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gleichzeitig müssen unterstützende Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Im Kindergarten und Schule sind in Südtirol unterstützende Maßnahmen zur Inclusion nicht immer zur Zufriedenheit der Betroffenen vorgesehen, während bei der Arbeitsintegration diese unterstützenden Maßnahmen noch unzureichend sind. Daher wird der AEB sich verstärkt diesbezüglich einsetzen.

TÄTIGKEITSPROGRAMM 2010

Am 03. März 2009 wurde von Italien das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung, einschließlich des fakultativen Zusatzprotokolls, ratifiziert. Damit hat Italien einen wichtigen Schritt vollzogen, um die Würde und Anerkennung von behinderten Menschen in der Gesellschaft zu stärken. Den Ausgangspunkt der UNBehindertenrechtskonvention bildet das soziale Modell von Behinderung. Im Gegensatz zu den herkömmlichen „medizinischen“ Definitionen wird nach dem sozialen Modell ein Mensch nicht durch seine individuellen Beeinträchtigungen, sondern durch gesellschaftliche Barrieren und Benachteiligungen behindert. Aufgabe der Politik und Gesellschaft ist es daher, alle Formen von Diskriminierung aufgrund einer Beeinträchtigung zurückzuweisen, um die volle und gleichberechtigte soziale Teilhabe behinderter Menschen zu realisieren. Dem Recht auf Teilhabe liegt dabei der Inklusionsgedanke zugrunde. Inklusion im Gegensatz zu Integration meint, Individuen nicht an Lebensbereiche anzupassen, sondern die Lebensbereiche so zu verändern, dass Menschen einbezogen werden können. Das erfordert die Beseitigung physischer, als auch mentaler Barrieren und

Ein zweiter, sehr wesentlicher Anspruch, der die gesamte UN-Konvention durchzieht, wird durch das Recht auf Selbstbestimmung formuliert. Selbstbestimmung ist dabei unteilbar! Dieses Recht muss allen Menschen zuerkannt und ermöglicht werden, unabhängig vom Schweregrad der Beeinträchtigung und der jeweiligen Lebenssituation. Neben der Teilhabe und Selbstbestimmung bilden der Anspruch auf einen angemessenen Lebensstandard und das Recht auf gesellschaftliche Wertschätzung, das Fundament der UNBehindertenrechtskonvention. In Sinne einer Informationskampagne wird unser Verband in Bozen, Meran und Bruneck für alle Mitglieder und Interessierte eine Informationsreihe zur UN-Behindertenrechtskonvention durchführen. Den Teilnehmer/innen sollen dabei die zentralen Ansprüche der UNBehindertenkonvention, die Tragweite und die Umsetzung der UN-Konvention übermittelt werden. Die Einführung der Pflegesicherung wurde im Großen und Ganzen von den betroffenen Familien als positiv erachtet. Die Streichung der Zivilinvalidenrente für Teilinvaliden Anfang Februar d. J. (siehe unser Schreiben Prot. 4677/HE/EZ/ vom 01.03.10) hat hingegen für große Unstimmigkeiten untereinander gesorgt. Wir werden uns hier, wie bereits angekündigt, vehement dafür einsetzen, dass das durch diese Aktion eingesparte Geld den Familien mit einem Menschen mit Behinderung in Form von Therapien zu Gute kommt. Ebenso werden wir darüber wachen, dass niemand weniger Geld bekommen soll, als vor der Einführung der Pflegestufen und dass jene Teilinvaliden, die nicht in die Pflegestufe fallen, auf

