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in einer Zukunftsplanung nachgedacht werden, welche weiterführende Schule den Schüler mit Behinderung am besten fördert und welche Ausbildung am geeignetsten ist. Die neue Oberschulreform darf nicht für Jugendliche mit Behinderung „Aussondierung“ bedeuten – die Oberschule muss eine Schule für alle werden.

TÄTIGKEITSPROGRAMM 2011

Menschen mit Behinderung sollen nicht als Fürsorgeobjekte gesehen werden, sondern als Menschen mit Rechten, die an der Gesellschaft teilhaben und teilnehmen wollen. Sie sollen auch in Abstimmung mit den Eltern ihr Leben selbstbestimmt planen können. Damit diese Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein im Kleinkind mit Behinderung sich entwickeln und sich entfalten kann, müssen die Familien von den ersten Lebenstagen an aufgefangen und professionell unterstützt werden, damit die Förderung sofort und im richtigen Maß startet. Dadurch braucht es später für diese Menschen viel weniger Pflegaufwand und auch weniger Kosten! Die gezielte Förderung muss im Kindergarten und in der Schule fortgesetzt werden. Sie kann nur geschehen, wenn das Kind mit Behinderung auch Mitglied der Klassengemeinschaft ist, wenn es von allen Lehrkräften und den Mitschülern angenommen wird und, wenn „Lernen“ in der Klasse mit anderen Schülern passieren kann. Dazu gehört auch ein individuelles Erziehungsprogramm, das die Kompetenzen des Schülers weiter fördert, aber auch die Schwachstellen mit einbezieht. Schon in der Mittelschule muss

In den letzten beiden Jahren der weiterführenden Schule muss für den Schüler eine Lebensplanung im Unterstützerkreis erstellt werden. Wo findet der Jugendliche mit Behinderung entsprechend seinen Fähigkeiten einen Arbeitsplatz, wie kann man ihn am gezieltesten dafür vorbereiten, sei es auch durch Praktikas, bzw., wo ist ein Platz in einer Struktur, in der der Jugendliche am besten betreut und gefördert wird. Der Jugendliche mit seinen Angehörigen muss aber selbst mitbestimmen können, wo und wie er sein weiteres Leben führen will. In dieser Hinsicht braucht es noch sehr viel Sensibilisierung und Gespräche, dass Unternehmer Arbeitsplätze für Menschen mit mentaler Behinderung schaffen, dass das Projekt Plus + 65 weiter ausgebaut wird, damit weitere Arbeitsplätze in öffentlichen Körperschaften und Kindergarten und Schulen für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stehen. Leider ist die Bereitschaft noch sehr niedrig. Zudem muss das Land dafür die entsprechenden Maßnahmen bereitstellen, wie die Lohnkostenzuschüsse und die Arbeitsplatzbegleitung. Von einer vollen und gleichberechtigten sozialen Teilhabe behinderter Menschen sind wir weit entfernt und es braucht sehr viele Gespräche und Aufklärungsarbeit, dass sich etwas ändert. Einige Strukturen, die zum Teil zu bloßen Aufbewahrungsstätten geworden sind, sind überfüllt, zu wenig Personal, kaum Spielräume für eine angemessene Förderung. Das Recht für eine menschenwürdige Förderung mittels Therapien und entsprechender Beschäftigung wird oft nicht erfüllt. Die Eltern werden immer älter und schaffen es nicht mehr, ihre Kinder zu Hause zu begleiten, bzw. zu betreuen. Es fehlen betreute Wohnplätze. Die Gemeinden

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fühlen sich häufig überhaupt nicht zuständig, und die Bezirksgemeinschaften sind überfordert, haben nicht die finanziellen Mittel und sind kaum innovativ! Das Amt für Menschen mit Behinderung hat nämlich vor kurzem den Parameter erstellt, nachdem je 900 Einwohnern ein Wohnplatz und je 400 Einwohner ein Werkstattplatz zur Verfügung stehen muss. Entsprechend diesem Parameter bekommen die Bezirksgemeinschaften das Geld für ihre Einrichtungen. Aber es kann doch nicht den Eltern überlassen werden, wenn die Wartelisten in den Strukturen immer länger werden, dass sie Monate lang auf Suche sind nach Alternativen für ihre Kinder! Hier muss die zuständige Politik auf Gemeinde–, Bezirks-, und Landesebene Konzepte erstellen die rechtzeitig greifen!! Ansonsten wird es langsam an der Zeit sein, die konstruktive Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen zu überdenken, und lauter und mehr soziales Denken für die Schwächsten unserer Gesellschaft einzufordern.

