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1980-1989

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ach dieser Erfahrung kam der Vorschlag, mich enger ans Theater zu binden. Ein Dramaturgenposten war im Gespräch, aber dann sollte es doch nur eine »enge« Zusammenarbeit mit einem Regisseur sein. Das Projekt war

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»GEHEIME FREUNDE« Eine etwas unglückliche Erfahrung, über die seinerzeit viel geredet und geschrieben wurde. Ein fremdes Buch lag vor, »Der gelbe Vogel« des Amerikaners Myron Levoy, mit einem Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Eine holländische Gruppe hatte eine Theaterfassung gemacht, die Jürgen Flügge gesehen hatte. Er wollte auch so etwas haben. Wir überlegten, ob wi.r es übernehmen sollten, kamen aber zu der Überzeugung, eine eigene Dramatisierung zu machen. Wieder ein Auftragswerk. So war die Situation der Hausautoren. Meine Fassung gefiel dem Regisseur Hansjörg Betschart jedoch nicht, und er spielte seine eigene. Auf dem Theaterzettel stand die etwas kryptische Ankündigung: ,Geheime Freunde, von Rudolf Herfurtner nach Myron Levoys Roman ,Der gelbe Vogel, in der Fassung des Theaters der Jugend von Hansjörg Betschart

für Kinder ab 10 und Eltern«. Meine Fassung, die damals in München für unspielbar gehalten wurde, ist inzwischen fünfunddreißigmal nachgespielt worden. Inhalt: New York 1944. Ein jüdisches Mädchen ist mit seiner Mutter aus Frankreich geflohen. Das Mädchen mußte mitansehen, wie die Nazis den Vater erschlagen haben und ist seitdem tief verstört, spricht nicht mehr. Der jüdische Junge Alan bekommt von seinen Eltern den Auftrag, sich um das Mädchen zu kümmern. Das ist für ihn doppelt schrecklich, denn er ist sowieso schon als , Weichei, verschrien, hat nur einen Freund und fürchtet, den zu verlieren, wenn er sich mit einem ,verrückten, Mädchen abgeben muß. Es gelingt ihm aber, das Mädchen aus seiner inneren Isolation herauszuholen . Allerdings gibt es einen Rückschlag, weil ein rassistischer Nachbarsjunge die Juden nicht leiden kann. Das Mädchen kommt wieder in die Anstalt. Es war eine gute Aufführung. Das kann ich sagen, denn Betschart ist ja ein guter Regisseur. Ich habe auch als Schreiber von ihm gelernt.

,G ehe im e Freund e• (Weichei mit Puppe)

DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  
DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  

Gudrun Lukasz-Aden DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET Vierzig Jahre Theater der Jugend, Vierzig Jahre Theater-Geschichte. Gestaltet und be...