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Spricht so der Herr?

Erkenne, wann es Gott ist, der durch andere Menschen zu dir redet

John Bevere


Copyright Š 2002 in German by Adullam Verlag. Originally published in English by Charisma House, Lake Mary, Florida, USA under the title

Thus Saith the Lord? by John Bevere Copyright Š 1999 by Charisma House. All rights reserved. Alle Rechte der deutschen Ausgabe bei:

Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn ISBN 3-931484-05-X

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.


Ich widme dieses Buch all denen, die Gott in den prophetischen Dienst berufen hat. Gott sagt: … so du das Edle von Unedlen scheidest, sollst du sein wie mein Mund … Jeremia 15, 19 (Schlachter)

Möge sein Herz durch euch seinem Volk offenbart werden.


Vorwort Der prophetische Dienst ist eine der Gaben, die der Heilige Geist gegenwärtig neu belebt und etabliert. Die Gemeinde hat die Wahrheit über Heilung wieder gefunden, die Taufe im Heiligen Geist mit den begleitenden geistlichen charismata [Gaben] wurde in ihrer Bedeutung wieder entdeckt und in analoger Weise wird der fünffältige Dienst des Apostels, Evangelisten, Pastors, Lehrers und Propheten wiederhergestellt. Leider scheint es fast unvermeidlich zu sein, dass Übertreibungen vorkommen, wenn gute Dinge in der Gemeinde wiederhergestellt werden. Durch diese Übertreibungen werden manche Menschen verletzt – einige so schwer, dass sie innerlich verbittert werden oder vom Glauben abfallen. Wenn ein Mensch zum Beispiel dringend Heilung benötigt, sich danach ausstreckt, seinen Glauben einsetzt und trotzdem nicht geheilt wird, dann verliert dieser Mensch seine letzte Hoffnung und ist am Boden zerstört. Wenn sich jemand einem Pastor unterstellt und von diesem hintergangen und ausgebeutet wird, dann kann es gut sein, dass diese Person die Gemeinde völlig entmutigt verlässt und in der Folgezeit große Schwierigkeiten und Ängste hat, jemals wieder einem Pastor zu vertrauen. Prophetie und ihre verschiedenen Äußerungsformen scheinen wie geschaffen dafür zu sein, falsch aufgefasst oder missbraucht zu werden. Viele Christen erkennen die Notwendigkeit der prophetischen Gaben für unsere Zeit überhaupt nicht, sondern glauben, dass Gott nicht mehr durch Propheten zu seinem Volk spricht. Wenn Menschen die Hürde genommen haben zu glauben, dass es auch heute noch echte Prophetie gibt – sogar Prophetie, die sich auf sie persönlich und ihre Familie bezieht – dann kann es leider trotzdem geschehen, dass sie zutiefst enttäuscht werden oder sich getäuscht fühlen von denen, die über ihnen prophezeit haben. Sie sind leicht verwundbar, weil sie jedes „Wort“, das ein „Prophet“ über ihnen ausspricht, für ein Wort halten, das direkt von Gott selbst kommt. Andere sind begeistert von den Worten, die über ihnen ausgesprochen worden sind, und beginnen 9


Spricht so der Herr?

den Menschen nachzufolgen, die prophetisch begabt sind, manchmal so sehr, dass die „Propheten“ mehr zum Ziel der Nachfolge werden als Jesus. In meiner Rolle als Herausgeber des christlichen Nachrichtenmagazins Charisma habe ich die Wiederherstellung des prophetischen Dienstes in der Gemeinde durch den Heiligen Geist genau verfolgt. Gott hat auch in unserer Zeit Menschen eingesetzt, die seine prophetischen Weisungen an das Volk Gottes weitergeben. Meine Familie und ich sind durch mehrere Prophetien gesegnet und ermutigt worden, die wir von prophetisch begabten Menschen erhalten haben. In meiner persönlichen Bibellese sind mir in der letzten Zeit einige Berichte aufgefallen, die dem sehr ähnlich sind, was wir heute in Bezug auf persönliche Prophetien beobachten können. In 1. Mose, Kapitel 18 wird von drei Männern berichtet, die Abraham besuchten und ihm sagten, dass Sara in genau einem Jahr einen Sohn haben würde. Sara lachte, weil sie dachte, dass sie und Abraham zu alt seien – trotzdem wurde Isaak im Verlauf des folgenden Jahres geboren. Im Leben Jesu können wir Ähnliches beobachten: Er begegnete einer Frau an einem Brunnen in Samaria und Er sagte ihr, wie viele Male sie bereits verheiratet gewesen war und dass der Mann, mit dem sie gegenwärtig zusammenlebte, nicht ihr Ehemann sei. Die Frau entgegnete völlig überrascht: „Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist“ (Joh. 4, 19). Dann rief sie ihre Freunde herbei: „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! …“ (Joh. 4, 29). Ich bin persönlich durch den prophetischen Dienst gesegnet worden und glaube, dass er ein wichtiger, von Gott eingesetzter Dienst innerhalb der Gemeinde ist. Gleichzeitig wachsen die Unruhe und die Bestürzung in mir über das zunehmende Maß des Missbrauchs dieser Gabe. Charisma hat kürzlich eine ausführliche und sorgfältig recherchierte Reportage über einen christlichen Dienst veröffentlicht, der Prophetien gegen Spenden bestimmter Summen „verkauft“ hat. Je höher der gespendete Betrag, desto ausführlicher fiel die empfangene Prophetie aus. Bei einer anderen Gelegenheit hat ein eigentlich geachteter und respektierter Dienst mehrere Millionen Dollar erhalten. In ihren mehrstündigen Fernsehsendungen gab einer ihrer Gäste 10


