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ee jahrgang 2011 an den ee jahrgang 2012


001 Mit Leidenschaft zu Entwerfen bedeutet zu scheitern, zu suchen, zu finden wieder zu verwerfen, zu kämpfen und schlussendlich völlig entkräftet zu gewinnen. 002 Entwerfen ist ein Kampf in Gedanken, ein Krieg mit Normen, ein Konflikt mit Erwartung aber das brutalste ist und bleibt das transparente weiss einer leeren Skizzenrolle. 003 Die Zeit ist dein grösster Feind. 004 Ein fertiger Entwurf hat Narben und Brüche die von der Entstehungsgeschichte berichten. 005 Manchmal ist es sinnvoll dem Entwurf die Komplexität zu nehmen, um Platz für eine schöne Form zu schaffen. 006 Ich glaube ein Entwurf entsteht zuerst im Inneren des Architekten. Wie ein parallel zur Wirklichkeit existierendes Haus, das aus Vorstellungen, Ideen und Erfahrungen erbaut


ist, begeht er es in Gedanken, bewertet es und inszeniert es. Einige Details sind exakt geplant, er sitzt in einigen wertvollen Ecken im imaginären Sessel mit Kaffee und Buch, andere Situationen übergeht er oder vergisst sie. Dieses zweite Haus ist veränderbar, reagiert unmittelbar auf Ideen, passt sich an und formt sich neu. Der letzendliche Entwurf, die Skizze oder das Modell sind nur eine Momentaufnahme, ein Abbild dessen was sich stetig gedanklich entwickelt hat. 007 Unsere Zeit scheint offensichtlich von keiner deutlichen architektonischen Epoche geprägt zu sein. Vielleicht macht auch genau dass unsere Epoche aus??? 008 Subtilität erfordert häufig grosse Komplexität die einfach formuliert ist. 009 Formfindung und inhaltliche Überlegungen sollten parallel stattfinden, da sie sich gegenseitig erheblich


beeinflussen. Entgegen der Logik bieten selbst bestimmte Grenzen oft mehr FREIHEIT, als grenzenlose Möglichkeiten es tun. 010 Entwerfen ist wie feiern gehen, der Weg zum Club kommt einem sehr lang vor, ist anstrengend, aber birgt auch lustige Momente in sich. Im Club angekommen haben die meisten Spass, für einige wenige jedoch endet der Abend nicht feierlich. Der erste Gedanke, der in den Kopf schiesst ist, dass man nie wieder trinkt. Aber bei dem nächsten gegebenem Anlass trinkt man wieder und geht feiern. Der Prozess des Entwerfens ist ebenfalls lang und hat seine Höhen und Tiefen. Nur durch positiven und negativen Erfahrungen gelangt man aber zum Ziel. Der fertige Entwurf ist meistens ein Erfolg, kann aber auch mal daneben gehen. Trotzdem rafft man sich auf und verbessert seinen Entwurf oder beschreitet den Weg des Entwerfens erneut. Und das ist das Wichtigste.


011

Die Stadt ist trist? Geh den Weg noch einmal.

012 Mit offenem Auge und wachem Geist ist die Stadt ein wundersamer Ort! 013 Entwerfen ist ein Prozess neben dem der Entwurf beinahe klein erscheint. 014 Man sollte stets abw채gen, ob es sich lohnt starr am ersten Entwurf festzuhalten und sich darauf zu versteifen, oder ob man alles 체ber den Haufen wirft und noch einmal ganz von vorne anf채ngt, denn das kann einen oft weiter bringen und die Ideen neu ordnen. 015 Das Bauen von Arbeitsmodellen mag als wirklich l채stige Arbeit erscheinen, doch gibt es einem die Chance, den Entwurf aus einer anderen Perspektive zu sehen und ihn zu erweitern.


