Page 1

Magazin fĂźr Kultur und Bildung in Prenzlauer Berg

Was heiĂ&#x;t hier Familie? Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. - September/Oktober 2013 - kostenlose Ausgabe


IN MITTENDRIN Thema Was heißt hier Familie?

3-5

Shortstories 10.000 Euro für Kultur

6

Kultur nach 18 Uhr

6

Theater und Gesellschaft

7

Brasilien trifft Brecht

7

Kulturverein Prenzlauer Berg vergibt Stipendien

Interessengemeinschaft danziger50

„Gehalt oder gehaltvoll? Was ist uns wichtig?“

Beschwingter Abend mit L. Weiland & Easy Living

Helden gesucht!

8

Galerie unter der Treppe

8

Leute machen Kleider

9

Hilfe für Kita im Hochwassergebiet

9

AG Dramatisches und Journalistisches Schreiben

Kunst in luftiger Höhe

Näh dich glücklich im Nähcafé Weißensee

Dreikäsehochs unterstützen Elbspatzen

Buchrezension Die Ego-Show J. B.: Ich, Ich, Ich. Wir inszenieren uns zu Tode.

10

Bildung

EDITORIAL „In der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein.“ (Paul Watzlawick)

Jaja, die Qual der Wahl. Sie kann uns auf vielen Ebenen ereilen. Wenn es ums Knüpfen von Familienbanden geht, scheint unser Stimmrecht auch zu Wahlkampfhochzeiten eher marginal bis nichtig. Oder anders gesagt: Familie sucht man sich nicht aus, Familie hat man! Soweit, so gut. Aber: Was heißt hier Familie? Was macht sie aus, welchen Status hat sie heute? Wir nähern uns diesem Phänomen in unserem Titelthema und stellen Ihnen Profis in diesem Bereich vor: Partnerorganisationen des Kulturvereins, die täglich im Einsatz sind, um Familien durch pädagogische und soziale Angebote zu unterstützen. Und was noch? Wir berichten über Kultur und Kunst im Kiez, erproben neue Sehweisen in der„Galerie unter der Treppe“ und geben Ihnen einen Leitfaden für eine besondere Form des Dramatischen an die Hand: das „Unsichtbare Theater“. Ein weiterer Fokus ist unsere Bildungsarbeit, die frühkindliche Förderung und Weiterbildung. Wenn Sie mögen, nehmen wir Sie mit auf einen Ausflug ins „Reich der Zeichen“, in die Welt der Gebärdensprache. Vielleicht können wir auch schlummernde Kreativpotenziale wecken und Sie zur „Steppvisite“ ins Nähcafé Weißensee locken?

Im Reich der Zeichen

11

Wie eingangs gesagt: Sie haben die Qual der Wahl. MITTENDRIN beginnen, quer lesen, Blatt für Blatt schmökern oder das Feld von hinten aufrollen!

Neue Kita Buch

12

So oder so, viel Spaß bei der Lektüre wünschen

30, 40, 50 Jahre

12

Barbara Schwarz und Frauke Niemann (Redaktion Mittendrin)

Umsonnt und draußen

13

Gebärdensprache: Verstehen lernen

Exzellente Bedingungen für Kinder schaffen

Es gibt gute Gründe zu feiern

Kitakinder machen Ferien vom Alltag

Aufbegehren Henry Thorau: Unsichtbares Theater

Wehrt Euch! - Eine Buchvorstellung im ZENTRUM danziger50

14-15

Wir freuen uns über jede Wortmeldung – ob Alltägliches oder Kurioses, kleine oder größere Aufreger, Lob oder Kritik. Ganze Artikel sind genauso willkommen wie Themenvorschläge, Leserbriefe, Hinweise auf inspirierende Lektüre oder spannende Veranstaltungen in Prenzlauer Berg. Ihre Beiträge senden Sie bitte an: mittendrin@ kvpb.de. Der Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 10. Oktober 2013.

Kiezkultur Kolumne: Der springende Punkt … sorgt sich um die Sprache

16

Vorgestellt: Menschen aus dem Kiez 17 Auf einen Cappuccino mit Wolfgang Pfeiffer

MITTENDRIN

18

Der Blick hinter die Fassade

19

Wat? Wo steht denn ditte?

20

Wohin im September und Oktober?

20

Leserbriefe, Zusendungen, Notizen

20. Tag des offenen Denkmals

Bilderrätsel

Veranstaltungen ZENTRUM danziger50

Impressum Herausgeber: Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. Danziger Str. 50 10435 Berlin Verantwortlich: Der Vorstand Druck: Jugendmedienwerkstatt Medienpoint Norbert Winkelmann Gleimstr. 49 10437 Berlin

Satz: Thilo Schwarz-Schlüßler Redaktion: Barbara Schwarz (bs) Frauke Niemann (fn) Gestaltung: Edmund Cekanavicius Kontakt: mittendrin@kvpb.de 030-446 777 30


Thema

Was heißt hier Familie? »Als Gott am sechsten Schöpfungstage alles ansah, was er gemacht hatte, war zwar alles gut, aber dafür war auch die Familie noch nicht da. Der verfrühte Optimismus rächte sich, und die Sehnsucht des Menschengeschlechtes nach dem Paradiese ist hauptsächlich als der glühende Wunsch aufzufassen, einmal, nur ein einziges Mal friedlich ohne Familie dahinleben zu dürfen. Was ist die Familie?«

D

ie Familie (familia domestica communis, die gemeine Hausfamilie) kommt in Mitteleuropa wild vor und verharrt gewöhnlich in diesem Zustande. Sie besteht aus einer Ansammlung vieler Menschen verschiedenen Geschlechts, die ihre Hauptaufgabe darin erblicken, ihre Nasen in deine Angelegenheiten zu stecken. Wenn die Familie größeren Umfang erreicht hat, nennt man sie ›Verwandtschaft‹. Die Familie erscheint meist zu scheußlichen Klumpen geballt und würde bei Aufständen dauernd Gefahr laufen, erschossen zu werden, weil sie grundsätzlich nicht auseinandergeht.«

Es gibt aber auch allzu oft Fälle, in denen Druck ausgeübt wird, verbal, durch das Entziehen beruflicher Verantwortung, der Absprache von Kompetenzen oder in Extremform, der Kündigung. Denn, was viele nicht wissen: der Sonderkündigungsschutz beginnt erst acht Wochen vor Beginn der Elternzeit, sieben Wochen vorher muss der Arbeitgeber über die geplante „Auszeit“ informiert werden. Es bleibt dem Vater in spe also eine Woche für einen fristgerechten, angstfreien Antrag auf Elternzeit. Es gibt viele „Familienbaustellen“. An manchen wird gearbeitet, andere scheinen brach zu liegen. Ein längst überfälliger Schritt in Richtung Gleichberechtigung unterschiedlicher Lebensmodelle ist die steuerliche Gleichsetzung gleichgeschlechtlicher Paare, die seit Juni diesen Jahres wirksam ist. Der nächste auf dem Weg zur Gleichstellung: das Recht auf Adoption. (fn)

So spöttelt Peter Panter, besser bekannt als Kurt Tucholsky, vor genau 90 Jahren über eine Institution, die zu seinen Lebzeiten noch als heilig galt. Für die moderne gemeine Hausfamilie, die auch griffig als „Kernfamilie“ bezeichnet wird, hält das Schicksal viele Prüfungen bereit. Manchmal ereilt es sie in Gestalt von Familienministerinnen, die „Herdprämien“ aus weiten, aufgeplusterten Ärmeln schütteln. Es regnet Betreuungsgeld: Ab dem 1. August 2013 gibt es auf Antrag monatlich 100 Euro für Kinder zwischen dem 15. und 36. Lebensmonat. Ab 1. August 2014 dann 150 Euro, steuerfrei und immer vorausgesetzt, eines der Familienoberhäupter bleibt kindererziehend zuhause – im Zweifel wohl das weibliche. Da staunt der Fachmann und von der Leyen wundert sich. Die gerade in Politikerkreisen viel beschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird konsequent ad absurdum geführt. Hoppla, nicht so voreilig, es gibt auch noch einen andersgearteten Vorstoß, der zeitgleich mit der „Herdprämie“ in Kraft tritt: garantierte Kitaplätze für Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr. Eltern haben seit 1. August dieses Jahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der mit dem ersten Geburtstag des Kindes geltend gemacht werden kann – theoretisch. Zwar bezeichnet Kristina Schröder die Versorgungslage als „annähernd ausreichend“, in der Praxis gibt es aber (insbesondere in westdeutschen Großstädten) eine Nachfrage nach Kitaplätzen, die das Angebot bei weitem übersteigt. Und Klärungsbedarf: Gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, oder können Gemeinden im Zweifel auch einfach alternativ einen Platz bei einer Tagesmutter anbieten? Und welche Anfahrtswege sind zumutbar? Das Oberlandesgericht NRW entschied am 14. August, dass Kita und Tagesmutter gleichrangig zu behandeln seien und widersprach damit einem erstinstanzlichen Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts. Dieses hatte im Juli beschlossen, dass Eltern nicht auf einen Platz bei einer Tagesmutter verwiesen werden können, wenn bei einer Entfernung von mehr als fünf Kilometern bis zur Kindertagesstätte das Recht auf eine wohnortnahe Betreuung nicht mehr gewährleistet sei. Es sind diametrale Impulse, die die aktuelle Familienpolitik derzeit setzt. Auf der einen Seite scheint man die Wichtigkeit flächendeckender Kinderbetreuungsangebote zumindest erkannt zu haben, auf der anderen Seite befördert man überkommene Rollenmuster. Vielleicht sind diese Rollenmuster auch einfach hartnäckiger als gedacht und in vielen Köpfen fester verankert als zugegeben wird. Einen Anreiz zum Umdenken gibt die Einführung des Elterngeldes, das mit zwei zusätzlichen Monaten, den Partnermonaten, meist Vätermonate genannt, lockt. Doch auch hier ist der Rechtsanspruch das eine, erlebte Realität das andere. Natürlich gibt es auch heute schon vorbildliche Firmen und Institutionen, für die Väter in Elternzeit eine unterstützenswerte Selbstverständlichkeit sind.

3

Fotos: Barbara Schwarz


Thema

Familie: Wilhelmine Wulff / Pixelio

Anlaufstelle für Familien Das Familienzentrum Weißensee Was habt ihr konkret im Programm? Welche Lebensbereiche umfasst euer Angebot?

Johanna Enge ist diplomierte Rehabilitationspädagogin. Seit Juni 2012 ist sie die Koordinatorin im Familienzentrum Weißensee. Es bereitet ihr viel Freude, die Familienarbeit in Weißensee mitzugestalten. Auch privat setzt sie auf Familie: Johanna Enge ist verheiratet und hat vier Kinder. Im Interview berichtet sie über ihre Arbeit im Familienzentrum in der Mahlerstraße.

Wir haben viele Freizeitangebote. Kulinarisches wie den Familienbrunch, Grillen in der Feuerschale und den Alleinerziehendenbrunch. Auch Kreatives steht auf dem Programm. Wir haben eine Holzwerkstatt, in der Freunde des Handwerks allein oder mit Hilfestellung werkeln können, gleiches gilt für unsere Fahrradselbsthilfe. Filigraner geht es in unserer Kreativwerkstatt zu. Hier entstehen kleine ausgefallene Dinge. Nähfreunde können unser Nähcafé besuchen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Gesundheitsund Sportkurse: Wir haben z.B. Kindertanzen, Pilates, Yoga und Erste Hilfe für Kinder im Programm. Zudem gibt es Musik- und Kreativworkshops und Sprachkurse. Unsere Beratungsangebote umfassen Pädagogische Beratung, Rechtsberatung, Sozialberatung und Paarberatung. Wir helfen Schwangeren beim Durchqueren des „Formalitäten-Dschungels“, beraten bei der Auswahl einer geeigneten Kita, informieren zum Thema ALG II, Kinderzuschlag, Bildungsgutschein und vieles mehr. Kannst du aus deiner Arbeit heraus einen Wandel des Familienbildes ausmachen? Zumindest können wir eine konkrete Veränderung feststellen. Unsere Angebote an Vormittagen und an den Nachmittagen werden in zunehmendem Maße von Vätern genutzt, die einen Teil der Elternzeit übernehmen. Gibt es denn spezielle Angebote für Väter oder eine Nachfrage danach? Es gibt beliebte Angebote für Väter wie die Fahrradselbsthilfe, das Grillen, aber auch das offene Café. Angebote ausschließlich für Väter gibt es aber nicht. Was wir beobachten, ist ein großer Bedarf nach Angeboten für Alleinerziehende. Hier gibt es regelmäßige Treffen, die ehrenamtlich organisiert werden, und in denen ein Austausch über Herausforderungen und Probleme stattfindet und Hilfestellungen gegeben werden. Wo seht ihr den größten Beratungsbedarf? Es gibt sehr viele Tür- und Angelgespräche zum Thema Kitaplatz, Sozialhilfe und Wiedereinstieg in den Beruf und Erziehungsfragen. Wir möchten im zweiten Halbjahr 2013 diese Gespräche „kultivieren“ und bieten diese Themen als ein festes Beratungsangebot an.

