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Raumgattungen Dachzimmer


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1.0

Der Raum als Motiv

1.1

Raumgeschichten

2.0

Elemente des Raumes

2.1

Die Dinge des Raumes

2.2

Lage des Raumes innerhalb des Hauses

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1.0

Der Raum als Motiv in der Kunst

Bildende Kunst

Montagmorgen Hans Baluschek, 1898 Thematisiert ist der Kater, der die dargestellten Frauen beim Erwachen aus dem Rausch, in den sie sich angesichts einer trostlosen Realität geflüchtet haben, erfassen muss. Baluschek bemüht sich dabei um eine bildreiche Schilderung des sozialen Milieus, in dem das Geschehen angesiedelt ist. In einer engen, karg möblierten Dachstube sind drei junge Frauen – eine vierte ist im Durchgang des Nebenzimmers mit einer Näharbeit beschäftigt – versammelt. Es sind wohl kleine Angestelle oder (Heim-)Arbeiterinnen, die sich die Wohnung teilen. Offenbar haben sie ihr sonntägliches Vergnügen bis zur Neige ausgekostet und nicht einmal Zeit gefunden, sich umzuziehen. Eine jede von ihnen scheint für sich dem Erlebten nachzuhängen. Der bereits angebrochene Tag – das Pendel der Wanduhr zeigt wie ein Finger auf die Säumigen – verheißt baldige Ernüchterung. – Wie trostlos die reale Situation der jungen Frauen war, verdeutlicht die lange Arbeitszeit in der Industrie, die zwischen 1890 und 1900 gerade von 11 auf 10,5 Stunden sank. Für Frauen, die zum größten Teil in Heimarbeit und im Dienstleistungssektor ihr Geld verdienten, dauerte der Arbeitstag noch erheblich länger.

quellen: www.stadtmuseum.de/php/sammlungen/sreb.php?id=206 www.de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hans_Baluschek_Montagmorgen.jpg

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Hans Baluschek Montagmorgen (In der Mansarde) 1898 テ僕 auf Leinwand; 120 x 150 cm Bildquellen: www.de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hans_Baluschek_Montagmorgen.jpg

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Literatur

Die Mansarde Marlen Haushofer, 1969 Die Mansarde ist Rückzugs- und Zufluchtsort für eine junge Frau, Hausfrau und Mutter. Hier versucht sie der grauenhaften Banalität ihres Ehealltags für Stunden zu entgehen, eines Alltags, der ohne Alternative ist. Hier findet sie für Momente zu sich selbst, zu der Gewißheit, daß es ein anderes Leben gibt, auch wenn es ihr verschlossen ist.

quellen: www.amazon.de/DieMansardeMarlenHaushofer/dp/3546441869 www.marlenhaushofer.at/Werke7.htm, www.anriel.poulter. de/2009/01/01/marlenhaushoferdiemansarde/

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„Die Mansarde“ Marlen Haushofer 1969 bildquellen: www.anriel.poulter.de/2009/01/01/marlen-haushofer-die-mansarde/

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Die Musik des Erich Zann H.P. Lovecraft, 1922 Jede Nacht erklingt seltsames Klavierspiel aus dem Dachgeschoss eines maroden Abrisshauses. Erich Zann, der sonderbare Pianist in der Etage über dem neuen Mieter, weckt ungewollt sein Interesse für die seltsame Art von Musik. Heimlich lauscht der Neue den nächtlichen Tönen und ist so verwundert, fasziniert, verstört, dass er sich eines Tages dem Unbekannten vorstellt und ihn darum bittet, einmal seinem Spiel im Dachzimmer zuhören zu dürfen. In dieser Nacht passieren im Dachgeschoss schreckliche Dinge, die in Tod und Wahnsinn enden.

Unter folgendem Link erscheint ein animierter Kurzfilm von Anna Gawrilow frei nach dem Buch von H.P.Lovecraft: http://www.youtube.com/watch?v=ira4vM_SdIE

quellen: www.de.wikipedia.org/wiki/Die_Musik_des_Erich_Zann www.trickfilmnoir.de/

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„Die Musik des Erich Zann“ H.P.Lovecraft 1922 bildquellen: www.editionphantasia.de/grafik/illug/zann1.jpg, www. editionphantasia.de/grafik/illug/zann2.jpg, www.editionphantasia.de/ grafik/illug/zann3.jpg, www.editionphantasia.de/grafik/illug/zann4.jpg

