangenes widerspiegelt? Die Antwort lautet auch hier: Ist Kunst. | www.theater-augenblick.de ++++++++++++++++++++++++

Andreas Giebel

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sie tun, wenn sie ausnahmsweise einmal schweigen und einen entspannten Gesichtsausdruck annehmen. Ähnlich indirekt wie dieses Stückchen zielen viele Einmanndramolettchen des bayerischen Kabarettisten vom grotesk verzerrten Alltagsleben ins reale Soziale. | www.bockshorn.de ++++++++++++++++++++++++

Der Gott des Gemetzels ab 10. Januar, 20 Uhr, Theater Ensemble

Schaffenskrise, aber dann Beitritt zu einem Mütterkollektiv, das den Kindergarten renoviert. Aus den Lebensläufen ihrer Mitstreiterinnen will Molly ihr nächstes Theaterstück verfassen. - Regisseur Weber vergrätzte im letzten Jahr im Großen Haus manchen Operettenfreund mit seiner Inszenierung der „Lustigen Witwe“. Er hatte hier viel Schwung aus seiner Arbeit für Telenovelas eingebracht. Der passt sicher glatter zu dieser Produktion. | www.theaterwuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Zwei Paare versuchen, sich vernünftig und gütlich über eine Schlägerei ihrer jungen Söhne zu einigen - eine Chemiekatastrophe nicht nur im psychologisch übertragenen Sinn. Während das Gruppengespräch zackig entgleitet, muss einer der Väter zu allem Unglück auch noch per Handy einen Werksunfall vertuschen. Uwe Dietrich führt Regie über Yasmina Rezas zweiten Welterfolg, besetzt waren bei Redaktionsschluss Dagmar Schmauß, Michael Völkl und Mike Smauley. Weitere Stücke zur neuen Spielzeit: „Zeugin der Anklage“ von Agatha Christie, „Die Polizei“ von Sławomir Mrozek, „Die fetten Jahre sind vorbei“ nach dem gleichnamigen Film und „Kleine Eheverbrechen“, die Gedächtnisverlust-Plotte von Éric-Emmanuel Schmitt. | www.theater-ensemble.net

Der Volksfeind

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Der Herr Karl

Ein Einzelner gegen die öffentliche Meinung, die es vorher so gut mit ihm meinte – das Thema muss in der Mediengesellschaft nicht groß aktualisiert werden. Zur Regie holt man Grazyna Kania, die bereits für den Deutschen Theaterpreis nominiert war. Sie arbeitet gern mit sehr wenig Requisiten und Bühnenbild, eine Tendenz, der die Ausstatterin Malve Lippmann mit ihren bisweilen geometrisch gerasterten, bisweilen grotesken Entwürfen sicher gut nachkommt. | www.theaterwuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

ab 26. Januar, 20 Uhr, Werkstattbühne

Molly Eyre

16. November, 20.15 Uhr, Bockshorn

ab 10. Januar, 20 Uhr, Mainfranken Theater

Seine medienkritische Kabarettnummer „Notdurftkomparsen“ lehrt einen wichtigen neuen Blick auf politische Talkshows. Giebel führt aus, dass und warum die Talk-Gäste immer Windeln tragen und was

Jürgen R. Weber übernimmt gern Regie, Bühnenbild und Kostüme. Nun zudem eine Uraufführung. Autorin Tamsin Walkers collagierte Molière-Figuren zu unserer Zeitgenossin Molly Eyre: Ehekrach, KulturGut 10 | Seite

ab 19. Januar, 19.30 Uhr, Mainfranken Theater

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Stephan Ladnar, schon desöfteren bestaunt als großes Talent im Pool der innerwürzburger Wanderschauspieler, lässt den Opportunisten Karl sein Leben erzählen. Während Herrn Karl jedwede Selbstkritik abgeht, untersteht Herr Stephan der Regie des Hausherrn Wolfgang Schulz. | www.werkstattbuehne.com


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Konzerte statt Platten So lebt es sich von Popmusik von Daniel Staffen-Quandt

+ Die große Mehrheit der Künstler, die hierzulande erfolgreich Musik machen, verdient ihren Lebensunterhalt mühsam. Das Geschäft ist etwas für Dickbrettbohrer. Drei Musiker aus dem Raum Würzburg schildern, wovon sie leben und was sich in den vergangenen Jahren verändert hat. Da ist Markus Rill, Jahrgang 1970, aufgewachsen bei Aschaffenburg. Er hat sich nach seinem Sozialkunde- und Englischstudium „lange überlegt, ob ich ganz auf die Musik-Karte setzen soll“, erinnert er sich heute. Inzwischen ist Rill ein erfolgreicher Songwriter, seine Songs verkaufen sich auch in den USA. Er entschied sich trotzdem gegen ein Leben nur von der Musik. Heute arbeitet er als freier Journalist und verdient dadurch einen guten Teil seines Lebensunterhalts. „Ich kenne viele Kollegen, die nur von der Musik leben. Damit sie irgendwie über die Runden kommen, spielen sie nebenbei in Cover- und Hochzeitsbands oder geben Gitarrenunterricht“, sagt er. Das sei zwar respektabel, „aber ich wollte bei meiner Musik keine Kompromisse machen“. Auch das ständige Leben auf Tour kam für den Familienvater nicht in Frage: „Da kann man nicht im VW-Bus leben.“ Trotzdem ist Markus Rill „vom Selbstbild her Musiker“, betont er. Auch wenn alleine davon zu leben sehr schwer ist: „Von einem Konzert bleiben einem am Ende vielleicht 50 Euro, der Rest geht für die Unkosten drauf.“ Für ihn sind deshalb die Platten- und CD-Verkäufe nach Konzerten sehr wichtig. „Das ist dann das, wovon man eher leben kann“, wenngleich die Hauptintention bei der Produktion von Tonträgern „natürlich nicht ist, das vor allem als Einnahmequelle zu sehen.“ Denn: „Nur durch die Veröffentlichungen werde ich überhaupt national und international gebucht.“ Beides bedingt sich: Ohne Platten keine Auftritte, aber ohne Plattenverkäufe nach den Konzerten ist das Überleben schwierig. „Das ist keine neue Situation“, findet Rill, an diesem Zustand habe sich in den letzten sechs, sieben Jahren „kaum etwas verändert“.

Kunst mit möglichst wenig Kompromissen Auch für Carolin und Andreas Obieglo bedingen sich Plattenverkäufe und Konzerte gegenseitig. Das Ehepaar ist besser bekannt als „Carolin No“, Sängerin Carolin kommt ursprünglich aus Waldbüttelbrunn – inzwischen lebt und arbeitet das Duo jedoch in Berlin-Neukölln. „Nach einem schönen Konzert ist ein guter Zeitpunkt, um CDs oder DVDs anzubieten“, findet Carolin. Mit den Albenverkäufen nach den Auftritten ließen sich auch niedrigere Gagen auffangen. Die beiden können „erst seit kurzem“ ausschließlich von ihrer Musik leben – „und das auch nicht jeden Monat gleich sorgenfrei“. Nach wie vor ist das Musikerpaar der Meinung, die richtige Wahl getroffen zu haben. „Eine Tatsache scheint zeitlos“, sagt Andreas: „Wenn man seine eigenen künstlerischen Vorstellungen ohne allzu viele Kompromisse verfolgt, ist es nie leicht, von der eigenen Musik zu leben.“ Natürlich ist schon der Weg in die Professionalität nicht leicht. Aber „die paar KulturGut 10 | Seite

Steinchen“ auf diesem Abschnitt sind „nichts gegen die Brocken, die man auf- und wegräumen muss, wenn man sich für diesen Weg entschieden hat.“ Die Mischkalkulation aus Konzerten und Plattenverkäufen funktioniert nur, weil sie nicht „die falschen Verträge mit den falschen Leuten“ unterzeichnet haben; die Musikbranche ist in dieser Hinsicht offenbar immer noch ein gefährliches Pflaster. Und ein ungewisses obendrein. „Carolin No“ gehen davon aus, dass in 20 Jahren kaum noch physische Tonträger verkauft werden. „Es bleibt also spannend.“

Niedliche Tier-Shirts Das sieht auch Martin Achter so. Seit knapp 20 Jahren macht er Musik in verschiedenen Rockbands zwischen Schweinfurt und Würzburg und kam so – zeitweise semiprofessionell – in ganz Deutschland herum. „Die Diskussionen über wirtschaftliche Fragen, auch unter Amateuren, haben in dieser Zeit stark zugenommen“, sagt er. Auch die Hobbymusiker und Semiprofessionellen hätten es zu spüren bekommen, dass man Platten einfach kopieren kann, die Verkäufe sanken drastisch. Achter spielt bei „Life of an Owl“, allerdings „nur“ in seiner Freizeit. Hauptberuflich verdient auch er sein Geld als Journalist – als Wirtschaftskorrespondent bei einer Nachrichtenagentur in Frankfurt. Achter hat sich gegen ein ausschließliches Dasein als Profimusiker entschieden. Ihm geht es seit jeher vor allem um den Spaß an der Musik, nicht ums Geldverdienen. Wenn man das allerdings muss, seien Auftritte die beste Möglichkeit. Nicht wegen der Gagen, räumt er ein. Sondern wegen des Zugangs zum Publikum, „das T-Shirts und Buttons kauft, vielleicht aber auch Tonträger“. Weil aber immer mehr Bands live spielen wollen, um ein bisschen (mehr) Geld zu verdienen, werde die Luft insgesamt dünner. Und: Marketing-Aspekte nehmen heute schon bei Amateuren eine wichtige Rolle ein – zum Beispiel bei der Namensgebung. „Mit Tierbegriffen im Namen lassen sich leichter TShirts mit ansprechenden Motiven drucken, mit denen die Bands Geld verdienen können“, sagt Achter. Früher sei diese Energie und Kreativität direkt in die Musik geflossen, „das zeigt mir, wie sehr sich da was verändert hat“. Abseits von Merchandising-Produkten hat auch Markus Rill noch eine musikalische Einnahmequelle. Als Komponist und Texter kommt er mehrere Male im Jahr in den Genuss einer GEMA-Ausschüttung – kurzum: er bekommt Geld dafür, dass seine Musik im Radio und Fernsehen gesendet wurde oder andere Musiker und Bands seine Songs gespielt haben. Das empfindet Rill immerhin als „schönen warmen Regen“.

LINKS: | www.makusrill.net | www.lifeofanowl.de | www.carolin.no

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Foto: Benjamin Br端ckner


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Chöre für die deutschen Cowboys Würzburgs Musikforscher vermessen ein Feld für interdisziplinäre Kulturgeschichtsschreibung von Joachim Fildhaut / Foto: Allie Caulfield

+ Vor zwei Jahren bekam die Würzburger Uni ein Archiv geliehen – das für Chorforschung. Zeit für eine Bilanz, oder? Oder sind Chöre intellektuell uninteressant? Kümmert deren Erforschung niemanden außerhalb des Deutschen Chorverbands, der in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiert? Er tat’s mit dem Titel „Vom Freiheitskampf zur Freizeitgestaltung“. Die Stichwörter betonen die Relevanz der Chorforschung unüberhörbar, erinnern an die politische Rolle gemeinschaftlichen Singens zur Mitte des 19. Jahrhunderts – parallel zum teutschen Turnerwesen – ebenso wie daran, dass sich speziell an Laienchören mentalitätsgeschichtlich und soziologisch einiges ablesen lassen dürfte. Kurz: Das Festmotto stellt in vier Wörtern klar, dass in einem „Archiv für Chorforschung“ ein Wissenschaftsfeld für inhaltlich aufwühlende interdisziplinäre Recherchen ruhen dürfte.

„Vom Freiheitskampf zur Freizeitgestaltung“… … hieß nun zumal eine Ausstellung in der Frankfurter Paulskirche, mithin an der allerersten Adresse demokratischer Erinnerungskultur. Und organisiert wurde sie vom Würzburger Institut für Musikforschung an der Domerschulstraße gegenüber der Alten Universität. Dass die Leitung beim Lehrstuhl für Musikpädagogik lag, passt durchaus zum Chorwesen. Schließlich geht es der Fachpädagogik darum, Musikgeschichte zu vermitteln. Und da eignet sich das Ausstellungmachen und Katalogtexten hervorragend als praktische Übung für Studierende. Nach Würzburg kam das Archiv ganz einfach: Sein Träger ist der oben genannte Deutsche Chorverband bzw. die Stiftung Dokumentationsund Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens, deren wissenschaftlicher Leiter Würzburgs Musikpädagogik-Lehrstuhlinhaber Prof. Friedhelm Brusniak ist. Mit Sitz im Sängermuseum Feuchtwangen liegt die Stiftung nicht allzu fern von Mainfranken. Das Museum wiederum ist der Nachfolger des Deutschen Sängermuseums, das Ende des Zweiten Weltkriegs im Nürnberger Katharinenkloster ausgebombt wurde. Der ausgelagerte oder sonstwie gerettete Bestand von 3000 Exponaten bildet nun eins der zwei Konvolute im eingangs gemeldeten Archiv für Chorforschung. KulturGut 10 | Seite

Warten auf Musik: So kennt man die Nürnberger Katharinenruine vom Bardentreffen. Bis 1945 st ellt

Diese Nürnberger Sammlung war nun ausgesprochen prominent bestückt. 1925 gegründet, legten die Nationalsozialisten nach der Übernahme ihren Ehrgeiz darein, dass hier jeder deutsche Komponist und Schriftsteller, der mit Chorliedern in Verbindung stand, mit einem Autographen präsentiert werde. Dieses Unterfangen trieben sie sehr weit in die kulturgeschichtlichen Verästelungen hinein. Hölderlin, wegen der Reinheit seiner Ideale einer ihrer Helden, war vertont worden? Ei-

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Marc Quinn, AAA GTATA GGCAG, 2009, Sammlung Würth, Inv. 13583, Foto: Ulrich Ghezzi, © Marc Quinn, 2012

Von Kopf bis Fuß

Menschenbilder im Fokus der Sammlung Würth Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall 28. September 2012 bis 2. Juni 2013 Täglich 11 bis 18 Uhr Eintritt frei

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Swiridoff Verlag.

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Alle Aktivitäten der Kunsthalle Würth sind Projekte der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

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d e r J a z z i n i t i a t i v e W ü r z b u r g e . V.

28. JAZZFESTIVAL

KUNSTHALLE Lange Straße 35 74523 Schwäbisch Hall Fon +49 791 94672- 0 www.kunst.wuerth.com

• Jarrett • Bründl • Freeman • Feith • LBBB • Klingeberg

5 st ellten die Nazis hier unter den „Reichskleinodien“ auch wertvollste Noten-Originale aus.

ne Handschrift von ihm musste her und kam her. – Die Einheit von Volk und Staat im Lied zu dokumentieren mochte auf Marbach-Niveau betrieben worden sein. Nach dem Ende des „Tausendjährigen Reichs“ sickerten die Reste der Nürnberger Sängermuseum-Sammlung an vier verschiedenen Standorten aus dem Bewusstsein der Deutschen komplett heraus. Wer etwas ausleiht, tut das selten ganz uneigennützig. Die Stiftung stellte ihr Material denn auch einer wissenschaftliKulturGut 10| Seite

27. & 28. Oktober 2012 jeweils 19 Uhr im Felix-Fechenbach-Haus

VVK Falkenhaus, Neuer Weg www.jazzini-wuerzburg.de.

