Page 1

Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. | Februar/ M채rz 2016 | kostenlose Ausgabe

mittendrin Magazin f체r Kultur und Bildung

r e m m u n Luft erte? W

Was sind uns Werte heute wert? Wie beeinflussen Werte unser Denken und Handeln?


2 | Inhalt

INHALT

EDITORIAL

THEMA

„Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und nicht den Wert.“ Oscar Wilde

Eine Frage der Werte

3

Vom Wertekanon und Wertechaos

5

Kommentar: Was ist wirklich wichtig?

SHORTSTORIES Alles Lego, oder was?

6

Spielstein lässt Bastlerherzen höher schlagen

Jetzt im MACHmit!Museum

6

Ausstellung: geboren & willkommen

Wer möchte mitentscheiden?

6

Das Berliner Spendenparlament sucht Parlamentarier

20 Jahre mit Gebrüll

7

Großer Jubiläumsmalwettbewerb

Von Gipfelstürmen und traurigen Affen

8

Kinder sind die besten Geschichtenerzähler

Gegen die Regellosigkeiten der Welt

9

Das konvivialistische Manifest

Vielleicht hat den feinsinnigen Schriftsteller beim Schreiben obiger Zeilen eine Zukunftsvision heimgesucht, und er fand sich als Kandidat in der Spielshow “Der Preis ist heiß!“ wieder. Hier jedenfalls waren genaue jene Leute klar im Vorteil, die den Preis, sprich: den (Geld-)Wert materieller Güter am Exaktesten bestimmen konnten. Aber Oscar deutet es bereits an: Preis ist nicht gleich Wert. Wann aber ist etwas in unseren Augen „wertvoll“? Wenn sich etwas rarmacht, steigt gemeinhin seine Wertschätzung. Das würde vermutlich jeder Wüstenwanderer ohne Wasserproviant unterschreiben. Glaubt man den Ökonomen sind der Nutzen, den etwas stiftet und die Knappheit, also der Mangel, desselben wertbestimmend. Aber das allein, kann nicht des Rätsels Lösung sein.

WORT & VISION Welchen Sinn hat das Leben?

10

Janne Teller: Nichts. Was im Leben wichtig ist.

Erlesenes für Kinder

12

Viele Bücher machen klücher

Wertevermittlung im Film

13

Warum Supermans größte Fähigkeit die Erziehung ist

KIEZ & KULTUR Solidarisch – fair – eigenverantwortlich

16

„Die Andere Welt“ in Strausberg

Abi 2017 trifft Abi 1961

18

Berliner Lebenswege vom Mauerbau bis heute

Kolumne: Der Springende Punkt

19

... ist den großen Fragen auf der Spur

Viel Spaß beim Lesen!

DAS LETZTE Wat? Wo steht denn ditte?

20

Bilderrätsel

Impressum

In dieser Ausgabe wollen wir´s genauer wissen: Was sind eigentlich Werte? Wie bestimmen sie unser Leben und welchen Stellenwert räumen wir ihnen ein (S. 3-5)? Das Thema „Werte“ steht auch im Mittelpunkt unserer neuen Filmrubrik (S. 15-17). Hier erfahren wir, warum Supermans größte Fähigkeit die Erziehung ist, und dass das Kino nicht nur ein Ort der Unterhaltung sondern auch der Wertevermittlung ist. Wir nehmen Sie mit in die „Andere Welt“ (S. 8-9), ein besonderer Ort in Strausberg, an dem Menschen solidarisch, fair und eigenverantwortlich ihre Ideale leben. Vielleicht begleiten Sie uns auch zum „Klassentreffen“ (S. 18)? Die gleichnamige Ausstellung im Museum Pankow dokumentiert Berliner Lebenswege vom Mauerbau bis heute.

Barbara Schwarz und Frauke Niemann (Redaktion MITTENDRIN – ein Magazin des Kulturverein Prenzlauer Berg)

20


Foto: © Rainer Strum/ PIXELIO

Thema | 3

Eine Frage der Werte Was sind Werte? Diese Frage treibt die Menschen seit jeher um, die Diskussion um ihre Definition und Gültigkeit prägt die gesamte abendländische Geistesgeschichte. So postulierten die antiken Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles einen höchsten Wert: das Glück (Eudaimonie), nach dem ihrer Ansicht nach alle Menschen streben: Es ist das letzte, das ultimative Ziel. Sie glaubten an seine Erreichbarkeit und beschrieben den Weg dahin – praktischerweise – in ihrer jeweiligen Lehre. Immer führt er über ein gutes (also auch gerechtes) Leben, zentral ist hierbei das „richtige“ Verhalten.

G

lück als höchstes Gut ist somit eine Art Zugabe für ein ethisch gut verbrachtes Leben. Ob uns die Idee eines universellen, allgemeingültigen Wertes nun behagt oder nicht, so

zeigt sich hier doch, dass unsere Wertvorstellungen aufs Engste mit unseren Handlungen verknüpft sind. Werte beeinflussen, was wir tun oder eben nicht tun. „Du sollst nicht stehlen“ – ist eine klare Hand-

lungsanweisung des Nicht-TunSollens aus dem abendländischen Wertekanon. In der christlichen Tradition wird sie als gottgegeben angenommen. Wir erinnern uns: Gott offenbarte Mose am Berg


4 | Thema

Foto: © Helene Souza / PIXELIO

„Unsere Wertvorstellungen sind aufs Engste mit unseren Handlungen verknüpft sind. Werte beeinflussen, was wir tun oder eben nicht tun.“

Mal verliert man, mal gewinnen die anderen.

»

»Ein jeder ist so viel wert, wie die Dinge wert sind, um die es ihm ernst ist.« (Marc Aurel)

Sinai die zehn Gebote, eindrücklich begleitend von einem optischakustischen Spektakel, Donnerschlägen, Blitzen und Posaunenschall. In der philosophischen Tradition hingegen versucht man seit jeher Werte und daraus resultierende Handlungsanweisungen zu begründen oder eben umgekehrt. Denken wir beispielweise an Kant und seinen kategorischen Imperativ. Hier sollen auf Grundlage einer allgemeingültigen Handlungsrichtlinie Werte realisiert werden: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Wir stehen also vor dem Henne-Ei-Problem. Denn was war jetzt zuerst da, das Gebot oder die Wertabstraktion? Aber nochmal zurück: Tagein tagaus werden wir unzählige Male vor die Wahl gestellt,

müssen Entscheidungen treffen, im Großen wie im Kleinen. Woher die Wertzuschreibungen stammen, auf denen unsere Entscheidungen fußen, können wir meist gar nicht wirklich zuordnen. Zudem machen wir uns ja auch nicht jeden dieser Entscheidungsvorgänge bewusst. Ihr Mitschwingen wird dabei oft erst dann deutlich, wenn wir in einen Wertekonflikt geraten, also zwei Werte in Konkurrenz zueinander stehen und sich nicht beide realisieren lassen, ohne dabei den einen zu gefährden. In solchen Situationen müssen wir uns die Frage stellen, welcher der Werte in unser persönlichen Wertehierarchie obenan steht. Natürlich ist diese Wertehierarchie sowohl situations- als auch kulturabhängig. Es gibt auch Werte, denen wir ganz intuitiv und uneingeschränkt zustimmen können: Freiheit ist bei-

spielsweise ein solcher Wert, ein Wert, der an sich wertvoll ist – als Selbstzweck. Daneben existieren am Nutzen orientierte Werte, die uns zu einem als wertvoll definierten Ziel verhelfen sollen. Der Philosoph Christopher Hodgkinson unterscheidet ferner drei Werte-Kategorien: die unterbewussten Werte (Wir geben einer Sache gegenüber einer anderen den Vorzug, ohne begründen zu können, warum.), die rationalen Werte (Wir können begründen, warum wir von einem Wert überzeugt sind.) und die traditionell überlieferten Wert (Wir sind von etwas überzeugt, weil es sich so gehört, man das so macht und schon immer so gemacht hat.). Eines ist sicher unstrittig, Werte sind weder in Stein gemeißelt noch naturgegeben, sie unterliegen einem stetigen Wandel. Wir können sie begreifen als eine geschichltich gewachsene und kulturell vermittelte „Konzeption des Wünschenswerten“ (Clyde Kluckhohn). Und ganz egal, ob wir uns dabei nun auf die Philosophie, die Bibel oder andere Einflüsse berufen: Werte wie Menschenwürde, Verantwortung und Respekt sind unabdingbare Voraussetzungen für ein gelungenes (Zusammen-)Leben, und - da sind wir wieder am Anfang - Glück. Text: Frauke Niemann


Thema | 5

Vom Wertekanon und Wertechaos Was ist wirklich wichtig? Ein Kommentar von Roxandra Chrobok.

