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Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. | April/Mai 2016 | kostenlose Ausgabe

mittendrin Magazin fĂźr Kultur und Bildung

n e Ă&#x; Au ? vor

Thema Partizipation


2 | Inhalt

INHALT

EDITORIAL

THEMA Partizipation 2.0

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„Das Schicksal des Menschen ist der Mensch“ (Bertolt Brecht)

SHORTSTORIES Wissen für alle, immer und überall?

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MOOCs machen´s möglich

Demokratie ist machbar, Herr Nachbar

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Das Kinderparlament: Früh übt sich!

Revoution in der Frühpädagogik

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Beziehung auf Augenhöhe mit Emmi Pikler

WORT & VISION Vom leben und sterben wollen

Wir machen uns die Welt, widdewidde wie sie uns gefällt, trällert Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf im Brustton der Überzeugung – und trifft damit des Pudels Kern. Zentral ist hier das kleine Wörtchen „machen“. Denn wenn wir immer nur tatenlos zusehen und darauf hoffen, dass jemand (oder etwas) gestaltend eingreift, stehen die Chancen auf eine Welt, wie sie uns gefällt, im Kleinen wie im Großen deutlich schlechter! Es bleibt uns also nur eins: selbst das Ruder in die Hand nehmen und aktiv werden!

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Bov Bjerg: Auerhaus

Erlesenes für Kinder

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Viele Bücher machen klücher

Was es heißt, Film zu verstehen

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Filmschauen heißt Mitdenken

KIEZ & KULTUR Champions ohne Grenzen

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Fußball verbindet Kulturen

Demo:Polis – Das Recht auf Öffentlichen Raum

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Ausstellung in der Akademie der Künste

Kolumne: Der Springende Punkt

Die Möglichkeiten unsere Gesellschaft mitzugestalten sind vielfältig – und altersunabhäng. Ja, auch für demokratische Prozesse gilt: früh übt sich. Im Kinderparlament in der Kita lässt sich Mitbestimmung wunderbar erproben (S. 8). Eine künstlerische Auseinandersetzung zum Thema „Gestaltungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft“ bietet aktuell die Akademie der Künste mit ihrer Ausstellung „Demo:Polis - Das Recht auf Öffentlichen Raum“ (S.18). Und dass Fußball und Partizipation ein gutes Team sind, beweisen die Champions ohne Grenzen (S. 16 f.), die sich mit Sportangeboten für die Teilhabe von Geflüchteten einsetzen.

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... regelt den Verkehr

Viel Spaß beim Lesen!

DAS LETZTE

Barbara Schwarz und Frauke Niemann (Redaktion MITTENDRIN – ein Magazin des Kulturverein Prenzlauer Berg)

Wat? Wo steht denn ditte?

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Bilderrätsel

Impressum

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Foto: pixabay

Thema | 3

Partizipation 2.0 Klar, das Internet an sich ist nicht politisch. Es bietet aber vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv ins politische Geschehen und die öffentliche Debatte einzumischen. Das wohl bekannteste und meist genutzte Mittel digitalen Protestes ist die Onlinepetition. Um Flugblätter zu verteilen oder Unterschriften zu sammeln, einst analoge Knochenarbeit, muss heute niemand mehr auf die Straße gehen.

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etitionen lassen sich heute mit wenigen Mausklicks online erstellen und ebenso leicht unters Volk bringen. Mittels einschlägiger Kampagnenplattfor-

men, Blogs, Social-Media-Kanälen und E-Mail-Verteilern können in kürzester Zeit deutlich mehr Unterstützer gewonnen werden als damals in der Fußgängerzone. Aber wie

wirkmächtig ist ein solcher „Klickaktivismus“? Das lässt sich pauschal nicht beantworten, da man den Erfolg solcher Protestaktionen nicht allein an der Zahl der


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Foto: pixabay

„Auch der direkte Weg ins Parlament steht empörten Bürgern offen: auf der Onlineplattform des Deutschen Bundestages können sie Petitionen einreichen. “

Nur mal kurz die Welt retten – per Mausklick?

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„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (Erich Kästner)

Unterzeichner oder der tatsächlichen Realisierung der Forderung festmachen kann. Auch wenn durch eine eingereichte Petition im ersten Anlauf keine Gesetzesänderung erwirkt wird, kann sie helfen, für ein (vormals vielleicht unbeachtetes) Thema eine breite Öffentlichkeit herzustellen, was letztlich auch die politischen Entscheider beeinflusst. Auch der direkte Weg ins Parlament steht empörten Bürgern offen: auf der Onlineplattform des Deutschen Bundestages können sie Petitionen einreichen. Werden diese von 50.000 oder mehr Menschen unterzeichnet, werden sie im Petitionsausschuss beraten

und mit einer Empfehlung verabschiedet, über die der Deutsche Bundestag dann beschließt. Es gibt aber auch andere Wege: Mehrere Millionen Menschen nutzen mittlerweile aktiv Kampagnenplattformen wie campact.de, avaaz.org oder change.org. Diese haben zwar keine gesetzliche Handhabe, um die Parlamentarier dazu zu zwingen, sich mit denen von ihnen initiierten Petitionen auseinanderzusetzen, doch auch sie schaffen öffentlichen Druck und können so Veränderungen bewirken. So hat sich beispielsweise die Bloggerin Mary Scherpe – selbst Stalking-Opfer – erfolgreich für eine Verschärfung des Stalking-Geset-

zes eingesetzt. Nachdem sie auf change.org 80.000 Unterschriften für eine Änderung des StalkingParagrafen § 238 gesammelt und an Justitzminister Heiko Maas übergeben hatte, hat dieser nun einen neuen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Stalking-Opfer künftig besser schützt. Natürlich lässt sich die Welt nicht mit einem Mausklick zum Besseren verändern. Die meisten aufmerksamkeitsstarken Petitionen werden flankiert von verschiedenen Offlineaktivitäten, Dialogen, Demonstrationen und medienwirksamen Auftritten, die im Gedächtnis bleiben. Doch wer Online-Protest per se als „Sofa-Aktivismus“ belächelt, liegt falsch. Oftmals ist die digitale Beteiligung der Anfang aktiven politischen Engagements. Laut NGOLeitfaden zeigen zahlreiche Studien, dass die Wahrscheinlichkeit für politisches Engagement enorm steigt, wenn Menschen zum ersten Mal eine digitale Unterschrift geleistet haben. Online-Aktivismus ist EINE von vielen Möglichkeiten in bestehende Machstrukturen einzugreifen. Nutzen wir sie! Text: Frauke Niemann


Shortstories | 5

Wissen für alle, immer und überall?

