kunst:stück Magazin c/o Osnabrück + Münsterland

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Anna Haifsch, Osnabrück Panorama, Wandtapete, verschiedene Größen, Installationsansicht Kunsthalle Osnabrück, 2022. Foto: Friso Gentsch

kunst:stück Magazin für Kunst und Kultur in der Region Osnabrück und dem Münsterland issue 97 | September / Oktober 2022


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con brio osnabrück

7.-16.10.2022

Freiheit & Frieden mit Werken von

Bach, Beethoven, Beresowski, Brahms, Briien, Messiaen, Mozart, Piazzolla, Schumann, Silvestrov, Vasks Composer in Residence: Borys Fedorov, Ukraine

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Dr. Hagen Gleisner mit Schirmherr Burkhard Jasper MdL und Frau Gerda Havel MdL mit den Musikern Alfredo Perl, Sophie Klussmann, Sergey Malov, Blanca Gleisner, David Cohen und Stephan Lutermann

Freiheit und Frieden

Classic con brio Musikfestival in Osnabrück · 7. bis 16. Oktober Hagen Gleisner, Intendant | classic-con-brio.de Liebe Leserinnen und Leser, „Freiheit und Frieden“ – als innigster Wunsch eines jeden Menschen, besonders in der heutigen Zeit – ist das Motto unter dem sich in diesem Jahr vom 7. bis 16. Oktober ca. 25 internationale Spitzenmusiker im Rahmen des alljährlichen CLASSIC CON BRIO Festivals im Osnabrücker Land treffen. Sie musizieren und proben gemeinsam, führen Konzerte auf und begegnen auf musikalischer und menschlicher Ebene interessierten Kindern, Jugendlichen und begeistertem Publikum. Denn Musik kennt keine Grenzen. Unter ihnen befinden sich Musiker ukrainischer, georgischer sowie russischer Herkunft, die sich ihre Zukunft in den freien Ländern Europas aufbauen. Einem von ihnen, dem Pianisten und Komponisten Borys Fedorov gelang mit seiner Frau – auch Pianistin - die Flucht aus Kiew kurz vor Ausbruch des Krieges zu deren Tochter, der Pianistin Anna Fedorova nach Amsterdam, die sich im Rahmen von CLASSIC CON BRIO bereits einen Namen gemacht hat. Wir haben Borys Fedorov als Composer in Residence zu unserem Festival eingeladen; mehrere seiner originellen und virtuosen Kompositionen werden hier zum ersten Mal aufgeführt, darunter auch eine Welt-Uraufführung. Die Programmgestaltung der Konzerte verbindet Bekanntes mit Neuem und verarbei-

tet die Gedanken von Freiheit und Frieden. Der Freiheit liebende Beethoven zog es vor, seine Kompositionen zu vermarkten, um frei und unabhängig zu bleiben. Brahms, Schumann und Dietrich inspirierte der Gedanke frei aber einsam, F-A-E als Notenfolge, die sie musikalisch verarbeiteten. Shostakovich verarbeitete die selbst erlebte Unfreiheit und Unterdrückung insbesondere in seinem 8. Streichquartett. Richard Strauss verarbeitete die tiefe Trauer, die ihn beim Anblick des zerstörten Dresden überkam, was er dem Untergang der deutschen Kultur gleichsetzte. Während des Festivals laden wir Sie auch ein das 200. Geburtsjahr von César Franck zu feiern sowie im Blue Note einen inspirierenden Tango Abend mit dem argentinischen Komponisten und Bandoneonisten Marcelo Nisinman zu erleben. Getreu dem „con brio“ genannten Markenzeichen des Festivals, laden wir Sie ein, die musikalische Deutung von Freiheit und Frieden in brillanter, temperamentvoller und virtuoser Interpretation von genialen Kompositionen mitzuerleben und zu genießen. Herzlich willkommen bei allen Konzerten des CLASSIC CON BRIO Musikfestivals Ihr Hagen Gleisner Intendant

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MUSIKTHEATER

PERFORMANCE

SCHAUSPIEL

KONZERT

TANZ

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Katharina Opladen, Foto: © Angela von Brill

Drei Tage internationale Kultur in der Friedensstadt! Katharina Opladen Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück Welch eine Freude, nach zwei Jahren der Pandemie geschuldeter Pause wieder ein Fest der Kulturen feiern zu können. Viele Veranstaltungen konnten in den letzten zwei Jahren nicht stattfinden. Das hat der Veranstaltungsbranche große Schwierigkeiten bereitet. Auch wir spüren bei der Organisation des großen internationalen Festes auf dem Markt und umliegenden Plätzen viele Herausforderungen. War bisher die Beschaffung der Infrastruktur von Bühne bis Zelte, Tische und Bänke eine rein organisatorische Aufgabe, sind wir in diesem Jahr froh darüber, überhaupt welche erhalten zu haben. Viele Feste werden jetzt gefeiert und nachgeholt, so lange die warmen Temperaturen noch anhalten. Aber wegen Personalmangel und auch genereller Kostensteigerungen haben sich die Preise zum Teil verdreifacht, sodass wir dankbar sind, dass uns viele Firmen und Stiftungen unter die Arme greifen: Hier sind besonders zu nennen der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V., die Firma Bedford GmbH & Co. KG, die Niedersächsische LottoSport-Stiftung, die Dr. Buhmann-Stiftung für interreligiöse Verständigung sowie der Förderkreis der Osnabrücker Friedensgespräche. An dieser Stelle großen Dank! Aber auch ohne das Engagement der vielen Vereine und Akteure beim Fest der Kulturen,

die uns mit kulinarischen Spezialitäten verwöhnen, mit Informationen versorgen und mit einem fantastischen Bühnenprogramm begeistern werden, wäre das vielseitige Fest nicht das Highlight, was es ist. Alle Tanzgruppen, Musikerinnen und Musiker werden am Sonntag, 18. September, von 13 bis 19 Uhr ehrenamtlich ihre jeweilige Kultur mit Leib und Seele präsentieren, um uns alle daran teilhaben lassen zu können. Aber nicht nur am Sonntag geht es in unserer Friedensstadt international zu: bereits am Freitag lädt der Exil e.V. um 20 Uhr in das Lutherhaus zu einem Fest der Toleranz, des Respekts und des Friedens ein. Neben der Gruppe Edgar Muzah & Friends aus Südafrika spielen die Bands Makatumbe aus Hannover und Harambee Life aus Osnabrück! Dies tun am Samstag, 17. September, auch die All Stars beim Sinti Musik Festival von 19 bis 23 Uhr auf dem Marktplatz! „All Stars“ von Mario Adler, Bobby Falta, Jani Lehmann, Ziopflo Reinhard, Bieschlein über Joe Bawelino bis hin zu unserem Osnabrücker All-Star Danny Weiß zeigen uns an diesem Abend, wo die Gitarre hängt. Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei! Wir freuen uns riesig auf Ihren Besuch! Katharina Opladen Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück

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. inhalt

02 Grußwort(e) 06 Inhalt 10 - Inhalt / Impressum 08 Osnabrück 54 - Bramsche 60 - Mettingen 66 - Tecklenburg 68 - Hörstel 70 - Rheine 74 - Nordhorn 76 - Herford 78 - Detmold 80 - Lingen 82 - Petershagen 84 - Hellweg Region 86 - Ahaus

88 Münster 90 - Bremen 92 - Worpswede 94 - Föhr xx Festivals & Spezielles 08 - Filmfest Osnabrück 12 - Malgartener Musikherbst, Bramsche 16 - Klangfenster, Osnabrück 18 - Musica Viva, Osnabrück 20 - Classic con Brio, Osnabrück 24 - Fest der Kulturen, Osnabrück 28 - Spieltriebe, Osnabrück 84 - Mord am Hellweg, Hellweg Region 86 - Theaterringe Saison 22/23, Ahaus

DAS TITELBILD Anna Haifsch, Osnabrück Panorama, Wandtapete, verschiedene Größen, Installationsansicht Kunsthalle Osnabrück, 2022. Foto: Friso Gentsch

Romantik

Jahresthema 2022 Kunsthalle Osnabrück 25.6.2022–5.3.2023 Hasemauer 1, 49074 Osnabrück kunsthalle.osnabrueck.de Die Kunsthalle Osnabrück präsentiert Ausstellungsprojekte mit den Künstlerinnen und Künstlern Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst, Anna Haifisch, Rosie Hastings/Hannah Quinlan, Gabriella Hirst und Irène Mélix. In Zeiten einer Pandemie und des Krieges in der Ukraine fragt die Kunsthalle: Wie steht es

mit der Zuversicht und Sehnsucht nach Liebe, Identität und Zugehörigkeit? Das Jahresthema „Romantik“ nimmt dazu in seinem ersten Ausstellungsteil bis 16. Oktober die gleichnamige Kunst- und Literatur-Epoche als Zerrspiegel zur gegenwärtigen Verfasstheit der Gesellschaft zur Hand. → Seite 44

kunst:stück Magazin online | 24h / 7day kunststueck-magazine.de

IMPRESSUM H2 Werbeagentur + Verlag Klaus Hortenbach (V.i.S.d.P.) Siemes Tannen 9 · 49565 Bramsche Tel: 05495 8599900 mail@kunststueck-magazine.de

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Redaktionsschluss Osnabrück und das Münsterland für die ausgabe nov / Dez : 15. Okt 2022


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37. Filmfest Osnabrück

Festival des unabhängigen Films 12.―16. Oktober 2022 Osnabrück | filmfest-osnabrueck.de Endlich wieder Filmfest! Das neue Programm mit über 80 Dokumentar-, Spielund Kurzfilmen in acht Sektionen steht bereit. Was sonst im Dunkeln oder im Verborgenen bleibt wird erkundet und erzählt. Dabei verzichten die Filme auf lange Erklärungen, stattdessen zeigen sie in eindrucksvollen Bildern wie die Welt durch andere Augen aussieht. Los geht es am 12.10. mit Natalia Sinelnikovas Spielfilmdebüt Wir könnten genauso gut

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tot sein. In dieser dystopischen Welt ist die Umwelt zur Gefahr geworden und eine der letzten Zivilisationen lebt in einem Hochhaus am Rande des Waldes. Diese eingeschlossene Gesellschaft ist fragil und anfällig für Panik. Als ein Hund auf mysteriöse Weise verschwindet droht die Situation zu eskalieren. Midwives, ein Dokumentarfilm von Snow Hnin Ei Hlaing, begleitet zwei Hebammen in Myanmar über fünf schwierige Jahre hinweg. Es ist eine außergewöhnliche Zusammenarbeit, denn eine der Hebammen ist Buddhistin und die andere Muslimin. Die politische Lage in Myanmar ist angespannt. Buddhistische Gruppen verfolgen gewaltsam die muslimische Minderheit der Rohingya. Die Freundschaft der beiden Frauen ist nicht frei von Vorurteilen und Konflikten, findet aber trotzdem immer wieder Momente der gegenseitigen Wertschätzung. Ein bewegender Film über zwei mutige Frauen und ein konfliktreiches Land.


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Stills, von oben links nach rechts unten: Wir könnten genauso gut tot sein, Natalia Sinelnikova // Fire of Love, Sara Dosa // Midwives, Snow Hnin Ei Hlaing // Stille Post, Florian Hoffmann

Infos → filmfest-osnabrueck.de

Cem Kayas Film Liebe, D-Mark und Tod erzählt von der Musik- und Kulturszene der sogenannten Gastarbeiter in Deutschland. Lieder, die auf Türkisch von Protest und Heimweh erzählen, wurden unter den „Exilanten“ zu Verkaufsschlagern. Im deutschen Rundfunk war dagegen wenig von dieser Musik zu hören. Mit Interviews, Archivmaterial und Kassettensammlungen taucht der Film in die Welt der ersten Generation ein. Licht-Stockhausen´s Legacy zeigt die Entstehung des Opernzyklus „Licht“ vom Ausnahmekomponisten Karlheinz Stockhausen. Sechsundzwanzig Jahre schrieb Stockhausen an diesem polarisierenden Stück. Regisseur Oeke Hoogendijk zeichnet mit filmischem Feingefühl ein überlebensgroßes Portrait des Komponisten und seines atemberaubendsten Werks.

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Still oben: 1976, Manuela Martelli // Still unten: Licht Stockhausen's Legacy, Oeke Hoogendijk

Infos → filmfest-osnabrueck.de

Im deutschen Beitrag stiLLe Post von Florian Hoffmann wird das Leben des Grundschullehrers Khalil komplett aus der Bahn geworfen, als er Videos von der Gewalt in seiner kurdischen Heimatsstadt sieht. In der Person hinter der Kamera erkennt er ein lange tot geglaubtes Familienmitglied. Er setzt sich ein Ziel: Die Bilder vom Krieg in die deutschen Nachrichten zu kriegen. Eine nachhallende Geschichte über die Macht der Bilder und die Rolle der Medien. Manuela Martellis Spielfilm 1976 nimmt einen mit nach Chile, zu einer Zeit, in welcher der Widerstand gegen die Militärdiktatur zunehmend wächst. Mittendrin Carmen, die in ihrem Ferienhaus heimlich einen jungen verwundeten Mann aufnimmt. Diese Entscheidung stellt ihr sonst so ruhiges und traditionelles Leben grundsätzlich

auf den Kopf, denn nach und nach dringt Carmen immer tiefer in unbekannte Sphären ein. In der Sektion UFOlinos werden die Kinder ins Kino eingeladen. Neben einem hüpfenden Streichholz und einem niedlichen Angst-Monster werden auch schwierige Themen filmisch aufbereitet. In wenn ich traurig bin zeigt Lilit Altunyan mit ruhigem Tempo und eleganten Zeichnungen wie es sich anfühlt traurig zu sein. In aLMa und PaZ von Cris Gris müssen zwei Schwestern nach dem Tod ihrer Mutter mit der Geldnot der Familie umgehen. Den Abschluss macht am 16.10. Fire oF Love. Dieser mehrfach ausgezeichnete Film von Sara Dosa erzählt die Geschichte des Forscherpaars Katia und Maurice Krafft, die gemeinsam Vulkane erkundeten. Ein warmherziger Film über ein besonderes Paar und dessen Arbeit zwischen Feuer und Lava. Ihr außergewöhnliches Leben wird durch Archivmaterial erzählt, welches von den beiden selbst gefilmt wurde. Das gesamte Programm erscheint Mitte September als Katalog und auf der Website des Festivals.

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1.10.2022 — 28.2.2023 . osnabrück

»Die Natur ist stets kostbar.« Mit Modersohn durch die Jahreszeiten

© Otto Modersohn, Herbstmorgen am Moorkanal (Detail), 1897, Sammlung Dr. Andreas Gerritzen / Sommer am Moorkanal (Detail), 1896, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Foto: Lars Lohrisch / Wintertag in Worpswede (Detail), um 1915/16, Sammlung Dr. Andreas Gerritzen / Landschaftsstudie mit Birken und Haus (Detail), um 1898, Dr. Nöth kunsthandel + galerie

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. malgartener musikherbst

Abb. oben: Nieuw Amsterdams Klarinet Kwart Kloster Gravenhorst // rechts: Andreea Chira © Passo Avanti © Christian Hartmann | 11.8.22, Rhe

Internationaler Malgartener Musikherbst 2022

Fünf Konzerte im September und Oktober im Kloster Malgarten 11. September bis 23. Dezember 2022 Kloster Malgarten | malgartener-klosterkonzerte.de Mit zwei von insgesamt acht Konzerten wird die diesjährige Edition des „Internationalen Malgartener Musikherbstes“ im September eröffnet. Und internatio-

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nal wird es in der Tat: Das Eröffnungskonzert des Festivals bestreitet am Sonntag, 11.09. um 11 Uhr das französische Klaviertrio Karénine. Dass aus Frankreich erstklassige Klaviertrios kommen, ist spätestens seit dem Wanderer Trio bekannt. In Malgarten gastiert mit den „Karénins“ ein vergleichsweise junges Klaviertrio, dessen CD-Einspielungen gleichwohl allerhöchstes Lob der Presse erfahren haben. Das Ensemble kommt direkt von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und legt auf dem Rückweg nach Paris einen musikalischen Zwischenstopp in Malgarten ein. Auf dem Programm stehen Klaviertrios von Franz Schubert (Notturno), Robert Schumann (Klaviertrio Nr. 2 F-Dur) und Erich Wolfgang Korngolds op. 1.


Internationaler Malgartener Musikherbst 2022

Knapp 30 Musiker:innen aus 7 Ländern bestreiten 8 Konzerte - internationales Flair im klösterlichen Ambiente

So, 11.09., 11 Uhr Trio Karénine Klaviertrio, Frankreich; Konzertscheune → Franz Schubert: Notturno // Robert Schumann: Klaviertrio Nr. 2 F-Dur op. 80 // Erich Wolfgang Korngold: Trio op. 1

Fr, 30.09., 20 Uhr Valentina Lisitsa Klavierrecital, Ukraine; Konzertscheune → Sergej Rachmaninow: ausgewählte Préludes //

Frédéric Chopin: Polonaise fis-Moll op. 44, Polonaise-Fantaisie As-Dur op. 61, Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52 // Richard Wagner / Franz Liszt: Ouverture zur Oper "Tannhäuser"

tet © Feiko Koster | 25.8.22, Hörstel, DA Kunsthaus © Andrej Grilc | 19.7.22, Sassenberg-Füchtorf // unten: eine, Kloster Bentlage

So, 2.10., 11 Uhr Minguet Quartett / Franziska Hölscher, Violine / Claire Huangci, Klavier erweitertes Streichquartett, Deutschland / USA; Konzertscheune → Joseph Haydn: Streichquartett op. 77 Nr. 2 //

Maurice Ravel: Sonate G-Dur für Violine und Klavier // Ernest Chausson: Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett op. 21

Mo, 3.10., 11 Uhr Federico Colli Klavierrecital, Italien; Konzertscheune → Wolfgang Amadeus Mozart: Fantasien KV 397

& KV 475, Klaviersonate Nr. 13 B-Dur KV 333 // Domenico Scarlatti: 7 Sonaten // Franz Schubert/Maria Grinberg: Fantasie f-Moll D940 op. 103

Foto oben: Trio Karénine © Lyodoh Kaneko · 11.9.22, 11 Uhr, Konzertscheune // Foto unten: Franziska Hoelscher © Franziska Hoelscher · 2.10.22, 11 Uhr, Konzertscheune

Mit Valentina Lisitsa gastiert am Freitag, 30.09. um 20 Uhr eine besondere Pianistin in Malgarten: Die Ukrainerin hat sich eine weltweite Fangemeinde durch ihre auf YouTube hochgeladenen Videos erspielt; ihre Klickraten dort sind atemberaubend hoch. Ihr ist aber das gelungen, was vielen anderen YouTube-„Stars“ verwehrt bleibt: Sie hat ihren virtuellen Ruhm in die reale Konzertwelt übertragen können und tritt heute in den großen Konzertsälen an der Seite der wichtigsten Dirigenten auf. Sie selbst bezeichnet sich als die „Queen of Rachmaninow“. Da liegt es nah, dass ihr Recital mit einer handvoll Préludes von Sergej Rachmaninow beginnt. Es folgen drei Werke von Frédéric Chopin und Richard Wagners Ouvertüre

So, 9.10., 11 Uhr Gli Incogniti & Amandine Beyer, Violine Barockensemble, Frankreich; Klosterkirche → Melancholie und Bizarres · Musik von Henry Purcell und Nicola Mattei

Fr, 11.11., 18 Uhr Kotaro Fukuma, Klavier & Michael Fürtjes, Lesung Klaviermusik & Lesung, Japan / Deutschland; Konzertscheune → Kreisleriana - eine musikalisch-literarische Soi-

rée anlässlich des 200. Todestages von E. T. A. Hoffmann · Robert Schumann: Kreisleriana op. 16 // Johannes Brahms: Scherzo op. 4; Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 9

So, 13.11., 11 Uhr Calidore String Quartet Streichquartett, USA; Konzertscheune → Ludwig van Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 18 Nr. 6 // Samuel Barber: Streichquartett hMoll op. 11 // Bedrich Smetana: Streichquartett Nr. 1 e-Moll "Aus meinem Leben"

Fr, 23.12., 18 Uhr Ensemble Polyharmonique Instrumental-vokales Ensemble, Belgien / Deutschland; Klosterkirche → Historia Nativitatis · Weihnachtliches von Heinrich Schütz, Andreas Hammerschmidt, Samuel Scheidt, Wolfgang Carl Briegel u. a.

