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MÄRZ 2018 DEUTSCHLAND

8 €

DEUTSCHLAND ÖSTERREICH 13 SFR SCHWEIZ

ARCHITECTURAL DIGEST. STIL, DESIGN, KUNST & ARCHITEKTUR Die schönsten Spielzimmer weltweit

Kinder, Kinder! La Le Lu Neue Betten, traumhafte Looks

Special Möbel, Architektur & Reisen für Kids

Familienglück Claudia Schiffers relaxter Landsitz in Suffolk

Der Ikenobo-Meister Wie ein japanischer Rennfahrer zur Gartenkunst kam


Inhalt März 89

Architektur 90

Projekt Mit Kanaal hat sich Axel Vervoordt bei Antwerpen ein Idealquartier geschaffen.

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Garten Kazuyuki Ishihara setzt mit jedem seiner Gärten Mutter Natur ein grünes Denkmal. 96 Projekt Sonos

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Mika Rottenberg 21 Editorial 22 Impressum 27 Entdeckung 28 Agenda 33 AD stellt vor

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Cover: Valentina Sommariva / Living Inside; Porträt: Luis Sanchis; Fotos: Julie Ansiau; Beppe Brancato

Stil

60 Praxis Bad

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Kinder Special Von wegen immer nur Plastikkram. Wir glauben an Geschmacksbildung – hier mit den schönsten Möbel-Neuheiten, Kunstbüchern, Hotel-Tipps und Bauten, die für die Kleinen entworfen wurden.

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KinderKlassiker

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Neuheiten Alle Vögel sind schon da … zumindest die Papageien-Teller von Vista Alegre. Der Frühling blüht auf Beata Heumans Daybed und glüht in Maximilian Michaelis’ Leuchten-Skulpturen.

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99

Gute Nacht!

Panorama 100

42 Begg & Co 44 Adresse Wittmann 46 Projekt Pöppler

Kunst Keiner kritisiert den Kapitalismus so surreal wie Mika Rottenberg. Ein Besuch bei der Künstlerin in New York.

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Stil Projekt Das Kölner „Excelsior Hotel Ernst“ wurde renoviert. Mit der Hilfe von JAB Anstoetz.



106 Ausstellungen

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Reise

Sweet Dreams Are Made of This: So wird ein Schlafzimmer zum Nest.

Wie ein Milliardär ein altes Dorf samt Wald versetzt – und daraus das großartige „Amanyangyun“ machte.

Studio

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Inhalt März 124

Alles wird Licht! Für eine Brüssler Familie hat Pierre Yovanovitch eine Villa erfunden, deren Innenleben zur lichten Raumskulptur wird. Berührend schön.

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Kids’ Art

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Leben

Pop-up Living Die Künstler Julia Chiang und Brian Donnelly, alias KAWS, leben in Brooklyn mit ihren Töchtern inmitten von Kunst.

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Brüssler Blau

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Im Glück daheim Hier fühlen sich nicht nur Schildkröten wohl: Claudia Schiffers und Matthew Vaughns imposantes Landhaus in Suffolk ist cozy und chic. 40 Matt!

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Tochter & Co. Mit Design-Innovationen haben sich die Mailänder Giovanni Gennari und Alisée Matta einen Namen gemacht. Die kleine Zoe inspiriert sie dabei nach Kräften.

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Family first In den Hügeln von Los Angeles lebt eine junge Familie einen streng kuratierten und zeitgemäßen Midcentury-Traum.

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„Alles ist zum Spielen da!“

Fotos: Jason Schmidt; Jose Manuel Alorda; Simon Upton; E15

Eine Kuratorin und ein Künstler entwarfen in Brooklyn ein vibrierendes Zuhause voller Sammlerstücke.

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„Hier dürfen Kinder rennen“ Sollen doch anderswo Kinder zum Still­sitzen ermahnt werden – Monica Damonte und Victoria Lacarrieu schufen im Piemont eine elegante Spielwiese.