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Der geteilte Himmel Christa Wolf, DDR 1963 Rita und Manfred sind ein frisch verliebtes Paar, dem alle Wege der Welt offen zu stehen scheinen. Manfred holt Rita vom Land zu sich nach Halle, er verschafft ihr ein Praktikum im Betrieb, in dem auch sein Vater arbeitet, unterstützt sie in ihrem Entschluss Lehrerin werden zu wollen. Sie leben ganz romantisch in einem Dachzimmer im Haus seiner Eltern und alles scheint gut für sie zu laufen. Doch es wird immer deutlicher, dass das Leben stärker ist als ihre Liebe. Ihre unterschiedlichen Ansichten über die politische Situation der beiden deutschen Staaten, stellt vor allem Ritas Liebe immer wieder auf die Probe. Manfred ist ein zweifelnder mit den Umständen in der DDR unzufriedener junger Mann. Er ist als Chemiker tätig und muss ein ums andere Mal feststellen, dass sein neu entwickeltes Verfahren im Betrieb aus politischen Gründen nicht anerkannt wird. Zudem streitet er sich oft mit seinem Vater, der ehemals überzeugter Nazi nach ein paar Wochen das Parteiabzeichen der SED am Revers stecken hatte. Manfred kann mit der kollektiven Ausrichtung des neuen Staates nichts anfangen: ihm ist die eigene Karriere wichtiger als das kollektive Gut, er geht in den Westen und lässt seine Liebe zurück. Das Schicksal von Ritas und Manfred Beziehung wird immer wieder durch ihre Behausung, das Dachzimmer bildlich eingefangen: der Regen prasselt aufs Dachfenster, es wirkt wie eine sichere Höhle; Rita entwirft später die quellen: www.filmzentrale.com/rezis/geteiltehimmelld.htm www.de.wikipedia.org/wiki/Der_geteilte_Himmel

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Metapher vom Leuchtturm, der den Schiffen um sie herum Geleit gibt und in den sicheren Hafen führt. Doch das Ende ihrer Beziehung ist nicht aufzuhalten, als Manfred sich für seinen beruflichen Erfolg in den Westen absetzt. Rita folgt ihm zwar kurze Zeit später, doch die kalte und unpersönliche Atmosphäre, die sie dort erlebt, lässt sie zurückehren.

„Der geteilte Himmel“ Christa Wolf DDR, 1963 Bildquellen: www.weltbild.de/3/146540911/buch/dergeteiltehimmel.html

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Filme Die Geschichte von Marie und Julien von Jacques Rivette Frankreich, 2003 Julien hat sich zwar als Uhrmacher auf Glockenspiele spezialisiert, verdient aber dennoch kaum genug zum Lebensunterhalt. Um sich und seine Katze durchzubringen, erpresst er eine Antiquitätenhändlerin, die Fälschungen verkauft. Als er dann eines Tages die schöne Marie kennenlernt und sie gar bei ihm einzieht, merkt er schnell, dass irgend etwas nicht mit ihr stimmt. Zwischen fiebriglustvollem Verlangen und kühler Distanziertheit stellen sich bei ihr Phasen ein, in denen sie sich völlig zurückzieht und ein Dachzimmer des Hauses seltsam dekoriert...

quellen: www.kinozeit.de/filme/diegeschichtevonmarieundjulienhistoiredemarieetjulien, www.prisma.de/film.html?mid=2003_die_geschichte_ von_marie_und_julien, www.dieterwunderlich.de/rivette_marie_julien. htm

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„Die Geschichte von Marie und Julien“ Frankreich, 2003 bildquellen: www.goon-magazin.de/index.php/2007/04/01/edition-jacques-rivette/ www.moviepilot.de/movies/die-geschichte-von-marie-und-julien

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Zusammen ist man weniger allein Frankreich, 2004 basierend auf dem Roman von Anna Gavalda Die junge Camille (Audrey Tautou) ist eine begabte Zeichnerin, die sich dem Leben verweigert. Statt ihrem Talent nachzugehen, arbeitet sie abends in einer Putzkolonne und lebt allein in einem zugigen kleinen Pariser Dachzimmer. Philibert (Laurent Stocker) wohnt im selben Haus aber in der riesigen BelleEtageWohnung einer verstorbenen Verwandten. Der schüchterne Adelssprössling und Hobby Historiker verkauft Postkarten in einem Museumsshop, da er sich nichts anderes zutraut. Und weil er ein großes Herz hat, teilt er seine Wohnung mit einem flüchtigen Bekannten: Franck. Als Philibert an einem kalten Wintertag beschließt, Camille Unterschlupf in seiner Wohnung zu gewähren, weil er sich um ihre Gesundheit sorgt, reagiert Franck zunächst unwirsch und ablehnend. Eine Frau im Haus, das kann nur Ärger bedeuten! Als er jedoch sieht, wie Philibert aufblüht, weil er sich um jemanden kümmern kann, beschließt Franck, sich zu arrangieren. So beginnt eine spannende und für alle überraschende Entwicklung, während derer die drei sich beschnuppern oder aus dem Weg gehen, fetzen und versöhnen, beschimpfen und bewundern, bekochen und betrinken, hassen und lieben bis sie gelernt haben, wie stark und glücklich sie gemeinsam sind, und auch Paulette mit ins Boot holen. quellen: www.freundin.de/Artikel/Zusammenistmanwenigerallein_17221.html www.de.wikipedia.org/wiki/Zusammen_ist_man_weniger_allein