016 Schraffiert man die geschnittene Masse in den Plänen schwarz, macht das diese für den Betrachter schneller verständlich; zu viele Linien können verwirrend wirken. 017 Eine verworfene Idee muss keine verlorene Idee sein und vor allem keine verlorene Zeit bedeuten. Ein Konzept oder ein Entwurf der in dem einen Projekt unpassend schien kann in einem anderen Projekt wieder eine Bedeutung bekommen. Manchmal braucht man eben den Weg über 10 verschiedene Modelle und Entwürfe um zum gewünschten Ziel zu gelangen. 018 Die prägenden Einfälle und Ideen kamen bei mir unbewusst und vor allem nicht! am Arbeitsplatz. Ein verkrampftes Denken über ein mögliches Entwurfskonzept führte bei mir jedenfalls zu keinem Ergebnis. Die besten Überlegungen hatte ich wenn ich gerade nicht an die jeweilige Aufgabe dachte.


019 Sei nicht realistisch ! 020 Man sollte alles vergessen was man über Architektur weiss. Vor dem Studium hatte ich meine eigene Vorstellung von Architektur, aber man muss sich selbst erlauben zu vergessen, was man schon über Architektur weiss, um überhaupt erst damit anfangen zu können, wie ein Architekt zu denken. Wenn man das erste Projekt bekommt, fängt man oft schon damit an, sich das fertige Ergebnis in seinem Kopf vorzustellen. Dann fängt man an Entscheidungen zu treffen, die auf diesen vorgefassten Vorstellungen basieren und dabei passiert es oft, dass man sich verrennt und Dinge entwirft, mit denen man am Ende nicht zufrieden ist. Um genau das zu verhindern, sollte man diese vorgefassten Vorstellungen reduzieren und Platz machen für neue Ideen. Realistisch kann man später ja immer noch sein. 021 Eine Wurstbude muss nicht aussehen wie eine Wurst, damit man erkennt, dass es eine Wurstbude ist.


022 Vielleicht denkt ihr gerade: toll, das weiss doch jeder, aber ihr werdet feststellen: So einfach ist die Sache auch wieder nicht. Mit der Zeit kommt man nämlich mehr und mehr in den Zwang, erklären zu müssen, warum man etwas so gemacht hat, wie man es gemacht hat und warum nicht anders. Dabei sollt ihr möglichst immer architektonisch argumentieren. ARCHITEKTONISCH … was heisst das denn überhaupt?! Wie soll ich mich denn architektonisch ausdrücken? ARCHITEKTONISCH … kling erst mal wie eine fiese Krankheit, von der hier alle besessen zu sein scheinen. Im Duden findet man unter architektonisch nur: auf die Architektur bezogen, die Wissenschaft, die sich mit der Gestaltung von Häusern, Plätzen o.Ä. beschäftigt. Joah, wieso kann ich denn eine Wurstbude nicht wie eine Wurst aussehen lassen? Ist eben mein Entwurf, oder? Die Antwort wird sein: Das ist viel zu platt, zu banal, zu einfallslos! Tja und dann? Vielleicht wäre es gut zu wissen, was das Wort Gestaltung aus dem Duden denn alles meint, denn wenn man sich nicht schon lange damit


beschäftigt hat, dass man irgendwann mal Architekt oder Architektin werden möchte, ist man doch mit der Welle von Informationen, was Architektur alles ist, total überfordert. Gestaltung heisst nämlich nicht nur, ich plane ein Haus, damit es cool aussieht und nebenbei noch funktioniert, sondern es gibt einen Haufen von ARCHITEKTONISCHEN Don'ts and Do's. Und schon wieder ARCHITEKTONISCH. Und es gibt auch noch Regeln? Gestalterische Regeln … aha … Am einfachsten geht ihr das Entwerfen an, indem ihr erst mal alles was ihr an Ideen habt aus eurem Kopf entleert und vor euch auf ein Papier werft. Dann habt ihr schon mal die halbe Miete, denn etwas Neues kann schon mal nicht platt und banal sein. Also ich soll erst einmal frei entwerfen und dann noch im Hinterkopf haben, dass es auch gewisse Massstäbe gibt, die als architektonisch deklariert sind. Ein Beispiel für solche Massstäbe: Ich betrete einen Raum. Ich frage mich, wie entsteht der Raum? Wände, Boden, Decke. Aus was besteht der Raum? Materialität: Stein, Holz, Stoff … Wie fühle ich