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. malgartener musikherbst

Foto oben: Gli Incogniti © François Sechet · 9.10.22, Klosterkirche Foto unten: Valentina Lisitsa © Valentina Lisitsa · 30.9.22, Konzertscheune

zur Oper „Tannhäuser“ in der Transkription von Franz Liszt.

berts „Fantasie f-Moll“ op. 103 in einem Arrangement der Pianistin Maria Grinberg.

Am selben Wochenende geht es weiter mit den ersten Oktoberkonzerten: Am Sonntag, 2.10. tritt in der Konzertscheune das Minguet Quartett auf, das erweitert wird durch die Geigerin Franziska Hölscher und die Pianistin Claire Huangci. Hauptwerk der Matinee wird Ernest Chaussons „Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett“ op. 21 sein. Hinzu kommt Joseph Haydns letztes Streichquartett.

Am Sonntag, 9.10. findet um 11 Uhr das erste Festivalkonzert in der Klosterkirche statt: Aus Frankreich kommt mit „Gli Incogniti“ unter der Leitung von Amandine Beyer eines der angesagtesten Ensembles der sogenannten „Alten Musik“, das Festivaleinladungen aus ganz Europa erhält. Musik von Henry Purcell wird der von Nicolas Mattei gegenübergestellt. Der Italiener Mattei wirkte zeitgleich zu Purcell in England und feierte dort größte Erfolge als Geigenvirtuose und Komponist. Nun sind seine Werke erstmals hier in der Region zu erleben. Freunde rauschender Barockmusik sollten sich diesen Termin unbedingt merken!

Einen Tag später tritt mit Federico Colli einer der renommiertesten italienischen Pianisten im Kloster auf. Er interpretiert drei Werke von W. A. Mozart, sieben Sonaten von Domenico Scarlatti und Schu-

Eintrittskarten sind ausschließlich beim Veranstalter Intern. Arbeitskreis für Musik e. V. unter der Rufnummer 05461/99 630 oder per E-Mail (info@iam-ev.de) zu erhalten. Detaillierte Informationen auch unter www.malgartener-klosterkonzerte.de Internationaler Arbeitskreis für Musik e. V. Am Kloster 1a, 49565 Bramsche Das Festival wird gefördert durch die NDR-Musikförderung in Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Kreissparkasse Bersenbrück, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, den Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. und den Landkreis Osnabrück.

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Konstruktive Welten Anfänge einer

neuen Universalsprache der Kunst

Wassily Kandinsky, Kleine Welten II, 1922, ahlers collection

Stiftung Ahlers Pro Arte

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17. September bis 11. Dezember 2022 Am Kindergarten 2 32052 Herford

Samstag und Sonntag 12 bis 17 Uhr Führungen jeden Samstag 15 Uhr

Bitte informieren Sie sich auf unserer Internetseite über die aktuellen Zugangsbestimmungen kunst:stück 15 www.ahlers-proarte.com


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Klangfenster

Konzertreihe im Kunstraum hase29 26. Oktober 2022 bis 5. April 2023 Kunstraum hase29 | hase29.de

Die Jazz-Dozent:innen des IfM treten international auf, sind aber in Osnabrück kaum sichtbar: Klarinettistin Shabnam Parvaresh will das ändern und iniziiert eine Konzertreihe im Kunstraun hase29 in Osnabrück. Das Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück hat eine der größten Jazzabteilungen in Deutschland. Seine Dozent:innen sind international bekannte Musiker:innen und treten in vielen großen Städten auf. Trotzdem sind sie auf Osnabrücker Bühnen kaum sicht- und hörbar. Dasselbe gilt für Musiker:innen aus der Region, die im Bereich improvisierte Musik aktiv sind. Die Klarinettistin und Malerin Shabnam Parvaresh, die selbst am IfM studiert hat

und nun als freischaffende Künstlerin tätig ist, möchte das mit einer Konzertreihe im Kunstraum hase29 in Osnabrück ändern. Die erfolgreiche Jazz-Musikerin tritt deutschlandweit und international auf. 2019 gründete sie außerdem das Sheen Trio, mit dem sie unter anderem im WDR und beim Nawa Musik und Film Festival in Wien zu hören war. → ohne vorherige Probe Shabnam Parvaresh hat die Reihe unter dem Titel „Klangfenster in der hase29“ zusammen mit Elisabeth Lumme, Vorsitzender der „hase29 - Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e. V.“, entwickelt. Sowohl Dozent:innen des IfM als auch Musiker:innen aus der Region treten in der hase29 in Duo-Formaten in einen musikalischen Dialog. Der Schwerpunkt liegt dabei auf improvisierten Duo-Konzerten ohne vorherige Proben. „Es soll nicht darum gehen, konventionelle Konzerte mit bereits eingespieltem Material zu geben. Vielmehr ist ein einmaliger, spontaner Dialog zwischen den Musiker:innen zu erleben“, sagt Shabnam Parvaresh. Viele Kolleg:innen der Musikerin waren sofort begeistert von ihrer Idee und wollen an der Reihe teilnehmen. Dabei sind Angelika Niescier, Christian Thomé, Joachim Raffel, Andreas Wahl, Anne Mette Iverson, Sebastian Gramss, Anna-Lena Schna-

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v.l.n.r.: Tamara Lukasheva, Mi 14.12.2022, © Harald Hoffman // Christian Thomé, Mi 14.12.2022, © Dmitry Korole // Joachim Raffel, Do 23.2.2023, © Martina Hafner // Gudula Rosa, Do 23.2.2023, © Phil Fölting // unten: Leif Berger, Mi 5.4.2023, © Leif Berger

bel, Laura Totenhagen, Leif Berger, Anja Kreysing, Willem Schulz, Gudula Rosa, Ralph Beerkircher sowie Tamara Lukasheva und Jan Klare. → Sichtbarkeit für Musiker:innen Der Kunstraum, untergebracht in einem ehemaligen Ladenlokal, schafft durch seine große Fensterfront eine große Sichtbarkeit für die Konzerte: Zufällig vorbeikommende Passant:innen in der ältesten Einkaufsstraße der Stadt werden so auf die Veranstaltungen aufmerksam und haben die Chance auf einen spontanen Konzertbesuch. Elisabeth Lumme gefällt außerdem, dass Bildende Kunst und Musik zusammengebracht werden. „Die Musiker:innen nehmen Bezug auf die ausgestellten Werke und erschließen so eine neue, musikalische Wahrnehmungsebene für das Publikum“, betont sie. In den vergangenen zwei Jahren gab es bereits häufiger Konzerte im Kunstraum. Ein positiver Synergieeffekt war dabei, dass Musik- und Kunstpublikum sich vermischten und neue Besucher:innen den Weg in die hase29 fanden. Die Konzertreihe startet am Mittwoch, 26. Oktober 2022, mit einem Konzert der Saxophonistin Angelika Niescier und dem Kontrabassisten Sebastian Gramss. Weitere Informationen unter: www.hase29.de

2022 / 2023

Infos → hase29.de

Klangfenster Termine

kunstraum hase29

Mittwoch 26. Oktober 2022 Angelika Niescier Saxophon Sebastian Gramss Kontrabass Mittwoch 16. November 2022 Laura Totenhagen Vocal + Fx Ralph Beerkircher E-Gitarre Mittwoch 14. Dezember 2022 Tamara Lukasheva Vocal + Klavier Christian Thomé Schlagzeug Freitag 13. Januar 2023 Anne Mette Iverson Kontrabass Andreas Wahl E-Gitarre Donnerstag 23. Februar 2023 Willem Schulz Cello Joachim Raffel Percussion Gudula Rosa Flöten Mittwoch 15. März 2023 Jan Klare Holzbläser Anja Kreysing Akkordeon Mittwoch 05. April 2023 Anna-Lena Schnabel Saxophon Leif Berger Schlagzeug

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Abb. oben links: Voces 8, 21. Sept, Ehemalige Kirche, Hagen a.T.W. | rechts: Musica Viva Konzertfoto //

MusicaViva 2022

Internationales Musikfestival im Osnabrücker Land 08. – 28. September 2022 | forum-artium.de Vorhang auf zum Festival Musica Viva 2022. Zum 33. Mal veranstaltet die Georgsmarienhütter Musikakademie FORUM ARTIUM nach einer zweijährigen Corona-Zwangspause nun vom 08. bis zum 28. September wieder das Internationale Musikfestival MUSICA VIVA im Osnabrücker Land. Seit mehr als 30 Jahren vermitteln hier international herausragende Musiker, Ensembles und Dozenten leidenschaftlich Musik und haben dadurch Festival und Akademie

nachhaltig geprägt, zu hohem internationalen Ansehen verholfen und dem beliebten wie erfolgreichen Festival ein unverwechselbares Profil und Zuspruch aus dem gesamten nordwestdeutschen Raum beschert. Auch in diesem Jahr werden Musiker und Ensembles von Weltruf Osnabrück und das Osnabrücker Land wieder zu einem internationalen musikalischen Treffpunkt für Musikfreunde aus Nah und Fern machen.

Lautten Compagney Berlin, 8. Sept, Ehemalige Kirche Hagen a.T.W.

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. musica viva

INFOS & KOSTENLOSER FLYER AKADEMIE FORUM ARTIUM Am Kasinopark 1-3, 49124 Georgsmarienhütte www.forum-artium.de | info@forum-artium.de | ickethotline (05401) 35108 Tickets: Tourist-Information Osnabrück | Bierstraße 22/23, 49074 Osnabrück

PROGRAMM Donnerstag, 08. September, 19.30 Uhr ehemalige Kirche, Hagen a.T.W. J.S. BACH – MATTHÄUSPASSION LAUTTENCOMPAGNEY BERLIN Leitung: Herbert Vieth Dienstag, 13. September, 20.00 Uhr alte alexanderkirche, Wallenhorst LANTANA CAMARA · Barockensemble Barocke Sonaten und Suiten Mittwoch, 14. September, 20.00 Uhr Bergkirche, Osnabrück ANDREAS SCHOLL · Countertenor EDIN KARAMAZOV · Laute Lieder und Songs der Renaissance Freitag, 16. September, 20.00 Uhr Klosterkirche, GMHütte / Kloster-Oesede MARAIS GAMBENCONSORT Barocke Kostbarkeiten für fünf Gamben Sonntag, 18. September, 18.00 Uhr Bergkirche, Osnabrück Solistenquartett LAUTTENCOMPAGNEY BERLIN Leiung: Wolfgang Katschner „Privat Musicke“ mit John Dowland

forum-artium.de Mittwoch, 21. September, 20.00 Uhr ehemalige Kirche, Hagen a.T.W. VOCES 8 · Vokalensemble (GB) Sing Joyfully – a-capella der Spitzenklasse Sonntag, 25. September, 18.00 Uhr Kirche, Gut Sutthausen, Osnabrück HEINAVANKER · Vokalensmble (Estland) Vokalmusik der Renaissance Mittwoch, 28. September, 20.00 Uhr ehemalige Kirche, Hagen a.T.W. LA PETITE BANDE (B) Leitung: Sigiswald Kuijken J.S. Bach, Brandenburgischen Konzerte ↗ MusicaViva-Sonderkonzerte: Donnerstag, 08. Dezember, 20.00 Uhr Bergkirche, Osnabrück DOROTHEE MIELDS · Sopran BOREAS QUARTETT BREMEN u.a. Consortsongs der Renaissance Sonntag, 18. Dezember, 18.00 Uhr ehemalige Kirche, Hagen a.T.W. J.S. BACH – WEIHNACHTSORATORIUM LAUTTENCOMPAGNEY BERLIN Leitung: Herbert Vieth

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. classic con brio

Classic con Brio Osnabrück

Freiheit & Frieden Internationales Musikfestival, 7.–16. Oktober 2022 Osnabrück | classic-con-brio.de Ein Interview mit Dr. Hagen Gleisner, dem Intendanten des CLASSIC CON BRIO Musikfestivals. Kurz nach Ausbruch des Krieges haben Sie dem diesjährigen CLASSIC CON BRIO Musikfestival das Motto FREIHEIT UND FRIEDEN gegeben und den Ukrainer Komponisten Borys Fedorov als Composer in Residence des Festivals eingeladen. Sie berichteten, dass er kurz vor Ausbruch des Krieges mit seiner Frau zu seiner Tochter nach Amsterdam fliehen konnte. Können Sie ihn mir kurz vorstellen? Borys Fedorov ist Pianist und Komponist, er unterrichtet seit über 3 Jahrzehnten Klavier am Kiewer Konservatorium und zahlreiche seiner Studenten haben bereits eine internationale Karriere begonnen. Als Pianist hat er unlängst ein Konzert mit seiner Tochter Anna Fedorova im Concertgebouw Amsterdam gegeben und

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war kürzlich auf Tournee durch China, wo er auch zahlreiche Konzerte und Meisterkurse gab. In 2020 wurde ihm von dem Präsidenten der Ukraine der Titel als Ehrenkünstler der Ukraine verliehen. Seit 2020 begann er zu komponieren und so werden wir während des Festivals einige seiner sehr originellen, oft enorm virtuosen Werke zu hören bekommen. Unter anderem das Werk: „6 confused Diffusions on a Fragment of Chopin“ für Kontrabass und Klavier. Das Werk ist unglaublich spritzig, humorvoll und sehr virtuos; wir bekommen es zu hören in der Interpretation seiner Tochter Anna mit ihrem Ehemann Nicholas Santangelo Schwartz, genannt Nicky, am Kontrabass. Sie werden staunen, was die Beiden zu bieten haben! Ein weiteres Werk hat er ‚Dedication‘ genannt – es ist eine Botschaft zum Frieden und ein Aufruf zum Beenden des Krieges. Zusammen mit seiner Tochter Anna Fedoroava werden wir ihn auch als Pianis-


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Foto links: Daniel Rowland und Nino Gvetadze mit dem Osnabrücker Sinfonieorchester // rechts: Sergey Malov, Geige und Natacha Kudritskaya, Klavier // unten: Dana Zemtsov, Viola // Fotos: Fritz Schwarzenberger

ten erleben mit dem vierhändigen Werk ‚Introduction und Tocatella‘. Für unser CLASSIC CON BRIO Festival komponiert er derzeit ein KammermusikWerk, das hier in Osnabrück einstudiert wird und als Welturaufführung zum Erklingen gebracht wird. Wir dürfen schon sehr gespannt sein. Wird es noch weitere Osnabrücker Erstaufführungen während des Festivals geben? Ja, von Peteris Vasks, Komponist aus Lettland, werden wir die ‚Sonata estiva‘ hören, die unserem Geiger Daniel Rowland gewidmet ist. Ein weiteres Werk von ihm ist die Solosonate für Gitarre, die unser Gitarrist Alberto Mesirca spielen wird. Weitere hochinteressante Kompositionen werden aufgeführt vom Komponisten Mikhail Zemtsov, Russland, eine Tango Suite, bei der auch seine Tochter, Dana Zemtsov auftreten wird. Von Valentin Silvestrov, Ukraine, ein Cuartetto Piccolo und eine ‚Sonata post scriptum‘ für Geige und Klavier. Eine unglaublich virtuose ‚Im-

provisation und Toccatta‘ von Nodar Gabunia aus Georgien wird unsere georgische Pianistin Nino Gvetadze aufführen. Ein ‚Tango from Agony‘ von Alfred Schnittke (Russland) und eine ganz neue Komposition von unserem Bandeonisten Marcelo Nisinman aus Argentinien: ‚From the New World‘ sind auch im Programm vorgesehen. Außerdem wird unsere Pianistin Anna Fedorova ein wildes Stück ‚the drunken pianist‘ von Marcelo Nisinman im beliebten Blue Note Konzert aufführen.

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Daniel Rowland, Viola, Foto: Fritz Schwarzenberger

Werden während des Festivals auch bekanntere Werke aufgeführt werden? Unsere seit vielen Jahren schon auftretende und so beliebte Pianisten Natacha Kudritskaya aus der Ukraine wird uns mit Clara Schumanns Klavierkonzert den Atem rauben und ebenso faszinieren wird uns die Aufführung von Beethovens Klaviersonate op. 22, gespielt von der estnischen Pianistin Irina Zahharenkova, die wir zum ersten Mal in Osnabrück erleben werden. Sergey Malov, aus Russland, deren Mutter Ukrainerin ist, wird die unglaublich ergreifende Komposition von Richard Strauss ‚Metamorphosen‘ mit seinen Kollegen einstudieren. Weitere Highlights unseres Fes-

tivals werden noch nicht verraten – Sie dürfen gespannt sein! Allerdings können wir Ihnen schon jetzt versichern, dass jedes der Konzerte eine unglaublich interessante Zusammenstellung an Werken haben wird und Sie sicherlich oft auf der Stuhlkante sitzen werden und den atemberaubenden Auftritten unserer Künstler zuhören werden. Verpassen Sie keines der Konzerte, jedes der Konzerte ist ein Unikat, das hier in Osnabrück einstudiert und einmalig aufgeführt wird. Es wird ein unvergessliches Erlebnis, das Ihnen große Freude bereiten wird. Vielen Dank für das Gespräch!