Auch in der täglichen Arbeit und der Arbeitswelt wimmelt es geradezu von Bewertungsrastern, die Menschen nach ihren Hard- und Softskills untergliedern. Da ist von der „Auffassungsgabe“, der „erbrachten Leistung“, „Lernbereitschaft“, oder „Zielorientierung“ die Rede. Was geschieht aber, wenn etwas oder jemand aus dem positiven Bewertungsraster fällt? Ist es/ er dann unwert, wertlos? Wer bestimmt tatsächlich den Wert oder die Wertlosigkeit von etwas? Ist nicht gerade der Kontrast, die Nonkonformität wichtig, damit wir uns gemeinsam weiter entwickeln können? Zurück geworfen auf mich selbst, weil alle Werte-Definitionen mir nicht helfen, kann ich wohl nur

„Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Wilhelm von Humboldt

beschreiben, worauf mein eigene Begrifflichkeit beruht. Und, verrückt, da sehe ich meine Kindheit vor mir. Meine Großmutter hat zwei Weltkriege, meine Mutter und mein Vater haben das Ende des zweiten Weltkriegs als Kinder und Jugendliche erlebt. Das Grauen der Kriege und der Wahnsinn der vermittelten Nazi-Ideologie hatten beide Generationen schwer geprägt! Zuhause lernte ich Dinge wie Achtsamkeit, Höflichkeit, Freiheit, Ehrlichkeit, Inspiration, Neugier und Individualität schätzen und leben, Ich-Sein und den anderen Menschen in seiner Individualität zu sehen und zu akzeptieren. Vielleicht ist das die „ethische Ursuppe“, auf denen unser menschliches Zusammenleben beruht. Aber wie lange hat diese Basis Bestand, wenn materielle Not oder Gewalt droht? In Victor Klemperers „Tagebücher 1933 – 1945“ ist niedergeschrieben, was in Menschen vorgeht, wenn es zum Schluss um das nackte Leben geht. In diesem Kontext erscheint mir mein und un-

Foto: © Jutta Rotter/ PIXELIO

D

ie allgemeine Wertediskussion hat einen neuen Hochstand erreicht. Der Begriff der „Leitkultur“ wird völlig neu diskutiert, und kein Tag vergeht, an dem nicht über Grundwerte im Allgemeinen und Besonderen geschrieben und berichtet wird. Je länger ich mich mit dem Thema Werte auseinandersetze, desto unüberschaubarer wird das ganze Unterfangen. Es gibt so viele Dimensionen, wo anfangen? Bei menschlichen Grundwerten, den inneren, persönlichen, ideellen, universellen oder sozialen Werten, der Bewertung im Sinne des Nutzens des einen oder anderen Gegenstandes, oder der Leistung unserer (Mit-)Menschen? Unser gesamtes Dasein unterwerfen wir tagtäglich, bewusst oder unbewusst, einem kaum noch überschaubaren Wertekanon.

ser Leben sehr banal, unsere Wertelandschaft ganz schön designt, die Erwartungen überhöht. Auch, wenn wir es oft vergessen: Uns geht es gut. So gut, dass wir unseren Reichtum mit anderen Menschen teilen können und sollten. Gerade jetzt, da im LaGeSo die Warteplätze knapp sind. Und ich persönlich fühle mich unendlich reich: Ich arbeite in einem klasse Team und kann als Teil desselben eine Menge für andere Menschen tun. Ich darf durch meine Tochter ganz neue Dinge lernen, weil sie einfach 25 Jahre jünger ist, unverbraucht und mit ihren ganz eigenen Dingen beschäftigt. Und, und, und! So, nun ist es raus und Sie können selber bestimmen, ob Ihnen diese Zeilen wertvoll waren!

Autoreninfo Roxandra Chrobok ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Kulturverein Prenzlauer Berg, passionierte Hobbygärtnerin, Leseratte und Freidenkerin.


6 | Shortstories

Alles Lego, oder was? Spielstein lässt Bastlerherzen höher schlagen Kleine Steine, große Wirkung: Zweieinhalb Meter misst das Lego-Schiff, das im Spielzeugladen „Spielstein“ in der Immanuelkirchstraße vor Anker liegt. Der kapitale Dreimaster ist ein Nachbau der HMS Victory, mit der Lord Nelson einst in die Schlacht von Trafalgar zog. Ein Jahr feilte Ladeninhaber Dirk Delorme am Bauplan, sammelte Material und setzte Legostein auf Legostein. Mühe und Geduld haben sich mehr als gelohnt! Zwei Jahre lang konnte man den Steinriesen im Deutsche Technik Museum Berlin bewundern, mittlerweile ist er wieder im Heimathafen anzutreffen, dem Legoladen seines Erbauers. Eins ist sicher, kleine und große Modellbauer sind hier bestens aufgehoben. Mehrere tausend Legoteile fassen die Holzregale im „Spielstein“, es finden sich Bausätze und jede Menge gebrauchte einzelne Steine. Der günstigste ist bereits für einen Cent zu haben! Spielstein, Immanuelkirchstr. 16, 10405 Berlin, Tel.: 030-43911 621

Text: Frauke Niemann, Foto : pixabay

Jetzt im MACHmit!Museum: geboren & willkommen Ausstellung zu Begrüßungsritualen in aller Welt & biologischem Wissen rund um die Geburt MACH mit! Der Name ist Programm!

Wie werden Babys in den Kulturen der Welt begrüßt? Was brauchen Neugeborene, damit es ihnen gut geht? Was hat es mit gelben Stramplern und bunten Spiegelbändern auf sich? Oder einem Messer am Kinderbett? Was haben Babys mit zarten Pflänzchen gemeinsam? Was hört ein

Baby im Bauch der Mama? Was macht eigentlich eine Hebamme? Wie bist du auf die Welt gekommen? Wer hat deinen Namen ausgesucht, und was bedeutet er? Und was hat das alles mit den UNKinderRechten zu tun? Diese und andere Fragen beantwortet die Ausstellung „geboren & willkommen“ im MACHmit!Museum. MACHmit!Museum Senefelderstraße 5 10437 Berlin 030-74778-200 info@machmitmuseum.de

Wer möchte mitentscheiden? Das Berliner Spendenparlament sucht Parlamentarier Das Berliner Spendenparlament, ein Projekt der Stiftung dragondreams, sucht neue Parlamentarier. Als Parlamentarier entscheidet man bei der Vergabe von Spendenmitteln für Kinder- und Jugendprojekte mit. Vorbild sind die bereits seit einigen Jahren in anderen Großstädten vorhandenen Spendenparlamente. Die Stiftung dragondreams will durch die Möglichkeit direkter, demokratischer Mitbestimmung bei der Spendenvergabe über das Berliner

Spendenparlament bei Bürgern und Firmen soziales Engagement und Spendenbereitschaft fördern. Parlamentarier kann jeder werden, der eine jährliche Mindestspende von 60 EUR (Einzelpersonen) bzw. 120 EUR (Firmen/ Institutionen) leistet. In jährlich zwei Sitzungen beraten die Parlamentarier über vorliegende Förderanträge und entscheiden über die Vergabe der verfügbaren Spendenmittel. Mehr Infos unter: www.dragondreams.de.