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jeden Fall weiterhin Anspruch auf die so genannte „Rente“ haben sollen. Auf Vorschlag unseres Verbandes wurde in allen vier Gesundheitsbezirken das „Frühbetreuungsmodell“ des Gesundheitsbezirkes Brixen (der AEB war an der Durchführung dieses Projektes maßgebend beteiligt) allen verantwortlichen Primaren und Führungskräften den Reha-, den psychologischen und sozialen Diensten vorgestellt. Dieses Frühbetreuungsmodell soll nun endlich in allen Südtiroler Sanitätsbezirken umgesetzt werden. Auch heuer organisieren wir wieder drei Turnusse unserer Familienerholungswochen in Cavallino und Caorle. Während in Cavallino nur die Unterkunft in Appartments angeboten wird und sich die Teilnehmer/innen selbst verpflegen müssen, gilt das Angebot in Caorle für Bungalow’s, Bungalow’s mit Verpflegung und Vollpension im Ferienhaus. Auf Grund der Hinweise von unseren teilnehmenden Familien versuchen wir von Jahr zu Jahr in Zusammenarbeit mit der ODAR und der CARITAS soweit möglich den Wünschen entgegenzukommen und somit die Qualität der Familienerholungswochen den laufenden Ansprüchen anzupassen. Viele Studenten nutzen nicht nur die Gelegenheit ihre Tätigkeit anlässlich unserer Familienerholungswochen als Praktikum anzuerkennen, sondern auch wertvolle Erfahrungen für ihren weiteren Lebensweg zu sammeln. Nach dem großen Erfolg, den das Projekt „Pedagogia dei Genitori“ für die italienischsprachigen Mitglieder erbracht hat, soll dieses Projekt nun auch auf eine deutschsprachige Schule ausgedehnt werden. In diesem Zusammenhang wurden bereits Kontakte geknüpft. Mit dem Erlös der Weihnachtsspendenaktion „Zukunft schenken“ vom Jahr 2008/2009 konnten wir in verschiedenen Gemeinden Südtirols die Erhebung eventueller Arbeitseingliederung von Menschen mit mentaler Beeinträchtigung in Kleinbetrieben (5-15 Personen), also jene Betriebe, die nicht unter die Pflichtvermittlung fallen, durchführen. Im

Frühjahr d. J. wird der Abschlussbericht zur Studie: „Nischenarbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in kleinen und mittelgroßen Betrieben“ anlässlich einer Pressekonferenz der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dieser Studie beabsichtigt der AEB auch eine Sensibilisierung und Thematisierung der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung in klein- und mittelgroßen Betrieben. Bezüglich Arbeitsintegration von Menschen mit Behinderung gibt es zwar mehrere neuere Projekte (Projekt Plus + 45, Genossenschaft B) aber noch kein Gesamtkonzept. Zu Beginn dieses Jahres hatte der AEB beim Landesrat Dr. Theiner die Forderung deponiert, dass im Amt für Menschen mit Behinderung eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden muss, um ein Gesamtkonzept zu entwickeln, zur Verbesserung der Arbeitsintegration, Erhöhung der Einkommensgrenze und der Rentenvorsorge für Menschen mit Behinderung. Am 17.03.10 wird sich diese aus Fachleuten bestehende Arbeitsgruppe (Frau Psaier vertritt darin den AEB) zum ersten Mal treffen. Bis Ende Oktober will Landesrat Dr. Theiner der Landesregierung, die von der Gründung und dem Vorhaben dieser Arbeitsgruppe zur Kenntnis gesetzt worden ist, einen ersten Zwischenbericht vorlegen. Sei es die AG-Berufsausbildung und Arbeitsintegration, als auch die AG-Schule wird sich weiterhin für Verbesserungen sei es bei der Integration in der Schule, als auch in der Arbeitswelt einsetzen. Bei unserer Haupttagung werden wir uns für das heurige Jahr mit dem Thema “Voraussetzungen sowohl für eine gelungene Integration, als auch für eine gezielte Förderung“ auseinandersetzen. Die schulische Integration der Schüler mit Beeinträchtigung ist heute eine Selbstverständlichkeit und zwar vom Kindergarten bis zur Erfüllung der Schulpflicht bzw. Bildungspflicht. Über die Durchführung dieser Integration gibt es unterschiedliche Beurteilungen, sei es von Seiten der Eltern, aber auch von den Lehrpersonen, im Besonderen von den Integrationslehrern und den Mitarbeitern für Integration. Dort wo die

