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Basisbildungszentrum abc-Salzburg

Lastenstraße 22 A—5020 Salzburg Tel. +43/662/871657 www.abc.salzburg.at

Geschäftsbericht 2013


Die Kurse des Basisbildungszentrums abc-Salzburg werden aus Mitteln des Landes Salzburg, des Bundesministeriums f체r Unterricht, Kunst und Kultur, des Europ채ischen Sozialfonds und der Stadt Salzburg finanziert.

Die Entwicklungsarbeiten des Basisbildungszentrums abc-Salzburg werden aus Mitteln des Bundesministeriums f체r Unterricht, Kunst und Kultur und des Europ채ischen Sozialfonds finanziert.

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Inhalt

Anstelle eines Vorworts

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Unsere zentrale Aufgabe: Maßgeschneiderte Kurse und Beratung

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Zahlen/Daten/Fakten

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Vernetzung und Know-how-Transfer

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Qualitätsmanagement

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Aktivitäten und Wandel

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Das abc-Salzburg in den Medien

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Ein Ausblick auf 2014

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Organisation

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Schreibwerkstatt - Text der Teilnehmerin Verena

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Anstelle eines Vorworts

Ich wünsche dem abc-Salzburg und seinem Gute-Wünsche-Bäumchen starke Wurzeln, die den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern Halt bieten und dazu noch viele Bildungsfrüchte, die gemeinsam geerntet werden können.

LR.in Mag.a Martina Bertold

Für die Teilnehmer/innen wünschen wir uns Mut und Energie für das Erlernen wichtiger Fertigkeiten. Für die Lehrenden und das Team innovative Ansätze und ein gutes Miteinander und für den neuen Standort in Bischofshofen: ein positives Umfeld für alle Menschen, die hier lernen und arbeiten.

© Strauß/Stadtgemeinde Bischofshofen

LAbg. Mag.a Daniela Gutschi

Für alle KursteilnehmerInnen wünsche ich mir, dass durch das in dieser Einrichtung Gelernte die Welt offener wird und für jeden einzelnen damit mehr Chancen und Lebensqualität möglich sind.

Bgm. Jakob Rohrmoser

Ich wünsche mir für das abc-Salzburg, dass diese wunderbaren Räume und unser Know-how noch viele, viele Jahre von vielen, vielen Erwachsenen genutzt werden können, damit ihr Leben die oft lang gewünschte Veränderung erfährt, sich neue Türen öffnen… Brigitte Bauer

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Unsere zentrale Aufgabe: Massgeschneiderte Kurse und Beratung Erwachsene, die nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen können und dies möglichst schnell ändern wollen, brauchen professionelle Unterstützung. Sie alle haben mindestens eine gescheiterte Lerngeschichte hinter sich, zweifeln enorm an ihrer Lernfähigkeit und leben einen hürdenreichen Alltag, der ihnen viel an Konzentration und Wendigkeit abverlangt. Niemand soll merken, dass Lesen, Schreiben, Rechnen oder der Umgang mit dem Computer große Probleme machen. Jede Situation, in der womöglich geschrieben, gelesen, gerechnet werden müsste, muss vorweg ausgelotet werden. Dieses ständige Auf-der-Hut-Sein strengt an, macht mürbe. Schneller als sich denken lässt, finden sich die Betroffenen in Situationen wieder, aus denen es kein Entrinnen gibt: Die Arbeitskollegin muss früher weg und es soll das Arbeitsprotokoll fertiggestellt werden. Nur kurz und knackig – also kein großer Aufwand! Niemand kann ermessen, was diese kleine Bitte auslösen kann. Eine vielfach bewährte Strategie nimmt ihren Lauf: Wenn „Situationen vermeiden“ nicht funktioniert hat, tritt Plan B in Kraft. Es werden beste Ausreden gefunden, warum das Protokoll nicht geschrieben werden kann, oder das Papier wird nach Hause mitgenommen. Dort gibt es Hilfe – und auch Abhängigkeit: eine Vertrauensperson, familiär oder freundschaftlich verbunden, die all die schriftsprachlichen Angelegenheiten erledigt. Dann, wenn der Druck groß genug ist und die Erwachsenen beschließen, sich von ihren bisherigen Strategien zu verabschieden, unterstützt sie das abc-Team mit maßgeschneiderten Lernangeboten bei ihrem zweiten oder dritten Einstieg ins Lernen.