Wie lange gibt es das Familienzentrum schon, und wie groß ist euer Team? Geburtsanzeige aus dem Betreuten Wohnen:

Es gibt uns seit September 2010. Drei festangestellte Mitarbeiter, zwei MAE-Kräfte und 17 Ehrenamtliche arbeiten für das Familienzentrum. Wie definiert ihr Familienarbeit? Wir sehen unser Haus als eine Anlaufstelle, in der sich Familien treffen und ihre Freizeit verbringen können. Sie können sich bei uns professionell und niedrigschwellig rund um familienrelevante Themen beraten lassen und sich nachbarschaftlich vernetzen. Viele unserer Angebote zielen auf eine Stärkung der Erziehungskompetenz. An wen richten sich eure Kurse und Angebote? Die Familien-Angebote richten sich sehr stark an Familien mit Kindern bis zum Schulalter. Unsere Beratungs- und Informationsabende nehmen vor allem Eltern und pädagogische Fachkräfte wahr. Wir kooperieren auch mit unseren Nachbarn vom Fipp e.V. Fipp steht für Fortbildungsinstitut für pädagogische Praxis. Deren Arbeit konzentriert sich auf Kinder ab sechs Jahren.

Foto: Familienzentrum Weißensee

4


Thema

Kiez-und Familienarbeit Familie neu gedacht

Das Frei-Zeit-Haus Weißensee stellt sich vor

Der Kulturverein widmet der Familienarbeit seit einigen Jahren mehr Zeit und Raum. So ist es stimmig, dass, eng an die Vereins-Kitas angeknüpft, Familienbereiche aufgebaut und etabliert werden: seit Ende 2012 bei den „Kiezeulen“, seit Sommer diesen Jahres bei den „Gleimstrolchen“. „Über-brücken“ heißt dieses neue Unterfangen, weil es rein räumlich zwischen den Bezirken Mitte und Pankow liegt und eine Brücke zwischen beiden Kiezen schlagen soll.

Die Entstehungsgeschichte des Frei-Zeit-Haus Weißensee ist wohl ziemlich einmalig: In den wirren Zeiten der Wende wurde das damals marode und leerstehende Haus in der Pistoriusstraße 23 von etwa 50 meist älteren Weißenseern auf der Suche nach einem geschützten Raum für Freizeit und Begegnung besetzt. Mit einem kleinen Trick hatten sie sich einen Schlüssel besorgt, hatten renoviert und das Haus gereinigt und bald auch über den Runden Tisch Weißensee und den „Magistrat der Stadt“ die Legitimation erwirkt.

U

nterstützt wird das Projekt finanziell durch Mittel aus dem Förderbereich „Bildung im Quartier“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Im Weddinger Familienbereich wurde eine Familienbibliothek aufgebaut. Hier findet sich viel Lesenswertes, Belletristik genauso wie Fachliteratur. Außerdem gibt es zahlreiche Veranstaltungen rund ums Thema Buch, Wissen, Bildung, Information und Bibliophilie. Einmal im Monat findet an beiden Standorten im Wechsel „Kinder lesen für Kinder“ statt: Schulkinder lesen Kitakindern vor. Anschließend kommen die Leseratten ins Gespräch oder malen gemeinsam.

D

er Trägerverein wurde am 6. Juni 1990 gegründet, und in den Folgejahren entstand ein Konzept, das sich an der Tradition der Nachbarschaftshäuser orientierte. Die Gründer wollten ausdrücklich keine Senioren-Begegnungstätte aus dem Haus machen. Es war ihnen wichtig, dass es generationsübergreifend genutzt wird. Dennoch stand auf Grund des Alters der ersten Nutzer in den ersten Jahren die Seniorenarbeit im Vordergrund.

Von 1995 bis 1998 erfolgte dann die Sanierung des Hauses und der Anbau eines Eingangsbereiches sowie des Fahrstuhls. Ab 1998 wurde die Arbeit mit Familien im Haus auf- und ausgebaut. Auch kamen nun einige Außenstellen hinzu: Seit 1997 die Selbsthilfekontaktstelle in Hohenschönhausen, dann ab 2004 der Charlottetreff im Komponistenviertel, die Freiwilligenagentur in Pankow im Jahr 2009 und schließlich gemeinsam mit dem Kulturverein das Familienzentrum 2010. Seit letztem und diesem Jahr gibt es auch zwei kleine Kitas in Trägerschaft des Frei-Zeit-Haus e.V.

Zudem stehen eine Hebammensprechstunde, kreative und speziell auf Familien abgestimmte Angebote aus dem Bereich der Bildenden Kunst, offene Angebote in der Familienbibliothek, Familientrödel, Beratungsangebote und Informationsabende wie „Starke Kinder, starke Eltern“ auf der Veranstaltungsagenda. (bs) Koordination und Information Mirijam Schubarth Eulerstraße 19a, 13357 Berlin Tel: 030 / 53674787 Mail: familienarbeit@kvpb.de

Unser „Kerngeschäft“ sehen wir in einer modernen Nachbarschafts- und Stadtteilarbeit. Dabei geht es darum, die Angebote, Veranstaltungen, Initiativen usw. im Haus und im Stadtteil zu gründen und zu unterstützen, die notwendig sind, um das Leben und Wohnen im Kiez zu verbessern. Allgemeiner könnte man sagen, es geht uns um Kiezarbeit mit dem Schwerpunkt in der Wohnumfeldverbesserung, der BewohnerInnenbeteiligung und der sozialen Stadtteilentwicklung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung eines breiten freiwilligen und bürgerschaftlichen Engagements. In dieser Tradition sehen wir uns in der Verantwortung, die Freiwilligenkultur im Bezirk und darüber hinaus zu fördern und die Qualität der Arbeit mit Freiwilligen stetig zu verbessern. Text: Christof Lewek

Christof Lewek ist seit 18 Jahren Geschäftsführer des Frei-Zeit-Haus e.V. und wohnt in Weißensee.

Fotos: Barbara Schwarz

5

Foto: Archiv Frei-Zeit-Haus


Shortstories

10.000 Euro für Kultur Kulturverein Prenzlauer Berg vergibt Stipendien für Kunst, Kultur und Bildung Mit 10.000 Euro fördert der Kulturverein Projekte im Bereich der Freien Kunst sowie Kunst-, Kultur- und Bildungsprojekte im pädagogischen Kontext. Es gibt keine weiteren inhaltlich-thematischen Vorgaben. Kunst- und Kulturschaffende können Anträge im Rahmen einer offenen Ausschreibung für alle künstlerischen Genres einreichen. Die maximale Fördersumme pro Projekt beträgt 1.000 Euro.

D

er Kulturverein setzt sich seit vielen Jahren für ein vielfältiges Kunstund Kulturprogramm in Prenzlauer Berg ein. Erstmalig stellt er nun eine Fördersumme bereit, um KünstlerInnen die Realisierung kreativer Vorhaben zu ermöglichen. Hierfür gibt es zwei Fördertöpfe: Über die Vergabe von Freie-Kunst-Stipendien entscheidet eine unabhängige Jury. Förderprojekte mit pädagogischem Bezug werden vom Vereinsvorstand ausgewählt. Einzige Vorgabe: Alle unterstützten Ausstellungen, Installationen, Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte etc. müssen in den Einrichtungen des Kulturvereins stattfinden und öffentlich zugänglich sein.

Was ist Ihre Projektidee? Wer ist der Anfragende? Welche Ziele verfolgt das Vorhaben? Wie wollen Sie diese Ziele erreichen? Wer ist die Zielgruppe? Wem nützt dieses Projekt? Wo sind die Schnittstellen zum Kulturverein? Was ist innovativ an Ihrem Vorhaben? Wie ist der zeitliche Ablauf / die Zeitplanung des Projekts? Wer übernimmt welche Aufgaben? Von welchen Gesamtkosten geht die Vorkalkulation aus? Welche anteilige Förderung durch den Kulturverein stellen Sie sich vor?

Förderung beantragen

Zweimal im Jahr tagen Jury und Vereinsvorstand, um eingereichte Projektideen zu begutachten: erstmalig am 3. September 2013, danach wieder am 3. März 2014. Wenn Sie ein interessantes Konzept vorweisen können, das nur auf seine Umsetzung wartet, freuen wir uns auf Ihren Förderantrag, den Sie bitte per E-Mail an projekte@kvpb.de richten. Um uns die Auswahl zu erleichtern, sollten Sie sich bei der Skizzierung Ihrer Projektidee auf höchstens drei DIN A4-Seiten beschränken. Da uns eine gerechte Mittelvergabe nach nachvollziehbaren Kriterien wichtig ist, beantworten Sie dabei bitte folgende Fragen:

Natürlich beraten wir Sie gerne telefonisch (030/43202067) oder in einem persönlichen Gespräch im ZENTRUM danziger50! Ansprechpartner sind Barbara Schwarz und Jörg Riedel. (fn)

Kultur nach 18 Uhr Interessengemeinschaft danziger50 Die Gruppe ist Anlaufstelle für alle, die das Haus des Vereins mit Kultur und Leben füllen. Alte und neue Ideen und Projekte des Vereins wollen diskutiert und vorbereitet werden, genauso wie die Anfragen von „außen“. Das ZENTRUM danziger50 ist ein offenes Haus, das Künstlern und Veranstaltern eine Bühne bietet. Sie können die Räume des Vereins gegen kleines Geld mieten und den Veranstaltungssaal, die Abbaubar oder die Werkstatt für ihre Zwecke nutzen. Die IGd50 ist hierbei für alle Belange Ansprechpartner. Sie setzt sich mit den Inhalten der Anfragen auseinander, aber natürlich auch mit der technischen und räumlichen Umsetzbarkeit. Alle Entscheidungen fällt die IGd50 demokratisch, jedes Vereinsmitglied kann mitmachen, mitdiskutieren, mitbestimmen. Einmal in der Woche trifft sich der harte Kern, bestehend aus sieben Leuten. Sie machen die langfristige Planung und klopfen die nächsten Schritte fest: Wie läuft die Woche Tag für Tag? Was findet statt? Wer baut auf? Wer baut ab? Wer steht an der Kasse, hinter der Bar, wer macht die Technik? Wer reinigt den Saal? Es geht ums Ganze: Die Interessengemeinschaft danziger50, kurz IGd50, kümmert sich um das kulturelle Leben im ZENTRUM danziger50.

Eines ist klar: Was das Kunst- und Kulturzentrum in der Danziger Straße auf die Beine stellt, ist ohne die Unterstützung vieler Ehrenamtlicher nicht möglich! Vielen Dank an dieser Stelle an alle Helfer beim diesjährigen Sommerfest. Vielleicht wollen Sie auch mitmachen und haben Zeit und Lust, uns zu unterstützen? Mehr unter der Nummer: 030 / 4320 2067. (fn)

I

m Veranstaltungszentrum des Kulturverein Prenzlauer Berg steht viel auf dem Programm: Konzerte, Lesungen, Workshops, Kunstausstellungen, Kinovorstellungen, Fachgruppentreffen, Diskussions- und Informationsveranstaltungen, Feiern und Feste. Die IGd50 behält nicht nur den Überblick, sondern sorgt für einen reibungslosen Ablauf vor und hinter den Kulissen.

Fotos: Frauke Niemann

6


Shortstories

Theater und Gesellschaft „Gehalt oder gehaltvoll? Was ist uns wichtig?“ An diese Fragen tastet sich die theatralische Inszenierung „Geld“ rasant, bunt und energiegeladen heran.

