kunst:stück Magazin c/o Osnabrück + Münsterland

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Lena von Goedeke, Aerial III, 2021, Detail © VG-Bildkunst 2022

Magazin für Kunst und Kultur in der Region Osnabrück und dem Münsterland issue 98 | November / Dezember 2022


vvAUS

Kunsthaus Kloster Gravenhorst

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SCHREI

BUNG 24

10.12.22 - 26.02.23 Winterlicht | »More Blues« Christoph Dahlhausen | Eröffnung: 10.12. um 17 Uhr Bewerbungsschluss für 2024: 25.01.2023

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#PSKK2 Projektstipendium KunstKommunikation

bis Jan. 23 RÜCKBLICK! Kunstprojekte 22

»Paste Up History!« Maria Vill & David Mannstein »Nähe auf Distanz« Anna van Eck | »Feedback« Gilbert Geister

bis Febr. 23 AUSBLICK! Kunstprojekte 23

Ausstellung der Entwürfe aus der Ideenwerkstatt

bis 20.11. »Kunst in der Region 22«

Gemeinschaftsausstellung zeitgenössischer Kunst

26.11. - 04.12. Feedback | Gilbert Geister Installation im Westflügel | Eröffnung 26.11. DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst Klosterstr. 10 | 48477 Hörstel | T 02551 6942-00

Bewerbungsunterlagen, Newsletter, alle Termine >>

Gefördert durch:

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www.da-kunsthaus.de


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© Uta Jenschke

„Die Natur ist stets kostbar“

Mit Modersohn durch die Jahreszeiten, 01.10.2022 bis 28.02.2023 Uta Jenschke · Otto Modersohn Museum Tecklenburg · ommt.de Liebe Leserinnen und Leser, „Die Natur ist stets kostbar“ – dieser Ausspruch Otto Modersohns versinnbildlicht sein künstlerisches Zentralthema. Damit beweist der ausgewiesene Landschaftsmaler eine direkte, nie abbrechende und für uns derzeit wieder sehr vordringliche Aktualität: Seine tiefe Verbundenheit mit der gewachsenen Umgebung, Flora und Fauna, den Wetterwechseln, die er in einfühlsamer Stimmungsmalerei einfing, spricht heute noch in einem zeitlosen Zauber zu uns. Der im Otto Modersohn Museum Tecklenburg zusammengetragene kleine Jahreszeiten- Rundgang ist gleichzeitig auch eine Art Lebens-Rundgang Otto Modersohns. 32 Gemälde sind in der Ausstellung versammelt; das Früheste ist von 1892 aus seiner Tecklenburger Zeit, das Älteste von 1942, ein Jahr vor seinem Tod. Die Präsentation möchte in einer gewissen Opulenz mit der Varianz seiner Bildideen überraschen, die während seines gesamten Schaffens entstanden sind. Tecklenburg, Worpswede, Fischerhude, Franken und das Allgäu können, zumindest punk-

tuell, durch Modersohns Augen betrachtet werden. Auch wenn Modersohn seinem inhaltlichen Zentralthema, der Natur, sehr treu geblieben ist, stilistisch und malerisch hat er sich durchaus ausprobiert und auch entwickelt. Als eine weitere Besonderheit werden einige Stillleben des Malers gezeigt; waren Blumensträuße doch für ihn „die versammelte Natur in einer Vase“. „So ein Strauß ist eine Wunderwelt, […] eine Märchenwelt, ein Feenreich“. (1933) Wir laden Sie herzlich ein zu einem stimmungsvollen und visuell sehr abwechslungsreichen Kunstgenuss - frische Frühlingsmotive wechseln mit warmen Eindrücken des Sommers, worauf ein farbenfroher Herbst folgt, und zarte Eiskristalle sowie Schlittschuhläufer schließlich mit dem Winter das Jahr beenden. Herzlich willkommen im OMMT! Uta Jenschke Leiterin des Otto Modersohn Museums Tecklenburg

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. inhalt

03 Grußwort 04 Inhalt 04 - Inhalt / Impressum 06 Osnabrück 26 - Bramsche 32 - Sögel 34 - Tecklenburg 36 - Mettingen

42 - Hörstel 46 - Rheine 50 - Telgte 52 - Herford 54 - Petershagen 56 Münster

DAS TITELBILD

Lena von Goedeke, Aerial III, 2021 © VG-Bildkunst 2022

Fast Nichts. Dimensionen von Abwesenheit

Kunstraum hase29, 02.12.2022 – 28.01.2023, Hasestraße, 49074 Osnabrück, hase29.de Kuratiert von Ann-Katrin Günzel, Michael Kröger, Elisabeth Lumme, Hermann Nöring Mit Werken von Kati Gausmann, Lena von Goedeke, Alicja Kwade, Bjorn Melhus, Matthias Stuchtey, Shigeru Takato, Christine Wamhoff/Tim Rossberg, Jürgen Stollhans. Im Rahmen der Projektreihe „Nähe und Distanz“ wird diese Gruppenausstellung am Ende des Jahres 2022 auch einen thematischen Schlusspunkt setzen, indem sie die Präsenz der Abwesenheit thematisiert. → Seite 44

kunst:stück Magazin online | 24h / 7day kunststueck-magazine.de

IMPRESSUM H2 Werbeagentur + Verlag Klaus Hortenbach (V.i.S.d.P.) Siemes Tannen 9 · 49565 Bramsche Tel: 05495 8599900 mail@kunststueck-magazine.de

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Redaktionsschluss Osnabrück und das Münsterland für die Ausgabe Jan / Feb : 15. Dezember 2022


Kunsthalle Osnabrück

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Romanticism

Eröffnung/Opening 05.11.2022 17:00 www.kunsthalle.osnabrueck.de

Cemile Sahin Andrzej Steinbach Irène Mélix Anna Haifisch 05.11.2022 – 05.03.2023

Gabriella Hirst

Di/Tue–So/Sun 11:00–18:00 Hasemauer 1 49074 Osnabrück kunst:stück 5


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European Media Art Festival No. 36 Call for Entries Festival: 19 – 23 April 2023 // Ausstellung: 19 April – 29 Mai 2023 #emaf23 // emaf.de Medienkünstler:innen aus der ganzen Welt können jetzt ihre Arbeiten für die Sichtung zum European Media Art Festival 2023 einreichen. Die Online-Plattform unter https://registration.emaf.de ist ab sofort geöffnet. Eingereicht werden können Arbeiten aus den Bereichen Film, Installation, Performance und Expanded Media. Die Einreichfrist endet am 8. Januar 2023. Eine Auswahlkommission und ein Team von Kurator:innen werden aus den eingereichten Arbeiten Programmbeiträge für das kommende Festival zusammenstellen. Die Einreichung von Arbeiten ist kostenfrei. Für alle für das Festival ausgewählten Beiträge werden Künstler:innenhonorare gezahlt.

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Das 36. European Media Art Festival findet vom 19. bis zum 23. April 2023 statt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück wird darüber hinaus bis zum 29. Mai 2023 zu sehen sein. Über das Festival: Das EMAF gilt international als eines der einflussreichsten Foren für zeitgenössische Medienkunst. Jedes Jahr bietet es seinen Besucher:innen in Filmprogrammen, Ausstellungen, Performances und hybriden Formaten einen Überblick über aktuelle künstlerische Produktionen. Gastkuratierte Projekte und Retrospektiven geben vertiefende Einblicke in historische Positionen und Zusammenhänge. Jedes Jahr begegnen sich beim EMAF rund 14.000 internationale Künstler:innen, Kurator:innen, Forscher:innen, Studierende und Film- und Kunstinteressierte.


10. 12. 2022 –12. 2. 2023

Rot Rot Rot Textile Arbeiten von Nike Finger-Hamborg und Malerei von Sybille Hermanns

25 Jahre Tuchmacher

Museum Bramsche

Mühlenort 6, 49565 Bramsche, Tel. 0 54 61/94 51-0 www.tuchmachermuseum.de, Di. – So. 10.00 – 17.00 Uhr

Ein Projekt von klartext-grafik.de

Neuen Gedanken Raum geben.

Seminar- und Tagungsraum Markt 13 49074 Osnabrück 05 41 20 27-200 www.zeitraum-os.de


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Fast Nichts.

Dimensionen von Abwesenheit

kuratiert von Ann-Katrin Günzel, Michael Kröger, Elisabeth Lumme, Hermann Nöring 2. Dezember 2022 (Eröffnung: 19 Uhr) bis 28. Januar 2023 Kunstraum hase29 | hase29.de Die Ausstellung „Fast Nichts“ greift in unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen Formen von Abwesenheit auf, die sich als Leere oder als ein Fehlen manifestieren kann, wenn z.B. der Mensch nicht mehr – oder zumindest nicht mehr in seiner gewohnten Gestalt – im Raum verortet ist. Doch auch wenn der Körper nicht (mehr) sichtbar ist, kann Nähe wahrnehmbar

sein, so dass dann Spuren von Anwesenheit trotz des scheinbaren Nichts vorhanden sind. Andererseits kann der Körper auch ein Nichts verursachen, zur Auflösung anderer Materien und Organismen beitragen, ohne dass es jemals ein vollständiges Verschwinden gibt, sondern nur eine Transformation in etwas anderes – fast Nichts also. In den meisten der gezeigten Werke sind genau diese Prozesse und die Präsenz der Leere erkennbar, die Werke sind nur fast „Nichts“: Nähe und Distanz, Körperlichkeit und Körperlosigkeit treffen hier zusammen. So zeigt das Werk „Selbstporträt“ (2020) der Künstlerin Alicja Kwade (*1979) eine Leinwand mit 24 Ampullen, welche mit reinen chemischen Elementen gefüllt sind, aus denen der menschliche Körper zusammengesetzt ist. Diese Bestandteile machen unterschiedslos jeden menschlichen Körper aus und verweisen somit, trotz des Titels „Selbstporträt“, der Individualität suggeriert, auf die grundlegenden Gemeinsamkeiten aller Menschen. Die Bildhauerin Lena von Goedeke (*1983, Duisburg) überführt in ihrer Arbeit „Aggregate“ (2022) einzelne Daten ihrer Existenz (Atem, Blut oder Haare) in die Form von

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Abb. linke Seite - oben links: Jürgen Stollhans, o.T., 1990, Privatslg. © VG Bildkunst Bonn 2022, Foto: Angela von Brill // oben rechts: Matthias Stuchtey, aus der Serie Schmarotzer 1. Ordnung, 2013 // unten: Alicja Kwade, Selbstporträt, 2020, Courtesy Sammlung Wemhöner // Abb. rechte Seite - oben: LV/PS 109, Lena von Goedeke, Aerial III, 2022 © VG-Bildkunst 2022 // unten links: Tim Roßberg/ Christine Wamhoff, fallen, 2020 // unten rechts: Shigeru Takato, aus der Foto-Serie: Television Studios, 2004–2020

gläsernen Bohrkernen, welche sie in die Bohrlöcher von Arktis-Gletschern setzt, die aus Forschungszwecken als Fehlstellen entstehen. Die Künstlerin transferiert damit den Gedanken ihrer eigenen Identität und Körperlichkeit in das entstehende Nichts und ersetzt es damit. Kati Gausmann (*1968, Osnabrück) wiederum spürt dem kaum Wahrnehmbaren in ephemeren Abläufen der Natur nach und untersucht die Spuren der menschlichen Anwesenheit darin am eigenen Körper, den sie schattenhaft in die geologischen Prozesse und Erdbewegungen einbindet. Das Werk des Kölner Künstlers Shigeru Takato (*1972, Ohita, Japan) ist von spannungsvoller Abwesenheit ge-

kennzeichnet. Seine Fotografien von leeren Nachrichtenstudios zeigen Zentralen, in denen das Weltgeschehen aus der Ferne komprimiert gesammelt und dann wieder in unsere unmittelbare Nähe, in unsere Wohnzimmer gesendet wird. Die Abwesenheit der körperlichen Präsenz eines/r Nachrichtensprecher:in betont das Fehlen sonst an diesem Ort gebündelter Informationen. Die Arbeiten des Bildhauers Matthias Stuchtey (*1961, Münster) bestehen ebenfalls aus leerstehenden Architekturen. In diesen Behausungen fehlt jedes menschliche Leben. Sie erinnern an leerstehende Vogelhäuschen, könnten aber auch gut getarnte Kästen für Überwachungskameras sein. Ihre Lee-