MITWIRKENDE KÜNSTLER CLASSIC CON BRIO OSNABRÜCK 7. — 16. OKTOBER 2022 Sophie Klußmann, Sopran (DE) Sergey Malov, Violine (RU) Daniel Rowland, Violine (GB/NL) Wouter Vossen, Violine (NL) Floor Le Coultre, Viola/Violine (NL) Dana Zemtsov, Viola (MX/NL) Maja Bogdanović, Violoncello (SRB) David Cohen, Violoncello (GB/BE) Marc Vossen, Violoncello (NL) Nicholas Schwartz, Kontrabass (USA) Jocelyn Aubrun, Querflöte (FR) Blanca Gleisner, Oboe (DE/RCH) Thorsten Johanns, Klarinette (DE) Benedikt Seel, Fagott (DE) Hervé Joulain, Horn (FR) Anna Fedorova, Klavier (UKR)

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*Änderungen vorbehalten

Nino Gvetadze, Klavier (GE) Natacha Kudritskaya, Klavier (UKR) Irina Zahharenkova, Klavier (EST) Alfredo Perl, Klavier (DE/RCH) Bart van de Roer, Klavier (NL) Stephan Lutermann, Orgel (DE) Alberto Mesirca, Gitarre (IT) Marcelo Nisinman, Bandoneon (ARG) Borys Fedorov, Composer in residence (UKR) Storioni-Trio: Wouter Vossen, Violine (NL) Marc Vossen, Violoncello (NL) Bart van de Roer, Klavier (NL)


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Fest der Kulturen

Einladung zu einem „Internationalen Wochenende“ in der Friedensstadt Osnabrück Osnabrück, 16.—18. September 2022 Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause präsentiert das Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück gemeinsam mit den internationalen Vereinen, dem Niedersächsischen Verband deutscher Sinti e.V. und dem Exil e.V.vom 16. bis zum 18. September ein Fest der Kulturen. Drei Tage voller Musik und Begegnung sorgen für ein kosmopolitisches Feeling und gute Stimmung in der Friedensstadt. Am Freitag, 16. September, lädt der Exil e.V. in Kooperation mit dem aBantu Development e.V. im Rahmen des Festes der Kulturen und im Rahmen seines 35-jährigen Jubiläums um 20 Uhr zu einem Konzertund Begegnungsabend in das Lutherhaus ein: Unter dem Motto „Amandla – Aufstehen für Toleranz, Respekt und Frieden“ kann sich über die Arbeit des Vereins in-

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formiert und ausgetauscht werden. Der Exilverein bietet in vieler Hinsicht Beratung und Unterstützung für Betroffene, die rechte, rassistische, antisemitische oder eine andere Form menschenfeindlicher Gewalt erlebt haben. Passend zum Thema ist die Musik ein hervorragendes Medium, um auf soziale Belange aufmerksam zu machen. Die Amandla-Initiative bietet hier eine breite Plattform, die musikalisch in eine Vielzahl von Ländern führt. “Amandla” ist eine politische Grußformel aus der Zeit der Anti-Apartheitsbewegung in Südafrika und bedeutet Power. Denn mit dieser Kraft setzt sich das Programm gegen Rassismus und alle Formen der Diskriminierung ein. Mit der Gruppe Edgar Muzah & Friends werden Gäste aus Südafrika erwartet. Unterstützt werden die Musiker durch


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Fotos oben: Fest der Kulturen 2019 © Angela von Brill // letztes Foto zweite Reihe: Sinti Musik Festival 2018 © Next Choice // Foto unten: Sinti Musik Festival 2018 © Angela von Brill

die Bands Makatumbe aus Hannover und Harambee Live aus Osnabrück. Die reiche kulturelle Tradition der Sinti hat die deutsche Kultur entscheidend mitgeprägt. Da viele Menschen in unserer Region jedoch wenig vertraut mit der Kultur der Sinti sind, bietet der Niedersächsische Verband Deutscher Sinti e.V. mit dem Sinti Musik Festival am Samstag, 17. September, ab 19 Uhr auf dem Marktplatz die Möglichkeit einer Begegnung und setzt so ein Zeichen für Toleranz und gegenseitiger Anerkennung. Musik bietet hierfür eine ideale Plattform, da sie von allen Menschen verstanden und gefühlt wird. Das Festival wird von den Osnabrücker Lokalmatadoren vom „Osnabrücker Gespann“ auf dem Marktplatz eröffnet. Die Höhepunkte bieten anschließend einzelne Interpreten, die zu den letzten

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noch verbliebenen All-Stars der europäischen Sinti-Jazz-Szene gehören: Mario Adler (Gitarre), Bobby Falta (Sologitarre), Jani Lehmann (Bass), Ziopflo Reinhard (Geige), Bieschlein (Solo Gitarre) über Joe Bawelino (Sologitarre) bis hin zu unserem Osnabrücker All-Star Danny Weiß (Gitarre). Die Musiker werden da-für sorgen, das auf dem Marktplatz kein Fuß ruhig neben dem anderen stehen bleiben wird. Den glanzvollen Abschluss bildet schließlich das jährliche Fest der Kulturen am Sonntag, 18. September: Für Jung und Alt bietet

Abb. oben: Amandla, Makatumbe, Foto: © Daniel Kunzfeld // unten: Amandla, Edgar Muzah, Foto: © Charné Mungur

das internationale Fest von 13 bis 19 Uhr ein abwechslungsreiches Programm, das die Möglichkeit bietet, andere Kulturen rund um den Marktplatz im Herzen der Friedenstadt näher kennen zu lernen. Auf der Bühne vor dem Rathaus werden verschiedene lokale Gruppen und Kulturschaffende auftreten, die das Publikum mit folkloristisch-traditionellen Tänzen und Liedern, aber auch mit modernen Beiträgen begeistern werden. Zahlreiche Spezialitätenstände bieten durch die vielen ländertypischen Speisen eine kleine kulinarische Reise um die Welt. An Informationsständen können sich die Besucher über die aktuellen Projekte der unterschiedlichen Osnabrücker Vereine, Organisationen und Initiativen informieren. Bei dem Fest kommen Tausende von Menschen zusammen und der Osnabrücker Marktplatz verwandelt sich zu einem Ort der internationalen Begegnung. Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen des „Internationalen Wochenendes“ frei. Die Veranstaltungen werden gefördert durch den Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V., die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung, die Dr. Buhmann-Stiftung für interreligiöse Verständigung sowie durch den Förderkreis der Osnabrücker Friedensgespräche. Weitere Infos: Büro für Friedenskultur, Tel. 0541/323-3210 oder per E-Mail unter: friedenskultur@osnabrueck.de erhältlich.

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Spieltriebe

MUSIKTHEATER

Festival für zeitgenössisches Theater, 9.–11. September 2022 Theater Osnabrück | theater-osnabrueck.de Das Theater Osnabrück geht zum neunten Mal mit den Spieltrieben auf Entdeckungsreise. Auf dem Programm stehen junge Autor:innen und Regiehandschriften, neue Stücke, ungewöhnliche Formate, interessante Orte und nicht zuletzt zahlSCHAUSPIEL reiche Begegnungen.

PERFORMANCE nandersetzungen. Aber auch andere zeitgenössische Fragen, Ideen und Stimmen sind zu erleben und zu entdecken. Der Startpunkt ist in diesem Jahr im Theater am Domhof mit Thomas Köcks antigone. ein requiem. Anschließend beginnen die fünf Routen (rot, gelb, blau, grün, lila).

Im Fokus der neunten Spieltriebe steht Es geht zu Fuß oder mit dem Bus zu un2022 das Partnerland Türkei. Auf verschie- terschiedlichen Orten mit jeweils einer denen Ebenen und auf unterschiedlichste ganz eigenen Kombination aus zwei VorWeise sind das Land, der Kulturkreis und stellungen aus allen Sparten des Theater die lange Migrationsgeschichte aus der Osnabrück: Schauspiel, Tanz, Performance KONZERT Türkei Thema von künstlerischen Ausei- oder Musiktheater.

→ ROUTE TANZ1 Kick.Flip.Tanz Tanz von Marguerite Donlon, Skatehalle Osnabrück Kickturn, Switch, Drop, Jump, Jeté, Grand Battement. Zwei Beine an einem Ort für vier Rollen. Inspiriert von der Osnabrücker Skatehalle tauchen Marguerite Donlon und die Dance Company Theater Osnabrück ab in eine Undergroundszene. Auf der Suche nach den Grenzen der Kunst, umgeben von Graffiti und Neonröhren, verschmelzen Tanz und türkische DJ-Sounds zu einem pulsierenden Erlebnis. Reisender Sand Gastspiel von Rabee Hanani und Eszter Zala, ehem. IhrPlatz Schauspielkunst Ernst Busch begleiten wir einen jungen Menschen auf seiner Reise: Von der Kindheit ins Erwachsenenalter, von Ramallah nach Berlin, vom intakten zum fragmentierten Selbstbild. Dabei entdeckt er Schritt für Schritt, was es bedeutet, seine Identität selbst zu konstruieren und die eigene Geschichte nicht von anderen ergänzen zu lassen. Als sein Leben sowohl in Palästina als auch in Deutschland von verschiedenen Ereignissen aufgewirbelt wird, sucht er Zuflucht in der Illusion und im (Theater-)Spiel.

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ROUTE 1 Die Transfers zu den Spielorten erfolgen per Bus. Die Pause ist an der Skatehalle. ROUTe 2 Die Route ist barrierefrei. Die Transfers zu den Spielorten erfolgen per Bus, der Rückweg vom emma-theater ist zu Fuß. Die Pause ist im emma-theater. ROUTe 3 Die Transfers zu den Spielorten erfolgen per Bus. Die Pause ist am AMEOS Klinikum. ROUTe 4 Der Weg zum ehem. YPSO erfolgt zu Fuß, anschließende Transfers sind per Bus. Die Pause ist am MUUUH! ROUTe 5 Die Wege werden zu Fuß zurückgelegt. Die Pause ist Teil der Performance Empört Euch!

→ ROUTE 2 We aRe HeRe Tanz von Francesco Vecchione, Institut für Musik Wir sind hier – individuell in allem, was uns ausmacht. Gemeinsam mit den Musicalstudierenden des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück choreographiert Francesco Vecchione einen Rundgang durch das moderne Gebäude der Caprivistraße. Bewegungssequenzen, im Loop wiederholt, bilden eine Galerie der Körper, die dazu einladen, sich damit auseinanderzusetzen, wer wir sind und was uns einzigartig macht. So weit weg (Tevâfuk) Schauspiel von Şâmil Yılmaz, emma-theater In einem Hotel in Ankara treffen sich zwei Männer, deren Lebensrealitäten nicht weiter voneinander entfernt sein könnten: Sie beide suchen zwar nach Nähe, doch während Halit sich einen Freund und Partner wünscht, ist das Treffen für Yusuf Teil seines Alltags als Sexarbeiter. Erst durch die Verabredung, sich für ihre Treffen Rollen zu erfinden und sich Nacht für Nacht immer wieder zum ersten Mal zu begegnen, finden sie einen Weg des Miteinanders. → ROUTE 3 PATARA – HOMMAGE À MOZART (KV 331) Musikalischer Dialog mit Tanz von Fazıl Say, Hasefriedhof Quartett für Sopran, Neyflöte, Klavier, Schlagzeug und eine Tänzerin Fazıl Say, Pianist und Komponist aus Istanbul, führt nicht nur regelmäßig türkische und deutsche Hörer:innen zusammen, sondern auch ihre Musik. In Patara bringt er Mozart in seine türkische Heimat an den Strand der antiken Stadt Patara. Ausgehend vom Variationsthema der berühmten A-Dur-Klaviersonate KV 331 lässt er eine Reihe von Klangszenarien entstehen, die Märchenhaftes und Orientalisches heraufbeschwört, um am Ende wieder zu Mozarts schlichtem Thema zurückzukehren. DaS WiRKlicHe leBen Schauspiel von adeline Dieudonné, AMEOS Klinikum Ein zehnjähriges Mädchen lebt mit ihrem kleinen Bruder Gilles, ihrem gewalttätigen Vater und der zurückgezogenen Mutter in einer tristen Reihenhaussiedlung. Der einzige Lichtstrahl ihrer düsteren Kindheit ist das Milchzahnlachen ihres sechsjährigen Bruders. Doch dann passiert ein tragischer Unfall und sein Lächeln erlischt. Und so sucht die Protagonistin nach einem Weg, in der Zeit zurück zu gehen – dabei helfen ihr die theoretische Physik und ein weltfremder Professor.

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Start Fr / Sa 17:00 Uhr, So. 15:00 Uhr, Theater am Domhof → Erste Vorstellung

ABLAUF

antigone. ein requiem von Thomas Köck

Aufteilung auf die fünf Routen → Zweite Vorstellung Kick.Flip.Tanz von Marguerite Donlon We Are Here von Francesco Vecchione Patara – Hommage à Mozart von Fazıl Say insan. insaat. istanbul von Ali N. Askin Empört Euch! Stadtensemble GENERATIONEN

Pause Essen und Getränke werden angeboten → Dritte Vorstellung Kick.Flip.Tanz von Marguerite Donlon We Are Here von Francesco Vecchione Patara – Hommage à Mozart von Fazıl Say insan. insaat. istanbul von Ali N. Askin Empört Euch! Stadtensemble GENERATIONEN

abschluss Fr / Sa ca. 22:00 Uhr, So. ca. 20:00 Uhr

SpielTRieBe 09.–11.09.2022 Zum Abschluss am Beach kommen alle Routen wieder vor dem Theater am Domhof an. Hier können Sie sich austauschen, über Erlebtes diskutieren, mit den Beteiligten ins Gespräch kommen und einen langen Theaterabend feiern.

Die Transfers zwischen den Spielorten erfolgen per Bus oder zu Fuß . Sie werden von Routenguides betreut. theater-osnabrueck.de

→ ROUTE 4 inSan. inSaaT. iSTanBUl Musiktheaterstück von ali n. askin, ehem. YPSO Ali N. Askin, gebürtiger Münchner mit türkischen Wurzeln, bewegt sich als Musiker in den verschiedensten Bereichen, Stilen und Formaten. Sein Musiktheaterstück insan. insaat. istanbul (Mensch. Baustelle. Istanbul) besteht aus vielen kleinen Geschichten, die bruchstückartig aneinandergereiht werden und die Atmosphäre der faszinierenden Stadt am Bosporus einfangen. Ein musikalisches Doku-Drama mit erzählerischen Elementen samt Marktgeräuschen, Straßenlärm und Meeresrauschen. DazWiScHen Stadtensemble TRanSKUlTUR, MUUUH! Menschen, die in ihren Körpern und Herzen die Ländergrenzen in sich tragen, versuchen die Zerrissenheit, die diese Grenzen in ihrem Identitätsgefühl schmerzhaft prägen, zu überwinden. Sie laden das Publikum zu einem Fest ein, bei dem die scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze aus verschiedenen kulturellen Sozialisationen zu einem großen Ganzen zueinander finden. Denn: Identität ist wandelbar und formt sich mit den Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht. → ROUTE 5 eMpÖRT eUcH! Stadtensemble GeneRaTiOnen, ehem. Parkhaus Wie sieht deine persönliche Empörung aus? Wann entsteht daraus Energie, Engagement und ein Netzwerk für eine bessere Gesellschaft? Stéphane Hessel schrieb 2011 die Werke Empört Euch! und Engagiert Euch! Diese regten zu vielen Diskussionen an und riefen mit eindringlichen Worten zum friedlichen Widerstand in der Gesellschaft auf. Die Ideen aus den Texten dienen als Impuls für eine Begegnung. Das generationsübergreifende Stadtensemble sammelt Empörungen, kanalisiert sie und schafft nachhaltige Erlebnisse. ellBOGen Junges Theater Oskar nach dem Roman von Fatma Aydemir, ehem. YPSO Fatma Aydemir beschreibt in ihrem packenden Comingof-Age-Roman die Zerrissenheit, die viele junge Menschen der dritten Generation von Migrant:innen erfahren: Sie leben mit der Kultur ihrer Eltern isoliert in einem Land, dessen Sprache und Gewohnheiten bereits ihre eigenen geworden sind. Der Regisseur Caner Akdeniz spürt mit seiner Inszenierung diesem Zustand nach und begibt sich auf eine Spurensuche nach der 17-jährigen Hazal, die stellvertretend für eine ganze Generation steht.

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KUNSTMUSEUM PABLO PICASSO münster

Picassoplatz 1 | 48143 Münster | T.: 0251 /414 47-10 | info@picassomuseum.de www.kunstmuseum-picasso-muenster.de | Dienstag bis Sonntag: 10 – 31 18 h kunst:stück

Andy Warhol, Marilyn Monroe (Marilyn), 1967, Siebdruck auf Papier, 91,4 x 91,4 cm, Privatsammlung © 2022 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York

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Die Jury des „Kunstpreis Osnabrück 2020“, im Uhrzeigersinn: Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Dr. Ulrike Hamm, Nils-Arne Kässens, Prof. Dr. Barbara Kaesbohrer, Meike Behm | © Museums- und Kunstverein Osnabrück, Foto: sec, Osnabrück

Kunstpreis Osnabrück 2022

Ausstellung: 16. Oktober 2022 bis 26. März 2023 Preisverleihung: 10. März 2023 Felix-Nussbaum-Haus | museumsquartier-osnabrueck.de | muk-kunstpreis.de Der KUNSTPREIS OSNABRÜCK wird zum vierten Mal verliehen. Künstlerinnen und Künstler mit Wohnsitz oder Arbeitsort in Stadt und Landkreis Osnabrück waren zur Teilnahme aufgerufen. Die Fachjury sichtete 151 Bewerbungen aus einem weit gefächerten Spektrum der aktuellen Kunst: Werke aus Malerei, Zeichnung, Grafik, Bildhauerei, Objektkunst, Installation, Fotografie und Videokunst wurden eingereicht. 15 Finalistinnen und Finalisten wurden ausgewählt: Azim F. Becker, Christian Bögelmann, Axel Buschmann, Carola-Rabea Dolle, Satomi Edo, Kerstin Hehmann, Joscha Heinrichs, Werner Kavermann, Sabine Kürzel, Raul Javier Morales Orellana, David Rauer, Hiltrud Schäfer, Jakob Schöning, Christoph Peter Seidel und Shabnam Parvaresh. Ab

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dem 16. Oktober sind die Arbeiten im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums ausgestellt. Aus diesen Künstlerinnen und Künstlern wird die Jury im März 2023 die Preisträgerin/den Preisträger küren. Das Preisgeld ist mit 10.000 Euro dotiert. Zusätzlich wird ein Förderpreis in Höhe von 2.000 Euro vergeben. Die Ausstellung läuft vom 16. Oktober 2022 bis zum 26. März 2023. Der KUNSTPREIS OSNABRÜCK wird vom Museums- und Kunstverein Osnabrück ausgeschrieben und gefördert durch die Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur. Museumsquartier Osnabrück Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück


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AUSSTELLUNG 16.10. 2022 – 26.3.2023

www.muk-kunstpreis.de

FÜR DEN »KUNSTPREIS OSNABRÜCK 2022« SIND NOMINIERT: Azim F. Becker | Christian Bögelmann | Axel Buschmann Rabea Dolle | Satomi Edo | Kerstin Hehmann | Joscha Heinrichs Werner Kavermann | Sabine Kürzel | Raul Javier Morales Orellana Shabnam Parvaresh | David Rauer | Hiltrud Schäfer Jakob Schöning | Christoph Peter Seidel

www.muk-os.de

www.sievert-stiftung.de

Foto: © Marvin Knopf Gestaltung: sec, Osnabrück

MUSEUMSQUARTIER OSNABRÜCK/ KULTURGESCHICHTLICHES MUSEUM

kunst:stück 33 www.museumsquartier-osnabrueck.de


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OSNABRÜCKER KULTURNACHT

3. September 2022, 18– 24 Uhr Osnabrücker Altstadt, Marktplatz und angrenzendes | kulturmarathon-os.de Die Osnabrücker Kulturnacht ist einer der Höhepunkte im Osnabrücker Veranstaltungsjahr. 35.000 Besucherinnen und Besucher lockt das kulturelle Event regelmäßig in die Altstadt und auf den Marktplatz, wo eine Vielzahl künstlerischer, musikalischer, theatraler und literarischer Programmpunkte für Jung und Alt zu erleben sind. Künstlerinnen und Künstler, Museen, Kulturzentren, Kirchen, Theater, Initiativen und Vereine sorgen am Samstag, 3. September, zwischen 18 und 24 Uhr für ein buntes Treiben in den Gassen und auf den Plätzen sowie in vielen Innenräumen. Neu im Programm der Kulturnacht ist der Hasekiez. Geschäfte, Gastronomie, das Atelier Myl sowie Hull Dance & Events Hasestraße öffnen an diesem Abend ihre Türen und beteiligen sich mit kulturellen Beiträgen an der Kulturnacht.

