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1/2017

PRINttOUR

Magazin für Druck, Design & digitale Medienproduktion Deutschland-Ausgabe

28. bis 31. Mai 2017 printtour.4-c.at

  Von der Müslidose bis zum Schienbeinschoner.  Warum immer mehr Produkte personalisiert werden  und wie Druckbetriebe davon profitieren können.

twitter.com/4cmagazin

Belgien


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Liebe Leserin, lieber Leser!

E Martin Schwarz

Florian Zangerl

π 4c-Podcast Wussten Sie, dass man 4c jetzt auch hören kann? Jedes Monat finden Sie auf unserer Website 4cmagazin.de nun auch einen neuen 4c-Podcast. Erfahren Sie in der aktuellen Folge unseres Podcasts, wie einer der bekanntesten Werber Deutschlands Print und seine Werbewirkung beurteilt.

s ist schon ein wenig absurd: Je mehr vom Gestaltungsprozess eines Produktes ein Unternehmen zum Kunden schiebt, je intensiver der mit der Konfiguration seines T-Shirts, seiner Tapete oder seines ganz persönlichen Notizbuches beschäftigt ist, desto mehr ist der Kunde bereit zu bezahlen. Für Druckereien ist Personalisierung ohnehin schon lange Teil des täglichen Geschäfts. Aber der Wertschub, der bei vielen Konsumgütern bemerkbar ist, wenn sie vorher vom Kunden gestaltet wurden, kann für Druckunternehmen ein vielleicht noch ertragreicheres Phänomen sein. Wie dieses Phänomen nun genutzt werden kann, zeigen wir in unserer Coverstory ab Seite 10. Wir dürfen Sie an dieser Stelle auch einladen, beim nächsten #4ctalk auf Twitter mit anderen Lesern über dieses Thema zu diskutieren. Alles zum kommenden #4ctalk erfahren Sie ebenfalls in unserer Coverstory. 4c-Autorin Anja Schlimbach hat sich für diese Ausgabe mit einer der vielleicht letzten großen technologischen Herausforderungen für den Digitaldruck beschäftigt: dem Druck der Farbe Weiß. Schlimbach beschreibt in ihrer Story nicht nur, wie schwierig das perfekte Weiß zu produzieren ist, sondern zeigt auch, wie Druckereien diese Schwierigkeit lösen können. Schlimbachs Geschichte finden Sie ab Seite 26 in diesem Heft. 4c versucht stets, Ihnen ein möglichst komplettes Informationsangebot zu bieten. Dazu gehört nicht nur das Heft, dazu gehören auch unsere Veranstaltungen. Wie etwa unsere Printtour 2017: Für Ende Mai dürfen wir Sie einladen, mit uns vier Tage in Belgien zu verbringen und in Brüssel, Gent und Antwerpen nicht nur einen Einblick in die europäische Branchenpolitik zu nehmen, sondern auch Druckereien und einige sehr innovative Druckmaschinenhersteller und Softwareunternehmen zu besuchen. Was wir alles für Sie organisiert haben, erfahren Sie in diesem Heft auf Seite 30 und natürlich im Web unter printtour.4-c.at. Eine vergnügliche Lektüre dieser Ausgabe wünschen Ihnen

Martin Schwarz, Chefredakteur Florian Zangerl, Herausgeber

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Inhalt BUSINESS 8 KEIN INTERESSE. Warum der deutsche Softwarekonzern Compugroup Agfa doch nicht übernehmen möchte. 9 KEINE ZUSTIMMUNG. Warum die Pläne zur Aufspaltung des Druckmaschinenbauers Manroland Web Systems auf Widerstand bei der deutschen IG Metall stoßen.

TOOLS

DIGITAL

20 BIBLIOTHEKEN. Wie die Libraries der Creative Cloud bei der gestalterischen Arbeit unterstützen können und wo sie eher stören. 23 TYPO-SPION. Wie Gestalter künftig mit einem kleinen Gerät Typos und Farben identifizieren werden können.

38 BEWEGEND. Wie eine deutsche Regionalzeitung künftig ihre digitalen Inhalte an die Bewegungsprofile ihrer Leser anpassen möchte.

STANDARDS 7 Bildgeschichte

10 Coverstory. Wie Druckunternehmen mit der industriellen Individualisierung von Produkten neues Geschäft generieren können.

DESIGN

DRUCK

14 kochstudio

26 SCHWIERIGE FARBE. Warum die Farbe Weiß im Digitaldruck so schwierig zu beherrschen ist und wie Drucker das Problem lösen.

15 Events 24 KLICKTIPPS 36 wunschzettel

16 SIEGREICH. Mit welchen Projekten Designer aus dem deutschsprachigen Raum bei den Binder Awards Gold-Trophäen gewonnen haben. 19 PROVISORISCH. Wie Designer die Pavillons bedrucken lassen, in denen vorübergehend Österreichs Parlamentarier arbeiten werden.

4

28 NATÜRLICH. Wie lohnend die Verwendung von Naturpapier sein kann.

40 Produkte

32 GERADEAUS. Für welche Jobs sich die Komori-Technologie des beidseitigen Druckens ohne Bogenwendung auszahlt. 34 METALLISCH. Wie ein Start-up mit gewöhnlicher Inkjet-Technologie 3D-Objekte aus Metall druckt.

4c Magazin für Druck, Design & digitale Medienproduktion


10

 OVERSTORY. Warum Menschen C für selbst gestaltete Produkte mehr zu zahlen bereit sind und wie sich daraus für Druckereien ein mächtiger Markt entwickeln könnte.

19

ABSTIMMEN. Wie Designer die neuen Pavillons für Österreichs Parlamentarier bedrucken lassen.

26

WEISS WÄHLEN. Warum die Farbe Weiß gerade im Digitaldruck so schwierig zu drucken ist.

38

ORTSWAHL. Was die„Schwäbische Zeitung“ von den Bewegungsprofilen ihrer Digital-Abonnenten lernen möchte.

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Business

Karriere

Design

Tools

Druck

Digital

Produkte

Index Adobe 20 Agfa 8, 42 Amazon 12 Apple 24, 28 Athesia Druck 28 Boxximo 36 Buchbinderei Christian Fuchs 29 BVD Druck 11 Cimpress 11 Coldset Printing Partners 40 Color Alliance 12 Colour Connection 26 Combeenation 10 Compugroup 8 Designstudio Bruch 16 Druckerei Niedermann 29 Eberl Print 29

EFI 41 Fedrigoni 27 Frischmann Druck & Medien 41 Gmund 28 Heidelberg 11, 42 Hinojosa 41 Horizon 8 HP 36, 41 Hubergroup 42 Infinitive Factory 16 Kaleido 18 KBA 36, 40 Klingenberg Berlin 36 Kodak 26 Komori 32 Konica Minolta 42 Landa Ventures 34

Lintmann Beschriftungen 19 Magentur 26 Manroland Sheetfed 36 Manroland Web Systems 9, 40 Metapaper 27 Mimaki 42 MyMuesli 12 Oki 26 Onlineprinters 13 Oryx Media 29 Sägenvier 19 Starcom 14 Strabag 19 TJ-HD Software 24 Uber 38 Underground Visuals 8 XJet 34

Impressum Medieninhaber und Herausgeber: industriemagazin Verlag GmbH Verlags- und Redaktionsanschrift: Lindengasse 56, 1070 Wien, Tel. +43 1 585 9000, Fax +43 1 585 9000-16, www.4cmagazin.de, office@4cmagazin.de Büro Deutschland: Stadttor 1, Düsseldorf Medienhafen, D-40219 Düsseldorf, Tel. +49 211 3003-417 Abo-Shop: www.4cmagazin.de/abo • Content-Shop PLUS: www.4cmagazin.de/+ Social Media: twitter.com/4cmagazin, facebook.com/4cmagazin, youtube.com/4cmagazin Chefredakteur: Martin Schwarz Autoren dieser Ausgabe: Andreas Burkard, Ann Kimminich, Erika Kronfuß, Rainer Scheichelbauer, Anja Schlimbach, Ingo Woelk Geschäftsführung: Hans F. Zangerl Grafik, Layout: Nicole Fleck • Schriften: Premiéra (Thomas Gabriel), Acorde (Stefan Willerstorfer) Online-Redaktion: Jakub Jozefek • Marketing & Vertrieb: Manuela Steinbrucker-Murri Anzeigenverwaltung: Tel. +49 211 3003-417 • Herstellung: industriemagazin Verlag GmbH Druck: Druckerei Ueberreuter Abonnements: 1-Jahres-Abo: € 39,– • Druckauflage: 5.300 Stück • ZKZ: 86177 • ISSN: 2305-5111 Das nächste Heft erscheint am 12. 4. 2017.

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4c Magazin für Druck, Design & digitale Medienproduktion


E-Book

Print

2020

80 %

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2020

2019

2018

2017

2016

2015

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2012

2011

Print

E-Book

9.289 9.073 8.931 8.540 8.231 7.967 7.714 7.466 7.211 6.958

312 450 609 782 957 1.138 1.332 1.474 1.615 1.755

Der Buchmarkt in Deutschland wird insgesamt an Umsatz verlieren und E-Books werden den Schwund bei den Print-Erlösen nicht abfedern können (in Mio. €)

DIGITALES DILEMMA

2015

90 %

10 %

Umsatzvolumen in Mrd. €

E-Books werden nach Schätzungen von PricewaterhouseCoopers im Jahr 2020 rund 20 Prozent des gesamten Umsatzvolumens im deutschen Buchmarkt erreichen. Allerdings wird sich die E-Book-Durchdringung nach Segmenten unterschiedlich entwickeln. Bei Sach- und Fachbüchern werden im Jahr 2020 fast 30 Prozent des Umsatzes mit E-Books erwirtschaftet, bei Belletristik oder Schulbüchern wird der digitale Anteil wesentlich geringer sein.

8,2

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2011

€ 2016

Der deutsche Buchmarkt wird in den nächsten Jahren Umsatz einbüßen. E-Books sind für Verlage nur bedingt hilfreich, um den Markt zu stabilisieren.

PRINT-BÜCHER BLEIBEN DOMINANT

Nächstes Kapitel

4,5

2020

4,2 8,1

Quelle: PwC, Ovum, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, 2016

Anzahl verkaufter Bücher pro Person:

Schul- und Lehrbücher

Anzahl verkaufter Bücher pro Person:

Sach- und Fachbücher

Anzahl verkaufter Bücher pro Person:

Belletristik

LERNWILLIG

Im Durchschnitt werden pro Person in Deutschland 8,1 Schul- oder Lehrbücher verkauft. Der Anteil der Belletristik am Buchverkauf pro Person ist dagegen deutlich geringer.

Business Bildgeschichte


Business

Design

Tools

Druck

Digital

Bnw: beigestellt

Comedy aus dem Drucker

Produkte

A

merikas wichtigster TV-Kritiker wohnt neuerdings in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington. Er ist unnachgiebig, meist ein wenig misslaunig und manchmal auch ziemlich sauer: „Just tried watching Saturday Night Live – unwatchable! Totally biased, not funny and the Baldwin impersonation just can’t get any worse. Sad“, twitterte sich der ehemalige Reality-TVStar ein bisschen in Rage, als der Schauspieler Alec Baldwin in der TV-Show „Saturday Night Life“ auf NBC wieder mal ihn, den nebenberuflichen TV-Kritiker und nunmehr hauptberuflichen 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, parodierte. Pennsylvania Avenue 1600, das ist die Adresse des Weißen Hauses. Televisionärer Spott ergoss sich auch über Trumps Pressesprecher Sean Spicer, als der seine erste Pressekonferenz nach der Amtsübernahme zu einem skurril anmutenden Tribunal über Medien umfunktionierte. Spicer wurde dann in Saturday Night Life von der Schauspielerin Melissa McCarthy dargestellt, die ihr Rednerpult gar als Rammbock gegen Journalisten einsetzte.

Glosse von Martin Schwarz

Jede neue Folge von Saturday Night Life sorgt insbesondere bei einer Großformatdruckerei in New York für Hochstimmung – und das hat nicht nur mit den Gags zu tun. Denn ein Gutteil der Studio-Ausstattung – vom „White House“-Emblem auf dem Rednerpult bis zu Plakaten oder Bildern für die Kulissen – wird von Underground Visuals mitten in Manhattan produziert. Vergnügt nutzen die Drucker die Aufträge aus der Showbranche, um Marketing in eigener Sache zu betreiben, und twittern unter @UnderVisualsNYC eifrig über ihre prominenten Referenzkunden. Die TV-Kompetenz der Drucker dürfte sich nun in anderen Studios herumgesprochen haben. Die Produkte aus Manhattan sind bereits in vielen anderen TV-Shows zu sehen – ein erfreulicher Effekt der Konzentration auf eine hoch anspruchsvolle Zielgruppe. Auf Twitter freilich, da hat der TV-Kritiker aus dem Weißen Haus noch einen gewissen Vorsprung vor der Druckerei aus Manhattan und bei Redaktionsschluss noch um knapp 24,8 Millionen Follower mehr. So sad! ∑∑∑∑

8

Doch nicht von der Compugroup übernommen: der Agfa-Konzern im belgischen Mortsel.

Zurückgezogen Der deutsche Compugroup-Konzern übernimmt Agfa doch nicht. Unklarheit, was mit der Grafiksparte passieren soll, hat wohl zum Rückzug beigetragen.

D

ie einen waren erleichtert, die anderen besorgt. Kurz nachdem das deutsche Medizinsoftware-Unternehmen Compugroup Anfang Dezember bekanntgegeben hatte, die Gespräche über eine Übernahme von Agfa zu beenden, legten die Compugroup-Aktien leicht zu, während jene von Agfa kurzfristig einbrachen. Nur drei Wochen dauerten die Gespräche zwischen der Compugroup und Agfa, in denen klar geworden sein muss, dass Agfa kein idealer Übernahmekandidat sein würde. Das liegt zum einen an den problematischen Größenverhältnissen. Analysten hatten gefürchtet, dass sich das Koblenzer Familienunternehmen Compu-

group mit dem Zukauf übernehmen könnte. Agfa-Gevaert kam in den ersten neun Monaten 2016 auf einen Umsatz von 1,87 Milliarden Euro. Das Geschäft mit der Gesundheitsbranche, das zu Compugroup gepasst hätte, macht davon aber nur 800 Millionen Euro aus. Compugroup erwirtschaftete in den ersten drei Quartalen einen Umsatz von 407 Millionen Euro. Unklar wäre gewesen, was mit der wenig profitablen Grafiksparte hätte passieren sollen. Zudem dürften die hohen Pensionsverpflichtungen von Agfa in der Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro die Übernahme wenig attraktiv erscheinen haben lassen. ∑∑∑∑

Erweitert

Der Weiterverarbeitungsspezialist Horizon wird den skandinavischen Markt künftig direkt aus der Europa-Zentrale in Norddeutschland betreuen.

D

ie Europa-Zentrale des japanischen Weiterverarbeitungsspezialisten Horizon in Quickborn bei Hamburg weitet ihr Vertriebsgebiet aus. Kunden in Schweden, Dänemark und Finnland sollen in Zukunft direkt aus Quickborn und von neuen, eigenen Servicegesellschaften in den jeweiligen Ländern

betreut werden. Die Kommunikation mit der nordeuropäischen Kundschaft soll auch über ein Servicecenter in Quickborn vereinfacht werden, in dem muttersprachliche Mitarbeiter auf Schwedisch, Dänisch oder Finnisch Fragen zu den Maschinen beantworten können. ∑∑∑∑

4c Magazin für Druck, Design & digitale Medienproduktion


Business

Design

Tools

Druck

Digital

Produkte

Abermals aufgespaltet Druckmaschinenbauer ohne Druckmaschinenbau: Die geplante Auslagerung der Fertigung sorgt für einen Zwist zwischen der Unternehmensleitung von Manroland Web Systems und der Gewerkschaft.

B

eim Augsburger Druckmaschinenhersteller Manroland Web Systems steht die größte Umstrukturierung seit der Aufspaltung des ehemaligen Manroland-Konzerns im Jahr 2012 an. Die Geschäftsführung plant, das Unternehmen abermals aufzuspalten. Die Fertigung mit ihren rund 300 Mitarbeitern soll als eigene Produktionsgesellschaft ausgegründet werden und künftig verstärkt Fertigungsaufträge aus anderen Unternehmen annehmen. Die übrigen etwa 800 Mitarbeiter sollen sich um Retrofit, Wartung und ähnliche Serviceleistungen kümmern. Gegen die Aufspaltung regt sich nun Widerstand der IG Metall. „Manroland hat jetzt schon Geschäft mit Kunden aus anderen Branchen“, argumentiert der Augsburger IG-Metall-Chef Michael Leppek gegenüber 4c, „wir sehen nicht, warum das dann besser werden soll“. Außerdem beklagt die IG Metall, dass Manroland Web Systems die Belegschaft vor vollendete Tatsachen gestellt hätte.