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Die Angebote im Überblick: DER ERSTKONTAKT über 0699-10102020 (Mo-Fr 8:00-18:00 Uhr)

DIE EINGANGSBERATUNG

findet in den Kurs- und Beratungsräumen des abc-Salzburg statt (2 Unterrichtseinheiten)

DIE EINGANGSPHASE Einzelunterricht (2 Unterrichtseinheiten pro Woche – Dauer: 5 Wochen)

DIE LERNGRUPPE max. 6 Teilnehmer/innen pro Lerngruppe (4 Unterrichtseinheiten pro Woche – Dauer: bis zu 10 Wochen)

DER KLEINGRUPPENUNTERRICHT max. 6 Teilnehmer/innen pro Gruppe (4 Unterrichtseinheiten pro Woche – Dauer: bis zu 30 Wochen)

WORKSHOPS und EINZELSITZUNGEN zum emotionalen Stressabbau (nicht verpflichtend)

SOZIALBERATUNG (nicht verpflichtend)

LERNCAFÉ (nicht verpflichtend)

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Nach fünf Terminen Einzelunterricht besuchen die Neuzugänger/innen den Gruppenunterricht. Maximal sechs Teilnehmer/innen treffen sich einmal pro Woche und verfolgen ihre individuellen Ziele an Hand von alltagsrelevanten Themen. Ein gemeinsames Lehrbuch, das Kapitel für Kapitel durchgearbeitet wird, gibt es nicht – und zwar aus einem bestechend einfachen Grund: Es würde stören – auf vielfältige Weise: Basisbildungsunterricht bedeutet Arbeiten an aktuellen Themen, individuelles Lerntempo und wendiges Reagieren auf stressige, berufliche oder private Anforderungen wie z. B.: Alois M., der überraschend am Bau die Jausenliste für die Bauarbeiter schreiben und dann einkaufen gehen muss. Wörter wie Leberkäsesemmel, Gurkerl, Cola etc. werden geübt, Abkürzungen gesucht. Alltagsrelevante Lerninhalte bestimmen den Unterricht. Erna H. will die Namen ihrer Kinder richtig schreiben können, während Slatko S. große Schwierigkeiten mit einfachsten Formularen hat. Die Lernenden und ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten stehen also im Zentrum der Aufmerksamkeit und nicht ein Buch.

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© Christina Repolust

Der erneute Einstieg ins Lernen muss bestmöglich gelingen, denn die meisten Neuzugänger/innen bringen große Unsicherheiten und Zweifel an ihrer Lernfähigkeit mit. Die Eingangsberatung und der darauffolgende Einzelunterricht bieten den notwendigen Rahmen dafür. Die Lernenden arbeiten mit maßgeschneiderten Lernmaterialien, genießen die ungeteilte Aufmerksamkeit der Trainer/innen und loten im Gespräch ihre Lernwünsche und individuellen Möglichkeiten aus. Gemeinsam wird der Lernplan erstellt. Als unverrückbares Prinzip im Basisbildungszentrum abc-Salzburg gilt: Die Erwachsenen müssen nach der ersten Unterrichtseinheit mit der Erfahrung: „Heute habe ich Neues gelernt. Ich bin tatsächlich lernfähig!“ nach Hause gehen. Dieses erste erfolgreiche gemeinsame Arbeiten und Lernen prägt den Grundstein für die zukünftige Zusammenarbeit.