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MOOCs machen´s möglich

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ochschulbildung für alle, kostenlos, frei verfügbar und abrufbar von überall auf der Welt – auch ohne entsprechende Schulabschlüsse, Latinum oder das nötige Kleingeld für Studiengebühren: das versprechen sogenannte MOOCs (Massive Open Online Course). Man braucht nichts weiter als PC, Tablet oder Smartphone und einen Internetzugang, und schon öffnen Havard, Princton und co. bereitwillig die (virtuellen) Türen und Hörsäle. Aber der Reihe nach: Bereits 2011 bot die Universität Standford auf Initiative von Sebastian Thrun, Professor für Künstliche Intelligenz, drei Informatik-Kurse als offene Online-Kurse an. Die Resonanz war enorm, knapp 100.000 Personen nahmen teil. Dieser Erfolg ebnete den MOOCs den Weg: Viele renommierte amerikanische Universitäten

„Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.“ (Nelson Mandela) sprangen auf den Zug auf, schlossen sich mit anderen Universitäten und Partnern zusammen, um MOOCs anzubieten: Zu den bekannstesten Anbietern gehören Coursera, Udacity und edX. Im Vergleich zu diesen amerikanischen Vorreitern stecken die meisten deutschen Initiativen – zumindest was Teilnehmerzahlen und Umfang der Angebote angeht – noch in den Kinderschuhen. Ohne Frage bieten MOOCs die Möglichkeit, Bildungsangebote zu demokratisieren. Mit dem MOOCs-Konzept lassen sich neue Zielgruppen erreichen: Nicht nur Studenten, auch und vor allen an

Weiterbildung interessierte Erwachsene nutzen die Möglichkeiten der Online-Kurs-Plattformen. Ein Garant für gerechtere Bildung sind sie damit aber noch lange nicht, denn die Bereitstellung des Angebots allein führt nicht dazu, dass es auch Menschen aus allen Bildungsschichten wahrnehmen. Laut einer 2015 erschienenen US-Studie von John D. Hansen (Harvard University) und Justin Reich (Massachusetts Institute of Technology) werden MOOCs vor allem von denjenigen genutzt, die bereits über einen hohen Bildungsstandard verfügen und deutlich wohlhabender sind als der (amerikanische) Durchschnitt. Will man dies ändern und auch Menschen aus sogenannten bildungsfernen Haushalten erreichen, muss man diese auch gezielt ansprechen. Geschieht dies nicht, verschärfen MOOCs die Ungleichheiten im Bildungssystem eher.


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Coursera Coursera wurde von zwei Informatikprofessoren der Universität Standford ins Leben gerufen. Aktuell kann man aus knapp 2.000 Kursen wählen, die von 140 Universitäten aus aller Welt zur Verfügung gestellt werden, darunter z.B. die Columbia, Yale und Princeton. Aus Deutschland sind die Münchener Hochschulen Ludwig-MaximiliansUniversität (LMU) und die Technische Universität (TUM) vertreten. Die Kurse bestehen meist aus Videovorlesungen in Kombination mit Leistungsüberprüfungen. Die Unterrichtssprache ist überwiegend englisch. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos, ein offizielles Zertifikat über das erfolgreiche Abschließen ist kostenpflichtig. Das Angebot ist breitgefächert: es gibt Kurse zu geistes-, wirtschafts-, sozial- und naturwissenschaftlichen Themen, desweiteren Informatikund Sprachangebote. www.coursera.org

edX edX ist ein Gemeinschaftsprojekt der Elite-Universität Harvard und

des renommierten MIT (Massachusetts Institute of Technology). Aktuell sind über 650 Kurse auf der Seite gelistet von über 90 Partneruniversitäten, Non-Profit-Unternehmen und internationalen Organisationen. Zu den Kursanbietern gehört auch die RWTH Aachen. Auch edX ist auf keinen speziellen Fachbereich festgelegt und bietet Kurse zu unterschiedlichsten Themen: Von Medizin über Umweltwissenschaften, Design, Kommunikation bis hin zu Ernährung oder Architektur. Die Kurstteilnahme ist kostenfrei, die Zertifizierung muss bezahlt werden. www.edx.org

Udacity Udacity ist eine private OnlineAkademie, gegründeten vom Standfordprofessor Dr. Sebastian Thrun, und bietet vorrangig Kurse zur beruflichen Weiterbildung in den Bereichen Technologie und IT an. Hierbei setzt Udacity nicht auf die Zusammenarbeit mit Universitäten, sondern mit Partnern aus der Wirtschaft (u.a. Google, Facebook, Saleforce, Amazon). Es gibt kostenfreie Kurse und ein kostenpflichti-

Fotos: pixabay

Können MOOCs die Bildung revolutionieren? Ja, aber sie garantieren nicht automatisch eine gerechtere Verteilung von Bildungschancen! Wir stellen Ihnen hier einige MOOC-Anbieter vor, die auf ihren Plattformen Wissen kostenfrei feilbieten!

ges Nanodegree-Programm. Diese fachsepzifischen Diplome (Senior Web Developer Nanodegree, Data Analyst Nanodegree etc.) sollen Studierenden die Möglichkeit geben, Abschlüsse für einen Bruchteil regulärer Studienkosten zu erwerben, die sie für Berufe im Technologiesektor qualifizieren und von IT-Unternehmen anerkannt werden. Die Nanodegree-Programme kosten 200 Euro pro Monat, veranschlagt sind für die verschiedenen Angebote zwischen 150 und 400 Stunden Arbeitsaufwand. Die letztendlichen Kosten hängen also von den Wochenstunden ab, die auf das Programm verwandt werden. www.udacity.com

FutureLearn FutureLearn ist ein britischer MOOCs-Anbieter und eine Initiative der Open University in Partnerschaft mit über 80 britischen und internationalen Universitäten und anderen Institution wie z.B. dem British Council, dem British Museum, der British Library oder der BBC. Das Angebot umfasst u.a. Rechtswissenschaften, Sprachkurse,


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Ökologie, IT, Literatur, Medienwissenschaften und Psychologie. Die Kurse sind englischsprachig. Die meisten Kurse beanspruchen zwei bis vier Stunden pro Woche und dauern zwischen sechs und zehn Wochen. Die Kurse sind kostenfrei, auch hier besteht die Möglichkeit der kostenpflichtigen Zertifizierung www.futurelearn.com

Iversity ist eine Online-Bildungsplattform mit Sitz in Berlin, die mit 41 deutschen und europäischenUniversitäten kooperiert, darunter z.B. die Berliner Hertie School of Governance. Die Unterrichtssprache ist deutsch oder englisch, oft sind die Kurse bilingual. Das Angebot ist mit knapp 50 Kursen eher überschaubar. Es gibt kostenpflichtige Pro-Kurse und kostenfreie Kurse. Wie die meisten anderen Anbieter auch, bietet Iversity die Möglichkeit, sich die erfolgreiche Teilnahme kostenpflichtig zertifizieren zu lassen. Studierende können außerdem auch Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) erwerben (ebenfalls kostenpflichtig), d.h. sie können sich online erbrachte Leistungen auf ihr Präsenzstudium anrechnen lassen. Aktuell ist dies allerdings nur bei einem der gelisteten Kurse möglich. www.iversity.org