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den regelmäßigen Führungen im Laufe des Abends geht es durch Schneiderei, Fundus, Maske, Requisite und Technik, sowie vorbei am Tanzsaal und dem Orchesterstudio – möglicherweise mit Blick in eine Probe. Musikalisch geht es in der Lagerhalle zu, wo Lüül, auch bekannt als Bassist der 17 Hippies, so unterschiedliche Genres wie Rock, Polka, Tango und Dub-Rastafari bedient. Im Biergarten der Lagerhalle spielt die sechsköpfige Folkband Glin Amar mit großer Spielfreude verschiedene Stile und Musikformen und reist so munter durch das musikalische Erbe Europas. In der an das Lüül-Konzert anschließende Disco um etwa 21.30 Uhr können die Kulturnachtsgäste bis tief in die Nacht in der Lagerhalle tanzen.

Ab 18 Uhr, wenn die Kulturnacht offiziell startet, gewähren auch die bereits am Tag geöffneten städtischen Museen freien Eintritt. Viele beteiligte Kulturinstitutionen stellen für die Kulturnacht ein eigenes Programm auf die Beine.

Zahlreiche weitere Programmpunkte sind rund um das Heger Tor, in den Gassen der Altstadt, im Dom, in der Marienkirche und rund um den Markt zu erleben, wo in Buchgeschäften, Galerien und Kulturinstitutionen sowie auf den Straßen ein breitgefächertes Kulturangebot zu erleben ist. Der Eintritt zur Kulturnacht und all ihren Angeboten ist frei.

Das Theater Osnabrück ermöglicht wieder einen Blick hinter seine Kulissen. Auf

www.facebook.com/OS.Kulturnacht www.instagram.com/projektbuerokultur

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26.10.2022 - 05.04.2023

NG

STER

in der hase29

weitere Infos und Tickets auf www.hase29.de

KLA FEN Angelika Niescier, Sebastian Gramss Laura Totenhagen, Ralph Beerkircher, Tamara Lukasheva, Christian Thomé Anne Mette Iverson, Andreas Wahl Joachim Raffel, Gudula Rosa, Willem Schulz, Jan Klare, Anja Kreysing, Leif Berger, Anna-Lena Schnabel

Gefördert von:

INSTITUT FÜR MUSIK

Zur Abwechslung mal www.klartext-grafik.de


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KRIEG ICH NICHT

Ausstellung und skulpturale Performance des Kunstduos bankleer 26. August bis 8. Oktober 2022 Kunstraum hase29 | hase29.de

Ausgerechnet in dem Moment, in dem die Welt eingerichtet ist, werden durch Corona, Krieg und Klimawandel die Zeiten unsicher und alte, bisher unumstößliche Gewissheiten geraten ins Wanken. Nicht nur das Weltbild, auch das eigene Selbstbild ist plötzlich zweifelhaft. „Die Anpassung meines Selbst an sich selbst wird rissig. Der Abstand zwischen mir und meinem Selbst wird größer“, heißt es in der Performance „KRIEG ICH NICHT“, die das Kunstduo bankleer in seiner Ausstellung im Kunstraum hase29 in Osnabrück zeigt.

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bankleer untersucht den brüchigen Zustand der krisenbesetzten Welt in seiner Performance. Der in Großbuchstaben geschriebene Titel „KRIEG ICH NICHT“ ist bewusst doppeldeutig zu verstehen und umfasst gleichzeitig den Bezug auf Krieg und Ökonomie. Die skulpturale Performance ist in einer Installationslandschaft im Kunstraum hase29 verortet, wo die übergroßen Kippfiguren zwischen Gestalt und Gestaltlosigkeit Selbstgespräche führen, miteinander reden oder mit den Besucher:innen inter-


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Skulpturen von bankleer, links oben und unten, Fotos: © Angela von Brill // Foto oben rechts: © bankleer (mit den Schauspielerinnen Stephanie Schadeweg und Lieko Schulze)

agieren. Belebt werden sie durch die Schauspielerinnen Stephanie Schadeweg und Lieko Schulze, die beide mehrere Jahre am Theater Osnabrück engagiert waren und die in Interaktion mit den Skulpturen und miteinander treten. Das Kunstduo bankleer besteht aus Karin Kasböck und Christoph Maria Leitner, die es 1999 gegründet haben. Sie reagieren mit ihren Arbeiten auf soziale, politische und historische Ereignisse und glauben nicht, dass Kunst einem Genie entspringt. Vielmehr haben sie sich be-

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Skulpturen von bankleer und die Schauspielerinnen Stephanie Schadeweg und Lieko Schulze // Foto oben © bankleer, Foto unten: © Angela von Brill

wusst entschieden, als Kollektiv zu arbeiten und sehen dies auch als Reaktion auf die zunehmende Entsolidarisierung der Gesellschaft. Zum ersten Mal überhaupt wird ihr 2013 im Maxim Gorki Theater gestartetes, sich fortwährend erweiterndes SkulpturenEnsemble als Trümmerlandschaft zusammen gezeigt. Ein Strang ihrer aktuellen Arbeitsweisen hatte dort ihren Ursprung. bankleer haben für „KRIEG ICH NICHT“ einen neuen Text geschrieben, mit dem sie an die aktuelle Weltlage anknüpfen. Für KRIEG ICH NICHT haben sie auch die Figur des Idioten entwickelt. Sie wir durch eine Seilkonstruktion verkörpert, in der sich die Schauspielerinnen buchstäblich verstricken. Am Samstag, 3. September, ziehen bankleer mit ihrem tohubassbuuh, einem mobilen

Soundsystem, im Rahmen der Kulturnacht in den öffentlichen Raum. Das Konstrukt aus einem Fahrrad und einem überdimensionalen Megaphon lässt historische Skulpturen und Gebäude sprechen und macht die Stadt zum Teil der Performance. Theaterpädagoge Simon Niemann bietet zudem am Freitag, 16. September, von 17 bis 19.30 Uhr sowie am Samstag, 17. September, von 10 bis 13.30 Uhr begleitend zu Ausstellung und Performance einen Workshop für Teilnehmer:innen von 16 bis 99 Jahren an. Gemeinsam gehen sie spielerisch und praktisch den Fragen von bankleer nach: Welche Inspiration weckt die Arbeit in den Teilnehmer:innen? Was bewegt sie in ihnen? Performance-Termine: Samstag, 3.9.2022 (Kulturnacht), ab 18.30 Uhr auf dem Rathausmarkt, 20 Uhr und 21 Uhr im Kunstraum hase29 Ausstellungsrundgang mit dem Kunstduo bankleer: Samstag, 8.10.2022, 11.30 Uhr Kunstraum hase29 Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Hasestraße 29 / 30, 49074 Osnabrück

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Very very very open call Schweinerei

Schweinerei – der BBK Osnabrück führt einen open call zu den Schweinen durch, mitmachen kann wirklich jede:r, der/die das Thema künstlerisch gleich in welchem Medium umsetzen kann und möchte. Anlieferung: 27.–29. September Ausstellung: 30. September (Eröffnung: 19 Uhr) bis 8. Oktober 2022 KunstQuartier des BBK Osnabrück | bbk-osnabrueck.de Seit über 9000 Jahren leben Menschen und Schweine zusammen und damit ähnlich lange wie Menschen und Katzen. So ist es die konsequente Fortführung unseres letzten open calls zu dem Thema Katze nun die Schweine in den Blick zu nehmen. Wie eng die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist zeigt nicht zuletzt an den vielen Redewendungen: Schwein gehabt, schweinekalt, saudumm, saugut, saunett, kein Schwein ruft mich an, die Sau durchs Dorf treiben und noch vieles andere mehr. Dabei sind Schweine wirklich schlau und können sich z.B. im Spiegel erkennen, verschiedene Futterstellen sich merken und Tricks erlernen. Sogar der Ge-

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brauch von Werkzeugen durch Schweine ist belegt, sie mögen es sauber, kommunizieren untereinander, die Ferkel lernen von Ihren Tanten und Müttern und sie sind empathische Wesen. Eigenschaften also, die wir eher Primaten zusprechen als denn den dummen Säuen. Was also macht das Schwein für uns aus? Warum finden die meisten von uns Schweine sehr sympathisch und essen sie trotzdem? Das Schwein Rohstofflieferant ist mit über 50 Produkten in unserem täglichen Leben vertreten, Beispiele aus dem Bereich der Kosmetik: Zahnpasta, Zahnbürsten, Gesichtsmasken, Seife und Duschmit-


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Regine Wolff, Auennacht II, 2022

tel, Shampoos und Conditioner, Cremes und Lotionen, Make-up, Lippenstift, Zigarettenfilter. In der Kunst kennen wir das Schwein als Wappentier oder oftmals als geschlachtetes Tier ab dem Mittelalter. Aber auch Picasso, Lovis Corinth oder Franz Marc haben sich dem Schwein gewidmet ebenso wie Albrecht Dürer. In der neuzeitlichen Kunst sind es z.B. der Bremer Schweinehirt von Peter Lehmann oder die spektakulären Tattoos auf Schweinen von dem belgischen Künstler Wim Delvoye. Alle Techniken sind zugelassen, ob Malerei, Plastik, Zeichnung, Video oder Performance. Einzige Begrenzung sind die räumlichen Grenzen des KunstQuartiers, einzige Bedingung ist die Anlieferung der Werke

vom 27. bis 29. September im KunstQuartier zu den üblichen Öffnungszeiten. Dabei gilt: wer zuerst kommt, wird eingestallt und stellt aus. Also den inneren Schweinhund überwinden und teilnehmen! Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag dem 30. September, wie immer um 19.00 Uhr. Letzter Ausstellungstag ist Samstag, 08. Oktober. An diesem Tag sollen die Arbeiten ab 16.00 Uhr wieder abgeholt werden. Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag, 14.00 -–18.00 Uhr Samstag, 11.00 – 16.00 Uhr Kunst-Quartier des BBK Bierstraße 33, 49074 Osnabrück

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…thabo thindi in der Lounge im Museumsquartier Osnabrück © Kerstin Hehmann

Black faces in white? space

…thabo thindi in der Lounge des Museumsquartier Osnabrück 6. August bis 4. Dezember 2022 Felix-Nussbaum-Haus | museumsquartier-osnabrueck.de Eine künstlerische Intervention von … thabo thindi. ...thabo thindi ist Filmemacher, Fotograf und Live-Performer. Er lebt in Berlin und Südafrika. Seine multidisziplinäre künstlerische Intervention „Black faces in white? space“ im Museumsquartier formuliert eine Gegenerzählung aus Schwarzer Perspektive und stellt damit die weiße Darstellung der rassistischen Kolonialgeschichte, die seit Jahrhunderten als Grundlage der systematischen Ausbeutung und Unterdrückung Schwarzer Menschen dient, infrage. Sie besetzt dabei Straßen, Museen, Galerien und Bildungseinrichtungen, um Raum für eine menschenwürdige Darstellung Schwarzer Menschen zu beanspruchen. Bereits als Kind hinterfragte …thabo thindi, warum Schwarzen von Weißen so viel Feindseligkeit und brutale Gewalt entgegengebracht werden und Schwarze Menschen als die „teuflischen Untermenschen“ betrachtet werden. „Rassismus ist ein weißes Konstrukt, von dem Weiße profitieren, indem sie Schwarze Menschen unterdrücken,” erklärt …thabo thindi.

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Schwarze Menschen werden auch in Deutschland vielfach als die „Anderen“ dargestellt, die nicht willkommen sind. Racial Profiling, Polizeigewalt und subtiler Alltagsrassismus sind für sie an der Tagesordnung. …thabo thindi setzt sich, ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen, kritisch mit rassistischen Strukturen auseinander. Seine künstlerische Arbeit ist geprägt vom Streben nach Heilung, Bestärkung und Verbindung für ihn, Schwarzen Menschen und allen diskriminierten Gruppen. Begleitprogramm (Kurzfassung): Sa 3.9.22, 19 Uhr, Performance Fr 16.9.22, 19 Uhr, Filmvorführung Sa 29.10.22, 10-18 Uhr, Empowerment-Workshop für junge BIPoC Di 8.11.22, 16-18 Uhr, Stadtrundgang So 4.12.22, 16 Uhr, Abschlussgespräch mit …thabo thindi, the curators and Schwarzen Osnabrücker:innen Museumsquartier Osnabrück Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück


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Anna Haifisch, Homi, 10 Plakate, 140 x 190 cm, Installationsansicht Kunsthalle Osnabrück, 2022, Foto: Lucie Marsmann

Romantik

Jahresthema 2022 · 25. Juni 2022 bis 5. März 2023 Kunsthalle Osnabrück | kunsthalle.osnabrueck.de In Zeiten einer Pandemie und des Krieges in der Ukraine fragt die Kunsthalle Osnabrück: Wie steht es mit der Zuversicht und Sehnsucht nach Liebe, Identität und Zugehörigkeit? Das Jahresthema „Romantik“ nimmt dazu in seinem ersten Ausstellungsteil bis 16. Oktober die gleichnamige Kunst- und Literatur-Epoche als Zerrspiegel zur gegenwärtigen Verfasstheit der Gesellschaft zur Hand. Kaum eine andere Epoche hat in Deutschland und Europa mit ästhetischen Mitteln ein kollektives Gefühl zwischen Aufbruch, Nostalgie und Nationalismus geprägt. Im Kontext der mittelalterlichen Architektur der Kunsthalle soll analysiert werden, ob das aktuelle Gefühl einer globalen Zerrissenheit mit einem Comeback der Bildund Sprachwelten der Romantik einhergeht. Der Wald? Die Ruine? Der Künstler im Bett? Was erzählt uns das? Und wie können wir mit den Mitteln der Kunst Widerstand leisten zu Gunsten einer freien Gesellschaft? Das Programm umfasst unter anderem Einzelausstellungen und für Osnabrück spezifisch realisierte Neuproduktionen der nationalen sowie internationalen Künstle-

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kunst:stück

rinnen Hannah Quinlan und Rosie Hastings (Großbritannien), Forum für kulturelle Demokratie und zeitgenössische Kunst (Deutschland), Gabriella Hirst (Australien), Anna Haifisch (Deutschland), Irène Mélix (Deutschland), Cemile Sahin (Deutschland) und Andrzej Steinbach (Deutschland). Sahin und Steinbach eröffnen zum zweiten Turnus am 5. November.

Romantik

Jahresthema 2022 25. Juni 2022 bis 5. März 2023 –––– → 25. Juni 2022 bis 5. März 2023

Anna Haifisch, Gabriella Hirst, Irène Mélix –––– → 25. Juni 2022 bis 16. Oktober 2022

Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst, Hannah Quinlan & Rosie Hastings –––– → 5. November 2022 bis 5. März 2023

Andrzej Steinbach, Cemile Sahin

Kunsthalle Osnabrück Hasemauer 1, 49074 Osnabrück


Europas größtes internationales Krimifestival

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Mit Bernhard Aichner, Jean-Luc Bannalec, Simon Beckett, Max Bentow, Arne Dahl, Sebastian Fitzek, Nicci French, Tina Frennstedt, Tess Gerritsen, Anna Grue, Petra Hammesfahr, Romy Hausmann, Dora Heldt, Elisabeth Herrmann, Tom Hillenbrand, Hjorth & Rosenfeldt, Andrej Kurkow, Volker Kutscher, Charlotte Link, Håkan Nesser, Ingrid Noll, Wolfgang Schorlau, Klaus-Peter Wolf und vielen weiteren …

JUBILÄUMSAUSGABE! Tickets und Infos : i-Punkt Unna (02303) 10 37 77 WLB Unna (02303) 96 38 50 www.mordamhellweg.de „Mord am Hellweg X“ ist ein Projekt der Kulturregion Hellweg. Festivalleitung: Westfälisches Literaturbüro in Unna e. V. und kunst:stück 45 Kulturbereich der Kreisstadt Unna


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Alois Thomas, Anfang Collage mit Acryl 60 x 80 cm, 2021 Foto: Alois Thomas

Alois Thomas Alles anders

Malerei, Collage | 26. August bis 24.September 2022 Kunst-Quartier des BBK | bbk-osnabrueck.de Corona, Krieg in Europa: Die neue Ausstellung im KunstQuartier thematisiert die großen Krisen der Gegenwart. Für Alois Thomas war die COVID-19-Pandemie der Anlass, sich in sein Atelier zurückzuziehen, allein zu arbeiten.und neue Techniken auszuprobieren. Unter dem Eindruck der Krise änderte sich sein Stil. Seine Arbeiten wurden farbiger und luftiger, symbolische Pinselbewegungen und Zufälligkeiten ließen meditative Eindrücke entstehen, die in einer zweiten Phase durch kleine, farbige Collage-Stücke ersetzt wurden. Anfänglich „lose“ innere Bilder wurden allmählich durch Darstellungen

religiöser Symbole abgelöst. Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Noch immer sucht Thomas nach Möglichkeiten, sich bildnerisch zu diesem militärischen Konflikt zu äußern. Erste Arbeiten variieren die ukrainische Flagge oder lehnen sich beispielsweise an eine Zeichnung von Antoine de Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz“ an. Das Ende dieser Krisen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Die Ausstellung soll ein Versuch sein, sich drängenden Fragen künstlerisch zu stellen.

aRMUT

Susanne Heitmann, Charlotte Dally, Nine Gerhardt und Jürgen Wendt 14 Oktober (Eröffnung: 19 Uhr) bis 12. November 2022 Kunst-Quartier des BBK | bbk-osnabrueck.de Die Künstler:innen des Atelierhauses „Alte Bäckerei“ in Osnabrück zeigen in einer Gemeinschaftsausstellung Arbeiten zum Thema: ARMUT Armut und Reichtum sind zwei Probleme unserer Gesellschaft. Auf materieller Ebene ist klar definiert wo Armut beginnt. Laut Statistik lebt jeder sechste Mensch in Deutschland an der Armutsgrenze. Gleichzeitig gibt es Reiche und Superreiche. Die „Schere“ zwischen beiden geht immer weiter auseinander. Wie äußert sich Armut, wann gilt jemand als reich? Begriffe wie Existenzminimum, so-