B

efinden wir uns an der Börse? Stimmen, Sprachen, Spektakel. Alles dreht sich ums Geld, um Statistiken, um Meldungen. Der Zuschauer taucht ein in die Welt von „Geld“, der ersten Produktion des Projekts „Theater und Gesellschaft“, die am 25. Juni 2013 im ZENTRUM danziger50 im überfüllten Theatersaal Premiere hatte. Die Gruppe unter der Regie von Catherine Welly und der Dramaturgie von Evelyn Maguhn hat es geschafft, selbstgeführte Interviews in einen dramatischen Kontext zu stellen, der sich dem Thema „Geld“ assoziativ und wohltuend chaotisch nähert. Ein Abend, gestaltet wie ein Potpourri des Sehvergnügens: wie eine Fabel, eine gesellschaftliche Lehrstunde ohne erhobenen Zeigefinger. Vermengt mit Expertenbefragung, Video-Vorlesung, Statistiken und Lektüretipps, mit privaten Bekenntnissen, anekdotischen Kalauern und musikalischen Neuerungen. Pfiffig, kurzweilig und doch gehaltvoll. Der Zuschauer entscheidet, wie tief er einsteigt.

Money makes the world go round!?

dazu. Wasser wird gesammelt und getauscht, das höchste Gut auf Erden. Die Energie in Person von Mia Kaspari wirbelt herum und verstrickt den Zuschauer in ein philosophisches Gespräch. Über allem schwebt die Angst. Ja, vor was eigentlich? Der Tod (Pasquale Bombacigno), bepackt mit allem Erstrebenswerten, was die Welt des schönen Scheins zu bieten hat. Er braucht kein Wasser, er bringt Gold und will die Wasserträgerin in den Bann ziehen. Er ist chancenlos. Und nun sind sich alle einig, zusammenrotten und zusammenhalten: Wir können glücklich sein, weil wir uns haben. Und nicht das Geld uns.

Aber zurück an die „Börse“: Das Stimmengewirr ebbt ab. Die Sonne geht auf, buchstäblich erstrahlt im goldenen Licht ein goldenes Zelt, und das Leben in seiner reinsten Form betritt als Wasserspenderin die Bühne: Mary Braatz mit afrikanischen Gesängen und Wasser. Das ganze Stück hindurch gibt sie beides freigiebig weiter. Die Bewohnerin des goldenen Zelts erwacht (Ramona Eitel-Villar). Der Zeitverziehrer (Gabriele Sander) schleust sich mit seiner Tuba ins Bild und nimmt Kontakt zur schönen Zeltbewohnerin auf. Ein Obdachloser (Stefan Weigel) mit seiner Habe, leere Plastikflaschen im Rollkoffer, gesellt sich

„Geld“ ist der erste Teil der Trilogie „Geld, Macht, Visionen“ des Projekts „Theater und Gesellschaft“ des Kulturverein Prenzlauer Berg. Weitere Vorstellungen im Abendprogramm bitte erfragen unter der Nummer: 030/41715887. Auch Aufführungen an und für Schulen (ab der 9. Klasse) sind möglich. (bs)

Brasilien trifft Brecht Beschwingter Abend mit Luciene Weiland und Easy Living Die Sopranistin Luciene Weiland präsentierte am 19. Juli im ZENTRUM danziger50 eine musikalische Soirée mit Stücken von Bertolt Brecht und brasilianischen Modernisten. Bei fast tropischen Temperaturen heizte die brasilianische Sängerin, begleitet vom Trio Easy Living, dem Publikum im Konzertsaal des Kulturverein Prenzlauer Berg kräftig ein.

F

rivole bis eindringliche Brechtsche Lyrik, heiße Rhythmen, folkloristischer Maskentanz und ein steppender Überraschungsgast: Langeweile kam an diesem Abend nicht auf. Luciene Weiland setzte Stimme und Temperament gekonnt ein und zog die Zuschauer in ihren Bann. Dabei erwies sie sich zunächst als Meisterin der leisen Töne und verwandelte sich flugs in einen mitreißenden stampfendrotwirbelnden Derwisch. Sichtlich Spaß an dieser Metamorphose hatten die begleitenden Musiker von Easy Living: Martin Willy (Gesang, Saxophon, Querflöte), Alexander Zerning (Gitarre) und Minas Suluyan (Percussion). Weiland kombiniert Ungewöhnliches. Das Interesse der Sopranistin und Tänzerin mit Staatsexamen in Geschichte gilt nicht nur der brasilianischen Tradition, sie ist auch Spezialistin für deutsches Liedgut. 2010 war sie auf Tournee in Kuwait; im Gepäck Lieder von Hanns Eisler, Kurt Weill und Bertolt Brecht. (fn)

7

Fotos: Frauke Niemann


Shortstories

Helden gesucht! AG Dramatisches und Journalistisches Schreiben Im ZENTRUM danziger50 startet am Dienstag, dem 10. September 2013, um 18 Uhr die Arbeitsgemeinschaft Dramatisches und Journalistisches Schreiben. Dazu werden wahrhafte Helden gesucht, die sich auf das Abenteuer Dramatisches und Journalistisches Schreiben einlassen wollen.

Die Arbeit beginnt also bei Null, aber uns steht die Zukunft offen. Wohin sie uns führen wird, bestimmen wir selbst! Es sollen durch uns journalistische Produkte entstehen, die sowohl online veröffentlicht werden als auch anderen Medien zum Publizieren angeboten werden können. Selbst das Gründen einer AG-eigenen Zeitung ist perspektivisch möglich.

D

ie Arbeitsgemeinschaft verfolgt das Ziel, journalistische Darstellungsformen zu erlernen, zu vertiefen und zur Vervollkommnung zu führen. Darüber hinaus wird Wissen auf dem Gebiet des dramatischen Schreibens

Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich vierzehntäglich dienstags in der Zeit von 18 bis 20 Uhr. Zwischen den Terminen ist ein selbständiges Arbeiten

Start: Dienstag, 10. September 2013, 18-20 Uhr | Treffen jeweils vierzehntäglich Ort: ZENTRUM danziger50 Unkostenbeitrag: 14 € pro Monat. Infos und Anmeldung: Claus Utikal, Tel. 030 / 493 51 43 | Claus.Utikal@googlemail.com

nach konkreten Vorgaben inklusive Betreuung vorgesehen. Für die Teilnahme fällt ein Unkostenbeitrag von 14 Euro pro Monat an, der die Kosten für Lehrmaterial, Betreuung und anteilige Raumkosten des Hauses abdeckt. Also wagen wir das Abenteuer! Unser Mut soll sich lohnen! Mein Name ist Claus Utikal. Ich bin Journalist und Diplom-Kulturwissenschaftler. Ich werde die Arbeitsgemeinschaft moderieren und als Mentor wirken.

vermittelt, um journalistische Darstellungsweisen, die ein szenisches Denken erfordern (u. a. Feature, Reportage, Essay) professionell gestalten zu können. Dieser Ansatz zielt auf eine enge Verknüpfung der Journalistik mit dem szenischen Gestalten bzw. Denken. Erwartet werden Enthusiasmus, Zuverlässigkeit und Willensstärke, Vorkenntnisse dagegen nicht. Die notwendigen Kenntnisse werden während der Arbeitstreffen vermittelt und durch viele Übungen gefestigt.

Text: Claus Utikal, Foto: Werner Stadelmann, Pixelio

Galerie unter der Treppe Kunst in luftiger Höhe Im Juni 2011 wurde die Galerie unter der Treppe im ZENTRUM danziger50 eröffnet. Alle KünstlerInnen nutzen für Ausstellungen einen ungewöhnlichen Raum: die Treppenunterseite des dreistöckigen Gebäudes.

N

eben der Hausfassade steht auch das Treppenhaus unter Denkmalschutz. Dies heißt für die Techniker, eine besonders schonende Herangehensweise für die Befestigungen auszutüfteln. Technisch ist die Galerie ganz simpel, denn es handelt sich um zwei Stahlseile, die an den fünf Unterseiten der Treppe, vom Erdgeschoss bis ins Dachgeschoss befestigt sind. So können Bilder von Postkartengröße bis A0 gehängt werden. Der Ort der Galerie verbindet Funktionales und Ästhetisches. Auf den ersten Blick ist ein Treppenhaus der Raum, den jeder Besucher des Hauses „begehen“ muss, möchte er in die oberen Stockwerke, oder wieder nach unten. Auf der anderen Seite eröffnet es neue Blickwinkel, wenn der Betrachter die Augen nach oben richtet.

„rot!“ sehen im ZENTRUM danziger50: von montags bis freitags

10 bis 16 Uhr.

Aktuelle Ausstellung

Noch bis zum 15. Oktober läuft in der Galerie unter der Treppe die Ausstellung. „rot!“ von s. sabine krause. Sie ist autodidaktische Kleinstkamera-Fotografin und hält mit ihren Bildern die kleinen magischen Momente des Alltags fest. In „rot!“ beschäftigt sie sich mit den Gesichtern einer Farbe, die seit Ewigkeiten für Leben, Sinnlichkeit, Aggression steht, die aber auch sanfte Seiten hat. Rote Lippen, roter Schirm, rote Schatten – Variationen von Rot. (bs)

8

Drahtseilakt: Neue Perspektiven in der Galerie unter der Treppe

Foto: Frauke Niemann


Shortstories

Leute machen Kleider Näh dich glücklich im Nähcafé Weißensee Den Faden verloren? Kein Problem! Das Nähcafé Weißensee ist ein Treffpunkt für alle, die schöne Dinge unter fachkundiger Anleitung selbst gestalten wollen.

Im abendlichen Nähsalon hilft Antje Lond Benn bei auftretenden Problemen. Sie ist Schneiderin und diplomierte Bekleidungsgestalterin. Alle Kursleiterinnen arbeiten ehrenamtlich im Nähcafé. (fn)

I

Wer Nadel und Faden schwingen möchte, bezahlt einen Unkostenbeitrag von fünf Euro (mit Berlinpass auf Spendenbasis).

mmer donnerstags können Nähbegeisterte ohne Anmeldung vorbeikommen und bei Kaffee und Kuchen mitgebrachte Kleidung umschneidern, Neues nähen, sich mit anderen austauschen oder einfach nur zusehen, sich inspirieren lassen und klönen. Das Café im Familienzentrum Weißensee ist eine gut ausgestattete, gemütliche Kreativwerkstatt mit acht Nähmaschinen, Schneidetisch und Bügelstation. Auch Garn und Stoffreste zum Stöbern sind vorhanden. Es gibt einen Vormittags- und einen Abendkurs. Am Morgen stehen Steffi Oertel und Domitila Llactahuaman, beide diplomierte Bekleidungstechnikerinnen, den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite. Das Angebot nehmen besonders junge Mütter wahr. Mitgebrachte Kinder können während des Kurses in den Räumlichkeiten des Familienzentrums spielen.

Wann: Nähcafé: jeden Donnerstag 9 bis 12 Uhr Nähsalon: 19:30 bis 22 Uhr (nicht in den Schulferien) Wo:

Familienzentrum Weißensee Mahlerstraße 4, 13088 Berlin Telefon: 030 / 911 47 690 E-Mail: info@familienzentrum-weissensee.de

Ein Platz für Kreativität / Wissen immer Rat: „Stoffhelden“ Steffi Oertel und Domitila Llactahuaman / Bei der Arbeit oder auf frischer Naht ertappt Fotos: Frauke Niemann

Hilfe für Kita im Hochwassergebiet Dreikäsehochs unterstützen Elbspatzen Viele haben mit Entsetzen in Presse und Medien die furchtbaren Ausmaße des diesjährigen Hochwassers verfolgt. Auch für die Vorschulkinder im Haus der Kita Dreikäsehoch war dies ein Thema, das bewegte.

D

ie Dreikäsehochs wurden auf das Schicksal einer Kindertagesstätte in Elster an der Elbe aufmerksam. Der kleine Ort im Landkreis Wittenberg in SachsenAnhalt hat ungefähr 2500 Einwohner und wurde innerhalb der letzten zehn Jahre zum zweiten Mal überschwemmt. Die Kinder im „Haus der kleinen Elbspatzen“ bezogen erst letztes Jahr ihr neues Domizil und haben nun durch das Hochwasser alles wieder verloren. Spontan entschied sich die Kita Dreikäsehoch: Hier wollen wir helfen! Es gibt einen direkten Kontakt mit der Kita und der Gemeinde in Elster. Der erste Spendentransport ging am 20. Juni auf die Reise, weitere Fahrten folgten in den darauffolgenden Wochen. Die Aufbauarbeiten in der überschwemmten Kindertagesstätte in der WilhelmPieck-Straße in Elstar sind mittlerweile in vollem Gange. Für die Übergangszeit haben die Kleinen Elbspatzen ein Domizil in der Molkereistraße bezogen. Einen Spendenaufruf mit Bildern der zerstörten Anlage finden Sie unter: http://www.youtube.com/watch?v=q2es45JRzRE.