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Bei Claudia Schiffer

170 AD bei … IMM 171 Update 172 Apropos 173 Summaries 174 Genie & Spleen

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AD Editorial

„Haben Sie nicht auch manchmal Lust, einfach mal für einen Moment mit einem gelben U-Boot abzutauchen aus Ihrer Realität? Schaffen Sie sich solche kindlichen Orte!“

A

Foto: Monstrum; Porträt: René Fietzek

m 1. Juni 1966 hatten die Beatles richtig Spaß. Ein paar Tage zuvor waren in den Abbey Road Studios in London alle vier In­strumente eingespielt worden zu einem Song, den Paul McCartney im Haus der Eltern seiner damaligen Lebensgefährtin Jane Asher geschrieben hatte. McCartney, der in der Hafenstadt Liverpool geboren und aufgewachsen ist, schrieb das Lied aus der Sicht eines Seemanns, der Kindern sein Leben beschreibt. Um dem „Yellow Submarine“ noch mehr Pfiff zu geben, luden die vier Musiker zu jenem ersten Juni eine ganze Reihe Freunde ins Studio ein, darunter Marianne Faithfull, Donovan und Brian Jones, aber auch engere Mitarbeiter wie etwa der Chauffeur der Beatles waren mit von der Partie und machten Lärm mit allem, was in den studioeigenen Schränken zu finden war, Ketten, Glocken, Pfeifen, sogar eine Registrierkasse, Lennon blies mit einem Strohhalm in ein Wasserglas. Im Lead gesungen von Ringo Starr, schoss das Kinderlied sofort auf Platz eins der britischen Single-Charts – zur Legende freilich wurde das gelbe U-Boot erst durch den zwei Jahre später veröffentlichten, gleichnamigen, subversiv-absurden Zeichen­trickfilm von George Dunning, in dem die vier Musiker sich aufmachen, ein

Paralleluniversum namens Pepperland und die in einer Blase gefangen gehaltene Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von der Besatzung der Blaumiesen zu befreien. Der genialste Schachzug dieser psychedelisch-bunten Unternehmung war wohl, den deutschen Grafikdesigner Heinz Edelmann, bekannt geworden mit der Zeitschrift „Twen“, als Art Director zu verpflichten. Der unvergessliche Look, der sich bis heute unserem popkulturellen Gedächtnis eingebrannt hat, war sein Werk. All diese Bilder (und die Musik) hatten auch Bjarke Ingels und seine Mitstreiter des Architekturbüros BIG im Kopf, als sie in Billund, der Heimatstadt des dänischen Steinchenriesen, zusammen mit der Designfirma Monstrum jüngst ihr Lego-Haus realisierten. In dem kann man auf neun verschiedenen Playgrounds etwa in das yellow submarine (o.) schlüpfen und versuchen, einer Oktopus­ attacke zu entgehen, mit einem Heißluftballon in einer Wüste landen oder mit einer Mondrakete aufsteigen (Seite 82). Verspielte Räume dieser Art, in denen Rollenspiel, spontane Kreativität und Experiment sich entfalten können, haben wir diesen Monat zusammengetragen. Ganz konkret für Kinderzimmer, aber im weiteren Sinne auch als Inspiration für jene altersunabhängige Fantasie und Spiellaune, mit der vier Pilzköpfe einst mit einem gelben Unterseeboot in See gestochen sind.

Oliver Jahn

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Stil

Neuheiten, Adresse, Projekt, Studio, Praxis und Kinder Special

Foto: Bosa

Schau nicht rechts, schau nicht links …

Für Designer Manolo Bossi liegt der mythische Reiz von Eulen darin, dass ihre Augen wie bei uns Menschen nach vorn gerichtet sind. Sie können aber den Kopf auch auf den Rücken drehen – wie Bossis Gefäßtrio für Bosa. Das Nesthäkchen (um 180 Euro) gibt es jetzt auch in Greige, den großen Uhu in „Glossy Cashmere“. Aber egal in welchem Farbton – die drei verdrehen uns den Kopf! RK b osatrade.com Redak tion Simone Herrmann, Lilian Ingenkamp und Sally Fuls

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Stil Studio

Sweet Dreams Are Made of This

Tex t Karin Jaeger

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Fotos: Matthieu Salvaing; Andrea Papini / House of Pictures; Styling: Alexandra Papini / House of Pictures; Massimo Listri

Ein gutes Bett schmeichelt dem Rücken – und dem Auge. Vor allem wenn es Teil eines gelungenen Ensembles ist. Wir erklären, was ein Schlafzimmer zum Nest macht.