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Oben: Bjørn Melhus, Sugar, 2020 // unten: Kati Gausmann, me moved

re suggeriert ebenso wie jedes Fehlen von individuellen Merkmalen nicht nur die Abwesenheit von menschlichem Leben, sondern daraus hervorgehend auch ein Gefühl der Einsamkeit und Isolierung, ein Gefühl des Verlassen-Seins, der aufgegebenen Behausung, die uns gerade jetzt an viele aktuelle Katastrophen wie Krieg, Flucht, Klimaveränderung und daraus resultierende Zerstörungen und die Unbewohnbarkeit ganzer Regionen etc. denken lassen. Bjørn Melhus (* 1966, Kirchheim) Videoarbeit „Sugar“ (2020) wiederum zeigt den ganzen Planeten Erde bereits so gut wie unbewohnbar und lässt die Spuren des menschlichen Körpers nur noch als Relikte in einer von KI-Technologien übernommenen Welt erscheinen. Als HONs (Human

Organism Normal) haben die Menschen ihre geistigen, sozialen und intellektuellen Fähigkeiten verloren. Mehr als ein Monolog ist nicht mehr möglich, so erkennen wir die Abwesenheit der geistigen Eigenschaften und sozialen Fähigkeiten des Menschen. Die Arbeiten von Jürgen Stollhans (*1962, Rheda) „o.T.“, 1990, zeigen eine paradoxe Weise menschlicher Kommunikation. Beide Figuren scheinen sich in einem eigenartig stillen, abwesenden Raum aufzuhalten. In welcher Weise sie sich allerdings zu uns, den Betrachtenden, verhalten, wird kaum deutlich. Kommunikation wird hier durch deren Fehlen indirekt demonstriert. Die Osnabrücker Künstler Tim Roßberg (* 1987, Osnabrück) und Christine Wamhof (1971-2020, Osnabrück) beschäftigen sich in ihrem Video „fallen“ (2020) mit der Ambiguität des Fallens, d.h. Alltagsgegenstände fallen paarweise oder einzeln ins Nichts. Dabei halten sie sich keineswegs an Erwartungen oder Gravitationsgesetze wie Fallgeschwindigkeit oder Rhythmus. Es ergibt sich ein ganz neues Narrativ, das durch die Reihenfolge beeinflusst wird, ein vertikal angelegtes Ballett aus Objekten. Prozesshaft, flüchtig und unerwartet tauchen Formen und Körper auf und verschwinden wieder im Nichts. Kunstraum hase29 Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Hasestraße 29 / 30, 49074 Osnabrück

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neuen Universalsprache der Kunst

Wassily Kandinsky, Kleine Welten II, 1922, ahlers collection

Stiftung Ahlers Pro Arte

Konstruktive Welten Anfänge einer

17. September bis 11. Dezember 2022 Am Kindergarten 2 32052 Herford

Samstag und Sonntag 12 bis 17 Uhr Führungen jeden Samstag 15 Uhr

Bitte informieren Sie sich auf unserer Internetseite über die aktuellen Zugangsbestimmungen www.ahlers-proarte.com


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Erzählst Du Märchen?

Die Kunsthalle Osnabrück eröffnet neue Ausstellungen innerhalb ihres Jahresthemas ROMANTIK mit neuen Einzelausstellungen von Cemile Sahin und Andrzej Steinbach Eröffnung: 5. November 2022, 17 Uhr | Laufzeit: 5. November 2022 bis 5. März 2023 Die Ausstellungen von Anna Haifisch, Gabriella Hirst und Irène Mélix laufen weiter bis 5. März 2023 | Kunsthalle Osnabrück | kunsthalle.osnabrueck.de Mit zwei neuen Einzelausstellungen und spezifisch realisierten Neuproduktionen der Künstler:innen Cemile Sahin und Andrzej Steinbach eröffnet die Kunsthalle Osnabrück am Samstag, den 5. November 2022, um 17.00 Uhr, den zweiten Teil ihres Jahresthemas „Romantik“. Im Kontext ihrer mittelalterlichen Architektur analysiert die Kunsthalle seit Juni 2022, ob das aktuelle Gefühl einer globalen Zerrissenheit mit einem Comeback der Bild- und Sprachwelten der Romantik einhergeht. Der Fokus der beiden neuen Ausstellungen und des Vermittlungsprogramms liegt verstärkt auf den romantischen Bildsujets von Natur, gesell-

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schaftlichem Rückzug, Nationalstaat und Individualismus – aus globaler Perspektive. Im Zentrum der Installation von Cemile Sahin für die Kunsthalle Osnabrück steht die Premiere des ersten Teils ihrer Filmserie „VIER BALLADEN / FOUR BALLADS“. Der Kurzfilm mit dem Titel „Frühling / Spring“, thematisiert und verknüpft die Auswirkungen der Verträge von Lausanne von 1923, fast einhundert Jahre später, mit der natürlichen Ressource Wasser und wie diese als geopolitisches Machtinstrument von autoritären Systemen und Staaten als Kriegswaffe eingesetzt wird. Der Film beschäftigt sich mit der Veränderung von


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Abb. links: Andrzej Steinbach, untitled (stones I), aus der Serie "Ordinary Stones", 2016, courtesy Andrzej Steinbach © VG-Bildkunst Bonn // Abb. rechts: Anna Haifisch, Homi, Installationsansicht Kunsthalle Osnabrück, 2022, Foto: Lucie Marsmann

Landschaft und ihren gravierenden Folgen, die durch den Bau riesiger Staudämme, wie dem Atatürk-Staudamm in Nordkurdistan, verursacht werden. Dabei entwickelt sich die Geschichte über die kurdische Familie Bingöl, deren Lebensumstände exemplarisch als Symptom historischer und gegenwärtiger politischer Entscheidungen und ihrer Auswirkungen stehen. Kulturelle Symbolik, Geschichte, soziale Praxis und deren Bedeutung für Individuen und ihre Identitätsbildung stehen im zentralen Interesse der künstlerischen Arbeit von Andrzej Steinbach. Bilder versteht er dabei als Ausdruck unserer politischen und gesellschaftlichen Verfasstheit. Für die Kunsthalle Osnabrück hat er eine neue Werkserie und Installation entwickelt, die Abschottung und Sicherheit als gesellschaftliche Phänomene und Bedürfnisse behandelt. Ausgangspunkt ist ein bürokratisches Setting, das Verwaltung, Ordnung und Alarmbereitschaft als vermeintliche

Sicherheitsmechanismen zitiert. Für diese fotografierte Steinbach in sogenannten Tatortwohnungen der Brandenburgischen Polizeischule. Die modellhaften, entfremdeten Wohnungen, in denen Szenarien des Schutzes erprobt werden, konterkariert er mit Fotografien von Personen, Accessoires und Objekten, die fast schon prototypisch für politischen Aktivismus stehen. Den Heiligen Florian zitierend stellt der Ausstellungstitel von Steinbach „Verschont mein Haus, zündet andere an“ das Dilemma zwischen gesellschaftlicher Solidarität und individuellem Wohlergehen ins Zentrum seiner Neuproduktion. Die Ausstellungen von Anna Haifisch, Gabriella Hirst und Irène Mélix sind weiterhin noch bis zum 5. März 2023 zu sehen. Zur Eröffnung am 5. November erscheint eine Edition der Künstlerin Anna Haifisch. Kunsthalle Osnabrück Hasemauer 1, 49074 Osnabrück

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…thabo thindi in der Lounge im Museumsquartier Osnabrück © Kerstin Hehmann Foto: Kerstin Lübbers

Kunstpreis Osnabrück 2022

Ausstellung präsentiert Finalisten:innen

16. Oktober 2022 bis 26. März 203 // Preisverleihung: 10. März 2023 Felix-Nussbaum-Haus · museumsquartier-osnabrueck.de · muk-kunstpreis.de Die Auszeichnung wird in diesem Jahr zum vierten Mal verliehen. Alle Künstlerinnen und Künstler waren im Sommer aufgerufen, sich zu bewerben. Die Jury sichtete 151 Bewerbungen. Die Arbeiten, die bei der Bewerbung nicht älter als 3 Jahre sein durften, zeigen ein weit gefächertes Spektrum der aktuellen Kunst: Werke aus Malerei, Zeichnung, Grafik, Bildhauerei, Objektkunst, Installation, Fotografie und Videokunst wurden eingereicht. Jetzt werden 15 Künstlerinnen und Künstler die Kunstpreis-Ausstellung gestalten: Azim F. Becker, Christian Bögelmann, Axel Buschmann, Rabea Dolle, Satomi Edo, Kerstin Hehmann, Joscha Heinrichs, Werner Kavermann, Sabine Kürzel, Raul Javier Morales Orellana, David Rauer, Hiltrud Schäfer, Jakob Schöning, Christoph Peter Seidel und Shabnam Parvaresh. Mitglieder der Jury sind: Meike Behm (Direktorin der Kunsthalle Lingen), Dr. Ulrike

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Hamm (Vorstandsvorsitzende des Museums- und Kunstvereins), Prof. Dr. Wulf Herzogenrath (Direktor der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste Berlin), Prof. Dr. Barbara Kaesbohrer (Professorin für Zeitbasierte Kunst an der Universität Osnabrück) und Nils-Arne Kässens (Direktor Museumsquartier Osnabrück). Die Auswahl der Preisträger für den Hauptpreis (10.000 Euro) und den Förderpreis (2.000 Euro) trifft die Jury nach Eröffnung der Kunstpreis-Ausstellung. Die Preisverleihung wird am 12. März 2023 stattfinden. Der KUNSTPREIS OSNABRÜCK wird vom Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V. ausgelobt und maßgeblich von der SievertStiftung für Wissenschaft und Kultur gefördert. Er wurde 2017 erstmals vergeben. Museumsquartier Osnabrück Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück


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auf auf

Schloss Advent Schloss Clemenswerth Clemenswerth Weihnachtsmarkt vor vorbarocker barockerKulisse Kulisse Weihnachtsmarkt Sa 3. Dez. Dez. 2022 2022 || 13 13--22 22Uhr Uhr So 4. Dez. Dez. 2022 2022 || 11 11--19 19Uhr Uhr Erw. 5 €, €, ermäßigt ermäßigt 11 €€ kostenlose kostenlose Parkplätze Parkplätze 49751 Sögel Sögel || www.clemenswerth.de www.clemenswerth.de

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Der Friedenswettbewerb im Jubiläumsjahr Friedenswettbewerb · friedenswettbewerb.org Anlässlich des 375. Jahrestages Westfälischen Friedens wird erstmalig ein Friedenswettbewerb unter der Schirmherrschaft von Bundespräsidenten a.D. Christian Wulff ins Leben gerufen, an dem grundsätzlich jeder teilnehmen kann. Als Teil des Osnabrücker Jubiläumsprogramms will der Wettbewerb das Jahr zu nutzen, um aus der Vergangenheit für heute zu lernen und dabei sichtbar zu machen, wie wichtig und brüchig die Bewahrung und Schaffung von Frieden ist. Eine Erfahrung, die mit dem Ukraine-Krieg für jeden spürbar geworden ist.

