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Landesverband der Freien Berufe Land Brandenburg e. V.

Informationen 3/2013

Podiumsdiskussion mit der Politik Diskussion um die Frage: „Wie anerkannt sind Freiberufler?“

LFB-Präsident Thomas Schwierzy (li.) eröffnet die Diskussion mit einem Statement

„Anerkennung der Freiberufler in der Gesellschaft und Politik in Brandenburg“ war in diesem Jahr das Thema der Podiumsdiskussion am 7. August 2013. Der Präsident des LFB, Thomas Schwierzy hatte zu dieser bereits etablierten Veranstaltung wieder Spitzenpolitiker der im Landesparlament vertretenen Fraktionen eingeladen, um gemeinsam mit Vertretern der 22 Mitgliedsverbände des LFB die aktuelle Situation der Freien Berufe im Land Brandenburg zu erörtern. Von den fünf Landtagsparteien waren die Fraktionsvorsitzenden • Ralf Holzschuher, SPD • Christian Göhrke, Die Linke • Dieter Dombrowski, CDU • Axel Vogel, Bündnis 90/Die Grünen und die parlamentarische Geschäftsführerin • Marion Vogdt, FDP der Einladung zum Gespräch gefolgt. Die Veranstaltung moderierte in diesem Jahr der Journalist und Chefredakteur beim Axel-Springer-Verlag Gunnar Schupelius. Der Präsident des LFB Thomas Schwierzy begrüßte die Anwesenden und Umriss in seiner Rede kurz wichtige Themen der Freiberufler, wie den Erhalt und die regelmäßige Anpassung der Gebührenordnung, den demographischen

Wandel, den Bedarf von qualifizierten Mitarbeitern und das Problem der flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Dienstleistungen der Freien Berufe. Herr Schupelius bat die Podiumsmitglieder um ein kurzes Statement zu wichtigen landespolitischen Themen und ihre jeweilige Position zu den Freien Berufsgruppen. Im weiteren Verlauf der Diskussion kamen unter anderem folgende Themen, Fragestellungen und Probleme zur Diskussion: Ralf Holzschuher (SPD) wies auf die Wichtigkeit der Bildung und Berufsausbildung als zentrale bundes- und landespolitische Aufgabe hin und dass dafür über Steuererhöhung mehr Geld bereitgestellt und der sich abzeichnende Mangel an Fachkräften über Arbeitskräfte aus dem Ausland abgefedert werden sollte. Hier konterte Dieter Dombrowski (CDU) und bemerkte, dass die desaströse Bildungspolitik in Brandenburg gerade von der SPD zu verantworten wäre, da diese in den letzten 20 Jahren den Bildungsminister stellte. Zum Thema „Honorarordnungen“, merkte Dombrowski an, dass diese oft nicht flexibel auf die Realität eingehen könnten und ständige Unterschreitungen zu beobachten wären. Christian Görke (Die Linke) berichtete von seinen drei Tagespraktika in

Die Anforderung einer politisch und wirtschaftlich enger zusammenrückenden Welt, in großen Maßstäben denken und handeln zu müssen, zeigt sich immer wieder. Dabei aber regionale Anforderungen und Bedingtheiten nicht aus dem Blick zu verlieren, ist Aufgabe der Interessenvertreter vor Ort. Der thematisch und inhaltlich konstruktive Austausch, der vor kurzem bei der Podiumsdiskussion zwischen Fraktionsführern der Parteien im Brandenburgischen Landtag und Vertretern der Freien Berufsgruppen geführt wurde, zeigt deutlich, wie wichtig die gemeinsame politische Arbeit der Freien Berufe gerade auch auf Landesebene ist. Hier wurden Entwicklungen thematisiert, die z.B. durch den Bologna-Prozess einer europäischen Vergleichbarkeit der Ausbildungsabschlüsse eingeleitet wurden und auf europäischer Ebene sicherlich zu befürworten sind. Allerdings führen diese in Deutschland zu Komplikationen, die sich hier wiederum nur von Bundesland zu Bundesland lösen lassen. Und von dort zum Bund für eine bundeseinheitliche Regelung. Die vielfältigen politischen und ökonomischen Prozesse machen deutlich, dass der Einsatz für die Interessen der Freien Berufe in Brüssel mit seinen vielfältigen Deregulierungstendenzen beginnt und bei den Landesparlamenten sicherlich nicht aufhört. So war auf der letztjährigen Podiumsdiskussion der Einsatz des LFB gegen die Einführung einer gesetzlichen Regelung gescheitert, die es den Kommunen und Städten erlaubt, eine Tourismusabgabe auch für Freiberufler einzuführen. Die Stadt Potsdam ringt seit längerem um die Refinanzierung des freien Parkzutritts und möchte dafür die von der Landesregierung geschaffene Möglichkeit nutzen und über eine Tourismusabgabe auch die Selbständigen der Stadt belasten. Der LFB hat in einer Stellungnahme gegenüber der Stadtverordnetenversammlung gegen dieses Vorhaben Stellung bezogen. Der Beschluss wurde vertagt und es sollen weitere Gespräche geführt werden. Die eleganteste Lösung für das gesamte Land Brandenburg wäre allerdings, wenn der Landtag sich dieser Entscheidung nochmals annähme und diese wieder revidierte. Thomas Baumgart