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kunst:stück

ziale Ungleichheit, relative Armut aber auch innerer Reichtum schwirren durch die Medien. Während der eine kaum Geld für Essen hat, kann sich der andere ständig neue Dinge kaufen. Was bedeutet Armut und Reichtum für uns, wo erleben wir in unserem Umfeld Armut und Reichtum. 4 Künstler:innen eröffnen einen individuellen Einblick in ihre Wahrnehmung der sie umgebenden Lebenswelt. Kunst-Quartier des BBK Bierstraße 33, 49074 Osnabrück


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17. 9.– 30.10. 2022

Textile Arbeiten von Ana Streng 25 Jahre Tuchmacher

Museum Bramsche

Mühlenort 6, 49565 Bramsche, Tel. 0 54 61/94 51-0 www.tuchmachermuseum.de, Di. – So. 10.00 – 17.00 Uhr

BANKLEER

26.8 - 8.10.2022

Krieg ich nicht Ausstellung und skulpturale Performance

Kunstraum hase29 Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V Hasestraße 29/30, 49074 Osnabrück weitere Infos auf www.hase29.de Mit freundlicher Unterstützung

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Foto: Max Mendéz

Dem roten Faden nach


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making places multifunction

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usm.com

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© Caro Enax

Caro Enax

Wachstumsversuche

19. August bis 8. Oktober 2022 skulptur-galerie Osnabrück | skulptur-galerie.de In der skulptur-galerie präsentiert die Künstlerin Caro Enax unter dem Titel Wachstumsversuche eine Auswahl plastischer und zeichnerischer Arbeiten aus mehreren Werkkomplexen der letzten vier Jahre. Die gezeigten Arbeiten finden ihre Verbindung unter Anderem in wiederkehrenden formalen Merkmalen und Themen, die sich gleichermaßen durch die plastischen und zeichnerischen Werke ziehen. So spielen wiederholt Hohlräume eine Rolle, durchbrochene Hüllen und Öffnungen, die einen Blick in Innenräume gewähren. Netzartige Strukturen durchziehen Objekte und Zeichnungen und öffnen ambivalente Assoziationsräume. Die Objekte schweben zwischen Fragilität und Masse, kommen als Panzer oder zarte Hülle daher, mal abweisend, dann lockend, irritierend und fremd. Sie alle beschäftigen sich mit der Grenze zwischen Innen und Außen, mit

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der Schnittstelle zwischen Selbst und Welt und der Frage nach deren Durchlässigkeit und Abgrenzung. Sämtlichen Wachstumsversuchen ist eine Abkehr von Perfektion gemein, die essentieller Teil der Arbeiten ist. Die Oberflächen der Objekte weisen Makel auf, Wunden und Narben, materialbedingte Ungleichmäßigkeiten und Zufälle, die bewusst nicht getilgt werden. Die Zeichnungen entstehen in meditativen Prozessen, die die Grenzen der Kontrolle über den zeichnenden Körper zelebrieren und die Spuren des pulsierenden Lebens in der Linie willkommen heißen. Künstlergespräch am 3. September, in der Kulturnacht, um 19 und um 21 Uhr skulptur-galerie Osnabrück Bierstraße 2, 49074 Osnabrück Di–Fr, 11–18 Uhr / Sa, 10–16 Uhr


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Ein Projekt von klartext-grafik.de

Neuen Gedanken Raum geben.

Seminar- und Tagungsraum Markt 13 49074 Osnabrück 05 41 20 27-200 www.zeitraum-os.de

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Michael Pinsky

kunst:stück

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22.6.2022 – 15.1.2023

30.10.2022 – 26.02.2023

KABINETTAUSSTELLUNG

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Abb. unten: Warenband in der Ausstellung Future Food © Deutsches Hygiene-Museum, Oliver Killig

Future Food

Essen für die Welt von morgen

24. April bis 13. November 2022 MIK Museum Industriekultur Osnabrück | mik-osnabrueck.de Schon im 18. Jahrhundert schrieb der französische Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin: „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, was du bist“! Essen ist für uns alle lebensnotwendig, es ist Genuss und stiftet Gemeinschaft. Essen ist Teil unserer Kultur und Ausdruck unseres Lebensstils. Es ist eine sehr persönliche Handlung – und hat gleichzeitig unmittelbar Einfluss auf Ökologie, Ökonomie und Klima. Mit der Ausstellung „Future Food. Essen für die Welt von morgen“ greift das MIK eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit auf:

Wie kann das weltweite Ernährungssystem gerechter, nachhaltiger und gesünder werden? Die hochaktuelle Schau wurde vom renommierten Deutschen Hygiene-Museum Dresden konzipiert. In Osnabrück erwarten das Publikum außerdem Einblicke in die Lebensmittel-erzeugung und -forschung der Region, die nicht nur traditionell ein wichtiges Zentrum der Branche ist, sondern in der sich auch immer mehr innovative Startup-Unternehmen ansiedeln. Die Ausstellungsbesucher*innen folgen dem Weg der Lebensmittel vom Stall oder Feld bis auf den Tisch. Entlang der Themen „Produzieren“, „Handeln“ und „Wählen“ werden die komplexen Zusammenhänge hinter unseren Speisen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft anschaulich vermittelt. Wie kann die Ernährung der Zukunft durch neue Ideen und Verfahren nachhaltiger gestaltet werden? Welche Möglichkeiten bieten wissenschaftliche und technische Innovationen? Was kann jede und jeder Einzelne tun? MIK Museum Industriekultur Osnabrück Süberweg 50a, 49090 Osnabrück

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Tuchmarkt

Neues, Individuelles und Schönes von Textilkünstler:innen und Textilhandwerker:innen Sonntag, 11.09.2022, 10.00–17.00 Uhr Tuchmacher Museum Bramsche | tuchmachermuseum.de

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Bunt wird es im Tuchmacher Museum beim Tuchmarkt am Sonntag, 11. September, von 10 – 17 Uhr. In den historischen Produktionsräumen der Tuchmacherinnung bauen Textilhandwerker:innen und -künstler: innen dicht an dicht ihre Stände auf. Individuelle Kleidung, Accessoires, aber auch Materialien für eigene kreative Projekte gehören zum Angebot. Alle Produkte werden mit großem Können und viel Liebe von den Aussteller:innen in Handarbeit hergestellt. Einige Aussteller kommen schon seit vielen Jahren nach Bramsche, andere sind zum ersten Mal dabei.

In der Färberei wird die „Kunterbunte Wollspinnerey“ den großen Zinnkessel anheizen, um die Wolle des Museums mit dem Naturfarbstoff Krapp im „Bramscher Rot“ zu färben. Außerdem werden Handarbeitstechniken wie das Spinnen mit der Handspindel und dem Spinnrad vorgeführt. Für Kinder gibt es kleinere Mitmach-Aktionen.

Zum 25. Geburtstag des Tuchmacher Museums unter dem Motto „Rot“ gibt es eine Sonderedition von Wolldecken in Rottönen von Orange über das Bramscher Rot bis Pink. Auch die von Entwürfen der Bauhaus-Meisterin Gunta Stölzl inspirierte Deckenedition „Auf den zweiten Blick“ wird wieder aufgelegt.

An diesem Tag gilt für das Museum und den Tuchmarkt der ermäßigte Eintritt von 4,00 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.

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Ein Café-Bereich im Innenhof des Museums sowie das gastronomische Angebot im Museumsrestaurant „Riverside“ runden das Angebot am Tuchmarkt ab.

Tuchmacher Museum Bramsche Mühlenort 6, 49565 Bramsche


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Abb. links: Wolldecke, Sonderedition 25 Jahre Tuchmacher Museum Bramsche, (Foto: TMB) // rechts: Impressionen vom Tuchmarkt, 2019 (Foto: TMB)

Austeller:innen Annette Russwinkel Quilts, handgefärbte Stoffe, kleine textile Kostbarkeiten Freimut Design · Carina Boknecht www.freimut-design.de individuelle, nachhaltig gefertigte Damenkleidung Weef Atelier Annie · Annie Gijzel handgewebte Wolldecken, Schals aus Alpaka und Seide, Geschirrtücher Filzefein · Brigitte Büddefeld Figuren, Spielzeug und Fingerpuppen aus Wolle gefilzt, vieles in Bramscher Rot Nicola Bartlett Kosmetiktaschen, Etuis, Handy- und Kissenhüllen aus Harris Tweed® Strickurlaub auf Sylt · Ute Frederich www.strickurlaub.de Wolle, Zubehör, Textilschmuck, Kleines Wollwerk · www.kleines-wollwerk.de Kleidung und Textilien aus Wolle vom Coburger Fuchsschaf Verlockend · Catrin Posiel · www.verlockend.eu Garne, Handgestricktes aus Wolle des gotländischen Pelzschafes Linner FilzArt · Karin Müller · www.linnerfilzart.de Hüte aus Wollfilz, besondere Mäntel und Jacken Perlenkunst – papierArt · Bettina Jordan individueller Schmuck aus Papier Farbverflechtungen · Brigitte Becker www.Farbverflechtung.de Handgewebte Kleidung und Accessoires

HU-Design · www.hu-design.de handgefertigte Schmuckstücke, Accessoires und Knöpfe aus Holz Kunterbunte Wollspinnerey www.kunterbunte-wollspinnerey.jimdo.com Garne und Produkte aus handgesponnener Wolle Lucia Röttger · www.luci-roettger.de individuell handgefertigtes Strickdesign, Strick für Kinder VerBandelt · Elli Spiekermann & Gabriele Feldmeier handgewebte Bänder, Schnürsenkel, Schreibmappen und mehr, Vorführungen Bandweben Hexenwahn · Anett Lober-Springinsguth www.hexenwahn-mode.de Mode aus eigener Stoffmanufaktur und altem Schaumburger Leinen Anette Rega Textiles pflanzengefärbte Bilder, Stoffe, Home-Accessoires und Textilien Ingberta Wirth · Decken, Schürzen, Taschen, Strickwaren und Teddys Handgewebte Unikate · Annette Ledwa www.handgewebtes-bielefeld.de Handgewebtes, Tischläufer, Wolldecken, Kissen und vieles mehr Filzkram · www.filzkram.de Handgefilzte Tiere und weitere Filzartikel Andrea Bleiker Pflanzengefärbte Wolle, Accessoires Irma Rohlfing · Blaudruck Elke Bartelt · Socken, Loops, Schals und Mützen

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Abb. linke Seite: Ana Streng, Foto: Max Mendéz oben: Ana Streng, Ikat III, Vorderseite, Detail, Foto: Max Mendéz

Dem roten Faden nach

Ausstellung mit textilen Arbeiten von Ana Streng 16. September (Eröffnung: 19 Uhr) bis 30. Oktober 2022 Tuchmacher Museum Bramsche | tuchmachermuseum.de In der Ausstellung „Dem roten Faden nach“ beschäftigt sich Ana Streng mit den Verbindungen von Kunst, Textil und Kultur. Ein Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist die Weberei und das Färben mit Naturfarbstoffen. Neben Textilien, Zeichnungen und Malereien werden in der Kornmühle des Tuchmacher Museums auch raumfüllende Installationen gezeigt. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „Rot“ des Tuchmacher Museums Bramsche anlässlich seines 25-jährigen Bestehens. „Mich fasziniert die Weberei als uralte Kulturtechnik, die überall auf der Welt vorkommt und sich gleichzeitig in Stil und Material stark unterscheidet und lokale Besonderheiten hervorgebracht hat“, umschreibt Ana Streng eine ihrer Motivationen zu ihren textilen Arbeiten. Das Projekt „Auf der Walz – Follow the line“ führte die Künstlerin 2019 bis nach Indien. Auf ihrer künstlerischen Forschungsreise

beschäftigte sie sich mit verschiedenen regionalen textilen Techniken. Besonders beeindruckte sie die Ikat-Technik, bei der das Garn vor dem Weben mehrfach abgebunden und eingefärbt wird. Eine der zentralen textilen Arbeiten der Künstlerin ist die interaktive Installation „Stufen“, die von der indigenen Kultur der Jalq'as in Bolivien inspiriert ist. Sieben großformatige, mit Naturfarbstoffen gefärbte Doppelgewebe, hängen gestaffelt im Raum und laden die Besucher:innen dazu ein, sie zu umkreisen und aus immer neuen Perspektiven zu erfassen. Ana Streng hat von 2012 bis 2018 Malerei / Textile Künste an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Prof. Ulrich Reimkasten und Prof. Caroline Achaintre studiert. Tuchmacher Museum Bramsche Mühlenort 6, 49565 Bramsche

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© Varusschlacht im Osnabrücker Land, Fotos: Hermann Pentermann

Pompeji

Pracht und Tod unter dem Vulkan

22. Mai bis 6. November 2022 Varusschlacht im Osnabrücker Land - Museum und Park Kalkriese kalkriese-varusschlacht.de 79 n.Chr. bricht der Vulkan Vesuv aus. Die Städte Pompeji, Herculaneum und Oplontis werden unter einer meterhohen Schicht Ascheregen begraben. Erst im 18. Jahrhundert kommen sie durch Ausgrabungen allmählich wieder zum Vorschein – und mit ihnen zahlreiche unversehrte Schätze. Die neue Sonderausstellung „Pompeji – Pracht und Tod unter dem Vulkan“ dokumentiert mit Lavagestein und Augenzeugenberichten den schrecklichen Vul-

kanausbruch und eröffnet Einblicke in das luxuriöse Leben am Golf von Neapel kurz vor seiner endgültigen Vernichtung. Zu sehen sind herausragende Originalobjekte aus Pompeji und Herculaneum – darunter der bekannte Läufer aus der Villa dei Papyri. Farbenfrohe Mosaike und Wandmalereien zieren die Wände und Kunstgegenstände erzählen von den bis weit nach Indien reichenden kulturellen Einflüssen. In den Alltagsgegenständen, Werkzeugen und Schmuckstücken spiegelt sich der Wohlstand und die Eleganz der damaligen Gesellschaft wider. Lebensechte Projektionen vermitteln einen Eindruck von der gewaltigen Kraft des Vulkanausbruchs. Ein Ausstellungskatalog ist vor Ort erhältlich. Infos und Tickets für Führungen und Familienprogramme sind abrufbar unter www.kalkriese-varusschlacht.de Varusschlacht im Osnabrücker Land Museum und Park Kalkriese Venner Straße 69, 49565 Bramsche

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Michael Pinsky, Concept Sketch (The Final Bid), 2022 © Michael Pinsky

Michael Pinsky . The Final Bid 30. Oktober 2022 bis 26. Februar 2023 Draiflessen Collection | www.draiflessen.com Am Thema Nachhaltigkeit kommt heutzutage niemand mehr vorbei. Der Begriff wird dabei so vielfältig verwendet, dass er droht, zur leeren Worthülse zu verkommen, und eher Überforderung als Motivation hervorruft. Viele fragen sich, ob sie überhaupt etwas bewirken können und welche Schritte sinnvoll wären. An diesem Punkt setzt der britische Künstler Michael Pinsky mit seiner prozessualen Installation THE FINAL BID an, die er erstmals in der Draiflessen Collection realisieren wird. Der größte Anteil unseres durchschnittlichen Treibhausgasausstoßes in Deutschland entfällt – mit circa vier Tonnen – nämlich auf den Konsum von Dingen wie Möbel, Kleidung oder Geräten und eben nicht auf die Flugreise, den Energieverbrauch oder Lebensmittel. Auf spielerische Art und Weise lädt Pinsky die Menschen ein, aktiv zu werden und in einer symbolischen Aktion den nicht abreißenden Strom neuer Waren zu durchbrechen. Beispielhaft hat er sich dabei für das ikonische Objekt des Stuhles entschieden. Jeder Mensch braucht mindestens einen Stuhl. Im Grunde existieren bereits Unmengen von ihnen. Anstatt immer neue Stühle zu kaufen und somit weitere Ressourcen zu verbrauchen, schlägt der Künstler vor, bereits vorhandene und gebrauchte Exemplare wiederzuverwenden. Dafür verwandelt er das Museum in eine Verkaufs-

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plattform und ruft dazu auf, nicht mehr benötigte Stühle ins Museum zu bringen. Auf der Ausstellungsfläche werden sie Teil einer Installation, die durch einen Auktionsprozess in Bewegung versetzt wird. Im Zusammenspiel der Gebote entsteht ein sich ständig veränderndes skulpturales Ensemble, das sich am Ende wieder auflöst. Das Projekt spielt mit der Idee des Sammelns von Artefakten und der Aufwertung, die sie gewinnen, wenn sie in einen musealen Kontext gestellt werden. Während einige der Stühle eine besondere sentimentale Bedeutung haben mögen, sind sie im Allgemeinen von geringem kommerziellen Wert. In der Tradition des Readymade werden sie für einen Moment aus ihrer funktionalen Verwendung gerissen und zu einer Skulptur, die betrachtet werden soll, anstatt nur Möbelstücke zu sein, auf denen man sitzt. Nach dem Kauf kehren sie jedoch zu ihrer früheren Verwendung zurück. Im Außenbereich der Draiflessen Collection wird während der ersten vier Wochen der Ausstellung ein weiteres Werk von Michael Pinsky, die POLLUTION PODS zu sehen sein. Draiflessen Collection Georgstraße 18, 49497 Mettingen


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links: C&A Archive Collection, 1.000.000 Jinglers Jeans, 1989 (2.v.l.), “Jinglers” T-Shirts und Jinglers Jeans, 2021 // rechts: "(Jetzt sind es die Jäckchen-die "mini werden)", C&A Werbeanzeige, 1969

The Archive Collection

22. Juni 2022 bis 15. Januar 2023 Draiflessen Collection | www.draiflessen.com Zum 180-jährigen Jubiläum brachte C&A im Jahr 2021 eine Retrokollektion heraus, die sich an den eigenen Modekreationen zurückliegender Jahrzehnte orientierte und die Inhalt der Präsentation THE ARCHIVE COLLECTION in DAS Forum der Draiflessen Collection ist. Zusammen mit ausgewählten Originalen aus dem eigenen Archivbestand der Draiflessen Collection wird diese C&A-Kollektion präsentiert, die Zeitgeist und stilistische Merkmale vergangener Jahre wieder aufleben lässt. Im November 2020 begaben sich die Designer:innen von C&A und die Archivmitarbeiter:innen der Draiflessen Collection zusammen auf eine Reise in die Vergangenheit. Ausgangspunkt für die Retrokollektion waren Werbemappen, Printanzeigen und Modekollektionen des Unternehmens aus den vergangenen Jahrzehnten, die im Archiv der Draiflessen Collection gesammelt und aufbewahrt werden. Sie erlauben Einblicke in die Geschichte von C&A, Kreationen und Werbung von 1841 bis heute. Dass C&A in Kooperation mit der Draiflessen Collection zum Jubiläum des Unternehmens die Archive Collection kreieren konnte, war möglich dank der über 100-jährigen Sammlungsarbeit vieler Beteiligter.