Veranstalter ist die Katholische Friedensstiftung in Hamburg, in Kooperation mit der Stadt Osnabrück, der Stadt Münster, der Evangelischen Kirche, dem Islamkolleg Deutschland, jüdischen Gemeinden und weiteren Partnern.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich zum Beispiel mit Themen wie Streitschlichtung, Friedensfindung, Toleranz, Zusammenleben in Diversität, Religionskrieg, Kultur- oder Diplomatiegeschichte beschäftigen. Oder zum Beispiel fragen, wie Religion in verschiedenen historischen Epochen wiederholt für machtpolitische Interessen missbraucht wurde oder immer noch wird. Und welche Rolle Intoleranz und Ausgrenzung bei der Entstehung und dem Andauern von Konflikten spielten oder immer noch spielen. Und hierbei kann der Blick auch auf das Thema Frieden im Alltag gerichtet werden, auf einen Frieden mit sich selbst oder bezogen auf das familiäre, berufliche oder schulische Umfeld. Wettbewerbsbeiträge können noch bis Ende Februar 2023 eingereicht werden. Höhepunkt des Wettbewerbs wird die am 16. Juni 2023 im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses stattfindende feierliche Preisverleihung sein.

Mit dem Ansatz „Alle dürfen mitmachen“ ist dieser Wettbewerb altersoffen und richtet sich grundsätzlich an alle, die Interesse

Ausführliche Informationen zum Wettbewerb und auch Begleitmaterial sind unter www.friedenswettbewerb.org zu finden.

„Der Überfall auf die Ukraine zeigt uns, wie gefährdet der Frieden immer noch ist. Deshalb sollte nach Wegen zum Frieden stets gesucht werden.“ appelliert Bundespräsident a.D. Christian Wulff, denn „Frieden ist die Basis lebenswerter Existenz. Er bedarf des Einsatzes jeder Demokratin und jedes Demokraten.“

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haben, sich mit der Thematik eingehend und kreativ zu beschäftigen. Man kann sich als Einzelperson, Schulklasse, Gruppe oder sogar Familie bewerben und Beiträge online einreichen:

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1.10.2022 — 28.2.2023 . osnabrück

»Die Natur ist stets kostbar.« Mit Modersohn durch die Jahreszeiten

© Otto Modersohn, Herbstmorgen am Moorkanal (Detail), 1897, Sammlung Dr. Andreas Gerritzen / Sommer am Moorkanal (Detail), 1896, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Foto: Lars Lohrisch / Wintertag in Worpswede (Detail), um 1915/16, Sammlung Dr. Andreas Gerritzen / Landschaftsstudie mit Birken und Haus (Detail), um 1898, Dr. Nöth kunsthandel + galerie

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Johannes Eidt

Johannes Eidt, „Nachtprogramm“, 1988, Handsiebdruck, 30×30cm Foto: Johannes

Sind Phantombilder Kunst?

18. November (Eröffnung: 19 Uhr) 10. Dezember 2022 Kunst-Quartier des BBK | bbk-osnabrueck.de Der freischaffende Künstler arbeitet im Idealfall selbstbestimmt und eigenständig. Er verfolgt mit der Umsetzung die Weiterentwicklung einer künstlerischen Idee. Man erwartet in seinem Schaffen eine stimmige Komposition, einen Ductus, meistens eine farbliche Gestaltung und Unverwechselbarkeit des entstandenen Werkes. Also: Jede Zeichnung von freischaffenden Künstlern kann Kunst sein! Zum Anfertigen einer Phantom-Zeichnung ist keine Gestaltungsidee erforderlich. Der

Spielraum für Komposition – Ductus – Farbgestaltung ist begrenzt. Die Merkmale, die ein Zeuge nach flüchtiger Begegnung mit einer Person schildert, in eine PhantomZeichnung umzusetzen, erfordert ein präzises Vorstellungsvermögen (Imagination) und handwerkliches Können. Spontanität und Entschlossenheit stehen denen des freischaffenden Künstlers in nichts nach. Also: Sind Phantom-Zeichnungen Kunst? Die Ausstellung zeigt circa 20 PhantomZeichnungen und eine Anzahl von freien künstlerischen Arbeiten.

Nachtgestalten

Jahresausstellung der Künstlergruppe MELPOMENE 16. Dezember 2022 (Eröffnung: 19 Uhr) bis 14. Januar 2023 Kunst-Quartier des BBK | bbk-osnabrueck.de Egal ob geschrieben, gemeißelt, getanzt, wer in der Antike Kunst machen wollte, rief zuerst einmal die Musen heran. Mit ihrer Hilfe wurde alles perfekt. Die griechische Muse Melpomene ist der Namensgeber für die Künstlergruppe. Ihr Name steht für die tragische Dichtungsart, freilich mit einem melancholischen Lächeln im Mundwinkel erzählt. Dies ist auch das Credo jener sechs Maler*innen (Thomas

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Bühler, Axel Gundrum, Hinrich van Hülsen, Thomas Johannsmeier, Robert Meyer, Regine Wolff), die sich, nicht nur namentlich, in die Obhut dieser Muse begaben. Ihr gemeinsames Passwort heißt „Skurrealismus“, damit lässt sich das Narrenschiff Erde vielleicht am besten beschreiben. Kunst-Quartier des BBK Bierstraße 33, 49074 Osnabrück


Kornmühlen Konzerte 2023 Von Kammermusik bis Jazz Ein besonderes Weihnachtsgeschenk 5 Konzerte im Abo 65,00 Euro Tuchmacher Museum Bramsche Mühlenort 6, 49565 Bramsche Tel. 0 54 61/94 51-0 www.tuchmachermuseum.de

Duhme Kunsthandlung & BuchBinderei

Leslie G. Hunt Neue Stadtansichten

Auflage: 150 Ex. Papier: 310 g, Aquarellbütten, 50 x 70 cm Duhme Kunsthandlung . Buchbinderei . markt 12 . 49074 Osnabrück . T. 0541 28198


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…thabo thindi in der Lounge im Museumsquartier Osnabrück © Kerstin Hehmann

Black faces in white? space

…thabo thindi in der Lounge des Museumsquartier Osnabrück 6. August bis 4. Dezember 2022 Felix-Nussbaum-Haus | museumsquartier-osnabrueck.de Eine künstlerische Intervention von … thabo thindi. ...thabo thindi ist Filmemacher, Fotograf und Live-Performer. Er lebt in Berlin und Südafrika. Seine multidisziplinäre künstlerische Intervention „Black faces in white? space“ im Museumsquartier formuliert eine Gegenerzählung aus Schwarzer Perspektive und stellt damit die weiße Darstellung der rassistischen Kolonialgeschichte, die seit Jahrhunderten als Grundlage der systematischen Ausbeutung und Unterdrückung Schwarzer Menschen dient, infrage. Sie besetzt dabei Straßen, Museen, Galerien und Bildungseinrichtungen, um Raum für eine menschenwürdige Darstellung Schwarzer Menschen zu beanspruchen. Bereits als Kind hinterfragte …thabo thindi, warum Schwarzen von Weißen so viel Feindseligkeit und brutale Gewalt entgegengebracht werden und Schwarze Menschen als die „teuflischen Untermenschen“ betrachtet werden. „Rassismus ist ein weißes Konstrukt, von dem Weiße

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profitieren, indem sie Schwarze Menschen unterdrücken,” erklärt …thabo thindi. Schwarze Menschen werden auch in Deutschland vielfach als die „Anderen“ dargestellt, die nicht willkommen sind. Racial Profiling, Polizeigewalt und subtiler Alltagsrassismus sind für sie an der Tagesordnung. …thabo thindi setzt sich, ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen, kritisch mit rassistischen Strukturen auseinander. Seine künstlerische Arbeit ist geprägt vom Streben nach Heilung, Bestärkung und Verbindung für ihn, Schwarzen Menschen und allen diskriminierten Gruppen. Begleitprogramm (Kurzfassung): Di 8.11.22, 16-18 Uhr, Stadtrundgang So 4.12.22, 16 Uhr, Abschlussgespräch mit …thabo thindi, the curators and Schwarzen Osnabrücker:innen Museumsquartier Osnabrück Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück


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Abb. unten: Warenband in der Ausstellung Future Food © Deutsches Hygiene-Museum, Oliver Killig

Future Food

Essen für die Welt von morgen

24. April bis 13. November 2022 MIK Museum Industriekultur Osnabrück | mik-osnabrueck.de Schon im 18. Jahrhundert schrieb der französische Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin: „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, was du bist“! Essen ist für uns alle lebensnotwendig, es ist Genuss und stiftet Gemeinschaft. Essen ist Teil unserer Kultur und Ausdruck unseres Lebensstils. Es ist eine sehr persönliche Handlung – und hat gleichzeitig unmittelbar Einfluss auf Ökologie, Ökonomie und Klima. Mit der Ausstellung „Future Food. Essen für die Welt von morgen“ greift das MIK eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit auf:

Wie kann das weltweite Ernährungssystem gerechter, nachhaltiger und gesünder werden? Die hochaktuelle Schau wurde vom renommierten Deutschen Hygiene-Museum Dresden konzipiert. In Osnabrück erwarten das Publikum außerdem Einblicke in die Lebensmittel-erzeugung und -forschung der Region, die nicht nur traditionell ein wichtiges Zentrum der Branche ist, sondern in der sich auch immer mehr innovative Startup-Unternehmen ansiedeln. Die Ausstellungsbesucher*innen folgen dem Weg der Lebensmittel vom Stall oder Feld bis auf den Tisch. Entlang der Themen „Produzieren“, „Handeln“ und „Wählen“ werden die komplexen Zusammenhänge hinter unseren Speisen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft anschaulich vermittelt. Wie kann die Ernährung der Zukunft durch neue Ideen und Verfahren nachhaltiger gestaltet werden? Welche Möglichkeiten bieten wissenschaftliche und technische Innovationen? Was kann jede und jeder Einzelne tun? MIK Museum Industriekultur Osnabrück Süberweg 50a, 49090 Osnabrück

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LFW-Studienreisen Oeseder Straße 66 49124 Georgsmarienhütte Tel. 05401- 44168 www.lfw.de info@lfw.de

Studienreisen — Städtereisen — Konzertreisen

Silvester in Leipzig (Busreise)

30.12. - 02.01.23

1.290,- €

Hamburg (Elfi und Oper)

12.02. - 14.02.23

999,- €

Amsterdam (Jan Vermeer)

10.03. - 12.03.23

690,- €

Dresden-Prag (Kulturkaleid.)

