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WERT Das Magazin der OFB-Gesellschaften

Ausgabe #01 Juni 2013

ZUKUNFT GESTALTEN Ausblick Wie leben und arbeiten wir in der Zukunft? Gateway Gardens Arbeiten, shoppen und genieĂ&#x;en am Flughafen Frankfurt Nachhaltigkeit Anregung aus einer anderen Branche


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EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN UND LESER, wir wollen Ihnen mehr bieten, auch mit unserem neuen Magazin WERT. Betrachten Sie mit uns die Immobilienbranche aus einer anderen Perspektive. Wir informieren Sie nicht nur über unsere neuen Projekte, sondern stellen Ihnen diese auch in ihrem Gesamtzusammenhang vor. In jeder Ausgabe setzen wir uns mit einem zentralen Thema auseinander – diesmal mit der Zukunft. Wenn wir in der Immobilienbranche Zukunft möglich machen und dauerhafte Werte schaffen wollen, müssen wir uns mit den technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen. Welche Themen beeinflussen die Immobilienwirtschaft? Welche Rolle spielt dabei die mittlerweile so profillos erscheinende Nachhaltigkeit? Wie werden wir morgen leben und arbeiten? Neben OFB-Fachleuten kommen auch Experten anderer Unternehmen oder Branchen zu Wort: der Autor und Nachhaltigkeitsexperte Ulrich Grober, der Wissenschaftler Volkmar Keuter vom Fraunhofer-inHaus-Zentrum sowie Dr. Peter Dill, Geschäftsführer der „Deutsche See“ GmbH. Große Veränderungen brechen nicht plötzlich über uns herein. Zukunft wird gestaltet – und das täglich von jedem von uns. Das trifft auch auf die OFB-Gesellschaften zu, ob bei der Entwicklung oder dem Management von Gebäuden. Beste Beispiele sind der innovative Standort Gateway Gardens und das Emaillierwerk Fulda, dem wir zu einer Zukunft als modernes Einkaufs- und Dienstleistungszentrum verholfen haben. Wir verwirklichen Nachhaltigkeit in allen Facetten und bieten Ihnen so einen „MehrWERT“. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre, Ihr

Dr. Al A ois Rhiel Alois

WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013

Der OFB-Konzern setzt sich aus der OFB (Kurzformel für Organisieren. Finanzieren. Bauen), der GHT Gesellschaft für Projektmanagement Hessen-Thüringen sowie der GGM Gesellschaft für GebäudeManagement zusammen. Diese Unternehmen gehören als Töchter der Landesbank Hessen-Thüringen zur Helaba Immobiliengruppe. Das OFB-Trio ist für vier verschiedene Sparten der Immobiliendienstleistungen zuständig. Die wichtigste, die Projektentwicklung, obliegt der OFB. Ebenfalls zu ihrem Aufgabenbereich gehören die Generalübernehmerleistungen. Die OFB verfügt über Niederlassungen in Frankfurt, Berlin, Erfurt und Kassel sowie über ein Büro in München. Die GHT übernimmt das gesamte technische und wirtschaftliche Projektmanagement für Hochund Tiefbaumaßnahmen aller Art. Schwerpunkte nehmen dabei das Kosten- und Finanzmanagement, die Organisationsgestaltung, die Investitionsberatung, die Terminkontrolle sowie die Qualitätssicherung ein. Die vierte Sparte des Konzerns – das Real Estate Management – fällt in den Zuständigkeitsbereich der GGM. Ihr Kerngeschäft ist es, Immobilienbestand zu managen und zu optimieren. Die Kompetenzen liegen primär im Property Management, im Real Estate Asset Management sowie in der Facility-Management-Beratung.


INHALT

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6 LICHTWERT 4

Gut getarnt Magic Mountain Hotel

MELDUNGEN 5

Rund um die OFB Neue Führung & Co.

ZUKUNFTSWISSEN

Smarte Immobilien Wir wagen einen Blick auf die Gebäude der nicht allzu fernen Zukunft. Welche Trends bei Immobilien gibt es bereits heute? Wie „green“ wird das Leben und Arbeiten in den nächsten Jahrzehnten? Sind Häuser bald „smarter“ als ihre Bewohner? Lesen Sie unsere Prognose ab Seite 6.

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Ready for Take-off Direkt am Flughafen Frankfurt entsteht ein zukunftsweisender Business Hub: Gateway Gardens.

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Zukunft gestalten Zukunftsperspektiven von Green Building bis Smart Living „Der schönste Stern am Firmament“ Interview mit Ulrich Grober zum Nachhaltigkeitsbegriff

MARKT

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Fair fischen Nachhaltig handeln ist für die Fischwirtschaft conditio sine qua non – das macht Dr. Peter Dill, Geschäftsführer „Deutsche See“, klar.

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Das Tor zu Frankfurt Gateway Gardens Für die Zukunft umgenutzt Emaillierwerk Fulda Von sono west bis HELLO No. 18 Projekte der OFB

MENSCHEN 19

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IMPRESSUM HERAUSGEBER: OFB Projektentwicklung GmbH, GHT Gesellschaft für Projektmanagement Hessen-Thüringen mbH und GGM Gesellschaft für Gebäude-Management mbH VERANTWORTLICH: Christian Munsch KONZEPT UND REALISATION: Mussler Communication – eine Marke der Publik. Agentur für Kommunikation GmbH, Eschenheimer Anlage 25a, 60318 Frankfurt am Main, www.mussler-communication.de

REDAKTION: Saskia Höhne, Manuel Mazoll, Stephanie Nass, Dr. Eva Pinter, Bernhard Schenk ARTDIRECTION: Laura Ricke DRUCK UND VERARBEITUNG: ABT Medien, Weinheim COPYRIGHT: Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Jede Art von Verwertung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers möglich.

BILDER: Fraunhofer UMSICHT, M. Hundt (Titel); OFB Projektentwicklung GmbH (S. 2-3, 5, 14, 16-19, 22-24); FraunhoferinHaus-Zentrum (S. 3, 10); Deutsche See GmbH (S. 3, 20-21); Huilo Huilo Biological Reserve – www.huilohuilo.com (S. 4); iStockphoto (S. 5, 24); Vincent Callebaut Architectures – www.vincent.callebaut.org (S. 6-7); NASA; Ulrich Grober/Verlag Antje Kunstmann (S. 9); Shutterstock (S. 10); Fraunhofer UMSICHT, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (S. 10); Grundstücksgesellschaft Gateway Gardens GmbH (S. 12-14); Stadtarchiv Fulda, Foto: Otto Diel (S. 16)

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Was bringt die Zukunft? „Nachgefragt“ beim Arbeitskreis der OFB Nachhaltigkeit in der Fischwirtschaft Interview mit Dr. Peter Dill Frankfurter Himmelsstürmer MAIN TOWER und Westhafen Tower Schlusspunkt

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LICHTWERT

LICHTWERT

MAGIC MOUNTAIN HOTEL Ein Baum? Ein Berg? Oder doch ein Haus? Das Magic Mountain Hotel im chilenischen Naturschutzgebiet Huilo Huilo ist der Gegenentwurf zu touristischen Beton-Klötzen. Es ist im wahrsten Sinne umweltfreundlich: Statt die Umgebung touristischen Wünschen zu unterwerfen, wurde das Magic Mountain Hotel in die natürliche Umgebung integriert. Als fester Bestandteil des Regenwaldes erschaffen, soll sich das Grün der Umgebung auf dem vulkanförmigen Hotel ausbreiten. Zudem besteht es ausschließlich aus regionalen, nachhaltigen Baustoffen. N www.huilohuilo.com/en

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MELDUNGEN

Dieter Kasten (li.) und Sanfrid Spory führen von nun an gemeinsam mit Dr. Alois Rhiel die OFB.

NEUE FÜHRUNG FÜR DIE OFB Im Rahmen der Überarbeitung der internen Kernprozesse und Zuständigkeiten wurde die Geschäftsführung der OFB ergänzt. Neben Dr. Alois Rhiel, der Vorsitzender der Geschäftsführung bleibt, wurden Dieter Kasten und Sanfrid Spory zu Geschäftsführern berufen. Kasten und Spory haben die OFB Projekt-

entwicklung GmbH bislang für den Alleingesellschafter Helaba verantwortet und gesteuert. Ihr Vorgänger Kai-Uwe Marx bleibt den OFB-Gesellschaften als Generalbevollmächtigter erhalten und ist in seinem bisherigen kaufmännischen Aufgabenbereich tätig.