Vorwort

„prophetische Worte“ an diejenigen weiter, die in großzügiger Weise für die Fernseharbeit spendeten. Wie sollte man sich angesichts derartiger Verirrungen verhalten? Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott dem Leib Christi bestimmte Menschen gegeben hat, die Alarm schlagen sollen, wenn etwas falsch läuft. Jamie Buckingham, mein langjähriger Freund und Mentor, war in den letzten Jahren seines Leben solch ein Mann. Als in den 70er Jahren die so genannte Jüngerschaftsbewegung in den USA auf Abwege geriet, stellte er sich gegen die Irrtümer und Verfehlungen, indem er in seinen scharfsinnigen Zeitschriftenartikeln und in einigen seiner Bücher die Wahrheit klar und kompromisslos herausstellte. Es ist so wichtig, dass Menschen wie Jamie, der die beteiligten Menschen immer liebte, die Dinge klar beim Namen nennen und falsche Dinge richtig stellen. Dies ist viel besser als die Angelegenheit den rücksichtslosen Kritikern zu überlassen, deren Lebenszweck darin zu bestehen scheint, diejenigen von uns zu attackieren, die an die Fülle des Heiligen Geistes glauben und mit seinen Gaben rechnen. Einige Kritiker haben Treibjagden veranstaltet, die ähnlich grotesk und menschenverachtend ablaufen wie die Hexenprozesse des Mittelalters. Sie haben hierdurch kaum mehr erreicht als die Kirche Jesu in der Öffentlichkeit zu blamieren. Der menschliche Körper benötigt weiße Blutkörperchen zur Abwehr von Krankheiten. Ähnliches gilt für den Leib Jesu, der Männer und Frauen mit klaren Überzeugungen benötigt, die unmissverständlich darauf hinweisen, wann, an welchem Punkt und in welcher Weise wir uns von der Wahrheit des Evangeliums entfernt haben, und uns zurückbringen auf den engen und schmalen Weg – zurück zu Jesus Christus selbst. Ich glaube, dass John Bevere solch ein Mann ist. Gott hat ihn in den vergangenen Jahren zu einem Sprachrohr innerhalb des Leibes Christi werden lassen. Er erinnerte die Gemeinde unter anderem daran, dass eine große Gefahr darin liegt, an Bitterkeit festzuhalten, und er rief die Gemeinde dazu auf, die Furcht des Herrn als elementaren Bestandteil des Lebens als Christ zu begreifen.