Hier zwei Beispiele aus der Praxis:

für

erwachsenengerechtes

Lernen

Auseinandersetzung mit dem Thema „Bildung“ anhand eines aktuellen Kinofilms „Alphabet“, der neue Film von Erwin Wagenhofer, sorgte schon vor seinem Kinostart im Oktober 2013 für Aufregung in der Öffentlichkeit. Beworben wurde er mit folgendem Statement: „98% der Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%.“ Dieses Thema hat viele Kursteilnehmer/innen aufgrund ihrer eigenen schwierigen Bildungsbiografie stark angesprochen. Gemeinsam mit Trainerin Birgit Loibichler hat eine Lernendengruppe den Film im Kino gesehen und in den Unterrichtsstunden danach daran gearbeitet: Die eindrücklichsten Szenen wurden aufgegriffen und besprochen, das chinesische Bildungssystem und die Beiträge von André Stern wurden heiß diskutiert. Eindrücke und Statements zum Film wurden niedergeschrieben… Ein fortgeschrittener Kursteilnehmer interessierte sich besonders für das Leben von André Stern – er startete deshalb eine Internetrecherche. Erzählen, diskutieren, schreiben, philosophieren, lesen, recherchieren… erwachsenengerechter, themenzentrierter Basisbildungsunterricht im besten Sinne! Schreibwerkstatt im abc-Salzburg Die Schreibwerkstatt „Das Leben ist bunt – lasst uns darüber schreiben“ wurde am „grünen Brett“ im abc-Salzburg angekündigt. Sechs Kursteilnehmerinnen meldeten sich und fanden am Schreibnachmittag einen bunt dekorierten Raum vor: Farbenprächtige Bilder inspirierten, weckten Assoziationen und

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Erinnerungen, entspannende angenehme Atmosphäre.

Musik

sorgte

für

eine

Fein aufeinander abgestimmte Schreibmethoden erlaubten ein schrittweises Herantasten an verschiedene Farbeindrücke und daran geknüpfte Erinnerungen aus der eigenen Biographie. Diese Erinnerungen brachten die Teilnehmerinnen jede für sich zu Papier. Die Rückmeldungen an die Trainerin Petra Freynhofer waren eindeutig: Die Schreibwerkstatt wurde als eine sehr motivierende, anregende, ermutigende neue Erfahrung bewertet. Das Basisbildungszentrum abc-Salzburg bietet folgende Kurse auf jeweils drei Niveaus an: Deutsch Lesen | Schreiben Rechnen | Mathematik Schreiben mit neuen Medien

Zusätzliche kostenfreie Angebote, die das Kursangebot abrunden: Lerncafé „Gemütliches Lernen bei einer Tasse Kaffee“ ist einmal pro Woche das Motto im abc-Salzburg. Das Lerncafé wird von den Kursteilnehmer/innen gerne genutzt, denn Infrastruktur und eine Trainerin stehen ihnen für drei Stunden kostenfrei zur Verfügung. Ohne Voranmeldung können ehemalige und aktuelle Kursteilnehmer/innen das Lerncafé besuchen, in Ruhe üben und wiederholen, sich mit anderen austauschen und mit professioneller Unterstützung ihre Lernziele verfolgen.

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Kursbegleitende Sozialberatung Die kursbegleitende Sozialberatung wird dann gerne in Anspruch genommen, wenn sich die Kursteilnehmer/innen in Situationen wiederfinden, die sie als extrem belastend empfinden. Konzentriertes Lernen ist kaum mehr möglich. Die Beratungsgespräche entlasten und helfen, die aktuellen Lebensumstände besser zu verstehen und den jeweiligen Handlungsspielraum zu erweitern. Krisensituationen können somit entschärft werden und bei Bedarf wird an zusätzliche Einrichtungen weiterverwiesen. Workshops und Einzelsitzungen zum emotionalen Stressabbau Kursteilnehmer/innen, die unter starkem Stress leiden, können Gruppenworkshops oder Einzelsitzungen zum emotionalen Stressabbau besuchen. Sie werden auf Anfrage unterrichtsbegleitend von Gerhild Sallaberger durchgeführt. Zentrale Fragen, wie etwa was Stress ist und wie individuelle Kapazitäten freigesetzt werden können, werden gemeinsam bearbeitet.