Apotheken und dass die zunehmende Bürokratie das Leben der Apotheker erschwere. Marion Vogdt (FDP) wies auf die Bundestagsdebatte zur Lage der Freien Berufe im Frühjahr 2013 hin. Sie forderte Bürokratieabbau, Erhöhung des Bildungsniveaus und die sprach sich gegen die Wiedereinführung der Vermögenssteuer aus. Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) forderte einen Mindestlohn in Deutschland, eine adäquate Bezahlung der Angehörigen der Freien Berufe und den Aufbau einer Landesbauverwaltung. Anschließend konnten einige Teilnehmer Fragen stellen. Die Restauratoren wiesen darauf hin, dass ihr Beruf kein „geschützter Beruf“ ist. Jeder könne sich an einer Ausschreibung beteiligen. Obwohl es in Brandenburg ein Hochschulstudium für die Ausbildung von Restauratoren gibt, und auch die Handwerkskammern die Weiterbildung von Tischlern, Malern, Sattlern und anderen Berufen zu Restauratoren anbieten, kann sich jeder, der sich dazu berufen fühlt, auf diesem Felde tummeln und sich Restaurator nennen. Dadurch könne es zu Beschädigungen wertvoller Kulturgüter kommen, da das Fachwissen und die Qualität nicht von der Berufsbezeichnung abgeleitet werden kann. Die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben deshalb Regelungen erlassen, um diesen Wildwuchs zu unterbinden. Die Restauratoren forderten das Land Brandenburg auf, ebenfalls derartige gesetzliche Regelungen zu erlassen. Von Seiten des Landesverbandes der Freien Berufe bot Ehrenpräsident Thomas Schmidt in dieser Sache die Unterstützung des Verbandes an. Der Präsident der Rechtsanwaltskammer wies darauf hin, dass z.B. Ärzte, Zahnärzte und Rechtsanwälte zwar eine Art Arbeitsmonopol haben, dieses aber auch aus berechtigten Gründen besteht . Dieser Vorteil ist darin begründet, dass diese Berufsgruppen Tätigkeiten für das Gemeinwohl ausüben und dieses Monopol in erster Linie den Verbraucher schützt. Das sollte die Politik besser anerkennen. Die Wirtschaftsprüfer forderten das Land 2

auf, sich im Bundesrat für eine Gebührenordnung einzusetzen. Die Qualität einiger Prüfer lasse sehr zu wünschen übrig, da oftmals Dumpingpreise angeboten würden, um Aufträge zu bekommen. Zumindest sollte es schärfere Vorgaben oder eine gesetzliche Regelung mit einer Mindeststundenzahl beim Gesamtprüfungsaufwand von Unternehmen geben, um damit eine bessere Qualitätskontrolle gewährleisten zu können. Der Präsident der Landesapothekerkammer wies nochmals auf das Nachwuchsproblem bei approbierten Apothekern hin und die Schwierigkeit, trotz übertariflicher Bezahlung, ausreichend qualifiziertes Personal in ländlichen Regionen zu bekommen. In diesem Zusammenhang warb er für die Möglichkeit ein Institut für Pharmazie in Brandenburg einzurichten, denn im eigenen Bundesland Ausgebildete würden eher im Land bleiben als Arbeitssuchende aus anderen Bundesländern. Die selbstständigen Ingenieure wiesen auf die Wichtigkeit der Honorarordnung hin und sprachen Probleme bei der Brandenburgischen Bauordnung an. Zudem wurde auf

den Verlust der Berufsbezeichnung „Diplom Ingenieur“ im Rahmen des Bologna-Prozesses hingewiesen und eine Landesregelung, besser eine bundesweite Lösung, zum Schutz der Berufsbezeichnung eingefordert, die auch im Sinn des Verbraucherschutzes der Qualitätssicherung dienen würde. Gegen Ende der sehr lebhaften und auf den dialogischen Austausch der Teilnehmer fokussierten Veranstaltung warb Herr Schwierzy um Verständnis und Unterstützung bei den Politikern gegenüber bestimmten Deregulierungstendenzen aus Brüssel, die als Bürokratieabbau verpackt, nicht zu Erleichterung bei den Freien Berufen führten, sondern die Transparenz und Qualitätssicherung der unterschiedlichen angebotenen Dienstleistungen hintergehe. Am anschließenden Buffet gab es noch Gelegenheit zum gegenseitigen Meinungsaustausch und die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch mit den Politikern. Burkhard Wendland/Thomas Baumgart

Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung gilt nur befristet Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hat kürzlich auf ein „brisantes Urteil“ des Bundessozialgerichts (BSG) aufmerksam gemacht. Darin hätten die Kasseler Bundesrichter (Az.: B 12 R 3/11 R vom 31. Oktober 2012) festgelegt, dass alle Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke, die im Angestelltenstatus arbeiten, bei jedem Arbeitsplatzwechsel und sogar bei „jeder wesentlichen Änderung im Tätigkeitsfeld“ (z.B. Beförderung) erneut eine Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung beantragen müssen. Wenn dies nicht oder nicht rechtzeitig erfolge, seien Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung abzuführen.

Bisher wurde davon ausgegangen, dass eine einmal erteilte Befreiung ihre Gültigkeit behält. Betroffen sind alle Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte sowie Ingenieure und Psychotherapeuten, die nicht freiberuflich tätig sind. Laut „FAZ“ warnen Fachjuristen vor hohen Nachforderungen der Rentenkassen für die vergangenen Jahre, die nach entsprechenden Betriebsprüfungen sowohl für den Arbeitgeber als auch den „angestellten Freiberufler“ kompromisslos und sofort fällig gestellt würden.  Quelle: adp