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Nun kommt eine neues, wegweisendes Buch von John heraus. Er sagt darüber, dass es vielleicht eines der wichtigsten Bücher sei, das er je geschrieben hat. Er beschreibt die verheerenden Folgen, die sich ergeben, wenn prophetisch begabte Menschen Irrtümern unterliegen. Er weist auf die Gefahr hin, positive Prophetien auszusprechen, nur weil der Prophet spürt, dass die Christen, zu denen er spricht, sich solche „Worte“ wünschen. Er geißelt den achtlosen Umgang mit so genannten „Worten“, die unter anderem mit „So spricht der Herr“ eingeleitet werden, obwohl die Worte nichts weiter sind als die persönliche Meinung des Redenden – keinesfalls Worte des lebendigen Gottes. John Bevere bezeichnet sich selbst nicht als Prophet, er ist dem Leib Christi auch niemals in dieser Rolle gegenübergetreten. Ich glaube jedoch trotzdem, dass John ein Prophet ist. Obwohl er oft wie ein Prediger in der Wüste behandelt wird, ähnlich wie sein Namensvetter Johannes der Täufer [John the Baptist]. In diesem Buch schlägt John Alarm. Er weist eindeutig darauf hin, dass die Bibel unser alleiniger Maßstab sein muss, wenn wir beurteilen wollen, ob wir es mit echter oder falscher Prophetie zu tun haben. Er tut dies, ohne Namen zu nennen oder Einzelpersonen direkt zu kritisieren. Sein Buch ist in liebevoller Haltung verfasst, ganz anders als bei den Kritikern, die voller Hass und Härte schreiben und deren Ziel einzig in der Zerstörung und nicht in der Auferbauung liegt. Ein Evangelist kann seinen wichtigsten Auftrag, nämlich Menschen zur Buße und Umkehr aufzurufen, aus den Augen verlieren. Ein Pastor kann den ihm anvertrauten Menschen Schmerz zufügen statt sie in Liebe zu stärken. Ebenso kann jemand mit prophetischer Begabung manchmal Chaos und Zerstörung anrichten, was nicht Gottes Willen entspricht. Ich fordere alle diejenigen heraus, die prophetisch begabt sind – von landesweit bekannten Propheten bis hin zu Menschen, deren prophetische Begabung ihnen in ihrer Gemeinde erste Möglichkeiten für den Dienst eröffnet –, dieses Buch sorgfältig zu lesen. Sie sollten dieses Buch aufmerksam studieren, sich dabei an das erinnern lassen, was die Schrift sagt, und genau prüfen, ob ihr eigenes Handeln sich hundertprozentig am Wort Gottes orientiert. 12


Vorwort

Pastor Ted Haggard von der New Life Church in Colorado Springs, Colorado, USA, hat in einem Beitrag zu einer kürzlich erschienenen Ausgabe der Zeitschrift Ministries Today1 folgende sehr treffende Analyse gegeben: Ich kam zu dem Schluss, dass falsche Prophetie darin besteht, den Namen des Herrn in falscher Weise zu gebrauchen (dies ist ein Verstoß gegen das dritte Gebot). Das oft so empfindliche Ego derjenigen, die sich selbst als Sprachrohr Gottes bezeichnen, es in Wahrheit aber gar nicht sind, muss sich auf einige Erschütterungen gefasst machen. Denn die Bibel befiehlt uns, Prophetie zu prüfen, um zu erkennen, ob es wirklich Gott ist, der dadurch zu uns spricht (siehe 1. Jo. 4, 1).

Ted nennt drei Ebenen von Prophetie: 1. „So spricht der Herr“ Dies ist die höchste Form der Prophetie. Sie wird benutzt, wenn ein Gläubiger von sich sagt, dass er direkt für Gott spricht. Diese Art der Prophetie ist entweder 100-prozentig richtig oder 100prozentig falsch. Diese Form der Prophetie bedeutet auch, dass es keine weiteren Meinungen oder Gegenstimmen geben kann und darf. Jede Diskussion erübrigt sich, denn der Herr hat gesprochen. 2. „… es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen…“ (Apg. 15, 28) Diese Form der Prophetie zeigt an, dass man sich darüber einig ist, worin der Wille Gottes besteht. Auch wenn die Worte nicht 100-prozentig zutreffen, so zeigt eine Gruppe durch diese Formulierung an, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen die so geäußerten Gedanken für den Willen Gottes in einer bestimmten Situation halten. 3. „Sagen dir die folgenden Worte etwas?“, oder: „Was denkst du über die folgenden Worte?“ Wenn uns beim Gebet für Menschen ein Wort oder ein Gedanke in den Sinn kommt, dann können wir sie fragen, was Gott gerade in ihrem Leben tut. Manchmal leitet uns der Herr dann auch in prophetische Fürbitte. Man könnte diese Gedanken auch als Wort der Erkenntnis oder als Wort der Weisheit (1. Kor. 12, 8) bezeich13


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nen. Diese Art der Prophetie beansprucht keine Autorität für sich. Ted schließt seinen Artikel mit folgenden Worten: Als ich begriff, dass es diese drei Arten von Prophetie gibt, wurde in meinem Herzen der Weg geebnet, den verschiedenen prophetischen Aufgaben und Funktionen innerhalb des Leibes Christi positiver zu begegnen und sie innerlich zu unterstützen. Wenn die verschiedenen prophetischen Gaben nicht eine wichtige Rolle in unseren Gemeinden spielen, dann leben wir ohne eine der größten Gaben, die Er uns gegeben hat, und schwächen damit völlig unnötigerweise unsere Gemeinden.