Manroland Web Systems in Augsburg: Wegen der trüben Aussichten für den Bau von Neumaschinen soll die Fertigung schon in wenigen Monaten in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert werden.

dem Neumaschinengeschäft, weshalb man das Jahr 2017 für die Ausgliederung und die Markteinführung der neuen Produktionsgesellschaft nützen wolle. Nachgereiht Die IG Metall warnt dagegen davor, dass der Druckmaschinenbau künftig bei Auslastungsspitzen gegenüber den Aufträgen anderer Unternehmen nachgereiht werden könnte. „Wir haben gar nicht so viele Sorgen, was die Ausgliederung anbelangt. Ich mach mir Sorgen um Manroland selbst. Man sollte sich doch eher fragen, ob Manroland ohne Fertigung genauso gut aufgestellt wäre wie jetzt“, so Gewerkschafter Leppek. Dem widerspricht Manroland-Manager Daniel Raffler gegenüber 4c. Schließlich könnte eine eigenständige Gesellschaft auch Auslastungs-

spitzen schneller durch die Hinzunahme von Leihpersonal abfedern. Manroland möchte die neue Gesellschaft noch im zweiten Quartal 2017 gründen. Ob sie überhaupt das Wort Manroland im Namen tragen wird, ist noch nicht klar. ∑∑∑∑

Bnw: Manroland Web Systems

Die Unternehmensleitung begründet den Teilungsplan mit dem schwächelnden Neumaschinengeschäft und der deshalb unumgänglichen Konzentration auf Service- oder Wartungsaufträge, bei denen „nicht zwingend Wertschöpfung für die Fertigung übrig bleibt“, wie es Daniel Raffler, Leiter der Unternehmensentwicklung formuliert. „2016 war ein Jahr der Überauslastung“, so Raffler. Auch 2017 werde die Auslastung hoch sein. Die Marktsituation sieht dagegen konstant trübe aus: „Seit 2012 ist das weltweite Volumen im Rollenoffsetmarkt jedes Jahr um 23 Prozent geschrumpft, 2016 waren wir schon deutlich unter 200 Millionen Euro“, rechnet Raffler gegenüber 4c die Notwendigkeit vor, die Fertigung unabhängiger von Druckmaschinenaufträgen zu positionieren. Besser würde das gelingen, wenn die Produktionsgesellschaft eigenständig als Tochter des Eigentümers, der Lübecker Possehl-Gruppe, agieren und sich damit selbst besser um ihre Auslastung kümmern könnte. Für das Jahr 2018 befürchtet Raffler eine niedrigere Auslastung aus

Bnw: Schwarz

Auslastungstief befürchtet

Manroland-Web Systems-Manager Daniel Raffler: Konzentration auf das Servicegeschäft, bei dem „nicht zwingend Wertschöpfung für die Fertigung übrig bleibt“.

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Business Coverstory

Design

Tools

Druck

Digital

Produkte

Von mir, für mich

Unikate für jeden: Offensichtlich sind Konsumenten bereit, für Produkte signifikant mehr zu bezahlen, die sie selbst gestaltet haben. Die Eitelkeit der Einzelnen bietet auch Druckunternehmen Gelegenheit für Neugeschäft. Von Martin Schwarz

46

Sekunden ist das YouTube-Video lang. Es zeigt zwei Männer, die – bekleidet mit Pelzmantel, schreiend glänzender Polyesterjacke, Baseball-Caps, goldenen Spaßbrillen und protzig-prolligem Goldschmuck um den Hals – zu dramatischer Musik englische Reime rappen, während im Hintergrund Dollarscheine durch das Bild wirbeln. Es sind 46 Sekunden der kalkulierten Selbstentblößung. „Combeenation, your sales machine; Combeenation, let’s do this thing“, holpert einer der Verse durch das filmische Panoptikum des beabsichtigt schlechten Geschmacks.

10

tigkeit, kurzum: nach personalisierten Produkten. Viele Unternehmen versuchen diesem Verlangen der Kundschaft über Online-Konfiguratoren gerecht zu werden. Aber genau das, so weiß Pilsl, ist eine hochkomplexe Angelegenheit: „Drei Viertel aller dieser Individualisierungsprojekte scheitern grandios.“ Es gibt also viel zu tun für die Konfigurator-Programmierer von Combeenation. 24 Kunden betreut Combeenation derzeit. Kaum zwei sind aus der gleichen Branche. Auch das ist ein Anhaltspunkt für den Relevanzvorschuss, den Unternehmen der Massenindividualisierung zu geben bereit sind.

Wunsch nach Unterscheidbarkeit

Der Kunde arbeitet

Einer der beiden Hobby-Rapper in dem Video ist Klaus Pilsl. Das Filmchen hat der Oberösterreicher für eine Start-up-Konferenz vor knapp zwei Jahren produzieren lassen. Auf diese Weise und mit großzügig ausgebauter Selbstironie das eigene Tun zu bewerben, zeugt von hohem Vertrauen in das gewählte Geschäftsmodell. Klaus Pilsl ist Gründer des Start-ups Combeenation. Das Unternehmen baut Konfiguratoren für die Massenindividualisierung, mit denen dann Menschen online ihre Produkte ganz nach eigenem Geschmack gestalten können. Combeenation befindet sich mit seiner Dienstleistung am Scheitelpunkt einer Welle, die gerade viele Branchen erfasst: der stärker werdende Wunsch der Konsumenten nach Disktinktion, nach Exklusivität durch Einzigar-

An der Wirtschaftsuniversität Wien erforscht Nikolaus Franke seit Jahren das Phänomen, dass Marken die Gestaltung ihrer Produkte der Kundschaft überlassen. „Wenn ich darüber nachdenke, mit welchem Kleidungsstück, das ich gerade trage, ich vollends zufrieden bin, würde mir sehr wenig einfallen“, erklärt er. „Wir sind es gewohnt, Kompromisse zu machen bei unserem Konsum. Das wird aber nicht mehr lange der Fall sein“, ist er überzeugt. In Untersuchungen hat Franke herausgefunden, dass Menschen bereit sind, für selbst gestaltete Güter signifikant mehr zu bezahlen als für Waren, die sie ohne eigene Mitwirkung kaufen. „Als Menschen sind wir eben gerne schöpferisch tätig. Studien, die wir durchgeführt haben,

4c Magazin für Druck, Design & digitale Medienproduktion


Business Coverstory

Design

Tools

Druck

bestätigen das: Menschen, die selbst ein T-Shirt mit unserer Plattform beim Vertrieb unterstützen gestaltet haben, waren in unserem Experiment können“, sagt Arends. Das weist schon darauf hin, bereit, einen um rund 40 Prozent höheren Preis wo es sich für Druckereien lohnt, anzusetzen: Das für dieses T-Shirt zu bezahlen als Menschen, größte Mehrwertpotenzial birgt nicht unbedingt denen wir das gleiche T-Shirt ohne die Möglichdas individualisierte Druckprodukt, sondern das keit, es selbst zu gestalten, angeboten haben.“ Die individualisiert bedruckte Produkt. Identifikation mit dem Produkt steigt also, wenn Bällebad es zuvor vom Kunden entworfen wurde. Das äußert sich in einer höheren Zahlungsbereitschaft. Im kleinen Fürstentum Liechtenstein dürfte eine Das Haben gehört zum Sein. Druckerei interessiert die Initiative von Der Erste sein Cimpress beobachten. Alles jederzeit konsumieren zu können, erweckt Seit knapp drei Jahren den Wunsch, zu besitzen, was scheinbar nicht bietet das Druckhaus reproduzierbar ist. Auch das hat Nikolaus Franke BVD auf balleristo. schon erhoben. Wenn in Online-Konfiguratoren com personalisierte der Kunde darüber informiert wird, dass sein Fußbälle, Handbälle, gerade gestaltetes Design für die Handyhülle, Schienbeinschoner die Handtasche oder die Schuhe einzigartig ist, und anderes Sportschafft das subjektiv Wert. Bei einem großen Equipment an. Die Sportschuhhersteller hat Franke diesen EinInvestition in eine zigartigkeitseffekt quantifizieren können: Jene Omnifire 250 von Testgruppe, die online während des GestaltungsHeidelberg, eine 4Dprozesses darüber informiert wurde, dass noch Druckmaschine, die niemand dieses Design gewählt hatte, war bereit, zylindrische Objekte für die Schuhe um rund 30 Prozent mehr zu per Inkjet individualizahlen als die Gruppe, die über die Einzigartigkeit siert, hat sich in dieser Zeit zwar noch nicht nicht in Kenntnis gesetzt wurde. vollständig amortisiert. Partnersuche bei Cimpress Überzeugt ist Peter Fast zwangsläufig ist es ein Unternehmen aus der Göppel, Geschäftsführer von BVD Druckbranche, das die Massenindividualisierung derzeit stark vorantreibt. Cimpress, der weltgrößte Druck, trotzdem, dass die Portfolioerweiterung richtig Onlinedrucker, hat seine Wurzeln ohnehin in der Personalisierung. Für 218 Millionen US-Dollar hat war. „Wir sind erst am Beginn“, sagt er. Künftig will er die Bälle nicht nur über sein der Konzern im Dezember vergangenen Jahres Webportal an Privatkunden verkaufen, sondern den amerikanischen Werbeartikelproduzenten verstärkt auch Unternehmen und Sportvereinen National Pen übernommen. Die Akquisition von anbieten, die solche Merchandising-Produkte National Pen wird Cimpress gleichsam in eine benötigen. Ein zweifellos mühsames Geschäft ist neue Richtung lenken. Kees Arends, Europachef es, für das sich Göppel da entschieden hat, und von Cimpress, drückt es im Gespräch mit 4c so aus: „Der Anteil von Visitenkarten oder Flyern, die von Masse kann bei dieser Art der Individualisierung auch noch keine Rede sein. Etwa 30 Bälle bisher dominant in unserem Produktmix waren, kann die Omnifire pro Stunde individualisieren. wird durch die pure Menge an neuen Produkten Der Aufschlag aber, den der Markt für diese Art in den nächsten Jahren abnehmen.“ Parallel zur der Personalisierung zu akzeptieren scheint, ist Integration von National Pen entsteht eine Plattform, über die andere Produzenten ihre individubeachtlich: 30 Euro und mehr pro Ball. „Das alisierten Waren anbieten können sollen. In den Grundprodukt“, sagt Peter Göppel, „muss schon USA hat Cimpress bereits ein Dutzend Anbieter einmal einen relativ hohen Wert haben.“ überzeugen können, an die neue Plattform anzuMüsligrüße docken. Jetzt versucht der Onlinedrucker, auch in Europa Partner zu finden. „Wir möchten kleine Auf Haselnusskerne, Rosinen, Erdbeeren, Kakaosplitter und Haferflocken, gemixt zu Müsli, trifft Hersteller ansprechen, die sich auf die Individualisierung einer kleinen, vielleicht ausgefallenen die ambitionierte Wertvermutung vielleicht nur in Produktpalette spezialisiert haben und die wir ernährungswissenschaftlicher Hinsicht zu. Aber

Digital

Produkte

Willkommen in der On-DemandÖkonomie: Personalisiert werden mittlerweile von Müslidosen über Handyhüllen bis zu Fußbällen und T-Shirts viele Konsumgüter. Druckunternehmen können sich einen Part der Wertschöpfungskette sichern.

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Design

selbst in der Frühstückscerealienbranche wirkt eine personalisierte Verpackung preistreibend. Die Kundschaft des Heidelberger Shops des Müslianbieters MyMuesli kann seit etwas mehr als einem Jahr nicht nur ihre Müslis ganz nach Gaumenpräferenz und ernährungswissenschaftlichen Erwägungen zusammenmixen, sondern die Dosen mit den subjektiv wertvollen Inhalten auch gleich personalisieren. Denn in dem Shop steht ebenfalls eine Omnifire 250 von Heidelberg. Über ein iPad kann der Kunde dann ein Bild aus Heidelberg auswählen, einen kurzen Text verfassen und über das Inkjetdrucksystem auf die Dose drucken lassen. Die persönlich gestaltete Dose ist dabei fast so wertvoll wie der Inhalt: Grußlos kostet die Haferflockenmixtur knapp acht Euro, mit Wortanteil 14,90 Euro. Was bisher nur im Shop geht, könnte vielleicht schon bald auch bei der Online-Bestellung der Müslis möglich sein.

Tools

Druck

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Produkte

Omnifire-Druckmaschine von Heidelberg: sie personalisiert Müslidosen in Heidelberg und Fußbälle in Liechtenstein.

Kompetenzvermutung Den wesentlichen Unterschied zwischen den manchmal erfolgsabstinenten Versuchen, Druckprodukte mit einem signifikanten Aufschlag für die Auflage eins zu verkaufen, und den im Ansatz funktionierenden Versuchen, dies mit personalisierten Waren zu tun, erklärt Frank Janssen so: „Selbst personalisierte Kalender sind ja heute schon Massenprodukte. Mit unserem 4D-Druck-Verfahren personalisiert der Anwender in der Regel hochwertige Markenprodukte, die ohnehin schon einen höheren Wert haben, und steigert diesen gefühlten Wert für den Kunden noch durch zusätzliche Individualisierung.“ Janssen ist für die Vermarktung der Omnifire-Modelle von Heidelberg zuständig. Druckbetriebe, so meint er, hätten eigentlich ganz gute Voraussetzungen, um mit der anspruchsvollen Technologie zurechtzukommen: „So ein Projekt aufzusetzen und erfolgreich zu machen ist natürlich eine Herausforderung. Man muss Erfahrung mit der Inkjet-Technologie haben, Know-how von Software, man muss sich mit Robotik und mit Farbmanagement auskennen und zudem einen schlagkräftigen Vertrieb aufstellen.“ Deutlich mehr als eine Viertelmillion Euro in eine 4D-Druckmaschine zu investieren, erfordert fraglos wirtschaftliche Courage. Aber auch mit ihrem Wissen um den Workflow eines Druckprozesses können grafische Betriebe sich zumindest am Saum dieses

Digital

Bnw: beigestellt

Business Coverstory

Marktes bewegen. So hat die Software für die Müslidosen-Dekoration das Augsburger Druckhaus Longo Media implementiert und auch den sehr einfachen Konfigurator dafür programmiert. Personalisierter Heizkörper

„Man muss Erfahrung mit der Inkjet-Technologie haben, Knowhow von Software, man muss sich mit Robotik und mit Farbmanagement auskennen und zudem einen schlagkräftigen Vertrieb aufstellen.“ Frank Janssen, Heidelberg

Auch für das Dortmunder Softwarehaus Color Alliance ist der Verkauf von Konfiguratoren mittlerweile zu einem einträglichen Geschäft geworden. Color Alliance nämlich verkauft an Druckbetriebe Online-Konfiguratoren, die dann bei Amazon implementiert werden. „Die Bandbreite der Produkte, die unsere Kunden anbieten, ist wirklich erstaunlich: Es gibt personalisierte Heizkörper, Pralinen, Shampootuben, Gläser, Beachflags oder Duschkabinenwände oder Servietten“, zählt Color-Alliance-Chef Thomas Schurzfeld auf. Für mehr als 30 Unternehmen hat Schurzfeld bisher Konfiguratoren programmiert, die dann auf Amazon oder auch Ebay gelauncht wurden. Amazon die gesamte Vertriebsleistung zu überlassen, darauf zu vertrauen, dass die Online-Gravitation des E-Commerce-Giganten stark genug ist für den eigenen kleinen Dekorativ-Shop, wird nicht funktionieren. „Wenn ich eine Pommes-Bude im Wald eröffne, dann habe ich eine PommesBude. Aber da wird auch keiner hinkommen“, konstruiert Thomas Schurzfeld ein nachvollziehbares Gleichnis.

