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FEBRUAR 2018 DEUTSCHLAND

8 €

DEUTSCHLAND ÖSTERREICH 13 SFR SCHWEIZ

ARCHITECTURAL DIGEST. STIL, DESIGN, KUNST & ARCHITEKTUR

Ikonen zum Anfassen So lässig wohnt die Galeristin von The Apartment

20

 Top-Adressen für antike Bauernmöbel

Slow Architecture Ein visionärer Landsitz für Generationen

Zeitlos Design ohne Verfallsdatum

Wir stehen drauf! Die schönsten Teppiche des Jahres


Inhalt Februar 83

Architektur 84

Projekt James Macdonald Wright und Niall Maxwell schufen in Kent ein fabelhaftes Mehrgenerationenhaus: klimaneutral und traditionsbewusst. 88 Radar

90

Garten Eine Wanderung zu Europas höchstgelegenem Arvenwald im Engadin.

94

Projekt Glasklar! Axel Drebing und Sky-Frame schicken ein Holzhaus in die Zukunft.

74

97

Panorama

Cover: Wichmann + Bendtsen, Produktion: Helle Walsted; Fotos: Gaelle Le Boulicaut; Heiko Prigge; Porträt: Boris Schipper

Türen-Stars 23 Editorial 34 Impressum 39 Entdeckung 40 Agenda 45 AD stellt vor

66 Projekt Euroboden 68 Projekt Knoll

47

Studio Swine lässt bei der Designmesse in Miami für COS Seifenblasen regnen.

Stil

70

Stil Projekt

72 Adresse Prada

48

Mit Arbeiten über Menschliches und Übermenschliches wurde Kiki Smith zu einer der wichtigsten Künstlerinnen. 102 Ausstellungen 104 Bücher 106 Reise London

74

Neuheiten So schön, das bleibt! Neues von Gubi, Martino Gamper, Freifrau und Pierre Frey.

98

Kunst

Studio Wie Türen von artig stummen Dienern zu beschwingten Möbel-Stars werden.

53 Talent

80 Praxis Küche

56

Interview Stücke mit Seele – „Oops“, das ist Pierre Yovanovitchs neuste Möbel-Edition. 58 Thema 59 Interview Rimowa 60 Top 20 61 Interview Draenert

62

Special Teppiche Neuer Schwung fürs Parkett: Elegantes für den Boden in Wolle, Marmor und Holz.

53

Jorge Penadés 84 Haus-Dorf 108

Reise Mexiko Wachgeküsst: In Yucatán wandeln sich verlassene Haciendas zu schicken Hotels. 112 Reise Neuheiten

13


Inhalt Februar 154

Walk the line Wenn Damien Langlois-Meurinne mit Texturen zaubert, sind Pariser Chic und Geborgenheit keine Gegensätze.

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Das Beste aus allen Welten 122

Saigon, très chic! 115

Leben 116

Ein & Alles

Unter dem Dach der Textilunternehmer Camilla und Michael Fischbacher bei St. Gallen treffen sich Amerikas Größe, europäischer Stil und asiatische Kunst zu einer munteren Ménage-à-trois. 170 AD bei … AD Summit 173 Update 174 Summaries 176 Apropos 178 Genie & Spleen

162

Grün zu Blau

Bei der Erweiterung seines 1943 erbauten Hauses in Aarhus gelang einem Architektenpaar ein nahtloses Kunststück.

122

In weiter Ferne so nah Seine Villa Verte ist grün. Und rosa. Lackbunt und traumschön. Zu Besuch in Vietnam bei Bruno de Caumont – einem Virtuosen des Außergewöhnlichen.

130

Die Heimkehr ins Neue

138

Tina Seidenfaden Busck

In einer Chiemgauer Scheune fand die Münchner Architektin Stephanie Thatenhorst zurück zu ihren Wurzeln. Die Geschichte eines Umbaus.

138

Tina total

Fotos: Hai Dong Nguyen; Wolfgang Stahr; Wichmann + Bendtsen

Wer den Stil von The Apartment mag, wird hier sofort einziehen wollen! Ein Hausbesuch bei Galeristin Tina Seidenfaden Busck in Kopenhagen.