Dieser Aussage schließe ich mich von ganzem Herzen an. Auch diejenigen unter uns, die voraussichtlich niemals im prophetischen Dienst stehen werden, sollten beziehungsweise müssen sich sorgfältig mit dem vertraut machen, was das Wort Gottes über Menschen mit einem prophetischen Dienst sagt. Als Christen, die an die absolute Autorität des Wortes Gottes glauben, würden wir niemals zulassen, dass heidnische Lehren oder falsche, unbiblische religiöse Gedanken in unseren Gemeinden gepredigt werden. Wir lehnen jede Art liberaler Theologie ab, die sich in eine Gegenposition zum Wort Gottes bringt. Wir müssen jedoch ebenso wachsam darin sein, dass sich jede Art des prophetischen Dienstes in genauer Übereinstimmung mit dem Wort Gottes befindet. Ich glaube, dass John Bevere der Gemeinde wichtige Dinge zu sagen hat. Er trägt seine Gedanken kraftvoll und leidenschaftlich vor. Ich habe mir das gesamte Manuskript sorgfältig durchgelesen, denn ich denke, dass die Aussagen darin äußerst wichtig sind. Sie sollten von den Leitern der Gemeinden und von allen Gemeindemitgliedern sowohl gehört und verstanden als auch in die Tat umgesetzt werden. Stephen Strang, Herausgeber der Zeitschrift Charisma Lake Mary, Florida, USA

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Inhaltsverzeichnis Vorwort ........................................................................................ 9 1 Wir brauchen den prophetischen Dienst .............................. 17 2 Verführung lauert überall ..................................................... 27 3 Der echte prophetische Dienst: Teil 1 .................................. 39 4 Der echte prophetische Dienst: Teil 2 .................................. 51 5 Verunreinigte Prophetie ....................................................... 63 6 Persönliche Prophetie .......................................................... 79 7 Sie verheißen Befriedigung selbstsüchtiger Wünsche ............ 95 8 Verunreinigung durch prophetische Worte .......................... 117 9 Sie lehren Rebellion gegen Gott .......................................... 131 10 Die Taktik Isebels .............................................................. 145 11 Selbst ernannt oder von Gott eingesetzt? ............................ 155 12 Das Gift der Isebel ............................................................. 169 13 Auch Propheten erkennt man an ihren Früchten ............... 183 14 Die Liebe zur Wahrheit ........................................................ 207 15 Umgang mit persönliche Prophetie .................................... 219 Nachwort ................................................................................... 235 Anmerkungen .......................................................................... 241 Bibliografie ............................................................................... 243

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Wir haben so viel Angst davor, Prophetie zu verachten, dass wir vergessen, sie zu pr端fen und zu beurteilen.


1 Wir brauchen den prophetischen Dienst Das herrlichste Privileg und der tiefste Wunsch jedes Gläubigen ist es, die Stimme Gottes zu hören. Die Väter des Glaubens, die durch den Sand der Wüsten des Nahen Ostens wanderten, wollten seine Stimme hören. Alle Gläubigen im Neuen Bund sehnen sich immer wieder danach, Gott zu hören. In jedem von uns steckt der tiefe Wunsch, die Stimme des Herrn zu hören und zu kennen. Es ist herrlich, zu Jesu Füßen zu sitzen und von Ihm zu lernen. Es ist wie ein Schatz, den wir sorgfältig hüten sollten. Wir sollten uns immer wieder Zeit nehmen, sein Wort zu lesen und in der Stille auf seine leise, sanfte Stimme zu hören. Diese Gemeinschaft mit Ihm sollten wir sehr wichtig nehmen, denn sie ist die Quelle für Schutz, Erfrischung und Versorgung mit allem, was wir für Geist, Seele und Leib benötigen. So ähnlich wie in einer Ehe gibt es Momente tiefer Freude, der Erfüllung tiefer Sehnsüchte und der Empfindung von Liebe, die sich nicht mit Worten ausdrücken lässt. In ihr können und sollen wir unsere Herzen weit für den anderen öffnen. Es ist eine besonders tiefe und sensible Beziehung, an der wir arbeiten und die wir schützen sollten. Gott wählt viele verschiedene Wege, um zu seinen Kindern zu sprechen. Ich glaube, dass Gott am liebsten direkt zu uns spricht. Hier liegt auch der eigentliche Grund dafür, dass Gott seinen Sohn sandte. Er wollte den Vorhang zerreißen, der die Menschen von Gott trennte. Das vorliegende Buch will keinesfalls versuchen, alle Wege zu behandeln, auf denen Gott zu seinem Volk sprechen könnte. Hierzu gäbe es viel mehr zu sagen, als man in einem einzigen Band schreiben könnte. Es konzentriert sich auf einen ganz bestimmten Aspekt: Wie kann ich erkennen, wann Gott durch eine andere Person zu mir spricht? Die Fähigkeit dies zu erkennen ist ein wichtiger Bestandteil unserer persönlichen Beziehung zu Gott. 17