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Mit der Erschließung des Archivs für Chorforschung begann eine Publikationsreihe im Würzburger Verlag Königshausen & Neumann. Prof. Friedhelm Brusniak gab „Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung des Rückert-Gedichtes‚ Ersatz für Unbestand’ im Deutschen Musenalmanach von 1840“ heraus.

chen Auswertung zur Verfügung, von der sie selbst in aller Zukunft profitiert, zunächst einmal ganz sicher von den neuen Inhaltsverzeichnissen des Archivs. Zudem ging ein Würzburger Forschungsprojekt der Frage nach, wieviel von der Nürnberger Autographensammlung wohl wirklich verschwand. Ab 2010 sahen Studierende akribisch die Zeitschriften des Deutschen Sängerbunds – Vorläufer des heutigen Chorverbands – auf Meldungen über Sammlungs-Neuzugänge durch.

Verbrannte Sammlung erschlossen So ermöglichen die zwei Forschungsjahre festzustellen, was genau damals verloren ging – neun Zehntel der Originalnoten und Dichterworte! Aber, hebt Projektleiter Brusniak die Hand: „Jetzt wissen wir zum ersten Mal, wonach wir suchen müssen.“ Hat man doch die Erfahrung gemacht, dass nicht alles verloren Geglaubte tatsächlich verbrannte. Musterbeispiel: Ein Bibliotheksmitarbeiter bildet aus den Beständen einen Handapparat, der andernorts aufgestellt ist, als der Löwenanteil der Bücher in Flammen aufgeht. In Nachlässen könnten KulturGut 10 | Seite

heute noch bedeutende Teilbestände schlummern. Weitere Exponate können als Leihgaben „draußen“ gewesen sein. Und einige frühere Stifter mögen wegen der Kriegswirren ihre Exponate zurückerbeten haben. Die erste systematische Bestandsaufnahme der Autographensammlung förderte sogar handschriftliche, nicht vervielfältigte und seit ihrem Entstehen nicht mehr aufgeführte Kompositionen zutage! So erklang mittlerweile E. T. A. Hoffmanns – mit einer unbekannten Privatsammlung verschollen geglaubter – Serapionswalzer. Nun beflügelt die Möglichkeit einer Ersteinspielung nicht nur die Karriere von Musikern und Verlegern. Wenn knapp 200 Jahre nach ihrem Entstehen die Klavierstücke von Soireen der Romantik wieder wahrnehmbare Gestalt annehmen, dann bekommt der Hörer einen neuen, unmittelbaren Zugang zur Salonkultur jener Epoche. „Wir öffnen auch mit solchen Funden ein Zeitfenster zu faszinierenden Kulturbildern“, umreißt es Prof. Friedhelm Brusniak, der sein Tun auch als „musikalische Volksbildung“ begreift und weiß: „Die Freude der Menschen an solchen Blicken ist heute sehr groß.“

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Hochromantisch: Neue Noten Brusniak erläutert die Relevanz der Sichtung: „Der Nürnberger Bestand ist jetzt so weit aufgearbeitet, dass wir den Antrag auf ein Forschungsprojekt stellen können.“ All das spielt sich nicht allein hinter dicken Universitätsmauern und in Tonstudios ab. Eine Bundestagsabgeordnete hat sich bereits so weit in die Materie gearbeitet, dass sie sich auf politischer Ebene für die Fortsetzung des Begonnenen einsetzen kann. Möglicherweise bleibt die Leihgabe auch über die angepeilten zwei Jahre hinaus in Würzburg.

Der Maler

HerMann Hesse 3.11.2012 bis 3.2.2013

Das zweite Dreitausend

MuseuM iM KulturspeicHer Würzburg

3000 Handschriften und Briefe, Erstausgaben, Fotos und andere Quellen des deutschen Chorwesens verwaltet die Stiftung. Zufällig genausoviele Bücher, Zeitschriften und Musikalien bilden ein zweites Konvolut der Feuchtwangener, darunter sehr viele Festschriften von Chören und Vereinen aus den 150 Jahren des Deutschen Sängerbunds. Diesem Dachverband in der alten Heimat schickten Auswanderer oft und gern ihre Jubiläumsschriften. Zehn Jahre Sangeslust in Texas – das waren noch Traditionen! Manches Schmuckstück illustriert reich und farbig die Kulturprägungen in deutschen Kolonien und das weltweite Netzwerk, das der Sängerbund interkontinental knüpfte. Hier liegt ein Schatz für biographische Forschungen, sind diese Schriften „teilweise doch mit einer Akribie verfasst, die uns staunen lässt“, bemerkt Prof. Brusniak. Und nicht nur die überseeische Alltags- und Kulturgeschichte profitiert von der Bibliothek. Im Inland stellt sich beispielsweise die spannende Frage nach dem Verhältnis von bürgerlichen Liedertafeln, Bauern-, Frauengesangsvereinen und Arbeiterchören. Die Geschichten von Fusionen (vor allem von gescheiterten Fusionen) und Spaltungen (gelungenen) zeigen, mit welch harten Bandagen Sänger kämpfen und intrigieren konnten. „Da kann man verstehen lernen, welche Triebkräfte in der Gesellschaft wirken“, sinniert der Musikpädagoge und fragt: „Wie wird Kultur gestaltet? Da tun sich ganz neue Forschungsfelder auf.“ Bzw. werden weiße Flecken der Forschungslandschaft sichtbar gemacht. So erscheint die Geschichte der Sängerkriege vorzugsweise als eine der Sieger, nämlich der männlichen Liedertafeln. Die beherrschten die Überlieferung – zu Ungunsten der Arbeitersängerbewegung, des Chorwesens auf dem Land und in der DDR. Und: Frauen durften früher keine Vereine gründen. Deswegen ist die Historie des weiblichen Gruppengesangs in keinen Vereinsschriften überliefert. Das Bedürfnis nach Informationen besteht jedoch. Im Institut für Musikforschung treffen laut Brusniak „immer mehr Anfragen aus der Gender-Forschung ein“. Und auch die Paulskirchenausstellung, basierend auf zahlreichen zuvor unausgewerteten Quellen, richtete sich nicht nur in die Vergangenheit. Jede der zehn Tafeln zur 150-jährigen Geschichte deutschen Singens behandelt ein Gegensatzpaar von Begriffen, die es politisch in sich haben: „Offenheit & Ideologie“ ebenso wie „Freiheit & Unterdrückung“. Ausstellungsbesucher vom Fach waren von der nichtchronologischen Schautafel-Folge angetan. Sie interessierten sich nicht nur dafür, die Ausstellung zu übernehmen, sondern besonders für die Methode, für die Ausstellungsdidaktik. Da setzten Modelle der Musikpädagogik zukunftsweisende Akzente.

Museum im Kulturspeicher Würzburg Oskar-Laredo-Platz 1, 97080 Würzburg www.kulturspeicher.de Öffnungszeiten Di.13-18 Uhr Mi., Fr., Sa., So., 11-18 Uhr Do., 11-19 Uhr Mo. geschlossen

LINK: | www.musikwissenschaft.uni-wuerzburg.de KulturGut 10| Seite

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Hermann Hesse, Blick von Certenago Richtung Porlezza, 2. Oktober 1927, Aquarell, Grafit und Kreide, Privatbesitz © Hermann Hesse-Editionsarchiv, Volker Michels, Offenbach am Main.

„… die Grenzen überfliegen“


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 weitere Informationen: www.kulturgut.wuerzburg.de

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Musik |

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Luther

7. Oktober, 18 Uhr, St. Stephan Andreas Hantke ist Kirchenmusikdirektor und leitet den Kantatenchor München. Damit hat er ein transparent klingendes Ensemble an der Hand, um die Polyphonie seines Oratoriums über den Reformator umzusetzen. Biographisch in acht Sätze unterteilt, setzt das Libretto auch einige programmatische Aussagen in die Welt. In Würzburg leitet Hantke seinen Chor, die Münchner Streicher sowie die Solisten Thomas Gropper (Bass) und Konrad Wipp (Sprecher). | www.wuerzburg-ststephan.de ++++++++++++++++++++++++

28. Jazzfestival

27. und 28. Oktober, 19 Uhr, Felix-Fechenbach-Haus Die veranstaltende Jazzinitiative Würzburg e.V. tut was für eine der aufregendsten Musikgattungen des 20. und 21. Jahrhunderts, sie fördert die Ausübenden und hebt das Image dieser Kunst über Vorurteile hinweg ans Licht der Öffentlichkeit. Dabei beschränkt sich der Verein auf einen sinnvollen Wirkungskreis, die Region, den deutschsprachigen Raum. Wenn aber Stars aus dem Mutterland des Jazzes anklopfen, dann sollen die auch mitspielen. Zwei klangfarbenfrohe Abende u. a. mit Chris Jarrett, Chico Freeman, Manfred Bründl, Martin Klingeberg, Andreas Feith und Dominik Raab. | www.jazzini-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Polychrome Orchestra

27. Oktober, 20 Uhr, Trinitatiskirche Das„Ensemble für zeitgenössische und improvisierte Musik“ interpretiert Werke junger Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum. Dazu Musiker mit

Termine |

lässt sich Komponist, Dirigent und Organist Henrik Ajax von Bob Dylan und Björk ebenso beeinflussen wie von J. S. Bach, Mozart, Mahler und Ligeti. Neben Liedern von Oxana Omelchuk werden Solostücke für Akkordeon sowie für Stimme und Elektronik zu hören sein. Sängerin ist die auch als Peggy Herzog bekannte Pegelia Gold. Cello, Bass, Saxophon, Flöte sind gesetzt. Alexander Wienand spielt Klavier und Celesta. | www.trinitatiskonzerte.de

Ruhm ein als wahnsinnig schneller, ebenso eleganter wie harter Bluesrockgitarrist mit unglaublicher Intensität… Seine 2011er Tour zeigte einen trockenen (was den Alk betrifft) Virtuosen, der im Quartett zwischen den akustischen Leitplanken seines Zweitgitarristen Paul Nelson Dauer-Power-Soli hinlegte. | www.posthalle.de

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Ein deutsches Requiem

Alexanderfest

27. und 28. Oktober, 20 bzw. 17 Uhr, Neubaukirche Der Fränkische Sängerbund feiert – wie viele ähnliche Zusammenschlüsse im Jubiläumsjahr des Deutschen Sängerbunds - seinen 150. Geburtstag. Als Ständchen höchster Art bringt ihm der Monteverdichor Würzburg Georg Friedrich Händels „Alexanderfest“. Wahrhaft apotheotisch: Eine Bilderfolge stellt dar, wie Alexanders Sieg über die Perser beweihräuchert wird, auf weltliche Weise. Aber das ist noch gar nichts dagegen, wie die Heilige Cäcilia, Patronin der Musik, von Himmel herabsteigt und den Jubel mitgestaltet. | www.hochschulchor.uni-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Johnny Winter

6. November, 20 Uhr, Posthalle Vor seinem Debüt als 17-Jähriger hatte der Bluesgitarrist ein Problem. Er hing im Club von B. B. King herum, als einziger Weißer. Das konnte für den Inhaber nur bedeuten: ein Steuerfahnder! Doch sobald der junge Texaner in die Saiten griff, flogen ihm auch die Herzen seiner afroamerikanischen Mitbürger zu. Das war 1961. In den nächsten 20 Jahren fuhr Winter KulturGut 10 | Seite

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10. November, 19.30 Uhr, St. Johanniskirche

Der Oratorienchor Würzburg singt unter der Leitung von Matthias Göttemann gemeinsam mit der Thüringen Philharmonie Gotha Johannes Brahms’ Erneuerung der Gattung: Hier steht erstmals der irdische Mensch mit seinen Nöten im Vordergrund eines Requiems. Von dieser Diesseitigkeit der Klagegesänge hebt sich die Hoffnung auf Erlösung umso klarer ab. Brahms’ „Tragische Ouvertüre“ stimmt auf das Hauptwerk ein. | www.oratorienchor-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Württembergisches Kammerorchester Heilbronn 17. November, 20 Uhr, VCC

Beim 7. Benefizkonzert der Medienunternehmen Würzburgs sitzt Mona Asuka Ott am Flügel. Die ausgezeichnete Absolventin der hiesigen Musikhochschule konzertiert mit einem der gefragtesten Kammerorchester weltweit. Vielseitigkeit, Dynamik und Virtuosität verbinden sich mit einer tiefen musikalischen Einfühlsamkeit bei den Klavierkonzerte von Haydn und Mozart. | www.wuerzburger-benefizkonzert.de


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Musik |

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Ganes

21. November, 20 Uhr, Posthalle Die drei Frontmädels aus Südtirol spielen mit ihrem Putzigkeitsbonus, ohne ihre musikalische Glaubwürdigkeit zu verspielen. In leiseren Passagen geben sie sich manchmal leicht mystisch, aber nur kurz, dann machen die Klampfenistinnen schon wieder Druck. Ein bisschen trägt auch die Sprache ihrer Gesänge, das Ladinische, zum geheimnisreichen Touch bei. | www.posthalle.de ++++++++++++++++++++++++

Bach und Mozart 27. November, 20 Uhr, Hochschule für Musik

Kenner bewundern die Goldberg-Variationen des Pianisten Konstantin Lifschitz wegen seiner Gleichbehandlung der Stimmen für die rechte und linke Hand – und, übergeordnet, dafür, welchen inneren Zusammenhalt er den Variationen einer Arie (ursprünglich zu Beruhigungs- und Einschlafliedern für den Hochadel) gibt. Schon als 19-Jähriger, vor 17 Jahren, erhielt er den Echo-Musikpreis für seine Bach-Interpretation. An diesem Abend spielt er zudem einige Stücke von Mozart. Beide Komponisten sind Thema der Bachtage mit ihren zehn Konzerten zwischen dem 23. November und 2. Dezember, meist in der St. Johanniskirche. | www.bachtage-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Denis Patkovic

29. November, 19.30 Uhr, Kulturspeicher Die Reihe „Klangraum Kulturspeicher“ stellt den in Calw geborenen klassischen Akkordeonisten Denis Patkovic in Würzburg vor. Der überrascht mit mancherlei: impressionistischen Klangflächen (Was

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das Instrument alles hergibt!), eigenwilligen TangoSkelettierungen (auf Südamerika-Tour), äußerst befremdlichen Bach-Variationen („Gold Mine“). Vor und bei ihm ist nichts sicher, außer dass er sein Instrument aufs vielseitigste beherrscht. Und dass er in der Akustik des Museumsfoyers gut aufgehoben ist. | www.kulturspeicher.de ++++++++++++++++++++++++

Alte Weisen

9. Dezember, 17.30 Uhr, Mainfränkisches Museum Ein Jubiläumsjahr wirft sein Kerzenlicht voraus: Die Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte laden mit dem Museum zu dieser „Museumsweihnacht“, deren Erlös den gesteigerten Museumsaktivitäten 2013 zugute kommt. Dann wird auf der Festung nämlich 100. Museumsgeburtstag gefeiert. Der Vorverkauf beginnt am 6. November, auch im Handwerkerhaus in der Pleicherkirchgasse 16. | www.mainfraenkisches-museum.de ++++++++++++++++++++++++

Oh Happy Day

4. Januar, 20 Uhr, CCW Kenner der Original USA Gospel Singers & Band schauen sich vor Beginn des Konzerts ihre Sitznachbarn ganz genau an. Es ist nämlich erklärtes Ziel der Combo, durch die spirituelle Kraft der Gospel (sie sprechen es bei ihren Moderationen gern „Gaspel“ aus, was erstmal gewöhnungsbedürftig klingt) die Menschen einander nahe zu bringen. So nahe, dass sie sich fast in den Armen liegen. Das entspricht nicht ganz dem fränkischen Naturell, so dass fast niemand befürchten muss, in allzu große Nähe mit seinem Nächsten zu geraten. Aber schön ist diese Musik allemal. | www.eventim.de KulturGut 10 | Seite