146

Leuchtturm der Kunst Helene Kröller-Müllers Traum war ein Museum für ihre famose Kunstsammlung. Doch vorher ließ sie sich in Gelderland ein Gesamtkunstwerk errichten.

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Nigiri

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AD Editorial

„In der an Könnern reichen französischen Stilgeschichte lässt sich das Niveau der Verfeinerung an den Möbelentwürfen der Designer ablesen. Die aktuellen Entwürfe beweisen es wieder einmal.“

Foto: Jean-François Jaussaud / Luxproductions; Porträt: René Fietzek

A ls im Februar 2009 im Pariser Grand Palais die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé versteigert wurde, gehörten die Möbel von Jean-Michel Frank zu den begehrtesten Stücken dieses vielleicht größten Sales in der Geschichte der Auktionen. Kein Wunder. Unter all den Granden des Art déco wie Armand Albert Rateau, Eileen Gray, Émile-Jacques Ruhlmann, Eugène Printz, Jean Dunand oder Jacques Adnet wird der Name des 1941 in Manhattan gestorbenen Gestalters, der 1926 mit der Ausstattung der Wohnung des Vicomte Charles de Noailles und dessen Gattin Marie-Laure de Noailles an der Place des États-Unis sein Meisterstück abgeliefert hatte, heute mehr denn je wie ein Codewort stilistischer Vollendung weitergegeben. Mehr Eleganz, Understatement und Charisma hat es in der an Könnern wahrlich nicht armen französischen Geschichte der Verfeinerung selten gegeben. Wenn man sich allerdings anschaut, auf welch avanciertem Niveau gegenwärtig die Hautevolee der ­Pariser Innenarchitekten weltweit den Takt vorgibt, hat das mit diesem sozusagen hauseigenen, unerschöpflichen gestalterischen Erbe zu tun. Heute gehört es fast schon zum guten Ton, ganz

im Sinne dieser Interieur-Legenden, der eigenen Handschrift nicht nur über das Einrichtungskonzept mit seinen Farben, Formen, ­Texturen und Arrangements Ausdruck zu verleihen, sondern mit eigenen Möbelentwürfen erst richtig Kontur zu verschaffen. Christian Liaigre hat das seit Langem höchst erfolgreich sogar mit ei­genen Boutiquen für seine Kollektionen vorgemacht, namhafte Kollegen wie Jean-Louis Deniot etwa folgten mit ausgesuchten kleinen Editionen. Nun hat auch Pierre Yovanovitch, derzeit vielleicht der ge­ fragteste der Pariser Interiordesigner, bei Zesty Meyers in dessen New Yorker Galerie R & Company mit „Oops“ seine erste eigene Linie vorgestellt (Seite 56). Zu sehen waren Stücke wie etwa das Stuhlpärchen „Madame“ und „Monsieur“ aus massiver Eiche oder die zusammen mit Salomé Gendron entworfene Keramik-Stehleuchte „Marsha“ (o.), die bisher nur für Yovanovitchs eigene Interieurs zu haben waren. Yovanovitch hat über die Jahre einen wahren Geheimbund exquisitester Handwerker um sich geschart, Ebenisten wie Hugo Delavelle, Glaskünstler wie Matteo Gonet, den Weber Sam Kasten oder die wunderbare Keramikerin Ar­ melle Benoit. Die Objekte, die dabei herausgekommen sind, haben absolut das Zeug, Ikonen von morgen zu werden. Jean-Michel Frank-Niveau. Nouveau Art déco. Ich würde sie sammeln.

Oliver Jahn

23


Stil

Foto: Luis Beltrán

Neuheiten, Talent, Interview, Thema, Top 20, Special Teppiche, Projekt, Adresse, Studio und Praxis

Art + déco = Arco

Ein Schuss Leichtigkeit: Mit spanischer Nonchalance, filigranen Bögen aus strahlend gelbem Metallgestänge und puristischen ­Samtpolstern in Rosé entwickelt die Designagentur Masquespacio ihr Rezept für ein modernes Art déco. Die Serie „Arco“ für Houtique ist ein erfrischender Vorgeschmack auf das, was kommt – und das, was bleibt. FW houtique.e s, masque spacio.com Redak tion Simone Herrmann & Lilian Ingenkamp

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Stil Neuheiten

Nordlicht und Polarstern

Den Mann, der „Finnland erleuchtete“, haben nur wenige auf dem Schirm. Wohl aber Jacob Gubi: Als Vintage-Kenner reediert er die Entwürfe von Paavo Tynell, der in den 30er und 40er Jahren mit eleganten Messingleuchten bekannt wurde. Modell „1965“ (rechts), übrigens aus dem Jahr 1947, ist – typisch für Tynell – fein perforiert.