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Jedes Jahrzehnt ist geprägt von bestimmten Stilen, die den Zeitgeist verkörpern. Daher sind Kleidung und Accessoires gut geeignet, das Gefühl einer bestimmten Dekade wieder aufleben zu lassen. Unter neuen Vorzeichen, heute als Teil einer Museumssammlung, setzten historische Werbung und Mode von C&A im Rahmen dieses Projekts wichtige Impulse und regten die Fantasie der Designer:innen an. Die beispielsweise in den 1970er-Jahren beliebten Schlaghosen wurden im Zuge der Archive Collection an heutige Trends angepasst, indem sie etwas schmaler gestaltet worden sind, so wirken sie moderner. Generell erlebt die Modebranche gerade eine Renaissance von Modellen aus den 1960er- bis in die 1980er-Jahren auf dem Markt, die sich in der Präsentation THE ARCHIVE COLLECTION widerspiegelt. So regte beispielsweise das historische schwarze Minikleid zu detaillierten Übernahmen an – dem aktuellen Trend entsprechend noch viel kürzer als das Mini der 1960erJahre und in pastelliger Farbpalette. Draiflessen Collection Georgstraße 18, 49497 Mettingen


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WWW.MUSEUM-FUER-LACKKUNST.DE

TABLETT Holz mit Schwarzlack und Einlagen aus graviertem Perlmutter Blühender Pflaumenzweig und Mondsichel, China, 14. Jahrhundert (Ende Yuan-/Anfang Ming-Dynastie) Erworben 1999 Die Winterpflaume gilt im Fernen Osten als der erste Frühlingsbote und verheißt ein baldiges Ende des Winters.

MUSEUM FÜR LACKKUNST

ÖFFNUNGSZEITEN

Windthorststraße 26 48143 Münster | Deutschland Telefon: + 49.251.41851-0

dienstags bis sonntags und an gesetzlichen Feiertagen 12–18 Uhr (Eintritt frei)

www.facebook.com/Museum.fuer.Lackkunst

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Rembrandt Harmensz van Rijn (nach Jan Lievens), Sitzender alter Mann mit Stock, 1631(?) © Draiflessen Collection/Liberna Collection, Foto: Stephan Kube

Auf Spurensuche

Kabinettausstellung | 22. Juni 2022 bis 15. Januar 2013 Draiflessen Collection | draiflessen.com

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Eine Zeichnung einer Künstler:in eindeutig zuzuschreiben, hängt von verschiedenen Gegebenheiten ab. Ist das Kunstwerk signiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, einen Treffer zu landen. Doch wie funktionieren Zuschreibungen eigentlich bei nicht signierten Zeichnungen? Oder noch einen Schritt weiter: Können Skizzen und Studienblätter überhaupt Künstler:innen oder Künstler:innengruppen, Lehrer:innen oder Schüler:innen zugeordnet werden?

insbesondere in den nicht als verkaufbares Kunstwerk hergestellten Zeichnungen, Skizzen und Studien Parallelen und Ähnlichkeiten. Wer also ist die Urheber:in? Kann man das überhaupt im Nachhinein festlegen?

Gerade beim Studieren ging es oft um kopieren, aneignen, lernen und so finden sich

Draiflessen Collection Georgstraße 18, 49497 Mettingen

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In der Liberna Collection gibt es im Bereich der Zeichnungs- und Studiensammlung einige Beispiele, anhand derer die nahezu detektivische Arbeit der Spurensuche nachgezeichnet werden kann.


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skulptur galerie · Bierstraße 2 · 49074 Osnabrück Di–Fr 11–18 Uhr · Sa 10–16 Uhr · skulptur-galerie.de

© Caro Enax

Sonntag, 11. 9. 2022, 10 – 17 Uhr Neues, Individuelles und Schönes von Textilkünstler*innen und Textilhandwerker*innen Eintritt 4,00 EUR, Kinder und Jugendliche frei kunst:stück

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Mühlenort 6 · 49565 Bramsche · www.tuchmachermuseum.de


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Die Natur ist stets kostbar

Mit Modersohn durch die Jahreszeiten 1. Oktober 2022 bis 28. Februar 2023 Otto Modersohn Museum Tecklenburg | ommt.de

Die stete Auseinandersetzung mit dem Thema „Landschaft“ veranlasste Otto Modersohn, die Natur in all ihren Erscheinungsformen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu allen Jahreszeiten, künstlerisch festzuhalten. Sein gesamtes Leben strebte er, der technisch sehr Versierte, die Zwänge des akademischen Kanons der Düsseldorfer Kunstakademie hinter sich lassend, nach poetischer Empfindsamkeit und Einfühlung in das Wesen der Natur. Er erkannte in jedem botanischen Detail etwas Kostbares, spürte auch in windzerzausten Bäumen und dämmerigen winter-lichen Impressionen der ihnen eigenen Ästhetik nach. Die Ausstellung bietet einen hochinteressanten und abwechslungsreichen Jahreszeiten-Rundgang, mit einem Schwerpunkt auf Modersohns Haupt- und Spätwerk. Frische Frühlingsmotive wechseln mit warmen Eindrücken des Sommers, worauf ein farbenfroher Herbst folgt, und zarte Eiskristalle sowie Schlittschuhläufer schließlich mit dem Winter das Jahr beenden. Aber auch die unbestimmten Übergänge, das kaum merkliche Gleiten von einer Jahreszeit in die nächste und damit verbundene Lichtwechsel, subtile klimatische Veränderungen und ihre regional-typischen Auswirkungen auf die Pflanzen, Tiere und Menschen haben den Künstler sehr interessiert. Eine weitere Besonderheit stellen einige Blumensträuße und Stillleben mit Blumen dar, ein Genre, das in seinem Spätwerk in größerer Zahl zu finden ist. Für Otto Modersohn sind diese Arrangements ‚die versammelte Natur in einer Vase‘. „Ich entwickle immer mehr einen eigenen Stil für Blumensträuße. Sie werden immer reicher, phantastischer, geheimnisvoller – so ein Strauß ist eine Wunderwelt, phantastischer als die Natur da draußen, eine Märchenwelt, ein Feenreich“. Öffnungszeiten bis 16.10. 2022: Mittwoch, Donnerstag, Freitag 14 – 18 Uhr, Samstag & Sonntag 11 – 18 Uhr Öffnungszeiten ab 17.10.2022: Freitag 14 – 18 Uhr , Samstag & Sonntag 11 – 18 Uhr Otto Modersohn Museum Tecklenburg Markt 9, 49545 Tecklenburg

Otto Modersohn, Stillleben mit Obstschale, 1930, © Sammlung Dr. Andreas Gerritzen Otto Modersohn, Mondaufgang im Moor, um 1925 © Privatsammlung

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DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Klosterstraße 10, 48477 Hörstel | da-kunsthaus.de

Foto: Sabine Herke

15.10.–20.11.22 · Kunst in der Region 22

35. Gemeinschaftsausstellung zeitgenössischer Kunst im DA, Kunsthaus Die Ausstellungsreihe »Kunst in der Region« gibt Künstler:innen aus dem Münsterland, dem Euregio-Gebiet mit den angrenzenden Niederlanden sowie dem Osnabrücker Land ein professionelles Forum und zeigt alljährlich Trends, Themen und Perspektiven der zeitgenössischen Kunst. Besucher:innen sind eingeladen miteinander über Kunst und Kultur ins Gespräch zu kommen und in einen Dialog mit den Künstler:innen zu treten. Im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst werden – durch eine Fachjury ausgewählt – u.a. Skulpturen, Installationen, mediale Kunst, Fotografie, Malerei und Grafik präsentiert. Gefördert durch die Kreissparkasse Steinfurt

18.09.22, 17 Uhr · September:))klänge Das besondere Familienkonzert

Wie machen Instrumente Töne? Was bedeutet pressen, hämmern, streichen? All diesen Fragen wird der beliebte Moderator Winfried Fechner zusammen mit den jungen Musikerinnen und Musikern – Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung – auf den Grund gehen. Das Trio »Midas« – Jan Wilhelm Bennefeld (Klarinette), Mari Nagahara (Violoncello) und Robbin Reza (Klavier) sowie das Akkordeon-Duo »Weles« – Tetiana Muchychka und Mihajlo Milosev werden für ein ganz besonderes Programm sorgen. Winfried Fechner wird nicht nur durch das Programm führen, sondern auf seine ganz spezielle Art den jungen und junggebliebenen Musikliebhabern die Stücke und die Instrumente näherbringen. Und wie entsteht ein Canon? Wir üben das, denn: Singen kann jeder!!! September:))klänge ist faszinierende Musik für alle!

29.09.22 · Nähe auf Distanz von Anna van Eck

Großes Festmahl | Projektstipendium KunstKommunikation 22 Freuen Sie sich auf ein experimentelles Festmahl, welches Sie aus Ihren gewohnten Komfortzonen lockt. Besucher:innen sind herzlich willkommen sich auf neuartige, zwischenmenschliche Verbindungen während des Essens einzulassen. Es erwartet Sie eine offene, spielerische sowie reflektierende Kommunikation, die uns Menschen wieder näher zusammenbringt. Nur mit Anmeldung!

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»Projektstipendium KunstKommunikation« Das Bewerbungsverfahren mit Ideenwerkstatt zum Stipendium im DA, Kunsthaus Als Herzstück des DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst fördert der Kreis Steinfurt mit dem deutschlandweit einmaligen Projektstipendium Kunstkommunikation partizipatorische Kunstprojekte und Interventionen im ländlichen Raum auf internationaler Ebene. Getreu dem Motto »Mitmachen und Mitdenken« sprechen die Kunstprojekte seit über fünfzehn Jahren eine breite, regionale Öffentlichkeit an und laden dazu ein, aktiver Teil des Kunstgeschehens zu sein. Lebensnahe Themen

bieten im DA und in der ganzen Region Anlass für künstlerische Projekte, Aktionen und Interventionen, die oft in Kooperation mit Betrieben, Vereinen und Schulen der Region durchgeführt werden. Das DA, Kunsthaus ist die erste Institution in Deutschland, die Kunst zwischen Partizipation und Intervention im ländlichen Raum zeigt und auf internationaler Ebene fördert. Infos zum Bewerbungsverfahren 24 in Kürze auf www.da-kunsthaus.de

Paste Up History!« von Maria Vill und David Mannstein | Projektstipendium KunstKommunikation 22 | KunstRadroute eröffnet | Neue Faltkarte und digitale Tourenkarte im DA erhältlich Mehr zum Projekt »Paste Up History!« und zur KunstRadroute auf www.da-kunsthaus.de

15.10.22, 17 Uhr Rückblick! Projektstipendium KunstKommunikation 22 Kunst zum Mitmachen und Mitdenken | Präsentation der Kunstprojekte

„Nähe auf Distanz“, Anna van Eck | „Feedback“, Gilbert Geister | „Paste Up History!“, Maria Vill und David Mannstein

15.10.22, 17 Uhr Ausblick! Projektstipendium KunstKommunikation 23 Ausstellung der Entwürfe aus der Ideenwerkstatt

Im DA werden mit dem deutschlandweit renommierten Projektstipendium partizipative Kunstprojekte durchgeführt, die lebensnahe, alltägliche aber auch polarisierende Themen aufgreifen und an denen Bürgerinnen und Bürger teilnehmen. Der AUSBLICK! auf das Projektstipendium KunstKommunikation 23 zeigt die Entwürfe aller Projekte, die in einem zweistufigen Verfahren von einer Fachjury für die Ideenwerkstatt ausgewählt wurden. Darunter auch die Projekte, die 2023 zur Umsetzung kommen.

bis 30.10.22 »Die vierte Ebene« von Martin Kaltwasser 2022

zusammen mit Emma Beke Bandmann, Merve Baran, Malin Emming, Anna Helm, Lukas Höhler In den letzten Wochen ist die Installation »Die vierte Ebene« als work-in-progress im Rahmen der Ausstellung „Hidden Landscapes“ vor Ort entstanden und wird über das Ende der Ausstellung hinaus bis 30.10. weiterbestehen und zu begehen sein. Die raumgreifende Außeninstallation besteht aus Carports, Gewächshäusern, Autos, einem zu einem Lastenfahrrad umgewandelten Auto und einem Aussichtsturm mit Münzfernrohr. Die verschiedenen Elemente beziehen sich auf Landschaftsgestaltung in unserer westlichen Hemisphäre, auf landschaftsprägende Lebenswelten und ihre materiellen Glücksverheißungen, auf Hausbau und dergleichen. In die Installation sind künstlerische Werke von Studierenden am Institut für Kunst und Materielle Kultur der TU Dortmund integriert. Sie befassen sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Landschaft, Pflanzenwelt, Formen von Behausung, Psychogeographie und Stadtplanungsutopien. Gefördert von der Kunststiftung NRW und der Kreissparkasse Steinfurt.

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Sylvia Evers

Sense and Absence 23. September (Eröffnung: 19 Uhr) bis 30. Dezember 2022 Kloster Bentlage | kloster-bentlage.de Die in Rheine geborene und aufgewachsene Künstlerin Sylvia Evers lebt und arbeitet in Rheine und Arnheim. Seit ihrem Studium und Abschluss 1999 an der AKI Kunstakademie in Enschede entwickelte sie ein ausgebreitetes bildhauerisches Oeuvre: ihre Werke sind meist aus Keramik oder Bronze. Sylvia Evers’ Skulpturen bestehen aus poetischen, stillen Darstellungen des menschlichen Körpers, symbolischen Handlungen und Tierformen. Die Symbolik des Tierreichs in Bezug auf den Menschen steht

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oft im Mittelpunkt ihrer Arbeit, in der sie diese beiden Welten buchstäblich verschmelzen lässt. Evers beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „Der schmale Grat zwischen Verletzlichkeit und Wehrhaftigkeit übt auf mich eine große Anziehungskraft aus. Diese Tatsache ist ein inhaltlicher Bezugsrahmen während des Arbeitsprozesses und eine Richtlinie für meine Materialwahl, in der sich diese (Wesens-) Eigenschaften widerspiegeln.“ Dem Betrachter fällt sofort die gewichtige Rolle auf, die Pflanzen und vor allem Tiere


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Sylvia Evers, links: Meisje-Rücken grau // rechts: Tableau

in ihren Werken spielen. Wobei auch das nur die halbe Wahrheit ist, denn mindestens so wesentlich ist das Auflösen der Schranken: Zwischen Mensch und Tier, Tier und Pflanze, Pflanze und Mensch – es ist ein beseelter Naturkosmos, in dem Evers‘ Figuren traumwandlerisch die Grenzen überschreiten und die Formen wechseln. So geben sie sich klar als Bewohner und Abkömmlinge von Märchen und Mythen zu erkennen, in denen häufig das Gesetz der Verwandlung herrscht, einer zauberischen Metamorphose.

Zwiegespräch mit der Umgebung: Tiere, Menschen und Hybride reagieren mit dem geschichtsträchtigen Umfeld und der umgebenden Natur und verkörpern dabei auch vieles von dem, was auch für das denkmalgeschützte Klosterensemble inmitten seines Naturrefugiums gilt: Sie sind in sich Ruhend, aber voller Energie. Schweigend, aber voller Geschichten. Zur Berührung verführend und doch so verwundbar. So laden sie den Betrachter auf einzigartige Weise zum Entdecken, Erleben und Erkennen ein.

Im Kloster Bentlage treten Evers‘ Skulpturen und Installationen nun in ein stilles

Kloster Bentlage Bentlager Weg 130, 48432 Rheine

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© Heike Negenborn

Heike Negenborn Terra.Cognita

24. Juni bis 11. September 2022 Kloster Bentlage | kloster-bentlage.de Heike Negenborn ist zeitgenössische Landschaftsmalerin. Sie ist darüber hinaus eine genaue Beobachterin, die Veränderungenin der Natur analysiert, kritisch hinterfragt, dokumentiert und in ihren Werken dem Betrachter bewusst macht, wofür sie bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet wurde. Negenborns intensive Auseinandersetzung mit den Stilen der Renaissance und der Entwicklung der Zentralperspektive sind in jedem ihrer Werke lesbar, ebenso wie der Einfluss der niederländischen Land-

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schaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Auf beeindruckende Weise überführt sie aber die Tradition in die Gegenwart. Typisch für ihre Arbeiten ist die Aufteilung. Unter Verwendung übereinanderliegender Gitternetze konstruiert sie weite, vom Menschen gezeichnete Landschaften mit meist tiefliegenden Horizonten, die sich zwischen Realität und Fiktion bewegen und oft Stellung nehmen, zu der wachsenden Verein Kloster Bentlage Bentlager Weg 130, 48432 Rheine


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Tabula Rasa / Terrain Vague

Atelier Le Balto, Egemen Demirci, Armin Lorenz Gerold, Jarosław Kozłowski, Jeewi Lee, Hannah Schneider, Johanna Tiedtke 17. September bis 20. November 2022 Städtische Galerie Nordhorn | staedtische-galerie.nordhorn.de Die Städtische Galerie Nordhorn zeigt die Gruppenausstellung „Tabula Rasa / Terrain Vague“. Mit den Werken werden Beziehungen zwischen Form und Formlosigkeit, zwischen Entstehung und Auflösung oder

auch zwischen Realität und Imagination erkundet. Die künstlerischen Medien werden in möglichst großer Bandbreite genutzt, von Malerei und Zeichnung, Fotografie und Video bis Installation und Klangkunst. Die Idee des Erschaffens von Kunstwerken geht traditionell oft von der Leere oder der Formlosigkeit aus, in oder aus der etwas entstehen kann. Die Künstler:innen der Ausstellung widerlegen jedoch auf unterschiedliche Weise das das Konzept der absoluten Leere. Auf die Geschichte der Kunst bezogen, ist die „Tabula Rasa“ heute vor allem in jener Bedeutung bekannt, die sie in der barocken Emblematik ausgebildet hat, wo sie entweder als unbeschriebenes Blatt oder als weiße Leinwand dargestellt wurde. Diese

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Abb. oben links: Egemen Demirci, Spectator on White (Homage to Malevich), 2012, Video // rechts: Jeewi Lee, aus der Serie Past Tense (15 & 17), 2021, Koreanischer Papierfußboden, gerahmt, Installationsansicht Kunsthalle Recklinghausen 2021 // unten: Hannah Schneider, Solo Aqua, 2012, Performance San Lorenzo, Florenz, Video © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

leere Fläche enthält das imaginäre Potenzial aller denkbaren Bilder und ist demnach ein Ausdruck kreativer Freiheit. Weitgehend ausgeblendet wird darin jedoch der ursprüngliche Wortsinn des Ausradierens, dass also Bestehendes auch vergeht, um Neuem Platz zu machen. Das „Terrain Vague“ dagegen bezeichnet in der Regel Orte, deren einst vorhandene Funktion verlorenging oder aufgegeben wurde, die also inhaltlich entleert sind und die neu definiert, thematisch besetzt oder genutzt werden können. Umgekehrt könnte das „Terrain Vague“ aber auch ein Ort sein, der noch keine Funktion hat. Der Ort selbst dient für die Konzeption der Ausstellung als Ausgangspunkt und zugleich als Metapher: Der White Cube unseres 1997 von Stephen Craig entworfenen Ausstellungspavillons steht gewissermaßen als „Tabula Rasa“ für den vermeintlich idealen, leeren Kunstraum, der

sich theoretisch mit jedwedem Inhalt füllen lässt. Gleichzeitig verfügt der Raum als physischer Ort und als Teil einer Institution längst über ein reichhaltiges Gedächtnis der vergangenen Ausstellungen, welche die zukünftige künstlerische Arbeit in gewisser Weise mit beeinflussen. Gleichzeitig soll mit der Ausstellung auch die Frage aufgeworfen werden, ob solch ein leerer idealer Raum überhaupt isoliert von der Stadtgesellschaft, deren Teil er als kommunale Einrichtung ist, wahrgenommen werden kann. Einige Künstler:innen sind deshalb eingeladen, über den Galerieraum hinaus auch städtische Orte im Sinne des „Terrain Vague“ in ihren persönlichen Blick zu nehmen und dafür künstlerische Interventionen zu entwerfen. So entwickelt die Ausstellung auch eine aktive Verbindung zwischen Kunstraum und Stadtraum. Städtische Galerie Nordhorn Vechteaue 2, 48529 Nordhorn

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Konstruktive Welten

Eine neue Universalsprache der Kunst 17. September bis 11. Dezember 2022 Eröffnung: Fr, 16. Sept. 2022, 19.30 Uhr Stiftung Ahlers Pro Arte | ahlers-proarte.com Vor einhundert Jahren – dem Jahr seiner Berufung an das Bauhaus Weimar – schuf Wassily Kandinsky den Zyklus „Kleine Welten“. Im selben Jahr 1922 tagte in Düsseldorf und Weimar die „Konstrukti-

vistische Internationale“. Damit manifestierte sich der Beginn einer neuen Weltsprache der ungegenständlichen Kunst. In der von Dr. Gloria Köpnick kuratierten Ausstellung sind neben Kandinsky auch dessen Bauhaus-Kollegen Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy vertreten, die diese neue Bildsprache maßgeblich prägten, außerdem die osteuropäischen Avantgardekünstler Lajos Kassák, László Peri und Nikolai Michailowitsch Suetin. Sie alle fanden ihren jeweils eigenen Weg in die Abstraktion. Ihre Werke bilden somit eine faszinierende Ergänzung zu denen Kandinskys und dokumentieren den internationalen Charakter dieser neuen Kunstrichtung. In Deutschland hatte der Konstruktivismus ausgeprägte regionale Zentren, zu denen insbesondere Weimar und Hannover zählten. Tonangebend in Hannover war die Künstlergruppe „die abstrakten hannover“ mit Kurt Schwitters, El Lissitzky, Carl Buchheister und Rudolf Jahns. Ihre Arbeiten bilden in der Ausstellung einen eigenen Schwerpunkt.