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Himmelspforten

17. und 18. Januar, 20 Uhr, Hochschule für Musik Das 3. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters stößt die Tür zu einer weiteren Kooperation auf: Für das Programm „Himmelspforten“ bekommt das städtische Ensemble Verstärkung vom Sinfonieorchester der Musikhochschule. Werke von Joseph Haydn, Anno Schreyer und Gustav Mahler sind zu bewältigen. Der Kontext dieser zwei philharmonischen Ereignisse ist ausgesprochen perspektivisch: Die Konzertreihe beginnt am 25. Oktober mit dem Motto „Nachtzeit“, in Monatsabständen gefolgt von „Nordlicht“, „Blickpunkt“, Wechselspiel“ und „Weitsicht“. | www.theaterwuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Blockflöte des Todes 19. Januar, 21 Uhr, Cairo

Den heutigen jungen Menschen kann man reinen Gewissens keinen Funny van Dannen anbieten. Und was die perfekte musikalische Highschool-Attitude angeht, kommt der ewigkeitswertliche Jonathan Richman für unsere 16-Jährigen einige Jahrzehnte zu spät. Wie gut, dass beide Großmeister der kleinen Form ein Kind bekamen. Es heißt Matthias Schrei, ist 31 Jahre alt und müsste, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, von beiden Elternteilen sehr geliebt werden. Wir werden uns das anhören. | www.cairo.wue.de ++++++++++++++++++++++++


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Klangskulpteure Das Duo Die Autoinduktive musiziert Dreidimensionales Text und Bild von Joachim Fildhaut

+ Wenn Bildhauer musizieren, entsteht nicht notwendig eine Skulptur. Doch wenn Jan Polacek und Dierk Berthel Freie Musikwerke von guter alter LP-Länge improvisieren, dann gestalten sie eher den Raum als die Zeit, welche ja das eigentliche Element der Musik wäre. Eine besonders schöne Bühne schuf sich das Rhöner Duo Die Autoinduktive im Rahmenprogramm der unterfränkischen BBK-Ausstellung „Augen auf und durch“ im Kloster Wechterswinkel nördlich von Bad Neustadt. Der Luftraum zwischen Kirchenschiff und Museumstrakt, in den die Instrumente von unten hineinragten, könnte das Modul einer Skulptur von Berthel oder – eher – Polacek sein. Berthel begrüßte das Publikum denn auch als „Freunde der raumgreifenden Melodie“.

sondern klopft. Verzicht auf das Metrum – hier tut sich Polacek weiter hervor als der oftmals zum E-Bass greifende Berthel – heißt aber: Die Musiker verwischen die Zeit, ordnen stattdessen die drei Dimensionen. Diese Strategie hat Methode. Das beginnt bei den verteilten Rasseln, Instrumenten, die nie einen völlig präzisen Akzent setzen. Und wenn die Herren Loops einspeisen, kleben sie das digitale Endlosband oft recht wurstig, so dass auch hier keine eindeutige Zeit-Segmentierung stattfindet.

Die Raum-Indizien verdichten sich

Breitet sich ein Echo stärker im Raum oder in der Zeit aus?

Das letzte Wort spielt im Lauf der nächsten Stunde allerdings die geringste Rolle. Weder Melodie noch Harmonie – von den drei Kategorien der klassischen Musikbetrachtung steht der Rhythmus im Vordergrund, zumal ein perkussives Stück den Anfang macht. Dabei hat es etwas Raumgestalterisches, wenn Jan Polacek mit einem Arm voller Rasseln behutsam die Stuhlreihen entlang schreitet und ausgewählte Instrumente an Zuhörer in der Fläche verteilt. Es entsteht eine Quadro-Zone unplugged. Musik greift in den Raum. Und das Duo zu Schlagstöcken, den Rhythmusgebern par excellence. Nur handhabt Die Autodinduktive ihre Hölzer weniger, um einen Beat zu generieren,

An der Trompete ist Jan Polacek ein großer Freund des Echogeräts – das einen imaginären Raum schafft. So mehren sich die Zeichen, dass Die Autoinduktive die Musik nicht als Ereignis in einer eindimensional fließenden Zeit auffasst, sondern in und mit der Zeit an einer Plastik knetet, so weit die Schallwellen tragen. Zudem hat Jan Polaceks E-Gitarrenspiel etwas ausgesprochen Materialerkundendes, wie er sich mit Glaszylindern und Kontaktmikrophonen über das Instrument on the table hermacht. Die Effekte von der Werkbank klingen durchaus kosmisch, allerdings weniger nach Orbits durchs Vakuum als nach Probebohrungen in den Mineralschächten fremder Planeten. Über al-

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ledem gibt es eine Eigenschaft, die sich der Zuordnung zu Zeit oder Raum entzieht: Beide wirken höchst spannend zusammen. Jeder intensiviert die Klänge des anderen, meist jedenfalls. Und man reagiert auf Überraschendes – nicht sonderlich schnell, sondern so, dass eins aus dem andern hervorzuwachsen scheint. Und das ist sie dann, die raumgreifende Melodie.

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INFo: Schloss oberschwappach zeigt bis 28. oktober die Ausstellung „Dierk Berthel, Skulptur. Sandro Vadim, Malerei“. | www.janpolacek.de | www.dierk-berthel.de

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Das Büro leuchtet wie eine Bühne Würzburger Kulturförderpreis für Fotografin Katrin Heyer von Joachim Fildhaut / Foto: Steffi Scherbel

+ Einer der drei Kulturförderpreise der Stadt Würzburg geht in diesem Herbst an die Stadtfotografin von Darmstadt. Nach Hessen? Nein, Katrin Heyer lebt in Zell, vor den Toren der Zellerau. Und Darmstadt erkundete sie in dem prestigeträchtigen Amt nur ein Jahr lang, 2004. Dafür unterbrach sie ihr Studium an der Essener Folkwang-Schule, das sie schon mit Aufschub angetreten hatte, weil sie vor dem ersten Semester ein Stipendium für Barcelona erhalten hatte. Man sieht, der Würzburger Preis findet eine würdige Empfängerin. In der schillernden Gegenwartsfotografie – das Genre behauptet sich auf dem internationalen Markt ja sehr gut – nimmt sich das Opus der Künstlerin unspektakulär aus, gerade vor dem Hintergrund ihres Bekenntnisses: „Ich liebe das Inszenieren!“ Sie arbeitet fast immer in Reihen (Ausnahme ausgerechnet: das große Schwangeren-Tableau in der Ausstellung „Gott weiblich“), und auf irgendeine Weise spielt der Raum selbst eine wesentliche Rolle. Oft geht es darum, wie Menschen den Raum gestaltet haben – das Theatralische rührt dann gar nicht von der Mittdreißigerin hinter der Kamera, sondern von Personen, die, wenn es hoch kommt, selbst Teil des Bildes sind. „Raum und Körperlichkeit“ nennt Heyer denn auch als Konstanten ihres Schaffens, „Künstlichkeit und Natürlichkeit“ ein anderes Begriffspaar. Ihre Landschaften beispielsweise sind für sie ebenfalls „Bühnenräume, in denen man allerdings nur noch die Spuren früherer Geschehnisse findet“. Dabei überrascht sich die Fotografin gelegentlich selbst mit neuen Fragestellungen, bei denen ihr erst allmählich aufgeht, wie genau die wieder und immer noch auf ihrer Linie liegen.

tiefer mit Geschichte und Theorie des Fotografierens befassen, wollte weitere Techniken kennen lernen und bei speziellen Fragen nicht nur einen einzigen Professor konsultieren können. Vor allem fand sie in Essen die Haltung: „Folkwang ist weniger Wissensvermittlung, sondern du wirst immer nur gefragt: Warum machst du das? Was interessiert dich daran?“ So lernte sie, dass es darauf ankommt, „herauszufinden, was du fotografisch willst“. Die Zweifach-Absolventin geht nicht davon aus, dass dies ein endlicher Prozess sein wird. Ein sehr wesentlicher Schritt in dieser Entwicklung gelang ihr in den letzten Jahren. Zuvor habe sie lange mit sich selbst „gerungen, ob dieses Nebeneinander von Auftragsarbeiten und Kunst gut geht: Kann ich diesen Auftrag jetzt annehmen oder muss ich mich dann schlecht fühlen, weil ich doch eigentlich Künstlerin bin?“, zitiert die talentierte Rednerin ihren inneren Kampf. Die Lösung kam mit der Praxis, in der sie immer wieder erfuhr, wie beide Seiten sich befruchten können. Da lernte sie bei den „Jobs“ technische Fertigkeiten, wurde schneller, lernte Menschen kennen, und all das kam dem freien Schaffen zugute. In der Gegenrichtung wirkte der Impetus, Dinge zu erforschen, wirklich Neues herauszufinden und auszuprobieren, „so dass ich weiß, dass es funktioniert, und es auch Kunden vorschlagen kann“. So ist es nicht ausgeschlossen, dass sie einmal eine Kunstausstellung mit Auftragsarbeiten bestückt.

InfoS: Veröffentlichungen:

Schule des Hinterfragens

Ernst-Thälmann-Schule, Mitteldeutscher Verlag 2006; Just look inside. Debütantenkatalog des BBK Unterfranken 2012. Weitere Förderpreise der Stadt Würzburg gehen 2012 an den Jazzpianisten Marco Netzband und den klassischen Saxophonisten Johannes Pfeuffer. | www.katrinheyer.de

Dass sie ihre Sache so konsequent betreiben kann, hat eine gute Grundlage. Ihrem Abschluss in Kommunikationsdesign an der FH Würzburg-Schweinfurt mit mehrjähriger Assistenz beim Architekturfotografen Prof. Dieter Leistner schloss sie das oben erwähnte Folkwang-Studium im gleichen Fachbereich an. Katrin Heyer wollte sich KulturGut 10 | Seite

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FINE A.R.T.S. 2012

5. bis 7. Oktober, Museum im Kulturspeicher Altes und Rares, Trendiges und Schönes zeigen 38 regionale Aussteller bei der achten Kunst- und Antiquitätenmesse. Dazwischen haben die Museumsleute Skulpturen der Haus-Bildhauerin Emy Roeder geschmuggelt, am Samstag gibt es Schnupperführungen zur Konkreten Kunst (ab 18.15 Uhr) und die Performance „Körper Skulpturen“ von Angelika Summa (20.30 Uhr). Am Samstagabend spielt das sechsköpfige Würzburger United Heart Ensemble Globalmusik, u. a. mit Matthias Zippel (Saxophon) und Thomas Hupp (Percussion). | www.fine-arts-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Jannis Kounellis

19. Oktober bis 20. Januar, Museum am Dom Der heutige Altmeister der italienischen Gegenwartskunst kam 1956 als Zwanzigjähriger zum Kunststudium nach Rom und blieb. Anfang der 1960er Jahre begann er, banale Alltagsgegenstände in seine Gemälde zu integrieren, nahm 1967 an der Ausstellung „Arte Povera e IM Spazio“ in Genua teil und konnte sich schnell auch international als bedeutender Vertreter dieser spezifisch italienischen Kunstbewegung etablieren. Er arbeitet oft monumental und meist provozierend und soll auch in Würzburg mit einer Installation hervortreten. | www.museum-am-dom.de ++++++++++++++++++++++++

Termine |

Leuchtstücke

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bis 21. Oktober, BBK-Galerie Selcuk Dizlek ist ein Schrauber unter den modernen Skulpteuren, ein Kleber und Zusammenstecker. So verarbeitet er farbige Plexiglasscheiben zu ziemlich dicken Wandbildern, und manche seiner Werke kann man am besten sehen, wenn es vollkommen dunkel ist. Das sind dann seine Lichtmobiles und andere Gestaltungen aus Leuchtstoffröhren u. ä. Mit „Gewebtes Licht“ stieß der 36-jährige Schweinfurter und Meisterschüler an der Nürnberger Kunstakademie 2011 ins ZKM Karlsruhe vor. Eine kleine Werkauswahl erhellt den Kunstraum im linken Flügel des Kulturspeichers. | www.bbk-unterfranken.de ++++++++++++++++++++++++

Kunst geht fremd

28. Oktober, 14.30 Uhr, Mainfränkisches Museum Der 325. Geburtstag Balthasar Neumanns bestimmt die zweite mainfränkische Museumstauschaktion sieben Institutionen sind in diesem Jahr beteiligt. Aus den städtischen Sammlungen Aschaffenburg stammt ein zur Krönung Karls VI. gefertigter böhmischer Glaspokal, den das Museum in der Festung noch bis Ende Oktober zeigt. Die Verbindung des Wanderpokals zu Neumann? Auf der Rückreise von Frankfurt nach Wien wurde der neue Kaiser 1712 auch in Würzburg glorios gefeiert - Salutschießen wie Festfeuerwerk fielen dabei in Neumanns ureigenste Domäne. Museumsleiterin Claudia Lichte folgt an diesem Sonntagnachmittag den vielfältigen Spuren des gelernten Geschützgießers, Ernstund Lustfeuerwerkers und Baudirektors in ihren Beständen. | www.mainfraenkisches-museum.de

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Mehr Sicht als Land

bis 31. Oktober, Kunstschiff Arte Noah Die international anerkannte Nürnberger Medienkünstlerin Stefanie Pöllot befasst sich mit Bewegung, öfters in Form von Raum-in-Raum-Kompositionen. Dazu verwendet sie gern Flüssigkeiten. Für den Innenraum des Kunstschiffs, den bisweilen Sonnenreflexe von Mainwellen durchkreuzen, entwarf sie eine eigene Installation, zu der auch das Surren von Schmalfilmprojektoren gehört. | www.kunstverein-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Kunst und Natur im zeitgenössischen Blick

bis 2. November, IHK, Mainaustraße 35 Werke von Isolde Broedermann, Renate Jung und Verena Rempel sind sich bewusst: Es gibt kaum einen Gegenstand, mit dem sich Kunst mehr befasst, als mit der Natur - und dennoch ist sie ihr Gegenteil. So erfinden die Künstler Natur mehr oder weniger neu, machen sie zur Projektionsfläche, versuchen die Distanz zu ihr aufzuheben und machen diese gleichzeitig deutlich. Dabei steht die Malerin Jung in der Tradition des europäischen Stilllebens. Isolde Broedermann verschmilzt geometrische und vegetabile, neuerdings auch animalische Linienführungen. Verena Rempel schafft Blüten- und Pflanzenkompositionen aus Fotografien von Händen, die sie am Computer zu Ornamenten montiert. Aus Kombinationen unterschiedlicher Gesten und Farben entstehen florale Muster und Flächenstrukturen. Der 124-seitige Jubiläumskatalog „25 Jahre Kunst in der IHK“ ist im regionalen Buchhandel erhältlich. | www.wuerzburg.ihk.de


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Konzerte und Menschen

bis 2. November, KulTour, Kitzingen Der Kitzinger Fotograph Hans Will bringt uns in der recht neuen Musikkneipe KulTour in der Rosenstraße Menschen näher, ob sie nun musizieren oder nicht. Für den Betrachter ist es ein bisschen vorteilhaft, sich für Pop im Allgemeinen zu erwärmen. Geöffnet ist die Kneipe jeden Abend. Eine weitere WillAusstellung ist schon geplant: tätowierte Menschen. Hierzu sucht Hans Will noch Tätowierte, die sich gerne ablichten lassen möchten. hw@biffo4all.de ++++++++++++++++++++++++