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Es liegt eine große Verantwortung darin, die mit Ehrfurcht und großer Sorgfalt wahrgenommen werden muss, wenn man Worte weitergeben soll, die „direkt von Gott“ kommen. Petrus ermahnt uns eindringlich: „Wer redet, der rede mit den Worten, die Gott ihm gibt …“ (1. Petr. 4, 11, Einheitsübersetzung). Paulus bestätigt, dass diese Dinge nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten, indem er sagt: „Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und in vielem Zittern“ (1. Kor. 2, 3). Obwohl wir Menschen sind, vertraut uns Gott seine Gedanken an und spricht durch uns zu anderen. Ein Prophet ist ein Sprachrohr Gottes. Prophetisch zu reden bedeutet, dass man aufgrund einer göttlichen Inspiration spricht. Der Redende gibt die Worte Gottes weiter, die an Einzelpersonen, Gruppen, Nationen oder eine bestimmte Generation gerichtet sind. Diese Worte können sehr unterschiedliche Dinge ausdrücken: Wegweisung, Korrektur, Warnung, Ermutigung oder Anweisungen. Eines ist jedoch ganz sicher: Die Empfänger der Worte sollen immer zum Herzen und zum Wesen Gottes hingezogen werden. Ob jemand als Sprecher für Gott seinen Auftrag gut ausführt, muss sich allein daran messen, ob er demjenigen treu und ergeben dient, den er repräsentiert. Der Sprecher spricht niemals für sich und gibt niemals seine eigene Meinung wieder. Er repräsentiert ausschließlich Gott.

Meine erste Begegnung mit persönlicher Prophetie Ich bin durch prophetische Worte, die persönlich an mich gerichtet wurden, reich gesegnet worden. Ich kann mich noch sehr gut an das erste Mal erinnern, als Gott in dieser Weise zu mir sprach. Es geschah im Jahr 1980. Ich studierte zu dieser Zeit Maschinenbau an der Universität Purdue. Ich war seit zwei Jahren errettet und hatte bereits kurz nach meiner Bekehrung ein starkes Verlangen in meinem Herzen verspürt, in den vollzeitlichen Dienst zu gehen. Meine Eltern konnten diesem Gedanken nichts Positives abgewinnen, was wohl hauptsächlich daran lag, dass sie Katholiken waren. Ich war innerlich aufgewühlt, in meinen Gedanken war ich hin- und hergerissen. Ich respektierte meine Eltern, aber es war unmöglich, das immer stärker werdende Empfinden meiner Berufung durch Gott zu ignorieren.

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Wir brauchen den prophetischen Dienst

Gemeinsam mit sechs- oder siebentausend Menschen nahm ich an einer großen Konferenz in Indianapolis im Bundesstaat Indiana teil. Ein bekannter Prediger sagte nach Abschluss seiner herrlichen Predigt, dass Gott ihm Worte für zwei einzelne Personen gegeben hatte. Das erste Wort war für einen Pastor der Baptisten. Das zweite Wort war an mich gerichtet. Der Prediger sagte: „Heute Abend ist ein junger Mann hier im Saal. Du sitzt in einer der letzten Reihen im Parkett (wo ich tatsächlich saß). Du schwankst hin und her, ob du zum vollzeitlichen Dienst berufen bist oder nicht. An einem Tag bist du dir sicher, dass du berufen bist, am nächsten Tag denkst du: „Bin ich wirklich berufen?“ Gott sagt, dass du wirklich zum vollzeitlichen Dienst berufen bist und dass Er in herrlicher Weise durch dich wirken wird.“ Während er redete, wusste ich absolut zweifelsfrei, dass Gott direkt zu mir sprach. Während ich zuhörte, erfüllten Gottes Frieden und seine Gegenwart mein Herz, sie wirkten als Bestätigung seiner Worte. Ich hatte das Gefühl, als würde jedes Wort zu einem Teil meines Wesens werden. Ich merkte, dass meine Seele von einer schweren Last befreit wurde. Am nächsten Morgen war ich von riesengroßer Freude erfüllt. Ich wusste, dass die Sache ein für alle Mal entschieden war. Ich wurde nicht länger von Zweifeln geplagt. Ich absolvierte mein Maschinenbaustudium und begann im Sommer 1983 vollzeitlich im Reich Gottes zu arbeiten. Meine Aufgabe bestand zunächst darin, meinen Pastor in seinen täglichen Aufgaben zu unterstützen und zu entlasten. Das Wort, das ich in Indianapolis erhalten hatte, brachte mir die letzte noch fehlende Gewissheit, dass Gott mich berufen hatte.