Zahlen/Daten/Fakten Teilnehmendenstatistik Im Jahr 2013 haben in der Stadt Salzburg und in Bischofshofen 84 Jugendliche und Erwachsene die Eingangsphase, also den Einzelunterricht, besucht.

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In der Stadt Salzburg haben im Sommersemester 91 Teilnehmer/ innen am Kleingruppenunterricht teilgenommen. Im Wintersemester waren 94 Kurspl채tze belegt.

In Bischofshofen haben im Sommersemester 40 Teilnehmer/innen am Kleingruppenunterricht teilgenommen. Im Wintersemester waren 45 Kurspl채tze belegt.

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Kuriose Fakten aus dem abc-Salzburg

 Das Durchschnittsalter der MitarbeiterInnen beträgt 34,3 Jahre.  Die Buchhaltungsordner des Jahres 2013 sind in Rosa gehalten.  Im abc-Salzburg gibt es 8.533 digitale Lernmaterial-Dateien mit einem Gesamtvolumen von 3,84 GB.

 Der Klingelton des Alfatelefons heißt Xylophon.  Bisher sind es schon 19 Dokumentations- und Abrechnungsordner, die bis zum Jahr 2035 aufgehoben werden müssen. Weitere werden folgen...

Vernetzung und Know-how Transfer Workshops zur Prävention und zum qualitätsgesicherten Ausbau von Basisbildungsangeboten

Trotz äußerst dichtem Jahresplan schieben wir immer wieder Workshops zum Thema Basisbildung ein. Im Wintersemester 2013 leitete Brigitte Bauer zwei Workshops. Der erste fand an der PH Salzburg statt. Studierende des 3. Semesters setzten sich im Sinne der Prävention mit dem verdeckten Problem „Erwachsene mit Basisbildungsbedarf“ intensiv auseinander. Sie hatten sich gut vorbereitet, reflektierten im Workshop ihre Rolle und ihre Handlungsspielräume als Lehrer/innen und stellten viele Fragen… ein toller Work12


shop, der bestätigte: Es gibt sie, die jungen, engagierten Lehrer/ innen, die etwas bewegen wollen!

Der zweite Workshop wurde für Basisbildungstrainer/innen vorbereitet und fand an der Volkshochschule Götzis in Vorarlberg statt. Zentrale Themen waren die Erstberatung, Kurseinstieg und Dokumentation.

Koordination und Moderation des „Salzburger Netzwerk Basisbildung. Arbeitsgemeinschaft der ARGE SEB“ Brigitte Bauer koordiniert und moderiert seit 2009 dieses Netzwerk, das vorrangig zwei Ziele verfolgt: den Aufbau von kostenlosen, qualitätsgesicherten Basisbildungsangeboten im Land Salzburg und die Prävention im Bereich „Erwachsene mit Basisbildungsbedarf“. Das abc-Salzburg – ein Mitglied der Partnerschaft „In.Bewegung – Netzwerk Alphabetisierung und Basisbildung“ Diese Partnerschaft, gefördert von esf und bm:ukk, entwickelt seit 2005 Grundlagen für nachhaltige Alphabetisierungs- und Basisbildungsarbeit. Gut aufeinander abgestimmt werden neue Produkte, wie etwa Qualitätsstandards, Beispiele für den Unterricht, Kursmodelle etc. erarbeitet. Auf der Website www.zukunft-basisbildung.at stehen diese allen Interessent/innen zur Verfügung.