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Foto: pixabay

Iversity

»Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.« (Heinrich Heine)

foren zum Austausch mit Kursbetreuern und anderen Lernenden. Es gibt Einsteiger-Kurse, die sich eher an ein breiteres Publikum mit wenig oder keinen Vorkenntnissen richtet und Kurse, die Innovationen der Informatik-Forschung behandeln, die für ein Fachpublikum konzipiert sind. Sind alle Bedingungen für ein Zertifikat erfüllt, kann man am Abschlusstest teilnehmen. Im Gegensatz zu anderen MOOC-Anbietern vergibt das HPI kostenlose Zertifikate. www.open.hpi.de

openHPI

mooin

openHPI ist die MOOC-Plattform des Potsdamer Hasso-PlattnerInstituts und bietet interaktive deutsch- und englischsprachige Onlinekurse zu verschieden Themen der Informationstechnologie und Informatik in Kombination mit weiterführendem Lesestoff, Selbsttests, Hausaufgabenblättern und der Anbindung an soziale Diskussions-

mooin ist eine offene Lernplattform der Fachhochschule Lübeck und ihrer Tochtergeselschaft oncampus und steht für „Massive Open Online International Network“. Zurzeit werden 14 kostenfreie Kurse angeboten, alle sind deutschsprachig, bis 2020 soll das Angebot auf 40 aufgestockt werden. Das Themenspektrum reicht von Nachhaltigkeit

über Videoproduktion, Corporate Learning und Marketing bis hin zu Netzwerksicherheit. Die Kursteilnahme ist kostenlos, die Abschlussprüfung mit Präsenzprüfung inkl. Zertifikat und der Erwerb von Leistungspunkten (ECTS) ist kostenpflichtig. www.mooin.oncampus.de

OpenCourseWorld OpenCourseWorld ist eine deutsche hochschulübergreifende MOOC-Plattform, die vom Saarbrücker E-Learninganbieter IMC betrieben wird. OpenCourseWorld bietet Kurse aus unterschiedlichen Bereichen an: Von Gesundheitsmanagement, über IT-Sicherheit bis hin zu App-Entwicklung. Am Ende jedes MOOCs gibt es die Möglichkeit, ein kostenpflichtiges Zertifikat zu erwerben. Aktuell werden 17 Kurse angeboten, Kurssprache ist deutsch oder englisch. www.opencourseworld.de Text: Frauke Niemann


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Demokratie ist machbar, Herr Nachbar

Foto: pixabay

Das Kinderparlament: Früh übt sich!

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inder wollen sich beteiligen und mitbestimmen. Die UN-Kinderrechtskonventionen legen in Artikel 12 und 13 das Recht der Kinder auf Äußerung und Berücksichtigung ihrer Meinung fest. Dafür gibt es mittlerweile viele Formate: Kindergesprächsrunden, Kinderkonferenzen und Kinderparlamente, die Partizipation im Kindesalter möglich machen. Denn eins steht fest: Mitmischen macht Spaß und verändert die Welt. Außerdem macht es stolz und stärkt das Selbstbewusstsein. Meist beginnen Mitbestimmungsprozesse in der Grundschule. Haus 2 der Kita Gleimstrolche beginnt schon wesentlich früher und hat im Januar dieses Jahres ein Kinderparlament ins Leben rufen. Betritt man das Foyer der Kita, hängt an prominen-

ter Stelle ein Plakat, das die Parlamentarier vorstellt. Aktuell sind das Emil, Erik, Frida, Lilli A., Lilli D. und Loana aus der gelben, grünen und blauen Gruppe. Alle Kinder kommen im Sommer 2016 in die Schule. Diese sechs Kinder sind Ansprechpartner für Wünsche und Ideen, aber auch für Beschwerden und Aufreger. Einmal im Monat besprechen sie alles mit Melanie, einer Erzieherin aus der roten Gruppe. Da Demokratie keine kommunikative Einbahnstraße ist, berichtet Melanie im Gegenzug von den Ideen und Wünschen der Erzieher und Erzieherinnen. Diese wiederum trägt das Parlament wieder ins Plenum. Das klingt alles ganz einfach, aber wer einmal bei einem Treffen war, weiß, dass hier um Meinung und Haltung gerungen wird und dass demokratische Abstimmun-

gen, wenn der eigene Wunsch keine Mehrheit findet, auch schmerzhaft sein können. Umso wichtiger ist es, dass Beteiligung früh in den Alltag integriert wird, damit Mitbestimmung nicht abstrakt bleibt, sondern zum lebendigen Prozess wird. Die Kinder machen die Erfahrung, dass Demokratie machbar und sinnvoll ist. Für den Bildungsprozess sehr wichtig und daher nicht zu unterschätzen ist die Verantwortung, welche die Kinder für ihr Handeln übernehmen. Wenn die Erwachsenen diese Ernsthaftigkeit, mit der die Kinder bei der Arbeit sind, widerspiegeln, werden die Kinder stark, zuversichtlich und glauben daran, dass Mitdenken und Mitmachen des Einzelnen wirklich etwas bewirken. Text: Barbara Schwarz


Shortstories | 9

Revolution in der Frühpädagogik Beziehung auf Augenhöhe mit Emmi Pikler

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Jedes Kind braucht seinen Fähigkeiten entsprechend angemessenen Raum; allerdings immer groß genug, den nächsten Entwicklungsschritt zuzulassen. (Emmi Pikler)

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r. Emilie „Emmi“ Pikler (1902-1984) war eine ungarische Kinderärztin. Sie gründete 1946 ein heute international bekannte Säuglingsheim in Budapest. Sie erkannte, dass mit Säuglingen von Geburt an kommuniziert werden kann. Dies setzte völlig neue Maßstäbe in der Frühpädagogik. Seitdem spricht man von der Pikler®Kleinkindpädagogik. Drei der sechs Kitas der KVPB Kindertagesstätten arbeiten in der Frühpädagogik nach dem Entwicklungskonzept von Emmi Pikler: Haus 1 und Haus 2 der Gleimstrolche und die Kita Buch. Piklers Ansatz und ihre Herangehensweise sind einfach und vielleicht deshalb so überraschend, geradezu revolutionär. Die Aufgaben des Erwachsenen als Bezugsperson

sind: Raum-Geben, VertrauenSchaffen, Bereitschaft-Zeigen, Beobachten und Führen. Diese Bedingungen bieten einem Kind gute Voraussetzungen für ein positives Körperbewusstsein, eine gute Beziehungsfähigkeit und letztendlich für Selbstverantwortung und Autonomie. So wird der Grundstein für eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Piklers Lehre umfasst die beziehungsvolle, liebevolle Pflege, die autonome Bewegungsentwicklung und das freie Spiel als starke Säulen ihres Entwicklungskonzeptes. Gerade bei der Pflege, die Füttern, Wickeln und Baden umfasst, hat das Kind vielfältige Erlebnisse und spürt bei der Berührung sich selbst und den anderen Menschen. Neben dem Faktor Zeit ist die Freude we-

sentlich, die das Kind beim Anblick oder dem Genießen von Essen verspürt. So werden selbst Säuglingen schon kleine Trinkgläser angeboten. Oder es wird aus einem Glas gefüttert, damit das Kind sieht, was es isst. Für die selbstständige motorische Entwicklung braucht das Kind (Frei)Raum, die Gelegenheit und die „Erlaubnis“ dazu, sowie Erwachsene, die an seinen Erkundungen wohlwollend und interessiert Anteil nehmen. Im Freien Spiel erhält das Kind von Beginn an die Möglichkeit, sich für eine Beschäftigung zu entscheiden und selbst ideenreich tätig zu sein. Die Familienärztin Emmi Pikler hat Grundsätze entwickelt, die in ihrer Einfachheit bestechen und heute noch Gültigkeit haben. Durch respektvolle Wahrung der vielfältigen Kompetenzen des Kindes wird die Autonomie geschützt, der Individualität freier Raum gelassen und die Persönlichkeit gestärkt. Text: Barbara Schwarz

Foto: pixabay

Foto: Manuela Asztalos

Nestbereich mit Pikler-Geräten im Haus 1 der Kita Gleimstrolche.