Shortstories | 7

20 Jahre mit Gebrüll Großer Jubiläumsmalwettbewerb zum Kinderkarneval der Kulturen Der Kinderkarneval der Kulturen feiert zwanzigjähriges Jubiläum! Anlass genug, um unter dem Motto „20 Jahre mit Gebrüll“ zum großen Malwettbewerb aufzurufen. Macht mit, und gewinnt tolle Preise! Frei nach dem Motto „20 Jahre mit Gebrüll!“ sind nun alle Kinder bis 12 Jahre gefragt, ihren Löwen zu Papier zu bringen. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Malen, Zeichnen, Collagen kleben,

Skulpturen basteln, alles ist erlaubt! Die fertigen Kunstwerke können noch bis 11. März 2016 bei der Kreuzberger Musikalischen Aktion (KMA) per Post oder persönlich eingereicht werden. Bitte denkt daran, jedes Bild mit Namen, Alter und gegebenenfalls Klasse und Schulstempel auf der Rückseite zu kennzeichnen! Aus organisatorischen Gründen können die eingesendeten Bilder nicht zurück geschickt werden. Die Jury begutachtet alle Einsendungen und nominiert drei bis fünf Gewinnerbilder. Diese werden auf dem offiziellen Kinderkarnevals-Plakat abgedruckt. Für die besten Einreichungen locken zusätzlich schöne Preise, in einer Ausstellung werden im Mai 2016 alle Wettbewerbsbeiträge gezeigt. Die Preisverleihung findet am Tag der Ausstellungseröffnung mit einem bunten Kinderkulturprogramm statt. Weitere Informationen findet ihr auf der Homepage des Berliner Kinderkarnevals der Kulturen: www.kma-kinderkarneval.de

JUBILÄUMSMALWETTBEWERB Einsendeschluss: Freitag, der 11. März Einsendungen bitte an: Kreuzberger Musikalische Aktion e.V. Betreff : „Löwe“ Friedrichstr. 2 10969 Berlin 20. Berliner Kinderkarneval der Kulturen: 14. Mai 2016 Logo: KMA

Er ist stark, er ist schön und gilt nicht umsonst als König der Tiere. Seit Jahrtausenden erhebt der Mensch Löwen zu Wappentieren, benennt Sternbilder, Firmen, Maskottchen und Produkte nach ihnen, verehrt sie als Götter oder baut sie in Mythen, Fabeln und Heldengeschichten ein. Beim großen Jubiläums-Malwettbewerb zum „20. Berliner Kinderkarneval der Kulturen 2016“ gilt es, sich dem Löwen künstlerisch zu nähern. Der stolze Savannenbewohner gehört zu den bedrohten Tierarten, denen der Mensch immer mehr Lebensraum raubt. Er steht vielerorts vor dem Aussterben. Der König der Tiere ist in Gefahr und braucht dringend unsere Unterstützung!


8 | Shortstories

Von Gipfelstürmern und traurigen Affen

Foto: Manuela Deubel

Kinder sind die besten Geschichtenerzähler

Auto, Diamant, Zebra, indianerhäuptling, Bus – Nicht unbedingt die Helden einer spannenden Geschichte? Oh doch, aber Hallo!

Spannung liegt in der Luft. Eine Schar Kinder zwischen vier und sechs sitzt um eine weiße Box. In der Box befinden sich Dinge, die auf den ersten Blick so gar nichts miteinander zu tun haben. Ein Wort gibt das andere, und schon sind es nicht mehr einfach nur irgendwelche Dinge, eins nach dem anderen findet seinen Platz in der turbulenten Geschichte, die die Kinder gemeinsam ersinnen. Was passiert, wenn sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen? Eine Menge. Lesen Sie selbst!

E

s war einmal ein Indianer, der lebte mit seinem Stamm - wie alle Indianer - im Allgäu. Sein Name war Braune Feder. Häuptling Braune Feder ging gerne in den Zoo. Das war nicht ganz einfach, denn man konnte nicht mit dem Auto zum Zoo fahren, sondern musste das Auto auf einem Parkplatz abstellen und dann mit dem Bus zum Zoo fahren. Eines Tages,

als er wieder einmal durch den Zoo spazierte und am Affenkäfig vorbei kam, stellte er fest, dass die Affenbabys ganz traurig waren. Traurige Tiere mochte er nicht, deshalb stellte er sich vor den Käfig und versuchte, mit Grimassen und lustigen Bewegungen die Affenbabys wieder fröhlich zu machen. Es dauerte zwar eine Weile, aber er schaffte es tatsächlich, sie wieder zum Lachen

und Herumalbern zu bringen. Zufrieden wollte er weiter gehen, als der Zoodirektor ihn ansprach und ihm dafür dankte, dass er sich so um die Affen gekümmert hatte. Und weil er so glücklich war, schenkte er ihm ein Zebra. Auf dem Weg nach Hause musste das Zebra zuerst in einem Käfig auf dem Bus fahren, konnte dann aber im Kofferraum von Häuptling Braune Feder Platz nehmen. Im Allgäu gab es manchmal lustige Wettbewerbe. Zum Beispiel einen, bei dem die Menschen mit Pferden oder anderen Reittieren auf den Berg und wieder zurückreiten mussten. Der Schnellste gewann einen Preis. Bisher hatte Häuptling Braune Feder kein Reittier, aber jetzt hatte er ein Zebra. Also meldete er sich eines Tages mit seinem Zebra, das er inzwischen Schwarzstreifi genannt hatte, zu diesem Wettbewerb an. Nach dem Start rannte das Zebra so schnell, dass der Häuptling zuerst oben auf dem Berg war. Dort stand eine Bergziege und eine kleine Hütte. Die Wettstreiter mussten die Ziege streicheln, und dann ein Foto von sich und der Ziege vor der Hütte machen, als Beweis, dass sie wirklich oben waren. Als er das geschafft hatte, ritten sie ganz schnell wieder den Berg hinunter. Unten angekommen jubelten alle, denn Häuptling Braune Feder war mit Schwarzstreifi schneller als alle anderen und gewann einen riesengroßen Diamanten. Geschichtenerfinderinnen Frida, Lilli A., Franka, Isabel, Loana, Lilli D. und Paula - Kitakinder aus dem HAUS 2 der Kita Gleimstrolche