Das Fleisch lehnt sich gegen den Geist auf Die Bibel weist sehr klar darauf hin, dass der prophetische Dienst eine entscheidende Rolle dabei spielen wird, die Gemeinde Jesu auf die Wiederkunft des Herrn vorzubereiten. Petrus zitierte den Propheten Joel, der sagte, dass Söhne und Töchter, Knechte und Mägde weissagen werden (Apg. 2, 16–18; Joe. 3, 1–4). Auch dem Feind ist dies bewusst. Er bemüht sich darum, Prophetie zum Erliegen zu bringen oder zu pervertieren, um sie auf diese Weise nutzlos zu machen. Er möchte, 19


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dass die Gemeinde fleischlich bleibt, denn dann bleibt das Edle weiterhin vermischt mit dem Unedlen. Es ist keineswegs überraschend, dass wir in der Bibel ein Muster erkennen können, das sich auf weite Teile des heutigen prophetischen Dienstes übertragen ließe. Sehr häufig geht einem Isaak ein Ismael voraus. Das Fleisch versucht zu produzieren, was nur der Geist hervorbringen kann. Ich möchte diese Aussage näher erklären: Im Alter von 75 Jahren empfing Abraham die Verheißung von Gott, dass er einen Sohn haben würde. Nach elf Jahren des Wartens entschloss er sich gemeinsam mit seiner Frau zum aktiven Handeln. Hagar, die Magd seiner Frau, wurde zu Abraham gebracht, und bald darauf wurde ihm ein Sohn geboren, den er Ismael nannte. Gott hat dies mit angesehen, allerdings dürfte Er gedacht haben: „Wenn sie denken, dass sie meine Verheißung mit Hilfe ihrer fleischlichen Methoden zustande bringen können, dann werde ich einfach warten, bis sie aus biologischen Gründen keine Nachkommen mehr zeugen können. Dann erst werde ich den Sohn der Verheißung hervorbringen.“ Warum wollte Gott es so haben? Er erlaubt es nicht, dass Fleisch sich rühmt und sich die Ehre zuschreibt, die Ihm gebührt! Es waren 13 weitere Jahre vergangen und beide waren aus Altersgründen nicht mehr zur Fortpflanzung in der Lage (Röm. 4, 19). Dann empfing Sara ein Kind und gebar Isaak. Paulus schrieb: Der erste verdankte sein Leben der natürlichen Zeugungskraft, der zweite verdankte es der Zusage Gottes. Galater 4, 23 (Die Gute Nachricht)

Gott hat verheißen, vor der Wiederkunft Jesu die Prophetie in ihrer ganzen Kraft wieder herzustellen (Apg 3, 20–21). Die Gemeinde ist erfüllt von großer Erwartung. Ich habe jedoch verschiedene Versuche des Fleisches beobachten müssen, auf seine Weise das hervorzubringen, was Gott verheißen hat. Es gibt den prophetischen Dienst, der Verheißungen verkündet, die aus dem Willen des Vaters geboren sind, und es gibt den prophetischen Dienst, der aus dem Fleisch und dem Wollen des Menschen geboren ist. Worin besteht der Unterschied zwischen beiden? Obwohl beide Arten des Dienstes aus einem echten Verlangen entstehen, 20


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Gottes Pläne und Verheißungen verwirklicht zu sehen, muss der Dienst, der aus dem Fleisch geboren ist, durch fleischliche Mittel am Leben erhalten werden, während der aus dem Geist geborene Dienst durch den Geist bestätigt wird. Fleisch kann nur Fleisch hervorbringen und richtet sich daher direkt an das menschliche Verlangen. Der Geist bringt geistliche Dinge hervor und spricht daher das aus, was das Verlangen Gottes ist. Das Ziel dieses Buches liegt darin, dir zu helfen, zwischen beiden Stimmen unterscheiden zu können. Die Worte des Fleisches können sehr angenehm und verlockend klingen, trotzdem führen sie uns nur in Unreinheit, Zerstörung und möglicherweise in den Tod. Worte des Geistes führen uns immer zum Herzen Gottes, auch wenn sie zunächst unangenehm sind.