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Tools

Druck

das nicht als strategische Priorität wahr. Amazon kocht nun einmal gerne auf 200 Töpfen gleichzeitig“, so Fries gegenüber 4c. Gelegenheiten Forscher Nikolaus Franke stimmt da zu: „Radikalere Schritte beim Mass Customization kommen eher von Newcomern. Die Großen haben oft Angst, ihr bisheriges Geschäftsmodell infrage zu stellen“. Die Angst der Großen ist die Gelegenheit der Kleinen. Und viele der Startups, die sich mit der Personalisierung von Waren am Markt etablieren möchten, benötigen Know-how und Produktionskapazität von Druckereien. Die Österreicherin Karin Janner zum Beispiel. Sie hat 2010 in Berlin Spieltz.de gegründet. Bei Spieltz.de können Privatkunden oder Unternehmen Brett- oder Kartenspiele gestalten lassen, zum privaten Gaudium oder auch für das Merchandising. „Die Suche nach einer Druckerei war anfangs natürlich nicht einfach. Denn die Drucker mussten auch Zeit in die Produktentwicklung investieren“, erzählt sie. Amazon will nicht Man sollte nun annehmen, dass Amazon mit einem Umsatz von 107 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 nur mäßige monetäre Mühen aufwenden müsste, sich selbst in diesen Markt der Massenindividualisierung einzukaufen. Erstaunlicherweise passiert genau das aber nicht. Der im Jahr 2014 gegründete Shop für individualisierte 3D-Objekte wurde mittlerweile offenbar wieder geschlossen. Die Tests, Waren per Drohne anzuliefern, verkauft die Marketingabteilung von Amazon mit wesentlich mehr Verve als etwa den Start von Amazon Merch, einem Service, mit dem T-Shirts gestaltet, bedruckt und dann zum Verkauf angeboten werden können. „Beim Mass Customization ist man recht schnell bei komplexen Konfiguratoren. Dass man sich da zuerst mit individuellen T-Shirts beschäftigt, liegt nahe. Das ist ja auch etwas, was dem durchschnittlichen Kunden von Amazon leicht vertraut gemacht werden kann“, bewertet Michael Fries, Geschäftsführer der bayerischen Onlineprinters, kühl das Kalkül von Amazon. Für Fries ist es nicht so sehr eine Frage der Möglichkeiten, die Amazon hat, sondern der Abwägung, wie wichtig Mass Customization für die Entwicklung des Unternehmens ist. In Seattle ist man offenbar zum Schluss gekommen: Im Moment ist das nicht so sehr von Bedeutung. „Natürlich macht es Sinn für Amazon, sich mit diesem Markt zu beschäftigen, aber ich nehme

Digital

Produkte

Mittlerweile arbeitet sie regelmäßig mit rund 20 Druckbetrieben in Berlin zusammen, die unter anderem Brettspiele ganz nach Kundenwunsch auf LKW-Planen drucken. Stolpern Nikolaus Franke ist sicher: „Wir werden uns schon bald fragen, wie es passieren konnte, dass uns Unternehmen so lange diktiert haben, wie Produkte beschaffen sein müssen.“ Seinen Studierenden erzählt der Professor manchmal auch eine Geschichte, die beweisen soll, dass verliert, wer nicht personalisiert, und dass dies irgendwie schon vor mehr als 200 Jahren gegolten hat. Napoleon nämlich, der große Eroberer, sparte beim Russland-Feldzug im Jahre 1812 an der falschen Stelle. Seine Soldaten rüstete er mit Schuhen aus, die alle die gleiche Größe hatten. Und um noch mehr zu sparen, gab es auch keine Varianten für den linken oder rechten Fuß. Das hat sich gerächt. Auf dem rund 3.000 Kilometer langen Marsch bis Moskau fiel ihm dann ein großer Teil seiner Armee fußlahm aus. ∑∑∑∑

π Der #4ctalk zum Thema

„Wir werden uns schon bald fragen, wie es passieren konnte, dass uns Unternehmen so lange diktiert haben, wie Produkte beschaffen sein müssen.“ Nikolaus Franke, Forscher

Können Druckereien von der Massenindividualisierung profitieren? Eröffnen sich da neue Märkte für Druckdienstleister? Und was muss eine Druckerei überhaupt können, um mit Anbietern solcher personalisierter Produkte zusammenarbeiten zu können? Diskutieren Sie mit anderen 4c-Lesern und mit der 4c-Redaktion über dieses Thema. Bei unserem nächsten #4ctalk auf Twitter. Am Donnerstag, dem 16. März, von 14.00 bis 15.00 Uhr. Bitte fügen Sie Ihren Beiträgen immer den Hashtag #4ctalk hinzu, damit andere Ihren Tweets folgen können. Wir freuen uns, wenn Sie mitdiskutieren. www.twitter.com/4cmagazin

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Digitale Ignoranz   Print ist entscheidend für den Vertrauensaufbau einer Marke beim Konsumenten.    Leider aber übersehen Werber das gerne und riskieren mit ihrem Tunnelblick auf   digitale Medien, dass Werbegeld effektlos online versickert.  Von Thomas Koch*

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uerst einmal: Glückwunsch. Ehrlich und aufrichtig. Vor wenigen Tagen hat der Bundesverband Druck und Medien mit einigem Stolz verkündet, dass in Deutschland bereits im dritten Jahr in Folge die Bruttoausgaben für Printwerbung gestiegen sind und derzeit ein Volumen von mehr als 10,5 Milliarden Euro erreicht haben, immerhin um rund 400 Millionen Euro mehr als noch 2013. Ich will Ihnen nun wirklich nicht die Partystimmung verderben, aber abgesehen von der begrenzten Aussagekraft von Bruttowerten in der Werbung sind wir als Mediaplaner in letzter Zeit immer öfter mit einem Phänomen konfrontiert, das für alle, die von Print leben, noch recht unangenehm werden könnte.

Media kein Vertrauen. Genutzt, aber ignoriert

Plan ohne Print Das hat mit dem Marketing-Funnel zu tun, ein sprachliches Ungetüm, das aber zu den wichtigsten Steuerungsinstrumenten jedes Werbers bei der Planung seiner Kampagnen gehört. Der Funnel ist ein gedanklicher Trichter, durch den wir die Zielgruppen mithilfe unserer Kommunikationsmaßnahmen schicken. Sinn des Funnels ist, die richtigen Marketingziele zu definieren, in den richtigen Kanal zu investieren und dabei – erraten – die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Was den Kanal betrifft, ist es für Mediaentscheider wichtig zu wissen, welche Medien welche Stärken besitzen: Welche eignen sich besonders zum Aufbau von Bekanntheit oder Vertrauen? Welche sind besonders verkaufsfördernd? Print ohne Funktion Den Funnel gibt es in unzähligen Variationen. Besonders interessant sind für uns diejenigen, die sich bemühen, die Stärken der einzelnen Medien im Prozess darzustellen. Doch nun erlebe ich immer öfter eine Überraschung: Im Marketing-Funnel moderner Ausprägung

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findet man neuerdings ausschließlich Zuordnungen der digitalen Medien. Die klassischen Medien werden, wenn überhaupt, als überholt dargestellt. Print wird in diesen FunnelKonstruktionen oftmals nicht einmal mehr erwähnt, es werden ihm keine sinnvollen Funktionen für den Erfolg einer Kampagne unterstellt. Man impliziert damit, dass digitale Medien alles können, was vom Bekanntheitsaufbau bis hin zum Kauf an Wirkung ausgelöst werden muss. Ehrlich: Das ist komplett absurd. Es ist allerdings auch der Grund, warum immer mehr Kampagnen versagen. Der blinde Glaube und die Fokussierung auf alles Digitale führt zu einem neuzeitlichen Defizit bei den wichtigsten Kriterien jeder Kampagne: bei Bekanntheit, Interesse und Vertrauen. Sie sind, über Jahrzehnte gelernt, die unabdingbaren Voraussetzungen für jeden Kampagnenerfolg. Blogs und Suchmaschinenwerbung erzeugen eben keine Bekanntheit, Display und Social

Gerade die klassischen Medien TV und Print sind es, die bei Bekanntheit oder Vertrauen ihre großen, unverzichtbaren Stärken ausspielen. TV bringt die Bekanntheit, Print das Vertrauen. Und je weiter man hin zur Kaufmotivation des Konsumenten kommt, desto mehr können digitale Medien helfen. Natürlich lässt sich über die genaue Verortung der Medien in diesem Funnel trefflich streiten. Aber die Medien, die für über 80 Prozent der täglichen Nutzungsdauer verantwortlich sind Print und TV nämlich – einfach wegzulassen, ist an Überheblichkeit kaum zu überbieten. Wenn wir uns fragen, warum so viele Kampagnen heute scheitern, liegt einer der Gründe fraglos in diesem neuen Missverständnis für die proprietären Stärken der Medien und Kanäle. Sobald wir wieder erlernen, den Media-Mix so zu gestalten, dass jedes Medium seine wahren Stärken ausspielen kann, verbrennen wir weniger Marketinggeld und erzeugen erfolgreichere Werbung. Dann bekommen die analogen wie auch die digitalen Medien wieder ihren rechtmäßigen Platz zugewiesen. Aber jede vernünftige Kampagne braucht Print. Das mag überholt klingen. Aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass es nicht stimmen sollte. ∑∑∑∑

* Thomas Koch, Mediaplaner, Agenturgründer, ExStarcom-CEO, Herausgeber von „Clap“ und MediaPersönlichkeit des Jahres, schreibt hier regelmäßig über die Zukunft von Print. Folgen Sie Thomas Koch auf Twitter: @ufomedia.

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Preisverdächtig ICE Europe in München: Zehntes Jubiläum mit einigen Neuerungen.

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aum eine Fachmesse ohne Awards. Nun vergibt also auch die ICE Europe, die große Messe für Veredelungstechnologien und Verarbeitung, erstmals einen Preis – und zwar zum zehnten Jubiläum der recht erfolgreichen Branchenmesse. Die „ICE Europe Jubiläums-Awards“ werden gleich am ersten Messetag in den Kategorien Industrie 4.0, saubere Technologien, Converting-Lösungen sowie innovative Partnerschaften verliehen. Ermittelt werden die Gewinner durch ein entsprechendes Online-Voting auf der Messe-Website. Nachdem die letzte Ausgabe der Messe im Jahr 2015 mehr als 7.000 Fachbesucher zählen konnte, wird die Messeleitung in diesem Jahr diese Zahl auch durch längere Öffnungszeiten noch zu übertreffen versuchen. An den ersten beiden Messetagen wird die ICE Europe jeweils eine Stunde länger geöffnet sein. Insgesamt werden bei der Messe rund 400 Aussteller erwartet. ICE Europe, München 21. bis 23. März 2017 www.ice-x.com

Bnw: beigestellt

Zum zehnten Mal findet in München die ICE Europe statt. Das Jubiläum nützen die Veranstalter für einige Neuerungen.

Wirkmächtig

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ie nachhaltige Verpackungen mittlerweile in vielen Branchen eingesetzt werden, wie sie produziert werden und wie grüne Verpackungen Träger einer Markenidentität sein können, versuchen internationale Experten auf der Konferenz Solpack 2.0 in München zu klären. Mit dabei: Manager internationaler Lebensmittelkonzerne, Gründer von Verpackungs-Start-ups und Druckereimanager. Solpack 2.0, München 8. bis 9. März 2017 www.solpack.de

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Schaffensriese Bei der Vergabe von Designpreisen, internationalen zumal, tut sich Österreich ja nicht unbedingt hervor. Mit einer Ausnahme: den Joseph Binder Awards. Unter den hunderten Einsendungen aus 27 Ländern konnten sich diesmal sechs Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum besonders sehen lassen. Von Muhamed Beganovic

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in internationales Teilnehmerfeld, keine Abzocke der Teilnehmer durch hohe finanzielle Hürden bei der Einreichung, eine ernstzunehmende Jury und eine für österreichische Verhältnisse beachtliche

mediale Sichtbarkeit bilden für die Joseph Binder Awards ein Setting, das diesen Designpreis gerade in Österreich außergewöhnlich erscheinen lässt. Auch im Jahr 2016 hat der Preis deshalb wieder einen neuen

Teilnehmerrekord geschafft. Designer aus 27 Ländern reichten insgesamt 720 Arbeiten in den 15 Kategorien ein. Sechs Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum erhielten GoldAwards. ∑∑∑∑

Neues Periodensystem

Raster mit Funktion What IF? Was wenn? Eine simple Frage. Und ein Wortspiel. Denn IF ist nicht nur ein englisches Wort. Es sind auch die Initialen der Letterpress-Druckerei Infinitive Factory in Graz. Rund um die Initialen baute das steirische Designstudio Bruch ein Markenbild auf, das in sich wiederum das Letterpress-Verfahren visualisiert. „Allen voran galt es auch den Anspruch und die vielfältigen Produktionsmöglichkeiten der Infinitive Factory dem Endkunden näherzubringen. Die Auswahl-

möglichkeiten an Papieren, Farben, Folien und Veredelungen sind unzählig, das wollten wir in unserer Gestaltung aufgreifen“, sagt Josef Heigl, Mitgründer des Designstudios Bruch. Die Lösung ist ein Raster, resultierend aus den beiden Initialen IF, der sich flexibel an Formate anpassen lässt, ähnlich dem Einrichten der Druckklischees. Innerhalb davon gibt es dann die Freiheit einer facettenreichen Befüllung, egal ob mit Text, Grafiken oder Illustrationen. Also doch nicht so simpel.

Die Chemie stimmt: ein neues Periodensystem von Designer Konstantin Eremenko.

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Bnw: designaustria

Bnw

: designaustria

Letterpress-Marke: Unendliche Möglichkeiten mit dem neuen Markenbild für Infinitive Factory.

Kaum mehr als eine unerfreuliche Erinnerung an die Schule ist das Periodensystem für viele Menschen. Damit diese Chemie wieder stimmt, hat die Baseler Schule für Gestaltung „Rediscovering“ erfunden, ein Buch, das die Elemente des Periodensystems behandelt. Der Schweizer Grafikdesigner Konstantin Eremenko hatte die Idee, das Periodensystem gleichsam neu zu strukturieren. Jede Elementgruppe, also Halbmetalle, Actinoide oder Edelgase, hat eine eigene Farbe und ein Symbol. Das hat die Jurymitglieder überzeugt: Gold in der Kategorie Editionsdesign Buch.


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Missionarischer Eifer liegt Boris Bromberg fern. „Das Schöne an dem Buch ist, dass es keine Botschaften oder Moralisches enthält. Mir würde auch nichts Schlaues einfallen, das ich anderen Menschen mit auf den Weg geben wollen würde“, sagt der Illustrator des nun preisgekrönten Buches „Die Finger an den Füßen“. Das Kinderbuch hat Bromberg unter zwei Pseudonymen illustriert: Als Yeye Weller zeichnet er fast schon minimalistisch, doch als Lumen von Borsody werden die Illus verspielt. „Als Autor hat mich das klassische Kinderbuch mit seinen einsamen Rittern und fliegenden Schweinchen nie wirklich interessiert. Dieses Buch ist eine Hommage an die Belanglosigkeiten“, so der Illustrator. Sechs Monate verbrachte er mit der Illustrationsarbeit. „Gradmesser einer guten Illustration ist die Ausgewogenheit“, sagt er dazu. Die Jury belohnte die moralische Indifferenz mit Gold in der Kategorie Buchillustration.

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Bilder des Belanglosen

Bildungsfern und das mit Absicht: „Die Finger an den Füßen“, gestaltet von Boris Bromberg.

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Bulgakows Bilderkosmos

Collagen, Ornamente und erzählerisch: die Illustrationen von Christian Gralingen.

Alles fing damit an, dass Christian Gralingen im Radio einen Bericht über die neu übersetzten frühen Werke des russischen Autors Michail Afanassjewitsch Bulgakow hörte. So wurde Gralingen auf das Buch „Das hündische Herz“ aufmerksam. „Der Inhalt erschien mir herrlich böse und erfrischend modern“, so Gralingen. Einige Wochen spägter erhielt er – zufällig – den Auftrag, das Buch zu illustrieren. Die Arbeit begann er klassisch: in der Bibliothek. „Obwohl mir die russische Avantgarde der frühen 20er Jahre durchaus bekannt war, begriff ich durch die Recherche

erst wieder, mit welchen massiven technischen Neuerungen, gesellschaftlichen Umwälzungen und neuen Ausdrucksmitteln in der Kunst sich die damalige Gesellschaft konfrontiert sah“, so Gralingen. Die Herausforderung war dann, einen Bilderkosmos zu erschaffen, in dem sich sowohl der groteske Stil Bulgakows als auch der Geist einer sich rasant verändernden russischen Gesellschaft widerspiegelt. „Im besten Fall sollte die Illustration ein eigenständiges Element der Geschichte sein, nicht nur bloßes Anhängsel. Sie muss dem Betrachter Türen zu neuen, unbekannten Ebenen des Textes eröffnen“, erklärt Gralingen seine Definition einer guten Illustration. Die Jury lobte seine detaillierten, durch starke Ornamentik geprägten, mit technischen Konstruktionszeichnungen verfeinerten Collagen und krönte seine Illustrationen mit Gold in der Kategorie Buchillustration.