E in neues Bett kauft man selten aus einer Laune heraus. Insbesondere wer sich für eins der zunehmend populären Boxspring­ betten entscheidet, hat in der Regel hohe Erwartungen: Enormen Liegekomfort, er­ holsamen Schlaf und am besten das Ende aller Rückenschmerzen soll die neue An­ schaffung garantieren. Tatsächlich haben die SUVs unter den Schlafsystemen in die­ ser Hinsicht einiges zu bieten und wirken dazu „stattlich, gemütlich und kuschelig“, wie es Tina Daamen, Head of Style & Visual Merchandising beim Münchner Traditions­ haus Bettenrid, ausdrückt. Entspannung und Geborgenheit sind jedoch nicht nur eine Frage von Einstiegshöhe und Feder­ härte: Zum persönlichen Rückzugsort wird das Schlafzimmer erst wirklich, wenn die gesamte Einrichtung stimmt. „Ein Schlafzimmer muss sich wie ein Nest anfühlen“, sagt der Pariser Interiorde­ signer Tristan Auer. „Es kann gar nicht zu cozy sein.“ Das heißt nicht automatisch Samtvorhang und Kissenstapel (Auer selbst hat in seinem Apartment ein Bedhead aus kühlem Kupfer installiert!), doch anderer­ seits sollte man ein grundlegendes Miss­ verständnis vermeiden: Was gut zum Ein­ schlafen ist, muss nicht zum Einschlafen aussehen. „Neutrale Töne“ sind zwar sehr beliebt, wie Tina Daamen beobachtet hat,

Luis Laplace bezieht sich auf Ibiza (linke S.) elegant-entspannt auf die Natur und lässt „die Elemente sprechen“: Rückwand und Nachttisch sind aus Nussbaum, ein Coffeetable von Charlotte Perriand setzt als Bettbank die warmen Holztöne fort. Den Boden bildet kühler Kalkstein, die Accessoires sind in Erd- und Meerestönen gehalten.

und sie mögen etwa in skandinavisch ge­ prägten Interiors ihre Berechtigung haben, mitunter dürften sie jedoch Ergebnis man­ gelnder Entscheidungsfreude oder falscher Planung sein. Wer das Bett erst kauft, wenn ein Konzept für den ganzen Raum steht, kann bei Premiummarken wie Schramm oder Hästens beziehungsweise in Fachge­ schäften wie Bettenrid aus einem breiten Fundus an Textilien für Headboard und Matratzen wählen oder sogar eigenen Stoff aufziehen lassen. „Man darf im Schlafzim­ mer genauso kreativ sein wie in anderen

Räumen“, sagt Tristan Auer. Doch auch wenn es der privateste und individuellste Raum der Wohnung ist, ähneln sich die ­Rituale rund um das „Abschalten“ so sehr, dass man sich an einer stilübergreifenden Checkliste orientieren kann. Bücher stat t Kleiderstangen

Der Raum an sich braucht nicht riesig zu sein, „eher klein und intim, doch auf den Leib geschneidert wie ein gut sitzender An­ zug“, findet Auer. Kleiderstangen, Wäsche­ kommoden und selbst stumme Diener Außergewöhnliche Betten verdienen eine außergewöhnliche Umgebung: Florence Lopez umgibt das seltene Nakashima-Bett mit einem beschwingten Vintage-Dschungel. Oben eine Drei-ineins-Lösung: Eine Nische im Schrank ist Kokon, Nachttisch und Regal zugleich. Die Garderobe im Schlafbereich ist allerdings nur bei Mini-Woh­ nungen eine gute Idee.

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Kinder Special

Vorhang auf für kreatives Chaos: Diese Spielgefährten verwandeln jeden Raum in ein Paradies für Kinder.

St y­l ing Ralph Stieglitz Fotos Jens Utzt

Nachwuchs für Haus und Hof

Fotos: Jens Utzt / Studio Condé Nast; Produktion: Mona Bergers

Spaß und Spiel im großen Stil

Von links im Uhrzeigersinn: Vorhang „Present Continuous“ von Dedar (197 Euro / m), da­hinter The Knots’ Teppich „Little Skips“ (1 190 Euro). „Mouse Bench Oak“ von Nof­ red (295 Euro), davor und da­ rauf Holzfiguren „Tre+“ von Uuio (137 Euro) und Holzkame­ ra „Green“ von KidsWoodLove (60 Euro). Tafel „Haus“ aus dem Farbverliebt-Shop (125 Eu­ ro) neben Povl Kjers „Rocking Sheep“ (399 Euro). Sebras Spielküche (200 Euro) mit di­ versem Gemüse, daneben „Small ­Apple“ von Anne-Claire Petit (79 Euro) in Holzbox von ­Maileg. Ferm Livings Decke „Little Stripy – Blue“ (67 Euro).