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Buchtipp

Vom leben und sterben wollen. Bov Bjerg: Auerhaus „Auerhaus“ ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, der in einem beschaulichen Dorf in der schwäbischen Provinz Mitte der 80er Jahre spielt. Der Ich-Erzähler, Antiheld par excellence, hört auf den Namen Hühnerhöppner und hat eigentlich schon genug mit sich selbst zu tun und mit dem saufenden, cholerischen Freund seiner Mutter, den er nur den F2M2 (Fiesen Freund Meiner Mutter) nennt. Allerdings hat er die Rechnung ohne Frieder, seinen besten Freund, gemacht.

Birth – School – Work – Death. Das Leben verläuft in vorgezeichneten Bahnen, oder? Wenn es nach Frieder ginge, nicht. Denn Frieder ist 17 und lebensmüde: Eines Tages legt er sich in den elterlichen Keller, nimmt Schlaftabletten und spült sie mit einer Flasche billigem Weißwein herunter. Nur zufällig bleibt sein Suizidversuch nicht unentdeckt. „Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wollte bloß nicht mehr leben. Ich glaube, das ist ein Unterschied“, sagt er später zu Höppner. Später im Auerhaus.

seiner Entlassung kurzerhand eine WG und nimmt das leerstehende Bauernhaus seines verstorbenen Großvaters in Beschlag, zusammen

Erstmal wird Frieder aber in die „Klapse“ am Stadtrand eingewiesen. Sein Psychologe rät ihm, nicht zurück zu den Eltern zu ziehen, und so gründet Frieder nach

mit Hühnerhöppner, Höppners Freundin Vera und Mitschülerin Cäcilia. Ein Dorfnachbar – des Englischen unkundig – tauft es das „Auerhaus“, weil die Freunde stän-

BOV BJERG liest aus AUERHAUS: 13. April 2016, 20 Uhr Heinrich-Böll-Bibliothek Greifswalder Str. 87 10409 Berlin

dig „Our House“ von Madness hören. Und dabei bleibt es. Das Auerhaus ist ein geschützter Ort, eine Zuflucht vor den Zwängen und Erwartungen der Außenwelt. Sie leben ein „richtiges Leben mit Aufstehen und Frühstückmachen und Federballspielen, mit Essenbesorgen und zusammen Kochen. (…) Ein richtiges Leben mit ziemlich viel Reden, mit Reden zum Frühstück und Reden zum Mittag und Reden am Abend.“ Das Auerhaus scheint eine geradezu magische Anziehungskraft auf alle auszuüben, die in der vermeintlichen Dorfidylle keinen rechten Platz finden können. So geht es auch Pauline und Harry. Die bildhübsche, glatzköpfige Pauline ist eine Klapsen-Bekanntschaft Frieders. Sie hat einen Hang zur Py-


Wort & Vision | 11

Cover: © Blumenbar Verlag

Unterm Strich:

romanie und hat sich im Eifer des Gefechts die Haare versengt. Harry ist deutlich älter als die anderen. Er versorgt die WG mit Gras, macht eine Lehre als Elektriker und verdient sich nebenbei ein Zubrot auf dem Stuttgarter Schwulenstrich. Beide sind irgendwann einfach da und beziehen ganz selbstverständlich ebenfalls Zimmer im Auerhaus. Zusammen suchen die sechs Freunde das Glück. Und für einige Monate, scheint es, als haben sie es gefunden. Sie feiern wilde Partys, auf denen die ganze Oberstufe zugegen ist, dazu die halbe KlapsenBelegschaft und ein Großteil der Schwulenszene zwischen Stuttgart und Paris. Da alle chronisch klamm

sind, und die Bäuche trotzdem gefüllt sein wollen, unterrichten sie sich gegenseitig in der Kunst des Klauens (und der Kunst des Rückwärtsklauens, deren Beherrschung überaus hilfreich ist, wenn man beim Klauen beobachtet wird). Einen gemeinsamen Sommer lang rebellieren sie gegen alles, was sich ihnen und ihrem Freiheitsdrang in die Quere stellt, Eltern, Musterungsbeamte und die allgegenwärtige Provinzpiefigkeit. Doch die Unbeschwertheit ist nur Oberfläche, denn die eine Angst schwingt immer mit, die Angst um Frieders Leben. Und von Anfang an beschleicht einen die Ahnung, dass sie nicht unbegründet ist.

Bov Bjergs „Auerhaus“ ist mehr als ein Jugendroman. Es ist eine Geschichte über die Kraft der Freundschaft und Gemeinschaft, die nie ins Kitschige abrutscht. Die Protagonisten des Romans sind füreinander da, im Leben wie im Sterben. Davon erzählt Bjerg ganz unprätentios und mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Seine Sprache ist schnörkellos, schnoddrig und pointiert, der Ton äußert lakonisch. Trotzdem oder gerade deswegen ist es ein tiefes und melancholisches Buch über das Erwachsenwerden und die Unwiederbringlichkeit der Jugend mit ihren ambivalenten Gefühlslagen, Ängsten, Sehnsüchten und Verrücktheiten. Text: Frauke Niemann

Bov Bjerg

Auerhaus Blumenbar Verlag 240 Seiten, 18,00 Euro


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Erlesenes für Kinder

© Oetinger Verlag

© Arena Verlag

© Jacoby & Stuart

Diese Bücher wurden auf die Probe gestellt, haben einen zweifachen Kinder-TÜV passiert. Seit einiger Zeit gibt es im Familienbereich der Kita Kiezeulen und Gleimstrolche das „Lesen für Kinder“. Wir stellen Ihnen ausgewählte Schätze dieser Vorlesestunden vor.

Flicts. Eine Farbe sucht Freunde.

Wir sind trotzdem beide für dich da.