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Wie visualisiert man Streit auf einem Print-Sujet? Mit dieser Frage wurden Karoline Mühlburger und Silvia Keckeis vom Gestaltungsbüro Kaleido konfrontiert. Die „Montforter Zwischentöne“, ein Vorarlberger Kulturfestival, widmete sich dem Thema „Streiten zum Glück Konflikt“ und suchte ein Konzept zur visuellen Kommunikation. Mühlburger und Keckeis entdeckten, dass Konflikte wohl am eindrücklichsten mit starken Farben und Formen dargestellt werden könnten. Die zwei abstrakt dargestellten, voneinander abgewandten Gesichter, die man auf dem Sujet sieht, waren recht schnell fertig. Doch damit war die Sache nicht erledigt. „Es war uns auch wichtig, einen Bezug zur Veranstaltungsreihe herzustellen“, so Mühlburger. Konflikt erzeugt Resonanz, meint sie. Es lag also auf der Hand, irgendwo einen Resonanzkörper einzubauen. Eine ähnlich metaphorische Funktion beanspruchen auch die Montforter Zwischentöne für sich. Zwischen den zwei Gesichtern ist deshalb ein Cello zu sehen. Fünf, vielleicht sechs Illustrationen fertigten sie, bis sie zufrieden waren. Aber die Kreativität und die Geduld lohnten sich. „Uns hat die typografische, illustratorische Umsetzung des Sujets und deren Anwendung für die verschiedenen Applikationen überzeugt“, sagt Jurychef Gion Fry. „Auch die Wahl der Farben im Zusammenspiel mit der Typografie war einzigartig und zeugten von qualitativ hochwertigem technischem und handwerklichem Können“, legt er nach. Deshalb gab es Gold in der Kategorie Kommunikationsdesign.

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Konflikte schauen

Sucht Streit: Kommunikationsdesign für die "Montforter Zwischentöne".

Windischs Handicap Eine Trendsportart ist es ja nicht unbedingt, mit der sich die junge Designerin Lena Windisch für ihr Projekt beschäftigt hat: „123“ ist ein Typografie-Projekt, das die Bahnen einer Minigolfbahn als Font anlegt. „Ich mag den oft eigenwilligen Charme, den Minigolfbahnen in ihrem gewohnten Terrain versprühen. Das Projekt 123 ist im wahrsten Sinne des Wortes eine sehr spielerische Annäherung an die Gestaltung von

lesbaren Schriftzeichen.", sagt Windisch gegenüber 4c. „Mein Ziel war es, die Normvorstellungen bei der Schriftgestaltung zu überwinden und spannende dreidimensionale Objekte zu erzeugen“, sagt Windisch – und stieß bei ihrer Abreit auch glatt auf ein Handicap: „Eine Herausforderung war, die Bahnen so zu gestalten, dass theoretisch die Möglichkeit besteht, mit einem Zug in das Zielloch zu gelangen. Das hat sich natürlich auch auf das Aussehen der Minigolfbahnen ausgewirkt“. Man erahnt es: Windisch hat nicht nur Ahnung von Typografie, sondern auch vom Golfen. Für beides zusammen erhielt die Studentin der Kunsthochschule Halle den erstmals bei den Binder Awards vergebenen ico-D Excellence Award.

Ins Schwarze getroffen: das Typoprojekt „123“ von Lena Windisch.

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Demokratische Fassade Das österreichische Parlament zieht vorübergehend um. Designer werden die neuen Gebäude, in denen die Parlamentarier arbeiten, mit Großformatdrucken umhüllen. Von Ann Kimminich und Martin Schwarz

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ehr als ein Provisorium, errichtet für gerade einmal drei Jahre, ist es nicht. Aber aussehen wie ein Provisorium darf es trotzdem keinesfalls. Denn die Pavillons, die auf dem Wiener Heldenplatz und in der Wiener Hofburg entstehen und im Sommer bezogen werden sollen, beherbergen dann das Zentrum des österreichischen Parlamentarismus. Während das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße saniert wird, soll also hier das Herz der österreichischen Demokratie schlagen: Parlamentsdirektion, Säle für Ausschuss-Sitzungen und Parlamentarierbüros werden in den drei – und vierstöckigen Pavillons mit ihrer Grundfläche von jeweils 30 mal 40 Metern untergebracht. Still und stark

„Einen Schönheitspreis“, so meinte die österreichische Nationalratspräsidentin Doris Bures, werde man „vielleicht nicht gewinnen“ für die Pavillons. Der Vorarlberger Designer Sigi Ramoser würde da vielleicht widersprechen wollen. Er ist mit seinem Designbüro „Sägenvier“ zuständig für die äußerliche Gestaltung des Pavillons. Ein Parlamentsgebäude zu gestalten, auch wenn es nur ein Provisorium ist, verkürzt die Palette an gestalterischen Mitteln:: „Was wir überhaupt nicht wollten, war, mit Zeichnungen, Illustrationen oder Fotos zu arbeiten. Das hätte nach Werbung ausgesehen. Darum haben wir uns für eine ruhige Farbfläche mit ganz stiller Typografie entschieden“, sagt Ramoser. Banale Idee Die Pavillons werden nach den Entwürfen Ramosers mit Megaprints überklebt. Drei Meter breite, dunkle Kunststoffgewebe, bei denen die Schrift ausgespart ist, werden rund um die Gebäude gespannt. Gedruckt werden die Folien von Lintmann Beschriftungen, einem Tochterunternehmen des Bauunternehmens Strabag, das auch die Pavillons errichtet.

Gedruckte Demokratie: So werden die Pavillons nach der Verhüllung aussehen.

Was nun auf den Großformatdrucken stehen wird, ist möglicherweise auch der einzige inhaltlich passende Zugang zu der Aufgabe: Es sind Texte aus der österreichischen Verfassung. „Die Idee ist banal: Wir schreiben jene Rechte auf die Fassade, für die wir alle in der Demokratie leben und die wir immer wieder gemeinsam erkämpfen.“ Die Parlamentarier und Mitarbeiter werden also in einem Raum arbeiten, der von den Texten der Verfassung begrenzt ist. Eine schöne Symbolik in einer liberalen Demokratie. Jedes Jahr ausgetauscht

beschäftigt. Insgesamt sind rund 300 Arbeitsstunden in das Projekt investiert worden. Es werden bald weitere Arbeitsstunden investiert werden, denn die Fassade wird sich in den drei Jahren verändern. Da die Kunststoffbahnen schmutzig werden, sollen sie jedes Jahr ausgetauscht und mit weiteren Auszügen aus der Verfassung ergänzt werden. Insgesamt, so schätzt Ramoser, werden rund 50 kurze Sätze aus der Verfassung Platz finden. „Die genauen Inhalte werden noch in Zusammenarbeit mit der Parlamentsdirektion abgestimmt“, sagt Ramoser.

Sprachenvielfalt Bei „Sägenvier“ haben drei Designer an dem Entwurf gearbeitet, eine Soziologin und ein Kulturhis- Die Kunststoffbahnen werden horizontal auf die toriker sich mit der Auswahl der passenden Texte Pavillons gespannt, so können die Texte vom Betrachter auch erlaufen werden. Und sie werden weithin sichtbar sein: die Schrift, gewählt wurde der eigentlich in Büchern beliebte AntiquaFont „Antwerp“, wird rund 50 Zentimeter hoch sein. Während die Texte aus der Verfassung auf Deutsch gedruckt werden, sollen sie von einzelnen Wörtern wie etwa „Bildung“ oder „Schutz“, gedruckt in unterschiedlichen Sprachen, unterbrochen werden. Die finale Farbgebung steht noch nicht ganz fest, wahrscheinlich aber wird der Hintergrund Aubergine sein. „Wir haben uns für eine dunkle Farbe entschieden. Dadurch wird das Ganze Designer Sigi Ramoser:„Die Idee ist banal: Wir kleiner und eleganter. Es war uns ein großes schreiben jene Rechte auf die Fassade, für die Anliegen, dass das Design Getragenheit und Ruhe wir alle in der Demokratie leben und die wir ausstrahlt.“ Das passt gut zur parlamentarischen immer wieder gemeinsam erkämpfen.“ Demokratie. ∑∑∑∑

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Babylonische Bibliotheken  Die Adobe-Creative-Cloud-Bibliotheken sind das eigentliche Zentrum der CloudEntwicklung. Gewissen Vorteilen zum Trotz: Einige der Arbeitsprozesse, die Adobe den Anwendern damit aufzwingt, sind unnötig kompliziert. Von Andreas Burkard

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or gut drei Jahren wurde mit der Creative über die Adobe-ID sich selbst und optional Cloud als alleiniges Mietmodell die anderen Beteiligten in diversen DesktopEntscheidungsfreiheit ausgehebelt. Viele Applikationen sowie einigen Mobile Apps zur unzufriedene Anwender vermissen eine AlterVerfügung gestellt. native zum jetzigen Mietmodell und befürchten Was bringt diese Reise eines Farbfeldes rund eine schleichende Überführung in die Adobe um den Globus für einen Nutzen? Über ASE Cloud. Sie wollen nicht mit der aufgezwungekönnen Farbfelder problemlos exportiert wernen Arbeitsweise eines aus dem Silicon Valley den. Ein lokales Speichern ergäbe Unabhängigstammenden Unternehmens die vielfältigen all- keit und Copy-and-Paste ist doch viel einfacher. täglichen Herausforderungen im Grafikdesign Alte und neue Bibliotheken meistern. Nach und nach zeigt sich, wie riskant ein Monopol für die gesamte Branche sein kann. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die Tage der lokalen Bibliotheken in InDesign bereits Ohne eine gesamtheitliche Alternative führt gezählt. Diesen Eindruck erweckt zumindest die das jetzige Modell jedoch zu raffiniert orchestrierter Abhängigkeit in die eigennützige Adobe Meldung, die nun beim Erstellen einer lokalen Cloud. Die Creative-Cloud-Bibliotheken sind das Bibliothek aus dem Menü „Datei“ erscheint. Es eigentliche Zentrum dieser Entwicklung. wird unmissverständlich auf die CC-Bibliothek verwiesen. Bei den „alten“ Bibliotheken handelt Globetrotter Farbfeld es sich letztlich um eine auf das Filesystem Wer beispielsweise in der aktuellen Illustratorgespeicherte .indl-Datei, eine InDesign-Library. Version ein Farbfeld in der neuen Bibliothek In vielen Verlags- und Medienhäusern bilden speichert, übermittelt das Objekt erst mal an diese den Grundbaustein, um mit vorhandenen eine ferne Serverlandschaft. Danach wird es Artikelgeometrien die Seiten für Magazine,

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Zeitungen und Broschüren zu erstellen. Die neuen Bibliotheken sind übergreifend, das heißt, diese können gemeinsam genutzt werden. Die Brücke bildet die Adobe Cloud. In einigen CC-Programmen werden diese CC Libraries genannt, in anderen schlicht und einfach Bibliotheken. Diverse CC-Programme und Apps können die CC-Bibliotheken nutzen, beispielsweise InDesign, Illustrator, Photoshop, Dreamweaver, After Effects, Premiere und Mobile Apps wie Draw, Comp, Color, Capture und andere. Jedes der CC-Programme kann in den Optionen eine neue Bibliothek erstellen oder bestehende nutzen. Bezüglich der Anzahl der Bibliotheksnamen gibt es keine Einschränkung. Eine einzige CCBibliothek kann angeblich bis zu 1000 Elemente enthalten. Beim Anlegen von CC-Bibliotheken sind unterteilte Rubriken hilfreich. So können die verwalteten Elemente den Projekten zugeordnet werden. Elemente kann man danach einfach in die CC-Bibliothek ziehen. Voreingestellte Optionen bei den Farbfeldern und Forma-

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Formate können vor oder nach der Erstellung den CC Libraries hinzugefügt werden.

Der tief verborgene lokale Ableger verwaltet die Synchronisationselemente .

ten fügen diese selbstständig in die ausgewählte Rubrik der CC-Bibliotheken ein. Die Elemente in der Bibliothek werden eigenständig sortiert und in den unterteilten Bereichen wie Farben, Formate, Ebenenstile oder Grafiken aufgeführt. Wird die standardmäßige Symbolansicht in eine Listenansicht umgeschaltet, zeigt eine Grafik hilfreiche Informationen über das Bildformat und die Herkunft. Das ist gut, denn Überraschungen lassen nicht lange auf sich warten. Fest verknüpft Gerne verschweigt der Hersteller die Tatsache, dass die Inhalte untereinander nur eingeschränkt oder gar nicht editierbar sind. Wird beispielsweise ein Textrahmen in InDesign in die CC-Bibliotheken gelegt, so zeigen auch die Bibliotheken in Illustrator diesen Rahmen. Nach dem Einfügen handelt es sich jedoch letztlich um Bildmaterial im PDF-Format in Form einer Cloud-Verknüpfung. Man kann auch nicht über diese Cloud-Verknüpfung in InDesign eine

So sieht die Gliederung unterschiedlicher Inhalte in den CC Libraries aus.

Aktualisierung am Originalrahmen vornehmen, um diesen dann im Illustrator-Dokument aktualisiert vorzufinden. Zieht man eine Form in InDesign in die CC-Bibliothek, so wird diese Form in Illustrator CC ebenfalls als Bildobjekt platziert. Man kann die Vektoren der Form nicht editieren, so wie dies der Weg über die Zwischenablage könnte. Dieses Gebaren ist auch in umgekehrter Richtung gleich. Die Absatz- und Zeichenformate kann man zwar zwischen InDesign und Illustrator über die CC-Bibliotheken austauschen. Doch da InDesign-Formate weit tiefere Einstellungen als Formate in Illustrator besitzen, bleiben nicht alle Einstellungen editierbar. So macht diese Möglichkeit in der Praxis nur eingeschränkt Sinn. In Photoshop ist dieser Austausch noch unnötiger. Dass die Bibliotheken in Photoshop auch Ebenenstile aufnehmen, ist positiv. Doch diese stehen nur in Photoshop zur Verwendung, obwohl die anderen Programme mit den Effek-

Die informative Listenansicht zeigt unter anderem die Bild- und Dateiformate an.

ten oder Füllmethoden ähnliche Funktionen aufweisen. Eine Auflistung solcher Eigenschaften, die den Ursprung in den technischen Unterschieden der Programme haben, ließe sich noch weiter fortsetzen. Fakt ist: Man kann die Bibliothekselemente nur in der jeweiligen Applikation editierbar verwenden. Einbetten In InDesign kann man auf der gleichen Station die platzierten Bilder über die CC Libraries in anderen InDesign-Dokumenten verwenden. Dabei verweist der Pfad zur Originalbilddatei auf der lokalen Dateiverwaltung. Möchte man ortsunabhängig in InDesign dasselbe Bild aus den CC Libraries verwenden, so erscheint ein grauer Rahmen als Symbol einer fehlenden Verknüpfung. Um das zu vermeiden, muss man das Bild zuerst einbetten und dann in die Libraries ziehen. Dadurch stehen diese Bilder in Originalgröße auch anderen Beteiligten mit einem CC-Abo zur Verwendung. Alternativ kann man

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in Photoshop mit dem „Verschieben“-Werkzeug ein Bild in die Bibliotheken ziehen und dieses dann in Originalgröße in anderen Applikationen über die Bibliotheken verwenden. Eine solche Cloudverknüpfung zeigt jeweils ein kleines Cloudsymbol direkt auf dem Rahmen. Nicht so lokal Bei den CC-Inhalten vermittelt Adobe in einigen Aussagen den Eindruck, die Elemente der CC-Bibliotheken würden ganz normal lokal gespeichert und bloß mit der Cloud synchronisiert. Dies muss relativiert werden. Elemente werden nicht einfach lokal auf dem Gerät gespeichert, sondern auf dem Mac durch zahlreiche Library-Unterordner verfrachtet. Für Normalanwender sind das Bereiche, von denen man besser die Finger lässt. Selbst Apple gibt sich alle Mühe, diesen Ordner zu verbergen. Über den Finder gelangt man im Menü „Gehe zu“ mit zusätzlich gedrückter Alt-Taste zur Benutzer-Library. Durchwühlt man dort diverse Unterordner, findet man tatsächlich die Cloud-Elemente. Diese weisen selbständig erstellte lange Referenznamen auf und wurden in verschiedenste Formate konvertiert. Darunter befinden sich InDesign-Snippets, PNG- und PDF-Dateien. Dies sind alles Formate, die die Synchronisation zur Cloud für sich beansprucht. Wird in der CC-Bibliothek ein Element gelöscht, verschwindet der Eintrag auch im entsprechenden Components-Ordner der Benutzer-Library. Von „fassbarer“ lokaler Speicherung kann also keine Rede sein.