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KOOPERATION: ZKM UND OFB Die 2009 ins Leben gerufene Zusammenarbeit zwischen dem Zielkundenmanagement (ZKM) „Institutionelle Kunden“ der Helaba und ihren Töchtern, den OFB-Gesellschaften, hat sich mittlerweile als sehr erfolgreiches Akquise-Instrument etabliert. Im ersten Quartal 2013 wurden im Verbund weitere Mandate gewonnen. Der Bereich „ZKM Institutionelle“ ist für finanzstarke Bestandskunden der Helaba zuständig, beispielsweise für Versicherer, Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften. Das „ZKM Institutionelle“ bezieht die OFB-Gesellschaften ein, wenn die Helaba-Kunden über ein Immobilienportfolio verfügen und hierbei auch ein Bedarf an Dienstleistungen aus dem Bereich der Projektentwicklung und des Real Estate Management besteht. Die Kunden profitieren gleichermaßen von dieser Kooperation. Sie können viele Leistungen aus einer Hand in Anspruch nehmen.

NEUER LOOK: RELAUNCH DER OFB-WEBSITES Ein frischer Look für die Gesellschaften der OFB: Pünktlich zur Messe MIPIM im März präsentierten diese ihre neuen Internetauftritte. Die Websites von OFB, GGM und GHT wurden grundlegend überarbeitet und an die mobile Datennutzung mit Smartphones und Tablets angepasst. Eine umfangreiche Datenbank samt Bildmaterial bildet das Herzstück der Websites. Die Projekte sind in die Kategorien Referenz und Aktuell unterteilt. Mithilfe der Suchfunktion lassen sie sich nach Begriffen wie Einzelhandel oder Bürogebäude, Region sowie Bruttogeschossfläche sortieren. So gibt die Datenbank einen klar strukturierten Gesamtüberblick. N www.ofb.de

N www.ggm-re.de

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ZUKUNFTSWISSEN

ZUKUNFT GESTALTEN Algenfassaden, Büros nach dem Lego-Prinzip oder Gebäude, die sich über den Wetterbericht informieren – das klingt reichlich nach Science-Fiction. Ist es aber nicht. Nachhaltige Trends und technologische Entwicklungen rund um die Immobilie lassen erahnen, wie wir zukünftig leben, arbeiten und wohnen werden.

Zukunftsweisend: Ernten über den Dächern der Großstadt (siehe Seite 8 und 11).

Zukunftsvision: Auch das Projekt „Asian Cairns“ von Architekt Vincent Callebaut lotet die Grenzen von Nachhaltigkeit und Selbstversorgung in urbaner Umgebung aus.

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ZUKUNFTSWISSEN

W

er die Begriffe „Zukunft“ und „Leben“ googelt, erhält eine Bildauswahl mit beeindruckenden Motiven: Gebäude in Form schwebender Luftschiffe, grüne, auf den Weltmeeren schwimmende Städte, mit Bäumen bepflanzte Hochhäuser und riesige transparente Touchscreens, über die nahezu alles gesteuert werden kann. Einiges davon ist bereits Realität, einiges zeigt uns, in welche Richtung wir uns bewegen: Die Welt wird grün, nachhaltig, smart und flexibel.

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Der gesellschaftliche und ökologische, aber auch der wirtschaftliche Wandel der vergangenen Jahre wirken sich drastisch auf unser künftiges Leben aus. Gesellschaftliche Trends, beispielsweise die Urbanisierung, sorgen für einen Ansturm auf die Metropolen – momentan leben weltweit bereits über 50 Prozent der Menschen in Ballungsräumen und Städten. Die Globalisierung und der mit ihr zunehmende internationale Wettbewerb führen zu einer Ressourcenknappheit in fast allen Bereichen unseres Lebens: Sie betrifft Energie, Rohstoffe – besonders aber Arbeitskraft und Zeit. Ressourcen richtig nutzen In Zukunft wird es noch wichtiger sein, Ressourcen besonders schonend und effizient zu nutzen. Vor allem aber muss sich der Mensch an die neuen Lebensbedingungen anpassen. Arbeiten, Leben und Wohnen werden zunehmend miteinander verschmelzen. Arbeitszeiten werden flexibler, neue Kriterien für die Wahl

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ZUKUNFTSWISSEN

SZENARIO 2050

9 Mrd. Menschen werden voraussichtlich auf der Erde leben.

70 % 25 % 80 % 70 %

davon werden unsere Städte bewohnen.

der Bevölkerung der führenden Industrienationen werden dann über 65 Jahre alt sein.

höher wird der Energiebedarf im Vergleich zu heute sein.

werden die energiebedingten CO2-Emissionen bis 2050 ansteigen.

Quelle: OECD Umweltausblick bis 2050

MINERGIE-STANDARDS Minergie ist seit 1998 als etablierte Marke der Zertifizierungsstandard der Schweiz. Der Standard gehört den Kantonen Bern und Zürich, die Zertifizierung wird jedoch über den Verein Minergie betrieben. 25 Prozent der Neubauten erhalten in der Schweiz mittlerweile ein Minergie-Zertifikat, Tendenz steigend. Die Minergie-Standards unterscheiden sich hinsichtlich der verschiedenen Anforderungen für Neu- und Altbauten sowie der Art der Immobiliennutzung. Drei Hauptstandards werden definiert: MINERGIE als Basisstandard für Energieeffizienz und Qualitätseigenschaften, MINERGIE-P mit Fokus auf einer optimierter Gebäudehülle und MINERGIE-A als Pendant zum Passivhaus oder Plus-Effizienzhaus.

des Arbeitsorts verlangen hohe Mobilität. Die Dimensionen des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit, nämlich Ökologie, Ökonomie und Soziales, müssen ganzheitlich betrachtet werden. Dieses Nachhaltigkeitsmodell wird sich künftig weiter aufspalten – neue Facetten und Denkmuster werden hinzukommen. Immobilienunternehmen müssen diese Trends frühzeitig erkennen und sich darauf vorbereiten. Sie müssen sich bereits jetzt auf künftige Entwicklungen einstellen, flexible Lösungen anbieten und die technologischen Möglichkeiten nutzen. Die Herausforderung liegt darin, in Gebäuden gleichzeitig eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Menschen wohlfühlen. Der Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft ist geebnet – jetzt gilt es, innovative Ideen zu entwickeln, um diesen Weg zu gehen. Nachhaltigkeit – die allumfassende Herausforderung Wo fängt die viel zitierte Nachhaltigkeit an? Wo hört sie auf? So profillos der Begriff der Nachhaltigkeit auf den ersten Blick wirken mag, so passend beschreibt er bei näherer Betrachtung die komplexe Entwicklung eines Systems. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages definierte Nachhaltigkeit als „Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann“. Ulrich Grober, Nachhaltigkeitsexperte und Autor, beschreibt es im Interview mit WERT (Seite 9) noch drastischer: „Nachhaltig ist das, was vor einem Kollaps schützt.“ Die Ursachen für einen solchen Kollaps sind laut Grober die Übernutzung der Ressourcenbasis und die zu große Ungleichheit in den Gemeinwesen. Das bringe Gesellschaften zum Scheitern. Legt man dieser Aussage unsere Gesellschaft, unser Wirken und Handeln zugrunde, dann wird die Nachhaltigkeit zur allumfassenden Herausforderung, der wir uns stellen müssen – sozusagen mit einer neuen grünen Bewegung. Das Herz schlägt grün Green Cities, Green Buildings, Green Office – das Herz vieler Immobilien schlägt bereits jetzt grün. Auch im wörtlichen Sinne: So sollen Ideen wie „Vertical Farming“, „Eco Architecture“ oder „inFarming®“ dazu führen, dass Gebäudedächer und Fassaden in Städten zunehmend als landwirtschaftliche Flächen

oder Wohlfühlzonen genutzt und Städte zukünftig in ein sattes Grün getaucht werden. Im übertragenen Sinn spielt die Farbe Grün auf die Nachhaltigkeit oder Energieeffizienz im Umgang mit Immobilien an. Betrachtet man jedoch den Anteil zertifizierter Büroimmobilien in den deutschen Immobilienhochburgen, ist das Ergebnis (noch) ernüchternd. Spitzenreiter in Sachen vorzertifizierter, zertifizierter oder registrierter Objekte ist – gemäß den Aussagen des CESAR (Certification and Sustainability Radar) von Jones Lang LaSalle – Frankfurt a. M. mit einem Anteil von 9,1 Prozent am Büroflächenbestand. Weit dahin-