Zu unseren Aktivitäten: Unserer Familienerholungswochen werden nun schon seit mehr als 25 Jahren von Familien mit einem Kind/Jugendlichen bzw. Erwachsenen mit Behinderung geschätzt. Aus diesem Grund wird auch heuer wieder dieses einmalige Angebot in Cavallino und Caorle erneuert. Während in Cavallino nur die Unterkunft in Appartements angeboten wird und sich die Teilnehmer/innen selbst verpflegen müssen, gibt es in Caorle verschiedene Angebote und zwar die Unterkunft in Bungalows, in Bungalows mit Verpflegung und die Unterkunft mit Vollpension im Ferienhaus Oasis. Von Jahr zu Jahr versuchen wir in Zusammenarbeit mit der ODAR und der CARITAS soweit möglich den Wünschen unserer Mitgliederfamilien entgegenzukommen und somit die Qualität der Familienerholungswochen den laufenden Ansprüchen anzupassen. Viele Studenten nutzen nicht nur die Gelegenheit ihre Tätigkeit anlässlich unserer Familienerholungswochen als Praktikum anzuerkennen, sondern auch wertvolle Erfahrungen für ihren weiteren Lebensweg zu sammeln.

Nachdem das Projekt „Pedagogia dei Genitori/Elternpädagogik“ in vielen italienischen Schulen bereits erfolgreich umgesetzt werden konnte wird im heurigen Jahr, nachdem bereits erste Kontakte auch mit einer deutschsprachigen Schule (Pestalozzi Schule in Bozen) aufgenommen wurden, diese Zusammenarbeit fortgesetzt. Bezüglich Arbeitsintegration von Menschen mit Behinderung wird sich unser Verband vehement für die Umsetzung des Gesamtkonzeptes zur Arbeitseingliederung von Menschen mit Behinderung einsetzen. Frau Dr. Psaier, die in der dazu vom Landesrat Dr. Theiner eigens einberufenen Arbeitsgruppe den AEB vertritt, wird den weiteren Verlauf aufmerksam und kritisch verfolgen, Verbesserungsvorschläge einbringen und gegebenenfalls den nötigen Druck ausüben, damit dieses Gesamtkonzept baldigst von der Landesregierung genehmigt werden kann. Sei es die AG-Berufsausbildung und Arbeitsintegration, als auch die AG-Schule wird sich weiterhin für Verbesserungen sei es bei der Integration in der Schule, als auch in der Arbeitswelt einsetzen. Bei unserer Haupttagung werden wir uns für das heurige Jahr mit dem Thema “Integrative Arbeitsmodelle“ auseinandersetzen. Das Angebot einen Physiotherapeuten zwecks Begleitung der Betreuer in den Strukturen bereit zu stellen, um diverse Haltungsschäden bei Menschen mit schwerer Behinderung zu verringern und vorzubeugen, wurde bis jetzt nur im Pastor Angelicus umgesetzt. Mit dem Ziel dieses Angebot künftig auch auf alle landesweiten Behindertenstrukturen auszuweiten wird unsere interne AGSchwerstbehinderte weiterhin den nötigen Druck auf die zuständigen Fachleute und Politiker ausüben. Zum wiederholten male beteiligt sich unser Verband an den „Aktionstagen politische Bildung“ welche heuer unter dem Motto „Verantwortung übernehmen gegenüber Menschen mit Behinderung“ durchgeführt werden.

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In diesem Zusammenhang werden einige unserer Ansprechpartner/innen bzw. deren Stellvertreter/innen vom 23.04.11 bis 09.05.11 eine diesbezügliche Sensibilisierungskampagne durchführen, indem sie verschiedene Schulklassen besuchen, um den Schülern/Studenten zu erklären, wie wichtig und sinnvoll es ist, dass jeder einzelne gegenüber seinem Mitschüler mit Behinderung Verantwortung übernimmt, das heißt, dass er sich mit ihm unterhält, dass er ihn, wenn notwendig, unterstützt und verteidigt. Der Schüler mit Behinderung sollte sich von seinen Mitschülern angenommen fühlen, dann kann er auch lernen und sich weiterentwickeln. Die Gruppe betroffener Eltern von Menschen mit dem Spektrum Autismus, die im letzten Jahr den „Runden Tisch für eine mögliche Zusammenführung und Etablierung eines Expertenteams zum Thema Autismus in Südtirol“ organisiert hat, wird sich weiterhin für die Einsetzung eines interdisziplinären Expertenteams für Autismus, der Vernetzung aller Dienste zur Diagnostik (besonders Frühdiagnostik), der Rehabilitation, Förderung, Beratung für Kindergarten, Schule sowie Sozialstrukturen einsetzen Im Zuge des EU-Projektes „Yes we can“, mit dem in einer multilateralen Zusammenarbeit von sechs Ländern im letzten Jahr gestartet wurde, wird vom 24.03. bis 25.03.11 der Workshop „Rechnen von links … nach rechts“, an dem vorwiegend Logopäden, Ergotherapeuten, Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen für Integration teilnehmen, durchgeführt. Im Workshop werden praxisnahe Möglichkeiten aufgezeigt (video-unterstützt), wie Basisfertigkeiten geschult werden können. Weiters wird der Aufbau der Zahlenräume (10, 100), Addition, Subtraktion und das Erlernen der Malreihen mit Hilfe der Finger vorgestellt. Das Projekt sieht vor, dass die Workshopteilnehmer/innen als Multiplikatoren fungieren und über 6 Monate gezielt mit Personen mit Down Syndrom arbeiten. Während dieses Zeitraumes werden die Multiplikatoren von