Zusätzliche Arztsitze für die Mark KV Brandenburg und Krankenkassen haben sich auf eine neue Bedarfsplanung geeinigt Wie viele Ärzte einer Fachgruppe oder Psychotherapeuten dürfen in einer bestimmten Region gesetzlich versicherte Patienten ambulant behandeln? Das regelt die so genannte ärztliche Bedarfsplanung. Für die gelten seit 1. Juli in Brandenburg – wie auch bundesweit – neue Regeln. Zielgenauer als bislang soll sie sein, flexibler und den tatsächlichen Versorgungsbedarf besser abbilden. Ausschlaggebend für die Berechnung einer bedarfsgerechten ambulanten Versorgung in einer Region war schon immer deren Einwohnerzahl. Neu ist jedoch, dass jetzt auch die Altersstruktur der Menschen vor Ort berücksichtigt wird. Über 65-Jährige benötigen Ärzte mit einem anderen Leistungsspektrum und haben einen höheren Versorgungsbedarf als Jüngere. Ein „Demografie-Faktor“ bildet das ab und passt die Arztdichte entsprechend an. Um zu regeln, wo die Ärzte gebraucht werden, ist das Land Brandenburg in Planungsbereiche eingeteilt. Bislang waren das – egal ob für Hausärzte oder beispielsweise Radiologen – die Landkreise und kreisfreien Städte. Davon hat sich die neue Bedarfsplanung verabschiedet. Als Faustregel gilt nun: Je höher der Spezialisierungsgrad einer Arztgruppe, desto größer der Planungsbereich. Oder im Umkehrschluss: Die ärztlichen Grundversorger

werden am kleinräumigsten „beplant“, weil sie für eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Menschen unerlässlich sind. Für Brandenburger Hausärzte gelten beispielsweise jetzt die 46 so genannten Mittelbereiche; für Kinderärzte, Gynäkologen, Augenärzte und andere fachärztliche Grundversorger die Landkreise und kreisfreien Städte. Der Bedarf an spezialisierten Fachärzten, etwa Radiologen oder Kardiologen, wird über mehrere Landkreise hinweg ermittelt. Für Anästhesisten und andere hochspezialisierte Fachärzte bildet das gesamte Land Brandenburg die Grundlage. Durch den Neu-Zuschnitt der Planungsbereiche und die Berücksichtigung der Altersstruktur der Menschen gibt es nun in Brandenburg im Vergleich mit der alten Bedarfsplanung 21 zusätzliche Zulassungsmöglichkeiten für Fachärzte und 29 für Psychotherapeuten. Ein Heilmittel gegen den Ärztemangel insbesondere in den ländlichen Regionen ist die neue Bedarfsplanung dennoch nicht. Sie schafft zwar die Voraussetzung, dass neue Arztsitze entstehen – eine Garantie, dass diese dann auch tatsächlich besetzt werden, kann sie allerdings auch nicht geben. Ute Menzel

Kommentiert Ja, aber … Ja, die neue Bedarfsplanung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die seit 20 Jahren fast unverändert bestehenden Planungskriterien entsprachen schon lange nicht mehr der Wirklichkeit. Gerade in den neuen Bundesländern mit ihrem überdurchschnittlich großen Anteil älterer Menschen. Aber neue Planungskriterien bringen noch keinen einzigen Arzt nach Brandenburg. Hierzu bedarf es intensiver Anstrengungen, um Anreize für junge Ärzte zu schaffen. Und da sind alle gefragt: die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg, die Kommunen, die Kassen, der Gesetzgeber. Jeder auf seine Art, mit seinen speziellen Möglichkeiten.

Finanzielle Anreize sind ebenso wichtig wie strukturelle. Um insbesondere in den ländlichen Regionen auch in zehn, fünfzehn Jahren noch ambulante Medizin in hoher Qualität anbieten zu können, die Menschen ärztlich zu versorgen, benötigen wir ein engeres Miteinander aller Heilberufe, keine starr getrennten Sektoren mit ihren mannigfaltigen Schnittstellenproblemen. Diese zu schaffen, sie zu finanzieren, ist die eigentliche Herausforderung. Mit dem „KV RegioMed-Konzept“ der KV Brandenburg sind wir in Brandenburg dabei schon auf einem guten Weg (siehe www.kvbb.de). Ralf Herre

116 117 – ein Erfolgsmodell mit brandenburgischen KV-Wurzeln Wer hat‘s erfunden? Die Schweiz hat‘s erfunden. Vielleicht kennen Sie die Werbung, in der in einer Sauna ein kleiner Schweizer … Bei der 116 117, der europaweit reservierten Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst, verhält es sich ähnlich, nur ist es nicht die Schweiz, die’s erfunden hat, sondern die KV Brandenburg. Mittlerweile sind von der ersten Idee bis heute acht Jahre vergangen. Eine lange Zeit, könnte man meinen. Wenn man jedoch einmal bedenkt, wie lange andere europäische „Produkte“ benötigen, um im Alltag anzukommen, ging es fast rasend schnell. Im April 2012 startete bundesweit die 116 117, und das Land Brandenburg war das erste, das flächendeckend, zu einhundert Prozent, diese Rufnummer von einem Tag auf den anderen einführte. Mittlerweile haben fast alle anderen Bundesländer nachgezogen, nur im Süden Deutschlands, in Baden-Württemberg, gibt es noch den einen oder anderen weißen Fleck. Der riesige Vorteil dieser bundesweit einheitlichen und für die Länder Europas reservierten Rufnummer liegt auf der Hand: Egal, wo ich mich aufhalte, wenn ich außerhalb der üblichen Sprechzeiten von Arztpraxen ärztliche Hilfe benötige, die nicht lebensbedrohlicher Art ist, erreiche ich mit der 116 117 diese Hilfe. Es wird übrigens nicht mehr lange dauern, da sind uns andere europäische Länder gefolgt, so dass ich dann auch im Urlaub auf Anhieb diese Hilfe in Anspruch nehmen kann. Bevor dieses Projekt, für das die KV Brandenburg als Initiator, das KV-System insgesamt als umsetzende Struktur, ausgezeichnet wurde, gab es bundesweit über 10.000 unterschiedliche Rufnummern für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Ein Chaos, alles andere als Nutzerfreundlich. Der tägliche Blick in eine regionale Zeitung war notwendig, um die Rufnummern herauszufischen, da oftmals jeden Tag eine andere Arztpraxis Dienst hatte. Seit dem 1. April 2012 nutzten rund 170.000 Brandenburger und Urlauber in unserem Land diese Service-Rufnummer. Ein stolzes Ergebnis für dieses Erfolgsmodell mit brandenburgischen KV-Wurzeln. Ralf Herre 3