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Schulführungskraft die Integration fördert und mittragt sowie das Lehrerteam mit Integrationslehrern und Mitarbeitern für Integration gut zusammenarbeiten und auch moderne didaktische und pädagogische Maßnahmen anwenden, fällt das Urteil meist positiv aus. Viele Eltern befürworten eine hohe Anzahl von Stützstunden, damit ihr Kind optimal gefördert werde. Um sowohl Integration, als auch eine optimale individuelle Förderung zu erreichen, braucht es sowohl die erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen, als auch einen gut geplanten und gestalteten Unterricht des Lehrerteams. Die AG-Schwerstbehinderte setzt sich zurzeit dafür ein, dass in den Sozialzentren ein Physiotherapeut zur Verfügung gestellt werden soll. Eine erste diesbezügliche Aussprache mit den zuständigen Ämtern hat bereits in Meran stattgefunden. Dr. Storm wird ein Team zusammenstellen, das künftig um einen guten Gesamterfolg zu erzielen, kontinuierlich mit den Betreuten arbeiten und dabei auch die Mitarbeiter und Eltern einbinden wird. Auch in den anderen Bezirken soll dasselbe erfolgen. Die Erhebung der Sparmassnahmen hat ergeben, dass in einigen Strukturen einige Aktivitäten nicht mehr regelmäßig durchgeführt werden können, wenn ein Betreuer ausfällt. In Meran laufen bereits Gespräche, um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Einrichtung, Krankenpflegedienst und Krankenhaus zu erreichen. Dasselbe soll dann auch auf die anderen Gesundheitsbezirke ausgeweitet werden. Erstmals beteiligt sich heuer unser Verband an den „Aktionstagen politische Bildung“ welche heuer unter dem Motto „Solidarität und Zivilcourage gegenüber Menschen mit Behinderung“ durchgeführt wird. Obwohl vielerorts Schülern mit Behinderung von Seiten der Klassenkameraden bereits Solidarität und Zivilcourage entgegengebracht wird, ist es wichtig, dass sie Schüler über die Eigenheiten, Bedürfnisse, Schwierigkeiten genauer informiert werden und sie dadurch auch angeregt werden, sich auch in der Freizeit auf Schülern mit Behinderung zuvorkommend zu begegnen und eventuell

ab und zu sie in ihre Freizeitaktivitäten einzuplanen. Zu diesem Zweck soll in mehrere Oberschulen in Südtirol im Zeitraum vom 23.04.10 bis 09.05.10 eine Sensibilisierungskampagne zum Thema „Solidarität und Zivilcourage gegenüber Menschen mit Behinderung“ starten. Unsere Ansprechpartner/innen (Eltern bzw. Geschwister von Menschen mit Behinderung) werden in einer Gesprächsrunde (ca. 2 Stunden) zu obigem Thema wertvolle Informationen erteilen und anschließend den Schülern auf alle ihre Fragen antworten. Eine Gruppe betroffener Eltern von Menschen mit dem Spektrum Autismus, sieht die dringende Notwendigkeit eines Gesprächs an einem runden Tisch, mit Fachkräften diverser landesweiten Dienststellen. In diesem Zusammenhang hat der AEB im Vorfeld, einen offenen Brief mit Unterschriftensammlung an die zuständigen Stellen im Land gerichtet, in dem auf die Notwendigkeit eines Expertenteams zum Thema Autismus hingewiesen wurde. Das Anliegen für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung aller Dienste zur Diagnostik (besonders Frühdiagnostik), der Rehabilitation, Förderung, Beratung für Kindergarten, Schule sowie Sozialstrukturen soll auf Landesebene anlässlich des organisierten „Runder Tisches“ diskutiert und gefordert werden. An diesem „Runden Tisch“ im Mai 2010, an dem Fachleute für Autismus teilnehmen werden, soll vor allem auch diese Einsetzung eines interdisziplinären Expertenteams für Autismus gefordert werden. Unter dem Motto „Lebenslanges Lernen“ für alle EU- Bürger ist mit Beginn dieses Jahres der Startschuss zu einer multilateralen Zusammenarbeit von sechs Ländern gefallen, die Erkenntnisse über die mathematischen Fähigkeiten von Menschen mit Down-Syndrom und deren Entwicklung zum Inhalt hat. Das EU Projekt „Yes we can“ ist auf die Dauer von zwei Jahren ausgelegt und will europaweit auf die Bedürfnisse und Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen mit Down Syndrom aufmerksam machen. In Veröffentlichungen begegnet man