den Trainerinnen, Johanna Lerchner und Sieglinde Platzer begleitet und unterstützt. Künftig soll es möglich werden, Menschen mit Down-Syndrom über dieses Projekt hinaus an den Umgang mit Geld, mit Mengen, Maßen und der Uhr heranzuführen und ihnen auf diese Weise neue oder mehr Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe zu eröffnen. Das Projekt will ferner dazu beitragen, Vorurteile und falsche Beurteilungen über die geistigen Entwicklungsmöglichkeiten von Personen mit Down-Syndrom abzubauen. Das im Herbst letzten Jahres eingereichte ESF-Projekt „Verbesserung des Zugangs zu allgemeiner beruflicher Bildung durch systemwirksames Übergangsmanagement für junge Menschen mit Behinderung unter Anwendung personenzentrierter Methoden in Unterstützerkreisen und Zukunfts- und Teilhabeplanungen, um deren nachhaltige soziale Eingliederung ins Erwerbsleben zu fördern“ wurde genehmigt und wird vermutlich im April 2011 starten. Ziel dieses Projektes ist, das Übergangsmanagement von der Schule in den Beruf für Jugendliche mit Behinderung zu verbessern, die Umsetzung der nachhaltigen Integration ins Erwerbsleben zu erleichtern und Diskriminierungen jeglicher Form am Arbeitsplatz zu bekämpfen Die neu ausgearbeitete Broschüre „Erstkontakte“ soll noch vor diesem Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt werden und anschließend landesweit in den verschiedenen Diensten, Institutionen und Ämtern aufliegen. Wir weisen darauf hin, dass unserem Verband für weitere 2 Jahre das Zertifikat „Sicher Spenden“ verlängert wurde. Die Eintragung in das Verzeichnis „Sicher Spenden“ soll für interessierte Bürger/innen und spendenwillige Institutionen als zusätzlicher Garant für die Glaub- und Spendenwürdigkeit unseres Verbandes wirken. All jenen, die uns weiterhin durch kleinere und größere Spenden unterstützen, sei im Voraus herzlichst gedankt!

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ÜBERSICHT DER GEPLANTEN PROJEKTE UND INITIATIVEN 2011 PROJEKT 1/2011 HILFE ZUR SELBSTHILFE VOR ORT ENTLASTUNG DER FAMILIEN - ERHEBUNG VON BEDÜRFNISSEN - VERNETZUNG VON RESSOURCEN PROJEKT 2/2011 DEZENTRALISIERTE ARBEITSGRUPPEN HALT UND ORIENTIERUNG ANLAUFSTELLE – ZENTRALE UND DEZENTRALISIERTE ARBEITS- UND FACHGRUPPEN PROJEKT 3/2011 TAGUNG „INTEGRATIVE ARBEITSMODELLE“

EU-PROJEKT “Verbesserung des

Zugangs zu allgemeiner beruflicher Bildung durch systemwirksames Übergangsmanagement für junge Menschen mit Behinderung unter Anwendung personenzentrierter Methoden in Unterstützerkreisen und Zukunfts- und Teilhabeplanungen, um deren nachhaltige soziale Eingliederung ins Erwerbsleben zu fördern“

PROJEKT 4/2011 FRÜHFÖRDERUNG, PRÄVENTION, SENSIBILISIERUNG, ÖFFENTLICHKEITSARBEIT, KONTAKTE, KRISENHILFE INITIATIVE 1/2011 FAMILIENERHOLUNGSWOCHEN IN BUNGALOWS BEI CARITAS UND ODAR INITIATIVE 2/2011 FAMILIENERHOLUNGSWOCHEN IM FERIENHAUS OASIS BEI CARITAS INITIATIVE 3/2011 VERSCHIEDENE TAGUNGEN/ INFOTREFFEN/WORKSHOP: 1. Gesprächsrunde für älter werdende Eltern von Menschen mit Behinderung 2. Pustertaler Integrationsgespräche 3. Vätertreffen 4. Informationstreffen „Un-Konvention“ 5. Eltern-Kind-Tag / „Pörnbacher Konzept“ 6. Montessori Pädagogik 7. Vortrag „Manchmal wird es mir zuviel“ 8. Informationstreffen zu den verschiedenen Therapieformen 9. Informationstreffen zum Thema „Sachwalterschaft und Entmündigung“ 10. Expertenvortrag zum Thema „Tomatis“ PEDAGOGIA DEI GENITORI EU-PROJEKT “YES WE CAN”

Bozen, Jänner 2011

AEB2011/Arbeitskreis/Jahresvollversammlung/Tätigkeitsprogramm 2011

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TÄTIGKEITSPROGRAMM 2011