Sie möchten helfen? Spendenkonto „Haus der kleinen Elbspatzen“ Sparkasse Wittenberge Kontonummer 11711 Bankleitzahl 80550101

9

Text und Foto: Kita Dreikäsehoch


Buchrezension

Die Ego-Show Jens Bergmann: Ich, Ich, Ich. Wir inszenieren uns zu Tode. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Bergmanns 220 Seiten starkes Buch sollte eigentlich unter dem Titel „Promi-Plage“ im Gütersloher Verlagshaus erscheinen. Im Verlagsprogramm bereits angekündigt, die Druckfahnen gesetzt, will der Verlagsleiter kurz vor knapp Manuskriptänderungen erzwingen, spitzzüngig formulierte Charak-

Buchrezension

terbilder glatt bügeln. Man meint, es rumoren zu hören: Zensur! Im März erscheint dann das Buch „Ich, Ich, Ich. Wir inszenieren uns zu Tode” im 2013 gegründeten Berliner Metrolit Verlag. Anderer Titel, gleicher und ungeschönter Inhalt. Wer jetzt neugierig gemacht in die Auslegeware des Buchhändlers seines Vertrauens greift, kann sich laut Klappentext-Fürsprecher-Professor auf eine „kluge Soziologie des Seichten“ freuen. Außerdem werden Antworten auf die spannende Frage „Wie funktioniert die Kunst der Selbstinszenierung?“ in Aussicht gestellt. Leider erfüllt der Autor und Brandeins-Redakteur Jens Bergmann die so aufgebaute Erwartungshaltung nicht. Anstatt das in alle Bereiche unseres Lebens hineinwirkende „Promi-Prinzip“ zu analysieren und die Mechanismen einer in Medien, Politik, Sport und im Privaten um sich greifenden Aufmerksamkeitssucht zu entschlüsseln, bleibt er über weite Strecken im von ihm an den Pranger gestellten Boulevard-Tümpel stecken.

Spot on! Der Autor beklagt „die Verwandlung der öffentlichen Debatte in ein schlüpfrig, seichtes Biotop“, macht aber selbst keine Anstalten den Wasserstand anzuheben. Im Gegenteil, er wirft fröhlich mit Matsch umeinander: Manchmal amüsant, aber in der Masse ermüdend, werden Skurrilitäten aus dem Promialltag aneinandergereiht. Es geht vor allem um charakterliche Ausrutscher und Verhaltensauffälligkeiten derjenigen, die sich auf dem Markt der Eitelkeiten tummeln. Im Mittelteil des Buches findet sich ein „buntes Bestarium“, ein Prominenten-Sammelsurium, das von A wie „Der Aufkocher“ bis Z wie „Der Zerüttete“ reicht und sich der Kategorisierung der heutigen, darin lässt Bergmann keinen Zweifel, Schaumschläger-Prominenz widmet. Dauerpräsente Fernsehköche kriegen hier genauso ihr Fett weg wie talentarme bis -freie Püppchen (Stichwort Kournikova-Syndrom) oder parasitäre Putzerfische, die sich durch anbiedernde Co-Existenz unentbehrlich gemacht haben.

Eine Geschichte voller Missverständnisse? Bergmann erklärt in einem kurzen historischen Abriss, wie es soweit kommen konnte: In der Feudalgesellschaft erlangten nur Adelige und Kleriker eine breite Aufmerksamkeit, und vielleicht in Ausnahmefällen Mätressen oder anderes „gemeines Fußvolk“. Mit dem Aufstieg des Bürgertums steht die Eigenleistung einzelner im Fokus: die Stunde der „Künstler, Denker, Wissenschaftler, Erfinder, Entdecker, Unternehmer, Staatsmänner und Revolutionäre“ schlägt. Der Popularitätsgrad von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, gründet in der Jetztzeit nicht mehr auf diesem Leistungsprinzip. An die Stelle von Inhalten treten Inszenierungen, das Sein ist Schein und umgekehrt. Die Promischwemme ist das „Ergebnis von Demokratie und Medienboom“, so Bergmann.

Unterm Strich Wenn die nervtötende Allgegenwart der von Bergmann als „Minderleister“ eingeordneten Prominenz ein „Armutszeugnis für die Medien“ ist – und seiner Einschätzung werden wohl wenige widersprechen – stellt sich die Frage, warum er genau dieser Klientel in seinen Ausführungen so viel Raum gibt. Natürlich ist Bergman wortgewandt und findet griffige Slogans à la „Prominenz schlägt Relevanz“. Man wünschte sich aber, dass auf die ungute Allianz zwischen Journalisten und den sogenannten Stars, auf die der Autor verweist, näher eingegangen und deren kulturelle Folgen beleuchtet würden. Allein mit der Erkenntnis, dass Bekanntheit und öffentliche Aufmerksamkeit heute nicht unbedingt zwingend mit Können oder Originalität einhergehen, lässt sich kein Buch füllen. Sollte man meinen. Bergmann belehrt uns eines Besseren. Und hat viele Allgemeinplätze parat: „Prominent ist, wer prominent ist.“ Oder: „Verlust an Privatsphäre ist der Preis der Prominenz.“ Oder: „Sex ist der große Schlüsselreiz der Medien. Crime der andere.“ Ja, denkt man. Und dann lange nichts. (fn)

10


Bildung

Im Reich der Zeichen

Gebärdensprache: Verstehen lernen Mittendrin: Im Zuge der Diskussion um Inklusion wäre es ja auch denkbar, dass die Gebärdensprache in der Schule erlernt wird. Wie stehst du dazu?

Katrin Mertens ist Sozialpädagogin und arbeitet im Betreuten Wohnen (NICHT) ALLEIN MIT KIND. Vor einigen Jahren absolvierte sie eine Fortbildung in Gebärdensprache beim Gehörlosenverband Berlin e.V. Im Gespräch erzählt sie von neuen Ausdrucksmöglichkeiten und wie sie das Gelernte einsetzen kann.

Das wäre wirklich wünschenswert. In einigen europäischen Ländern ist es Gang und Gäbe, dass Mitarbeiter in den Behörden diese Kompetenz aufweisen.

Mittendrin: Wie kamst du auf die Idee, die Gebärdensprache zu erlernen. Gab es einen konkreten Anlass? Es gab die Anfrage für einen Betreuungsplatz für eine junge Frau in unserer Einrichtung, die auf die Gebärdensprache angewiesen war. Da ich dieses Thema schon länger reizvoll fand, meldete ich mich zu einer Fortbildung an. Es war schwierig, etwas Passendes zu finden. Die Fortbildung war dann sehr intensiv, gar nicht frontal, sondern sehr übungsorientiert. Ich erlernte die Module der Deutsche Gebärdensprache DGS 1, 2, 3. Das sind die Grundlagen. Die Schwierigkeitsstufen reichen bis zur 10. Es ist, als erlerne man eine Fremdsprache. Die Lehrerin war selbst eine Gehörlose und so verlief der Unterricht komplett ohne Sprechen. Allerdings mit einer starken Interaktion. Mittendrin: Hast du ein Beispielwort parat? Ja, zum Beispiel den Begriff „Oma“ formst du so: Katrin deutet mit einer Hand einen Dutt an ihrem Hinterkopf an. Mittendrin: Konntest du das Gelernte gleich anwenden? Es gab zwei junge Frauen, die unabhängig voneinander, allerdings zeitlich nah zusammen, von uns betreut wurden. Ich konnte mich also gleich erproben. Hilfreich war es auch für die Kommunikation mit den Partnern. Mittendrin: Was fällt dir spontan ein, was anders ist in der Kommunikation mit Gebärdensprache? Die Gesprächspartner müssen sich ansehen. Die Gebärdensprache besteht aus kombinierten Zeichen, den Gebärden. Sie werden vor allem mit den Händen, in Verbindung mit Mimik und Mundbild, also den lautlos gesprochenen Silben, gebildet. Dazu kommt es auf die Körperhaltung an. Man kann nicht mit abgewandtem Kopf sprechen oder die Sätze seitlich wegsprechen. Die Gesprächspartner müssen mehr aufeinander eingehen. Es ist auch schwer, sich zu unterhalten und gleichzeitig zu essen, oder sich Notizen zu machen. Du brauchst deine Hände. Das sind schon andere, ganz unmittelbare Erfahrungen, die mich auch mehr über gegenseitigen Austausch im Gespräch nachdenken ließen. Eine direkte Form von Zugewandtheit ist wichtig.

An den Dutt gefasst: Katrin Mertens gebärdet „Oma“.

Mittendrin: Wie war die Mutter-Kind-Kommunikation? Konnten die Kinder hören?

Katrin Mertens ist Diplom-Sozialpädagogin. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. 2003 Abschluss zur. Während der Elternzeit in München hat sie als Tagesmutter gearbeitet, auch für Kinder mit besonderem Förderbedarf. 2006 gründete sie eine Großtagespflege mit zehn Kindern im Alter von sieben Monaten bis drei Jahren. Seit 2008 ist sie im KVPB im Betreuten Wohnen tätig.

Oft bleiben die jungen Frauen nicht lange in unserer Betreuung, in diesen beiden Fällen traf dies zu. Ich konnte also nicht miterleben und verfolgen, wie die Entwicklung von Sprache und Sprechen zwischen den Müttern und ihren Kindern ablief. Aber grundsätzlich ist die Interaktion zwischen Mutter und Kind viel kontaktreicher.

Gehörlose in Berlin 1848 wurde der erste deutsche Gehörlosenverein „Taubstummen-Verein Berlin“ gegründet. Den Vorsitz hatte der Gehörlose Eduard Fürstenberg. Er gründete ein Jahr später den „Zentralverein für das Wohl der Taubstummen in Berlin“. 1952 ging daraus der Gehörlosenverband Berlin (GVB) hervor. Seit 1986 organisiert der Verein ein Straßenfest am Tag der Gehörlosen, der immer am letzten Sonnntag im September stattfindet. Alle drei Jahre wird das Gebärdensprach-Festival veranstaltet. Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf die Belange der Gehörlosen aufmerksam zu machen. Mehr Informationen unter: www.deafberlin.de und www.gehoerlosen-bund.de.

Mittendrin: Würdest Du die Herausforderung noch einmal annehmen? Wie geht es weiter? Ich fand es sehr spannend und interessant und werde mich auf jeden Fall weiterbilden. Ich bekomme auch regelmäßig Infomaterial und fühle mich als Teil dieser ganz eigenen Kultur. Meine Kinder sind auch sehr interessiert gewesen, denn die Gebärdensprache ist sehr bildreich und anschaulich. Sprache entwickelt sich weg von der Aneinanderreihung von Buchstaben hin zu Bildern.

11

Interview und Foto: Barbara Schwarz


Bildung

Neue Kita Buch Exzellente Bedingungen für Kinder schaffen Im Bezirk Pankow entsteht eine neue Kindertagesstätte: die Kita Buch. Für die Familien im Quartier werden mindestens 70 Kitaplätze geschaffen.

Selbstbildungsprozesse der Kinder anzuregen hat die Kita ihr ganz eigenes Raumkonzept, die sog. Themenräume. Ob es der Raum für Musik und Kunst ist, der Raum für naturwissenschaftliche, technische oder handwerkliche Erfahrungen, der Raum für Mathematisches oder Kommunikatives, ein Raum für Bewegung oder Entspannung: jeder Bildungsbereich wird räumlich in der Kita seinen eigenen Platz finden. Durch die offene Arbeit hat jedes Kind die Möglichkeit, seinen Interessen nachzugehen, seine Ideen auszuprobieren, seine Stärken zu vertiefen. Auch vorerst weniger interessante Bereiche werden durch das eigene Erkunden möglich und die Unterstützung durch die ErzieherInnen schnell reizvoll und anregend. Jedes Kind hat seine/n BezugserzieherIn, weiß also bei aller Selbstbestimmung immer, wer direkter Ansprechpartner ist. Eine weitere wichtige inhaltliche Säule wird die Familienarbeit sein. Die Kita wird im Sozialraum verankert, sodass sie auch für Bewohner und Akteure im Quartier in Kooperation mit dem Kulturverein als Ort für eigene und gemeinsame Veranstaltungen zur Verfügung stehen soll.