16.03. - 20.03.23

1.190,- €

Andalusien (Flugreise)

20.03. - 28.03.23

1.890,- €

Lissabon-Algarve (Flugreise)

17.04. - 24.04.23

1.890,- €

Loiretal (Busreise)

23.04. - 30.04.23

1.690,- €

Rom (Flugreise)

24.04. - 30.04.23

1.240,- €

Kykladen (Flugreise)

26.04. - 06.05.23

2.160,- €

Leipzig-Mahlerfestival

12.05. - 14.05.23

690,- €

Oslo:Architektur-Kunst-Musik

01.06. - 06.06.23

1.290,- €

Weimar-Muskau-Wörlitz

10.06. - 15.06.23

999,- €

Stockholm-Mittsommer

20.06. - 27.06.23

1.890,- €

Provence (Busreise)

23.06. - 04.07.23

2.390,- €

Baltikum (Flugreise)

09.08. – 18.08.23

1.680,- €

Unser aktuelles Studienreiseprogramm finden Sie im Internet unter www.lfw.de. Gerne geben wir Ihnen auch telefonisch Auskunft. kunst:stück 23


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Oben: Anne Maandag, Niederlande, Einde papieren boek // unten: Antje Wiewinner, Osnabrück, literarisches Periodensystem

Index

sculptures to read, books to walk through 4. November (Eröffnung: 18 Uhr) 2022 bis 7. Januar 2023 skulptur-galerie Osnabrück | skulptur-galerie.de Die in der skulptur-galerie in Osnabrück gezeigte Ausstellung INDEX geht über Grenzen. Sowohl über die Grenzen der Skulptur als auch über die Grenzen der Osnabrücker Region. In einem offenen Wettbewerb (Open-Call) wurden professionelle Künstler:innen aus den Regionen Twente (NL) und Osnabrück (DE) eingeladen, sich mit ihren Werken zu bewerben. Aus den eingegangenen Bewerbungen hat eine Jury 15 Künstler:innen ausgewählt, deren Werke im Grenzbereich zwischen Skulptur und Künstlerbuch angesiedelt sind. Die Ausstellung INDEX lädt ein zum Erlesen von Skulpturen und zum taktilen Erforschen von Buchobjekten. Sie lädt ein zum Staunen über eine besondere Sparte in der dreidimensionalen Kunst. Die Vernissage der Ausstellung findet am Fr, 4.November um 18 Uhr in der skulptur-galerie statt. Die Kurator:innen Ricardo Liong-A-Kong (NL) und Margit Rusert (DE) werden in die Ausstellung einführen. Beteiligte Künstler:innen: Frans Baake, Manfred Blieffert, Pier van Dijk, Alexej Eisner, Sarah Grothus, Renate Hansen, Margret

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kunst:stück

Hemme, Peter Hoogers, Martha Lucía Inagán, Juno S Kay, Anna Maandag, Elisabeth Pawils, Hiltrud Schäfer, José Anna Maria Verstappen, Antje Wiewinner Künstlergespräch am 18. November und 9. Dezember von 19 bis 20 Uhr skulptur-galerie Osnabrück Bierstraße 2, 49074 Osnabrück Di–Fr, 11–18 Uhr / Sa, 10–16 Uhr


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RotRotRot

Sybille Hermanns, Malerei & Nike Finger-Hamborg, Textilobjekte / Malerei 9. Dezember 2022 (Eröffnung: 19 Uhr) bis 12. Februar 2023 Tuchmacher Museum Bramsche | tuchmachermuseum.de

Rot ist die Farbe mit der höchsten Intensität und Strahlkraft. Auch für das Bramscher Tuchmachergewerbe hat die Farbe eine besondere Bedeutung. Bereits im 18. Jahrhundert färbten sowohl ein Schönfärber als auch die in einer Gilde zusammengeschlossenen Tuchmacher Wolltuche rot. Im 19. Jahrhundert gehörten rote Uniformstoffe zu ihren wichtigsten Produkten. Heute ist das „Bramscher Rot“ ein Mar-

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kunst:stück

kenzeichen für die Stadt Bramsche und das Tuchmacher Museum. Dazu gehört auch die Produktion von leuchtend roten Wolldecken auf den historischen Maschinen des Museums. Viele Gründe, im Jahresprogramm zum 25. Geburtstag des Tuchmacher Museums alles auf Rot zu setzen und in der letzten Ausstellung des Jubiläumsreigens sogar auf RotRotRot.


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RotRotRot – Sybille Hermanns, Malerei & Nike Finger-Hamborg, Textilobjekte / Malerei Foto: josephdesign.de

Die Bilder der Osnabrücker Künstlerin Sybille Hermanns leben ganz aus der Präsenz der Farbe. In der Balance von Ruhe und Bewegtheit, von Dichte und Transparenz entstehen Farbräume höchster Intensität. Die Farbe Rot leuchtet in der Vielfalt ihrer Farbklänge vom hellen Orangerot über Rosé und Magenta zum dunklen Bordeaux und verdichtet sich zu abstrakten Farblandschaften. Die Kraft der Farben lässt eigene Bildwirklichkeiten erspüren. Die Verwendung von Fäden, Papieren, Stoffen und anderen Fundstücken zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten von Nike Finger-Hamborg. Das meist

bereits gebrauchte Material wird eingefärbt, bemalt und bedruckt, vernäht, verhäkelt und bestickt. Die ungewohnten Verbindungen schaffen eigenwillige Beziehungsgeflechte und ermöglichen eine neue Wahrnehmung von Altbekanntem. Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag, 10– 17 Uhr 24., 25., 26., 31. Dezember, sowie am 1. Januar, bleibt das Tuchmacher Museum geschlossen Tuchmacher Museum Bramsche Mühlenort 6, 49565 Bramsche

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KornmühlenKonzerte: Abonnement 2023

Von Kammermusik bis Jazz im Tuchmacher Museum Bramsche Tuchmacher Museum Bramsche | tuchmachermuseum.de Zur Konzertsaison 2023 bietet das Tuchmacher Museum Bramsche schon jetzt ein Abonnement für die KornmühlenKonzerte an. Exzellente Musikerinnen und Musiker präsentieren fünf ganz unterschiedliche Konzerte – von Kammermusik bis Jazz. Das limitierte Angebot ist ab dem 15. November an der Museumskasse im Tuchmacher Museum erhältlich und damit ein ideales Weihnachtsgeschenk. Das Abonnement ist übertragbar, umfasst 5 Konzerte und kostet 65,00 Euro. Der reguläre Eintritt zu einem KornmühlenKonzert beträgt 16,00 Euro im Vorverkauf und 19,00 Euro an der Abendkasse. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Studierende bis 26 Jahre mit Ausweis erhalten Karten zu einem ermäßigten Eintrittspreis von 10,00 Euro. Konzertbeginn ist jeweils um 20.00 Uhr. Den Auftakt gibt am 10.02. das Multiphonic Saxophonquartett. Stilübergreifend, frisch und unterhaltsam: Mit seiner dynamischen und temperamentvollen Art zu musizieren, begeistern Silas Kurth (Sopransaxophon), Olivia Nosseck (Altsaxophon), Katrin Ticheloven (Tenorsaxophon) und Luca Winkmann (Baritonsaxophon) ihr Publikum. Das Programm umfasst Werke

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von Johann Sebastian Bach über Leonard Bernstein, Astor Piazzolla und Kurt Weill bis zu Michael Nyman. “Only Brahms” präsentieren Michal Majersky (Violine) und Tatiana Liakh (Klavier) am 15.03. mit der F.A.E.-Sonate und den Violinsonaten Nr. 1–3 von Johannes Brahms. Der Konzertmeister des Symphonieorchesters Osnabrück und die Pianistin Tatiana Liakh, deren Spiel von großer Intensität, Lebendigkeit und Tiefe geprägt ist, bilden ein hochkarätiges Duo. Mit der Euphorie, die Liakh mit ihren energetischen Interpretationen beim Publikum auslöst, füllt sie seit 2002 regelmäßig die bedeutenden Säle Europas. Am 19.04. ist das Fluss Quartett zu Gast. Das junge Streichquartett studiert derzeit an der Folkwang Universität der Künste bei Prof. Andreas Reiner. Seine Mitglieder, Jeongyoon Kim (Violine), Woobeen Cha (Violine), Haean Kwon (Viola) und Vera Nebylova (Cello) spielten als Solisten und mit Orchester bereits zahlreiche Konzerte im In- und Ausland und sind Preisträger vieler Wettbewerbe. Als Quartett sind sie seit Juni 2022 Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung.


Multiphonic Saxophonquartett, 10. Feb. 2023, Foto: © Tim Hakvoort // von links: Luca Winkmann (Baritonsaxophon), Olivia Nosseck (Altsaxophon), Silas Kurth (Sopransaxophon), Katrin Ticheloven (Tenorsaxophon)

Im Torsten Zwingenberger 4TET haben sich mit Patrick Braun (sax), Kenneth Berkel (piano), Carmelo Leotta (bass) und Torsten Zwingenberger (drums/percussion) vier exquisite Berliner Jazzmusiker zusammengefunden. Der Meister am Schlagzeug ist sowohl im Jazz als auch im Swing, Blues und Boogie-Woogie zuhause. Die Prämisse „It must schwing“ des deutschen Gründers des berühmten Jazzplattenlabels Blue Note, Alfred Lion, ist auch das Motto der Band. Am 24.10. bringen sie mit modernem Swing, Hardbop, Cooljazz oder auch mal brasilianischem und funkigem Souljazz in einer Mischung aus American Songbook-Titeln und Eigenkompositionen die Kornmühle zum Schwingen. Zum Abschluss der Saison spielt am 21.11. das Alma Trio mit Álvaro Bañón (Saxophon), Mabel Rodríguez (Bratsche) und Mar Valor (Klavier). In dieser ungewöhnlichen Besetzung entdecken die drei Musiker :innen aus einem sehr breiten Repertoire verschiedener Stilepochen immer neue Klangfarben. Neben Originalwerken überraschen sie mit neu arrangierten Versionen beliebter Klassiker, die man so noch nicht gehört hat. Tuchmacher Museum Bramsche Mühlenort 6, 49565 Bramsche

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Kornmühlen Konzerte Termine

Tuchmacher Museum Bramsche

Freitag 10. Februar 2023 · 20 Uhr Multiphonic Saxophonquartett Silas Kurth Sopransaxophon Olivia Nosseck · Altsaxophon Katrin Ticheloven · Tenorsaxophon Luca Winkmann · Baritonsaxophon Mittwoch 15. März 2023 · 20 Uhr "Only Brahms" Michal Majersky · Violine Tatiana Liakh · Klavier Mittwoch 19. April 2023 · 20 Uhr Fluss Quartett Jeongyoon Kim · Violine Woobeen Cha · Violine Haean Kwon · Viola Vera Nebylova · Cello Dienstag 24. Oktober 2023 · 20 Uhr Torsten Zwingenberger 4TET Patrick Braun · Saxophon Kenneth Berkel · Piano Carmelo Leotta · Bass Torsten Zwingenberger · Percussion Dienstag 21. November 2023 · 20 Uhr Alma Trio Álvaro Bañón · Saxophon Mabel Rodríguez · Bratsche Mar Valor · Klavier

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making places collaborative


usm.com


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Advent auf Schloss Clemenswerth

Weihnachtsmarkt vor barocker Kulisse lädt am 3. und 4. Dezember zum Besuch in Sögel ein Emslandmuseum Schloss Clemenswerth | clemenswerth.de Am 2. Adventswochenende (3./4.12.) findet am Emslandmuseum Schloss Clemenswerth – nach coronabedingter Pause – wieder der Weihnachtsmarkt „Advent auf Schloss Clemenswerth“ statt. Vor barocker Kulisse laden rund 70 Stände mit individuellen Geschenkideen und besonderen Gaumenfreuden zum Bummeln und Verweilen ein. „Trotz der mit der Pandemie verknüpften Regeln und der damit gebotenen Vor- und Umsicht möchten wir die Vorweihnachtszeit mit unserem Markt stimmungsvoll einläuten“, unterstreicht Museumsdirektor Oliver Fok. Das Erfolgskonzept des Marktes macht zum einen die Mischung aus weihnachtlicher Landpartie und heimeligen Budenzauber aus sowie der Mix aus Kunsthand-

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werk und kulinarischen Genüssen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur in den späten Nachmittags- und Abendstunden, wenn das Schloss in ein Meer aus tausend Lichtern eintaucht, sondern schon ab Pfortenöffnung am Samstag ab 13 Uhr und am Sonntag ab 11 Uhr. „Besonders zu den früheren Marktstunden hat man Gelegenheit, ganz entspannt auf Geschenkekauf zu gehen“, betont Eventverantwortliche Ramona Krons. Die Angebotspalette – für jeden Geschmack und Geldbeutel – reicht von selbstgemachten Süßwaren über Dekorationen für Haus und Garten bis hin zu Holzarbeiten sowie Schmuckunikaten. Gerahmt wird die Veranstaltung von u.a. Straßenorgelklängen, weihnachtlicher Blasmusik, einem Kinder-


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Adventsmarkt © Manfred Bergmann

theater und dem Nikolausbesuch. Im Übrigen: Bei der Beleuchtung des Marktes kommen ausschließlich energiesparende LED-Lichter zum Einsatz. Der „Advent auf Schloss Clemenswerth“ ist zugleich Abschluss eines ereignisreichen Jahres für das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, dass in 2022 u.a. mit der Sonderausstellung „Abenteuer Museum“ sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert hat.