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Qualitätsmanagement Seit 1999 arbeiten wir mit Begeisterung und hohem Anspruch an professionellem Qualitätsmanagement. Neben Know-how und Engagement helfen uns ausreichende dafür zur Verfügung stehende Mittel, unsere Ansprüche an Qualität in die Praxis umzusetzen. Deutlich erlebbar ist, wie sehr die Qualität seit der mittelfristig finanziellen Bestandssicherung im abc-Salzburg gestiegen ist. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle Verantwortlichen für die verlässliche Finanzierung und das Vertrauen in das abc-Team. Fortsetzung der ISO Zertifizierung (9001:2008) Die ISO Zertifizierung und die jährliche Retestierung zeigen enorm nachhaltige Wirkung. Der Blick auf die Organisation ist facettenreicher und präziser geworden. Neu implementieren, nachjustieren, dokumentieren, überprüfen… dies alles läuft runder als in den Jahren zuvor. Am 21.6.2013 wurde im abc-Salzburg das Surveillance Audit von Ing. Gerald Kürner (SGS Austria Controll-Co GesmbH) durchgeführt. Die Zertifizierung des Basisbildungszentrums abc-Salzburg wurde sofort fortgesetzt. Interne/externe Weiterbildung Interne und externe Weiterbildungen unterstützen die kontinuierliche Professionalisierung unserer Mitarbeiter/innen. Dafür steht ihnen eine volle Wochenstundenanstellung pro Jahr als Ausbildungszeit zur Verfügung. Seminar- und Fahrtzeiten gelten dabei als Arbeitszeiten, Fahrt- und Nächtigungskosten werden vom abc-Salzburg übernommen. Teamsitzungen und Teamsupervision Regelmäßige Teamsitzungen und Teamsupervision bieten den notwendigen Raum für Reflexion, Informationsaustausch, Diskussion und Entscheidungsfindung. Verbesserungspotential 14


wird gemeinsam leichter erkennbar. Mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen lassen sich Handlungsoptionen gut aufeinander abstimmen. Im Berichtszeitraum fanden 12 Teamsitzungen und 9 Teamsupervisionen im abc-Salzburg statt. MitarbeiterInnengespräche Brigitte Bauer führte auch im Jahr 2013 die jährlichen MitarbeiterInnengespräche. Sie bieten Platz für persönliche Rückmeldungen, für Reflexion etc. Etwaige Unschärfen in der Aufgabenverteilung können ausgelotet, offene Fragen und Qualifizierungsmöglichkeiten besprochen werden. Interne Audits Interne Audits werden im abc-Salzburg laufend durchgeführt. Termin, Kriterien und Beobachtungsschwerpunkte werden zuvor von den Beteiligten gemeinsam festgelegt. Die Auditprotokolle liegen im abc-Salzburg auf. Qualitätsklausur Nachdem im Sommersemester 2013 drei neue Mitarbeiterinnen im abc-Salzburg angestellt wurden, standen die Themen „Teambildung und Zielarbeit“ auf der Tagesordnung der Qualitätsklausur 2013. Passend zu den Themen durchwanderte das abc-Team an einem ausgesucht schönen Sommertag Wälder und Wiesen des Bogenschießparcours am Fuße des Hochkönigs. Den Bogen halten, zielen, den Pfeil lösen und sich danach freuen oder gemeinsam die verschossenen Pfeile in der Wiese suchen… eine gute Gelegenheit, um sich und die anderen Teammitglieder besser kennenzulernen.

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Aktivitäten und Wandel Übersiedlung und Eröffnungsfest in Bischofshofen Knapp zwei Jahre lang haben wir nach neuen Räumen für unser Basisbildungszentrum im Pongau gesucht. Wir haben geschleppt, gebohrt, genäht, gemalt, geräumt, geputzt... Am Freitag, 25.10.2013 war es soweit: Die neuen Räumen des abc-Salzburg wurden im KARO Bischofshofen eröffnet. Helle, bestens ausgestattete Räume, ein buntes Buffet, ein spezielles abc-Kinoprogramm und ein glückliches abc-Team erwarteten die Gäste. Landtagsabgeordnete Mag.a Daniela Gutschi, Landesrätin Mag.a Martina Berthold und Bürgermeister Jakob Rohrmoser gaben dem abc-Salzburg gute Wünsche mit auf den Weg… und viele Gäste schlossen sich an. Wir werden das Gute-WünscheBäumchen hegen und pflegen, auf dass die Wünsche in Erfüllung gehen mögen!