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häufig der Auffassung, dass Menschen mit Down-Syndrom keinerlei Rechenkompetenzen erwerben könnten. Im Verlauf dieses Projekts sollen nun mit Hilfe eines didaktischen Konzepts, das auf neuropädagogischen Ansätzen beruht, europaweit 600 Menschen mit DownSyndrom an die Grundrechenarten herangeführt werden. Dabei soll durch den Einsatz der Hände die Aktivierung beider Gehirnhälften, das Erlernen der Grundrechenarten sowie deren optimale Speicherung im Langzeitgedächtnis gefördert werden. So könnte es möglich werden, Menschen mit Down-Syndrom über dieses Projekt hinaus an den Umgang mit Geld, mit Mengen, Maßen und der Uhr heranzuführen und ihnen auf diese Weise neue oder mehr Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe zu eröffnen. Das Projekt will ferner dazu beitragen, Vorurteile und falsche Beurteilungen über die geistigen Entwicklungsmöglichkeiten von Personen mit Down-Syndrom abzubauen. Viel zu lange unterschätzt, sollen Menschen mit dieser Chromosomenbesonderheit dank des Grundtvig Programms Chancen auf mathematische Bildung eröffnet werden. Wir weisen darauf hin, dass unser Verband seit 19.12.08 mit dem Zertifikat „Sicher Spenden“ ausgezeichnet wurde. Die Eintragung in das Verzeichnis „Sicher Spenden“ soll für interessierte Bürger/innen und spendenwillige Institutionen als zusätzlicher Garant für die Glaub- und Spendenwürdigkeit unseres Verbandes wirken. All jenen, die uns weiterhin durch kleinere und größere Spenden unterstützen, sei im Voraus herzlichst gedankt!

– ZENTRALE UND DEZENTRALISIERTE ARBEITS- UND FACHGRUPPEN PROJEKT 3/2010 TAGUNG „VORAUSSETZUNGEN SOWOHL FÜR EINE GELUNGENE INTEGRATION, ALS AUCH FÜR EINE GEZIELTE FÖRDERUNG“ PROJEKT 4/2010 FRÜHFÖRDERUNG, PRÄVENTION, SENSIBILISIERUNG, ÖFFENTLICHKEITSARBEIT, KONTAKTE, KRISENHILFE INITIATIVE 1/2010 FAMILIENERHOLUNGSWOCHEN IN BUNGALOWS BEI CARITAS UND ODAR INITIATIVE 2/2010 FAMILIENERHOLUNGSWOCHEN IM FERIENHAUS OASIS BEI CARITAS INITIATIVE 3/2010 VERSCHIEDENE TAGUNGEN/ INFOTREFFEN/WORKSHOP: 1. Tagung „Neue Perspektiven der Rehabilitation für Menschen mit Behinderung“ 2. Expertenvortrag zum Thema „Tomatis“ 3. Workshop „Zukunftsplanung und Unterstützerkreise in ital. Sprache“ 4. Workshop „Un-Konvention“ 5. Infotreffen „Unsere Kinder mit Behinderung werden älter“ 6. Infotreffen „Sexualität und Pubertät bei Menschen mit Behinderung“ 7. Workshop "Weniger ist mehr" 8. Eltern-Kind-Tag / „Pörnbacher Konzept“ 9. Infotreffen „Einführung in die Pörnbacher Methode" 10. Montessori Pädagogik 11. Schnuppertreffen „Begleitetes Malen“ INVESTITIONEN 2010 PEDAGOGIA DEI GENITORI

ÜBERSICHT DER GEPLANTEN PROJEKTE UND INITIATIVEN 2010 PROJEKT 1/2010 HILFE ZUR SELBSTHILFE VOR ORT ENTLASTUNG DER FAMILIEN - ERHEBUNG VON BEDÜRFNISSEN - VERNETZUNG VON RESSOURCEN PROJEKT 2/2010 DEZENTRALISIERTE ARBEITSGRUPPEN HALT UND ORIENTIERUNG ANLAUFSTELLE

EU-PROJEKT “YES WE CAN”

Bozen, Jänner 2010

AEB2010/Arbeitskreis/Jahresvollversammlung/Tätigkeitsprogramm 2010

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Tätigkeitsprogramm 2010