D

ie Interessenbekundung des Bezirks, der das ehemalige Kitagebäude an der Karower Chaussee 169b ausschrieb, liegt zwei Jahre zurück. Mit Mitteln aus dem Förderbereich „Stadtumbau Ost“, vielen Eigenmitteln und einem Architektenteam planen wir die Sanierung des Gebäudes und den Umbau des großen Gartengrundstücks. Im September 2013 beginnen die Bautätigkeiten. Der Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. wird das ehemalige Kitagebäude nach der Sanierung des Innen- und Außengeländes mit insgesamt 3.500 qm wieder als Kita in Betrieb nehmen. Die Aufgabe und damit der gesellschaftliche Auftrag von Kindertagesstätten ist, Kindern beim Erwachsenwerden zu helfen: Es soll ihnen möglich sein, ihre persönliche Identität auf- und auszubauen, ihr Selbstwertgefühl zu erspüren und zu erweitern, eigene Bedürfnisse zu erkennen und gegen Bedürfnisse von außen abzuwägen und sich auf die Gemeinschaft einzulassen. 2011 entwickelten Expertinnen innerhalb unserer Organisation das Konzept für die Ausschreibung in partizipativer Arbeitsweise in einem Team. Hierin lag das Geheimnis des Erfolgs. Das Ergebnis spiegelt wider, was für den Kulturverein, seine Möglichkeiten und Visionen im Hinblick auf den Standort Buch erreichbar ist. Wir sehen hier die Chance, Bildung und Betreuung neu zu denken. Die sieben Bildungsbereiche des Berliner Bildungsprogramms werden sich sowohl im Inneren des Hauses als auch im Außenbereich wiederfinden. Einzigartig ist, dass der Baukörper und der Garten die Einteilung in Themenbereiche analog zu den Bildungsbereichen in sich trägt. Konzeptionell werden die Grundsätze der EEC-Methode (Early Excellence Centre) verwirklicht. Das bedeutet, dass eine Partnerschaft zwischen Erzieherinnen und Eltern etabliert wird, wobei das Kind und dessen Belange im Mittelpunkt stehen.

Helfen Sie mit?

Was den Garten des Kitageländes in Buch anbelangt, möchten wir diese Arbeitsweise beibehalten und die Fachmeinungen von vielen einfließen lassen. Hier liegt uns Nachhaltigkeit und ökologische Gartengestaltung besonders am Herzen. Wir möchten gerne Baustoffrecycling betreiben, d.h. Vorhandenes, was noch gut verwendet werden kann, erhalten und eventuell in anderer Form wiederverwerten. Vielleicht werden so aus Gehwegplatten Umzäunungen für Hochbeete und aus Fenstern Gewächshäuser. Wir wissen, dass noch viel mehr möglich ist, benötigen dafür aber Hilfe und Beratung. Wenn Sie Lust haben, mitzudenken und ihre Ideen einzubringen, dann melden Sie sich bitte unter kontakt@kvpb.de, Stichwort: Ideenaufruf Bauprojekt „Kita Buch“. (bs)

Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!

Was genau meint Early Excellence?

Der positive Blick aufs Kind ist elementarer Ansatz aller EECs. Die Stärken zu erkennen, zu begleiten und zu fördern, ist Aufgabe der Kita. Auf Basis des Berliner Bildungsprogramms finden sich vielseitige und zahlreiche Möglichkeiten dieser Förderung. Kinder wollen aus sich selbst heraus lernen. Um vielseitiges Lernen zu ermöglichen, den Forscherdrang zu unterstützen und die

30, 40, 50 Jahre Es gibt gute Gründe zu feiern Feste und Feiern sind immer etwas Schönes, auch wenn sie für die Veranstalter viel Organisation und Arbeit erfordern.

Z

wei Einrichtungen des Kulturvereins feiern dieses Jahr ihr Jubiläum, die Kita Dreikäsehoch wird 50 Jahre und die Kita Gleimstrolche 30 Jahre. Beides wird mit einer Feier begangen, die Kita in der Mandelstraße hat sich dafür den 31. August herausgesucht, die Kita in der Gleimstraße wählte den 25. September. In der kommenden MITTENDRIN berichten wir ausführlicher darüber, was alles veranstaltet wurde. Wo bleibt die 40 aus dem Titel? Diese gehört Margitta Leberecht, langjährige Leiterin der Kita Dreikäsehoch. Wir beglückwünschen sie zum vierzigjährigen Berufsjubiläum und danken ihr für ihre engagierte Arbeit.

Foto: Jörg Riedel

12


Bildung

Umsonnt und draußen Kitakinder machen Ferien vom Alltag Das Team der Kita Freche Früchtchen nutzte die heißen Julitage. Sie tauschten Innenräume gegen Garten und verbrachten den ganzen Kitatag im Garten. Das ermöglichte den Kindern ganz neue Erfahrungen. Die Stadt ist ein eigener Lebensraum mit Regeln und Gesetzmäßigkeiten, ebenso wie die Natur.

A

uch das Erlebnis „Natur“ muss organisiert werden. Nun haben die „Frechen Früchtchen“ eine Besonderheit, die viel Abstimmung und logistisches Geschick erfordert. Der Kitagarten liegt nicht am Gebäude, sondern ca. 1 km weit entfernt in einem Schulgarten. Dort wurde gespielt, gefrühstückt, Mittag gegessen, geschlafen und die Vesper verspeist.

„Die Natur muss gefühlt werden.“

Alexander von Humboldt

(Stadt-)Kinder an die Natur und andere Lebensräume heranzuführen, ist eine wichtige Aufgabe. Spielen mit Steinen, Sand, Holzstückchen, Blüten und allem, was eine Wiese so bietet, regt die Phantasie an und lässt die Kreativität der Kinder wachsen. Holzstämme fangen an zu leben, sind heute mal Drache und morgen ein Reptil. Jeder Tag bringt neue Erkenntnisse und lockt den Forscher heraus. Vorgefertigte Spielgeräte, wie Bagger und Autos, verlieren ihren Reiz. Diese Erfahrung bestärkte das Team auch in der Entscheidung, erneut eine „Spielzeugfreie Zeit“ 2014 durchzuführen.

Mehr Zeit fürs Spiel

Mitunter dauert es ja auch etwas, bis Kinder ihr Spiel gefunden haben. Manchmal bleibt dann beim üblichen Gang auf den Spielplatz nicht mehr genügend Zeit, zu Ende zu spielen, oder noch eine weitere Variation zu entwickeln. Und noch etwas verändert sich in der Natur. Es muss nicht mehr schnell zu Ende gespielt werden, sondern die Kinder haben Zeit. Zeit für sich selbst, für das Spiel und für die anderen. Auch Zeit, sich mit eigenen Ängsten auseinanderzusetzen. Nicht alle Kinder gehen gern barfuß im Gras oder über kleine Steinchen, mögen Käfer, oder finden Spinnen toll. Kinder können sich alles etwas genauer ansehen, lernen, dass der Käfer oder die Spinne nichts „tut“. Für diese wertvollen alltäglichen Erfahrungen, danken wir dem Team der Frechen Früchtchen. Hier scheint Pädagogik ganz leichtfüßig und anschaulich. Eine Holzhütte wurde von Mitarbeitern der Abteilung Facility gebaut, auch damit die Draußenaktivitäten noch einfacher zu organisieren sind. (bs)

Im Garten dichteten Erzieherinnen und Kinder folgende Verse: Der Sommer im Garten der Frechen Früchtchen – Sommer, Sonne, Sonnenschein – Mit dem Frühstück beginnen wir den Tag, und die Sonne ist schon da, na das ist doch klar! Weiter geht`s mit Matsche-Pampe, Spiel und Spaß, selbst kreative Angebote nehmen wir wahr. Pünktlich um ELF kommt das Auto ganz schnell angebraust und bringt uns Nahrung für den Mittagsschmaus. Diese genießen wir mit vollem Munde, bis die Decken rufen: „Entspannungsrunde“! Danach, oh Schreck, das muss sein, die Sonnenmilch zieht ganz schnell ein. Nach der Vesper spielen wir, bis ich dann nach Hause geh. Aber am nächsten Tag geht`s weiter, ich lass den Sommer bei den Frechen Früchtchen krachen, da gibt‘s immer was zu lachen.

13

Fotos: Team Freche Früchtchen, Barbara Schwarz


Aufbegehren

Henry Thorau: Unsichtbares Theater Wehrt Euch! - Eine Buchvorstellung im ZENTRUM danziger50 „Unsichtbares Theater“ findet im öffentlichen Raum statt, vor Zuschauern, die nicht wissen, dass sie Zuschauer sind. Der Name des Brasilianers Augusto Boal (1931–2009), Begründer des Theaters der Unterdrückten, ist unmittelbar mit diesem subversiven Instrument politischer Aufklärung verbunden. Das Buch schildert die Geschichte und Entwicklung des „Unsichtbaren Theaters“, stellt das von Augusto Boal entworfene theoretische Konzept vor und behandelt die Weiterentwicklung und Anwendung in neuester Zeit. Der Praxisteil bietet eine Anleitung zur Inszenierung von „Unsichtbarem Theater“ und dokumentiert Beispiele „unsichtbarer“ Theateraktionen im öffentlichen Raum.

sind sein tägliches Brot. Und ja: Zunächst erfahren wir viele Fakten über die Geschichte Brasiliens, des brasilianischen Theaters und über dem „Unsichtbaren Theater“ verwandte Aktionsformen wie das Zeitungstheater u.a. Aber auch die zeitlose Aktualität „Unsichtbaren Theaters“ - wie es während der Weimarer Republik in Deutschland von Agitprop -Gruppen auf die Straße gebracht wurde, veranschaulicht Henry Thorau mit Beispielen, die genauso im Hier und Jetzt angesiedelt sein könnten. Er selbst hat einen ganz und gar praktischen Bezug zu dem Thema. Kennengelernt hat Thorau Boal 1976 in Portugal, als der brasilianische Theatermann im europäischen Exil war. Gemeinsam realisierten sie zahlreiche Workshops zum „Unsichtbaren Theater“. Thorau bezeichnete sich selbst einmal als „eine Art Anwalt von Boal“, da er seine Methodik in Deutschland bekannt gemacht und seine Werke übersetzt hat. Die beiden verband bis zu Boals Tod 2009 eine intensive Freundschaft. So greift Henry Thorau an diesem Abend zu Stift und Papier, um uns mit Enthusiasmus vor Augen zu führen, wie „Unsichtbares Theater“ tatsächlich umgesetzt werden kann. Das besondere Verdienst seines neuen Buches liegt in der Aufschlüsselung und Weiterentwicklung Boals Theaterkonzeptes und der genauen Beschreibung des Instrumentariums und der szenischen Umsetzung. Er liefert eine konkrete Anleitung zum gesellschaftlichen Interagieren, wie sie bisher in schriftlicher Form noch nicht vorlag, denn „so wichtig Improvisationstalent ist, gerade beim Unsichtbaren Theater darf nichts dem Zufall überlassen werden“. „In der heutigen Workshoppraxis wird Wert darauf gelegt, dass die im Spiel durch Improvisation erarbeitete Szenenfolge schriftlich fixiert wird.“

S

o der Klappentext zu Henry Thoraus Buch „Unsichtbares Theater“, erschienen im April 2013 im Alexander Verlag Berlin. Als mich Henry Thorau fragte, ob wir sein neues Buch „Unsichtbares Theater“ in der danziger50 vorstellen könnten, war ich begeistert. Als Kulturmanagerin der danziger50 und Theaterwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Lateinamerika sah ich darin eine Gelegenheit, etwas lateinamerikanische Theaterwut in unser Haus zu bringen! Wenn man eine Buchvorstellung anberaumt und dann noch dazu die Präsentation eines Fachbuches über ein relatives Nischengenre wie brasilianisches „Volkstheater“ - Augusto Boal ist den meisten durch die von ihm in den 70er Jahren im argentinischen Exil entwickelte Theatermethode „Theater der Underdrückten“ bekannt - dann rechnet man zunächst mit dem Schlimmsten. Das Schlimmste heißt in diesem Fall: kaum Publikum. Aber es kam ganz anders. Am Abend des 24. Mai 2013 füllte sich der Saal der danziger50 mit einem neugierigen und ausgesprochen gemischten Publikum. An diesem Abend begegneten sich Theorie und Praxis, Lateinamerika und Europa, Brasilien und Deutschland in der Metasprache des Theaters und in einem gemeinsamen Interesse: Wie trage ich kreativ und vor allem impulsiv meine Empörung auf die Straße? Wie inszeniere ich gesellschaftlich relevante Interaktionen, die tatsächlich bei den Rezipienten etwas in Gang setzen, ohne didaktisch zu werden? Wie bewege ich meine Mitmenschen, die Alltagsprobleme nicht (weiter) hinzunehmen, sondern einzugreifen, zu handeln, sich zu empören? Es hätte „einfach“ eine Art Universitätsvorlesung werden können. Schließlich ist Henry Thorau Professor für Brasilianische und Portugiesische Kulturwissenschaft an der Universität Trier. Universitäre Lehrveranstaltungen

14


Aufbegehren

Der Vortrag endet mit der Projektion einer der naturgemäß ausgesprochen seltenen Filmaufnahmen einer unsichtbaren Theateraktion. Nach einer angeregten Gesprächsrunde wurden in der Bar im Keller der danziger50 nicht nur Caipirinhas und Empadinhas genossen, sondern Aktionen „Unsichtbaren Theaters“ ausgeheckt. Auf die Frage, was wir heute noch von dieser Theaterform lernen können, antwortet Henry Thorau: „Knapp auf die Formel gebracht: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!“

drohenden Eskalationen den Rückzug der Protagonisten und Antagonisten gewährleisten oder als „besonnene Bürger“ beschwichtigend auf die Situation einwirken. Die Protokollanten dokumentieren den Arbeitsprozess und die Umsetzung der Aktion und schaffen damit die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf der Aktion und eine erfolgreiche Nachbereitung und Gruppenauswertung. Die Bühne ist die Wirklichkeit selbst: Das Café, der Supermarkt, öffentliche Verkehrsmittel und Haltestellen u.ä.