… die Grenzen überfliegen 3. November bis 20. Januar, Museum im Kulturspeicher

Die 2000 Aquarelle Hermann Hesses und seine Zeichnungen sind mehr als nur das Produkt einer Nebenbeschäftigung des Schriftstellers. Sie bilden wesentliche Momente seiner „künstlerischen Gesamtpersönlichkeit“, charakterisiert Henrike Holsing, stellvertretende Leiterin des Museums im Kulturspeicher, die Wechselausstellung, die nach Stationen in Montagnola und Bern nun ein einziges Mal in Deutschland zu sehen ist. Phasenweise lebte Hesse mehr als Maler denn als Mann des Worts, wenn er in Sommern über Wochen hinweg ausschließlich der bildenden Kunst nachging. Vor allem aber: Malen war ihm eine existenzielle Angelegenheit. Seine Träume zu zeichnen trug ihm ein Therapeut der Jung-Schule auf – eher finstere Visionen und Selbstporträts entstanden. Dieses Frühwerk wurde erst spät im Literaturarchiv Marbach erschlossen. Seine Präsentation macht die

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Ausstellung zur ersten vollständigen Retrospektive des Malers Hermann Hesse. Zu der natürlich Landschaften mit einfacher Architektur gehören. Dass wir bei diesen Motiven an August Macke denken, ist übrigens kein Zufall; mit dem reiste Louis Moilliet nach Tunis, besuchte anschließend Hesse, und beide wurden Freunde fürs Leben. 200 Exponate überfliegen die Grenzen in dieser in sich runden Sonderschau. | www.kulturspeicher.de

ber an, am 11. November stehen beteiligte Künstler im Rahmen einer lockeren kleinen Matinée Rede und Antwort. | www.vhs-wuerzburg.de | www.museum.uni-wuerzburg.de

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Rückwärts richtet sich der Blick mit der Lochkamera auf die Welt. Fotographie mit einfachsten Mitteln (Schuhkarton) entschleunigt ihre Motive, verwandelt sie in Lichtimpressionen. Durch die extreme Langzeitbelichtung erlischt, was sich bewegt. In der Erdgeschossgalerie an der Münzstraße stellen aus: Nadia Fiedler, Udo Hobert, Peter Knoblach, Bernhard Rauh und Werner Scheithauer. | www.vhs-wuerzburg.de

StaubRaub

11. November, 11 Uhr, Martin von Wagner-Museum Anlässlich der Sommerolympiade begutachtete der Archäologe Felix Röhr einige griechische Vasen in den Vitrinen des Uni-Museums noch einmal neu. Er kam zu dem Ergebnis: Im Sport war manches früher herber, manches einfacher. So wurden Verstöße gegen die Wettkampfregeln gleich vor Ort mit Stockhieben geahndet, eine schmerzhafte Geldstrafe kam dazu. Dafür war das Equipment kleiner – Öl, Striegel und Schwamm für die Körperpflege reichten den nackt antretenden Sportlern in der Regel als Ausrüstung. Die Museumsinitiative, deren Geschäftsführer Röhr ist, führt ganzjährig durch die Universitätssammlungen, um nicht zuletzt den Würzburgern zu zeigen, wie spannend es sein kann, sich immer wieder neu mit vermeintlich altbekannten Objekten zu befassen. Zum unrunden 180. Geburtstag der Institution luden nun Museum und Initiative zehn lokale Künstler ein, je eins der im Museum aufbewahrten und fest zu Würzburg gehörenden Kunstwerke in der Sprache ihrer Zeit und ihres persönlichen Stils neu zu interpretieren. Sonntagsführungen (je 11 Uhr) bietet die Museumsiniative am 28. Oktober und am 9. Dezem-

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Zurück zum Ursprung

bis 20. Dezember, Volkshochschule

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Konkret

13. Januar, 11.15 Uhr, Schröder-Haus Eine Vernissage startet die Ausstellung „Konkrete Kunst von Elmar Döll“, die bis 15. März in Fluren und Saal der Erwachsenenbildungsstätte zu sehen ist. Der Karlstädter, Mitglied in einer internationalen Künstlervereinigung, arbeitet auch beruflich innenarchitektonisch mit Lehm und anderen Erden und Sanden. Die behalten in seinen Konstruktionen ihre Eigenheiten als Material, ja, Döll streicht sie sogar noch heraus. Eben diese Eigenschaft von Kunstwerken, nicht mehr zu sein als sie scheinen, macht das Wesen von Konkreter Kunst aus. | www.schroeder-haus.de ++++++++++++++++++++++++


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Am Anfang stand der Rhythmus Die Höchberger Lyrikerin Kornelia Koepsell von Ulrike Schäfer / Foto: privat

einmal an mit der Begeisterung für etwas, von dem noch gar nicht klar war, wofür es steht und wohin es führen soll. Zu diesem Zauber des Anfangs gehören die Trommeln, die den Takt vorgaben. Mit der Schwester fand und erfand sie Reimwörter in endlosen Reihen. Später entdeckte sie im Bücherschrank des Vaters, abgebildet auf einem Buchrücken, den Scherenschnitt eines Mannes mit Perücke, altertümlich und fremd. Wieder so ein Anziehungspunkt. Es war Klopstock, von dem in der Schule noch nie die Rede gewesen war. Mit fünfzehn, sagt sie und lacht, habe sie die altersgemäße HerzSchmerz-Lyrik geschrieben, aber auch ein Gedicht über die Häuser des hessischen Friedberg, wo sie damals zur Schule ging. Schon da also die Verankerung im Konkreten, die Bindung an Orte und Zeitthemen, die ihre heutige Lyrik prägt. Da geht es um eine Asylbewerberin etwa, den Kanalarbeiter und die Frau im Altersheim, in dem Gedichtzyklus „Von Mythen und Menschen“. Um die Unsichtbaren also, diejenigen, die am Rand stehen. Aber auch um Zeitgeistiges und feine Spuren von Glück im Alltäglichen, wie dem eines Kindes auf dem Heimweg von der Schule: „kein Geräusch der Säge, kein Gebell, das Heft / muss mit Nebensätzen aller Art gefüllt werden, aber noch / ist die Straße nicht gegangen, ist der Hort, / die Sanftheit der Gardinen nicht erreicht, ich muß ein Eis und weit, weit fort, / ein Capri-Eis vom Supermarkt, am Eingang jault / der Spaniel, oh, ich könnte springen, heute ging alles, alles gut.“ Dass die Kunst immer eine Rolle spielen soll in ihrem Leben, wusste Kornelia Koepsell früh. Lange hat sie auch gezeichnet, nahm während der Studienjahre in Frankfurt Zeichenunterricht an der Städel-Abendschule. Psychologie studierte sie aus einem Interesse am Menschen, das auch in ihren Texten zu spüren ist, und arbeitet heute als Therapeutin. Das Zeichnen musste sie aufgeben, weil für drei Leidenschaften die Zeit nicht reicht. Noch heute hängen gezeichnete Kopien alter Meister in ihrer Wohnung in Höchberg, wo sie inzwischen lebt und arbeitet. Auch da also zeigt sie sich, die Affinität zu alten Techniken und Formen, die auch ihr Schreiben auszeichnet.

Das Dichten und das Leben + Musik, Frauen und Männer in bunter Tracht, und über allem die Trommelwirbel: Wenn Festumzüge durch das alte Frankfurt Sachsenhausen marschierten, war Kornelia Koepsell als Kind oft unauffindbar. Da lief sie hinaus und hinterher, magisch angezogen von Rhythmik und Klang. Und heute? Ihre Gedichte werden regelmäßig ins Jahrbuch der Lyrik aufgenommen und erscheinen in Zeitschriften wie „Sinn und Form“, „die horen“ und „Akzente“. Wer einen Blick auf den Literaturbetrieb jenseits von Bestsellerlisten wirft, der erkennt schon an diesen blanken Fakten, dass sie sich in der Welt der Hochliteratur bewegt. Unmittelbar deutlich wird es dem, der ihre Gedichte liest. Und das alles fing KulturGut 10 | Seite

Denn so gegenwartsbezogen die Themen ihrer Gedichte, so traditionsbewusst sind sie in formaler Hinsicht. Eine Serie etwa über Computer-Kriegsspiele hat sie in Oden verfasst, der Gedichtform, in der einst das Vaterland bejubelt und betrauert wurde – „in der extremsten, der mit dem Hebungsprall!“ Aufbauend auf tradierter Form, bewusst in Kontrast gesetzt mit den gebrochenen Themen der heutigen Zeit, komponiert sie so Gegenwartslyrik der ganz eigenen Art. Den Grund, auf dem sie als Autorin steht, kennt sie gut. Jahre nach der Begegnung mit dem Scherenschnitt hat sie Klopstock gelesen – und entdeckt, dass er als Erster die griechischen Odenformen ins Deutsche transformiert hat. So fundiert sie Auskunft geben kann über

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Stadtlauf von Bingen

solche literaturhistorischen Hintergründe dessen, was sie tut, so intuitiv entstehen ihre Gedichte im Prozess des Schreibens selbst. Klang und Metrik hört sie wie nebenbei heraus aus dem Sprachschatz der Gegenwart: „Das Wort ‚Opposition‘ zum Beispiel – ein Chorjambus!“ Als sie noch in Frankfurt wohnte, hat sie ihre Gedichte hin und wieder in Lesungen präsentiert. Bleibt zu hoffen, dass sie diese schöne Tradition im Würzburger Raum fortsetzt.

Plastikbecher mit isotonischen Drinks an den Ständen neben dem Start, am Tisch werden Medaillen sortiert, eng anliegende Sportswear schimmert in allen Farben, mancher reckt seine Brust, Fitness-gestählt unterm Shirt. Einer mit hellblauen Augen über dem knackigem Hintern und mit blondiertem Haar startet als erster, doch schon in der zweiten Runde, ich stehe am Marktplatz vorm Döner, liegt er im Mittelfeld. Viermal passieren die schwer keuchenden Läufer die Fußgängerzone, wo man bei Riesling zuschaut. Und dann, zum Schreck, schwankt eine Frau auf die Bahn im zerschlissenen Mantel und fest am Rollator geklammert, eine Läuferin springt über die Räder, sie stürzt. Einige ziehen die heftig sich sträubende Alte zur Seite, beim spendierten Kaffee klagt sie noch lang vor sich hin. Sieger des Tages ist der kleine Äthiopier, er war nicht aufgefallen, er steht unter den Bäumen, allein.

LInk: | www.poetenladen.de/kornelia-koepsell.htm

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Foto: Christian Schwab

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Können wir moralisch besser kommunizieren? „Ethik & Moral in Kommunikation & Gestaltung“: Tagung zu neuem Forschungsgebiet von Dr. Christian Alexander Bauer

+ Zwei Begriffe prägen unsere Gegenwartskultur, die in den vergangenen Jahrzehnten eine ungeheure Karriere erlebten. Ohne die beiden Gestaltungsprinzipien „Kommunikation“ und „Design“ ist unser Alltag nicht mehr zu denken. Auch das soziale und politische Wesen Mensch wird heutzutage durch Berufung auf Lebenstechniken wie Kommunizieren und Designen beschrieben: Menschen knüpfen das soziale Band durch kommunikative Beziehungen. Sie bringen diese Kommunikationen in Form, gestalten also Informationen in kommunikativen Handlungen. Ganz nebenbei werden wir dabei selbst mit-gestaltet. In kommunikativen Handlungen zeigen wir, was wir über Gesellschaft und Welt im Allgemeinen zu wissen glauben. Grundiert und ergänzt wird dieses lebensweltliche Wissen durch die Massenmedien. Sie bieten den Mainstream dessen an, worüber sich das geneigte Publikum zu verständigen hat. Man darf behaupten: Die Welt ist alles, was in Form gebrachte Kommunikation ist.

Gestalter hinterfragen Eine Berufsgruppe hat sich die technisch-formale Optimierung von Verständigung auf die Fahnen geschrieben. Kommunikationsdesigner leisten als professionalisierter Berufsstand bedeutsame Beiträge zum Gelingen von visueller und verbaler Kommunikation im öffentlichen Raum. Fast immer, wenn es um die optimal gestaltete Verbreitung von KulturGut 10 | Seite

Informationen in massenmedialer Form geht, kommt die Disziplin der Kommunikationsdesigner zur Geltung. Ob es sich um Werbung, typographische Gestaltung oder Web-Design handelt – jedermann gelangt alltäglich mit den spezifischen Kompetenzen von Kommunikationsdesignern in Berührung. Deren Berufsethos ist es, Botschaften aller Art „gut“ unters Volk zu bringen. Doch – was heißt hier „gut“? Und für wen ist das gut? Wer sich mit expliziten Botschaften an eine diffuse Öffentlichkeit richtet, wird selbst zum impliziten Träger von politischen und sozialen Haltungen. Kommunikationsdesigner verstehen sich meistens als Botschafter, Anzeiger und Meldegänger, die Informationen eines Auftraggebers auf handwerklich saubere Weise einer Kundschaft nahe bringen sollen. Zugleich sind Kommunikationsdesigner als Dienstleister Teil eines moralischen Dilemmas, haben sie es doch mit zweierlei Kundschaft zu tun: dem Auftraggeber als dem ersten Kunden und mit dem anderen Kunden, dem Endabnehmer und Konsumenten. Beiden Kundschaften möchten sie gerecht werden. Beide sollen den Eindruck gewinnen, dass es bei der kommunikationsgestützten Verständigung mit rechten Dingen zugeht. Wodurch können also Kommunikationsdesigner Vertrauen für ihre Dienstleistung wecken? Erstens durch ein besonderes Know-how. Entsprechende exekutive Kompetenzen erwerben sie im Rahmen eines Studiums mit anerkanntem Bildungs- und Fachtitel. Zweitens: qua Zu-

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gehörigkeit zu renommierten Agenturen und imagebewussten Designbüros, die sich durch Auszeichnungen und Preise für gelungene Arbeiten Ansehen verschaffen. Und drittens: durch den schieren Markterfolg. Gut ist, was Erfolg verspricht? In einer Zeit, in der Werbung, Informationsprogramme und Unterhaltung fließend ineinander übergehen, in der Reklame mehr denn je Kinomaßstäbe annimmt und die Oberflächen unserer urbanen Umwelt per Barcode anklickbar werden, gehen ästhetisches und ethisches Urteilsvermögen Hand in Hand.

