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IMAGINATION

-Clinch•!

GEGEN

INSTRUMENTALISIERUNG

arallel dazu lief ein Projekt mit dem Titel »CLINCH.« Es wurde immer experimentiert am Theater der Jugend, ausprobiert, das war Programm: Wie kommt man zu neuen Stük ken. ,CLINCH, war ein echter Clinch, der Versuch, den Autor mit einem Regisseur zusammen zubringen, der viel Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen hatte, Peter Hathazy. Außer dem sollten schon früh die Schauspieler beteiligl werden. Das führte zu sehr großen Schwierigkeiten. Die Jugendlichen waren ein Boxclub aus Milbertshofen. Die Darsteller nahmen ein halbes Jahr Boxunterricht. Tänzer wurden angestellt, Musiker. Und alle hatten Talente und Wünsche. Es war nicht zu koordinieren. Am Ende war der gemeinsame Nenner so klein, daß Autor und Regisseur übereinkamen, daß das Stück nicht als Theatertext erscheinen sollte. Das Stück er zählt die parallelen Lebenswege von zwei Schulfreunden aus unterschiedlichen Schichten, die sich am Ende im Ring treffen. Natürlich ist ein Mädchen dazwischen. So das Übliche eben. Die Aufführung gefiel den Jugendlichen glaub ich ganz gut, aber sonst niemandem .

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gut,

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. . . aber nicht gut genug! (Toni Ma1heis)

n Jürgen Flügges letzter Spielzeit habe ich - ohne Auftrag - noch ein Buch von Tormod Haugen, »NACHTVÖGEL«, bearbeitet. Das wollte man aber in München nicht mehr spielen. Es wurde in Osnabrück uraufgeführt und später unter Jürgen Flügge an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen sehr schön nachgespielt. Danach war Schluß in München. Die neue Leitung hat nie Kontakt zu uns gesucht. Unter Jürgen Flügge war das Theater der Jugend ein Theater . der Experimente, Theater mit Herz und Seele. Heute sehe ich vielerorts die große Äußerlich keit. Im Rahmen der Ästhetisierung ist der Inhalt abhanden gekommen. Das hat auch damit zu tun, daß die alten Botschaften skeptisch betrachtet werden. Damals dachte man: Mit Kindertheater kann man die Welt verändern, weil man die Kinder verändern kann. Das ist vorbei.

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DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  
DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  

Gudrun Lukasz-Aden DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET Vierzig Jahre Theater der Jugend, Vierzig Jahre Theater-Geschichte. Gestaltet und be...