Unterdrückung, Diskrimination, Aggression ist ein zweipoliger Mechanismus. Diejenigen, die wort- und tatenlos dulden, befördern sie. Unsere Gesellschaft krankt an Duldung, welche es zu durchbrechen gilt. Das „Unsichtbare Theater“ will das Publikum unmittelbar berühren, politische Bewusstwerdung anstoßen und schließlich zur Aktion bewegen.Wer tiefer in die Materie einsteigen will, dem sei die Lektüre des Buches ans Herz gelegt, denn: „Unterdrückung gibt es nicht nur in Diktaturstaaten – Unsichtbares Theater kann sie entlarven helfen“(Augusto Boal).

Kurzer Leitfaden für Unsichtbares Theater-Aktionen Die Kernszene dramatisiert eine Unterdrückungs- bzw. Konfliktsituation als konkreten Vorfall und stellt sie so zur Diskussion. Es dient der Übersichtlichkeit, dass zunächst nur zwei Akteure (Protagonist/Opfer/P und Antagonist/Aggressor/A) den Konflikt (re)präsentieren. Die Kernszene ist aufgebaut wie ein Minidrama, oft konstruiert nach dem Muster: Exposition, Klimax, Wendepunkt, retardierendes Moment, Katastrophe. Die Auftritte und Abgänge sind genau geplant. Die maximale Dauer von 20 Minuten sollte nicht überschritten werden. Die Satellitenszenen vergleicht Thorau mit Wellenbewegungen, die von einem Stein (Kernszene), der ins Wasser geworfen wurde, ausgelöst werden. Akteure kommentieren untereinander die Ereignisse aus der Kernszene (den Konflikt zwischen P und A) und involvieren die „Zuschauer“. Es entsteht ein Diskussionsstück, das auf der Metaebene das Kernstück kommentiert und das „Publikum“ motiviert, sich zum Vorfall zu verhalten bzw. das Geschehene zu reflektieren. Die Satellitenszenen entwickeln sich also auf einer Reflexionsebene, während die Kernszene auf einer emotionalen Ebene stattfindet. In den Satellitenszenen wird die gesellschaftliche Tragweite des individuellen Konflikts aus der Kernszene szenisch diskutiert. Es sind bis zu fünf Satellitenszenen möglich.

Henry Thorau, Dr. phil., Dipl.-Psych., Psychodramaausbildung, Professor für Brasilianische und Portugiesische Kulturwissenschaft an der Universität Trier. 198183 Chefdramaturg an der Freien Volksbühne Berlin. Er ist Autor, u. a. von Augusto Boals Theater der Unterdrückten in Theorie und Praxis (1982), Herausgeber und Übersetzer von Augusto Boals Schriften und Theaterstücken, darunter Theater der Unterdrückten (1979) und Übungen und Spiele für Schauspieler und NichtSchauspieler (1989), Mit der Faust ins offene Messer (1981, gemeinsam mit Peter Urban). Auch das Werk des »großen Skandalmachers und größten Dramatikers Lateinamerikas« (Der Spiegel) Nelson Rodrigues hat er – gemeinsam mit Marina Spinu – übersetzt und den deutschsprachigen Theatern erschlossen. Er ist Herausgeber mehrerer Sammelbände zu portugiesischer Literatur.

Laut Thorau sind die Diskussionsangebote an die realen Passanten desto erfolgreicher, je sachlicher sie dargeboten werden. Im Laufe des Diskussionsstückes sollen sich die Satellitenszenen allmählich auflösen, und die Reflexion wird im Idealfall ganz an die realen Passanten übergeben und kann auch nach dem Ende der Kernszene (meist durch Abgang von A oder P) fortdauern. V.a. akustische Motive sind effektiv im öffentlichen Raum. Wiederholungen maximieren die Reichweite der akustischen Signale. Um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, können neu hinzukommende Passanten (Akteure oder „Zuschauer“) über die Ereignisse in Kenntnis gesetzt werden.

Funktionen innerhalb des Unsichtbaren Theater-Kollektivs

Text und Fotos: Kaja Krajnik

Im „Unsichtbaren Theater“ gibt es nicht zwingend einen Regisseur, sondern die Funktion des Spielleiters kann im Rotationsprinzip von Mitgliedern der Gruppe übernommen werden. Es hat sich aber als nützlich erwiesen, dass der Spielleiter dann während der Aktion im Hintergrund agiert und im Notfall als Hilfs-Ich deeskalierend eingreift. Neben dem Spielleiter gibt es noch weitere Joker-Akteure, die weder in der Kernszene noch in den Satellitenszenen agieren, sondern als unsichtbare Drahtzieher die Aufmerksamkeit des realen Publikums steuern. Andere Joker-Akteure üben zusätzlich noch Security-Funktionen aus, indem sie bei

15

Fotos: Kaja Krajnik


Kolumne

Der springende Punkt …sorgt sich um die Sprache Hallöle, alle mal herhören … … da bin ich wieder. So! Nu is er da! Am 4. Juli hat er das elektrische Licht der deutschen Buchläden erblickt, der 26. Konrad, ääh: Duden! Zugegeben: ich bin kein Viel-Leser. Aber ich bin immer wieder begeistert von der guten deutschen Sprache, sowohl im gesprochenen Wort als auch in der Schrift. In dieser Hinsicht haben doch gerade wir Deutschsprachigen wunderbare Vorbilder: ich denke zum Beispiel an Martin Luther, Herrn von Goethe mit seinem Schillernden Freund oder die Brüder Grimm. Es is auch schön, dass es Dialekte, Mundarten, die Umgangssprache oder Slangs gibt. Nur manchmal, da bekomm ich Probleme; ich nenn sie „Sprachfallen“, weil das Hereinfallen so verbreitet is. Beispiel gefällig? Hm, da sind die falschen Wort-Trennungen. Fang mal im Kleinen an: Ein Kind macht eine Dummheit, Mutter schimpft, Vater sagt: „Aber da kann es doch nichts für!“ Hä? Es muss doch heißen: „Dafür kann es doch nichts!“ Oder: nach einer etwas fadenscheinigen Äußerung: „Da steckt doch was Anderes hinter.“ Richtig wäre: „Dahinter steckt …“ Oder: „Wo gehst du hin?“ statt „Wohin gehst du?“ Aber daran haben sich die Menschen schon gewöhnt, is halt Umgangssprache. Eine andere Falle: unzulässige Steigerungen. Kann ich herzlicher als herzlich sein? Nein; aber ich verschicke mit „größtmöglichster“ Penetranz die „Herzlichsten Glückwünsche“. Möglichkeiten können „verschieden“ oder „unterschiedlich“ sein – gibt es aber „verschiedenste“ oder sogar „unterschiedlichste“ Möglichkeiten? Eindeutig: NEIN! Hat jemand schon mal einen Brief von einer Versandfirma bekommen mit einem besonderen Angebot „nur für Bestkunden“? Kriegen alle Kunden irgendwann. Liege ich falsch, wenn ich behaupte, dass es nur einen einzigen „Besten“ geben kann? So ein bisschen stören mich auch die vorbehaltlosen Übernahmen aus anderen Gebieten: ich möchte in Berlin nich Wecken kaufen, sondern Schrippen, nich mit der Tram, sondern der Straßenbahn fahren, „zu“ und nich „an“ Weihnachten meine Kinder besuchen. Das is doch nich zu viel verlangt, wa? Apropos Kinder: Die meisten Probleme bereiten mir aber die vielen und zum größten Teil UNNÖTIGEN Anglizismen. (Wobei ich natürlich nix gegen englische Worte im Computerbereich sagen möchte!) Warum sind meine Kinder „Kids“ oder „Kiddies“? Warum heißt der Frisör „Hairdresser“ und das Bahnhofsklo „WC-Center“? Oh, mich schüttelt es! Aber, ich gebe zu, es hört sich besser an, wenn einer sagt: „Is das hier ein Juice-Shop!“ als „Is das hier ein Saftladen!“ Und da bin ich wieder beim Buch der Bücher: Es ärgert mich total, und ich meine, dass auch der Herr Duden das mit einiger Verwunderung zur Kenntnis nehmen würde, dass Worte wie Flashmob oder Shitstorm in seinem neuen Werk auftauchen, wa? Ein gutes Vorbild is da wirklich Dirk Rossmann, der Erfinder einer Drogeriekette (deren Namen ich aus Gründen möglicher Schleichwerbung hier nich erwähnen möchte). Er hat sich entschieden, in seiner Zeitschrift weitestgehend (is richtig; weitgehendst is falsch) auf Anglizismen zu verzichten und is dafür von entsprechenden Stellen mehrfach ausgezeichnet worden. Find ich super; weiter so, Dirk, hi, hi, hi! Die Deutsche Bahn bemüht sich seit kurzer Zeit ja auch darum! Und die Wise Guys singen schmunzelnd: „Oh Lord, please give mir meine Language back!“ Der Gipfel der Unsinnigkeit für mein Sprachempfinden is allerdings ein mathematisches Phänomen. Ich frage: Können Wörter oder Buchstaben voneinander SUBTRAHIERT werden? Nein? Warum heißt es dann beispielsweise: „Sie können dies Rezept auch im Internet nachlesen unter „ard MINUS buffet Punkt de“??? (Beispiel is aus vielen anderen willkürlich gewählt, ´tschuldigung.) Also, ich nehme mir einfach vor, im Alltag ein bisschen mehr auf die GUTE Sprache zu achten. Macht Ihr mit? Prima! Jaaa, ich weiß, jetzt werden Teile meiner geschätzten Leserschar sagen: „Du machst doch auch sowas: „ist“ und „nicht“ ohne t, oder „wa?“ statt „nicht wahr?“. Recht habt Ihr; natürlich! Aber … das is nun mal meine springpunktige Umgangssprache bzw. Umgangs„schrift“. Ich spring dann mal wieder los …

„Woll‘n schützen die Sprache, ganz ohne Schmäh“, spricht der Springende Punkt vom KVPB.