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werden können. Dabei wird eine E-Mail mit der URL an den Empfänger gesendet, über die er auf die freigegebene Datei oder den freigegebenen Ordner zugreifen kann. Wenn der Benutzer auf die URL klickt, wird die freigegebene Datei oder der freigegebene Ordner in einem Webbrowser geöffnet. Empfänger müssen bei öffentlich freigegebenen Dateien und Ordnern nicht zwingend Creative-Cloud-Abonnenten sein, um auf öffentlich freigegebene Dateien und Ordner zugreifen und diese anzeigen zu können. Eine weitere Methode ist das Freigeben der Creative-Cloud-Dateien, Bibliotheken, Ordner und Elemente durch Slack. Slack ist ein neues Cloud-basiertes Kommunikationstool für Teams, das Funktionen wie Nachrichtenaustausch in Echtzeit, Archivierung und Suche bereitstellt. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob solche Prozesse die Kreativen tatsächlich akzeptieren. Für die meisten sind die vielen Einstellungen wohl eher abschreckend. Heute so und morgen dann wieder anders, das missfällt vielen. Längst nicht alle Anwender benötigen diese neue glorifizierte Arbeitsweise. Aus ihrer Sicht reicht die verantwortungsvolle lokale Dateiverwaltung. Viele Verlage und Agenturen sind heute mit existentiellen Problemen konfrontiert und sehen keinen Sinn, in eine noch größere Abhängigkeit von Adobe durch dessen Cloud zu rutschen. Lokal oder global

Man muss schon nach den Vorteilen der CC Libraries suchen. Klar, es gibt sie, diese Vorteile. Die Creative-Cloud-Assets Die Bedingung ist jedoch festes Vertrauen an stets schnurrende Server und Systeme, GleichAuf einer möglichen zweiten Creative-Cloudgültigkeit gegenüber Auswertung und möglicher Installation innerhalb seines Mietabos stehen Schnüffelei sowie die Bereitschaft zu noch mehr die CC-Bibliotheken den CC-Programmen Abhängigkeit. Und gelegentlich strapazieren die automatisch zur Verfügung. Mit dem Befehl Bibliotheken auch die Geduld. „Zusammenarbeiten“ aus den Optionen der Ein positiver Aspekt kann der Austausch von Bibliotheken kann man diese anderen BeteiligInhalten innerhalb von eingespielten Teams sein. ten zur Verfügung stellen. Dieser Befehl führt Vor allem eine Projektarbeit an verschiedenen via Browser zu den Creative-Cloud-Assets, der Standorten kann für die Beteiligten ein Pluspunkt eigentlichen Verwaltungszentrale der Adobe sein. Cloud. Um die Zusammenarbeit in den CCSinnvoll ist auch das Ablegen von EbenenProgrammen übergreifend zu gestalten, muss stilen aus Photoshop. Man kann so passende die Einladung an andere per E-Mail erfolgen. Ebenenstile anlegen und alle Anwender können Man kann die CC-Bibliotheken über eine Freigabe den Beteiligten zur gemeinsamen Nut- diese einheitlich nutzen. Der Austausch könnte jedoch auf Einstellungsebenen erweitert werden. zung zur Verfügung stellen. Dateien, Ordner, Bibliotheken, Bibliothekselemente, mobile Kre- Wer den Cloud-Dienst Adobe Stock nutzt, hat die Inhalte jederzeit übersichtlich in der ationen: das alles sind Elementtypen, die über Links in den Creative-Cloud-Assets freigegeben CC-Bibliothek.

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Der größte Minuspunkt ist die Abhängigkeit von den Systemen. Man denke dabei an die Verlagswelt mit der Produktion von Magazinen, Zeitschriften und Zeitungen. Als die CC-Bibliotheken eingeführt wurden, musste man ab und zu stundenlang warten, bis die Elemente zur Verfügung standen. Adobe hat in der Zwischenzeit die Zuverlässigkeit dieser Systeme verbessert. Doch nach wie vor können irritierende Verzögerungen durch den Informationsfluss zu fernen Serverfarmen auftreten. Die CC-Bibliotheken sind auch heute noch sporadisch eine Behinderung im Arbeitsfluss. Innerhalb eines Abos stehen in der Regel 20 Gigabyte Cloudspeicher zur Verfügung. Adobe bietet bei Bedarf mehr Speicherplatz an. Die CC-Bibliotheken sind somit eine ausbaubare Einnahmequelle. Erzwungener Erfolg? Adobe hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder die Neigung, stark in die Prozesse der Anwender einzugreifen. Das Ziel war immer die enge Bindung, obwohl dies selbstverständlich nicht so direkt kommuniziert wird. So war das auch beim Adobe Licence Manager aus Acrobat 8. Nach kurzer Zeit musste diese browserbasierende Methode der Seriennummerverwaltung für große Unternehmen wegen mangelnder Akzeptanz wieder aufgegeben werden. Auch Version Cue aus den frühen Zeiten der Creative Suite ist so ein Beispiel. Hier lag Adobe komplett falsch in der Annahme, die Kreativen würden die Versionierung ihrer Dateien innerhalb einer schwer durchschaubaren Adobe-Methode machen. Das Dashboard aus der DPS (Digital Publishing Suite) war eine Lösung, um hochgeladene Seiten aus InDesign für App-Magazine zu verwalten. Diese Methode war alles andere als kreativ. Bei den Creative-Cloud-Bibliotheken wird jetzt durch das Zwangsabo gewißermassen ein Erfolg erzwungen. Innerhalb dieses Zwangsabos kann der Hersteller nach eigenem Gutdünken Services erweitern oder auch einstellen. Dass dies kommen wird, ist die logische Folge der von Adobe definierten Cloud-first-Strategie. Um ihre Ziele zu erreichen, denken diese Strategen in definierten Zeitabständen. Die Anwender werden so nach und nach in die Cloud eingebunden. Die CC-Bibliotheken sind der verführerische Vorbote der kompletten Einbindung in die Adobe Cloud. ∑∑∑∑

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Der Schriften-Spion Schöne Schrift entdeckt. Keine Ahnung, wie sie heißt. Genau dieses Problem soll Spector lösen. Das kleine Gerät identifiziert in wenigen Sekunden Fonts und Farben in Druckprodukten.

Bnw: Fiona O’Leary

Von Muhamed Beganovic

Erkennt Schriften, erkennt Farben: der Spector.

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uf die kommenden Monate wird es ankommen. Dann nämlich möchte sich Fiona O’Leary mit ihrem neuen Projekt auf Kickstarter jene Finanzierung sichern, die es ihr ermöglicht, ein Gerät zu produzieren, das vielleicht schon bald zu einem der beliebtesten Gadgets von Designern wird. Spector heißt der kleine, orangefarbene Designspion, mit dem Kreative künftig nicht mehr rätseln müssen, welche Schrift sie da gerade vor Augen haben oder welche Farbe. Schriftenverzeichnis „Die Software von Spector funktioniert wie ein InDesign-Plug-In. Eine Kamera im Gerät fotografiert das Sample, ein Algorithmus vergleicht es mit der Datenbank, erkennt den Font oder die Farbe und sendet die Informationen ans Programm“, so O’Leary. Die Font-Datenbank erweitert O’Leary indes stets weiter. Außerdem arbeitet sie daran, dass Nutzer eine globale Datenbank mit ihren persönlichen Fonts einspeisen können, wodurch

das Gerät zu einem Wikipedia der Schriften werden sollte. „Als Designer sammelt man immer Samples, die einem gefallen. Wieso soll man sie also nicht anwenden können“, sagt O’Leary. Nur bis Schriftgröße 48 Freilich hat das Gerät den nachvollziehbaren Nachteil, dass die Schrift so gerade wie möglich fotografiert werden muss, um eine Wiedererkennbarkeit zu gewährleisten. Ein schräg gescannter Font wird nur schwer, ein kopfüber fotografierter gar nicht erkannt. Und eine Eingrenzung gibt es ebenso: Spector erkennt Typografie nur bis zur Schriftgröße 48. „Das Gerät ist eher dafür gedacht, Fonts aus Büchern, Zeitschriften oder Auslagen zu erkennen und nicht Billboards oder riesige Poster“, so O’Leary. Für den Designer-Alltag allerdings noch hilfreicher könnte eine andere Funktion des Spector sein, die auch Motivation für O’Leary war, solch ein Gerät überhaupt zu entwickeln: dass gedruckte Schrift zuweilen in Print doch anders aussieht als

noch am Bildschirm während des Designprozesses. Mit dem Spector soll es solche unliebsamen Überraschungen nicht mehr geben. Aber jetzt muss Erfinderin Fiona O`Leary Geld sammeln. Für die Serienproduktion des Spector. Knapp 70 Euro soll das Gerät kosten, wenn es auf den Markt kommt. ∑∑∑∑

π Bewegtbild Scannen Sie diesen QR-Code und sehen Sie, wie Spector arbeitet.

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Der Sprachenjongleur Die Freeware Language Switcher setzt die Menüsprache von Apps fest

B

eim Mac wird grundsätzlich über die Systemeinstellungen festgelegt, in welchen Sprachen Programme gestartet werden. Will man allerdings nur eine App in einer anderen Sprache benutzen, muss man jedes Mal aufs Neue mühsam die Systemsprache umstellen. Das ist besonders lästig, wenn man etwa eine App oder eine Webseite in verschiedenen Sprachen testen muss oder die deutsche Übersetzung eines Programms schlicht nichts taugt und man auf die englische Fassung zurückgreifen will. Die Freeware „Language Switcher“ der kleinen englischen Softwarefirma TJ-HD schafft

πLanguage Switcher 1.1.7 System: ab OS X 10.5 Preis: freie Spende Web: tj-hd.co.uk

Abhilfe. Die Bedienung ist denkbar einfach: Nach dem Start listet das Tool zunächst alle Programme im App-Ordner auf. Ist das Gesuchte nicht dabei, lässt es sich per Drag-and-Drop oder einen Menübefehl hinzufügen. Hat man eine App ausgewählt, werden zunächst alle ihre verfügbaren Sprachen im Pop-upMenü angezeigt. Jetzt wählt man einfach eine aus und drückt den Launch-Button, fertig. Das Programm wird dann sofort in der gewählten Sprache gestartet. Über eine Zusatzoption im Sprachmenü lässt sich die App-Sprache auch dauerhaft festlegen. ∑∑∑∑

Sprachenentwirrung: Mit dem Language Switcher lässt sich jede App-Sprache einzeln ändern.

Tipps für Klicks Tipp 1: V  erknüpfte InDesign-Inhalte

Tipp 2: Vorschau-Lupe

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ill man dieselben Text- oder Bildinhalte öfter verwenden, zum Beispiel auf mehreren Seiten, klickt man ein Objekt an und wählt dann „Platzieren und verknüpfen“ aus dem Bearbeiten-Menü. Über die Palette „Verknüpfungen“ kann die Verlinkung eingestellt und aktualisiert werden. ∑∑∑∑

Lupentrick: Kurz auf die Kleiner-Taste (<) drücken und es wird vergrößert, Plus und Minus zoomen ein und aus.

A Verknüpft: Ändert sich das Original, können mit einem Klick alle verknüpften Instanzen angeglichen werden.

pples System-Tool Vorschau eignet sich zum Betrachten von PDFs und einer Reihe von Bildformaten. Mit dem Menübefehl „Lupe einblenden“ im Werkzeuge-Menü kann man schnell einen Ausschnitt vergrößern. Als Kurzbefehl ist die Kleiner-Taste neben dem Y voreingestellt. ∑∑∑∑

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Unbezähmbare Farbe Weiß zu drucken ist immer noch eine Herausforderung für den Digitaldruck. Selbst so ausgereifte Systeme wie Flüssigtoner-Maschinen kommen mit der besonderen Farbe schlecht zurecht. Drucker müssen da auch schon mal improvisieren, um eine deckend-weiße Schicht auf das Papier zu bringen. Von Anja Schlimbach

D

ie Ingenieure des Digitaldruck-HerstelGeschäftsführer der Kommunikationsagentur lers Canon würden sich vielleicht ein Magentur in Berlin. wenig wundern, was bei der Frankfurter „Wir merken, dass die Nachfrage nach der Druckerei Colour Connection mit dem GroßDruckfarbe Weiß immer mehr zunimmt“, formatdrucker Arizona produziert wird. Nicht bestätigt denn auch Druckereichef Ralph Hadem, unbedingt nur Großformatiges nämlich. Sonrückt aber auch gleich die Perspektive zurecht: dern auch spezielle Visitenkarten, Broschüren „Wir sind aber auch spezialisiert auf besondere oder andere Drucksorten, die sonst mit anderen Druckfarben und Materialien. Das ergänzt sich Maschinen hergestellt werden. Warum Colour natürlich“. Connection die Arizona für solche Aufträge Ein Anfang nutzt, erklärt Geschäftsführer Ralph Hadem mit einem besonderen technologischen Vorteil der Der Weißdruck ist erst einmal keine besondere Maschine: „Dieses System konnte von Anfang Herausforderung für eine Druckerei, sondern an ein sehr hochwertiges, deckendes und vor eher für die Hersteller von Digitaldruckmaschiallen Dingen erhabenes Weiß drucken. Allernen: „Das Problem des Weißdrucks ist, dass die dings ist die Arizona im Vergleich recht langsam digitalen Drucksysteme sehr unterschiedliche und die Kosten in höheren Auflagen deshalb Qualitäten liefern. Es gibt sehr kleine Systeme, teilweise so hoch, dass sich der ein oder andere die naturgemäß schnell an ihre Grenzen stoßen, Kunde die nette Idee zweimal überlegt hat.“ wenn es um Grammaturen und Oberflächen geht. Es gibt ausgewachsene Systeme, mit Für Fashion denen man sehr viele Materialien verwenden Noch immer ist der Weißdruck ein Meisterstück kann“, erläutert Ralph Hadem. „Relativ neu ist des grafischen Gewerbes; eines, das sich nicht in ein kleines System von Oki, das gemessen an die Routinen der Massenproduktion einzwänseiner wirklich überschaubaren Investition ein gen lässt, aber ein Wirkungskatalysator für recht überzeugendes Weiß liefert. Die Grenzen Druckprodukte ist. Denn Weiß ist im Gegensatz liegen hier in der Grammatur, den Oberfächen zu Cyan, Magenta oder Schwarz deckend und und der Passgenauigkeit“, sagt Hadem. Mit zwei nicht lasierend, weshalb eben auch dunklere Weißdruck-Geräten, dem Pro 7411WT für das A4Materialien bedruckt werden können. Weiß Format und dem Pro 9420WT für das A3-Format, auf dunklem Hintergrund ist wie eine visuelle möchte der Officedrucker-Hersteller Oki auch Adelung, bei exklusiveren Druckprodukten also Nischenlösungen für Agenturen oder Digitaldrusehr beliebt: „Wir haben zur Berlin Fashion ckereien anbieten. Week oder auch zur Berlinale Einladungen in Im Grunde beschränkt sich der Weißdruck Weißdruck realisiert“, erzählt etwa Gerd Dopslaf, auf zwei Verfahren. Das ist zum einen der

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UV-Inkjet, der ein wirklich deckendes Weiß liefert. Der Nachteil ist, dass die entsprechenden Plattendrucksysteme naturgemäß sehr langsam sind. Bläulich Zum anderen bieten tonerbasierte Systeme die Möglichkeit, Weiß in preisgünstigen Auflagen zu drucken. „Wenn man damit aber einen schwarzen Karton beispielsweise in einer Fläche von 5 x 5 cm bedrucken möchte, sieht diese Fläche leider nicht strahlend weiß, sondern eher silbrig, bläulich aus. Wird nur eine Schrift oder eine dünne Linie gedruckt, ist das Weiß wieder sehr überzeugend, weil die Fläche nicht zu groß ist“, erklärt Ralph Hadem. „Wir rüsten gerade unsere Kodak Nexpress mit Weiß aus. Das wird vermutlich von der Qualität her die meisten Möglichkeiten bieten, weil die Maschine an sich sehr leistungsfähig ist.“ Und dann gibt es natürlich noch die HP Indigo. Hier ist die Deckung allerdings nicht so überzeugend. Es muss mehrfach übereinander gedruckt werden, um an ein gutes Ergebnis zu kommen. UV-Inkjet oder Toner unterscheiden sich preislich allerdings enorm. „Wir verkaufen beides für die unterschiedlichsten Anwendungen. Braucht jemand ein wirkliches Weiß mit vielen Flächen, vielleicht auch mit Reliefeffekt, dann gibt es eigentlich nach wie vor nur die Möglichkeit über den Inkjet. Aber das wird sehr schnell so teuer, dass ein Printprodukt dann doch vielleicht besser im klassischen Siebdruck

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Weißdruck: fällt auf, wirkt elegant und ist auch nicht einfach zu produzieren.