mich in dem Raum? Proportionsverhältnis: ich fühle mich klein: Der Raum ist riesig! Oder es fühlt sich wohnlich an: Die Decke ist nicht so hoch, der Raum nicht zu weit Von wo kommt das Licht? Gibt es Fenster und wenn ja, wie viele? Wie viele Eingänge hat der Raum? Kann ich den Raum überhaupt betreten? Gibt es z.B. eine Treppe, die mich in den Raum hinauf trägt? architektonisch ausgedrückt heisst das z.B.: Wie ist die Schwellen Situation gelöst? Wozu gibt es diesen Raum? Was kann ich hier machen? Wo steht dieser Raum? Ist der Raum seiner Umgebung angepasst? Ist der Raum auffällig oder schlicht? Mit diesen und ähnlichen Fragen sollt ihr euch beschäftigen … aber step by step. Deswegen sind die ersten Aufgaben in EE auch echt witzig und ihr solltet euch einfach darauf einlassen, auch wenn ihr euch vielleicht fragt, was das alles mit Architektur zu tun hat. Um noch mal auf die Sache mit der Wurst zu sprechen zu kommen. Die Wurst sollte erklären, dass es hilfreicher ist, Architektur anhand von Prinzipien und geometrischen Zusammenhängen zu erklären und zu


entwickeln, als in der Kiste was drin steckt muss auch dran sein zu wühlen. Das musste ich selbst auch erst bitter erfahren. Denn eine Idee architektonisch umzusetzen ist nun eben nicht jedem angeboren und will bei den meisten erst nach einem gewissen Grad an Erfahrung Wurzeln schlagen. Aber Probieren und Experimentieren soll ja auch die Grundlage im ersten Jahr Entwerfen sein. Ich bin immer froh gewesen, wenn ich relativ früh Fehler gemacht habe, wo sie noch kaum Auswirkungen gehabt haben. Ich denke, dass man sich immer zeitig daran wagen sollte mit den Betreuern über seine Gedanken zu einem Entwurf zu sprechen, denn dann ist es viel leichter Fehleinschätzungen auszubügeln. Ausserdem lernt man schneller, wenn man sich nach der Betreuung damit beschäftigen kann, was die Betreuer aus dem Entwurf heraus gefiltert haben. Und je mehr ihr annehmen könnt, desto schneller kommt ihr ans Ziel! 023 Mit Beendigung der Übung 2 hat es bei mir klick gemacht. Grund dafür ist wohl wahrscheinlich der


unglaublich leidvolle Arbeitsprozess, welcher dem Ergebnis zuvorlief genau wie du es beschrieben hast, Miki. Das war wohl das grösste Tief in meiner bis dato doch sehr kurzen Studienzeit, aber auch die erhellenste zugleich. Was ich dabei gelernt hab, was das grösste DONT ist, ist es sich in den Entwurf festzubeissen. Krampfhaft kreativ sein zu wollen, das wird jedem Entwerfer passieren. Der Ausweg aus dieser Besessenheit war für mich ein Umdenken des Fachs EE. Die meisten, so auch ich verbinden mit EE das wichtigste Fach zu Beginn des Studiums. Hier müssen einfach spitzen Leistungen erbracht werden. Daraus entwickelte sich diese Angst vor dem Versagen, der Angst des ersten Strichs auf dem weissen Papier. In all dem Stress überlegte ich mir also eine neue Taktik mit dem Entwerfen umzugehen. Ziel war es für mich jetzt, das Fach EE, und auch das ganze Studium, gar das ganze Leben nicht so ernst zu nehmen. Und das soll nicht bloss als blöde Floskeln dastehen. EE nicht mehr als Mittelpunkt des Lebens zu sehen. Ich finde alles im Leben, sollte auf