Im Dschungelcamp Von li. im Uhrzeigersinn: Leinenvorhang „47“ (140 Euro / m) und Tapete „Vue d’en Haut“ (160 Euro / m) von Pierre Frey mit ­Giraffe von Steiff (1990 Euro). Daneben Schränkchen „Componibili“ von Kartell (117 Euro) mit Ferm Livings Kissen „Banana“ (59 Euro) und „Jungle“-Plaid von Klippan

Yllefabrik (80 Euro). Äffchen „Foebes“ von Teenytini (93 Euro) und, angelehnt, „Mr. Nelsson“ von Oyoy (55 Euro). An den ­Ringen von Sportbanditen (17 Euro) turnt Steiffs Orang-Utan (699 Euro), darunter ­Sascha Grewes Buchstabenhocker „L“ (320 Euro) mit Sebras „Pull-Along Rhino“

(39 Euro). Zelt „Tente feuilles jaunes“ von Deuz (130 Euro) mit Nattiots Teppich „Baba“ (150 Euro), davor „Mama Frog“ von ­Anne-Claire Petit (225 Euro). Midcentury-Medizinbälle (je 100 Euro), Kletterseil (120 Euro) und Vintage-Turnmatte (1280 Euro), sämtlich von Thilo Scholze.

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Kinder Special

Ene, mene, muh – drin bist du! Redak tion Sally Fuls

O b en k us c heln, unten tus c heln

AH oliver furniture.com

Allez hopp ins Bett Nicht jedes Kind mag den Zirkus, das Badetuch „Circo“ (59 Euro) von Schlossberg aber ganz bestimmt. Baden, trocken gerubbelt werden mit den schönen Tieren und dann schlafen – aaah! Gibt's auch als Kapuzentuch. RK schlos sb erg.ch

Kinderleicht … zusammenbauen lassen sich die „Klik & Stek“-Entwürfe von Rafael Horzon. Form und Farbe der beschichteten MDF-Platten sollen zudem die Intelligenz fördern. Zweifach klug! Set in Rot für 335 Euro. klikunds tek.de

Spaghetti auf buntem Bambus

Wer genug von grellem Kindergeschirr aus Plastik hat, dem sei die „Raw Earth“­-­ Kollektion von Zuperzozial empfohlen. Aus Bambus und Mais gefertigt, ist die Bio-Tableware robust und leicht, fühlt sich aber an wie samtiger Stein. Sie ist zwar nicht unkaputtbar wie Plastik, flinken Händchen kann man die farbenfrohen Teile dennoch anvertrauen. US ab 9 Eur o, zup e r zozial.c o m

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Fotos: Schlossberg Switzerland; Klik & Stek; Remco van der Leij; Oliver Furniture

Das klappt mit dem Hochbett (1849 Euro) von Oliver Furni­ture aus Dänemark. Per Leiter geht’s vom Chatroom unten (die Bänkchen sind zugleich Regale!) hi­nauf ins Land der Träume. Dazu passen Stuhl und Hocker „PingPong“ (jeweils 159 Euro).


Kraken zum Knuddeln Als die israelische Modedesignerin Dana Muskat partout kein Geschenk für ihre Nichte fand, machte sie sich selbst ans Werk und entdeckte eine neue Leidenschaft. ­Kurzerhand sattelte sie um und näht nun statt Kleidern putzige Kuscheltiere. Eine weise Entscheidung, wie man an „Octopus“ (150 Euro) und „GrandPa Whale“ (118 Euro) von BigStuffed sieht. AH rimini-shop.de

HawthorneEffekt? Wer beobachtet wird, gibt sich mehr Mühe. Vielleicht sind Studio Roofs „Little Friends“ also nicht nur freundliche Mitbewohner, son­dern auch subtile Erzieher. Die aus Re­cy­ clingpappe zusammengesteckten Ge­sich­ ter von Giraffe, Panda, Löwe und Affe lassen ihre Schützlinge jedenfalls nicht mehr aus den Augen. FW 9 Euro, s tudioro of.com

Fotos: Rimini-Shop; Lisa Cohen; Lil Mo; Studio Roof

Ruhe im Kar ton Babyfarben können nerven, die „Sen­ tience“-Palette von Dulux indes ist genderneutral und eine Wohltat für die Augen. Genau im Farbschema schwingt Little Hedonists Wiege. RK dulux.com, lit tlehedonis t.nl