Shortstories | 9

Gegen die Regellosigkeiten der Welt Für eine neue Kunst des Zusammenlebens: Das konvivialistische Manifest Ein Blick in die Historie verrät, dass es seit Beginn der Geschichtsschreibung und zu allen Zeiten große gesellschaftliche Probleme gab, die bewältigt werden mussten. Aktuell sind diese in Bezug auf das Klima, die soziale Ungerechtigkeit, die Finanzkrise, die Kriegssituationen und die Armut so global und allumgreifend, dass wir neue Wege finden müssen, miteinander zu leben, auch oder gerade in einer wettbewerbsgesteuerten Wachstumsgesellschaft. In diesem Wissen trafen sich 2010 einige Vordenker zu einem Kolloquium in Japan. Die Kolloquiumsbeiträge gaben den Anstoß zur Debatte um den Konvivialismus (con-vivere = zusammen-leben). Der Begriff unterstreicht die Wichtigkeit, eine neue Philosophie des Miteinanders zu entwickeln angesichts der Fehlentwicklungen zeitgenössischer Gesellschaften. Das Ergebnis der fast zwei Jahre andauenrnden Diskussion einer Grup-

pe von (vor allem) französischen Wissenschaftlern und Intellektuellen – darunter Edgar Morin, Eva Illouz oder Chantal Mouffe – findet sich in einem schmalen Bändchen wieder. Es heißt „Das konvivialistische Manifest“. Es ist ein Konsenspapier und eine Multileistung, denn 40 Autoren, ansonsten naturgemäß häufig unterschiedlicher Ansichten, konnten sich auf einen gemeinsamen Text einigen, den man für den

»

„Es gibt schon ein richtiges Leben im falschen.“

„größten gemeinsamen Nenner des alternativen Denkens halten darf “. Er kritisiert vor allem zwei vorherrschende Grundprobleme, das Primat des Utilitarismus als theoretischen und praktischen Fokus auf

Nutzenmaximierung und die Idee des unbegrenzten Wachstums: Der technische Fortschritt könne sich nicht endlos fortsetzen, ohne sich gegen sich selbst zu wenden. Die Konvivialisten formulieren einen Gegenentwurf, die positive Vision eines Zusammenlebens, sozial nachhaltig, ökologisch und grenzübergreifend: „Es geht darum, einen neuen, radikalisierten und erweiterten Humanismus zu erfinden, und das bedeutet die Entwicklung neuer Formen der Menschlichkeit.“ Die Stärke des Manifestes liegt darin, dass es mehr ist und sein will als ein theoretisches Thesenpapier: das Fundament einer praktischen Bewegung, die eine Vielzahl bestehender Protesbewegungen und Debatten in sich vereint. Schon heute gibt es viele Formen konvivialistischen Miteinanders, z.B. lokale Tauschsysteme, fairen Handel oder Parallelwährungen. 2015 erschien die Debatte zum Manifest. Eine Vielzahl an Autoren beschäftigte sich mit der Frage der Umsetzbarkeit der Manifestideen im deutschsprachigen Raum. Was heißt es, eine konvivialistische Gesellschaft anzustreben in Politik, Kultur, Zivilgesellschaft und Wirtschaft? Text: Barbara Schwarz, Frauke Niemann

Foto: © adel /Pixelio

Les Convivialistes: Das konvivalistische Manifest. Transcript Verlag, 80 S., 7,99 Euro

Zusammenleben neu gedacht: ökologisch und sozial nachhaltig.

Frank Adloff / Volker M. Heins (Hg.) Konvivialismus. Eine Debatte, Transcript Verlag, 264 S., 19,99 Euro


10 | Wort & Vision

Buchtipp

Welchen Sinn hat das Leben? Und welchen Sinn sollte es haben? Janne Teller: Nichts. Was im Leben wichtig ist. Was passiert, wenn junge Menschen unmittelbar mit der Sinnlosigkeit des Lebens konfrontiert werden? Davon erzählt der Roman „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ der dänischen Autorin Janne Teller. Kaum ein anderes Jugendbuch wurde in den letzten Jahren so heftig diskutiert, nicht nur in Skandinavien, sondern in ganz Europa. Teller polarisiert: Ist der streckenweise verstörende Text Jugendlichen überhaupt zumutbar? Ja, unbedingt!

D

ie Sommerferien sind vorbei, Klasse 7A findet sich wieder im Klassenraum ein. Es ist ein heißer Augusttag in der dänischen Kleinstadt Taering. Lehrer Eskilden begrüßt seine Schützlinge mit einem Witz, den er immer zum Schuljahresbeginn zum Besten gibt, alle lachen. Soweit, so normal. Plötzlich steht Pierre Anthon auf und sagt: „Nichts bedeutet irgendetwas. Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“ Ruhig packt er seine Tasche, nickt seinen Klassenkameraden zu und geht aus dem Raum. Die Schüler bleiben verunsichert zurück, jeder auf seine Weise. Und die Verunsi-

cherung lässt nicht nach, denn von nun an sitzt Pierre Anthon in einem Pflaumenbaum, an dem fast alle täglich vorbeikommen und posaunt

»

Das Ganze ist nichts weiter als ein Spiel, das nur darauf hinausläuft, so zu tun als ob.

nihilistische Statements heraus. Über die Vergänglichkeit, den Tod und darüber, dass es keinen Sinn gibt in der Welt: „Alles ist egal. Denn alles fängt nur an, um aufzuhören. In demselben Moment in

dem ihr geboren werdet, fangt ihr an zu sterben.“ Eigentlich will keiner seine merkwürdigen Ansichten hören, aber angekratzt sind irgendwie doch alle. Was, wenn Pierre Anthon recht hat? Der pflaumewerfende, selbsternannte Prophet lässt sich nicht ausblenden, seine lauten Parolen machen Angst. So kann es nicht weitergehen. Die Klasse fasst den Entschluss, ihm zu beweisen, dass es sehr wohl etwas von Bedeutung gibt, damit er aufhört und endlich vom Baum steigt. Einen Versuch ist es zumindest wert. So beginnen sie in einem alten Sägewerk einen Berg aus Bedeutung aufzustapeln, für den alle Opfer bringen müssen. Zuerst sind es nur materiell und ideell wertvolle


Wort & Vision | 11

Cover: © Hanser Verlag

Unterm Strich:

Dinge: die Lieblingssandalen, ein nagelneues Fahrrad, Boxhandschuhe, lange Zöpfe. Jeder Mitschüler wählt einen anderen aus, die Forderungen werden immer härter und grausamer, da die Wut und Trauer über den eigenen Verlust des Wertvollsten ein Ventil braucht. Zuletzt wird auch vor Lebendigem nicht halt gemacht, erbarmungslos verlangen sie einander alles ab. Das zunächst spielerische Unterfangen nimmt monströse Züge an. Schließlich ist der „Berg der Bedeutung“ fertig, aber bevor die 7A Pierre Anthon ihr Werk zeigen kann, bekommen Polizei und Presse Wind von der Sache, ein regelrechter Medienrummel beginnt, der in der Erklärung des Bergs zum Kunst-

werk mündet. Er wird von einem amerikanischen Museum gekauft. Pierre Anthon lässt das kalt, er fühlt sich nur in seiner Sicht der Dinge bestätigt. Als er endlich im Sägewerk erscheint, verhöhnt er seine Mitschüler und fragt, warum sie die Dinge, die ihnen angeblich so viel bedeuten, verschachert haben. Da entlädt sich die Wut der Klasse, sie schlagen ihn brutal zusammen und überlassen ihn seinem Schicksal. Es bleiben Fragen und das leise, aber unausweichliche Gefühl der für immer vergangenen Kindheit. „Nichts“ lässt einen allein zurück, jeder muss selbst entscheiden, wie tief er sich auf die Suche nach Sinn und Bedeutung macht.