16


Kiezkultur

Vorgestellt: Menschen aus dem Kiez Auf einen Cappuccino mit Wolfgang Pfeiffer „Ein Drehbuch schreiben und ein gutes Drehbuch schreiben sind zwei völlig verschiedene Dinge.“ Gleich am Beginn unseres Gesprächs streifen wir eine fundamentale Erkenntnis. Sie wird uns nicht mehr verlassen, je länger wir sprechen. Wir sitzen in einem kleinen Café in Prenzlauer Berg, trinken Cappuccino.

als Nicht-Ansässiger am ehesten absorbiert wird. In Berlin ist man immer willkommen. Hier fragt keiner, wo kommst du her.“ Eine bemerkenswerte Respekterweisung, muss doch Berlin auch viele Schmähungen erleiden! Von Anfang an wichtig war in jedem Jahr die Berlinale. „Man konnte viele Filme sehen, immer auch Filme, die weniger gut waren, so dass ich sagen konnte, das kann ich auch“, erfahre ich. Das war eine mutige Herausforderung, die Wolfgang Pfeiffer annahm und meisterte. Er begann, in Berlin eigene Filme zu machen, zuerst Kurzfilme, und schloss sich mit anderen jungen Filmenthusiasten zu einer Gruppe zusammen. Als es die Filmförderung gab, hatte die Gruppe das Glück, dass einige ihrer Projekte aus dem Low-BudgetBereich gefördert worden sind. Dadurch war Wolfgang Pfeiffer an der Organisation und Produktion von Filmen beteiligt, realisierte auch eigene Filme. „Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag dabei, Filme zu organisieren“, sagt er. „Ich habe meinen Lebensunterhalt als Produktionsleiter für die Herstellung von Filmen mit niedrigen Produktionskosten verdient.“

ERSTE ERFAHRUNGEN ch bitte Wolfgang Pfeiffer, aus seinem Leben zu erzählen. „Ich wurde 1953 in Karlsruhe geboren und bin dort aufgewachsen. Nach dem Abitur habe ich ein Jahr gearbeitet. Dann habe ich in Marburg an der Lahn Literaturwissenschaft studiert.“ Der Vater eines Kommilitonen hatte eine Firma für Werbefilme. Wolfgang Pfeiffer hat begonnen, für diese Firma zu arbeiten. „Da habe ich erste Erfahrungen sammeln können. Das war wie ein kleines Studio, vom Technischen her konnte man dort alles machen, was erforderlich war für die Filmherstellung. Ich konnte mich überall bewähren.“ Pfeiffer wählt seine Worte mit Bedacht. Ich merke, dass diese Zeit für ihn sehr wichtig war. „Nach einer Weile ist mir Verantwortung übertragen worden für Kreativaufgaben: Drehbücher entwickeln und später auch Regie führen.“ Irgendwann war diese Zeit, die die Keimzelle für Pfeiffers künstlerischen Weg markiert, zu Ende. Er zog nach Köln, arbeitete dort unter anderem für den Westdeutschen Rundfunk.

I

Daneben hat Wolfgang Pfeiffer eine Förderung für einen Dokumentarfilm bekommen, der ihn drei Jahre beschäftigt hat und beachtlichen Erfolg hatte: „Joe Polowski, ein amerikanischer Träumer“. Der Film bekam auf der Internationalen Dokumentarfilmwoche in Leipzig den Hauptpreis, die „Goldene Taube“, danach bei der Berlinale den „Friedensfilmpreis“. Das war der Durchbruch für Wolfgang Pfeiffer, der erste große Erfolg, durch den er sich als Filmemacher etablieren konnte. Unsere Tassen sind leer. Wir bestellen neu. Es ist ein günstiger Moment, innezuhalten. Wolfgang Pfeiffer und ich kennen uns seit vielen Jahren. In all dieser Zeit war er mein Lehrer und Mentor in Sachen Drehbuchschreiben. So ist es noch heute. Die Atmosphäre unseres Gesprächs ist von Offenheit und Herzlichkeit geprägt. Ich frage ihn nach seiner Zeit in Zimbabwe.

ZIMBABWE

„Das war ein Einschnitt in meiner Biographie“, bekennt Wolfgang Pfeiffer. „Ich habe ein Angebot bekommen. Die Aufgabe war, in Zimbabwe die Ansätze einer Filmindustrie weiter zu entwickeln.“ Pfeiffer hat Ausbildungsprogramme organisiert und auch selbst durchgeführt, unter anderem auf dem Gebiet des Drehbuchschreibens. Wie waren seine Erfahrungen? „Ich habe ganz wunderbare Erfahrungen gemacht. Es war eine große Offenheit und Begeisterung vorhanden. Das sind Produktivkräfte, die ich hier in Deutschland oft vermisse.“ Seine Stimme wird lauter. „In Zimbabwe erfuhr ich bei den Menschen eine Liebe zum Schreiben, Visionen, die Augen zum Leuchten bringen. Das verleiht Flügel. Das reißt dann auch andere mit. Diese Stimmung schafft eine ganz große Energie.“ Die Zeit in Zimbabwe war auf zwei Jahre angelegt. Daraus wurden aber sieben. „Das war auf jeden Fall eine erlebnisreiche und lehrreiche Zeit, die meinen Horizont beträchtlich erweitert hat.“

DER MENTOR

Ich frage Wolfgang Pfeiffer, ob er 1999 mit dem Vorsatz aus Zimbabwe zurückkam, hier in Berlin eine Drehbuchschule zu gründen. „Ich musste mich neu orientieren nach meiner Rückkehr und habe dann das gemacht, was ich in Zimbabwe auch gemacht habe, die Drehbuchschreibausbildung. Ich machte das auch deshalb, weil ich Deutschland in dieser Beziehung als Entwicklungsland betrachtet habe. Das tue ich immer noch.“ Deutschland ist auf dem Gebiet des Films ein Entwicklungsland! Kaum ein Kenner der Filmbranche spricht diesen Zustand konsequent aus. Und dieses Urteil von Wolfgang Pfeiffer hat Ursachen, die er klar benennt. „In Deutschland war und ist der Gedanke weit verbreitet, künstlerische Fähigkeiten könne man nicht lernen“, sagt er. „Der beste Weg, sich künstlerisches Können anzueignen, ist, wenn man einen Mentor hat. Ich hatte diese Person leider nicht.“ Jeder, der Wolfgang Pfeiffer als Mentor erlebt, weiß diese Hilfe zu schätzen. In seinen Seminaren herrscht eine intensive Arbeitsatmosphäre, in der um die bestmögliche Lösung gerungen wird. Es geht immer darum, das Beste herauszuholen aus einem Thema. Jeder, der das Drehbuchschreiben lernen will, findet in Pfeiffer einen Mentor, der auch wunderbar hart sein kann, wenn es gilt, die beste Lösung auch tatsächlich zu erzielen. Dabei muss der Student mitwirken. Sonst klappt es nicht. Wie groß mag die Zahl seiner Teilnehmer an den Kompaktlehrgängen bisher gewesen sein? „Ich habe irgendwann nicht mehr gezählt und den Überblick verlo-

Wolfgang Pfeiffer ist vielseitig: Autor, Regisseur, Produzent, Schulleiter, Mentor, und Poetologe

BERLIN

Es kam der Tag im Jahre 1981, wo Wolfgang Pfeiffer der Liebe wegen nach Berlin zog. „Meine Freundin hatte eine Stelle als Lehrerin in Berlin bekommen. Ich bin ihr gefolgt, was kein schlechter Schritt war, weil Berlin natürlich damals wie heute die erste Adresse in Deutschland ist, nicht nur die größte, sondern auch die aufregendste, lebendigste, die kreativste Stadt, in der man

17


Kiezkultur

MITTENDRIN

ren. Aber es müssen um die 600 gewesen sein.“ Jeder Mentor freut sich, wenn seine „Schützlinge“ mit dem Wissen und Können, das sie erworben haben, erfolgreich sind. „Es werden immer wieder Drehbücher, die bei mir entwickelt wurden, verfilmt. Die Kinderfilme um „Urmel“ gehören dazu, auch Filme, die regelmäßig in Abendserien, wie „Soko Leipzig“, laufen. Erfolg ist hierbei nicht steuerbar. Für manchen ist es ein Schritt aus dem alten Leben heraus. Wo das hinführt, weiß man am Beginn des Studiums nicht. Es hängt auch von Zufällen ab.“

Leserbriefe, Einsendungen, Notizen Gegen das Vergessen Gestattet mir zu dem im Heft Juli/August 2013 geäußerten Gedanken „Steine gegen das Vergessen“ wenige Worte. Ich habe das Heft vor einigen Tagen erhalten und habe sofort gelesen, ich war tief bewegt. Ihr habt Worte gefunden, die anregen, die nachdenklich stimmen – ohne auch nur den geringsten Anschein von primitiver Agitation auszustrahlen. Ich möchte mich bei den Autoren bedanken, bei Barbara Schwarz, bei Frauke Niemann, bei Uta Hartwigsen. Meine Bitte: In dieser Art Eure Arbeiten fortzuführen und darüber zu informieren. Ich werde zu den Stolpersteinen Danziger Straße 116 gehen, dort nachdenken. Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen und diese Gedanken vor allem unseren Kindern deutlich machen.

DER POETOLOGE

Wolfgang Pfeiffer bezeichnet sich als Poetologen. Die Poetologie ist für ihn das Herzstück des Drehbuchschreibens. Wir müssen natürlich den Begriff klären und seine Bedeutung für das Drehbuchschreiben herausarbeiten. „Mir ist der Dramaturgiebegriff, wie wir ihn kennen, zu technisch. Mein Ansatz ist mehr geistiger Natur. Ich halte Drehbuchschreiben für eine geistige Tätigkeit, nicht für eine technische. Diese Beschäftigung mit dem Geistigen von Filmen, das nenne ich Poetologie, also die Beschäftigung mit dem Wesen und den Bedingungen des Poetischen.“ Damit sind wir wieder beim Eingangssatz, dass ein Drehbuch schreiben und ein gutes Drehbuch schreiben zwei völlig verschiedene Dinge sind. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss oft eine lange und dornenreiche Strecke gegangen werden. Ein Film, der beim Zuschauer eine Wirkung hinterlässt, setzt ein Drehbuch voraus, das eine Kommunikation mit dem Zuschauer ermöglicht. Diese Arbeit hat der Autor zu leisten, damit der Zuschauer zur Erkenntnis einer bestimmten Wahrheit über das Leben oder über die Welt geführt werden kann.

Dr. Wolfgang Haacke, Berlin, August 2013

Keramikwerkstatt Yad Chanah lädt zum Laubhüttenfest ein Bald heißt es wieder: „Willkommen in der Laubhütte“. Am 19., 23., 24., 25. und 26. September 2013 wird in der Keramikwerkstatt Yad Chanah bereits zum vierten Mal das Laubhüttenfest gefeiert. Das Fest, hebräisch Sukkot (die Laubhütten), gilt als ein Ausdruck der Freude im jüdischen Jahr. Wo Licht ist, ist Leben und Freude. Licht gilt auch als eine Metapher für Erkenntnis. Erkenntnis gewinnen wir durch Lernen. Deshalb wird sich jeder Abend einem speziellen Thema jüdischer Kultur widmen. Sei es die Würdigung von Leben und Werk der jüdischen Keramikerinnen Margoerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks und Eva StrickerZeisel, ein Abend mit Klezmermusik oder ein Bibliolog – immer ist die Gelegenheit gegeben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Laubhüttenfest wird wieder ein Forum sein, sich zu begegnen, miteinander zu sprechen und miteinander zu feiern. An jedem Abend wird eine Suppe gereicht. Die Lektionen beginnen jeweils um 19.00 Uhr in der Keramikwerkstatt Yad Chanah, Schönfließer Straße 7, 10439 Berlin.

Wolfgang Pfeiffer hält Geschichten für Lebensmittel und die Gier nach Geschichten für ein Menschenrecht. Natürlich müssen wir auch hier verweilen und den Worten auf den Grund gehen. „Geschichten werden zum Lebensmittel, wenn sie geeignet sind, Sinn zu produzieren. Die Sinnproduktion, also die Welterkenntnis, ist für unser Überleben zwingend notwendig. Wir müssen die Welt verstehen, um darin leben zu können. Wir verstehen die Welt entweder durch eigene Erfahrung oder durch die Erfahrung anderer. Und von der Erfahrung anderer handeln Geschichten.“ In diesem Sinne sind Geschichten Lebensmittel. Der Begriff des Geschichtenerzählens ist positiv besetzt. Jeder Mensch hört sie gern. Der Geschichtenerzähler hat die Aufgabe, seine Geschichten mit Sinn zu versehen, damit eine Gier nach seinen Geschichten entsteht, eine unstillbare Sehnsucht. „Geschichtenerzählen ist eigentlich ein Sonderfall des Erzählens, nicht der Regelfall. Geschichtenerzählen ist aber der Regelfall des guten Erzählens, es ist wirkungsvolles Erzählen“, fasst er zusammen. Seit einiger Zeit hat Wolfgang Pfeiffer seine Lehre spezifiziert. Er führt Nikolaus Kopernikus an, nennt sein Programm „Drehbuchschreiben nach Kopernikus“. Dabei geht es um die Erkenntnis, dass der Mensch, den Blick zum Sternenhimmel erhoben, nicht das sieht, was tatsächlich existiert. Analog dazu ist ein guter Film nicht eine Abfolge bewegter Bilder, sondern ein Kunstwerk, das im Innern eines Menschen etwas bewirkt, das geeignet ist, die Welt ein stückweit besser zu verstehen. Mit diesem Ansatz begeistert Pfeiffer seine Zuhörer, egal, wo er seine Lehre verkündet. Am Ende sollen die Zuhörer immer das Gefühl haben, dass sie die Dinge neu und anders sehen.

