Leseprobe Skript "Projekt Pfeilgiftfroschforscher" 2016

Scroll for more

Page 1

Projekt: Pfeilgiftfroschforscher

vom 12.3.–16.6.2014 Städtische Kita Nienberge-Häger in Münster Autorin: Elisabeth Becker-Jostes


Inhaltsverzeichnis IMPRESSUM: ............................................................................................................................... 2 VORWORT ................................................................................................................................... 3 EINLEITUNG................................................................................................................................. 5 DER 12.03.2014 ........................................................................................................................... 5 DER 14.03.2014 UM 9.30 UHR .................................................................................................... 5 DER 21.03.2014 UM 8.30 UHR .................................................................................................... 6 DER 09.04.2014 UM 11.30 UHR .................................................................................................. 8 DER 16.04.2014 ......................................................................................................................... 10 DER 16.05.2014 ......................................................................................................................... 12 DER 12.06.2014 ......................................................................................................................... 13 DER 13.06.2014 ......................................................................................................................... 14

Impressum: Herausgeber: Stiftung Akademie für Kinder Sendener Stiege 49 48163 Münster Tel. 0251 - 144 87 30 Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Günter Heimsath Autorin: Elisabeth Becker-Jostes, Städtische Kita Nienberge-Häger in Münster Alle Rechte vorbehalten, 1. Auflage, Oktober 2016


Vorwort Die Städt. Kindertageseinrichtung Häger in Münster-Nienberge ist seit über 10 Jahren Mitglied im Arbeitskreis „Forschen mit Kita-Kindern“ der Stiftung Akademie für Kinder Münster. Ursprünglich war der Arbeitskreis mit dem Ziel gegründet worden, Wissen und Erfahrungen zu sammeln und methodische Herangehensweisen zu entwickeln, um mit Kindern der teilnehmenden Kitas Themen aus Natur und Technik zu behandeln. Bald hatte sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass es nicht nur um naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen, sondern um alle „Fragen des Lebens“ geht, die Kinder aus ihrem unmittelbaren Erleben heraus stellen. Parallel dazu entwickelte sich auch die Haltung, dass nicht die Erzieher sich überlegen müssen, welche Themen für ihre Kita-Kinder interessant sind, sondern dass die Kinder diese Themen selber ansprechen und die Erzieher Wegbegleiter im Erkundungsprozess sind. Es ist die Aufgabe der Erzieher, die Themen herauszuhören und aufzugreifen und die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kinder den Fragen auf den Grund gehen können und in einer Art kindgerechtem Forschungsprozess zu neuen Erkenntnissen kommen. Wie so etwas gelingen kann und welche, auch ungewöhnlichen Themen zur Sprache kommen, will die Stiftung in einer offenen Reihe an verschiedenen Beispielen für alle interessierten Leser darstellen. Die Arbeit der Städtischen Kindertageseinrichtung aus dem Stadtteil Nienberge-Häger im ländlichen Außenbezirk der Stadt Münster haben wir bereits in den beiden Filmen „Wie kommt der Ton aus dem Gong?“ und „Die Kunst des Wartens und die Freiheit des Wachsens“ vorgestellt. Elisabeth Becker-Jostes ist der Kita seit Jahren verbunden, zunächst viele Jahre beruflich als Fachberaterin, danach ehrenamtlich für besondere Angebote. Eines dieser Angebote ist das Vorlesen, zu dem sich Kinder verschiedener Altersgruppen einfinden. Aber es bleibt nicht beim Vorlesen für Kinder. Immer wieder übernehmen die Kinder die Regie und entwickeln aus dem Gehörten ihre eigenen Themen und Ideen. Diese werden im