„Nichts. Was im Leben wichtig ist.“ ist mehr als ein Jugendbuch und gehört unbedingt auf den Lehrplan. Zu Recht wird der Roman verglichen mit Klassikern wie „Die Welle“ und „Herr der Fliegen“, nicht zuletzt wegen der beschriebenen Gruppendynamik und einer gewissen Gewaltbereitschaft. „Nichts“ geht in seiner Radikalität allerdings über diese Texte hinaus, denn ihm fehlt die ordnende bzw. einordnende Instanz, die moralische Wertung. Das Gedankenchaos, in den das Buch seine Leser stürzt, erfährt keine Auflösung. Gerade deswegen bewegt es, rührt auf und bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Text: Barbara Schwarz

Janne Teller

Nichts. Was im Leben wichtig ist. Hanser Verlag, 144 Seiten, 12,90 Euro


12 | Wort & Vision

Erlesenes für Kinder

© Knesebeck Verlag

© Klett Kinderbuchverlag

© Schulbuchverlag Anadolu

Diese Bücher wurden auf die Probe gestellt, haben einen zweifachen Kinder-TÜV passiert. Seit einiger Zeit gibt es im Familienbereich der Kita Kiezeulen und Gleimstrolche das „Lesen für Kinder“. Wir stellen Ihnen ausgewählte Schätze dieser Vorlesestunden vor.

Keloğlan im Land der Stummen

Alle da! Unser kunterbuntes Leben.

Zuhause kann überall sein

von Melike Günyüz & Buket Topakoglu

von Anja Tuckermann & Tine Schulz

von Irena Kobald &Freya Blackwood

Keloğlan steht vor einem Rätsel. Sein verstorberner Vater hat ihm ein Buch hinterlassen, das eine Landkarte enthält. Aus der Widmung wird Keloğlan zunächst nicht wirklich schlau: ,,Mein lieber Sohn, diese Landkarte ist das einzige Vermögen, das ich dir hinterlasse. Es gehört dir. Gib es aus, wie immer du möchtest. Aber achte wohl darauf, dass du dabei stets etwas hinzugewinnst.“ Ratlos beschließt Keloğlan mit der Ziege Schneeflocke zu den verschiedenen Orten, die auf der Karte verzeichnet sind, zu reisen. Die Karte erweist sich als magischer Begleiter und schon bald begreift Keloğlan, dass er, wohin er auch kommt, reicher wieder von dannen zieht. Reicher an Freiheit, Fröhlichkeit und Freundschaft zum Beispiel. Und das ist schon eine ganze Menge.

Emmi freut sich jedes Jahr auf den Karneval. Andrzek bekommt an seinem Namenstag viele Geschenke. Thu Nga gefällt es, dass beim Tet-Fest alles geschmückt ist. „Alle da!“ stellt die Vielfalt unseres multikulturellen Zusammenlebens dar. Wir kommen doch fast alle woanders her, denkt man nur weit genug zurück. Und jeder hat seine eigene Geschichte: Der eine verlässt der Liebe wegen seine Heimat, den anderen zwingt Krieg zur Flucht, der nächste sucht nach einem Abenteuer. Die unterschiedlichen kulturellen Prägungen, die jeder mitbringt, machen unser Leben hier bunt und spannend, manchmal aber auch kompliziert. Locker, leicht und immer kindgerecht verhandelt „Alles da!“ auch schwierige Themen wie Ausgrenzung oder Vorurteile gegen Fremde und Fremdes.

Das Mädchen Wildfang fühlt sich verloren in der neuen, fremden Ungebung. Sie musste mit ihrer Tante aus Ihrer Heimat fliehen, in der ein Krieg ausgebrochen ist. Nichts ist so, wie sie es von Zuhause kennt. Die Sprache ist anders, ja sogar der Wind fühlt sich anders an. Am schlimmsten ist der Wasserfall aus fremden Wörtern, er ist kalt und läßt Wildfang frösteln. Sie ist einsam. Ihr einziger Trost ist ihre Decke aus Erinnerungen und vertrauten Worten, in die sie sich einwickelt und zurückträumt in ihr altes Zuhause Eines Tages trifft Wildfang auf ein Mädchen, das sie anlächelt. Tag für Tag sehen sie sich auf dem Spielplatz und werden bald richtig gute Freundinnen. Nach und nach lernt Wildfang neue Wörter und beginnt sich eine neue Decke zu weben. Zuhause kann überall sein!

Schulbuchverlag Anadolu gebunden, 32 Seiten Altersempfehlung: 5-7 Jahre

Klett Kinderbuch Verlag gebunden, 40 Seiten Altersempfehlung: ab 5 jahren

Knesebeck Verlag gebunden, 32 Seiten Altersempfehlung: ab 5 Jahren

Texte: Frauke Niemann


Wort & Vision | 13

Wertevermittlung im Film Warum Supermans größte Fähigkeit die Erziehung ist

Foto: pixabay

„Sämtliche HeldenKonzepte basieren auf dem ewigen Kampf von ‚Gut‘ gegen ‚Böse‘ von ‚richtigen‘ Helden und ‚falschen‘ Schurken.“

Superman: Urvater der modernen Superhelden-Mythologie.

D

ie Ethik mag zwar eine eigene Wissenschaft sein, sie setzt sich aber mit einem allzu alltäglichen Phänomen auseinander: dem menschlichen Handeln. Dieses findet sich überall dort, wo auch der Mensch anzutreffen ist. Im Alltag, in der Schule und natürlich auch im Kino. Besonders das populäre Kino darf dabei nicht übersehen werden. Die weltweit größten Vertreter des populären Films sind vermutlich Superhelden. Ein Blick auf den Urvater der SuperheldenErzählungen zeigt, dass es sich bei

„Herz und Hirn, Leidenschaft und Verstand ergänzen sich und bilden das Fundament für den größten aller Werte, für den Superman immer und wieder eintritt: die Hoffnung.“ diesem Genre um mehr als nur kindliche Phantasien handelt. Richard Donners Superman von 1978

zeigt uns, wie wichtig Erziehung ist. Die Ethik als Teildisziplin der Philosophie betrachtet das menschliche Handeln und hinterfragt sowohl den Menschen, als auch seine Taten. Begriffe wie “gut” und “richtig” fallen dabei sehr schnell. Der Sprung ins Kino und in die zahlreichen Verfilmungen der modernen Superhelden-Mythologien mag zwar ungewöhnlich anmuten, stellt sich aber sehr schnell als sehr naheliegend heraus. Schließlich basieren sämtliche Helden-Konzepte auf dem ewigen Kampf von ‚Gut‘ gegen ‚Böse‘ von ‚richtigen‘ Helden und ‚falschen‘ Schurken. Ihre Protagonisten definieren sich und ihre Heldenrollen explizit über ihre eigenen Taten. Erst, wenn der gute Batman den bösen Joker einsperrt, darf er sich Held nennen. Erst, wenn Spider-Man die DiamantenDiebe schnappt, ist das geltende Recht und die vorherrschende Ordnung wieder hergestellt. Dies tun sie auf der Leinwand freilich unter Einsatz modernster Tricktechnik und in der Regel mit großen Explosionen. Das vermag zu unterhalten, darf aber vom eigentlich Kern nicht ablenken: Hier werden Werte vermittelt. Der Held markiert durch den Eingriff in den Handlungsver-


Foto: © PIXELIO Rainer Sturm

14 | Wort & Vision

Das Kino vermag ein Ort der Unterhaltung sein, auf der Leinwand werden aber auch immer Werte vermittelt

»

Superman ist eine ganz besondere Fähigkeit vergönnt, die so auf keinen der erwähnten Helden zutrifft: Er wurde zum Helden erzogen.