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Abb. oben v.l.n.r.: Wassily Kandinsky, Kleine Welten I, 1922, ahlers collection // Wassily Kandinsky, Kleine Welten II, 1922, ahlers collection // Kurt Schwitters, Mz 30,8, 1930, ahlers collection // Walter Dexel, Kleine Maschine, 1922, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, © Nachlass Walter Dexel // Abb. unten: Karl Grill, Daisy Spies als die Spirale in Oskar Schlemmers: Das Triadische Ballett, 1926, Galerie Derda Berlin

Eine Werkgruppe von Eduard Steinberg zeigt beispielhaft die Auseinandersetzung späterer Künstlergenerationen mit den historischen Vorbildern und ist ein Beleg dafür, dass der Konstruktivismus nicht ein abgeschlossenes Kapitel der Kunstgeschichte darstellt, sondern nach wie vor schöpferisches Potential birgt.

Die rund 70 Exponate stammen überwiegend aus der ahlers collection und werden durch wichtige Leihgaben aus Museen und privaten Sammlungen ergänzt. Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog, der in der Stiftung Ahlers Pro Arte erhältlich ist.

Begleitprogramm: Öffnungszeiten: Sa und So, 12–17 Uhr Führungen: jeden Samstag 15 Uhr Sonderführungen nach Vereinbarung Begleitend zu der Ausstellung finden zwei Abendveranstaltungen statt (Anmeldung erforderlich): – 14. Oktober 2022: Vortrag von Dr. Jeannine Fiedler, Berlin – 25. November 2022: Vortrag von Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Hamburg

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie zu gegebener Zeit auf der Internetseite: ↗ www.ahlers-proarte.com

Stiftung Ahlers Pro Arte gGmbH Am Kindergarten 2, 32052 Herford info@ahlers-proarte.com

Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch auf unserer Internetseite über die aktuellen Zugangsbestimmungen. Dort können Sie sich auch für unseren NEWSLETTER anmelden.

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Linke Seite: Isolde Frepoli, Mädchen mit türkisem Kleid, Alabastergips, Zellstoff, getönt, 2014 // rechte Seite: Isolde Frepoli, Lena, Terrakotta, engobiert, 2020

Face to Face

Sonderausstellung mit Werken der Künstlerin Isolde Frepoli im Lippischen Landesmuseum Detmold 30. September 2022 bis 7. Januar 2023 Lippisches Landesmuseum Detmold | lippisches-landesmuseum.de Isolde Frepoli ist eine Künstlerin, die sich der Porträtskulptur verschrieben hat. Ihr jahrzehntelanges Schaffen hat vor allem zahlreiche Büsten und Ganzfiguren hervorgebracht. Dabei modelliert sie realistische Bildnisse von Menschen ganz unterschiedlicher Personenkreise und gesellschaftlicher sowie ethnischer Herkünfte. Geeint werden die Bilderwerke durch die stets identische, nahezu ausdrucklose Mine – mit einem Blick vorbei am Betrachter. Das Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern ist nie voraussetzungslos und immer geprägt von den Umgebungen der Kindheit, der Jugendzeit und auch späterer Lebensphasen. Isolde Frepoli ist in Italien geboren und aufgewachsen. Umgeben von herausragenden Bildwerken der klassischen griechisch-römischen Antike, des Mittelalters, der Renaissance und nachfolgernder Epochen, dürfte sie zahlreiche prägende Impulse erhalten haben. Dies scheint nicht nur bei der Wahl formal realistischer Porträts als Sujet auf. Die Vollfiguren greifen das eher statische Standmotiv archaischer griechischer und mithin vorderasiatischer und ägyptischer Statuen auf. Der dynamische Kontrapost klassischer Werke wird eher gemieden. Nicht von un-

gefähr haben diese Verbindungen zu einer Ausstellung der Künstlerin im Ägyptischen Museum München mit Gegenüberstellungen ägyptischer Skulpturen vor kurzem angeregt. „Die faszinierenden Skulpturen von Isolde Frepoli stellen eine Verbindung zwischen Alter Kunst und unserer Gegenwart her und passen daher im Rahmen der Sonderausstellung hervorragend in den reichen Kanon der Sammlungen des Lippischen Landesmuseums“, freut sich Museumsleiter Dr. Michael Zelle auf die kommende Ausstellung. Es ist nach „Köpfe“, im Jahre 2000, die zweite Sonderausstellung mit ihren Skulpturen im Lippischen Landesmuseum Detmold. Isolde Frepoli wuchs in Rom auf und übersiedelte nach dem Abitur nach Deutschland. Sie studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München und war zwischen 1987 und 1989 erst Meisterschülerin, dann Assistentin bei Prof. Erich Koch. Sie arbeitet seit 1990 als freischaffende Bildhauerin und lebt in Schlangen (NRW) und Rom. Lippischen Landesmuseum Detmold Ameide 4, 32756 Detmold

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Angela Fette

The Beauty of Capitalism 23. September (Eröffnung: 19 Uhr) bis 13. November 2022 Kunsthalle Lingen | kunsthallelingen.de Angela Fette (geb. 1970 in Hamburg, lebt in Düsseldorf) arbeitet in den Medien Malerei, Performance und Installation. In Verbindung mit eigenen Manifesten bilden selbst verfasste Texte einen Schwerpunkt in ihrem Œuvre. Reminiszenzen an Formen- und Gedankengut historischer Avantgarden, wie dem Dada und dem Konstruktivismus, spiegeln sich immer wieder in ihren teilweise surreal und phantasievoll gestalteten Arbeiten. Die Ausstellung mit dem Titel „The Beauty of Capitalism (Die Schönheit des Kapitalismus) verwebt Wandbilder mit Tafelbildern auf ebenso formale wie inhaltliche Art und Weise. Wandmalereien fungieren sowohl als ästhetisch gestalteter Hintergrund für Tafelbilder als auch bieten sie eine zusätzliche inhaltliche Ebene der Bedeutung. Charakteristisch für Angela Fettes enigmatische Bilder ist eine teils pastose, teils an ein Aquarell erinnernde Malweise.

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Diese sind aus mehreren transluszenten Schichten und Farbverläufen aufgebaut. Oft bilden phantasievoll gestaltete Wesen die Protagonist*innen in Tafelbildern, sie kennzeichnen die „Melancholie einer stillgelegten Maschine“. Sie sind brückenbauende, vermittelnde Instanzen zwischen Vergangenheit und Zukunft, indem sie „an unsere eigenen Zeitphänomene der Robotik, künstlichen Intelligenz und Biogenetik gekoppelt“ sind. Viele ihrer Bilder sind objektive Allegorien und Sinnbilder für die heutige Welt, wie die Künstlerin sie -als exemplarisch für die freie Kunst an sich- mit Abstand betrachtet und dafür Zeichen und poetische Bilder finden will. Dieses Anliegen spiegelt sich auch in den Titeln der Werke wider, wie zum Beispiel “ the beauty of capitalism”, der Titel der Ausstellung und eines Bildes mit der Harpiye, ein sinnierender Raubvogel mit Menschengesicht. Es geht um die Ambivalenz dieser weltumfassenden Ideologie des Ka-


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Abb. links: Angela Fette, Ant-i, 2020, Öl auf Leinwand, 90 x 90 cm, Courtesy Angela Fette Abb. rechts: Angela Fette, placeholder ideology, 2020, Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm, Courtesy Johannes Bendzulla

pitalismus, mit all ihren Verheißungen, Versprechen individueller Freiheit und verführerischer Schönheit, der viele Menschen am Ende nicht gewachsen sind und in den Abgrund gerissen werden. Über eine Bildsprache, die teilweise an die 1920er und 1930ger Jahre erinnert, stellt Angela Fette mit ihrer Arbeit die Frage, in welcher Form heute eine Avantgarde vorstellbar sein könnte, das heißt ob und wie eben “die große Erzählung”, deren Ende der Philosoph Jean-Francois Lyotard erklärt hatte und damit die Postmoderne eingeleitet hatte, doch noch möglich sei, nämlich in einer pluralistischen Welt, als persönliche Mythologie als eine große Erzählung unter vielen. In diesem Fall kann Kunst als Parallelwelt fungieren, mit möglichen Schnittstellen zur Realität. Angela Fette absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung in Of-

fenbach, der Düsseldorfer Kunstakademie, der Parson´s School in New York und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Sie präsentierte ihre Werke u.a. in Einzelausstellungen im Kunstverein Arnsberg, im Kunstverein in Freiburg und im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf. Sie hat national und international Anerkennung erfahren in Ausstellungen und Performances im Museum MARTa in Herford, im Ludwig Forum Aachen, im Museum für Moderne Kunst in Warschau, Herzliya Museum of Contemporary Art und Tel Aviv, Israel, Städtische Galerie Danzig, Polen und im MuhKa, Antwerpen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10.00–17.00 Uhr Samstag, Sonntag 11.00–17.00 Uhr Kunsthalle Lingen Kaiserstraße 10a, 49809 Lingen (Ems)

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Abstrakte Fotografie und Menschenrechte

Foto Forum Minden zeigt Jahresausstellung in der Glashütte Gernheim 4. Septenber (Eröffnung: 15 Uhr) bis 9. Oktober 2022 LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim glashuette-gernheim.lwl.org Zur Eröffnung der Jahresausstellung des Foto Forums Minden lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Sonntag, 04. September 2022, um 15 Uhr in die Glashütte Gernheim ein. Bis zum 9. Oktober zeigt der Verein im LWL-Industriemuseum in Petershagen neue Arbeiten zur abstrakten Fotografie. Parallel dazu haben sich die Mitglieder mit dem Thema „Menschenrechte“ auseinandergesetzt. Die Ausstellung wird vom „Pfad der Menschenrechte“, Minden, unterstützt. Das musikalische Rahmenprogramm am Eröffnungsnachmittag gestaltet Tanja Schönebeck (Akkordeon). Der Eintritt ist frei. Die Mitglieder des Foto Forums Minden widmen sich in ihrer Jahresausstellung zwei voneinander unabhängigen Themen: der abstrakten Fotografie und den Menschenrechten in der Gegenwart. Mit dem Thema „Abstrakt“ präsentieren die Fotografierenden Motive, die ihre reale Erscheinung zum Ausgangspunkt nehmen und auf dieser Grundlage Farben, Formen und Linien neu interpretieren. Unerwartete Einblicke zeigen das Dargestellte in einem neuen Sinnzusammenhang abseits der Realität. In einer zweiten Einheit setzt sich das Foto Forum Minden mit dem Thema Menschenrechte auseinander. Die Beteiligten möchten mit ihren Bildern die Sinnlosigkeit der Verletzung der Menschenrechte unterstreichen. Dabei versuchen sie diese Ungerechtigkeiten fotografisch festzuhalten und in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken. LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim Gernheim 12, 32469 Petershagen

Gudrun Wöpkemeier,Brückenkopf, 2022, Foto: Gudrun Wöpkemeier Armin Göhler, Baumscheibe, 2021, Foto: Armin Göhler

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Mord am Hellweg X – DAS JUBILÄUM!

Europas größtes Krimifestival feiert sein 20-jähriges Bestehen 17. September bis 12. November 2022 180 Lesungen an 100 verschiedene Orten in der Hellweg-Region | mordamhellweg.de Mord am Hellweg“ ist eine Erfolgsgeschichte! Das achtwöchige Jubiläumsprogramm findet nun vom 17. September bis 12. November 2022 mit mehr als 180 Lesungen und 400 Mitwirkenden an über 100 verschiedenen, teilweise außergewöhnlichen Veranstaltungsorten statt. Zahlreiche Krimistars aus aller Welt kommen im Herbst an den Hellweg. Das erstklassige Programm bietet Lesungen u. a. mit Simon Beckett, Bernhard Aichner, Petros Markaris, Arne Dahl, Martin Walker, Andreas Gruber, Volker Kutscher, Dora Heldt, Ben Aaronovitch, Kristina Ohlsson, Klaus-Peter Wolf, Nicci French, Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt, Tess Gerritsen, Petra Hammesfahr, Håkan Nesser, Yrsa Sigurðardóttir, Chris Carter, Jens Henrik Jensen, Ingrid Noll, Sebastian Fitzek, JeanLuc Bannalec, Dror Mishani, Charlotte Link, Garry Disher und vielen mehr.

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Beispiele gefällig? Nach Selm kommen am 18.9. ins Bürgerhaus die gefeierten neuen, dänischen Stars Kim Faber & Janni Pedersen. Am 24.9. geht in Bönen die „Große Fun-Kriminacht im Schützenzelt“ über die Bühne. Der gefeierte Thrillerstar Sebastian Fitzek kommt am 10.11. nach Hamm. Und bei einer großen 20er Jahre Kriminacht lässt das Festival am 2.11. in Erwitte die Roaring Twenties auferstehen. Der Krimischreibende „Mister Tagesthemen“, Ulrich Wickert, ist am 8.11. in Bad Sassendorf zu hören. Und nach Soest in den Alten Schlachthof lockt am 12.10. eine schwedische Nacht mit dem Tochter-Mutter-Duo Camilla und Viveca Sten. Zum zweiten Mal wird 2022 der mit 6.666 Euro dotierte VIKTOR CRIME AWARD vergeben. Und mit dem „Final Criminal Act“ feiert am 12.11. in Schwerte mit dem „Tref-


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WEITERE VERANSTALTUNGEN

(AUSWAHL)

Di, 06. Sept 2022 · BESTATTUNGEN GROß, UNNA · Jubiläums-Preview mit Special Guest Joe Bausch Mo, 19. Sept 2022 · WERKSTATTHALLE IM MAXIMILIANPARK, HAMM · Jubiläumsmorde – Mord auf Bestellung 10, u.a. mit Fritz Eckenga Di, 20. Sept 2022 · KULTURHAUS ALTER SCHLACHTHOF, SOEST · Ben Aaronovitch Fr, 23. Sept 2022 · HEINZ-HILPERT-THEATER, LÜNEN · Klaus-Peter Wolf Fr, 23. Sept 2022 · GROßES ZELT, BÖNEN · Leonie Swann So, 25. Sept 2022 · BÖRDE THERME, BAD SASSENDORF · „Ich lach dich tot“ mit Tatjana Kruse, Elke Pistor, Ralf Kramp und Isabella Archan

BIld oben: Die Auftaktgala von "Mord am Hellweg IX" findet am 17.9. im Zirkus Travados in Unna statt. © Gerhild Krauß // Bild unten: Ivy Pochoda liest am 2.10. in Hamm © Justin Nowell

fen der Giganten“, mit Arne Dahl, Simon Beckett, Håkan Nesser und Sebastian Fitzek das Jubiläumsfestival seinen fulminanten Abschluss. Und dies ist nur eine sehr kleine Auswahl der vielen spannenden Veranstaltungen im diesjährigen Festivalprogramm. Seit August sind alle Festivalveranstaltungen im Vorverkauf – ein Blick auf die Festivalwebseite lohnt sich! www.mordamhellweg.de

Fr, 07. Okt 2022 · ZENTRUM FÜR INTERNATIONALE LICHTKUNST, UNNA · Weekend mit Leichen oder Muttertag in Fröndenberg, u.a. mit Ralf Kramp und Marie-Luise Marjan Sa, 15. Okt 2022 · FÖRDERTUM BÖNEN, BÖNEN · Skandinavische Nacht mit Randi Fuglehaug und Arttu Touminen Fr, 28. Okt 2022 · STADTHALLE UNNA, UNNA · Hjorth & Rosenfeldt Sa, 29. Okt 2022 · BÜRGERHAUS METHLER, KAMEN · Ingrid Noll Sa, 29. Okt 2022 · BÜRGERHAUS, SELM · Morden im Norden mit Christiane Franke und Cornelia Kuhnert, Katharina Peters, Mohlin & Nyström und dem Shanty-Chor „De Tampentrekker“ So, 30. Okt 2022 · HEILIG-KREUZ-KIRCHE, GELSENKIRCHEN · Tess Gerritsen Mo, 31. Okt 2022 · LOHNHALLE ZECHE WESTFALEN, AHLEN · Yrsa Sigurðardóttir So, 06. Nov 2022 · STADTBÜCHEREI, WERL Jens Henrik Jensen So, 06. Nov 2022 · KX KOCHTOKRAX TANZZENTRUM, UNNA · Jean-Luc Bannalec Di, 08. Nov 2022 · STADTHALLE KAMEN, KAMEN · Charlotte Link

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Fotos: Theaterringe Ahaus Start 2022/2023 // oben: Tyll, Foto: © Oliver Fantitsch, Euro-Studio Landgraf // unten: Madame Butterfly, Foto: © Srdan Doroski

Theaterringe Ahaus – Saison 22/23

Theaterringe Ahaus starten nach zweijähriger Pause Auch Einstieg für Theaterinteressierte wieder möglich Stadthalle im Kulturquadrat Ahaus | stadt-ahaus.de Die Pandemie hatte den Ahauser Theaterringen im Frühjahr 2020 ein vorzeitiges Ende gesetzt, nun geht es wieder los! Ein lebendiges und unterhaltsames Programm macht Vorfreude auf gelungene Theaterabende in der Stadthalle im Kulturquadrat Ahaus. Den Veranstaltern ist es gelungen, hochkarätig besetztes, zeitgemäßes Schauspiel wie die Inszenierungen

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"Tyll" und "Kunst" nach Ahaus zu holen. Die mitreißenden, ausdrucksstarken Tanztheater-Produktionen "Madame Butterfly" und "Goldberg Moves" lassen Abende voller Energie und Poesie erwarten. Klassiker wie "Die Orchesterprobe" und "Drei Männer im Schnee" bringen zum Schmunzeln und Lachen – und in einer Revue wird unsere schöne Heimatstadt überraschend zum Star! Den aktuellen Umständen geschuldet, wird die Saison etwas kürzer als gewohnt ausfallen. Der Theaterring A umfasst für diese Spielzeit fünf anstelle der üblichen sechs Theaterabende, der Theaterring B drei statt vier Produktionen. Diese Verkürzung soll eine einmalige Ausnahme bleiben. Der Preis für die Theaterringe wird entsprechend anteilig reduziert, er liegt zwischen 45 und 100 Euro je nach Abonnement und Sitzplatzkategorie bei den Vollpreis-Zahlern. Ermäßigte Abonnements sind ab 33,75 Euro sowie 22,50 Euro für Rollstuhlfahrer und deren Begleitungen erhältlich. Damit sind diese


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Kunst, Luc Feit, Heinrich Schafmeister, Leonard Lansink Foto: © Jürgen Frahm

Vorstellungen THEATERRING A TANGO MIT MOZART IN PARIS Di, 20. September 2022 Kammerkonzert Neue Philharmonie Westfalen Fragen zum Programm oder den Theaterring-Abonnements beantworten Anne Ehler (Tel. 02561 72-322) und Bettina Plümer (Tel. 02561 72-325), Fachabteilung Kultur der Stadt Ahaus. Der Vorverkauf für die Abonnements (Theaterringe) und die Einzeltickets ist gestartet. Weiterführende Informationen bietet die Homepage der Stadt Ahaus.