Busgruppen und kleinere Gruppen wird empfohlen, ihren Besuch anzumelden (bis 18.11.) und die Möglichkeit des Kartenvorverkaufs mit 10 % Rabatt zu nutzen: Telefon: 05952-932325 oder schloss@clemenswerth.de

Der Eintritt kostet 5 € / Erwachsene und 1 € / ermäßigt. Geöffnet ist der Markt am Samstag (3.12.) von 13–22 Uhr und am Sonntag (4.12.) von 11–19 Uhr. Kostenlose Parkplätze stehen zur Verfügung. Wie in den vergangenen Jahren gilt aufgrund der zu erwarteten guten Besucherresonanz eine geänderte Verkehrsführung für den Ort Sögel.

Es gilt die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen. Aufgrund der Pandemie kann es ggf. zu Änderungen kommen. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch auf der Museums-Homepage. Vielen Dank!

Alle Informationen zu Ausstellern, Programm und Anreise unter: www.clemenswerth.de

Emslandmuseum Schloss Clemenswerth 49751 Sögel

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Die Natur ist stets kostbar

Mit Modersohn durch die Jahreszeiten 1. Oktober 2022 bis 28. Februar 2023 Otto Modersohn Museum Tecklenburg | ommt.de

Die stete Auseinandersetzung mit dem Thema „Landschaft“ veranlasste Otto Modersohn, die Natur in all ihren Erscheinungsformen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu allen Jahreszeiten, künstlerisch festzuhalten. Sein gesamtes Leben strebte er, der technisch sehr Versierte, die Zwänge des akademischen Kanons der Düsseldorfer Kunstakademie hinter sich lassend, nach poetischer Empfindsamkeit und Einfühlung in das Wesen der Natur. Er erkannte in jedem botanischen Detail etwas Kostbares, spürte auch in windzerzausten Bäumen und dämmerigen winter-lichen Impressionen der ihnen eigenen Ästhetik nach. Die Ausstellung bietet einen hochinteressanten und abwechslungsreichen Jahreszeiten-Rundgang, mit einem Schwerpunkt auf Modersohns Haupt- und Spätwerk. Frische Frühlingsmotive wechseln mit warmen Eindrücken des Sommers, worauf ein farbenfroher Herbst folgt, und zarte Eiskristalle sowie Schlittschuhläufer schließlich mit dem Winter das Jahr beenden. Aber auch die unbestimmten Übergänge, das kaum merkliche Gleiten von einer Jahreszeit in die nächste und damit verbundene Lichtwechsel, subtile klimatische Veränderungen und ihre regional-typischen Auswirkungen auf die Pflanzen, Tiere und Menschen haben den Künstler sehr interessiert. Eine weitere Besonderheit stellen einige Blumensträuße und Stillleben mit Blumen dar, ein Genre, das in seinem Spätwerk in größerer Zahl zu finden ist. Für Otto Modersohn sind diese Arrangements ‚die versammelte Natur in einer Vase‘. „Ich entwickle immer mehr einen eigenen Stil für Blumensträuße. Sie werden immer reicher, phantastischer, geheimnisvoller – so ein Strauß ist eine Wunderwelt, phantastischer als die Natur da draußen, eine Märchenwelt, ein Feenreich“. Öffnungszeiten: Freitag 14 – 18 Uhr , Samstag & Sonntag 11 – 18 Uhr Feiertags geöffnet, außer am 24., 25. und 31. Dezember Neujahr 14 – 18 Uhr Otto Modersohn Museum Tecklenburg Markt 9, 49545 Tecklenburg

Otto Modersohn, Stillleben mit Obstschale, 1930, © Sammlung Dr. Andreas Gerritzen Otto Modersohn, Mondaufgang im Moor, um 1925 © Privatsammlung

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Michael Pinsky . The Final Bid 30. Oktober 2022 bis 26. Februar 2023 Draiflessen Collection | draiflessen.com

Am Thema Nachhaltigkeit kommt heutzutage niemand mehr vorbei. Der Begriff wird dabei so vielfältig verwendet, dass er droht, zur leeren Worthülse zu verkommen, und eher Überforderung als Motivation hervorruft. Viele fragen sich, ob sie überhaupt etwas bewirken können und welche Schritte sinnvoll wären. An diesem Punkt setzt der britische Künstler Michael Pinsky mit seiner prozessualen Installation THE FINAL BID an, die er erstmals in der Draiflessen Collection realisieren wird. Der größte Anteil unseres durchschnittlichen Treibhausgasausstoßes in Deutschland entfällt – mit circa vier Tonnen – nämlich auf den Konsum von Dingen wie Möbel, Kleidung oder Geräten und eben nicht auf die Flugreise, den Energieverbrauch oder Lebensmittel.

Auf spielerische Art und Weise lädt Pinsky die Menschen ein, aktiv zu werden und in einer symbolischen Aktion den nicht abreißenden Strom neuer Waren zu durchbrechen. Beispielhaft hat er sich dabei für das ikonische Objekt des Stuhles entschieden. Jeder Mensch braucht mindestens einen Stuhl. Im Grunde existieren bereits Unmengen von ihnen. Anstatt immer neue Stühle zu kaufen und somit weitere Ressourcen zu verbrauchen, schlägt der Künstler vor, bereits vorhandene und gebrauchte Exemplare wiederzuverwenden. Dafür verwandelt er das Museum in eine Verkaufsplattform und ruft dazu auf, nicht mehr benötigte Stühle ins Museum zu bringen. Auf der Ausstellungsfläche, im MAIN SPACE, werden sie Teil einer Installation, die durch einen Auktionsprozess in Bewegung versetzt wird. Im Zusammenspiel der Gebote entsteht ein sich ständig veränderndes skulpturales Ensemble, das sich am Ende wieder auflöst. THE FINAL BID spielt mit der Idee des Sammelns von Artefakten und der Aufwertung, die sie gewinnen, wenn sie in einen musealen Kontext gestellt werden. Während einige der Stühle eine besondere sentimentale Bedeutung haben mögen, sind sie im Allgemeinen von geringem kommerziellen Wert. In der Tradition des

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Abb. oben von links: Michael Pinsky, 2021, Courtesy der Künstler, Foto: Sophie Mitchell // Stuhl 3, 2, 7 und 8, Michael Pinsky, © Draiflessen Collection, Mettingen, Foto: Henning Rogge // unten: Michael Pinsky, Pollution Pods, Norwegen 2017, Courtesy der Künstler, Foto: Thor Nielsen / NTNU

Readymade werden sie für einen Moment aus ihrer funktionalen Verwendung gerissen und zu einer Skulptur, die betrachtet werden soll, anstatt nur Möbelstücke zu sein, auf denen man sitzt. Nach dem Kauf kehren sie jedoch zu ihrer früheren Verwendung zurück. Im Außenbereich der Draiflessen Collection wird während der ersten vier Wochen der Ausstellung ein weiteres Werk von Michael Pinsky zu sehen sein: Zu unserer großen Freude ist es uns möglich, die POLLUTION PODS zu präsentieren. Diese Installation simuliert in fünf miteinander verbundenen geodätischen Kuppeln die Luft- und Klimabedingungen verschiedener Orte der Welt. Die Besucher*innen durchwandern die klare Luft Norwegens, riechen die dieselbetriebenen Londoner Taxen und erfahren die Belastung durch Smog in den Städten Neu-Delhi, Peking und São Paulo am eigenen Leib. Luftverschmutzung wird in einer Intensität körperlich erfahrbar wie selten zuvor. Es ist ein unmittelbares Erlebnis, das niemanden kalt lässt und zum Nachdenken darüber anregt, was die Menschen mit ihrer Lebensweise ihrer Umwelt und damit letztendlich sich selbst zufügen. Die Installation hat bereits international für Aufsehen gesorgt und wurde unter anderem im norwegischen Trondheim, in London, Vancouver, Madrid und New York präsentiert.

Der britische Künstler Michael Pinsky (* 1967) untersucht in seinen Arbeiten die geopolitische Einflussnahme des Menschen auf sein Umfeld – das kann den ökologischen Fußabdruck jeder und jedes Einzelnen, aber auch die Art der zwischenmenschlichen Interaktion umfassen. Dabei stellt er den Status quo infrage und beleuchtet mit seinen häufig auf Beteiligung und Austausch angelegten Kunstwerken, unseren wenig nachhaltigen Lebensstil, der nicht nur die Umwelt überstrapaziert, sondern langfristig auch unsere eigene Existenz bedroht. Doch geht es dem Künstler nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern vielmehr um die Entwicklung eines Dialogs und eines gemeinsamen lösungsorientierten Handelns – denn: Wir können nicht weitermachen wie bisher und erwarten, dass sich etwas ändert. Pinskys Arbeiten wurden unter anderem in der Tate Britain und im Victoria and Albert Museum, London, im Museum of Contemporary Art Chengdu, im Centre for Contemporary Arts, Glasgow, im Kunstmuseum Bonn, auf der Liverpool Biennial of Contemporary Art, im Armory Center for the Arts in Pasadena sowie auf der International Architecture Biennale Rotterdam gezeigt. Draiflessen Collection Georgstraße 18, 49497 Mettingen

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links: C&A Archive Collection, 1.000.000 Jinglers Jeans, 1989 (2.v.l.), “Jinglers” T-Shirts und Jinglers Jeans, 2021 // rechts: "(Jetzt sind es die Jäckchen-die "mini werden)", C&A Werbeanzeige, 1969

The Archive Collection

22. Juni 2022 bis 15. Januar 2023 Draiflessen Collection | www.draiflessen.com Zum 180-jährigen Jubiläum brachte C&A im Jahr 2021 eine Retrokollektion heraus, die sich an den eigenen Modekreationen zurückliegender Jahrzehnte orientierte und die Inhalt der Präsentation THE ARCHIVE COLLECTION in DAS Forum der Draiflessen Collection ist. Zusammen mit ausgewählten Originalen aus dem eigenen Archivbestand der Draiflessen Collection wird diese C&A-Kollektion präsentiert, die Zeitgeist und stilistische Merkmale vergangener Jahre wieder aufleben lässt. Im November 2020 begaben sich die Designer:innen von C&A und die Archivmitarbeiter:innen der Draiflessen Collection zusammen auf eine Reise in die Vergangenheit. Ausgangspunkt für die Retrokollektion waren Werbemappen, Printanzeigen und Modekollektionen des Unternehmens aus den vergangenen Jahrzehnten, die im Archiv der Draiflessen Collection gesammelt und aufbewahrt werden. Sie erlauben Einblicke in die Geschichte von C&A, Kreationen und Werbung von 1841 bis heute. Dass C&A in Kooperation mit der Draiflessen Collection zum Jubiläum des Unternehmens die Archive Collection kreieren konnte, war möglich dank der über 100-jährigen Sammlungsarbeit vieler Beteiligter.