Prüft jede Prophetie Ich habe in den 20 Jahren meines Lebens als Christ zahlreiche Prophetien erhalten, die mit den Worten „So spricht der Herr …“ eingeleitet wurden. Von diesen hat sich nur eine Handvoll als echte Worte von Gott erwiesen. Hätte ich mich nach allen Worten gerichtet, dann wäre ich heute völlig verwirrt und wahrscheinlich weit entfernt vom Willen Gottes. Das Neue Testament ermahnt uns: Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. 1. Thessalonicher 5, 19–21 (Luther)

Wir brauchen Prophetie im Leib Christi und wir werden eindringlich aufgefordert, sie nicht zu verachten. Etwas zu verachten bedeutet auch, es zu verurteilen oder zu hassen. Wir haben so viel Angst davor, Prophetie zu verachten, dass wir vergessen haben, sie zu prüfen und zu beurteilen. Es ist sehr wichtig, dass wir lernen, Richtiges und Falsches als solches zu erkennen und das eine vom anderen zu unterscheiden. Wir wollen die Worte des Paulus in Vers 21 noch einmal näher betrachten: Prüft aber alles, und das Gute behaltet. 1. Thessalonicher 5, 21 (Luther)

Durch diesen Vers wird das Ziel dieses Buches genau beschrieben. Wir dürfen nicht die Fälschung als echt akzeptieren, nur weil wir 21


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Angst davor haben, das Echte als Fälschung zu verwerfen. Wir müssen vielmehr lernen, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden. Gleichzeitig ist es natürlich nicht richtig, so übervorsichtig und kritisch zu sein, dass wir das Echte verwerfen. Ich meine, dass wir in den so genannten „geisterfüllten“ Gemeinden zum gegenwärtigen Zeitpunkt dem Irrtum verfallen sind, jedes angebliche „prophetische Wort“ ohne weiteres zu akzeptieren. Es ist zu beobachten, dass das Auftreten von nicht zutreffenden oder fleischlichen Worten immer wieder bagatellisiert wird. Dies zeigt sich an Kommentaren wie diesen: „Naja, sie haben sich eben einmal geirrt“, oder: „Sie müssen noch in ihre Gabe hineinwachsen.“ Aber wenn eine Prophetie mit den Worten „So spricht der Herr“ eingeleitet wird, dann sollte niemand leichtfertig und beiläufig damit umgehen. Das Volk Israel lebte ebenfalls in dieser falschen Haltung. Sie kam deutlich zum Vorschein, als Gott durch den Propheten Micha Folgendes sagte: Wenn da ein Mann wäre, der dem Wind nachläuft und betrügerisch lügt: „Ich will dir weissagen von Wein und von Rauschtrank“, der wäre ein Prophet dieses Volkes. Micha 2, 11

Die englische New Living Translation ist noch kraftvoller an dieser Stelle: „Ihr wünscht euch genau diese Art von Propheten!“ Gott sagte also: „Ihr heißt alles und jeden als Propheten willkommen, der euch nach dem Mund redet und eure fleischlichen Wünsche und Gelüste befriedigt.“ Paulus sagt, wir sollten alles so lange prüfen, bis wir in der Lage sind zu erkennen, was tatsächlich von Gott ist. Wir haben uns in der Vergangenheit viel zu nachsichtig gezeigt, daher kann es dir so vorkommen, als betone dieses Buch zu sehr das andere Extrem. Falls dem tatsächlich so sein sollte, dann nur in der Hoffnung, dadurch zu einer Ausgewogenheit zu gelangen, wie sie Gott gefällt. Wir müssen Klarheit über Prophetie gewinnen, indem wir Gottes Wort im Zusammenhang betrachen.