Lego de luxe Friso Wiersma meint: Selbermachen verstärkt die Bindung zum Objekt. Deshalb darf man „By Hand“ (Hocker 89 Euro, Schrank 569 Euro) aus Pinienholz­elementen eigen­händig ­zusammenstecken. friso.nu

LI 5 2 9 Euro, gubi.dk

Neues von der Insel

„Bolla“, „Perla“, „Abissi“ und „Orbita“ – nein, das sind nicht die Mitglieder einer italienischen Girlband, sondern vier von neun surreal schimmernden Objekten aus Giorgia Zanellatos Kollektion „Sospesi“, in der sie Muranos Glaskunst avantgardistisch auslotet. AH Edition von je 6 , Preis auf Anfrage, üb er the galler ybruxelle s.com

War es die frühe Morgendämmerung oder doch das bekannte Tarnmuster? Die Frage, was Sebas­tian Scherer zu seinen „Camo“-Sidetables inspi­rierte, löst sich – wie die Schatten derselben – in Wohlgefallen auf. Egal ob aus Farbeffektglas (oben, ab 2650 Euro) oder Marmor, die gerundeten Plat­t en bilden Wol­kenformationen, deren Wechsel­spiel man gebannt betrachtet. FW ne o craf t .com

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Fotos: Gubi; Anastasija Mass; Tobias Wirth; Mattia Balsamini

Aufziehendes Hoch


Stil Neuheiten

Veni, vidi, Vicenza In Andrea Palladios 1585 eröffnetes Teatro Olimpico in Vicenza passen etwa 400 Menschen, doch vor dieser Bühne steht man allein: Nikolai Kotlarczyk entwarf seine „Scena“-Spiegel (zu deutsch: Bühnenhaus) als Hommage an die Monumentalarchitektur des Renaissance-Baumeisters. Dafür setzen venezianische Glasvirtuosen die einzelnen Teilchen zu funkelnden Grundrissen zusammen. SF ab 1 8 5 0 Euro, p or tego.it

Fiesta mexicana Das farbenfroh bestickte Baumwoll-Leinen „Pueblos“ macht vor allem eins: gute Laune! 2 70 Euro / M e ter, pierre frey.com

Porzellan-Nigiri „Sushi“ für Fortgeschrittene: Die Deckel der Saucentöpfchen sind zugleich Stäbchenablage. S e t 3 2 Euro, namceramicworks shop.com

Fotos: Oop; Pierre Frey; Namm Yoon; Mario Simon Lafleur; Flos

Best Ager Zum 50. Jubiläum glimmt der Marmor von „Snoopy“ unter einem mattschwarzen Schirm. 1200 Euro, flos.com

Ja, ich will!

Als wären sie aus dem Fresko gefallen: Für die Neumöblierung des Trauzimmers im Rathaus von Pantin setzte das Designduo Atelier Sauvage die Farbstimmung der Wandmalerei kongenial in fein getischlerte Entwürfe aus gefärbtem Berg-Ahorn (Preis auf Anfrage) um. MB atelier-sauvage.com

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Stil Special

Get on the Dance Flo(o)r

Redak tion Lilian Ingenkamp

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Fotos: Ma Poésie x Pinton; Kvadrat / Danskina; TAN and Studio HVN; The Rug Company; CC-Tapis; Tufenkian Artisan Carpets; Stepevi; Cold Picnic; Jab Anstoetz

Poppiges Pastell und flirrende Muster: Die neuen Teppiche aus Hochlandwolle, Seide und Bambus bringen Schwung aufs Parkett. Beste Partner? Massive Dielen aus Eiche und Fliesen auf Zack.