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Jedes Jahrzehnt ist geprägt von bestimmten Stilen, die den Zeitgeist verkörpern. Daher sind Kleidung und Accessoires gut geeignet, das Gefühl einer bestimmten Dekade wieder aufleben zu lassen. Unter neuen Vorzeichen, heute als Teil einer Museumssammlung, setzten historische Werbung und Mode von C&A im Rahmen dieses Projekts wichtige Impulse und regten die Fantasie der Designer:innen an. Die beispielsweise in den 1970er-Jahren beliebten Schlaghosen wurden im Zuge der Archive Collection an heutige Trends angepasst, indem sie etwas schmaler gestaltet worden sind, so wirken sie moderner. Generell erlebt die Modebranche gerade eine Renaissance von Modellen aus den 1960er- bis in die 1980er-Jahren auf dem Markt, die sich in der Präsentation THE ARCHIVE COLLECTION widerspiegelt. So regte beispielsweise das historische schwarze Minikleid zu detaillierten Übernahmen an – dem aktuellen Trend entsprechend noch viel kürzer als das Mini der 1960erJahre und in pastelliger Farbpalette. Draiflessen Collection Georgstraße 18, 49497 Mettingen


Michael Pinsky

3_THE FINAL BID_kunstqstück.indd 1

30.10.2022 — 26.02.2023

www.draiflessen.com

the final bid

13.09.2

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Rembrandt Harmensz van Rijn (nach Jan Lievens), Sitzender alter Mann mit Stock, 1631(?) © Draiflessen Collection/Liberna Collection, Foto: Stephan Kube

Auf Spurensuche

Kabinettausstellung | 22. Juni 2022 bis 15. Januar 2023 Draiflessen Collection | draiflessen.com

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Eine Zeichnung einer Künstler:in eindeutig zuzuschreiben, hängt von verschiedenen Gegebenheiten ab. Ist das Kunstwerk signiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, einen Treffer zu landen. Doch wie funktionieren Zuschreibungen eigentlich bei nicht signierten Zeichnungen? Oder noch einen Schritt weiter: Können Skizzen und Studienblätter überhaupt Künstler:innen oder Künstler:innengruppen, Lehrer:innen oder Schüler:innen zugeordnet werden?

insbesondere in den nicht als verkaufbares Kunstwerk hergestellten Zeichnungen, Skizzen und Studien Parallelen und Ähnlichkeiten. Wer also ist die Urheber:in? Kann man das überhaupt im Nachhinein festlegen?

Gerade beim Studieren ging es oft um kopieren, aneignen, lernen und so finden sich

Draiflessen Collection Georgstraße 18, 49497 Mettingen

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In der Liberna Collection gibt es im Bereich der Zeichnungs- und Studiensammlung einige Beispiele, anhand derer die nahezu detektivische Arbeit der Spurensuche nachgezeichnet werden kann.


index

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sculptures to read, books to walk through 4. november 22 – 7. Januar 23

Frans Baake, Manfred Blieffert, Pier van Dijk, Alexej Eisner, Sarah Grothus, Renate Hansen, Margret Hemme, Peter Hoogers, Martha Lucía Inagán, Juno S Kay, Anna Maandag, Elisabeth Pawils, Hiltrud Schäfer, José Anna Maria Verstappen, Antje Wiewinner

skulptur galerie · Bierstraße 2 · 49074 Osnabrück Di–Fr 11–18 Uhr · Sa 10–18 Uhr · skulptur-galerie.de

© Antje

Wiewinner

fast nichts

02.12.2022 – 28.01.2023

Kati Gausmann Lena von Goedeke Alicja Kwade Bjorn Melhus Matthias Stuchtey Shigeru Takato Christine Wamhoff Tim Roßberg Jürgen Stollhans mit freundlicher Unterstützung von

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Christoph Dahlhausen

Lichtinstallationen, Winterlicht – More Blues 10. Dezember 2022 (Eröffnung: 17 Uhr) bis 26. Februar 2023 DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst | da-kunsthaus.de „Winterlicht“ ist eine Reihe einmaliger Ausstellungen zeitgenössischer Lichtkunst. Seit 2006 sind im Innen- und Außenraum des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Werke international renommierter Lichtkünstlerinnen und -künstler zu erleben. Die ortsspezifischen Eingriffe mittels Lichtelementen, Projektionen oder raumgreifenden Installationen verändern auf ganz unterschiedliche Weise die historische Klosterarchitektur in den dunklen Wintermonaten.

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„Licht, Farbe und Raum sind die Leitplanken meines Schaffens.“ Christoph Dahlhausen, 2022 In dieser Wintersaison sind die raumgreifenden Lichtinstallationen des in Bonn und Melbourne lebenden Künstlers Christoph Dahlhausen zu erleben. Ausgehend von den besonderen Charakteristika eines Raumes entwickelt Dahlhausen genau austarierte Kompositionen – einen Rhythmus aus Raumstrukturen, Licht und Far-


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Christoph Dahlhausen, Stabilizing Light, Kunstmuseum Ahlen 2017 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Hubert Kemper

be. Künstliches und natürliches Licht sind gleichberechtigter Bestandteil der Werke und verweben sich zu einem sinnlichen Ereignis. Ganz bewusst setzt Dahlhausen die Zeit der Dämmerung und den Wechsel der Lichtverhältnisse in seinen künstlerischen Arbeiten ein. In der Werkreihe „Stabilizing Light“ werden profane, mit blauen Leuchtstoffröhren versehene Gerüstbauelemente vom Künstler in die Raumstrukturen eingebunden, es entstehen neue Sichtachsen, Wegeführungen und Orientierungen. Mit fortschreitender Dämmerung verschwin-

det die Konstruktion der Gerüststangen zusehends in der Dunkelheit, derweil die Leuchtkraft der Röhren zunimmt und einen atmosphärischen Lichtraum erzeugt. Diese Interaktion aus Materiellem und Ephemeren lässt die Installation zu einem begehbaren Schauspiel werden, in dem die Intensität und die Wandelbarkeit von Licht sinnlich erfahrbar wird. Die Ausstellung wird durch die Kreissparkasse Steinfurt gefördert. DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst Klosterstraße 10, 48477 Hörstel

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DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Klosterstraße 10, 48477 Hörstel | da-kunsthaus.de

Bis Ende Januar 23 Rückblick! Projektstipendium KunstKommunikation 22 Kunst zum Mitmachen und Mitdenken | Präsentation der Kunstprojekte

Nach einem erfolgreichen Projektjahr gibt die Ausstellung RÜCKBLICK! in den Atelierräumen der diesjährigen Stipendiatinnen und Stipendiaten spannende Einblicke in die aktuellen Kunstprojekte: Anna van Eck | Nähe auf Distanz Die Künstlerin arbeitet an der Schwelle von Kunst und Design. Im Mittelpunkt ihres Projektes "Nähe auf Distanz" steht das Ausloten nonverbaler Kommunikation im Rahmen eines gemeinsamen Essens als soziales Kunstevent. Das experimentelle Dinner hat das Ziel, die Teilnehmenden mittels künstlerisch überformter und erweiterter Essgeräte in eine ungewohnte, neue Kommunikation zu bringen. Anna van Eck lädt mit ihrem Projekt dazu ein, Nähe trotz Abstand interaktiv spielerisch zu erkunden. Gilbert Geister | Feedback Gilbert Geister lässt Kunst und Physik aufeinandertreffen. In seinem Projekt „Feedback“ widmet er sich dem Phänomen der Rückkopplung, um Objekte mit signalverstärkender Wirkung im Kunstkontext zu erstellen und dadurch partizipatorische Strategien zu entwickeln. Maria Vill und David Mannstein | Paste Up History! Spektakuläre, großformatige Street-Art-Werke sind im Kreis Steinfurt auf Fassaden entstanden. Gemeinsam mit Interessierten aus der lokalen Bevölkerung, aus Vereinen und aus soziokulturellen Institutionen hat das Künstlerteam vor Ort Motive mit historischen und aktuellen Bezügen zur Region entwickelt. Eine KunstRad-Tour verbindet die humorvollen und tiefgründigen Fotocollagen. Das Projekt „Paste Up History!“ wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, vom Regionalen Kulturprogramm NRW und dem Landschaftsverband Westfalen Lippe gefördert.

Projektstipendium KunstKommunikation 24 Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst vergibt wieder das Projektstipendium KunstKommunikation für das Jahr 2024. Gesucht werden Künstlerinnen und Künstler für kommunikative, partizipatorische und interaktive Kunstprojekte. Die Bewerbungsfrist für das Stipendium 2024 ist der 25. Januar 2023 (Datum des Poststempels). Infos zum Bewerbungsverfahren und Ausschreibungsunterlagen auf www.da-kunsthaus.de Abb. oben, v.l.n.r.: Kunst in der Region 22, Foto: Dorothea Böing // Gilbert Geister, Feedback, Workshop, Foto: Michael Jezierny // Maria Vill und David Mannstein, Paste Up History!, Püsselbüren Hühner, Foto: Maria Vill und David Mannstein // Anna van Eck, Festmahl Nähe auf Distanz, Foto: Lisa Backmann

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Bis Ende Februar 23 Ausblick! Projektstipendium KunstKommunikation 23

Kunst zum Mitmachen und Mitdenken | Vier neue partizipative Kunstprojekte für 2023 ausgewählt | Ausstellung der Entwürfe aus der Ideenwerkstatt Jedes Jahr haben Künstlerinnen und Künstler im DA die Chance auf eines der bis zu vier Projektstipendien, die der Kreis Steinfurt vergibt. Gefördert werden im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst partizipatorische, kommunikative und interaktive Kunstprojekte, die lebensnahe, alltägliche, aber auch polarisierende Themen aufgreifen. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat sich das Kuratorium im Rahmen der Endjurierung für die Kunstprojekte entschieden, die im nächsten Jahr von den neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten umgesetzt werden: Michelle Adolfs & Beate Gärtner | MyVR_Planet.DA Albrecht Fersch | Das Gefundene-Musik-Orchester Locuratolo & Marlene Ruther | Still Standing Special Edition Jan Philip Scheibe | FICHTEN [WÄLDER] Alle 13 Projekte, die sich für die Endauswahl qualifiziert haben, sind noch bis Ende Februar in der Entwurfsausstellung AUSBLICK! zu sehen. Darunter auch die vier Kunstprojekte, die – unter Bürgerbeteiligung – im nächsten Jahr in der Region realisiert werden.

15.10.–20.11.22 · Kunst in der Region 22

35. Gemeinschaftsausstellung zeitgenössischer Kunst im DA, Kunsthaus 27 Künstlerinnen und Künstler aus dem Münsterland, dem Euregio-Gebiet mit den angrenzenden Niederlanden sowie dem Osnabrücker Land präsentieren im großen Saal, dem Remter, auf der Galerie, im Regieraum und im historischen Gewölbekeller insgesamt mehr als 50 Kunstwerke. Traditionell vereint die Gemeinschaftsausstellung viele Namen regionaler Künstlerinnen und Künstler, die mit Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie und weiteren Arbeiten vertreten sind. Die Ausstellung zeigt alljährlich Trends, Themen und Perspektiven der zeitgenössischen Kunst. Gefördert durch die Kreissparkasse Steinfurt

26.11. – 04.12.22 · Feedback | Gilbert Geister Installation im

Westflügel | Projektstipendium KunstKommunikation 22 | Eröffnung am: 26.11. 2022 widmet sich Gilbert Geister in seinem Projekt »Feedback« dem Phänomen der Rückkopplung und nutzt dieses in biologischen, soziologischen und technischen Systemen vorkommende Prinzip, um Objekte mit signalverstärkender Wirkung im Kunstkontext zu entwickeln und um eine raumgreifende Installation zu realisieren: Beim Durchqueren des großen Saals, auf dessen Boden mittels Beamer eine Lichtfläche projiziert wird, nimmt eine Infrarotkamera die Bewegungen der Besucherinnen und Besucher auf und gibt diese für eine gewisse Zeit als dunkle Spur wieder. Die Besucher werden Teil der Installation und zeichnen allein durch ihre Anwesenheit mit dem ganzen Körper beim Begehen der Bildfläche.