Nachwuchs fördern und gewinnen

Interview mit Wenzel Weber, der von der Brandenburgischen Ingenieurkammer bei seinem Studium unterstützt wird Deutschland braucht leistungsfähigen Nachwuchs Deutschland verdankt seinen Wohlstand, seine gute wirtschaftliche Entwicklung und seine Innovationskraft vor allem den vielen hervorragend ausgebildeten Fachkräften, die hier arbeiten. Ihr vielseitiges Wissen, ihre Ideen und ihre Leistungsbereitschaft sichern uns im globalen Wettbewerb eine gute Ausgangslage. Angesichts des demografischen Wandels in Deutschland und des wachsenden Wettbewerbs überall auf der Welt kommt der gezielten Spitzenförderung junger Talente eine immer größere Bedeutung zu. Die Brandenburgische Ingenieurkammer sieht sich ebenfalls in der Pflicht und investiert in die Zukunft junger Talente. Neben der Veranstaltungsreihe „Ingenieure treffen Schule“, mit der die BBIK seit gut vier Jahren Schüler für das Ingenieursstudium wirbt, unterstützt sie im Rahmen des Deutschlandstipendiums auch einen Studenten der Fachhochschule Potsdam (FHP) mit einem Stipendium. Sein Name ist Wenzel Weber und er studiert zurzeit im 8. Semester im Diplom-Studiengang Bauingenieurwesen. Im Oktober 2012 wurde er im Rahmen seines Studiums mit dem Deutschlandstipendium ausgezeichnet und seit dem durch die BBIK gefördert. Von der FHP wurden 13 leistungsstarke Studenten für ein Stipendium ausgewählt. Dazu kommen 13 weitere Studenten, die als sogenannte Nachrücker eingeplant sind. Drei Studenten absolvieren davon ein Ingenieursstudium. Nicht nur finanziell möchte die BBIK Herrn Weber unterstützen. Ihm sollen auch verschiedene Möglichkeiten gegeben werden, Kontakt zu den Mitgliedern und somit zu den Ingenieurbüros zu erhalten. Im März nahm Herr Weber u. a. an der BBIK-Veranstaltungsreihe „Ingenieure treffen Schule“

am Carl-Friedrich-Gauß Gymnasiums in Frankfurt (Oder) teil und beantwortete den Schülern Fragen zum Studium des Bauingenieurwesens. Herrn Weber möchten wir Ihnen anhand eines mit ihm geführten Interviews vorstellen.

Wie schätzen Sie das Studium zum Dipl.-Ing. ein? Wenzel Weber: Das Diplomstudium, so wie ich es erfahren habe, ist meiner Meinung nach besser konzeptioniert als ein Bachelor-Master-Studiengang. Die Fachgebiete sind besser aufeinander abgestimmt und bieten so eine bessere Grundlage für den späteren Beruf des Bauingenieurs.

Wie denken Sie über die Hochschulreform in Deutschland bezüglich der Abschlüsse Dipl.-Ing., Bachelor und Master?

Wenzel Weber studiert Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Potsdam

Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt? Wenzel Weber: Da mein Vater in der Baubranche tätig ist, hatte ich bereits sehr früh Einblick in das Geschehen auf der Baustelle. In der Schule entwickelte ich außerdem ein Interesse für Technik und Architektur, so dass ich mich nach dem Abitur für ein Studium des Bauingenieurwesens entschied. Um vorab erste praktische Erfahrungen zu sammeln, arbeitete ich bei einem Internationalen Bau- und Dienstleis-

Herausragende Leistungen von engagierten Studierenden anzuerkennen und gemeinsam zur Förderung der Fachkräfte von Morgen beizutragen – das ist der Grundgedanke des 2011 von der Bundesregierung eingeführten Deutschlandstipendiums. Es ist das größte öffentlich-private Projekt im Bildungsbereich, das es in Deutschland je gab. Allein 2012 haben rund 11.000 Studierende davon profitiert. Der Anteil der mit BAföG geförderten Deutschlandstipendiaten entspricht mit etwa einem Viertel dem Anteil der BAföG-Studierenden an deutschen Hochschulen. (Quelle: BMBF)

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tungsunternehmen in der Bauleitung und Bauausführung auf der Baustelle Airport Berlin Brandenburg. Nachdem ich ein Jahr im Studiengang Bachelor of Science Bauingenieurwesen studiert hatte, wechselte ich zum Diplomstudiengang nach Potsdam.

Wenzel Weber: Der Ansatz, auf internationaler Ebene einheitliche Studienbedingungen zu schaffen, ist aus meiner Sicht sehr gut. Allerdings lässt die Umsetzung von Seiten der Politik und Hochschulen eher zu wünschen übrig. Die Vorlesungsinhalte und Wertungen der verschiedenen Hochschulen innerhalb Deutschlands sind immer noch nicht ohne weiteres kompatibel und Auslandssemester immer noch ein Thema für sich.

Was raten Sie Studienanfängern für das Studium zum Diplomingenieur? Wenzel Weber: Ich denke, freiwillige Praktika sind ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum Ingenieur und erleichtern den Einstieg in das Berufsleben erheblich. Außerdem ist dieser Blick in die Praxis auch für Studienanfänger empfehlenswert, da man wissen sollte, für welche Ziele man studiert.