Veränderungen im Team Im Sommersemester 2013 brachten zwei kleine, neue Erdenbürger/innen das abc-Salzburg ordentlich in Bewegung. Ihre Mütter, Gerhild Sallaberger, unsere langjährige Projektmitarbeiterin und Martina Wimmer, Trainerin in Bischofshofen, sind seit Frühsommer nicht mehr im abc-Salzburg, sondern in einem wunderbaren, neuen Feld tätig. Wir gratulieren unseren 16


Mitarbeiterinnen herzlich und bedanken uns für die engagierte Zusammenarbeit! Mit Jänner hat uns unsere Bürokraft Melanie Brandstätter verlassen. Im Dezember wurde das Dienstverhältnis mit unserer Reinigungskraft Alma Veslic einvernehmlich gelöst. Auch ihnen ein Dankeschön für die Mitarbeit! Mit viel Glück und einem effizienten Bewerbungsverfahren haben wir diese offenen Stellen mit vier qualifizierten Frauen – Michaela Stangl, Natalie Schmid, Nicole Kanzi und Wijit Rettenbacher – nachbesetzen können. Sie alle bringen frischen Wind ins abc-Salzburg und ergänzen unser Team hervorragend! Aktion am Schrannenmarkt zum Weltalphabetisierungstag: „TellerrandpoetInnen gesucht!“ Zwischen buntem Gemüse und frischem Obst fanden die Schrannenmarktbesucher/innen am 5. September 2013 ein ungewöhnliches Angebot. „Weltalphabetisierungsnudeln“ weckten die Neugierde der Passant/innen und brachten viele Gespräche über ein Tabuthema in Gang: „15 von 100 Erwachsenen in Österreich können nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen.“ Auch wurden die Passant/inn/en eingeladen, sich als Tellerrandpoet/inn/en zu versuchen. Mit viel Geschick wurden die kleinen gelben Teigwaren auf dem Tellerrand platziert. Sprüche wie etwa: „Mein Hund frisst den ganzen Tag„ oder „Meine Trainerin ist eine kleine Wunderfee, die mir das Schreiben beigebracht hat“ waren da zu lesen. Die besten wurden auf Facebook veröffentlicht.

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Alfa Telefon Clips Das abc-Salzburg hat im Rahmen der Projektpartnerschaft „In.Bewegung“ zwei Videoclips mit Alf, dem Alfa-Telefon erstellt. Denn das von der VHS Linz kontinuierlich betreute "Alfa-Telefon Österreich" nützt nur dann, wenn möglichst viele Menschen von der Telefonnummer und den Angeboten der Basisbildung erfahren. Klicken Sie sich rein in die Videos! Link: http://youtu.be/o_HHOWad3Es

Das abc-Salzburg in den Medien ORF 2 Live-Interview mit Brigitte Bauer zur PIAAC-Studie am 9. Oktober 2013 in der Fernsehsendung „Heute Mittag“.

Presseberichte - Auszüge Poesie am Tellerrand Wie Buchstabensuppe ein Problem thematisiert, das 15 Prozent der Erwachsenen betrifft.