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Sylvia Evers, Meisje-Rücken grau

Sylvia Evers

Sense and Absence 23. September (Eröffnung: 19 Uhr) bis 30. Dezember 2022 Kloster Bentlage | kloster-bentlage.de Die in Rheine geborene und aufgewachsene Künstlerin Sylvia Evers lebt und arbeitet in Rheine und Arnheim. Seit ihrem Studium und Abschluss 1999 an der AKI Kunstakademie in Enschede entwickelte sie ein ausgebreitetes bildhauerisches Oeuvre: ihre Werke sind meist aus Keramik oder Bronze. Sylvia Evers’ Skulpturen bestehen aus poetischen, stillen Darstellungen des menschlichen Körpers, symbolischen Handlungen und Tierformen. Die Symbolik des Tierreichs in Bezug auf den Menschen steht oft im Mittelpunkt ihrer Arbeit, in der sie diese beiden Welten buchstäblich verschmelzen lässt. Evers beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „Der schmale Grat zwischen Verletzlichkeit und Wehrhaftigkeit übt auf mich eine große Anziehungskraft aus. Diese Tatsache ist ein inhaltlicher Bezugsrahmen während des Arbeitsprozesses und eine Richtlinie für meine Materialwahl, in der sich diese (Wesens-) Eigenschaften widerspiegeln.“ Dem Betrachter fällt sofort die gewichtige Rolle auf, die Pflanzen und vor allem Tiere in ihren Werken spielen. Wobei auch das nur die halbe Wahrheit ist, denn minde-

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stens so wesentlich ist das Auflösen der Schranken: Zwischen Mensch und Tier, Tier und Pflanze, Pflanze und Mensch – es ist ein beseelter Naturkosmos, in dem Evers‘ Figuren traumwandlerisch die Grenzen überschreiten und die Formen wechseln. So geben sie sich klar als Bewohner und Abkömmlinge von Märchen und Mythen zu erkennen, in denen häufig das Gesetz der Verwandlung herrscht, einer zauberischen Metamorphose. Im Kloster Bentlage treten Evers‘ Skulpturen und Installationen nun in ein stilles Zwiegespräch mit der Umgebung: Tiere, Menschen und Hybride reagieren mit dem geschichtsträchtigen Umfeld und der umgebenden Natur und verkörpern dabei auch vieles von dem, was auch für das denkmalgeschützte Klosterensemble inmitten seines Naturrefugiums gilt: Sie sind in sich Ruhend, aber voller Energie. Schweigend, aber voller Geschichten. Zur Berührung verführend und doch so verwundbar. So laden sie den Betrachter auf einzigartige Weise zum Entdecken, Erleben und Erkennen ein. Kloster Bentlage Bentlager Weg 130, 48432 Rheine


Pablo Picasso, Frauenkopf, 1906, Holzschnitt, 55,7 × 38,5 cm, Museum Berggruen – Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin © bpk/Nationalgalerie, SMB, Museum Berggruen/Jens Ziehe | Pablo Picasso und Fernande Olivier mit ihren Hunden, Féo und Frika, auf dem Montmartre, um 1904-06 © bpk/RMN-Grand Palais, Adrien Didierjean | Pablo Picasso, Françoise, 14. Juni 1946, Lithografie, 65,2 × 50,1 cm, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster – Die Sammlung Huizinga | Françoise Gilot und Picasso in Golfe-Juan, 1947/48. Foto: Mathieu Rabeau © bpk/RMN-Grand Palais/Mathieu Rabeau © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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KUNSTMUSEUM PABLO PICASSO münster

Picassoplatz 1 | 48143 Münster | T.: 0251 /414 47-10 | info@picassomuseum.de www.kunstmuseum-picasso-muenster.de | Dienstag bis Sonntag: 10–1847Uhr kunst:stück


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© Bernhard Möller

Bernhard Möller Energetische Spuren

11. Dezember 2022 bis 15. Januar 2023 Kloster Bentlage | kloster-bentlage.de Der in Rheine geborene und lebende Bernhard Möller kann in diesem Jahr auf 50 Jahre kreatives Schaffen zurückblicken. Der Ausstellungstitel ist für den Kunstschaffenden der Versuch, die Sprache der Materie und damit den elementaren Wert natürlicher Materialien neu zu definieren. Seine Reliefbilder sprechen eine eigene, unverwechselbare Sprache. Dabei entstehen dreidimensionale, zum Teil skulpturale Bildräume mit hoher Materialdichte. Oberstes Ziel dabei ist, Farbe und Material als malerische Ursubstanzen in einen Kontext zu bringen. Die Bildsprache weckt Vor-

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stellungen an ausgetrocknete Elemente aus Lehm, zerklüftete Erdoberflächen, alte Baumrinden oder recycelten Dingen. Vorzugsweise werden dabei auch hiesige Vorkommen wie Edelanthrazitkohle, Sandstein oder Raseneisenstein verwertet. Die Anmutung des Unvollkommenen im Konsens mit der schlichten, zurückhaltenden Ausstrahlung natürlicher Materie reflektiert die Ausdrucksform stets unter der Prämisse, dass innere Harmonie und Gleichgewicht gewahrt bleiben. Kloster Bentlage Bentlager Weg 130, 48432 Rheine


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WWW.MUSEUM-FUER-LACKKUNST.DE

TABLETT Holz mit Schwarzlack und Einlagen aus graviertem Perlmutter Blühender Pflaumenzweig und Mondsichel, China, 14. Jahrhundert (Ende Yuan-/Anfang Ming-Dynastie) Erworben 1999 Die Winterpflaume gilt im Fernen Osten als der erste Frühlingsbote und verheißt ein baldiges Ende des Winters.

MUSEUM FÜR LACKKUNST

ÖFFNUNGSZEITEN

Windthorststraße 26 48143 Münster | Deutschland Telefon: + 49.251.41851-0

dienstags bis sonntags und an gesetzlichen Feiertagen 12–18 Uhr (Eintritt frei)

www.facebook.com/Museum.fuer.Lackkunst

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Mittendrin.

82. Telgter Krippenausstellung

5. November 2022 bis 22. Januar 2023 RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur | museum-religio.de Das Ausstellungsthema „Mittendrin“ hat über 100 Künstlerinnen und Künstler zu den verschiedensten Krippendarstellungen inspiriert. Sie haben Gemälde, Skulpturen, Figurenkrippen mit

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Stall, Kunstinstallationen, Lichtkunst und vieles mehr geschaffen. Dieses Potpourri, welches im Telgter Museum jährlich neu als professionelle Ausstellung mit Begleitband präsentiert wird, macht den Reiz der Ausstellung aus. Die Künstlerinnen und Künstler stammen aus ganz Deutschland, aus Tschechien und Frankreich. In diesem Jahr ist die Geburt Jesu mittendrin: in der Familie, der Stadt und der Welt. Wie immer werden in der Telgter Ausstellung auch aktuelle Themen aufgegriffen, beispielsweise der Krieg in der Ukraine oder die Überschwemmung im Ahrtal, die in der Krippenausstellung auf dem Plakat zu sehen ist. In diesem Jahr ist das Ikonen-Museum aus Recklinghausen mit Weihnachtsikonen zu Besuch in der Telgter Ausstellung. Diese bemerkenswerte Vielfalt macht den Ausstellungsbesuch zum weihnachtlichen Erlebnis.


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Abb. oben v.l.: Geburt Christi und Engel, Äthiopien, 20. Jahrhundert, Malerei auf Holz, IkonenMuseum Recklinghausen // Rudi Bannwarth (*1962), Knastkrippe: Jesus mittendrin, 2020, szenische Krippe in einem Fernsehgehäuse, Holzbildhauermeister // Abb. unten links: Hans-Bernhard Vielstädte (*1955), Heilige Familie, 2018, Limba geschnitzt und lasiert // unten rechts: Hans Rothfeld (*1943), Es kommt ein Schiff geladen, Buche gesägt, Rentner // Alle Fotos der Krippenausstellung stammen von Stephan Kube, Greven

Die Ausstellung ist auch am ersten und zweiten Weihnachtstag geöffnet (Heiligabend ist das Museum geschlossen). An allen Sonntagen finden bis zum Ende der Ausstellung um 15 Uhr öffentliche Führungen statt. Das dritte Adventswochenende ist den Familien gewidmet. Es gibt einen Film zur Entstehung der Herrnhuter Sterne und auch der Glasbläser Reinhard Börner kommt wieder. Unter seiner Anleitung können Kinder und Erwachsene selbst eine Christbaumkugel blasen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr, Sonderöffnungszeiten an den Feiertagen, Heiligabend und Silvester geschlossen RELíGIO Westfälisches Museum für religiöse Kultur Herrenstraße 1-2, 48291 Telgte

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Konstruktive Welten

Eine neue Universalsprache der Kunst 17. September bis 11. Dezember 2022 Stiftung Ahlers Pro Arte | ahlers-proarte.com Vor einhundert Jahren – dem Jahr seiner Berufung an das Bauhaus Weimar – schuf Wassily Kandinsky den Zyklus „Kleine Welten“. Im selben Jahr 1922 tagte in Düsseldorf und Weimar die „Konstrukti-

vistische Internationale“. Damit manifestierte sich der Beginn einer neuen Weltsprache der ungegenständlichen Kunst. In der von Dr. Gloria Köpnick kuratierten Ausstellung sind neben Kandinsky auch dessen Bauhaus-Kollegen Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy vertreten, die diese neue Bildsprache maßgeblich prägten, außerdem die osteuropäischen Avantgardekünstler Lajos Kassák, László Peri und Nikolai Michailowitsch Suetin. Sie alle fanden ihren jeweils eigenen Weg in die Abstraktion. Ihre Werke bilden somit eine faszinierende Ergänzung zu denen Kandinskys und dokumentieren den internationalen Charakter dieser neuen Kunstrichtung. In Deutschland hatte der Konstruktivismus ausgeprägte regionale Zentren, zu denen insbesondere Weimar und Hannover zählten. Tonangebend in Hannover war die Künstlergruppe „die abstrakten hannover“ mit Kurt Schwitters, El Lissitzky, Carl Buchheister und Rudolf Jahns. Ihre Arbeiten bilden in der Ausstellung einen eigenen Schwerpunkt.

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Abb. oben v.l.n.r.: Wassily Kandinsky, Kleine Welten I, 1922, ahlers collection // Wassily Kandinsky, Kleine Welten II, 1922, ahlers collection // Kurt Schwitters, Mz 30,8, 1930, ahlers collection // Walter Dexel, Kleine Maschine, 1922, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, © Nachlass Walter Dexel // Abb. unten: Karl Grill, Daisy Spies als die Spirale in Oskar Schlemmers: Das Triadische Ballett, 1926, Galerie Derda Berlin

Eine Werkgruppe von Eduard Steinberg zeigt beispielhaft die Auseinandersetzung späterer Künstlergenerationen mit den historischen Vorbildern und ist ein Beleg dafür, dass der Konstruktivismus nicht ein abgeschlossenes Kapitel der Kunstgeschichte darstellt, sondern nach wie vor schöpferisches Potential birgt.