3


Morgenkreis, an dem alle Kinder der Kita anwesend sind, vorgestellt und gefragt, wer an dieser oder jener Themengruppe teilnehmen will. Alle Kinder, von den jüngsten bis zu den Vorschulkindern können sich dafür anmelden. Inzwischen kommen die Kinder auch direkt auf „Elli“, wie sie Frau Becker-Jostes nennen, zu, ohne den „Umweg“ über das Vorlesen zu nehmen, und bitten um die Bearbeitung eines Themas. Das hat sich daraus ergeben, dass die Ergebnisse der Forscheraktivitäten aller Gruppen immer im Morgenkreis vorgestellt werden, und zwar im Detail vom Anfang bis zum Ende. Alle Schritte und Unternehmungen sind für die Kinder nachvollziehbar. Die Fragen aller Kinder werden in dieser Runde von den Themenexperten beantwortet oder es wird weiter nach Antworten gesucht. Aus diesen Gesprächen und Fragen entstehen wieder neue Forscherthemen. „Es ist unglaublich, wie kreativ und wissenshungrig Kinder sind, wenn man sie einmal für diese Art des Lernens begeistert hat“, schildert Elisabeth Becker-Jostes. So sind auch die Forschergruppen „Pfeilgiftfrösche“ und „Orcas“ entstanden, deren Dokumentationen wir Ihnen hier vorstellen. Kaum zu glauben, dass Kinder im Alter von 3-6 Jahren so intensiv und weitgefasst diese Themen bearbeitet haben. Aber wenn es „ihr“ Thema ist, können Kinder unglaubliche Energien und Durchhaltevermögen entwickeln.

Günter Heimsath Stiftung Akademie für Kinder, Münster

4


Einleitung Einmal in der Woche fahre ich in die Kita, um vorzulesen, Geschichten zu erfinden oder mir Geschichten anzuhören. Geschichten zum Einschlafen auf der Schlafebene im Bewegungsraum, oder für die älteren Kinder sind es fortlaufende Geschichten oder Kurzgeschichten, oder es sind Bücher / Bilderbücher nach Wunsch der teilnehmenden Kinder. Manchmal entsteht auch eine spannende Unterhaltung, zu der kein Buch erforderlich ist.

Der 12.03.2014 An diesem Vorlesetag kam ich in die Kita und wurde von den Kindern mit der Bitte empfangen, Geschichten zu erfinden, und zwar zu den Abbildungen aus dem großen Bilderbuch von Amrei Fechner, Verlag Ravensburger: Mein großes Tierbuch. Das hat auch bis zur Dschungel - Seite geklappt. Hier wurde ein Frosch entdeckt, der als Pfeilgiftfrosch von Samuel (5,10 J.) bezeichnet oder erkannt wurde. Das haben die Kinder und ich nicht geglaubt und wollten von Samuel mehr dazu wissen. Da die Zeit aber nicht reichte und nicht alle Kinder, die zu dieser Gruppe gehörten, Spaß an diesem Thema hatten, habe ich die Kinder gefragt, wer gerne mehr über die Pfeilgiftfrösche wissen möchte. Es haben sich Samuel (5,10 J.), Philipp (5,6 J.) und Leonhard (6 J.) gemeldet. Wir haben uns dann für freitagmorgens verabredet.

Der 14.03.2014 um 9.30 Uhr Wir haben uns Bilder aus dem Internet dazu angesehen und tatsächlich genau den Frosch gefunden, der auch im Bilderbuch abgebildet war. Jetzt wurden die ersten Fragen gestellt:    

Wie groß ist der Frosch? Warum ist er so bunt und nicht wie unsere Frösche grün? Wie giftig ist er? Wo wohnt er? In welchem Land usw.

Wir haben vereinbart, dass jeder zu Hause einmal nachschaut, was er über giftige Frösche findet und es mitbringt. Samuel erzählte, er habe Karten von giftigen Fröschen zu Hause, die er mitbringen wolle. 5