„Nachhaltig sind nur die Lösungen, die auf lange Sicht vor einem Kollaps gefeit sind.“ ter folgen Düsseldorf (4 Prozent), Berlin (2,5 Prozent) sowie München und Hamburg (je etwa 2 Prozent). Dennoch lassen sich den Zahlen positive Perspektiven abgewinnen. Denn die Nachfrage der Mieter nach zertifizierten Gebäuden steigt. Projektentwickler können sich durch nachhaltiges Planen und Bauen gerade auf schwierigen Märkten von den Mitbewerbern abheben. Ein weiteres Argument spricht für nachhaltiges Bauen: der kosten- und ressourcengünstigere Betrieb von Gebäuden. Während sich die Planung und der Bau von zertifizierten Gebäuden im Vergleich zu konventionellen als geringfügig teurer erweisen, sind solche Gebäude langfristig gesehen deutlich kostengünstiger im Unterhalt. Hier setzt gerade auch die Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) – vielfach als Zertifizierungsmodell 2.0 bezeichnet – neue Maßstäbe. Das Siegel der DGNB hebt unter anderem Kriterien wie die Standort- und die soziokulturelle Qualität hervor und unterstreicht damit auch den Wert der Lebenszyklen eines Gebäudes und die Bedeutung von dessen Raumqualität. Hinzu kommt, dass Smart-Building-Technologien

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ZUKUNFTSWISSEN

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„Der schönste Stern am Firmament“ WERT sprach mit dem Nachhaltigkeitsexperten und Buchautor Ulrich Grober über Nachhaltigkeit, Wachstum und die Einzigartigkeit und Verletzlichkeit unseres Blauen Planeten.

Herr Grober, Sie vertreten keine eigene Definition von Nachhaltigkeit; gibt es für Sie dennoch eine Art Lieblingsdefinition des Begriffs? Ulrich Grober: Ja, und die ist schon 200 Jahre alt. Das Deutsche Wörterbuch von 1809 definiert Nachhaltigkeit als „das, woran wir uns halten, wenn alles andere nicht mehr hält“. Das hat was! Da erscheint Nachhaltigkeit nämlich als Gegenbegriff zu „Kollaps“. Nachhaltig sind nur die Lösungen, die auf lange Sicht vor einem Kollaps gefeit sind. Aber was sind die Ursachen für einen Kollaps? Die einfachste Antwort: die Übernutzung der Ressourcenbasis und die zu große Ungleichheit in den Gemeinwesen. Das bringt Gesellschaften zum Scheitern. Sehen Sie die vielen verschiedenen Nachhaltigkeitsansätze und die häufige Nutzung des Begriffs als Indiz dafür, dass wir dem Kollaps entkommen könnten? Dass dieses Denken allmählich in der Mitte der Gesellschaft – und der Weltgemeinschaft – angekommen ist, halte ich für extrem wichtig. Ich sehe Nachhaltigkeit als Suchbewegung, nicht als Rezeptbuch mit fertigen Lösungen, die nur noch umzusetzen sind. Je mehr Akteure sich darauf einlassen, desto besser. Ich baue auf die Schwarmintelligenz. Die wird uns auch signalisieren, dass es unser wohlverstandenes Eigeninteresse ist, mit der Natur pfleglich umzugehen und die Ungleichheit in der Gesellschaft nicht explodieren zu lassen. Bei der Suche nach kreativen Lösungen ist das Konzept Nachhaltigkeit unser bestes Navigationsgerät. Sie verwenden Nachhaltigkeit auch im Zusammenhang mit Wachstum. Ist es nachhaltiges Wachstum, das wir uns für die Zukunft wünschen müssen? Da muss man ganz sorgfältig unterscheiden. Ein „Weiter so“ mit dem Wachstum von Ressourcenverbrauch und Konsum endet über kurz oder lang im Kollaps. Das Zuviel führt zum Absturz ins Nichts. Was für Wachstum brauchen wir? Erstmal ganz schlicht: das

Wachstum in der Natur, die „nachwachsenden“ und erneuerbaren Ressourcen. Sie bilden die Basis für Nachhaltigkeit. Dann brauchen wir das Wachstum nachhaltiger Strukturen in unserer Ökonomie. Das sind solche, die ökologisch und sozial verträglich sind. Die müssen wir mit aller Kraft fördern – und gleichzeitig die nicht-nachhaltigen Struk-

turen abbauen. Die Ökonomen sprechen ja schon lange von „kreativer Zerstörung“ als Triebfeder der Innovation. An dem Punkt ist sie dringend nötig. Auch die Immobilienwirtschaft wirbt mit dem Siegel der Nachhaltigkeit, vergibt Zertifikate und ergreift Maßnahmen zur Ressourcenschonung. Ist das – wenn heute zu großen Teilen noch ökonomisch motiviert – der richtige Weg? Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten auf vielen Gebieten phänomenale Ideen entwickelt und ausprobiert. Gerade im Bereich Architektur und Landschaftsarchitektur, im Gartenbau und in der Landwirtschaft. Viele verkörpern die Eleganz der Einfachheit, verbinden Schönheit mit Ressourcenschonung, also mit einem richtig verstandenen ökonomischen Denken. Natürlich lässt sich nicht jeder Bau überall sofort in ein Passivhaus mit wild wucherndem Grün umwandeln. Aber dort, wo die Immobilienwirtschaft sich an

solchen avantgardistischen Leitbildern orientiert, sich mit ihrem speziellen Know-how in diese kreative Suchbewegung einklinkt, ist sie sicherlich auf einem guten Weg. Haben Sie einen Tipp für eine nachhaltigere Zukunft der Immobilienwirtschaft? Es wird Sie überraschen, ich empfehle aus eigener Praxis eine kleine meditative Übung. Kennen Sie „Blue Marble“, das ikonische Foto der Erde aus dem Weltall? Es entstand 1972 auf dem letzten bemannten Flug zum Mond. Mit ein paar Mausklicks kann man es sich auf seinen Bildschirm holen. Aus ihrem Raumschiff sahen die Astronauten „den schönsten Stern am Firmament“. Sie waren überwältigt von der Schönheit, der Einzigartigkeit und der Verletzlichkeit des Blauen Planeten im schwarzen All. Dieses Bild mit dieser Deutung ist die Matrix unseres modernen Nachhaltigkeitsdenkens. Es lässt sich runterzoomen auf jedes Fleckchen Erde. Dieses Bild kurz im Kopf aufblitzen lassen, wenn man ein Projekt in Angriff nimmt – vielleicht entdeckt man dann Möglichkeiten, jede ganz normale Immobilie zu vitalisieren oder zu revitalisieren. Die Idee der Nachhaltigkeit, auch das ist eine persönliche Erfahrung, macht Lust auf ein Leben, das weit ausgreift.

Ulrich Grober DIE ENTDECKUNG DER

NACHHALTIGKEIT KULTURGESCHICHTE EINES BEGRIFFS

Kunstmann

ULRICH GROBER: „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs.“ Verlag Antje Kunstmann. WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013


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ZUKUNFTSWISSEN

inFarming® von Fraunhofer UMSICHT konzentriert sich auf die landwirtschaftliche Nutzung von bestehenden Dächern und Fassaden und unterhält einen Schulungs- und Trainingsstandort in Manhattan. (oben) Nicht einfach nur schön, sondern äußerst durchdacht präsentieren sich die „Gardens by the Bay“ in Singapur (links oben). Die „Super-Bäume“ versorgen den umliegenden Park durch ihre Solarzellen mit Strom und fangen Regenwasser zur Bewässerung auf. Zudem dienen sie als Kühltürme für die benachbarten Gewächshäuser. Das Effizienzhaus Plus im Zentrum von Berlin. Hier vereinen sich die aktuellsten Entwicklungen und Technologien unter einem Dach. (links)

Über ein intuitives Touchpanel lassen sich im Fraunhofer-inHaus-Zentrum alle wichtigen Funktionen des Hauses steuern. (unten)

„Innovation bedeutet für uns, Fortschritt und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.“