Die rund 70 Exponate stammen überwiegend aus der ahlers collection und werden durch wichtige Leihgaben aus Museen und privaten Sammlungen ergänzt. Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog, der in der Stiftung Ahlers Pro Arte erhältlich ist.

Begleitprogramm: Öffnungszeiten: Sa und So, 12–17 Uhr Führungen: jeden Samstag 15 Uhr Sonderführungen nach Vereinbarung

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf der Internetseite: ↗ www.ahlers-proarte.com

Begleitend zu der Ausstellung finden zwei Abendveranstaltungen statt (Anmeldung erforderlich): – 14. Oktober 2022: Vortrag von Michael Siebenbrodt, Weimar – 25. November 2022: Vortrag von Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Hamburg

Stiftung Ahlers Pro Arte gGmbH Am Kindergarten 2, 32052 Herford info@ahlers-proarte.com

Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch auf unserer Internetseite über die aktuellen Zugangsbestimmungen. Dort können Sie sich auch für unseren NEWSLETTER anmelden.

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. petershagen

Silberne Nüsse, gläserne Zapfen

Christbaumschmuck aus dem Thüringer Wald

Ausstellung und Verkauf sind an den ersten beiden Advents-Wochenenden 26./27. November und 3./4. Dezember von 10–18 Uhr geöffnet LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim | glashuette-gernheim.lwl.org Zierliche Glasvögel, kunstvoll gesponnene Drähte oder glitzernde Dekore – der handgefertigte Christbaumschmuck aus dem Thüringer Wald entfaltet seine Pracht in vielen Gestalten. An den ersten zwei Adventswocheneden zeigt das LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim eine Auswahl der zierlichen Kunstwerke. Sie dürfen bestaunt, aber gern auch erworben werden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Thüringer Wald, insbesondere die Stadt Lauscha, Zentrum der Produktion der gläsernen Kostbarkeiten. Sie werden in der Region traditionell vor der Lampe – einer

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kleinen Gasflamme – geblasen, geformt und dekoriert. Dazu werden Kugeln, Reflexe und Formsachen versilbert, bemalt, mit Glimmer bestäubt oder mit glitzernden Drähten umsponnen. Die kunstvollen Miniaturen des traditionellen Glasbläserhandwerks haben inzwischen Weltberühmtheit erlangt. Das Angebot reicht von den klassischen „Reflexen“ – Glaskugeln mit einem eingedrückten Hohlraum, der das Licht besonders kunstvoll einfängt - bis hin zu naturgetreuen Glasvögeln. Unter den Motiven finden sich nicht nur Bergmänner, sondern


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Foto: Christian Forkel / Marolin

ebenso Eiszapfen, Äpfel und Märchenfiguren. Vertreten sind die Werkstätten Magdolna Hähnlein; Marolin; Formgeblasener Christbaumschmuck Michael Haberland; Glasbläserei Thüringer Weihnacht Helmut Bartholmes; Glas-Ambiente Hausdörfer; Glasphantasien René Möller. Darüber hinaus bereichern Recycling-Objekte und Textilien aus der Region das Angebot. Die Gernheimer Glasmacher produzieren Weihnachtsdekorationen aus eigener Hand, aber auch künstlerische Glasobjekte. Am 26. und 27. November erwartet die Besucher:innen eine seltene Vorführung. Falk Bauer, Glasbläser aus Lauscha, wird vor der Lampe naturgetreue Insekten blasen. Bauer ist derzeit der einzige Glasbläser

in Deutschland, der die Kunst beherrscht, die Feinheiten der Insektenkörper in heißem Glas wiederzugeben. Am 26.11 und 3.12. bietet die Glashütte außerdem eine offene Weihnachtswerkstatt für Kinder an. Anregungen aus der Ausstellung, aber auch eigene Weihnachtsphantasien können hier umgesetzt werden. Ausstellung und Verkauf sind an den ersten beiden Advents-Wochenenden, 26./27. November und 3./4. Dezember, von 10–18 Uhr geöffnet. Vorführungen von Falk Bauer vor der Lampe finden am 26. und 27. November jeweils von 11–17 Uhr statt. LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim Gernheim 12, 32469 Petershagen

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Fernande und Françoise Erinnerungen an Picasso

1.Oktober 2022 bis 22. Januar 2023 Kunstmuseum Pablo Picasso Münster | kunstmuseum-picasso-muenster.de Die Ausstellung ist Picassos langjährigen Lebensgefährtinnen Fernande Olivier und Françoise Gilot gewidmet. Die beiden eint, dass sie als einzige seiner Begleiterinnen schriftlich ihre Lebenserinnerungen an die gemeinsam mit dem Künstler verbrachten Jahre festgehalten haben. Beide Frauen sind darüber hinaus bis heute untrennbar mit dessen Werk verbunden, was in der Ausstellung mit rund 70 Gemälden, Skulpturen, Werken auf Papier und Keramiken sichtbar wird. „Wer schreibt, der bleibt, sagt der Volksmund. Die Idee, Picassos schreibende Musen Fernande und Françoise in einer

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Präsentation zusammenzubringen, ist zumindest originell und neuartig“, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Als Auftakt zum internationalen Ausstellungsreigen „Picasso Celebration“ anlässlich seines 50. Todestages wird mit der Schau auch Münster als roter Punkt auf der großartigen Picasso-Landkarte zu sehen sein.“ Fernande Olivier wurde als uneheliche Tochter unter dem Namen Amélie Lang geboren. Sie heiratete früh, die Ehe scheiterte jedoch und sie ging 1900 nach Paris, wo sie unter ihrem Künstlerinnennamen Fernande Olivier als Modell arbeitete.


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Foto links: BesucherIn vor einem Werk von Francoise Gilot © Christoph Steinweg // Foto rechts: Besucherinnen vor einem Werk von Picasso © Christoph Steinweg

1904 traf sie erstmals Pablo Picasso, ein Jahr später zog sie zu ihm ins Atelierhaus Bateau-Lavoir auf den Montmartre. Bis zur Trennung im Jahr 1912 bildete Picasso Fernande in über 60 Werken ab, darunter zahlreiche Hauptwerke seiner kubistischen Periode. Keinem anderen Einzelmotiv widmete er in den Vorkriegsjahren eine vergleichbare Aufmerksamkeit.

zurück nach Paris. Während der „Période Françoise“ entdeckte Picasso die Lithografie und die Keramik als neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten für sich. Thematisch sind die Werke dieser Jahre von der Reflexion antiker Bildwelten auf der einen und der Besinnung auf die private, familiäre Sphäre auf der anderen Seite gekennzeichnet.

Françoise Gilot war eine 21jährige Studentin und ambitionierte Malerin, als sie im Mai 1943 Pablo Picasso in Paris kennenlernte. Drei Jahre später wurde sie offiziell seine Lebensgefährtin. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohns Claude im Jahr 1947 verlegten sie ihren Lebensmittelpunkt in das südfranzösische Vallauris. Ihre Tochter Paloma kam 1949 zur Welt. Im September 1953 beendete Gilot ihre Beziehung zu Picasso und zog mit den Kindern

Unter der Federführung des Musée Picasso Paris wird im Rahmen des Jubiläums von internationalen Museen und Ausstellungshäusern ein einzigartiges Programm von multidisziplinären kulturellen Veranstaltungen zusammengestellt, das die weltweite Resonanz des Werks Pablo Picassos würdigt. Kunstmuseum Pablo Picasso Münster Picassoplatz 1, 48143 Münster

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Boten der Nacht – Expressive Avantgarden in Deutschland 1918-1968. Die Sammlung Sorst 1.Oktober 2022 bis 22. Januar 2023 Kunstmuseum Pablo Picasso Münster | kunstmuseum-picasso-muenster.de In der Ausstellung zeigt das Picasso-Museum im Herbst Meisterwerke der deutschen Druckgrafik von Künstlerinnen und Künstlern wie Erich Heckel, Karl SchmidtRottluff, Ernst Barlach, Otto Dix, Käthe Kollwitz, Jeanne Mammen, Gerhard Marcks, HAP Grieshaber und Horst Janssen. Die Leihgaben stammen aus der in Hannover beheimateten Sammlung Ernst-Joachim Sorst, dem Käthe Kollwitz Museum Köln, dem Horst-Janssen-Museum Oldenburg sowie dem Ernst Barlach Haus Hamburg. Ausgestellt sind über 70 Exponate, darunter Holzschnitte, Radierungen, Lithografien und Skulpturen. Die Schau versucht anhand der expressiven Avantgarden des 20. Jahrhunderts von den Brücke-Künst-

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lern, über die Vertreter der Neuen Sachlichkeit bis in die Nachkriegsmoderne hinein, eine deutsche Kunst- und Mentalitätsgeschichte der existentiellen Gefährdung, der Trauer, Angst und Hoffnungslosigkeit zu erzählen, die nicht zuletzt in Anbetracht derzeitiger weltpolitischer Entwicklungen in unsere Gegenwart hineinwirkt. Mystische, ekstatische und visionäre Erfahrungen, die von der Nachtseite der menschlichen Seele künden, bilden weitere Themen der Ausstellung. „Der Titel der Ausstellung „Boten der Nacht“ ist einer Zeile des Gottfried Benn-Gedichts „Sieh die Sterne, die Fänge“ aus dem Jahr 1927 entlehnt und beschreibt in der von Benn im Kontext des Gedichtes intendierten


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Abb. links: HAP Grieshaber, Katze und Vogel, 1960, Farbholzschnitt, 1960 © VG BildKunst, Bonn 2022 // Abb. rechts: Käthe Kollwitz, Der Tod packt eine Frau, um 1921– 1922, Kreide auf gelblichem Papier, Käthe Kollwitz Museum, Köln

Vielstimmigkeit zwischen Unheilsverkünder, Erlöser, Komplize, Weggefährte und Medium die Heterogenität der in der Ausstellung vertretenen künstlerischen Positionen,“ erläutert Kurator Alexander Gaude. Den Auftakt des Ausstellungsparcours bilden die expressionistischen Holzschnitte der beiden Brücke-Künstler Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, die im direkten Umfeld des 1. Weltkriegs oder in der Nachwirkung dessen entstanden sind. Auch Käthe Kollwitz, deren jüngster Sohn Peter im Alter von 18 Jahren 1914 bei der Ersten Flandernschlacht fiel, setzte sich intensiv mit den Kriegsschrecken auseinander. In ihrem Holzschnitt „Die Freiwilligen“ aus der 1921-1922 entstandenen Folge „Der Krieg“ stellt die Künstlerin in der Tradition mittelalterlicher Totentänze den Tod symbolisch als Heerführer einer Gruppe von jungen Männern dar, deren Gemütszustände zwischen Trance, Todesfurcht und ekstatischer Begeisterung changieren.

In seinen zu Beginn der 1970er-Jahre entstandenen Radierfolgen „Totentanz“ und „Hanno’s Tod“ setzte sich Horst Janssen intensiv mit der eigenen Sterblichkeit auseinander. Ausgehend vom Tode Hanno Buddenbrooks, dem jüngsten Spross der von Thomas Mann in seinem Jahrhundertroman beschriebenen Lübecker Kaufmannsfamilie, erkundet Janssen in expressiven, teilweise die eigene Physiognomie völlig entstellenden Selbstporträts seine psychische Verfasstheit. Der Ausstellungsparcours endet mit den in den 1960er-Jahren entstandenen farbenprächtigen Holzschnittfolgen des politisch engagierten HAP Grieshaber, in denen der Künstler mittelalterliche Totentänze ins Atomzeitalter transponiert.

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster Picassoplatz 1, 48143 Münster

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