Wie sollte sich der Übergang vom Studium zum Beruf gestalten? Wenzel Weber: Während des Studiums habe ich mich für eine Vertiefung des Konstruktiven Ingenieurbaus und der Bauerhaltung entschieden. Weiterhin habe ich zahlreiche zusätzliche Lehrangebote wahrgenommen, um auch in den Bereichen Verkehrswegebau sowie Bau- und


Projektmanagement zukünftig gut aufgestellt zu sein. Neben dem Angebot an der Hochschule habe ich zahlreiche Praktika in verschiedenen Ingenieurbüros und Bauunternehmen gemacht, um möglichst viele praktische Erfahrungen zu sammeln und einen guten Überblick über die verschiedenen Aufgabenfelder eines Bauingenieurs zu gewinnen. Zurzeit arbeite ich bei der Ingenieurgruppe Bauen in Berlin und bin dort in verschiedene Planungs- und Prüfprojekte involviert. Wie bereits angedeutet, ist ein früher Einstieg in die Wirtschaft, über Praktika oder der Gleichen, empfehlenswert. Vor allem die großen Bau- und Dienstleistungsunternehmen sind dabei sehr gerne behilflich. Sie bieten Praktika meist schon für Studienanfänger an und schreiben Stellen gezielt an den Hochschulen aus. Ich denke, viele Studenten wünschen sich ein ähnliches Auftreten auch von Ingenieurbüros.

Welche Fachrichtung schlagen Sie einmal ein?

Wenzel Weber: Im Mai schreibe ich meine Diplomarbeit, in der ich mich mit einer Softwarelösung für Stahlbaunachweise nach Eurocode beschäftige. Nach meinem Abschluss plane ich mein Studium mit dem Schwerpunkt Konstruktiver Ingenieurbau an einer anderen Hochschule fortzusetzen, um dann in der Tragwerksplanung tätig zu werden.

auch Sie diese Erfahrung und wirken aktiv an der neuen Stipendienkultur mit, die mit dem Deutschlandstipendium auf den Weg gebracht wurde. Gemeinsam mit kleinen und großen Unternehmen, mit Privatpersonen, Stiftungen und Verbänden wird somit etwas gegen den Fachkräftemangel getan und der Wissens- und Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt.

Welche Zukunftsthemen sehen Sie im Bereich des Ingenieurwesens, im Besonderen des Bauingenieurwesens?

Nähere Informationen erhalten Sie auch unter www.deutschland-stipendium.de

Wenzel Weber: Alles in Allem sehe ich der Zukunft gelassen entgegen. Neue Märkte wie die Erneuerung der Innenstadtbereiche oder Erneuerbare Energien bieten zukünftigen Ingenieuren, wie auch mir, ein breites Betätigungsfeld. Wir danken Herrn Weber für das Interview.

Daniel Petersen Brandenburgische Ingenieurkammer

Die Förderung engagierter Nachwuchstalente ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Sie zählt zu den schönsten und nachhaltigsten Investitionen in die Zukunft. Machen

Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BDVI) kritisiert die Novellierung der HOAI Der Bundesrat hat am 7. Juni 2013 dem Verordnungsentwurf der Bundesregierung zur Novelle der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI 2013) zugestimmt. Somit erfolgt mit der aktuellen HOAI-Novelle keine Rückführung der Teile X bis XIII der HOAI-Fassung von 1996 (Umweltverträglichkeitsstudien, Thermische Bauphysik, Schallschutz und Raumakustik, Bodenmechanik, Erd- und Grundbau sowie Vermessungstechnische Leistungen) in den verbindlich geregelten Teil. Diese Planungsleistungen werden seit der Novellierung 2009 unverbindlich in der Anlage 1 der Honorarordnung als angebliche „Beratungsleistungen“ geführt. Der BDVI kritisiert scharf, dass der mehrfach begründeten Forderung sowohl der Bundesländer als auch der Ingenieurverbände nach Rückführung dieser wichtigen Ingenieurleistungen in den verbindlichen Teil der HOAI 2013 durch die Bundesregierung nicht entsprochen wurde. Wie andere Planungsleistungen auch, gehört die Ingenieurvermessung in den verbindlichen

Teil der HOAI! Sie ist sachlich und inhaltlich nachgewiesener Maßen integraler Bestandteil der Planung am Bau. Auch wenn die Ingenieurvermessung mit fadenscheinigen Argumenten im unverbindlichen Teil der HOAI 2013 verblieben ist, wäre zu erwarten gewesen, dass die Regelungen wenigstens in sich konsistent und annähernd richtig sind. Weit gefehlt! Auftraggeber und Auftragnehmer haben für die Ingenieurvermessung gemeinsam 400 abgerechnete Aufträge mit den neuen Tabellen verglichen. Ergebnis: Die Honorare sind laut Tabelle beim Leistungsbild Planungsbegleitende Vermessungen um bis zu 40 Prozent zu niedrig (durchschnittlich – 20 Prozent) und beim Leistungsbild Bauvermessung um bis zu 76 Prozent zu hoch (durchschnittlich + 25 Prozent). Damit sind die Empfehlungen der Anlage 1.4 der HOAI 2013 obendrein unangemessen und nicht marktfähig. Eine Regelung in einer Verordnung, die eine nicht marktkonforme Empfehlung enthält, ist bestenfalls entbehrlich, aber eher kontraproduktiv.

Als Folge ist davon auszugehen, dass die unverbindlichen Empfehlungen keine Anwendung finden. Die Ingenieurvermessungsleistungen werden so zu „Beigaben“ bei anderen Planungsleistungen und höhlen damit das Preisrecht an anderer Stelle zusätzlich aus. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Effekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gewünscht ist, um demnächst weitere Teile der HOAI abzuschaffen. Um die schwerwiegenden Fehler in den Honorartabellen zu korrigieren und vor allem um alle Planungsleistungen in den verbindlichen Teil zu überführen, ist eine erneute Novellierung in der kommenden Legislaturperiode dringend erforderlich. Nach der Unterstützung unserer Anliegen durch die brandenburgischen Ministerien hoffen wir, dass diese Unterstützung uns auch in Zukunft zuteil werden wird. Frank Reichert Geschäftsstellenleiter des BDVI 5