2

3

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Teppiche

Mit allen Fasern

9

8

5

1 „Élement“ aus Wolle und Bambus, 5623 Eu­ ro (180 x 250 cm) von map o e sie.fr und ­ inton1 8 6 7.c om 2 „Merger“ mit neusee­ p ländischer Schur- und Baumwolle, 369 Euro / m2 d a n s k in a .c o m 3 „Eclipse Titan“ (29 750 Dollar), handgewebt in Nepal, limi­ tiert auf 25 Stück, von Henny van Nistel­ rooy für galler y-all.com 4 „Mainland Dark“ (1105  Euro / m2) aus Tibet-Wolle und Seide, von Sebastian Herkner für therugcompany. c om 5 „Canvas Denim“ aus Bambusfaser, ab 545 Euro tufenkian.com 6 „Blossom“ (in Farbe, Material und Größe je nach Wunsch konfigurierbar), 525  Euro / m2 s te p evi. c om 7 „Girl in the Convertible“, Wolle, 60 x 90 cm, 135 Dollar c oldpicnic.c om 8 Still ruht der See: „Lake“, Viskose-Leinen, 598  Euro / m2 jab.de 9 Tapisserie „Bliss“, Wolle und Seide, 1745 Euro, cc -tapis.com 7 6


Tex t Karin Jaeger

Offen  für Neues Wie werden Türen von braven stummen Dienern zu beschwingten Mitgliedern eines Interior-Ensembles? Anregungen für einen eleganten Weg nach nebenan.

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Fotos: Carola Ripamonti; Akihiro Yoshida; Note Design Studio (2); Tecnoline (2); FSB; Izé; Chris Burnside; Olivari; Beschläge Hamburg

Stil Studio


Architekten-Klinken

W ir benutzen sie ständig und selbstverständlich – so selbstverständlich, dass wir oft gar kein klares Bild vor Augen haben von den Türen in unserem Leben und von ihren Klinken. Am ehesten noch von repräsentativen Eingängen, die als Visitenkarte des Hauses entsprechend herausgeputzt sind. Die Türen im Innern dagegen werden meist gefällig furniert oder unaufdringlich weiß lackiert und mit Messing- oder Edelstahlgriffen eines relativ begrenzten Formenrepertoires versehen. An sich kein Problem – solange man Türen quasi als bewegliche Wände versteht, als Architekturelemente, die einen relativ neutralen Rahmen vorgeben für das Mobiliar. Wer jedoch eine ganzheitlichere Vorstellung vom Einrichten hat, ahnt leise, dass da noch mehr gehen könnte. Begreift man seinen Lebensraum zudem nicht als Raster klar definierter Funktionseinheiten, sondern möchte ihn offener, fluider gestalten, sollte man das Thema Grenzen und Übergänge neu in den Blick nehmen. So transformierte Note Design Studio einen Stockholmer Altbau: Die Türrahmen und Lambris aus dem 19. Jh. (u. re.) strichen sie in zartem Salbeigrün; neu eingefügte Türen und Wände (u.) haben einen ähnlichen Ton und greifen, wie auch die Einbauten, das Parkettmuster auf. Li. S.: Marcante Testa fügten in Mailand die weißen Rahmen harmonisch in den Flur, die Flügel passen sich dagegen dem Zimmerboden an. O. re. ein Experiment des Designstudios Nendo.

Neuheiten & Klassiker Im Atelier von Walter Gropius entstand 1922 die Mutter aller modernen Klinken. Heute bei mehreren Herstellern, z.B . te cnoline.de

Natürlich dürfen handwerkliche Fragen bei der Planung und Gestaltung von Türen nicht außer Acht gelassen werden: Stimmen die Proportionen sowohl der Raum­ aufteilung als auch innerhalb der Tür? Funktioniert der bauliche Anschluss, etwa an Sockelleisten, und wie groß sind die Fugen zur anschließenden Wandbekleidung? Auch die Handhabung muss bedacht werden: Wer sich deckenhohe Türen wünscht, erreicht damit eine großzügige, ruhige Optik (wie dies Interiordesignerin Ester Bruzkus empfiehlt), doch je größer die Fläche, desto höher das Gewicht, und egal wie gut eine Tür aussieht: Sie sollte widerstandslos ihren Job machen. Ein guter Architekt oder Schreiner wird in solchen Fällen das Ma­ terial anpassen, beispielsweise im Innern leichte Aluwaben verbauen. Schiebetüren

John Pawson variiert Hans Poelzigs „Reichsformdrücker“: „FSB 1242“ in ­Bronze, Preis auf ­Anfrage. f sb.de

