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1980-1989

immer recht.< Ich würde noch immer dazu stehen. Das Problem ist nur, daß es schwieriger geworden ist, weil die eigenen Kräfte oft nicht ausreichen, um so einen Satz sich wirklich durchsetzen zu lassen. Die Ungeduld in mir ist stärker, ist kaum in den Griff zu kriegen, intellektuell ist das leichter als emotional. Mit dem Kopf durch den Bauch, immer wieder neu. Theater ist ein ständiger Prozeß, eine permanente Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft, die sich permanent verändert. Wie sich Kinder permanent verändern. Das Theater, das wir machen, ist immer so jung und so neu

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Liebe serkläruns einer Schlofmüt:e

wie die Kinder, die in die Gesellschaft hineingeboren werden.

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eh beschäftigte mich immer wieder mit klassischen Stoffen und gab ihnen eine neue zeitgemäße Geschichte. So ent stand »DIE KRIEGSCHEUCHE« ein Plot nach Aristophanes »Der Friede « für ältere Kinder. Wir waren uns darüber im klaren, daß die Lösung von Problemen in dieser Gesellschaft nie von Gewalt frei sein wird. Wenn es in Afghanistan oder Sambia gekracht hat , kann das auch mitten im Herzen von Europa wieder passieren. Jetzt haben wir es: Bosnien. Der Kalte Krieg hat uns immer wieder das Fürchten gelehrt. Es geht ja auch um einen Aspekt, den ich für besonders wichtig halte: um Waffenhandel, die Geschäftemacherei mit Krieg. Das hört auch in Friedenszeiten nicht auf. Es geht ja auch um den Krieg in der Familie, um Kriegsspielzeug, mit denen die Kinderzimmer überschüttet werden, um Kri ege, die den Kindern als Information ins Haus kommen, um Ängste. Das Wesentliche für Kinder ist, daß man das tägliche, das eigene Verhalten auch in der Gesellschaft erkennen kann. Da muß man Mut aufbringen, sich einsetzen für friedliches Zu sammenleben, für den Frieden.

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n den vorbereitenden Besprechungen über die Inszenierung nahm ich teil, bei den Proben hielt ich mich größtenteils heraus. Ueli }äggi hat inszeniert. Es gab Auseinandersetzungen um inhaltliche und ästhetische Fragen, aber im Endeffekt bin ich mit ihm gut zurechtgekommen. Es war seine erste Regie. Ich wünschte mir eine engere Zusammenarbeit mit denen, die praktisch Theater machen, Gespräche über gesellschaftli che Gegebenheiten, ästhetische Entwicklungen am Theater selbst - wie ich es im Ansatz im Theater der Jugend in den 80er Jahren erfahren habe - , damit das Theater für Kinder auch eine wirkliche Auseinanderset zung mit der gesellschaftli- , eben Zukunft sein kann. Friedens verhandlung ?

DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  
DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  

Gudrun Lukasz-Aden DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET Vierzig Jahre Theater der Jugend, Vierzig Jahre Theater-Geschichte. Gestaltet und be...