lauf eine Grenzüberschreitung der Schurken. Das geltende Recht wird ignoriert, und dieser Vorgang muss geahndet werden. Durch diesen Mechanismus zeigen sich nicht nur die eigenen Werte des Helden, sondern auch die der filmischen und außerfilmischen Gesellschaft. Dabei unterscheiden sich die Helden nicht nur in der Wahl ihrer Kostüme und Fähigkeiten, sondern auch in ihren grundlegenden Werten. Spider-Mans Onkel formuliert dies eindrucksvoll im gleichnamigen Film von 2002: “Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.” Erst durch das tragische Missachten dieser Lebens-Lektion entscheidet sich der Protagonist Peter Parker für den Wert der Verantwortung und wird

dadurch schlussendlich zum Helden Spider-Man. Ähnlich verhält es sich bei Bruce Wayne, der durch den tragischen Tod seiner Eltern als Kind schwer traumatisiert wird. Erst mit der Heldwerdung als Batman schafft er es, dieses Trauma zu überwinden. Batman steht also für den Wert der Überwindung. Diese Liste ließe sich durch die bunte Riege der Superhelden weiter ergänzen: Aus dem schwächlichen Steve Rogers wird der starke Captain America, weil er mutig und tapfer ist. Aus Hal Jordan wird Green Lantern, weil er furchtlos ist. Doch es gibt eine Ausnahme, die weitaus komplexer zu sein scheint. Eine Ausnahme, die als Urvater der modernen Superhelden-Mythologie angesehen

werden kann, sowohl in Comicals auch in Film-Form: Superman. Clark Kent wird bereits als Kind mit seinen außergewöhnlichen Kräften konfrontiert und entscheidet sich erst als erwachsener Mann zur Heldenrolle als Superman. Dabei ist ihm eine ganz besondere Fähigkeit vergönnt, die so auf keinen der erwähnten Helden zutrifft: Er wurde zum Helden erzogen. Superkraft Supereltern Dies lässt sich eindrucksvoll innerhalb der eigenen filmischen Mythologie des Helden nachvollziehen. Im Science-Fiction- und SuperheldenKlassiker SUPERMAN von 1978 erzählt Regisseur Richard Donner die


Wort & Vision | 15

sich ein Dialog zwischen Vater und Sohn, der die nachvollziehbare pubertäre Frustration des Zöglings mit sich und der Welt ausformuliert. Der Vater aber reagiert gelassen. Er wisse auch nicht, was der Grund für die Kräfte des Jüngling oder der größere Plan für die weitere Entwicklung sei. Eins ist ihm aber klar: Es kann nicht darum gehen, simple Touchdowns im Football zu erzielen. Die Episoden im sonnendurchfluteten, ländlich-simplen Kansas vermitteln das Übrige. Regisseur Donner macht deutlich: Das ist ein liebevolles, geerdetes Elternhaus, in dem Clark Kent zu einem jungen Mann heranwächst. Verantwortungsbewusstsein hat hier nichts mit Trauma oder Bürde, sondern mit Menschlichkeit zu tun. Umso größer der Kontrast bei den Episoden mit dem biologischen Vater. Hier herrschen durch Schneelandschaften und Eispaläste kalte und kantige Strukturen vor. Die Lektionen des biologischen Vaters Jor-El sind dabei kein direkter Gegensatz zu den Pflegeeltern, sondern harmonisieren mit diesen. Hier wird

Verantwortungsbewusstsein durch die eigene Herkunft übertragen. Der Stolz der eigenen Wurzeln die wissenschaftlich-rational geprägte Kultur seiner kryptonischen Heimat fungiert dabei als lenkende Instanz für die emotionalen Lektionen der irdischen Aufzucht. Kurzum: Herz und Hirn, Leidenschaft und Verstand ergänzen sich und bilden das Fundament für den größten aller Werte, für den Superman immer und wieder eintritt: die Hoffnung. Und die ist ohne eine hoffnungsvolle, liebevolle Erziehung unmöglich. Text: Christian Steiner

Autoreninfo Christian Steiner, Jahrgang 1987 studierte Philosophie und Medienwissenschaft an der CAU Kiel. Seine Masterarbeit beschäftigte sich mit den ethischen Grundlagen der filmischen Superman-Mythologie. In seiner Freizeit podcastet er regelmäßig über Filme und neuerdings auch speziell zu Superhelden-Filmen. www.secondunit-podcast.de www.superherounit.de

Foto: pixabay

klassische Entstehungsgeschichte des titelgebenden Helden: Als Baby Kal-El wird der Held von seinen außerirdischen Eltern in letzter Sekunde in eine rettende Raumkapsel gelegt, die diesen vor dem Untergang des eigenen Planeten bewahrt. Die Raumkapsel bringt das Findelkind über eine mehrjährige Reise durch die Galaxien auf den Planeten Erde, wo sie mitsamt Insassen von dem menschlichen Ehepaar Martha und Jonathan Kent gefunden wird. Das Paar entscheidet sich schnell zur geheimen Aufzucht des Sternenkindes. Durch die veränderten Bedingungen auf der Erde gegenüber dem Heimatplaneten Krypton ist das Kind durch verschiedene außergewöhnliche Fähigkeiten gesegnet. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit zieht es den jungen Mann aus seiner Zieh-Heimat Kansas in die kühlen Weiten des Nordpols, wo er durch ein Artefakt mit seinen außerirdischen Wurzeln und dem biologischen Vater in Kontakt treten kann. Nach mehreren Jahren dieser Kontaktaufnahme und des Trainings zieht der Held als Superman in die Großstadt Metropolis, um dort für “Truth, Justice and the American Way” einzustehen. Neben einem bunten Kostüm, einer Vielzahl phantastischer Superkräfte wie einem Hitzeblick und der Fähigkeit zu fliegen, ist der Held aber mit der größten aller Kräfte ausgestattet: einer liebevollen Erziehung. Diese Erziehung ist durch die doppelten Vatervorbilder auch einer doppelten Natur. Der Film zeigt verschiedene Episoden des heranwachsenden Clark Kent, die eindrucksvollste ist gleichzeitig die wirkungsvollste. Im Gespräch mit dem Adoptiv-Vater Jonathan äußert der Zögling seinen sichtbaren Frust über die Geheimhaltung seiner eigenen Fähigkeiten. Es entfaltet

Auch andere Helden stehen für eigene Werte. Captain America zum Beispiel für Mut und Tapferkeit.


16 | Kiez & Kultur

Solidarisch – fair – eigenverantwortlich

Foto: © Andere Welt/Strausberg

„Die Andere Welt“ in Strausberg

S

trausberg wird auch die grüne Stadt am See genannt: Zwischen Bötzsee, Herrensee und Straussee, befindet sich das größte zusammenhängende Waldgebiet Brandenburgs, mit der S-Bahn nur 45 Minuten vom Alexanderplatz entfernt. Ein idealer Ort für die „Andere Welt“, ein Gelände mit 280.000 Quadratmetern, auf dem sich bisher 15 Menschen zusammengefunden haben, die etwas gemeinsam (er-)schaffen möchten, jenseits von Kapitalismus und Spekulation. Eine Präambel beschreibt ihre Ideale: Verschiedenes soll auf diesem wunderbaren Fleckchen Erde realisiert werden und möglich sein. Sie sind offen für Mitstreiter und deren Ideen, möchten andere willkommen heißen. Ist so ein Projekt weltfremd? Ganz im Gegenteil: Ein starkes Wir-Gefühl ist zu spüren in der „Anderen Welt“, mit einer großen Freiheit für Ideen und