Der mit dem Blubb Die Unterwasserhelden der 60er hießen Hans Hass und Commandant Cousteau, sie brachten uns Kugelfisch, Wal und Qualle ins Haus. Momeni verquickt die TV-Erinnerungen im Teppich „Ocean Life“ (259 Euro) und webt gleich noch das Yellow Submarine der Beatles mit ein. Schöne (Ge-)Zeiten fürs Spielzimmer. RK üb er monoqi.com


Fotos: Bennet Smith / MMGI; Clare Forbes / GAP Photos; Porträt: Stephen Studd / GAP Photos

Li. Seite: „Togenkyo – A Paradise on Earth“. Für die Chelsea Flow­ er Show 2014 in Lon­ don entwarf Kazuyuki Ishi­hara (o.) einen ­Garten, durch den sich ­eine Kieseltreppe schlängelt, hinauf zu einem bewachsenen Portal. „Ich liebe Moos, es erinnert mich an meine Mutter“, sagt er.

Wasser, Ahorn, Kie­ fern, Mooskiesel sind wiederkehrende Ele­ mente im Werk des Designers. 2015 wid­ mete er seine Londo­ ner Show-Anlage „Edo no Niwa“ zwar Japans Edo-Zeit (1603 bis 1868), mixte aber zur Steinlaterne westliche Schwertlilien und chi­ nesische Rundsteine.


Architektur Garten

„Das Weiche, das Volle und das Zarte!“ Mit jedem seiner Gärten setzt der japanische Ikenobo-Meister Kazuyuki Ishihara Mutter Natur ein grünes Denkmal. Inter view Roland Hagenberg

M it 22 besuchte er Ikenobo – Nippons älteste Schule der Blumensteckkunst. Gegründet hatte sie der Mönch Senno vor einem halben Jahrtausend. Heute hat Kazuyuki Ishi­hara Dependancen in Tokio, Fukuoka und Nagasaki mit 120 Gärtnern und Floristen, die seine Projekte im In- und Ausland betreuen. Das Büro des Ex-Rennfahrers zieren vier Mini Cooper. An den Wänden hängen Fotos, die ihn mit der Queen und Prince Charles zeigen. In einer Hängematte schläft der kleine Klammeraffe Fleur. Ihre Eltern waren einfache Bauern mit ein paar Kühen. Woher das Interesse für exquisite Landschaftsgestaltung? Mein Vater und meine Mutter haben ihre Reisterrassen mit eigener Hand angelegt. Als die Bombe über Nagasaki niederging, trennte sie nur eine Hügelkette von der Atomexplosion. Sie überlebten, und auch die Reisfelder blieben verschont. Eingestreut waren dort Bäume mit Sitzbänken, wo sich die Dorfbewohner trafen, ausruhten, unterhielten. Diese Bilder der Geborgenheit meiner Kindheit begleiten mich, sie haben den Wunsch geweckt, selbst Welten zu schaffen im Schutz der Natur. Jemandem Blumen zu schenken war 1982 in Japan ungewöhnlich. Trotzdem eröffneten Sie einen Blumenladen? Ich bin im Süden Japans in einem Dorf in der Präfektur Nagasaki aufgewachsen, wo die meisten Christen waren. Blumen für Begräbnisse oder für Weihnachtsdekora­ tionen waren daher eigentlich nichts Ungewöhnliches. Sonst belieferten Blumengeschäfte hauptsächlich Schulen, wo Ikebana gelehrt wurde. Bouquets als Geschenke

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Family first

In den grünen Hügeln von Silver Lake lebt eine junge Familie einen streng kuratierten und überaus zeitgemäßen Midcentury-Traum.


Los Angeles

Fotos: Matthew Williams / Photofoyer

Im Garten vergnügen sich die ­Erwachsenen (li. Seite), Freund Ozzie kommt gern zu ­Besuch ins lichtdurchflutete Spielparadies von Tochter James. Auf dem weichen Teppich von Woven Accents können die Bauklotztürmchen gefahrlos einstürzen.

Tex t Esma Annemon Dil

St yling Scott Horne

Fotos Matthew Williams

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AD 03/2018  

AD Architectural Digest Germany, März 2018 – "Kinder, Kinder!"

AD 03/2018  

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