Das kleine Blau und das kleine Gelb

von Ziraldo

Friederun Reichenstetter

Leo Lionni

Flicts ist eine traurige und einsame Farbe. Wohin sie auch kommt, keiner will sie dabei haben. Nicht der Regenbogen, nicht das Meer oder der Himmel. Für Flicts scheint es keinen Platz in dieser Welt zu geben, so sehr sie sich auch um ihn bemüht. Auf keiner Fahne findet sich Flicts, im Buntstiftkasten ist Flicts ebenfalls nicht willkommen und auch die Ampel will von Flicts nichts wissen. Genau genommen will gar nichts Flicts sein. Schließlich hört die ungeliebte Farbe auf zu suchen, steigt in die Höhe, wird immer blasser und verschwindet am Ende ganz. Jedenfalls glauben das die meisten. Die Wahrheit kennen nur diejenigen, die die Gelegenheit hatten, den Weltraum zu bereisen und den Mond von Nahem zu betrachten: „The Moon is Flicts“, gezeichnet Neil Armstrong.

Das Buch „Wir sind trotzdem beide für dich da“ nimmt sich eines schwierigen Themas an: Der Trennung der Eltern. Erzählt wird die Geschichte von Jannis, der eines Morgens sichtlich wütend und verstört in der Kita aufschlägt und erst beim Morgenkreis mit der Sprache rausrückt: Sein Papa ist ausgezogen und seine Eltern wollen sich scheiden lassen. Jannis ist fassunglos! Es ist nicht einfach, ihn davon zu überzeugen, dass es nicht an ihm liegt, dass sein Vater fortgegangen ist. Zum Glück lässt Ella, Jannis beste Freundin, nicht locker, bis er ihr glaubt, dass er gar nichts für die Trennung kann. Und mit der Zeit stellt Jannis fest, dass immer noch alle für ihn da sind: seine Hündin Molli, seine Freunde, seine Mutter und auch sein Vater – obwohl er nicht mehr Zuhause wohnt.

„Das kleine Blau und das kleine Gelb“ ist ein ebenso charmantes wie minimalistisches Kinderbuch mit kurzen Texten in Reimform. Die Helden der Geschichte sind, wie bereits der Titel verrät, zwei Farbkleckse. Als sich die beiden Freunde vor lauter Wiedersehensfreude ungestüm in die Arme fallen, passiert es: Aus Blau und Gelb wird das kleine Grün. Sie denken sich nichts dabei, spielen, tollen herum und besteigen einen Berg. Erst Zuhause erkennen sie den Ernst der Lage: „Papa Blau blickt streng und spricht: Ein grünes Kind? Das kenn ich nicht!“ Beide zerfließen in blaue und gelbe Tränen – und haben plötzlich ihre alte Farbe wieder. Die Freude ist groß, alle fallen sich in die Arme, und siehe da „den Eltern wurde plötzlich klar, was ihrem Kind geschehen war“.

Jacoby & Stuart gebunden, 52 Seiten Altersempfehlung: 3-6 Jahre

Arena Verlag gebunden, 32 Seiten Altersempfehlung: 4-6 Jahre

Oetinger Verlag gebunden, 44 Seiten Altersempfehlung: 4-6 Jahre

Texte: Frauke Niemann


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Was es heißt, Film zu verstehen Filmschauen heißt Mitdenken

Foto: pixabay

„Wie funktioniert der Film? Was will er mir sagen? Wie positioniere ich mich mit meinen Werten zu den Werten des Films?“

Die Rezeption von Filmen ist mehr als nur passives Zuschauen.

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er Medienwissenschaftler Marshall McLuhan hat in seiner ausführlichen Schrift zum Medienverständnis (Understanding Media: The Extensions of Man) die in den 1960er Jahren vorhandenen Medien in ein binäres System aufgeteilt. Er unterscheidet zwischen “heißen” und “kalten” Medien. Wichtig bei dieser Aufteilung ist, dass es McLuhan nicht um die Inhalte, sondern die Medien selbst geht. Er beruft sich dabei auf den Grad der Partizipation während der Re-

„Kinder schauen nicht nur Filme, sie hinterfragen. Alles. Und zeigen damit, was für eine große Arbeit das vermeintlich passive Medium da von ihnen abverlangt.“ zeption. Diese Unterscheidung ist nicht immer leicht verständlich und wurde durch die Geschichte

kontrovers diskutiert. Als Beispiel kann aber das Comic-Medium herhalten: Durch die Präsentation simpler Bilder, die erst während des Anschauens und Lesens zu einer kohärenten Geschichten zusammentreten, ist es für ihn ein “kaltes” Medium, das viel Teilhabe für die Rezipienten fordert. Anders beim Medium Film. Für McLuhan ist der Film ein “heißes” Medium, das bei der Rezeption verstärkt auf das Visuelle und damit auf einen ganz besonderen Sinn setzt. Seiner Meinung nach ist es für die Zuschauer nur ein geringer Akt der Rezeption. Das mag für die simplen Sinneseindrücke zwar gelten, missachtet aber den größeren Aufwand, der für ein tieferes Filmverständnis nötig ist. Das von McLuhan aufgestellte Argument des “heißen” Mediums Film lässt sich umgangsprachlich natürlich auch über’s Knie brechen: Filme verderben die Phantasie und sind ein passives Medium. Das mag sein, wenn man sie so einsetzt. Der Film, egal ob im Kino oder auf dem heimischen Bildschirm, ist aber viel mehr als das. Seine Rezeption erfordert einen hohen geistigen Einsatz. Und ganz wichtig: Sie muss erlernt und gefördert werden. Drei Aspekte sollen dies verdeutlichen.


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Der Filmschnitt verlangt ein aktives Mitdenken, das wir aber kaum noch bemerken.

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Eigentlich ist der Filmschnitt ein kleines Wunder, dass sich in einem wahnwitzigen Tempo durch das Medium arbeitet und von uns Rezipienten völlig selbstverständlich gedeutet wird.

Filmschauen heißt Mitdenken Wie viel Einsatz die Rezeption eines Filmes den Zuschauern abverlangt, zeigt sich am besten beim gemeinsamen Filmeabend mit Kindern. Kinder verstehen, indem sie nachfragen: Wer ist diese Person? Wen hat die Protagonistin da gerade gerettet? Und was passiert als nächstes? Kinder schauen nicht nur Filme, sie hinterfragen. Alles. Und zeigen damit, was für eine große Arbeit das vermeintlich passive Medium da von ihnen abverlangt. Und uns Erwachsenen geht es nicht anders. Wir wissen diese Fragen nur anders, meist im inneren Monolog

zu stellen. Das fällt uns in der Regel schon gar nicht mehr auf, so gewohnt sind wir an diesen Denkprozess. Er ist aber ein wichtiger Aspekt für die Teilhabe am Medium Film. Ohne diesen aktiven Prozess vermag es sich tatsächlich in eine passive Bilderberieselung zu verwandeln. Ähnlich versteckt, wenn nicht noch versteckter, verhält es sich bei einem weiteren Aspekt, der durch und durch cineastischer Natur ist: Dem Schnitt. Kein Buch, kein Bild und kein Musikstück nutzt ihn so wie der Film. Und ist dabei fundamental auf ihn angewiesen. Eigentlich ist der Filmschnitt ein kleines

