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st Jürgen Flügge vom Kinder- und Jugendtheater zum Erwachsenentheater an die Württembergische Landesbiihne nach Esslingen gegangen, weil nur das »richtiges« Theater ist? Er wehrt sich gegen derartige Beweggründe, die ihm - wie jedem anderen Kinder- und Jugendtheaterkollegen, der abwandert - unterstellt werden. » In Schweden zum Beispiel ist es völlig normal, Theater für Kinder wie für Erwachsene zu machen. Für mich auch. Ich werde es nach wie vor mit aller Leidenschaft betreiben. Ich habe ein Stück für die ganz Kleinen in Esslingen als Abschied inszeniert, ,DER FAULPELZ,. Es gibt für mich nicht die Trennung in Kinder - und Erwachsenentheater, es gibt gutes und schlechtes Theater. Das ist di e einzige Trennung. Weil 1li,• Kin-

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der in der Gesellschaft diskrimi niert werden, fühlen sich auch die Kindertheatt.irmacher diskriminiert. Deshalb gibt es kaum Nachwuchs. Die Leute haben das Gefühl: Einmal Kindertheater - immer Kindertheater, was meint: Man ist stigmatisiert, kommt nicht weitt~r. Das hat mit dem eigenen Selbstvi :rständ nis zu tun. Es ist falsches Denken, Ghettoisierung , wenn man sich aus der allgemeinen Thea terbewegung ausschließt. Ich kann doch nicht daran vorbeigehen, daß es Pina Bausch gibt und daß es Videoclips gibt. Ich würde auch wieder mit einer Truppe wie der Roten Grütze zusammenarbeiten. Das ist keine Statusfrage. Gruppen wie die Grütze waren in vieler Hinsicht wesentlich besser als das, was zu 90 % an Staatstheatern lwt rieben wird.«

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Ist enttäuscht von der Stadt Theater-Chef Flügge geht

listJürgen zum

Flügge. Leiter des Theaters der Jui:end, neuen Intendanten der l..nnde:,bühne F.ßlingen gewiihlt worden , der auch ein Jugendtheater angeschlossen ist. ßereil,; zur Spielzeit 89/ 90 soll er dort se in Amt tintreten, obwohl sein , Vertrag in München noch bis (991 liiu(t. Aller· 1dings hat Flügge se in e zweite Amtszeit mit dem ürgen Flügge hat t züi:igen Umhau seines Theaters eng verquickt seine Drohung at~o und fühlte sich durch den sc hleppenden Verlauf wahr gemacht. und die "- o::hnndlungen "nicht gut behandelt" . Milt· r-, Stadt hat einmal mehr --.__ ,,.r_ Umhou vom Kulturaunchu r' '~ da.D_j_ h.!..Jlie

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ls Jiirgen Fliigge nach neun Jahren erfolgreicher Arbeit das Theater der Jugend verließ, wiirdigte die Presse ihn und seine Arbeit, machte dadurch den Abschied nicht leicht. Aber er wußte selbst, was er geleistet hatte in München und auch in Esslingen nach vier Jahren Intendanz: » Wenn ich ein Unternehmen anpacke , habe ich die Vision, an einem städtischen Betrieb ein Klima und eine Atmosphäri: zu schaffen, wie ich es mir in d en best en frden Gruppen vorstellen kann. Ji :tzt ist es an der Württembergischen Landesbühne so, wie es damals in der Schauburg war: Ich verlass e

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ein Haus, das absolut intakt ist und ein tolles Ens1:mble hat.«

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ein Entschluß, 1989 das Hmis und die Stadt München :zaiverlas sen, stand w1verriickbar fest. Jiirgen Fliigge hatte nicht gepokert, sondern gepaßt: »Ich verließ das Theater, weil «lie Stadt mich zu lange hingehalten hatte. Ich kann drei Jahre warten, aber fiinf sind zu viel. Ich hatte mit md mim zweiten Vertrag den Umbau der Schauburg geford ert und im dritten gesagt, wimn das Haus nicht endlich umgehaut und damit die Infrastruktur für die Mitarbeiter verb esse rt wird, gehe ich. Ich ging.«

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DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  
DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  

Gudrun Lukasz-Aden DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET Vierzig Jahre Theater der Jugend, Vierzig Jahre Theater-Geschichte. Gestaltet und be...