Zukunft kommt von Herkunft

Der preußische König und sein Anteil an der Ingenieurausbildung und der Etablierung des Ingenieurberufes Im Jahre 2012 standen die Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag von König Friedrich II ganz im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. König Friedrich II und seine Nachfolger haben erheblichen Anteil an der Ingenieurausbildung und Etablierung des Ingenieurberufes. Durch einen Zufall wurde in der BBIK die Existenz einer königlichen Ingenieurakademie zu Potsdam bekannt, welche vor 225 Jahren gegründet wurde. Das abzuklären war ein Besuch im Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem wert. Aus insgesamt sechs Fundstellen wurden drei ausgewählt und die vorgelegten Akten eingesehen. Beim Lesen der Stiftungsurkunde und den darin enthaltenen Lehrplänen ist schnell klar geworden, dass das Militär hier Vorreiter war, in dem dort erstmalig ein Ingenieurabschluss vergeben wurde und die so ausgebildeten Ingenieuroffiziere somit auch im Zivildienst eingesetzt werden konnten. Diese erste Recherche brachte auch die Erkenntnis, dass hier erstmalig eine richtige Ingenieurausbildung erfolgte, die nicht nur einen reinen militärischen Hintergrund hatte. Hier wurde laut Stundentafel Arithmetik, Mathematik, Geometrie, Zeichnen, Vermessung, Zivile Architektur, Hydraulik, Französische Sprache und ebenso die große Feldbefestigung mit Nivellement und Artillerie gelehrt. Ein sehr umfangreiches und anspruchsvolles Lehrprogramm für eine zweijährige Ausbildung. Wer diese Ausbildung erfolgreich abschloss, wurde Ingenieur-Offizier. Mit der Preußischen Ingenieurakademie wurde erstmals ein Civil-Ingenieur ausgebildet und die Ingenieurausbildung auf eine höhere staatliche Ebene gehoben. Ingenieurausbildung gab es bis dahin nur für das Militär, dessen Ingenieurfähigkeiten in Friedenszeiten vom Staat für zivile Baumaßnahmen genutzt wurden. Nun gab es auch den Ingenieur für zivile Bauaufgaben. Das ist die Geburtsstunde des staatlich anerkannten Bauingenieurs, der durch einen kaiserlichen Erlass im Jahre 1899 mit der Einführung des Titels Diplomingenieur besiegelt wurde. Darauf aufbauend ist eine kontinuierliche Entwicklung des Ingenieurwesens in Preußen nachweisbar. 6

Enthüllung der Gedenktafel durch Minister Vogelsänger (re.) und den Präsidenten der Brandenburgischen Ingenieurkammer, Matthias Krebs

Die Ingenieurakademie wurde am Neuen Markt 1 in Potsdam untergebracht. Seitdem ist das Haus ohne Unterbrechung im Besitz des Staates und heute als Kabinetthaus in Potsdam bekannt. Die Ausbildungstätigkeit der Ingenieurakademie unterlag der Kriegstätigkeit Preußens und so gab es Jahrgänge, die mehrere Jahre lang in der Ausbildung waren. Was kann man nun aus diesem historischen Schatz machen? Nach einiger Abwägung entstand der Gedanke, daraus eine Festveranstaltung aus Anlass des nahenden 225. Stiftungstages am 15.4.2013 zu machen. Am 16.4.2013 fand die Festveranstaltung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen-Geschichte Potsdam statt. Zu früher Stunde enthüllte Brandenburgs Minister Vogelsänger, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, am Haus der ehemaligen Ingenieurakademie, dem heutigen Kabinettshaus Potsdam, eine Gedenktafel. Diese weist auf das Gründungsdatum und dem damaligen Nutzen des Gebäudes als Ingenieurakademie hin. Anschließend wurden im Säulensaal des nahegelegenen Hauses der Brandenburgisch-Preußischen-Geschichte vier Vorträge zur Entwicklung des Ingenieurwesens gehalten. Mit einer solchen Würdigung möchte die Brandenburgische Ingenieurkammer öf-

fentlich die führende Rolle des Ingenieurwesens im Land Brandenburg zeigen und das Geschichtsbewusstsein der Ingenieure auf ein neues Niveau heben. Dem Geheimen Staatsarchiv BerlinDahlem, dem Landeskirchenarchiv BerlinBrandenburg und dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen-Geschichte ist es zu verdanken, dass in einem Schaukasten die Originale der Stiftungsurkunde der königlichen Ingenieurakademie vom 15.4.1788, die Kopie der Taufurkunde in der Phillip Chesé als Ingenieur am 02.12.1664 eingetragen wurde, die Abrechnungsurkunde vom 16.11.1807 von Direktor Rauch und der kaiserliche Erlass vom 11.10.1899 besichtigt werden können. Da die Stiftungsurkunde der königlichen Ingenieurakademie handschriftlich ausgefertigt wurde, ist sie für viele Menschen nicht lesbar. Daher wurde die Urkunde von der BBIK seitengerecht transkribiert und zusammen mit den anderen Urkunden in einer Broschüre eingebunden, so dass sie von den Besuchern vor Ort gelesen werden konnte. Zur Historie und der Entwicklung des Ingenieurwesens in Brandenburg steht interessierten Bürgern eine ausführliche Dokumentation in einfacher Form zur Verfügung, welche über die Kammer-Homepage unter „Downloads/Informationsmaterial“ heruntergeladen werden kann. Klaus Haake Vorstand BBIK


Die Energiewende und die Ingenieure

Qualifikationsangebot der BBIK bietet Brandenburger Ingenieuren neue berufliche Möglichkeiten Schon wieder eine Wende in Deutschland. Dazu eine globale und komplexe Herausforderung. Sie ist trotzdem deutsch geprägt. Die Komplexität als Herausforderung heißt Komplexität im Denken und Handeln, in der Suche nach vollkommen neuen technologischen und technischen Lösungen aber auch gesetzlichen Regelungen. Die zeitnahe globale Endlichkeit herkömmlicher Energieressourcen steht komplexen Herausforderungen mit gesamtgesellschaftlichen Folgen gegenüber. Wir befinden uns mit der Energiewende in einem technologischen-technischen andererseits in einem gesamtgesellschaftlichen Umbruch. Technologische, technische, soziale, ökonomische, finanzielle und politische Anforderungen stehen zur komplexen Lösung an. Was ist nun die deutsche Prägung?