Der 21.03.2014 um 8.30 Uhr Samuel zeigte einige seiner Karten und wir erfuhren, dass die Frösche so ca. 1,2 – 6 cm groß sind. Um uns das besser vorzustellen, sind wir in den Bau-Raum gegangen, haben ein Zentimetermaß genommen und 1,2 cm mit einem Lineal auf ein Blatt Papier gezeichnet, angesehen und uns dann auf unseren Zeigefingern eine Marke nach 1,2 cm, 2,5 cm und 6 cm gemalt. Das Erstaunen war groß, als die Kinder feststellten, wie klein diese Frösche sind. Nachdem das geschafft war, musste erst geklärt werden, wo die Frösche leben. Ein Globus musste her, wir haben Deutschland gesucht und dann im Norden von Südamerika einen bunten Frosch gefunden. Also wurde festgehalten - dort leben die Frösche – sonst wären sie nicht auf den Globus gezeichnet worden, denn wir haben auch andere Tiere in entsprechen Ländern gefunden, z.B.: Eisbären und Pinguine an den Polen. Eine neue Verabredung wurde getroffen, damit wir die noch offenen Fragen klären können. Aber erst wurde das Thema im Morgenkreis vorgestellt. Das Bilderbuch, mit der Seite, auf dem der Frosch abgebildet war, wurde herumgezeigt. Der Zeigefinger mit den Größenmarkierungen ebenfalls. Die Flut an Fragen von Kindern aus den unterschiedlichen Altersgruppen war schon unheimlich. Es waren auch nur Samuel und ich da, die das Thema vorstellten und die Fragen, soweit wir es konnten, beantworten haben. Philipp und Leonhard waren zu der Zeit zum Weidenholen verabredet. Es blieben unendlich viel Fragen offen, die ich aufgeschrieben und mit Samuel abgeheftet habe. Einige Fragen wurden auch schon von Samuel beantwortet. Wir hatten noch nicht die Gewissheit, dass die Antworten auch richtig waren. Samuel hatte sich nämlich mit seinem Vater schon einige Frosc -Karten angesehen und konnte deshalb auch einige Fragen, die wir noch einmal im Kreis der Pfeilgiftfroschforscher klären wollten, beantworten. Hier sind die Fragen, die die Kinder im Morgenkreis gestellt haben:

6


    

     

  

Wie heißt der Frosch aus dem Bilderbuch? (Luisa, 5,2 J.) Was frisst er? (Thales, 4 J.) Hat er 12 Finger mit Saugnäpfen und krumme Beine, damit er schwimmen kann? (Luisa, 4,2 J.) Warum ist er so bunt? (Leo, 3,4 J.) Wozu brauchen die Frösche das Gift? (Ben R. 5,7 J.) Samuel meint: Damit die Tiere nicht abhauen und sie anschließend gefressen werden. Er behauptet auch, dass das Gift für die Frösche nicht giftig ist. Das wollen wir noch klären. Wie verspritzen sie ihr Gift? (Rene, 5,3 J.) Samuel sagt, er macht sich dünn, spritzt das Gift, macht sich dick und dann spritzt er die Zunge hinterher – und auch das müssen wir noch klären. Ist der ganze Frosch giftig? (Ben R. 5,7 J.) Heißen die Jäger, wo der Frosch lebt, Indianer? (Lilly, 5,2 J.) Nein, Dschungelbewohner, sagt Samuel Wie machen die Frösche das Gift im Körper? (Henri, H. 6,5 J. ) Sind die Augen und die Zähne auch giftig? (Lennard, 3,8 J.) Haben die Frösche Zähne? (Mattis, 6,3 J.) Samuel sagt nein Warum haben die Frösche keine Zähne? (Fritz, 5,5 J.)Frösche essen weiche Würmer und brauchen darum keine Zähne, so wie Spaghetti essen die die Würmer, meint Claudia. Auch das müssen wir noch klären. Können die Frösche Spaghetti essen? (Laura, 3,9 J.) Nein Können die Frösche auch noch andere Tiere fressen? (Hanna H. 4,6 J.) Stellt euch vor es kommt eine Giftschlange daher, frisst die den Frosch? (Ben Gr., 6,1 J.)

Wenn wir hier nicht gestoppt hätten, wären noch 10000 Fragen gekommen. Wir wollen uns mit den Fragen beschäftigen, aber erst einmal müssen ja Philipp und Leonard informiert werden. Es möchten auch noch einige andere Kinder mitforschen. Das haben die Frauen aus der Kita mit den 3 Experten, Samuel, Leonhard und Philipp und den interessierten Kindern am nächsten Tag geklärt. In der Zwischenzeit sind folgende Kinder noch dazugekommen: Entdecker:

Leo, Lennard, Jonathan,

Finder:

Hanna L., Luisa, Lilly, Fritz,

Experten:

Henri H., Ben R., Ben Gr., Mattis, René

7