„Der Unternehmer heißt Unternehmer, weil er was unternimmt. Der Arbeiter heißt Arbeiter, weil er arbeitet. Würden die Arbeiter was unternehmen, müssten die Unternehmer arbeiten.“ Ideale. Hier versammeln sich Enthusiasten im ursprünglichen Sinn. Freiheit hat hier nichts mit Unbestimmtheit zu tun, sondern mit dem entscheidenden Umstand und bestimmten Wunsch, dass alles Tun verantwortungsvoll von allen Mitwirkenden mitgetragen wird. Das ist Pflicht und auch Credo, denn die Bewohner der „Anderen Welt“ nehmen ihr Wirtschaften, ihre Arbeit, ihre Kreativität selbst in die Hand,

weil Lebenszeit endlich ist und unersetzbar. Ende der 70er Jahre errichtete die DDR an diesem abgeschieden Ort im Wald den Hauptknotenpunkt des Fernmeldenetzes. Zusätzlich baute die Post diverse Funktionsgebäude, Hallen und einen zentralen zweigeschossigen, inzwischen verschlossenen, Bunker mit einer Nutzfläche von ca. 8.500 Quadratmetern. Nach der Wende wurde alles zunächst von der Deutschen Post und dann von der Deutschen Telekom AG genutzt, verwaltet und schließlich veräußert. Das Gelände wurde privat gekauft. Derzeit wird mit der Stadt Strausberg ein Bebauungsplan ausgearbeitet, das ist oft mühevoll aufgrund der wechselvollen Geschichte dieses besonderen Ortes. Das Ziel für die nächsten zwei Jahre soll sein, bestimmte Bereiche in Gemeinschaftseigentum zu bringen und für


Kiez & Kultur | 17

zusammenleben kann, ohne gleich als Kommune zu gelten. Schon heute finden erste Projekte in der „Anderen Welt“ statt: Workshops, Kino und Kunstaktionen. Im Herbst entstand ein erstes Produkt durch Gemeinschaftsarbeit: das elektrische Schwedenfeuer. Hergestellt in Handarbeit mit Holz aus dem eigenen Wald, ist jede Lampe ein Unikat, die mit 3-5 Watt erhellt und gleichzeitig Strom spart. Ein eigener Seminar- und Workshopbereich kann für Veranstaltungen genutzt werden. Außerdem gibt es liebevoll ausgestattete Gästezimmer, bis zu 25 Personen kann die „Andere Welt“

beherbergen. Das auch als Tipp für alle Stadtflüchtigen, die eine kurze (oder längere) Auszeit vom Großstadt-Trubel brauchen. Für kleines Geld können sie in der „Anderen Welt“ übernachten und ein Einoder Zweibett-Zimmer mieten. Wer nur mal „schnuppern“ möchte, dem sei eine Führung übers Gelände ans Herz gelegt. Mehr über die „Andere Welt“ erfahren Interessierte hier: www.anderewelt.org Text: Barbara Schwarz

So schön kann „Platte“ sein: ein Gästezimmer der „Anderen Welt“.

Foto: © Andere Welt/Strausberg

Wohnen und Gewerbe nutzbar zu machen. Ganz konkret: Da das Gelände als Mischgebiet ausgewiesen ist, können dort Gebäude errichtet werden, um in ihnen zu wohnen, aber auch um Gewerbe zu treiben. Die „Andere Welt“ ist ein offenes, experimentierfreudiges, naturnahes Lebens-, Erlebens- und Arbeitsprojekt in zukünftiger Selbstorganisation. Und so sieht die Vision der Zukunft aus: „Die künftigen „BauherrInnen“ erwerben einen Teil des (dann) gemeinsamen Grundstückes und planen und bauen das, was sie für ihr Leben, das ihrer Familien und für ihre Arbeit brauchen.“ Klingt mehr als erstrebenswert. Der größte Teil des Areals ist Wald, der dauerhaft geschützt werden wird, da Flächen für Veranstaltungen und Gastlichkeit entstehen, welche in die „Andere-Welt-Stiftung“ übergehen sollen. Der Ort hat seine eigene Geschichte und die passt gut zur gedanklichen Richtung, die die Menschen dort einschlagen möchten: „Nachhaltiges Leben und verantwortungsvoller Umgang mit Holz und Natur ist Forderung und Zielrichtung zugleich. Die andere wesentliche Forderung ist die der Offenheit und der Gastlichkeit: will sagen, dass die Ausstrahlung des Ortes stets einladend für all diejenigen bleiben soll, die an nachhaltigen, unkommerziellen und geldabwesenden Lebensentwürfen und Konzepten interessiert sind.“ Das Selbstverständnis und Wollen der „Anderen Welt“ ist als Appell gegen Opportunismus und Konformismus zu verstehen; als Aufruf für eigenes Nachdenken, wie man

Unikate aus dem Strausberger Wald, in Handarbeit hergestellt.


18 | Kiez & Kultur

Abi 2017 trifft Abi 1961 Berliner Lebenswege vom Mauerbau bis heute

E

ndlich frei, das Abitur in der Tasche und raus in die Welt! Für die Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, die ihr Abschlusszeugnis nächstes Jahr in den Händen halten werden, ein ganz normales Gedankenspiel. Doch wie fühlte es sich eigentlich 1961 in Ostberlin an, Abitur zu machen? Zu einer Zeit, als die Welt den Eleven alles andere als offen stand und die DDR sich und ihre Bürger mittels Mauer von der Außenwelt abzuschotten begann? Eine Woche lang interviewte eine

Foto: Frauke Niemann

Foto: Frauke Niemann

Abijahrgang 2017 trifft auf Abijahrgang 1961: Schüler des heutigen Käthe-KollwitzGymnasiums dokumentieren Lebenswege ihrer Vorgänger im zeithistorischen Kontext in der Ausstellung „Klassentreffen“ im Museum Pankow.

10. Klasse des Käthe-Kollwitz-Gymnasium Frauen und Männer des Abiturjahrgang 1961 der damals in der Pasteurstraße, heute in der Dunckerstraße ansässigen Schule und filmte die Gespräche. Unterstützt wurden sie dabei von der Projektleiterin Bettina Tacke vom Geschichtsverein Nord-Ost. Herausgekommen ist die Ausstellung „Klassentreffen. Lebenswege von 1961-2015“, die noch bis zum 3. April 2016 im Bildungszentrum Sebastian Haffner im Museum Pankow zu sehen ist. Sechs Biografien werden den

Besuchern hier in Wort und Bewegtbild exemplarisch vorgestellt. Die Zeitzeugen erzählen in kurzen Einspielern ihre Geschichte, parallel dazu wird auf Infotafeln ausschnitthaft der historische Kontext beleuchtet. So können an den Lebensläufen entlang ganz praktisch die Auswirkungen der deutschen Teilung nachvollzogen werden. Was hat einige zur Flucht in den Westen bewegt? Wie wurde der Alltag in der DDR erlebt? Die persönlichen Erfahrungen der Porträtierten spiegeln die mehrfachen gesellschaftlichen Epochenwechsel der Zeit, die sich in der Gründung von BRD und DDR 1949, dem Mauerbau 1961 und dem Fall der Mauer 1989 manifestieren. Erstaunlicherweise hat die Klasse über alle die Jahre und die innerdeutsche Grenze hinweg den Kontakt gehalten. Noch heute finden regelmäßig Klassentreffen statt. Text: Frauke Niemann

KLASSENTREFFEN Berliner Lebenswege 1961-2015 - Ausstellung Museum Pankow Prenzlauer Allee 227/228 10405 Berlin noch bis zum 3. April 2016 Dienstag bis Sonntag: 10 -18 Uhr Eintritt frei


. .. ..