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ZUKUNFTSWISSEN

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>> Bereiche der klassischen Gebäudeentwicklung relativieren und eine nachhaltige Bauund Betriebsplanung auf lange Sicht unumgänglich machen werden. Smart Living – Smart Building Leben und Arbeiten in intelligenten Gebäuden sind längst keine Zukunftsvision mehr. Viele derartige Wohnungen und Häuser sind bereits im Testbetrieb oder Bestandteil von Forschungsvorhaben. So erlebt beispielsweise eine Testfamilie mitten in Berlin den Alltag mit den neuesten Errungenschaften der Energieeffizienz in einem Effizienzhaus Plus. Photovoltaikanlage und Wärmepumpe erzeugen Energie, Überschüsse werden in Hochleistungsbatterien gespeichert. Die Haustechnik kann über Touchpanels und Smartphones gesteuert werden oder passt sich automatisch an. In Hamburg wurde bei der Internationalen Bauausstellung das weltweit erste Algenhaus BIQ vorgestellt. In den Glaselementen der Bioreaktorfassade wachsen Algen, die durch Fotosynthese und Solarthermie Biomasse und Wärme produzieren. Das sind nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen, wohin die Reise in Zukunft gehen kann. Solche innovativen Projekte sind auch im Bereich der Gewerbe- beziehungsweise Nutzimmobilien unter dem Begriff Smart Building in der Testphase. Neue Technologien, eine intelligente Vernetzung und die Verwendung innovativer Materialien sollen durch gemeinsame Forschungsvorhaben von Unternehmen und Institutionen auch auf diesem Gebiet zu einer nachhaltigeren Entwicklung beitragen. Ein Paradebeispiel dafür ist das Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg. Hier arbeiten Ingenieure und Unternehmen Hand in Hand an neuen Lösungen. „Ähnlich wie im privaten Immobilienbereich spielen bei Nutzimmobilien natürlich auch Energieeffizienz, regenerative Energien, Systemkopplungen und deren Auswirkungen auf die Gebäudeleittechnik sowie alle weiteren Themen rund um die Nachhaltigkeit eine große Rolle“, erklärt Volkmar Keuter, Leiter des Fraunhofer-inHaus-Zentrums. Diese Bereiche werden in originalgetreuen Forschungssituationen untersucht. „Aktuell bauen wir im ‚inHaus‘ ein etwa 400 Quadratmeter großes Labor. Gemäß dem Thema ‚Hospital Engineering‘ werden die wesentlichen Bereiche eines Krankenhauses abgebildet. Hier können Anbieter krankenhausnaher Produkte und Dienstleistungen gemeinsam

mit Krankenhäusern und dem Fraunhofer-Institut neue Systemlösungen erarbeiten.“ Der Blick der Fraunhofer-Forschungsgruppe richtet sich noch weiter in Richtung Zukunft. Keuters Vision: „Bei Neubauten wird sicherlich ein wesentlicher Schwerpunkt auf der stärkeren Vernetzung einzelner Technologien und der Integration der Gebäude in ein smartes Quartier oder – eine Ebene höher – in eine smarte Stadt liegen.“ Wagt man den Versuch, solche Zukunftsaussichten in Zahlen darzustellen, so könnten durch Smart Buildings schätzungsweise Effizienzgewinne im Strommanagement in der Größenordnung von allein etwa 5,6 Milliarden Euro erzielt werden (Studie des FhI ISI im Auftrag des BMWi, 2012). Gute Argumente, um diese innovativen Projekte weiter voranzutreiben. OFB setzt innovative Zeichen Die OFB sieht sich seit vielen Jahren in der Pflicht, innovative und richtungsweisende Technologien voranzutreiben. Dabei arbeitet sie eng mit Instituten wie dem Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) zusammen. Zudem ist die OFB Mitglied der DGNB und in deren Arbeitskreisen tätig. „Innovation bedeutet für uns, Fortschritt und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen“, erklärt René Strauß, Prokurist und Projektleiter der OFB. „Smart-Building-Technologien kommen in unseren Projektentwicklungen immer dann zum Einsatz, wenn langfristige Nutzer eine lebenszyklusübergreifende Planung beauftragen“, so Strauß. Mittel- und langfristig plant die OFB eine Ausweitung des Einsatzes innovativer Technologien, darunter neue Wärmerückgewinnungssysteme, spezielle LED-Lichtkonzepte, thermische Bauteilaktivierung oder fernüberwachte Gebäudeautomationssysteme – alles Technologien, die Nachhaltigkeit mit Innovation verbinden. Dies entspricht auch der Zielsetzung der OFB: Zukünftig sollen nahezu alle Projekte entsprechend den DGNB- oder LEED-Nachhaltigkeitskriterien gebaut und ausgestattet werden. <

DIE WICHTIGSTEN ZERTIFIZIERUNGSSYSTEME In der Immobilienbranche sind drei Systeme maßgeblich: das deutsche DGNB, LEED des U.S. Green Building Council und BREEAM aus Großbritannien.

DGNB Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen

25 % 25 %

Ökologische Qualität

Ökonomische Qualität

25 % 25 %

Standortqualität

Soziokulturelle und funktionale Qualität

LEED Leadership in Energy and Environmental Design

15 % Innenraumklima

26 % Nachhaltige Grundstücke

14 % Materialien und Ressourcen

10 % Wassereffizienz

35 % Energie und Atmosphäre

BREEAM Building Research Establishment Environmental Assessment Method

19 % Energie

15 % Gesundheit und Komfort

12 %

12,5 %

Management

Materialien

10 % 10 %

Emissionen

Landverbrauch und Ökologie

7,5 % Abfall

8% Transport

6% Wasserverbrauch

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DAS TOR NACH FRANKFURT Unweit der Frankfurter City, gegenüber dem Flughafen, entsteht derzeit ein neuer Frankfurter Stadtteil: Gateway Gardens. Er verkörpert Mobilität, Internationalität und Weltoffenheit – ein Tor nach Frankfurt für Gäste aus aller Welt. Bis 2021 soll das ehemalige US-amerikanische Militärgelände komplett umgestaltet sein. Büroangestellte und Geschäftsleute aus den in Gateway Gardens angesiedelten Unternehmen können in dem neuen Viertel arbeiten, einkaufen und ihre Freizeit genießen.

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Ein neuer Frankfurter Stadtteil zum Arbeiten, Ausgehen und Übernachten – Gateway Gardens bietet ein angenehmes Umfeld in absolut zentraler Lage.

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o sich früher Soldaten auf ihre Einsätze vorbereiteten, werden künftig Berufstätige in einem angenehmen Umfeld arbeiten –  4.500 Beschäftigte sind es bereits, rund 16.000 sollen es einmal werden. Auch will Gateway Gardens Gästen aus aller Welt komfortable Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Sechs sogenannte Quartiere mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten sind geplant – vom Quartier Alpha als Ort zum Arbeiten über das Quartier Verde mit einem 23.000 Quadratmeter großen Park bis hin zum Quartier Volar mit direktem Zugang zum Vorfeld des Flughafens. Unter den vielen neuen Häusern in Gateway Gardens sticht eines sofort ins Auge: Alpha Rotex. Mit einer Höhe von 67,60 Metern ist der Solitär das höchste Gebäude am Frankfurter Flughafen und markiert das Ende einer städtebaulichen Achse, die sich aus dem Gesamtareal entwickelt: „Ziel war es, ein Erkennungszeichen für das neue Quartier am Flughafen zu entwerfen, dessen Höhe sich mit den Anforderungen des Luftverkehrs noch in Einklang bringen lässt“, sagt Architekt Jo. Franzke, Inhaber des Büros Jo. Franzke Architekten mit Sitz in Frankfurt am Main. Aber nicht nur seine Höhe macht Alpha Rotex zu etwas Besonderem, sondern auch seine Form: Das Hochhaus mit seiner verglasten, großteils gebänderten Fassade ist in seiner Grundform dreieckig und wirkt aus

MARKT

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der Ferne von allen Seiten aus gleichermaßen zeichenhaft. Von oben betrachtet sieht Alpha Rotex aus wie ein Rotor. Die drei in einem Winkel von 120 Grad angeordneten Gebäudeflügel erwecken den Anschein, als ob sie sich um einen zentralen Kern drehten. „Auf diese Weise ist jeder Gebäudeflügel beidseitig belichtet und in seinem Inneren sehr hell“, erläutert Franzke einen Vorteil der außergewöhnlichen Konstruktion. Wintergärten schaffen Atmosphäre Zu dem besonderen Flair des Gebäudes tragen auch die imposante Eingangshalle und fünf großzügig inszenierte Wintergärten bei. Die Halle sowie die Gärten sind jeweils 30 Meter hoch und wurden durch eine Spiegelung der Grundrissfigur in der Zwischenebene des achten Obergeschosses versetzt zwischen die Gebäudeflügel eingepasst. Von jeder Etage aus lassen sich die Wintergärten über Balkone betreten und erleben. „Dadurch bietet das Gebäude neben Büroräumen auch angenehme Rückzugsmöglichkeiten, etwa für die Mittagspause“, erläutert Franzke. Um den Fluglärm abzuschirmen, wurde eine spezielle Kastenfensterkonstruktion eingebaut. Ein in sie integriertes, mithilfe eines Motors betriebenes Sonnenschutzsystem mit mattierter Beschichtung auf der Rückseite sorgt außerdem für einen optimalen Blendschutz an den Arbeitsplätzen des transparent wirkenden Gebäudes.