der gesellschaftlichen Herausforderungen steht im Mittelpunkt der Renditejäger. Zusätzlich steigern Energiekonzerne beständig die Energiepreise. Privathaushalte, Kommunen, Gewerbetreibende stehen mit dem Rücken an der Wand. So wehren sich Bürger auf unterschiedlichste Art. Längerer Zeit schon. Lange vor Fukushima suchen diese nach Möglichkeiten, sich aus dieser „globalen“ Energieversorgungsfalle und Preisspirale zu befreien. Dieser Prozess wird begleitet durch die Einbindung vom interdisziplinären ingenieurtechnischen Sachverstand. Die Komplexität der Herausforderungen wird angenommen. Vollkommen neue komplexe Denkansätze zur dezentralen Energieversorgung und Energieeffizienz an Gebäuden sind entstanden. Für alle ist es ein Lernprozess.

Lösungsansätze und Initiativen zur Energiewende

Nach außen schimmert wieder einmal die traditionelle deutsche Kleinstaatlichkeit in ihren Widersprüchen, Ziel- und Planlosigkeit, Verlogenheit und dem Agieren unterschiedlichster Interessen. Der Gesetzgeber leistet mit einer Vielfalt an Begriffen zusätzliche Verwirrung. Die Liste ist lang. Scheinbar gilt das Denken von 12 bis Mittag und Ressortbeschränktheit. Aber es werden auch per Gesetz Möglichkeiten geschaffen zur materiellen und finanziellen Förderung von Projekten, Entwicklung neuer Technologien und Technik, sowie Bausystemen. Dabei haben deutsche Ingenieure weltweit die Nase vorn. Trotzdem, Komplexität sieht anders aus. Fünf Ministerien und 16 Bundesländer haben ihre eigenen Fördermittel. Jeder agiert für sich und fördert nur Teilbereiche.

Die Brandenburgische Ingenieurkammer (BBIK) widmet sich verstärkt der Energiewende. Ein auf Komplexität ausgerichtetes Qualifikationsangebot der BBIK bietet Brandenburger Ingenieuren neue berufliche Möglichkeiten. Denn die Energiewende bietet den Ingenieuren die Chance, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen! Es sind u. a. Chancen für neue Kooperationsbeziehungen zwischen Planungsbüros unterschiedlichster Fachbereiche, Kommunen und Gewerbetreibenden. Komplexität geht über die Bauvorlagenberechtigung und der Energieeinsparverordnung (EnEV) hinaus! Die Ingenieure können so stärker Bestandteil der regionalen Wertschöpfung in den Kommunen werden.

Für den Privatmann, für das Gewerbe aber vor allem für Kommunen, die in Fragen der Daseinsvorsorge eine hohe Verantwortung tragen, ist die Energiewende oft ein Buch mit sieben Siegeln. In Deutschland vollziehen sich jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen. Mit der Einführung des Energie-Einspeise-Gesetzes und den neuen Energieerzeugungstechnologien kamen sofort die Renditejäger auf den Plan. Der Staat sichert jeweils für 20 Jahre Maximalprofit für eine kleine Interessengruppe. Die Energiewende und deren neuen Technologien verkamen zu einer reinen Renditesicherung. Folge, die Strompreislüge. Die Energiewende kam in Verruf. Nicht die Lösung

Komplexes Agieren fordert ingenieurtechnische Tugenden wie Denken in Zusammenhängen, rationelle Herangehensweisen u. a. geradezu heraus. Mit Brandenburger Institutionen, die schon längere Zeit innerhalb der „Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg“ unterwegs sind, werden Bildungskooperationen eingegangen. Mit einer breiten Verlinkung mit Institutionen und Kommunen des Landes Brandenburg wird „energetisches“ Know-How vernetzt. Diese „EnergieAllianz“ umfasst u. a. die ZAB, die IHK, die Handwerkskammer, den Fachverband Heizung-Sanitär-Klima, die ARGE Bioenergie-Region-Ludwigsfelde. Die Potsdamer Energiemesse, der Ingenieurkammertag,

die regionalen Mitgliederversammlungen, eine Pressefahrt und die „energetische“ Ausrichtung des Brandenburger Baukulturpreises sollen Zeugnis davon sein. Interessant und gegensätzlich waren die Diskussionen zur Energiewende auf dem 18. Ingenieurkammertag, welchen die BBIK im Juni durchführte. Dabei wurden teilweise mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Dass zeigt die Widerspiegelung der derzeitigen widersprüchlichen Situation bezüglich der Energiewende. Einige Schlagworte seien aufgezeigt. „…die Energiewende läuft Gefahr zu einem Geschäftsmodell zu verkommen…“. „… die Atomenergie hat (ist) die Zukunft…“. „…Brandenburg hat die meisten Standorte für regenerative Energieerzeugung… erzeugt mehr Strom als es verbraucht…hat im Bundesdurchschnitt aber die höchsten Strompreise… in Baden-Württemberg - wo Energiemangel herrscht - sind die niedrigsten Strompreise Deutschlands…“. Dies zeigt doch, dass an dezentralen Lösungsansätzen für die Strom- und Wärmeerzeugung gearbeitet werden muss. Dort wo der Verbrauch anfällt soll der Strom und die Wärme erzeugt werden. Das ist die „Spielwiese“ für die Brandenburger Ingenieure und Architekten. Rund wird die „Energiewende“ in Brandenburg, wenn sie einhergeht mit der wirklichen Energieeffiziens an Gebäuden. Nachhaltigkeit und Ökologie der Baustoffe müssen oberste Priorität bekommen. Z. B. sollte Gebäudetechnik in ihrer Wahl nicht überdimensioniert sein und im engen Kontext stehen zu geplanten alternativen Baustoffen. Weniger ist oftmals mehr (Energieverbrauch, Wartungsaufwand). Alternative Baustoffe (Stichwort Nawaro) können durch ihre nachhaltigen und ökologischen Eigenschaften übertriebenen technischen Aufwand für ein angenehmes Wohnklima (Bauhygiene) auf ein Minimum reduzieren. Sie sehen, die Themen Nachhaltigkeit, Energie und Umwelt unter dem Aspekt Energiewende gehören eng zusammen. Sie sollten nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Dipl. GeWi./HS-Ing. Stephan Thude Fachsektion Nachhaltigkeit, Energie und Umwelt der BBIK Projektmanager Bioenergie-RegionLudwigsfelde 7