Auf der Schranne löste am Donnerstag ein kleiner Stand großes Aufsehen aus: Brigitte Bauer und Michaela Stangl vom Basisbildungszentrum abc-Salzburg verteilten dort “Weltalphabetisierungsnudeln”. Die Beschenkten wurden aufgefordert, mit den Buchstaben auf dem Rand ihrer Teller kleine Gedichte, Sprüche oder Gedanken zu platzieren, zu fotografieren und an den Verein zu schicken (office@abc.salzburg.at) – und dann die Suppe zu genießen. Zu gewinnen gibt es Karten für 18


den Film „alphabet” von Erwin Wagenhofer im DasKino. Einsendeschluss: 20 Oktober. Mit der Aktion “Tellerrandpoeten” will abc-Salzburg zum Weltalphabetisierungstag am 8. September auf ein Tabuthema aufmerksam machen: Im Bundesland Salzburg haben Schätzungen zufolge rund 50.000 Menschen Probleme mit Lesen, Schreiben oder Rechnen. (…) Salzburger Nachrichten, 6. September 2013, S. 11

„Hab nach Ausreden gesucht“ Lesekompetenz. Fast eine Million Österreicher können kaum lesen. Ihren Alltag bewältigen sie mit Ausreden und der Hilfe von Angehörigen. Anna H. war eine von ihnen. Anna H. liest Romane mit bis zu 600 Seiten, am liebsten Fantasy. Das war nicht immer so. Noch vor drei Jahren konnte die heute 25-Jährige weder lesen noch schreiben – sie war Analphabetin. Anna H. ist kein Einzelfall. 970.000 aller 16- bis 65-Jährigen, also fast eine Million Österreicher, können nicht ausreichend lesen. Das hat die OECD-Studie “Programme for the International Assessment of Adult Competencies” (PIAAC) ergeben. (…) Anna H. muss nichts mehr verstecken, sie hat lesen gelernt und fühlt sich “richtig gut”. Am Ziel ist sie noch nicht: “Ich will meine Rechtschreibung verbessern.” Salzburger Nachrichten, 11. Oktober 2013, S. 12

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Rechtschreibung erlernen Ob Glückwunschkarten, kurze Notizen, ein flottes SMS - oft tauchen beim Schreiben der ersten Worte heiße Fragen auf: ss oder ß, groß oder klein? 3. oder 4. Fall? Unsicherheit macht sich breit—es wird nach anderen Worten gesucht oder lieber gleich gar nicht geschrieben. (…) Darum wurden von abc-Salzburg extra Kurse entwickelt, in denen jeder das lernen kann, was für Alltag und Beruf gebraucht wird. Ohne Druck und ohne Prüfungen können die Kursteilnehmer dort mit dem Lernen beginnen, wo sie stehen. (…) Pongauer Nachrichten, 8. August 2013, S. 10

Bühne frei für ein verdecktes Problem! Theater on Tour: Meine Schwester (H)elena (…) Ein gutes Theaterstück in einem Haus schafft viel Raum und hohe Konzentration, ermöglicht tiefes Eintauchen in ein Thema. Das Stück „Meine Schwester (H)elena“ fängt die Realität der Betroffenen ein, informiert und räumt mit landläufigen Meinungen auf: „AnalphabetInnen gibt es in Ländern der Dritten Welt, aber sicher nicht bei uns – und wenn, dann sind MigrantInnen davon betroffen“ oder „Das sind Leute, die unter der Brücke schlafen und nicht mehr einzugliedern sind“ gelten nach diesen 70 Minuten Theater nicht mehr. Ein Publikum, das durch feines Spiel von einem „Tabuthema“ berührt und gefangen genommen wird, das die vielen Alltagshürden dieser jungen Frau miterlebt, wird nach dem Theaterbesuch manch Alltagssituation mit anderen Augen 20


betrachten, denn dieses Thema irritiert im ersten Moment, löst Betroffenheit und Gott sei Dank viele Fragen aus. So wird Raum für Diskussion und Austausch geschaffen. Alfa Forum 83, 2013, S. 23-24