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„Zusammen ist man weniger allein“ Frankreich, 2004 bildquellen: www.freundin.de/Artikel/Zusammenistmanwenigerallein_17221.html www.tu14.wordpress.com/2009/07/10/

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1.1

Raumgeschichten

Die Rolle des Dachzimmers hat zwei unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen wird das Dachzimmer in Literatur, Kunst und Film als ein mystischer, dunkler, unfreundlicher Ort beschrieben. Dies begründet sich vermutlich aus dem Raum als unausgebauter, kalter, unbewohnter Speicherplatz, der nicht bewohnbar und somit „unmenschlich“ ist. Zum anderen symbolisierte die Dachwohnung jahrzehntelang das Wohnen der armen Bevölkerung, so dass die Zimmer meistens als karger, trostloser Ort dargestellt werden. Dieses Bild wird oft aufgegriffen, wie zum Beispiel in Hans Baluscheks „Montagmorgen“, in dem zur ärmeren Bevölkerungsschicht gehörende Frauen dargestellt sind, die nach einer vor der Realität fliehenden Nacht wieder zu sich kommen. In Marlen Haushofers „Die Mansarde“ ist das Dachzimmer Rückzugsort der Protagonistin, ein geheimer Ort, an dem sie mysteriöse Briefe aus ihrer Vergangenheit erhält, die auf unheimliche, vergessene Erinnerungen deuten. Aus dem Dachgeschoss des Hauses in der Kurzgeschichte „Die Musik des Erich Zann“ ertönt jede Nacht unheimliche Musik und letztendlich passieren dort „schreckliche Dinge, die in Tod und Wahnsinn enden“.

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Hier wird das Dachzimmer als Symbol für das Unheimliche und den Tod verwendet. Auch in dem Film „Die Geschichte von Marie und Julien“ steht das Dachzimmer, das sich Marie heimlich einrichtet, für Geheimnisvolles, Tod und Vergangenes. Sie zieht sich aus der Beziehung zu Julien immer mehr in ihr Dachzimmer zurück und letztendlich ist dieses Dachzimmer der Schlüssel für ihren Tod. Die Dachgeschosswohnung in dem Film „Zusammen ist man weniger allein“ symbolisiert die sozialen Unterschiede zwischen Camille, die als Putzfrau arbeitet und in einem „zugigen kleinen Pariser Dachzimmer“ lebt und dem adeligen Phillibert, der in der Belle-Etage-Wohnung des selben Hauses wohnt.

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2.0

Elemente des Raumes

Architektonische Elemente, die das Dachzimmer charakterisieren, sind Dachschrägen und eventuell Kaminschächte, die es durchlaufen. Bestimmt durch die Trag- und Dachkonstruktion und die Dachdeckung, können die Dachschrägen unterschiedliche Neigungen und Formen aufweisen. Ausserdem ist die Dachkonstruktion oft sichtbar, wodurch der Raum bestimmt wird. Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind die meistens geringen und kleinen Öffnungen, die in Dachzimmern vorzufinden sind, wodurch der Raum etwas dunkler als die restlichen Zimmer erscheint.

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quellen: Neufert - Bauentwurfslehre

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2.1

Die Dinge des Raumes

Das Dachzimmer im ausgebauten Zustand kann jede Funktion des Wohnens aufnehmen, sodass das Mobiliar je nach Nutzung variieren kann. Das Dachzimmer im unausgebauten Zustand dient meistens als Speicherraum. Dieser besitzt jedoch, ausser Regal- und Abstellfl채chen, kein spezifisches Mobiliar. Daher l채sst sich keine Aussage zum spezifischen Inventar eines Dachzimmers treffen.

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bildquellen: www.Kers.de/leuchtuhr/index.html www.de/academic.ru/dic.nsf/dewiki/296314

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2.2

Lage des Raumes innerhalb des Hauses

Das Dachzimmer befindet sich, wie der Name vermuten l채sst, im Dachgeschoss. Er ist der oberste Raum des Hauses und l채sst sich sowohl im ausgebauten als auch im unausgebauten Zustand vorfinden. Ausgebaut wird er als Wohnraum mitgenutzt und kann dann jede Funktion beinhalten. Unausgebaut wird er meistens als Speicher genutzt.

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Raumgattungen

Seminararbeit Sommer 2010 Bearbeiter: Anna-Maria Wiedekind

RWTH Aachen Lehrgebiet Bauplanung und Baurealisierung Univ. Prof. Sabine Br端ck

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12 Dachzimmer Raumgattungen  

Seminar Raumgattungen Dachzimmer 12

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