a product message image
{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade

Page 9

Grundlagen aufgenommen. Ich war erst im Kindergarten und als ich mit siebeneinhalb in die Schule gekommen bin, war ich schon ganz gut in Deutsch. Das geht schnell und was ich noch nicht kannte, habe ich dann aus dem Kontext, der Mimik und Gestik, verstanden. Das hat meine Sinne geschärft. Wenn man eine Sprache nicht kann, schaut man nach anderen Signalen. Das ist auch zu meinem Wesen geworden. Ich bin eine Beobachterin.

Du hast von Kindesbeinen an auch selbst Kung Fu gelernt? Kampfsport ist alles, das mich ausmacht. In der buddhistischen Gesellschaft stolpert irgendwann jeder mal drüber und entweder macht man es oder nicht. Das ist wie ein Instrument spielen oder Sport machen. Ich habe schon mit zehn als Trainerin Gruppen geleitet, Kinder und auch Erwachsene. Da hab ich sehr früh gelernt, mit Verantwortung umzugehen.

Durch die ehemaligen Vertragsarbeiter der DDR fandet ihr wahrscheinlich auch eine vietnamesische Community in Chemnitz. Mein Vater war ein großer Teil davon. Es gab am Wochenende Essen mit den vietnamesischen Freunden und am nächsten Tag mit den deutschen Freunden, die dazu kamen. Das war eine schöne Mischung. Wir hatten viele gute Erfahrungen mit unseren Kung-Fu-Schülern, die unsere Freunde geworden sind. Es gab auch eine gute Zusammenarbeit zwischen der vietnamesischen Community und der Stadt. Der Bürgermeister kam immer zu unserem Herbstfest Trung Thu, da waren auch viele deutsche Kinder dabei. Das fand ich ein schönes Beispiel für Integration, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Integration heißt für mich nicht, dass man die Kultur der anderen übernimmt, sondern das Miteinander in Frieden verhandelt.

Und bist du noch aktiv? Ich musste das erstmal zurückstellen. Ich glaube, wenn ich in etwas gut sein will, muss ich mich entscheiden. Die Schauspielkarriere aufzubauen braucht jetzt meinen Fokus. Und ich wollte aus den Fußstapfen meines Vaters raus, sonst wird man nicht richtig erwachsen.

War das Miteinander in Chemnitz denn immer so friedlich? Ich war meist die einzige Vietnamesin in der Klasse. Natürlich gab es da Anfeindungen und natürlich wurde ich jede Woche bespuckt und beschimpft. Die Leute sind heute so alt wie wir, vielleicht lesen sie ja gerade dieses Interview. Als Kind entwickelst du Strategien, damit umzugehen. Ich hab immer das Gute im Menschen gesehen und bin zu meinen Freunden gegangen. Die standen dann auch für mich ein. Da fühlt man sich aufgefangen, vielleicht hatte ich da Glück.

Hat dein Vater das bedauert? Ich denke schon, aber er hat auch verstanden, dass es ein nötiger Schritt war. Er hat ja auch mit der Kung-Fu-Schule in Deutschland etwas anderes gewählt, als seine Eltern von ihm erwartet haben. Das hat er aus Herzblut gemacht und das was ich mache, mache ich auch aus Leidenschaft. Ich denke, mittlerweile ist er auch sehr stolz auf mich. Doch mir steht die Tür immer offen, ich habe also einen Plan B. Das Wissen, was ich mir in den letzten 30 Jahren angeeignet habe, bleibt mir. In deiner Rolle als Thao Hoang in Bad Banks sieht man dich allerdings kein Kung Fu kämpfen. Ein bisschen haben wir die Körperlichkeit in den Übergriff in der Studi-WG einfließen lassen, aber das ist eine andere Nuance. Damit bin ich voll zufrieden. Ich fände schlimm, wenn ich engagiert werde und jemand sagt, hey die kann ja Kung Fu, da können wir was einbauen, was dann überhaupt nicht zur Rolle passt oder unnötig ist. Für mich funktioniert die Figur in Bad Banks komplett, sie ist super interessant. Da konnte 9

Profile for 371Stadtmagazin

371 Stadtmagazin März 2020  

Stadtmagazin Chemnitz März 2020, Planer - Chemnitz -Veranstaltungskalender, ausgehen in Chemnitz

371 Stadtmagazin März 2020  

Stadtmagazin Chemnitz März 2020, Planer - Chemnitz -Veranstaltungskalender, ausgehen in Chemnitz

Advertisement