Expertenwissen Weißdruck bleibt aber bei Kreativen und Printbuyern erklärungsbedürftig. „Wenn wir unseren Kunden einfach nur einen Flyer in die Hand drücken, bei dem Weiß verdruckt wurde, dann muss schon ein Experte auf der anderen Seite stehen, der die Effekte des Weißdrucks kennt und dessen Wirksamkeit für die Kommunikation gerne nutzen möchte. In der Regel sieht der Ansprechpartner aber nur, dass hier etwas Besonderes vorliegt“, erzählt Michael Grunewald, Chef der Kasseler Digitaldruckerei Grunewald. „Wir haben deshalb zum Beispiel den Begleitbrief zu unserem Kundenmagazin, das immerhin an 2.500 Empfänger geschickt wird, im Frühjahr komplett in Rot gehalten und weiße Texte darauf geschrieben. Da kamen schon einige sehr positive Rückmeldungen.“ Wer weiß Papier ist ein essentieller Bestandteil der Wirksamkeit des Weißdrucks. Grundsätzlich lässt sich alles mit Weiß bedrucken, das auch in CMYK möglich ist. „Trotzdem mussten wir natürlich erst einmal unsere Erfahrungen sammeln. So muss man beispielsweise ausprobieren, wie oft man das Weiß auf einem bestimmten Material drucken sollte, damit es auch weiß aussieht“, erzählt Michael Grunewald. „Unsere Kunden suchen oft die sehr haptischen Papiere, die auch begreifbar sind. Da passt der

Weißdruck sehr gut“, ergänzt Agenturchef Gerd Dopslaf. „Dabei profitieren wir von einer sehr guten Zusammenarbeit sowohl mit Fedrigoni als auch mit Metapaper, von denen wir die MohawkPapiere beziehen.“ Der Weißdruck ist aber gerade bei den immer beliebteren Naturpapieren nicht ganz unproblematisch. Selbst bei UV-InkjetMaschinen steht Weiß auf offenem Material nicht so gut wie auf glatten, gestrichenen Papieren. „Naturpapier plus wirklich hochdeckendes Weiß lässt sich nicht so einfach realisieren“, weiß Ralph Hadem.

ein Material ausgesucht, das einen sehr schönen Perlmuttschimmer aufweist. Das Auto bekommt dadurch einen sehr edlen Metallicton, während der Hintergrund auf Weiß überdruckt wird und deshalb auch im Hintergrund bleibt. So wird das Auto zum Schimmern gebracht – ganz ohne Lack“, erzählt Michael Grunewald. ∑∑∑∑

Im Hintergrund Aber es gibt natürlich viele andere tolle Materialien, die sich sehr gut und sehr deckend bedrucken lassen. „Die eingefärbten Papiere eignen sich natürlich für Weißdruck prinzipiell wunderbar, unabhängig davon, ob man sie nur mit Weiß oder in den anderen Prozessfarben bedrucken möchte. Verschiedene Folien bieten gute Möglichkeiten. Hier war früher immer noch der Siebdruck nötig. Jetzt kann das im Digitaldruck, in kleinen Auflagen und wenn es sein muss sogar personalisiert erledigt werden. Schließlich werden auch Metallic-Papiere gerne genutzt“, erläutert Gerd Dopslaf. Ein Beispiel für die Einsatzvielfalt von besonderen Papieren bietet etwa die Autoindustrie mit ihrer speziellen Herausforderung, den Lack der Autos möglichst realitätsnah schimmern zu lassen. „Wir haben zum Beispiel für verschiedene Autohäuser Prospekte zur Vorstellung von neuen Modellen im Weißdruck umgesetzt. Wir haben

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oder im UV-Offset produziert werden sollte“, fügt Ralph Hadem an.

„Braucht jemand ein wirkliches Weiß mit vielen Flächen, vielleicht auch mit Reliefeffekt, dann gibt es eigentlich nach wie vor nur die Möglichkeit über den Inkjet.“ Ralph Hadem, Colour Connection

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Keine Experimente Mit ihrem jährlichen Award für den besten Naturpapierdrucker versucht die Papierfabrik Gmund die hartnäckigen Zweifel an der Bedruckbarkeit von Naturpapieren zu zerstreuen. Die Gewinner des diesjährigen Awards zeigen dabei ganz deutlich: Naturpapier mag zwar teurer sein als andere Papiersorten und braucht mehr Hingabe beim Druckprozess. Aber es verbindet Optik und Haptik auch stärker als jedes andere Papier.

Bnw: beigestellt

Von Anja Schlimbach

Veredelt, geprägt und auf Naturpapier: die „Agenda 2017“ der Südtiroler Druckerei Athesia.

I

m Entscheidungsraster von Print-Designern Und Naturpapiere sind genau die richtigen Gmund. Vor wenigen Wochen hat Gmund findet sich die Auswahl des Papiers leider Materialien, um das wieder bewusster werden wieder die Naturpapierdrucker des Jahres oft in der Peripherie. Ja, über die Typografie zu lassen. ausgezeichnet, ein Marketing-Event, zweifelwird lange nachgegrübelt, über Spalten und los, aber auch ein ganz stimmiges Instrument, Skepsis verringern Satzspiegel ebenso und natürlich auch über um die Skepsis mancher Auftraggeber und die Bildsprache und die Illustrationen. Die „Jede Druckerei zeichnet aus, dass sie eben mancher Drucker gegenüber der Verwendung Auswahl des Papiers orientiert sich dann oft nach ihren Möglichkeiten versucht, für ihre von Naturpapier zu verringern. an diesen Entscheidungen, zuweilen auch nur Auftraggeber etwas Außergewöhnliches zu Naturpapier mit Lack an den Kosten, und manchmal ist sie einfach schaffen. Die Naturpapierdruckerei zeichnet zufällig. Papier aber ist bei einem Printproaus, dass sie das Material in diese Überlegung In der Kategorie „Corporate Communications“ dukt ein ebenso form- und identitätsstiftender mit einbezieht“, sagt Axel Schreiner, Vertriebs- etwa hat Athesia Druck aus Bozen mit dem Faktor wie das, was darauf gedruckt wird. leiter des bayerischen Naturpapierherstellers Buch „Südtirol Agenda 2017“ gewonnen. Es

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π Das sind die Naturpapierdrucker des Jahres

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312 Einreichungen waren es in diesem Jahr, durch die sich die sieben Jurymitglieder arbeiten mussten. Aus den 101 Nominierungen wählte die Jury dann die Gewinner in den fünf Kategorien aus.

„Die neuen UV-Druckmaschinen kommen dem Naturpapierdrucker natürlich sehr zugute.“ Axel Schreiner, Verkaufsleiter Gmund

zeigt eindrucksvoll, dass Naturpapier auch passendes Trägermaterial für Projekte sein kann, die auch noch veredelt werden. Bei der „Agenda“ nämlich ist das Zusammenspiel von haptisch wirkungsvollem Naturpapier, UV-Lack und Duftlack harmonisch umgesetzt. „Mit Naturpapier ergeben sich einfach viele grafische Möglichkeiten, auch in der Kombination mit Stanzungen oder Prägungen. Zudem erscheinen die Bilder warum und weich und erzeigen ein Wohlgefühl“, sagt Athesia-Vertriebsleiter Harald Ambach. Die Schwärmerei von Harald Ambach ist keineswegs typisch für Druckereimanager. Naturpapier gilt nach wie vor als schwieriges Material. Für Drucker liegt die Herausforderung in der Oberfläche der Papiere – und da ist eine Entscheidung schwer: „Es gibt so viele. Da muss man Erfahrungen sammeln. Wenn wir ein neues Papier verwenden, wird intern über den Ablauf des gesamten Prozesses noch einmal diskutiert“, sagt Harald Ambach. Rasterweiten wählen Auch den Druckdaten muss sich die Vorstufe eigens widmen. Die Bilder müssen für den Druck richtig aufbereitet werden, die richtige Rasterweite und Druckkurve beim Belichten der Druckplatten gewählt werden. Auch die Prüfdrucke müssen auf Naturpapier gemacht sein. „Naturpapier verzeiht keine Fehler. Es ist sensibler“, erläutert Harald Ambach.

Die Auswahl der Farben ist bei Naturpapieren indes etwas eingeschränkt. „Es ist wichtig, dass oxidativ trocknende Farben verwendet werden, um bei der Weiterverarbeitung keine Probleme zu bekommen“, so Gmund-Manager Schreiner. „Wer glaubt, sich hier experimentell beweisen zu können, indem er andere Farben einsetzt, der wird wahrscheinlich Probleme bekommen“, warnt er. Später trocken Die Trocknungszeit ist ein weiteres, oft verwendetes Argument gegen den Einsatz von Naturpapieren. Denn Naturpapiere benötigen wegen des Einsatzes von rein oxidativ trocknenden Farben länger Zeit für die Trocknung, sofern man keine UV-härtenden Druckfarben einsetzt. „Die neuen UV-Druckmaschinen kommen dem Naturpapierdrucker da natürlich sehr zugute“, kommentiert Axel Schreiner. Wenn alle Prozessschritte greifen, gibt es aber in der Regel keine Schwierigkeiten. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv damit, wie wir Drucker an unser Produkt und unsere Papiere noch mehr binden können", erzählt Axel Schreiner. „Wir wollen an diese Zielgruppe so herangehen, dass sie versteht, warum es sinnvoll sein kann, mit Naturpapieren zu arbeiten. Das war auch die Idee für den Award.“ ∑∑∑∑

In der Kategorie Corporate Communication ging der 1. Preis an die Athesia Druck aus Bozen. Sie lieferte eine sehr aufwendig produzierte Agenda 2017 mit Hardcover, Fadenheftung und unterschiedlichen Drucktechniken wie Duftlack oder UV-Lack und mit vielen brillant gedruckten Abbildungen und Grafiken auf verschiedenen Gmund-Colors-Papieren und -Oberflächen. Den 1. Platz in der Kategorie Corporate Design belegte die Druckerei Niedermann aus St. Gallen. Sie produzierte eine Broschüre für ein Immobilienprojekt im Digitaldruck mit Stanzung, gedruckt auf Gmund Colors Matt 99 und Metallic 37. Außergewöhnliche Kreativität und die hochwertige Umsetzung mit mehrfacher Kaschierung, Stanzung und Blindprägung im Digitaldruck waren die ausschlaggebenden Gründe bei der Beurteilung der Geschenkkarte der Oryx Media aus Waakirchen in der Nähe von Gmund. Sie gewann den 1. Platz der Kategorie Private Communication mit einer tollen Karte aus Gmund Colors Matt 90, 62, 91, 50 und 01 mit einem aufgeklebten echten Mini-Goldbarren. Die Kategorie Verpackungslösungen entschied Eberl Print aus Immenstadt mit einer Verpackung für zwei Mini-MoëtChandon-Flaschen mit Gläsern für sich. Produziert wurde im UV-Digitaldruck mit Heißfolienprägung auf Gmund Colors Matt. Ein Stück Papier war der Konzeptträger des Gewinners der Kategorie Kunst. Die Buchbinderei Christian Fuchs lieferte ein paar besondere Blätter im Solvent-Offsetdruckverfahren und Digitaldruck, die fliegende Gmund-Blätter in verschiedenen Landschaften zeigen.

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Überaschende Wendung Beidseitig drucken und das ohne Wendung: Komori bleibt mit der Präsentation einer weiteren Maschine bei seiner recht eigenwilligen Technologie für den Schön – und Widerdruck. Was das Fehlen der Bogenwendung bringt. Und für welche Druckereien die Maschine bestimmt nicht geeignet ist.

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Von Anja Schlimbach

E

igensinnig ist schon, was Komori da mit der Erweiterung seiner Lithrone-G-Serie dem Markt anbietet. Nach der Präsentation des Flaggschiffs GX40RP auf der Drupa legt der japanische Druckmaschinenhersteller nun mit einer weiteren Maschine, der GX44RP, nach. Auch sie druckt bis zu 15.000 Bogen pro Stunde beidseitig, ohne eine klassische Bogenwendung zu benötigen. Auf bis zu 13 Druckwerken kann die neue Komori-Maschine beidseitig in der so genannten Reverstechnologie drucken, mit bis zu acht Druckwerken für den Schöndruck und bis zu fünf Druckwerken für den Widerdruck. „Die Maschine“, sagt Tobias Schurr, beim Komori-Händler Wesseler für den Vertrieb der neuen Systeme zuständig, „kann ganz flexibel ausgestattet werden. Die Widerdruckwerke können in der Anzahl unabhängig von den Schöndruckwerken konfiguriert werden“. Neben den klassischen Akidenzvarianten 4/4- oder 5/5-farbig können

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etwa im Verpackungsdruck für die Rück- oder Innenseite nur zwei oder drei Druckwerke verwendet werden und auf der anderen Seite auch so viele Druck- und Lackwerke wie benötigt. Stabiler Bogenlauf Der Verzicht auf die in Europa eigentlich gut eingeführte Bogenwendung soll erst einmal die Wartungsintervalle dehnen. Die sensible und gleichzeitig stark belastete Bogenwendung ist eher anfällig für Serviceunterbrechungen. Darüber hinaus soll die Konstruktion der Komori-Maschinen mit vier doppelgroßen Transferzylindern einen stabilen Bogenlauf ermöglichen, was gerade im Verpackungsmarkt mit seinen schweren Substraten relevant ist. Sanfter Griff Aber es gibt bessere Argumente für die Maschine. Da es am Bogenende keinen

Greiferrand braucht, druckt die Maschine beidseitig in nur einem Greiferschluss, also mit nur einer Greiferkante. Das spart zumindest etwas Papier: Bei einer maximalen Papiergröße von 84 x 115 Zentimetern bei der GX44RP sind 82 x 114 Zentimeter bedruckbar. „Das bedeutet schoon eine Papiereinsparung von einem bis fünf Prozent. Kommt dann noch H-UV oder H-UV-L, also LED-UV dazu, können wir zusätzlich den Bogen mitten im Drucksujet bremsen statt an mittig und außen freigestellten Bremswegen. Dadurch wächst das Einsparpotential auf sechs bis acht Prozent vom jeweiligen Substrat an“, rechnet Tobias Schurr vor. „Jeder Druckunternehmer kann sich leicht anhand seiner Jahrestonnage ausrechnen, wie viel er auf diese Weise im Einkauf durch kleinere Substratformate einsparen kann. Die Papierersparnis ist einer der wichtigsten Vorteile auf der kaufmännischen Seite.“ Weniger klar messbar ist der Nutzen, der durch das

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Auftragsabhängig Das Format von 84 x 115 Zentimeter passt natürlich nicht für jeden. „Für Bücher, Bedienungsanleitungen, Packungsbeilagen oder Verpackungen ist das sicherlich ein interessantes Format. Für den klassischen Akzidenzdrucker, der häufig A4-formatige

Die neue GX44RP von Komori: Ohne Bogenwendung.

Endprodukte wie Broschüren und Magazine produziert, hat das keine großen Vorteile", bekennt Tobias Schurr. Der richtige Jobmix ist bei der KomoriTechnologie mutmaßlich durchschlagender als bei den Fabrikaten anderer, europäischer Hersteller mit ihrer üblichen Bogenwendung: Passt die Auftragsstruktur nicht zur Maschinenkonfiguration, wird das Manko der Technologie sehr schnell sichtbar. Mit einer 4/4-Maschine ist es natürlich nur möglich, maximal 4/0-farbig zu drucken. Für einen 6/0-farbigen Auftrag wäre dann doch eine umstellbare Wendung nötig, sonst müsste der Auftrag zweimal durch die Maschine. Der Zeitaufwand würde die Job-Kalkulation dann zu Ungunsten des Druckers verändern. ∑∑∑∑

©: AUDI AG (oben), Holst Centre (unten links), Bosch Rexroth AG (unten rechts)

einfachere Handling der Druckdaten in der Vorstufe entstehen mag. „Es gibt nur ein Ausschießschema pro Jobanforderung. In der Vorstufe muss sich also niemand Gedanken darüber machen, wie die Daten aufgebaut werden. Das allein ist schon ein großer Vorteil – auch für die Produktionsplanung“, sagt Tobias Schurr. Außerdem können die Platten kurzfristig zwischen einer RP-Maschine und einer Geradeausmaschine ausgetauscht werden. Das ist mit einer Wendemaschine nicht möglich, da die Platten für die hinteren Werke noch einmal neu belichtet werden müssen.