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Die Entstehung dieses Buches Ich hatte zunächst überhaupt nicht geplant, dieses Buch zu schreiben, sondern die Fortsetzung von Die Furcht des Herrn. Ich habe Monate damit verbracht, Bibelstellen und weitere Informationen zusammenzutragen. Der Verlag hatte bereits Werbung für das Buch gemacht. Bei einem Abendessen mit dem Verleger und einigen seiner Mitarbeiter erzählte ich dann einige der Dinge, die nun in diesem Buch zu lesen sind. Mir fiel auf, dass er sehr still war und aufmerksam zuhörte, während ich sprach. Der Verleger fragte mich danach: „John, könntest du diese Dinge als dein nächstes Buch herausbringen?“ Ich war überrascht und fragte: „Meinst du, ein Buch an Stelle des geplanten Buches?“ Er sagte: „Ja.“ Ich sagte: „Gib mir Zeit, darüber zu beten.“ Ich suchte Gott im Gebet, um seinen Willen zu erfahren. Ich sprach mit engen Freunden, denen ich wirklich vertraue, über die Möglichkeit, das Buch herauszubringen. Sie ermutigten mich sehr, auch über dieses Thema zu schreiben. Tief in meinem Herzen wusste ich, dass ich es tun sollte, aber ich war mir auch bewusst, dass sich einige darüber ereifern würden und andere es missverstehen würden. „Herr“, fragte ich, „möchtest du wirklich, dass ich dieses Buch schreibe?“ Ich musste immer wieder an die Kritik denken, der ich mich damit aussetzen könnte. „Warum sollte ich Kritik über mich ergehen lassen?“ Ich fing an zu weinen. Ich wusste, dass ich egoistisch war und zu viel an mich dachte. Ich dachte an die vielen Menschen, denen ich begegnet war, und an die vielen Berichte, die ich von denen gehört hatte, deren Leben durcheinander geraten war auf Grund von Worten, die nicht wirklich von Gott gekommen waren. Ich fasste den Entschluss, mich der Aufgabe zu stellen, die Gott für mich hatte, und das zu sagen, was Er mir anvertraut hatte. Ich habe in dieses Buch wahre Begebenheiten aufgenommen, von denen ich glaube, dass sie dir helfen zu lernen, das Echte von der Fälschung zu unterscheiden. Ich nenne keine Namen, denn es geht 23


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hier nicht darum, Einzelpersonen bloßzustellen, sondern Irrtümer und falsche Haltungen ans Licht zu bringen. Mit der Ausnahme von zwei Berichten sind immer Personen beteiligt, die in prophetischen Diensten stehen, die in ganz Amerika bekannt sind. Ich weise auf diese Tatsache hin, damit deutlich wird, dass die Beispiele nicht seltene Ausnahmen sind, die sich fernab der Zentren des Christentums abspielen. Ich glaube vielmehr, dass die Beispiele ein sehr genaues Bild von dem zeichnen, was derzeit in den Vereinigten Staaten geschieht. Ich habe mit vielen Leitern gesprochen, die ähnliche Dinge erzählten. Ich konnte ihre Berichte jedoch aus Platzgründen nicht in dieses Buch aufnehmen. Ich glaube, wir befinden uns in einer Krise, die den ganzen Leib Christi umfasst und die noch gravierender werden wird, wenn wir nicht der Wahrheit ins Auge blicken und uns von den Lügen abwenden. Die in diesem Buch zusammengestellten biblischen Wahrheiten bereiten dir möglicherweise Unbehagen oder überführen dich einiger falscher Haltungen. Ich weiß das ganz genau, weil Gott mich beim Schreiben überführte. Der Heilige Geist beleuchtete für mich besonders Wahrheiten jener Bereiche, in denen ich nicht präzise in seinem Willen lebte. Ich tat Buße und änderte meine Haltung gegenüber Worten, die mit „So spricht der Herr“ eingeleitet werden. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch dazu beiträgt, mehr Klarheit und Geradlinigkeit in denen zu erzeugen, die bereits im prophetischen Dienst stehen. Wenn das erreicht werden soll, dann müssen wir uns ein offenes Herz bewahren und belehrbar bleiben. Wir müssen allem glauben, was das Wort Gottes sagt, anstatt nur das zu lesen, was wir bereits glauben. Wenn wir der Wahrheit gegenüberstehen, dann können wir auf zwei Arten reagieren. Wir können ärgerlich werden und uns verteidigen wie Kain, der Sohn Adams, es tat und eine dringend benötigte Offenbarung ablehnen. Oder wir können uns demütigen und vor Gott beugen wie David, als er von Nathan mit der Wahrheit konfrontiert wurde. Wer wie David reagiert, der wird in seiner ganzen Persönlichkeit Gott ähnlicher werden.

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