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Ein Meilenstein von Gateway Gardens – das Hochhaus Alpha Rotex. Es besticht durch seine Höhe und seine besondere Form.

Mit Element entsteht ein Hotel, das sich auch für längere Aufenthalte anbietet.

Der großzügige Park im Quartier Verde bietet Raum zum Verweilen und Entspannen.

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MARKT MARKT

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>> Im kompakten Gebäudekern von Alpha Rotex befinden sich nicht nur die Technik, die Treppenhäuser und sechs Aufzüge, sondern auch die Sanitäranlagen. „So konnte ein Mietflächenverhältnis von 86 zu 14 Prozent nach GIF (Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V.) erzielt werden“, sagt Franzke. Damit ist das Gebäude wesentlich effizienter als viele andere, auch moderne Hochhäuser. Von den insgesamt 23.000 Quadratmetern Mietfläche belegt der Bahnlogistiker DB Schenker, der erste Hauptmieter, 15.000 Quadratmeter – und zwar langfristig: Der Vertrag wurde über zwölfeinhalb Jahre geschlossen. Das Gebäude Alpha Rotex wird mit LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) Gold zertifiziert. Bewertet werden bei dieser Nachhaltigkeits-Zertifizierung Aspekte wie Wassereffizienz, Materialien und Ressourcen sowie die Luftqualität im Gebäude. „Wir haben nach Möglichkeit umweltverträgliche Materialien wie Glas sowie regionale Materialien verwendet, um lange Transportwege zu vermeiden“, nennt Franzke zwei von zahlreichen Maßnahmen, die das Gebäude nachhaltig machen. Auch werden 50 Prozent der Dachfläche begrünt; das Niederschlagswasser wird aufbereitet, um damit die Außenanlagen zu bewässern. Zahlreiche Fahrradstellplätze, Duschen und Umkleiden für Fahrradfahrer sollen zudem dazu animieren, öfter auf das Auto zu verzichten. Im Design moderner Stadtwohnungen „Element Frankfurt Airport“ heißt ein weiteres Vorzeigeprojekt in Gateway Gardens, das die OFB Projektentwicklung und die Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft gemeinsam errichten. Das Hotel der Marke Element von Starwood Hotels and Resorts ist das erste der Kette in Europa und wird derzeit am zentralen Park des Stadtviertels gebaut. Die Eröffnung ist für Sommer 2014 geplant. „Die prominente Lage sowohl in Gateway Gardens zwischen Park und Quartiersmensa als auch innerhalb der Frankfurt Airport City sowie in der Region ist ideal für ein Hotel“, sagt Stephan Bender von der OFB Projektentwicklung. Die Zielgruppen sind Geschäftsleute und Touristen, die viel und lange unterwegs sind.

Das Design der 133 Studios und Ein-Zimmer-Suiten orientiert sich an modernen Stadtwohnungen. Modulare Möbel ermöglichen, diese individuell einzurichten. Auch können sich die Gäste beispielsweise in einer kleinen Kochnische selbst etwas zu essen zubereiten. Neben einem Restaurant und einer Espresso-Bar stehen ihnen zudem Aufenthaltsund Besprechungsräume sowie ein rund um die Uhr geöffnetes Fitnesscenter zur Verfügung. Die Tiefgarage bietet 74 Stellplätze. Die Planungen sehen einen V-förmigen Grundriss vor, der sich zur Rückseite in Richtung Park verjüngt. Somit entstehen attraktive Terrassenflächen für Gäste und Besucher. Ein rund 1.000 Quadratmeter großer öffentlicher Platz vor dem Gebäudeentree mit Grünflächen und Sitzbänken lädt zum Verweilen ein. „Mit seinen öffentlichen Bereichen trägt das Element zur Nutzungsvielfalt von Frankfurts neuem Stadtteil bei“, ist Bender überzeugt. Die Gestaltung des Gebäudes stammt von Neumann Architekten aus Frankfurt und soll, ebenso wie Alpha Rotex, nach dem US-Nachhaltigkeitsstandard LEED zertifiziert werden. „Auch bei diesem Projekt legen wir großen Wert auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen“, betont Bender. Beispielsweise werden im Innenbereich des Hotels Bodenbeläge aus Recyclingmaterial sowie Farben mit geringem Lösungsmittelanteil verwendet. Mit Gateway Gardens entsteht mitten in Europa der Prototyp einer Stadt von morgen. Alpha Rotex und Element sind zwei anschauliche Beispiele für den zukunftsweisenden Charakter der Gebäude des neuen Stadtviertels: modern, nachhaltig, mit Wohlfühlatmosphäre – und dabei trotzdem zentral gelegen. Durch seine direkte Anbindung an den Frankfurter Flughafen, an den Bahnverkehr und an die Autobahn ist Gateway Gardens von überall her optimal zu erreichen und damit eine Top-Adresse für Unternehmen aus aller Welt. < N www.alpha-rotex.de

„Mit Gateway Gardens und Element entsteht mitten in Europa der Prototyp einer Stadt von morgen.“

GATEWAY GARDENS QUARTIER ALPHA Mit seinen markanten Gebäuden bildet es einen Eingang zu Gateway Gardens und ist vornehmlich als Bürostandort geplant. QUARTIER VERDE Lädt zum Durchatmen ein: Ein Park mit altem Baumbestand verbindet die Büround Hotelgebäude. QUARTIER CORTES Im Süden von Gateway Gardens gelegen ist es ideal für Corporate Buildings. Kompakte Baukörper gruppieren sich um abwechslungsreiche Innenhöfe. QUARTIER MONDO Dieses Quartier soll das Stadtviertel mit vielen Läden und Restaurants beleben. QUARTIER VOLAR Mit direktem Zugang zum Vorfeld des Flughafens richtet sich das Quartier an Unternehmen, die Flächen mit Flughafenanschluss benötigen. QUARTIER NORTE Es verleiht Gateway Gardens mit seinem Campus-Charakter eine innovative Atmosphäre.

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Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen harmonisch im Einkaufszentrum Emaillierwerk Fulda

MODERN EINKAUFEN IN HISTORISCHEM AMBIENTE Vom Pferdestall zum Wohnhaus, von der Kirche zur Gästepension oder von der Fabrik zum Verwaltungstrakt: Um geschichtsträchtige Gebäude zu erhalten, entwickeln Bauherren heute kreative Ideen. Ein Beispiel für eine gelungene Umnutzung ist das Emaillierwerk Fulda, das zu einem modernen Einkaufszentrum umgebaut wurde.

WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013


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mnutzungen sind oft die einzige Chance, leerstehende Immobilien auf einer wirtschaftlich tragfähigen Basis zu sanieren und wieder in das funktionale Stadtgefüge zu integrieren“, erläutert Ralph Holeschovsky, Niederlassungsleiter der OFB Projektentwicklung. Mit dem Emaillierwerk in Fulda wurde eine solche Metamorphose – vom ehemaligen Industriegebäude zum modernen Einkaufs- und Dienstleistungszentrum – abgeschlossen. Wo Arbeiter früher Stahl gestanzt und Geschirr emailliert haben, können die Fuldaer heute in rund 40 Geschäften einkaufen, essen gehen oder verweilen – in einer Atmosphäre, die sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart und Zukunft spürbar werden lässt. Nach einer langen Zeit, während der das Industriegelände brach lag, trägt das umgebaute Emaillierwerk jetzt dazu bei, die Fuldaer Innenstadt zu beleben. „Vor dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf, den wir mit der Umnutzung beendet haben, wurde hier Geschichte geschrieben“, berichtet Holeschovsky. 1867 gründete Franz Carl Bellinger einen Emaillierwerksbetrieb, der sich in seiner Branche zum größten deutschen Unternehmen entwickelte. Bellinger nutzte die in der Mitte des 19. Jahrhunderts neu aufgekommenen Verfahren zur Stahlproduktion sowie zur Herstellung von emailliertem Blechgeschirr mit ungiftigem Überzug. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine zweistöckige – und später unter Denkmalschutz gestellte – Fabrikationshalle gebaut, in der das Emaillier- und das ebenfalls zum Unternehmen gehörende Stanzwerk in einem Gebäude zusammengeführt wurden. 1969 wurde das Werk geschlossen. Startschuss für die StandortRevitalisierung Fast ein halbes Jahrhundert blieb das in der südlichen Innenstadt von Fulda gelegene Industriegelände ungenutzt, bis die Stadt vor einigen Jahren die Fläche für den Einzelhandel freigab. Die OFB ergriff die Chance, um ein Fachmarktkonzept zu entwickeln. Es sollte einerseits den Standort mit modernen Mitteln wiederbeleben, andererseits den Geist der Vergangenheit nicht verleugnen oder gar zerstören. Eine Herausforderung war die

eingeengte Lage des Gebiets. „Zunächst mussten die erforderlichen angrenzenden Grundstücke erworben und teilweise neu geordnet werden, um die für die Handelsnutzung notwendigen Parkplätze und die Zufahrt sicherzustellen“, sagt Holeschovsky. „Besonders anspruchsvoll waren auch die Abstimmung der geplanten Baumaßnahmen mit der Denkmalschutzbehörde und die statischen Rahmenbedingungen der in Eisenbeton errichteten Emaillierwerkshalle.“ Ende 2009, 40 Jahre nach der Stilllegung des Werks, begann die OFB damit, das gesamte Areal umfassend neu zu gestalten – unter Berücksichtigung bauhistorischer Gegebenheiten. Die denkmalgeschützte ehemalige Produktionshalle wurde erhalten und in den Neubau integriert. Großzügige Fensterflächen lassen ausreichend Licht in die Shoppingmall und eine moderne Innenarchitektur sorgt für ein angenehmes Flair. Am 13. Oktober 2011 eröffnete das Fuldaer Einkaufs- und Dienstleistungszentrum mit einer Mietfläche von rund 18.000 Quadratmetern. „Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen: Einzigartig ist dabei zweifelsfrei der individuelle Charakter, den die liebevoll sanierte, denkmalgeschützte Industriehalle aus den 1920er-Jahren dem Einkaufszentrum verleiht“, sagt Holeschovsky. Auch die Zukunftsfähigkeit des Emaillierwerks ist inzwischen bewiesen: 2012 wurde es mit dem DGNB Zertifikat in Gold ausgezeichnet. Die entsprechenden Aspekte wurden bereits im Planungs- und Bauprozess berücksichtigt. So konnte der Bauherr frühzeitig sicherstellen, dass das Gebäude nachhaltig betrieben werden würde. „Damit ist das Emaillierwerk perfekt für die Zukunft gerüstet“, ist Holeschovsky überzeugt. Für ein zukunftsträchtiges Centermanagement sorgt seit dem 1. Juni 2013 MEC, ein Joint Venture von METRO Group und ECE. <

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WEITERE UMNUTZUNGEN BERLINER STRASSE 51–55, FRANKFURT Alte Nutzung: Bundesrechnungshof Neue Nutzung: Büro, Hotel, Handel, Gastronomie Baujahr Bestandsgebäude: 1954–1955 Grundstücksgröße: 5.311 m² BGF (oberirdisch): 30.000 m² Baustart: Ende 2013

ANDREASSTRASSE 37 A–D, ERFURT Alte Nutzung: Justizvollzugsanstalt Neue Nutzung: Büro, Verwaltung, Gedenk- und Bildungsstätte Baujahr Bestandsgebäude:1874–1879 Grundstücksgröße: 5.662 m² BGF (oberirdisch): 7.277 m² Fertigstellung: 2012

CAMPUS WOLFHAGEN, LANDKREIS KASSEL Alte Nutzung: Kaserne Neue Nutzung: Berufsschulzentrum Baujahr Bestandsgebäude: Je nach Gebäude zwischen 1959 und 1984 Grundstücksgröße: rund 40.000 m² BGF (oberirdisch): 15.500 m² Fertigstellung: 2009

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EIN MODERNES GESUNDHEITSZENTRUM „Forum Medicus – Haus der Gesundheit“ hat die OFB ihr zukünftiges Gesundheitszentrum in Bad Homburg getauft. Es soll der ambulanten fachärztlichen Versorgung dienen: Auf einer Mietfläche von rund 5.000 Quadratmetern werden medizinischen Leistungen unter einem Dach angeboten. Eine lichtdurchflutete Eingangshalle verleiht dem Zentrum einen freundlichen und einladenden Charakter. Ein Drittel der Fläche ist bereits vermietet. Der Baustart erfolgt noch in diesem Jahr. Anfang 2015 soll das Zentrum seinen Betrieb aufnehmen.

Auf 5.000 Quadratmetern werden fachärztliche Leistungen angeboten.

SONO WEST – BÜRONEUBAU MITTEN IM FRANKFURTER WESTEND

Eine Zertifizierung mit LEED Platin wird für das Frankfurter sono west angestrebt.

Die OFB plant ein modernes achtgeschossiges Büro- und Geschäftshaus inmitten des Frankfurter Westends. Unter dem Namen sono west sollen an der Bockenheimer Landstraße bis Mitte 2015 rund 8.200 Quadratmeter neue Bruttogeschossfläche für höchste Ansprüche entstehen. Neben individuellen und hohen Ausstattungsstandards wird eine Zertifizierung des Gebäudes nach LEED in der höchsten Kategorie Platin angestrebt. sono west ist Bestandteil einer größeren Quartiersentwicklung. Der Baustart ist für Ende 2013 vorgesehen.

RUNDUM-VERSORGUNG IM QUARTIER CORTES Mit dem Projekt Daily Plaza plant die OFB ein Nahversorgungszentrum in Gateway Gardens im südlichen Quartier Cortes. Vier Einzelgebäude bieten dabei auf rund 21.000 Quadratmetern Mietfläche Räumlichkeiten für Einzelhandel, Gastronomie, Büros, ein Hotel und eine Kindertagesstätte. Daily Plaza soll am Standort der Zukunft, in Gateway Gardens, Leben und Arbeiten in Einklang bringen. Eine Zertifizierung nach DGNB beziehungsweise LEED ist vorgesehen. Die ersten Baumaßnahmen beginnen vorausModernes Design für das Nahversorgungszentrum. sichtlich im Sommer 2014.

YOU ARE WELCOME

Eine angenehme Atmosphäre verspricht HELLO No. 18 in Darmstadt.

Im Darmstädter Europaviertel plant die OFB das Projekt HELLO No. 18. Auf einer Mietfläche von circa 10.960 Quadratmetern bietet das Gebäudeensemble moderne Büroräumlichkeiten. Großzügige Flächen und eine angenehme Atmosphäre sollen Kreativität und Ausgeglichenheit fördern und sowohl die Angestellten im Gebäude als auch ihre Kunden willkommen heißen. HELLO No. 18 wird nach nachhaltigen Gesichtspunkten konzipiert und dabei auf eine Auszeichnung mit dem LEED-Zertifikat in Gold ausgerichtet. Im Frühjahr 2014 wird voraussichtlich mit den Baumaßnahmen begonnen.

KONTAKT (INVESTMENT): Oliver Egly, OFB, 069/91732 - 300 WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013


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NACHGEFRAGT

WELCHES THEMA BEWEGT UNS IM JAHR 2023? Wie lässt sich Nachhaltigkeit in der Praxis umsetzen? Dieser Frage geht ein Arbeitskreis der OFB nach, der aus vier Personen unterschiedlicher Kompetenzbereiche besteht. Das Team untersucht, wie man Nachhaltigkeit möglichst frühzeitig beim Planen und Bauen berücksichtigen kann und spricht Empfehlungen aus. WERT hat mit dem Arbeitskreis in die Zukunft geblickt und gefragt, zu welchem Thema er 2023 tagen wird. Wird Nachhaltigkeit noch so aktuell sein wie heute?