Die schlichte Kramer-Klinke ist ein sachlich-eleganter Klassiker aus den zwanziger Jahren. 205 Euro. te cnoline.de

Lina Bo Bardi schuf „LBL01“ 1951 für ihr eigenes Haus in São Paulo, erst 62 Jahre später ging sie in Serie. ize.info

Zupackend: Griffstange der „Tom Kundig Collection“; ge­schwärzter Stahl und Nussbaum, 1225 Dollar. 1 2 thavenueiron.com

Gio Ponti skizzierte viele Klinken, „Lama L“ ist bei Olivari in Produktion. Aus Messing, verschiedene Finishs, 158 Euro. olivari.it

„Lund“ von Claesson Koivisto Rune für ­Colombo hat eine konkave Grifffläche. Um 60 Euro, üb er b e schlae ge.hamburg

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Tex t Camilla Péus Fotos Heiko Prigge

Wie das Dorf ins Haus kam … James Macdonald Wright und Niall Maxwell schufen in Kent ein Mehrgenerationenhaus, das alles in einem ist: zukunftsgewandt, traditionsbewusst – und klimaneutral.


Architektur Projekt

M

Bei Caring Wood oben handelt es sich nicht um vier Einzelhäuser, sondern um ein überund unterirdisch verbundenes Raumgefüge. Sein Herzstück ist der nach oben offene Kontempla­tionsraum rechts mit Wasserbecken. Linke Seite: Verwirrend wie ein Werk von M.C. Escher: der Blick ins hohe Atrium.

it Neuankömmlingen spielt das Anwesen erst mal hide and seek. Auf dem 1,6 Kilometer (!) langen Zufahrtsweg ist von einem Landsitz nichts zu sehen. In Schlangenlinien führt er durch Sauerkirschplantagen und Wildblumenwiesen, auf denen ein Imker gerade Honig aus Bienenkörben erntet. Von einer Anhöhe mit Blick auf die sanften Hügel der Grafschaft Kent zeigen sich kurz schräge Fassaden und Zipfel asym­ metrischer Dächer, um in der nächsten Senke wieder aus dem Sichtfeld zu verschwinden. Erst auf den letzten Metern taucht das Haus aus der Deckung auf. Und augenblicklich wird klar, dass es sich bei Caring Wood, benannt nach dem Eichen- und Eschenwald, der die Gegend bis 1908 bedeckte, um kein typisch englisches Landhaus handelt. Statt­ dessen verteilt sich ein verwirrender Gebäude-Cluster mit vier turmartigen Eckpa­ villons über den Hang. Nur die Verkleidung mit rostroten Lehmschindeln beruhigt das bewegte Bild. „Die Anfahrt ist wichtig, um das Konzept des Hauses zu verstehen“, erklärt Architekt James Macdonald Wright. „Erst steht die Landschaft im Fokus, dann der Ausblick auf die historischen Oast-Häuser in der Ferne mit ihren trichterförmigen Dächern, deren Form uns inspiriert hat. Und dann, ganz am Ende, das Haus selbst.“ Schon während der Planung war es dem Londoner Architekten und Schwiegersohn des Auftraggebers wichtig, den Bau behutsam in die Landschaft einzubetten. „Damals habe ich mit meinen Kindern auf dem Grundstück gecampt, um Topografie, Sonnen­ stände und Ausblicke zu studieren“, sagt Macdonald Wright. Die Wünsche des Bau­

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Mรถrschwil

Das Beste 162


Die Schweiz ist nicht genug: Unter dem Dach der Textilunternehmer Camilla und Michael Fischbacher treffen sich Amerikas Größe, europäischer Stil und asiatische Kunst zu einer munteren Ménage-à-trois.

aus allen Welten Tex t Simone Herrmann

American Modern­ ism: Von Hermann Guggenbühl und Christian Fischba­ cher IV. gebaut, erin­ nert das Haus, in dem heute sein Enkel Michael und dessen Frau Camilla (re.) le­ ben, an Neutras Case Study Houses. Reliefreplik (li.) auf der Terrasse nach Aris­ tide Maillols Original. fischbacher.com

Produk tion Ralph Stieglitz

Fotos Wolfgang Stahr


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Foto: Wichmann + Bendtsen;

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