Treffen der Landesverbände BFB-Entwicklung stand im Mittelpunkt der Beratungen in Weimar Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als heikel betrachtet wurde. Sämtliche Landesverbände bedauerten die Entscheidung dieser beiden wichtigen Institutionen der Ärzteschaft die gemeinsame Interessenvertretung der Freien Berufe auf Bundesebene zu verlassen. Allerdings gelte es jetzt diese Entscheidung als gegeben hinzunehmen und die Zusammenarbeit auf Landesebene möglichst auszubauen.

Auf Einladung des Landesverbandes der Freien Berufe Thüringen trafen sich am 23./24.August Verbandsvertreter aus Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg in der Goethe-Stadt Weimar zum gemeinsamen Gedankenaustausch. Seit vielen Jahren finden diese Zusammenkünfte der ostdeut-

schen Landesverbände mit wechselndem Gastgeberland statt, um sich über bestehende Probleme und erarbeitete Lösungen auszutauschen. Erstmalig nahmen in diesem Jahr auch Berufsvertreter aus Hessen teil. Im Mittelpunkt der Beratung stand die derzeitige Situation des Bundesverbandes der Freien Berufe, die mit dem Austritt der

Von Brandenburger Seite wurden bei den Verbandskollegen unter anderem Erfahrungen eingeholt, die diese mit dem Schutz der Berufsbezeichnung für Restauratoren und der Berufsbezeichnung „Diplom Ingenieur“ gemacht haben. Der Landesverband der Freien Berufe wurde von Thomas Schwierzy, Dr. Till Bellinghausen, Thomas Baumgart und dem Ehrenpräsidenten Thomas Schmidt vertreten. Thomas Baumgart

Besser: Rechtzeitig Impfen KV Brandenburg startet am 16. September dreiwöchige landesweite Impfaktion Nach 2007, 2009 und 2011 startet am 16. September dieses Jahres bereits die vierte landesweite Impfaktion der KV Brandenburg. Die im Sommer in Berlin und Süddeutschland, aber mit einigen Fällen auch in Brandenburg ausgebrochenen Masern waren ein alarmierendes Signal, den Impfschutz nicht zu vernachlässigen. Dabei geht es nicht nur um die alljährlich in dieser Zeit angesagte Grippeschutzimpfung, sondern vor allem darum, einer sich einschleichenden Impfmüdigkeit in allen Altersgruppen entgegen zu wirken. Denn letztlich geht es nicht allein um die Gesundheit des einzelnen, sondern um jene in der Gesellschaft überhaupt. Je mehr Menschen Impfschutz genießen, desto geringer ist die Gefahr, dass sich solch gefährliche Krankheiten wie die Masern wieder ausbreiten können.

Sensibilisieren, informieren, animieren – das ist Aufgabe und Ziel zugleich. Dazu bedarf es zum einen des engagierten Wirkens aller Ärzte und deren Praxispersonal, zum anderen der Bereitschaft der Medien, dieses Thema verstärkt in diesen drei Wochen vom 16. September bis 4. Oktober 2013 zu transportieren. Das diesjährige Plakat ist – wieder einmal – ein Hingucker. In Kombination mit dem Motto „Besser: Rechtzeitig Impfen“ wird es anregen, über den eigenen Impfschutz nachzudenken.

Reicht mein Impfschutz aus?

Alle brandenburgischen Haus, Kinderund Frauenarztpraxen werden mit speziellen Impfpaketen ausgerüstet, in dem sich ein Plakat, Flyer, Impfkalender und speziell gestaltete Bestellblöcke befinden. Aber auch Checklisten für den Arzt und das Praxispersonal sollen dazu beitragen, das Thema Impfen in den Praxen mehr in den Mittelpunkt zu rücken.

Das ist die zentrale Frage, von der sich die diesjährige Impfkampagne leiten lässt.

Am besten, in dieser Zeit einen Termin beim Arzt des Vertrauens vereinba-

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ren, den Impfausweis mitbringen und gemeinsam mit dem Praxispersonal den Impfschutz überprüfen. Insbesondere die Haus- und Kinderarztpraxen sind darauf vorbereitet. Ralf Herre Impressum Offizielles Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Freien Berufe Land Brandenburg e.V. Herausgeber: Landesverband der Freien Berufe Land Brandenburg e.V. V.i.S.d.P.: Thomas Schwierzy, Präsident LFB-Geschäftsstelle: Ines Philipp Helene-Lange-Str. 4-5, 14469 Potsdam Tel.: 0331-2977- 413, Fax: 0331-2977- 171 info@freie-berufe-brandenburg.de, www.freie-berufe-brandenburg.de Satz/Layout: Agentur Hentschel, Yorckstraße 4, 14467 Potsdam, Tel: 0173-6069949, E-Mail: cp@agentur-hentschel.de Druck: Hans Gieselmann GmbH&Co. KG, A.-Scheunert-Allee 2, 14558 Bergholz-Rehbrücke

LFB-Info 3/2013  

Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Freien Berufe Land Brandenburg

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