RENÉ STRAUSS, DGNB CONSULTANT UND PROZESSE Arbeitskreis „Smarte Baustoffe“

THOMAS WELLMANN, FASSADENOPTIMIERUNG Arbeitskreis „Smarte Fassade“

„In zehn Jahren werden wir uns mit innovativen Kon-

THOMAS SPIEGELBERG, TECHNISCHE GEBÄUDEAUSRÜSTUNG Arbeitskreis „Flexible Projekte“

CHRISTIAN MUNSCH, MARKETING UND KOMMUNIKATION Arbeitskreis „Zukunft“

„Fassadenoptimierung wird

„Das Wirken des Arbeitskrei-

„Nachhaltigkeit wird in zehn

als Nachhaltigkeitsinstru-

ses wird zum einen bestimmt

Jahren nicht mehr nur

zepten für ressourcenscho-

ment einen noch höheren

sein von der Überalterung

Markenbestandteil, sondern

nendes Planen, Bauen und

Stellenwert einnehmen. Wir

der Gesellschaft. So müssen

Grundvoraussetzung per se

Betreiben beschäftigen.

werden uns beispielsweise

unsere Lebens- und Arbeits-

sein, um überhaupt planen

Der Fokus wird hier nicht

mit metallischen Nanopar-

räume und damit auch un-

und bauen zu dürfen. Die

mehr nur auf der Primä-

tikeln beschäftigen, die an

sere Projekte angepasst wer-

Zukunft selbst wird als

renergie- und Betriebs-

der äußeren Gebäudehülle

den. Zum anderen wird unser

unser Thema im Mittelpunkt

kostenreduzierung liegen

etabliert werden. Diese

Wirken von der Notwendig-

stehen: Alle Bereiche müs-

(Passiv-/Plusenergiehaus),

ersetzen über ihre spezi-

keit geprägt sein, Baupro-

sen sich einer Welt, die sich

sondern auf der gezielten

fischen Eigenschaften die

jekte so zu gestalten, dass

immer schneller dreht, stetig

Auswahl innovativer Bau-

Klimaanlage, weil Sonnen-

diese der Schnelllebigkeit

anpassen. Konkret wird es

produkte zur Energieerzeu-

strahlung nur durch die

gerecht werden: Sie müssen

bei uns weiterhin darum

gung und -speicherung.“

Fassade hindurch gelassen

einfach umzunutzen und an

gehen, Projekte aus der und

wird, wenn die Innenräume

die technischen Neuerungen

für die Region zu entwickeln

geheizt werden sollen –

anzupassen sein.“

– Projekte, die echt, einfach,

Graffitischutz gibt es on

aufrichtig und ehrlich sind.“

top dazu.“ WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013


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LANGFRISTIG DAS RICHTIGE TUN Nachhaltigkeit beschreibt in ihrem ursprünglichen, forstwirtschaftlichen Sinne das Prinzip, dass nicht mehr Holz abgebaut werden sollte, als nachwachsen kann. Viele Unternehmen schreiben sich Nachhaltigkeit heute auf ihre Fahnen. Aber nur auf wenige Branchen ist der Begriff in seiner originären Bedeutung anwendbar. Eine ist die Fischwirtschaft, denn ihre Existenz hängt in letzter Instanz von ausreichend großen Fischbeständen in den Weltmeeren ab.

Viktoriabarsche gehören zu den beliebtesten Speise fischen in Deutschland. Gerade bei den „Bestsellern“ unter den Fischen kommt es auf nachhaltige Fangmethoden an.

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„Wenn Nachhaltigkeit als reines Marketinginstrument behandelt wird, wird ein Unternehmen nicht wirklich nachhaltig agieren.“

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eutsche See“ mit Hauptsitz in Bremerhaven ist in Deutschland die Nummer eins bei der Vermarktung von Fisch und Meeresfrüchten. Als Marktführer ist sich das Unternehmen der Verantwortung zum nachhaltigen Schutz der natürlichen Ressourcen bewusst. Die „Deutsche See“ GmbH engagiert sich schon lange aktiv für den Erhalt der Fischbestände und den Umweltschutz und wurde dafür im November 2010 als „Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. WERT sprach mit Dr. Peter Dill. Der Geschäftsführer der „Deutsche See“ GmbH beeindruckte die OFB-Gesellschaften schon auf der internen Jahresauftakt-Veranstaltung 2012 mit seinen Ausführungen zu nachhaltigem Wirtschaften. Der Begriff der Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde. Was macht Nachhaltigkeit wirklich aus? Nachhaltigkeit ist eine grundlegende Einstellung zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung, die darauf ausgerichtet ist, nicht ausschließlich den kurzfristigen Erfolg zu suchen, sondern langfristig das Richtige zu tun. Das bedeutet, wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischen und sozialen Anforderungen und gegebenenfalls mit notwendigen Veränderungen in der Branche und im Umfeld in Einklang zu bringen. Warum sollte ein Unternehmen – abseits des Marketings – aufrichtig nachhaltig handeln? Wenn Nachhaltigkeit als reines Marketinginstrument behandelt wird, wird ein Unternehmen nicht wirklich nachhaltig agieren. Für uns in

unserer Branche, in der wir ja auf Erträge aus der Natur angewiesen sind, ist Nachhaltigkeit conditio sine qua non. Anders ausgedrückt: Wir möchten den Ast, auf dem wir sitzen, nicht absägen. Daher ist die Beschäftigung mit den sich daraus ergebenden Fragen sowohl Existenzsicherung als auch gleichzeitig ein unternehmerisch bedingtes ethisches Bedürfnis. Beschreiben Sie bitte kurz, wie die „Deutsche See“ Fischmanufaktur Nachhaltigkeit als Unternehmensprinzip umsetzt. Lässt sich Ihre Philosophie auch auf andere Branchen mit Erfolg anwenden? Für uns besteht Nachhaltigkeit aus der gleichzeitigen Berücksichtigung und Verbindung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Fragen, nach dem Motto „People, Planet, Profit“ – und das über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Das ist auf diesem Abstraktionsniveau sicherlich auch allgemeingültig, in der operativen Umsetzung dann allerdings branchen- und unternehmensspezifisch sehr unterschiedlich. Nachhaltigkeit hat dabei für uns auch eine ganz operative Dimension, das heißt, wir stellen uns immer die Frage: „Was kann ich wo bei welchen Prozessen und Aufgaben besser machen, auch im Kleinen?“ Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen durch seine aufrichtige Nachhaltigkeitspolitik keinen Wettbewerbsnachteil erleidet? Das ist eine gute, aber keine einfache Frage. An der einen oder anderen Stelle ist es bestimmt so, dass kurzfristige, nicht nachhaltige Strategien ökonomische Vorteile bedeuten können. Wir sind allerdings davon überzeugt,

dass sich der von uns eingeschlagene Weg mittel- bis langfristig als richtig erweist. Wird nachhaltiges Handeln von Unternehmen in Zukunft die Kaufentscheidung der Konsumenten beeinflussen? Mit Sicherheit als sogenannter „Hygienefaktor“, in keinem Fall aber als ausschließliches Kriterium. Sehen Sie, unsere Produkte müssen zuerst einmal den Konsumenten gut schmecken! Das heißt am Ende, dass Unternehmen deutlich mehr als nur Nachhaltigkeit bieten müssen, um erfolgreich zu sein!

DR. PETER DILL Jahrgang 1959, BWL-Studium und Promotion zum Dr. oec. publ. an der LMU München. Bis 1987 wissenschaftlicher Assistent und Dozent am Institut für Industriebetriebslehre. 1988 bis 1999 Partner und Managing Director der Boston Consulting Group in München, Seoul und Hamburg. Seit 1999 Geschäftsführender Gesellschafter der „Deutsche See“ GmbH. WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013


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Beim Blick von Sachsenhausen aus auf die Frankfurter Skyline fällt er sofort ins Auge: der MAIN TOWER, mit seinen 200 Metern eines der höchsten Gebäude Frankfurts und Heimat des höchstgelegenen Fernsehstudios Europas. Der Westhafen Tower im Gutleutviertel ist zwar nur halb so hoch, zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters allerdings durch seine rautenartige Fassadenstruktur auf sich: Er sieht aus wie ein Apfelweinglas. Beide Gebäude sind Frankfurter Wahrzeichen und werden von der GGM betreut.