Weitere Informationen erteilt Chajim Grosser, Telefon 0163/9859500 oder (030) 29003657 gern. Claus Utikal

Leserlyrik

DIE ZUKUNFT

Wolfgang Pfeiffer hat bis jetzt an mehr als 60 Filmen mitgewirkt. Einer seiner Filme, „Kinder der Natur“, war in der Rubrik „Bester fremdsprachiger Film“ Oscar-nominiert. Natürlich hofft jeder Nominierte, den Preis auch zu erhalten. „Ach, über die Nominierung habe ich mich schon gefreut.“ Pfeiffer wehrt bescheiden ab. „Man wappnet sich ja dann auch vor der Möglichkeit, dass es am Ende doch nicht reicht.“ In der Zukunft will er wieder verstärkt Filme machen. „Eigentlich ist mein Lebensinhalt die Poetologie, dafür lebe ich, damit beschäftige ich mich. Im Grunde genommen ist es der erste Gedanke, wenn ich morgens aufwache und der letzte, mit dem ich ins Bett gehe. Und nachts träume ich noch von den Dingen, wie man gut erzählt.“ Einen schöneren Schlusssatz für unser Gespräch kann ich mir kaum wünschen. Draußen ist es inzwischen dunkel geworden. Wir verlassen das Café in guter Stimmung.

Text Claus Utikal, Foto: Vera Moskivchera

Seht es völkerpsychologisch neudeutsch:soziopädagogisch

Die geschichte übersteigt uns sie zu schreiben überschweigt uns

Lazarus der könnt es sagen aber den habt ihr vergraben

In den karsten in den fennen leben die sich selbst nicht kennen

Schmerzverschoben unbewältigt seelenrodungen entselbstigt

Und zerstören noch die reste heimatunwillkommne gäste

Könnt es sein daß wir als büßer leben unterm tausendfüßer

Wo’s die zeit allmählich hinrafft stören wir’s erneut: mit windkraft

In betongegoßnem grauen denn wir können nicht verdauen

Häuser die miteinander reden und sich energietips geben

Was wir angerichtet haben als wir in Wolhynien lagen?

Und wir dürfen weiter schweigen und die sau durchs zeitdorf treiben

HEL, 13.März 2013 Der Berliner Lyriker HEL wurde 1957 im ostbelgischen Eupen geboren. Seit Anfang der 90er Jahre lebt und arbeitet er in Prenzlauer Berg. Viele seiner Gedichte wurden bereits in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht.

18


Kiezkultur

Der Blick hinter die Fassade 20. Tag des offenen Denkmals Es ist wieder soweit: Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September öffnen historische Anlagen, die sonst nicht oder nur in Teilen zugänglich sind, ihre Türen und Tore für geschichtsinteressierte Besucher.

A

m 8. September jährt sich der bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ zum zwanzigsten Mal. Koordiniert wird er von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die in diesem Jahr das Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale“ ausgerufen hat. Eine Formulierung, die eine offene Diskussion über zentrale Fragen der Denkmalpflege befeuern soll: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt „bequeme“ Denkmale? Den Blick für Unscheinbares, Abseitiges und Abgründiges schärfen Denkmalpfleger, Restauratoren, und andere Fachkundige in vielen Führungen und Vorträgen. In Berlin ist das Programm wegen des großen Angebots auf das gesamte Wochenende vom 7. bis 8. September ausgeweitet. Mehr als 300 Denkmäler können besichtigt, über 800 Programmpunkte wahrgenommen werden. Ausführliche Informationen über den Tag des offenen Denkmals sowie Angebote und Veranstaltungen in Berlin und anderen Städten finden Sie hier: www.tag-des-offenen-denkmals.de. Genaueres zum Berliner Programm können Sie an den Veranstaltungstagen auch telefonisch erfragen. Hierzu wird eigens eine Hotline eingerichtet. Sie erreichen sie am Samstag zwischen 10 und 16 Uhr und am Sonntag zwischen 10 und 13 Uhr unter der Nummer 030 / 96 51 33 16. (fn)

Tag des offenen Denkmals in Prenzlauer Berg Ehemaliges Jüdisches Kinderheim Im 1864 erbauten Haus befand sich 1910-42 das jüdische Kinderheim mit Kindergarten, Hort und Lesestube. Am Haus befindet sich ein Denkzeichen, das an die ermordeten Kinder und Erwachsenen erinnert. In der zweiten Etage ist eine Fotodokumentation des Fotografen Abraham Pisarek zu sehen, der 1934-36 die Kinder und ihre Betreuer fotografiert hat. Wo: Fehrbelliner Straße 92 Wann: 7. September von 17 - 20 Uhr, Führung um 18 Uhr Kontakt: Susanne Besch, Nachbarschaftshaus, Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH, Tel.: 030 4437178, E-Mail: besch@pfefferwerk.de

Ludwig Hoffmanns Krankenhausanstalten Erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Areal beherbergt Klinik, Wohnungen, und Forschungseinrichtungen. Eine Projektgruppe beschäftigt sich mit der Geschichte der Krankenanstalten in Berlin-Buch und der Mitwirkung der damaligen Gesundheitsverwaltung sowie weiterer amtlicher Stellen an den Zwangssterilisierungen und sogenannten EuthanasieMorden.

Stadtbad Prenzlauer Berg 1902 als Volksbadeanstalt eröffnet. In der DDR weiterhin als Volksbadeanstalt genutzt. 1986 geschlossen. Seit 2011 ist das GLS Sprachenzentrum Eigentümer. Die Schwimmhalle soll saniert und in den Freizeitbereich der Schule integriert werden, jedoch auch öffentlich zugänglich sein. Wo: Wann: Kontakt:

Wo: Karower Straße 11, Treff: Altes Pförtnerhaus Wann: 7. September: Führungen um 11 und 14 Uhr Kontakt: Heide Frenzel-Gropius, Bezirksamt Pankow, Tel.: 030 903953917, E-Mail: h.frenzel-gropius@exhibeo-berlin.de

Oderberger Straße 57-59 8. September von 10 - 18 Uhr Barbara und Dr. Hans-Dieter Jaeschke, Tel.: 030 78008914, E-Mail: baubuero@gls-berlin.de

Fahrradtour: Bauten von Hermann Blankenstein Hermann Blankenstein war 24 Jahre Stadtbaurat von Berlin (1872-96). Er erschuf viele kommunale Gebäude: die vom Bezirksamt genutzten Bauten an der Fröbelstraße, Bäder und vor allem Schulen. 1893-94 erbaute Blankenstein eine Gemeindeschule in der Danziger Straße 50. Im ehemaligen Rektorenwohnhaus eröffnete 2006 das ZENTRUM danziger50 mit einem vielfältigen kulturellen Angebot.

Fahrradtour über ehemaligen Zentralvieh- und Schlachthof Gebaut 1878-99. Weitläufiges Areal mit annähernd 100 Gebäuden, darunter Ställe, Werkstätten, Verkaufshallen und eine Börse sowie ein eigener Viehbahnhof. Wo: Eldenaer Straße 34 – 37 Wann: 8. September: Touren um 12 und 14 Uhr Anmeldung bis zum 5. September Kontakt: Marina Rippin, Bezirksamt Pankow, Tel.: 030 902953914, E-Mail: marina.rippin@ba-pankow.verwalt-berlin.de

Wo: Wann: Kontakt:

19

Danziger Straße 50 7. September, von 11-15 Uhr/Start Fahrradtour mit Stadtführer Bernd Meyer: 11 Uhr, Treff: Hof/Führung danziger50: 14:30 Uhr Barbara Schwarz, Kulturverein Prenzlauer Berg e.V., Tel.: 0162 7363155, E-Mail: pressestelle@kvpb.de Poster: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn


Wat? Wo steht denn ditte? Bilderrätsel Das Tor zur Welt? Kiezpatrioten könnten das behaupten, wir gehen nicht soweit. Sicher ist, dass der Luftikus, den wir suchen, auf einer Stahlkonstruktion in 13 Metern Höhe balanciert.

der Universität der Künste in Berlin und ist Mitbegründer des Kunsthaus Potsdam. Balance ist das zentrale Thema des Künstlers. In seinen Arbeiten ist sie gleichsam symbolischer Akt: „Derjenige, der balanciert, muss sich auf sich selbst und seinen Weg konzentrieren. Dies ist eine grundsätzliche menschliche Erfahrung.“

E

r selbst ist nicht mehr und nicht weniger als eine Silhouette und misst stattliche Zweimetervierzig. Könnte er seinen Kopf wenden, hätte der „Flachmann“ freie Sicht auf den Alex. Leise und beschaulich ist es in seiner Nähe nicht: seine Stählen sind direkt an einer stark befahrenen Kreuzung im südlichen Prenzlauer Berg in Beton gegossen.

Mitraten und gewinnen

Geboren wurde der Erschaffer der luftigen Installation 1941 in GrossBestendorf in Ostpreußen, seit über 50 Jahren lebt und arbeitet er in Berlin. Er war Student und Lehrender an

Foto: Frauke Niemann

Sie wissen, welche Installation wir suchen, und wo sie zu finden ist? Dann verraten Sie uns Ihre Lösung. Unter allen Mitratern verlosen wir zwei Eintrittskarten für „Irrenhaus Danton“ am 26. Oktober. Ihre Mail senden Sie bitte bis zum 15. Oktober an unsere Redaktion unter mittendrin@kvpb.de. Wir wünschen viel Glück! (fn)

Wohin im September und Oktober? Veranstaltungen im ZENTRUM danziger50 Montag, 2. September, 19 Uhr Was: Klönkino. Mit Ausschnitten aus „Die Zeitmaschine“ (1960). Monatliche Serie mit Einblicken in die Filmgeschichte und viel Stoff zum Klönen. Eintritt frei, Spenden erwünscht.

Freitag, 20. September, 18 Uhr Was: Gender und Bedingungsloses Grundeinkommen - Welche Zusammenhänge und welche Möglichkeiten sehen wir? Prof. Dr. Roswitha Pioch, Direktorin des Instituts für Interdisziplinäre Genderforschung und Diversity, FH Kiel. Eintritt frei.

Sonntag, 22. September, 15 -22 Uhr Was: BGE-Wahlparty mit erhöhter Radio-Aktivität. Von Rockradio.de live in die ganze Welt übertragen.

Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr Was: Premiere Woyzecks Büchner oder: Why the fuck did he kill Marie? Tragikomisches Musiktheater. Eine Produktion von kulturschlund anlässlich Georg Büchners 200.Geburtstag. Weitere Vorstellungen am 18. & 19.Oktober um19 Uhr. Eintritt 16 Euro, erm. 10 Euro.

Freitag, 25. Oktober, 19.30 Uhr Was: Premiere Irrenhaus Danton – da wir nichts voneinander wussten. Ganz ehrlich: Das wolltet Ihr doch so! Und wenn nicht, dann ist es genau so geworden! Eine Inszenierung von SchauComp / danziger50 frei nach Georg Büchner und Anderen. Weitere Aufführung am 26. Oktober um 19.30. Austritt.

Eintritt frei.

Workshops und Kurse

Freitag, 27. September, 20 Uhr Was: Dúo Nuevo präsentiert Tangomanía – Música del Río de la Plata

Montag - Mittwoch, ab 2. September 20-22 Uhr Was: Aktsalon. Zeichnen nach Modell. Informationen unter www. aktsalon.de. Telefonische Rückfragen 030/44355697 oder 030- 28387668. Mail: post@aktsalon.de. Bitte eigenes Material mitbringen.

Eintritt 14 Euro, erm. 9 Euro.

Donnerstag, 10. Oktober, 19:45 Uhr Was: Keller-Kult – Lieder und Literatur aus eigenem Abbau. Mit Musiker, Poet und Sänger Tom Duerner. Eintritt frei, Spenden erwünscht.

Mittwoch, 16. Oktober, 19 Uhr Was: Vernissage. Eröffnung der Kunstausstellung „women“ von Anette Stryker in der Galerie unter der Treppe. Öffnungszeiten der Ausstellung 16. August bis 15. Oktober, Mo bis Fr 10 - 16 Uhr. Eintritt frei.

Erster Abend zum Ausprobieren 5 Euro.

Samstags, 11-13 Uhr Was: KinoKind – Schauspielunterricht für Nachwuchsschauspieler (6-17 Jahre). Info: Silke Kullik, www.agentur-kinokind.de, Tel.: 030/69814480, mail@agentur-kinokind.de Mittwochs, 16.30 – 18.30 Uhr Was: Kreativ-Mal-Kurse für Kinder mit der bildenden Künstlerin Karin Kerkmann. Info unter Tel: 030/6280533, Mail: k.kerkmann@web.de

MITTENDRIN September-Oktober-Ausgabe 2013  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you