DIE ORCHESTERPROBE Mo, 14. November 2022 Eine Komödie nach Karl Valentin

Karten etwa 10 Prozent günstiger als vergleichbare Einzeltickets. Zum Service gehören außerdem der feste Sitzplatz, Programmzettel und Einführungen bei ausgewählten Vorstellungen.

DREI MÄNNER IM SCHNEE Di, 7. Februar 2023 Komödie von Erich Kästner

Bei aller Freude auf die Theatersaison bleibt die Unsicherheit, ob im Herbst und Winter pandemiebedingt wieder Einschränkungen zu beachten sind. Ausdrücklich weist die Stadt Ahaus darauf hin, dass Inhabern von Abonnementkarten bei Absagen von Theaterabenden die anteiligen Kartenpreise über die Stadtverwaltung rückerstattet werden. Ab sofort liegt das Saisonheft mit Details zu allen Produktionen und den Konditionen im Rathaus sowie bei Ahaus Marketing & Touristik aus, es wird auf Nachfrage gerne auch postalisch zugesandt. Auch zum Download steht die Broschüre auf der Homepage der Stadt Ahaus zur Verfügung.

MADAME BUTTERFLY Do, 12. Januar 2023 Ballett von Peter Breuer mit Musik von Giacomo Puccini, den Kodo-Trommlern, japanischer Filmmusik und Leonard Bernsteins On the Town

TYLL Fr, 10. März 2023 Schauspiel nach dem Roman von Daniel Kehlmann

THEATERRING B GOLDBERG MOVES Di, 11. Oktober 2022 Bach goes Breakdance KUNST Mo, 30. Januar 2023 Komödie von Yasmina Reza mit Leonard Lansink, Heinrich Schafmeister und Luc Feit BERLIN KANN JEDER, AHAUS MUSS MAN WOLLEN Do, 16. März 2023 Die große Kleinstadt-Show Stadthalle im Kulturquadrat Ahaus Wüllener Straße 18, 48683 Ahaus

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Andy Warhol, Grace Kelly, 1984, Siebdruck auf Lenox Museum Board, Privtasammlung, © 2022 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Inc; Licensed by Artis

Andy Warhol zu Gast in Münster 77 Siebdrucke des Pop Art-Künstlers

14. Mai bis 18. September 2022 Kunstmuseum Pablo Picasso Münster | kunstmuseum-picasso-muenster.de Die Ausstellung Andy Warhol präsentiert insgesamt 77 Prints des amerikanischen Pop Art-Künstlers aus den Jahren 1954 bis 1987. Viele davon werden in der Schau in Münster erstmalig öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung zeigt einen breiten Querschnitt durch Warhols druckgrafisches Schaffen, darunter hauptsächlich Siebdrucke auf Papier. Zu sehen sind viele seiner beliebtesten Motive, die zu modernen Bildikonen geworden sind: Die Campell-Suppendose, Marilyn Monroe und seine bunten Blumen.

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Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden Porträts von Stars und Prominenten der 50er- bis 80er-Jahre; darunter neben Marilyn Monroe auch weitere Hollywoodstars wie Liz Taylor, Jane Fonda, Grace Kelly und Ingrid Bergmann, sowie Figuren aus der New Yorker High Society wie Caroline von Monaco und Liza Minelli. Warhol porträtiert im gleichen Stil aber auch Staatsmänner und -frauen wie Lenin, Mao Zedong und Königin Elisabeth II. sowie Persönlichkeiten aus der (deutschen) Geschichte, z.B. Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven.


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Andy Warhol, Kuh, 1971, Siebdruck auf Papier, Privatsammlung © 2022 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc; Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York // Andy Warhol, Ads Apple, 1985, Siebdruck auf Lenox Museum Board, Privatsammlung © 2022 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Inc. Licensed by Artists (002) // Andy Warhol, Campbells Soup Can on Bag, 1966, Siebdruck auf Shoppingtasche, Privtasammlung © 2022 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Inc; License (002)

Vollständig wird die Bildserie Flash – November 22, 1963 aus dem Jahr 1968 präsentiert, die die Ermordung von John F. Kennedy zum Thema hat. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Paraphrasen auf Meisterwerke der Kunstgeschichte, denen sich Warhol Mitte der 1980er-Jahre intensiv in seinen Druckgrafiken widmet: Gemälde wie Die Geburt der Venus von Sandro Boticelli, Die Verkündigung von Leonardo da Vinci und den Schrei von Edvard Munch adaptiert er in seinem unverkennbaren Stil. Neben seinem bildkünstlerischen Werk war Andy Warhol aber auch ein leidenschaftlicher Filmemacher, was die Ausstellung anhand ausgewählter Beispiele seiner

„Screen Tests“ zeigen wird: Eine von ihm in den 1960er Jahren entwickelte und gedrehte Form des Experimentalfilms, die eine völlig neue Art des Porträts darstellt. Es handelt sich dabei um kurze, stumme Schwarzweiß-Filmporträts, die zwischen 1964 und 1966 entstanden sind. Unter Warhols Anleitung versuchten die Porträtierten – ein breites Spektrum von Personen, von denen viele zur kulturellen Szene New Yorks gehörten – etwa drei Minuten lang bewegungslos zu sitzen, während sie gefilmt wurden. Die Filme werden in Zeitlupe projiziert und zeigen ein sich langsam bewegendes, fast unbewegtes Bild der porträtierten Person. Kunstmuseum Pablo Picasso Münster Picassoplatz 1, 48143 Münster

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ayout 1 24.09.21 14:36 Seite 1

– 13. 2. 2022

Elisabeth Wagner

www.marcks.de

www.marcks.de

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Abb. oben: Dietrich Heller, DICHTUNG RaumBildBewegung XVI, (EZECHIEL), 2016, Italienischer Kalkstein (Bassano del Grappa) © VG Bild-Kunst, Bonn 2022 // Abb. rechts: Gerhard Marcks, Schreitende Frau mit Tuch, 1926, Bronze © VG Bild-Kunst, Bonn 2022 // Abb. unten: Entwurfszeichnung für die Erweiterung des Gerhard-MarcksHauses, Schulze Pampus Architekten BDA, 2022


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Dietrich Heller. Ungebremst 31. Juli bis 23. Oktober 2022

Die Sommerausstellung im Gerhard-Marcks-Haus zeigt in diesem Jahr zwölf große Steinskulpturen aus Marmor, Travertin und Kalkstein des Bildhauers Dietrich Heller (geb. 1965). Seine Reihe interpretiert Michelangelos (1475-1564) Deckenfresken der Sibyllen und Propheten in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Vor zehn Jahren besuchte der Bildhauer zum ersten Mal diesen für ihn magischen Ort und war nachhaltig beeindruckt von den perspektivisch gemalten Figuren in den Fresken. Unmittelbar eingenommen über diese fast greifbare physische Präsenz erlebte Heller durch Michelangelos Malerei einen Impuls, der ihn in seiner eigenen Bildhauerei umtreiben sollte. Wie behauptet sich eine Figur im Raum und mit welchen künstlerischen Mitteln lässt sich diese Wirkung verändern? Hellers Grundthema ist die räumliche Tiefe der Skulptur. Durch eine leichte Neigung des Steins nach vorn und einen auf die vordere Ebene gesetzten Fluchtpunkt erhält das massive Material eine Art »Zoom-Effekt« und eine eigene Dynamik. Bei der gewohnten Zentralperspektive laufen die gedachten Fluchtlinien auf einen Punkt im Hintergrund zu. Bei Hellers Skulpturen ist es umgekehrt: Er erzeugt Spannung, Wucht und Bewegung. Der Bildhauer kalkuliert mit den Sehgewohnheiten des Betrachters und lotet zudem aus, wann sich eine Form in der Wahrnehmung aufzulösen beginnt.

Kosmos Marcks

Gerhard Marcks. Ansichtssache 31. Juli bis 23. Oktober 2022

2022 gelang unserem Museum dank großzügiger privater Unterstützung der Ankauf von Gerhard Marcks‘ (1889–1981) »Schreitende Frau mit Tuch« von 1926. Es war die erste lebensgroße Bronzefigur im Werk des Bildhauers. Das Format zeigt seinen Anspruch: Der Künstler wollte eine große Figur schaffen, um sich mit der Konkurrenz zu messen. Er wollte auch deutlich zeigen, wie er nach seiner Zeit am Bauhaus durch die Auseinandersetzung mit Auguste Rodin (1840–1917) zu der Lösung eines Dilemmas gekommen war, das die deutsche Bildhauerei seit 1900 beschäftigte: Soll eine Skulptur auf »Einansichtigkeit« hin komponiert werden, wie es in der Tradition Adolf von Hildebrands (1847–1921) hieß, oder gibt es unendliche Ansichten, wie Rodin behauptete? Die Ausstellung zeigt, wie Marcks (s)eine Antwort fand und sich damit in einem europäischen Diskurs positionierte. Sie zeigt auch die Querverbindungen im Werk, die zurückreichen bis zur ersten Paris-Reise von 1914.

Wir haben Pläne ... 31. Juli bis 23. Oktober 2022

Die Zukunft des Gerhard-Marcks-Hauses ist mehrgleisig. Wir sind ein Museum in und für Bremen und wir betreiben Wissenschaft, die weit über die Stadt hinaus wahrgenommen wird. Wir wollen diese Aspekte stärker verzahnen, indem wir inhaltliche Arbeit sichtbar machen, Besucher:innen in Forschungsfragen einbeziehen und ihnen Einblicke in aktuelle Diskussionen innerhalb unseres Fachgebiets vermitteln. Dazu holen wir unsere Bibliothek aus dem Keller des Museums in die Öffentlichkeit. Wir werden Museum und Bibliothek für moderne und zeitgenössische Bildhauerei. In der Ausstellung im Pavillon zeigen wir die Idee des Architektenbüros Schulze Pampus und unsere zukünftige Vision für das Gerhard-Marcks-Haus. Ziel ist es mit unserem Publikum über Nutzungsformen und -möglichkeiten ins Gespräch zu kommen.

Gerhard-Marcks-Haus Am Wall 208, 28195 Bremen · marcks.de

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Heinrich Vogeler Der Neue Mensch – Anbruch einer Neuen Zeit? Die Jubiläumsausstellung der Worpsweder Museen 27. März bis 6. November 2022 worpswede-museen.de | vogeler22.de

»Das Leben und Schaffen des Künstlers ist ein lebendiges Symbol für den schöpferischen Menschen. Sein Werk ist der Frieden, den er mit der Natur schließt.« Heinrich Vogeler, Kosmisches Werden und menschliche Erfüllung, Kommunistischer Kulturverlag der Hand- und Kopfarbeiter Deutschlands, Hamburg, Januar 1921, S. 12

Wie aktuell ist Heinrich Vogeler? Und wie verstehen wir heute sein Leben, das trotz oder gerade aufgrund verschiedener Brüche so konsequent einem Ideal folgt? Die Ausstellung in der Großen Kunstschau Worpswede stellt diese und weitere Fragen: 19 zeitgenössische Positionen übersetzen Vogelers politisches und soziales Engagement in die Gegenwart. Ein zentrales Moment in Vogelers Leben ist seine Auseinandersetzung mit dem Krieg

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– ein Aspekt, der in den vergangenen Monaten beklemmende Aktualität erlangt hat. In der Vergegenwärtigung wird diese Auseinandersetzung erweitert: Die zeitgenössischen Arbeiten thematisieren unsere Weltgemeinschaft und ihre Fragilität, die Folgen von Rücksichtslosigkeit und unserem Umgang miteinander. Sie stellen die Frage, wie wir Zusammenleben organisieren und wie unsere gemeinsame Zukunft aussehen kann.


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Abb. o.l.: Ausstellungsansicht: Yara Said, Refugees flag, 2019 (hinten links); Clément Cogitore, Digital Desert, 2015 (hinten rechts); Mwangi Hutter, Dark Golden Ease, 2019 (vorne) © Worpsweder Museumsverbund/Focke Strangmann // o.r.: Larissa Kopp und Florian Aschka, Queer Revolutianaries…?, 2017, CPrint, Larissa Kopp & Florian Aschka © Larissa Kopp & Florian Aschka // rechts: Sokari Douglas Camp, Green Barrel Leaf (Ausstellungsansicht), 2014, Stahl, Plexiglas, Ölfass, Image courtesy the artist and October Gallery, London © Worpsweder Museumsverbund/Focke Strangmann

Die Großen Kunstschau lädt dazu ein, aus einer heutigen Perspektive einen Blick zurück auf Vogeler zu werfen und sich mit der Aktualität seines Werks, seines Lebens und seiner weltanschaulichen Haltungen auseinanderzusetzen. Die ausgestellten Werke bewegen sich zeitlich zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen Dystopie und Utopie. Die Besucher:innen sind auch selber eingeladen, sich einzubringen und

sich mit der Frage auseinanderzusetzen: »In was für einer Welt wollen wir leben?« Die Vogeler-Ausstellung bildet den Auftakt zu dem Ausstellungs-, Kunst- und Forschungsprojekt ZEITEN-WENDE – Kunst im Aufbruch in einer Welt im Umbruch. (2022 – 2027) welches die Rolle der Kultur neu hinterfragt und positioniert.

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Max Liebermann im Fokus Provenienzgeschichten

3. Juli 2022 bis 19. März 2023 Museum Kunst der Westküste | mkdw.de Im Jahr 2017 geriet die Ölstudie Wäschetrocknen – Die Bleiche, die sich als Dauerleihgabe im MKdW befindet, in den Verdacht, während der NS-Zeit ihrem jüdischen Vorbesitzer unrechtmäßig entzogen worden zu sein. Sie gehörte ehemals dem Leipziger Unternehmer Moritz Ury, der 1937 in die Schweiz emigriert war und dort 1939 verstarb. Der jetzige Eigentümer hatte das von Max Liebermann 1890 im niederländischen Zandvoort gemalte Werk – ohne Kenntnis der Vorgeschichte – 2006 erworben.

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Die Ausstellung gewährt Einblicke in die mehrjährige, komplexe Provenienzrecherche, die nun lückenlos die Herkunftsgeschichte der Bleiche nachzeichnet und den anfänglichen Verdacht ausräumen kann. Das MKdW nimmt diesen Fall zum Anlass, einen Blick hinter die Kulissen der Museumsarbeit zu gewähren. Wie sieht die Rückseite dieses Werkes aus, welche Informationen tauchen bei der Überprüfung eines Bildes auf und welche Quellen stehen Forscher:innen zur Klärung einer Herkunftsgeschichte zur Verfügung?


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Museum Kunst der Westküste, Foto: Lukas Spörl

Die Sammlung des Museums Kunst der Westküste

↑ Ausstellungsansicht, Foto: Lukas Spörl ↓ Abb. unten alle Max Liebermann, v.l.n.r.: Badende Knaben, um 1899 © Museum Kunst der Westküste, Foto: Lukas Spörl // Wäschetrocknen – Die Bleiche, 1890 © Museum Kunst der Westküste, Dauerleihgabe aus Privatbesitz // An der See – Strandbild, 1911 © Museum Kunst der Westküste, Dauerleihgabe aus Privatbesitz // Muschelfischer Graue See, 1908 © Museum Kunst der Westküste, Foto: Lukas Spörl // Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten, vor 1926, Privatsammlung

Diese und weitere Fragen werden an einigen Werken der Sammlung diskutiert – das Spektrum reicht von Johan Christian Dahl bis Peder Severin Krøyer. Im Fokus steht Max Liebermann. Zur Provenienzgeschichte von Liebermanns Ölstudie Wäschetrocknen – Die Bleiche ist ein Booklet erschienen. Museum Kunst der Westküste Hauptstraße 1, 25938 Alkersum / Föhr

Das MKdW verfügt aktuell über einen Sammlungsbestand von über 1.000 Kunstwerken, darunter ein Großteil von Objekten, die vor 1945 geschaffen worden sind. Es sind Ankäufe aus dem Kunsthandel und aus Privatbesitz, die für das MKdW getätigt wurden, sowie Schenkungen und Zustiftungen. Das MKdW versucht, die Herkunftsgeschichte der Werke bestmöglich zu erforschen, und veröffentlicht die Ergebnisse in der frei zugänglichen Datenbank Sammlung Online. Dies ist eine Herausforderung, da die Dokumentation durch Vorbesitzer:innen und Kunsthändler:innen in den seltensten Fällen lückenlos vorgenommen wurde. Wie und unter welchen Umständen gelangten wichtige Werke der Sammlung zum Beispiel nach Japan oder Australien? Es gilt, die Fehlstellen in den Provenienzen zu schließen und die Recherchen weiter fortzusetzen. Denn die Provenienzforschung stellt alle Beteiligten stetig vor Herausforderungen und ist keineswegs abgeschlossen. Die Erkundung der aktuellen Ausstellungen ist auch virtuell über MKdW-3D möglich.

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