FRANKFURTER HIMMELSSTÜRMER

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ei seiner Eröffnung im Jahr 2000 war der MAIN TOWER das erste Hochhaus in Europa mit vollverglaster Fassade. Die 2.550 Fenster verleihen dem Turm Leichtigkeit – trotz seiner imposanten Größe. Gleichzeitig sorgen sie für ausreichend Licht und eine gute zusätzliche Belüftung der Büros. Eine echte Innovation: Der MAIN TOWER war das erste Hochhaus überhaupt, dessen Fenster sich öffnen lassen. Bei Windstärken von über fünf Metern pro Sekunde oder Temperaturen von unter fünf Grad Celsius werden die Fenster automatisch geschlossen: „Die Gebäudeleittechnik, die unter anderem diese Funktionen ermöglicht, ist technisch sehr aufwändig. Allein dafür wurden kilometerlange Kabel verlegt“, berichtet Michael Hamann, Leiter des Bereichs Facility Management Beratung bei der GGM. WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013

Als erstes Bestandsgebäude LEED Gold Besonders stolz sind die Betreuer des MAIN TOWERs auf das LEED-Gold-Nachhaltigkeitssiegel, mit dem das Gebäude 2011 zertifiziert wurde – als erstes Bestandsgebäude in Deutschland. Ausschlaggebend für die Zertifizierung war unter anderem die Energiebilanz des Gebäudes. Dank eigener Blockheizkraftwerke ist es in der Lage, autark Strom und Wärme zu erzeugen. Ein Erdpendelspeicher steht zur weiteren Reduktion fossilen Ressourcenverbrauchs zur Verfügung. „Der Einsatz energieeffizienter Anlagen in Kombination mit einer optimierten Betriebsweise ergibt einen für ein Gebäude dieser Zeit und Bauart niedrigen Jahresenergieverbrauch, der den Vergleich mit jüngeren Gebäuden nicht scheuen muss“, betont Jost-Rudolf Wolfstetter, Geschäftsführer der GGM.

Intelligente Klimatechnik für niedrigen Energieverbrauch Rein optisch steht der Westhafen Tower dem MAIN TOWER in nichts nach: Mehr als 3.500 dreieckige Elemente prägen die Fassade. Besonders attraktiv für die Menschen, die in den Büros arbeiten: Die Hohlräume, die zwischen der runden Außenfassade und den eckigen Büroräumen entstanden sind, wurden als Wintergärten gestaltet. Sie dienen jedoch nicht nur als Ort der Entspannung in der Arbeitspause, sondern reduzieren auch den Energieverbrauch des Gebäudes. Die Etagen werden unter anderem mit unter den Fenstern eingelassenen Hochleistungsheizkörpern – sogenannten Konvektoren – beheizt, während die Kühlung über eine Kühldecke erfolgt. „Mittels Absorptionskälteanlagen wird aus Fernwärme Kälte erzeugt. Dieses Verfah-


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SCHLUSSPUNKT

JOST-RUDOLF WOLFSTETTER, GESCHÄFTSFÜHRER DER GGM IM INTERVIEW

„Die Wochen nach 9/11 waren die schwierigsten meiner Karriere“

3.500 dreieckige Elemente prägen die Fassade des Westhafen Towers (r.). Der MAIN TOWER (l.) war das erste Hochhaus, dessen Fenster sich öffnen ließen.

Wie lange sind Sie schon bei der GGM und was haben Sie davor gemacht? Ich bin schon seit 1996 dabei – erst als technischer Leiter, später dann als Geschäftsführer. Insgesamt bin ich seit 26 Jahren im Gebäude- und Facility Management tätig. Zuvor habe ich neun Jahre als Planer und Bauleiter gearbeitet. Wichtige Stationen waren unter anderem die Wayss & Freytag AG, die Dresdner Bank (DEGI) und die West LB. Außerdem habe ich mehrere internationale Projekte in Budapest, Istanbul, Moskau und Warschau betreut. Welche Fähigkeiten sind unabdingbar für Ihren Job? Auf jeden Fall braucht man Ausdauer und Beharrlichkeit. Ein ausgeglichenes Gemüt, das einem dabei hilft, gewisse Besonderheiten zu absorbieren, schadet auch nicht.

ren der Kälteerzeugung ist sehr klimafreundlich und zuverlässig“, so Michael Hamann. Anspruchsvolle Objekte Das Management dieser beiden Prestigeobjekte ist sehr aufwändig: „Wir müssen zum einen sehr hohe technische Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig sind die Mieter bei diesen hochwertigen Büroräumen sehr anspruchsvoll. Deshalb stellen wir sicher, dass rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche kompetente Mitarbeiter direkt vor Ort sind“, erklärt Jost-Rudolf Wolfstetter. „Wir sind stolz, dass wir die Betreuung solcher Objekte in diesem Umfang leisten können.“ <

Wann war dieses ausgeglichene Gemüt besonders wichtig für Sie? Da gab es natürlich mehrere Situationen. Die schwierigste Zeit meiner Karriere waren aber die Wochen nach dem 11. September 2001. Der hessische Innenminister hatte empfohlen, die Frankfurter Hochhäuser geschlossen zu halten, denn es wusste ja niemand, ob nach den Anschlägen in New York noch weitere folgen würden – zumal in Frankfurt gerade die IAA stattfand. Damals habe ich mit anderen Kollegen den Frankfurter Hochhausbetreiber-Kreis gegründet, der zum Glück in den vergangenen Jahren nicht mehr so aktiv benötigt wurde. Zusammen mit den Sicherheitskräften entwickelten wir Maßnahmen zur Evakuierung der Hochhäuser. Seitdem gibt

es regelmäßig Übungen. Das ist mir sehr wichtig. Im Notfall darf es auf keinen Fall zu einer Panik kommen, etwa weil die Menschen nicht wissen, wo das Treppenhaus ist oder wie sie sich im Gefahrenfall verhalten sollen. Deshalb finden in den von uns betreuten Hochhäusern auch regelmäßige Schulungen für die Mieter statt. Könnten Sie sich vorstellen, in Hochhäusern wie dem MAIN TOWER oder dem Westhafen Tower zu wohnen? Nach meinem Studium habe ich zwei Jahre in einem Hochhaus in Mainz gewohnt. Mit meiner Frau bewohnte ich für mehrere Jahre eine Eigentumswohnung in einem Hochhaus, wo wir uns sehr wohlfühlten. Das Tolle daran ist die Aussicht. Deshalb würde ich in einem Hochhaus niemals tiefer als in den zehnten Stock ziehen. Heute wohne ich aber bewusst in einer Wohnanlage ohne dichte Bebauung und nur 50 Meter vom Park entfernt. Sie sind jetzt seit 26 Jahren im Gebäude- und Facility Management tätig. Sind Sie der geborene Heimwerker oder rufen Sie lieber den Handwerker? Vor meinem Studium konnte ich mir bei einer Ausbildung zum Bau- und Möbelschreiner viele handwerkliche Fähigkeiten aneignen. Allerdings fehlt mir heute meist die Zeit und Muße, sodass ich doch oft die Handwerker bitten muss. Mein Werkzeugund Maschinensortiment ist noch sehr umfangreich, sodass ich mir im Notfall jederzeit selbst helfen könnte. Wer weiß: Vielleicht kommt das wieder öfter zum Einsatz, wenn ich mal im Ruhestand bin. WERT – Das Magazin der OFB-Gesellschaften #01 Juni 2013


Karriere bei den OFB-Gesellschaften

SUBSTANZ SCHAFFT WERTE – WIRKEN SIE MIT!

Mit rund 190 Beschäftigten sind die OFB-Gesellschaften seit über 55 Jahren erfolgreich in der Projektentwicklung sowie im Projekt- und Real-Estate-Management von Großimmobilien für private und kommunale Investoren tätig. Wir verfügen über Niederlassungen in Frankfurt, Berlin und Kassel sowie über ein Büro in München. Unterstützen Sie uns bei der Realisierung weiterer herausragender Projekte.

Wir bieten: • Abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Aufgaben • Einen sicheren Arbeitsplatz in einem etablierten Unternehmen • Eine der Position entsprechende Vergütung mit attraktiven Rahmenbedingungen

Helaba Immobiliengruppe

Aktuelle Stellenausschreibungen unter: www.ofb.de/karriere

Initiativbewerbungen richten Sie bitte an: OFB Projektentwicklung GmbH Personalabteilung Speicherstraße 55 60327 Frankfurt am Main personalofb@ofb.de


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