Richtlinien für ethische Best-Leistungen Offensichtlich ist das Know-how zu ergänzen um eine persönliche Selbstreflexion des Gestalters, ein Know-why. Eine Haltung sein eigen zu nennen, ist nicht voraussetzungslos. Eine Haltung muss in der Konfrontation mit den Bedingungen der Lebenswelt erarbeitet werden. Insofern ist Haltung kein theoretischer oder abstrakter „Wert“, sondern eine stets aufs Neue einzuübende Praxis. Einst hieß diese Übungspraxis der „Erwerb von Tugenden“. Moralisch verpflichtende Tugenden können nicht gekauft werden wie ein modisches Accessoire. Sie werden durch tägliche Arbeit an sich selbst erworben. In diesem Sinne ist es auch eine besondere Form der Selbstgestaltung, wenn eine ethische Haltung eingenommen wird. Sich selbst nach ethischen Maximen zu gestalten, setzt also ein Bewusstsein von der Gestaltbarkeit der eigenen Lage voraus: Wo stehe ich – und wofür stehe ich? Folge ich dem ästhetischen wie ethischen Mainstream, d.h. vertraue ich den bestehenden gesellschaftlichen Konventionen?

munikation jemand die Selbstentlastungsformel vorbringt: „Da wurde etwas falsch kommuniziert.“ Verständigung im Sinne von „Kommunikation“ ist eben keine x-beliebiges Senden, Übertragen und Empfangen von Botschaften. Sie ist wie jede Lebenshandlung auch sowohl fehleranfällig wie ethisch bedenkenswert. Kommunikationsdesigner arbeiten als In-Form-Bringer an der Schnittstelle von Gesellschaft und Individuum. Sie sind ständig versucht, mit den Köpfen anderer Leute zu denken – und begreifen dies gar als wesentlichen Vorzug ihrer Tätigkeit. In die Öffentlichkeit zu tragen ist daher die Problematik, wie wir heute unsere sozialen Beziehungen, die vor allem kommunikative Beziehungen sind, gestalten und legitimieren wollen. Dazu ist jedermann berufen. Die besondere Berufung von Kommunikationsdesignern wäre es, die eigene, in der Handlung begründete Haltung täglicher Überprüfung zu unterziehen. Als verantwortungsbewusste soziale Akteure sollten sie im eigenen Interesse Kriterien der Ehrbarkeit entfalten und ethische Standards festlegen.

InfoS: Die Tagung „Ethik & Moral in Kommunikation &

Gestaltung“ findet am 25. (15 bis 19 Uhr) und 26. Oktober (10 bis 15 Uhr) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt FHWS (Sanderheinrichsleitenweg 20) statt. Die Vortragenden sind Gestalter und Kunst- und Kulturwissenschaftler: Ruedi Bauer (Zürich), Rainer Erlinger (Berlin/München), Thomas Friedrich (Mannheim), Jens Müller (Augsburg) und Wolfgang Ullrich (Karlsruhe) sowie aus Würzburg Christian Bauer, Gertrud Nolte und Gerhard Schweppenhäuser. Teilnahme kostenlos, Anmeldung erbeten: ethik@botschaftnolte.de.

„Da wurde etwas falsch kommuniziert“ Tatsächlich lernen Kommunikationsdesigner im Studium, anders zu denken. Dieses „Anders denken“ hört auf den Namen „Kreativität“ und ist offensichtlich eine der wichtigsten Ressourcen für die Gestaltungstätigkeit. Das „Besser denken“ und „Besser handeln“ ist weitaus schwieriger zu unterrichten und anschaulich zu machen. Einerseits müssten klare Verhaltensregeln und Richtlinien für ethische Best-Leistungen bekannt sein. Andererseits hätte der Kommunikationsdesigner die Neigung an den Tag zu legen, als Kundschafter im Reich der moralischen Selbstverpflichtung tätig werden zu wollen. Der Anspruch, das eigene Gestalten als eine ethisch belastbare Handlung zu vollziehen, verlangt nicht nur die Anstrengung einer persönlichen Haltung, sondern auch viel Wissen und selbstbewusste Kritik dieses Wissens. Dieses Urteilsvermögen könnte sich durch die Angabe guter Gründe bewähren, warum die Vorstellung von „Kommunikation“ nicht eben die beste Ausgangsposition für die Erörterung ethischer Fragen ist. Denn stets bleibt Kommunikation in Kommunikationsstrukturen eingebettet, die immerzu Anlass bieten, dass bei einem Scheitern der KomKulturGut 10 | Seite

Dr. phil. Christian Alexander Bauer ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rahmen des Forschungsprojekts „Kommunikationsdesign und Ethik“ für die Fakultät Gestaltung der HAW Würzburg-Schweinfurt sowie als Lehrbeauftragter für Philosophie und Ästhetik an der HFG Karlsruhe tätig. | http://gestaltung.fh-wuerzburg.de/aktivitaeten

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Literatur |

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Greife wacker nach der Sünde…

3. bis 27. Oktober, 20 Uhr, Werkstattbühne Der inszenierte Liederabend zeigt, was aus Gedichten werden kann: Balladen und Chansons zwischen lustvoller Gewalt und gewaltiger Lust. Sechs Mitwirkende (inklusive Pianist und Tänzerin) verleiblichen Texte aus emotionalen Grenzbereichen, gruselige Moritaten, inbrünstige Liebeslieder und intime Bekenntnisse. Shakespeare, de Sade und Tucholsky sind dabei. Und Regisseur Hermann Drexler. | www.werkstattbuehne.de ++++++++++++++++++++++++

Wolf trifft Henker

12. Oktober, 18 Uhr, Kunsthaus Michel Sein zweites Programm, das im März im Kulturkeller seine Würzburger Uraufführung hatte, präsentiert das Literatenterzett liTrio mit Hanns Peter Zwißler, Ulrike Schäfer und Martin Heberlein (Foto: Matthias Lauerbach) in leicht gekürzter Fassung beim freitäglichen afternetwork in der Semmelstraße. | www.litrio.de ++++++++++++++++++++++++

Autorenkreis

12. Oktober, 19.30 Uhr, Gaststätte Zum Onkel Die Zellerau, Würzburg und die Welt - so hieß im vergangenen Jahr das Motto, und irgendwie so oder ähnlich wird es auch diesmal lauten. Eine Lesung in der Stadtteilkneipe, deren schmackhafte und erschwingliche „Wiener Schnitzel“ ganze Studentengenerationen bei Kräften hielten, gehört mittlerweile fest zum Programm der Zellerauer Kulturtage. Zum zehnjährigen Jubiläum las Initiator Oskar Vogel dort

Termine |

noch selbst, der Würzburger Autorenkreis führt die Tradition weiter. Musikalisch umspielt werden Ulrike Sosnitza und Kollegen von Ralph Stövesandt mit singender Säge und Harfenistin Julia Rosenberger. Eintritt frei! | www.autorenkreis-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

halle der Architekten Stahl+Lehrmann, Am Schloss 3 in Rottenbauer. Eine Stunde später betreten Stefan Schwinghammer und Oliver Berger die Bühne, für die sie schreiben. „Heimat ist da, wo man dich mag, obwohl man dich kennt“, lautet die These, zu der sie literarische Beweise verfassten. Vorverkauf über schloss3@stellwerck.de. | www.stellwerck.de

Grimmige Märchen

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20. Oktober, 20 Uhr, Trinitatiskirche Rottenbauer Das Duo Wortlaut (Gesine Kleinwächter und Karola Graf) nimmt sich der Geschichten an, die die Brüder Grimm vor über zweihundert Jahren sammelten. Von denen sind viele heute weltbekannt, aber es gibt auch Entdeckungen wie „Hans heiratet“ oder „Der Löwe und der Frosch“. Wortlaut hält sich an die unbearbeiteten Textfassungen aus dem Volksmund – großer Unterschied! – und webt Anekdoten aus dem Leben der germanistischen Brüder unter. | www.trinitatiskonzerte.de ++++++++++++++++++++++++

Workshop und Heimatlesung

20. und 21. Oktober, verschiedene Orte Der Stellwerck Verlag plant für 2013 ein Literaturfestival. Ein kleinerer Vorlauf bringt am Samstagnachmittag zunächst drei Workshops: Kinder ab neun werden über Methoden aus Improvisationstheater und Schreibdidaktik spielerisch an Literatur herangeführt. Jugendliche lernen von Pauline Füg, wie man von der ersten Textidee zur ausgefeilten Bühnen-Performance kommt. Und die Ü20er gehen erste Schritte im Kreativen Schreiben mit dem Dramaturgen Alexander Jansen. Anmeldungen über workshop@stellwerck.de. Der Sonntagabend beginnt mit einer Foto-Vernissage um 19 Uhr in der MaschinenKulturGut 10 | Seite

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Olli Dittrich

30. Oktober, 20 Uhr, Saalbau Luisengarten „Olli ist als Beckenbauer noch genauer als Beckenbauers Beckenbauer.“ Um dieser Referenz rechte Wucht zu verleihen, stelle man sie sich aus dem Munde Loriots vor. Der lobte seinen Kollegen mit genau diesen Worten, und wer das übertrieben findet, weil „Dittsche“ sich des Öfteren etwas unter Niveau zu verkaufen schien, der halte sich vor Ohren: Der 56-jährige Comedian fand so einen unverkennbaren, eigenen Stil, mit dem sich in viele Entfaltungsrichtungen arbeiten lässt. Auf Tour liest er aus seinem Buch „Das wirklich wahre Leben“. | www.olliwood.net ++++++++++++++++++++++++

Nora Gomringer

11. Januar, 20 Uhr, Spitäle Sie mixt die literarischen Ströme der Poprezitation und der E-Poesie zu einem erstaunlich vielseitigen Werk, das an die Bachmann ebenso wie an den Jandl erinnert. Ihre vitale Mimik beim Ausprägen ihrer Wortspeicher sollte man erlebt haben. „Sie lässt uns federleicht über schwere Verse staunen“, begründeten die Ringelnatz-Preisverleiher ihr Preisverleihen. | www.nora-gomringer.de


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Klänge für Dokus und Thriller Michael Dees komponiert in Helmstadt für die weite Welt von Christine Weisner / Foto: Benjamin Brückner

+ Zur Filmmusik kam Michael Dees durch Zufall. Bei seiner Suche nach geeigneter Musik zur Vertonung von Videos führte ihm ein befreundeter Musikredakteur eine Soundlibrary, eine Sammlung von digital gespeicherten Klängen vor. Das Besondere dabei: Nichts wird synthetisch erzeugt. Vielmehr wurde jeder Ton – und manchmal sogar ganze Phrasen – mit dem jeweiligen Originalinstrument eingespielt. Michael Dees, der als Videojournalist arbeitete, war von diesen neuen technischen Möglichkeiten begeistert. Ein Jahr lang tüftelte er sich in die Materie hinein, investierte in leistungsfähiges Studio-Equipment und erweiterte sein Know-how in Sachen Orchestrierung. Dann akquirierte er mittels Demo-CDs die ersten Kunden. Kunden gewinnt er vornehmlich über das Internet. Dementsprechend breit gestreut sind seine Auftraggeber. Dees hat schon für Kanadier, Briten, Russen, Holländer und US-Amerikaner komponiert. Man sieht sich per Skype und wickelt den gesamten Auftrag über das Internet ab. Der Komponist macht mit dieser Arbeitsweise gute Erfahrungen, lediglich die unterschiedlichen Zeitzonen führen manchmal zu kleinen Koordinierungsproblemen. Anfangs komponierte Dees Soundtracks für Computerspiele, dann verlegte er sich auf Film und Fernsehen. So produzierte er für das Pro-Sieben-Wissensmagazin „Galileo“ das gesamte Audiodesign und versieht TV-Dokumentationen, bevorzugt geschichtliche, mit musikalischer Begleitung. Inzwischen hören an einem Fernsehabend schon mal Millionen von Zuschauern seine Klänge, auch wenn er davon ausgeht, dass die wenigsten die Musik bewusst wahrnehmen oder gar seinen Namen kennen.

Von den Samples zur Musik Wenn Michael Dees einen neuen Auftrag bekommt, setzt er sich zunächst mit der Musik der jeweiligen Zeit bzw. der Region auseinander. Parallel dazu legt er sich geeignete Sounds und Instrumentengruppen zurecht. Bei der ZDF-Doku „Terra X“ über die antike syrische Wüstenstadt Palmyra waren das unter anderem die Klänge einer Hirtenflöte und die einer Oud, einer arabischen Kurzhalslaute. Dann entwickelt er ein Grundmotiv, das später im Film passend zur Szene immer wieder variiert wird. Ist dieses Grundmotiv von den Filmemachern abgenommen, beginnt die eigentliche Detailarbeit, wobei für Dees bei TV-Dokumentationen eine Herausforderung darin besteht, dass die Darsteller in den nachgestellten Spielszenen meist stumm agieren, so dass die Musik praktisch die Dialoge ersetzen muss. Komplikationen kann es geben, wenn der Text des Off-Sprechers nachträglich geändert wird. „Nehmen wir den Anblick einer mittelalterlichen Stadt. Das Drehbuch schildert den Reichtum und Wohlstand dieser Stadt. Nun bleibt das Bild gleich, wohingegen der Sprechertext nachträglich geändert und stattdessen das fürchterliche Wüten der Pest in eben dieser Stadt beschrieben wird. Damit ändert sich natürlich die ganze Stimmung und ich muss die Musik umarrangieren oder sogar neu einspielen.“ Bei der Arbeit kommt Michael Dees seine Ausbildung als Klavier- und Cembalobauer zugute, die auch Fächer wie Gehörbildung und Harmonielehre umfasste. Nach seiner Lehre zog er als Sänger mit diversen KulturGut 10 | Seite

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Bands durch die Lande. Anschließend betrieb er ein Tonstudio in Gerolzhofen und landete nach einer schöpferische Pause bei seiner heutigen Tätigkeit. Ein großes Ziel stellt für ihn die Vertonung von Spielfilmen dar. „Für mich eine Art Königsdisziplin, in der die Musik nicht nur illustriert, sondern eine eigenständige Rolle spielt.“ Einmal hatte er dazu schon die Gelegenheit, für den Psychothriller „Thallium“. Für Dees eine ausgesprochen positive Erfahrung, auch weil er vom Mitlesen der letzten

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Drehbuchfassungen über Besuche am Set bis hin zur engen Abstimmung mit dem Regisseur Ralph Wege in der Postproduktionsphase intensiv eingebunden war. Normalerweise erlebt sich Dees eher als Einzelkämpfer. Er vermisst den Austausch, den eine professionelle Filmszene vor Ort bieten würde. Andererseits freut er sich über den technischen Fortschritt, der es ihm ermöglicht, von Helmstadt aus seiner Profession nachzugehen: „Vor 15 Jahren wäre das überhaupt noch nicht möglich gewesen und vor zehn Jahren auch nur bedingt.“

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Film |

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John Cage: One11 and 103

The Lady

Einlassen muss man sich darauf schon: Der 90-minütige Schwarz-Weiß-Film über die Wirkung von Licht in einem leeren Münchner Fernsehstudio besteht (wie das simultan aufgeführte Orchesterwerk „103“) aus 17 Teilen, deren jeder auf vom Zufall bestimmten Lichtwechseln beruht. Es ist der erste und einzige Film des amerikanischen Komponisten John Cage, entstanden in seinem Todesjahr 1992 und gezeigt anlässlich seines 100. Geburtstags in der Reihe „Open Cage“. Und so simpel das Konzept klingt… Doch mit dem Kameramann Van Carlson und Regisseur Henning Lohner ging Cage kein allzu großes Risiko ein. Lohner, heute vor allem als Filmkomponist bekannt, war in den 1980er Jahren Kompositionsschüler von Iannis Xenakis, assistierte Karlheinz Stockhausen bei seiner Opernproduktion „Licht“, arbeitete dann als Regie-Azubi für Louis Malle und wurde schließlich 1989 Assistent von Frank Zappa. Und der war es auch, der Lohner mit Van Carlson zusammen brachte. | www.central-programmkino.de