Kolumne:

Der Springende Punkt

H

allöle, alle mal herhören… da bin ich wieder,

und ich möchte nich versäumen, Euch, meiner werten Leserschar, meine ganz „pünkt“lichen (im doppelten Sinne, hi, hi, hi), guten Wünsche für das neue Jahr zu überbringen. Mögen Euch zu aller Zeit Freude und Glück, aber vor allem Frieden und Gesundheit beschieden sein, und, wie ich gern zu sagen pflege, das neue Jahr kann nur besser werden, wa? Geben wir dem Jahr die Chance, … Aber halt, das kann ich Euch anhand eines Textes besser beschreiben, der vor einiger Zeit meinen Weg kreuzte: Ein Mann hatte am Spiegel im Bad einen Zettel. Jeden Morgen, wenn er sich rasierte oder die Zähne putzte, konnte er, ja sogar: musste er lesen, was er darauf geschrieben hatte: „Guten Morgen! He, was schaust Du denn so muffig-zerknittert drein? Probleme wegen gestern? Mann, das war gestern! Heute ist kein Anlass für ein vergrämtes Gesicht! Lächle! Du kannst Dich freuen: heute ist sogar ein ganz besonderer Tag! Es könnte der schönste Deines Lebens werden. Warum nicht? Bis jetzt spricht nichts dagegen: Du hast noch nichts falsch gemacht, niemand hat Dich gekränkt, Du hast noch kein Geld ausgegeben und keinen Termin verpasst, kein Amt hat Dich belästigt, Du hast keine hohe Rechnung erhalten … ES IST ALLES BESTENS, ALLES OFFEN, KEINE CHANCE VERTAN! Du siehst: Der Tag ist zur frühen Stunde

unschuldig wie ein Baby. Behandle ihn pfleglich, dann wirst Du Freude an ihm haben.“

Na, was meint Ihr? Is diese Geschichte es wert, dass wir über sie nachdenken? Hm, schwer zu beantworten. Jeder Mensch hat andere Vorstellungen von dem, was für ihn wertvoll is: ein teures Schmuckstück z.B., oder aber ein Erbstück, zwar von geringem Geld- aber umso größerem Erinnerungswert. Dann gibt es noch ideelle Werte, wie oben genannt. Und die Frage steht im Raum: Geben wir allen Werten die Wertschätzung, die ihnen gebührt? Bleibe ich mal bei mir. Is meine „werte“ Leserschar eine Floskel, oder meine ich es ernsthaft? Seid Ihr, liebe Leserschar, mir wirklich etwas wert? Ohne Frage: na, klar! Ich schreibe ja für Euch. Allerdings: Wenn ich in der heutigen Zeit meine Texte mit dem PC schreibe, interessiert es niemanden, ob ich eine schöne Handschrift habe. In meiner Grundschule gab es noch das Fach „Schönschreiben“! Mancher lacht, wenn ich davon erzähle; aber überlegen wir mal: Was hatte das Schönschreiben für einen Effekt? Will ich „schön“, also gut und richtig schreiben, bin ich gezwungen, es langsam zu tun. Ich sehe jedes Wort länger vor mir. Mein Gehirn hat also mehr Zeit, sich das Wort und seine Orthografie einzuprägen! Noch Fragen, warum heute alle Lehrer über schlechte Rechtschreibung klagen?

Kiez & Kultur | 19

Und: wie viele Menschen haben heute noch eine schöne Handschrift??? Da fällt mir mein Mathelehrer in der EOS ein. Der hatte die Angewohnheit, viel an die Tafel zu schreiben. Es faszinierte uns Schüler, mit welcher Akribie er die Zahlen „zelebrierte“. Und das Schönste: eine „2“ hatte in der ersten und in der letzten Zeile ein völlig identisches Aussehen! Schlimm nur, dass er das gleiche von uns verlangte. Aus heutiger Sicht weiß ich, warum er das tat. Wie haben sich die Werte doch verändert! Was uns in Politik und Wirtschaft heut begegnet, is oft weit entfernt von jeglicher Wertschätzung. Muss ich Beispiele nennen? VW? FIFA? Ich lass Eurer Fantasie freien Lauf. Erschreckend, mit welcher Gleichgültigkeit, Verlogenheit und Unredlichkeit manche in selbstverständlicher Manier so agieren. Was hindert uns eigentlich daran, uns wieder auf die „guten alten“ Tugenden (oder soll ich sagen: Werte) zu besinnen? Das kostet doch nix! Alsda sind: Höflichkeit, Freundlichkeit, Friedenswillen, Aufrichtigkeit, Toleranz, Nächstenliebe, oder wie sie alle heißen mögen. Der Berliner Theologe Alfred Bengsch hat einmal gesagt: „Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringt, aber wir wissen, dass es jeden Tag eine Gelegenheit bietet, etwas Gutes zu tun.“ Lasst uns also gemeinsam an einer besseren, weil toleranten und friedlichen Welt bauen, und zwar alle miteinander; wir haben nur diese eine Welt! Dies wünsche ich mir und allen lieben Menschen, die sich durch meine Zeilen angesprochen fühlen. „Haltet die Werte ganz weit in die Höh´!“, mahnt der Springende Punkt vom KVPB. (pad)


20 | Das Letzte

Bilderrätsel

Die Dame auf dem Bild hat einiges erlebt. Zu ihren Füßen kein geringerer als der Göttervater Zeus himself. Der Herrscher über Gott und Menschen hatte ja bekanntermaßen die Angewohnheit, von Zeit zu Zeit Tiergestalt anzunehmen, um die eine oder andere Dame auf diese Weise inkognito für sich zu gewinnen, um es mal vorsichtig auszudrücken. So erging es auch unserem Frollein, das nichtsahnend mit dem bemerkenswert zutraulichen Stier schäkerte, um mir nichts dir nichts auf dem Seewege ins weit entfernte Dings entführt zu werden; Sie wissen schon! Ob sich Zeus mit der ihm zugedachten Fußabtreterpose hätte anfreunden können, in Stein gegossen, wagen wir zu bezweifeln, aber der Gute war ja auch zeitlebens nicht gerade zimperlich. So

Foto: Frauke Niemann

Wat? Wo steht denn ditte?

was kommt von so was! Wenn Sie wissen, welchen illustren Namen unser Frollein trägt, und wo es sich befindt, senden Sie Ihre Lösung bitte bis zum 15. März 2016 an mittendrin@kvpb.de. Unter allen Mitratern verlosen wir zwei Karten für das Theaterspektakel „Hegel. Macht.Liebe.“ der Künstlerkombo „kulturschlund“ am 18. März 2016 im ZENTRUM danziger50.

Des Rätsels Lösung: In der letzten Ausgabe haben wir ein Pasting des französische StreetArt-Künstlers JR gesucht. Man bekommt es zu Gesicht, wenn man die Prenzlauer Allee Richtung Alexanderplatz befährt oder begeht und seinen Blick auf Höhe des Soho House nach oben richtet. Text: Frauke Niemann

MitTENDRINmachen

Impressum

Die MITTENDRIN ist das kostenlose Kiezmagazin des Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. Es erscheint alle zwei Monate in einer Auflage von 2.000 Stück. Wir freuen uns über jede Wortmeldung – ob Alltägliches oder Kurioses, kleine oder größere Aufreger, Lob oder Kritik.

Herausgeber: Kulturverein Prenzlauer Berg e.V., Danziger Str. 50, 10435 Berlin | Redaktion: Barbara Schwarz, Frauke Niemann | ViSdP: Der Vorstand | Layout: Henriette Anders | Satz und Bildredaktion: Frauke Niemann

Ganze Artikel sind genauso willkommen wie Themenvorschläge, Leserbriefe, Hinweise auf inspirierende Lektüre oder spannende Veranstaltungen in Prenzlauer Berg. Aktuelle und vergangene Ausgaben finden Sie hier: www.kvpb.de/mittendrin.

Redaktion MITTENDRIN Barbara Schwarz | Frauke Niemann Danziger Straße 50 - 10435 Berlin Tel: 030/346 235 39 | 030/490 852 37 Mail: mittendrin@kvpb.de

Der Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 15.03.2016. Ihre Beiträge senden Sie bitte an: mittendrin@kvpb.de.

MITTENDRIN Februar-März-Ausgabe 2016  

Magazin für Kultur und Bildung in Prenzlauer Berg

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you