Wunder, das sich in einem wahnwitzigen Tempo durch das Medium arbeitet und von uns Rezipienten völlig selbstverständlich gedeutet wird. Der Sprung auf eine andere Kameraeinstellung oder gar eine völlig neue Verortung in Raum und Zeit irritiert uns Zuschauer schon gar nicht mehr. Dabei müssen wir dieses fast schon unauffällige Filmmittel jederzeit neu deuten. Anstatt uns stets aus dem Filmgenuss rauszureissen, lässt er uns intensiver in die Handlung eintauchen. Der Filmschnitt, das Zusammenfügen neuer Räume und Kontexte zu einem großen Ganzen erfordert eine aktivere Rezeption, als sie uns McLuhan


Wort & Vision | 15

Analyse und Spiel Die Arbeit mit dem Medium Film geht aber auch nach dem Abspann weiter. Wer nach dem Kinobesuch auf dem Nachhauseweg weiter über das Gesehene diskutiert oder im heimischen Kinderzimmer die Handlung nachspielt, setzt genau dort an, wo auch die Filmwissenschaft arbeitet: Bei einem tieferen Filmverständnis. Die Filmwissenschaft gibt sich nicht mit 120 Minuten visueller Stimulanz zufrieden, sondern hinterfragt das Gesehene. Wie funktioniert der Film? Was will er mir sagen? Wie positioniere ich mich mit meinen Werten zu den Werten des Films? Das ist eine gänzlich andere Diskussion als ein simpler Austausch über Prädikate wie “gut” oder “schlecht”. Das eigene Befinden steht dabei viel weniger im Vordergrund als die Suche nach Sinn. Auf dem Weg dorthin findet sich ein tieferes Verständnis. Oftmals machen es die Filmemacher und Filmemacherinnen unnötig schwer, ihre Botschaften zu entschlüsseln und eben jenes Verständnis zu finden. Dort vermag dann auch die Filmkritik anzusetzen und Urteile über die Qualität abzuliefern. Viel spannender ist es aber, diese Qualitäten nur als Ausgangspunkte für eine tiefere Analyse zu verstehen und den Film weiter zu entschlüsseln. Diese Arbeit ist es auch, die die Rolle der Filmwissenschaft so unabdingbar macht. Autoren, Regisseure und Schauspieler können wie alle anderen Künstler bei ihrer Arbeit auf Intuitionen und Gefühle zurückgreifen, deren

Bedeutungen erst in der nachgestellten Analyse erkennbar werden. Dieses Herausarbeiten von Bedeutungen heißt, Filme zu verstehen. Genau das tun wir Kinobesucher und Fernsehzuschauer, wenn wir uns aktiv in die Rezeption einschalten. Und genau das machen Kinder, wenn sie zu ihren Spielzeugen greifen und sich selbst in die Rolle ihrer liebsten Filmfiguren versetzen. Sie verarbeiten und verstehen das Gesehene aus einer aktiven Innenperspektive. Ihr Analyse-Werkzeug ist nicht der Kopf, sondern das Spiel.

Reflexion des Gesehenen. Und ganz besonders durch das kindliche Spiel als weiterführende Auseinandersetzungen mit Filmen und ihren eigenen Welten. Dazu braucht es kein abgeschlossenes Filmwissenschaftsstudium. Es braucht nur kindliche Neugier und die Bereitschaft, Fragen an den Film zu stellen. Dann wird aus dem vermeintlich passiven Medium ein aktives, ein “kaltes” Medium mit McLuhan gesprochen, das einen hohen Grad der Partizipation abverlangt.

Wer sich über den passiven Charakter des Film-Mediums auslässt, vermag eine aktive Rezeption nie erlebt zu haben. Kein Wunder, sie will genauso gelernt werden wie das Lesen, Tanzen oder Schwimmen. Und ist dabei genauso als Potenzial verankert wie alle anderen Lernprozesse. Erst mit der Übung entfaltet sie sich und kann bereits im Kindesalter beginnen. Durch eine pädagogische Begleitung von Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen. Durch frühe Filmgespräche zur gemeinsamen

Text: Christian Steiner

Autoreninfo Christian Steiner, Jahrgang 1987, studierte Philosophie und Medienwissenschaft an der CAU Kiel. Das aktive Rezipieren von Filmen lernte er bereits in frühen Jahren bei familiären Filmabenden. In seiner Freizeit podcastet er regelmäßig über Filme und pflegt dabei das eigene Filmverständnis. www.secondunit-podcast.de www.superherounit.de

Foto: pixabay

oder der Stempel des “passiven Mediums” weismachen wollen.

Kinder verarbeiten Filme nicht nur durch neugierige Fragen, sondern auch im Spiel.


16 | Kiez & Kultur

Champions ohne Grenzen

Foto: Champions ohne Grenzen e.V.

Fußball verbindet Kulturen

Fußball überwindet Grenzen, Sprachbarrieren und Voruteile. Eine Berliner Flüchtlingsinitiative zeigt, wie es geht.

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s ist nicht leicht in einem anderen Land Fuß zu fassen, schon gar nicht, wenn die Gründe, die einen dazu bewegt haben, die eigene Heimat zu verlassen, Krieg, Diskrimierung oder Verfolgung heißen. Die Berliner Initiative Champions ohne Grenzen (CHoG) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Geflüchteten, die in ihren Heimatländern nicht selbstbestimmt in Frieden und Freiheit leben können und deswegen den Weg nach Deutschland gewählt haben oder wählen mußten, durch offene und kostenlose Sportangbote beim Einleben und Eingewöhnen in die neue Umgebung zu unterstützen. 2012 gingen die Champions ohne Grenzen mit einem Fußballtraining in Berlin Kreuzberg an den Start, heute sind sie in ganz Berlin vertreten. Aktuell bieten die CHoG zehn Trainings für Kinder, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Frauen und Männer an sieben Standorten in der Stadt an. Das Angebot wird

Die Champions ohne Grenzen machen sich stark gegen die soziale Ausgrenzung von Flüchtlingen und setzen dabei auf die integrative Kraft des Fußballs. sehr gut angenommen, denn im Gegensatz zu regulären Sportvereinen, gibt es bei den Champions ohne Grenzen keine bürokratischen Hürden oder Leistungsdruck. Für viele der Geflüchteten sind die Trainings mehr als nur eine kurzweilige Unterbrechung ihres oftmals recht isolierten Alltags in den Sammelunterkünften. CHoG bieten ihnen, die Möglichkeit, ihre Freizeit aktiv zu gestalten und neue soziale Kontakte zu knüpfen. In regelmäßigen Abständen nehmen die internationalen Teams an Turnieren, Freund-

schaftsspielen und antirassistischen Veranstaltungen teil, um die Öffentlichkeit auf ihre Lebenssituation in Deutschland und in ihren Herkunftsländern aufmerksam zu machen, sie für das Thema Flucht und Asyl zu sensiblisieren und Vorurteile abzubauen. Das nächste große Turnier findet am 9. Juli 2016 statt. Zusammen mit dem FSV Hansa 07 veranstalten die Champions ohne Grenzen – mittlerweile zum vierten Mal – den Kick Out Racism Cup, bei dem sowohl Flüchtlingsteams, Aktive aus Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen als auch engagierte Fußballvereine gegen Diskriminierung auf den Platz gehen und gemeinsam kicken. Für Unterhaltung jenseits des Fußballplatzes sorgt ein musikalisches, kulturelles und kulinarisches Rahmenprogramm. An Infoständen können Interessierte mehr über flüchtlingspolitische Projekte erfahren, sich austauschen und vernetzen.