Dass Regisseur Luc Besson nicht ohne Pathos auskommt, liegt in der Natur der Sache: Die Geschichte von Birmas Volksikone Aung San Suu Ky ist auch die Geschichte eines Landes, das jahrzehntelang von einer Militärregierung brutal beherrscht wurde – als Hauptdarstellerin Michelle Yeoh Besson das Projekt antrug, stand die Friedensnobelpreisträgerin noch unter Hausarrest. Der Filmabend gehört zum Festprogramm, mit dem die „Arbeitsgemeinschaft Würzburger Frauen und Frauenorganisationen e.V.“ ihren 25. Geburtstag feiert. Die Jubiläumsgala im Bockshorn (17. Oktober, 19.30 Uhr) gestaltet die Straßenmusikerin Sylvia Kirchherr, die in ihrem bewegten Leben alles einpackte, was sie musikalisch bewegte – vom großväterlichen Jodler bis zu indianischen Gesängen und mexikanischen Volksliedern. | www.awf-frauen.de

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27. Oktober, 22.45 Uhr, Programmkino Central

17. Oktober, 20.30 Uhr, Programmkino Central

Jeanne d‘Arc

20. Oktober, 19.30 Uhr, Augustinerkirche „Überwältigend“ lautet das einhellige Urteil derer, die Carl Theodor Dreyers Stummfilm von 1928 mit der Orgel-Improvisation von Domorganist Stefan Schmidt schon erlebten. Das trifft auch auf den Regisseur zu, der seine Hauptdarstellerin ans Ende ihrer Kräfte manövrierte, damit sie die letzten Lebensstunden der Heldin verkörpere. | www.augustinerkirche-wuerzburg.de

24. Oktober, 18.30 Uhr, Programmkino Central

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Virtueller Filmclub Die Mitmach-Plattform für Fans von Fantasy, SciFi, Horror und Trash hat für den Oktobertermin die im nordamerikanischen Hinterwald angesiedelte Splatterfilm-Parodie „Tucker & Dale vs. Evil“ (2010) auserkoren. Kurz nach Mitternacht zeigen dann, als Weltpremiere, die Film- und Rollenspiel-Freunde von Virtuosity Pictures (Christoph Bauerfeind und Julia Sommer) ihren im Sommer rund um den Arnsteiner Badesee und in der Burgruine Homburg abgegedrehten Fantasy-Kurzfilm „Die Kobold Quest“. Galakleidung hochwillkommen! | www.virtuosity-pictures.de | www.central-programmkino.de KulturGut 10 | Seite

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Filmnächte im Hofkeller

13. – 15. November, 19 Uhr, Residenz „Director’s Cut“ lautet der Titel der schwarzweißen Klassikernächte mit vier Lieblingsfilmen der Veranstalter. Die spielen in gottverlassenen Gegenden, in denen die Helden gestrandet sind – als Billardzocker in verrauchten Spielhallen, als Lastwagenfahrer in einem südamerikanischen Ölcamp, als Amerikaner im Vichy-regierten Martinique oder als Cola-Direktor auf der Kommunismus-umspülten Insel Westberlin. Grandios sind alle. Berthold Kremmler moderiert. | www.hofkeller.de ++++++++++++++++++++++++

Fritz Bauer

22. November, Akademie Frankenwarte Ohne ihn hätte es den Remer-Prozess so nicht gegeben, der 1953 die Angehörigen des 20. Juli rehabilitierte, und nicht die Frankfurter Auschwitz-Prozesse. Er verriet den Aufenthaltsort von Adolf Eichmann an die Israelis – so rechtes Vertrauen in die deutsche Nachkriegsjustiz hatte der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) nicht mehr. Die Dokumentarfilmerin Ilona Ziok hat Archivmaterial gesucht und drumherum – in bewusster Einseitigkeit – Aussagen von Freunden, Verwandten und Mitstreitern montiert. | www.frankenwarte.de; www.fritz-bauer-film.de ++++++++++++++++++++++++

Ich klage an

29. Januar, 18 und 20.45 Uhr, Programmkino Central Seine Reihe mit verbotenen NS-Propagandafilmen setzt das VHS-Filmforum mit Wolfgang Liebeneiners 1941 gedrehtem Plädoyer für die Euthanasie fort. Nur mit Anmeldung, Tel. (09382) 8245. | www.vhs-wuerzburg.info


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Nacht der offenen Kirchen 2. Oktober, 19 Uhr, Innenstadt

Musik, Lesungen, Film und Theater, Vorträge und Diskussionen, Andachten und Meditationen – es scheint viele Möglichkeiten zu geben, Gott und der Welt zu begegnen. Dazu laden bis Mitternacht 17 stationäre Innenstadtkirchen und eine Bauwagenkirche am Kürschnerhof ein. Bei den Franziskanern gibt es ein Highlight: Dekanin Dr. Edda Weise befragt Altbischof Dr. Werner Scheele als Zeitzeugen zum Jahrzehnt des Zweiten Vatikanischen Konzils unter dem Titel: „Die 60er Jahre - so viel Aufbruch war noch nie.“ Dazu singt der Gospel-Rock-Chor „Voices“ passendes Liedgut. Die Deutschhaus- wird erstmals zur Männerkirche. | www.kirchennacht-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Fischerzunft

3. Oktober, 10.30 bis 13 Uhr, Haus der Fischerzunft Normalerweise ist das Zunfthaus in der Saalgasse an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet, im Oktober hat die älteste aktive Handwerkervereinigung der Stadt den Termin vorgezogen. Zu sehen sind die Zunftaltertümer im Obergeschoß, im Untergeschoß informieren Fischfanggeräte, Gemälde und Lehrbilder über den Fisch und seinen Fang und Schautafeln über das Leben der Zunft und der Fischerfamilien bis heute. Eine Beschriftung der Objekte im Zunftsaal gibt es auch weiterhin nicht, denn der wird immer noch als das benutzt, was er ist, als Ort für Zusammenkünfte und Geselligkeiten. Dafür finden sich ausführliche Objektbeschreibungen als erster Teil eines Bestandskatalogs auf den elektronischen Netzseiten der Zunft. | www.fischerzunft-wuerzburg.de

Stadt |

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Kulturstadt Würzburg

23. Oktober bis 5. Februar, je 19 Uhr, Neue Universität am Sanderring Schon das reiche kulturelle Erbe Würzburgs aus Mittelalter und Früher Neuzeit begründet den Rang der Stadt als Kulturmetropole. So lautet die These der Ringvorlesung, die in 14 Vorträgen vom Hausbuch des Michael de Leone bis zur Architektur der Echterzeit die herausragenden Zeugnisse und deren lokale Entstehungsbedingungen vorstellt. Fortsetzung im Sommersemester von der Schönbornzeit bis zur Reichsgründung. Zu den Würzburger Referenten gesellen sich drei Gelehrte von auswärts. So macht gleich den Anfang Udo Kühne als Kiel, gefolgt vom Göttinger Bernhard Schnell. Am 11. Dezember trägt der Berliner Frank Eisermann seine Erkenntnisse über Buchdruck in Würzburg um 1500 vor. | www.mfn.uni-wuerzburg.de

„Tradition & Propaganda“ zu Kunstwerken aus der NS-Zeit in der städtischen Sammlung (Ausstellungseröffnung am 22. Februar). | www.wuerzburg.de | www.kulturplan.com ++++++++++++++++++++++++

Fernwärme

17. November, 10 Uhr, Heizkraftwerk (Eingang Friedensbrücke)

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Auch wenn es die vom Ambiente beeindruckten Hafensommergäste nicht immer gleich glauben: Das Anfang der 1950er Jahre errichtete Kohlefernheizkraftwerk wurde von 2003 bis 2009 aus rein wirtschaftlichen und ökologischen Gründen in ein auch optisch ansprechendes erdgasgefeuertes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk umgerüstet. WVV-Mitarbeiter Florian Doktorczyk zeigt und erläutert die Technik hinter der schönen Fassade. Eintritt frei, Anmeldung bis 15. November erbeten. | www.wuerzburg.bund-naturschutz.de

Forum Erinnerungskultur

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14. Oktober, 13 bis 18 Uhr, Museum im Kulturspeicher

Zum dritten Mal lädt der „Dialog Erinnerungskultur“ der Stadt zum Herbsttermin. In diesem Jahr soll es ein Forum mit Messecharakter werden: Alle Institutionen, Initiativen, Sammler und Forscher, die sich mit Fragen und Themen der Stadtgeschichte und deren Repräsentation und Vermittlung beschäftigen, können ihre Projekte und Aktivitäten im Kulturspeicherfoyer vorstellen. Im begleitenden Vortragsprogramm gibt u.a. das Ensemble der Kammeroper „Refidim Junction“ eine Produktionsvorschau (siehe Seite 62, Uraufführung am 20. November im Theater in der Bibrastraße), das Museum im Kulturspeicher informiert über sein Forschungs- und Ausstellungsprojekt KulturGut 10 | Seite

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Kiliansdom

30. November, 14 bis 18 Uhr, Kiliansdom Dass die Dominnenrenovierung nicht nur baulichen und denkmalpflegerischen Notwendigkeiten diente, gibt das Bau- und Kunstreferat der Diözese offen zu. Zwei Tage vor der feierlichen Wiedereröffnung erläutern der Kirchenhistoriker Wolfgang Weiß und der diözesane Baurefent Jürgen Lenssen in Vorträgen den historisch gewachsenen funktionalen und räumlichen Aufbau des Doms und das Renovierungskonzept und zeigen dessen Umsetzung in der anschließenden Führung. Teilnahme kostenlos, Anmeldung erforderlich. | www.domschule-wuerzburg.de


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Frischer Wind in der Festung Entwicklungsideen für das Mainfränkische Museum von Christine Weisner / Foto: Joachim Fildhaut

Viel anzupacken: Die Werkstatt des Mainfränkischen Museums musste sich selbst in einer von Grund auf denkmalgeschützten Immobilie einrichten. Kein einfaches Unterfangen!

+ Festung Marienberg, 2021: Die ersten Besucher betreten durch die breite, einladende Tür das wiedereröffnete Museum. Vorbei am Museumscafé gehen sie durch den modernen Eingangsbereich in die Ausstellungsräume, alle barrierefrei. Von der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung geht es in einen ruhig gehaltenen Raum, einen so genannten White Cube. Hier befinden sich nur wenige, dafür herausragende Ausstellungsstücke – Highlights des Museums wie der kleine bronzene Kesselwagen aus Acholshausen oder weiter hinten im Rundgang Werke von Tilman Riemenschneider. Die Präsentation ist ganz darauf ausgerichtet, die ästhetische Qualität dieser Einzelstücke zur Entfaltung zu bringen. In den anschließenden Räumen informieren dann Exponate, Texttafeln und Multimediaangebote über die historischen und KulturGut 10 | Seite

kulturellen Zusammenhänge, in denen diese Leuchtturmobjekte entstanden sind. Die Besucher haben die Wahl. Eilige gehen gleich weiter zum nächsten Weißen Würfel, wo wiederum kunsthistorisch bedeutende Exponate ein neues Thema eröffnen. Zwischendurch geben Schaudepots mit dicht befüllten Regalen einen Einblick in die Sammlungstätigkeit des Museums. Dabei bildet die Abfolge der Leuchtturmobjekte die durchgehende Leitlinie, an der entlang die Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Würzburg und der Region in chronologischer Reihenfolge aufgefächert wird. So oder so ähnlich könnte die Zukunft des Mainfränkischen Museums aussehen, in der Neugestaltung nach einem Gutachten von Dr. Claudia Haas, ausgewiesene Expertin für Museumskonzepte.

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Warum überhaupt ein Gutachten? Das Museum verfügt über zahlreiche hochwertige Sammlungsobjekte und über einen für Touristen sehr attraktiven Standort. Aber das Mainfränkische ist in die Jahre gekommen – ein Umstand, der sich inzwischen auch in sinkenden Besucherzahlen niederschlägt. Immer weniger entspricht die Art der Präsentation den heutigen Erwartungen. Dr. Claudia Lichte, die Leiterin des Mainfränkischen Museums, führt das lange Verharren im Status quo darauf zurück, dass man 1945, bei der Zerstörung des Gebäudes in der Maxstraße, immens große Verluste erlitten hat, was zur Folge hatte, dass das Hauptaugenmerk sehr lange auf dem Wiederaufbau der Sammlung lag. In die Jahre gekommen sind auch die Räumlichkeiten. Seit der Wiedereröffnung in der Festung schon im Jahr 1947 hat noch keine grundlegende Sanierung stattgefunden. Zwar haben das Museum und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung als Eigentümerin nach einem Brandschutzgutachten die wesentlichen Forderungen bereits umgesetzt. Dennoch wird die Generalsanierung immer dringlicher. Sie ist jedoch eng verknüpft mit der Frage, wie sich das Museum künftig inhaltlich präsentieren soll. Und die Antwort kann nicht von der Museumsleitung allein kommen. Denn letztlich ist die Festung eine freistaatlich bayerische Baulichkeit. Ein neues Nutzungskonzept würde ein geändertes Raumprogramm erfordern, und es ist abzusehen, dass ein Umbau mit Denkmalschutzbestimmungen kollidiert. Die vielen Einzelentscheidungen werden in hohem Maß Feinabstimmungen zwischen dem Zweckverband Mainfränkisches Museum (an dem die Stadt Würzburg und der Bezirk Unterfranken beteiligt sind), dem Freistaat Bayern und Denkmalbehörden erfordern.

Großes Stühlerücken auf der Burg? Das Gutachten der Wiener Firma haas:consult zeigt das große Potential des Museums auf. Allerdings macht es auch klar, auf welche Schwierigkeiten die Umsetzung in den vorhandenen Räumen stoßen würde. So mangelt es an Ausstellungs- und Depotflächen, und die Einrichtung barrierefreier Zugänge wäre wegen der unterschiedlichen Geschosshöhen ein schier aussichtsloses Unterfangen. Stattdessen schlägt die Gutachterin vor, das Mainfränkische Museum in den inneren Burghof zu verlegen. Diese zunächst überraschende Lösung böte eine Reihe von Vorteilen, unter anderen eine relativ einheitliche Bausubstanz und die Vereinigung mit dem Fürstenbaumuseum. Allerdings würde das eine komplette Neuorganisation sämtlicher Nutzungen in der Festung Marienberg bedeuten. Erforderlich wären, neben erheblichen Geldmitteln, umfangreiche Planungen und Baumaßnahmen, wofür das Gutachten einen Zeitraum von zehn Jahren veranschlagt. Museumsleiterin Lichte befürwortet die Neukonzeption. Sie geht aber auch davon aus, dass solche weitreichenden Entscheidungsprozesse ihre Zeit brauchen. Im Sommer tauchte ein weiterer Ansatz auf: Die Bayerische Staatsregierung hegt ein „Kulturkonzept“ und plant mehrere Landesmuseen, u. a. in Würzburg. Am 21. September brachte Finanzminister Markus Söder die Summe von 30 Millionen für Festungssanierung und Mainfränkisches Museum ins Gespräch. Wenn der Freistaat obendrein – Stichwort „Landesmuseum“ – bei der Konzeption des Museums mitbestimmt, stellt sich auch die Frage der Trägerschaft neu. Söder, als Finanzminister zugleich oberster bayerischer Schlossherr, zeigt sich für eine „Teilträgerschaft“ aufgeschlossen. KulturGut 10| Seite

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Würzburg, Europastadt 2013 feiert die kommunale Europapolitik ihren Vierzigsten von Susanne Hoffmann / Foto: Joachim Fildhaut

+ Am 14. Oktober 1973 erhielt Würzburg als fünfte deutsche und 25. europäische Stadt den Europapreis für seine „völkerverständigenden Aktionen im Sinne des Ideals der europäischen Einigung“. Im großen Haus des Stadttheaters überreichte der Vizepräsident des Straßburger Europarats René Radius dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeitler eine Wandertrophäe mit Ehrendiplom und Ehrenmedaille. Seitdem kann sich Würzburg „ Europastadt“ nennen. Die Auszeichnungen wurden mit einem dreitägigen Stadtfest im Zeichen Europas gefeiert: In einem Wettbewerb schickten Würzburger Kinder 600 Luftballons als Botschafter der neuen Europastadt auf die Reise.