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Easy Metal Ein israelisches Start-up hat ein Verfahren entwickelt, bei dem mit gewöhnlichen Inkjet-Köpfen Metallobjekte gedruckt werden können. Einer der Investoren macht gerade in der Druckbranche Schlagzeilen. Von Ingo Woelk

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al sehen, wer schneller ist. Nicht weit vom Firmensitz des NanografieEntrepreneurs Benny im israelischen Rehovot verspricht derzeit auch ein zweites Unternehmen, schon in den nächsten Monaten die ersten Beta-Kunden in Deutschland und den USA mit neuen Druckern beliefern zu können. Und auch hier geht es um Nanotechnologie. „Nanopartikel-Jetting“ heißt das Verfahren, mit dem das Start-up XJet in Rehovot den 3D-Druck von metallenen Objekten vereinfachen soll. Dabei strömen Metall-Droplets durch 12.000 Inkjetköpfe, werden selektiv positioniert, danach erhitzt und somit gehärtet. Das neue Verfahren, so das Versprechen von XJet, soll sich als Alternative zu XJet-Drucker: Metall wird durch Industriedruckern durchsetzen. Denn im Gegensatz zu Druckern, die das Selective-Laser-Melting- 12.000 Inkjet-Köpfe geschossen. Verfahren anwenden, soll hier der Aufwand mit der Nachbearbeitung entfallen. nager Dror Danai. Geschwindigkeitsvorteile geFest verbunden genüber anderen 3D-Druckern, die ihre SchichIm Betrieb lädt der Maschinenbediener versieten mit Laser oder einem Elektronenstrahl gelte Patronen voller Droplets in die Maschine. schreiben, sind produktionsabhängig. „Wenn Die Droplets bestehen aus Metallteilchen, die Sie einen einzelnen kleinen Ring auf dem Fach von einer öligen Flüssigkeit ummantelt sind. drucken, hat XJet keinen Vorteil gegenüber Während des Druckvorgangs verdunstet dann dem herkömmlichen Vektorsystem“ sagt Danai diese ölige Hülle bei Temperaturen von bis zu ganz offen. Bei großflächigerem Druck sieht 300 Grad Celsius, sobald sie andere Bauteile das anders aus, denn „hier wird XJet mit seiner berührt. Die übrig bleibenden Metallpartikel Scan-Technologie viel schneller sein“, so Danai. werden durch diese Behandlung fest miteinander Künftig sollen auch verschiedene Metalle ververbunden und erlauben so auch den Bau von arbeitet werden können. Aktuell konzentriert sehr feinen, eigentlich fragilen Metallstrukturen. sich XJet aber auf die Entwicklung der Droplets Am Schluss wird das 3D-Objekt einfach in einem für den Edelstahl 316L. Ofen gesintert. Keine Massenware Nicht unbedingt schneller Bei allem Enthusiasmus gibt sich Danai Datentechnisch stellt XJet keine speziellen realistisch: „Wir versuchen nicht Prozesse Anforderungen. „Bei der Herstellung muss zu ersetzen, die auf die Produktion von einer jedes STL- und Industriestandardformat für das Million einfacher Komponenten ausgerichtet XJet-System geeignet sein“, erklärt XJet-Masind. Aber wenn die Geometrie komplex und

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die Menge vernünftig ist, ist unsere Technologie eine völlig neue Lösung.“ Die Nachbarschaft zu Benny Landas Entwicklungszentrum ist alles andere als ein Zufall. „Wir sind nicht nur Nachbarn, sondern arbeiten auch eng zusammen. Landa Ventures ist einer der ersten Investoren von XJet“, berichtet Danai. Ob nun also die XJet-Maschinen früher an Betakunden ausgeliefert werden oder die Nanografie-Druckmaschinen: Benny Landa wird es freuen. ∑∑∑∑

Gedrucktes Objekt: Hohe Haltbarkeit.

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„An die Neuerungen gewöhnen“ Lange hat Bernd Neumaier, Geschäftsführer der Druckerei Klingenberg Berlin, überlegt, ob er für seine Plakatproduktion eine Digitaldruckmaschine anschafft oder sich doch wieder für den Offsetdruck entscheidet. Nun produziert bei Klingenberg in Berlin eine Manroland R905 Plakate, Displays und Verpackungen. 4c erzählte Bernd Neumaier, warum er diesmal noch dem Offsetdruck den Vorzug gegeben hat. Aufgezeichnet von Anja Schlimbach

„N

achdem unsere bisherige Maschine zehn Jahre alt geworden war, kam es bei einer durchschnittlichen Losgröße von deutlich unter 1.000 Bogen bei mehr als 10.000 Aufträgen pro Jahr trotz umfangreicher Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen zu ersten verschleißbedingten Einflüssen auf das Druckergebnis. Der zweite Aspekt, der für eine Neuinvestition sprach, ist die Tatsache, dass viele unserer Kunden High-End-Druckprodukte mit wachsenden Anforderungen möchten und wir deshalb auch im Großformat regelmäßig im FM-Raster drucken. Das funktioniert wirtschaftlich nur mit modernster Maschinentechnik im Offsetdruck. Der dritte Aspekt sind technologische Verbesserungen zum bisherigen Stand der Technik, wie ein vollautomatisches Plattenwechselsystem, der in dieser Formatklasse einzigartige simultane Plattenwechsel bei gleichzeitigem Druckzylinder- und Gummituchwaschen, eine Inline-Farbmess- und Regelanlage sowie ein zusätzliches Dispersionslackwerk. Schließlich kommt dann noch hinzu, dass wir unsere Schwesterfirma Boxximo.de, ein Start-up für Verpackungen in kleinen und kleinsten Auflagen ab Losgröße eins, drucktechnisch unterstützen müssen. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir uns im Vorfeld sehr

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intensiv mit den Alternativen – vor allem im Digitaldruck – auseinandergesetzt. Selbstverständlich setzen wir diese Technologien für Kleinstauflagen derzeit trotzdem ein, allerdings eher tonerbasiert und selektiv für den kleinauflagigen Verpackungsdruck. Tintenkosten Wenn man insgesamt, einschließlich flankierender Investitionen, fünf Millionen Euro ausgibt und dabei bewusst keinerlei staatliche Förderungen in Anspruch nimmt, überlegt man sich schon sehr genau, ob der digitale Weg nicht der bessere ist. Zum Beispiel hat HP mit Scitex eine sehr wettbewerbsfähige Technologie, mit der Plakate digital gedruckt werden können. Die Betonung liegt auf ‚können‘, weil die Tintenkosten bereits ab einer sehr niedrigen Losgröße gravierend zu Buche schlagen. Wir haben auch Versuche mit der Rotajet von KBA unternommen, weil wir wissen wollten, ob die Rollendruck-InkjetTechnologie schon so weit ist. Diese Technologie ist bahnbrechend und disruptiv. Mit der Rotajet kann man in einer zum Offsetdruck vergleichbaren Fortdruckgeschwindigkeit im Grunde rüstzeitfrei Plakate drucken; auch hier setzt aber das Thema Tintenkosten und die plakatspezifische Druckweiterverarbeitung

derzeit noch die Grenze. Es ist aber zu erwarten, dass sich das in größeren Zeiträumen gedacht ändern wird. Eingeschränkte Wahl So haben wir nach einem aufwändigen Verifizierungsprozess die Frage digital versus Offset relativ klar beantwortet. Qualitativ und produktivitätsseitig ist der Digitaldruck eine echte Alternative, aber ab einer bestimmten Losgröße erschlagen einen entweder die Kosten der Maschine oder die Kosten der Farbe. Beim nächsten Investitionszyklus wird das aber wahrscheinlich komplett anders aussehen und die derzeitigen Marktentwicklungen im B1-Format widerspiegeln. Die Wahl im OffsetGroßformat ist naturgemäß sehr eingeschränkt. Wir haben uns in letzter Konsequenz für die Manroland 905 entschieden. Wir haben eine zweite Maschine im Format 7b, die praktisch baugleich ist. Zum anderen – und das ist der Hauptaspekt – hat die Manroland-Maschine bestimmte Ausstattungsfeatures, die aus unserer Sicht einzigartig sind. Mit der Entkopplung des entsprechenden Getriebestranges können Platten eingezogen und parallel dazu Gummituch- und Druckzylinder gewaschen werden. Bei der Konkurrenzmaschine, der KBA Rapida, ist dieser Prozess sequentiell statt parallel

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Die neue Manroland 905 R bei Klingenberg: 10.000 Rüstvorgänge pro Jahr.

gestaltet. Dank dieser Einrichtung lassen sich zwei bis drei Minuten pro Rüstung einsparen. Das ist bei den über 10.000 Rüstungen im Jahr ein signifikanter Faktor. Auch für schwierige Motive Die Anlieferung erfolgte dann im Oktober 2016. Bereits seit Anfang Dezember produzieren wir nun reguläre Aufträge. Ich kann jetzt schon sagen, dass die Produktivität immens steigt und der Output unsere Erwartungen deutlich übertrifft. Auf der Qualitätsseite haben wir bei kritischsten Motiven, zum Beispiel im FMRaster und sehr schwierigen, aus identischen Flächenanteilen des Rasters zusammengesetzten Grautönen, ein fantastisches Druckergebnis erzielt. Insofern ist das Ziel der Investition eigentlich jetzt schon in Reichweite.

versierten Instruktor von Manroland begleitet. Auf jeden Fall hat sich die Investition bereits jetzt dahingehend gerechnet, dass wir zusätzliches Auftragspotenzial mit neuen Kunden in neuen Märkten einfahren. Insofern waren auch der Marketingprozess und die flankierende Vertriebsarbeit erfolgreich. Eine lange Phase der verfahrenstechnischen Bewertung, die Auswahl der geeigneten Technologien und Hersteller, die intensive Vermarktung und Kundenansprache sowie die höchst erfolgreiche Gründung eines Start-ups im Verpackungsbereich kulminieren nun in einem absoluten Erfolg für das Unternehmen, unser Team und unsere Kunden.“ ∑∑∑∑

Man gewöhnt sich Um das volle Potential auszuschöpfen, müssen sowohl der Hersteller als auch Klingenberg Berlin noch einige Aufgaben und Nacharbeiten absolvieren. Die Neuerungen der Maschine stellen auch den Bediener vor neue Herausforderungen. So müssen wir uns beispielsweise erst einmal an die Farbmess- und Regeleinrichtung gewöhnen. Glücklicherweise wird die erste Phase von einem sehr erfahrenen und

„Ab einer bestimmten Losgröße erschlagen einen entweder die Kosten der Maschine oder die Kosten der Farbe.“ Geschäftsführer Bernd Neumaier über den Digitaldruck

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Auf der Straße liegt das Geld Der Standort bestimmt die Nachricht. Eine deutsche Regionalzeitung plant, die Inhalte in seinen digitalen Ausgaben an das Bewegungsprofil der Leser anzupassen. Ein schöner Plan, der allerdings auch sehr intelligente Algorithmen braucht. Von Ingo Woelk

K

ein Medium ist näher am Leser als die Regionalzeitung. Kein anderes Medium bezieht seine Relevanz so sehr aus dem Versprechen, exakt darüber zu berichten, was im unmittelbaren Umfeld seiner Leser geschieht. Die Printausgabe der „Schwäbischen Zeitung“ erscheint derzeit in 22 Lokalausgaben, die rund 15.000 Digitalabonnenten des Blattes werden vielleicht bald unendlich viele Lokalausgaben auf ihren Smartphones oder Tablets entdecken. Der Plan: Der Nachrichtenfluss der digitalen „Schwäbischen Zeitung“ soll sich am Bewegungsprofil des jeweiligen Nutzers orientieren. Das soll den Abonnenten, die für die digitalen Ausgaben zwischen 6,99 und 22,99 Euro im Monat bezahlen, Mehrwert bringen.

Am Google-Füllhorn Möglich wird diese Geolokalisierung, weil das jemand am Amphitheatre Parkway 1600 in Mountain View, Kalifornien, rund 9.500 Kilometer vom Verbreitungsgebiet der „Schwäbischen Zeitung“, für förderungswürdig hält. Einen Teil der rund 24 Millionen Euro, die Google in Europa für insgesamt 124 innovative digitale Medienprojekte ausschüttet, wird nämlich die „Schwäbische Zeitung“ nutzen

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können, um ein Projekt zu finanzieren, das die Digitalausgabe der Regionalzeitung völlig anders als heute aussehen lassen könnte. Lokalisierte Werbung Die Idee ist eigentlich simpel und orientiert sich an dem, was heute schon viele Dienstleister im Web von Uber bis Google tun: Inhalte auf den jeweiligen Standort des Nutzers abzustimmen. Also: Wer regelmäßig zum Fußballplatz in seinem Ort fährt, wird höchstwahrscheinlich an Nachrichten zum Thema Fußball interessiert sein. Wer regelmäßig zwischen Zuhause und Schule pendelt, hat wahrscheinlich mehr Interesse an Bildung oder Kindererziehung. Die zwangsläufig höhere Identifikation der Leser mit den Inhalten könnte für die Regionalzeitung auch ein gutes Geschäft sein – und das nicht nur wegen der vielleicht höheren Attraktivität des Abos: „Wenn ich mich in einer Region oft aufhalte, dann können mir Artikel aus genau dieser Region mit den entsprechenden Themen durchaus von großem Nutzen sein. Dazu gehört auch lokalisierte Werbung. Sehr wichtig ist mir da aber die saubere Abgrenzung von Werbung und Inhalt“, sagt Hans-Jörg Zürn, Verlagsleiter der Sindelfinger

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Bnw: beigestellt

„Eine Lokalzeitung wäre im Hinblick auf ihre Überlebensfähigkeit schlecht beraten, wenn sie diese Möglichkeiten nicht ausloten und gegebenenfalls auch nutzen würde.“ Uwe Heitmann, Zeitungsgruppe Ostfriesland

Kein Entkommen Sobald journalistische und Werbeinhalte auf Bewegungsprofile abgestimmt werden, übernehmen Algorithmen wohl teilweise eine der zentralen Aufgaben von Journalisten: Nachrichten zu kuratieren, für deren Auswahl zu sorgen. Hans-Jörg Zürn alarmiert diese Veränderung nicht: „Die Inhalte müssen schließlich erst einmal vorliegen und sie müssen von guter Qualität sein. Nur dann sind sie von Bedeutung und werden gelesen.“ Ob diese Personalisierung die Zahlungsbereitschaft der Leser erhöht, erscheint unsicher, denn Erfahrungswerte gibt es dafür nicht. In Frankreich bietet etwa die Regionalzeitung „La Nouvelle Republique“ zwar seit einigen Jahren in ihrer App die Lokalisierung von Nachrichten je nach Standort des Nutzers an. Doch die AppNutzung ist kostenlos. Für Uwe Heitmann, Redaktionsleiter der ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland, steht jedenfalls fest, dass sich gerade Lokalzeitungen der geobasierten Nachrichtenverbreitung nicht entziehen werden können: „Eine Lokalzeitung

wäre im Hinblick auf ihre Überlebensfähigkeit schlecht beraten, wenn sie diese Möglichkeiten nicht ausloten und gegebenenfalls auch nutzen würde. Das gilt auch für die Nutzung von Be-

wegungsprofilen, wenn sie sich im rechtlichen Rahmen bewegt." Und: „Algorithmen machen den Chefredakteur nicht überflüssig. Sie können ihn vielmehr dabei unterstützen, seine Leser noch direkter zu erreichen.” Heitmann erscheint es dabei unabdingbar, „dass auch der kleinste Lokalverlag möglichst bald die Digitalisierung nutzt“. Vorsicht vor der Facebook-Falle Bei der „Schwäbischen Zeitung“ werden gerade die Algorithmen dafür entwickelt, dass Bewegungsprofil und Nachrichtenfluss kanalisiert werden. Es müssen sehr intelligente Algorithmen sein, damit die Zeitung nicht in Gefahr gerät, in die Facebook-Falle zu tappen: dass User nur noch darüber informiert werden, was ihrem persönlichen Profil entspricht oder was in ihrer Umgebung geschieht, die digitale Zeitung also ihre Inhalte komplett auf die Gewohnheiten des Lesers verknappt. Denn dann würde aus dem ehemals breiten Nachrichtenangebot ein schmaler Silo. ∑∑∑∑

Bnw: Schwäbisch Media

Zeitung und Sprecher des deutschen Verbandes der Lokalzeitungen.

Schwäbische Zeitung: 22 Lokalausgaben gedruckt und vielleicht bald unendlich viele Lokalausgaben digital.

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Neu am Markt Tech in Use I

Nicht nur Zeitungen

Belgiens größte Zeitungsdruckerei kann mit den zwei neuen doppeltbreiten Rotationen KBA Cortina neben Zeitungen auch Semicommercials produzieren.

C

oldset Printing Partners (CPP) wurde 2010 von den beiden belgischen Medienhäusern Corelio und Concentra gegründet und ist seitdem die größte Zeitungsdruckerei Belgiens. Mit den beiden neuen Cortina-Sektionen will CPP die Qualität und das Angebot der Printprodukte steigern. Jede der beiden Anlagen kann Zeitungen mit bis zu 64 Seiten im Tabloid-Format drucken. Die variable Bahnbreite und ein im Coldset nur bei der wasserlosen Cortina einsetzbares Lackierwerk ermöglichen aber auch den Druck hochwertiger Semicommercials für branchenfremde

Zielgruppen. Weitere Lackierwerke und Heißlufttrockner können bei Bedarf auch nachgerüstet werden. Wenig Makulatur Das wasserlose Coldset-Verfahren der Cortina gewährleistet hervorragende Druckqualität bei Zeitungen, Zeitschriften und Sonderpublikationen – und das bei minimaler Makulatur. Der Verzicht auf Feuchtwerke schont die Umwelt, die kompakte Bauweise und die weitgehende Automatisierung der Maschine entlastet die Bediener. Die beiden Cortinas bestehen aus jeweils zwei Rollenwechslern, zwei Drucktürmen und

einem Falzapparat. Die umfangreiche Automatisierung mit automatischem Platten- und Umfangwechsel, CleanTronic-Waschanlagen, RollerTronic-Walzenschlössern sowie Farb- und Schnittregisterregelungen reduziert die Rüstzeiten und den Wartungsaufwand zusätzlich. www.coldsetprintingpartners.be

KBA Cortina: Zwei neue Maschinen für Belgiens größtes Zeitungsdruckhaus.