„Ja, ich will lernen“ Das ABC der Bildung wird in Bischofshofen an Erwachsene vermittelt, die in der Schule das grundlegende Wissen nicht erlernen konnten. Rund eine Million der österreichischen Erwachsenen hat große Probleme und massive Leseschwächen, auch in der Alltagsmathematik hapert es. Das zeigte jüngst eine OECD-Studie. (…) „Die Menschen kommen oft zu uns, wenn es in ihrem Leben einen grundlegenden Einschnitt gibt“, erläutert Brigitte Bauer. (…). Pongauer Nachrichten, 23./24. Oktober 2013, S. 9

Ein Ausblick auf 2014 Drei große Aufgaben stehen für das Jahr 2014 jetzt schon fest: Nein, keine Übersiedlung mehr, noch besseres wartet auf uns nämlich ein Fest im Sommer: „15 Jahre abc-Salzburg“! Wir freuen uns enorm! Unsere Angebote in Salzburg und Bischofshofen wollen wir halten und verbessern und ein neuer, umfangreicher Projektantrag wird geschrieben und eingereicht. Entwicklungsarbeit ist spannend, birgt Raum für unser kreatives Potential und hält uns fit und wendig. Diese Wendigkeit wird uns auch dann zugute kommen, wenn im Jahr 2014 die kleinen Überraschungen auftauchen, von denen wir jetzt noch nichts wissen.

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Organisation Projektträger Verein AlfaBetisierungsCentrum Vorstandsmitglieder Annette Mäser (Obfrau) Peter Baier-Kreiner (Obfrau-Stellvertreter) Mag.a Andrea Baier (Schriftführerin) Ingo Wenzinger (Schriftführerin-Stellvertreter) DSA Manfred Schwenoha (Kassier) Alois Ellmauer (Kassier-Stellvertreter) RechnungsprüferInnen Mag.a Anna Ferner und MAS Leopold Schilcher Das Team Leitung Projektmitarbeit

Brigitte Bauer Mag.a Gerhild Sallaberger Mag.a Michaela Stangl (Karenzvertretung) Kursleitung Dipl.Päd.in Katrin Bichler Mag.a Petra Freynhofer Birgit Loibichler, MA Matthias Steffel, BA Mag.a Eva Wiedemann Mag.a Martina Wimmer Mag.a Natalie Schmid (Karenzvertretung) Büroorganisation/Buchhaltung Nicole Kanzi Reinigung Alma Veslic und Samka Alic Unterrichtsbegleitende Beratung DSAin Barbara Wimmer-Stöllinger Teamsupervision Ralph Seifried Externe Projektberatung Solution, Sozialforschung & Entwicklung: Dr. in Birgit Buchinger 22


Schreibwerkstatt - Text der Teilnehmerin Verena

Farbe mit Erinnerung

Perlmuttweiß, so wie die Knöpfe meiner Oma waren. Die gesammelt wurden für die Kleidungsstücke, die sie für uns nähte. Nein noch besser. Perlmuttweiß war der kleine Schatz von vielen Perlen in einer geheimen Schachtel. Diese wurde nur geöffnet unter Aufsicht. Wir durften dann die Perlen

auffädeln. Uns selbst Ketten machen. Die Erinnerung an diese ruhigen Minuten und Stunden. Für uns das Geduldsspiel, während Oma Kleider für uns nähte. Nebenbei das Rattern der Nähmaschine. Sich selbst beschäftigen dürfen, mit edlen Dingen, am Teppichboden. Dort in der Sonne, die durchs Fenster schien. Und doch nie allein zu sein. Die Wärme der Sonne und Fürsorge zu spüren. Perlmuttweiß, eine sehr kostbare unbezahlbare Farberinnerung!

von Verena Schreibwerkstatt abc Salzburg, am 21.06.2013

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Impressum: Basisbildungszentrum abc-Salzburg LastenstraĂ&#x;e 22 5020 Salzburg t: +43|662|871657 office@abc.salzburg.at www.abc.salzburg.at

Geschäftsbericht 2013  

Basisbildungszentrum abc-Salzburg

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