Die Ehrung hatte eine lange Vorgeschichte „Die Versöhnung der Völker stand nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs im Vordergrund“, sagt Eva-Maria Barklind-Schwander vom Büro International, das heute für die Zusammenarbeit mit Würzburgs Partnerstädten zuständig ist. Städtepartnerschaften sollten vor allem durch einen regen Austausch von Kultur und Wissenschaft bei der Jugend die Lust auf Europa wecken. Seit 1953 fand in Würzburg jedes Jahr eine Kulturwoche statt, die jeweils einem anderen europäischen Land gewidmet war. 1959 folgte die Gründung einer deutsch-französischen Gesellschaft. 1961 unterzeichnete der OB Dr. Helmuth Zimmerer die ersten Städtepartnerschaften mit seinen Amtskollegen aus Caen in Frankreich und Dundee in Schottland. Einen wesentlichen Anteil an der städtischen Europapolitik hatten der Bundestagsabgeordnete Hannsheinz Bauer, selbst ehemaliges Mitglied des Europarats, und der Leiter des Amts für Öffentlichkeitsarbeit, Bruno Rottenbach, der Bürgerreisen in die Partnerstädte organisierte und als Präsident der Hetzfelder Flößerzunft Begegnungen mit ausländischen Künstlern förderte. Für Zeitler sollten von dem europäischen Engagement auch die Integration der Gastarbeiter und der Tourismus profitieren. Die Begeisterung für Europa erreichte einen Höhepunkt, als die Stadt Würzburg im September 1970 eine ihrer wichtigsten Verkehrskreuzungen einweihte. Deren Name – Europa-Stern – war das Ergebnis einer Bevölkerungsumfrage. In dem neuen Stadtteil Heuchelhof wurden die Straßen und Plätze nach den Partner- und den europäischen Hauptstädten benannt. Das Engagement für den Kontinent setzte sich nach der Ernennung zur Europastadt bspw. mit der Landesgartenschau 1990 fort. Hier präsentierten sich die Partner mit der Gestaltung regionaltypischer Gärten. 1996 machte der Bürgermeister Dr. Adolf Bauer den Vorschlag, Würzburg solle sich zur 1300-Jahr-Feier 2004 um den Rang einer europäischen Kulturhauptstadt bewerben, was die Stadtverwaltung jedoch mit Hinweis auf die Kosten ablehnte. Internationale Kongresse und der Tourismus haben das Bild der Europastadt Würzburg geprägt. „Der Austausch ist vielfältiger geworden“, sagt Barklind-Schwander. Dagegen verzeichnen die deutsch-ausländischen Gesellschaften einen stetigen Mitgliederschwund unter den KulturGut 10 | Seite

Beim Europajahr sollen alle mitmachen, Einzelmenschen ebenso wie Gruppen. Die Werbege me

Jüngeren. „Früher waren die Gesellschaften oftmals ein erster Anlaufpunkt für einen Auslandsaufendhalt. Heute ist das Reisen individueller geworden. Die nötigen Informationen holt man sich aus dem Internet“, kommentiert Barklind-Schwander. In der Eurokrise seien die gegenseitige intellektuelle Unterstützung und die private Begegnung der Bürger besonders relevant: „Man kann nicht alles dem Geld unterordnen. Nach wie vor gilt es voneinander zu lernen und die reiche Vielfalt, die in den Menschen, Kulturen und Traditionen liegt, zu erfassen.“ Und wie sieht es heute mit der Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Kulturen aus? “Die Würzburger sind weltoffen und die Stadt wird von den ausländischen Mitbürgern sehr gelobt“, antwortet die Kontaktpflegerin. „Besonders gut kommen internationale Aktivitäten wie das Afrika Festival an.“ Anläßlich des 40-jährigen Jubiläums 2013 ist die nächste Vollversammlung der Europapreisträgerstädte in Würzburg geplant. Und ein internationales Programm stellt von Mai bis Oktober die positiven Seiten Europas heraus. Da wird z. B. der Fotoclub Würzburg Bilder aus den Partnerstädten zeigen, die VHS bietet einen Sprachentag, es gibt eine lange Cornwall-Nacht, kulinarische Genüsse und Lesungen mit der Stadtbücherei. Als wichtigen Bestandteil des Programms sollen Bürger Projekte in eigener Verantwortung durchführen – und werden dafür mit maximal 1000 Euro gefördert. Schriftliche Bewerbungen ans Kulturamt. Projektleiterin ist die dortige Mitarbeiterin Senja Töpfer. Was daraus entsteht, werden Studierende der FHWS filmen und daraus eine DVD produzieren.

LINK: | www.wuerzburg.de – BürgerInnen – Büro International

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ege meinschaft könnte wieder einmal Sympathieträger anmalen lassen wie bei der Aktion „Glück 2000“.

Dem schwedischen Partner helfen 2014 wird Umeå in Schweden zusammen mit Riga für ein Jahr zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt. Vor 20 Jahren begann die Partnerschaft Würzburg–Umeå mit dem Austausch zweier Naturwissenschaftler an den jeweiligen Universitäten. Seither besteht eine enge Bindung zwischen beiden Städten, und für Würzburg war es selbstverständlich, seinen Partner bei der Bewerbung um den Titel, der seit 1985 vergeben wird, nachdrücklich zu unterstützen. Das Hauptstadtjahr wird in Umeå mit einem großen Programm gefeiert, das sich an den acht Jahreszeiten im Sami-Kalender orientiert. Die Stadt Würzburg, die deutschschwedische Gesellschaft und voraussichtlich auch das Wirsberg-Gymnasium, das eine enge Bindung beim Schüleraustausch mit der Dragonskola in Umea unterhält, werden sich beteiligen. Noch stehen die Planungen ganz am Anfang. Angedacht ist u.a. ein gemeinsames Projekt von Nordlands Opera und Mainfranken Theater, genannt „Lifestream“, wobei die Flüsse der beiden Städte als Verkehrsstrom und pulsierende Lebensader im Mittelpunkt stehen. Und auch mit Hilfe der digitalen Vernetzung sollen sich die Bürger Europas einander näherkommen: Im Glashaus in Umeå berichten zeitgleiche Übertragungen aus verschiedenen Partnerstädten über kulturelle Ereignisse und das alltägliche Leben.

Wir setzen Ideen um. Agentur für Kommunikation & Verlag. Das KulturGut ein Medium aus dem Hause MorgenWelt. Ihr Produkt für Morgen schaffen wir gestern. Gerberstrasse 7, 97070 Würzburg, Tel.: 0931 3299910 www.morgenwelt-wuerzburg.de

MorgenWelt Würzburg GmbH

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Zwei Anfänge sind gemacht. Irgendwann geht ein Skulpturenweg vom Alten Kranen zum Alten Hafen – eine wichtige Verbindung zwischen Stadtkern und dem Kulturquartier in der Äußeren Pleich. Als erster Eckpunkt kam 2009 weit draußen ein StahlKunstwerk der „Bella Donna“-Reihe Herbert Mehlers auf die Mohlenspitze. Im Sommer folgte Sonja Edle von Hoeßles „Endlosschleife V“ als Teil 2. Endlich und linear hingegen soll die Zeit bis zur Fertigstellung des Skulpturenwegs verlaufen, der von Privatleuten finanziert werden soll.

Foto: Benjamin Brückner

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Still + Leben

Zukunftsprojekt Erde

36 Stillleben aus dem Bestand des Universitätsmuseums belegen beeindruckend die Malkultur im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts und die Qualität der Sammlung. Zur Ausstellungsorganisation gehörte die wissenschaftliche Untersuchung und Bewertung der vorwiegend aus Deutschland und den Niederlanden stammenden Objekte, deren Ergebnisse in einem opulent bebilderten Katalog vorliegen. Entwickelt wurde daneben eine für Besucher über Tablet-Computer abrufbare digitale Informationsanwendung. Im Rahmen der Residenznacht (6. Oktober) und zur Finissage am Sonntag (11 Uhr) wartet das studentische Ausstellungsteam um Projektleiter Meinolf Siemer ein letztes Mal in der Gemäldegalerie auf informationshungrige Interessenten. | www.imfokus.kunstgeschichte.uni-wuerzburg.de

Nachhaltigkeit ist das Jahresthema 2012 auf der „MS Wissenschaft“, „Wohnhaus“, „Kaufhaus“, „Stadtpark“, „Bahnhof“ und „Museum“ heißen die einzelnen Bereiche der rund 600 Quadratmeter großen Ausstellung im Schiffsbauch. Quasi im Stadtrundgang werden aktuelle Projekte aus Wissenschaft und Forschung vorgestellt, die es erleichtern, anders zu leben und zu wirtschaften. Am Sonntag (16 Uhr) ist jeder eingeladen beim „Dialog an Deck“ mit Biologen, Ökologen und Ethikern über Artenvielfalt zu sprechen. | www.zukunftsprojekt-erde.de

bis 7. Oktober, Martin-von-Wagner-Museum

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Siebolds Jugendjahre

7. Oktober, 17 Uhr, Siebold-Museum Als Arzt in holländischen Diensten gelangte Philipp Franz von Siebold 1823 nach Fernost. Seine medizinischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse, Voraussetzung für seine spätere Rolle als Erforscher und Vermittler Japans, erwarb der 1796 geborene Spross der Würzburger Medizinerdynastie in seiner Heimatstadt. Familiengeschichte und Ausbildung sind Thema der bis 15. Januar gezeigten Ausstellung, in die der Medizinhistoriker und Ausstellungskurator Andreas Mettenleiter an diesem Sonntag einführt. | www.siebold-museum.byseum.de ++++++++++++++++++++++++

12. bis 15. Oktober, 10 bis 19 Uhr, Viehmarktplatz

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Study and stay in Bavaria! 30. Oktober, 10 bis 16 Uhr, Campus Hubland

Mit der Absolventenmesse will der Freistaat Studierende der Universität und der Hochschule frühzeitig über beruflichen Möglichkeiten in Bayern informieren. In- und ausländische Studierende, die auf der Suche nach einem Praktikum oder einer Anstellung sind, können mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch kommen - schon über 45 Unternehmen haben ihre Teilnahme zugesagt. | www.studyandstay.uni-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Schulwandbilder

28. November, 10 Uhr, Campus Hubland Nord In der früheren Elementary School dokumentiert die Forschungsstelle Historische Bildmedien mit

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Europas größter Schulwandbildersammlung (20.000 Originale von 1840 bis 1990) fast lückenlos, wie in den einzelnen Unterrichtsfächern veranschaulicht wurde, bevor Beamer im Klassenzimmer einzogen. Anmeldung zur Führung erforderlich. | www.schroeder-haus.de | www.bildungswissenschaft.uni-wuerzburg.de ++++++++++++++++++++++++

Förderschule Lernen

16. und 17. November, 14 Uhr, Universität Wittelsbacher Platz Der Bundesfachkongress zur Förderschule Lernen zitiert einen internationalen Vergleich mit dem Ergebnis, dass inklusive Bildungssysteme die Lernförderung erheblich intensivieren. Und er fragt nach der Professionalität von Lehrkräften, der Struktur von Inklusion etc.: 24 Workshops und Seminare hat’s. | www.verband-sonderpaedagogik.de ++++++++++++++++++++++++

Schlappmaul, Strohmann, Mädle

10. November bis 17. Februar, Mainfränkisches Museum Ein Schlappmaul ist oder hat, wer im Besitz einer lockeren Zunge und fähig zu deren schlagkräftigem Einsatz ist. Die Rhön ist die nördlichste Region Deutschlands, in der die Narren Holzmasken tragen, wohl dank der Holzschnitzschule in Bischofsheim. Die Ausstellung stellt die fast vergessenen Masken der „Blaue Jüde“, „Debudel“, „Hanswurschte“ oder „Schlappmäuler“ vor – letztere gerne mit beweglichem Unterkiefer. Erst am Sonntag nach Aschermittwoch ist alles vorbei. | www.mainfraenkisches-museum.de


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Elektrisch studieren Freier Zugang zu offenen Quellen: Digitales Publizieren an der Julius-Maximilians-Universität von Martina Schlereth / Foto: Benjamin Brückner

+ Wissenschaftler klagen: Das Internet bleibt immer noch hinter seinen technischen Möglichkeiten zurück. Hier könnte ein einzigartiger Wissenspool entstehen, eine übergreifende Sammlung an Forschungsmaterial. Doch die Realität sieht anders aus. Bei ihrer Recherche müssen Forscher weiterhin jede einzelne Suchmaske aller in Frage kommenden Wissenschaftsverlage verwenden. Einer sinnvollen Abhilfe steht das Urheberrecht im Weg. Nach und nach könnte eine Alternative heranwachsen: Neue Forschungen können mit freien Nutzungsrechten im Web publiziert werden, als Creative Commons (siehe Seite 14). Auch die Würzburger Universität hat die „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Wissen“ unterzeichnet. Im April 2011 beschloss sie eine Open-Access-Policy, die die Wissenschaftler auffordert, „bereits veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten als Parallelveröffentlichung (Postprint-Version) in das institutionelle Repository der Universität einzustellen“. Außerdem wird eine Veröffentlichung in Open-AccessZeitschriften und Open-Access-Verlagen empfohlen. Das entsprechende Repository, also der Veröffentlichungsspeicher der Universität Würzburg, ist der Publikationsserver OPUS. Dieser wird von der Universitätsbibliothek betrieben. „Erhöhte Sichtbarkeit und Zitierhäufigkeit von Publikationen“ sowie „gute Auffindbarkeit durch Suchmaschinen und Nachweisdienste“ führt die Bibliothek als Vorteile von Open Access an.

Digitale Semesterapparate Doch nicht nur Open Access bietet neue Möglichkeiten der Informationsverbreitung und -beschaffung. Die Universität Würzburg betreibt seit 2007 die eLearning-Plattform WueCampus. Die ermöglicht den Studenten neue Formen des Lernens, und zwar im internen Kommunikationsnetz der Julius-Maximilians-Universität. Der Vorteil dieses Intranets: Lernmaterialien sind über eine zentrale Stelle im Netz verfügbar. Es ist somit nicht mehr nötig, mit unterschiedlichen Passwörtern auf die jeweilige Seite des Dozenten zuzugreifen. KulturGut 10 | Seite

Bei WueCampus geht es nicht nur darum, Standardliteratur digital zu vervielfältigen und in elektronischen Semesterapparaten verfügbar zu machen. Die Studenten finden Vorlesungsskripte, -folien und Übungsaufgaben, die von humanen Korrektoren bewertet werden. In Diskussionsforen können sie sich untereinander vernetzen oder in Vorlesungsumfragen ihre Meinung kundtun. Es werden auch neue Formen der Wissensvermittlung eingesetzt, die die Lehre an der Universität praxisnäher gestalten sollen. Hierbei hilft eine Software, bzw. eine „Trainingsfall- und Aufgabenumgebung“, namens CaseTrain. Sie entwickelt aus Textdokumenten interaktive Fallbeispiele. So können Mediziner zu Übungszwecken einen virtuellen Patienten behandeln. Die Aufgabe eines Betriebswirtschaftlers ist es dagegen, ein Unternehmen vor dem Konkurs zu retten. Insgesamt basiert die Plattform WueCampus auf dem Lernmanagementprogramm Moodle. Das ist als Open-Source-Lizenz erhältlich – jeder kann es also kostenfrei nutzen, weiterentwickeln und andere Nutzer an der Weiterentwicklung teilhaben lassen. Moodle gilt derzeit als das weltweit am meisten genutzte Lernmanagement-System.