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Beim Projekt „Fuß gefasst“ steht die Erkundung der neuen Heimat im Mittelpunkt. Interessierte können sich melden und an von Geflüchteten geleiteten Stadttouren teilnehmen und da-

Preis werden Vereine und Initiativen ausgezeichnet, die auf die verbindende Wirkung des Fußballs setzen, um Flüchtlinge zu integrieren. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann z.B. Mitglied werden und die Arbeit von CHoG mit einem festen Jahresbeitrag fördern. Aber auch Einmal-Spenden sind sehr willkomen. Auf betterplace.org kann man aktuell die CHoG-Kids Kindertrainings unterstützen und so z.B. Fahrkarten für die Fahrt zum Training sponsoren. Text: Frauke Niemann

glieder haben hier die Möglichkeit, sich untereinader und mit den TrainerInnen über Themen, die sie beonders beschäftigten, auszutauschen. Es gibt Thementage, an den über Wohnungssuche, Sprachkurse und Jobssuche gesprochen wird oder auch mal über Fußballtaktiken, das Training, neue Spiele und anstehende Turniere. Engagement mit Auszeichnung Für ihr Engagement wurde dem Champions-ohne-Grenzen-Team im März dieses Jahres der DFBIntegrationspreis verliehen Mit dem

Champions ohne Grenzen Seit vier Jahren setzt sich CHAMPIONS ohne GRENZEN e.V. für Teilhabe und Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft ein. Durch Sport-Trainings, Orientierungstouren in der Berliner und Brandenburger Kulturlandschaft, Beratung und Vernetzungsarbeit, werden Geflüchtete aus aller Welt nachhaltig auf ihrer Reise in eine neue Heimat begleitet. www.championsohnegrenzen.de

Bild: Champions ohne Grenzen e.V.

Eines davon ist „Grenzenlos kochen“. Regelmäßig begeben sich Spieler und Spielerinnen der Champions-ohne-Grenzen-Teams, unterstützt von Trainern und Aktiven, auf Kochtournee, denn auch am Herd lassen sich Grenzen überwinden. In immer wechselnden Berliner Einrichtungen kommen Menschen zusammen, um Rezepte auszutauschen gemeinsam zu kochen, zu essen oder einfach miteinander ins Gespräch zu kommen. Jede Veranstaltung widmet sich jeweils anderen Regionen, mal steht iranischer Kebab auf der Speisekarte, ein ander Mal afghanischer Auberginenbraten oder kamerunische Kochbananen.

bei Berlin aus ihrer Sicht erleben. Das Projekt „Nachspielzeit“ ist ein Austausch-, Beratungs- und Diskussionsangebot. Die Teammit-

Foto: pixabay

Bildungs- & Begegnungsprojekte Das Engagement von Champions ohne Grenzen beschränkt sich aber nicht auf den Fußballplatz. Es gibt zusätzlich zu den Sportangeboten verschiedene Bildungs- und Begegnungsprojekte.


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Demo:Polis – Das Recht auf Öffentlichen Raum

Foto: pixabay

Ausstellung in der Akademie der Künste

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unehmend kritische Bürger fordern ein Mitspracherecht bei Entscheidungen, die Öffentliche Räume betreffen. Die Ausstellung Demo:Polis der Akademie der Künste konzentriert sich auf den Öffentlichen Raum als Austragungsort demokratischer Wandlungsprozesse. Sie veranschaulicht mit Plänen und Modellen, Fotografien und Filmen, wie Architekten, Stadtplaner, Künstler, Studierende und Bürger den Öffentlichen Raum gestalten und nutzen. Die Beispiele reichen vom Brooklyn Bridge Park in New York über den Campo de Cebada in Madrid bis zum Tempelhofer Feld in Berlin. Die Ausstellung zeigt Raumgestaltungen kleiner Plätze wie ganzer Küstenstreifen,

Dokumentationen von Demonstrationen und kritischen Kunstaktionen, gibt Einblicke in die Arbeit erfolgreicher Bottom-Up-Initiativen zur Wahrung des Öffentlichen und lädt die Besucher mit interaktiven Diskussionsveranstaltungen ein, die Stadt der Zukunft mitzugestalten.

dungen des Öffentlichen Raums. Mehr Informationen gibt es unter www.adk.de.

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm setzt die mit der Ausstellung angestoßene Debatte während der Laufzeit fort: Im „Urban Parliament“ erarbeiten Aktivisten von Stadtinitiativen und Besucher die „Berliner Urban Rights Charta“ Auf der 36-stündigen Konferenz „Public Space: Fights and Fictions“, diskutieren Teilnehmer aus der ganzen Welt Entwicklungen und Gefähr-

Noch bis zum 29. Mai 2016 in der Akademie der Künste Hanseatenweg 10 ,10557 Berlin

DEMO:POLIS Das Recht auf öffentlichen Raum - Ausstellung -

Dienstag: 14 bis 22 Uhr, Mittwoch bis Sonntag: 11 bis 19 Uhr Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro Bis 18 Jahre und dienstags von 18-22 ist der Eintritt frei.

Quelle: Pressemitteilung der ADK


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Kolumne:

Der Springende Punkt

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allöle, alle mal herhören… da bin ich wieder,

und ich hab heut eine Frage: Wisst Ihr, meine werte Leserschar, was eine „Kommunikative Kreuzung“ is? Nee? Hi, hi, hab ich mir gedacht! Also, die Straßenkreuzung Schönhauser Allee / Schivelbeiner Straße / Wichertstraße is eine. Stehe ich doch neulich da unter der U-Bahn und warte auf die Pünktin – was meine liebe Frau Gemahlin is – die war zum Einkaufen in den Arcaden. So konnte ich die vielen Fußgänger, die die beiden Fahrbahnen der Schönhauser überquerten, gut beobachten. Na, das war lustig! Manche (nämlich die, die die Ampelschaltung kennen) standen an der Bordsteinkante, schon mit vorgebeugtem Kopf, um gleich loszustürmen, wenn das grüne Ampelmännchen erscheint. Sprint ab! Über den ersten Damm, unter der U-Bahn durch, ersten Fuß auf der zweiten Fahrbahn – puh, geschafft! Beim zweiten Schritt war schon das rote Ampelmännchen am Leuchten! Und das Schönste, viele lachten ganz fröhlich die an, die von der gegenüberliegenden Fahrbahn kamen und ebenfalls spurteten! Wenn das mal keine Kommunikation is! Tja, und die Anderen, die mit Kinderwagen, Einkaufsbeuteln oder Rollatoren, kamen auch ins Gespräch! Das hörte sich dann etwa