eine lockere Art und Weise vollendet werden. Sei es die TWL Prüfung oder das Bauko Endkolloq, man nimmt einmal tief Luft und geht mit einem Lächeln an die Sache. Spass haben an der Arbeit, sollte das Motto sein, ohne Spass ist die Arbeit verbissen, und das sieht man einem Entwurf an. EE ist immerhin das Fach, welches dir die grösste Freiheit von allen einräumt. Frei entwerfen zu können, wird uns später nicht mehr erlaubt werden. Also geniesse gefälligst wozu du im Stande zu tun bist. Aber das allerwichtigste ist der Austausch mit deinen Kommolitonen. Weigerst du dich dagegen, fühlt sich einfach alles wie ein riesiger Kampf an. Jeder wäre auf sich alleingestellt, und man rammte sich gegenseitig die Ellenbögen in die Seiten. Das Wettbewerbsdenken ist das Schlimmste was dir passieren kann, jetzt nicht bezogen auf deine Arbeitsmoral und deinen Ehrgeiz aber auf das Bestreben dem anderen immer etwas auftrumpfen zu wollen. So macht man sich den Entwurf kaputt. Also gehe auf die anderen zu und sei dir nicht zu Schade eine Meinung einzuholen. Genauso solltest


du auf den anderen eingehen und ihm deine Hilfe anbieten. Die besten Ideen reifen im Dialog. Allgemein gibt es aber glaub ich kein Geheimrezept für EE. Und ich denke, dass sich meine Tipps nicht gross von den anderen unterscheiden. Ich sehe EE wie ein Sprung ins kalte Wasser. Jeder wird irgendwann damit umgehen lernen. Eigentlich sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Da lernt man am meisten. An der Stelle auch noch einmal Vielen Dank für alles, Miki, Jens, Rosti, Tim, conrad! Es war ein sehr schönes Jahr 024 Meine Tipps: Früh mit Photoshop, Illustrator, Indesign vertraut machen da layouten schon sehr wichtig ist und je besser und schneller man das beherrscht um so deutlicher kann man seine Ideen rüberbringen ohne dass man so viel reden muss. Ausserdem kann man diese Programme leichter besorgen als gedacht und man darf sich von hohen Preisen oder vermeintlich schwieriger Nutzung erst nach langem einarbeiten nicht abschrecken lassen. Leider muss man sich darum selbst kümmern, da man zwar Autocad lernt


aber die Adobe Programme muss man sich selbst aneignen, je früher desto besser. 025 Ich kann nur jedem raten sich Konzept und Präsentation vor und oder nach dem jeweiligen Kolloquium der Aufgabe detailliert niederzuschreiben, später beim Portfolio Kolloquium sind die älteren Aufgaben in so weiter Ferne dass man Schwierigkeiten haben kann gedanklich so drin zu sein und das Konzept nochmal so gut zu präsentieren und nachvollziehbar darzustellen. 026 Wichtig ist auch nicht zu viel bedeutende architektur beispiele anzuschauen, da das vom eigentlichen Thema der Aufgabe ablenken kann und bei mir zumindest selten hilfreich war. Man hat tausend Beispiele und Möglichkeiten im Kopf die aber grösstenteils für das eigene Projekt gar nicht passen und man will viel zu viel verschiedenes reinbringen wodurch alles unklar wird. Besser in sich


gehen und ganz simpel und pragmatisch anhand von Tatsachen und begründbaren Thesen entlang hangeln und selbst Lösungen finden. 027 Also es ist keine Erkenntnis, sondern eher eine Erfahrung: Während des Entwerfens sollte man jede Meinung und Ratschlag beherzigen. Selbst eine stumpfe und unberechtigte Kritik kann später ein Wegbereiter für eine grossartige Idee sein. 028 Man muss zu einem Entwurf eine Geschichte erzählen können. 029 Entwerfen ist wie Konstruieren, man muss jedes Detail erklären können 030 Ein guter entwurf ist zum schluss logisch und klar, ihm geht aber zumeist ein leidvoller weg gesäumt von papier verworfenen ideen und fehlern voran. "Entwerfen


wie geht das?" das sagt es ja bereits: es hat mit gehen und voranschreiten zu tun!


andreas dortgolz han sol cho daniel pehl janna m채gerlein christina klug madlen hilsamer philipp schwan simon goliasch tim scheuer marc philipp michel

lehrgebiet bauplanung M. Patz


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