Tech in Use II

Upgrade für Farbdichtemessung Zwei Colorman-Maschinen der Saarbrücker Zeitung erhalten ein Upgrade mit IDCµ, der neuen Farbdichtemessung für den Zeitungsdruck.

I

DCµ regelt bei den beiden mittler- sition gemessene Wert wird jeweils Mikromarken mit einem bekannten weile zehn Jahre alten Colormanmit dem vorgegebenen Sollwert Aufbau. Es werden keine wechselnMaschinen der Saarbrücker Zeitung verglichen und bei Abweichungen den Bilder und Werte interpretiert vier Bahnen. Für jede der vier entsprechend korrigiert. „Damit wie beim Messen im Bild.“ Papierbahnen sind zwei Kameras erreicht IDCμeine erstklassige RegelTiefe Integration im Einsatz, um die Farbdichte und güte innerhalb enger Toleranzen“, die Feuchtmittelführung auf der erklärt Projektleiter Werner Nuber Damit sich die Effizienz von IDCµ Schön- und Widerdruckseite zu von Manroland Web Systems und gänzlich entfalten kann, ist die regeln. Die beweglichen Kameras begründet die hohe Messstabilität Farbdichtemessung voll in den führen zyklisch eine Dichtemesmit der einzigartigen Technologie. PECOM-X-Workflow integriert. sung mit gedruckten Mikromarken „Die IDC-Kameras messen über die Bei zu druckenden Neu- und durch. Der an jeder Farbzonenpoganze Breite der Bahn identische Wiederholaufträgen werden ohne

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zusätzlichen Bedienaufwand alle Voreinstellungen von IDCμbereits vom PECOM-X PressManager (PPM) vorgenommen. Anschließend können individuelle, vom Standard abweichende Solldichtevorgaben direkt vom stationären oder mobilen Leitstand (MobilPad) aus angepasst werden. Das Reporting-Modul PressQuality wertet die Farbdichtemessung aus. www.manroland-web.com

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Tech in Use III

Effektreich

Mit der HP Indigo 7900 eröffnet sich der Akzidenzdruckanbieter Frischmann Druck & Medien neue Möglichkeiten im Digitaldruck.

D

as bayerische Druckhaus Frischmann Druck & Medien bietet seinen Kunden eine fast lückenlose Palette an Produkten an: Veredelungen, Direct Mailings, Dialogmarketing, Werbetechnik und vieles mehr. Nun wird eine HP Indigo 7900 jenen Auftragssektor abdecken, der offsetähnliche Qualität benötigt, aber für den Offsetdruck selbst zu geringe Auflagen liefert. Sichere Haftung Zahlreiche Features der HP Indigo 7900 ermöglichen kreative Anwen-

dungen. So bietet die Digitaldruckmaschine mit sieben Druckfarben einen großen Farbraum. Dazu kommen verschiedene Sonderfarben, unter anderem Weiß. Dies eröffnet neue Möglichkeiten zum Bedrucken von farbigen und transparenten Materialien. Außerdem ermöglicht die Indigo-Technologie Spezialeffekte wie erhabenen Druck oder das Erzeugen von Struktureffekten. Eine Inline-Primer-Unit erweitert zudem die Auswahl an möglichen Bedruckstoffen deutlich. Die

Substrate können hierbei direkt in der Maschine mit einem zusätzlichen Haftvermittler vorbehandelt werden, wodurch die sichere Haftung der Farbe auf vielen Medien gewährleistet wird. Dabei können Materialien mit einer Grammatur

HP Indigo 7900: Sieben Farben für einen großen Farbraum.

von bis zu 400 g/m² bedruckt werden. www.frischmann-net.de

Tech in Use IV

Iberische Initiative

Der spanische Verpackungshersteller Hinojosa installiert die weltweit erste EFI Nozomi C18000, ein LED-härtendes Single-PassInkjetdrucksystem für Wellpappe.

D

er Verpackungsspezialist Hinojosa setzt als erstes Unternehmen das LED-härtende Single-Pass-Inkjetdrucksystem für Wellpappe, die EFI Nozomi C18000, ein. Die Installation umfasst ein digitales EFI Fiery Frontend (DFE) der jüngsten Generation für größere Stückzahlen, vielfältigere Varianten und Versionierung. Hinzu kommen MES-Lösungen

(Manufacturing Execution System) aus der EFI Corrugated Packaging Suite, die die Auftragsvorbereitung rationalisieren und automatisieren. Das erhöht insbesondere bei kleineren Auflagen die Wirtschaftlichkeit. Vielseitige Gestaltung Die Nozomi C18000 bietet einen beachtlichen Farbraum und

vielfältige Gestaltungsoptionen für Wellpappe, verbunden mit kurzen Produktionszeiten und niedrigen Produktionskosten. Bei einem Spitzendurchsatz von 75 laufenden Metern pro Minute kann sie bis zu 7.224 Quadratmeter pro Stunde verarbeiten. In Betracht kommen die unterschiedlichsten Deckpapiere, ob Kemi oder Model, ob gebleicht oder ungebleicht, ob

Die erste Maschine steht in Spanien: die Nozomi 18000 von EFI.

Kraft- oder Testliner. Auch dreiwellige Materialien und 14-PunktKartonagen können verarbeitet werden. www.efi.com

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Hält besser Der Rollendrucker Jeti Ceres RTR3200 LED verspricht rasche Druckergebnisse und beeindruckende Bildqualität auf einer Vielzahl flexibler Medien. Der Jeti Ceres von Agfa wurde für Druckanwendungen im mittleren bis High-End-Segment konzipiert und kann auf unterschiedlichen Medien in Einzel- und Doppelrollen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 186 m²/h drucken. Mit der hochmodernen UV-LEDAushärtung und den UV-LEDaushärtenden Tinten von Agfa Graphics kann der Jeti Ceres auf hitzeempfindlichen Medien wie selbstklebenden Bögen oder PVC drucken, ohne diese zu verformen oder zu zerknittern. Außerdem bietet er eine Primer-Option für besondere Haltbarkeit beim Druck auf ungewöhnlichen oder schwierigen rollenbasierten Medien. Die Maschine druckt in so einem Fall automatisch eine dünne Primerschicht, bevor die Tinte aufgetragen wird, und bereitet so eine ideale Oberflächenspannung für eine bessere Tintenaufnahme vor. www.agfagraphics.com

Mehr Kebab: Das Bedrucken von Objekten ist nun auch mit Druckern der MkII-Serie von Mimaki möglich.

Substraten haften und von der Kebab-Option profitieren, wird die Tinte LUS-120 unterstützt. Sie bietet sich zum Drucken auf weichen Oberflächen, wie Membranschalter oder Smartphone-Taschen und Hüllen, an, da sie um bis zu 170 Prozent dehnbar ist, ohne beim Drücken oder Umklappen des Bedruckstoffes zu reißen. Die Tinte LH-100 ist für starre Materialien wie zum Beispiel für Büroartikel oder weiteres Zubehör geeignet, die eine hohe Kratzfestigkeit aufweisen müssen. Seit dem Marktlaunch der KebabOption hat Mimaki alleine im deutschsprachigen Raum 73 solcher Aggregate verkauft. www.mimaki.de

Rundum bedruckt

Leuchtendes Beispiel

Mimakis Kebab-Option ermöglicht das Bedrucken runder Objekte, auch mit der neuen Druckerfamilie MkII. Mithilfe von Umlaufwalzen erlaubt die Kebab-Option den Druckern der Serie MkII von Mimaki, direkt auf einer Vielzahl von runden Objekten mit einem Durchmesser von zehn bis 110 Millimeter wie etwa Weinund Wasserflaschen, Verschlüssen, Kerzen und Kosmetikflaschen zu drucken. Die Druckgeschwindigkeit der neuen Modelle UJF-3042 MkII und UJF-6042 MkII liegt um zwanzig Prozent über der ihrer Vorgänger. Darüber hinaus sind sie in der Lage, unterschiedliche Tintenarten zu verarbeiten. Neben den dauerhaften Tinten, die gut auf Glas und anderen

Heidelberg bietet für das Digitaldrucksystem Versafire CV eine optionale neue Sonderfarbe Neon-Gelb an. Der neue Toner strahlt unter Einwirkung von UV-Licht und setzt so Druckanwendungen außergewöhnlich in Szene. Gleichzeitig lässt sich der Effekt auch als Sicherheitsmerkmal einsetzen, da sich der Toner praktisch nicht kopieren lässt. Besonders interessant ist dies beispielsweise für den Druck von Eintrittskarten oder Armbändern und weiteren Anwendungen im Eventbereich, die nur unter UV-Licht aufleuchten. Insgesamt können nun neben CYMK drei zusätzliche Toner verwendet werden: Weiß, Lack und Neon-Gelb. Im Zusammenspiel

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Digital

Produkte

die für den Kontakt mit Lebensmitteln bewertet sind. www.hubergroup.de

Erweiterte Farbbibliothek

Die cloudbasierte Lösung Pantone Live für die digitale Farbkommunikation wird um einige neue Farbbibliotheken für den Tiefdruck erweitert. Pantone Live umfasst sechs neue des von Heidelberg entwickelten Bibliotheken für den Tiefdruck, Prinect Digital Frontend mit den der für flexible Verpackungen und Farbtools der PDF-Toolbox kann Etikettenanwendungen hervorrader Bediener die Anwendungen schnell und sicher und ohne weitere gend geeignet ist. Zwei der neuen Bibliotheken sollen MarkenarVorkenntnisse realisieren. Kunden tiklern sowie Verpackungs- und benötigen lediglich den Toner und eine zusätzliche Entwicklereinheit. Etikettenherstellern bei der Farbabstimmung auf metallisierten www.heidelberg.com Substraten für flexible Verpackungen und Etiketten helfen. Insgesamt bietet Pantone Live 28 Bibliotheken mit Pantone-Volltonfarben und Die besonders schnell wegschlagende Farbtönen, die auf bestimmte Verpackungsdruckanwendungen und Farbserie MGA Natura der Hubergroup eignet sich für den hochvolumigen Druck -technologien abgestimmt sind. www.pantone.com von Lebensmittelverpackungen. Hohe Geschwindigkeiten im Großformat, kostengünstigere Bedruckstoffqualitäten und ein hohes Qualitäts- und Sicherheitsbewusstsein verlangen nach speziell Der Color Care Production Server von Konica Minolta stellt herstellerunabhängig abgestimmten Druckfarbensystemen. Der Druckfarbenhersteller auf sämtlichen Ausgabegeräten absolute Hubergroup ersetzt deshalb die be- Farbkonsistenz sicher. währte Farbserie Natura GA durch Der neue Server gleicht die Farbausgabe an und optimiert die Druckdie neue Serie MGA Natura. Diese daten für einzelne Drucker und zeichnet sich durch ein deutlich Papiertypen. Damit gewährleistet er verbessertes Maschinenverhalten aus und erfüllt alle Anforderungen eine möglichst originalgetreue und dem jeweiligen Druckstandard entder namhaften Lebensmittelhersteller. Die Druckfarbe ist speziell sprechende Farbwiedergabe. Zudem für die Herstellung von Lebensmit- bietet der Color Care Production telverpackungen mit sehr guten Server eine umfassende Kontrolle organoleptischen Eigenschaften der Finishing-Optionen auf Konicageeignet, besonders wenn es Minolta-Drucksystemen. Prozesse auf schnelle Weiterverarbeitung lassen sich problemlos automatisieren. Durch eine für alle Digitalankommt. Durch die Auswahl drucksysteme einheitliche grafische der Rezepturbestandteile und das Benutzeroberfläche verkürzt sich Produktionsverfahren ist gewährleistet, dass diese weiterentwickelte die Lernkurve für die HandhaFarbserie ausschließlich Stoffe bung der Geräte erheblich. enthält, die nicht migrieren oder www.konicaminolta.at ∑∑∑∑

Sichere Farbe

Steile Lernkurve

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JUBILÄUM: 10. VERANSTALTUNG!

Die Internationale Leitmesse für die Veredelung und Verarbeitung von Papier, Film & Folie 21. - 23. MÄRZ 2017 MESSE MÜNCHEN

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Die 3. Internationale Fachmesse für die Wellpappen- und Faltschachtelindustrie 21. - 23. MÄRZ 2017 Europas wichtigster Branchen-Marktplatz Papier, Karton und Pappe Verbrauchsmaterialien Wellpappenanlagen, Zubehör und Komponenten Converting-Ausrüstung für Wellpappe und Faltschachteln Design und CAD/CAM Druckverfahren und -ausrüstung Schneid-, Rill- und Stanztechnik Peripheriegeräte Materialhandling und Lagerhaltung Palettenumreifungs- und -transportsysteme MIS- und Produktionsplanungssysteme Abfallwirtschaft und Ballenpressen

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Die SOLPACK 2.0 – Konferenz für nachhaltige Verpackungen hat als Ziel, Hintergründe zu beleuchten und alternative Lösungsansätze aufzuzeigen, um Unternehmen Anregungen und Hilfestellung zu geben, wie sie ihre Verpackungskonzepte starten können. Als inhabergeführte Verpackungsdesign-Agentur mit internationalen Kunden weiß PACOON, dass das Thema Nachhaltigkeit von einem ‚Modewort’ zu einem unabdingbaren MUSS für die Unternehmensführung geworden ist. Unternehmen oder Marken müssen sich damit befassen, wollen Sie in der Zukunft Investoren, Kunden und die Öffentlichkeit von Ihren Produkten und Leistungen überzeugen. Im selben Zuge werden dadurch Wachstumsund Einsparpotenziale ersichtlich, die es zu heben gilt.

„ Am Ende profitieren alle davon, wenn sich neue, nachhaltigere Entwicklungen am Markt durchsetzen.“

PACOON möchte daher eine Brücke bauen, sich über Neuigkeiten zu informieren, an Beispielen Inspiration zu finden, Kontakte zu knüpfen für eigene Bestrebungen und Informationen zur eigenen Strategiefindung zu erlangen. Die Konferenz möchte den Teilnehmern einen Überblick über die aktuellsten Entwicklungen geben und fokussiert die folgenden Kernthemen: Recycling als sehr zentrales Thema der nächsten Jahre, um ein besseres Verständnis zwischen Industrie, Verpackungsherstellern und Recyclern herzustellen und gesellschaftliche und gesellschaftliche Aspekte zu berücksichtigen – auch durch gesetzliche Vorgaben. Kunststoffe mit ihren vielen Neuentwicklungen, die trotz ihres schlechten Rufs auf Verbraucherseite gleichzeitig ein hohes Optimierungsund Differenzierungs-Potenzial bieten. Und drittens noch Papier und Karton, die neben FSC- und PEFC-Siegel noch mehr spannende Nachhaltigkeits-Alternativen bieten, die bisher wenig wahrgenommen wurden. Die SOLPACK 2.0 will viele Lösungsansätze und Aspekte aufzeigen, die es bei der Entwicklung von Verpackungen zu beachten gilt, um individuell die besten Strategien zu erarbeiten. Denn am Ende profitieren alle davon, wenn sich neue, nachhaltigere Entwicklungen am Markt durchsetzen. Eine Hilfestellung getreu dem Motto, sich schrittweise einem Ziel zu nähern und nicht zu warten, bis die ‚perfekte’ Lösung feststeht.

INFOS & TICKETS

QR-Code einscannen oder auf solpack.de gehen

8. + 9.3 München 2017 Dr. Birgit Geueke, Food Packaging Forum

Nachhaltigkeit trifft Sicherheit Lebensmittelverpackungen und Anforderungen an die Sicherheit; Migration und Besonderheiten beim Recycling von Lebensmittelverpackungen.

Michael Hahl, Unilever

Nachhaltige Verpackung – ein Muss Herr Michael Hahl wird uns einen Einblick in die neuesten Entwicklungen und Bestrebungen bei Unilever verschaffen.

Fritz Lietsch, forum Nachhaltig Wirtschaften

Sponsoren

Cradle2Cradle & circular economy

+ + + es sind noch Sponsoren-Pakete verfügbar + + +

Veranstalter Ansprechpartner: Peter Désilets, Vorstand desilets@pacoon.de | www.pacoon.de 089 / 890 45 75 81

Design or Desaster: Circular Economy und C2C schaffen Wertschöfpung ohne Ende.

4c | Deutschland-Ausgabe 1/2017  

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