so an: „Dämliche Ampelschaltung! Alles nur für die Autos, damit die schnell weiterkommen, und wir? Wir müssen auf die nächste Grünphase warten. Nie komm ich in einem Rutsch rüber!“ Is auch Kommunikation, aber leider eine miese. Das machte mich nachdenklich. Klar: Autos, die vor der roten Ampel warten müssen, verpesten die Luft. Aber Fußgänger, die nich ganz rüberkommen, sind verärgert. Und Radfahrer … hm, na, das is ein Fall für sich. Etliche Radfahrer waren wahrscheinlich in der Schulzeit, als sie mit ihrer Klasse in einer der Verkehrsschulen das Radfahren geübt haben müssten, gerade an Masern o.ä. erkrankt. Ansonsten wüssten sie doch, dass sie nich bei Rot über die Kreuzung fahren oder nach rechts abbiegen dürfen. Radfahrer sollen demnächst ja bevorzugt werden: ein gewisser Heinrich Strößenreuther hat mit einigen Gleichgesinnten einen Gesetzentwurf entworfen, der eine ziemliche Menge RadfahrerBevorzugungen enthält. Wenn ich das so lese (gesetz.volksentscheidfahrrad.de), dann sind das viele Privilegien einseitig für die Zweirädler: z.B. sollen viele Kilometer Fahrradstraßen entstehen. So weit – so gut. Dazu heißt es aber im § 3 Abs. 5: „In Fahrradstraßen sollen nach Möglichkeit Lieferzonen für den Lieferverkehr der Anlieger eingerichtet werden.“ Super. Also, wo es diese „Möglichkeiten“ nich gibt, wird nix geliefert? Oder § 7

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Abs. 1: „Bis 2020 sind auf mindestens 50 Abschnitten von Hauptstraßen Grüne Wellen einzurichten.“ Hallo? Grüne Wellen für Radler? Wo schon etliche solche für Autos nicht korrekt funktionieren? Da möchte ich doch, wie Gretchen zu Faust, sagen: „Heinrich, mir graut´s vor dir.“ Um es klarzustellen: Ich habe nix gegen Radfahrer, im Gegenteil. Natürlich weiß ich von vielen Unfällen, die entstehen, wenn abbiegende Autofahrer die Radfahrer nich genügend beachten. Aber ein eigenes Radfahrergesetz? Reicht nich eine entsprechende Ergänzung in der StVO? Alle sich auf den Straßen egal wie bewegenden Menschen sollen doch gleichberechtigt sein, wa? Und so sehe ich auch die Partizipation. Par-ti-zi-pa-ti-on, das is laut Duden: das Teilhaben, das Teilnehmen, das Beteiligtsein. Merkt Ihr was? Teil is das wichtigste Wort; alle sollen sich den Kuchen teilen, und keiner soll bevorzugt oder vernachlässigt werden. Das könnte doch ganz toll sein: ein Autofahrer lächelt einem Radfahrer zu und räumt ihm die Vorfahrt ein; eine Fußgängerin winkt einem Autofahrer, der lange genug wartet, weil sie nich so schnell mit Kinderwagen über den Damm kommt; ein freundlicher Straßenbahnfahrer wartet bis der Rollator am vorgesehenen Platz steht … Liebe Leute, es gibt soooooo viele Möglichkeiten! Mein Rat: macht davon Gebrauch, freundlich zueinander zu sein. Ein Radio-Moderator hat früher stets am Schluss seiner Sendung gesagt: „Und immer dran denken: Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln!“ Probiert´s mal! Aber ... „Ein Radler-Gesetz? Hm, is doch Schnee!“, ampelt der Springende Punkt vom KVPB. (pad)


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Bilderrätsel

Der Mann, der uns direkt ins Visir nimmt, ist Asif. Asif ist vor sieben Jahren aus seiner Heimat Pakistan nach Deutschland geflüchtet, nachdem mehrere Anschläge auf ihn verübt wurden. Er flüchtete zu Fuß durch den Iran in die Türkei und von dort mit einem kleinen Boot nach Griechenland, um dann von einem Schlepper zusammen mit vier anderen Flüchtlingen, versteckt in einen kleinen Container, nach Hamburg gebracht zu werden. Dies alles erfahren wir aus erster Hand, denn der scanbaren QR-Code auf dem überlebsgroßen Fotoportrait leitet uns direkt zu einem Videointerview mit Asif. Das ist das Besondere am Multimedia-Streetart-Projekt „Familiar Facades“: Es will Geflüchtete als Individuen sicht- und hörbar machen.

Foto: Frauke Niemann

Wat? Wo steht denn ditte?

Fotos von Asif und acht weiteren Asylbewerbern wurden auf Gebäude im urbanen Raum tapeziert, alle erzählen ihre Geschichte auf familiarfacades.de. Wenn Sie wissen, welche Prenzlauer Berger Hauswand das Portait von Asif ziert, senden Sie Ihre Lösung bitte bis zum 15. Mai 2016 an mittendrin@kvpb.de. Unter allen Mitratern verlosen wir zwei Karten

für eine Theaterproduktion, die im Rahmen des Performing Arts Festival Ende Mai 2016 im ZENTRUM danziger50 gezeigt wird. Des Rätsels Lösung: In der letzten Ausgabe haben wir die „Europa vom Prenzlauer Berg“ gesucht. Zu finden auf dem Abenteuerspielplatz Marie in der Marienburger Straße. Text: Frauke Niemann

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Impressum

Die MITTENDRIN ist das kostenlose Kiezmagazin des Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. Es erscheint alle zwei Monate in einer Auflage von 2.000 Stück. Wir freuen uns über jede Wortmeldung – ob Alltägliches oder Kurioses, kleine oder größere Aufreger, Lob oder Kritik.

Herausgeber: Kulturverein Prenzlauer Berg e.V., Danziger Str. 50, 10435 Berlin | Redaktion: Barbara Schwarz, Frauke Niemann | ViSdP: Der Vorstand | Layout: Henriette Anders | Satz und Bildredaktion: Frauke Niemann

Ganze Artikel sind genauso willkommen wie Themenvorschläge, Leserbriefe, Hinweise auf inspirierende Lektüre oder spannende Veranstaltungen in Prenzlauer Berg. Aktuelle und vergangene Ausgaben finden Sie hier: www.kvpb.de/mittendrin.

Redaktion MITTENDRIN Barbara Schwarz | Frauke Niemann Danziger Straße 50 - 10435 Berlin Tel: 030/346 235 39 | 030/490 852 37 Mail: mittendrin@kvpb.de

Der Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 15.05.2016. Ihre Beiträge senden Sie bitte an: mittendrin@kvpb.de.

MITTENDRIN April-Mai-Ausgabe 2016  

Magazin für Kultur und Bildung

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