In zwei Jahren vervierfacht Die steigenden Nutzerzahlen zeigen Martin Schuhmann vom Rechenzentrum, dass WueCampus bei Studierenden und Dozenten gut ankommt. Im Sommersemester 2011 griffen täglich bis zu 7900 Nutzer auf die Plattform zu - ein Jahr zuvor waren es lediglich 5800. Auch die Anzahl der angelegten Kurse ist seit den Anfängen im Jahr 2007 stetig gewachsen. Rund 16.000 Kurse verzeichnete das Rechenzentrum im Oktober 2011. Im Jahr 2009 lag dieser Wert noch bei 4100. Elektronische Semesterapparate wurden übrigens erst durch eine Änderung des Urheberrechts möglich. § 52a erlaubt nun „kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften für den bestimmt abgegrenzten Kreis von Unterrichtsteilnehmern öffentlich zugänglich zu machen“.

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Die Papierb端cher f端rs Intranet werden an der Uni-Bibliothek eingescannt. KulturGut 10| Seite

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Schon wieder Holocaust!? Verantwortung, und was wir damit anfangen könnten, sollten von Kai-Christian Moritz / Foto: Mainfranken Theater

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+ Als ich Freunden davon berichtete, dass wir planen, eine Oper über zwei Schicksale zu den Zeiten der Shoah zu machen, stieß ich auf sehr unterschiedliche Reaktionen. Die einen warnten mich vor dem „heißen Eisen“, das ich da anfasse. Andere entgegneten genervt, dass es doch jetzt mal gut sei mit der ganzen Vergasung und der permanenten Reduktion des Deutschen auf sein schlechtes Gewissen. Das Ganze auch noch im November, wo man kurz vor dem Weihnachtsstress mit Glühwein und Plätzchen im Überfluss in Museen und an Mahnmalen die eigene deutsche Seele geißele. Museen und Gedenkstätten dienen dem Vergessen ebenso wie der Erinnerung. Wir hingegen wollen das lebendige Wort der Autorinnen Marianne Rein und Perl Margulies erfahren. Zur Vorbereitung unseres Projekts schien es mir aus der Erfahrung früherer Arbeiten sehr lohnend, für die Beteiligten eine kollektive Erfahrung zu machen, die vor allem Spielbarem liegt. So fuhren wir nach Israel, dem Sehnsuchtsort nicht nur für die beiden Protagonistinnen, um Jüdischsein zu begreifen, unmittelbar zu erleben. Wir hatten das Glück, sogar auf die noch Ci_Anzeige Kopie_ZW.indd lebende Tochter von Perl Margulis - Alice Shalvi - zu treffen und... einfach zuzuhören. „Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.“ In William Faulkners Zitat liegt ein Auftrag verborgen. Die Entfremdung gegenüber dem Vergangenen zu überwinden, indem wir vermeintlich abgeschlossene Geschichte immer wieder neu als unsere Gegenwart erkennen. Dazu muss sie immer und immer wieder erzählt werden. Dies ist eine der vornehmsten Aufgaben des Theaters. Wie aber soll man von Unsagbarem sprechen? Wie soll man sich einem Thema nähern, welches äußerst gut dokumentiert, aber immer noch nicht in Gänze erfasst ist, weil es eben genau das nie sein kann?

Risiko der Konfrontation Man kann die Aufmerksamkeit auf ein persönliches Schicksal lenken. Quasi sich nicht am großen, sehr schwergängigen Tor abmühen, sondern die kleine, vielleicht zunächst unscheinbare Pforte aufreißen. Im Falle der Kammeroper „Refidim Junction“ sind diese beiden „Pforten“ Marianne Dora Rein und Perl Margulis. Zwei junge, jüdische Frauen, von denen uns sehr intime Lebenssituationen durch ihre Briefe und Gedichte überliefert worden sind. Die Eine fällt ihren Peinigern zum Opfer, die Andere kann entkommen. Kann man es überhaupt wagen, und dazu noch als Deutscher, eine Oper über die Shoah zu machen? Ja, wenn man bereit ist, Geschichte einfach und vor allem nur zu erzählen und Klang werden zu lassen. Mehr als zwei Generationen nach diesen Ereignissen, für die jedes Adjektiv zu schwach erscheint, der systematischen Vernichtung von Menschen, scheint es geboten, nicht nur ein tief verwurzeltes schlechtes Gewissen zu befriedigen, sondern sich dem Risiko der Konfrontation auszusetzen. KulturGut 10| Seite

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19.04.10 14:44


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faltertod Das Licht verrinnt wie goldner Sand. Die Hirtenflöte klagt im Land.

Die Tatsache, dass eine der beiden Protagonistinnen, Marianne Dora Rein, eine Würzburger Jüdin, hier aus unserer Stadt den Weg in den Tod antreten musste, kann uns Historie kaum näher rücken. Doch diese Kammeroper ist von Anfang an ein Projekt der ganzen Stadt Würzburg für die ganze Stadt Würzburg – ein weiterer Stolperstein. Das drückt auch die Fortsetzung der Zusammenarbeit zweier gewichtiger Institutionen dieser Stadt aus, Hochschule für Musik und Mainfranken Theater. So stellte die Herausgeberin Rosa Grimm Marianne Dora Reins Gesamtwerk im Mainfranken Theater vor. Seit einigen Jahren bemüht sich die Stadt Würzburg um eine breit gefächerte Gedenkkultur, die über ein reines Betroffenheitsdenken hinausgeht. In diesem Sinne ist die Weiterbeschäftigung mit der Person Marianne Dora Rein geradezu notwendig. Die literarische Qualität ihrer Texte, aber auch ihr individuelles Schicksal sind beeindruckende Zeugnisse jüdischen Lebens in Würzburg.

Der Tag erlischt im Dämmerschein. Nachtfalter schweben grau herein. Der Kerze Docht brennt feuerrot. Auf seiner Flamme tanzt der Tod. Wie Blumenkelch blüht Kerzenschein. Nachtfalter taumeln blind hinein.

Was soll der Titel? Die singen doch deutsch! Die Dramatik der einzelnen jüdischen Schicksale inspirierte die deutsch-israelische Komponistin Magret Wolf zur musikalischen Umsetzung. Sie selbst beschäftigt sich seit längerer Zeit mit dem Leben der Essener Jüdin Perl Margulies. Wolf schreibt zu ihrer Komposition: “Im Mittelpunkt stehen die Briefe von Marianne Rein an Jakob Picard aus den Jahren 1939 bis 1941 und die Briefe, die Perl Margulies 1933 und 1934 an ihren Mann schrieb, durch die nicht nur das individuelle Schicksal dieser beiden jüdischen Frauen lebendig wird, sondern auch Begriffe wie Boykott, Ausgrenzung, Ausweisung, Verfolgung, Emigration in greifbaren und konkreten Ereignissen erschüttern.” Refidim ist ein biblischer Ort in der Wüste, an den die Israeliten nach ihrer Flucht aus Ägypten zogen. Dort trafen sie auf Amalek. Ein Volk, von dem wenig bekannt ist, außer dass es für das absolut grundlos Böse steht. So wurden die Nazis synonym für Amalek. Refidim bedeutet auch: die Schwachen. Wer war schwach? Natürlich die wehrlosen Israeliten, aber auch Amalek, weil sie ihre Boshaftigkeit nicht zu überwinden vermochten. Junction steht sowohl für die schicksalhafte Begegnung als auch für die Straßenkreuzung, die genau zwischen Würzburger Theater und Hochschule liegt. Hier stand zu Kriegszeiten die Schrannenhalle. Der Ort, an dem die Juden vor ihrem Marsch zum Bahnhof registriert wurden. Verantwortung bedeutet, diesen Ort nicht nur geographisch weiterhin für uns als zentral zu begreifen.

Stiller Tag Silbern rinnt des Wassers Kühle, lautlos rauscht die Mittagsschwüle, und dazwischen flüstert Wind in den Gebüschen. Hingelagert ruht die Herde. Wollnes Vlies schmiegt sich zur Erde. Über Gräsern schwebt der Himmel hoch und gläsern. An den Halmen paarweis hangen Falter, die sich spielend fangen: Bunte Waage, schwer von Liebe, schwer vom Tage. Abendröte kommt geflossen, Blumenkelch hat sich geschlossen. In der Ferne blinken auf die ersten Sterne.

InfoS: Die Kammeroper „Refidim Junction“ hat am

10. November im Theater Bibrastraße Uraufführung. Reservierungen Tel. (0931) 3908124. Der Schauspieler Kai Christian Moritz ist Ensemblemitglied des Mainfranken Theaters und führt bei „Refidim Junction“ Regie. KulturGut 10 | Seite

Marianne Rein

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 weitere Informationen: www.kulturgut.wuerzburg.de

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Interkultur |

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zwischendenwelten

7. bis 28. Oktober, VKU-Galerie Spitäle In seiner Vita gibt Georg Ruedinger seinen Beruf mit „Maler, Zeichner, Reisender“ an. Und stellt gleich klar: „Der Reisende ist immer auf Reisen, ob abwesend oder anwesend.“ Seinen 75. Geburtstag konnte der gebürtige Aschaffenburger im August feiern, das Spitäle richtet ihm jetzt eine Einzelausstellung aus. Zahlreiche „wirkliche“ Reisen, vor allem nach Asien, hat Ruediger unternommen, und deren Spuren finden sich auch in den Bildern, die er als „emotionale Topografien“ und Stückwerke naturhafter oder projektierter Welten betrachtet. Es ist wohl kein Zufall, dass in seinem Lebenslauf nicht nur seine Tätigkeit als Landesvorsitzender des BBK Rheinland-Pfalz Erwähnung findet, sondern ebenso die Mitgliedschaft in der Mainzer „Akademie für Weltkultur“ – ein frühes interkulturelles Forum. Da er immer auf Reisen ist, beobachtet er auch die heimische Kunstszene mit wachen Augen – schreibend als Mitarbeiter der Würzburger Magazine „Schmidt“ und „Quer“, seit 2001 als Unterfranken-Redakteur der BBK-Landesverbands-Zeitschrift „im Bilde“. Dort über die Ausstellung „10-zehn-X“ zum Kulturspeicherjubiläum zu berichten, muss ihm eine besondere Genugtuung gewesen sein, hatte er sich doch gerade als damaliger Bezirksverbandsvorsitzender für den Einzug von BBK- und Werkstattgalerie in den heutigen „Kunsttempel ohne gleichen“ (Ruedinger) eingesetzt. | www.vku-kunst.de; www.bbk-unterfranken.de ++++++++++++++++++++++++

Expedition zu den Polen 11. Oktober, 20 Uhr, Saalbau Luisengarten

Auch in Polen bleibt die Zeit nicht stehen. Steffen Möller, bekanntester deutscher Gastarbeiter beim östlichen EU-Nachbarn, nimmt seine Landsleute an

Termine |

die Hand und mit auf eine Zugreise von Berlin nach Warschau. Unterwegs wird geübt, wie man mit dem Kellner plaudert, wunderschöne Blondinen kennenlernt und unvermeidliche Kulturschocks überlebt. | www.wuerzburg-deluxe.de ++++++++++++++++++++++++

Landstriichmusig

10. November, 20 Uhr, Trinitatiskirche Rottenbauer Musik, aufgelesen am Wegrand von Wandergeigern im Laufe von Jahrhunderten, ein Sammelsurium an „urchigen“ Stücken aus der Schweiz und dem gesamten Alpenraum. „Landstriichmusig“ bezeichnet überdies bunt zusammengewürfelte Musikanten, die in wechselnder Besetzung durchs Land streichen, u. a. mit dem Schwyzerörgeli. | www.trinitatiskonzerte.de ++++++++++++++++++++++++

Olga Grjasnowa

19. November, 20 Uhr, Stadtbücherei im Falkenhaus Der Literarische Herbst hat einen besonders interkulturellen Termin. Über Grjasnowas (Foto: Stephan Röhl) Buch „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ schrieb „Die Zeit“: „Zeitgeschichtlich wacher und eigensinniger als dieser Roman war lange kein deutsches Debüt.“ Im Gegensatz zum simpel klingenden Titel schreibt die 28-jährige Aserbeidschanerin, deren Familie nach Deutschland floh, über eine hochdifferenziert denkende Heldin, die simultan zwischen fünf Sprachen hin und herübersetzen und sich über die primitiven Vorurteile gegenüber Migranten nur wundern kann. Das Schicksal schlägt in Form einer medizinischen Katastrophe zu… | www.stadtbuecherei-wuerzburg.de KulturGut 10 | Seite

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Technik in Afrika

22. November, 19.30 Uhr, VHS Münzstraße „Von gestern oder von heute?“, erkundigt sich der Untertitel der Präsentation, die die Technikerklasse der Franz-Oberthür-Schule vorlegt. Die Gruppe hielt sich in Würzburgs Partnerstadt Mwanza am Viktoriasee auf und berichtet in Wort, Bild und Ton von ihren dortigen beruflichen Erfahrungen. Der Austausch hat schon Tradition: Vor den Technikern besuchten bereits die angehenden Hauswirtschafterinnen ihre Kolleginnen in der „Schwesterstadt“, wie sie drüben genannt wird. | www.franz-oberthuer-schule.de ++++++++++++++++++++++++

Brasilien

28. November und 5. Dezember, 20.30 Uhr, Programmkino Central Das bedeutendste Schwellenland Lateinamerikas prägen Gegensätze zwischen Millionenmetropolen und kleinen archaischen indigenen Kulturen, zwischen riesigen Landwirtschaftsflächen und gewaltigen Urwäldern. Jüngst schlossen die Diözesen Würzburg und Óbidos Partnerschaftsverträge. Dazu gibt eine Filmreihe mittwochs Einblicke in dieses facettenreiche Land. Den letzten Novemberfilm, Marco Bechis 2008er „Birdwatchers“ über eine recht offene Begegnung zwischen Großgrundbesitzern und Amazonas-Eingeborenen, schaut eine Delegation aus Óbidos mit an und wird dann mit den Besuchern über das Filmthema reden. Die Staudamm-Doku „Eine andere Welt ist möglich? Der Kampf um Amazonien“ zeigt eine Woche später die Zerstörungen von Natur und menschlicher Lebensgrundlage im Beisein des Regisseurs Martin Keßler. | www.domschule-wuerzburg.de


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KulturGut erscheint dreimal jährlich in Würzburg.

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KulturGut 11 Januar 2013 |

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oper von giuseppe verdi ab 14. oktober 2012, groĂ&#x;es haus mainfranken theater wĂźrzburg


7.

im Vogel Convention Center VCC am 17. November 2012, 20:00 Uhr

Dirigent: Ruben Gazarian Klavier: Mona Asuka Ott

mit Werken von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart

08450

Eintritt: 80 €, Kartenvorverkauf: E-Mail: tickets@wuerzburg-benefizkonzert.de Eintrittskarten sind nur im Vorverkauf erhältlich, es gibt keine Abendkasse! Der Erlös des Konzertabends geht an wohltätige Zwecke. www.wuerzburger-benefizkonzert.de

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KulturGut Würzburg : Magazin für die Kulturregion Würzburg

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